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Freitag, 24. Juli 2026

Befremdliche Gedanken über: „Christ, genieße nicht!“ und den Neid

 

Befremdliche Gedanken über: „Christ, genieße nicht!“ und den Neid


Weder existiert ein Gebot Gottes noch ein Kirchengebot: „Genieße nicht!“ und der Neid ist eine Sünde, keine lässige. Rückübersetzen wir aber das „Genießen“ in das Lateinische, in „frui“, schon stehen wir in einem komplexen Diskurs über die Differenz von „uti“ =gebrauchen und „frui= genießen, des hl. Augustin, des neben dem hl. Thomas von Aqiun bedeutendsten Kirchenlehrers.

Uti“ bedeutet jede Handlung, oder jedes Objekt, das um eines Zieles, das außerhalb dieser Handlung oder dieses Objektes erstrebt wird, es wird um eines Zweckes willen gebraucht. Zur Veranschaulichung: Ich kaufe ein Buch, um es zu lesen und ich lese es, um mich auf eine Reise vorzubereiten. Das Buch gebrauche ich als einen Reiseführer für die Reise, die Reise zur Erholung. Das sind alles Gebrauchtstätigkeiten bzw Gebrauchsobjekte.

Frui“bedeutet, daß etwas um seiner selbst willen genossen wird, es ein selbstzweckliches Tuen ist oder ein Objekt, das um seiner selbst willen erstrebt wird. Ich kann um des Lesens willen lesen und ein Kunstobjekt um seiner selbst willen genießen.

Der hl. Augustin lehrt nun, daß nur Gott genossen werden dürfe, während alles andere nur zu gebrauchen ist und zwar so, daß es förderlich ist auf den Endzweck des Genießen Gottes hin ausgerichtet. In diesem Gedankengang drängt sich die These auf, daß jedes Genießen von etwas, was nicht Gott ist, von diesem wahren Endzweck wegverführt. In dem asketischen Diskurs fungiert dabei die Sexualität als Vorzugskandidat eines solchen vom wahren Genießen Wegverführens! Deshalb gilt: Die Sexualität dürfe nur zu dem Zweck der Fortpflanzung praktiziert, gebraucht werden und nicht genossen werden. Von Natur aus verheißt nun aber die praktizierte Sexualität einen hohen Lustgewinn, also einen „Hochgenuß“, um die Menschen zur Fortpflanzung zu motivieren. Wäre die Motivation dagegen die Erkenntnis des Verpflichtetseins zum Erhalt der Menschheit einen Beitrag zu leisten, wäre die Menschheit wohl schon lange, trotz Kants Pflichtenethik ausgestorben.

Der hl. Augustin kennt aber nun auch eine Güterlehre, in der Gott als das „summum bonum“, als das „höchste Gut“ expliziert wird: Nur Gott ist gut, ist schön und wahr, und alles andere ist in differenzierten Graden gut, schön und wahr, indem und nur indem es teilhat an dem einzig Wahren, Guten und Schönen. Bildtheoretisch formuliert: Alles in der Welt Gute, Wahre und Schöne ist nur als ein Abbild des Urbildes wahr, gut und schön. Aber in den Abbildern ist nun auch wirklich Gott so präsent, aber in der Differenz von dem Urbild und den Abbildern dieser Dreieinigkeit. Dann wird in allem Schönen die Schönheit Gottes in ihrer Abbildlichkeit genossen und somit ist ein frui von allem Schönen erlaubt. Aber in dem Diskurs der Askese wird genau diese Position Augustins vergessen zugunsten einer Verabsoluierung der uti- frui - Konzeption.

Nur Gott dürfe ein Christ genießen wollen und deswegen dürfe er nichts anderes genießen, schon gar nicht die Sexualität.1 Aber dann müßte auch gelehrt werden, daß jedes Speisegenießen eine Sünde wäre, da jedes Nahrungsmittel nur zu dem Zweck des Lebenserhaltes gebraucht werden dürfte und nicht genossen werden dürfte.

Seit Nitzsches Moralkritik ist der Verdacht nicht mehr aus der Welt exkommunizierbar, daß die Moralvorstellungen vom Neid (mit)geformt sind: „Wenn ich nicht genießen kann, dann soll der Andere nicht genießen dürfen!“ Dem Anderen etwas nicht gönnen können, was mir nicht vergönnt ist, ist das nicht eine der vielfältigen Erscheinungen des Neides? So theologisch berechtigt auch die Lehre von der Unterscheidung von dem Gebrauchen und dem Genießen ist, diese Unterscheidungslehre verführt den Neidischen geradezu, nun allen Genießenden die „Rote Karte“ zu zeigen in der frommen Maskerade, daß jedes Genießen doch nur uns wegverführe von Gott, der allein zu genießen sei.

Eine säkularistische Version dieser Neidaskese : Um der Gesundheit willen habe man auf (fast) alle Genüsse zu verzichten, da jedes Genußmittel die Gesundheit schädigten. Der Tabakgenuß wird so heutzutage verteufelt mit geradezu exorzistischem Eifer und das obzwar wahrscheinlich schon die ersten Menschen rauchten und es genossen haben. Der Mensch braucht Brot, aber er liebt so sehr die Spiele, daß er sie nötig hat. Aber ob es nun die Tradition des Sylvesterfeuerwerkes ist oder jetzt die Fußballweltmeisterschaft der Männer: Muß das sein, ist das nicht eine pure Verschwendung, und wie viele verdienen doch durch solchen Sport wie viel Geld...Hören wir nicht auch hier hinter diesen Masken die Stimme des Neides. „Ich kann kein Feuerwerk genießen, also soll es niemand dürfen!“ „Wenn andere die Fußballweltmeisterschaft begeistert, mich aber nicht, dann darf sie niemanden begeistern!“ „Wenn ich nicht mehr genießen kann, dann darf das niemand, denn das Genießen von den Anderen provoziert meinen Neid auf sie, der ich es nicht kann! Das ist das Ressentiment der Nichtgenießenkönnenden.

Eine Konsumwelt, in der jedem Konsumenten verheißen wird: „Kaufe das und genieße es und Du wirst glücklich sein!“ produziert massenhaft Menschen, die desillusioniert nichts mehr genießen können! So bildet sich ein fruchtbarer Boden für den Neid der Nichtgenießenkönnenden. Genießen können ist eine  zu elernende Fähigkeit.






1Sehr provokant urteilt Slavoj Zizek (Die Tücke des Subjekts, 2001, S.115f Fußnote 18: „Das übliche Argument der katholischen Kirche gegen die Empfängnisverhütung (dem zuolge jeder Sex, der vom höheren Ziel der Fortpflanzung abgekoppelt ist, auf ein tierisches Unzuchttreiben reduziert wird) verfehlt demnach offenkundig das Entscheidende: Ist es nicht gerade der Sex, der sich der Zeugung von Nachkommen widmet- also der biologischen Fortpflanzung- der tierisch ist? Ist es nicht spezifisch menschlich, dass sich die sexuelle Aktivität von ihrem >natülichen< Ziel ablösen kann und zum Selbstzweck wird?“ Jeder Befürworter einer natürlichen Empfängnisverhütung bejaht Zizek.

Mittwoch, 15. April 2026

"Wir haben Gott getötet!"- ein unüblicher Deutungsversuch

Wäre uns dies Votum aus Nietzsches Mund nicht schon zu bekannt und vertraut  „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.“,wir würden kopfschüttelnd dies als eine völlig absurde Behuptung abtuen.Götter unsd schon gar nicht der Gott der christlichen Religion, wir glauben ihn als allmächtig, können nicht von Menschen getötet, gemordet werden. 

Dann könnten wir diese Behauptung des Gottesmordes„Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.“ als eine atheistische Proklamation deuten: Es habe nie einen Gott gegeben und das haben wir nun erkannt. Es wäre dann kein jubelnder Atheismus sondern einer, der selbstkritisch sich befrägt: Können wir wirklich ohne einen Glauben an Gott leben? Aber töten kann man nur etwas, das vordem gelebt hat- ein nur im Glauben "existierender" Gott ist kein lebender, ihm wohnte nur ein Scheinleben inne.

