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Freitag, 17. April 2026

Luthers (Un)Geist unter den Traditionalisten und unter.....

 Luther müßte begeistert sein, wenn er den Siegeszug seiner Kampfparole:"Konzile können irren" in der heutigen Zeit in der Katholischen Kirche erleben könnte. Demun einen extremen Standpunkt nimmet der ein,der urteilt, daß alle Konzilien die Wahrheit gelehrt hätten, daß dann aber im 2.Vaticnum Irrlehren in der Kirche sich eingeheimatet hätten. die nun zur aktuellen Kirchenkrise führten. Den anderen der, der urteilt, daß endlich erst das 2.Vaticanum die Kirche aus dem Sumpf der kirchlichen Irrtümer befreite oder begann, sie zu befreien. Beide Positionen setzen damit voraus, daß es innerhalb der Kirchengeschichte Phasen gegeben hätte oder gibt, in denen der Hl.Geist die Kirche verlassen hätte, soff daß sie dann in Irrtümer fallen konnte, wenn sie nur noch ein Menschenwerk sei.

Ein einfaches Experiment: Aus dem Fenster schaue ich, sehe,daß es regnet. Ich schreibe nun auf einen Zettel: "Jetzt regnet es!"und hebe diesen Zettel auf, Ein paar Stunden später schaue ich wieder aus dem Fenster und sehe, daß die Sonne scheint, Die vordem wahre Aussage: "Jetzt regnet es!" hat sich entwahrheitet, Vor mir steht ein Baum und ich schreibe: "Hier steht ein Baum!" und ich wende mich um und sehe: "Hier steht ein Strauch!" Auch diese vorherige Wahrheit hat sich entwahrheitet. Sollten wir uns die Wahrheitsfähigkeit von den Lehren der Kirche ähnlich denken, daß jede wahre Aussage zeit- und raumbedingt sich so entwahrheitet? Modernisten scheinen das so zu sehen.

Aber frägt man sie, ob den Kirche anfänglich im Recht war, die Ideologie der Menschenrchte, die Parole der Französischen Revolution: "Freiheit, Gleichheit und Brüderlicdhkeit" zu verwerfen, so lautet das Urteil: "Mitnichten, die Kirche habe nun erst anerkannt, was sie von Anfang an hätte bejahen müssen!"Das gälte eigentlich auch für die Anliegen der Reformatoren, die sie, statt sie zu reprobieren, positiv hätte rezipieren sollen, was nun ja dank des 2.Vaticanumes geschähe. 

Wie konnte dann aber so lange die Kirche sich in so wesentlichen Fragen irren? Das ist nur vorstellbar, wenn Konzilien sich irren könnten, da sie der Hl.Geist verlassen habe. Der Conträrstdandpunkt  stimmt nun Luther auch zu, indem er urteilt, daß dieses Reformkonzil nicht eines aus der Kraft des Hl.Geistes gewesen wäre. Nun wenden Traditionalisten mit guten Argumenten ein, daß in gar Gewichtigem das 2.Vaticanum Lehren verträte, die nicht mit der bisherigen Lehre der Kirche übereinstimme. Die modernistische Auslegung der Texte des Konziles bestätigt dann auch diese Kritik.

Grundsätzlich gilt: Texte sind polyinterpretabel. Das schlichte Kommunikationsmodell des Senders, der eine Botschaft vermittelt, die dann der Leser eindeutig verstehen kann, scheitert an jedem komplexen Text. Die Erfahrung zeigt, daß es soviele Bibelstellendeutungen gibt, wie es Leser gibt. Jede Deutschunterrichtsstunde zeitigt das Resultat, daß es keine eine wahre Auslegung eines literarischen Textes gibt, 

Es bedarf einer Auslegungsnorm, um angemessene von nichtangemessenen Interpretationen zu distinguieren. Die Auslegungsnorm der Texte des 2,Vaticanumes ist nun die, daß als wahr nur eine beurteilt werden kann, die die Texte als übereinstimmend mit der bisherigen Lehre auslegen. Faktisch wird aber anders ausgelegt, daß die Texte sich in einem Widerstreit zur bisherigen Lehre befänden sodaß entweder die Tradition oder die jetzigen Texte falsches lehren. Unbestreitbar ist eine Auslegung, die die Reformkonzilstexte als übereinstimmend mit der Traad ition liest, keine leichte Aufgabe, aber nur eine solche kann als wahrhaft katholisch beurteilt werden. Die Alternative dazu ist, daß wir Luther zustimmen, daß die Kirche sich in wesentlichen Lehren irren kann.

 

 

Freitag, 3. Oktober 2025

Ein paar Nachträge zum Tage der Deutschen Einheit und ein theologischer Verdacht

 

Ein paar Nachträge zum Tage der Deutschen Einheit und ein theologischer Verdacht



Eingedenk der römischen Politikerweisheit: „Teile und herrsche“ ist unser deutschen Volk nach dem verlorenen Weltkrieg in drei Teile aufgespalten worden, aus denen sich dann drei Staatsgebilde herauskriistallisiert haben; der westdeutsche, der ostdeutsche und der österreichische Staat, daß so das eine deutsche Volk in drei verschiedenen Staaten existierte. Somit entstanden drei differente Staatsbürgerschaften, aber es gibt nur ein deutsches Volk. Der Zusammenschluß des westdeutschen mit dem ostdeutschen Staate kann deswegen nicht als die Deutsche Wieder-vereinigung, als die Deutsche Einheit gefeiert werden, da immer noch zwei Staaten unseres einen Volkes existieren.



Als Bismarck 1871 das Deutsche Kaiserreich erschuf, in diesem Falle darf man wirklich sagen, daß ein großer Mann hier die Geschichte schrieb, war in diesem Erfolg zugleich ein deutsches Unglück eingeschrieben, daß die Großdeutsche Lösung, daß auch Österreich in das Kaiserreich aufgenommen würde wie die vielen anderen Staaten Deutschlands, nicht gelang. Unser Deutschland seit der Reformation gekennzeichnet die confessionelle Differenz zwischen der protestantischen und der katholischen Kultur verpreußete sich und verlutheranisierte, es fehlte der Kontrapunkt des Kathollischen, zumal die Integration des Katholischen in das Kaiserreich schwierig verlief zwischen der deutsch-nationalen Kultur des Protes-tantismus und dem tendentiell ultramontanistischen Katholizismus. Bismarck verdächtige nicht nur die SPD als Partei der vaterlandslosen Gesellen sondern auch die Katholische Kirche, daß ihr der Römische Papst näher stünde als das eigene Vaterland. In dieser Einheit war sozusagen der Spaltpilz schon im Schoße enthalten, der Mangel an der inneren Einheit, und daß Deutschland als ein außländische Staat gegenübertrat, der doch wie das deutsche Kaiserreich ein deutscher Staat gewesen ist und heute noch ist.

Daß Deutschland sozial gesehen eine zutiefst inhomogene Gesellschaft war, sodaß die Ideologie des Klassenkampfes hier auf einen fruchtbaren Boden fiel, ist auch unübersehbar. Ja, man könnte gar sagen, daß dies Deutschland erst zu einer Einheit wurde, als angesichts des Ausbruches des 1.Weltkrieges Kaiser Wilhelm II ausrief: „Es gäbe keine Parteien mehr, er kenne nur noch Deutsche!“ und als Österreich und Deutschland Seit an Seit in diesem Kriege standen. Die Ausstrahlungskraft „der Ideen von 1914“ als die Alternative zu den Idealen der Franzöischen Revolution konzipiert, korrelierte dieser völkischen Gemeinschaftserfahrung des 1.Weltkrieges. Zwei unterreinander konkurrierende Vergemeinschaftsmodelle rangen so während und nach dem 1.Weltkrieg um ihre Vorherrschaft, wobei beide von der Erfahrung der Entvergemeinschaftung, Ferdinand Tönies sprach von dem Verfall der Gemeinschaft in die Gesellschaft der Atomisierten, profitierten und zwar einerseits die Utopie der universalistischen klassenlosen Gesellschaft und anderersseits die Utopie der partikularistischen Volksgemeinschaft. Die Idee der Demokratie verlor in der Weimarer Republick schnell an ihrer Anziehungskraft, bis bei den letzten freien Wahlen die antidemokratischen Parteien die Mehrheit der Parlamentarierer stellten- faktisch war damit die Demokratie abgewählt.

War die Weimarer Republick so innerlich keine Einheit sondern ein sich zerrissenes Staatsgebilde so verhinderte das Veto der Siegermächte, daß Österreich und Deutschland sich zu einem Staate vereinigten: Die Sieger wollten kein eines eventuell dann gar neu erstarkendes vereintes Deutschland. Der Maxime: „Spalte und herrsche!“ folgend teilten sie dann daß durch Hitler vereinte Deutschlland durch den Anschluß Österreiches wieder in drei Teile auf.

Wann waren wir je ein einig Vaterland? Unsere jetzige Uneinigkeit resultiert insbesondere in dieser Differenz, daß in Westdeutschland die USA ihr Umerziehungsprogramm durchgesetzt hat, daß Westdeutschland verwestlicht und entdeutscht werden sollte, da man in den USA und nicht nur da im deutschen Volkscharakter, in seiner Kultur den Urgrund aller nationalsozialistischen Greuel sah, wohingegen die Deutschen Osten eine solche Umerziehung erspart blieb, denn Stalin untershied zwischen dem deutschen Volke und der es tyrannisch regierten habenden Nazipartei. Nun standen sich der Tendenz nach umerzogene Westdeutsche Ostdeutschen gegenüber , die für die Westler eigentümlich antiquiiert deutsch vorkamen.



Das Projekt der multiethnischen und multikulturellen Auflösung Deutschlands, radical durch die Bundeskanlerin Merkel in Szene gesetzt durch ihre Politik der offenen Grenzen löst nun Deutschland in ein Meer von sich herauskristallisierenden Parallelgesellschaften auf, die nichts mehr verbindet, als daß sie auf dem selben Staatsgrund leben. Der(un)heilige Kreuzzug gegen Rechts soll dann eine neue politische Homogenität konstitiuieren, da es sonst keine Gemeinschaftlichkeit mehr gibt.Dieser Kampf setzt den Verlust der Einheit in ethnischer und kultureller Hinsicht voraus.

Der Verlust der kulturellen Gemeinschaft begann mit der Reformation, der Spaltung in das protestantistische und das katholische Deutschland, wobei nun diese Spaltung das Fundament für zuerst ein entconfessionalisiertes Christentum, (als die C-Parteien noch christlich waren) und dann für eine sich zusehens säkularisierende Gesellschaft. Von der Kultur spreche ich hier, da die christliche Religion auch in ihrer Epoche der Zerspaltung durch die Reformation eine über das religiöse Leben hinausreichende Bildungskraft innewohnte, die das kulturelle Leben prägte. Erst jetzt säkularisiert sich die Kultur in Deutschland so sehr, daß die religiös geprägte Kultur nur noch ein Nischendasein führt.

