„Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ Hört der Himmel auf, eine Verheißung zu sein?
"Die Hölle ist der Ort der größtmöglichen Gottesferne“ , lautet die Definition der Hölle nach diesem kath net Artikel vom 29.7.2026 in der gegenwärtigen Theologie. Die Schreckensbilder unvorstellbarem Gequältwerdens in den Folterkammern der Hölle sind so in das Kirchenarchiv ausgelagert und durch diese Vorstellung substituiert worden. Aber welche Reaktion evoziert diese Vorstellung: Dem Menschen,dem sein ganzes Leben hindurch Gott gleichgültig war,läßt auch diese Höllenvorstellung kalt: Was vermisse ich schon, wenn Gott mir auch in einem möglichen postmortalen Leben fern ist, da ich ihn ja auch in meinem ganzen Erdenleben nie vermißt habe? Für wen Gott keine Rolle spielt in seinem Diesseitsleben, für den ist auch die Drohbotschaft eines postmortalen Lebens in der „größtmöglichen Gottesferne“ eine bedeutungslose Aussage.
Ist also die Hölle als der Ort der Gottesferne gar genauso bedeutungslos geworden für den modernen Menschen wie der Himmel als der Ort der größtmöglicher Gottesnähe, da Gott uns gleichgültig geworden ist?
Statt einer Drohbotschaft habe die Kirche den jeden Menschen liebenden Gott zu verkünden und nur ihn. Diese Zentralforderung des sogenannten „Kirchenvolksbegehrens“ von „Wir sind Kirche“ ist inzwischen zur Standardmaxime der Kirche geworden, ja die Gattung der Höllenpredigt ist als unzeitgemäß abgeschafft.
Aber diese Predigt des: „Ich lieb Euch alle Gott“ setzt negative Folgen aus sich heraus: Menschlich, allzumenschlich ist es, daß ein Mensch nur von dem geliebt werden möchte, den er auch selbst liebt. In was für eine Bedrängnis gerät ein verheirateter Mann,wenn ihm eine andere Frau bekennt, daß sie ihn liebe und sie ihn auch wirklich liebt? Nur Politiker und Stars wollen von allen „geliebt“ werden. Wem bedeutet so schon die Aussage, daß Gott ihn liebe, etwas? Nur dem, dem Gott etwas sehr Relevantes ist.
Gesund zu sein, den Wert des Gesundseins erfaßt wirklich nur der Kranke. Ein kleines Experiment dazu: Der Leser möge sich bitte vorstellen: Ich erwache und bin plötzlich blind. Nichts kann ich mehr sehen! Hätte ich dann nicht nur noch einen Wunsch, daß Gott mir mein Sehenkönnen zurückgibt? Erst im Kontrast zur Blindheit ergreife ich den Wert des Sehens! Wie nun, wenn das auch für den Kontrast von der Hölle und dem Himmel gilt?Die Verheißung des Himmels verblast, wenn sie nicht mehr kontrastiert wird mit der Drohung der Hölle!
Der Terminus der „Gottesferne“ ist außerdem ein sehr zweifelhafter! Gott selbst ist niemandem fern, aber er ist nicht jedem positiv zugewandt nahe. In seinem Strafgericht über Sodom war Gott dieser Stadt sehr nahe in seinem Zorn über sie. Der in der Bibel so oft erwähnte „Gottlose“1 ist nie jemand, dem Gott selbst fern wäre. Er kann nur „gottlos“ sein, insofern er selbst nicht an Gott glaubt. Die Hölle kann so kein gottferner Ort sein, sondern ist der,in dem Menschen den Zorn Gottes über sie erleiden, der ihnen in seinem Zorne nahe ist.
1Die Vulgata übersetzt mit „impius“ und das bedeutet eigentlich: „unfromm“, das ist: Man glaubt an Gott und lebt aber so, als wenn es ihn nicht gäbe!
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