Könnte es sein, daß völlig unanhängig von der Autorenintention diese Aussage, die nun zu uns gekommen ist wie eine in eine in einen Fluß geworfene Flaschenpost eine Wahrheit enthalten könnte, an die dieser Philosoph selbst nicht gedacht hat? 

Mein Deutungsversuch: "Gott bleibt tot!" negiert das Osterwunder, daß Jesus Christus als der Sohn Gottes nach seinem Tode wieder auferweckt worden ist bzw wieder auferstanden ist.  Am Karfreitag ist Jesus Christus als wahrer Gott und nicht nur als ein Mensch getötet worden. Seine Mörder waren Menschen, die Verantwortlichen sind benennbar. Das Unmögliche ist so möglich geworden. Menschen könnten diesen Gottessohnmord nicht vollbringen, wenn Gott selbst ihnen dazu nicht die Macht gegeben hätte. Das nun bezeugt das Neue Testament: Gott wollte den Kreuzestod seines eigenen Sohnes und befähigte Menschen dazu, diesen auch zu erwirken.

Was bedeutet dann das Todsein? Hier stoßen wir notwendig auf eine eigentümliche Paradoxie: Nur wer unsterblich ist, kann seinen Tod als seinen sich selbst zuschreiben, ihn als den seinigen erleben. Dächten wir den Tod als eine pure Nichtung des Menschen, gälte: "Wenn ich bin, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bin ich nicht, ergo kann es meinen Tod nicht geben" Nur aus einer Beobachterperspektive kann der Tod eines Menschen ausgesagt werden. Nur wenn das Ich im Tode nicht einfach negiert wird, kann es den Tod als den seinigen sich zuschreiben. Das Sterben ist also der Pozeß der Trennung der Seele von dem Körper, die dann ihr Todsein als sie Betreffendes überhaupt wahrnehmen kann. Am Kreuze ruft Jesus aus: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Dies Verlassensein ist der Tod Jesu. Er stieg wirklich hinab in das Reich des Todes, des Ortes des Verlassenseins aller Dortigen von Gott. Bis Ostern hielt Jesu Christi Gottverlassenheit an, denn das war sein Todsein. Nur so gedacht, wird Jesi Christi Tod ernsthaft gedacht. 

Aber Nietzsches: "Gott bleibt tot!", das widerlegt das Osterevangelium:Gott erweckte seinen Sohn, das heißt: Er wandte seine Liebe ihm wieder zu und Jesus stand auf von den Toten, das heißt: Er wandte sich wieder der Liebe seines Vaters zu. 

Das wahre Leben ist das, das Gott liebt und das ihn wiederliebt, die Sünde ist das Gottes Liebe sich verweigernde Leben, das im Tode endet, in dem Gott Nein zum Sünder sagt und er bis zum Ende sein Nein zu Gott aufrechterhalten hat.

Aber mit Nietzsche können und müssen wir nun auch sagen: Wir haben Gott getötet, indem unsere alle Sünden ihm den Tod am Kreuz erbracht hat. Das ist sicher nicht die Aussageintention dieses großen Philosophen, aber vielleicht verbirgt sich in seinem Denken mehr an Wahrheit als ihm selbst bewußt war. 

 

Montag, 8. Dezember 2025

„Wir haben Gott getötet“ - eine unsinnige Parole von ein Paar Atheisten und Nihilisten herausposaunt?

 

Wir haben Gott getötet“ - eine unsinnige Parole von ein Paar Atheisten und Nihilisten herausposaunt?



Dieser Ausspruch wird ad hoc mit der Philosophie Nietzsches assoziiert und damit als für uns Christen bedeutungslos abgetan. Aber vielleicht machen wir es uns damit zu einfach. Vor längerer Zeit führte ich mit einem Doktoranden der evangelischen Theologie dieses Gespräch: Der Doktorand stellte die These auf: Gott kann kein Gebet erhören. Der Beweis: Gott ist vollkommen. Deshalb will er stets das, was vollkommen ist. Wenn ein Mensch um etwas bittet, was nicht vollkommen ist,kann Gott dies Gebet somit nicht erhören. Wenn ein Mensch um etwas ist,was das Vollkommene ist, dann will Gott das unabhängig von dem Gebet des Menschen.

Und warum wird dann noch in den Gottesdiensten gebetet? Die Antwort verblüffte mich nun doch: Die Fürbittgebete sind in Wirklichkeit nur Appelle an die Gemeinde! Der Philosoph Heidegger urteilte: „Vor diesem Gott [dem Gott der Philosophen] kann man weder knien noch beten.“ Das provoziert notwendig die Frage,ob denn ein Gott, zu dem man nicht beten kann, den man um nichts bitten kann, wirklich ein Gott ist:

Heidegger als Philosoph mutet uns die These zu, daß der Gott der Philosophen, angefangen bei Platon bis zu seiner Zeit den wirklichen Gott getötet habe. Die Theologie habe die Tötung Gottes zu ihrer eigenen Sache gemacht durch eine Vermetaphysierung Gottes,oder simpler ausgedrückt,indem sie den Gott der Bibel durch den der Philosophie substituierte.

Nun könnte und müßte doch eingewandt werden, daß Gott so ist, wie er ist, und es so gleichgültig sei, wie wir ihn glauben und denken.Der Ausspruch, daß wir Gott getötet hätten, präsumiert, daß Gott einmal lebendig war und es nun nicht mehr ist.Wenn das eine sinnvolle Antwort sein soll, dann müßte man sie wohl so deuten: Gott ist lebendig,insofern er geglaubt wird und er ist tot,insofern er nicht mehr geglaubt wird. Gott ist, diese Aussage wäre dann wahr,wenn das meint: Er existiert, aber Gott existiert nur als lebendiger Gott, insofern er geglaubt wird und zu ihm gebetet wird auf den Knien.

Unser Verdacht fällt somit auf die Vollkommenheitslehre Gottes in ihrer traditionellen Gestalt, daß Gott an seinen Vollkommenheiten verstorben ist.Bevor Atheisten Gottes Tod verkündeten tötete ihn die Metaphysik. „Das kann nicht stimmen!“, wird nun jeder Theologe erwidern, denn Gott sei von uns Menschen vernünftig zu denken, sonst gäbe es keine Wissenschaft von Gott sondern nur einen obskurantistischen Biblizismus.

Überzeugender ist aber die These, daß, wenn Gott als Vollkommenheit gedacht wird, seine Vollkommenheit doch nicht in seiner Leblosigkeit und letztlich seinem Todsein bestehen könne. Aber was, wenn nun der Anfangsverdacht, daß Gott faktisch in seiner Vollkommenheit als ein toter Gott zu stehen kommt, sich bewahrheiten würde?

Ein Anfangsverdacht: Leben heißt, sich selbstständig bewegen zu können. Ein Stein, als ein Beispiel für die tote Materie,kann nur bewegt werden,passivisch,ein Baum als lebende Pflanze kann wachsen und sich so aktiv bewegen. Die Bewegungsmöglichkeiten von Tieren und Menschen übertreffen nun die der Pflanzen bei weitem,und um nicht so arg anthropozentristisch zu denken:Die Engel sind unter allen Geschöpfen Gottes die beweglichsten.Und was wird von Gott, der höchsten Lebendigkeit ausgesagt in der Gotteslehre? Er sei unbeweglich, weder könne er passiv bewegt werden noch aktiv sich bewegen, denn beide Aussagen schlössen die Aussage ein, daß Gott veränderlich sei. Somit wäre Gott toter als ein Stein gedacht.Wo das Denken Gott als die höchste Lebendigkeit ausdenken wollte, tötet es Gott so sehr,daß er uns töter als ein Stein wird. Gott kann auch nach Aristoteles nicht gedacht werden als etwas anderes bewegen können, denn er kann nicht als eine Wirkursache gedacht werden, sondern nur als die Finalursache, das ist wie eine schöne Frau Männer dazu bewegt, ihr den Hof zu machen.

In der Gotteslehre kann so etwas ganz und gar nicht stimmen, den so gilt: Wir Theologen haben Gott getötet. Fortsetzungen werden folgen!



Samstag, 18. Oktober 2025

Jeder Mensch strebt nach dem Glück, nur worin sich das Glück befindet, darüber existieren sehr verschiedene Auffasungen.

 

Jeder Mensch strebt nach dem Glück, nur worin sich das Glück befindet, darüber existieren sehr verschiedene Auffasungen.