Für den geschichtswissenschaftlichen wie für den politischen Blick erscheint die Geschichte Deutschlands als die eines permanenten Ringens und Scheiterns nach der Suche nach der Einheit Deutschlands, und darunter muß dann wohl auch die nationalsozialistische Konzeption der Volksgemeinschaft subsumiert werden, als eine Serie kontingenter Ereignisse. Aber aus der theologischen Sicht muß auch diese Serie der kontingenten Ereignisse als ein Produkt des göttlichen Regierens geglaubt werden. Gott regiert als die Vorsehung auch unser Volk. Luthers Reformation muß dann als das größte Unglück unseres Volkes angesehen werden.Luther war und ist einer der erfolgreichsten Bekämpfer der Kirche Jesu Christi, und daß jetzt gar die Mehrheit der Katholiken Deutschlands, wenn sie sich noch für die kirchlichen Belange interessieren, eine Verprotestantisierung der Katholischen Kirche sich wünschen, zeigt, wie destruktiv die Reformation sich auswirkte.

Aber das größte Unglück war nun mal der innerchristliche Religionskrieg, der 30 Jährige, der das Projekt der Domestikation der christlichen Religion auf die Tagesordnung Europas setzte, die Aufklärung. Erst durch diese Domestikation wurde die christliche Religion etwas eigentlich Überflüssiges, etwas Gleichgültiges, und das ist der heutige Indifferentismus der Religion gegenüber: Sie wird nicht mehr bekämpft sondern als etwas Gleichgültiges nicht mehr wahrgenommen. Die Domestikation der Religion gehört nun nicht zum Wesen bzw zur Entwickelung der Religion, sondern gründete sich allein in der Zerspaltung der christlichen Religion durch die Reformation und daß daraus dieser innerchristliche Religionskrieg entwuchs.

Könnte sich da nicht der Gedanke einschleichen, daß Gott unserem Volke diese Sünde Luthers anrechnet, uns zürnet, da wir in ihr weitergewanelt sind und so so viel beitrugen zum Kampf gegen die Kirche Gottes, sodaß deswegen uns die Einheit nicht gewährt wird, weil wir in Luther zu dem Volk der Zerspaltung geworden sind ? Dürften wir dann aber den Zusammenschluß West- und Ostdeutschlands 1989f als ein Zeichen ansehen, daß Gott sich uns wieder gnädig zuwendet?

Aber auch nun haben wir in Deutschland keine ethnische oder kulturelle Einheit mehr, schon gar keine religiöse und wir sind immer noch in zwei deutsche Staaten zerspalten! Daß dann noch viele Gebiete von unserem Land nach den zwei verlorenen Kriegen amputiert worden sind und uns jetzt nicht mehr gehören, obzwar die auch zur territorialen Einheit Deutschlands gehörten, müßte auch noch mitberücksichtigt werden, wenn über die Einheit besser die Nichteinheit Deutschlands geschrieben wird. 

Zusätze

In diesen Nachträgen fehlt die Beschäftigung mit den "Antideutschen", dem Phänomen der Lust an der Selbstverneinung unter uns Deutschen und daß Faktum, daß wiraußenpolitische politische Feinde hatten und haben, Alles andere Fehlende wird hier nicht angezeigt, da es zu viel ist!

Donnerstag, 26. Juni 2025

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!

 

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!


Das lutherisch-reformatorische Narrativ zur Lehre vom Abendmahl ist sattsam bekannt und bräuchte keinen Katholiken zu beunruhigen, gäbe es nicht in der katholischen Theologie die Tendenz zur Verprotestantisierung. Dem liegt die Selbstdeutung des Protestantismus als der der Moderne gemäßen Ausgestaltung der christlichen Religion zugrunde, wohingegen der Katholizismus im mittelalterlichen Denken verhaftet, nie in der Moderne heimisch geworden sei, weil er nicht in sie hineinpasse. Katholisch sein könne man halt nur noch in den tiefsten bayrischen Waldgegenden, die noch nicht an die moderne Zivilisation angeschlossen seien, wie Protestanten sich das zurechtlegen, wenn kein katholisches Ohr mithört. So verwundert es nicht, daß dann im Katholizismus eine Modernistenbewegung entstand, die die Verprotestantisierung der Kirche erstrebte, dessen Neuauflage der Synodale Weg ist.


Nach Luther und die ihm Nachfolgenden hat Jesu Christi Sühnopfertod am Kreuze nicht nur jedes weitere Opfer überflüssig gemacht sondern gar verboten, denn jedes danach dargebrachte Opfer der Kirche könnte ja nur die Mißachtung des Opfers Christi ausdrücken. Deshalb sei das Abendmahl von Jesus selbst nur als ein heiliges Essen konzipiert worden, in dem Jesus uns einen Anteil an seinem Heilswerk gibt, indem er uns sein Fleisch und Blut da zum Essen und Trinken gibt. Deshalb dürfe es in der Kirche kein Opfer und keine Priester geben, sondern nur noch einen Predigtgottesdienst, an dem sich eine Abendmahlsfeier anschließen kann, bei den Lutheranern ein Mal im Monat, bei den Reformierten 3 bis 5 Mal im Jahr,denn das Zentrum des Gottesdienstes sei die Predigt, nicht schon allein das Verlesenwerden von Texten der hl.Schrift.

Den Abfall vom christlichen Glauben markiert also, daß die Abendmahlsfeier ein Opfer genannt wird und daß von Priestern gesprochen wird, die dann noch gar dem eigentlichen heiligen Essen voranstünden als wäre es ein kultisches Opfer.

Rudolf Bultmann diskutiert nun in seiner immer noch sehr lesenswerten „Theologie des Neues Testaments“ in dem Paragraphen 13: „Die Sakramente“1 auch das Abendmahl in genuin lutherischer Tradition, stößt dabei aber auf gravierende Probleme.

So heißt es da: „Im Laufe der Entwicklung ist die Eucharistie als Opfer aufgefaßt worden.“ Hier meint Entwickelung natürlich eine Fehlentwickelung, weg vom Ursprünglichen. Dann heißt es: „Wenn sie freilich Did2 14,1 Opfer3 genannt wird, so ist das noch bildlich gemeint, bzw die Eucharistie wird dadurch nur als kultische Handlung bezeichnet, die in der christlichen Gemeinde an die Stelle eigentlicher Opfer getreten ist.“

Die Eucharistie solle somit nur ein Bild eines Opfers und nicht selbst ein Opfer sein! Daß das Bild eines Apfels nicht selbst ein Apfel sei, stellt ein modernes Bildverständnis dar, das so in der Antike und in der Alten Kirche nicht vorausgesetzt werden darf. Im platonischen Denken partizipiert das Bild am Urbild, das es abbildet, und nur so ist es ein Bild. Wenn gar die Eucharistie eine kultische Handlung sein soll, wie könnte sie das, wenn sie keine Opferhandlung wäre. Die Taufe, das andere kirchliche Sakrament, ist ja selbst keine kultische Handlung sondern befähigt erst zur Teilnahme an einer Kultfeier. Wenn nun dann noch geschrieben wird, daß die Eucharistie an die Stelle der eigentlichen Opfer getreten sei, muß das die Frage aufwerfen: Kann denn etwas das Opfer, das im Tempel dargebracht worden ist, durch eine Kulthandlung substituiert werden, die nicht selbst wiederum ein Opfer ist?

Offensichtlich paßt schon diese erste uns bekannte Kirchenordnung nach dem Neuen Testament nicht in das lutherische Narrativ von dem später erst erfolgtem Abfall von dem ursprünglich opferlosen Kult der Urgemeinde.

Leider muß dieser lutherische Exeget einräumen, daß dann schon Ignatius für die Eucharistie „die Opferterminologie“ benutzte, ja Ignatius spricht gar schon von einem „Altar“, bzw von einem „Altarraum“, in dem die Eucharistie gefeiert wurde. Der 1.Klenensbrief versteht dann die Kultdiener in einer Analogie zu den Priestern des Alten Bundes als Priester.

Den Anfang dieser Fehlentwickelung verortet Bultmann dann aber schon in der ´Absonderung der Eucharistie von einer wirklichen Mahlzeit, wie es Paulus initiiert hätte. Ursprünglich sei nämlich das Herrenmahl eine wirkliche Mahlzeit gewesen, „die zur Sättigung der Teilnehmer diente.“4 Unter Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses der hellinistischen Christen stellt Bultmann dann die jeden Lutheraner beängstigende Frage: „ob sich in der christlichen Gemeinde wieder ein Opferkult und ein Priestertum entwickeln werden“?Nur steht dieser Exeget vor dem Problem, daß faktisch schon die Didache die Eucharistie als Opfer verstand und auch wenn es Bultmann nicht zugestehen will, daß in der Antike und somit auch im Urchristentum eine kultische Opferhandlung ohne Priester nicht denkbar war. Es ist so auch nicht überraschend, daß die Aussage des Hebräerbriefes 13,10: „Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen“, nicht in der „Theologie des Neuen Testaments zitiert wird, da das Vorhandensein eines Altares für die Eucharistiefeier nun überhaupt nicht in das lutherische Narrativ paßt. Ein Altar, auf dem nicht geopfert wird, ist kein Altar!

Mt 5,23f: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder,dann komm und opfere deine Gabe.“ bringt nun das lutherische Narrativ in arge Bedrängnis: Wie kann der, der jeden Opferkult zu überwinden kam durch sein allein genügsames Sühnopfer am Kreuze hier die Christen belehren, wie sie zu opfern haben. Bultmann schreibt dazu nur, daß hier „die Beteiligung am Tempelkult als selbstverständlicher Brauch vorausgesetzt“5 wird, ohne zu klären, wie das in der Urgemeinde möglich gewesen sein soll, galt in ihr doch das Ende jedes Opferkultes, wie es Luther uns lehrt. Der Exeget muß gar konstatieren, daß die Urgemeinde „am Tempel und seinem Kult“ festhält.6 Also hat das Urchristentum von Anfang an die Bedeutung des Kreuztodes Jesu Christi mißverstanden, denn sonst hätten sie sich nicht an dem jerusalemer Tempelkult beteiligen dürfen.

