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Sonntag, 11. Oktober 2026

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“

 

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“1


Ein tschechischer Bischof stellt tatsächlich fest, daß die tridentinische Sichtweise der Kirche den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. So heißt es in dem Kath net Artikel:

„Der Novus Ordo ermöglicht es, die Synodalität im Bereich der Liturgie umzusetzen“, schreibt Holub wörtlich. Den Alte Ritus lehnt er daher ab. Wörtlich schreibt er: „Andernfalls wäre dies sehr schwierig, da der Vetus Ordo Ausdruck einer tridentinischen und modernen Sichtweise der Kirche ist, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.“

„und modernen Sichtweise“ - hier muß ein Verschreibungsfehler vorliegen, denn die tridentinische Messe wird ja gerade als eine vormoderne, nicht moderne verurteilt. Die „heutigen Bedürfnisse“ paßten aber gerade zu einer modernen Sicht der Kirche.

Also, die Lehre von der Kirche müsse also den Bedürfnissen der Menschen genügen. Nicht hat also der Herr der Kirche sie gestiftet und ihr einen Auftrag und eine dazu passende Ordnung gegeben, sondern die Kirche müsse sich stets an den Bedürfnissen ihrer potentiellen Kunden orientieren. Da die nun einem Wandel unterworfen seien, habe sich die Kirche stets auf das Neue auf diese sich wandelnden Bedürfnisse zu kalibrieren.2

Ein Gottesdienst ist eine Dienst-Veranstaltung, in der in erster Linie Gott kultisch verehrt wird. Was hielte man von einer Dienstordnung, die nun in erster Linie den Bedürfnissen der Dienenden gemäß ausgerichtet wäre und nicht gemäß dem Willen dessen, dem hier gedient werden soll. Was hielte man von einem Butler, der seinem Dienstherren gegenüber erklärte: Das Wichtigste seines Dienstes sei es, daß der Dienst ihm, dem Diener zusage?

Nun soll also das Kirchenverständnis, das sich in der Tridentinischen Messe manifestiere nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen und darum produzierte das 2.Vaticanum ein neues modernes Kirchenverständnis, das sich nun auch in der neuen Liturgie manifestiere. Das synodalistische Kirchenverständnis widerstreite somit dem vorkonziliaren und deswegen dürfe auch die Tridentinische Messe nicht mehr in der modernen Kirche zelebriert werden.

Die Kirche hat sich also im 2.Vaticanum neu erfunden, da ihr bisheriges Selbstverständnis nicht mehr den Bedürfnissen des modernen Menschen entspräche. Deswegen mußte sie auch eine neue Liturgie sich erschaffen, die ganz auf die Bedürfnisse des modernen Menschen zugeschnitten sei.

Wenn dem so wäre, warum sind dann nun die Kirchen fast leer, obschon doch die Reformliturgie ganz auf den modernen Menschen zugeschnitten ist und warum waren sie fast noch voll, als die nichtmoderne Messe zelebriert worden ist?

Was macht denn nun überhaupt das synodalistische Kirchenverständnis aus? Darauf gibt der Kath net Text eine klare Antwort: Die Kirche habe sich in ihrem Tuen ganz auf die Bedürfnisse= die Konsumentenwünsche ihrer potentiellen Kunden auszurichten!

Der „Klerikalismus“ steht für die Vorstellung eines objektiv vorgegebenen Auftrages der Kirche und einer ihr dazu vorgegebenen Ordnung, den es nun zu überwinden gälte: Ganz demokratisch marktwirtschaftlich ausgerichtet soll die Kirche ihr Leben gestalten: „Wie hätten Sie es denn gerne?“Nur, irgendwie klappt diese Konsumentenorientierung nicht, zumal noch so viele Ewiggestrige die „Alte Messe“ lieber ist als die moderne, gerade unter jüngeren Priestern und Gläubigen ist sie beliebt!

Sollte aber Jan Loffeld die Lage richtig beurteilen, siehe die Fußnote hier, dann existiert fast keine Konsumentennachfrage an religiösen Angeboten. 

