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Montag, 29. Dezember 2025

Der „Relativismus als Voraussetzung der Demokratie“ Kardinal Ratzinger

 

Der „Relativismus als Voraussetzung der Demokratie“1



„Die relativistische Theorie“ wird hier so charkterisiert: Für sie könne das Verhältnis zwischen der Religion und der Demokratie nur ein negatives sein: „Das Christentum im Besonderen lehrt absolute Wahrheiten und Werte und steht damit in strikten Gegensatz zur notwendigen Skepsis der relativistischen Demokratie.“ 2Die Demokratie stünde für die Autonomie des Menschen, die Religion für die Fremdbestimmung des Menschen durch Gott. „Das bedeutet auch,dass der Kernpunkt der Demokratie die Freiheit ist und nicht das Gute,das schon wieder als freiheitsgefährdend erscheint.“3

Was das Gute sei, weiß die Demokratie nicht substantialiter sondern in ihr gilt das als wahr, was durch Mehrheitsentscheide dazu bestimmt wird. Wenn das Verfahren demokratisch ist, dann gilt, egal was dann als wahr bestimmt worden ist, als wahr, aber immer nur unter dem Vorbehalt, daß jede demokratisch gefaßte Entscheidung wider revozierbar sei. Würde stattdessen a priori erkannt sein, was das Gute substantialiter wäre, könnte die Wahrheit nicht mehr demokratisch hervorgebracht werden. Der pure Formalismus der Demokrartie verbietet so jede materiale Bestimmung des Guten.Als der enzigste Maßstab des Rechtes könne so nur das gelten, „was als Mehrheitsünerzeugung unter den Bürgern verbreitet ist. Eine andere Philosophie, eine andere Quelle des Rechts stehe der Demokratie nicht zur Verfügung.“4 .

Das darin enthaltende Problem ist offenkundig: Wenn zwei Wölfe und ein Lamm darüber entscheiden, was es zum Sonntag zu essen geben wird, dann ist die Entscheidung: „ein Lammbraten“ legitim, wenn die Entscheidung formal richtig demokrtisch beschlossen worden ist.

Der Kardinal verweist nun aber zuvörderst auf die scheinbare Evidenz der Demokratie: „Der Gedanke, in der Demokratie könne nur die Mehrheit entscheiden und Rechtsquelle könnten nur die mehrheitsfähigen Überzeugungen der Bürger sein, hat zweifellos etwas Bestechendes an sich. Denn wann immer man etwas nicht von der Mehrheit Gewolltes und Entschiedenes für die Mehrheit verbindlich macht,scheint eben die Mehrheit ihre Freiheit agesprochen und damit das Wesen der Demokratie verneint zu sein.Jede andere Theorie scheint einen Dogmatismus zu unterstellen, der die Selbstbestimmung unterläuft und damit Entmündigung der Bürger,Herrschaft von Unfreiheit wird.“5.

Die Freiheit wird hier als das Vermögen und das Recht verstanden, selbst betimmen zu können, was als wahr zu gelten habe mit der Einschränkung, daß jede einmal gefaßte Dezision wieder revoziert werden kann: Was heute als wahr gilt, kann so morgen schon nicht mehr als wahr gelten werden.Der Relativismus gehörte so zur Conditio sine non der Demokratie.

Theologisch ist dieses Verständnis das der Freiheit Gottes, daß er souverän entscheidet, was wahr, gut und schön ist als eine reine Dezision, denn erst die Setzung dieser drei metaphysischen Ordnungen ermöglicht Begründungen für etwas, ob es dem Wahren.dem Guten, und dem Schönen entspricht oder nicht.Die theoretische, praktische und ästhetsche Vernunft korreliert dabei diesen drei von Gott geetzten Ordnungen. Seinen Geschöpfen, den Engeln und den Menschen liegt diese Ordnung vor, sie ist eben nicht ein Hervorbringungsprodukt seiner Geschöpfe. Genau dieser Gedankengang wird nun als der Demokratie unzuträglich verurteilt. Der Mensch tritt nun an Gottes Stelle, indem er nun souverän selbst entscheidet, was das Wahre,Gute und Schöne sei.

Ideengeschichtlich blühte das Konzept des Naturrechtes nach 1945 wieder auf, um im Namen eines überpositiven Rechtes die Verbrechen des Nationalsozialismus verurteilen zu können, obgleich die Täter, nicht nur Eichmann versicherten, doch nichts anders getan zu haben, als das damals geltende Recht zu befolgen. Was damals Recht war könne doch nicht rückwirkend zum Unrecht erklärt werden, daß also gegen Geetze verstoßen worden sei, deren Geltung erst nachträglich ihre Geltung verschaffen wurde.Es wurde so ein überzeitlich immer geltendes Recht in Anspruch genommen zu der Abwickelung der Kriegsverbrecherprozesse, das danach aber wieder ad acta gelegt wurde und zu einer Renaissance des Rechtspositiusmus führte: Recht ist nur das geltende Recht, das in Kraft geetzte und sonst nichts.

