Mittwoch, 19. Juli 2023
Anmerkungen zur Moralisierung der Politik: Kann es rein sachliche Politik geben? Oder die effektivste Ideologie ist die, die keine sein will
Samstag, 18. Dezember 2021
Hätte Maria auch "Nein" sagen können?
Hätte Maria auch „Nein“ sagen können?
„Nein, ich möchte nicht die Mutter Gottes werden!“ Hätte Maria auch so dem Engel Gabriel antworten können, hätte sie in getreuer Nachfolge zu Eva auch den Ungehorsam dem Gehorsam vorziehen können? Wäre es also möglich gewesen, daß Weihnachten sich nicht ereignet hätte?
Maria war voll der Gnade. Diese Aussage könnte nun so interpretiert werden: Da sie von der Gnade Gottes erfüllt war,konnte sie nicht sündigen, denn das Sündigen ist ein Mangel und ob der Fülle der ihr gewährten Gnade war sie ohne einen Mangel. Denn das Sündigenkönnen ist ja nicht etwas Poitives, sondern müßte als ein Mangel an Vollkommenheit angesehen werden. Zudem hätte Gott ja so seinen Heilsplan abhängig gemacht von dem kontingenten Mitwirken von Maria, denn nur wenn sie Ja sagt, kann dieser Plan gelingen.
Guttes tun können und es dann auch zu realisieren, ist etwas Gutes, im moralischen Sinne. Davon zu unterscheiden ist der Begriff des Guten in der Aussage: X funktioniert gut. Ein technisches Gerät kann defekt sein und somit nicht mehr gut funktionieren. Funktioniert es gut, ist das so keine moralische Qualifizierung des Gerätes wie sein Nichtfunktionieren etwas Unmoralisches wäre.
Was qualifiziert also eine moralisch gute Handlung zu einer moralischen im Kontrast zur Aussage, etwas funktioniere gut? Nur eine Handlung, die freiwillig vollzogen worden ist, die also auch unterlassen worden sein könnte, kann als eine moralisch qualifizierbare beurteilt werden.
Also, wenn das Gute Wollen und Vollbringen etwas moralisch Gutes sein soll, dann kann es das nur sein, wenn statt des Guten auch das Nichtgute gewollt und vollbracht werden könnte.
Wenn also die Gnade in ihrer Fülle Maria es verunmöglichte, daß Maria ungehorsam Nein zur Botschaft des Engels hätte sagen können, dann würde diese Gnade somit auch es verunmöglichen, daß Maria das Gute wollen und tuen konnte, nämlich ihr Ja zu sagen. Sie hätte ihr Ja nicht als eine moralisch relevante Handlung vollziehen können, sie hätte nur funktioniert wie ein gut programmierter Roboter. Aber ein Gutfunktionieren ist kein moralisches Urteil. Wenn Maria aber durch die göttliche Gnade nicht mehr in der Lage gewesen wäre, moralisch Gutes zu wollen und zu realisieren, dann wäre das ein Mangel an ihr. Sie wäre nämlich ihrer Freiheit beraubt, die gerade den Menschen zum Menschen macht. Sie gliche,ihres freien Willens beraubt, eher einem Roboter, der gut programmiert immer nur das Gute tut im Sinne des Gutfunktionierens.
Nicht ist also das Sündigenkönnen an sich etwas Gutes, diese Fähigkeit ist aber die denknotwendige Voraussetzung dafür, daß das Gute in einem moralischen Sinne gut gewollt und getan werden kann. Das Negative ist also nicht um seiner selbst willen, sondern um des Guten willen.
Maria hätte so auch Nein sagen können zum Engel Gabriel: „Ich will nicht!“ Eva sagte ihr „Nein“ zu Gott, indem sie ihr „Ja“ zum Verführer sagte. Der Engel Gabriel grüßte Maria mit „Ave“ = der Umkehrung von Eva, hoffend darauf, daß sie Ja sagt, wo Eva Nein zu Gott sagte. Und Maria sprach ihr freies Ja!
Gottes Gnade entmündigt den Menschen nicht, sondern erwirkt ihm die Freiheit, Ja oder Nein zu Gott zu sagen. Das ist die göttliche Ordnung, in der und in der nur moralisch gut gewollt und gehandelt werden kann. So hat Gott wirklich das Gelingen seines Heilsplanes von dem freiwilligen Ja der Maria abhängig gemacht. Er vertraute ihr, daß sie sich als umgekehrte Eva erweisen wird, die wir in unserem hoffentlich täglich gebeteten Rosenkranz mit unserem „Ave“ grüßen.
Freitag, 3. September 2021
Irritierendes: Gibt es eine unbedingte Moral? Oder ist Jesu Moral zu primitiv, weil nicht unbedingt?
Als die Gretchenfrage des moralphilosophischen Diskurses präsentiert ein Artikel auf Kath net: „Das Gute in dieser ‚neuen Sexualmoral‘ ist nicht neu und das Neue an ihr ist nicht gut“ (1.9.2021):
Was heißt gut? Hedonē – gut ist, was mir Genuss verschafft oder aretē – gut ist, was vollendet ist? Wenn das wirklich ernst gemeint sein sollte, ergäbe das das Urteil, daß ein vollendeter Mord etwas Tugendhafteres wäre als ein nur versuchter. Das ist nun aber so absurd, daß davon auszugehen ist, daß hier über das Geschriebene nicht nachgedacht worden ist. Ob etwas Vollendetes etwas Positives, moralisch Gutes ist, ist nicht identisch mit der Frage, ob etwas vollendet ist. Es kommt allein auf die Qualität des Nicht- oder Vollendeten an. So ist eben ein vollendeter Mord etwas Unmoralisches, ein vollendetes Kunstwerk etwas Moralisches, wenn das Vollendetsein die Qualität des Kunstwerkes bezeichnet. Aber es gilt auch, daß Robert Musils Roman: „Der Mann ohne Eigenschaften“ ein geniales Kunstwerk ist, auch wenn der Autor es nicht vollenden konnte, ja es steht in nichts Marcel Proust vollendetem Roman: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nach. Aus dem Bereich der Moral: Der Versuch, einem Menschen das Leben vor dem Ertrinken zu retten, ist auch dann etwas Moralisches, wenn dieser Versuch unverschuldet mißlingt.
Aber was ist nun von der Perhorreszierung des mir Genußverschaffens zu halten. Im Sinne des hl. Augustin sind zwei Handlungsweisen zu unterscheiden, die, die ihren Zweck außerhalb der Tat haben und die, die ihren Zweck in sich selbst haben. Ersteres bezeichnet er als „uti“, als Nützlichkeitshandlungen: Ich kaufe mir ein Buch, um es zu lesen. Das Kaufen ist die Nützlichkeitshandlung, während das Lesen des Buches in diesem Falle etwas Selbstzweckliches ist, das so frui- genossen wird. Nur das selbstzwecklich Getane können wir genießen, die Nützlichkeitshandlungen dagegen haben ihren Sinn allein in ihrer Ausrichtung auf die selbstzweckliche Tat. Soll nun jedes Selbstzweckliche, weil es so dem Täter einen Genuß bereitet, moralisch dysqualifiziert werden? Das wäre ebenso absurd. Wenn das Gute um des Guten willen vollbracht und so genossen werden würde, wäre das dann eine unmoralische Handlung?
