Freitag, 16. Oktober 2026

„Schönheit wird die Welt erlösen“ - ein Annäherungsversuch

 

„Schönheit wird die Welt erlösen“ - ein Annäherungsversuch



Dieses berühmte Diktum Dostojewskijs aus seinem Roman: „Der Idiot“ könnte spontan die Widerrede provozieren: „Nein, Jesus Christus erlöst uns und somit nicht die Schönheit!“ Aber, wird nachgedacht und nicht jeder spontanistischen Eingebung Folge geleistet, dann gilt doch, daß Gott selbst als die Einheit des Wahren, Guten und Schönen zu denken ist. Wenn die Aussage: „Die Wahrheit wird uns erlösen, wahr ist, dann müßte die Aussage: „Die Schönheit wird uns erlösen“ doch wohl auch wahr sein.

Aber nun wird alles noch viel komplizierter: Eine Aussage kann wahr , eine Handlung gut und ein Kunstwerk schön sein. „Wahr, „gut“ und „schön“ sind also Eigenschaften von etwas, aber sie sind doch nichts Selbstständiges. „Der Gott, der „wahr“,gut“ und „schön“ist, erlöst uns,aber nicht erlöst uns die „Wahrheit“, das „Gutsein“ oder das „Schönsein“.

Nur, warum sagt dann der Sohn Gottes von sich, daß er die Wahrheit sei und nicht, daß er der wahre Sohn Gottes sei, der wahre Erlöser? Jesus Christus verwendet hier die Vokabel des „Wahren“ nicht als ein Eigenschaftswort, etwas sei wahr, sondern substantiell, es existiert für ihn ein „res“, die die Wahrheit ist und nicht einfach nur die Eigenschaft des Wahrseins hat.

Neben der Aussagenwahrheit existiert noch die „ontologische Wahrheit, das ist, daß etwas so ist, wie es sein soll, wie es der Idee von Gottes entspricht: die wahre Kirche, die wahre Religion,der wahre Mensch. Über den Teufel können viele wahre Aussagen getätigt werden, aber von ihm kann nicht ausgesagt werden, daß er der „wahre Teufel“ sei. Denn sein Sein ist es, nicht sein zu sollen.

Meine Versuchsthese in Anlehnung an die platonische Ideenlehre : Die Wahrheit, das Gute und das Schöne sind Ideen Gottes, die es erst ermöglichen, daß etwas als wahr, gut und schön erkannt werden kann im aussagentheoretischen wie im ontologischen Sinn. Aber diese Ideen erscheinen uns nur als Eigenschaften an etwas oder als die ontologische Wahrheit von etwas, sind aber von ihren Erscheinungen zu distinguieren.

Die Idee des Schönen erscheint uns in einer Mannigfaltigkeit von Dingen, die wir als schön wahrnehmen. Verharrten wir nicht in dem Wahrnehmen des uns schön Erscheinenden, sondern stiegen auf zur Idee des Schönen, dann würde uns diese Idee wirklich erlösen.

Das uns als schön Erscheinenden, etwa eine Gustav Mahler Symphonie oder ein Gemälde Caspar David Friedrichs oder ein Bauwerk, etwa eine Barockkirche sind eben nur Manifestationen der Idee des Schönen, aber sie sind ontologisch etwas ganz anderes als bloß subjektivistische Geschmacksurteile.

Gott selbst hat die metaphysische Ordnung des Wahren und Unwahren, des Guten und des Nichtguten, des Schönen und des Nichtschönen gesetzt, frei konstruiert,wobei bedacht werden muß,   damit wir gerade durch und in dieser Ordnung erlöst werden können und erstmal auch leben.Gottes Ideen sind nämlich von Gott selbst zu distinguieren, er selbst ist als Gott die reine Unbestimmtheit, da er durch nichts determiniert ist - aber er bestimmt sich selbst durch die Setzung dieser metaphysischen Ordnnng, denn nur in ihr ist er selbst die "Wahrheit",das "Gute" und das "Schöne". 

Das "Wahre", "Gute" und "Schöne" ist nun selbst als etwas so Bestimmtes nur durch deren Negation, das Unwahre,Ungute und Unschöne eingedenk der Erkenntnis: Omnia determinatio est negatio!

 

Zusatz

Wie konnte die Kaiserin Sissi-Triologie mit Romy Schneider zu einem der beliebtesten Weihnachtsfilme avancieren, obschon in ihm nichts Christlichweihnachtliches enthalten ist? Einfach,weil dieser Film wunderschön ist und allein deswegen auch weihnachtlich ist.  

 

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