Kardinal Ratzinger frägt nun an, ob ein so rein formalistisches Verständnis des Rechtes für die Demokratie selbst zuträglich sei. Sein Argumentationsziel ist nun dies: „Das Ziel des Staates kann aber nicht in einer bloßen inhaltslosen Freiheit liegen: um eine sinnvolle und lebbare Ordnung des Miteinander zu begründen,braucht es ein Mindestmaß an Wahrheit,an Erkenntnis des Guten, die nicht manipulierbar ist.“ 6 „nicht manipulierbar“ heißt hier, nicht selbst wieder revidierbar. Nach dem liberalen Staatsverständnis hat jeder Bürger das Recht, und darin soll dann auch seine Freiheit bestehen, seinen persönlichen Leben selbst wie es ihm gefällt einen Sinn zu geben, eine für ihn lebbare Ordnung zu setzen. Das Mindestmaß der Ordnung ist dann nichts anderes, als daß jedem der individuelle Freiraum dazu gewährt wird, der nur die eine Grenze kennt, den Freiraum des Anderen zu respektieren und den eigenen respektiert zu bekommen. Gerade diese Inhaltslosigkeit mache so die Freiheit in einer bürgerlichen Gesellschaft aus, daß sie auf die Vorstellung eines sinnvollen Lebens für das Volk als Ganzes völlig verzichtet und nur egozentrische Bürger kennt, die nur den Egozentrismus aller anderen Bürger anerkent, um seinen eigenen anrtkannt zu bekommen.

Kardinal Ratzinger erweist sich in dieser Problemexponuerung als sehr hellsichtig: Was, wenn ganz demokratisch die Menschenrechte als das Fundament des heutigen Rechtsstaatsverständnisses teilweise oder gänzlich demokratisch außer Kraft gesetzt werden? Faktisch hat sich das schon in allen demokratisch regierten Ländern ereignet, indem die Tötung von Kindern im Mutterleibe unter bestimmten Einschränkungen erlaubt worden ist. Auch die Wiederbelebung der Frage der Erlaubbarkeit der Euthanisierung von unheilbar Kranken werden wir jetzt angesichts der steigenden Kosten des Gesundheitswesens in Deutschland erleben. Die Demokratie ist ob ihres puren Formalismus kein Garant für eine humane Gesellschaft, da die Humanität, vom Glauben an Gott sich emanzipiert habend, selbst dieses Fundament ihrer Humamität aufgelöst hat. Wo der Mensch nur noch als ein höher entwickeltes Tier gilt, drängt sich die Frage eben auf, ob man den wirklich die Menschen anders als die Tiere z

1Kardinal Joseph Ratzinger; Was ist Wahrheit? Die Bedeutung religiöser und sittlicher Werte in der pluralistischen Gesellschaft“, in: Werte in Zeiten des Umbrchs, 2005, S.49 -66-

2A.a,O. S.56.

3A.a.O- S-56.

4A,a,O.S.56.

5A.a.O.S.57.

6A,a,O. S.63.

Dienstag, 23. September 2025

„Gewissensmoral“ versus „Autoritätsmoral“ - die Streitfrage der Moraltheologie?

 

  „Gewissensmoral“ versus „Autoritätsmoral“ - die Streitfrage der Moraltheologie?1


So eröffnet Kardinal Ratzinger die Debatte um diese Causa: „Die Frage nach dem Gewissen, besonders im Bereich der katholischen Moraltheologie, zum Kernpunkt des Moralischen und seiner Erkenntnis geworden.“2 Ist das Gewissen die letzte bzw höchste Instanz,die mir sagt, was ich tuen darf oder was nicht oder existiert eine meinem Gewissen übergeordnete Instanz, die diese Frage letztlich beantwortet? Würde das Gewissen als die höchste Instanz behauptet,hieße das: „Wenn die Autorität, das heißt in diesem Fall das kirchliche Lehramt, in Dingen der Moral spricht,so könnte sie demnach dem Gewissen Material für seine eigene Urteilsbildung liefern,die aber doch das letzte Wort behalten müsse. Diese Letztinstanzlichkeit des Gewissens wird von manchen Autoren auf die Formel gebracht,das Gewissen sei unfehlbar.“3

Das heißt aber, daß es keine allgemeine Wahrheit in moraltheologischen Fragen geben kann, da letztinstanzlich immer nur mein Gewissen mir sagt, was ich zu tuen und zu lassen habe. „Denn die Gewissensurteile widersprechen sich;es gäbe also nur eine Wahrheit des Subjekts,die sich auf dessen Wahrhaftigkeit reduzieren würde.“4 Die These der Letztinstanzlichkeit des eigenen Gewissens bewahre dann die Freiheit des Christenmenschen gegen die heteronomen Autoritätsansprüche des Lehramtes der Kirche.