Corollarium

Dieser Bischof zeigt damit aber auch sein völliges Unverständnis über das Wesen der Religion auf, als wäre eine Religion ein rein menschliches Unternehmen,die dann ganz nach unseren Bedürfnissen zu gestalten sei. Und was soll die Kirche unternehmen, wenn es kein Bedürfnis nach einer Gottesverehrung gibt oder kaum noch gibt?



1 Kath net 7.10.2026: Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität.

2Der Theologiemarketingforscher Jan Loffeld konstatiert in seinem Buch: „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“, 2024: „Mittlerweise lässt sich allerdings bei Vielen empirisch nicht nur kein Gottes- Transzendenz- oder Spiritualitätsbedürfnis feststellen,; es ist auch zunehmend fraglich,ob auch jeder Mensch in seinem Leben nach umfassendem Sinn sucht.“ S.66. Wenn es schon keine direkten religiösen Bedürfnisse mehr gäbe, könnte ja wenigstens die nichtreligiöse Sinnfrage religiös beantwortet werden- aber auch diese Markettingstrategie funktioniere nicht.

Montag, 13. Oktober 2025

„Doch diese Gotteshäuser sind mehr als Beton und Glas“ :Manifestationen einer anthropozentristischen Kirche

 

„Doch diese Gotteshäuser sind mehr als Beton und Glas“1 :Manifestationen einer anthropozentristischen Kirche


Einst,und das waren die dunklen Zeiten der sogenannten Vorkonziliaren Kirche, wußte auch die Kirchenarchietektur, daß jede Kirche wie einst der von König Samuel gebaute und geweihte Tempel zu Jerusalem ein Ort des Wohnens Gottes unter uns Menschen ist, der wegen dieser Anwesenheit ein heiliger Ort ist, geschieden von seiner profanen Umwelt.Nicht indem sich da eine Gemeinde versammelt,um einen Gottesdienst zu feiern,konstituierte sich dieser Versammlungsraum als ein heiliger, sondern weil er ein geheiligter Raum ist ob der dortigen Gegenwart Gottes,versammelt sich da die Gemeinde zum Gottesdienst,ja sind die Türe der Kirche offen,damit Gläubige dort die Nähe zu Gott suchen können.

Bei seiner ersten Ankunft legten seine hl.Eltern das göttliche Kind in eine Krippe,nachdem Maria der neue Tempel Gottes geworden war. Der Ehrgeiz der gläubigen Architektur war es nun,Jesu Christi neuen Wohnort, dem des Tabernakels in der Kirche und dann auch den ganzen Kircheninnenraum so zu gestalten, wie es der Königswürde des Sohnes Gottes entspricht,nicht sollte er noch einmal, seinen Leidensweg beginnend in eine Stallkrippe gelegt werden.Dieser Aufgabe stellte sich die Architektur und fand in den Barockkirchen die vollendeste Antwort auf die Frage, wie das architektonisch zu leisten sei.

Aber was sollte die Architektur tuen, nachdem die Antwort gefunden worden war und die Architekten weiterbauen wollten und dabei sich nicht darauf limitieren wollten, immer nur noch das Vollendete zu kopieren? Die völlige Abkehr von dieser vollendeten Kirchenarchitektur erbrachte die Nachkriegszeit, als ob der Kriegsschäden viele Kirchen neu zu erbauen waren. Der neue moderne Kirchenbaustil war charakterisiert durch die Vorliebe für Beton und Glas, wie dieser Kath de Artikel es rechtens betont.

So liest sich das dann: „Nach dem Krieg setzte sich dieser moderne Ansatz fort und wurde durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils nochmals bestärkt. Gotteshäuser sollten danach nicht mehr in erster Linie die hierarchische Gliederung abbilden, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen sichtbar machen. Der Altar rückte in die Mitte der Kirche, und die Gläubigen konnten sich durch die Anordnung der Kirchenbänke um den Altar herum plötzlich in die Augen schauen, statt wie in einem Bus nur hintereinander zu sitzen. Viele Gläubige empfanden das als Fortschritt und Stärkung des Gemeinschaftserlebnisses.“