Neben diesem offenkundig nicht recht Durchdachtem ist nun diese Äußerung sehr bedenkenswert:
„Auch der Münsteraner Dogmatiker Thomas Möllenbeck machte mit Bezug auf C. S. Lewis auf der Kölner Tagung darauf aufmerksam, dass es keine unbedingte Moral mehr geben könne, wenn es kein natürliches „gut“ mehr gibt, das am höchsten gut Maß nimmt.“
Das klingt irgendwie theologisch angemessen, zumal wenn man etwa eingedenk der Schrift des Schweizer Reformators über die Vorsehung Gottes sich daran erinnert, daß dort und nicht nur dort Gott als das „summum bonum“ bezeichnet wird. Trotzdem stellen sich beim Nachdenken Probleme ein: Bezeichnet das „höchste Gut“ eine objektive Seinsqualität von etwas, das erstrebt wird, oder bezeichnet es eine subjektive Wertung dessen, der etwas als für ihn als das höchste Gut erstrebt. So könnte ein Christ urteilen, daß für ihn Gott das höchste Gut ist, für einen Atheisten dagegen kann es auch ein höchstes Gut geben, das dann aber nicht mit Gott identisch ist. So könnte ein atheistischer Transhumanist als das höchste Ziel die Perfektionierung des Menschen ansehen, der sogar den Tod überwindet.
Wenn das höchste Gut etwas rein Subjektives ist, dann ist es nur das höchste, weil es subjektiv so angesehen und erstrebt wird. Wenn dagegen das höchste Gut etwas Objektives ist, dann ist es möglich, daß Menschen auch subjektiv danach streben oder auch nicht danach streben. Denn die reine Erkenntnis, daß etwas das höchste Gut sei, determiniert nicht den freien Willen des Menschen, daß er dann das auch erstreben müßte. Jesus Sirach formuliert dies in beeindruckender Klarheit: „Ante hominem vita et mors, bonum et malum:quod placuerit ei, dabitur illi“ = Der Mensch hat vor sich Leben und Tod, Gutes und Böses; was er will, wird ihm gegeben (15,18)Der Mensch kann in seiner Freiheit das Leben oder den Tod wählen, das Gute oder das Böse und Gott wird ihm dann das geben, was er sich frei erwählte.Solange das höchste Gut nur etwas rein Objektives ist und mir nicht zum subjektiv Gewollten wird, kann ich statt Gutes zu wirken auch Böses wirken, ja es gibt sogar Menschen, die das Böse um des Bösen willen vollbringen um des Genießens dieses Selbstzwecklichen. So spricht die Definition des Mordes im Strafgesetzbuch auch von der Möglichkeit des Lustmordes, der Lust am Töten um des Töten willens. Soviel Realismus findet sich im moraltheologischen Diskurs der heutigen Zeit leider selten (oder gar garnicht?).
Was soll nun ein „natürliches Gut“ sein, das am höchsten Gut Maß nimmt? Mit dem Natürlichen dürfte hier wohl das Nichtübernatürliche und nicht das Nichtkulturelle gemeint sein. Moralische Güter kann es nämlich nicht in der Ordnung der Natur sondern nur in der der Kultur geben. Dann würde das meinen, daß nur solche Kulturgüter moralisch qualifizierte wären, wenn sie in einer positiven Relation zu Gott als dem „summum bonum“ stünden. Oder meint das, das kulturelle Güter nur dann unbedingt erstrebt werden könnten, wenn sie in einer positiven Relation zu Gott stünden?
Denken wir uns einen patriotisch Gesonnenen: „Alles für mein Volk“, denn für ihn ist das eigene Volk das höchste Gut. Dann gibt es keinen Zweifel, daß er all sein Tuen diesem obersten Gut unterordnen wird, weil für ihn nur das eigene Volk etwas Selbstzweckliches ist. Er wird dann auch alles gutheißen, was seinem Volke dient und wenn es für sein Volk unbedingt notwendig ist, auch das unbedingt wollen. Auch für jeden, für den es ein höchstes Gut gibt, das nicht mit Gott identisch ist und das nur ein kulturelles ist, kann es unbedingt Verpflichtendes geben, so etwa (wie es Ernst von Salomon in seinem Roman: „Der Fragebogen“ ausführt), daß ein Patriot für sein Volk in den Krieg zieht, um für es andere zu töten und auch bereit sein, sich töten zu lassen.
Ist denn nun wenigstens Gott als höchstes Gut der Garant für ein moralisches Handeln? Auch das ist leider ein Irrtum! Wenn Gott nämlich, auch wenn er als das höchste Gut subjektiv anerkannt wird, als alle Menschen bedingungslos Liebender vorgestellt wird, dann kann ja geurteilt werden, daß Gott jeden Menschen, egal ob er als Massenmörder oder als Heiliger lebt, liebe. Dann kann es keine theologische Morallehre mehr geben, da Gott sich dann indifferent dem Handeln des Menschen gegenüber verhielte: Immer liebt er ihn. Gott als unbedingte Liebe zu denken zeitigt so einen theozentrischen Nihilismus, auch wenn Gott dabei als höchstes Gut geglaubt wird.
Nur wenn Gott als die Guten belohnend, die Bösen bestrafend geglaubt wird, kann es eine theologische Morallehre geben. Wenn nun Gott als das höchste also absolut erstrebenswertes Gut qualifiziert wird, dann entspringt dem nur eine theologische Morallehre, wenn gelehrt wird, daß ein bestimmtes moralisches Handeln notwendig ist, um in die Gemeinschaft mit diesem höchsten Gut zu kommen, als Gott dann zu genießenden. (Vgl frui deo beim hl Augustin). Das ergibt aber dann nur eine bedingte Morallehre, so wie sie Jesus Christus selbst gelehrt hat: „Wenn Du eingehen willst in das Reich Gottes, dann hast Du....“. Das ist und kann aber keine unbedingte sein. Jesu Lehre vom Verdienst im Himmel, von den Schätzen, die man sich als Himmelsschätze zu erwirken habe, verdeutlicht das unmißverstehbar. Das Ziel ist das ewige Genießen Gottes und um das zu erreichen habe man so zu leben, wie Jesus es lehrt- aber es ist möglich, daß Menschen die Antwort geben, daß sie nicht in das ewige Leben eingehen wollen, daß sie, wie es Jesus Sirach uns lehrt, den (ewigen) Tod frei wählen können. (Das gilt so auch für das Phänomen des Freitodes.) Denn selbst die Erkenntnis des höchsten Gutes determiniert den freien Willen des Menschen nicht dazu, nach diesem Gut zu streben.
Sonntag, 13. Dezember 2020
"BLAC FRIDAY - Österreichischer Verfassungsgerichtshof kippt Verbot von Beihilfe zum Selbstmord“
(Über die Angst vor der Freiheit des Menschen- für den Bevormundngsstaat)
So titelt Kath net am 11.12.2020. Es sollen nun die geschriebenen Worte ernst genommen werden. Kaprizieren wir uns auf den Begriff des „Selbstmordes“. So definiert das Strafgesetzbuch den Mord. §211 lautet: Mord
(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
Kann also eine Selbsttötung ein Mord sein? Die Definition des Mordes schließt das aus. Zudem: Dann müßte jede gescheiterte Selbsttötung wie ein versuchter Mord bestraft werden. „Grundsätzlich wird auch ein Mordversuch mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft und unterliegt derselben Verjährungsregel. Das Gericht kann die Strafe jedoch gemäß § 23 Absatz 2 StGB mildern. In diesem Fall beträgt die Strafe nach § 49 Absatz 1 Nummer 1 StGB 3 bis 15 Jahre.“
Wer den Freitod als Selbstmord beurteilt, muß also einen gescheiterten Selbstmordversuch mindestens mit 3 bis 15 Jahren Gefängnis bestrafen.Aber der Gesetzgeber hat die Strafbarkeit der Selbsttötung abgeschafft, da er in der Selbsttötung einen Akt des Selbstbestimmungsrechtes sieht.Moralisch kann natürlich der Freitod weiterhin verurteilt werden- für den Gesetzgeber ist dies aber irrelevant.