Diese Meinung, als Eudaimonismus bezeichnet könnte ob ihrer Verbreitung als einen Konsens unter uns Menschen angesehen werden. In dem Zeitalter der Massenproduktion von Waren und dem Massenkonsum synthetisiert sich diese Vorstellung mit der, daß im Prinzip das Glücklichsein in dem Konsum bestimmter Waren bestünde, wobei die Konsumentenfreiheit darin existiere, das meinem persönlichen Geschmacke Entsprechende kaufen zu können. Diese Idee des Erdenglückes evoziert aber den Einwand, daß einige, oder zu viele von diesem möglichen Glück ausgeschlossen seien, da sie zu arm seien, um so frei konsumieren zu können. Das Ideal der Gerechtigkeit verlange so, daß jeder Erdenbürger frei konsumieren könne.

Nietzsche widerstreitet nun völlig dem Eudaimonismus. In seiner „Götzen-Dämmerung“ Nr.12 heißt es: „Der Mensch strebt nicht nach Glück,nur der Engländer tut dies.“ Hat hier dieser deutsche Philosoph England als das Land des Kapitalismus vor Augen, wie auch Karl Marx, wie es Oswald Spngler in seiner Marxkritik ausdrücklich rekonstruiert.1 Werner Sombart zitiert nun in seinen Erwägungen darüber, was uns Deutsche als Deutsche ausmache Nietzsche so: „Was liegt am Glücke;trachte ich denn nach Glück?Ich trachte nach dem Werke.“ 2 Das Erschaffen des Werkes wird hier als ein selbstzweckliches Wirken verstanden und somit nicht als eine Hervorbringung von einer Ware, die verkauft werden soll, um einen Gewinn zu erzielen. Dazu paßt dann auch Richard Wagners Votum, was das Deutsche ausmache: „Deutsch sein heißt,eine Sache um ihrer selbst willen tun.“3 Schopenhauer sagt ganz in diesem Geiste: „Nehmen wir die Betrachtung des Menschengeschlechts hinzu...Auch hier stellt sich das Leben keineswegs dar als ein Geschenk zum Genießen, sondern als eine Aufgabe, ein Pensum zum Abarbeiten.“ Goethe äußert sich nun zu dieser Causa so: „Versuche deine Pflicht zu tun,und du weißt gleich,was an dir ist.Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages.“

Und als Krönung dieser antieudomistischen Lebensauffassung zitiert Sombart M.Friederich: „Es ist nicht nötig,daß ich lebe;wohl aber,daß ich meine Pflicht tue für das Vaterland kämpfe,um es zu retten,wenn es noch zu retten ist.“

Könnte es sein, daß uns Deutschen nach dem verlorenen Krieg durch die Reeducation, durch dies Umerziehungsprogramm diese deutsche Lebensauffassung aberzogen worden ist, damit wir nun westlich und das hieße im Sinne Nietzsches engländisch werden sollten? Denn dieser engländische Geist ist der des ökonomischen Zeitalters, dem Sombart die Idee eines deutschen Sozialismus entgegenstellt. Darüber sollte nachgedacht werden.

1Oswald Spengler, Preußentum und Sozialismus.

2Werner Sombart, Deutscher Sozialismus, 1934, S.143.

3Sombart, a.a.O. S.143, wie auch alle jetzt noch folgenden Zitate.

Samstag, 23. August 2025

Irrwege in der Frömmigkeit? Oder kann ein natürliches Verhalten eine Sünde sein? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion

 

Irrwege in der Frömmigkeit? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion



Man könnte sich die Geschichte dieses Niederganges einfach zu recht legen. Das 1. Vaticanum bildete den Höhepunkt der Entwickelung der Kirche und der christlichen Religion, die Kirche kämpfte noch erfolgreich gegen ihren Feind im Inneren, dem Modernismus,dem Willen, die Kirche mit dem modernen Zeitgeist zu vermählen und dann ereignete sich der Absturz, der bis jetzt anhält, wobei das 2.Vaticanum, zumindest die Weise seiner Interpretation und Rezeption dieses Niedergang forcierten.Es hätte also eine (fast)heile Welt des Katholizismus gegeben, die dann ganz plötzlich ins Wanken geriet und der jetzt fast ihre Auflösung droht.

Nur, wenn alles in der sogenannten Vorkonziliaren Kirche in Ordnung gewesen wäre, warum konnte dann dies große Kirchengebäude so plötzlich zerrüttet werden? Auf der Spurensuche nach Rissen im Kirchengebäude stieß ich nun auf eine Marginalie, die doch ein gravierendes Problem der vorkonziliaren Anthropologie aufscheinen läßt, ein Symptom eines verdeckten Problemes, daß der Mensch verkannt wird, weil er nicht so wahrgenommen wird, wie er wirklich ist.

Es wird auch der Hoffärtige mit einem Sarge verglichen.Wie der Sarg nur geziert wird,wenn man einen Toten in denselben hineinlegt,so schmücken auch Männer ,besonders aber Weiber ihren Leib nur mit eitler Kleiderpracht, wenn ihre Seele im Leibe durch die Hoffart erstorben ist.“1

Man könnte meinen, daß damit ausgesagt werden solle, daß im Idealfalle eine Christin wie ein graues Mäuschen herumlaufen sollte,um zu demonstrieren, daß sie wahrhaft fromm sei, daß für sie nur die inneren Werte, die der Tugenden zählten und sie so aller Aufputzlust entsage. Das gehöre zur christlichen Askese, die allem Äußerlichen kritisch gegenüberstünde, da es allein auf die innere Herzensgesinnung ankäme.

Das Geschlechternarrativ, die als Grunderzählung das Verhältnis der Geschlechter zueinander normiert: Eine schöne junge Frau steht auf einem Balkon, ein Jüngling kommt dahergeritten und ruft aus:“Du schönste aller Frauen,Dich wünsche ich zu heiraten!“ Sie antwortet:“Wenn Du ein Held bist...“. Der Jüngling reitet in einen tiefen dunklen Wald, stellt sich dem Kampfe mit dem dortigen Drachen, schlägt ihm den Kopf ab und mit dem reitet er zu dem Burgfräulein. „Du bist ein Held!“ So heiraten sie.

Die Zeiten ändern sich,aber in all dem Wandel gibt es doch Konstanten: die Frau, die schön sein möchte und dabei manchmal beachtliche Kreativität entwickelt und der Mann, der ein Held in den Augen der Frauen sein möchte.Seit es auf Erden Frauen und Männer gibt, versucht die Frau, den Mann für sich durch ihre Schönheit zu gewinnen und der Mann die Frau durch seine Tapferkeit, seinen Mut zu imponieren.

Schöne Frauen kann es nur geben, weil es auch nichtschöne gibt und Männer können nur Helden sein, weil es Nichthelden gibt.Denn es gilt: Wären alle erwachsene Menschen gleich groß, gäbe es weder große noch kleine Menschen, denn groß bzw klein sein heißt, sich vom Durchschnitt positiv oder negativ zu unterscheiden.

Was machen denn nun, eingedenk des Geschlechternarratives die nichtschönen Frauen? (Ich kapriziere mich jetzt auf die Frau, da ihr insbesondere der Vorwurf gemacht wird,zu viel Wert auf ihr Schönsein und Sichschönmachen zu legen.)Nichts ist für eine Frau diskriminierender als der Anblick einer Frau, die ihr sagt:“Ich bin schön, Du nicht! Du kannst Dich anstrengen, so viel Du willst, nie kannst Du so schön sein wie ich!“ Der Neid auf die von Fortuna,um es mal etwas heidnisch auszudrücken2, Bevorzugten ist eine nicht überschätzbare Kraft im menschlichen Miteinander.“Wenn ich nicht schön sein kann, dann darfst Du das auch nicht sein! Schönsein ist etwas Unmoralisches, Untugendhaftes!“

Es gibt Moralvorstellungen, bei denen es offensichtlich ist, daß sie Ausgeburten des ach so menschlichen Neides sind.Es käme doch auf die inneren Werte an,ist so zwar eine wahre Aussage, aber sie wird zu einer Unwahrheit, speist sie sich aus dem Neid den von Fortuna Bevorzugten gegenüber. Wenn sich so eine christliche Moralvorstellung vom Neid der nichtschönen Frauen instrumentalisieren läßt, wird sie so selbst unwahr.Jede Morallehre muß eben auch darüber Rechenschaft ablegen, ob sie vom Neid diktiert wird, von ihr sich gestalten läßt. Das Ressentiment gegen alles Schöne, Starke und Vornehme gehört nach Nietzsche zur Substanz der christlichen Religion und auch wenn das eine maßlose Übertreibung ist,enthält sie doch ein Körnlein Wahrheit.

