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Dienstag, 21. Juli 2026

„Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“

 

Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“


Der Moraltheologe Sautermeister hielt diesen Vortrag auf eine Einladung der „Katholischen Akademie Freiburg“ im Jahre 2024 und er ist unter diesem Titel auch leicht im Internet auffindbar. Gleich am Anfang seines Vortrages erklärte dieser Theologe, daß die Normativität von Offenheit und Toleranz nicht (mehr) eigens zu begründen sei, da sie sich selbstverständlich aus der christlichen Religion, der Theologie und isb der Moral- und Soziallehre ergäbe. So sei nur noch die Frage, was uns behindere, diesem normativen Anspruch zu genügen, zu erörtern! Er lieferte dann einen politisch korrekten Vortrag, der nicht erörterungsbedürftig ist.

Statt nun gleich auf einer theoretisch abstrakten Ebene diesen normativen Anspruch zu kritisieren,möchte ich ein paar einfache Anschauungsbeispiele vorführen, die diesen normativen Anspruch zweifelhaft erscheinen lassen.

Ist eine Ehefrau verpflichtet, die Seitensprünge ihres Mannes zu tolerieren und offen zu sein für ein Eheverständnis, das ein Recht auf ein Fremdgehen inkludiert? Müßte dann nicht auch unterschieden werden, ob eine Frau prinzipiell es toleriert, wenn ein Mann so ein liberales Eheverständnis bejaht, aber es nicht toleriert, wenn ihr Ehemann das dann so praktiziert? Gibt es so eine Differenz zwischen etwas prinzipiell Tolerierbaren, daß aber dann von einer bestimmten Person als für sie nicht mehr tolerierbar markiert wird?

Was würde wohl die Hörerschaft dieses Vortrages sagen, erklärte ein Familienvater,daß er die Prügelstrafe für ein adäquates Mittel seiner Kindererziehung erachtet und eine Tolerierung einfordert von den Verneinern dieser Strafpädagogik?

Spätestens hier wird klar, daß es einer Unterscheidung bedarf einerseits zwischen bestimmten Personen nicht Tolerierbarem, etwa, daß ein Gast in seiner Wohnung raucht,obzwar der Einlader ein strikter Nichtraucher ist und Handlungen, die prinzipiell nicht tolerierbar sind, etwa die Prügelstrafe für Kinder. Ganz auf die Unterscheidung von Tolerierbarem und Untolerierbarem zu verzichten, ist auf jeden Fall mit dem Gebot der Nächstenliebe unvereinbar!


Es gibt Bereiche, in denen klar gewußt wird, was wahr und was unwahr ist. Im Rechenunterricht wird so die Antwort „13 „oder „11“ nicht als Antwort auf die Lehrerfrage: „Was ist 5 plus 7?“ toleriert. Nur in den Bereichen, in denen nicht eine wahre Aussage von einer falschen unterscheidbar ist, kann berechtigt Toleranz und Offenheit praktiziert werden. So ist weder die Existenz noch die Nichtexistenz von von Nichtirdischen geflogener UFOs beweisbar und so ist sowohl der Glaube wie auch der Unglaube an UFOs zu tolerieren.


Wie steht es nun aber, wenn die kirchliche Morallehre bestimmte Handlungen als unmoralisch und als nicht tolerierbar beurteilt? Hier herrscht weitestgehend die Meinung vor, daß das nur eine Kirchenmeinung sei, die man bejahen oder auch verneinen könne. Im Bereich der Religionen und Weltanschauungen gäbe es keine Kriteriologie des Unterscheidenkönnens von wahr und falsch, sodaß jede Religion und jede Weltanschauung zu tolerieren sei. Damit muß sich jeder Gläubige, jeder Anhänger einer Religion und Weltanschauung sich zerspalten in ein gläubiges Subjekt, das ist eine, das seine Religion für wahr hält und in ein Subjekt innerhalb der pluralistisch strukturierten Gesellschaft, die jede Religion und Weltanschauung als gleich wahr anerkennt. Das heißt faktisch, daß er seinen Glauben für gleichgültig erklärt. Mit Slavoj Zizek gesagt: Für ihn ist seine Religion ein Kulturgut, das er praktiziert, ohne an sie selbst noch zu glauben.

Die Alternative wäre der Kampf aller Religionen und Weltanschauungen widereinander, da keine, nicht nur nach dem Urteil Max Webers ihren Wahrheitsgehalt verifizieren könne. Die Postmoderne offeriert dazu das Konzept der Vergleichgültigung aller Wahrheitsansprüche, die dann aber jeden Glauben an eine erkannte, weil gar offenbarte Wahrheit ausschließt und so als nicht tolerierbar reprobiert.


Nun ist der Diskurs des Unterscheidens von dem Tolerierbarem und dem Nichttolerierbarem kein herrschaftsfreier Diskurs im Sinne J. Habermas, sondern ein durch den Willen zur Macht (Nietzsche) geformter. Wer die Macht innehat, bestimmt, was wahr und unwahr, was tolerierbar und was untolerierbar ist. Die politische Korrektheit und der Kampf gegen Rechts zeigen, wie die Macht das Sag- und Nichtmehrsagbare definiert. So ist es jetzt unvorstellbar geworden, daß an einer österreichischen oder deutschen Universität ein Vortrag stattfinden könnte, in der der Vortragende die Lehre der Kirche in der Causa der Homosexualität bejahend vortragen könnte: Er würde einfach niedergebrüllt. Das Faustrecht ersetzt den Wahrheitsdiskurs. Das Verbietenwollen nichtkonformistischer politischer Meinungen gehört heute eben zu den Selbstverständlichkeiten des politischen Diskurses.


Es müßten also diese Unterscheidungen in dieser Causa getroffen werden: Erstens müssen die Räume unterschieden werden, in denen wahre von unwahren Aussagen unterschieden werden können,(etwa die Mathematik) von denen, in denen solche Unterscheidungen nicht treffbar sind, dazu zählt heute die Welt der Religionen und die der Weltanschauungen.

Dann müßte in den Privaträumen unterschieden werden, was zwar prinzipiell tolerierbar aber nicht für jeden tolerierbar ist.

Im politischen Raum dagegen gilt es, den Machtkampf wahrzunehmen, daß hier ausgekämpft wird, was als wahr und was als unwahr und nicht mehr tolerierbar festgesetzt wird. Seit dem Ende des Real existierenden Sozialismus 1989f behauptet sich der Liberalismus als einzig wahre Ideologie, die nun aber im Islamismus und noch mehr in der „Rechten“ ihren zu bekämpfenden Feind sieht. Der „Feind“ (Carl Schmitt) ist der Nichttolerierbare- der Liberalismus hat eben dazu gelernt. Die Kirche macht sich diese Feinderklärung mustergültig zu eigen: Wer und was ist auszugrenzen aus dem Diskurs, wer und was ist intolerabel! 

Corollarium

Im Alten Testament wird die Beziehung Gottes zu dem Volke Israel als ein Ehebund gedacht: Jedes Fremdgehen wird als die Sünde Israels qualiiziert.Von einer Tolerierung solcher Ehebrüche ist keine Spur erkennbar. Seit dem sich der Monotheismus in Israel durchsetzte, im babylonischen Exil werden alle Religionen als Götzenverehrung verurteilt, nur die Jahwereligion ist wahr. Eine Toleranz oder Offenheit anderen Religionen gegenüber ist hier unvorstellbar.

Im Neuen Testament: Jesus Christus bezeichnet sich selbst als die einzige Wahrheit. Den Juden, die ihn nicht als den Sohn Gottes und ihren Messias anerkennen,wirft er ihren Unglauben vor, nirgends wird das jüdische Nein zu ihm toleriert! Der Apostelfürst Paulus polemisiert gegen seine christlich-gnostischen Kritiker in den 2 Korintherbriefen: Von einer Toleranz ist da nichts spürbar, obschon es ein innerchristlicher Konflikt über die Weise der Vorstellung über das ewigen Lebens war. Die heidnischen Religionen werden stets nur negativ beurteilt, ja ihren Anhängern droht gar die ewige Verdamnis, wenn sie sich nicht zu Christus bekehren. Ist das tolerant?  




Freitag, 10. Juli 2026

Wir werden aufgeklärt über „die Wurzeln allen Übels“ oder was macht den heutigen Christen aus?

 

Wir werden aufgeklärt über „die Wurzeln allen Übels“oder was macht den heutigen Christen aus?