Wenn der Freitod eine erlaubte Handlung ist, dann kann eine Beihilfe zu einer erlaubten Tat niemals unerlaubt sein. So kann ein passionierter Nichtraucher es als unmoralisch ansehen, wenn jemand einem Raucher Feuer zum Rauchen gibt, weil so der Feuergeber dem Raucher „hilft“, seine Gesundheit zu schädigen, aber solange der Staat den Tabakgenuß nicht verbietet, kann eine Beihilfe zum Rauchen nicht strafbar sein. Wenn das Selbstbestimmungsrecht das Recht, sich selbst zu schädigen, mitbeinhaltet, dann ist die Selbsttötung der extremste Akt des Selbstbestimmungsrechtes und so auch keine strafbare Handlung.Wenn also die Selbsttötung ein legitimes Akt des Selbstbestimmungsrechtes ist, dann kann eine Beihilfe zur Realisierung dieses Rechtes kein Unrecht sein.
Leider kennt der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz nicht den Unterschied zwischen Recht und Moral, daß die kirchliche Morallehre vom Strafgesetzbuch zu distinguieren ist.
So erklärt dann Erzbischof Lackner "Mit Bestürzung habe ich als Vorsitzender der Bischofskonferenz das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs bezüglich des Verbots der Beihilfe zur Selbsttötung aufgenommen. Der Verfassungsgerichtshof hat eine Letztzuständigkeit mit Höchstverantwortung. Das wollen wir Bischöfe grundsätzlich respektieren. Eine derartige Entscheidung kann die Kirche aber nicht mitvollziehen. Diese Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs bedeutet einen Kulturbruch. Die selbstverständliche Solidarität mit Hilfesuchenden in unserer Gesellschaft wird durch dieses Urteil grundlegend verändert. Jeder Mensch in Österreich konnte bislang davon ausgehen, dass sein Leben als bedingungslos wertvoll erachtet wird - bis zu seinem natürlichen Tod.“
Leider sind auch die Theologiekenntnisse dieses Erzbischofes defizitär, denn sonst wüßte er, daß es aus theologischer Sicht keinen natürlichen Tod geben kann, denn der Tod ist immer etwas Naturwidriges als Sold der Sünde. Und für die Freunde des theologischen Nachdenkens: Wenn jedes Leben „bedingungslos wertvoll“ist, wie konnte Gott da durch die Sintflut so viele Menschen töten? Eine bittere Wahrheit: Die Coronaseuche stellt Ärzte in die Situation, daß es vorkommt, daß sie ob des Fehlens von Intensivpflegebetten entscheiden müssen, wem geholfen wird und wer so durch die Unterlassung zu Tode verurteilt wird. In solchen Notlagen hilft dann die Rede vom „Bedingungslos-Wertvoll-Sein“ jedes Menschen nicht weiter, es muß ja entschieden werden.
Was soll nun aber der Begriff der „Solidarität“in dieser Stellungnahme? Die Solidarität mit dem Sichtötenwollenden, der um eine Beihilfe zur Realisierung seines Wunsches bittet, bestünde also darin, ihn zu seinem Weiterleben zu zwingen durch die Nichtgewährung der Beihilfe, zumindest wenn der seinen Tod Wollende seinen Wunsch ohne eine Beihilfe nicht realisieren kann. Sicher gibt es gute Gründe für Verbote, etwa wenn Eltern ihren Kindern ein Spätaufbleiben verbieten, sie müssen ja am nächsten Tage zur Schule, aber Verbieten als solidarisches Verhalten zu bezeichnen, ist doch ein arger Mißbrauch des Begriffes der Solidarität- oder sollte wer ernsthaft behaupten: Je mehr ein Staat verbietet, desto solidarischer ist er. Dann müssen wir hoffen, daß die Österreichische Regierung alle Messen verbietet aus Solidarität mit den Christen!
Montag, 7. Dezember 2020
Moral aus dem Selbstbaukasten- jeder ein Moraldesigner?
(Wider die Ilusion, daß jeder sich seine Moral selbst konzipiert als eine nur für ihn verbindliche)
„Jeder Mensch bildet sich in jungen Jahren ein persönliches Weltbild. In seiner Sicht der Dinge bewertet er alle Phänomene, Personen und Erfahrungen in Bezug auf sich selbst. Die Summe aller dieser Bewertungen begründet ein komplexes, möglichst in sich stimmiges Weltbild,eine auf das eigene Selbst und seine Bedürfnisse abgestimmte Ideologie.“ So eröffnet K.Kunze seine moralkritische Betrachtung: „Die mörderische Macht der Moralisten.Vom Würgegriff der Gutmenschen“, 2020, S.7, um damit auch schon das Ergebnis seiner Kritik zu präfigurieren: Das Unglück, der Mißbrauch dieser so gebildet werdenden Privatmoralen ist, daß sie verabsolutiert werden, daß sie als von allen anzuerkennende in den Kampf gegen alle anderen Privatmoralen geschickt werden. Das ist dann der Moralismus bzw in Anlehnung an A.Gehlen ein Hypermoralismus, der dann nur in seinem freiheitsfeindlichen Charakter überwunden werden könne, wenn jeder die ihm eigene Moral als nur für ihn selbst verbindlich ansieht. Diese Geltungslimitierung gründet sich schon in dem subjektivistischen Charakter ihrer Genese: Sie basiert auf der je eigenen Sicht der Dinge, und ist als ausgebildete Ideologie auf das eigene Selbst und die Eigeninteressen ausgerichtet.
Nun kann ad hoc in Frage gestellt werden, ob „Phänomene, Personen und Erfahrungen“ Voraussetzungen einer Weltdeutung sind oder nicht schon selbst Produkte einer Weltdeutung. So spricht einiges dafür, daß die mit dem Begriff der Person mitgesetzten Differenz von lebenden Wesen, die keine Personen sind, etwa Hunden (auch wenn einem Jungen sein Hund ein noch so vertrauter Spielfreund sein mag)und lebenden Wesen, die als Personen angesehen werden, wie etwa Menschen keine ist, die außerhalb und vor einer Weltdeutung schon im Denken existiert. Diesen Zweifel evozieren auch die beiden Begriffe a) des Phänomens, daß etwas erscheint und die Frage nach einer Differenz zwischen der Erscheinung und dem Ding an sich mit sich trägt und b) dem Begriff der Erfahrung in seinem Verhältnis zum Begriff der Erkenntnis.