Was trägt dieser Befund nun zu einer Diagnose des Niederganges der christlichen Religion bei? Vielleicht nur den Verdacht, daß vor lauter moralischen Vorstellungen darüber, wie der Mensch sein sollte, der Mensch, wie er wirklich ist, vergessen wurde,daß es der Natur der Frau entspricht,schön sein zu wollen, und daß der Neid auf die schönen Frauen eine sehr verbreitete Reaktion darauf ist, daß aber dieser Neid unchristlich ist, auch wenn er unter der Maskerade des, es käme allein auf die inneren Werte an,auftritt. 

Zusatz:

Daß die Geringschätzung der Freude am Schönen, weil es doch nur auf das "Innere" ankäme, auf den Bereich der Liturgie angewandt furchtbare Folgen zeitigt, beweist die Liturgiereform! 



1Michael Sintzel,Maria,meine Zuflucht und mein Trost, 1919, S.194.

2Die Vorstellung der Glücksgöttin Fortuna könnte in die Theologie integriert werden, wenn darunter Gott verstanden wird, der in seiner absoluten Freiheit gibt, wem er geben will und nicht gibt, wem er nicht geben will,der erwählt,wen erwählen will und erwählt den nicht, den er nicht erwählen will.

Dienstag, 5. August 2025

Eine unzeitgemäße Kritik der zeitgemäßen und so vorherrschenden Moral

 

Eine unzeitgemäße Kritik der zeitgemäßen Moral



Keiner will sich selbst Schaden thun,daher geschieht alles Schlechte unfreiwillig.Denn der Schlechte fügt sich selbst Schaden zu:das würde er nicht thun,falls er wüsse,dass das Schlechte schlecht ist. Demgemäss ist der Schlechte nur aus einem Irrthum schlecht;nimmt man ihm seinen Irrthum,so macht man ihn notwendig – gut.“ 1 So charakterisiert er eine von Platon eingenommene Position, um dann zu urteilen,daß diese selbst nicht zur platonischen Philosophie passe, wie ein Fremdkörper in ihr wirke.

Aber diese Vorstellung gehört zu der Moralphilosophie des Utilitarismus, wie Nietzsche hier treffend urteilt und die ist die in der heutigen Zeit vorherrschende Moral. Nietzsche urteilt: „Diese Art zu schließen,riecht nach dem Pöbel,der am Schlechthandeln nur die leidigen Folgen in`s Auge fasst und eigentlich urtheilt, „es ist dumm, schlecht zu handeln“, während es „gut“ mit „nützlich und angenehm“ ohne Weiteres als identisch nimmt.“2

Dies Beispiel möge das verdeutlichen: Wenn ein Gebrauchtwagenhändler seine Kunden mit überhöhten Preisen betrügen würde,müßte er damit rechnen, daß das bekannt wird und daß dann keiner mehr von ihm ein Auto kaufen wird. Dem kurzfristigen Nutzen,durch Wucherpreise mehr Gewinn zu machen, stände der Schaden, daß, wenn das bekannt wird,daß keiner mehr einen Wagen bei ihm kauft, gegenüber.Es wäre nun wirklich dumm,um dieses kurzfristigen Mehrgewinnes willen den gravierenden langfristigen Schaden in Kauf zu nehmen. Gut handelt also ein Gebrauchtwagenhändler,wenn er klug auf ein Betrügen seiner Kunden verzichtet, da das ihm dauerhaft mehr nützt.

Das ist die ganze Substanz der utilitaristischen Moral, die tatsächlich ihren Sitz im Leben im Handelsleben, dem Geschäftemachen hat.Was hält nun vom Betrügen ab außer der Möglichkeit,entdeckt zu werden und daß dann die Folgen schädlicher sind als der durch den Betrug erwirkte Gewinn? Der Volksmund gibt darauf eine klare Antwort: Sündigen dürfe man schon, nur sich nicht erwischen lassen.

Nun könnte gefragt werden,ob dem Urteil, daß ein Böses Tuen dem Täter selbst schade und deshalb nur eine Folge eines Irrthumes sein könnte, Gehaltvolleres innewohnt, als es bisher expliziert worden ist. Man könnte zum Beispiel sagen,daß ein übermäßiger Alkoholkonsum, etwas Schlechtes,dem Täter selbst schade, er ihm seine Gesundheit ruiniere. Es gibt also Handlungen, die dem Täter selbst schaden und die man deswegen als schlechte, böse verurteilt. Aber man kann nicht sagen, daß jede böse Tat dem Täter schade. Einem Vergewaltiger, der nicht dieses Verbrechens überführt wird, schadet sein Verbrechen nicht, sondern sie schadet nur dem Opfer.Für den Glauben, daß jedem Verbrecher einmal sein eigenes Gewissen deswegen anklagt, gibt es leider keine Berechtigung,auch wenn Moralisten das gerne so sehen.

Die Theologie kennt deswegen keinen Tun-Ergehenszusammenhang, daß die guten Taten sich selbst belohnen und die bösen sich selbst bestrafen, sondern Gott wird als der geglaubt, der belohnt oder bestraft.Wenn aber diese Gottesvorstellung als unangenehme aus der Kirche exkludiert wird,dann bleibt wirklich nur noch eine utilitaristische übrig, daß das Böse nur ein Sichselbstschädigen und das Gute nur ein Sichselbstnützen ist.

Eine nichtutilitaristische Moral wäre dann eine,in der das Gute um des Gutseins getan wird und damit stehen wir in der kantischen Pflichtethik. Das macht wohl die Anziehungskraft seiner Morallehre aus, daß hier das Gute Tuen als ein Tuen um seiner selbst willen expliziert wird, daß hier das Gute nicht verwechselt wird mit dem mir Nützlichen. Aber für eine Epoche,die durch den Liberalismus beherrscht wird, ist der Utilitarismus die angemessene Moral. 

Es darf aber nicht wegdiskutiert werden, daß die Frage der kirchlichen Morallehre die ist: Was habe ich zu tuen, um das ewige Leben zu erlangen?





1F.Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse,Fünfte Hauptstück,Nr 190.

2A.a.O. !90.

Samstag, 18. Januar 2025

Die Früchte der Multikultigesellschaft...oder der Verlust einer Kultur!

 

Die Früchte der Multikultigesellschaft...oder der Verlust einer Kultur!


Kath de berichtet am 18.Jänner 2025 in dem Artikel: „Zahl der Kinder in bildungsfernen Familien ist gewachsen“ : „Immer mehr Kinder in Deutschland leben in Familien, in denen die Eltern weder Studium noch Ausbildung absolviert haben. Zwischen 2011 und 2021 stieg ihre Zahl von 11,4 auf 17,6 Prozent, so eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Mehr als jedes 20. Kind hat sogar Eltern ohne Schulabschluss. Auffällig ist dabei unter anderem, dass Kinder aus nicht-deutschsprachigen oder zweisprachigen Familien besonders häufig betroffen sind.“

Die Propagandisten der unkontrollierten Masseneinwanderung in Deutschland verhießen zwar Heerscharen von Bestausgebildeten, die nur zu uns kämen, um den Facharbeitermangel zu beheben, die in die Kranken- und Rentenkassen einzahlen würden als Gutverdiener, sodaß unsere Renten so gesichert würden, ja es kämen Unmengen von Kulturträgern, die unsere Monokultur verlebendigen würden, aber die Arbeitgeber Deutschlands stellen nun ernüchtert fest, daß die meisten Einwanderer nicht für den hiesigen Arbeitsmarkt qualifiziert genug sind.