Soweit die Problemexplikation durch den späteren Papst Benedikt XVI,aber jeder heutige Leser wird ad hoc des Eindruckes sich nicht erwehren können, daß sich demgegenüber jetzt sich die Debattenlage deutlich verändert hat,denn erstens wird jetzt ein großer Teil der Morallehre der Kirche einfach als falsch verurteilt,isb die Ehe- und die Sexualmorallehre,sodaß sie deswegen nicht mehr als verbindlich beurteilt wird und zweitens,wenn etwa ein Katholik urteilte, daß er von seinem Gewissen her das Konzept der multiiethnischen Auflösung des eigenen Volkes nicht bejahe, dann wird er als „rechts“ diffamiert und sein Gewissensurteil als völlig inakzeptabel.

Aber trotzdem geistert das Theorem des Gewissens als der Letztinstanz in allen Fragen der Moral in dem moraltheologischen Diskurs.Das Hauptargument lautet dabei: „Im Blick auf die Gewissensqualität als solche gibt es keinen Sinn,vom Irrtum zu reden,weil dieser sich von keiner übergeordneten Warte aus feststellen läßt.“5

Der Kardinal zeigt nun mit dieser Anmerkung zu Hegel, „für den das Gewissen >als formelle Subjektivität ...auf dem Sprunge< ist,>ins Böse umzuschlagen.<“6 Hegel urteilt in dieser Causa in seiner Rechtsphilosophie so: „Das Gewissen ist daher diesem Urteil unterworfen,ob es wahrhaft ist oder nicht und seine Berufung nur nur auf sein Selbst ist unmittelbar dem entgegengesetzt,was es sein will,die Regel einer vernünftigen, an und für sich gültigen allgemeinen Handlungsweise.“7 Denn das „wahrhafte Gewissen ist die Gesinnung,das,was an und für sich gut ist,zu wollen; es hat daher feste Grundsätze,und zwar sind ihm diese die für sich objektiiven Bestimmungen und Pflichten.“8

Hegel erfaßt hier in der ihm eigenen Klarsichtigkeit,daß die Vorstellung von dem Gewissen als der höchsten Instanz in allen Fragen der Moral einen Selbstwiderspruch in sich birgt,daß nämlich dem Gewissen auch ein Inhalt zu eigen ist,das Wissen um das Zuwollende im Bereich der Moral, sodaß wo nur noch die Form des subjektiven Gewissens ist, die seinem eigenen Gehalt widerspricht. „Das Gewissen ist als diese Einheit des subjektiven Wissens und dessen,was an und für sich ist,ein Heiligtum“.9 Wenn aber das Gewissen sein ihm eigenes Wissen nicht weiß,und es nur noch formell subjektivistisch sein will, dann wird es zum Sprungbrett ins Böse.

Der Rechtsphilosoph Hegel zieht daraus eine klare Konsequenz: „Der Staat kann deswegen das Gewissen in seiner eigentümlichen Form, d i als subjektives Wissen nicht anerkennen,sowenig als in der Wissenschaft die subjektive Meinung ,die Versicherung und Berufung auf eine subjektive Meinung, eine Gültigkeit hat.“ 10

Wird also das subjektive Gewissen als die Letztinstanz des Moralischen behauptet, widerspricht es sich selbst, weil es so seinem objektiven Gehalt widerspricht. Im Sinne Hegels könnte das Reich des subjektiven Gewissens als der Bereich der Moralität bezeichnet werden, in dem das subjektive Gewissen im Widerstreit zu seinem objektiven Gehalt existiert, wobei dieser Widerspruch dann im Reich der Sittlichkeit aufgehoben wird,wo das subjektive Gewissen seinen objektiven Gehalt bejaht.

Für das philosophische Denken ist nun das Vernünftige nicht etwas der Freiheit Entgegengesetztes als wäre das Vernünftige eine heteronome autoritäre Bestimmung. Aber für das moraltheologische Denken sieht das anders aus, weil die Frage der Moraltheologie die ist: Wie habe ich zu leben,damit ich in das ewige Leben eingehen kann? Diese Frage kann nun das vernünftige Denken nicht aus sich selbst heraus respondieren,denn Gott selbst setzte ganz frei die Conditionen, wem er dann das ewige Leben gewähren will.Hier entscheidet allein die Autorität Gottes. So ist die Bedingung, wer glaubt und getauft ist, wird eingehen in das ewige Leben (Mk 16,16) durch kein vernünftiges Denken als die Eintrittsbedingungen erkennbar.

