Montag, 20. Juli 2026

„Kein Rechtsanspruch auf Kinder“ - oder ein bunter Strauß von Absurditäten

 

Kein Rechtsanspruch auf Kinder“1 - oder ein bunter Strauß von Absurditäten


Der Moraltheologe Sautermeister verblüfft in diesem Domradiobeitrag uns alle:„In religiöser Deutung kommt darin die existenzielle Erfahrung zum Ausdruck, dass wir das Leben eines Menschen nicht machen können, dass Kinder verdankt sind und gerade nicht das Ergebnis eigener Leistung sind.“ 


Dabei hatte ich bisher in meiner Unaufgeklärtheit doch tatsächlich geglaubt, daß Menschen durch einen Geschlechtsakt entstünden, den ein Mann und eine Frau vollzögen und der so etwas von Menschen Gemachtes sei! Oder sollte dieser Moraltheologe damit an das Faktum erinnern wollen, daß die Seele nicht aus dem Geschlechtsakt entsteht, sondern unmittelbar von Gott erschaffen in den menschlichen Leib, der sich einem Geschlechtsakt verdankt, inkarniert wird? Aber ganz ohne eine menschliche Leistung entsteht kein Mensch, es bedarf dazu des Geschlechtsaktes, der von einem impotenten Mann nicht erfolgreich vollzogen werden kann und darum eine menschliche Leistung ist. Aber ein Moraltheologe sieht das eben anders.

Aber es geht hier ja um die Begründung des kirchlichen Neins zur Leihmuttershaft. Das erste Gebot: „Seid fruchtbar, mehret Euch!“, das einer den Ansprüchen einer moraltheologischen Ansprüchen genügenden Darlegung dieser Causa zu grundegelegt werden müßte, vergißt dieser Theologe,wie wohl die allermeisten. Was hätte den die theologische Morallehre mit den Geboten Gottes zu schaffen! Das wäre wohl ein vorkonziliares auf Gottes Willen fixiertes Moralverständnis!


5 Gründe sprächen wider die Erlaubtheit einer Leihmutterschaft!

Das Kind wird in besonders ausgeprägter Weise zum Objekt eines Kinder-wunsches“, heißt es da wirklich. Eine Frau wünscht sich ein Kind. Damit nimmt das gewünschte Kind den Status eines Objektes an, eines Akkusativobjektes. Es ist für jede Mutter unmöglich, eine Beziehung zu ihrem Kind zu haben, ohne daß es ihr zu einem Objekt wird. In der mütterlichen Liebe wird denknotwendig ihr Kind zu einem Objekt: „Ich liebe Dich, mein Kind!“

Um ein Kind zu bekommen, will eine Frau schwanger werden. Aber damit instrumentalisiere sie die Schwangerschaft! Um den Kinderwunsch sich zu erfüllen würden „gezielt Bedingungen einer Schwangerschaft geschaffen werden, die die für die Entwicklung eines Menschen wichtige pränatale Beziehung zur Mutter wissentlich und willentlich rein instrumentell konstelliert..“

Daß die ersten Monate im Mutterleibe für ein Kind bedeutsam sind, kann nicht bestritten werden. Aber: Was ist, wenn nun eine Mutter ob der Diagnose, ihr Kind wird geistig behindert zur Welt kommen und sie erklärt, ein solches Kind überfordere sie, und es dann nicht töten läßt sondern nach der Geburt zur Adoption freigibt, ist das dann eine unerlaubte Instrumentalisierung der Schwangerschaft, sollte sie das Kind dann besser abtreiben lassen? Es ist leicht, die Idealbedingungen für die Geburt und die Kindschaft zu konstruieren, aber es ist zu fragen, ob Kinder auch dann gewünscht und erzeugt werden dürfen, wenn die Idealbedingungen nicht vorliegen. Darf eine Mutter ihr Kind zur Welt bringen,und es dann zur Adoption freizugeben, da sie ihr Kind nicht töten lassen wollte, aber glaubte, ihm keine gute Mutter sein zu können?