Wer an einem beliebigen Kinderspielplatz in Deutschland vorbeigehend die Ohren spitzt, ob er da noch deutsche Sprachfragmente zu hören bekommt, wird wohl lange horchen müssen:Ein babylonisches Sprachgewirr erklingt da in seinen Ohren.Wenn Daheim überhaupt kein Deutsch gesprochen wird und sich ethnisch homogene Parallelwelten herauskristalisieren, in denen man ohne ein einziges deutsches Wort zu können, außer:“Nix deutsch!“ bestens auskommt, dann kann es niemanden verwundern, daß viele Kinder in bildungsfernen Familien aufwachsen und ungebildet bleiben, sofern darunter eine Teilhabe an der deutschen Kultur verstanden wird.

Die Multiethnisierung Deutschlands hat eben zur Konsequenz, daß sich ethnisch homogene Parallelgesellschaften herausbilden, die nicht oder kaum einen Anteil nehmen an der deutschen Kultur. Für viele ist es realistisch, in Deutschland zwar lebend fast ganz ohne einen Kontakt mit uns Deutschen zu leben, denn selbstverständlich sucht man eine Anstellung bei einem ethnisch dazugehörigem Arbeitgeber und und heiratet auch nur Landsleute. Wo die Einheit einer Gesellschaft sich auflöst, existiert auch keine allen gemeinsame Bildung und Kultur mehr, jede hier lebende lebt ihre eigene. Nietzsche schrieb mal, daß die Kultur der Stil eines Volkes sei:Wie kann es dann in dem vermultiethnisierten Deutschland noch eine gemeinsame Bildungskultur geben?


Daß der Kinderreichtum dann noch eine gute Möglichkeit ist für die Asylanten und Flüchtlingen, hier leicht zu Geld zu kommen, verstärkt dann noch die Tendenz, daß viele Kinder in bildungsfernen Elternhäusern aufwachsen.


Vor knapp 20 Jahren, als ich in München in der Jugendarbeit tätig war, erzählten mir Berufsschüler, daß isb die türkischen Mitschüler so gut wie gar nicht deutsch sprechen konnten, daß die dazu selbstbewußt erklärten, daß wir Türken bald diesen deutschen Laden übernehmen würden und dann müßten wir Deutsche Türkisch lernen. Wozu solle man sich da noch eine zum Untergange bestimmte Kultur aneignen!


Sicher sind nicht alle bildungsfernen Elternhäuser Einwandererfamilien, und es muß auch berücksichtigt werden, daß erst seit dem viele einer bestimmten Fremdethnie hier leben, das Interesse an einer Teilhabe an unserer Bildungskultur drastisch abnahm, aber trotzdem muß das Problem der bildungsferen Elternhäuser primär als ein Folgeproblem der konsequenten Vermultiethnisierungspolitik angesehen werden.


Es muß aber auch eingeräumt werden, daß in einer nichthomogenen Gesellschaft, einer in eine Ober- und Mittel- und Unterschicht ausdifferenzierten, erfahrungsgemäß die Unterschicht am meisten und die Oberschicht am wenigsten Kinder bekommt. Die Soziologie spricht hier von einem schichtenspezifischen Verhalten verbunden mit der Feststellung, daß in so ausdifferenzierten Gesellschaften die soziale Mobilität gering ist: Bitter, aber wahr: Wer „unten“ geboren wurde, bleibt in der Regel „unten“ und die Kinder aus guten Elternhäusern bewahren ihren Sozialstatus. In wirtschaftlichen Krisenzeiten vermehren sich die armen Elternhäuser, die so dann auch das schichtenspezifische Verhalten annehmen. Die Armut prägt das Leben, auch wenn das der Mythos von, daß jeder der Herr seines eigenen Schicksales sei, nicht wahrhaben will. In der Moraltheologie wie auch in der Sozialethik wird aber viel zu sehr personalistisch individualethisch gedacht, als daß diese Wirklichkeit des sozialen Lebens erfaßt werden könnte. Ein großes Maß an Inhomogenität verunmöglicht so eine Bildungskultur, stattdessen existieren nur nebeneinander praktizierte Subkulturen, ohne eine Einheit zu bilden.

 Zusatz: 

Ein aktuelles Beispiel der Vermultisierungspolitik: 

"Wien baut Luxuswohnungen: Einziehen dürfen nur Migranten.Luxuswohnungen für Asylberechtigte: 110 Neubauten mit Klimaanlage und Balkon sorgen in Wien-Favoriten für Aufregung. Österreicher werden ausgeschlossen, die FPÖ ist empört – und die Stadt Wien schweigt zu den Kosten." Junge Freiheit, 18.Jänner 2025

 




Donnerstag, 7. November 2024

Gehen wir an unseren Parteipolitikern zugrunde? Ein völlig unzeitgemäßer Gedanke zu Staaat und Politik

 

Gehen wir an unseren Parteipolitikern zugrunde? Ein völlig unzeitgemäßer Gedanke


Denn der,welcher den furor philosophicus im Leibe hat,wird schon gar keine Zeit für den furor politicus haben und sich weislich hüten,jeden Tag Zeitungen zu lesen oder gar einer Partei zu dienen:ob er schon keinen Augenblick anstehen wird, bei einer wirklichen Not seines Vaterlandes auf seinem Platze zu sein.Alle Staaten sind schlecht eingerichtet,bei denen noch andere als die Staatsmänner sich um Politik bekümmern müssen, und sie verdienen es,an diesen vielen Politikern zugrunde zu gehen.“

So zitiert zustimmend Thomas Mann in seinem Opus: „Betrachtungen eines Unpolitischen“ aus F.Nietzsches dritten „Unzeitgemäßen Betrachtung“, (Ausgabe Fischer-Verlag, 1988, S.103f) Dies Nietzsche Wort war nicht nur damals, sondern wird wohl immer ein unzeitgemäßes sein. Daß die Liebe, ja eher die Begeisterung (furor) für die Philosophie dem Interesse an dem Politischen vorzuziehen sei, das wird auch heute jedem Nichtegozentriker als unzumutbar erscheinen müssen, dürfe man sich doch seiner Mitverantwortung für das Ganze nicht entziehen und darum habe man nicht nur politisch interessiert zu sein, sondern gar politisch engagiert.

Aber wer so urteilt, hat die wesentliche Aussage, die in einer Not des Vaterlandes dann auf seinem Platze sein zu haben, um da seine Pflichten zu erfüllen, überlesen. Nur verstehen Nietzsche und ihm darin folgend Thomas Mann dies auf seinem Posten seine Pflicht zu erfüllen, nicht als etwas Politisches.

Dies Nietzschevotum lebt nicht aus einer ad hoc gar nicht leicht einsehbaren Antithese von Staat und Politik: Dem Staatsmännischen wird das Politische, das Parteipolitische entgegengestellt. Dazu gesellt sich eine zweite Antithese,die vom Philosophischen zum Politischen, das in den Zeitungen und den Parteien beheimatet ist. Wie das Staatsmännische dem Politischen so ist das Philosophische dem Politischen der Zeitungen und Parteien entgegengesetzt. Was kann damit gemeint sein? Das Philosophische steht für das Allgemeine und der Staat für das Allgemeinwohl, das Parteipolitische und somit die vielen Politiker für Partikularinteressen. Die vielen Parteipolitiker scheinen so schon ob ihrer Vielzahl dem Allgemeinen zu widersprechen, denn das Allgemeinwohl ist eines und vieles können dann nur die Partikularinteressen sein.

Dann ließe sich dieser nietzscheanische Gedankengang zu erklären: Wo die Parteipolitiker die Regierung stellen, da unterwerfen sie den Staat ihren Partei- und Partikularinteressen, wohin dagegen Staatsmänner philosophisch, statt politisch regieren, da regieren sie auf das Allgemeinwohl hin orientiert. Eine Anmerkung des Philosophen Schopenhauers möge dies verdeutlichen: Das Alltagsdenken untersucht, betrachtet es Menschen, was sie untereinander alles unterscheide, sodaß sie als bestimmte Menschen zu stehen kommen, wohingegen das philosophische Denken nach dem Allgemeinen frägt: Was ist das allen Menschen Gemeinsame, das sie zu Menschen Konstituierende.Wo das Alltagsdenken nur ein Meer an Differenzen sichtet, nimmt das philosophische Denken das Allgemeine wahr, das Wesentliche des Menschseins.