1Joseph Karinal Razinger, Wenn du den Frieden willst....Gewissen und Wahrheit, in:Werte in Zeiten des Umbruchs,2005, S.100.

2A.a.O. S.100.

3A.a.O. S.100.

4A.a.O. S.101.

5A.a,O. S.100f ,Fußnote 1.

6Wie Fußnote 5.

7Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts,§ 137.

8Wie Fußnote 7.

9Wie Fußnote 7.

10Wie Fußnote 7.

Montag, 22. September 2025

Die Dogmen des Freimaurertumes und der Katholische Glaube (Kardinal Ratzinger)

 

Die Dogmen des Freimaurertumes und der Katholische Glaube



Kardinal Joseph Ratzinger spricht in seinem Essay: „Was ist Wahrheit“ unter dem Verweis auf den katholischen Philosophen Maritain „von den freimaurerischen Dogmen des notwendigen Fortschritts,des anthropologischen Optimismus,der Vergötterung des Individuums“. 1 Das Anliegen Maritains ist es nun, ein für den Katholischen Glauben bejahbares Verständnis der Demokratie zu konstruieren,indem die Idee der Demokratie aus ihrem freimaurerisch dogmatischen Kontext herausemanzipiert werden soll.

Eines der Kernanliegen des Freimaurertumes könnte in dem Kampf gegen das Thron- und Altarbündnisses, dem Zentrum der Konstantinischen Epoche angesehen werden, sodaß als das Endziel eine bürgerliche Weltrepublik entstünde, in der die Kirche und alle Religionen, wenn sie dann noch existieren nur noch als eine Marginiale. Hier steht extra ein Konjunktiv dubitationis, denn ganz Gewisses kann über eine so geheime Organisation wie die der Freimaurer nicht ausgesagt werden, zumal die existierenden Gerüchte über einen Zusammenhang zwischen dem Templerorden und der Gründung der Freimaurerei noch Dunkleres und Verborgeneres vermuten lassen könnten. Ob die Behauptung, daß gar in dem Templerorden ein/der Behemoth verehrt wurde, wahr ist, wird wohl erst im göttlichen Endgericht endgültig geklärt werden.

Es ist aber zu fragen, ob das Konzept der Demokratie tatsächlich vollständig von diesen freimaurerischen Dogmen emanzipiert werden kann. Daß die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer Staatsform der Demokratie besser ist als das Herrschaftssystem der Konstantinischen Epoche, setzt das nicht voraus, daß das Nacheinander, daß nun die bürgerliche Gesellschaft an die Stelle der früheren tritt, eine Weiterentwickelung ist, daß darin also der Fortschritt sich manifestiert.

Eine auf den ersten Blick störende Ausschweifung zu dieser Causa

In dem Thomas Mann Roman: „Doktor Faustus“ finden sich tiefgründige Erwägungen und ein Durchdenken dessen, was die Musik und dann wohl auch die Kunst ist. Dabei wird von einer Unterscheidung „zwischen kultischen und kulturellen Epochen“ der Kunst gesschrieben, daß eine „Säkularisierung der Kunst,ihre Trennung vom Gottesdienst“ sich ereignet habe.2 Aber die habe ihr ihren Gehalt beraubt, so daß die „Säkularisierung“ „nur oberflächlichen und episodischen Charakter trage.“3



Was allgemein als ein Beispiel des Fortschrittes gedeutet wird, daß sich die Kunst aus ihrem ursprünglichen Eingebundensein in magische und kultische Praktiken emanzipiert hat, wird hier zu etwas Bezweifeltem, als ein Verlust gedeutet,sodaß die Frage aufgeworfen wird, ob und wie die Kunst sich neu wo wieder beheimaten könnte, da sie ihre ursprüngliche durch die Säkulariisation verlustig gegangen ist. ( Nebenbei: Der ganze Roman ist dieser Suchbewegung gewidmet!)

Die bürgerliche Demokrtie lebt von dem Pathos, daß die Politik, wenn sie sich ganz von allen Religiösem emanzipiert zu einer Tätigkeit der Vernunft wird. Das ist auch einer der Gründe, warum die jetzige Staatsregierung Israels zu heftig attackiert wird, weil in ihr jüdisch-religiöse Parteien Einfluß hätten und das schon allein als vernunftwidrig und demzufolge als extremistisch verurteilt wird. Es ist ja nun auch gerade das Anliegen des Kardinals und späteren Papstes Benedikt, darauf zu insistieren, daß die Demokratie eines Fundamentes moralischer Art bedarf, die der Staat nicht selbst hervorbringen kann. Aber genau das bildet das Zentrum des dogmatischen Optimismus, daß die menschliche Vernunft, befreit aus der Bevormundung durch die Kirche und der Religionen erst zu einer wahrhaft humanen Praxis befähigt.