Wesentlicher ist aber ein anderer Einwand: Konstruiert wirklich jeder Mensch sich seine eigene Weltanschauung? Ist das nicht eine genauso absurde , als würde jedes Kind im Prozeß des Spracherlernens erst für sich eine Privatsprache erlernen, um dann in der kommunikativen Praxis seine Privatsprache die der anderen Sprecher anpassen, bis eine gemeinsame Sprache sich herauskristallisierte,die dann gar noch-o Graus-ein individuelles Denken und Sprechen verunmöglichte, weil nun nur noch in dieser Allgemeinsprache gedacht und kommuniziert werden könne. Faktisch ist das Gegenteil wahr: Nur in einer bestimmten allgemeinen Sprache (in der Regel : seine Muttersprache) kann der Sprecher individuell kommunizieren. Erst in der Sprache gibt das individuell sich ausdrücken könnende Ich.
So wie die Mutter die Muttersprache ihrem Kinde vermittelt, so vermitteln die Eltern, ihre Kinder erziehend den Kindern die elterliche Moral, die im Regelfall mit der vorherschenden in der Gesellschaft eins ist: Das tut man nicht! Das gehört sich nicht! Die so vorgelebte und gelehrte Moral wird nun individuell angeeignet, so wie kein Deutschsprachiger genauso das Deutsche spricht wie ein anderer Deutsche und doch sprechen sie nur die eine Sprache.
Nun gibt es in komplexen Gesellschaften nicht einfach nur eine Moral, wie A.Gehlen es herausgearbeitet hat in seiner vortrefflichen Schrift: „Moral und Hypermoral“: das Familienethos, das Staatsethos und das der gegenseitigen Wechselseitigkeit, fundiert im Handel. (Das Kriegerethos ist wohl dem Staatsethos zu subsumieren.) Aber es gibt für Gehlen keine Privatmoral und kann es auch gar nicht geben, da der Ort der Moralen Institutionen (Familie,Staat, der Markt als Ordnungsprinzip der Ökonomie) sind, die Moralen ausbilden zur Entlastung der Individuen, die ob ihrer defizitären Bestimmtheit durch ihre Triebe der Institutionen mit ihren Normen und Werten bedürfen. Die die vorgegebenen Moralen individuierende Aneigung ist nun so gesehen etwas eindeutig Sekundäres. So gibt es überhaupt keine Privatmoral und auch keine Privatweltanschauung. Beides sind a priori immer soziale Konstrukte.
Was es nun geben kann und auch wirklich sich ereignet, daß sich oppositionell zur vorherrschenden Weltanschauung andere entwickeln oder als fremde in einen Kulturraum ansässig werden. So ist das Christentum in Deutschland auch zuerst als fremde hier heimisch geworden, in dem sie die dort heimische verdrängte. So könnte jetzt evtl der Islam zur vorherrschenden in Europa werden, da das Christentum sich in einem Auflösungsprozeß befindet.
Zeiten, in denen sich die einst vorherrschende Moral und Weltanschauung auflöst, ihre kulturelle Hegemonie verliert und eine neue sich noch nicht etabliert hat, (Nietzsche prophezeite das als das Stadium des Nihilismus, das dann durch einen neuen Wertehimmel aufzuheben ist), können so als morallose Zeiten oder als Zeiten, in denen es nur noch Privatmoralen gibt, empfunden werden. Ortega y Gasset urteilte so: „Das ist das Problem: Europa glaubt an keine sittlichen Normen mehr. Nicht daß der Massenmensch eine veraltete Moral zugunsten einer emportauchenden verachtete; im Zentrum seiner Lebensführung steht gerade der Anspruch, ohne moralische Bindungen zu leben.“ (Aufstand der Massen, das letzte Kapitel: Die Untersuchung mündet in das eigentliche Problem)Der Destruktionswille der alten Ordnung wird hier völlig verkannt, weil er nicht begriffen wird als die Negativseite des Willens zur Etablierung einer neuen Moralordnung. In Anlehnung an A. Dugin kann gesagt werden, daß nach dem Hegemonieverlust des Christentumes über Europa die Weltanschauungen des Liberalismus, des Faschismus/Nationalsozialismus und des Sozialismus/Kommunismus um die Vorherrschaft kämpften, so eine Pluralität der Weltanschauungen sich ergab bis sich der Liberalismus durchsetzte mit dem Ende der sozialistischen Staaten.
Interessant zu beobachten ist nun, wie der vorherrschende Liberalismus sich zur Politischen Korrektheitsideologie umwandelte, die in dem Gutmenschen mit seinem aggressiven Moralismus ihren eifrigsten Vertreter findet.
Corollarium 1
Die Vorstellung, daß jeder sich seine Weltanschauung selbst zusammenkonstruiere, ist selbst ein Dogma des Liberalismus, der Konsumentenideologie des souveränen Konsumenten. Aber der Liberalismus ist zum Neoliberalismus mutiert, und der verlangt nun von allen politische Korrektheit. Eine Morphologie des Liberalismus ist noch zu schreiben.
Samstag, 5. Dezember 2020
Leben ohne eine allgemein anerkannte Moral- geht das?
(Wie beim Versuch der Kritik des Moralismuses das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird)
„Friedlicher würde unser Welt nur werden,wenn wir erkennen,daß jeder seine eigene Moral hat, nach der wir ihn gern leben lassen würden. Suum cuique.“ So lautet der letzte Satz der Betrachtung: „Die mörderische Macht der Moralisten. Im Würgegriff der Gutmenschen.“, von K.Kunze, herausgegeben von den Deutschen Konservativen 2020.
Ob wirklich jeder in unseren postmodernen Zeiten nach seiner ihm eigenen Moral lebt, ob nicht vielmehr auch jetzt eine Moral vorherrscht, die sich die Einzelnen nur individuierend aneignen, wie jeder Deutsche Deutsch spricht, aber jeder doch individuell, darüber ließe sich debattieren,aber nehmen wir mal an, daß es sich so verhielte.
Warum soll dann einer die Moral des Anderen tolerieren, daß er nach seiner Moral lebe? Ich toleriere Deine Moral, damit Du die meinige tolerierst, könnte als Begründung des Tolerierens angefügt werden. Das ist aber selbst ein moralischer Satz, einer utilatiristischen Moral zuschreibbar, sodaß sich die Frage erhebt, warum denn jeder dieser Moral der Wechselseitig zustimmen sollte. Der Text sagt, damit die Welt friedlicher würde. Damit ist aber eine universalistische Moral skizziert, ein Grundsatz formuliert, der nicht mehr vereinbar ist mit der Vorstellung, daß jeder nach seiner persönlichen Moral leben solle. Denn nun wird von jedem die Zustimmung zu dieser Moral verlangt, die so eine von allen zu akzeptierenden avanciert.
Aber das Problem liegt auch in einem reduktionistischen Moralverständnis. Primär regelt eine Moral das Wie des Zusammenlebens in einer sozialen Gemeinschaft. Dann kann es auch die Vorstellung moralischer Pflichten sich selbst gegenüber geben, daß nicht nur das Morden anderer Menschen moralisch verurteilt wird sondern auch der Selbstmord. Aber primär regelt die Moral den Umgang der Menschen untereinander normativ. Das verlangt aber notwendigerweise, daß diese Moral von allen Mitgliedern eines Sozialverbandes bejaht wird. Davon wäre dann die Privatsphäre der Bürger zu unterscheiden, in der sie beliebig leben können, sofern davon nicht andere betroffen sind. So darf ein Ehemann in seinen Privaträumen rauchen so viel er will, erklärte aber seine Frau, daß in allen Räumen, in denen auch die Kinder anwesend sind, um der Gesundheit der Kinder er nicht rauchen dürfe, so muß er das akzeptieren und sich auf sein Raucherzimmer zurückziehen.