Ob allerdings hier wirklich der Opferkult des jerusalemischen Tempels gemeint sein kann, ist fraglich, denn als Mt sein Evangelium schrieb, war der Tempel schon zerstört, sodaß auch ein Christ da nicht mehr opfern konnte, also diese Aussage für den Evangelisten und seine Leser völlig sinnlos sein müßte, wenn es in der Urgemeinde nicht schon eine Möglichkeit des kultischen Opferns gegeben hätte, auf die dann diese Aussage zu beziehen wäre, daß also die Christen ihre Opfergabe zur Eucharistiefeier brachten, daß Brot und Wein dafür vorhanden waren.


Liebe Leser, wir müssen ungeschminkt nun den Tatsachen ins Auge sehen: Erst Luther und vor ihm keiner hat begriffen, daß Jesus den Opferkult abschaffen wollte und nach ihm dann die Aufklärung, etwa Kant!





1Auf die Angabe von Seitenzahlen verzichte ich, da dieses Werk so vielfältig publiziert worden ist.

2Did= Didache, die älteste uns bekannte nachneutestamentliche Kirchenordnung, deren Datierung umstritten ist.

3Im Text: griechisch.

4Alle Zitate aus Paragraph 13.

5Paragraph 2 : Die Auslegung der Forderung Gottes.

6Paragraph 8: Ansätze zur Ausbildung kirchlicher Formen.

Freitag, 11. April 2025

Irritierendes: Pontius Pilatus verurteilte einen Unschuldigen, als er Jesus zu Tode verurteile – eine Kritik

 

Irritierendes: Pontius Pilatus verurteilte einen Unschuldigen, als er Jesus zu Tode verurteile – eine Kritik



In den Zeiten des christlich – jüdischen Dialoges und des Philosemitismus ist es fast eine Selbstverständlichkeit geworden, um die Juden von jeder Schuld an der Kreuzigung Jesu freizusprechen, alle Schuld auf den römischen Richter Pilatus zu werfen. Daß alle Evangelien übereinstimmend Pilatus als von den Juden zur Hinrichtung Jesu Getriebenen darstellen, der selbst von der Unschuld dieses Jesu von Nazareth überzeugt war, und der nur um ihnen zu gefallen, dann das Todesurteil aussprach, wird mittels der Wunderwaffe der historisch-kritischen Methode wegexegetisiert, um eine politisch korrekte Rekonstruktion der Genese der Verurteilung Jesu zum Kreuzestod zu präsentieren. In der ist der Tendenz nach Pilatus der Hauptschuldige und wohl noch ein paar wenige jüdische Kleriker,die neidisch auf Jesu Popularität unter dem Volke waren.

Der Kern dieser Verurteilung des Pontius Pilatus ist der Vorwurf, einen Gerechten zu Tode verurteilt zu haben.Meistens verbindet sich das mit dem Urteil, daß das Verhängen der Todesstrafe an sich schon ein Unrecht gewesen sei, daß das also schon hinreichte, um den Römischen Staat als einen Unrechtsstaat zu dysqualifizieren. Daß der Gott Israels, der gerade auch der Gott Jesu Christi ist, selbst die Todesstrafe für Schwerstsünden fordert, ein Unrechtsgott wäre, verdrängt dann diese Kritik meisterhaft.

Ich erlaube mir hier etwas sehr Ungewöhnliches, indem ich einem Theologen das Wort erteile, der rechtens von der Kirche als ein Häretiker verurteilt wurde, der aber nur deshalb so erfolgreich gegen die Katholische Kirche agitieren konnte, weil in seiner Theologie manch Wahres auch enthalten war, daß er in seiner ihm eigenen grobianistischen Manier manchmal besser zum Ausdruck gebracht hatte als eine diffizile Scholastik. So schrieb eben Luther über Jesus, der für uns zum Sünder geworden ist:

Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen …“ Eine Auslegung von Galater 3,13

Von Martin Luther

3,13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben (5.Mose 21,23): „Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget“, auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme etc.

Der ganze Nachdruck liegt auf dem Wörtchen „für uns“. Christus ist, was seine Person angeht, unschuldig. Folglich mußte er nicht am Holze hangen, aber, weil jeder Räuber nach dem Gesetz ans Holz gehörte, darum mußte Christus nach dem Gesetz des Mose ans Holz gehängt werden, weil er die Person des Sünders und Räubers, nicht eines Einzelnen, sondern aller Sünder und Räuber vertreten hat. Wir sind ja Sünder und Räuber, darum sind wir des Todes und der ewigen Verdammnis schuldig. Aber Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen und ist dafür am Kreuz gestorben. Darum mußte er, wie Jes. 53,12 sagt, unter die Räuber gerechnet werden.

Das haben alle Propheten gesehen, daß der zukünftige Christus der größte Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder, Lästerer etc. sein würde, der durch keinen Verbrecher in der Welt je übertroffen wird. Da gehts nicht um seine Person selbst, nicht darum, daß er von der Jungfrau Maria geboren ist als Sohn Gottes, da ist er der Sünder, der hat und trägt die Sünde des Paulus, der ein Lästerer, Verfolger und gewaltsamer Mensch gewesen ist, da trägt er die Sünde des Petrus, der Christus verleugnet hat, die Sünde Davids, der ein Ehebrecher gewesen ist, ein Mörder und die Heiden den Namen des Herrn lästern machte (2. Sam. 12,1). Alles in allem, Christus ist der, der hat und trägt an seinem Leibe alle Sünden aller Menschen. Nicht als hätte er sie selbst begangen, aber er hat die von uns begangenen Sünden aufgenommen an seinem Leibe, um dafür mit seinem eigenen Blute genug zu tun. Darum behaftet ihn jenes allgemein geltende Gesetz des Mose, ihn, der für seine Person völlig unschuldig ist, aber das Gesetz hat ihn unter den Sündern und Räubern gefunden. So nimmt die Obrigkeit als straffällig und bestraft, wenn sie jemanden unter den Räubern ergreift, wenn er auch niemals etwas Böses oder Todeswürdiges begangen hat. Christus aber ist nicht nur unter den Sündern erfunden, sondern er hat selbst nach seinem und des Vaters Willen der Genosse der Sünder sein wollen, hat Fleisch und Blut derer angenommen, die Sünder und Räuber sind, in allen Sünden versunken. Da also das Gesetz Christus unter den Räubern gefunden hat, hat es ihn als Räuber verdammt und getötet.“1

Jetzt wird es paradox: Pilatus verurteilte Jesus Christus zum Kreuzestod, der einerseits völlig unschuldig und andererseits der schlimmste Verbrecher unter der Sonne war, da er all unsere Verbrechen auf sich nahm. Zu was hätte den Pilatus Jesus verurteilen sollen, wenn nicht zum Tode, wenn es wahr ist, daß er zu dem Sünder vor Gott geworden ist, da er alle Sünden auf sich genommen hatte. Luther urteilt hier tatsächlich sachgemäß, wenn er konstatiert, daß hier die römische Obrigkeit richtig geurteilt hat, ihn unter die Schwerstverbrecher zu zählen.Jesus ist eben nicht der gute Mensch, der von einem machtbesessenen Pilatus gekreuzigt wird, sondern der Sohn Gottes, der uns zum Verfluchten wurde, da er unsere Sünden zu den seinigen machte. Die römische Obrigkeit tat hier also das, wozu sie nach des Apostel Paulus eigenen Staatslehre verpflichtet ist, die Bösen um der Gerechtigkeit willen zu strafen. Aber die Paradoxie bleibt, daß so ein, nein der völlig Unschuldige der am Kreuze Verfluchter wurde.

Man mache am kommenden Karfreitag dies Experiment: Wenn nun über das Kreuz Christi gepredigt wird, frage man: Was hätte es für Folgen, wenn die gehörte Predigt recht über das Kreuz Christi gelehrt hätte, und wenn Jesus dann nicht am Kreuze gestorben wäre: Änderte sich irgendetwas der Beziehung Gottes zu uns, wenn Jesus, so wie es in dieser Predigt gerade dargelegt worden ist, dann nicht am Kreuze gestorben wäre? War sein Kreuzestod also in soteriologischer Hinsicht überflüssig, da Gottes Liebe uns auch dann gälte, wenn Jesus im hohen Alter im Bett gestorben wäre statt am Kreuze? Starb er nur, um uns zu zeigen, daß man sich von dem Gutestuen nicht durch Drohungen der Mächtigen eines Landes abbringen lassen dürfe?

























1Zitiert nach:jochenteuffel.com/2017/01/17/christus-hat-alle-unsere-suende-auf-sich-genommen-martin-luthers-auslegung-von-galater-3,13.

Freitag, 21. Februar 2025

Wortgottesdienste – das Zukunftsmodell der Synodalkirche- oder ihre Verprotestantisierung?

 

Wortgottesdienste – das Zukunftsmodell der Synodalkirche?



Man kann sich ja nicht des Eindruckes erwehren, daß die Begeisterung für die Eucharistie als dem Höhepunkt des geistlichen Lebens ihrer Instrumentalisierbarkeit für die Forderung nach der Abschaffung des Zölibates und der Einführung des Frauenpriestertumes sich verdankt, aber eigentlich man den protestantischen Wortgottesdienst mehr schätzt. Der paßt einfach besser in eine sich um die Modernisierung bemühende Kirche, schließlich gehört die Rede als Aufklärungsmedium neben dem guten Buch zu dem Inventar der Aufklärung. Daß in der Geschichte des Gottesdienstes der Predigtgottesdienst eine Spätform darstellt, wird dabei geflissentlich übersehen. Am Anfang war der Kult mit einer Opferfeier, in Israel dürfte sich der Predigtgottesdienst dem babylonischen Exil zu verdanken haben, als die exilierten Priester dort keinen Opferkult vollzogen durften, da ein solcher nach dem deuteronomistischen Kultzentralisationsgebot nur im Jerusalemer Tempel legitim war, sodaß als ein Surrogat der Synagogengottesdienst da entwickelt wurde als eine Belehrung der Exilierten über ihre Lage und was nun zu tuen sei.

Der christliche Gottesdienst ist nun eine Synthese der Gestalt des so entstandenen Synagogengottesdienstes mit der Gestalt des jerusalemischen Tempelkultes in der Gestalt des Wortgottesdienstes und des Meßopfers1. Daß der Wortgottesdienstteil als die Vormesse bezeichnet wurde, entspricht dem Primat des Kultgottesdienstes, dem als eine Vorbereitung eine Gestalt des Synagogengottesdienstes vorangestellt wurde. Die Reformatoren zerstörten nun diese Synthese, indem für sie nur noch der Wortgottesdienst zählte, der ab und zu durch eine Abendmahlsfeier ergänzt wird, bei den Lutheranern einmal im Monat, bei den Reformierten 3 bis 4 mal im Jahr.