Die anthropozentristische Perspektive dominiert hier: Daß die „hierarische Gliederung“ die Vermittelungsordnung zwischen Gott und der Gottesdienstgemeinde bzw dem Gläubigen ist,Gott vermittelt sich durch den priesterlichen Dienst,wird völlig mißachtet und nur noch als eine Struktur verkannt, die die Gemeinde subordiniere.Jetzt soll der Kircheninnenraum in seiner Strukturiertheit die „Gemeinschaft der Gläubigen“ manifestieren.Das neue Ideal ist nun das miteinander im Kreise um den Altar Sitzen,sodaß jeder jeden ins Angesicht sehen kann.Die ursprüngliche Ausrichtung auf das Tabernakel im Hochaltar einer Barockkirche wird nun ersetzt durch das Einanderanschauen. Man säße nicht mehr wie in einem Bus hintereinander, sodaß nur der Hinterkopf des davor Sitzenden ansehbar sei, sondern sein Gesicht!

„Viele Gläubige empfanden das als Fortschritt und Stärkung des Gemeinschaftserlebnisses.“ Das ist nun das neue Ziel der Gottesdienst-ordnung der Liturgiereform, daß der Gottesdienst dem Erleben der zwichenmenschlichen Gemeinschaft zu dienen habe. Daß es im Gottesdienst, wenn es sich da um ein Vergemeinschaftungserlebnis handeln sollte um eines mit Gott,mit Jesus Christus ginge, wird dabei völlig ausgeblendet.

Ungeklärt bleibt dabei aber nun, warum diese zwischenmenschliche Gemeinschaftserlbnisse ermöglichende und sie befördernde Architektur nun Kircheninnenräume kreierte,die so ungastlich gestaltet sind, daß die Besucher sie schnellst möglich wieder verlassen wollen? Es existieren zwei Konzepte der Innenraumgestaltung von Restaurationen: Das eine setzt darauf, daß die Gäste dazu „verführt“ werden,lange in dem Speiselokal zu verweilen und so viel verzehren,das andere,daß die Gäste schnell wieder das Speiselokal verlassen, sodaß pro Tag viele Gäste in dem Lokal speisen und trinken und so der Gewinn durch die vielen Gäste erwirtschaftet wird, die zwar dann pro Kopf weniger als in dem ersten Konzept verzehren,aber der Erfolg durch die Menge der Gäste erwirtschaftet werden soll.

Nähme man diese zwei Innenraumgestaltungskonzepte zum Maßstab der modernen Kircheninnenraumgestaltung,dann ähnelt die moderne Kirchenarchitektur der des Konzeptes des Schnellimbißlokales! Diese Betonglaskirchen treiben die Gläubigen geradezu aus der Kirche hinaus mit ihrer kalten Betonathmosphäre. Eine neue Bilderfeindlichkeit verstärkt diesen Austreibeeffekt noch: In den modernen Kirchen existiert nichts das Auge noch Erfreuendes und Schönes.Es scheint so, als sollten die Besucher durch nichts davon abgelenkt werden, nur noch auf ihre Mitmenschen zu schauen, da hier der Mensch eben in das Aufmerksamkeitszentrum gestellt werden soll. Der Mitmensch ersetzt so das Tabernakel und auch die Bilder und Skulpturen, weil nur er das Zentrum bilden soll.

In der Architektur wird nun vehementer als in den anderen Bereichen der Tod der Moderne und das postmoderne Zeitalter verkündet,was auf jeden Fall für die Architektur ein Glück ist. Ob aber die zeitgenössische Kirchenarchitektur dieses Signal hört oder doch an der antiästhetischen Architektur der Moderne festhalten will,ist eine noch offene Frage.

Zusatz:

Sicher gehört dieses BuchSyberberg Hans Jürgen, "Vom Glück und Unglück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege" –zum Besten, was über die Nachkriegskunst in Deutschland je geschrieben worden ist. 

