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Sonntag, 18. Mai 2025

Ein „Pastoraltheologe“ erkennt, daß das Kreuz Christi bei der Kundschaft nicht gut ankommt und fordert Konsequenzen

 

Ein „Pastoraltheologe“ erkennt, daß das Kreuz Christi bei der Kundschaft nicht gut ankommt und fordert Konsequenzen


Die Internetseite: „Feinschwarz“, ein um höheres Niveau bemühtes Zeitgeistsurfmagazin lebt von der Erkenntnis, daß die traditionelle Theologie und somit auch die heutige Kirche bei den modernen Konsumenten nicht gut ankommt und engagiert sich so für eine konsumentenfreundlichere Theologie und Kirche. Gerade die Disziplin der sog.Pastoraltheologie legt ihr Schwergewicht auf den (wissenschaftlichen) Nachweis der Überholtheit der bisherigen Theologie und der Notwendigkeit einer Neukalibrierung. Als „Wahr“ gilt dann eine theologische Aussage, um es an dem Beispiel des gerade stattgefundenen europäischen Liederwettbewerbes zu verdeutlichen, dem ESC, wenn sie Chancen hat, unter die ersten 5 Plätze zu kommen, als „unwahr“, wenn man damit nur eine der letzten Plätze belegen kann. Einfacher gesagt: Die „Pastoraltheologie“ ist die Marketingabteilung der katholischen Fakultäten.

Der Marktingtheologe Professor Hildebrand wird so wohl unter der Leserschaft dieser Weltnetzseite auf eine breite Zustimmung stoßen, wenn er diese seine neue Erkenntnis da publiziert: „Fitness statt Erlösung.Warum die Erlösung durch Gott irrelevant geworden ist.“ (7.Jänner 2025)

Daß an Sonntagen immer noch mehr Menschen in die Gottesdienste gehen als in die Fitnesstudios und daß immer noch für viele Sportfreunde ihre Fitnesexerzitien in einer oder mehr Bierflaschen und einer Tüte Kartoffelchips, genossen während einer Sportliveübertragung bestehen, ignoriert dieser Marketingexperte, ihm geht es doch in erster Linie um die Entfernung des Kreuzes Jesu Christi aus der Kirche und der Theologie.

Die Kritik an einer Erlösungstheologie, die das Kreuz Christi und seine Auferstehung soteriologisch interpretiert, als deren Hauptvertreter der Apostel Paulus ausgemacht wird1, das hatte schon früher Nietzsche in seiner Pauluskritik in seinem posthum veröffentlichten Werk: „Wille zur Macht“ niveauvoller expliziert,Paulus gilt hier als der Verfälscher der eigentlichen Anliegen des Jesus von Nazareth, lautet, daß der zeitgenössische Konsument nichts von Sünde und Schuld hören möchte und schon gar nichts von einem für unsere Sünden Gekreuzigten.

Die vorgeschlagene Alternative lautet nun so: „Sie blenden allerdings die Heilungsbilder und die Heilungslogik des Lebens Jesu aus. In diesen Bildern und in dieser Logik entsteht Heilung immer durch die Beziehung zwischen Jesus und der jeweiligen Person, die eine Erfahrung der bedingungslosen Anerkennung ohne Gegenleistung macht. Deshalb, meine ich, bedarf es einer Neuentdeckung der Beziehungs- und Begegnungsbilder Jesu, die heilen.“ Mit „Sie“ ist hier die traditionelle Soteriologie mit ihrer Fixierung auf den Sühnetod Jesu Christi gemeint. Sie soll durch eine Begegnungsrhetorik substituiert werden, in derem Zentrum die Erfahrung der bedingungslosen Anerkennung ohne Gegenleistung zu stehen habe. Hierbei wird nun der Begriff der Anerkennung unterkomplex verwendet, denn jedes Anerkennen ist ein Anerkennen als etwas! Der Knecht erkennt seinen Herren als seinen Herren und der Herr seinen Knecht als seinen Knecht an, woraus die Stabilität des Herrschaftsverhältnis sich generiert. Oder um das Gerede von der bedingungslosen Anerkennung restlos zu entmythologisieren: Der Freier erkennt die Prostituierte als eine Prostituierte an, indem er ihre Sexdienste in Anspruch nimmt und ihr ein Honorar auszahlt und die Prostituierte erkennt ihren Freier an, indem sie seine sexuellen Wünsche ihm erfüllt. Die Substanz der Prostitution ist so diese wechselseitige Anerkennungspraxis.

