Mittwoch, 28. Dezember 2022
Stellt die Reformbewegung der „Deutschen Christen“ ein Vorbild für die jetzigen Kirchenreformern da?
Donnerstag, 6. Oktober 2022
Eine Zeitgeistkirche, die vehement deklariert, keine sein zu wollen
Eine Zeitgeistkirche, die vehement deklariert, keine sein zu wollen
Seit dem der „Synodale Weg“ kritisiert werde, er prostituiere sich mit dem Zeitgeist, fühlen sich Universitätstheologen zur Apologetik der Reformagenda berufen, besonders wenn gar ein Kurienkardinal, Kurt Koch gar das Offensichtliche, die Ähnlichkeit dieser Reformagenda mit den Reformvorstellungen der „Deutschen Christen“ thematisiert.
Der Schweizer Theologe Bogner intervenierte so
„Die >grundsätzliche Ablehnung<, die der Kardinal zuletzt gezeigt habe, sei >der Weg von der Kirche in die Irrelevanz und die Bedeutungslosigkeit<, sagte der Theologe aus Fribourg im Interview dem Schweizer Rundfunksender SRF (Dienstag). Der von Koch als negativ bezeichnete Zeitgeist >darf nicht einfach mit Beliebigkeit verwechselt werden<, betonte Bogner. >Zeitgeist beinhaltet all das, was in einer gewissen Zeit passiert. Etwa, dass Männer und Frauen gesellschaftlich gleichwertig zu behandeln sind. Dass Kinder Rechte haben oder dass sexuelle Orientierung etwas höchst Persönliches ist, das wir zu respektieren haben.<"
(Kath de, Theologe Bogner: Haltung von Kardinal Koch führt Kirche in Irrelevanz,5.10.22)
Könnte man noch einen Theologen der „Deutschen Christen“ fragen, warum denn deren Kirchenreformprogramm unbedingt notwendig sei, er stimmte aus vollem Herzen diesem Votum Bogners zu. Verharrte die Kirche, wie es die conservativ gestimmte „Barmer Bekenntnis“ einfordere, bei den ewigen Wahrheiten des christlichen Glaubens, verlöre so den Kontakt zu den Zeitgenossen und triebe die Menschen in die Hände der „Deutschgläubigen“ die nun eine für das deutsche Volk zeitgemäße Religion forderten, daß das Volk sich so vom Christentum abwende zu einer Religion, die ganz erfüllt sei von dem nun uns Deutschen alle erfüllenden Zeitgeist.
Die Angst vor dem Relevanzverlust der christlichen Religion beflügelt also gleichermaßen die Reformer des „Synodalen Weges“ wie die der „Deutschen Christen“. Inhaltlich müssen diese 2 Reformbewegungen selbstredend völlig Verschiedenes einfordern, denn der Zeitgeist der 30 Jahre ist nun einmal ein ganz anderer als der jetzige. Der Form nach sind sie aber gleich, denn es wird beides male eine Synthese der christlichen Religion mit dem jeweiligen Zeitgeist versucht. Nur durch solch eine Synthese könne die Kirche noch eine Relevanz für die zeitgenössischen Mitmenschen haben.
Dem Zeitgeist sich zuzuwenden und zu unterwerfen, hat nun nie etwas mit einer Beliebigkeit zu tuen, denn es herrscht in einer Zeit nur ein Zeitgeist, der von allen ihr Jawort hören will. So kleidet sich eine modebewußte Frau ja auch nicht beliebig, sondern immer so, wie es ihr die jeweilige aktuelle Mode vorschreibt. Abstruß ist aber die Behauptung dieses Theologen, daß alles, was in einer Zeitgeistepoche sich ereigne, zu diesem Zeitgeiste gehöre. Dafür sind moderne Gesellschaften viel zu komplex strukturiert, als daß ihr ganzes Leben durch nur einen Geist gesteuert gedacht werden könnte. (Vgl fundiert dargelegt bei N.Luhmann). Daß dann zur Charakterisierung des jetzigen Zeitgeistes nur die Vorstellung der Gleichwertigkeit der Geschlechter, daß Kinder Rechte hätten und die jede sexuelle Orientierung gehöre, herbeizitiert werden, erweckt aber den Eindruck, daß dieser Theologe sich nur sehr oberflächlich mit dem jetzigen Zeitgeist beschäftigt habe. Denn letztendlich soll so ja nur zum zigsten Male das Frauenpriestertum und ein kirchliches Ja zur Homosexualität eingefordert werden.
Bedenkenswert und Aufmerksamkeit verlangend ist dabei nun aber, daß diese 2 nun schon arg angestaubten Reformvorhaben gar nicht theologisch begründet werden, sondern einfach nur damit, daß die Kirche sich dem jetzigen Zeitgeiste anzupassen habe. Warum? Wenn die Kirche eben an ihren Wahrheiten festhielte, awürde sie für ihre Zeitgenossen irrelevant werden. Das ist so banal, wie ein Buchgeschäft eben die Bücher in die Regale stellt, von denen zu erwarten ist, daß sie gekauft werden und die unverkäuflichen aussortiert. Es soll nun dogmatische Buchgeschäftsinhaber geben, die immer noch die Klassiker in ihre Regale stellen, von Goethe bis Thomas Mann, aber die dürfen sich dann nicht wundern, wenn sie ihre Insolvenz anmelden müssen.Damit die Kirche nicht Konkurs anmelden muß, muß sie eben kundenorientiert ihre Angebote ausrichten und dazu gehört unbedingt Frauen als Priester und ein begeistertes Ja zum Homosex.