Dagegen wußte er sehr genau,daß die Propheten des Hexameron vom Übel waren1.Die Spur der Tränen und des Leidens zog sich wie ein blutigroter Faden durch die Geschichte aller zivilisierten Völker: Immer waren es die ideologischen Eiferer gewesen,die Unheil brachten.Es war nichts gegen eine Ideologie,gegen einen Glauben religiöser,politischer oder soziologischer Art einzuwenden.Das denkende Wesen war gezwungen,sich ein Weltbild zu zimmern,an dem es sich orientieren konnte. Die Probleme entstanden dann,wenn der Glaube oder die Ideologie Anspruch darauf zu erheben begannen,die einzige und unbestreitbare Wahrheit zu sein.Ansprüche dieser Art gebaren Intoleranz,aus intoleranten Gläubigen wurden Zeloten, und Zeloten waren die Wurzeln allen Übels.“2

In

de

In In den PI   In den Perry Rhodan Romanen 1 bis 1360 treten relevant solche Ideologien,

solche Gläubigen nicht auf, in diesem Band werden die Anhänger des Hexamerons zum ersten Male so charakterisiert.Die „Geschichte aller zivilisierten Völker“ ist so auf die reale Menschheitsgeschichte zu beziehen und nicht auf die fiktive der Völker des Perry Rodan Universumes. Die Trias: religiös, politisch und soziologisch gibt zu denken. Da religiös auf die christliche Religion zu beziehen ist, der Roman ist 1987 verfaßt worden und da stand der Islam bei weitem noch nicht so wie jetzt im Zentrum des Diskurses um den religiösen Fanatismus und soziologisch wohl auf alle marxistischen Heilslehren dürfte politisch für den Nationalsozialismus bzw Faschismus stehen.

Die Zeloten sind nun die nationalrevolutionäre jüdische Befreiungsbewegung zu Zeiten Jesu.Sie verstehen sich dabei als die Zeloten= die Eiferer um das Gesetz Gottes in der Tradition des Befreiungskampfes der Makkabäer. Der Apostelfürst Paulus urteilt über die Juden, daß die Eiferer um Gott seien, das meint er als eine Auszeichnung, aber mit Unverstand,da sie nicht an Jesus als den Christus glauben. (Röm 10,2). Für ihn haben wir Christen so auch Zeloten zu sein, aber verständige in unserem Glauben an Jesus Christus.

In diesem Kurztext wird uns das Basiscredo der Postmoderne vor Augen gestellt: Aufklärungskritisch wird hier die Unhintergehbarkeit von Weltbildern, Ideologen oder Religionen behauptet und zugleich ihre Unwahrheit ausgesagt: Es sind nur Konstruktionen, die uns helfen, besser im Leben zu recht zu kommen und fungieren somit als nützliche Illusionen. Daß ein Mal alle Ideologien bzw Religionen als ein falsches Bewußtsein des Menschen und der Welt überwunden sein werden.diese Wissenschaftsutopie ist hier aufgegeben.

Das Elend begönne nun aber, wenn eine Religion oder eine Religion sich als die einzig wahre behaupte. Faktisch ist in der Sicht des Romanautors jede Religion und jede Ideologie unwahr aber sie seien eben nützlich für das Leben. Hierbei widerstreiten sich nun die Binnenperspektive des jeweiligen Anhängers einer Religion bzw Weltanschauung, daß die jeweilige für ihn und für alle als wahr gilt mit der Außenperspektive, daß jede Religion und jede Ideologie keine Wahrheit sei und für sich beanspruchen dürfe.

Der Gläubige müßte sich somit zerteilen in ein gespaltendes Subjekt, daß es einerseits an die Wahrheit seiner Religion oder Weltanschauung glaubt für sich und für alle und daß es andererseits das Wahrsein dann bestreitet, daß eben alle Religionen und Ideologien gleich wahr und auch gleichgültig seien. Dies Zerspaltung muß nun aber jede Religion oder Ideologie entvitalisieren. Mit Slavoj Zizek könnte man urteilen: Sie werden zu Kulturgütern, die man noch praktiziert, ohne noch an sie zu glauben.

Damit nähert sich dieser Text der Friedensutopie John Lennons an, der in seinem Lied: „Imagine“ von einer Welt ohne Religionen träumt, denn nur so könne es eine friedliche sein.

Die Welt, so wie sie wirklich ist, ist keine,in der der Mensch leben könnte.Im Sinne Max Webers könnte gesagt werden, daß die Welt als Seiendes, als entzauberte uns keine Auskunft darüber geben kann, was wir wollen sollen, was wir hoffen können, welche Ziele wir überhaupt erstreben sollen. Diese Fragen können nur Religionen bzw Ideologien beantworten, aber diese sind weder verifizierbar noch falsizierbar.: Es sind irrationale Vorstellungen, ohne die der Mensch aber nicht auskommt. Da es nun keine Vernunft gibt, die die divergierenden Wahrheitsansprüche auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen könne, entsteht uns eine Epoche der ideologischen Kämpfe oder der Religionskämpfe.

Der Perry Rhodan Autor sucht hier nun nach einer Alternative, daß die jeweiligen Gläubigen ihren Glauben als wahr anerkennen dürfen und zugleich ihren Glauben als gleichgültig beurteilen sollen.Das wären ungläubige Gläubige..

Es drängt sich der Verdacht auf, daß das genau den postmodernen Christen charakterisiert.




1Es reicht für unseren Zweck zu wissen, daß die „Propheten“ religiöse Eiferer sind. Wer Näheres wissen möchte sei auf die Perry Rhodan Romane 1350 bis 1399 verwiesen, ein wunderbares Leseerlebnis!

2Kurt Mahr, Das Anklam.-Projekt, Perry Rhodan Bd 1361.

Montag, 12. Januar 2026

Hat Papst Franziskus etwa den Philosophen der Postmoderne, Lyotard gelesen? Seine Fundamentalismuskritik!

 

Hat Papst Franziskus etwa den Philosophen der Postmoderne, Lyotard gelesen? Seine Fundamentalismuskritik!


Diese Frage wird selbstverständlich jeder,der diesen Papst auch nur ein wenig kennt ,ohne Zweifel mit einem „Nein“ beantworten und auch seinen Redenschreibern wird es gewiß nicht einfallen,diesen manchmal recht hemdsärmelig Daherredenden mit einem so außerordentlichen Philosophen in irgendeine Beziehung zu setzen außer der der völligen Ignoranz.

Nur querdenkerisch Veranlagte sehen Verbindungen, die es nicht geben kann. In einem Interviev des Papstes:: „Ich habe kein persönliches Projekt unterm Arm, sondern führe aus, was wir Kardinäle überlegt haben“1 erwiderte der Papst auf die Anfrage, daß doch im Namen Gottes die Gewalt im Nahen Osten praktiziert wird: Das ist ein Widerspruch. Gewalt im Namen Gottes passt nicht in unsere Zeit. Das ist etwas Altes. Aus historischer Perspektive muss man einräumen, dass wir Christen sie zeitweise praktiziert haben. Wenn ich an den Dreißigjährigen Krieg denke, dann war das Gewalt im Namen Gottes. Heute ist das kaum vorstellbar, nicht wahr? Wir kommen manchmal aus religiösen Gründen zu sehr ernsten, sehr schwerwiegenden Widersprüchen. Fundamentalismus, zum Beispiel. Wir drei Religionen haben jeweils unsere fundamentalistischen Gruppen, klein im Verhältnis zum ganzenRest.“

Die Aussage, daß die „Gewalt im Namen Gottes“ nicht in unsere Zeit passe, ist nun mehr als seltsam: Soll das etwa heißen, daß Gott früher, vor unserer Zeit eine Gewaltanwendung in seinem Namen bejaht habe, nun aber es sich anders überlegt hätte und das nun reprobiere? Oder soll das heißen, daß früher die Kirche Gottes Willen mißgedeutet hätte und daß die Kirche nun diesen Irrtum eingedehen hätte? Pauus predigt den Juden, was alles Gott Gutes für sein Volk Israel getan hat. Da sagt er dann: „Sieben Völker hat Gott im Lande Kanaan vernichtet und ihr Land den Isreaeliten zum Besitz gegeben.“ (Apg 13,19) Das „und“ ist hier als ein: „um zu“ zu lesen. War das nicht eindeutig eine extreme Gewaltausübung im Namen Gottes? Gott hat ja nicht unmittelbar selbst die sieben Völker vernichtet sondern hat das Volk Israel dazu befähigt, diese Völker auszurotten.

Entweder müßte nun im Sinne des Papstes geurteilt werden, daß Gott halt seine Meinung geändert hätte, wie es bei Politikern usus ist und jetzt wolle er keine Gewaltanwendung mehr in seinem Namen oder es müßte geurteilt werden, daß der Apostelfürst Paulus hier Gott falsch verstanden hätte, denn Gott würde niemals so gewaltsam handeln, Nur, was machen wir dann mit der Sintflut, in der Gott die ganze Menscheit bis auf 8 vernichtete?

Also, nur noch Fundamentalisten übten Gewalt im Namen Gottes aus und die gäbe es leider in allen drei Weltreligionen. Damit nimmt der Papst erstmal die islamische Religion aus der Schußlinie: Im Namen des Gottes Mohammed führen ja die Palästinenser ihren Krieg gegen den jüdischen Staat. Das sei kein spezifisch islamisches Phänomen sondern eben eines aller Religionen: „Gläubige aller Religionen, vereint Euch im Kampfe wider jeglichen Fundamentalismus!“ , lautet so die päpstliche Parole des interreligiösen Dialoges.