Daß die bedingungslose Anerkennung ein pures Phantasieprodukt der liberalen Theologie ist und nichts mit der Verkündigung und Praxis Jesu Christi gemein hat, ist offenkundig, denn er lehrt: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt.“ (MK 16,16). Zu ihm begegnenden Juden sagt er gar: „Ich habe euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben;denn wenn ihr nicht glaubt,daß ich es bin,werdet ihr in euren Sünden sterben.“ (Joh 8,24). Zur blutflüssigen Frau sagt er, daß ihr Glaube, daß, wenn sie sein Gewand nur berühre, sie von ihrer Krankheit gerettet würde, geheilt habe. Das Heilungswunder ereignet sich so deshalb nur, weil sie diesen Glauben hatte.

Das Phantasmata der unbedingten Anerkennung stellt nun den simplen Versuch dar, die Menschenrechtsideologie mit ihrem Glauben an die Würde des Menschen in die Begegnungspraxis Jesu hineinzuprojizieren. Der Sitz im Leben dieses Begegnungsgeschehens als der Erfahrung des unbedingten Anerkanntwerdens ist nun der Liebesfilm, die Schlüsselszene, in der sich zwei begegnen und auf den ersten Blick erkennen, daß sie füreinander bestimmt sind.2

Die große Erlösungserzählung der christlichen Religion wird so ersetzt durch den Glauben an die Menschenwürde jedes Menschen, die angeblich in gelingenden zwischenmenschlichen Begegnungen erfahrbar sein soll. Eine Erlösung soll so dem Zeitgenossen erspart werden, er soll sich einfach als ob seines puren Menschseins Anerkannter erleben und glauben.

 

Zusatz:

Auch für andere Theologen ist der Kampf wider das Kreuz Christi und die ganze Erlösungslehre ein Kernanliegen, etwa das von dem Fundamental"theologen" Herrn Striet: "Von der klassischen Soteriologie, also der Lehre, dass Gott stellvertretend für die Menschen ihre Sünden am Kreuz sühnen musste, verabschiede ich mich ganz entschieden. Aber es wäre doch wunderbar, wenn Gott von Anfang an den Willen hatte, in dem Moment, wo sich ein ihm ähnliches Leben in seinem Universum zeigt, dieses Leben mit dem ihm Ebenbildlichen zu teilen und ihm zu begegnen. Das ist für mich auch die Grundbotschaft von Weihnachten: Gott riskiert alles, um sein freies Gegenüber für sich zu gewinnen und Gott für ihn, den Menschen, sein zu dürfen." zitiert nach: Kath de "Striet: Habe mich von klassischer Lehre von der Erlösung verabschiedet." 11.11.2024


 


1In Ungnade gefallen sind dabei diese drei Theologen: der Apostelfürst Paulus, der Erbündenlhrer Augustin und der abscheuliche Kreuzestheologe Anselm von Canterbury, da sie eine zu pessimistische Anthropologie, sie ist nicht konsumentenfreundlich und statt von Gottes Allliebe von vom die Sünde strafen wollenden Gott schreiben,was aber dem menschenfreundlich konzipierten modernen Gottesbild widerspricht.

2Wem das völlig unverständlich ist, dem empfehle ich die 1.Folge der Serie:“Sturm der Liebe“, wie Laura und Alexander sich da begegnen und sie sich da als füreinander Bestimmte erkennen, glänzend in Szene gesetzt.

