Sonntag, 8. Januar 2017

Der Teufel und die Vernunft + Zusatz

In dem Essay: "Der Teufel:Seine Existenz,seine Macht und seine Abwehr durch die Kirche-Ein Beitrag zum Exorzismus von H.-L-Bath (Una Voce 4/2016)S.504-560)lautet die erste Zwischenüberschrift:"Die Existenz des Teufels zu leugnen ist wider die durch den Glauben erleuchtete Vernunft" (S.504). Auf S.505 heißt es gar, daß die Gehalte der christlichen Religion, und somit auch die kirchlichen Aussagen über den Teufel der Vernunft nicht widersprechen. 
So wahr das auch ist, in diesem muß dem Autoren recht gegeben werden, so traurig ist es, daß nun in diesem vortrefflichen Essay kein Erweis erbracht wird, daß dem so sei. Es wird nur proklamiert, daß die Aussagen über den Teufel, die Satanologie also vernunfkompatibel ist. 
Ist die Kompatibilität erweisbar? Setzen wir die Gotteserkenntnis, soweit sie der natürlichen Vernunft zugänglich ist, voraus. Dann kann es nur EINEN Gott geben. Gehen wir davon aus, daß die natürliche Vernunft die Gottesvorstellung des Polytheismus ausscheidet. Kann nun Gott, das Gute das Gute sein, wenn das Gute nicht die Negation des Nichtguten ist? Alles ist nur etwas Bestimmtes durch sein Negieren: Eine Frau ist nur als Negation des Mannes eine Frau, wäre das Menschsein identisch mit dem Frausein, gäbe es kein Frausein. Daß Gott ist, ist nur wahr als Negation des Nichtgottseins. Slavoj Zizek Ausdeutung der Unterscheidung von: "Es gibt das Eine" und "Das Eine ist" (vgl: Ziek, Weniger als Nichts.Hegel und der Schatten des dialektischen Materialismus" 2016, S.79-89) könnte uns hier auf die Spur bringen: "Es gibt Gott" meint: "Es gibt das Eine,aber ein vollkommen unsagbares/Unvorsehbares Eins ohne Sein, ein Eines, das weder wahr noch falsch ist." (S.80). Das ist der Gott der rein negativen Theologie, die Ernst damit macht, daß jede Bestimmung Gottes eine Negation und damit Verendlichung Gottes ist: Ist er als gut zu denken, so ist er nicht nichtgut, ist er als seiend zu denken, ist er nicht als nichtseiend zu denken. 
Daß aus Gott ein bestimmter Gott wird, daß er ist, wahr und gut ist, setzt die Negation des Nichtseins, des Nichtguten. Gut ist nur, sofern es das Nichtgute gibt. Nun kann aber das Nichtgute nicht gleichursprünglich mit Gott sein, weil es nur ihn gibt. Damit aus dem rein Unbestimmten Gott als das Wahre und Gute wird, muß Gott als reine Selbstbestimmung gedacht werden, der sich zum Gutsein bestimmt. Das setzt aber auch die Negation des Gutseins: Gott schuf zumindest ein zweites Wesen, das wie Gott die Potenz zur Selbstbestimmung innehatte, damit es sich zum Nichtguten bestimmt. Nun ist Gott  der sich bestimmt habende Gott als die Negation des Nichtguten, wozu sich sein erstes Geschöpf bestimmt hat, das als von Gott Geschaffenes gut war von der Anlage her, das aber ob seiner Freiheit sich zum Nichtgutsein bestimmte. 
Damit das Gute ist, muß es die Negation der Realität des Nichtguten sein. Adam konnte sich vor Gott nur als guter Mensch erweisen, indem er der Versuchung zum Nichtguten widerstanden hätte. Damit diese Versuchung eine mögliche sein kann, setzt das das Negative voraus, das zum Nichtguten verführt. Das Negative ist also nicht selbstzwecklich, sondern ist um des Guten willen. 
Der Satan als die Negation des Guten, die nur sein kann als Nichtgutes, wenn sich das Nichtgute zum Nichtgutsein selbst bestimmt hat, ist so die Voraussetzung für das Gute. Sonst gäbe es nur ein ununterscheidbares Einerlei, in dem Gut und Böse, Wahr und Unwahr in eins sind, weil sie noch nicht voneinander abgesondert existieren. Es wäre das das parmenidische : "Es gibt Gott", des Einen als reine Unbestimmtheit. 
Gott setzt, damit es das Gute gibt, ein Subjekt, das sich zum Nichtguten bestimmen kann, den Satan, damit das Gute als die Negation der selbstbestimmten Negation des Guten existieren kann. Wäre das Nichtgute schon als Nichtgutes durch den Einen gesetzt gedacht, wäre es nicht als das Nichtgute gedacht, denn das ist es nur, wenn das Nichtgutsein als freie Bestimmung zum Nichtguten gedacht wird. Sonst wäre der Satan nur ein von dem Einen schlecht Erschaffendes aber nicht selbst ein moralisch Nichtgutes.
Dieser erste Versuch ist sicher noch sehr fragmentarisch, aber Kritikern bitte ich dann, es besser zu machen!   

Zusatz 1: Die einfache Aussage, so lehrt das die Kirche, so steht das geschrieben, reicht eben nicht aus in den Zeiten, in denen weder die Autorität der hl. Schrift noch die der Kirche geglaubt wird. Lactantius, der große Apologet der Alten Kirche erwiderte den philosophischen Einwand, die christliche Religion könne nicht die wahre sein, weil die Bibel, der Grundtext dieser Religion Aussagen über Gott enthielte, die auf keinen Falle wahr sein könnten, wie etwa die, daß Gott zürne, auch nicht einfach mit der Parole, man müsse eben der Autorität der hl.Schrift Glauben schenken, sondern er ergründete, daß Gott, wenn er nur rein vernünftig gedacht wird, als auch zürnen könnender Gott zu denken sei! Daß die Bibel Gott nun so vorstelle, zeige so die Vernunftgemäßheit der Gottesvorstellung der Bibel! Lactantius: Über den Zorn Gottes     

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