Dies Beispiel soll auch veranschaulichen, daß es nicht erstrebenswert sein kann, das gesamte Miteinanderleben durch staatliche Gesetze zu regulieren, daß also das Miteinander der Menschen moralisch reguliert wird in der großflächigen Regulierung durch staatliche Gesetze. So sollte es einsichtig sein, daß die Eltern selbst festlegen, wie sie ihre Kinder aufklären, unabhängig nun vom schulischen Sexualkundeunterricht, aber daß nun ein sexueller Mißbrauch der Kinder durch das Recht, die Kinder nach der Privatmoral der Eltern zu erziehen, nicht legitimiert werden kann.
Es kann so in einem Staate nur solche Privatmoralen toleriert werden, die den staatlichen Gesetzen nicht widersprechen. Oder dürften etwa Eltern ihre Kinder zur Prostitution gebrauchen, um so Geld verdienen, wenn sie erklärten, ihre Moral erlaube das, und die soll gefälligst von den Anderen als die ihrige geduldet werden?
Grundsätzlicher: Jede Moral inkludiert Geltungsansprüche: So hat man zu leben, und auch die Forderung, daß jeder jede Moral des Anderen zu tolerieren habe, ist ein Geltungsanspruch, der so eine universalistische Moral fundiert. Es gibt kein Gemeinschaftsleben ohne eine von allen zu akzeptierenden Moral, was es aber gibt,das sind Zeiten des Kampfes, in denen verschiedene Moralen um die Vorherrschaft in einer Gesellschaft kämpfen, wie jetzt in Europa, in dem sich die christliche Moral als öffentlich allgemeine verabschiedet, um der Moral der Politischen Korrektheit zu weichen in Konkurrenz zum Islam, der ebenso seine Vorherrschaft erkämpfen will. Das ergibt das Phänomen des Pluralistischen als ein Zwischenstadium, wo eine neue Herrschaftsmoral sich noch nicht fest etabliert hat. Daß jede Moral dann ihre Ketzer und Dissidenten produziert, gehört eben zu den Härten des Lebens.
Sonntag, 29. November 2020
Freiheit- was ist das, philosophisch, politisch, religiös-lauter Confusionen?
Kaum ein anderes Wort erfreut sich so großer Beliebtheit wie der Begriff der Freiheit und andererseits ist auch keiner so unklar wie dieser. So widmete gar Kardinal Marx der Freiheit ein Buch. (vgl: W.König, Reinhard Marx, Freiheit, Theologisches, 11/12.2020). Anstatt nun diese Kardinalsfreiheit zu besprechen soll hier eine kleine Orientierungsskizze versucht werden.
Zu unterscheiden ist zu vörderst die Willens- von der Handlungsfreiheit: Wenn ich a will, könnte ich dann auch a nicht wollen, oder gilt, was auch immer ich will, will ich notwendig? Ist der Wille des Menschen durch was auch immer determiniert oder frei. Daß der Mensch verantwortlich ist für sein Wollen und seinem realisierten Wollen, dem Tuen und Unterlassen setzt aber denknotwendig die Freiheit seines Wollens voraus.
Unter der Handlungsfreiheit wird verstanden, daß das, was ich will, ich auch verwirklichen kann. Dieses Verständnis der Handlungsfreiheit liegt dem politischen Diskurs der Freiheit zu Grunde. Dieses Verständnis soll nun problematisiert werden:
Handelt es sich um eine Einschränkung der Handlungsfreiheit, wenn etwas Unmögliche nicht realisiert werden kann. Wenn kann auch der genialste Künstler keinen schwarzen Schimmel malen kann, ist das eine Begrenzung seiner Handlungsfreiheit? Es ist einerseits eine, denn Gott hätte sehr wohl ein Universum erschaffen können, in dem schwarze Schimmel eine Möglichkeit sind, Gott kann etwas, was dem Menschen unmöglich ist, andererseits kann die menschliche Handlungsfreiheit nicht darin bestehen, Menschenunmögliches realisieren zu wollen! Die Einsicht, daß der Mensch das Subjekt des Realisierens ist mit seiner Begrenztheit durch sein Menschsein erkennt, daß Unmögliches nicht tuen zu können, kein Mangel an menschlicher Handlungsfreiheit ist.
Es gibt nun aber den Fall, daß etwas dem einen Menschen möglich ist, einem anderen aber nicht. Für den heutigen Menschen ist die Konsumfreiheit das Wichtigste. Deshalb gilt ja Westdeutschen die DDR als Hort der Unfreiheit, weil man dort nur im Vergleich zum Westen unter wenigen Konsumgütern wählen konnte- man denke nur an das vielfältige Angebot an Automarken im Vergleich zu dem sozialistischen Einheitsauto Trabant und den Qualitätsunterschied zwischen einem Trabi und einem Mercedesauto. Wenn dem so ist, ist es dann eine nicht akzeptable Einschränkung meiner Handlungsfreiheit, wenn mein Portemonnaie den Ankauf eines Lombargini (zwischen 200000 und 300000 Euro Kaufpreis) unmöglich macht, während anderen das können? Besteht so die soziale Ungerechtigkeit darin, daß einige sich etwas kaufen können, das anderen unerschwinglich ist? Ist das eine nicht legitimierbare Einschränkung der Handlungsfreiheit der Wenigerverdiener, wenn es faktisch gilt: Je mehr wer über Kaufkraft verfügt, desto größer ist seine Handlungsfreiheit? Gibt es so ein Minimum an Handlungsfreiheit in der Gestalt der Kaufkraft, damit von einem freien Menschen die Rede sein kann. Der Deutsche Sozialstaat beantwortet diese Frage eindeutig mit der Gewährung der Sozialhilfe für die Armen.
Wie steht es nun aber um die politischen Freiheiten, etwa der Meinungs- und Versammlungsfreiheit? Eine kleine Problemanzeige: Wer sich heute kritisch über Asylanten, Homosexuelle und Muslime äußert, muß mit Sanktionen rechnen, daß man dann mit ihm nicht mehr spricht, ja daß man gar deswegen angezeigt werden kann, etwa wegen Volksverhetzung. Hier muß festgehalten werden, daß es die Meinungsfreiheit noch gibt, daß aber angesichts der möglichen Folgen so mancher darauf verzichtet, sie auch zu praktizieren, zumindest bei diesen drei Themen.
Überpointiert: Überall gibt es Meinungsfreiheit, aber in so manchem Staate wird man dafür inhaftiert, „mißbraucht“ man sie zu nicht erlaubten Meinungsäußerungen. (Im aktuellen Diskurs über die Meinungsfreiheit ist deutlich die Mehrheitsmeinung erkennbar, daß bei uns die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden müsse im Kampf gegen Rechts: Rechte Meinungen sind keine erlaubten Meinungen. Damit nähert sich dieser Diskurs dem Freiheitsverständnis der antifaschistischen DDR an, daß es keine Freiheit für Faschisten geben dürfe und daß die Herrschenden dann das Recht haben, festzusetzen, was denn faschistisch ist. Eigentlich sollte ja gelten, daß die Meinungsfreiheit ein Grundrecht, ein Menschenrecht sei.