Freitag, 11. April 2025

Irritierendes: Pontius Pilatus verurteilte einen Unschuldigen, als er Jesus zu Tode verurteile – eine Kritik

 

Irritierendes: Pontius Pilatus verurteilte einen Unschuldigen, als er Jesus zu Tode verurteile – eine Kritik



In den Zeiten des christlich – jüdischen Dialoges und des Philosemitismus ist es fast eine Selbstverständlichkeit geworden, um die Juden von jeder Schuld an der Kreuzigung Jesu freizusprechen, alle Schuld auf den römischen Richter Pilatus zu werfen. Daß alle Evangelien übereinstimmend Pilatus als von den Juden zur Hinrichtung Jesu Getriebenen darstellen, der selbst von der Unschuld dieses Jesu von Nazareth überzeugt war, und der nur um ihnen zu gefallen, dann das Todesurteil aussprach, wird mittels der Wunderwaffe der historisch-kritischen Methode wegexegetisiert, um eine politisch korrekte Rekonstruktion der Genese der Verurteilung Jesu zum Kreuzestod zu präsentieren. In der ist der Tendenz nach Pilatus der Hauptschuldige und wohl noch ein paar wenige jüdische Kleriker,die neidisch auf Jesu Popularität unter dem Volke waren.

Der Kern dieser Verurteilung des Pontius Pilatus ist der Vorwurf, einen Gerechten zu Tode verurteilt zu haben.Meistens verbindet sich das mit dem Urteil, daß das Verhängen der Todesstrafe an sich schon ein Unrecht gewesen sei, daß das also schon hinreichte, um den Römischen Staat als einen Unrechtsstaat zu dysqualifizieren. Daß der Gott Israels, der gerade auch der Gott Jesu Christi ist, selbst die Todesstrafe für Schwerstsünden fordert, ein Unrechtsgott wäre, verdrängt dann diese Kritik meisterhaft.

Ich erlaube mir hier etwas sehr Ungewöhnliches, indem ich einem Theologen das Wort erteile, der rechtens von der Kirche als ein Häretiker verurteilt wurde, der aber nur deshalb so erfolgreich gegen die Katholische Kirche agitieren konnte, weil in seiner Theologie manch Wahres auch enthalten war, daß er in seiner ihm eigenen grobianistischen Manier manchmal besser zum Ausdruck gebracht hatte als eine diffizile Scholastik. So schrieb eben Luther über Jesus, der für uns zum Sünder geworden ist:

„Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen …“ Eine Auslegung von Galater 3,13

Von Martin Luther

3,13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben (5.Mose 21,23): „Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget“, auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme etc.

– Der ganze Nachdruck liegt auf dem Wörtchen „für uns“. Christus ist, was seine Person angeht, unschuldig. Folglich mußte er nicht am Holze hangen, aber, weil jeder Räuber nach dem Gesetz ans Holz gehörte, darum mußte Christus nach dem Gesetz des Mose ans Holz gehängt werden, weil er die Person des Sünders und Räubers, nicht eines Einzelnen, sondern aller Sünder und Räuber vertreten hat. Wir sind ja Sünder und Räuber, darum sind wir des Todes und der ewigen Verdammnis schuldig. Aber Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen und ist dafür am Kreuz gestorben. Darum mußte er, wie Jes. 53,12 sagt, unter die Räuber gerechnet werden.

Das haben alle Propheten gesehen, daß der zukünftige Christus der größte Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder, Lästerer etc. sein würde, der durch keinen Verbrecher in der Welt je übertroffen wird. Da gehts nicht um seine Person selbst, nicht darum, daß er von der Jungfrau Maria geboren ist als Sohn Gottes, da ist er der Sünder, der hat und trägt die Sünde des Paulus, der ein Lästerer, Verfolger und gewaltsamer Mensch gewesen ist, da trägt er die Sünde des Petrus, der Christus verleugnet hat, die Sünde Davids, der ein Ehebrecher gewesen ist, ein Mörder und die Heiden den Namen des Herrn lästern machte (2. Sam. 12,1). Alles in allem, Christus ist der, der hat und trägt an seinem Leibe alle Sünden aller Menschen. Nicht als hätte er sie selbst begangen, aber er hat die von uns begangenen Sünden aufgenommen an seinem Leibe, um dafür mit seinem eigenen Blute genug zu tun. Darum behaftet ihn jenes allgemein geltende Gesetz des Mose, ihn, der für seine Person völlig unschuldig ist, aber das Gesetz hat ihn unter den Sündern und Räubern gefunden. So nimmt die Obrigkeit als straffällig und bestraft, wenn sie jemanden unter den Räubern ergreift, wenn er auch niemals etwas Böses oder Todeswürdiges begangen hat. Christus aber ist nicht nur unter den Sündern erfunden, sondern er hat selbst nach seinem und des Vaters Willen der Genosse der Sünder sein wollen, hat Fleisch und Blut derer angenommen, die Sünder und Räuber sind, in allen Sünden versunken. Da also das Gesetz Christus unter den Räubern gefunden hat, hat es ihn als Räuber verdammt und getötet.“1

