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Montag, 29. Juni 2026

Von der Reich Gottes Verkündigung zum Jawort zur modernen pluralistischen Gesellschaft – eine Grobskizze

 

Von der Reich Gottes Verkündigung zum Jawort zur modernen pluralistischen Gesellschaft – eine Grobskizze


In der Jesusforschung, was hat er wirklich gepredigt und wie verstand er sich selbst verbunden mit dem kritischen Unterton, daß vielleicht schon die Evangelien und die Briefe des Neuen Testamentes Jesu von Nazareth Anliegen fehldeuteten und verzeichneten, existieren doch einige Konsens, daß er den Einbruch des Reich Gottes baldigst erwartete und daß er predigte: Kehret um.damit ihr eingehen könnt in dies Reich!

Der „alte Äon“ glich der Titanic kurz vor ihrem Untergang und es galt nun: Nur die in den Rettungsboten werden gerettet werden, die also in der neuen Arche Noah, der Kirche sich gerettet Habenden. Damit wäre schon der Kerngedanke der frühen Kirche charakterisiert. Die beliebte Polemik, Jesus verkündigte das Reich Gottes, aber die Kirche kam, verkennt, daß die ursprüngliche Bedeutung der Kirche die der Arche war, die die Christen aus dem Weltuntergang retten sollte und konnte, aus dem Untergang der die Niederkunft des Reich Gottes einleiten würde.

Die Gestalt dieser Welt vergeht“(1.Korintherbrief 7,31) lautete nicht nur bei dem Apostelfürsten Paulus die Grundüberzeugung, sondern so glaubte das Urchristentum.


Die Konstantinische Epoche zeigt uns nun grob skizziert ein anderes Gesicht: Im Bund mit dem Kaiser wurde die Welt nun zu einer Gestaltungsaufgabe, es galt die Gesellschaft als eine bestimmte vorgefunden Weltgestaltung zu christianisieren. Zu erforschen wäre, ob nun der Reich Gottes Idee eine Entwickelungstendenz innewohnte als einem Wachsen zum Reich Gottes hin.Die Kirche stand mit dem Staat der Gesellschaft gegenüber und wurde von ihnen als ihre Gestaltungsaufgabe begriffen.


Das Ende der Konstantinischen Epoche, als die drei großen christlichen Monarchien Europas, die Österreichs, Rußlands und Deutschlands untergingen führte zu einer neuen Situierung der Kirche, vollzogen im 2.Vaticanum. Sie bejaht sich jetzt als ein Subsystem der modernen pluralistischen Gesellschaft. Sie legitimiert sich nun durch ihre Systemleistungen, die sie für die Gesellschaft erbringt. Sie will dabei teilhaben an dem Projekt der Moderne, dem der Humanisierung der Welt und offeriert dazu religiöse Vorstellungen zur Motivationssteigerung für ein Engagieren für dies Projekt der Moderne.Als ein Element der pluralistisch strukturierten Gesellschaft rangiert nun für die Kirche der Staat neben der allgemeinen Öffentlichkeit als der Adressat seiner moralisch- sozialethischen Anliegen. Das eigentlich Christliche, die christliche Erlösungsreligion wird so zu einem innerweltlichen Humanitarismus transformiert,das Eigentliche nicht mehr kommuniziert.

Der „alte Äon“, dem das Reich Gottes sein Ende bereiten sollte, wird nun zu der zu bejahenden und im Kampf gegen seine Kritiker zu verteidigenden modernen Gesellschaft, der die Kirche subordiniert dient.

Das Urchristentum ersehnte den Untergang der alten Welt, damit das Reich Gottes einbräche, jetzt kämpft die Kirche um  den Erhalt dieser Welt: "Schöpfung bewahren!"

Aus dem "Ich bin die Wahrheit" Jesu Christi wird: "Eine von vielen Wahrheiten bin ich." 

 


Freitag, 23. Januar 2026

„Jeder weiß, was für sich selbst das Beste ist!“ Eine populäre Weisheit - und warum gibt es dann eine Offenbarung Gottes?

 

Jeder weiß, was für sich selbst das Beste ist!“ Eine populäre Weisheit - und warum gibt es dann eine Offenbarung Gottes?


Diese Weisheit ist dann noch zu ergänzen mit: „Wenn dann jedem der Freiraum eingeräumt wird,das zu realisieren und er dabei nicht die Entfaltung der Nächsten behindert, wird es allen gut gehen, weil jeder so für das ihm Gute realisiert. Das Gegenmodell dazu bezeichnet der Aufklärungsphilosoph alsDespotismus“. In seiner Schrift: „Über den Gemeinspruch:Das mag in der Theorie richtig sein“ schreibt er in dem 2.Kapitel: „Vom Verhältnis der Theorie zur Praxis im Staatsrecht:

Eine Regierung ,die auf dem Prinzip des Wohlwollens gegen das Volk als eines Vaters gegen seine Kinder errichtet wäre,d.i.eine väterliche Regierung (imperium paternale),wo also die Untertanen als unmündige Kinder,die nicht unterscheiden können,was ihnen wahrhaftig nützlich oder schädlich ist,bloß passiv zu verhalten genötigt sind,um,wie sie glücklich sein sollen,bloß von dem Urteile des Staatsoberhauptes und daß dieser es auch wolle,bloß von seiner Gütigkeit zu erwarten:ist der größte denkbare Despotismus.“

Wird nun diese Aussage Kants seiner polemischen Sprache entkleidet, heißt das,das der Despotismus in der Regierung besteht, die weiß,was das Gute für das Volk und seine Einzelbürger ist und die von den Regierten das Vertrauen erwartet, daß die Regierung weiß, was das Gute ist und es auch realisieren will. Der Bürger gesteht dabei ein, das selbst nicht zu wissen.

Aber mit Kant protestiert jeder aufgeklärte Bürger gegen solch einen paternalistischen Despotismus. Aber bevor nun jeder Leser Kant zumindest in diesem Punkte zustimmt, stelle ich dazu eine einfache Frage: Warum erlaubt dann nicht unser Staat einen uneingeschränkten Drogenkonsum, da doch jeder mündige Bürger selbst für sich entscheiden könne, ob für ihn Drogen etwas Gutes oder Nichtgutes sind? Das ist im Geiste der Aufklärung doch ein purster Despotismus! Oder daß der Staat ein Mindestlohngesetz verabschiedet hat, statt jedem Arbeitnehmer selbst entscheiden zu lassen, für wie wenig Geld pro Stunde er zu arbeiten bereit ist – ist das dann nicht auch purster Despoitsmus? Faktisch würden dann alle staatlichen Schutzbestimmungen despotische sein, selbst die Anschnallpflicht für Autofahrer.

Wenn nun aus theologischer Sicht nachgefragt wird, wozu wir Menschen den Gottes Offenbarung zu unserem Heile notwendig gehabt hätten, gibt uns Kant eine erfrischend klare Antwort: Sie ist nicht notwendig, denn kraft der Vernunft könne jeder Mensch das zu seinem Heile Notwendige selbst erkennen, sodaß eine Offenbarung entweder das nun schon durch die bloße Vernunfttätigkeit Erkannte wiederholen würde oder Überflüssiges, wenn nicht sogar Unwahres lehren würde. Die völlige Emanzipation des Menschen von der Kirche ist eben das Primärziel der Aufklärung. Wenn nun ein Staat im Geiste der Konstantinischen Epoche im Hören auf die Kirche weiß, was das Gute für das von ihm regierte Volk und jeden Einzelnen ist, ist dann im Sinne der Aufklärung eine besondere Unart des kirchlichen Despotismus. (Zu Kants Zeiten gab es ja noch keine politischen Ideologien, die wenn sie zur Staatsideologie avancierten, despotisch regierten.)

Wenn nun wirklich jeder wüßte, was für ihn selst das Gute sei, weiß er denn damit auch schon, was für das Ganze, das Volk, dem er angehört, die Gemeinschaft das Gute ist? Faktisch reduziert sich die parlamentarische Demokratie darauf, daß der Wähler von einer politischen Partei aufgestellte Kandidaten in Parlamente wählt, hoffend, daß sie dann da gut regieren oder opponieren werden,um dann die Gewählten in der Folgewahl zu bestätigen oder nicht wieder zu wählen. Dem Wahlvolk wird so nur die Kompetenz zugeschrieben, zu entscheiden, welcher Partei oder welchen Kandidaten er vertraut und wem nicht.

Das läßt nun den Verdacht aufkommen, daß die Kompetenz des mündigen Bürgers sich auf sein Privatleben limitiert und er nur Sorge tragen solle,daß die Politik diesen Freiraum möglichst wenig einschränkt. Damit wird die Idee, daß die Gemeinschaft selbst als Ganzes sich Ziele setzt und daraufhin sich entwickeln soll, aus. Es existieren da nur noch Einzelmenschen, die möglichst ungestört von den Anderen ihr eigenes Leben führen wollen. Der Mensch, als Zoon politicon angelegt, verprivatisiert sich so vollständig. Für die Institution der Kirche heißt das, daß sie auf jeden Anspruch, daß in ihr die Wahrheit präsent ist in der Kraft des Heiligen Geistes verzichten müsse,um zu gewährleisten, daß jedes Mitglied das ihm jeweils Genehme glaubt und praktiziert.


Donnerstag, 20. November 2025

Ein Skandal- oder: Wie sehr ließ und läßt sich die Kirche von Opportunitätserwägungen leiten? 1.Teil

 

Ein Skandal- oder: Wie sehr ließ und läßt sich die Kirche von Opportunitätserwägungen leiten?


Dies sehr populäres und sich viel Zustimmung erfreuende Narrativ: „Macht korrumpiert den Charakter“, angewandt auf die Texte des 2.Vaticanumes drängt geradezu zu diesem Verdacht: Die Kirche,nun endlich befreit aus der babylonischen Gefangenschaft des „Thron- und Altarbündnisses“,das Ende der Korrumption durch die Konstantinische Epoche vor Augen, fand und findet so zu ihrer Ursprünglichkeit zurück,ganz allein der (offenbarten)Wahrheit verpflichtet zu sein. Vordem habe die Kirche wohl um dieses Bündnisses willen zu viel Rücksicht genommen auf die Macht des Staates, von der sie durch diesen Bund selbst auch profitierte.