Findet nun meine Handlungsfreiheit ihre Grenze in der notwendigen Respektierung der Freiheit des Anderen? Marquise de Sade vertritt die Antithese, daß nur der wirklich frei ist, der so viel Macht über die anderen Menschen verfügt, daß er machen kann, was er will ohne eine Rücksicht auf die Anderen nehmen zu müssen. Diese Handlungsfreiheit möchte ich als Willkürfreiheit bezeichnen, von der die sich wechselseitig anerkennende Freiheit als aufgehobene Willkürfreiheit unterscheidet: Die vernünftige Einsicht in die Pflicht der Anerkennung der Freiheit des Anderen konstituiert erst die menschliche Freiheit als Überwindung der Willkürherrschaft. So findet das Selbstbestimmungsrecht erst durch die wechselseitige Anerkennung ihren rechtlichen Charakter. Wo nur das eigene Selbstbestimmungsrecht anerkannt wird, wie etwa von Feministin, die so ein Recht der Tötung ihrer Kinder im Mutterleibe fordern, wird das Recht zu einer Willkürherrschaft. Der Feminismus ist nun keine spekulative Philosophie sondern die Praxis der Tötung von circa 100000 Kinder pro Jahr.
Gibt es nun für die Freiheit, verstanden als Selbstbestimmungsrecht über sich selbst Grenzen? Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht dabei die Frage der Erlaubtheit einer Beihilfe zum Freitod, ausgehend von der Entscheidung des Gesetzgebers, den Freitod nicht als strafbare Handlung zu bestimmen. Die Katholische Moraltheologie sieht den Freitod als unerlaubte Handlung an und lehnt so folgerichtig jede Beihilfe zum Freitod ab. Das ist natürlich eine umstrittene Beurteilung des Freitodes; aber wenn der Freitod vom Staate nicht mehr als Straftat beurteilt wird, dann kann natürlich eine Hilfe zur Ermöglichung etwas Erlaubten, somit auch eine Beihilfe zum Freitod nicht unerlaubbar sein. Aber es bleibt doch noch das Problem, ob der Mensch Pflichten gegen sich selbst hat, sodaß diese Pflichten seine Selbstbestimmungsfreiheit einschränken müssen. Gibt es eine Pflicht zum Leben?
Wie verhält sich nun die christliche Freiheit zu dem bis jetzt Expliziertem?Was macht überhaupt die christliche Freiheit aus- oder wozu hat uns Jesus Christus befreit? Es muß hier die Distinktion der Freiheit wovon von der Freiheit wozu getroffen werden. Durch Jesus Christus sind wir vor der Verurteilung zum ewigen Tod zum ewigen Leben befreit. Das ist wohl die prägnanteste Formulierung der christlichen Freiheit, die als übernatürliche die natürliche voraussetzt und nicht nichtet. Die Moraltheologie setzt als denknotwendige Voraussetzung die Freiheit des Willens voraus, da der Mensch sonst gar nicht für sein Tuen und Unterlassen zur Verantwortung ziehbar wäre.
Spannend ist dann aber die Frage des Verhältnisses der Freiheit zu den Geboten Gottes und der Kirche. Spontan werden sie als Beeinträchtigung der Freiheit angesehen: Sie verbieten ja Handlungen, die zumindest zum Teil Menschen gern vollzögen, wenn sie nicht verboten wären. Man denke nur an den Ehebruch. Aber der, der die Ehe bricht durch einen Seitensprung, der ist in der Regel der, der vom Ehepartner die eheliche Treue verlangt, nur sich selbst billigt er das Privileg des Seitensprunges zu. Deutet dies nicht daraufhin, daß durch die göttlichen Gebote die Willkürfreiheit erst zur Freiheit gewandelt wird? Da mit der Erörterung dieser Frage ganze Bücher angefüllt werden müßten, wenn diese Frage adäquat abgehandelt werden soll, verzichte ich hier auf sie.
Das große und konfliktträchtige Thema der Freiheit des Einzelnen zur Freiheit des Ganzen, konkreter: Wie sehr darf der Staat die Freiheit des Einzelnen beschneiden, um des Allgemeinwohles willen, ist nun eine, die nur auf dem Fundament einer Metaphysik des Staates respondiert werden kann, denn solange nicht begriffen ist, was das Wesen des Staates ist, ist diese Frage unlösbar.
Das Ganze und der Einzelne ist nun aber selbst noch einmal ein sehr komplexer Gedanke, den er inkludiert ja eine Vielzahl von Relationen, in denen das Ganze als Gegenpol zum Einzelnen auch immer etwas anderes ist, so die Relation von Vater, Mutter, Kinder zu dem Ganzen der Familie, aber auch das Individuum und das Volk, dem es angehört und auch der Mensch und die Gattung Mensch. Es gibt eben, auch wenn es diese Vorstellung in der Ideologie des Liberalismus nicht gibt, auch Freiheitsrechte solcher Kollektivgrößen, die des Volkes, der Menschheit aber auch der Familie! In diesen Relationen steht nun das Individuum etwas ihm Übergeordnetem gegenüber, zu dem er aber selbst gehört. So gibt es eben nicht nur Freiheitsrechte des Individuumes sondern auch ein Selbstbestimmungsrecht der Völker. Diese Spannung, ein Individuum zu sein und zugleich auch ein Glied eines Ganzen mit ihm eigenen Freiheitsrechten macht aber gerade auch die Lebendigkeit des Menschen aus, ein individuiertes Ganzes zu sein.
Sonntag, 8. November 2020
Anmerkungen zu: Moral ohne Gott? Kann es das geben?
Anmerkungen zu: Moral ohne Gott? Kann es das geben?
„Das Moralbewußtsein begann nicht damit,daß einer zum anderen sagte: >Ich schlage dich nicht,wenn du mich nicht schlägst. Zu dieser Art Handel gibt es keinen Beweis“ G.K. Schesterton, Orthodoxie.Eine Handreichung für die Ungläubigen, 2015, S.137.
Die Vorstellung, daß die Moral durch Vertragsabschlüsse entstanden sei, kann als charakteristisch für die utilitaristische Moral angesehen werden. Von Natur aus egoistisch beschränkt jeder seine Freiheit, anderen zu schaden, damit die auch darauf verzichten. Moral ist so vernünftig gelebter Egoismus. Die Moral legitimiert sich dann wie jeder Vertrag, daß er von allen Vertragsparteien unterschrieben wurde. Das verlangt nun aber die Fiktion, daß alle Mitglieder einer Gesellschaft, in der eine bestimmte Moral verbindlich sein soll, diese Moral vertraglich anerkannt hätten. Da dies völlig utopisch ist, zumal die Moral ja auch für Bürger gelten soll, bevor sie vertragsabschlußfähig sind, reduziert sich diese Konzeption dann auf die Behauptung, daß jeder vernünftiger Egoist dem Vertrag zugestimmt hätte, wäre er am Gründungsakt, des Beschlusses dieses Vertrages beteiligt, weil er ein vernünftiger Egoist sei. Chesteron ist so einerseits zuzustimmen, daß nie es so einen Moralvertrag gegeben hat, aber das Argument des Utilitarismus lautet, daß diese Moral gültig sei, weil jeder vernünftige Egoist ihr zugestimmt hätte, wenn ein solcher Gründungsvertrag sich ereignet hätte.