Aber was zeichnet denn nun den Fundamentalismus, der in allen Religionen als randständig beheimatet ist, aus? Der Papst belehrt „Eine fundamentalistische Gruppe ist gewalttätig, selbst wenn sie niemanden tötet und niemanden schlägt. Die mentale Struktur des Fundamentalismus ist Gewalt im Namen Gottes.“ Wie kommt der Papst nun auf diese Charalterisierung des Fundamentalismus? Seine Intention ist eindeutig: Es gäbe auch einen Fundamentalismus in der Katholiischen Kirche und auch im Protestantismus, damit nicht der Eindruck entsteht, daß das nur ein Problem der anderen Religionen und nicht der christlichen sei. Da im Christentum kein militanter erkennbar ist, konstruiert er eine fundamentalistische Mentalität, die schon gewalttätig sei, auch wenn sie nicht direkt gewalttätig auftritt. (Selbstredend zählt der Papst die Anhänger der „Alten Messe“ auch zu so mentaln Gewalttätern.)

Aber woher stammt nun diese Konstruktion, daß jeder Fundamentalismus schon in sich gewalttätig sei? Hier findet sich nun die Antwort bei dem Philosophen der Postmoderne! „Lyotard asoziiert die Einbildung, im Besitz der Wahrheit zu sein, mit Terror.“2 Das entspricht exakt dem Fundamentalismusverständnis dieses Papstes. Das Gefährliche sei, die „Gewissheit,dass man im Besitz der Wahrheit ist – und dass man das Recht hat, in ihrem Naamen Menschen zu töten.“3 Das ist ein Spezificum des postmodernen Denkens, daß das Wesen des Totalitarismus, des kommunistischen wie des nationalozialistischen in dem Glauben, die Wahrheit erkannt und zu besitzen, besteht. Die Demokratie dagegen fundiere sich in dem Axiom, daß die Wahrheit nicht erkennbar sei, sondern daß es nur eine Pluralität von Meinungen gebe. Das schließe auch die Vorstellung aus, daß die Wahrheit, oder das, was das Gemeinwohl sei, durch eine Offenbarung Gottes erkennbar geworden sei. Das ist eine der Zentralaussagen der Vorlesung: „Grundkurs politische Systeme“ von Professor Patzelt.4

Im theologischen Diskurs auf der „Höhe“ der Postmoderne wird deswegen die durch Gottes Offenbaren erkannte Wahrheit substituiert durch die Vorstellung eines Suchens nach der (noch) nicht erkannten Wahrheit, wobei dann alle Religionen als gleichwertige Suchbewegungen auf- und auch abgewertet werden, denn in keiner sei die Wahrheit als erkannte präsent. Davon zu unterscheiden ist die Diskursregel, jede Religion als gleich wahr anzunehmen, um einen Streit, welche sei wahrer als die andere zu verumöglichen.

Die Erkenntnis der Wahrheit wird dabei als etwas Freiheitsgefährdendes und die Gewaltbereitschaft Förderndes diskreditiert. In der Patzeltvorlesung wird dazu der primäre von dem sekundären Totalitarismus unterschieden, daß zuerst der Besitz der Wahrheit behauptet wird im Namen einer Ideologie, einer Offenbarung Gottes oder eines charismtischen Führers und daß dann als die Reaktion auf die Weigerung, diese Wahrheit anzuerkennen, gewaltsam gegen die „Ungläubigen“ vorgegangen würde.

Wer daraufhin Papst Franziskus Meinung zum Fundamentalismus liest, kann nicht umhin festzustellen, daß der Papst das auch so sieht. Seine liberalistische Auflösung der Theologie speist sich aus dieser Ablehnung von der Idee einer Offenbarung der Wahrheit. Es soll eben keine offenbarten Wahrheiten geben.

Anbei sei hier noch eine besondere Spielart eines so verstandenen Antifundamentalismus angesprochen werden: Die Glaubenslehre der Kirche als ein System von wahren Aussagen, wird auf eine Wahrheit reduziert, und die soll die Person Jesus (mit oder ohne den Christustitel) sein, und diese Person vermittele uns nur eines, die Liebe Gottes zu allen Menschen. Es gäbe so gar keine Glaubenswahrheiten, sondern nur die Praxis dieser Liebe. 

Thomas von Aquins und damit auch das Wahrheitsverständnis der Katholischen Theologie ist dagegen fundamentalistisch: Die Theologie ist "eine wahre Wissenschaft,weil sie von sicher feststehenden Grundwahrheiten (principia), den Offenbarungslehren ausgeht,in einem streng wissenschaftlichenBeweisverfahren neue Erkenntnisse, theologische Folgesätze (conclusiones) daraus ableitet und das Ganze zu einem geschlossenen System vereinigt." Ludwig Ott,Grundriss der Dogmatik, 2005,S.24. 




1 Radio Vatican 13.6,2014

2Catherine Belsey, Poststrukturalismus, 2013,S151.

3A.a.O. S.151.

4Die 14 teilige Vorlesung ist leicht im Internet zu finden und sehr hörenswert.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Unzeitgemäßes aus der Angebotspalette der Kirche streichen?

 

Unzeitgemäßes aus der Angebotspalette der Kirche streichen?



Für ein Kleidergeschäft ist es eine selbstverständliche Praxis, die Wintermäntel, wenn der Frühling droht, abverkaufen zu lassen, die Lager zu räumen für die neue Frühjahrskollektionen. Der evangelische Theologe Paul Tillich kam auf eine ähnliche Idee: Da der Mensch nicht zu allen Zeiten die gleichen existentiellen Fragen stelle, sei stets auf das Neue die aktuelle Frage zu eruieren, um daraufhin das kirchlich-theologische Angebot auszurichten. So hätte der Mensch einst gefragt, wie er aus seinem Todesschicksal errettet werden könne, dann, als diese Frage obsolet geworden war danach, wie er einen gnädigen Gott bekommen könne und der moderne Mensch früge stattdessen nach dem Sinn seines Lebens.

So könnte es sich ereignen, daß gelehrte und verkündigte Wahrheiten das Schicksal eines Wintermantels erleiden, den wer im Hochsommer zu verkaufen versucht. Nur läßt sich die aktuelle Nachfrage der potentiellen Kunden nicht so leicht analysieren wie das in den Bekleidungsgeschäften üblich ist, wo eben die Wintermode dem Frühling weichen muß.

Eine scheinbar beliebte Version der Nachfrageanalyse ist nun die Konstuktion des Bewußtseins des modernen Menschen: „So denke der!“, um dann alles diesem modernen Bewußtsein Unpassende aus der Angebotspalette der Kirche zu streichen. Man darf wohl den Exegeten Rudolf Bultmann mit seiner Parole der Entmythologisierung als einen der wirkmächtigsten Vertreter dieser Streichungskonzeption ansehen: Dem modernen Menschen sei eben das mythologische Weltbild der Zeit Jesu, dem auch er selbst verhaftet war, nicht zumutbar. Ein neues Wahrheitsverständnis,das marktwirtschaftliche setzt sich damit durch: Die Wahrheit einer Ware ist ihre Verkaufbarkeit, wie gut sie bei der Kundschaft ankommt.

Engel und Daimonen seien so nicht mehr zumutbar und sind so aus dem kirchlichen Vokabular zu streichen. Josephs Gewissen sagte so ihm, seine ihm untreu gewesene Verlobte nicht zu verlassen und Engel seien sowieso nur von Gott beauftragte Menschen. Die Daimonen sind auch leicht entmythologisierbar, sind sie doch nur die bösen Neigungen in uns Menschen. Nicht verführe uns der Teufel, sondern nur unsere widermoralischen Gelüste. So erschuf sich der Modernismus eine Engel und Daimonen lose freie Kirche. Für solche Phantasie- und Horrorgestalten bestünde eben beim modernen Menschen kein Bedarf.

Aber wenn man nun auf einen beliebigen Friedhof Deutschlands schaut und das nicht nur im katholischeren Süddeutschland sieht man überall Legionen von Engeln, die Gräber zierend. Würden Archälogen in ein paar Jahrhunderten die praktizierte religiöse Frömmigkeit unserer Zeit rekonstruieren, stießen sie auf ein befremdliches Phänomen: Der theologische Diskurs hat nicht nur vom Teufel sondern ebenso von den Engeln Abschied genommen, während der Engelglaube im Volke sehr lebendig gewesen sein müßte. Wie ist es nun erkärbar, daß eine Kirche, die so sehr sich bemüht, kundenorientierte Angebote anzubieten, hier so arg am Kunden vorbei agiert?

Und die Welt der Daimonen ist in der trivialen Unterhaltungsliteratur so lebendig. Da revitalisiert sich alles, was aus der Kirche um der Zeitgeistgemäßheit willen exkommuniziert worden ist.1

Ein geradezu daimonisches Schreckgespenst spukt nun in den linksliberalen Kirchenkreisen und den ihr angeschlossenen Medien: Antiaufklärerische, conservative, traditionalistische, evangelikale Konzepte sind erfolgreich, ziehen auch noch junge Menschen an, während die linksliberalen Konzepte nur leere Kirchen als Erfolge aufweisen können. Getreu der Maxime, daß der Angriff die beste Verteidigung sei, wird nun alles Nichtlinksliberale so arg verteufelt, daß sich dem Beobachter die Frage stellt: Wirken denn nun doch daimonische Kräfte, um isb junge Menschen von dem Tugendpfad der Kirchenkritik und Religionskritik wegzuverführen.Da soll es Verführte geben, die so verirrt sind, daß sie eucharistische Anbetungen dem Kampf um die Rechte der LGBTQ- Klientel gegenüber bevorzugen!