Daß dasdaß Ordnungsprinzip der bürgerlichen Gesellschaft das Streben nach dem Eigenutz ist, das stellte nicht nur Karl Marx sondern schon Hegel fest in seiner immer noch bedenkenswerten Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, dem Hegel dann die Ordnung des Staates ges genüberstellt. Versimplifiziert könnte man den Staat im Sinne Hegels mit einem Dirigenten vergleichen, der so ein Orchester regiert, daß statt daß jeder nach seiner Lust, spielt wie es ihm gefällt, das Orchester auf ein gemeinsames Ziel hin geleitet wird, daß da staat einer Katzenmusik etwa eine Synphonie erklingt. Führt aber die Staatsform der Demokrtie eher dazu, daß der Staat sich von lobbyistischen Machtgruppen angeeignet wird, sodaß der Staat nicht mehr der erste Diener des Allgemeinwohles, des Staatsvolkes ist.

Den Menschenrechten und der Menschenwürde liegt ja primär die Idee, den Einzelnen vor eih nem übergriffigen Staat zu schützen, daß jeder sein Privatleben führen dürfe, aber es fehlt so die Ausrichtung auf das Allgemeinwohl. Der Bürger tritt hier nur als ein vernünftig egoistisch leben Wollender auf, der stets seine Freiheit durch die Freiheit des Anderen bedroht sieht, aber nicht als Zoon politicon, als von seiner Natur her auf ein soziales Leben Ausgerichteter.

Die „Vergötterung des Individuums“ manifestiert sich in den aktuellen politischen Debatten in dem Nein zu einem sozialen Pflichtjahr bzw dem Nein zur Wiedereinführung der Wehrdienstpflicht, denn wo wird deutlicher als da, daß der Einzelne eingebunden lebt in einer Gemeinschaft, die ihm viel gibt aber auch Anforderungen an ihn stellt, daß er Pflichten seiner Gemeinschaft gegenüber hat. Das andere Extrem zeigt die Debatte um dasß Asylrecht auf, daß hier ohne eine Rücksicht auf das Allgemeinwohl die unbegrenzte Aufnahme von „Flüchtlingen“ verlangt wird, daß also das vermeintliche Recht, daß jeder leben dürfe, wo es ihm gefalle, anerkannt wird zum Schaden des eigenen Volkes, sowohl des Aufnahmelandes wie dessen, aus denen deren Bürger so fliehen, ihre Pflichten ihrer Heimat gegenüber untreu werdend. Die Frucht einer „Vergötterung des Individuums“ ist nun mal der praktizierte Egoismus, durch den sich die bürgerliche Gesellschaft auszeichnet. Es ist so eine offene Frage, ob der demokratische Staat stark genug sein kann, sich seiner Usurpation durch Gruppenegoismen zu widersetzen.

Kardinal Ratzinger setzt dabei auf eine moralische Fundierung der bürgerlichen Gesellschaft, aber auch die muß dann auch staatlich unterstützt und gestärkt werden.

Man könnte sagen, daß die Freimaurerei mit dem Sturz der letzten großen christlichen Monarchien Europas, des zaristischen Rußlandes, und des deutschen und österreichischen Königsreiches am Ende des 1.Wetkrieges ihr Ziel der Zerstörung des Thron- und Altarbündnisses erreicht hatten und daß nun nach 1989 in ganz Europa die Demokratien blühen, aber ob das in jeder Hinsicht ein Fortschritt im Guten ist, da darf man wohl ein Fragezeichen setzen.

Man kann sich aber nicht des Eindruckes erwehren, daß die Kirche im „Geiste des 2.Vaticanums“ sich diese freimaurerischen Dogmen selbst zu eigen gemacht hat, sich selbst dabei als die Erlösungsreligion verleugnend. Denn wenn diese Freimaurerdogmen wahr wären, wäre jeder Erlöser und jede Erlösungsreligion völlig überflüssig!



1Joseph Kardinal Ratzinger, Was ist Wahrheit?, in: Werte in Zeiten des Umbruchs, 2005,S.59.

2Thomas Mann, Doktor Faustus VIII Kapitel.

3Thomas Mann, a.a.O.

Dienstag, 22. Juli 2025

Ein Retour zu der Tradition der Kirche? Das sei „abstoßend“!

 

Ein Retour zu der Tradition der Kirche? Das sei „abstoßend1“!