Jetzt wird es paradox: Pilatus verurteilte Jesus Christus zum Kreuzestod, der einerseits völlig unschuldig und andererseits der schlimmste Verbrecher unter der Sonne war, da er all unsere Verbrechen auf sich nahm. Zu was hätte den Pilatus Jesus verurteilen sollen, wenn nicht zum Tode, wenn es wahr ist, daß er zu dem Sünder vor Gott geworden ist, da er alle Sünden auf sich genommen hatte. Luther urteilt hier tatsächlich sachgemäß, wenn er konstatiert, daß hier die römische Obrigkeit richtig geurteilt hat, ihn unter die Schwerstverbrecher zu zählen.Jesus ist eben nicht der gute Mensch, der von einem machtbesessenen Pilatus gekreuzigt wird, sondern der Sohn Gottes, der uns zum Verfluchten wurde, da er unsere Sünden zu den seinigen machte. Die römische Obrigkeit tat hier also das, wozu sie nach des Apostel Paulus eigenen Staatslehre verpflichtet ist, die Bösen um der Gerechtigkeit willen zu strafen. Aber die Paradoxie bleibt, daß so ein, nein der völlig Unschuldige der am Kreuze Verfluchter wurde.

Man mache am kommenden Karfreitag dies Experiment: Wenn nun über das Kreuz Christi gepredigt wird, frage man: Was hätte es für Folgen, wenn die gehörte Predigt recht über das Kreuz Christi gelehrt hätte, und wenn Jesus dann nicht am Kreuze gestorben wäre: Änderte sich irgendetwas der Beziehung Gottes zu uns, wenn Jesus, so wie es in dieser Predigt gerade dargelegt worden ist, dann nicht am Kreuze gestorben wäre? War sein Kreuzestod also in soteriologischer Hinsicht überflüssig, da Gottes Liebe uns auch dann gälte, wenn Jesus im hohen Alter im Bett gestorben wäre statt am Kreuze? Starb er nur, um uns zu zeigen, daß man sich von dem Gutestuen nicht durch Drohungen der Mächtigen eines Landes abbringen lassen dürfe?

























1Zitiert nach:jochenteuffel.com/2017/01/17/christus-hat-alle-unsere-suende-auf-sich-genommen-martin-luthers-auslegung-von-galater-3,13.

Dienstag, 2. April 2024

Kath de kämpft weiter wider das Kreuz Christi- ein Standpunktkommentar

 

Kath de kämpft weiter wider das Kreuz Christi- ein Standpunktkommentar



In einem Kommentar zu RTL-Passion wird die zu dieser Sendung zugehörigen Hand-reichung energisch kritisiert. Inakzeptabel sei aber schon die Mitwirkung evangelikaler Christen, die im Film ein Kreuz trügen, was zu Spekulationen über eine Unterwanderung dieses Senders durch pfingstlerische Kreise animierte. Aber die Kritik kapriziert sich dann auf die Handreichung zu diesem Filmbeitrag zur Passion Jesu Christi.