Auf den Punkt gebracht: Der postmoderne Mensch entspricht nicht dem normativen Bild des modernen religions- und kirchenkritischen aufgeklärtem Menschen. Darum muß er bekämpft werden. Es erweist sich dabei die Vorstellung, daß dem modernen Menschen nur eine moderne Religiösität zumutbar sei, als ein Mythos. Aber an den glaubt der linksliberale Katholizismus und bekämpft so alles ihm Widersprechende.Das, was unzeitgmäß sein soll, ist so nur dann unzeitgemäß, wenn dem Mythos vom modern aufgeklärtem Bewußtsein geglaubt wird, dem nichts Übernatürliches zumutbar sei. 

Ein sehr liebliches Beispiel möge dies veranschaulichen. Was ist für das Gelingen einer Ehe wichtig? Darauf gibt es viele kluge Antworten, aber wie erklärt sich diese, daß der Braut etwas Blaues, etwas Altes, erwas Neues und etwas Geliehenes zu schenken sei? Selbst seriöse Eventfirmen raten in ihrem Hochzeitsservice dazu. Das dürfte es in aufgeklärten Zeiten einfach nicht geben,aber daa das gibt es doch, denn die Erde dreht sich wider alle Dogmatik!

1Man schaue mal auf die bekannte Horrorliteratur, von Edgar Allen Poe bis H.P. Lovecraft, aber auch auf die romantische Literatur, etwa E,T, A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“ bis zu den Erfolgsserien: Professot Zamora und Sinclair. Die Romantik ähnelt den Anliegen der Postmoderne in uhren aufklärungskritischen Intentionen.

Sonntag, 14. September 2025

„Wehrpflicht?: Deutschland braucht Zusammenhalt, nicht nur Soldaten“ oder eine politische Gemeinschaft braucht den inneren wie den äußeren Feind!

 

Wehrpflicht?: Deutschland braucht Zusammenhalt, nicht nur Soldaten“



So titelte die Internetseite „Communio“ am 4.9.2025: Es fehle uns also der innere Zusammenhalt, die Gemeinschaft, für deren Erhalt dann auch unsere Soldaten zu kämpfen bereit wären. Es reiche eben ein aufwendiges Auf-rüstungsprogramm und ein Mehr an Soldaten nicht! Die Theologie als eine systemrelvante Größe stellt sich nun die Aufgabe, in dem darauf folgenden Artikel, die Regierung zu beraten, wie sie es besser machen könnte. Nur trägt sie damit Eulen nach Athen, denn wo hier noch ein Problem gesehen wird, wird schon längst eine Lösung umgesetzt.

Unsere postmoderne Gesellschaft zeichnet sich durch einen schnell voranschreitenden Verlust an Zusammenhälten aus. Ob nun auf den Microbereich geschaut wird: Wie viele Ehen werden wieder geschieden?, und wer übt noch einen Beruf aus? Das Berufsleben besteht heutzutage eher aus einer Serie von Anstellungen bei diversen Arbeitgebern, man hat „Jobs“ und nicht mehr einen Beruf, der als die Berufung zu dieser Berufstätigkeit wahrgenommen wird- oder auf den Macrobereich: Es gibt in Deutschland zunehmend weniger eine ethnische oder kulturelle Homogenität. Das Gemeinschaftliche löst sich auf in Parallelgesellschaften und Subkulturen, die nichts mehr verbindet als daß sie in dem selben Lande sind. Ideologisch wird dieser Auflösungsprozeß durch den Liberalismus forciert mit seiner Überbetonung des Einzelnen und die Reduktion der Beziehungen der Menschen untereinander durch Verträge: Autonome Individuen verbinden sich nur noch durch Verträge, da fast alle natürlichen Beziehungen sich auflösen im Begriff sind. Jürgen Habermas Konzeption eines Verfassungspatriotismus blieb eine Kopfgeburt, als wenn eine Homogenität eines aufgelösten Zusammenhaltes durch ein Ja zum Grundgesetz und der Demokratie substituierbar wäre. Die Homogenität eines Gemeinwesens beruht nämlich entweder auf eine Homogenität eines das Staatsleben prägenden Volkstumes oder einer gemeinsamen Religion.

Fehlt beides, so kann es nur noch eine politische Homogenität geben, und die muß nach Carl Schmitt eine sein, die aus der Setzung des Feindes sich generiert: Der gemeinsame Feind schließt eben alle zusammen gegen den Feind. Eine Fußballmannschaft ist keine, solange die 11 Spieler für sich sind, erst auf dem Fußballfeld, wenn sie einer anderen Mannschaft gegenüberstehen, konstituiert sie sich zu einer Mannschaft, indem sie die Anderen ausschließt, sie so zu der anderen einen Mannschaft macht.

Der politische Diskurs ist so in der Epoche der Auflösung aller Zusammenhälte bestimmt durch die Proklamation des Feindes, durch die eine neue politische Gemeinschaft konstituiert wird. Der äußere Feind, um der propagandistischen Effektivität willen personalisiert ist nun: Trump, Putin und neuderdings Netanjahu, der innere, die AfD, jeder, der rechts von Merkel politisch zu positonieren ist. Gegen die hat jeder Anständige zu sein, sonst schließt er sich aus der politischen Gemeinschaft aus. 

So paradox es auch klingen mag, daß unter den heutigen Conditionen eine Einheit, ein Zusammenhalt nur durch die Proklamation eines politischen Feindes möglich ist. Die Ermordung des conservativen Politikers Kirk in den USA zeigt, wie radical diese Feindschaft praktiziert wird, sodaß es auch nicht verwunßdert, wie viel Sympathien in der Linken für diesen Mord aufleuchten. Haß gilt eigentlich für einen zivilisierten Menschen als etwas Inakzeptables, aber auf den Antirechtsdemonstrationen ist regelmäßig das Plakat: „Ganz X hasst die AfD“ zu lesen, wo dann statt des X der Stadtname steht, in der der diese Demonstration stattfindet. Aber es bleibt nicht bei dieser Haßkundgebung in der Spannung von der indikativischen Aussage, daß die ganze Stadt diese Parteimitglieder haßt und der imperativischen, daß die ganze Stadt diese Partei hassen soll sondern gekrönt wird diese Haßkampagne durch den Mordaufruf: „Tötet AfDler“.

Gerade durch diese Emotionalisierung, durch den Appell an das Gefühlsleben, „haßt und mordet!“ gelingt die Einheit der Gutmenschen gegen den gemeinsamen Feind. Die Forderung nach einem kriegsfähigen Deutschland gehört nun zu diesem Projekt der Reintegration der sich auflösenden Gesellschaft. Da es keine ethnische und keine kulturelle Gemeinschaft mehr gibt, die sich zumindest in einem Prozeß der Auflösung befindet, bedarf es der Proklamation eines gemeinsamen Feindes!

Schon die Französische Revolution verstand einerseits unter der „Brüderlichkeit“ die Auflösung und Nichtung aller Differenzen hin zu einer Einheitsmenschheit als das Endziel und andererseits als den Auftrag: „Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein“ , alle Feinde der Revolution zu guillotieren. Die uns Regierenden brauchen wirklich keine theologischen Ratschläge zur Optimierung ihres Regierens, im Zweifelsfalle kann ja in Machiavellis : „Der Fürst“ nachgelernt werden.

Vgl zum Umgang mit dem Feind den Artikel der "Jungen Freiheit" vom 14.9.2025: Wer zuletzt über Charlie Kirks Tod lacht „Brandstifter“, „Rassist“, „Sexist“: Die deutschen Medien überbieten sich in Häme über den jüngst ermordeten US-Konservativen Kirk.  

 



 



Sonntag, 13. Juli 2025

Wozu brauchen wir noch die Religion bzw die Religionen oder die Aufhebung der Religionen!

 

Wozu brauchen wir noch die Religion bzw die Religionen oder die Aufhebung der Religionen!

Der „Feinschwarz“-Artikel: Religion und sozialkulturelle Transfor-mation:Europäische Perspektiven“ versucht auf diese Frage eine Antwort zu geben auf der Basis einer Tagung zu dieser Thematik. Der Fundamentaltheologe Kurt Appel stellt in diesem Artikel die grundlegende Position des interdisziplinären Forschungszentrums „Religion and Transformation in Contemporary Society“ (RaT) der Universität Wien dar.

Eines der Hauptprobleme unserer gegenwärtigen Gesellschaften besteht darin, dass ihr immer mehr eine gemeinsame Vision oder ein einigendes Band abhanden kommt, wie es früher noch durch Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und einer geteilten Kultur vorhanden war – ohne dass man dies glorifizieren muss, denn natürlich führte dies auch leicht zum Ausschluss des >Anderen<“.