Die ganz dem Geiste des Modernismus verpflichtete Internetseite: Kath de kämpft nun weiter gegen die Tradition der Kirche und als der Manifestation allen Traditionalismus, gegen die „Alte Messe“. Nun erlitten die Kämpfer wider die „Tridentinische Messe“ eine herbe Niederlage, als nun Papst Franzikus Machinationen wider die „Alte Messe“ und gegen Papst Benedikts Anliegen, die „Alte Messe“ in die Kirche zu reintegrieren, offenkundig geworden worden sind. Da die Befragung der Bischöfe zu dieser Causa nicht das von ihm erwünschte Ergebnis erbrachte, daß die teilweise Zulassung der „Alten Messe“ der Kirche schade und so zu revozieren sei, verbot der Papst einfach die Veröffenlichung der Befragungsergebnisse und log stattdessen, daß er nur den Wunsch der befragten Bischöfe befolge, indem er nun weitestgehend die „Tridentinische Messe“ zu verbieten versuche.Als Jesuit hielt sich (auch?) hier an das Prinzip: „Der Zweck heiligt das Mittel“, daß eben im Kampf gegen die „Alte Messe“ und gegen die Tradition der Kirche alles erlaubt sei!2

Aber der Kampf wird weiter geführt. So lesen wir dann am 22.7.2025 auf Kath de3: „Der Religionssoziologe Detlef Pollack hält eine Rückkehr zu mehr religiöser Tradition für ein schlechtes Mittel gegen den Glaubensschwund in der Gesellschaft. "Für die Mehrheit wäre das eher abstoßend", sagte Pollack der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag), etwa mit Blick auf die "Alte Messe" in der katholischen Kirche. Es gebe eine gesamtgesellschaftliche Tendenz zu liberalen Werten .>Werten und Selbstbestimmung, zur Gleichberechtigung der Geschlechter und der Akzeptanz von Homosexualität. Wenn die Kirche nicht mit der Zeit geht, würde sie noch mehr Menschen verlieren und nur wenige gewinnen<, so der Leiter des Centrum für Religion und Moderne der Universität Münster.“

Ein Zurück zur „Alten Messe“ wirke abstoßend- aber für welche Mehrheit? Hätte er hier an die Mehrheit der Hauptamtlichen der Kirche gedacht, an die Professorenschaft Deutschlands, isb die Theologieprofessoren und an die politisch korrekten Medien, dann müßte man ihm uneingeschränkt zustimmen.Aber für die Behauptung, die Mehrheit der Kirchenmitglieder, oder die Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands lehnte die „Alte Messe“ ab, gibt es keine zuverlässigen Untersuchungsergebnisse! Die Postmoderne mit ihrer charakteristischen Tendenz zum Ästhetischen läßt eher eine Zustimmung zu einer Zulassung der „Alten Messe“ vermuten, zumal ja die Befürwortung einer Pluralität dem postmodernen Geiste mehr entspricht als das Verbot von Früherem, blos weil es nicht modern sei. Oder sollte etwa nach der Meinung dieses Religionssoziologen eine Mehr an Vielfalt dem liberalen Denken widersprechen?

Aber dieser Religionssoziologe weiß auch, für was sich die Kirche einzusetzen habe, um bei den Menschen der Moderne anzukommen: „Selbstbestimmung, zur Gleichberechtigung der Geschlechter und der Akzeptanz von Homosexualität.“ Welchen Bürgern Deutschlands sind das wohl die wichtigsten aktuellen Sorgen, daß angeblich Homosexuelle diskriminiert würden,daß Frauen in der Katholischen Kirche nicht Priester werden dürfen, das ist gemeint, wenn in kirchlichen Kreisen von der Glechberechtigung der Geschlechter geredet wird und daß Frauen immer noch die Kirche das Recht abspricht, selbstbestimmt ihre Kinder abtreiben, töten lassen zu dürfen?

Aber die Kirche müsse mit der Zeit gehen, sonst verlöre sie noch mehr Mitglieder. Es gibt nun in Deutschland die protestantische „Kirche“, der man alles vorwerfen kann, nur eines nicht, daß sie nicht beständig bemüht ist, dem Zeitgeist zu folgen und immer auf der Höhe (oder Tiefe) der Zeit zu sein. Sie macht somit genau das, was hier dieser Kath de Artikel empfieht und sie steht genauso schlecht, vielleicht sogar noch schlechter da.