 

 






1 Kath de, 13.10.2025:“Schatz moderer Gotteshäuser müsse erst noch entdeckt werden.Theologe: Verlust von Nachkriegskirchen wäre auch liturgisches Problem.“

Dienstag, 15. März 2022

Veräußerlichter Glaube: Frömmigkeit und Kult? Ein Klassiker der antikatholischen Polemik



Blätterte jemand in den Archiven antikatholischer Polemik, er stieße auch auf die Rubrik der Veräußerlichung. Auf die innere Gesinnung käme es,protestantisch formuliert, auf den Glauben, reformatorisch formuliert, allein an. Das Feindbild ist auch klar: eine Barockkirche, ein priesterlich gekleidete Priester von dem Hochaltar, Litaneien betend mit dem Volk, im schlimmsten Falle gar noch in Latein. Das sei doch alles nur Äußerlich, darin manifestiere sich doch nur die kirchliche Prunksucht;zudem hätte die Kirche das für solch einen Kirchenbau verbrauchte Geld lieber den Armen schenken sollen, um dann in schlichten Versammlungsräumen Gottesdienst zu feiern. All dies Äußerliche verdecke doch nur den innerlich schon längst abgestorbenen Glauben, dem in seiner reinen Innerlichkeit jedes Äußere doch nur eine Simulation etwas innerlich nicht Vorhandenem sei. Man könnte gar dann auf eine wüste Polemik wider die Frauen stoßen, die innerlich schon gestorben sich äußerlich prunkhaft aufschmückten wie ein Verstorbener in seinem Sarg.



Eine ganz andere Szene: Ein Mann macht einer Frau einen Heiratsantrag. In der Hand hält er ein Bündel Gänseblümchen, aus dem Nachbargarten herausgerupft, verziert mit ein paar Grashalmen, die er kurz vorher noch an seiner Sporthose trocken gerieben hat. „Ich liebe Dich! Willst Du meine Frau werden?“ Welche Frau würde diesem Mann glauben, daß er es ernst meint, daß er sie wirklich liebt und heiraten will? Keine, denn das Äußerliche dementiert zu eindeutig das mit dem Mund Ausgesagte. Niemand glaubt einem Weinenden, daß es ihm gut gehe. Eine Innerlichkeit, die sich nicht im Äußeren widerspiegelt, ist keine Innerlichkeit. Für die religiöse Praxis gilt nun darüber hinaus, daß durch die äußerlichen Gestaltungen die innere Frömmigkeit erweckt und geformt wird.

Ein Vergleich möge diesen Gedanken verständlicher machen. Wir Menschen denken nicht primär vor- oder unsprachlich, um dann sekundär das so Gedachte in einer Sprache auszudrücken, sondern nur in einer Sprache können wir denken. Unser inneres Denken setzt so die Aneignung einer äußerlich vorhandenen Sprache voraus, wobei dann auch die Grenzen der äußeren Sprache die Grenzen unseres uns eigenen Denkens bilden. So resultiert das menschliche Freiheitsbewußtsein aus dem Vorhandensein des Konjunktives in der äußerlich vorgegebenen Sprache: Ich tat a, hätte aber auch -a tuen können.

Das Äußerliche ist so nicht einfach etwas dem innerlichen Glauben bloß äußerlich Anhängendes, wie etwa ein Weihnachtsgeschenk auch in ein Weihnachtspapier eingewickelt werden kann. Die Vorstellung des Ausdruckes müßte hier liturgiewissenschaftlich fundiert problematisiert werden. Niemand käme doch auf die Idee, eine aufgeführtes Theaterstück als eine Veräußerlichung oder als einen Ausdruck des Textes des Theaterstückes zu bezeichnen. Der Text etwa von Goethes „Faust“ wäre dann das Eigentliche, das dann auf der Theaterbühne nur veräußerlicht würde. Die religiöse Praxis in ihren scheinbar rein äußerlichen Formen wäre so nicht einfach der Ausdruck einer religiösen Innerlichkeit. Oder wollte jemand ernsthaft behaupten, daß in einem erbauten Haus sich das innerliche Anliegen eines Architekten ausdrücke?