Eine Gesellschaft würde also zusammengehalten werden durch das Band einer gemeinsamen Vision. Die Gesellschaft wird hiermit als ein gemeinschaftliches Projekt der Realisierung eines Zieles verstanden. Aber die gegenwärtigen Gesellschaften verfügten nicht (mehr) über eine solche sie vereinende Zielvorstellung. Verständlich wird diese Vorstellung durch die These des Philosophen Lyotard, daß die „großen Erzählungen“ in der Postmoderne ihre Glaubwürdigkeit verloren haben: Als Subtext ist also vorauszusetzen: Erstens, daß die Modere als eine durch die Säkularisation der Erlösungserzählung der christlichen Religion zu begreifen sei.Die Erlösung wird zu der Aufgabe des Menschen,wobei das erhaltende Moment das des Festhaltens an der Erlösungsbedürftigkeit und der Erlösbarkeit des Menschen ist und das negierende, daß der Mensch sich nun selber zu erlösen habe.Beides zusammen ist die Aufhebung der Religion in säkularisierte Erlösungserzählungen der Emanzipation und Befreiung des Menschen.Diese haben nun ihre Glaubwürdigkeit verloren. Das sei das Fundament der Postmoderne.

Das meint die Aussage des Verlustes der gemeinsamen Visionen. Gemeinsam ist hier auch als die Antithese zu individuell, persönlich zu lesen.Politische Visionen sind hier vor allem gemeint.J.Habermas nennt das das unvollendete Projekt der Moderne, das nun im Namen der Postmoderne als unvollendbar verurteilt wird. Dies Projekt müsse nun gegen seine Kritiker verteidigt werden.

Aber noch ein weiterer Subtext liegt dieser Bestimmung der Hauptprobleme zugrunde: Ernst Blochs Texte zur Utopie.Seine Frage lautete: Warum hat nicht die marxistische Linke sondern in Deutschland der Faschismus gesiegt? Seine Hauptthese war die, daß der marxistische Sozialismus in seinem Eigenverständnis als der wissenschaftliche Sozialismus die Bedeutung der Utopie für den politischen Kampf unterschätzt habe, seine mobilisierende Kraft. Selbst in der Bibel forschte er so nach Hoffnungstexten, die als Utopien eine mobilisierende Kraft innewohne. Damit legte er das Fundament für eine“materialistische Bibellektüre“ als ein wesentliches Element der marxistischen Befreiungstheologie. Visionen, Utopien treiben die Menschen zu Revolutionen, keine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Man kann deshalb von einem Zurück zu den Quellen des Utopisch-Visionären sprechen, da die säkularisierten Derivate nicht mehr recht überzeugten.

Aber wie sollen die Texte der Religionen nun wieder gelesen werden? „Religionen sind voll von Geschichten, in denen sich die unterschiedlichsten Hoffnungen und Verletzungen des Menschen spiegeln.“ Sie sollen als Inspirationsquellen für ein neues utopisches Denken und Handeln gelesen werden. Das ist, man will die Texte so lesen, wie es die modernistische Bewegung nach dem Urteil Papst Pius X verlangt:„Die Begriffe von Seligkeit und Erlösung werden in weltliche oder politische Ziele uminterpretiert.Dies reduziert die Geistlichen zu politischen Aktivisten und der Papst wird zum bloßen Förderer von Belangen der säkularen Welt degradiert.“ 1

Wie sieht dann die Vision, die (auch) aus den religiösen Quellen revitalisiert werden sollen? „Die Grundvision von RaT besteht darin, einen kleinen Beitrag für die Entwicklung eines gemeinsamen Bandes in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft zu leisten. Ein solches muss auf der Anerkennung des Anderen und der Bejahung von Pluralität und Menschenwürde gründen und dabei die Religionen mit einbeziehen. Die universitäre und damit kritische Reflexion religiöser Überzeugungen und Traditionen ist dabei notwendig und auf Grund der religiösen Vielfalt wichtiger denn je.“

Die Vision ist also die einer universalistischen Weltrepublik auf dem Fundament der Menschenrechte und der Bejahung der Pluralität.Dabei seien die Religionen auf diese Vision hin Beförderndes und Infragestellendes zu überprüfen. Wo Utopien proklamiert werden, da gibt es auch Feinde, das sind die,die sich der Realisierung der Vision Entgegenstellenden. Jetzt tritt der Feind auf: „Wohin angesichts dieser Herausforderung die römisch-katholische Kirche geht, ist nicht ganz abzusehen: Einerseits gibt es Strömungen, die sektenähnlich neue massive Grenzen und dabei künstliche, d.h. auf keine wirklich geschichtlichen Erfahrungen beruhende Identitäten aufbauen wollen, die sehr stark über Ausschluss funktionieren. Ein typischer Satz dieser Strömung könnte sein: „Wir sind diejenigen, wo ein Mann noch ein Mann und eine Frau noch eine Frau ist und grenzen uns ab gegen Gender-Ideologie (auch wenn wir nicht genau wissen, was das ist, aber es ist die letzte moralische Überlegenheit, die uns bleibt, gegen diese Ideologie Widerstand zu leisten…), Transpersonen, Homosexuelle, liberale Relativisten etc.“

Der Feind ist also jeder Kritiker der LGBTQ- Bewegung und das Heerlager der Kritiker ist nun in der Katholischen Kirche beheimatet, aber wohl nicht nur da! Die Texte der Religionen seien also so zu lesen, daß sie siich als förderlich für die Anliegen der Menschenrechte und der LGBTQ- Bewegung erweisen.Für die Religionen verbleibt so nur noch die Aufgabe, Unterstützendes für die Menschenrechtsideologie und die Anliegen der LGBTQler hervorzubringen.Das ist die völlige Instrumentalisierung der Religionen für politische Zwecke und ihrer Beraubung von allen religiösen Gehalten.

Völlig unreflektiert bleibt dabei aber auch, ob denn die Menschenrechte und gar die Anliegen der LGBTQ universalisierbar sind. Immerhin scheiterte der Versuch, Afghanistan gewaltsam zu verwestlichen kläglich , und die Regierung des Iran widersetzt sich bis jetzt der Anerkennung der Menschenrechte und der LGBTQ. Muß man nun gegen den Iran einen Krieg führen, um da diese Ideologien durchzusetzen, wie es vordem schon mit Afghanistan versucht worden war? 









1Taylor R. Marshall, Infiltriert,2020,.S.67.

Samstag, 14. Juni 2025

Wie kommt ein Mensch zu „einem guten und glückseligen Leben“?

 

Wie kommt ein Mensch zu „einem guten und glückseligen Leben“?



Der hl. Augustinus respondiert uns diese Frage so: „Den Zugang zu einem guten und glückseligem Leben eröffnet allein die wahre Religion= Cum omnis vitae bonae ac beatae in vera religione sit constituta“.1 Die wahre Religion wird dann so bestimmt: die „nur einen Gott verehrt und mit geläuterter Frömmigkeit als Ursprung aller Wesen erkennt,als den.der das Weltall anfänglich setzt,es vollendet und umfaßt.“ Es soll hier nun nicht dies wunderbare Werk christlicher Theologie referiert werden, hier ist nur ein Umgang mit ihm angemessen, es selbst zu lesen und zu studieren, sondern festgestellt werden, daß dieser enge Zusammenhang zwischen dem guten Leben, das wohl jeder Mensch sich wünscht und ersehnt und der Religion, gar der wahren nur, nicht mehr gesehen wird. Ja, es gehört konstitutiv zur Postmoderne, daß es so viele Zugänge zu einem guten Leben existierten, wie es Menschen gäbe, ja es existierte auch nicht gegen Sartre und nicht nur gegen ihn gewandt nicht mal die Notwendigkeit, daß jeder für sich einen Lebensentwurf erwählt, der dann für ihn auch verbindlich ist. Der postmoderne Mensch kann sein Leben als den Ermöglichungsgrund zur Realisierung von verschiedendsten Lebensentwürfen, Projekten verstehen, die er beliebig sich erwählen könne.

Die These, daß es einen wahren für jeden Menschen gültigen Weg zu einem guten und glückseligen Leben geben könne, gehöre eben in die nun schon längst untergegangene Epoche der Metaphysik. Schon daß einer den von ihm erwählten als auch für andere als wahren bekennt, wird als etwas Übergriffiges verurteilt. Jeder könne eben nur für sich selbst bestimmen, was für ihn das Richtige sei. Aber wie kann dann noch ein gesellschaftliches Leben möglich sein, wenn jeder lebt, wie es ihm gefällt? Auf diese auf den ersten Blick so schwierig beantwortbaren Frage gibt es nun aber eine sehr simple und den Leser auch wohl arg enttäuschende Antwort: Das (post)moderne Gesellschaftssystem ist in Subsysteme ausdifferenziert, die alle in sich selbst hinreichend bestimmt sind, sodaß jeder, tritt er in eines ein, dort so funktioniert, wie das Subsystem es präskribiert.