Ein Religionssoziologe könnte ja nun auch mal, statt nur in seinen linksliberalen Milieu sich zu verbarrikadieren einen Blick in die weite Welt wagen. Dann sähe er etwas Unbegreifliches, daß nämlich bei allen großen Weltreligionen, der christlichen, der muslimischen, der jüdischen und der hinduistischen gerade die traditionalistischen, modernitätskritischen lebendig sind und wachsen, wohin die liberal Ausgerichteten der Weltreligionen eher stagnieren. Wer heute von einem lebendigen Hinduismus spricht, hat Indien vor Augen, in dem Hindufundamentalisten den Ton angeben und in Israel ist auch fast nur noch ein antiliberales Judentum lebendig. Daß die Renaissance des Islam sich seiner fundamentalistischen Kreise verdankt, ist unverkennbar. Wer nun von diesem Weltbild ermüdet zurückschaut auf die deutschen Lande: Im Protestantismus sind doch auch nur noch evangelicale, biblizistische Gemeinden lebendig! Je mehr eine Religion sich modernisieren will, mit dem Zeitgeist sich paart,der Zeitgeist scheint sehr unfruchtbar zu sein, desto unlebendiger wird sie!



1So urteilt der Religionssoziologe Pollack in dem Kath de Artikel des 22.7.2025: Pollack: Rückkehr zu Tradition schlechtes Mittel gegen Glaubensschwund,

2Der Kath info Artikel: „Die Unterlagen zum alten Ritus, die Franziskus verschwinden ließ“ vom 18.7.2025 bietet zu dieser Causa einen gediegenen Einblick.

3Siehe Fußnote 1.

Montag, 26. Mai 2025

War Papst Franziskus ein Pontifex maximus und sollte es Papst Leo XIV sein? Oder ein Beitrag zur Selbstsäkularisation der Kirche!

 

War Papst Franziskus ein Pontifex maximus und sollte es Papst Leo XIV sein? Oder ein Beitrag zur Selbstsäkularisation der Kirche!


Diese Frage ließe sich einfach respondieren, hielt man sich vor Augen, was denn dieser Titel, übersetzbar mit „oberster Brückenbauer“ bedeutet. Das Internetlexikon gibt uns in seinem Artikel: „Pontifex“ eine klare Auskunft: „Die Pontifices waren in einem Gremium, dem Collegium pontificum, zusammengefasst. Das Pontifikalkollegium war diejenige Behörde, die für die Wahrnehmung aller Zeremonien und Opfer nach dem patrius ritus zuständig war. Ihm fielen alle Aufgaben des regelmäßigen staatlichen Gottesdienstes zu, die nicht anderweitig besonders geordnet waren. Der Vorsteher des Kollegiums war der Pontifex Maximus.“

Es geht also um die Regulierung der öffenlichen Gottesdienste. Nicht ging es dabei um eine bureaukratische Reglemenierei, sondern man wußte, daß nur wenn die Opfer so den Göttern, wie sie es wollten, dargebracht werden, sie erhört werden würden. Der Pontifex sorgt also für den Brückenbau zwischen des Staates und den Göttern, da das Wohlergehen der Stadt oder des ganzen Römischen Reiches abhängig ist von dem Wohlwollen der Götter. Die Priester bringen dabei aber nicht nur den Göttern die ihnen geziehmenden Opfer dar und es war ebenso ihre Aufgabe, die Götter nach ihrem Willen zu befragen. Das Brückenbauen bezeichnet also die Vermitteleraufgabe des Priesters zwischen den Göttern und den Menschen und der Menschen zu den Göttern.

Nachdem die christliche Religion die Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, lag es auf der Hand, daß nun dem Papstamt diese Aufgabe des Pontifex maximus zuerkannt wurde.1 Als oberster Herr aller Priester, um es etwas nüchterner zu formulieren, kam und kommt ihm die Aufgabe der Sorge um den rechten Gottesdienst zu, daß die Messen so zelebriert werden, wie es dem dreieinigen Gott gefällt und er hat die Sorge dafür zu tragen, daß Gottes Wille, was er von uns wünscht, bekannt gemacht wird durch die Lehre und Verkündigung der Kirche.

Aber was steht nun in dem Pfarrblatt für den Pfarrverband Vilshofen,Aunkirchen und Sandbach in der Juni/September Ausgabe 2025 auf der zweiten Seite dazu? Papst Franziskus sei sicherlich ein Brückenbauer gewesen: „Er baute Brücken zu den Menschen über alle Kontinente,zu anderen Konfessionen,zu anderen Religionen, zu den Armen, zu den Kindern,ja bis hinein in die Gefängnisse zu den Inhaftierten und wusch ihnen am Gründonnerstag die Füße.“

Radicaler kann das Pontifex maximus Amt des Papstes nicht versäkularisiert werden. Seine Aufgabe der Regulierung des Kultes als eines Brückenbauens zwischen Gott und den Menschen und der Menschen zu Gott wird hier vollständig ausgeblendet. Das Brückenbauen soll nur noch eine Tätigkeit zur Bildung der Einheit der Menschheit sein. Für dies Einheitsstreben soll dann die Religion, wie halten die Menschen es mit ihr, völlig gleichgültig sein. Es gälte, alle Menschen, um es zeitgeistgemäß zu formulieren als eine einzige Geschwisterlichkeit zu feiern. Wir seien halt alle eins! Theologisch wird das dann mit der universalistischen Menschheitsliebe Jesu legitimiert. Jesus hieße „Jede und Jeden“ willkommen als von Gott Bejahte.