Diesem Verdacht steht nun aber eine andere Realität gegenüber, die daß asymmetrische Kommunikaionsverhältnisse der Wahrheitsfindung nicht förderlich sind. Der allseits bekannte Witz: Paragraph 1: „Der Chef hat immer Recht.“ Paragraph 2: „Hat der Chef Unrecht,tritt automatisch Paragraph 1 in Kraft“ zeigt überdeutlich,daß die Stellung der Subalternität,unter einer Macht eines anderen zu stehen,dem Aussprechen der Wahrheit sehr hinderlich ist,ja daß die Wahrheit nur sagen kann, wer dazu auch die Macht hat.

Nach diesem etwas zu umständlichen Prologes nun in medias res: Es geht um die neueste vaticanische Erklärung: „Mater Populi fidelis“, die leider von vornherein in einem argen Verdacht steht, daß sie weniger der Klärung dient: „Was ist über und von der Mutter Gottes zu lehren?“ als daß hier eine Art katholische Außenpolitik betrieben wird, die Sprache der Diplomatie diesen Text bestimmt und nicht der Wille zur Wahrheit.

Auf der Internetauftrittsseite: „Communio“ stand am 4.11.2025 dieser Kommentar zu Mater Populi fidelis“: „Die Tochter des Sohnes: Vatikan setzt übersteigerter Marienfrömmigkeit Grenzen.“ Da heißt es gleich am Anfang:Ein neues vatikanisches Dokument über "marianische Titel" klärt die Rolle Marias im Heilswerk. Das Papier macht deutlich: Maria wird nicht "neben" Christus verehrt. Das ist ein wichtiges ökumenisches Signal.“ Es muß nun untersucht werden, welcher den der hier zugrunde gelegte Maßstab sei,um eine angemessene Aussage der Mariologie von einer übersteigerten distinguieren zu können. Die Antwort gibt uns dieser gerade zitierte Text selbst: Die Ökumene, und das heißt nun hier, daß der Maßstab für eine wahre mariologische Aussage die Verträglichkeit bzw Unverträglichkeit mit dem ökumenischen Dialog ist.Simpler formuliert:Die Kirche dürfe (in dieser Causa) nichts sagen, was den protestantischen Dialogpartnern als anstößig empfunden werden könnte.

Der Kath info Artikel: „Maria ruft ihre Getreuen“ vom 18.11.2025 bestätigt nun diesen Verdacht der Korrumption der Wahrheit durch die Rücksichtsnahme auf den Protestantismus:Auch im Vorfeld des Zweiten Vatikanums sollen etwa 500 Konzilsväter dafür plädiert haben, Maria als „Mediatrix“ zu definieren; rund 50 wollten sie als „Miterlöserin“ bezeichnen.Und in der Tat: Die Theologische Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils habe den Titel „Miterlöserin des Menschengeschlechtes“ als „vollkommen richtig (verissimus)“ bezeichnet, „verwandte ihn aber nicht im vorgestellten Text mit Rücksicht auf die Protestanten (Acta synodalia I, 99)“

Die Aussage, Maria sei so zu qualifizieren sei zwar richtig, aber um der Rücksichtsnahme den Protestanten gegenüber sei es nicht opportun, das zu sagen! Schon bei der Formulierungen der mariologischen Aussagen des 2.Vaticanums bestimmte so die Frage:“Was können wir den Protestanten in Rücksicht auf die Ökumene sagen, die Grenzen des Aussagbaren der Mariologie. Nur woher kommt dieser Rücksichtsnahmeimperativ:“Sage nur,was Niemanden und isb Mächtigen mißfällt?“ Die Antwort fällt leicht:Die eigene Machtlosigkei behindert,die erkannte Wahrheit zu sagen.In wie vielen Mitarbeiterbesprechungen wird nicht die Wahrheit gesagt,da der Chef der Besprechung vorsteht.(Hinter seinem Rücken wird dann aber über ihn um so mehr gelästert.) Man traut sich nicht zu sagen, was von einem selbst als wahr erkannt worden ist,weil die Macht des Anderen zu fürchten ist. Die Menschenfurcht, als Genitivus objectivus zu lesen, ist so eines der größten Hindernisse für die Wahrheit, daß entweder die erkannte Wahrheit nicht mehr ausgesagt wird oder daß die Wahrheit gar nicht mehr erkannt werden soll aus der Befürchtung heraus,daß sie nachteilhaftig ist für den sie Erkennenden.

Jesus Christus wollte uns vor der Menschenfurcht befreien,indem er uns lehrte:fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ Die Furcht vor Gott, denn er allein verfügt über die Macht,unsere Seele und unseren Leib verderben zu können, überwindet die Furcht vor den Menschen, da diese über viel weniger Macht gegen uns anwendbar verfügen. Von dieser Gottesfurcht hat die modernistische Theologie die Christen befreit, aber um den Preis, daß wir nun nur noch die anderen Menschen fürchten.

Aber die Macht ist unter uns Menschen sehr unterschiedlich verteilt. Es drängt sich so der Verdacht auf, daß die jetzigen kirchlichen Aussagen zu Maria mehr der Rücksichtsnahme auf die Macht des Protestantismus sich verdankt als einer vertieften Erkenntnis im Rahmen der Mariologie! Dieser Verdacht fällt aber auch auf die Aussagen des 2.Vaticanums zur jüdischen wie zur islamischen Religion und zum Atheismus.Die ihres Bündnispartners beraubte Kirche begann sich wieder zu fürchten, während sie in der Konstantinischen Epoche machtvoll sich traute, die Wahrheit auszusagen.


Merke: Subalterne sagen, was ihre Herren hören wollen!


Donnerstag, 13. März 2025

Die Kirche – auf der Suche nach neuen Freunden: die Freimaurerei? Oder richtet sie sich zugrunde?

 

Die Kirche – auf der Suche nach neuen Freunden: die Freimaurerei?


Kath de beglückte seine Leserschaft am 12.3. 2025 mit dieser Frohbotschaft: „Experte: Nicht alle Freimaurer waren Gegner der Kirche“.Wer sich auch nur ein wenig über das Aufbauprinzip der Freimaurerei informiert hat, weiß, daß diese Geheimorganisation streng hierarisch strukturiert ist, daß nur die da „Ganz Oben“ über alles Bescheid wissen und daß nach „Unten“ hin immer weniger gewußt wird, anders formuliert, daß mit jedem Aufstieg ein Mehr an Enthüllungen über das Wesentliche der Freimaurerei verbunden ist. Es existieren halt mehr oder weniger Eingeweihte. So kennt eben nicht jeder die wahren Ziele der Freimaurerei und gerade deswegen können sie so effektiv verfolgt werden.

Die Katholische Kirche hat von Anfang an die Freimaurerei als ihren Feind erkannt, dem der Kampf gegen das Thron- und Altarbündnis ihr Anliegen war, die Monarchien aufzulösen und durch die Demokratie zu ersetzen und die Kirche und die Religion in die Privatsphäre zu verbannen, daß sie jeden Einfluß auf das öffentliche Leben verlieren sollte.Mit dem Ausgang des 1.Weltkrieges, dem Sturz der drei christlichen Monarchien Europas, der Österreichs, Deutschlands und Rußlands und der Trennung des Staates von der Kirche erwirkte sie den bisher größten Erfolg,sodaß oft gemutmaßt wird, daß sie auch einen maßgeblichen Einfluß auf den Ausbruch des 1.Weltkrieges hatte, in der ja die „Entente-Staaten“ für diese Ziele kämpften.

Aber man darf nun auch das große Endziel nicht außer Acht lassen, das der Errichtung einer einzigen Weltrepublick unter ihrer Vorherrschaft.

Wie kann da nun der Eindruck entstehen, daß es ein gutes Verhältnis zwischen der Freimaurerei und der Kirche geben könnte? Dazu wären beachtliche Trans-formationen der Kirche notwendig: Erstens müßte sie das Ziel des Reich Gottes ersetzen durch die Utopie einer gerechten und friedlichen Welt, die durch alle Menschen guten Willens auch erschaffbar sei.Zweitens müßte sie alle Religionen für gleich wahr und gleichgültig erklären, denn es käme allein auf das gemeinsame Zie der Verhumanisierung der Welt an. Drittens muß die Anthropologie geändert werden, daß der Mensch trotz der Sünde ein von Natur aus das Gute Wollender und auch das Gute realisieren Könnender ist, daß er so ohne die Gnade Gottes ein guter Mensch . Viertens müßte sie den Feind der Kirche damit neu definieren als alle Kräfte, die sich diesem Weltoptimierungskonzept widersetzten. Das sind die conservativen,rechten und reaktionären Kräfte im politischen Raum und im religiösen all die, die die ihrige Religion als die einzig wahre glauben.

John Lennon vertritt in seinem Lied „Imagine“ die etwas conservativere freimaurerische Position, daß um des irdischen Friedensreiches willen neben allen Nationen auch alle Religionen zu verschwinden hätten,aber effektiver ist die Strategie, alle Religionen für gleichgültig zu erklären,um dann alle Gutmenschen aufzurufen zum Kampf für eine gerechte und friedfertige Welt, die keine Utopie sein soll, sondern ein von allen Gutwilligen realisierbares Ziel sei. Nur müssen dafür die Feinde dieses Projektes bekämpft werden: alle patriotischen Kräfte, von der Kirche bei uns als „völkisch“ verteufelt und alle Conservativen, Traditionalistischen und Reaktionäre in der Kirche und in allen Religionen.

Ja, tatsächlich, spätestens seit Papst Franziskus ist die Kirche dabei, sich dem Freimaurertum anzuähneln, übernimmt man doch deren Agenda! Man lese einmal nach, wie oft der jetzige Papst von Freimaurern gelobt wird!

So berichtete Kath net dazu am 18.2,2021: "Spanische Freimaurer loben Papst Franziskus’ Engagement für den ‚Tag der Geschwisterlichkeit’. 