Die Politisierung des Staates wäre dann seine Unterwerfung unter die Partikularinteressen der bürgerlich pluralistisch strukturierten Gesellschaft, wohingegen das staatsmännische Regieren den Staat als das Allgemeine wider die sich widerstreitenden Partikularinteressen versteht. Die klare Unterscheidung von der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staate verlangt also diese Äußerung Nietzsche, wobei dann die Politik in die Sphäre der bürgerlichen Gesellschaft zu verorten ist, dem das Staatsmännische als das dem Staate Eigene dem Staate zukommt.

Sicher ist es gewagt, nun diese Nietzsche Äußerung mit dem Staatsverständnis Hegels in eine Beziehung zu bringen, aber es könnte ja mal versucht werden. In den „Grundlinien der Philosophie des Rechtes“ steht im 258 Paragraphen: „Wenn der Staat mit der bürgerlichen Gesellschaft verwechselt und seine Bestimmung in die Sicherheit und den Schutz des Eigentums und der persönlichen Freiheit gesetzt wird, so ist das Interesse der Einzelnen als solcher der letzte Zweck,zu welchem sie vereinigt sind, und es folgt hieraus ebenso, daß es etwas Beliebiges ist, Mitglied des Staates zu sein.“

So verstünde sich nach Hegel der bloße Verstandesstaat, aber nicht der, der sich vernünftig und das ist philosophisch begreift. Das vernünftige Denken erfaßt im allgemeinen Leben, dem in der Sphäre des Staates das individuelle Leben als darin aufgehobenes, denn der Einzelne ist ja nur ein Einzelner als ein Fall des Allgemeinen. Das heißt auf den Staat bezogen konkreter, daß ein jeder als ein Glied des Volkes sein Leben im Staate des Volkes hat. Darum betont Nietsche ja als den Gegensatz zum (Partei)Politischen die Pflichterfüllung an dem jeweiligen Platz im Ganzen gerade in der Stunde des Not. Thomas Mann denkt dabei während des 1. Weltkrieges an diese besondere Notlage, vielleicht gar an das Wort Kaiser Wilhelms II., daß er nun keine Parteien mehr kenne, sondern nur noch Deutsche, die nun ihrem Vaterland zu dienen haben.

Aber auch für die allgemeinen Zeiten ohne so eine extreme Not, gilt im Sinne Nietzsches, Thomas Manns und auch im Sinne Hegels, daß der Staat davor geschützt werden muß, zum Beuteobjekt partikularer Parteiinteressen zu werden.Weder Nietzsche noch Thomas Mann votieren für einen Rückzug in eine reine Privtexistenz, wenn das Thomas Manns Intention gewesen wäre, hätte er diese Betrachtungen eines Unpolitischen“ gar nicht verfaßt, sondern für einen Standpunkt jenseits des Individualistischen für ein für das Allgemeine sich Engagierens.
















Dienstag, 17. September 2024

Die komparatistische Theologie stellt sich vor – oder Irrwege des Dialoges der Religionen: Es gibt keine Wahrheit mehr!

Die komparatistische Theologie stellt sich vor – oder Irrwege des Dialoges der Religionen


Daß die Mission ein Irrtum war und daß deshalb faktisch die gesamte Kirchengeschichte zumindest in diesem Punkte bis zum 2.Vaticanum fehlte, gehört heutzutage zu den unangefochtene Dogmen der nachkonziliaren Kirche. Bonifatius hätte mit unseren Vorfahren einen Dialog über den Gott Jesu und den Gott Odin führen sollen vertrauend darauf, daß die Odinvereher und die Christen immer nur den einen wahren Gott in ihren verschiedenen Religionen verehrten, daß sie eben in verschiedenen Sprachen den wahren Gott verehren.

Aber nun verlangt diese neue nachkonziliare „Erkenntnis“ noch nach einer wissenschaftlichen Fundierung. Dazu wurde die komparativistische Theologie erfunden, die auf der Internetseite „Communio“ in dem Artikel: Im Zeichen der Freundschaft: Die "Gemeinsame Erklärung von Istiqlal" am 12.9.2024 vorgestellt wurde: Darum bräuchte es eine komparative Theologie. 4 Grundsätze machten diese Theologie aus.

Der 1. Grundsatz: „Komparative Theologie erfordert eine Haltung doktrinaler und epistemischer Demut. Das Verständnis religiöser Überzeugungen geschieht stets in spezifischen kulturellen Kontexten. Ihr Verständnis ist deshalb stets vorläufig und verbesserungsfähig. Der Dialog mit anderen Religionen kann helfen, die eigenen Überzeugungen besser zu verstehen und auf diese Weise Gemeinsamkeiten festzustellen.“ Verstehen“ sei also die erste und wichtigste Aufgabe. „Religiöse Überzeugungen“ sollen verstanden werden. Es wird nun die These aufgestellt, daß jedes „Verstehen“ nie völlig gelänge ob der jeweiligen Perspektive des Verstehenwollenden, sie verzehre sozusagen das Ansich Gemeinte der religiösen Überzeugungen.

Überprüfen wir das einmal an etwas Unspektakulärem: Jemand sagt: „Ich glaube, daß es Ufos gibt.“ Verstehen hieße dann zu erfassen, was diese Aussage meint. Ist die Wortbedeutung von „Ufo“ in dieser Aussage geklärt, daß damit ein von Außerirdischen gesteuertes Raumschiff gemeint ist, daß von Menschen gesehen worden ist, dann wird auch die appellative Intention dieser Aussage verstanden werden, daß hier nicht nur ausgesagt wird: Es ist wahr, daß es solche Ufos gibt, sondern daß der, zu dem das gesagt wird, dazu auch eine Stellung bezieht. Der Ufo-Gläubige würde gern als Reaktion hören: „Das glaube ich auch“, aber er kann auch zur Antwort bekommen: „Das glaube ich nicht“ oder daß er als Antwort eine Anfrage zu hören bekommt: „Warum glaubst Du das?“

Religiöse Überzeugungen werden mit dem Anspruch geäußert, daß sie wahr sind und deswegen Geltungsansprüche erheben. Aber daß das Ausgesagte als wahr ausgesagt wird, wird einfach ausgeklammert und somit wird auch das Ausgesagte nicht verstanden. Stattdessen soll die Artikulation religiöser Überzeugungen nur dazu führen, daß der Adressat in ihnen Elemente findet, die mit den seinigen Überzeugungen übereinstimmen und andere, die von den seinigen sich unterscheiden.So fänden sich gemeinsame und verschiedene Überzeugungen. Diese Wahrnehmung von Gemeinsamen und Differentem verbessere dann die Erkenntnis der eigenen religiösen Überzeugungen. Das ist banal, da jede Bestimmung eine Negtion ist, etwa, da ich ein Mann bin, bin ich somit keine Frau: Der Mann erfaßt sein Mannsein in der Differenz zum Frausein als eine Ausdifferenzierung des Menschseins. Aber die Bedeutung einer religiösen Überzeugung, daß sie beansprucht, wahr zu sein, wird dabei überhört.

Der 2.Grundsatz: „Der Dialog geschieht aus einer konfessorischen Verbundenheit mit der eigenen Tradition. Nur wer seine eigene Tradition kennt und schätzt, kann sie auch anderen gegenüber angemessen vertreten.“ Die konfessiorische Verbundenheit bedeutet hier aber nicht, daß sie für wahr gehalten wird, wahr als für alle wahr seiend. Diese Verbundenheit kann dann nur eine rein subjektivierte sein wie etwa ein ästhetisches Urteil: „Mir gefallen die Romane von Thomas Bernhard, und welche gefallen Dir?“ oder man treibt den Relativismus so weit, daß die Verbundnheit nur ein Vertrautsein mit meint. Der Terminus der eigenen Tradition klingt aber sehr realativistisch den Wahrheitsanspruch entwertend: Das sagt man so in meiner Tradition.

Der 3. Grundsatz: „Der Austausch des Papstes und des Großimams verdeutlicht besonders die Bedeutung von Empathie und liebevoller Aufmerksamkeit. Wo versucht wird, die Überzeugungen anderer ernstzunehmen und nachzuvollziehen, muss dem anderen mit Respekt und Wertschätzung begegnet werden.“ Hier ereignet sich eine fatale Confusion: Der Respekt einem anderen Menschen gegenüber ist zu unterscheiden von dem Respekt vor dem von dem Anderen Ausgesagtem. So hat jeder Prüfer den Prüfling als Mitmenschen zu respektieren, er wird sogar sicher sein, daß der Prüfling die richtige Antwort auf die Prüfungsfrage geben möchte und subjektiv auch davon überzeugt ist, richtig zu antworten, wenn er dir Frage: „Wer hat den Zauberberg geschrieben?“, mit „Goethe“ beantwortet aber er wird diese Antwort: „Goethe“ nicht respektieren.