Wäre das dann eine Moral ohne Gott? Eine implizite Voraussetzung untergräbt aber diese Vertragsvorstellung: daß alle Vertragsschließer über gleich viel Macht verfügten, andere zu schädigen wie jeder auch befürchten muß, ein Opfer der Gewalt des Anderen zu werden.. In asymmetrischen Kommunikationsverhältnissen sieht das aber anders aus: „Ich schädige Dich, aber Du und die Deinigen können mir nicht schaden, da ich mächtiger bin als die Anderen.“ So destruiert der Radicalaufklärer Marquise de Sade die Moral. Nur eine von allen als oberste Gewalt anerkannte Autorität kann so den Gehorsam gegen die Moral erwirken, weil ihr gegenüber alle ohnmächtig sind. Gott ist so diese Autorität, der Staat dann nur in eingeschränktem Masse, wenn er garantieren könnte,daß er jedes Vergehen gegen die Moral ahnen könnte.
Chesterton frägt nun aber nach dem Ursprung der Moral, nach ihr, bevor die staatliche Ordnung nun die Einhaltung der Moral erzwingen kann. „An dieser heiligen Stätte dürfen wir uns nicht schlagen.“ (S.137) So konkretisiert Chesterton dies: „Die 10 Gebote […] waren schlicht und einfach Militärbefehle; Regimentsvorschriften,die erlassen worden waren, um für den sicheren Transport einer bestimmten Bundeslade durch eine bestimmte Wüste Sorge zu tragen. Anarchie war von Übel, weil sie das Heilige in Gefahr brachte.“ (S.138) Die Formulierung, das Heilige gefährdete, trifft die Sache nicht ganz, denn eine Verunehrung der hl. Bundeslade evzoziert den Zorn Gottes und gefährdet so die Menschen, weil Gottes Zorn sie dann trifft. Die Gebote regeln so das Leben der Gemeinde, sodaß sie in der Nähe Gottes leben können, denn der Gott, der das Leben gibt und es bewahrt, kann es auch vertilgen, wenn gegen ihn gesündigt wird.
Chesteron fährt nun so fort: „Und nur wenn sie den Tag für Gott heilighielten, stellten sie fest, daß es auch für die Menschen ein Festtag war.“ (S.138). Damit soll gesagt sein, daß das Einhalten der göttlichen Gebote sich auch als direkt gut für die Menschen erwies. Indirekt ist das Halten der Gebote gut für den Menschen, da so Gott ihnen nicht zürnt und sie straft und da Gott ihnen gegenüber wohlwollend ist, da sie seine Gebote halten. Säkularisiert werden nun die Gebote Gottes, wenn sie nur noch als gültig angesehen werden, weil ihre Befolgung für den Menschen nützlich ist. Dann können aber auch alle Gebote abgelehnt werden, wenn ihre Übertretung als nicht mehr schadend empfunden werden. So gilt es heute als eine Selbstverständlichkeit, daß jeder an so viele oder an gar keinen Gott glauben darf, wie es ihm beliebt, weil Menschen durch den Polytheismus wie durch den Atheismus kein Schaden entsteht, es also nicht nützlich ist, auf das 1.Gebot der 10 zu insistieren.
Ist aber die Moral, wenn sie so säkularisiert wird, lebbar? Aber so wird vorschnell gefragt. Zu erst gilt mit Chesterton festzuhalten, daß der Ursprung der Moral in der Religion zu verorten ist, daß sich aber die Moral von ihrem Ursprung emanzipieren kann, indem sie sich zu einer bloßen Nützlichkeitsregulierung reduziert. Diese verkennt aber die Ungleichheit an Macht, daß es weniger und mehr Machtvolle gibt, sodaß diese Differenz es Mächtigen erlaubt, unmoralisch zu handeln, weil sie keine Bestrafung zu befürchten haben. Das extremste Anschauungsbeispiel ist dafür die Massentötung von Kindern im Mutterleibe, die Tötung der völlig Machtlosen.
Donnerstag, 6. August 2020
Universalistische Werte? Ganz ohne Gott?
Der Philosophieprofessor Markus Gabriel will also für die universalistische Geltung von Werten sich engagieren. Seinen Vortrag (so im Internet auffindbar: „Warum es zum Glück keine europäischen Werte gibt – Think Europe mit Prof. Dr. Markus Gabriel“ eröffnet er für einen Philosophen heutiger Zeit sehr ungewöhnlich mit der Frage: Sind die Gebote Gottes wahr und verbindlich, weil sie Gott gegeben hat oder hat Gott sie gegeben, weil sie wahr und verbindlich sind.
So charakterisiert der „Deutschlandfunk“ das Anliegen dieses Philosophen, (Markus Gabriel: „Der Sinn des Denkens“Denken als sechster Sinn am 24.1.2019) „Denn Philosophie wendet sich gegen die unsinnige Behauptung alternativer Tatsachen, gegen Verschwörungstheorien und unbegründete apokalyptische Szenarien, damit all dies nicht endgültig überhandnimmt und es nicht wirklich in naher Zukunft zum Ende der Menschheit kommt. Deshalb ergreife ich im Folgenden einmal mehr Partei für einen zeitgemäßen, aufgeklärten Humanismus, der die intellektuellen und ethischen Fähigkeiten der Menschheit gegen unsere post- und transhumanistischen Verächter verteidigt.“
Also ein Verteidiger des Humanismus und ein Kritiker oppositioneller Denker, die von alternativen Tatsachen sprechen, Verschwörungstheorien und apokalyptische Szenarien vertreten usw. Aber wie paßt das alles zu dieser Ausgangsfrage?
Klar wird diese Frage von diesem Philosophen respondiert: Weil die Gebote wahr sind, gab sie Gott.Das heißt aber nun auch, daß Gott für die Wahrheit und Verbindlichkeit dieser Gebote überflüssig ist, denn sie sind nicht wahr, weil Gott sie dekretiert hat,sondern sie sind aus sich heraus evident wahr.Es gäbe so universal gültige Werte (als funktionales Äquivalent zu den Geboten?), die dem vernünftigen Denken als solche einsichtig seien. Eine autonome Vernunft könne so eine für alle Menschen verbindliche Moral oder zumindest universal gültige Grundwerte hervorbringen. Das ginge ganz ohne Gott, das ist eben der vernünftige aufgeklärte Humanismus.
Ab ovo: Kann es unabhängig von Gott das Gute, das was sein soll, geben, sodaß Gott so dem Menschen gute Gebote gab, weil sie aus sich heraus gut sind? Stünde das Gute so nicht über Gott, als wenn Gott wie ein Monarch einer konstitutionellen Monarchie regierte, daß die Verfassung (das Gute) ihm übergeordnet wäre? Woher soll aber diese Gott selbst übergeordnete Ordnung des Guten kommen, etwa aus einer Gott übergeordneten Vernunft?
Oder aber sollte Gott in sich selbst eine Vernunft vorfinden, die ihm anzeigte, was das Gute sei, dem er sich zu subordinieren habe- sozusagen ein Moralgesetz in Gott eingeschrieben?
So kann Gott nicht gedacht werden, weil er so wie eine Kreatur gedacht wird, der eine ihm eigene Natur vorausliegt und sie bestimmt. Gott ist als causa sui zu denken, daß er seine Natur sich selbst gibt, daß er als reine Selbstbestimmung zu denken ist. (Dieser Gedanke ist die große Leistung von Wilhelm von Ockham). Also muß gelten, da das, was gut ist, nur so ist, weil Gott es selbst so entschieden hat, es also ein rein dezisionistischer Akt ist, der nicht durch eine diesem Akt vorgegebene Ordnung bestimmt ist.