„Wenn bei den Kurzvorstellungen der Akteure Jesus als Christus vorgestellt wird, der "für die Sünden der Menschen stirbt", dann ist das keine Information zur Person des Jesus von Nazareth an sich, sondern eine kontrovers diskutierte theologische Sichtweise.“ Es ist sicher kein Zufall, daß es hier heißt: Jesus von Nazareth“ und nicht: Jesus Christus. Letzteres würde wohl auch als eine „kontrovers diskutierte theologische Sichtweise.“ bezeichnet und damit abgewertet werden. Daß Jesus für unsere Sünden starb, soll eben nur eine von vielen möglichen Sichtweisen sein.Unter einer „Sichtweise“versteht der Kommentar offensichtlich dann eine rein subjektivistische Interpretation von Tatsachen, die allein nur objektiv wahr sein können.

Der Kommentar plädiert dann für eine „spirituelle Selbstbestimmung Getaufter im Hinblick auf Annahme oder Ablehnung theologischer Deutungen“.Das hätte man auch einfacher formulieren können, nur würde dann der völlige Verzicht auf einen Wahrheitsanspruch jeder theologischen Deutung zu offensichtlich. Jeder Getaufte könne und dürfe glauben, was er will und darf so auch jede theologische Deutung als ein Angebot an ihn annehmen oder verwerfen.Bei einem Einkauf in einem Supermarkt legt ja auch jeder nur die ihm zusagenden Waren in den Einkaufswagen. So solle man auch mit der Palette der theologischen Deutungen verfahren: Nimm nur das in deinen persönlichen Glauben auf, was dir gefällt.

„Heikel ist die zu allgemeine Formulierung, Kajaphas gäbe als "Sprecher der Juden den Juden den Rat, Jesus umbringen zu lassen". Bedauerlicherweise steht das so im Johannesevangelium, auch wenn dann die Intention des Hohepriesters weggelassen worden ist, daß es besser ist, daß einer stirbt, als daß dann viele sterben werden in der zu erwartenden Aufstandsbekämpfungsaktion des römischen Militärs.(Joh 11,45-53)Jesus solle also für das jüdische Volk sterben und für die Heiden (V 52). Daß das nun der Hohepriester nicht von sich aus sagte, sondern weil Gott es ihm so eingegeben hatte, bezeugt, daß Jesus hier für die Sünden der Menschen starb, aber das ist ja nur eine theologische Deutung,die der Autorin des Kommentares offenkundig mißfällt.

Das nötigt einen aufmerksamen Leser nun zu der Frage: Darf ich denn nicht diese traditionelle Deutung oder Sichtweise des Kreuzes Jesu für mich selbstbestimmt als wahr annehmen? Es dürfte wohl kein Fehlurteil sein, daß die Bejahung dieser traditionellen Deutung des Kreuzopfers Jesu Christi ein Mißbrauch des Selbstbestimmungsrechtes im Raum der Religion wäre. So wie Evangelikale und Pfingstlerische nicht mitwirken dürfen an dem Diskurs über das Kreuz Christi so ist wohl auch diese traditionelle Deutung als illegitime auszuschließen. Nur progressive zeitgeistgemäße stellen eben erlaubte Deutungsmöglichkeiten dar. Die spirituelle Selbstbestimmung schließt eben conservative Optionen aus, wie eben die „bunte Republik“ auch nur rote und grüne Fahnen zuläßt und nicht zu vergessen: die Homosexfahne und somit alle anderen Farben ausschließt! 

In dem Standpunktkommentar vom 2.10.2023 schreibt diese Autorin: " Ein Beispiel ist die Rede des Nuntius, in der er systemtreu Papstzitate vortrug und dadurch wieder einmal Menschen diffamiert und auch spirituell in ihrer Würde verletzt hat. Be-Lehrung und Seelsorge, die sich rückwärtsgewandt an Katechismusvorgaben ausrichtet, unterbindet spirituelle Selbstbestimmung mit Verweis auf angebliche göttliche Vorgaben." Daß heißt dann doch wohl, daß die Zustimmung zur Lehre der Kirche gegen  das Recht auf die spirtuelle Selbstbestimmung verstößt!  Oder soll das heißen, daß schon die Aussage, etwas sei von Gott offenbart, unvereinbar sei mit der Idee der Selbstbestimmung, da es nur die Souveränität des frei wählenden Konsumenten geben dürfe.  