Zu einem Heiratsantrag, wenn er wirklich ernst gemeint ist, gehört eben, daß der Mann in nicht in einer Sporthose und nicht mit Gänseblümchen in der Hand ihn stellt. So verlangt eben auch die Gottesverehrung eine diesem Anliegen gemäße Gestaltung, die nicht einfach als bloß etwas Äußerliches abzuqualifizieren ist. Oder welche Ehefrau begönne nicht an der Liebe ihres Mannes zu zweifeln, wenn es gefühlte Ewigkeiten her ist, seit sie zum letzten male von ihm geküßt wurde. Der Kuß ist eben nicht einfach nur ein äußerer Ausdruck des innerlichen Gefühles der Liebe.

Der gottesdienstliche Kult ist so die Praxis der Gottesverehrung und die fandet und findet nun ein mal in einer Barockkirche , in der die „Tridentinische Liturgie“ vollzogen wird, die der Gottesverehrung gemäße Gestaltung. Diese Gestalt der Gottesverehrung könnte so wohl als die Realisierung der Idee der Gottesverehrung begriffen werden, aber nicht als der Ausdruck einer eigentlich rein innerlichen religiösen Gesinnung oder Gestimmtheit.Deshalb produzierte die Liturgiereform nicht einfach einen neuen Ausdruck des christlichen Glaubens sondern sie veränderte die religiöse Praxis, weg von einer theozentrischen hin zu einer anthropozentrisch ausgerichteten. 

 

Samstag, 27. November 2021

Anthropozentrismus in der nachkonziliaren Kirche?

Anthropozentrismus in der nachkonziliaren Kirche?


„Wenn das Konzil alle Religionen gleichstellt,wertet es sie alle ab.Aufgewertet aber wird der Mensch,der jetzt frei unter ihnen wählen darf.Jetzt heißt es wieder:>Jeder soll nach seiner Fasson selig werden<.“W.J.Mertensacker, Die Treue. Deutschlands Wesen und Ehre.Ein Plädoyer für Deutschland, S.100.

Wenn alle Religionen gleich wahr sind, dann sind sie auch gleichgültig. Der Wille zur Vergleichgültigung aller Religion motiviert sich durch die Vorstellung, daß konkurrierender Wahrheitsansprüche konfliktträchtig sind, wenn eine behauptet, wahrer zu sein als die andere. Also resultiert diese Gleichstellung der Religionen nicht etwa einer vertieften Erkenntnisse der Religionen sondern stellt einen Antwortversuch dar auf die Frage, wie das Verhältnis der Religionen zueinander zu denken sei, damit sie möglichst konfliktfrei miteinander leben können. Um eines innerweltlichen Friedens willen sollen so alle Religionen vergleichgültigt werden. Eine Alternative dazu präsentiert ja John Lennon in seinem Lied: „Imagine“, das um des Friedens willen die Abschaffung aller Religionen ersehnt.

Mertensacker schreibt auf S.99: „Kardinal Bea traf sich in New York mit B`nai B´rith“ im Vorfeld des 2. Vaticanums, um hier anzudeuten, daß diese Freimaurerloge wohl einen maßgeblichen Einfluß auf das Konzil und seine Aussagen über die Religionen ausgeübt habe.Sachlich stimmt zumindest, daß die Vergleichgültigung aller Religionen als ein Zentralanliegen der Freimaurerei anzusehen ist, soweit von einer im Geheimen wirkenden Organisation eine zutreffende Erkenntnis möglich ist.

„Die neue Lehre von der Heilswirkung aller Religionen“ (S.99) verführt nun aber auch zu einem Synkretismus in den Religionen. Wie ein Konsument in einem Supermarkt kreierten nun Gläubige ihre eigene Spiritualität als einen Mix aus Elementen der verschiedenen Religionen. „Ein bißchen christliche Nächstenliebe,ein bißchen buddhistische Meditation, ein bißchen Yoga, ein bißchen schamanische Magie usw. Sie alle wollen Christen sein,aber jeder auf seine Art, nicht mehr nach Art der alten Kirche.“ (S.99)