Wenn gewußt wird, was wahr ist, kann eine unwahre Antwort nicht respektiert werden. Der Respekt vor anderen Meinungen ist so nur legitim, wenn nicht erkennbar ist, was die Wahrheit ist! Im Rechenunterricht gibt es auf die Frage, was ist 5 plus 7?, nur eine wahre Antwort und kein Rechenlehrer respektiert eine andere Antwort, sosehr er auch den falsch antwortenden Schüler respektiert. Also muß spätestens jetzt beim 3.Punkt jeder der Dialogpartner seine Tradition, seine religiösen Überzeugungen nicht mehr als wahr ansehen sondern nur noch als eine subjektive Meinung, die deshalb auch andere subjektive gelten läßt. Aber wie wäre ein Christ zu beurteilen, der Josef Stalin nicht respektierte ob seiner diktatorischen Regierungsweise, aber seiner Aussage, daß die Abtreibung nicht staatlich erlaubbar sein dürfe gegen die Position seines Vorgängers Lenin, guthieße? Könnte eine Aussage gut geheißen werden, wenn man die Person, die diese Aussage tätigt, nicht respektieren kann? Es muß also klar zwischen dem Respekt vor einer Person und dem Respekt vor einer Aussage dieser Person distinguiert werden.

Der 4. Grundsatz: „Fundamental ist schließlich die Haltung der Gastfreundschaft für die mögliche Wahrheit des anderen. Es geht um die Bereitschaft, den Überzeugungen des anderen Raum zu geben im eigenen Denken. Wie verändern sich die eigenen religiösen Überzeugungen, wenn ich mit der Erwartung in das Gespräch gehe, dass der Glaube des anderen etwas für mich zu sagen hat?“ „Fundamental“, das verlockt doch dazu, auf den Ursprung, das Fundament der christlichen Religion zu schauen, auf Jesus Christus selbst als den Lehrer der Wahrheit. Hat Jesus je Dialoge geführt, in denen er als ein Lehrer von anderen Lehren annahm, seine eigenen Erkenntnisse verbeserte, Neues im und durch den Dialog erkannte? Das Konzept der offenbarten Wahrheit schließt ein solches Dialogkonzept aus! Die Kirche, in der Gottes Wahrheit als offenbarte präsent ist, kann so keinen Dialog mit den Anderen führen. Nur, wenn der Glaube der Kirche als etwas nur menschlich Hervorgebrachtes verstanden werden würde, könnte die Kirche von allen anderen Religionen lernen. Aber sie könnte es dann doch nicht, weil ja gar nicht für sie erkennbar wäre, was denn an der anderen Religion wahr ist. Wahres kann nur in etwas, in einer Religion erkannt werden, wenn in ihr eine erkannte Wahrheit recogniziert werden kann.

Wer Schüler Kreise malen läßt, per Hand oder per Zirkel, kann nur erkennen, ob ein gemalter Kreis auch ein Kreis ist, wenn er die Idee des Kreises kennt, das ist seine Definition, um dann zu prüfen, ob ein gezeichneter Kreis diesee Idee gerecht wird.Ohne ein Wissen des Wahren kann in keiner Religion Wahres erkannt werden.

Ein kleiner Zusatz: Wo fand Zarathustra seine Wahrheiten, bevor oder als er vom Berg hinabgestiegen mit Mitmenschen dialogisierte? Der Philosoph Nietzsche wußte noch von den wahrheitserkenntnisfähigen Orten, den Gebirgsgipfeln, er suchte Wahrheiten nicht in dialogischen Plauderrunden.


Aber dann offenbart diese Aussage die Armseligkeit dieser Dialogtheologie:“Durch einen Dialog auf der Basis wechselseitiger Empathie und Lernbereitschaft können religiöse Traditionen Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte leisten und nicht – wie es viel zu häufig der Fall ist – zu Brandbeschleunigern werden.“ Die Wahrheit religiöser Überzeugungen bzw von Traditionen sei einfach ihre Nützlichkeit zur Lösung gesellschaftlicher Konflikte. Sie dürfen sich nicht contraproduktiv auf die gesellschaftlichen Konflikte auswirken sondern problemlösend. John Lennons Friedenutopielied: „Imagine“ sagte noch, daß um des Weltfriedens willen alle Religionen zu verschwinden hätten, diese Komparativtheologie, daß alle Religionen sich als gleichgültig zu verstehen haben, um durch das Vorbild der Vergleichgültigung von allen Differenzen einen wesentlichen Beitrag zur Lösung von gesellschaftlichen Konflikten zu erbringen.

Ein Nachtrag: Was, wenn es Religionen gibt, denen der Weltfrieden nicht das höchste Gut ist?Nietzsche urteilte,daß nur den Engländern das Glück das höchste Gut wäre, also ein Wohlleben auf Erden- aber gilt das überhaupt für eine Religion und gar für die Erlösungsreligionen?





































 

Dienstag, 9. Januar 2024

Antwortet die Kirche und die Theologie auf nicht mehr gestellte Fragen? Zur Krisendiagnostik

Antwortet die Kirche und die Theologie auf nicht mehr gestellte Fragen? Zur Krisendiagnostik



Ein Dialog aus dem Roman:“Der Tod ist nicht das Ende“ von Hubert Haensel,Perry Rhodan Bd 3249, S.10: „Ich verstehe diese Zeit nicht“. „Welchen Sinn hat dies alles?“ Die Antwort: „Viele Menschen haben längst ihr Ich verloren.Sie sind gierig nach Zerstreuung,nach ewiger Abwechslung und Perversionen.Über ihr Leben und den Sinn ihrer Existenz denken sie nicht mehr nach.“ Das soll für Menschen in einer fernen Zukunft gelten, aber das hätte doch so auch in einer Gegenwartsanalyse geschrieben stehen können. In diesem Zitat fungiert das Ich als das Zentrum,das das jeweilige Leben zu einem mir gehörigen werden läßt, das so zu einer Einheit synthetisiert wird. Was macht nun dies eine meinige Leben aus? Diese Frage verschwände nun durch die Dezentrierung des Iches, es verliert sich in den diversen Zerstreuungen und Abwechselungen und Perversionen. Ein so fragmentiertes Leben frägt nicht mehr nach dem Sinn, dem Wozu des Ganzen, da das ihm so abhandengekommen ist.

Um wieder relevant für das Leben der Menschen zu werden, müssen Kirchenleute und Theologen sich trauen, über die großen Fragen zu sprechen: Gibt es Gott? Handelt er in der Welt? Haben wir eine Seele? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Die kirchliche Lehre über die fundamentale Grundstruktur des Ganzen der Wirklichkeit – ihre Metaphysik – ist kein Glasperlenspiel, sondern erhebt einen objektiven Anspruch auf Wahrheit.“, heißt es nun in dem sehr bedenkenswerten Artikel:“Die Krise der Kirche ist auch eine Krise ihrer Metaphysik:Wege aus dem Bedeutungsverlust“ der Internetseite: Communio vom 8.Jänner 2024.