Montag, 17. Oktober 2022

„Von Gott geschlagen“- das sei ferne! Eines der schlimmsten Fehlurteile zeitgenössischer Theologie

„Von Gott geschlagen“- das sei ferne!


Davila bringt es in seinem Aphorismus auf den Punkt: „Für den Christen von heute war die Kreuzigung ein bedauerlicher Justizirrtum“. (Es genügt,dass die Schönheit unseres Überdruss...Aphorismen, 2017, S.115). Da Gott die Liebe sei und nichts als die Liebe, könne Gott unmöglich seinen Sohn an das Kreuz geschlagen haben.Heißt es denn nicht auch im 4.Gottesknechtlied des Propheten Jesaja: „Wir meinten, er sei von Gott geschlagen,von ihm getroffen und gebeugt.“ (53,4b) Deutet dies meinen dem Leser nicht an, daß hier wir uns geirrt haben, sodaß nun wir eine Korrektur zu erwarten haben, wie es sich nun wirklich damit verhielte.

„Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen,wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heile lag die Strafe auf ihm,durch seine Wunden sind wir geheilt“ (53,5b und 6a). Wer hat ihn, Jesus Christus also durchbohrt und zermalmt? Die erste oberflächliche Antwort heißt: Römische Soldaten im Auftrage von Pontius Pilatus taten dies. Und: Sie taten dies zu unserem Heile! Wie kann denn nun ein „bedauerlicher Justizirrtum“ unser Heil wirken? Ob welcher Verbrechen hatte den dieser römische Staatsdiener Jesus zum Tode verurteilt? Pilatus erklärte ihn doch selbst für unschuldig und nur den Juden gefällig sein wollend ließ er ihn dann ja kreuzigen. Verharren wir in dieser ersten oberflächlichen Antwort, muß uns das Kreuz Christi zu etwas rein Mirakulösem werden. Zu vorschnell haben wir das Meinen als ein bloßes Sichirren gedeutet, sodaß nun das darauf Folgende einfach die Negation der vordem geäußerten Meinung sei. Das darauf Folgende korrigiert nur die Meinung, daß Gott selbst hier Jesus geschlagen habe, indem es den Zweck dieses Schlagens durch Gott hinzufügt. Gott habe Jesus Christus gekreuzigt uns zum Heile. Nicht strafte Gott ihn, weil der Gestrafte gesündigt hatte, sondern Gott straft den rein Unschuldigen. Vers 4 bringt hier Klarheit: „Aber er hat unsere Krankheit getragen, und unsere Schmerzen auf sich geladen.“

Die Strafe, die uns hätte treffen müssen, weil wir gesündigt haben, übernahm er, damit wir sie nicht erleiden mußten. Ein einfaches Beispiel möge das veranschaulichen: Wenn jemand zu seinem Freunde sagt: „Deine Schulden übernehme ich, an Deiner Stelle bezahle ich sie.“ ,wird dieser selbst zum Schuldner, weil er nun die Schuldenlast übernimmt und der Freund wird entlastet, entschuldet. Jetzt wird es komplizierter: Wen ließ denn nun Pilatus kreuzigen? Einen Unschuldigen? Aber Jesus hatte doch die ganze Schuldenlast auf sich genommen und wurde so zum Schuldigen. Darum schreibt ja auch der Apostelfürst Paulus über den Gekreuzigten: „indem er für uns zum Fluch geworden ist“ (Gal 3,13). Zum Fluch geworden,das muß hier in all seiner Härte ernst genommen werden: Indem Gott ihn am Kreuze strafte, wurde er von Gott selbst verflucht. Das ist, daß er Gottes Strafe auf sich nahm. Uns zum Fluche bedeutet nun aber auch: Uns zum Heile, denn indem er selbst Gottes Fluch auf sich nahm, befreite er uns von Gottes Fluch.


Und Gottes Liebe besteht nun just darin, daß er, statt uns zu strafen, den strafte, der für uns unsere Strafe auf sich nahm. Er trug sozusagen unsere Schuld an das Kreuz, damit sie dort gesühnt wird durch Gottes Strafgericht über ihn.