Daß die Leihmutterschaft von der Bibel bejaht wird, obschon das keine Idealbedingung für das Kind ist, zeigt, daß die Bibel hier ganz anders urteilt.

Das zweite Argument wiederholt nur das erste: Die Frau, die ihren Körper für die Schwangerschaft zur Verfügung stellt, wird in einer existenziell-leiblichen Weise so instrumentalisiert, dass dies auch Auswirkungen auf die vorgeburtliche Beziehung zwischen Mutter und Kind hat, im Wissen darum, dass Dritte dieses Kind dann als deren Kind rechtlich und sozial annehmen werden.“ Es wird konstatiert, daß eine Leihmutterschaft nicht ideal für ein Kind ist, aber ist das ein hinreichender Grund dafür, daß es nicht entstehen kann? 

Zudem ist auf den Mißbrauch des Begriffes der Instrumentalisierung hinzuweisen: In einer Dienstleistungsgesellschaft ist es eine selbstverständliche Praxis, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen für eine Bezahlung. Ich instrumentalisiere nicht einen Friseur zum Mirhaareschneiden, wenn ich ihn dafür bezahle. Allein die Frage, ob die Dienstleistung moralisch und rechtlich erlaubt ist, ist relevant, aber eine Bezahlung instrumentalisiert den Dienstleistenden nicht: Es ist einfach ein Geschäft!

Drittens: Die Leihmutterschaft birgt faktisch die große Gefahr der Ausbeutung von Frauen und der Kommerzialisierung von Schwangerschaft; sie würde eine vertragliche Regelung des Umgangs der Leihmutter mit sich selbst und dem Embryo erfordern, die moralisch nicht statthaft ist.“

Leider ist hier die Tatsache völlig vergessen worden, daß in einer modernen Gesellschaft jeder, sofern er nicht reich ist, genötigt ist, seine Arbeitskraft zu verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf dem freien Arbeitsmarkt wird eben die menschliche Arbeitskraft gehandelt wie eine Ware. Daß ein Arbeitsvertrag einer Leihmutterschaft wirklich sittenwidrig ist,müßte erst bewiesen werden, statt es einfach zu behaupten. Wäre dann die einstige Praxis des Adels, ihre Kinder durch eine Amme stillen zu lassen für eine Bezahlung auch sittenwidrig, da es für das Kindeswohl besser wäre, von der eigenen Mutter gestillt zu werden? (Es spricht aber einiges dafür, daß diese Praxis den Niedergang des Adels beförderte.)

Viertens: Kinder dürfen nicht zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen gemacht und somit zu einem Vertragsobjekt werden.“ Das ist Unsinn, denn bei jeder Adoption wird ein Kind ein Vertragsobjekt, auch bei jeder gerichtlich festgesetzten Zahlungsverpflichtung des Vaters in Folge einer Ehescheidung.  

Fünftens: Die Praxis der Leihmutterschaft schafft mit der vorgeburtlichen Entwicklung des Kindes gezielt Bedingungen und nimmt, um der Realisierung des Kinderwunsches willen, besondere Herausforderungen für die Identitätsentwicklung und Identitätsbildung des Kindes in Kauf.“

Wenn ein Kind nicht unter Idealbedingungen geboren und aufwachsen kann, ist das ein Argument dafür, daß es nicht sein darf? Die Bibel sagt: Onan war verpflichtet,der Witwe ein Kind zu machen für seinen verstorbenen Verwandten und dieses Kind hätte dann ohne einen wirklichen Vater groß werden sollen, denn es galt als das Kind des Verstorbenen und nicht als das seinige. Das sind wahrlich keine guten Conditionen für dies Kind, aber so verlangte es das Gesetz Mose. Onan hätte hier als ein Leihvater, als Nursamenspender zu fungieren!Nicht vergessen: Gott tötete Onan, weil er kein Nursamenspender sein wollte!



Die völlige Bibel- und Gottvergessenheit der Moraltheologie ist schon frappierend!

1 Domradio 18.7.2026.

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