Kath de berichtet nun am 20.2.2025 über die neuesten Deformumtriebe: „Werden Sie auch an einem Sonntag mit einem Wortgottesdienst beglückt? Dann fliehen Sie. Nach Diözesanreformen und Pfarrzusammenlegung werden manche an Sonntagen plötzlich mit einem Wortgottesdienst beglückt und dies obwohl es Priester vor Ort gibt.“ Es sei an die Neukonstruktion der Konzelebration erinnert: Statt daß jeder Priester eine hl. Messe liest, konnten und sollten nun Priester, unterschieden zwischen dem Hauptzelebranten und den Konzelebranten gemeinsam die hl.Messe feiern.Damit sollte die Praxis,daß Priester an den Nebenaltären der Kirchen2 je ihre Messe lasen, unterbunden werden. Warum das? Es gab so viele Priester, daß nicht jeder einem Gottesdienst vorstehen und dann das Meßopfer darbringen konnte.Die katholische Lösung der Zelebration an den Nebenaltären, während ein Priester an dem Altar das Meßopfer darbrachte, wurde so substituiert durch eine Gemeinschaftsmesse von zelebrierenden Priestern.

Aber nun leidet die Kirche doch an einen eklatanten Priestermangel! Trotzdem kann man es erleben, daß in einem sonntäglichen Gottesdienst mehrere Priester zelebrieren, während gleichzeitig ein Wortgottesdienst, nur von Laien vollzogen wird wegen des Priestermangels!

Zum Konzept der Verprotestantisierung der Kirche gehört eben nicht nur die Einführung einer Rätedemokratiestruktur in die Kirche sondern auch, daß der Wortgottesdienst als das Eigentliche angesehen wird, wohingegen das Meßopfer durch etwas recht Voraufklärerisches ist. Die Kirche müsse eben, um auf die Höhe der Aufklärung sich zu erheben eine Kirche des Wortes werden. Das Emanzipatorische ist dabei, daß in den Wortgottesdiensten kein Pfarrer mehr benötigt wird, sodaß endlich die Gemeinde ihre Gottesdienste demokratisch antiklerikal selbst gestalten kann: Welch ein Triumph des Antiklerikalismus bahnt sich damit doch an! Nur, vielleicht will man doch noch an der Hochschätzung der Eucharistie festhalten, nur um endlich das Frauenpriestertum durchzudrücken.





1Es wäre mehr als wünschenwert, würde einmal untersucht werden, ab wann zumindest im deutschen Sprachraum der Begriff des Meßopfers in der Kirche faktisch exkommuniziert wurde und ersetzt wurde von der Rede eines Mahles,in dem uns Gottes bzw Jesu Liebe begegnete.

2Wer eine unser wunderschönen Barockkirchen aufsucht, schaue mal auf die Nebenaltäre, auf denen nun nicht mehr das Meßopfer dargebracht wird: Was für ein Trauerspiel!

Dienstag, 28. Januar 2025

„Wer euch hört, hört mich“ - oder über den Generalverdacht wider die Kirche

 

Wer euch hört, hört mich“ - oder über den Generalverdacht wider die Kirche


Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat.“ .so sagt es uns der Sohn Gottes selbst. Jesus beschränkt sich hier nicht auf die Aussage, daß wer auf ihn hört, daß der damit auf Gott höre, sondern er stellt das „euch“ voran. Diese Aussage zeigt eine komplexe Medientheorie an, wie Gott vermittels von Medien zu uns spricht.

Daß Gott aufhört, zu uns durch Medien zu sprechen, daß das ein nicht nur mögliches sondern gar real geschehendes Ereignis sein kann, das mußte der König Israels, Saul auf das bitterste erleiden: „Als Saul das Lager der Philister sah,bekam er große Angst,und sein Herz begann zu zittern.Da befragte Saul den Herrn ,aber der Herr gab ihm keine Antwort,weder durch Träume noch durch die Losorkel1,noch durch die Propheten.“ (1.Samuel 28,5) Der von Gott zum König von Israel Erwählte, ihm will Gott nicht mehr antworten.

Eine religionskritische moderne Medienkritik wandte hier sofort ein, daß weder Träume noch Orakel und auch die Propheten keine Medien sein könnten, durch die Gott Menschen etwas mitteilen könne oder wolle. Hier läge wohl ein Fall von Priesterbetrügen vor, wenn die den Anschein erweckten, daß sie Träume und Losorakel so deuten könnten, daß daraus Gottes Wille herauslesbar würde.Selbstverständlich prophezeiten Propheten auch nichts anderes als ihre ach so menschlichen Vorstellungen von dem, was sie für Gottes Willen halten. Wenn es denn einen Gott gibt, dann spricht er jedenfalls nicht durch solche Medien zu uns.

Aber dieser Text sagt genau das Gegenteil: Gott vermittelt sein Wollen an uns durch solche Medien. Aber Gott kann auch aufhören, sich uns so mitzuteilen. Diese Medien können nur etwas vermitteln, wenn sie zuvörderst die Empfänger von Gottes Mitteilungen sind. Medientheoretheoretisch besagt das, daß die Medien nicht selbst die Hervorbringer der Botschaften sind. Jede Religionkritik und jede Kirchenkritik ist so im Kern eine Medienkritik, daß die Medien keine empfangen wordende Mitteilungen weiterleiten, sondern sie selbstständig erst produzieren.

Gegen diese Medienkritik wendet sich hier Jesus Christus schon selbst:“Wenn ihr die Apostel hört, dann hört ihr in ihnen mich und in mir Gott selbst!“

Der Evangelist Lukas bleibt dieser Medientheorie treu und deswegen schreibt er zu den Beschlüssen des ersten Apostelkonziles: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen“. Mit wir sind die Apostel und die Presbyter gemeint unter Ausschluß der Laien. Nach dem katholischen Verständnis waren die Presbyter die Priester des Neuen Bundes. Hier bewirken der Heilige Geist und die Apostel und Priester diese Beschlüsse, daß sie wahr sind, dafür steht der Heilige Geist, sodaß er als die Causa prima und die Menschen als die Zweitursachen gewirkt haben. Jede Kritik der Konzilien der Kirche muß so im Geiste Luthers aus den Nachfolgern der Apostel und Presbytern Subjekte machen, die keine Medien mehr waren sondern selbstständige Sender, die nichts empfingen sondern nur Selbstproduziertes hervorbringen konnten.

Der Deformator Luther urteilte noch, daß die Bibel als ganzes ein Medium sei, durch das Gott zu uns sprach, so legitimierte er die alleinige Autorität der hl.Schrift. Die Kirche sei dann aber als ein selbstständiger Interpret der Bibel aufgetreten, sodaß nun nicht mehr gelten könne: „Wer auf euch hört, hört auf die Bibel!“Nun untergrub Luther aber schon selbst diese Alleinautorität der Bibel, indem er wider den Jakobusbrief den Vorwurf erhob, nicht schriftgemäß über die Rechtfertigung zu lehren. In dem Neuen Testament existiere so selbst ein Text, der der Zentralbotschaft Jesu diamentral widerspräche. Demzufolge gilt hier: „Wer auf den Jakobusbrief hört,hört nicht auf Jesus Christus!“

Die Methodik der historischen Kritik verabsolutiert nun diese anfängliche Lutherkritik des Jakobusbriefes: Nun darf das Neue Testament nur noch eine Sammlung von menschlich-allzumenschlichen Zeugnissen über diesen Jesus von Nazareth sein,aber es kann nun nicht mehr gelten: „Wer auf meine Zeugen hört, der hört auf mich!“ Jesus Christus und auch Gott transformieren sich zu für uns letztlich unerkennbaren Größen, da wir nun nur noch, um es in Anlehnung an Nietzsche zu formulieren, nur noch Interpretationen der Interpretationen haben, aber der Urtext, die Ursprungsmeldung verloren gegangen ist. Die Medien hätten sich so verselbstständigt zu eigenmächtigen Sendern, die nichts mehr empfangen.

Daß aber die Kirche eine Medienanstalt ist, durch die die Wahrheit sich selbst uns vermittelt, das zu verkennen, rechtfertigt erst die Hybris, nun an die Stelle der Medienanstalt eine „Kirche“ zu setzen, die autonom ihre eigenen Sendungen produziert, dem Geschmack des Publikums allein verpflichtet. Das ist sozusagen die Entmedialisierung der Kirche: „Wer eine solche „Kirche“ hört, der hört nur noch Menschliches!“

1Wer nun meinte, daß die Praxis des Losorakels wohl zur abergläubischen Kultpraxis des Alten Bundes gehörte, aber im Neuen Bund keinen Platz mehr haben könne, der sei auf die Wahl des Matthäus zum Apostel verwiesen, Apg 1.26: „Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthäus,und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.“ Lose werfen, kann jeder, aber wer so, daß da der Wille Gottes erkennbar wird? Ist das nicht nur Priestern möglich, sodaß hier die Existenz von Priestern schon gemutmaßt werden muß?

Vgl dazu auch meinen Artikel: "Ist der Glaube eine oder die Antwort des Menschen an Gott? Eine Kritik der verdrängten Frage der Heilsvermittelung"  des 19.Jänners 2025

Zusatz:

Das Schicksal des Königs Saul ist aber ernst zu nehmen: Gott kann aufhören, zu uns durch seine Medien zu sprechen. Nicht redet Gott immer, nur wir hören nicht auf ihn. Er kann sich auch verbergen.

Samstag, 25. Januar 2025

Zwei Kickuckseier in der Katholischen Kirche- oder es droht eine Selbstvergiftung!

 

Zwei Kickuckseier in der Katholischen Kirche- oder es droht eine Selbstvergiftung!



Wer etwas ißt, was er nicht verträgt, der kann daran erkranken. Nun hat sich die Katholische Kirche selbst zwei Kickuseier ins Nest gelegt, die sie vergiften könnte.Es ist kein Ostfriesenwitz, aber in der ostfriesischen Stadt Emden erfand im Jahre 1571 die dort tagende „Reformierte Synode“ das Subsidaritätsprinzip als das Organisationsprinzip der Reformierten Kirche, die soweit es geht, keine Kirche sein wollte sondern ein Verband von weitestgehend souveränen Einzelgemeinden. Nur die Angelegenheiten, die eine Gemeinde nicht selbst regulieren kann, soll dann von der Kirche geregelt werden. Salopp formuliert war das der erste Versuch, eine Kirche sozusagen „basisdemokratisch“ zu gestalten. Damit wollten sich die Reformierten positiv von der hierarisch strukturierten Katholischen Kirche absetzen aber auch von der Lutherkirche, die ihnen zu bureaukratisch vorkam. Das Subsidaritätsprinzip ist also ein antikatholisches Organisationsprinzip.