 "Der gemeinsame Auftritt von Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb sende eine Botschaft des Friedens und der Geschwisterlichkeit an alle Menschen, schreibt die spanische Großloge in einer Stellungnahme.Die Gran Logia de España, die Großloge der Freimaurer Spaniens, hat die Botschaft von Papst Franziskus zum ersten „Internationalen Tag der Geschwisterlichkeit aller Menschen“ am 4. Februar 2021 ausdrücklich gut geheißen.

„Geschwisterlichkeit [ist] der neue Horizont der Menschheit“, hat Papst Franziskus in seiner Videobotschaft zum Internationalen Tag der Geschwisterlichkeit wörtlich gesagt. Mit diesem Zitat beginnt eine Reihe von Twitternachrichten der Spanischen Großloge, in der die Freimaurervereinigung zu dem von der UNO eingeführten Gedenktag Stellung nimmt. Die universale Geschwisterlichkeit aller Menschen gilt als ein Hauptprinzip der Freimaurerei."

Der Terminus der universalen Geschwisterlichkeit ist der terminus technicus für das Projekt der Einheitswelt unter der Führung der Freimaurer, in der alle Differenzen, die zwischen  den Geschlechtern, den Völkern und  Rassen und den Religionen abgeschafft werden sein sollen. Daraus erklärt sich auch das Ja der Kirche zur Politik der offenen Grenzen: Jeder müsse reingelassen werden und niemand dürfe repatriiert werden,



Dienstag, 15. Oktober 2024

Ratzinger als ein Prophet: Zur Krise der Kirche

 

Ratzinger als ein Prophet: Zur Krise der Kirche



1958 prophezeite Ratzinger ein Neuheidentum,das in der Kirche sich ausbreiten werde. Auf Kath info wurde dankenswerter Weise dieser prophetische Text des späteren Papstes vollständig abgedruckt am 14.10.2024 und sei hiermit eindringlichst zur Lektüre empfohlen. Da ist zu lesen: „Dieses dem Namen nach christliche Europa ist seit rund vierhundert Jahren zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen her auszuhöhlen droht. Das Erscheinungsbild der Kirche der Neuzeit ist wesentlich davon bestimmt, daß sie auf eine ganz neue Weise Kirche der Heiden geworden ist und noch immer mehr wird“.

Die rund vierhundert Jahre könnten auf die Reformation bezogen verstanden werden, aber in dem Gesamttext findet sich keine und auch nur die kleinste Anspielung auf die Reformation. Dabei wäre die These, daß durch die Zerspaltung des Christentumes in die Katholische Kirche und den Protestantismus der Anfang des Zerfalles des damals noch existierendem christliche Abendlandes gesetzt worden sei, sehr plausibel.Wer den Text aber sehr genau liest, könnte eher den Eindruck bekommen, daß die staatliche Anerkennung der christlichen Religion durch den Kaiser Konstantin die Neuverheidnisierung der Kirche eingeleitet hätte. In der Konstantinischen Epoche sei eben die Differenz zwischen der Kirche und der Welt nivelliert worden, indem die christliche Religion zu der Staatsreligion avancierte.In dem Text wird ja antithetisch die Zeit, als die Menschen Christen wurden, indem sie sich persönlich zu Christus bekehrten von der Zeit unterschieden, in der man in die Kirche hineingeboren und hineingetauft wurde als ein Kind christlicher Eltern. Jetzt gälte es also, daß die Kirche sich in ihrer Differenz zur Welt begreifen müsse, damit sie sich nicht völlig verweltliche durch das Konzept der Staatsreligion, in dem tendenziell nicht die Welt verchristlicht sondern die Kirche verweltlicht würde. So habe hier der Theologe Ratzinger die Einsicht des Papstes Benedikt XVI, daß die Kirche sich zu entweltlichen habe, vorweggenommen.

Die Wahl des Begriffes des Neuheidentumes ist aber mehr als unglücklich. Denn die Heiden waren ja weder theoretische noch praktische Atheisten, sondern sie glaubten an ihre Götter und auch praktizierten sie ihre Religion,lebten also nicht so, daß sie zwar an ihre Götter glaubten, aber ihr Leben so führten, als existierten sie nicht. Unsere Gegenwart ist aber durch einen massenhaften Atheismus geprägt, bzw durch einen Gottglauben, ein Höheres wird es schon geben, der aber keine Relevanz für das Leben besitzt.Davon wäre ein neues Interesse an den heidnischen Religionen zu distinguieren, in der Romantik anhebend als das Interesse an den volkstümlich ursprünglichen Religionen, die dann die Katholische Kirche verdammt hätte. Die Verweltlichung der Kirche kann so auf keinen Fall als eine Selbstverheidnisierung aufgefaßt werden. Es ist stattdessen ihre Selbstversäkularisierung, daß sie nur noch eine Sozialdienstagentur sein will.

Auch ist wohl die pointierte Gegenüberstellung von der Kirche, der nur die sich zu Christus Bekehrten angehören zur Volkskirche, in die man hineingetauft wird, sehr problematisch, verkennt sie doch, daß wie der Alte Bund ein Bund Gottes mit einem Volke war, dem jüdischen, so auch der Neue Bund der mit einem Volke ist, dem Kirchenvolke. Zum Volkssein gehört nun aber konstitutiv,daß man in es hineingeboren wird und nicht in es eintritt wie in einen Verein. Das Problem ist deswegen nicht das Hineingeboren- und Hineingetauftwerden, sondern daß die Vermittelung des christlichen Glaubens an die so Hineingetauften nicht gelingt.

In dem Text wird die These aufgestellt, daß es selbst den Christen nicht mehr vorstellbar sei, daß es die eine wahre Religion gäbe, die als solche heilsnotwendig zu glauben sei, daß es doch wohl ausreiche, anständig zu leben, um gottefällig zu sein. Alle Religionen seien so gleichgültig für das Heil, wenn man denn überhaupt noch an eine Erlösung glaube.Heiden war ihre Religion aber nie so gleichgültig. Diese Vergleichgültigung kann wirklich nicht unter dem Begriff eines Neuheidentumes subsumiert werden. Wir erleben und erleiden eine Selbstsäkularisation, die so es vordem noch nie in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. 

Klärungsbedürftig ist angesichts dieses Ratzingertextes aber auch prinzipiell das Verhältnis der heidnischen Religionen zu der christlichen. 














Samstag, 29. Juni 2024

„Wann kommt das Zweite Vatikanische Konzil auf den TÜV-Prüfstand?

 

Wann kommt das Zweite Vatikanische Konzil auf den TÜV-Prüfstand?


So frägt Kath info am 28.6.2024 und man kann schwerlich die Berechtigung dieser kritischen Anfrage in Frage stellen. 3 mögliche Antworten sind darauf gebbar. Die erste: Unabhängig vom 2.Vaticanum hätte sich der Niedergang der Kirche ereignet, die zweite: Trotz des 2.Vaticanumes hätte sich der Niedergang der Kirche ereignet, und die dritte mögliche Antwort:Wegen des 2.Vaticanumes hätte sich der Niedergang der Kirche ereignet.

Nun könnte noch differenziert werden zwischen den Texten des 2.Vaticanumes und seiner Deutung und Wirkungsgeschichte, daß etwa nicht die Texte selbst sondern ihre Deutung das die Gegenwart Ausmachende sei,Das würde die zweite und dritte Antwort etwa so modifizieren: Die Texte des 2.Vaticanumes waren gut, aber ihre Deutung, also konkreter ihre conservative oder ihre progressive Deutung habe dann den Niedergang herbeigeführt. Die Progressiven urteilten dann, daß gerade eine conservative Auslegung den Niedergang bewirkt habe, der aber verhindert hätte können, wenn das den Texten des Konziles innewohnende Reformpotential ausgeschöpft worden wäre, wohingegen die Conservativn urteilen, daß die progressive Auslegung der Konzilstexte erst den Niedergang bewirkt hätte.

Die Apologie des Konziles, daß doch alles gar nicht so schlimm sei, denn früher hätte es auch nicht besser um die Kirche gestanden, kann hier unberücksichtigt werden,denn zu offensichtlich ist der Niedergang der Kirche, wobei ich aber den Hauptgrund in der Vernichtung des Thron- und Altarbundes, der Konstantinischen Epoche sehe,worauf das 2.Vaticanum zu reagieren versuchte und es nun zu recht strittig ist, ob das Konzil angemessen oder unangemessen auf diese Lageveränderung reagiert hat.

Kath info interpretiert nun das 2.Vaticanum so:

Fakt ist, daß das Zweite Vatikanische Konzil für die europäische Welt, also jene, in der das Christentum und die durch das Christentum groß geworden ist, die unbestreitbar brutalste innere Zäsur in der Kirchengeschichte darstellt. Keine äußeren Feinde, keine heidnischen Herrscher, keine Revolutionäre, keine kommunistischen Schlächter. Es ist eine Zersetzung von innen, wie jemand, der den Ast absägt, auf dem er selber sitzt. Und da es im Geistlichen kein Vakuum geben kann, füllen Ersatzreligionen wie Homo-, Öko-, Impf- oder horribile dictu Kriegsreligion (alles kann zur Ersatzreligion werden, wo die wahre Religion zersetzt, versteckt, verleugnet und verdrängt wird). Tun manche deutsche Bischöfe etwas anderes als genau das? Die wahre Religion verstecken, um den Ersatzreligionen zu sekundieren, denen vom Establishment gerade gefrönt wird.“

In einem Punkte ist dem zu widersprechen: Das Ende der Konstantinischen Epoche war ein revolutionäres: der Sturz der drei christlichen Monarchien Österreiches,Deutschlandes und Rußlandes, angefangen mit der antichristlichen Französischen Revolution und der philosophischen Aufklärung mit ihrem Willen zur Domestikation der christlichen Religion, deren innerreligiösen Streitigkeiten,ihres Inuneinssein mit sich selbst als der Grund des 30 Jährigen Krieges angesehen wurde. Erst nach der Domestikation der Religion durch die Aufklärung konnte das Narrativ des Mißbrauchtwerdens der Religion zu politischen Zwecken im 30 Jährigen Krieg entstehen, setzt das doch die Domestikation der Religion voraus, die aber erst durch die Aufklärung domestiziert wurde. Es gilt aber festzuhalten, daß die Reformation der Ursprung des Endes der Konstantinischen Epoche ist und daß nun das 2.Vaticanum nicht unter Absehung seines Kontextes, dem des endgültigen Endes dieser Epoche begriffen werden kann.