Den Ausgangspunkt markiert die These von der Eigengesetzlichkeit der Welt, daß , um es zu veranschaulichen, der Christ, verläßt er sein Daheim seinen persönlichen Glauben Zuhause läßt wie seine Pantoffeln, um mit Straßenschuhen zur Arbeit zu gehen. Die Berufswelt, die Welt der Ökonomie, die Welt der Politik und die Welt der Freizeit haben sich von der christlichen Religion emanzipiert und das Leben in diesen Ordnungen wird durch das dort präsente Regelwerk hinreichend bestimmt. Deshalb kann von Systemen gesprochen werden, die keine Eingaben von Außerhalb bedürfen. Eine christgläubige Kellnerin arbeitet eben nicht anders als eine atheistische, die Politik eines Christdemokraten ist von der eines atheistischen SPD-Politikers nicht (mehr) unterscheidbar und wenn in der Freizeit ein Christ Schach spielt, dann spielt er das nicht anders als ein Muslim.

Allen Subsystemen ist es nun so auch zu eigen, den Menschen, wenn sie in ihnen agieren, zu sagen, wie sie da zu agieren haben, wenn sie da gut leben wollen. Und wann wählt der postmoderne Mensch noch seinen Lebensentwurf? Hier ist der Ort der Subjektskritik der Postmoderne, die den Begriff des Subjektes primär als etwas Unterworfenes begreifen: Der Mensch sei immer schon Subsystemen unterworfen, die ihn hinreichend bestimmen. Das transzendentale Ich, das dann das meinige Leben durch Akte der Selbstbestimmung erwähl, sei selbst nur eine metaphysische Illusion. Deshalb gäbe es hart formuliert auch gar nicht das sich frei entwerfende Subjekt, er sei immer schon nur eine Funktion, die, wenn sie funktioniert, sich gut fühlt.

Die theologische Tradition des Integralismus begreift dagegen alles als ein Ganzes, das durch ein Ziel, auf das es hin ausgerichtet ist, bestimmt ist, die causa finalis von allem und jedem. Das kann in der Formel, daß alles von und in Gott auf Gott hin ist. Dann kann es auch, wie der hl. Augustin in seinem Werk „Über die wahre Religion“ den einen wahren Lebensweg für den Menschen geben. Löst sich das Ganze aber postmodernistisch in eine Pluralität von Subsystemes auf, die nicht mehr auf eines reduzierbar sind, zerfällt auch der eine wahre Lebensweg. Alles metaphysische Denken hebt an mit dem Einen, von dem her alles ist und woraufhin alles ist, wie es Augustin schon in dem ersten Satz seines Buches „Über die wahre Religion“ ausdrückt. Aber die Kirche hat sich von diesem metaphysischen Integralismus abgewandt, um stattdessen den postmodernen Pluralismus in sich selbst zu reproduzieren. Gottes Ja zu jedem hieße, daß er jeden Lebensentwurf bejahe.























1Augustinus: De vera religione, der erste Satz, hier zitiert nach der Übersetzung von W.Thimme. M.E wird dabei das „constututa“ nicht gut übersetzt, denn das Konstituieren meint mehr als nur ein „Zugang eröffnen“.



Freitag, 13. Juni 2025

Sei ein cooler Typ“ – eine kritische Betrachtung eines Zeitgenossen

 

Sei ein cooler Typ“ – eine kritische Betrachtung eines Zeitgenossen



Eingedenk der Tatsache, daß gilt: „omnes determinatio est negatio“ soll zuvörderst gefragt werden, welcher Typ durch den coolen ersetzt werden soll, welcher eben nicht mehr en vogue ist. Hier stoßen wir auf einen nicht nur in dem religionspädagogischen Diskurs verwendeten Begriff der Sensibilisierung. Schüler sollten für eine Thematik sensibilisiert werden. Der schülerzentrierte Ansatz frug nach den Lebensproblemen von den Schülern, um die dann irgendwie mit Gehalten der christlichen Religion in ein Gespräch zu bringen, wobei das simpelste Modell daß der Problemeruierung und der Problemlösung durch bestimmte Gehalte der Religion ist. Der Ausgangspunkt dieser pädagogischen Konzeption ist die These, daß jeder zuvörderst an sich selbst und an seinen Problemen interessiiert sei und daß eine Anknüpfung an solchen existentiellen Fragen der Religion dann zu einer Lebensrelevanz verhülfe.

Das Konzept der Sensibilsierung sollte nun das Gebiet, wofür sich ein Schüler im Religionsunterricht interessiere, erweitern, er soll sensibel werden für Probleme, die nicht die seinigen sind. Durch eine Aktivierung des Mitgefühles, des Hineinfühlens in andere, der Empathie sollen so Probleme für Schüler interessant werden, die nicht Teil ihres eigenen Lebens sind, sozusagen außerhalb ihres persönlichen Lebensraumes existieren. Das Bild eines hungernden Kindes in Afrika sensibiliere etwa für das Problem der ungerechten Weltordnung, der Obdachlose für das Problem eines defiitären Sozialstaates. Der sensible Mensch ist eben ein Mensch, der nicht mit seinem eigenen Leben zufrieden sein kann, wenn es dem Nachbarn oder dem Kinde in Afrika schlecht geht, denn er empfindet mit jedem Leidenden. So sollten Schüler auch zu Akteuren des Strebens nach einer besseren und gerechteren Welt erzogen werden. Dabei wurde primär nicht auf cognitive Erkenntnisse gesetzt sondern auf das Vermögen, mitfühlen zu können, wobei der Kreis derer, mit denen man mitzufühlen hatte, universalisiert werden sollte. Jeder sei doch schließlich für jeden mitverantwortlich, so wurde dabei das Gebot der Nächstenliebe neu formuliert.

Die Kirche sei dann die Organisation der praktizierten Nächstenliebe, die als Fernstenliebe ausbuchstabiert wurde, Ein medienpädagogisch vorbildlich inszenierter Weihnachtsgottesdienst möge das veranschaulichen, den ich so tatsächlich zwei Mal so erlitt: Nur die Hälfte der elektrischen Weihnachtskerzen des in der Kirche aufgestellten Weihnachtsbaumes leuchteten. Der Prediger erklärte nun, daß es sich so mit den hier in Deutschland Weihnachten feiernden Christen verhielte, sie leuchten, das ist sie feiern, aber ganz viele könnten Weihnachten nicht feiern, isb in Afrika, weil sie so elendig lebten. Es sei nun unmoralisch, wenn wir hier feierten, wenn die Anderen nicht feiern könnten. Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß alle, auch die in Afrika feiern können, damit dann wir mit allen zusammen erst richtig feiern könnten. Der sensibilisierte Christ könne gar nicht hier Weihnachten feiern, hat er die leidenden Kinder Afrikas vor seinen Augen und in seinem Herzen. Dann begannen zum Schluß der Predigt alle Weihnachtsbaumkerzen als Vorzeichen des zukünftig erst feierbaren Weihnachtsfestes!

Der „coole Typ“ ist nun erstmal nichts anderes als die Negation des sensibilisieren Menschen. Er insistiert darauf, daß er für sich gut, gar glücklich leben könne, völlig unanhängig davon, wie es den Anderen ergeht. Dieser Typ weiß, was er für sich will und sortiert dazu die Anderen nach, dafür nützlich, dafür gleichgültig und dafür entgegengesetzt. Dieser Typ will nicht bei anderen beliebt sein oder sich beliebt machen, er zieht, wie man es vulgär formuliert: „sein Ding durch“. Für die Religionspädagogik ist der coole Typ unerreichbar, sofern sie auf orientierungslose, nach dem Sinn des Lebens Suchende sich ausrichtet, denn er weiß, was er will und er weiß auch, wie er mit wem cooperierend das erreichen kann. Die gelebte Selbstgenügsamkeit, ich brauche andere nur, wenn sie mir nützlich sind, lassen ihn cool wirken. Interessanterweise reagieren nun andere darauf, daß sie von ihm beachtet werden wollen, gerade weil er sie nicht beachtet: In seinen Augen wollen sie etwas werden, etwas sein.Seine Wertschätzung zählt, weil er gerade niemanden selbstverständlich wertschätzt.

Die Voraussetzung des Ideales des coolen Typen ist somit eine Gesellschaft atomisierter Individuen, in der jeder zumindest meint, gut leben zu können ganz allein auf sich gestellt, wenn er nur für seine Privatzwecke ausreichend genug Sozialkontakte unterhält. Dabei reagiert dieser Typus auch auf die faktische moralistische Überforderung, daß er nur glücklich sein dürfe, wenn das auch all seine Mitmenschen wären. In dem wunderschönen Sissi Film mit Romy Schneider in ihrer Paraderolle als Kaiserin Sisse stellt sie sich ja dem Problem, dürfe sie glücklich sein, wenn ihr Glück auf dem Unglück ihrer Schwester beruht,da der Kaiser sie nun und nicht ihre Schwester ehelicht, wie es sich ihre Schwester ersehnt hatte. Einem coolen Typ wäre diese Frage nie gekommen und deswegen paßt er besser in unsere postmoderne Welt. Denn für unsere Zeit gilt, was die Musikgruppe „Abba“ treffend so auf den Punkt brachte: „The winner takes it all!“

Samstag, 26. April 2025

„Katholische Kirche in Deutschland regelt Segen für alle Paare“ Eine Kritik!

