Montag, 9. Mai 2016

"Was ist mit dir los, humanistisches Europa?"

So frug Papst Franziskus anläßlich der Verleihung des Karlspreises an ihn. (Kath net als auch Kath info rapportieren darüber.) Warum spricht der Papst von einem "humanistischen" Europa? Und was läge, wenn dieser Frage eine kritische Intention zu Grunde gelegen hat, näher, als den massenhaften Kindermord Europas, euphemistisch zur Abtreibung verklärt, zu thematisiern? Über dieser Causa verlor der Papst aber kein Wort- vielleicht, weil diese Art von Kindertötung dem Humanismus gar nicht widerspricht? 
Aber was ist denn dies "humanistische" Europa? Warum spricht der Papst nicht vom christlich fundierten Abendland, oder politisch korrekter vom jüdisch-christlichen Fundament Europas? Oswald Spenglers Prognose vom "Untergang des Abendlandes" könnte schon längst in Erfüllung gegangen sein, nur daß es selbst seine aufmerksamen Leser noch nicht bemerkt hätten. Kann man denn nicht urteilen, daß mit der unfreiwilligen Abdankung der letzten drei christlichen Kaiser, der Rußlands, Österreichs und Deutschlands die Konstantinische Epoche ihr Ende fand und damit auch das christliche Abendland? Nach dem Ende des 2.Weltkrieges war Europa ein zweigeteiltes Europa: der Osten Europas wurde dominiert von der Sowjetunion, während der Westen Europas sich unter der Hegemonialmacht der USA neu organisierte. Zum ersten Mal bestimmt eine nichteuropäische Macht das Geschehen in Europa mit, die USA. Die EWG (die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und die Nato gründeten sich als gemeinsame Projekte gegen die Bedrohung aus dem Osten. Das Fundament dieser beiden Gründungen bildet die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die zur sozialen Marktwirtschaft geformt wurde ob der ideologischen Bedrohung durch den östlichen Sozialismus. Die soziale Marktwirtschaft sollte sich dabei der sozialistischen Planwirtschaft als überlegene Ordnung erweisen, insofern sie auch das soziale Anliegen des Sozialismus besser zu verwirklichen wüßte als der Sozialismus selbst. 
Politisch war "Europa" von seiner Geburtsstunde an eine Kampfansage an den Osten, indem ein Teil Europas sich als das ganze Europa ausgab, so als gehörten die "Ostblockstaaten" nicht mehr zu Europa. Dahinter stand von Anfang an der Anspruch, als das wahre Europa die anderen Staaten Osteuropas in das westliche Europa zu integrieren. Europa besaß sowohl eine defensive Komponente als Abwehr gegen die universalistischen Ansprüche des Sowjetkommunismus als auch ene offensive, die Ostblockstaaten wieder in die kapitalistische Weltordnung zu reintegrieren. Seit dem Sieg der Oktoberrevolution war es ja das Anliegen des Westens, Rußland wieder zu rekapitalisieren. So war bis 1989 Europa das politisch-ökonomische Konzept zur Eindämmung des Sozialismus und der Rückgewinnung der Ostblockstaaten für die kapitalistische Weltordnung. (Seit dem Opiumkrieg Englands gegen China wissen wir, daß sich dem freien Welthandel verschließende Staaten, wenn es nicht anders geht, auch mit dem Mittel des Krieges zu "weltoffenen" Staaten gemacht werden.)