Die progressive Deutung des 2.Vaticanumes interpretiert dabei das Ende dieser Epoche als etwas Bejahenswertes.Das ist so, als wenn eine Ehefrau, den Tod ihres Ehepartners als eine Befreiung aus ihrer Ehe begrüßte, statt den erlittenen Verlust zu betrauern. Die Kirche sei doch nun frei, ungebunden. Aber indem die Kirche somit aus der Position eines Gegenübers mit dem Staate zusammen zur Gesellschaft zu einem Element der Gesellschaft wurde, daß sie also nun in die pluralistisch strukturierte Gesellschaft eingegliedert wurde, wurde sie auch ein Opfer der Gesellschaft: Das Gerede in der Gesellschaft wurde zur Substanz der Kirche,um es überpointiert zu formulieren.Gerade die Katholische Kirche, so wie sie sich in Deutschland präsentiert reproduziert doch in sich selbst nur noch das öffentliche Gerede, um es etwas heideggerisch zu formulieren.

Das bedeutet,daß die Texte des 2.Vaticanumes das Ende der Konsantinischen Epoche und damit das Ende der Theologie dieser Epoche markiert und den Übergang zu einer Kirche der bürgerlichen Gesellschaft,die sie verbürgerlichte, das ist in einen Einklang zu bringen versuchte mit der vorherrschenden Ideologie des Bürgertumes,dem Liberalismus. Allerdings werfen nun die heutigen Modernisten der Kirche vor, daß diese Einpassung in den Liberalismus noch nicht vollständig gelungen sei und so auch das 2.Vaticanum zu modernisieren sei, wohingegen Conservativere die Texte als an der Tradition der Kirche in dieser Umbruchssituation festhaltende deuten.Das prinzipielle Problem, das dabei sichtbar wird, ist die Polyinterpretabilität von Texten,die auch für die des 2. Vaticanumes gilt. 

Neu müßte das Verhältnis von Wahrheit und Macht diskutiert werden:Wie viel Macht ist nötig, um die Wahrheit erkennen und sagen zu können, eingedenk des bekannten Witzes:

§ 1: Der Chef, (der Macht hat) hat recht, §2 hat der Chef nicht recht, tritt automatisch §1 ein.  Der Meinung, Macht korrumpiere, am schönsten in Tolkiens" Herr der Ringe" entfaltet, ist entgegenzuhalten, daß alle Subalternen das für wahr zu halten haben, was ihnen ihre Herren als wahr diktieren. 

Donnerstag, 7. März 2024

Eine Mesalliance: Die Katholische Kirche und der freie Westen

 

Eine Mesalliance: Die Katholische Kirche und der freie Westen


Eigentlich war die Sache klar:Nach dem endgültigen Untergang des christlichen Abendlandes, der Konstantinischen Epoche mit seinem Thron-und Altarbündnisses, das letzte Relikt dieser Epoche als einer Spätgeburt war das mit dem faschistischen Italien ausgehandelte Konkordat,in dem die katholische Religion als die Religion Italiens anerkannt worden war, suchte die Kirche einen neuen Bräutigam als ein Surrogat für den Thronpartner und fand ihn im „Freien Westen“. Hier stand das Lager der Freiheit, der Bejahung zumindest der christlichen Wurzeln des Abendlandes und da stand dem konträr gegenüber das sozialistisch-atheistische Lager: Amerika,das Land der Freiheit und die Sowjetunion als das Land der kommunistischen Diktatur mit seiner atheistischen Ideologie.

Die Kirche positionierte sich eindeutig als prowestlich, sah sie doch in der kommunistischen Ideologie ihren größten Feind, so sehe sie sich auch gegen den Liberalismus kritisch absetzte und einen dritten Weg zwischen dem Sozialismus und dem liberalen Kapitalismus präferierte, das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft. Aber ein Problem konnte dabei eigentlich nicht übersehen werden, auch wenn nicht nur in Deutschland die Kirche nun in den dezidiert sich als christlich verstehenden Parteien nun ihre Parteien sahen,daß die Ideologie des Liberalismus das geistige Fundament Westeuropas bildete und diese Ideologie stets kirchenfeindlich ausgerichtet war und ist: Die Kirche und auch die christliche Religion gilt dem Liberalismus als ein Feind der Freiheit: Der Mensch habe sich aus der kirchlichen Bevormundung zu emanzipieren und autonom vernünftig sein Leben zu gestalten. Die Marktwirtschaft gilt dann als der Raum der Freiheit,der vor einem in sie einwirken wollenden Staat zu schützen sei.

Die Menschenrechtsideologie avancierte dabei zum fundamentalistischen Glaubensgut des „Freien Westens“, der Osten ob seiner Planwirtschaft zum Hort der Unfreiheit. Verdrängt werden mußte dabei seitens der Kirche, daß die Menschenrechte ein, das erfolgreichste Produkt des Freimaurertumes ist und klar antikirchlich und antichristlich inspiriert war. An die Stelle der Gebote Gottes und der Kirchengebote des christlichen Abendlandes trat die Menschenrechtsideologie, in der nun der Mensch autonom selbst bestimmte, was Gut und Böse, was Recht und Unrecht sei. Der liberalistisch sich als frei verstehende Mensch ist der, der ohne Gott leben will um seiner Freiheit willen.

In Frankreich, dem Lande der Revolution und der Deklaration der Menschenrechte,in dem der große Revolutionsführer Robespierre die christliche Religion durch die Verehrung der Göttin Vernunft substituieren wollte, ereignete sich nun eine weitere Revolution:Mit einer überwältigenden Mehrheit des Parlamentes kreierte man das Menschenrecht auf die Tötung von Kindern im Mutterleibe! Spontan könnte dies als ein Verstoß gegen die Menschenrechte interpretiert werden und ist es auch,wird an dem Wortlaut der Menschenrechte festgehalten. Aber doch verkennt dies das Wesen der Menschenrechte, denn die spricht der Mensch sich frei zu in einem dezisionistischen Akt und kann somit den Gehalt auch immer wieder ändern, da es keine den Menschenrechten gegenüber übergeordnete Norminstanz gibt. Die Menschenrechte sind eben nur Rechte, weil sie der Mensch sich sie zuschreibt und somit können sie auch durch den Souverän abgeändert werden. Denn das französische Parlament hat ja nun den Menschen das Recht auf Leben abgesprochen, solange sie noch im Mutterleibe leben,um sie der Willkür ihrer Mütter auszuliefern.Eine Mutter darf nun über ihr Kind im Mutterleibe entscheiden, ob es leben darf oder ob es getötet werden soll.So schlägt die liberalistisch ausgelegte Freiheit um in eine reine Willkürherrschaft über das Leben anderer Menschen.

Es ist nun zu fragen, ob diese Tendenz zur Willkürherrschaft nicht der Menschenrechtsideologie von ihrem Anfang an in den Schoß mithineingelegt ward. Zu den proklamierten Menschenrechten der Französischen Revolution gehört eben janusköpfig die Praxis der Guillotine dazu:“Willst Du nicht mein Bruder sein,so schlag ich Dir den Schädel ein!“ Zu dem Gründungsakt des „Freien Westens“ gehört so die Guillotine und der Kampf gegen die Kirche. Kann das wirklich nur als ein paar Betriebsunfälle einer eigentlich gut gemeinten Sache angesehen werden oder offenbart sich in dem jetzt proklamierten Recht auf die Kindestötung im Mutterleibe nicht der antikirchlich-antichristliche Charakter der Ideologie des „Freien Westens“?

Im ach so finsteren Mittelalter und auch unter keinem noch so despotisch regiert habenden russischen Zaren hat es ein vergleichbares Greuel gegeben,der Fortschritt der Aufklärung brachte solches erst hervor. Die Kirche ging in der Epoche des „Kalten Krieges“ eine Mesalliance mit dem „Freien Westen“ ein als ein Surrogat für das Thron-und Altarbündnis:Das könnte ein großer Fehlgriff gewesen sein! 

Auch bleibt in dieser Bejahung der Marktwirtschaft als dem Zentrum der Ordnung des "Freien Westens" unbedacht, ob ein so auf die Freiheit des Unternehmers sich kaprizierendes Freiheitsverständnis die Ausrichtung der Wirtschaft auf das Allgemeinwohl nicht vernachlässigt und damit nicht der Sozialethik der Kirche entpricht.  




Montag, 31. Juli 2023

Von der Religion hängt alles ab!? Oder über die Unzeitgemäßheit der christlichen Religion,daß sie nicht modernisierbar ist