 

Katholische Kirche in Deutschland regelt Segen für alle Paare“ Eine Kritik!



Seitens des Laien ZKs und der deutschen Bischöfe versuchte man nun, die Gunst der Stunde ausnutzend , der alte Papst ist tot und der neue noch nicht gekürt, ein Positionspapier zum Wie des Segnens von Homopaaren, geschieden Wi(e)derverheirateten und sonstigen, die regulär den Ehesegen gespendet bekommen können, in die Welt zu setzen, das gewiß nicht von einem amtierenden Papst abgesegnet worden wäre. Man will eben viel progressiver als der Reformpapst Franziskus sich inszenieren,hoffend auf das Lob der linksliberalen Medien.

Also, wieder nichts Neues aus dem Kampfgechehen wider die Lehre der Kirche! Aber diese Kath de Überschrift vom 23.4.2025 könnte doch uns, um aus der Tristesse der Dauerwiederholungen der Deformagenda des sog. Kirchenvolksbegehrens und seiner Aktualisierung durch den Synodalen Irrweg zu entkommen, zu einem auf den ersten Blick abwegigen Gedanken führen. Wer über das Leben Wesentliches aussagen möchte, kann über den Tod nicht schweigen, denn das Leben ist die Negation des Todes, wie der Tod die Negation des Lebens ist. Da der Grundsatz: „Omnes determinatio est negatio“, muß, um vom Segen Gehaltvolles auszusagen, auch und gerade vom Fluch geschrieben werden, denn die Antithese zum Segnen ist das Verfluchen. Dabei möchte ich den Gedanken, daß wo nicht mehr verflucht werden kann, auch nicht mehr gesegnet werden kann.

Vieles, was einst seinen Ort im religiösen Diskurs und somit auch in der Kirche hatte, ist aus ihr herausgedrängt worden, da es nicht mehr in die Zeit passe und findet sich dann, manchmal wild wuchernd außerhalb der Kirchenmauern wieder. Besonders in der so arg verschmähten Trivialliteratur finden sich solche aus der Kirche entrümpelten Elemente wieder. Zu diesen gehört ganz offenkundig der ganze Vorstellungskomplex des Fluches.1

In dem sehr unterhaltsam geschriebenen Roman: „Gefährlich süßes Sehnen“ der Aurorin Candace Camp stößt der Leser auf diese Reflexion über ein Familienschicksal, daß es ihr nie vergönnt war, finanziell dauerhaft erfolgreich zu sein, sodaß diese Familie immer wieder von Armut bedroht ihre Töchter gut verheiraten mußte, um zu Geld zu kommen. Der Grund dafür läge in einer Verfluchung dieser Familie. Das liest sich dann so:

Der Grund dafür – wie Rachels engstirniger und abergläubische Vater vermutete – lag in einem Papistenfluch, mit dem der erste Earl of Ravenscar belegt worden war,als ihm während der Auflösung der Klöster die Abtei Branton Abbey von seinem Freund und Gönner Heinrich VIII für seine Treue und Ergebenheit geschenkt worden war. Edward Aincourt, Lord Ravenscar, hatte das Kloster abreißen lassen und die Steine dazu benutzt,einen Familienbesitz zu bauen.Der Abt von Branton musste – so wollte es die Legende – aus der Abtei getragen werden, da er sich weigerte, sie freiwillig zu verlassen. Draußen belegte er den Earl und all seine Nachkommen mit einem Fluch, indem er verkündete, dass >keiner, der hinter diesen Mauern lebt, jemals glücklich werden wird.<“ (S. 26)

Bis hierhin gelesen, ist der Sachverhalt klar: Aus der Perspektive eines modern aufgeklärten Bewußtseins wird diese Rekonstruktion des Familienschicksales nacherzählt und als „engtirnig“ und „abergläubisch“ abgetan. Aber dann folgt direkt darauf in einem eigentümlich ironischen Ton verfaßt diese Kommentierung: „Ob man es tatsächlich für die Folge dieses Fluches oder ganz einfach für den Charakter einer Familie halten soll, die zu stolz und verschwenderisch war, um ihr Geld zusammenzuhalten, sei dahingestellt.“ Die Ironie ist nun das Stilmittel der Postmoderne. Man vergleiche dazu die Bedeutung der Ironie in dem postmodernistischen Roman R.Musils: „Der Mann ohne Eigenschaften.“ Wenn nicht mehr klar zwischen wahr und unwahr, zwischen richtig und falsch unterschieden werden kann oder nicht mehr soll, dann werden die Möglichkeiten nebeneinander gestellt und die Frage, welche denn dann davon die wahre sei, mit der Irinonie der Unbeantwortbarkeit beantwortet. Wenn der moderne Mensch mit Luther ausruft: „Hier stehe ich und kann nicht anders“ ruft der postmoderne Mensch aus: „Hier stehe ich, aber ich könnte auch ganz woanders stehen!“ Statt eines Sichentscheidens für etwas, das ist für mich wahr“, verharrt der postmoderne Mensch in der Unentschiedenheit der ironischen Distanz.: „Es könnte was dran sein, es könnte auch nichts dran sein!“

So ist das Hochzeitsbrauchtum, es müsse etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues dabei sein, damit die Ehe eine glückliche wird, allseits bekannt, und wird auch durch die Erfolgsserie: „Sturm der Liebe“ popularisiert: Glauben die das Praktizierenden denn wirklich daran, oder urteilen sie eher: „Es könnte ja was dran sein, es kann auch nichts dran sein, aber man kann sich doch an diese Tradition halten, vielleicht ist doch was dran!“ Für den modernen Geist ist der Fluch etwas rein Abergläubisches und somit nur zu Verurteilendes, aber dem postmodernen Geist etwas, was wahr und was auch unwahr sein könnte, wo man sich aber nun nicht entscheiden muß, man kann es ja so praktizieren.

Wenn man aber dogmatisch fixiert den Fluch für etwas auf jeden Fall Irrationles und Abwegiges verurteilt, müßte man dann nicht konsequenterweise den Segen, die Segnungspraxis der Kirche als ebenso irrational verwerfen? Der Protestantismus urteilt tatsächlich so, indem er jede Segnung als unsinnig abtut außer der an Personen vollzogenen. Es dürfte kein Fehlurteil sein, mutmaßt man, daß hier das Segnen auf eine sprachliche Verkündigung, die nur wirksam sein kann, wenn der so „Gesegnete“ an das Wort glaubt, und der Segen dann nur ein Vertrauen auf das Zugesgte ist, reduziert wird. Wer die aktuelle Debatte um die Segnungsmöglichkeiten für homosexuelle Paare daraufhin kritisch liest, dem muß sich der Verdacht aufdrängen, daß hier unter dem Segen nichts anderes mehr verstanden wird als die öffentliche Bekundung der Kirche, daß sie auch die praktizierte Homosexualität bejahe. Die Verweigerung des Segens bekunde dann das kirchliche Nein zur praktizierten Homosexualität.

Aber wenn ein Priester Feuerwehrautos, Felder und Ehepaare segnet, dann sagt er damit nicht einfach, daß die Kirche die Feuerwehr, die Landwirtschaft und die Ordnung der Ehe gutheiße! Das Segnen ist ein effektives Handeln wie auch das Verfluchen! Wenn das Verfluchen nichts Effektives mehr sein darf, dann kann das Segnen auch nichts Effektives mehr sein. Dieser Verlust an den Glauben an die Effektivität kirchlicher Ritualhandlungen bedroht meinem Verdacht nach auch die Praxis der Taufe, daß die Taufe nur noch symbolisch darstelle, daß Gott dieses Kind, weil es ein Mensch ist, liebe und so nichts wirke, sondern nur darstelle, was dem Kinde unabhängig von der Spendung dieses Sakramentes gelte.

1Anbei: Es ist bezeichnend für die heutige Theologie, daß sie, wenn sie noch das Gespräch mit der Kunst und der Literatur führt, religionskritischen Werken den Vorzug gibt, und positiv dem Religiösem eingestellte Werke auch als ästhetisch minderwertig verurteilt.

Donnerstag, 3. April 2025

Zum Bedeutungsverlust der christlichen Religion oder der Religion überhaupt

 

Zum Bedeutungsverlust der christlichen Religion oder der Religion überhaupt



Der moderne Mensch lebe gut, mit sich zufrieden und bräuchte so gar keine Religion mehr, diese These wird nun diskutiert auf der Internetseite : „Communio“ zwischen zwischen den Theologen Pollack (31.3.2025) und dem Pastoraltheologen Zulehner (26.3. 2025) und nicht nur dort. Es ist eine Diskussion zwischen Marketingexperten, die fragen, ob das Warenangebot der christlichen Religion noch auf dem freien Markt verkaufbar ist.