Eines ist dabei nicht auf den ersten Blick erkennbar: die Transformation des christlichen Abendlandes in das Konzept des westlichen Europas mit dem totalitären Anspruch, so die neue Ordnung für ganz Europa schon zu sein. Eingedenk Max Webers Studien zur Geburt des Kapitalismus aus dem Geiste des Protestantismus kann und muß wohl die Marktwirtschaftsordnung als eine Frucht des Protestantismus angesehen werden.Aber das ist dann auch nur noch eine dünne Nabelschnur, durch die das moderne Europa an sein Fundament, das christliche Abendland angebunden ist und wovon es sich in der Ägide der Postmoderne nun in Gänze emanzipiert. 
Und der Humanismus? Sagen wir es mit einem Wort: Das ist die bürgerliche Ideologie der Marktwirtschaftsordnung und so gerade auch der Ausdruck der Überwindung der christlich geprägten Kultur. Jede religiöse Kultur ist theozentristisch- der Humanismus macht selbst den Menschen zum Maßstab seiner Götter. 
Was wird nun aus diesem Europa nach der Implosion des real existierenden sozialistischen Lagers? Die gemeinsame Feindschaft gegen den Ostblock schmiedete zusammen, was eigentlich nicht zusammenpaßte, denn zu verschieden sind die ethnischen Kulturen des europäischen Kontinentes! Durch den Wegfall des gemeinsamen Feindes revitalisieren sich nun in Europa die natürlichen Nationalinteressen der Völker wider das Kunstgebilde: Europa; es droht zu zerbrechen wie der jugoslawische Kunststaat, der sich in seine drei Grundstoffe zerlegte: in das katholische Kroatien, das orthodoxe Serbien und das islamische Albanien. 
Eine der Intentionen der EWG, zur EU umgewandelt, war sicher auch, um des besseren Funktionierens des Kapitalismus die Nationalgrenzen so weit wie möglich aufzulösen und damit auch die Nationalvölker, um so einen einheitlichen Freiraum für die Wirtschaft zu gewinnen unter amerikanischer Hegemonie, sozusagen als pax americana. 
Nur, was hat dies europäische Konzept mit den Anliegen des Christentums oder gar der Katholischen Kirche gemein? Wer daraufhin die Rede Papst Franziskus liest, wird eines nicht überlesen können, daß nämlich in dieser Papstrede nichts Christliches vorkommt! Diese Rede legt das Christliche ab wie eine aus der Mode gekommene Bekleidung, um sich dann ganz nackt nur noch humanistisch zu geben. Religion und gerade auch die christliche hat in diesem Europa keine Heimat mehr. Erstaunlich ist nun, daß in den Staaten des ehemaligen Ostblockes, man denke an Polen und Rußland, aber wohl auch an Ungarn die christliche Religion neu an Boden gewinnt und das gerade dort, wo sich die christliche Religion mit der Liebe zum eigenen Volke synthetisiert, wie es mustergültig die Russisch-Orthdoxe Kirche vorlebt. 
Ganz anders sieht es da im einstigen Westeuropa aus, wo die Kirchen sich ganz auf die Seite der antinationalen Kräfte stellen und die Auflösung der Völker sich zur eigenen Sache machen. Hier gehen die Kirchen im kosmopolitischen Humanitarismus, der Ideologie des Kapitalismus einfach unter! 
Nüchtern betrachtet ist die Globalisierung der Wille der angloamerikanischen Kultur zur Weltherrschaft,daß die ganze Welt amerikanisch wird. Und die USA ist das Land des freien Westens, das nicht nur das durchkapitalisierteste der freien Welt ist, sondern auch das, in dem durch den Bürgerkrieg das Katholische zur Religion 2. Klasse herabgestuft wurde. 
Warum engagiert sich nun dieser Papst so vehement für dies (amerikanische) Konzept der Globalisierung in seiner europäischen Fassung, der Auflösung der Völker Europas zugunsten einer multikulturellen und multiethnischen europäischen Einheitswelt als Vorstufe der neuen Einheitsweltordnung inclusive einer Einheitsreligion ?  

Appendix: Es ist interessant, wie etwa eine so eindeutig proeuropäische Zeitung wie die FAZ die Wiedergeburt nationaler Interessen der Völker Europas zu verhindern versucht, indem sie nun in grellsten Tönen das Feindblid Rußlands unter Führung von Putin zu revitalisieren vesucht. Selbst die linke TAZ wollte  da ja schon mal Europa gegen Putin militärisch aufrüsten- zum heiligen Krieg für the american way of life? 

Corollarium 1  
Als Element einer antikommunistischen Ideologie durfte die christliche Religion durchaus noch im postchristlichen Europa eine Rolle spielen, die es aber nach dem Endsieg über den Kommuismus ausgespielt hat.  
                     

Kommentare:

  1. Auch mir ist beim Lesen der Papstrede dieser Aspekt in den Sinn gekommen: Millionen von ungeborenen Kindern wollten auch nach Europa kommen. Und Tag für Tag werden Tausende getötet, die auch diesen Wunsch haben. Über die Pflicht, auch diese Kinder zu „integrieren“ hat der Papst kein Wort verloren. Es scheint, dass hier die Barmherzigkeit an ihr Ende kommt.

    Ein Bild dazu finden Sie hier:

    https://kircheninterna.wordpress.com/2016/05/07/zwei-preistraeger-aber-welch-ein-unterschied/

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  2. Vergeblich sucht man in der Tat in der Rede den Namen, der über alle Namen steht, nämlich Christus.Die Vereinigung aller Menschen in Christus hat nichts mit dieser Globalisierung zu tun, die man für das absolute Gute erklärt und diese nichts mit Christus.
    Der Stellvertreter hat jetzt eine Preis von Leuten, die die eigene Kultur vernichten.Die wussten das auch sofort zu verwerten.
    Ab jetzt sind Christen, die da nicht mitspielen, vogelfrei.

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