Von der Religion hängt alles ab!? Oder über die Unzeitgemäßheit der Religion Genauer wiedergegeben schrieb Cyrillus von Alexandrien: „Von der Religion,durch die Gott verehrt wird, hängt das Wohl des Staates ab.“ (zitiert nach: Friedrich Romig, Gemeinwohl und Gerechtigkeit, in:Die Rechte der Nation,2002,S.111.) Bis zum 2.Vaticanum bildete diese These das Fundament der Bestimmung des Verhältnisses der Kirche zum Staate. Es sei an die Schrift: Immortale Dei Papst Leo III und an:Unam Sanctam des Papstes Bonifatius VIII erinnert. Für den Religionssoziologe Detlev Pollack (Kath de am 29.7.2023) gehört die Katholische Kirche substantiell in die Vormoderne und kann sich so nicht vorbehaltlos der Moderne einpassen, weil sie damit Wesentliches aufgeben müßte und so ihr Identität gefährdete. Dieses Votum Cyrillus von Alexandriens gehört gewiß zur vormodernen Substanz der christlichen Religion. Ein mögliches Mißverständnis dieser These muß nun aber beseitigt werden: Die Religion fundiere die Moral und sittlich gut lebende Bürger wären dann der Garant für das Wohlergehen jeder sozialen Gemeinschaft, isb der in einem Staate organisierten. Stimme das positive Recht des Staates überein mit der in dem Glauben an Gott fundierten Moral , führten die so guten Staatsgesetze zum Allgemeinwohl.Das mag zwar gut klingen, verkennt aber diese Aussage. Denn hier wird von der Verehrung Gottes geschrieben und die ist nicht einfach zu identifizieren mit einem moralischen Lebenswandel der Staatsbürger. Die Gottesverehrung meint hier die kultische Verehrung Gottes. Damit ist präsumiert, daß das Wohlergehen jeder Gemeinschaft abhängig ist von dem Wohlwollen der Götter bzw des einen Gottes. Darum gehört die Sorge um die rechte Gottesverehrung zu den Zentralaufgaben des Staates. Denn Friede, Wohlfahrt, gute Ernten, aber auch Siege in Kriegen, das sind Gaben Gottes, und um die zu erlangen, müssen die Götter, bzw der eine Gott recht verehrt werden. Eine unrechte erzürnte nämlich die zu verehrenden Götter. Das kann man als das religiös-politische Fundament der Umwelt des Urchristentumes bezeichnen, das die Kirche im Hören auf das Alte Testament zustimmte. Wie ein roter Faden durchzieht diese Wahrheit die Geschichte des Volkes Israel mit seinem Gott. Verehrte das Volk Gott recht, ging es ihm gut, wurde es Gott untreu, strafte Gott es dafür. Es gab für die Kirche mit dieser die Bedeutung der Religion verstehenden Umwelt nur einen Dissens: Was ist die wahre Gottesverehrung? Die christliche oder die heidnischen? Kaiser Konstantin erkannte dann in seinem Sieg über seine Widersacher, daß die christliche Religion die wahre ist, da er seinen militärischen Sieg dem Gott der Christen zusprach. Für die Moderne gilt nun, isb nach den innerchristlichen Religionskriegen des 17.Jahrhundertes, daß für das Gemeinwohl die Frage der rechten Gottesverehrung völlig gleichgültig sei, denn das Wohlergehen des Staates hänge allein von unserem Handeln und Unterlassen ab. Gott sei nur noch für das reine Privatleben zuständig, das öffentliche habe sich ganz von jeder Religion zu emanzipieren, damit rein vernünftig politisch gehandelt werden kann. Wenn Bürger nun ihren Glauben als eine Privatmotivation zum moralischen Handeln benützten, spräche nichts dagegen, sofern die so religiös basierte Moral nicht den Normen und Gesetzen des Staates widerspricht. Das ist die Lage der Religion in der Moderne, die so ob dieses Credos, daß das Gemeinwohl von der rechten Gottesverehrung abhängt, nicht in die Moderne hineinpaßt, weil der Gott der christlichen Religion, der eben die Welt regiert und kein Zuguckgott ist, nicht in sie hineinpaßt.

Freitag, 21. Juli 2023

Gibt es gute und verwerfliche Verschwörungstheorien? Oder über die so beliebte Priesterbetrugsverschwörungstheorie

Gibt es gute und verwerfliche Verschwörungstheorien? Oder über die so beliebte Priesterbetrugsverschwörungstheorie Das allseits bekannte und als seriös angesehene Internetlexikon „Wikipedia“ klärt uns auf. Beginnen wir mit der Priesterverschwörungstheorie. Dazu steht im Lexikonbeitrag: „Priesterbetrug“ dies: „Priesterbetrug bzw. Herrentrug (auch: „Lehre vom Priester- und Herrentrug“, „Priestertrugidee“ oder „Priesterbetrugstheorie“) ist eine von verschiedenen Aufklärungsphilosophen entwickelte Auffassung, die religiöse Aussagen als betrügerische Erfindungen religiöser Amtsträger kritisiert. Sie war Teil der französischen Gesellschafts- und Staatsphilosophie der Aufklärung und stellte im 18. Jahrhundert eine Kampfthese gegen das Ancien Régime dar.“ Aufklärungsphilosophen führten also ihren Kampf für die modern bürgerliche Gesellschaft gegen das Ancien Regime mit der Priesterbetrugs- und Priesterverschwörungstheorie: Die Priester hätten ihren Gott selbst erfunden, um damit das Volk zu unterdrücken. Sie selbst glaubten selbstredend nicht an ihre erdichteten Götter, aber dies Geheimwissen behielten sie für sich, um als Klerus herrschen zu können. Die Aufklärung siegte also über das Alte Regime auch durch diese Verschwörungstheorie. Was steht dann aber in dem Lexikon über „Verschwörungstheorien“? Da heißt es resümierend: „Verschwörungstheorien gelten heute als pathologisch, intellektuell unzureichend oder lügenhaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rückte sie 2019 anlässlich einer Ausstellungseröffnung in einen Zusammenhang mit Fake News und erklärte, wer ernsthaft glaube, „dass dunkle Mächte hinter politischen Entscheidungen stehen, […] der kann kein Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen haben“. Insofern sei der Kampf gegen Verschwörungstheorie „eine der großen Herausforderungen der liberalen Demokratie“.Die Präsidentin des Bayerischen Landtags Ilse Aigner schrieb 2021: „Verschwörungstheorien sind […] eine Gefahr für unsere Demokratie“. Befremdlich: Da wurde in der Französischen Revolution die bürgerliche Demokratie auch mit der Hilfe dieser Priesterverschwörungstheorie errungen und nun avancieren Verschwörungstheorien zu einer großen Bedrohung für die Demokratie. Verschwörungstheorien sind genau genommen das strikte Gegenstück zum aufklärerischen Denken! Ein Verdacht drängt sich da doch auf: Wenn eine Verschwörungstheorie zur Delegitimierung der Herrschaft von Adel und Klerus diente, gilt sie als ehrenhaftes Mittel des politischen Kampfes um die Macht, werden eine Verschwörungstheorie dagegen zur Delegitimierung von Herrschaftseliten in der jetzigen Zeit appliziert, werden sie als völlig Irrationales daimonisiert. Wikipdia hätte doch auch urteilen können, daß die Priesterbetrugstheorien zur Delegitimierung des Thron-und Altarbündnisses der Konstantinischen Epoche verwendet werden, so eine große Gefahr für die Regierungen darstellen und so zu bekämpfen seien. Aber das steht da nicht, weil das Lexikon das Ende des Thron-und Altarbundes begrüßt und somit auch dies Mittel der Kritik dieser Herrschaft, dagegen bejaht es uneingeschränkt die jetzige bürgerliche Herrschaft und verdammt so jede Kritik an ihr, auch die, die mit der Herrschaft delegitimierenden Verschwörungstheorien arbeitet.

Mittwoch, 24. August 2022

Gehen wir unter,wenn sich die Fundamente Europas auflösen?

 

Gehen wir unter, wenn sich die Fundamente Europas auflösen?


Gewalt reicht nicht, um eine Zivilisation zu zerstören.Jede Zivilisation stirbt an der Gleichgültigkeit gegenüber der ihr eigentümlichen Werten,die sie begründen.“


So urteilt Nicolas Gomez Davila. (Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2017, S.73) Zwei kleinere Korrekturen erlaube ich mir, die den Gehalt des Ausgesagten dann besser zum Ausdruck bringen. Die uns geläufige Unterscheidung von dem Begriff der Zivilsation von dem der Kultur ist außerhalb Deutschlands wenig bekannt, so daß man dort von einer Zivilisation spricht, wo der Begriff der Kultur angemessener wäre. Unter der Zivilsation möchte ich die Organisation der Naturbeherrschung verstehen, unter der Kultur das geistlich-geistige Leben. Werte, fundierende kann es so nur im Raume der Kultur geben, die Zivlisation ist durch ihre Zweckrationalität bestimmt.

Meine These: Wo von den eine Kultur fundierenden Werten geschrieben wird, da befindet sich eine Kultur schon in ihrem Verfall. Denn dann löst sich die sie fundierende Religion oder Weltanschauung schon auf und es verbleiben nur noch Werte als Trümmerstücke des einstigen Fundamentes.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus der Parteiengeschichte Deutschlands. Die SPD war bis zum Godesberger Parteitag offiziell eine Weltanschauungspartei, die des Marxismus. Dann reduzierte sie ihre Weltanschauung auf ein paar Grundwerte, die so unbestimmt sind, daß man diese Partei kaum noch von der CDU unterscheiden kann,die ebenso ihr christliches Fundament auf Werte reduzierte, christliche, denen, wie ich vor einiger Zeit irritiert feststellte, auch Muslime zustimmen könnten.laut dieser Partei. Vielleicht auch Atheisten?

Das Abendland lebte aus seinem christlichen Fundament. Am überzeugendsten und schönsten stellt das Novalis in seiner Schrift: „Christentum oder Europa“ dar. Wer von einem „Untergang des Abendlandes“ schreibt, meint somit immer zuerst das Verlöschen der Lebenskraft der christlichen Religion in Europa. Das Ende der „Konstantinischen Epoche“ mit der Nichtung der drei christlichen Kaisertümer, des zaristischen Rußlands und des Endes der Monarchien Österreichs und Deutschlands, kann wohl als das Ende des christlichen Europas angesehen werden. Jetzt verwandelte sich das Christentum zu einer Religion in Europa, wohingegen nun Ideologien den Kampf um die Vorherrschaft in Europa eröffneten: Der Liberalismus/Conservatismus und der Sozialismus/Kommunismus und der Faschismus/Nationalsozialismus. Sehr erörterungsbedürftig ist dabei die Frage, inwieweit Elemente der christlichen Religion in diesen politischen Ideologien weitergelebt haben, ja ob es diese ohne die entkräftete christliche Religion überhaupt hätte geben können.

Nach dem Endsieg über den „Real existierenden Sozialismus“ ist aber der Liberalismus zwischen einem mehr conservativen oder sozialliberalen Flügel sich ausdehnend die uns bestimmende Ideologie. (Ich unterscheide zwischen einer Weltanschauung und ihrer reflektierten Gestalt als einer Ideologie.) Ist so Europa am Untergehen, weil es sich entchristlicht oder überlebt es basierend auf dem Fundament der liberalen Weltanschauung?