Das ist eine Kurzskisse des Menschen, wie ihn die Marktwirtschaftsideologie als Konsumenten sieht.Es ist die eine Seite des homo oeconomicus in der Rolle des Konsumenten. Ganz frei könne der auf dem freien Markt das ihm Gefällige sich aneignen. So kann und darf er sich nun auch auf dem Angebotsmarkt der Religionen verhalten. Denken wir uns einen Konsumenten in einem Verbrauchermarkt. Aus einem großen Angebot an Waren kann er das ihm Gefällige kaufen, das ist seine Freiheit, die nur limitiert wird durch seine Kaufkraft. Aber dieser Freiheit korreliert eine eigentümliche Gleichgültigkeit seiner Kaufentscheidungen. Aus Sicht der Geschäftsführung ist es nämlich gleichgültig, was ein Kunde kauft, denn es kommt nur darauf an, daß am Jahresabschluß so viel verkauft worden ist, daß der Supermarkt „Schwarze Zahlen“ schreibt. Der Kunde gilt zwar als König und doch sind seine Kaufentscheidungen gleichgültig, sofern nur am Ende genug verkauft wird.

So gerät die These, daß der Mensch nun aber aufgewertet wird, wenn die Religionen vergleichgültigt werden, in ein fragliches Licht. Wo frei entschieden werden darf und gleichzeitig die Entscheidung als gleichgültig gewertet wird, wird der Mensch in seiner Funktion als Konsument nicht aufgewertet. Nur in der Ideologie der Marktwirtschaft wird der Mensch zum „König-Kunde“ aufgewertet, um ihn faktisch als Funktionselement der Ökonomie zu konstituieren. So ist die Konsequenz der Vergleichgültigung der Religionen auch die Entwertung der Kaufentscheidunen der Konsumenten auf dem freien Religionsmarkt.

So kann geurteilt werden, daß gerade diese zweifache Vergleichgültigung, die der Religionen und die des freien Wählers auf dem Markt der Religionen die Religion und die persönliche Spiritualität als Produkt eines freien Erwählens die christliche Religion devitalisiert: In Fragen der Religion sei doch alles letztlich gleichgülig!So könnte die Kritik eines Anthropozentrismus in der nachkonziliaren Kirche ein Fehlurteil sein, denn nicht der Mensch steht dann im Mittelpunkt der Kirche, sondern daß die Kirche sich neu gestaltet, indem sie sich dem Ordnungsprinzip des freien Marktes unterordnet mit der dazugehörigen Ideologie des Kunden als Königs.

 

Montag, 5. Juli 2021

Kurz und bündig: Der Priester ist zum Dienen, nicht zum (Be)Herrschen da!

(zum Anthropozentrismus in der nachkonziliaren Kirche)

Sehr oft seit dem Bekanntwerden der Mißbräuchsfälle in der Katholischen Kirche wird diese Parole angestimmt. Der klerikal sich gebende Priester wird so zu der Negativfolie, der das Bild des guten Pfarrers als ein den Menschen Zugewandter und für sie Daseiender gegenübergestellt wird. Das klingt gut, aber es frägt sich doch, wem denn das Priesteramt dient. Die Antwort fällt eindeutig aus und provoziert so fast unerträglich: Ein Priester dient dem dreifaltigen Gott, indem er ihm zur Ehre die hl. Messe zelebriert und Gott das Meßopfer darbringt. Erst in zweiter Linie dient das Priesteramt der Gemeinde und den Einzelnen.

In der christlichen Theologie erwirkt aber die traditionelle Vollkommenheitslehre Gottes ein beachtliches Problem: Wie kann denn überhaupt einem so vollkommenen Gott, der sich selbst vollkommen genügt, noch gedient werden? Es liegt nahe, daß so spätestens im Geiste der Aufklärung das kirchliche Wirken und somit auch das des Priesteramtes rein auf den Menschen bezogen gedacht wird. Die Kirche teilt das von Jesus Christus am Kreuze gewirkte Heil durch die Predigt und die 2 Sakramente der Taufe und des Abendmahles aus, lehrte schon Luther ganz anthropozentristisch. Konsequenterweise schuf er dann ja auch das Priestertum ab, um es durch das Amt des Gemeindebelehrers zu ersetzen. Für Luthers Kampfgefährten Melanchthon bestand so die Kirche aus 2 Ständen: dem Lehrstand und den Zubelehrenden.