Was bedeutet das aber für Pontius Pilatus und damit für den Römischen Staat? Gott ließ diesen Staat an seinem Heilswerk mitwirken, nicht allein erwirkte Gott unser Heil. Die Ordnung des Staates ist in Gottes Heilswillen eingeordnet. Wenn Pilatus Jesus Christus nicht zu Tode verurteilt hätte, würden wir alle ja noch unter dem Zorne Gottes leben müssen. Der „Justizirrtum“ war so das Heilswerk Gottes. 

 

Zusatz:

Daß Gott uns am Kreuze seine Liebe offenbare, ist so nur eine Teilwahrheit, denn er offenbart dort auch seine Gerechtigkeit. Nicht allein aus der göttlichen Liebe heraus ist das Kreuz erklärbar, denn warum verladasngte denn Gott als die Liebe  eine Strafe für das Sündigen? 

 

Samstag, 9. April 2022

Der verdrängte Skandal des Kreuzes in der Kirche

(oder was das verbürgerlichte Christentum aus dem Kreuz Christi machte und daß so auch nicht mehr das Wesen des Staates begriffen werden kann)



„Sie werden dem Leben des Gerechten nachstellen,und unschuldiges Blut verdammen“ = Captabunt in animam justi: et sanguinem innocentem condemnabunt“ Psalm 94,21.

Ob des Futures und der theologischen Auslegungsregel, daß die Psalme den Messias verkündigen, liegt es nun nahe, diese Aussage als prophetische Ankündigung der Passion Christi zu lesen.Weil Jesus gerecht war, evozierte er seine Ablehnung durch die Ungerechten, so sehr daß sie ihn am Ende töteten. Jesus war seine Evangeliumsverkündigung dabei so wichtig, daß er trotz der zunehmenden Tötungandrohungen sich nicht von seinem göttlichen Auftrag abbringen ließ.

Die Passion Christi, ihren Höhepunkt im Kreuzestod findend (wieso eigentlich, denn das Eingehen in die Hölle, in das Reich des Todes, wie man jetzt abmildernd redet, war doch noch viel schlimmer), habe so genau genommen gar keine Heilsbedeutung, sie zeige doch nur, wie grausam Menschen gegen einen Gerechten vorgehen, dessen Gerechtigkeit für sie unerträglich ist.Der Gerechte, jeder Gerechte habe eben mit der Mißgunst, ja dem Haß der Ungerechten zu rechnen, weil er eben nicht mit den Wölfen heult.

So wird oft das Kreuz Christi als das Symbol des Leidens Unschuldiger verstanden, das uns alle auffordert, den so Leidenden zu helfen, damit ihr Leiden ein Ende hat. Aber was wäre denn nun geschehen, wenn der Richter Pontius Pilatus erklärt hätte: „Dieser Angeklagte ist unschuldig und so sehr nun auch seine Ankläger und das ganze Volk seine Kreuzigung fordern,ich lasse ihn frei, weil er unrechtens angeklagt wird“? Ein Gerechter wäre dann nicht zu Tode verurteilt worden, die Römische Justiz hätte sich als eine rechtsstaatliche erwiesen. Wenn Jesu Kreuz keinerlei soteriologische Bedeutung hätte, hätte also sein Freispruch keine Negativfolgen gezeitigt.

So wäre der Skandalon des Kreuzes endgültig beseitigt durch die These, daß das Kreuz Christi so bedeutungslos sei, daß wenn es nicht geschehen wäre, das nichts ausgemacht hätte. Dann wäre eben der Gerechte mit seiner Evangeliumsverkündigung nicht von den Ungerechten getötet worden. Das Kreuz Christi wäre nämlich gar kein Element seiner Verkündigung gewesen,sodaß es dem Evangelium gleichgültig gewesen wäre, ob ihr Verkünder nach einem erfüllten Leben lebenssatt verstorben wäre oder hingerichtet am Kreuze seinen Tod fand. Wichtig wäre nur, daß Gott den Gerechten nach 3 Tagen von den Toten auferwecke, damit so Gott zeige:Das war ein Gerechter, an dem ich mein Wohlgefallen hatte und habe.

