Freitag, 17. Februar 2017

Moralischer Rigorismus Kriische Anmerkung zu "Dubia" (Teil 1)

Unter "moralischem Rigorismus" sei verstanden die Haltung, Hauptsache moralisch richtig handeln, auch wenn die Welt daran zugrunde geht. Das ist ein Moralverständnis, daß eine Handlung als in sich gut oder schlecht beurteilt unter Absehung der Folgen der Tat oder Unterlassung. Das Handlungssubjekt ist dann eben nur für sein Eigentuen verantwortlich, aber nicht für die Folgen.
Lehrte ein Moraltheologe, daß es für einen Mann geziehmend ist als Kavalier einer Frau Feuer zu geben, damit sie eine Zigarette rauchen kann und daß diese gute Tat auch nicht dadurch eine schlechte würde, daß man sich in einer Fabrik zur Herstellung von Feuerwerkszeug befindet, sodaß die ganze Fabrik explodiert ob des Feuers, dann erklärte man das für verrückt.
Aber moralische Rigoristen sehen das anders:
"Nach >Veritatis splendor< ist im Falle in sich schlechter Handlungen keine Unterscheidung der Umstände oder der Intentionen notwendig. Das gilt auch dann, wenn ein Geheimagent aus der Frau des Terroristen, falls er mit ihr einen Ehebruch begehen würde, wertvolle Informationen herausholen könnte, um so das Vaterland zu retten. (Das klingt wie ein Beispiel aus einem James-Bond-Film, ist aber schon vom heiligen Thomas von Aquin in "De Malo,q.15,a.1 erörtert worden.) Johannes Paul II.vertritt die Auffassung, dass die Absicht (hier >Vaterland retten< )die Spezies der Handlung (>Ehebruch<) nicht verändere und dass es genüge, die Spezies der Handlung (>Eheruch<) zu kennen, um zu wissen, dass man sie nicht tun darf." (Die Dubia: Klarheit schaffen.Ungelöste Knoten von Amoris laetati -Ein Appell, zitiert nach: Theologisches, Januar/Februar 2017 Sp.58.) 
Dies ist nun geradezu ein Musterfall an moralischen Rigorismus. Man ist verpflichtet- nach dieser Morallehre- eine unerlaubte Handlung, hier einen Ehebruch, nicht zu vollziehen, auch wenn dadurch ein großer Schaden für das Allgemeinwohl des eigenen Volkes entsteht.
Dieser Moralrigorismus ist eben nicht bereit, den Unwert einer negativen Tat mit der Größe des moralischen Schadens zu verrechnen, wenn die unerlaubte Tat nicht vollzogen würde. Denn durch das Unterlassen einer Tat dem eigenen Volk Schaden zu verfügen, ist ja auch eine unmoralische Handlungsweise. Gebe ich einem Hungernden kein Brot, sodaß er verhungert, obgleich ich genügend Brot habe, ist selbstredend dies Unterlassen auch eine Sünde. So sündigt der moralische Rigorist wider das Allgemeinwohl seines Volkes durch sein Unterlassen des Ehebruches. 
Wenn die Kinder von Adam und Eva solche moralischen Rigoristen gewesen wären, hätten sie geurteilt, daß der Inzest auf jeden Fall eine schlechte Handlung in sich ist und deshalb von ihnen nicht vollzogen werden darf, auch wenn das zur Folge hat, daß die Menschheit mit dem Tode von den Kindern Adams und Evas ausstirbt, da für eine mögliche Ehe nur leibliche Geschwister zur Verfügung standen. Das Rigoristische ist, daß so nicht die Moral zum Wohle des Menschen ist, sondern daß der Mensch um der Moral willen existiert und im Konfliktfalle zwischen Leben und Moral die Moral so wichtiger ist als das menschliche Leben.
Wie weit entfernt von so einem lebensfeindlichen Rigorismus ist doch die hl. Schrift! Man lese nach im Buch Judit, wie die hl. Judit, um ihr Volk zu retten, den feindlichen Holofernes heimtückisch tötete, indem sie ihm ein Rendevouz gewährte, und als er tunken des Weines war, mit dem Schwert erschlug. (Judit 12,10-13,17). Es war ein heimtückischer Mord, aber sie wird als Heilige geehrt, gerade weil sie so ihr Volk rettete! 
Es ist ein Unglück, wenn sich die Morallehre soweit von der hl. Shrift entfernt, daß sie als Sünde verurteilt, was die hl. Schrift als Gott wohlgetan beurteilt! (Nähres zu Judits Tat in meinem Buch: Der zensierte Gott)       

Kommentare:

  1. Ein unglückliches Beispiel: Man ist verpflichtet- nach dieser Morallehre- eine unerlaubte Handlung, hier einen Ehebruch, nicht zu vollziehen, auch wenn dadurch ein großer Schaden für das Allgemeinwohl des eigenen Volkes entsteht.
    Wieso entsteht durch den von Papst Franziskus und den deutschen Bischöfen erlaubten Ehebruch ein Schaden für das Volk?
    Leider kann ich Sie - trotz vieler sehr guter Beiträge - nach diesem Beitrag nicht mehr auf meiner Blogliste führen.

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  2. Ihrem Artikel liegt leider ein völlig irriges Verständnis des "Rigorismus" zugrunde: Das, was hier als Rigorismus abgelehnt wird, ist schlichthin der Gehorsam gegen die Gebote Gottes, dem sich der Gott-liebende Gläubige verpflichtet weiß (vgl. Johannes 14,15-24).
    Der kath. Katechismus sagt deutlich:
    KKK 1753: "Eine gute Absicht (z. B. die, dem Nächsten zu helfen) macht ein an sich falsches Verhalten (wie Lüge oder Verleumdung) nicht zu etwas Gutem oder Richtigem. Der Zweck rechtfertigt die Mittel nicht. Darum kann man etwa die Verurteilung eines Unschuldigen nicht als ein legitimes Mittel zur Rettung des Volkes rechtfertigen."

    Auch ein Ehebruch kann niemals durch eine angeblich "gute Tat" gerechtfertigt werden - so wenig wie z. B. das Erschießen eines Menschen, damit 10 andere freigelassen würden...

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