Wie konnte das nun in die Katholische Kirche einwandern und sich da häuslich niederlassen. Die reformatorische Theologie erklärte, daß mit ihrer Rechtfertigungslehre das Mönchs- und Klosterleben unvereinbar sei und so mußten in allen Gebieten, in denen sich die Reformation durchsetzte die Klöster aufgelöst werden. Luthers Ehefrau war ursprünglich eine Nonne, die dann nach der Schließung ihres Klosters mit Luther verheiratet wurde, wie man es da mit allen Exnonnen tat.Bis dahin waren die Klöster für die Armenfürsorge zuständig.Jetzt übernahm die Stadt diese Aufgabe, aus einer kirchlichen wurde eine staatliche Aufgabe. Bismarck legte dann, ganz den Reformatoren folgend die Fundamente für den deutschen Sozialstaat. Abstrakter formuliert: Mit dem sich herausbildenden Nationalstaat versrärkte sich diese Tendenz, daß immer mehr Aufgaben, die die Kirche erfüllte, vom Staate übernommen wurden. Dies war das wesentliche Moment des Kulturkampfes gegen die Katholische Kirche, die nicht bereit war, ihre Aufgaben an den Staat zu übergeben.

Das war der Grund dafür, daß Subsidaritätsprinzip sich zu eigen zu machen, obschon es ein antikatholisch-reformiertes ist, um dieser Kompetenzausdehnungspolitik des Staates eine Grenze zu ziehen: Der Staat solle nur solche Aufgaben in seine Eigenregie übernehmen, die die Zivilgesellschaft nicht aus sich selbst heraus ausfüllen könne. So wollte die Kirche der Übergriffigkeit des Staates gegenüber Freuräume erwirken, in denen dann die Kirche selbstständig wirken könne. Der Staat soll also geschwächt werden, damit so die Freiräume für die Kirche enstehen.

Diese Indienstnahme des reformierten Prinzipes ist nun aber für die Kirche selbst brandgefährlich: Wendete sie das reformierte Subsidaritätsprinzip auf sich selbst an,müßte sie ihr ihr eigenes Aufbauprinzip der Hierarchie auflösen und verlöre so ihre katholische Identität. Als eine Verteidigungsstrategie gegenüber dem modernen immer mehr Kompetenzen an sich ziehenden Staat mag dies Prinzip nützlich sein, aber wie will und kann die Kirche dauerhaft ein Prinzip dem Staate gegenüber einfordern, dessen Anwendung auf sich selbst sie strikt ablehnen muß.

Zum zweiten Kuckucksei: So wie auch die toleranteste Lehrerin die Antwort: „11“ nicht als die Antwort auf die Frage: „Was ist 5 plus 7?“ toleriert sondern nur :“12“. so lehnte die Kirche die Gewissensfreiheit und die Religionsfreiheit als proklamierte Menschenrechte ab, denn darin sah sie hellsichtig die Abkehr von Gott und von seinen Geboten. In Frankreich war die Aufklärung religionsfeindlicher als in Deutschland eingestellt und man sah in dem Kampf wider die Religion und die Katholische Kirche eines der Hauptanliegen der politisch praktisch gewordenen Aufklärung in der Gestalt der Französischen Revolution.

Ursprünglich bekämpfte die Katholische Kirche im Namen der Wahrheit alle falschen Religionen und Weltanschauungen, so intolerant, wie im Rechenunterricht „11“ nicht als die Antwort auf: „Was ist 5 plus 7?“ toleriert wird.Im 20.Jahrhundert machte nun die Kirche die Erfahrung, daß sie selbst in dem Namen der Wahrheit von Staatsideologien, dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus bekämpft wurde. Jetzt instrumentaliierte sie die Menschenrechte der Französischen Revolution als eine Abwehr gegen totalitaristische Staaten,die in dem Namen von Staatsideologien die Kirche als etwas Unwahres bekämpften. Als ein Instrument zur Abwehr von einen Zuviel an Staat, daß der Staat die Kirche ersetzen wollte und will, vernutzt sie so die Menschenrechte.

Aber sie kann die Menschenrechte nun in sich selbst nicht anerkennen. Sie dürfte nach den Menschenrechten nämlich nicht Menschen ob ihrer Religion diskriminieren,dürfte also eine Muslimin nicht als Kindergärtnerin ob ihres nichtchristlichen Glaubens ablehnen für einen katholischen Kindergarten.Auch dürfte sie nicht mehr lehren, was Jesus Christus selbst gelehrt hat: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verurteilt“ (Mk 16,16),denn diese Gerichtsaussage widerspricht eindeutig der Menschenrechtserklärung, daß Gott die Menschen nach ihrer Religion richten wird, ob sie Gläubige oder Nichtgläubige sind, ob sie Getaufte oder Nichtgetaufte sind. Die Menschenrechte erklären dagegen ganz im Geiste der Französischen Revolution die Religion als etwas als Gleichgültiges zu mißachten. Goethes Gretchenfrage:“Wie hältst Du es mit der Religio?“ ist eben im Geiste der Menschenrechte eine nicht mehr zu stellende Frage.

Nur wie kann die Kirche dauerhaft die Menschenrechte gegen die Machtansprüche des Staates vernutzen und sie gleichzeitig für ungültig für ihr inneres Leben abqualifizieren? Die Tendenz, im Namen der Menschenrechte auf jede Mission zu verzichten, da nun auch Gott bei der Beurteilung der Menschen in seinem Endgericht der Glaube der Menschen gleichgültig sei, ist unverkennbar, nicht nur beim jetzigen Papst.









Dienstag, 7. Januar 2025

„Wenn Katecheten übergriffig werden“ Kath de enthüllt geistliche Mißbräuche

 

Wenn Katecheten übergriffig werden“ Kath de enthüllt geistliche Mißbräuche



Übergriffe ereignen sich gerade auch durch Katecheten. Das enthüllt nun das quasi offizielle Internetauftrittsportal Kath de am 7.Jänner 2025: "Du verschenkst Deine Berufung.„Wenn Katecheten übergriffig werden“: Nicht nur Kleriker, auch Laien verhielten sich übergriffig, praktizierten geistlichen Mißbrauch. Der Terminus geistlicher Mißbrauch erfreut sich nun im linksliberalen katholischen Kreisen größter Beliebtheit, um jeden Versuch der Vermittelung des katholischen Glaubens zu verunglimpfen, denn das wäre ja eine Art von Indoktrination. Aber geben wir Kath de selbst das Wort:

In der Firmvorbereitung oder auch der Jugendarbeit allgemein gibt es immer wieder Fälle von überengagierten Katecheten und Katechetinnen, die die Jugendlichen vehement davon überzeugen wollen, Priester zu werden oder einem Orden beizutreten.“ Streicht man die polemische Überzeichnung, reduziert sich der Vorwurf darauf, daß jungen Menschen als eine besondere Weise der Nachfolge Jesu Christi der Beruf des Priesters oder das Mönchsleben empfohlen wird.

Stattdessen soll gelten:„Natürlich ist es vollkommen legitim, das einmal zur Sprache zu bringen. Missbräuchlich wird es, wenn einengende Formulierungen verwendet werden, die nicht mehr die freie Entscheidung des Gegenübers zulassen – Sätze wie "Du verschenkst Deine Berufung" oder "Du wirst nicht glücklich werden in Deinem Leben".

Die besondere Nachfolge Christi im Priester- oder Ordensstand könne „einmal zur Sprache“ gebracht werden, aber alles mehr als „einmal“ sei zuviel und somit übergriffig. Daß ein Mensch seine Berufung verfehlen könne und daß dies sich nicht positiv auf ihn auswirke, soll nun schon als eine Mißachtung der Freiheit der so Angesprochenen gelten. Das „einmal zur Sprache“ Bringen verdeutlicht, was real intendiert ist, daß eben die Berufung zur priesterlichen oder zur mönchischen Existenz am besten gar nicht oder nur so nebenbei erwähnt werden soll.

Reden wir Klartext: Luther hat erkannt, daß es in der Kirche weder Priester noch Mönche und Nonnen geben dürfe, da beides dem Evangelium, wie er es verdeutete, widerspräche und so ist beides auch dem liberal gesonnenen Katholiken ein Greuel.

Aber es gibt noch erschreckendere geistliche Mißbräuche:

Ein anderes Beispiel ist die Erstkommunionvorbereitung, zu der ja auch die Beichte gehört. Heute wissen wir, dass die Beichte einer der anfälligsten Orte für Missbrauch ist. Wenn Eltern nicht wollen, dass ihr Kind im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung zur Beichte geht und der Pfarrer dann bestimmt, es von der Erstkommunion auszuschließen, ist das nicht in Ordnung. Damit nutzt der Priester seine Autorität, um darüber zu entscheiden, wer welches Sakrament empfangen darf und wer zu welchem Sakrament zugelassen wird.“

Es ist mehr als bezeichnend, daß in einem Kath de Artikel zum Sakrament der Beichte als erstes einfällt, daß es ein bevorzugter Ort des Mißbrauches sei. Daß die Beichte ein wichtiger Schritt zum würdigen und das heißt nichtsakrilegischen Empfang der hl.Kommunion ist, davon will man hier nichts wissen. Stattdessen sollten die Erstkommunikanten vor der Beichte geschützt werden!

Daß die Kirche das Recht und auch die Pflicht hat, Menschen vor einem sakrilegischen Empfang des Leibes und Blutes Christi zu bewahren, sollte auch Redakteuren dieser Internetseite bekannt sein. Keine Mutter läßt ihr Kind bedenkenlos Medikamente aus der Hausapotheke kosten, weiß sie doch, daß Medikamente, falsch eingenommen, der Gesundheit ihres Kindes sehr schaden können und so sorgt auch die Mutter Kirche sich gerade um einen nichtsakrilegischen Empfang der Kommunion.Denn das stärkste Medikament auf Erden, das Sakrament des Altares verfügt auch über eine starke Destruktionskraft, wird es sakrilegisch empfangen. Der Apostelfürst Paulus mahnt nämlich nicht nur die korinthische Gemeinde sondern genauso auch uns: „Wer also unwürdig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt,macht sich schuldig am Leibe und am Blute des Herrn.“ (1.Kor 11,28) Dieser Mahnung muß die Kirche stets bedenken und deswegen empfiehlt sie gerade vor dem Erstempfang zu beichten. Eine Verweigerung der Beichte kann dann aus seelsorgerlichen Gründen es nahe legen, den Beichtverweigeren die Kommunion nicht zu spenden. Der Empfang der hl.Kommunion ist eben ein Privileg, denn nicht alle dürfen dies Sakrament empfangen. Der Hebräerbrief schließt schon die Nichtchristen von der Kommunion aus, (Hebr 13,10) und Paulus möchte alle ausgeschlossen sehen, die nicht glauben, daß sie in der Eucharistie den Leib und das Blut Christi empfangen. (1.Kor 11,17-34)

Ein geistlicher Mißbrauch liegt also vor, wenn die Kirche Menschen vor einem sakrilegischen Empfang des Leibes und Blutes Christi zu bewahren versucht! Wenn dann noch gar Katecheten zur Nachfolge Jesu Christi im Priester- oder Mönchs-und Nonnenstand aufrufen, dann ist das für Kath de der Gipfel geistlichen Mißbrauches. Eine Kirche, die so eine Seite zum Freunde hat, braucht wahrlich keine Feinde mehr! 