Nur ein Prophet kann diese Frage letztlich respondieren. Aber einiges fällt doch auf: Die Herrschaft der „Politischen Korrektheit“ in Westeuropa, Osteuropa ist dem noch nicht völlig unterworfen, wie Ungarn beweist, aber auch Polen, ist genau genommen mit dem Liberalismus nicht kompatibel. Der Liberalismus, jetzt als Sieger sich proklamierend, man denke an die Parole vom Ende der Geschichte, traut selbst nicht mehr auf seine Kraft, er wird illiliberal, um seine Herrschaft abzusichern. Auch die Coronapolitik der Regierenden Europas ist eine klare Absage an dem Liberalismus gewesen. Glaubt der Liberalismus nicht mehr an sich selbst nach seinem Sieg 1989ff?


Und was bleibt jetzt noch von dem Fundament des einstigen Abendlandes, der christlichen Religion? Fragen wir einfach: Lebt die christliche Religion noch im einstigen Abendland, im jetzigen Westeuropa, das sich gern in dieser Tradition sah als die Antithese zum atheistischen Osten? Die Lage ist sehr unübersichtlich, aber der Trend einer sich beschleuniegenden Entchristlichung ist leider unverkennbar. Zwei große Katastrophen erwirkten diese Entchristlichung: a) die Reformation mit ihrer Folge der innerchristlichen Religionskriege und b) die Französische Revolution als der Kampfansage an das christliche Europa. Der Revolutionär Robespiere hatte ja versucht, die christliche Religion durch die kultische Verehrung der Vernunft zu ersetzen.

Ein Prophet bin ich nicht, so kann ich nicht sagen, ob wir noch auf eine Revitalisierung der christlichen Religion hoffen dürfen, es könnte auch sein, daß zumindest Westeuropa ein für die Kirche verlorener Kontinent werden könnte. Dafür spricht die schleichende Selbstsäkularisierung der Kirche in Westeuropa! In Osteuropa scheint es nicht ganz so negativ auszusehen, denkt man an den lebendigen Katholizismus Polens oder an die erstarkende Russisch-Orthodoxe Kirche.

Und das Gebet? Ja, wir dürfen und müssen Gott bitten, aber Gott kann auch unsere Gebete unerhört lassen.

Zusatz:

Kann eine Gesellschaft ohne eine Kultur existieren, wenn sie etwa alles auf das rein Ökonomomische reduzierte, alles zur käuflichen Ware degradierte?

Montag, 25. Mai 2020

Die christliche Religion und ihre Kirchen noch systemrelevant?

Coronakrise hat gezeigt: Kirchen sind nicht systemrelevant“- so titelte kath net am 22.5.2020. Zurückgefragt werden müßte, ob das nicht schon vorher bekannt war und ob wirklich erst die Coronakrise dies uns andemonstriert hätte. Daß das Messelesen nicht verboten wurde sondern nur, daß die Gottesdienste öffentlich gefeiert werden dürfen, sagt erstmal über die Systemrelevanz der Gottesdienste und Kirchen wenig aus. Es könnte erwidert werden, daß, da doch Verbrauchermärkte nicht geschlossen worden sind, die Gottesdienste aber nicht mehr öffentlich stattfinden konnten, dies zeige, daß Verbrauchermärkte systemrelevant wären, die Gottesdienste aber nicht.Aber dann müßte geschlußfolgert werden, daß Arbeitsämter und Rathäuser auch nicht systemrelevant seien, da doch auch diese geschossen wurden.Nein, die staatlichen Entscheidungen waren klar: Um der Eindämmung der Ansteckungen des Coronavirus willen wurden alle nicht unbedingt nötigen Kontakte so weit wie möglich unterbunden, denn jeder direkte Kontakt enthält nun mal ob dieser Seuche ein Ansteckungsrisiko. Die Kirchen konnten ja weiter ihr „Hauptgeschäft“ durchführen, also: Alle Messen konnten zelebriert werden und die Gläubigen konnten sie per Internet gut mitfeiern. Zudem kann nicht wegdiskutiert werden, daß auch fromme Kirchgänger täglich zu essen und zu trinken haben, aber die Allermeisten selbst unter den Christen gut ohne den Besuch eines Gottesdienstes auskommen. Darum mußten eben die Lebensmittelgeschäfte aufgesperrt bleiben, wohingegen Rathäuser, Arbeitsämter und Kirchen zusperrbar sind, weil es nicht unbedingt notwendig ist, da persönlich zu erscheinen.
Nein, es muß schon prinzipieller gefragt werden, ob die christliche Religion und die Kirchen wirklich systemrelevant sind. Hierauf fällt die Antwort leicht, wenn als Kontrast die „Konstantinische“ Epoche, das „Thron und Altarbündnis“ herangezogen wird, seinen Anfang nehmend mit Kaiser Konstantin und endgültig geendet mit dem Ausgang des 1.Weltkrieges, dem Sturz der drei großen christlichen Monarchien Europas, der russischen, der deutschen und der österreichischen. Das christliche Abendland ging da verloren, auch wenn der Anfang der Auflösung schon die Reformation und die daraus folgenden Religionskriege des 17.Jahrhundertes bildeten. Seitdem ist der Raum der Politik (des Systemes) ein von der Vernunft bestimmter, in dem religiöse Argumente keine Rolle mehr spielen können. Der Raum der Ökonomie hatte sich schon davor von der Religion befreit, so sehr auch der Geist des Kapitalismus auch aus dem Geiste des Protestantismus sich herausentwickelt hatte. (Vgl Max Weber). Die zwei von der christlichen Religion befreiten Räume des Politischen und Ökonomischen machen nun das System der modern säkularisierten Gesellschaften aus, die Religion wurde so in den Privatraum verschoben als Bestandteil der westlichen Kultur und zu der gehört noch für viele auch noch der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes und einer Konzertmusik in der Kirche. Aber ein Blick auf den gegenwärtigen Ethikdiskurs zeigt schon, daß auch in diesem Kernbereich der Kirchen, als sie noch systemrelevant waren, religiöse Argumente keine Rolle mehr spielen. Wenn Kirchen heute noch in dem Raum der Moral und Ethik mitdiskutieren, dann nur noch unter der Maskerade der Politischen Korrektheit. Westeuropa hat sich faktisch von seinem religiösem Fundament, es sei an Novalis: „Christentum oder Europa“ erinnert, so weit entfremdet, daß der Verlust der christlichen Religion gar nicht mehr als Verlust empfunden wird.
Wir erleben so eine Umstrukturierung der Kirchen zu Subsystemen des Sozialstaates mit der Kernkompetenz des diakonischen Engagements. Als solche werden sie noch geschätzt, auch wenn ihre Systemfunktionen dann von beliebigen anderen nichtstaatlichen Trägern auch übernommen werden könnten, sie sind austauschbar geworden.
Die christliche Religion ist aber mit dem Ende der Konstantinischen Epoche zu etwas rein Privatem geworden und so ist diese Religion ohne eine Systemrelevanz, zumal die Politische Korrektheitsideologie díe Funktion der öffentlichen Religion übernommen hat.


Dienstag, 25. Juni 2019

Wo die christliche Religion aufhört!

"Von der Vielzahl starker Ideologien, die das 20.Jahrhundert beherrscht und mobilisiert hatten, ist nur noch der fadenscheinige Banner des Antifaschismus übriggeblieben.Um so heftiger klammert man sich daran und versucht, ihn zu einer Art Staatsreligion zu machen." Rolf Peter Sieferle, Finis Germania, 2017, S.81.Ist also das 21. Jahrhundert eines ohne Ideologien, das so nur noch den Antifaschismus als quasi neue Staatsreligion kennt? Hier wird man doch mit Alexander Dugin den Liberalismus als die siegreiche Ideologie des 21. Jahrhundertes bezeichnen, die aber ihren ideologischen Charakter verloren hat, dem Anscheine nach, da sie als einzige Ideologie zur Selbstverständlichkeit des politischen Denkens geworden ist. (Dugin, Die vierte politische Theorie)
Aber wir stehen da vor weiteren Ungeklärtheiten: Wie verhalten sich denn überhaupt die Religionen, die öffentliche Staatsreligion und die Ideologien/Weltanschauungen zueinander?
Meine These: Ideologien/Weltanschauungen sind funktionale Äquivalente der Religionen. Im Zerfallsprozß des christlichen Abendlandes, der Konstantinischen Epoche entstanden Ideologien/Weltanschauungen als Konkurrenz zur öffentlichen Religion des Abendlandes, der christlichen. Wenn man das Ende der Konstantinischen Epoche mit dem Ende der drei christlichen Monarchien Rußlands, Österreichs und Deutschlands datiert, dem Ausgang des 1. Weltkriege, dann erblicken wir danach die Epoche der Ideologie/ Weltanschauungskonfikte, die bis zum  Zerfall des real existierenden Sozialismus 1989 währte. Und damit trat zwar nicht das Ende der Geschichte ein, (Francis Fukuyama), aber das Ende der Epoche der Ideologie/Weltanschauungskonflikte. Die christliche Religion verprivatisierte sich und nahm  "reuevoll" Abschied von ihrem Wahrheitsanspruch, als die einzig wahre Religion auch die öffentliche zu sein. Das war die Leistung des 2. Vaticanums, das so die ganze Konstantinische Epoche als Irrtum abqualifizierte, um nun nur noch als eine gleichberechtigte Religion neben den anderen zu existieren in der postmodern pluralistisch verfaßten Gesellschaft.
Aber warum erleben wir dann jetzt den tatkräftigen Versuch, wieder eine neue "Staatsreligion" in Europa und darüberhinaus zu etablieren, wenn diese Funktion doch die Ideologie des Liberalismus als der siegreichen zufiele? Daß die christliche Religion sich dieser neuen öffentlichen Religion des Antifaschismus/der Politischen Korrektheit/der Holocaustreligion subordiniert, beweisen ja am augenfälligsten die "Kirchentage" der evangelischen wie der Katholischen Kirche. Mit dem Ausschluß der AfD vom protestantischen Kirchentages in diesem Jahre zeigte der Protestantismus ja überzeugend, wie sehr er sich die Definition der Ketzer durch die neue öffentliche Staatsreligion zu eigen gemacht hat: Mit Ketzern redet man nicht, nur mit Politisch Korrekten ! 
Es drängt sich die Vermutung auf, daß die Ideologie des Liberalismus zwar stark ist, wenn sie einen Zersetzungskampf gegen andere Ideologien führt gerade im Namen des autonomen Individuumes, daß sie aber nicht stark genug ist, dann die durch sie atomisierten Individuen wieder zu Gemeinschaften zusammenzubinden. Der Liberalismus löst zwar alle kollektiven Identitäten auf, die des Volkes, die der Religion und die der Familie im Namen des Individuumes, aber es kann die Atomisierten nicht neu zusammenbinden zu einem gemeinschaftlichen Leben. Das soll nun die neue öffentliche Religion leisten. Die neue Vergemeinschaftung soll dabei durch eine Ausrufung des gemeinsamen Feindes erreicht werden, der als die Bedrohung des atomisierten Individuumes qualifiziert wird. Der Feind ist so für die neue Staatsreligion der Rechte, der Politisch Unkorrekte, der Nazi usw. Erst durch die Proklamation dieses Feindes der neuen öffentlichen Religion konstituiert sich so die Gemeinschaft der Gutmenschen, die einfach allein dadurch, daß sie gegen Rechts sind, die Guten sind.Diese neue Religion ist eine zutiefst dualistisch manichäische, weil es für sie nur die Guten gibt, die gegen die Bösen kämpfen.
Für uns Deutsche hat dies besondere Folgen, denn es gilt: "Der Antifaschismus ist in starkem Maße Antigermanismus".(Siefert, Finis Germaniae 2017, S.85). Der Böse ist so in erster Linie der Deutsche, der sein wahres Wesen in Adolf Hitler zum Ausdruck gebracht hat.So ist es nur konsequent, daß die Parole der Gutmenschen: "Deutschland verrecke" lautet. Das ist der politisch korrekte Antifaschismus der neuen öffentlichen Religion in der postkonstantinischen Epoche, der Kampf gegen Rechts ihr heiliger Kreuzzug gegen das Böse.  