Eine andere Frage ist nun aber die, ob in der von Gott geschaffenen Welt das Gute, das was sein soll, weil es Gott so geordnet hat, dem Denken erkennbar ist? Auf diese Frage gibt uns der Apostelfürst Paulus im Römerbrief eine paradoxe Antwort: Zu allen Zeiten war das Gute, das was zu tuen ist, erkennbar, aber die Menschen haben nie das von ihnen immer möglich Erkennbare auch realisiert. So ist ein Humanismus (als Realisieren des Gesollten) denkbar aber nicht praktizierbar. Der Humanismus wird so nach Paulus immer nur eine schöne Theorie bleiben.
Außerdem muß aber auch angefragt werden, ob nicht auch die Erkennbarkeit des Guten durch die Sünde verändert wird, daß das, was als das Gute prinzipiell erkennbar wäre, nicht erkannt wird, weil es nicht erkannt werden will.
Diesem humanistischen Philosophen ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es für alle Menschen, weil sie Vernunftwesen sind, nur eine vernünftige Moral geben könnte oder zumindest vernünftige Grundwerte. Nur, ist das wirklich selbstverständlich? Liegt die Annahme nicht näher, daß verschiedene Kulturen sich auch durch verschiedene Moralordnungen unterscheiden, so daß die Behauptung, daß es eine für alle verbindliche gäbe, nur eine Manifestation des Willens zur Macht ist, eine zu verabsolutieren! So gab es im Luthertum der 30er Jahre eine Debatte der Frage, ob Gott nicht jedem Volke einen eigenen Volksnomos geben habe, gerade auch, um sie zu individuieren. (Aktuell: Einen bedenkenswerten Versuch legte Werner J. Mertensacker mit seinem Buch: „Die Treue“ vor.) Der Gedanke der Menschheit ist ja auch nur eine blutleere Abstraktion der Realität des Volkslebens gegenüber mit seiner Eigenkultur. (Es gäbe dann nach dieser lutherischen Konzeption für jedes Volk einen ihm eigenen Nomos, das, wozu es im Besonderen berufen sei und dann aber ein wahres Evangelium für alle. Den Hintergrund bildet die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium.
Obskurantistsch ist nun aber, warum der Glaube an die Möglichkeit universalistisch gültiger Werte dem Wahrheitsanspruch von Verschwörungstheorien widersprechen soll. Werner J. Mertensacker formuliert dazu treffend: „Verschwörungs-Theorien hat es immer gegeben.Das liegt daran, daß es auch Verschwörungen immer schon gegeben hat.“ Kurier der Christlichen Mitte, 8/2008, S.2. Ganz bekannte werden da erwähnt, die des Hohen Rates gegen Jesus Christus, die gegen Caesar, lapidar aber treffend wird festgestellt, daß Niemand solche Theorien so sehr bekämpft wie die Verschwörer selbst.
Auch ist es nicht einsichtig, warum universalistisch gültige Werte apokalyptische Szenarien verhindern könnten, etwa das, daß unsere Sonne einmal ausgebrannt jedes Leben auf der Erde vernichten wird. Ob der Mensch dann seinen Heimatplaneten verlassen muß, um zu überleben, oder ob er es schafft, mit einer künstlichen Ersatzsonne doch noch auf diesem Planeten zu überleben, hat sicher wenig mit solch universalistischen Werten zu tuen.
Grundsätzlicher.Der Begriff des Wertes entstammt dem Raum der Ökonomie mit seiner Unterscheidung des Gebrauchswertes von dem des Tauschwertes. Der Wert ist so nichts Konstantes oder Fixes. So hängt der Tauschwert von dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab und variiert so, der Gebrauchswert ist abhängig von dem jeweiligen Nutzer. So hat eine Briefmarke für einen Briefschreiber einen anderen Gebrauchswert als für einen Briefmarkensammler. Wie soll nun so etwas Instabiles wie der Wert ein Fundament für die Moralphilosophie bilden können?
Freitag, 17. Juli 2020
Moral ohne Gott, geht das? Eine offene Frage
„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Sonntag, 1. März 2020
Bürgerliche und christliche Moral
Wenn nun diese bürgerliche Kultur am Sichauflösen befindet, was bedeutet das für die christliche Moral? Zudem. wird nicht maches der bürgerlichen Moral in der Postmoderne bewahrt? Ist die Postmoderne nicht auch eine Radicalisirung der Tendenz zum Atomismus in der bürgerlichen Gesellschaft, des verünftig ausgelebten Egoismus? Was ist nun aber mit der traditionellén Moral, um mit Julius Evola zu fragen?
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Ehebruch-warum nicht? Kurz und bündig
Dienstag, 9. April 2019
Das verschwundene Gericht und die Freude am Sündigen
Sonntag, 7. April 2019
Irritationen: Kann die Welt an christlchen Moral zu Grunde gehen? Auch ein Beitrag zu den Mißräuchsfällen
Ginge nicht die Welt zu Grunde, wenn dem Bösen nicht widerstanden würde?
Also müßte gefolgert werden, daß dem Bösen nur dann nicht widerstanden werden soll, wenn das mit der gebotenen Selbst- und Nächstenliebe kompatibel ist. Aber wann ist das der Fall: Kann es einen Fall geben, wo Böses erlitten wird und es der Liebe zu sich selbst nicht widerspricht, dem zu widerstehen? Oder gilt das nur für Fälle, in denen das angetane Böse so klein ist, daß auf ein Widerstehen verzichtet werden kann? Etwa, wenn ein Arbeitskollege aus Antipathie einen nicht grüßt und immer, wenn irgendwie möglich, aus dem Wege geht? Nur, es besteht dabei doch immer das Problem, daß so der Täter, weil ihm kein Widerstand entgegengebracht wird, sich ermutigt sieht, sein Bösestuen fortzusetzen, ja es noch zu intensivieren. Wie viele sexuelle Mißbrauchsfälle mag es wohl in der Kirche gegeben haben, die ihren Anfang in "kleinen" Übergriffen hatten, dem das Opfer sich nicht widersetzte, sodaß der Täter sich zu mehr ermutigt sah? Wer sich nicht wehrt, wer es mit sich geschehen läßt, mit dem kann ich ja machen, was mir gefällt- zumal, wenn das Opfer sich verpflichtet fühlt,mir immer wieder zu vergeben.
Wie immer Jesus Christus dies: Widerstehe nicht dem Bösen! gemeint haben mag, es kann nicht in seinem Sinne sein, wenn durch unser Nichtwiderstehen die Welt zu einer Hölle wird.
Eines macht diese Causa aber auch überdeutlich, daß die Kirche keine biblizistische Moral verkündigen darf, denn es bedarf unbedingt einer theologischen Klärung zu einer Morallehre.
Aktueller Zusatz katholisch de am 7.4.2019:
In Indien sind vier Ordensfrauen Opfer von massiver Gewalt durch eine Gruppe von Hindu-Nationalisten geworden. Die Franziskanerinnen wurden von einigen der etwa 200 Täter mit ihren Rosenkränzen gewürgt sowie geschlagen und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, berichtete das Nachrichtenportal "Vatican News" am Samstag.
Hätten diese Nonnen, wenn sie es gekonnt hätten, nicht diesem Bösen widerstehen dürfen, müßten sie es verzeihen und so nicht anzeigen dürfen bei der Polizei? Würde das die radicalen Hinduisten nicht zu immer mehr Gewalt gegen Christen ermutigen?