Das klingt gut, aber was,wenn gerade diese großen Fragen der Mensch der Postmoderne gar nicht mehr sich stellt, sodaß ihn die wahren Aussagen der Theologie daraufhin gar nicht mehr interessieren? Der Tod der Metaphysik könnte sich ja mehr dem Desinteresse an deren Fragestellungen überhaupt verdanken als der vielfältigen Kritik an ihr, zumal dann die Alternativen zur klassischen Metaphysik selbst wiederum „nur“ metaphysische Aussagen sind, die keinesfalls plausibler ausfallen als die der bewährten Tradition. So beschreibt uns Nietzsche diesen letzten Menschen,den weder eine metaphysische noch eine theologische Antwort erreichen kann:

So will ich ihnen vom Verächtlichsten sprechen: das aber ist der letzte Mensch. Und also sprach Zarathustra zum Volke:Es ist an der Zeit, daß der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, daß der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze. Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können. Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!
Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch. Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann. Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
"Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?" – so fragt der letzte Mensch und blinzelt. Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
"Wir haben das Glück erfunden" – sagen die letzten Menschen und blinzeln. Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme. Krankwerden und Mißtrauenhaben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!
Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben. Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, daß die Unterhaltung nicht angreife.
Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.
Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus.
»Ehemals war alle Welt irre« – sagen die Feinsten und blinzeln.
Man ist klug und weiß alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen.
Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.
"Wir haben das Glück erfunden" – sagen die letzten Menschen und blinzeln. –
Nietzsche konstatiert, daß dieser letzte Mensch kein Ziel mehr hat und somit auch nicht das, die relevanten Fragen seines Lebens zu stellen, weil auch die ihm abhandengekommen sind, so klein hat er sich selbst gezüchtet. Aber dieser Philosoph hofft auch noch,daß der Mensch sich revitalisieren könnte und das hieße dann auch wieder zu einem werden, der über dies Zertreuungsleben hinaus will, der wieder nach seinem Ich anfängt zu fragen, aber das werden dann nur wenige sein, die diesem: Wie man halt so lebt!, entkommen werden wollen. Für das Konzept der Volkskirche sieht somit die Zukunft nicht gut aus, denn die Theologie lebt aus den Antworten auf diese Fragen, die dem letzten Menschen völlig abhanden gekommen sind! Es ist eben mehr als symptomatisch,daß“Sex and Crime“ das den innerkirchlichen Diskurs dominierende Thema ist, und daß man von Gott kaum noch redet, wie es Kardinal Marx ja auch der Kirche empfiehlt.

1.Zusatz:

Man vernachlässige Nietzsche nicht, auch als hellsichtigen Zeitdiagnostiker.

2.Zusatz

Was nützt die objektiv wahre Theologie mit ihrer wahren Metaphysik, wenn der letzte Mensch nicht mehr nach der Wahrheit fragt? Aber sie bleibt trotzdem wahr! 

 

Sonntag, 24. Dezember 2023

Ein kleines Mädchen belehrt uns über Weihnachten- gehaltvoller als die meisten Weihnachtspredigten

 

Ein kleines Mädchen belehrt uns über Weihnachten- gehaltvoller als die meisten Weihnachtspredigten


Eine Insel im weiten Ozean, eine Gruppe Schiffsbrüchiger, auf diese Insel hat es sie verschlagen, nachdem ihr Schiff havariert unterging. Dann kam die Rettung: Ein Boot näherte sich der Insel: „Steigt ein, ich komm, um Euch zu erretten!“ So ruft das Weihnachtskind in der Krippe zu uns Schiffbrüchigen, aus dem Paradiese Exilierten. Als Mädchen schon sagte die hl. Therese vom Kinde Jesu: „Die Erde erschien mir als ein Ort der Verbannung,und ich träumte vom Himmel.“ Therese Martin,Geschichte einer Seele.Die Heilige von Lisieux erzählt aus ihrem Leben, 2000, S.36. Einfacher und treffender kann unser Erdendasein nicht erfaßt werden und unsere Hoffnung artikuliert werden.

So berichtet uns ihre Mutter aus dem Leben dieser Heiligen:“Unser Kleinchen ist ein Schelm sondergleichen.Es liebkost mich und wünscht mir gleichzeitig den Tod: „O,wie gern möchte ich dich sterben sehen,mein armes Mütterchen!“ Weisst man Thereschen deshalb zurecht,dann entschuldigt sich das Kind ganz erstaunt und sagt:“Ich möchte ja nur haben,daß du in den Himmel kommst.Du hast gesagt,man müsse erst sterben, um dorthin zu gelangen.“Wenn Thereschen gar keine Grenzen ihrer Liebe mehr kennt,dann wünscht sie auch ihrem Vater den Tod.“ (S.20)

Das Weihnachtskind kam,um uns heimzuhohlen, Weihnachten beginnt Gott sozusagen sein großes Repatriierungsprogramm. Nur, daß wir Schiffbrüchigen uns inzwischen so gut auf unserer Exulanteninsel eingenistet haben, daß wir gar nicht mehr Heim wollen, sodaß wir das Kind in der Krippe nur noch daraufhin befragen: Welchen Dienst tust Du uns, damit wir bequemer auf dieser Insel leben können?Nietzsches Aufruf zur Treue zur Erde ist einfach der Aufruf: „Wir steigen nicht ins Rettungsboot, wir bleiben auf der Exilsinsel!“ Verhilft uns nun Jesus Christus nicht zu einem kommoderen Leben auf Erden, dann wollen wir halt nichts von ihm wissen! Es heißt aber:"Die Erde ist zwar dein Schiff, aber deine Heimat ist sie nicht." (S.82)

Zusatz:

Das verbürgerlichte Christentum stellt den Versuch dar, das Kind in der Krippe dem Projekt: "Schöner Wohnen" auf Erden dienlich umzuschreiben.

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Wie man die christliche Religion abschaffen kann!

Wie man die christliche Religion abschaffen kann!


Wäre das Buch: „Sofies Welt“von Jostein Gaarder nicht so populär, inzwischen in über 40 Sprachen übersetzt, wäre es trotzdem sinnvoll, sich mit der darin praktizierten Demontage der christlichen Religion zu beschäftigen, ist sie zwar nicht besonders tiefgründig aber doch effektiv. Im Zentrum steht ein einfacher Kunstgriff, dem Jesus, wie man ihn meint, historisch kritisch rekonstruiert zu haben, Paulus und dann den hl.Augustin entgegenzustellen, um zu insinuieren, daß so Jesu eigentliche Anliegen ganz verquert wurden.

In dem Jesuskapitel heißt es: „Ich hoffe, ich kann Euch klarmachen, was Jesus für ein einzigartiger Mensch war.“ Das ist purer Arianismus. Jesus war aber ein genialer Mensch: „Auf geniale Weise verwendet er die Sprache seiner Zeit“. Und was verkündete er nun in Wort und Tat? „Jesus erklärte Gottes Reich als Liebe zu den Mitmenschen,Fürsorge für die Schwachen und Vergebung für alle,die gefehlt haben.“ Deshalb sei er dann auch hingerichtet worden: „Bei Jesus sehen wir, wie gefährlich es sein kann, eine bedingungslose Nächstenliebe und eine ebenso bedingungslose Vergebung zu fordern.“

Aber dann folgte das Christentum: „Dem Christentum zufolge starb er um der Menschen willen. Und das wird oft als >stellvertretendes Leiden< bezeichnet.“ Damit wird eine Differenz zwischen dem echten Jesus und dem Jesus Christus des Christentumes, der Kirche suggeriert. Für Paulus war Jesus mehr als ein Mensch, der den Tod überwunden habe. Christus sei von den Toten wirklich auferstanden. „Die ersten Christen begannen nun, die >frohe Botschaft < der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus zu verkünden.“, heißt es dann im Pauluskapitel. Dem aufmerksamen Leser drängt sich dabei aber die Frage auf, was denn wohl dieser so verkündete Jesus Christus noch gemein hat mit dem Jesus, der das Gottesreich als praktizierte Nächstenliebe verkündete. Die bedeutendste Tat des Paulus soll dann seine Predigt zu Athen gewesen sei, in der er das Verhältnis der christlichen Religion zur (damaligen) Philosophie klärte. Die Sakramente werden mit keinem Wort erwähnt, die von Jesus gegründete Kirche auch nicht und die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi ebenso nicht.

Genau genommen bleibt von all dem nur ein sozial humanistisch engagierter Mensch Jesus übrig, aus dem das Christentum, die Kirche etwas ganz anderes gemacht hat. 

1.Zusatz:

Die Gegenüberstellung von Jesus und dem Apostel Paulus als dem eigentlichen Gründer des Christentumes ist in Nietzsches Schrift: "Wille zur Macht" grundgelegt und war sehr erfolgreich. 

2.Zusatz

Spinoza habe laut Gaarder (Sofies Welt, Spinoza) den Kern der Verkündigung Jesu so bestimmt: "Jesus verkündete eine >Vernunftreligion<,der die Liebe das Höchste war." Welcher modernistische Theologe würde dem wohl widersprechen?