 

Merke: Der hl Cyprian lehrt uns, daß Niemand Gott zum Vater haben könne, der die Kirche nicht zu seiner Mutter hat. Die Kirche hat sich deswegen ihren Gliedern gegenüber mütterlich zu verhalten und das inkluduiert auch ein fürsorgliches Verhalten ihren Kindern gegenüber.  









Samstag, 28. Dezember 2024

Eine Kritik: Das kirchliche Gerede von der persönlichen Begegnung mit Jesu und unser „Vertrauen“ auf ihn

 

Eine Kritik: Das kirchliche Gerede von der persönlichen Begegnung mit Jesu und unser „Vertrauen“ auf ihn



Eine in der jetzigen Verkündigung und in der Theologie sich großer Beliebtheit erfreuende Vorstellung ist die Rede von der persönlichen Begegnung mit Jesus und dem daraus sich generierenden Vertrauensglauben. Wer nun in dem Neuen Testament nachliest, stößt stattdessen auf einen ganz aus der Mode geratenden Begriff: die Lehre Jesu Christi, als genitivus subjectivus und objectivus zu lesen. Jesu Haupttätigkeit war nämlich die des Lehrens, er lehrte etwas und er lehrte über sich selbst.Seine Anhänger waren demzufolge Schüler, aus denen dann aber „Jünger“ wurden, als hätte ein Lehrer Jünger und keine Schüler. Das Verhältnis Jesu zu seinen Anhängern ist so eindeutig das eines Lehrer-Schüler Verhältnisses, in dem sich seine Schüler, isb im Markusevangelium gerade nicht als gute Schüler erwiesn: Wann verstanden sie denn auch die Lehren ihres Lehrers.

Wo bleibt denn nun die Lehre Jesu, wenn so viel von unserem Begegnen mit ihm gesprochen wird? So wie die Übersetzung: Jünger statt Schüler den Verdacht auf Luthers Bibelübersetzung lenkt, so liegt man wohl auch recht in der Vermutung, daß Luther und Melanchthon der Lehre Jesu ein Ende bereitet haben.Sie unterschieden zwischen Glaubensaussagen, die für wahr zu halten seien und den Evangelium, das keine Aussagenwahrheit sein soll,sondern eine Verheißung, die nur dem gilt, der sie glaubt. Luther kann das so auf den Punkt bringen: „So wie Du Jesus glaubst, so ist er Dir! Wenn Du glaubst, daß er für Deine Sünden gestorben ist, dann und nur dann ist er auch für Deine Sünden Dir zum Heile gestorben. Glaubensaussagen sind wahr, unabhängig davon, ob sie geglaubt oder nicht geglaubt werden, sie sind als wahr anzunehmen. Das Evangelium dagegen wird erst durch den Glauben des Gläubigen zur ihm geltenden Wahrheit. Dieser Fiduzialglaube soll nun der allein rechtfertigende sein.Die vielen Glaubenswahrheiten dagegen, auch wenn sie vom Gläubigen als wahr angenommen werden, rechtfertigen ihn nicht vor Gott.

Die Lehre Jesu Christi gerät so ins Hintertreffen, da sich das ganze Heil allein auf das Daß Jesus für Dich am Kreuze gestorben sei, kapriziert. Der Versuch, die reformatorische Theologie mit dem aufklärerischen Denken kompatibel zu gestalten, erforderte nun eine Kritik dieses Evangeliumsverständnisses.Man begann die Person Jesu von seiner theologischen Interpretation in dem Neuen Testament und sein Werk von der Interpretation zu unterscheiden.Alle Interpretationen seien nur zeitgechichtliche bedingte Aussagen über die Person und das Werk Jesu.Im Zentrum der christlichen Religion stünde so aber die Person Jesu und nicht die Lehren über ihn und über sein Werk. Nicht mehr das Evangelium, daß ER für Dich am Kreuze gestorben sei, soll nun somit das Zentrum des christlichen Glaubens bilden, sondern ER als die Person, der der Gläubige sein Vertrauen schenkt. Alle dogmatischen Aussagen über ihn seien doch nur etwas Sekundäres, es zähle nur, wie vorher der Fiduzalglaube die Glaubenswahrheiten entwertete, seine Person und nicht die zeitgeschichtlich bedingten Vorstellungen über ihn.

Genau genommen hat Jesus nichts gelehrt, er ist einfach das „Du“, das mir begegnet, das mich anspricht und so mich im Angesprochensein durch dies Du zu mich werden läßt. Es „bubert“ dann in den Predigten und theologischen Traktaten, alles wirkliche Leben sei Begegnung, so Martin Buber, durch sie würden wir erst zu Ichen usw....So entledigt sich diese Theologie aller dogmatischen Aussagen über Jesus und beraubt ihn auch noch seines Lehramtes. Er lehrte nichts. Er soll nur in seiner persönlichen Zuwendung Gottes unbedingte Liebe zu jedermann erfahren lassen.Das Erleben dieser Erfahrung soll nun den Kern des christlichen Glaubens ausmachen.Was Jesus lehrte, das sei ja auch für uns Heutigen völlig inakzeptabel, daß das Reich Gottes in Bälde käme, wie wir zu leben hätten, um in es aufgenommen zu werden, seine Differenzen zu den pharisäischen Lehren. Daß er gar noch an den Teufel glaubte und Daimonen austrieb und Wunder wirkte, das sind doch auch nur Abstrusitäten der einstigen voraufklärerischen Weltsicht.

Für uns kann von all dem nur die Person, die Persönlichkeit Jesu übrigbleiben, die immer wieder Menschen anzöge und für sich gewönne. Wie soll dann aber das Besondere, Jesus einzigartig Auszeichnende bestimmt werden, wenn all das dazu dogmatisch Gelehrte nur Hervorbringungen zeitgeschichtlich bedingter Denkens sind? Da kann dann nur noch eine Antwort gegeben werden: Nur in der persönlichen Begegnung erschösse sich die Bedeutung der Person Jesu. Alle Lehre verobjektiviere und entstelle so dies rein persönliche Verhältnis. Begann dieser Destruktionsweg mit der Entwertung aller Glaubensaussagen zugunsten des Evangeliumes des Kreuzestodes Jesu für uns, so destruiert die Rede von der persönlichen Begegnung nun auch noch dies Evangelium und läßt nichts übrig als das „Du“ Jesu, daß mir begegnet und mich Ich werden läßt durch sein: „Du!“, sein mich Ansprechen.

Die Liebe Gottes reduziert sich dann dabei auf die Zuwendung Jesu zu uns Menschen in der persönlichen Begegnung mit uns. Soziologisch analysiert läßt sich der Sitz im Leben dieser Begegnungstheologie leicht bestimmen: Es ist der Einzelne in seiner faktischen Bedeutungslosigkeit in der Massengesellschaft, der sich durch so einen „Du-Anruf“ herausgeholt fühlt aus dieser Bedeutungslosigkeit. Dazu wird Jesus Christus auf so eine Ich-Du-Begegnung reduziert, auf die Affirmation des in der Massengesellschaft entwerteten Individuumes. Deswegen reduziert sich die Nachfolgepraxis ja auch darauf, seine Mitmenschen auch so anzusprechen und darin zu bejahen.



Mittwoch, 13. November 2024

Ein schwarzer Tag der Kirche - Kath de bejubelt ihn- Die Entpapstung des Papstamtes

 

Ein schwarzer Tag der Kirche – Kath de bejubelt ihn!

Vor 60 Jahren verzichtete Papst Paul VI. auf die Tiara“ jubelliert Kath de am 13.11.2024! Diese Papstkrone war ja auch etwas Grauenhaftes: "Empfange die mit drei Kronen geschmückte Tiara und wisse, dass du der Vater aller Fürsten und Könige bist, der Regierer der Welt und Stellvertreter unseres Herrn Jesus Christus auf Erden", sagte der Kardinaldiakon dem Neugewählten bei der Thronbesteigung. Wobei die drei Kronringe für das Lehramt, das Priesteramt und das Hirtenamt des Papstes stehen sollten.“

Das Papstamt soll nicht mehr sein, was es ist. Die drei Ämterlehre, das des Lehrens, das des Priesters und das des Hirten bezog sich ursprüglich auf Jesus Christus und wurde dann auf das Papstamt übertragen, denn der Sohn Gottes gibt dem Papstamt einen Anteil an seinen drei Ämtern. Da Jesus Christus der Regierer der Welt ist, hat auch die Kirche über den weltlichen Regieren zu stehen, wie eben auch die offenbarten Wahrheiten über denen der Vernunft stehen. Der Vorstellung einer autonomen Vernunft, die sich selbst genügend ausreiche, um das Leben auf Erden zu gestalten, widerstreitet die Tiara. In dieser Papstkrone symbolisiert sich das katholische Verständnis der Beziehung der Vernunft zur übervernünftigen Offenbarung, der Beziehung zwischen den endlichen Zielen menschlichen Handelns und der ewigen Ziele. Katholisch zu denken, heißt in Hierarchien zu denken:Das Seiende ist hierarisch geordnet als näher und ähnlicher und als ferner und unähnlicher zu Gott seiend. Dem entspricht das Verhältnis der Kirche zur Welt und auch der innere Aufbau der Kirche. Das Kirchenvolk wie auch die Völker der Welt bedürfen des Lehramtes der Kirche, denn in der Kirche ist die offenbarte Wahrheit kraft des Heiligen Geistes präsent in der Gestalt der Lehre der Kirche. Die zu lehren, ist deshalb die vornehmste Aufgabe der Kirche.