Aber wie konnte dann der Apostelfürst Paulus sich zu dieser Aussage versteigen: „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2 Korinther 5,21)? Jesus war doch der Gerechte und nun wurde der zur Sünde, zum Ungerechten? Dann hätte der Richter Pilatus ja gar keinen Unschuldigen und Gerechten zum Tode verurteilt sondern einen Sünder! Wie kann denn überhaupt, so muß jetzt gefragt werden, ein Gerechter zu einem Ungerechten, zu einem Sünder werden und hat dann gar Pilatus recht gehandelt, als er so Jesus zu Tode verurteilte?

„Das haben alle Propheten gesehen, daß der zukünftige Christus der größte Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder, Lästerer etc. sein würde, der durch keinen Verbrecher in der Welt je übertroffen wird.“

So radical begreift Luther hier das „für uns zur Sünde gemacht“ und man kann nicht umhin, urteilen zu müssen, daß nur sehr wenige so konsequent diese Paulusaussage verstanden haben. Jesus hat natürlich nicht selbst all diese Sünden getan, aber er hat alle getanen und zukünftig getan werdenden Sünden zu seinen gemacht, wie jemand erklären kann: „Für alle Schulden meines Freundes komme ich jetzt auf, ich löse die Schuldscheine ab.“ Der Freund ist so schuldenlos geworden, weil ein anderer sie für ihn beglich.

Nun stand tatsächlich vor dem Richter Pilatus der Schuldner, der die Strafe, die alle Menschen abbüßen müßten nun an ihrer Statt am Kreuze abbüßen wollte und nach Gottes Willen auch abbüßen sollte. Welch eine Paradoxie: Der Gerechte macht sich zum Sünder, damit die Sünder gerecht werden! So verurteilt Pilatus, indem er den Unschuldigen verurteilt, den, der die Schuld aller auf sich nimmt und so zum wirklichen Sünder wird obzwar er nie gesündigt hatte.

Was wäre nun aber geschehen, wenn Pilatus diesen Unschuldigen und doch Schuldigen frei gesprochen hätte? Jesus wäre der Gerechte geblieben und wir Menschen die Ungerechten. Er hätte dann -objektiv geurteilt – gesagt:“Sie wollen die Schuld aller anderen begleichen. Das akzeptiere ich nicht. Sie sind ohne Schuld, sie brauchen so auch keine Schulden zu begleichen, das fordere ich als gerechter Richter nur von den wirklichen Schuldnern!“

Indem der römische Richter diesen Unschuldigen verurteilte, verurteilte er den Schuldigen, der alle Schuld der anderen zu seiner Schuld gemacht hatte.So diente Pontius Pilatus als Römischer Richter der göttlichen Gerechtigkeit.

Erstaunliches: „Über das Leben des historischen Pilatus sind nur wenige Einzelheiten bekannt. Legenden versuchten die Lücken auszufüllen. Ab etwa 100 n. Chr. entstanden Heiligenlegenden, nach denen sich Pilatus zum Christentum bekehrt habe und wie sein Vorbild Christus am Kreuz gestorben sei.“ (Wikipedia über Pilatus) Warum konnten solche Legenden über diesen so „ungerechten“ Richter entstehen? Ein Grund war wohl der, daß es Christen schwer fiel zu glauben, daß dieser Richter, der so im Dienste der Gerechtigkeit Gottes gestanden hatte, als Ungläubiger gestorben sei und somit als Ausgeschlossener vom ewigen Heil: Er hatte doch sein Todesurteil uns gerettet – denn wir wären ja noch Ungerechte, wenn er nicht für uns zu dem Ungerechten geworden wäre.

Aber von diesem Kreuzesskandalon will der moderne Christ nichts mehr wissen: Jesus war einfach ein guter Mensch, den ein paar Machtgierige töteten, aber Gott erweckte ihn, um uns zu zeigen: Der war mir recht. Lebt auch so!