Donnerstag, 16. August 2018

Lesefrüchte: Ohne Teufel kommt die Welt nicht aus!

"Der Deutsche, oder zumindest der Nazi, ist der säkulariserte Teufel einer aufgeklärten Gegenwart.Diese mündig und autnom gewordene Welt benötigt ihn als die Negativfolge, vor der sie sich rechtfertigen kann." 
"Aus der Kollktivschuld der Deutschen, die auf Auschwitz zurückgeht, folgt ebenfalls der Aufruf zur permanenten Buße, doch fehlt in dieser säkularsierten Form der Erbsünde das Element der Gnade und Liebe vollständig. Der Deutsche ähnelt daher nicht dem Menschen, dessen Schuld durch die Liebe Gottes zwar nicht revidiert, aber kompensiert wird, sondern dem Teufel, dem gestürzten Engel, dessen Schuld niemals vergeben wird und der für alle Zeiten in der Finsternis verharren wird." Rolf Peter Sieferle, Finis Germania, 2017,S.66 
In der diesem Text eigenen Ironie und Klarheit erfaßt dieser Text die Lage des Deutschen in der Gegenwart.Oberflächliche meinen, daß die Aufklärung das Ende jedes Teufelsglaubens sei,  daß man aufgeklärt nicht mehr das absolut Böse bräuchte, von dem her die Übel der Welt erklärt werden. Schon gar nicht bedürfe die Gegenwart einer Rechtfertigung.Aber all diese Vorstellung treten in der Nachtseite der Aufklärung, im Bilde des absoluten Feindes der Aufklärung wieder: im Nazi bzw. im Deutschen, der als solcher immer schon ein kleiner Hitler ist. 
Die christliche Religion ist nicht mehr die öffentliche Religion Europas, sie war es von Kaiser Konstantin bis zum Ende der drei letzten christlichen Kaiser Europas, Rußlands, Österreichs und Deutschlands nach dem 1.Weltkrieg. Das Ende dieser öffentlichen Religion hinterließ Leerstellen, die des Bösen, die nach dem Träger des Bösen. Es gibt gute Gründe dafür, zu sagen, daß die Politische Korrektheit die Funktion der öffentlichen Religion Europas übernommen hat. Was dabei aber nicht immer gsehen wird, ist, daß hierin dem Deutschen, bzw. dem Nazi die Funktion des Teufels zugeschrieben wird. Auschwitz steht dann nicht nur für das absolut Böse sondern auch dafür, daß hier der Deutsche seinen wahren Charakter erst offenbart hat, daß er für das Böse schlechthin steht. 
Der Deutsche ist nicht therapierbar, nicht resozilisierbar, er kann nur genichtet werden. Das meint nun nicht einfach den biologischen Tod, sondern daß der Deutsche zu entdeutschen ist. Denn solange er deutsch ist, ist er der Böse. "Die Erde aber wird von diesem Schandfleck erst dann gereinigt werden, wenn die Deutschen vollständig verschwunden, d.h. zu abstrakten >Menschen< geworden sind." (S.69)
Finis Germania ist dann auch die Parole aller politisch Korrekten, daß hier nur noch Menschen leben sollen ohne ihre deutsche Identität: der kulturlose Mensch, der so in eine multikulturelle  Gesellschaft leicht einpaßbar ist, weil er selbst nichts mehr ist. 
Welche Funktion erfüllt dabei die Vorstellung des absolut Bösen? Sah Nietzsche als notwendige Folge der Auflösung der Vorherrschaft der christlichen Religion den Nihilismus voraus, so wußte er auch, daß dieser um des Lebens willen wieder überwunden werden müsse durch einen neuen Wertehimmel. Da Gott nun tot war, kein neuer geboren werden kann, erfüllt die Idee des absolut Bösen nun die Funktion Gottes nach seinem Tode. Durch die Idee des absolut Bösen kann nun alles andere durch seine Relationierung auf dies absolut Böse als böse, aber weniger böse und als gut als Antithese zu diesem Bösen bestimmt werden. Gibt es erst ein absolut Böses, kann so ein neuer Wertehimmel aufgebaut werden, indem nicht alles relativ ist, sondern alles klar bestimmbar ist ob seiner Relationierbarkeit auf das absolute Böse hin. "Das ist böse, weil es ähnlich dem Holocaust ist,das ist gut, weil es oppositonell zum Holocaust steht", wird so zum Grundaxiom der Überwindung des postchristlichen Nihilismus. Und wir Deutschen haben dabei die Rolle des Teufels zu spielen. Nur wenigen ist es da gegeben, aus der massa perditionis sich herauszulösen, um als Anti-Deutscher sich zu erlösen von dieser Erbkollektivschuld: die antifaschistischen Gutmenschen!  

Anbei. Das Buch Finis Germania von Rolf Peter Sieferle sei hier ausfrücklich zur Lektüre empfohlen, denn man muß sehr lange suchen, um so viel Geistvolles in so wenig Text woanders zu finden.  
       

Dienstag, 9. Januar 2018

Mit der Waffe für die Kirche Jesu Christi?

"Patriarch Kyrill vertritt: Russische Intervention in Syrien habe „Genozid” unter Christen verhindertMoskau (kath.net/Fides) Russlands militärische Intervention im Syrien-Konflikt habe einen „Genozid“ an Christen im Land verhindert". Kath net am 9.Jänner 2018. 
Als Christ müßte man spontan angesichts dieser Nachricht doch ausrufen: "So nicht!" Hat sich denn Jesus Christus nicht ohne einen Widerstand zu leisten verhaften lassen, sagte er nicht zu seinen Begleitern: "Greift nicht zum Schwerte!"- ist so gesehen nicht die Gewaltlosigkeit das Signum christlicher Existenz, daß wir Christen nur mit den Waffen des Geistes für unseren Glauben streiten?  
Nur, ist diese Spontanreaktion auch angemessen? Zuvörderst: Der Sohn Gottes wußte, daß Gottes Wille es war, daß er nun verhaftet und gekreuzigt werden sollte. Darum widersetzte er sich nicht seiner Inhaftnehmung! Denn er hätte sich sonst Gott widersetzt. Aber wer wollte behaupten, daß die zu erwartende Auslöschung des Christentumes in Syrien Gottes Wille sei! Es gibt Feinde des christlichen Glaubens, die eben nicht allein durch Beten am Vernichten der christlichen Religion zu hindern sind.
In jüngster Zeit erlitten wir diese bittere Wahrheit im Spanischen Bürgerkrieg, als General Franco die Katholische Kirche Spaniens vor ihrem Untergang durch ihre Feinde bewahrte. Er besiegte sie militärisch und nur so wurde er zum Retter des spanischen Katholizismus.
So rettete jetzt Putins Militärintervention das Christentum in Syrien. Das sind bittere Wahrheiten, aber es sind Wahrheiten.
Wir Christen leben eben in einer noch nicht erlösten Welt, in der die Feinde der Wahrheit auch mit Militärgewalt gegen die Kirche vorgehen. In solchen Augblicken erleben wir aber auch, wie sehr die Schwertgewalt des Staates eine von Gott gewollte Ordnung ist. Denn Gott selbst verteidigt so seine Kirche gegen die Feinde der  Wahrheit. Das ist die tiefste Wahrheit der untergegangenen Konstantinischen Epoche, in der sich staatliche Mächte in den Dienst der Kirche stellten, anhebend mit Kaiser Konstantin. Sie taten und tuen dies aber gerade als Schwertgewalt. (vgl dazu die Staatsmetaphysik vom Apostelfürsten Paulus im Römerbrief, 13.Kapitel)
Es ist aber bezeichnend, daß diese Wahrheit in heutiger Zeit  der Patriach Kyrill verkündigt und Papst Franziskus schweigt dazu! 