Gern wird nun von modernistischen Theologen überlesen, daß Jesus Christus selbst das Hirtenamt Petrus und damit auch allen ihm Nachfolgenden übertragen hat. Als noch skandalöser dürfte dann wohl noch das Priesteramt des Papstes empfunden werden, stößt doch Luthers revolutionärer Einfall, in dem Gottesdienst dürfen wir Christen Gott kein Opfer mehr darbringen, auf Zustimmung auch unter Katholiken. Die Tiara widerstreitet dem unübersehbar: Das Kirchenvolk und die Völker bedürfen es, belehrt und gehütet zu werden, aber die Welt bedarf insbesondere des Opferdienstes der Kirche. Schon die Heiden, auch die gebildeten Griechen und Römer wußten es bereits, daß es keinem Gemeinwesen gut gehen kann, wenn den Göttern bzw dem einen Gott die ihnen geziehmenden Opfer nicht dargebracht werden. Die heidnischen Religionen erzogen so die Völker auf die wahre Religion hin, aber das zeitgenössische Christentum fällt sogar unter das Niveau der heidnischen Religionen in seiner Verachtung des Gottesdienstkultes mit seines Opferdienstes.

Die Französische Revolution war der erste große politische Aufstand gegen die Tiara, daß nun die Politik sich ganz von der Offenbarung Gottes und der Kirche emanzipieren wolle, um nur noch vernünftig das politische und soziale Leben zu gestalten. Diese sich von der Kirche emanzipierende Vernunft brauchte dann aber die Guillotine, um ihre Vernunftherrschaft zu realisieren. Es drängt sich so der Verdacht auf, daß die die Offenbarungswahrheiten verwerfende Vernunft selbst an sich unvernünftig wird, indem sie nun des Terrors bedarf für ihre Herrschaft.

Mit dem Untergang der letzten bedeutsamen christlichen Monarchien, der Rußlands,Österreichs und Deutschlands im Gefolge des 1.Weltkrieges ging endgültig die Konstantinische Epoche zugrunde, deren Symbol die Tiarakrone war. Das Großprojekt der Verchristlichung der Welt fand darin ihr Ende und seit dem kämpft die Welt um die Verweltlichung der Kirche, um sie sich gleichförmig zu machen. Der Selbstverzicht auf die Tiara zeigt an, wie erfolgreich dieser Kampf schon damals für die Welt verlaufen war. Der sich selbst regieren wollende und auch könnende Mensch bedarf keiner Kirche und schon gar nicht des Papstamtes. Ja der mündige Christ, angehoben mit Luthers Aufstand gegen das Papstamt will auch kein Papstamt mehr über sich haben. Der Revolutionsgeist der Rotte Korach existierte immer in der Kirche, aber mit dem Ende der Konstantinischen Epoche wurde er zum beherrschenden zumindest in der Kirche Deutschlandes. So jubelt eben Kath de über diese Selbstdemontage der Kirche, als ein Papst selbst die Papstkrone verwarf. 

Vgl zu der Beziehung von der Vernunft, die sich von Gott emanzipiert und der Guillotine Maurice Merleau -Ponty Apologie des stalinistischen Terrors: "Humanismus und Terror" 

Samstag, 27. Juli 2024

Zum aktuellen Kirchenkampf von Kath de:„Theologe Wintzek: Reliquienverehrung ist aus der Zeit gefallen“

 

Zum aktuellen Kirchenkampf von Kath de:„Theologe Wintzek: Reliquienverehrung ist aus der Zeit gefallen“



Bei Carlo Acutis werde "unter hippem Gewand etwas Reaktionäres" inszeniert“, so kämpferisch gibt sich der „Theologe“ Prof. Wintzek am 26.7.2024 auf Kath de. Es gilt, die Aufklärung, die Vernunft und die Politische Korrektheit gegen die Katholische Kirche zu verteidigen bzw in ihrem Namen diese obskurantistische Organisation zu bekämpfen. Grauenhaftes ereignet sich ja auch im Lande der Aufklärung: Ein Teil des Herzens Carlo Acutis reist als Reliqui durch Deutschland und wird gar ganz im katholischen Geiste verehrt: Praktizierte Reliquinenfrömmigkeit und das Allergrauenhafteste: Das kommt an!

Dieser Professor nimmt nun den Kampf auf gegen den katholischen Obskurantismus:“Der katholische Theologe Oliver Wintzek hält die Verehrung menschlicher Überreste als Reliquien für anachronistisch. Dass derzeit ein Teil des Herzens des sogenannten Internet-Apostels Carlo Acutis durch Deutschland toure, scheine doch sehr aus der Zeit gefallen und auch makaber, sagte Wintzek dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe Menschen, die das anspreche und die sich davon emotional berühren ließen. Aber für Menschen mit kritisch aufgeklärtem Geist mute diese Verehrung seltsam an. Man müsse unterscheiden zwischen der Verehrung von Heiligen als inspirierende Vorbilder und der Verehrung von Reliquien. „

Als wichtigstes Kriterium der Theologie benennt dieser „Theologe“ die Zeitgemäßheit. Ein geradezu naiver Fortschrittsglaube manifestiert sich darin, daß eben alles Traditionelle, weil es etwas aus der Vergangenheit sei, seine Gültigkeit für heute verloren habe, wie auch alles Jetzige morgen zu einer Unwahrheit geworden sei. Die Theologie der Reliquienverehrung sei einfach unwahr, weil sie nicht modern sei.

Es existieren nun aber leider Zeitgenossen, denen dies Unzeitgemäße gefalle. Die gilt es nun zu diffamieren: Sie seien nur emotionale Menschen, wohingegen kritisch aufgeklärte Geister diese Frömmigkeit ablehnen. Dann aber greift dieser „Theologe“ tief in das Archiv protestantischer Polemik wider die katholische Heiligenverehrung, indem er aus ihr zitiert: Heilige dürften nur als moralische Vorbilder fungieren. So polemisierte schon Luther und alle ihm Folgenden. Besonders originell ist diese Position nun wirklich nicht, paßt aber gut zum aufklärerischen Verständnis der Religion im 18 und 19. Jahrhundert, daß der Zweck der Religion die Sittlichkeit sei. Ein bißchen Aufklärungsnostalgie kann ja nicht schaden, besonders seit dem der deutsche „Avantgardetheologe“ Striet mit Entsetzen feststellt, daß der Philosoph Kant noch nicht von der Kirche heilig gesprochen worden sei!

Aber wenn unter der Religion sowieso nur die Hebung und Förderung der allgemeinen Sittlichkeit verstanden wird, muß ja jeder Art von religiösem Kult, wie es der große Kultkritiker Kant schon auf den Punkt gebracht hatte, ein abergläubischer Afterdienst sein. (Vgl: Kant: Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft.) Weiter führt er dann aus: "die Postmoderne inszeniert hier unter hippem Gewand etwas Reaktionäres". "Es geht um eine Frömmigkeit, die an eine vermeintlich gute Zeit des Katholischen, wo noch alles klar und geregelt war, andocken möchte." Hier schließt er sich wohl der wohlbekannten Schelte des letzten sich der Aufklärungsphilosophie noch verbunden meinenden Starphilosophen Habermas in seiner Diffamierung der Postmoderne als eines reaktionären Rückfalles an. Es gelte nun, die Aufklärung gegen deren postmoderner Kritik zu verteidigen. Als reaktionär wird dabei jede Kritk an den Fortschrittsglauben denunziert. Niveauvoll entfaltet findet man das in „Postmoderne – Strategien des Vergessens“ des Ernst Bloch Verehrers Burghart Schmitt: die postmodernen Philosophen gäben das Projekt der Vernünftigmachnung der Welt leichthin auf!

Dieser Professor sieht eben seine Berufung isb in dem Kampf wider alle popularistischen Bestrebungen. Darunter subsumiert er auch, daß die Kirche durch diese Revitalisierung der ureigensten katholischen Frömmigkeitspraxis sich den Anliegen der Postmoderne zu sehr öffne, statt dogmatisch an der Aufklärung festzuhalten.

Wenn nun wer neugierig geworden sich frägt, was denn nun als die Alternative zu einem Eingehen auf die Postmoderne dieser „Theologe“ vorschlägt, wird aber enttäuscht, denn ihm fällt nichts Originelleres ein als daß die Zukunft der Kirche im Ja zum Homosex, zum Frauenpriestertum und in der Verdemokratisierung der Kirche bestünde. Aber er hat denn doch noch Tiefschürfenderes anzubieten. Kath de publizierte seinen Angriff auf die Fundamente der Katholischen Kirche am 28.11.2021: „Fundamentaltheologe: Kirche ist Gefangene des eigenen Systems“: „Offenbarung als übernatürliches Wissen, unfehlbares Lehramt? Für den Fundamentalthologen Oliver Wintzek entstammen diese Vorstellungen einer Neuerfindung des Katholizismus des 19. Jahrhunderts – mit problematischen Auswirkungen bis heute.“

Es ist wohl zu vermuten, daß diesem „Theologen“ in seinen Archivrecherchen die Priesterbetrugstheorie noch entgangen ist, daß die Priester Gott einfach erfunden hätten, um das (Kirchen)Volk auszubeuten. Das wäre doch der Gipfel aufklärerischer Kirchenkritik und entzöge so endgültig der Kirche ihr Fundament. Aber dieser „Theologe“ begnügt sich mit der Behauptung, die Katholische Kirche sei eine Erfindung des 19.Jahrhundertes, deren abscheulichste Ausgeburt das 1. Vaticanum gewesen sei und daß es so nun gälte, sie vollständig zu entkatholisieren indem sie sich verprotestantisiere im Geiste der Aufklärung des 18.Jahrhundertes. Und sie habe gegen das gegenwärtige Denken, das der Postmoderne zu kämpfen als der Nachlaßverwalter der Aufklärung, um das Projekt der Moderne, das der Weltoptimierung zu bewahren!

Corollarium

Zu dem Substantiellem der christlichen Religion gehört der Glaube, daß Gott Heil nicht nur unmittelbar wie durch ein Wunder sondern auch vermittels von Zweitursachen wirken kann, daß dabei die Mittel etwas wirken,was nicht in ihrem natürlichen Vermögen liegt und das auch somit der vernünftigen Erkenntnis entzogen ist, denn die kann nur das natürliche Vermögen von etwas erkennen. Eine Reliquie kann deshalb nur durch Gott dazu befähigt werden, Heil zu vermitteln, wie durch die Berührung des Gewandes von Jesus Christus die blutflüssige Frau geheilt wurde, indem die Heilkraft Jesu durch sein Gewand auf sie einwirkte, da sie diese glaubend an diese Heilskraft aufnahm. Das Gewand fungierte hier so als eine Zweitursache, durch die der Heiland selbst das Heil vermittelte und die Frau sie aufnehmen konnte, da sie an die in dem Gewand nun innewohnenden Heilskraft glaubte, die es nicht aus sich hat sondern nur durch den Heiland besitzt. Da das Bewirken von Heil, das das natürliche Vermögen einer Zweitusache übersteigt, der Vernunfterkenntnis übersteigt, gilt ihr das als widervernünftig statt als übervernünftig. Aber vielleicht wäre es sinnvoller, dies limitierte Denken als das Verstandesdenken zu bezeichnen in seiner Differenz zur Vernunft.