Dieser Anthropozentrismus setzte sich so zuerst in der Reformation durch und wurde durch den Geist der Aufklärung noch verstärkt. Der große Aufklärer Kant schrieb es nicht nur den Protestanten in ihr Lehrbuch: Ein vernünftiger Gottesdienst könne allein nur im Streben nach Sittlichkeit bestehen. Der Pfarrer habe mit seinen Gottesdiensten dem zu dienen und nicht Gott; das verurteilt Kant als „Afterdienst“ in seiner Schrift über die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft.

Nachkonziliar hat sich wohl weitestgehend die Katholische Kirche dieser Vorstellung des alleinigen Menschendienstes unterworfen. Deshalb gilt ja in der nachkonziliaren Kirche der Begriff des „Meßopfers“ als Unwort, ja man spricht kirchlich korrekt nur noch von „Mahlfeiern“. Dem korreliert, daß selbst wenn das Allerheiligste ausgesetzt ist, der Pfarrer mit dem Rücken zur Monstranz zur Gemeinde hin die Gebete spricht - die Gemeinde und nicht der dreifaltige Gott fungiert so als der Adressat des Betens.

Das Priesteramt diene also gar nicht Gott sondern sei ein reines Dienstamt, das sich an den Menschen orientiere.

Aber wie wird nun den Menschen gedient? Einst bestieg der Pfarrer die Predigtkanzel, um dann von „Oben“ her dem Kirchenvolke die Wahrheit zu verkünden. Ein Brückenbauer war er, indem er durch seinen Dienst von Gott her kommend die Wahrheit der Hörergemeinde nach unten hin vermittelte.

Nachkonziliar blieben die Predigtkanzeln leer, der Prediger fast in Augenhöhe mit der Gemeinde stehend legt nun das Evangelium für sie aus. Belehrt er sie noch, verkündet er noch die Wahrheit oder bezeugt er in seiner Predigt nur noch seinen persönlichen Glauben, etwas rein Subjektives? Er soll ja nur noch der Gemeinde dienen, sie begleiten- wie man heutzutage so gerne formuliert - und somit belehrt und führt er sie nicht mehr. In dem den Menschen „Dienen“ steckt ein Moment der Subordination, der Pfarrer hört so auf, ein Mittler zwischen Gott und dem Menschen zu sein, er wird zu einem Diakon der Menschen, denn ihnen allein hat er zu dienen. Einfacher formuliert: Der Pfarrer ist eine Servicekraft für das Gemeindeleben. Als solcher läßt er sich natürlich von der Gemeinde, ihren Wünschen und Interessen führen, er subordiniert sich so der Gemeinde. „Was wir nicht hören wollen, das darf der Pfarrer nicht mehr sagen!“ lautet dann die 1.Dienstanweisung an ihn. Da die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen sich im Laufe der Zeiten ändern, muß dann eben auch der Pfarrdienst sich dem anpassend wandeln. Wenn die Gemeinden also Frauen als Pfarrerin sehen wollen, muß das die Kirchenleitung akzeptieren, denn das gehört zu einer Serviceausrichtung der Kirche genauso notwendig dazu wie daß die Gottesdienste unterhaltsam für die Gemeinden zu gestalten sind.

Aus dem Vermittler zwischen Gott und der Gemeinde, dem priesterlichen Amt wird so eine Servicekraft im Dienste an der Gemeinde, die sich normativ an den Wünschen der Gemeinde auszurichten habe. So regiert in der Kirche weder Gott noch sein Vermittler, der Priester sondern allein die Gemeinde. Das ist dann die Stunde der organisierten Laiengemeinschaften der Kirche, die nun die systematische Parlamentarisierung der Kirche, auch als „Synodalisierung“ bezeichenbar, vorantreiben will, damit die Kirche ein reiner Servicebetrieb für ihre potentiellen Kunden wird.


Zusatz:

Es wäre wirklich notwendig, die klassische Vollkommenheitslehre Gottes zu prüfen, ob hier wirklich Gott noch als lebendiger Gott gedacht wird, oder ob er nicht an seiner Vollkommenheit stirbt, mehr einem toten als einem lebenden Sein gleicht.