Es hält sich nun das Gerücht, daß es schon in der Zeit des Urchristentumes eine Alternative zur christlichen Religion gegeben hätte, die Gnosis, deren Zentralanliegen diese These seien: „Das Wort Gnosis bedeute Wissen,Erkenntnis. Die gnostische Lehrsysteme waren ganz unterschiedlich,gemeinsam ist ihnen aber,dass sie die Erlösung vor allem durch die Erkenntnis erwarten.Es braucht also keinen Erlöser, sondern der Mensch muss erkennen,dass er mit seinem höheren Teil in das göttliche Lichtreich gehört und dass sein Dasein in der materiellen Welt eine Verbannung ins Reich der Finsternis darstellt.“ So charakterisiert Pater Goudron in seinem Artikel: „Irenäus von Lyon“ die Gnosis.1

Der Mensch bräuchte keinen Erlöser, diese Aussage trifft am klarsten das Problem der jetzigen Krise der christlichen Religion und daraus resultiert dann auch notwendigerweise ihr Bedeutungsverlust. Der Gnosis wird hier eine Selbsterlösungskonzeption vorgeworfen, der dann die christliche Religion entgegengestellt wird2. Der christlichen Religion wie der Gnosis wären also die Gemeinsamkeit der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen, strittig wäre aber, ob er dazu selbst befähigt sei oder ob er dazu eines Erlösers bedürfte. Der Glaube an ein Selbsterlösungsvermögen des Menschen wäre somit die Alternative zur christlichen Religion. Wird dann noch die Vorstellung der Erlösung säkularisiert etwa durch die Idee, daß die Menschheitsgeschichte ein Entwickelungsprozeß sei, der Schritt für Schritt zu der Humanisierung der Welt führe, in der der Mensch sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit emanzipiere, dann wird die christliche Religion als eine Erlösungsreligion tatsächlich überflüssig. Ihr bliebe dann nur noch die Möglichkeit offen, sich selbst als einen der Faktoren zu inszenieren, die einen Beitrag zu diesem Projekt einer säkularisierten Erlösung liefern können. Praktich ist das die Transformation der christlichen Religion in eine Humanitätsappellorganisation. Die Tugend des Christen ist dann das Spenden für Wohltätigkeitszwecke.

Als andere Alternative bietet sich aber auch der gänzliche Verzicht auf jede Erlösungshoffnung an. „Es ist, wie es ist und daran wird sich nie etwas ändern, und wenn, dann wird es nur noch schlimmer.“ Ernst Blochs „Geist der Utopie“ ist eben noch unveräuflicher geworden als die christliche Religion. Nachdem die Großprojekte, die Welt ganz neu auf dem Fundament der Vernunft aufzuerbauen, die Französische und die bolschewistische Revolution als gescheitert angesehen werden, bleibt nur noch die Resignation der Unerlösbarkeit, ja daß alle Erlösungsrevolutionen die Welt nur noch noch ärger werden lassen. Wo der Glaube an jeglicher Art der Erlösung aufgegeben ist, da kann die christliche Erlösungsreligion auf kein Interesse mehr stoßen. Das könnte als das Charakteristische der Postmoderne bezeichnet werden. Der Gott der einstigen Erlösungsreligion mutiert dann zu dem großen: Jasager zu dem Menschen, so wie er ist. Die Affirmation der bestehenden Welt wird dann zur Hauptaufgbe der Kirche und deren Verteidigung gegen ihre noch existierenden Kritiker.Unsere westlich-demokratische Kultur sei eben die bestmögliche, die irgendwie auch christlich fundiert sei und die es nun zu verteidigen gälte gegen alle möglichen Fundamentalisten, Radicalen usw. Aber wer braucht noch solch eine rein affirmative Religion, existiert doch die Ideologie des Liberalismus, die diese Aufgabe viel besser zu erfüllen weiß.

1In: Mitteilungsblatt der FSSPX, Nr 555 April 2025, S.49.

2Daß hier die Gnosis völlig verkehrt dargestellt wird, ist offenkundig, nur kann ich jetzt nicht eruieren, ob dies Mißverständnis dem Kirchenvater Irenäus oder dem Autoren anzulasten ist.Die Erkenntnis , daß der Mensch als Exilierter in dieser Welt lebt, die kann nämlich ein Mensch nur durch einen Erlöser, der aus der wahren Welt zu uns hinabkommt, vermittelt gewonnen werden. Darum kann auch das Johannesevangelium das Heilsereignis Jesu Christi in der Form des gnostischen Erlösermythos ausformulieren. Vgl dazu R. Bultmann.

Dienstag, 11. März 2025

Um des Friedens willen auf die Erkenntnis Jesu Christi verzichten? Zur Selbstaufgabe der Kirche!

 

Um des Friedens willen auf die Erkenntnis Jesu Christi verzichten? Zur Selbstaufgabe der Kirche!



In dem „Communioartikel“: „Er wartet auf uns – warten wir noch auf ihn?, des Professors Tück vom 9.3.2025 heißt es zum Abschluß:

Martin Buber im Gespräch mit christlichen Theologen: "Wir warten alle auf den Messias. Sie glauben, er ist bereits gekommen, ist wieder gegangen und wird einst wiederkommen. Ich glaube, dass er bisher noch nicht gekommen ist, aber dass er irgendwann kommen wird. Deshalb mache ich Ihnen einen Vorschlag: Lassen Sie uns gemeinsam warten." Und um jede Form von triumphalistischer Rechthaberei auszuschließen, fügt Buber bei: "Wenn er dann kommen wird, fragen wir ihn einfach: Warst du schon einmal hier? Und dann hoffe ich, ganz nahe bei ihm zu stehen, um ihm ins Ohr zu flüstern: 'Antworte nicht'."

Hier offenbart sich uns die Grundlage des jüdisch – christlichen Dialoges: daß man die Frage, war und ist dieser Jesus von Nazareth der Messias oder nicht, offenläßt. Ja, es wird gar die Hoffnung ausgesprochen, daß wenn dann der Messias kommen wird am Ende der Menschheitsgeschichte, daß er uns nicht offenbaren wird, ob er identisch sei mit diesem Jesus von Nazareth oder auch nicht.

Offenkundig stimmt dieser Theologe diesem Ansinnen Martin Bubbers zu, daß wir Christen und die Juden gemeinsam auf die Erkenntnis des Messias verzichten sollten, damit der Dialog zwischen den Juden und den Christen nicht jetzt und dann auch nach dem Erscheinen des Messias nicht gestört wird. Die sokratische Tradition versteht den Dialog als das Medium zur Hervorbringung von Erkenntnissen, daß am Ende eines Dialoges etwas gewußt wird, was vorher noch nicht erkannt worden war. Dieser jüdisch – christliche Dialog soll dagegen die Erkenntnis der Wahrheit, ja gar ein gemeinsames Ringen um die Wahrheit als das Miteinander von Juden und Christen als Störenkönnendes ablehnen, ja es verurteilen, nach der Wahrheit zu fragen.

Kann radicaler der Intention der Offenbarung Gottes in Jesus Christus widersprochen werden? Zu Zeiten Jesu gab es die „Gottesfürchtigen“ und die „Prosyliten“, das waren Heiden, die sich dem Monotheismus der Juden anschlossen, aber sich nicht beschneiden ließen, sodaß sie keine Juden wurden. War der Bund Gottes seiner ursprünglichen Intention nach nur einer mit dem jüdischen Volke, so entstand der Glaube, daß auch Nichtjuden an Gottes Heil einen Anteil bekommen könnten, wenn sie sich vom Polytheismus abwendend Monotheisten würden und sittlich lebten. Man könnte sich das so visualisieren: Gott führt wie eine Lokomotive Menschen in den Himmel. Durch Mose und die Propheten ist das jüdische Volk in einem Ersteklassewagon an Gott angekoppelt und Heiden könnten dann in einem Zweiteklassewagon mit in den Himmel geführt werden, wenn sie sich zum Monotheismus bekehrten und sittlich anständig lebten. Sie bräuchten sich dann nicht eigens beschneiden zu lassen.

Das war der Stand der Dinge aus der jüdischen Sicht, bevor Gott Mensch wurde. In der jüdischen Religion konnte man daran festhalten oder doch die Erlösung als nur dem jüdischen Volke exclusiv geltend vertreten.Für die christliche Religion galt aber von Anfang an, daß es das Heil nur durch und in dem Glauben an Jesus als dem Messias geben kann. Das ist seit dem der Grund des Konfliktes zwischen der christlichen und der jüdischen Religion.

Der jüdisch-christliche Dialog will nun diesen Konflikt beseitigen, indem die christliche Religion sich völlig aufgibt, indem sie sich nun als die Prolongierung der „Gottesfürchtigen“ und „Prosyliten“ ver- steht (ver-stehen wie ver-kochen zu lesen!). Es hätte nämlich halt schon unabhängig von Jesus Christus auch für die Heiden eine Möglichkeit der Teilhabe am Heil gegeben, das eigentlich dem jüdischen Volke vorbehalten sei, wenn sie sich zum Monotheismus bekehrten und dann anständig lebten. Die Tendenz, die christliche Religion zu reduzieren auf den Glauben an einen Gott, der uns zu einer sittlichen Lebensführung aufruft, ist in der heutigen Zeit unverkennbar und kommt so diesem Anliegen des jüdisch – christlichen Dialoges entgegen. 

Der Verzicht auf die Erkenntnis der Wahrheit ist ein Spezificum des postmodernen Denkens, dem jede erkannte Wahrheit eine Gefährdung der Freiheit ist.