So geht die Theologie zugrunde, wenn sie Theologie mit schlichtem Marketing verwechselt!
Samstag, 1. Oktober 2022
Der unerlaubte „Nazi-Vergleich“- oder wie man eine richtige Erkenntnis verteufelt
Der unerlaubte „Nazi-Vergleich“- oder wie man eine richtige Erkenntnis verteufelt
Kardinal Koch stellte eine Ähnlichkeit des theologischen Anliegens des „Synodalen Weges“ mit den Reformanliegen der „Deutschen Christen“ der 30er Jahre fest und dafür wird er nun in der Luft zerrissen. Was hatte er denn nun gesagt? Laut Kath net : „Wird Bätzing zur Petze“ (29.9.2022.):
„Koch hatte in einem Interview folgendes gesagt: "Es irritiert mich, dass neben den Offenbarungsquellen von Schrift und Tradition noch neue Quellen angenommen werden; und es erschreckt mich, dass dies – wieder – in Deutschland geschieht. Denn diese Erscheinung hat es bereits während der nationalsozialistischen Diktatur gegeben, als die so genannten „Deutschen Christen“ Gottes neue Offenbarung in Blut und Boden und im Aufstieg Hitlers gesehen haben. Dagegen hat die Bekennende Kirche mit ihrer Barmer Theologischen Erklärung im Jahre 1934 protestiert, deren erste These heisst: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle der Verkündigung ausser und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“
Es ist unmöglich, diese Ähnlichkeit zu übersehen. Die „Deutschen Christen“ agierten dabei als Überzeugungstäter, nicht als Opportunisten. Ihr Anliegen war eine zeitgemäße Kirche mit einer zeitgemäßen Theologie, um den Kontakt mit den Zeitgenossen nicht zu verlieren. Die nationalsozialistische Weltanschauung galt ihnen dabei als die Weltanschauung auf der Höhe der Zeit, die so auch die Kirche zu rezipieren habe. Konkret hieß das, daß das Führerprinzip, dem gemäß der Staat strukturiert wurde, von der evangelischen Kirche übernommen werden sollte. Eine evangelische Kirche sollte die Widerstreite zwischen lutherisch und reformiert im Geiste einer innerprotestantischen Ökomene überwinden, die dann von EINEM Reichsbischof geführt werden sollte. Die Theologie sollte eine Synthese zwischen der evangelischen Theologie und der nationalsozialistischen Weltanschauung bilden. Pastoraltheologische Überlegungen dominierten dabei:Wie können wir heute noch glaubwürdig die Volksgenossen erreichen?
Zwei Konkurrenzmodelle widerstritten den „Deutschen Christen“: das conservative Konzept einer Kirche der ewigen Wahrheiten und das revolutionäre, daß das deutsche Volk nun eine ihm gemäß neue Religion bräuchte, eine deutsche Religion. Als gemäßigten Vertreter dieser Option ist wohl Alfred Rosenbergs: „Mythos des 20.Jahrhundertes“ anzusehen- dies Werk setzte die Katholische Kirche auf den Index der nichterlaubten Bücher. Die „Deutschen Christen“ suchten so einen Mittelweg zwischen einem conservativem Bewahren der christlichen Wahrheit und dem Willen zur Überwindung der christlichen Religion durch eine zeit- und volksgemäße.
Als weitere Offenbarungsquelle neben der hl. Schrift sollte nun das in der Geschichte erkennbare Wirken Gottes in der Geschichte treten. Dies wurde nun gerade in der nationalsozialistischen Bewegung wahrgenommen. Die Euphorie übertrug sich auf Christen, die nun Christen bleiben wollten und zugleich Anhänger dieser Bewegung werden wollten. Das ihnen vorschwebende Christentum war so ein Bindestrichchristentum: Jesus Christus allein reichte nicht, man wollte auf 2 Beinen stehen, Christ und Hitleranhänger zugleich sein. Faktisch übernahm dann die nationalsozialistische Ideologie die Funktion der Norm für den christlichen Glauben: Nur das an Christlichem, was mit dieser Ideologie kompatibel sei, konnte noch in das zeitgemäße Christentumsverständnis aufgenommen werden, alles andere mußte als überholt abgeschafft werden.
Wenn Rudolf Jung in seinem Buch: „Der nationale Sozialismus“ schreibt:“Jesus hat keine Kirche und keinen Priesterstand begründet, er war vielmehr der erbitterste Feind derJahwepriester“und wenn er dann den „starren Zentralismus“ der Kirche kritisiert, die „Bibelgläubigkeit“ (= Fundamentalismus), und daß die Kirche gegen Jesu Willen zu einem „Herrschaftsinstrument“ deformiert sei, dann dürften viele heutige „Kirchenreformer“ dem begeistert zustimmen! (Reprint 2019, S.121)
Unübersehbar liegt hier Kardinal Koch richtig und darum wird nun gegen ihn polemisiert! Die Ähnlichkeiten zwischen der Reformbewegung der "Deutschen Christen" und dem "Synodalen Weg" kann nur verkannt werden, wenn man den "Deutschen Christen" jede gute Absicht absspricht, sie einfach daimonisiert und für sich selbst dagegen behautet, daß man nur gute Absichten hege und daß "Gut gemeint" schon "Gut getan" sei.