Zusatz:
Nach dessen [Francos] Einmarsch in Madrid beglückwünschte der neue Papst Pius XII. in einer Rundfunkansprache die "geliebten Söhne des katholischen Spanien" zum Sieg über die "Proselyten des materialistischen Atheismus".  Spiegel Online vom 31.7.2017: Mit brennender Sorge. So klar erfaßte Pius XII den Stand der Dinge.  
"Am 1. April 1939, vier Wochen nach seiner Krönung, sandte Pius XII. an General Franco folgendes Telegramm: „Unser Herz zum Herrn emporhebend, bringen wir Eurer Excellenz für den ersehnten katholischen Sieg Spaniens unseren aufrichtigen Dank dar. Wir geben unserem Gelöbnis Ausdruck, daß dieses geliebte Land in dem erreichten Frieden mit neuer Kraft die alten christlichen Traditionen übernehmen möge, die es groß gemacht haben. Mit Gefühlen herzlicher Zuneigung senden wir Eurer Excellenz und dem ganzen edlen spanischen Volke unseren apostolischen Segen.“  Bezeichnend daß dies Zitat ich trotz längerer Suche nur hier fand:www.anarchismus.de/allgemeines/pius.htm
Die Katholische Kirche hat sich eben seit dem Ende der Konstantinischen Epoche und dem 2.Vaticanum, das nur von diesem Ende her begreifbar ist, vom wirklichen Leben weit entfernt, um wie Papst Franziskus in reinen Phantasiewelten zu leben! 

Sonntag, 26. November 2017

Humanitarismus und/oder christliche Religion

"Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.
Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Wir sind in der glücklichen Lage, daß wenn Christus uns im göttlichen Endgericht examinieren wird-
bestehen oder nicht bestehen?- wir die Fragen des Prüflings schon im Voraus zu wissen. Welchen Prüfling würde, vor einer sehr wichtigen Prüfung stehend das nicht mit Freude und Zuversicht erfüllen? Damit stehen wir nun schon vor der ersten Aporie dieser jesuaischen Verkündigung seines endzeitlichen Gerichtes. Die Schafe werden Christus fragen, wann haben wir dich nackt, hungrig etc gesehen? Aber seit dem Augenblick, da Jesus Christus uns sein Endgericht offenbart  und er uns seine Examensfragen kundgetan hat, ist diese Frage sinnlos geworden, denn wir wissen nun, wann wir Christus so gesehen haben. So kann es nun nicht mehr Christen geben, die sich richtig verhalten zu Hungernden, Nackten etc, ohne daß sie wüßten, daß sie so Jesus Christus selbst zu essen und zu trinken geben.
Diese Offenbarung des göttlichen Endgerichtes verunmöglicht so, daß das, was hier Jesus selbst verkündet,je wahr werden kann. Oder wir müßten präsumieren, daß es Christen gibt, die in Unkenntnis dieser Offenbarung so gehandelt haben.
Damit wird es aber noch komplizierter: Sollte etwa gemeint sein daß es im Endgericht Nichtchristen gegeben haben wird, die Armen so geholfen haben und daß sie so in das Reich Gottes eingehen werden und daß es andere Nichtchristen geben wird, die dann, weil sie Armen nicht geholfen haben, nicht in das Reich Gottes eingehen werden? In diesen beiden Fällen können ja Christen nicht gemeint sein, denn sie wissen ja in Folge dieser Gerichtsbelehrung durch Jesus Christus, was es bedeutet,Armen zu helfen: Was ihr Armen Gutes tuet, das tuet ihr Chrstus selbst. 
Wäre das nicht die völlige Humanisierung de christlichen Religion, denn nun käme es im göttlichen Endgericht nur noch darauf an, wie ich mich zu den Armen verhalten habe, ob ich in das Reich Gottes oder in die Hölle komme. Die christliche Religion bestünde so nur im praktizierten Humanitarismus (vgl Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral), der Glaube wäre völlig überflüssig, ja jede Art von Beziehung zu Gott und somit die Religion ! 
Nur, legten wir das so aus, könnte ein Christ weder Schaf noch Bock sein, weil er ja nun ob der Offenbarung und Belehrung Jesu weiß, welche Bedeutung die Armen für das Seelenheil haben! Dann würde der Adressat dieser Rede zwar die Kirche, aber sie würde hier nur über die Heilsmöglichkeit der Nichtchristen informiert.  Das ist nun schwerlich vorstellbar.
Bleiben wir bei der Vorstellung des Examens. Der Prüfling weiß in der Regel nicht, was er in der Prüfung gefragt wird. Durch diese jesuanische Gerichtsbelehrung verändert sich die Lage der zu Prüfenden, denn jetzt wissen sie die Examensfragen. Der Prüfer verkündet sie uns im Voraus, damit wir so die Möglichkeit bekommen, optimal vorbereitet in das göttliche Endgericht einzutreten. Also sind doch wir Christen die Adressaten mit der Aufforderung: Lebt wie die Schafe und nicht wie die Böcke in Hinsicht auf das göttliche Endgericht. Dabei habt ihr den Vorteil, im Gegensatz zu dem in dieser Erzählung Gerichteteten, daß ihr im Voraus die Prüfungsfragen kennt. Präpariert euch also dem gemäß.
Wer sind nun aber die Armen? Jeder, der arm ist, und auch jeder, der in einem Gefängnis sitzt? Denken wir uns einen Drogenhändler oder Mörder, zu langjähriger Gefängnisstrafe verurteilt, den nun ein Christ besucht. Warum sollte Gott urteilen: Was ihr diesem Schwerverbrecher getan habt, das habt ihr Jesus Christus getan? Hat Jesus Christus etwas gemein mit Schwerverbrechern? Oder ist Jesus in die Welt gekommen, um Hunger und Durst zu beseitigen? War das Ziel von Jesu Kommen die Errichtung einer sozial gerechten Welt, wobei er mit diesem Programm zu seinen Lebzeiten anfing, es aber nicht ganz realisieren konnte, sodaß er die Vollendung dieses Sozialprogrammes der Kirche auftrug? Soll uns diese Gerichtspredigt Jesu Christi eigentlich nur sagen, daß die einzige Aufgabe der Kirche und des einzelnen Christen die Diakonie ist mit dem Ziel einer Welt, in der alle Menschen genug an den für das Leben, ein gutes Leben gar notwendigen Gütern haben? 
Nur, hatte dies Sozialprogramm der Teufel Jesus Christus nicht schon in der Versuchung angeboten: Gebe allen Menschen an Nahrung, was sie brauchen und die Menschheit wird dich, Jesus zu ihren König  inthronisieren. Damit setzt dieser Menschenkenner voraus, daß dem Menschen seine Magenbedürfnisse das ihm wichtigste sind und daß darum Jesus sich auf diese Realbedürfnisse der Menschen zu kümmern habe, wolle er von ihnen wirklich als ihr Messias anerkannt werden. 
(Dostojeweskis Verdienst ist es ja gerade, die wirkliche Bedeutung dieser satanischen Versuchung begriffen zu haben. Dostojweski, Der Großinquisitor.)
Lesen wir aber genauer:  
"Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."  Wer sind nun die Brüder Jesu Christi? Es sind seine Schüler, die Christen! Nie bezeichnet Jesus alle Menschen als seine Brüder, sondern immer nur die Christgläubigen. Auch die Juden, sofern sie nicht an Jesus Christus glauben, sind ihm keine Brüder. Wenn Jesus also von ihm Gefängnis Sitzenden spricht, hat er Christgläubige vor Augen, die um ihres Glaubens willen inhaftiert wurden. Die Armen, das sind die Armen in den Gemeinden, aber auch wohl die christlichen Wanderprediger, die auf die Unterstützung durch die christlichen Gemeinden angewiesen waren, wenn sie nicht wie der Apostelfürst Paulus ihren Lebensunterhalt selbst sich verdienten. 
Also, nicht ein Armenfürsorgeprogramm zur Weltbeglückung stand Jesus Christus vor Augen, als er diese Gerichtsbelehrung  vortrug, sondern eine Konkretion für das christliche Gemeindeleben: In der Kirche hat es eine besondere Fürsorge für die Armen der Gemeinde zu geben und für die um ihres Glaubens willen Eingekerkerten. 
Das heißt für das göttliche Endgericht, daß eben nicht das Bekenntnis, Jesus ist der Herr!" allein genügt, um in das Reich Gottes einzugehen, sondern es bedarf des in Liebeswerken tätigen Glauben. Jesu Gerichtspredigt lehrt so das, was gerade das besondere Anliegen des von Luther so geschmähten Jakobusbriefes ist! Man darf so dieser Gerichtsbelehrung Jesu als eine Konkretisierung der Aussage des Apostelfürsten Paulus verstehen:"Denn so du mit deinem Munde bekennst Jesum, daß er der HERR sei, und glaubst in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du selig." (Röm 10,9) Bekennen meint so ein Tuen mit dem Munde und mit der Hand. Nicht ist so die Intention, die christliche Existenz auf eine sozialdiakonische Praxis  zu  reduzieren, sondern klar zu stellen, daß unser göttlicher Richter uns examinieren wird,ob wir einen in guten Werken tätigen Glauben gelebt haben, wobei Christus selbst hier an Liebeswerke an den Mitchristen denkt und gar nicht humanitaristisch an alle Menschen der Welt. 
Es ist anzunehmen, daß die Kirche erst in der Konstantinischen Epoche als Staatsreligion die allgemeine Armenfürsorge als ihre Aufgabe annahm in ihrer Cooperation mit dem Staate! Das war sicher ein richtiger Schritt, auch wenn die Kirche damit das ursprüngliche Anliegen dieser Gerichtbelehrung Jesu ausdehnt auf eine allgemeine Menschenliebe. Zu fragen ist aber, ob das noch das Anliegen der Kirche zu sein hat nach dem Ende der Konstantinischen Epoche, in der nun die Staaten die Sozialpolitik als ihre ureigenste Aufgabe ansehen!  (Vgl hierzu auch vortrefflich: Jürgen Elsässer, Nationalstaat und Globalisierung,2009) 

1. Zusatz:
Der späte Dietrich Bonhoeffer mit seiner Rede vom religionslosen Christentum, aber noch mehr die Befreiungstheologie neigten zu so so einer Transformation der christlichen Religion in einen Humanitarismus. Aber jetzt scheint das der vorherrschende Trend in der Katholischen Kirche geworden zu sein, anhebend mit  dem 2.Vaticanum! 

2. Zusatz:
Jesu Christi Verkündigung hatte ihr Zentrum in der Frage: Wie muß ein Mensch leben, damit er wohnen darf im Zelte Gottes (Psalm ), bzw. im nahe gekommenden Reich Gottes. Er verkündete kein Programm zur humanen Weltumgestaltung.Erst der Humanitarismus deutet Jesu Verkündigung so um, exemplarisch in:"Gaudium et spes" des 2.Vaticanums.