Merke:

Fundamentaltheologie heißt die Disziplin der Theologie,deren Hauptaufgabe in der Destruktion der Grundlagen der Theologie und der Kirche besteht.





Freitag, 14. Juni 2024

„Sündige tapfer“: ein Ausweg aus Dilemmasituationen, in denen wir, egal was wir tuen, immer sündigen? Wider einen Moraloptimismus!

 

Sündige tapfer“: ein Ausweg aus Dilemmasituationen, in denen wir, egal was wir tuen, immer sündigen?



Eigentlich dürfte es solche Dilemmasituationen nicht geben, denn es müßte doch in jeder Lage für einen Christen zumindest eine Option geben, nicht zu sündigen. Wie könnte denn auch einem Christen sein Tuen oder Unterlassen als eine Sünde angerechnet werden, wenn er urteilen könnte: Es war mir da nicht möglich, nicht zu sündigen?

Ein Beispiel für so eine Dilemmasituation: Nehmen wir an, in einem islamischen Land soll ein Christ zu Tode verurteilt werden, da er gesagt hat, daß Mohammed kein Prophet Gottes sei und es gäbe nur eine Möglichkeit, ihm vor der Hinrichtung zu bewahren, nämlich durch einen Meineid. Dürfte nun ein Christ einen Meineid leisten, um so den Mitchristen vor seiner Hinrichtung bewahren, wenn dies die einzige Möglichkeit wäre, ihm das Leben zu retten?

Leistete ein Christ diesen Meineid, sündigte er, ja der Meineid ist ein „malum in se“, das ist eine Handlung, die immer ein Übel ist und durch keinen noch so guten Zweck legitimierbar ist. Leistete er ihn nicht, verstieße er gegen das Gebot der Nächstenliebe, indem er nicht verhinderte, daß ein Unschuldiger zu Tode verurteilt wird obschon er diese Verurteilung hätte verhindern können. Für welche Option er sich auch entscheiden mag, immer wird er sündigen und er muß eine Entscheidung treffen, da es für ihn nur zwei Handlungsmöglichkeiten gibt: einen Meineid zu schwören oder nicht zu schwören, zwischen denen er seine Wahl so treffen muß.

Sündige tapfer, doch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.“ schrieb Luther an seinen Freund Melanchthon. (Zitiert nach:https://beruhmte-zitate.de/zitate/123414-martin-luther-sundige-tapfer-doch-tapferer-glaube-und-freue-dic/) Könnte diese Lutherdevise in so gearteten Dilemmasituationen eine Hilfe sein? Damit würde ernstgenommen, daß in einer so gearteten Dilemmasitution es keine Möglichkeit gibt, aus ihr herauszukommen, ohne selbst dabei zu sündigen. Es muß nun aber eine Entscheidung getroffen werden, die Möglichkeit eines Verharrens in einer Unentschiedenheit existiert nicht. Wenn die Entscheidung keine Willkürwahl sein soll, müßten Gründe angegeben werden können, daß die eine der anderen Option gegenüber vorzuziehen sei, das müßten moraltheologische oder moralphilosophische sein und doch gilt, daß, was auch immer zu tuen oder zu lassen gewählt wird, der Christ da sündigen wird. Das lutherische „tapfer“ wäre dann auf das Anerkennen dieser Auswegosigkeit zu beziehen, daß der Christ dann trotzdem sich für eine der Optionen entscheidet und er kann es dann nach Luther ob des Vertrauens auf Jesus Christus, der bereit ist, uns unsere Sünden zu vergeben.

Der Begriff des Tragischen wäre für sogeartete Dilemmasituationen wohl der angemessene. Es muß eine Entscheidung für eine Handlungsoption gewählt werden, obgleich welche auch immer erwählt wird, gesündigt werden wird. Und doch ist dann eine moraltheologisch begründete zu treffen und somit wird eine Willkürentscheidung ausgeschlossen. Damit der Christ in so einer Lage entscheidungsfähig wird, könnte er auf dies Luthervotum vertrauen, um dann das, wozu er sich entschieden hat, auch durchzuführen. Der Meineid müßte ja, damit er erfolgreich vollzogen wird, so vollzogen werden, daß dem Gericht kein Zweifel entsteht, daß der Eid ehrlich gemeint ist. Das verlangt eben eine Tapferkeit im Meineidleisten.

Donnerstag, 9. Mai 2024

Den Gottesdienst abschaffen, es kommt ja keiner mehr!

 

Den Gottesdienst abschaffen, es kommt ja keiner mehr!


Eine Kirchenreformavantgardisten bringt es auf den Punkt: "Er ist ein Relikt vergangener Zeiten". Pfarrerin fordert Abschaffung des Sonntagsgottesdienstes“. Kath de berichtet davon am 8.5.2024. Da nun mit fast 100 prozentiger Sicherheit fast alles, was reformorientierte Kräfte der EKD erwägen, neu aufgebrüht mit einiger Verzögerung der katholischen Öffentlichkeit als Überwindung des Reformstaues angepriesen wird, wissen wir nun, was auf uns zukommen wird. Wir schaffen einfach die Gottesdienste ab!

So urteilt diese evangelische Pfarrerin: "Es stellt sich also die Frage, ob man damit – um der wenigen und Älteren willen – kleinlaut weitermachen sollte, bis keiner mehr kommt", schreibt Jacobs, die nun Pfarrerin bei der Diakonie in Hildesheim ist. Dabei fragt sie, ob es nicht würdevoller wäre, einen "beherzten Schlussstrich zu ziehen und damit Zeit und Energie freizusetzen, die Kirchen so dringend brauchen".

Sie steht damit nicht allein. Die evangelische rheinische Landeskirche hat schon offiziell die faktische Bedeutungslosigkeit des Sonntagsgottesdienstes anerkannt. In der „Welt“ vom 22.2.2024 konnte man dazu in dem Kommentar: „Der evangelischen Kirche ist bald nichts mehr heilig“: „Die Landeskirche im Rheinland verabschiedet sich vom Sonntagsgottesdienst. Eigentlich müsste das ein Beben auslösen, doch die religiöse Indifferenz hat die Protestanten längst selbst erfasst. Vor lauter Sorge, den Anschluss an die moderne Gesellschaft zu verpassen, gibt sie ihren Glauben preis.“

Es soll nun thesenartig eine Rekonstruktion der Genese der Forderung nach der Abschaffung der Gottesdienste versucht werden.

Erstens: In der Theologie wird Gott so sehr als „vollkommen“ gedacht,als sich selbst allein genügend, daß nicht mehr erklärbar ist, warum für Gott Gottesdienste vollzogen werden. Die ursprüngliche Bedeutung des Gottesdienstes, daß da Menschen kultisch Gott dienen, kann so theologisch nicht mehr begriffen werden.

Zweitens: Das führt zu einem anthropozentristischen Gottesdienstverständnis, daß da Gott den Menschen diene, daß dann umgeformt wird zu,daß Pfarrer durch ihre Predigt und die Spendung der Gemeinde dienen, Gott also nur noch in der Predigt und den Sakramenten irgendwie vorkommt.

Drittens: Der Gottesdienst dient so allein den in ihr Anwesenden. Jetzt stellt sich die Frage der Aufwand-Nutzen-Relation:Lohnt sich der für die Durchführung aufgewandte Aufwand angesichts des Nutzens? Um den Nutzen quantifizieren zu können, wird die Anzahl der Gottesdienstbesucher gezählt und in eine Relation gesetzt zu der Quantität des Aufwandes. Das Auszählergebnis fällt für diese Pfarrerin eindeutig aus: Es lohne sich nicht, die Gottesdienste seien eine reine Ressourcenverschwendung.

Im Protestantismus konnte dieser Irrweg problemlos beschritten werden, weil Luther das kirchliche Meßopfer abgeschafft hat, das nun mal das Zentrum des christlichen Gottesdienstes,Gottesdienst im ursprünglichen Sinne begriffen, das Meßopfer ist.Ursprünglich gab es im „Alten Bund“ nur den einen Tempelopferkult zu Jerusalem und ihn vorbereitende kultische Opfer,bevor der Jerusalemer Tempel erreichtet worden war. Als das jüdische Volk im Babylon exiliert war, durfte es da keinen Tempel errichten und konnte Gott da keine Gott wohlgefälligen Opfer darbringen. Der Synagogengottesdienst stellt so ein Surrogat für den Tempelkult dar mit der Primäraufgabe der Belehrung der Gemeinde, ursprünglich: Warum Gott uns strafte, exilierte und wie wir nun zu Gott wieder umkehren müssen. Diese Dualität gab es bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels 70 n.Chr. Dann konstituierte sich die jüdische Religion, die nur noch den Synagogengottesdienst kennt. Das Christentum entwickelte eine Gottesdienstform als die Einheit des Wortgottesdienstes und des Meßopfergottesdienstes. Luther destruierte nun diese Einheit, indem für ihn allein der Wortgottesdienst, dessen Ursprung die Synagoge ist.

Damit ist die Tendenz mitgesetzt, den Gottesdienst rein anthropozentristisch zu verstehen. Wenn nun aber so wenige Menschen diese Dienstleistung für sich in Anspruch nehmen, warum soll sie dann noch erbracht werden? Fernsehsender streichen selbstverständlich Sendungen, wenn zu wenige sie anschauen, wenn die Einschaltquote nicht stimmt. Und so solle nun die evangelische Kirche mit ihrem unbeliebten Programmangebot des Gottesdienstes auch verfahren.

Zur Information:Der Stanspunktkommentar von Kath de am 10.5.2024 meldet: "Knapp sechs Prozent der Katholiken und etwa zwei Prozent der Protestanten besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst." 

Zusatz:

In Genf soll sich dies ereignet haben: Ein Bauer sprach zu dem Reformator Calvin: "Die neue Lehre habe ich verstanden, ich weiß nun, was ich als Evangelischer zu glauben habe und wie ich mein Leben führen soll. Da brauche ich doch nicht mehr zum Gottesdienst zu kommen!" Calvin wußte sich da nicht anders zu helfen, als den Nichtbesuch des Gottesdienstes unter Strafe zu stellen.