Daß Jesus Christus mit den Gefangenen um ihres christlichen Glaubens Eingekerkerte meint und nicht irgendwelche Verbrecher und daß er Schülern von ihm die Füße wusch mit der Begründung, daß sie schon rein wären und nur noch zur Reinigung der Fußwaschung bedürften, das vergaß hier nicht nur Papst Franziskus. Noch ärger ist nun, daß Jesus Christus am Gründonnerstag seine Apostel zu Priestern weihte und dadurch das Priesteramt in die Kirche einsetzte. Das wurde durch Papst Franziskus Gastspiele in den Gefängnissen völlig verdrängt. Eine Kirche ohne Priester, in der es auch keinen Pontifex maximus mehr geben könne, wurde so präfiguriert.

Daß Papst Franziskus dann faktisch kein Papst des Brückenbauens sondern einer der Konfrontation und Ausgrenzung war, übersieht dieser Pfarrbriefartikel dann auch noch völlig! Dieser Papst lebte aus einem klaren Feind - Freundbild heraus. Die Feinde, das waren ihm in allen Religionen die Fundamentalisten und Ewiggestrigen, die Reaktionäre und so bekämpfte er die auch in der Katholischen Kirche. Leidenschaftlich bekämpfte er dabei die Anhänger der „Alten Messe“, wobei er sich auch klar dem integralistischen Kurs von Papst Benedikt XVI widersetzte. Auch im politischen Raum setzte er klar auf einen Konfrontationskurs2: Linksgerichteten Regierungen gegenüber hegte er Sympathien,so kritisierte er die Regierung Nicaraguas mit keinem Wort wegen ihrer extremen Repressionspolitik der Kirche gegenüber während er Donald Trump ob seiner liberal conservativen Politik verdammte, isb da er illegal Eingewanderte repatriieren will. Das Projekt der neuen einen Weltordnung, zu der auch die wechselseitige Anerkennung aller Religionen als gleichgültig zählte, kann als das Kernanliegen dieses Papstes rekonstruiert werden. Mit einem Brückenbauen hat das aber nichts zu tuen, denn eine Brücke verbindet Verschiedenes als Verschiedenes, während die Eineweltkonzeption alle Differenzen verschwinden lassen will in einem großen Einerlei des: Wir sind alle gleich!

Hoffen wir also, daß Papst Leo XIV ein wirklicher Pontifex maximus sein wird und kein säkularisischer Welteinheitspropagandist, der dann noch alle sich dazu oppositionell Verhaltende ausgrenzt.




1Daß das Papstamt dieses ursprünglich in der heidnischen Religion mit ihrer Götterverehrung verankerte Amt des Pontifex maxismus übernehmen konnte, besagt aber auch Bedeutsames über das Verhältnis der christlichen Religion zu der heidnischen Roms.Die christliche Religion ist nicht einfach die reine Negation der heidnischen Religionen, denn sie bewahrt ihre Wahrheitsmomente, daß zur Religion und auch zur wahren der angemessene Kult gehört, in dem Gott die ihm wohlgefälligen Opfer darzubringen sind.

2Er enttäuschte dann aber fast alle, als er dem Konfrontationskurs gegen Rußland nicht klar zustimmte und stattdessen so viel von Frieden redete und von dem Primat einer diplomatischen Lösung.

Freitag, 27. Dezember 2024

Soll und kann die Kirche an dem Aufklärungsphilosophen Kant genesen?

 

Soll und kann die Kirche an dem Aufklärungsphilosophen Kant genesen?


Nicht nur der „Startheologe“ M.Striet empfiehlt der Kirche, sich neu zu fundieren und. um der Moderne kompatibel sich zu gestalten, auf der Philosophie Kants sich aufzuerbauen. Pater Recktenwald analysiert nun die Kantrezeption dieses Fundamentaltheologen mit dem Resultat, daß dieser „Kantianer“ dessen Philosophie völlig mißverstehe: Wenn schon Kant, dann ihn erstmal richtig verstehen! In dem „Tagespost“ Artikel: „Eine reine Vernunft gibt es nicht“. "Wider die Schließung der Vernunft" am 21.Dez.2024 untersucht er nun die Kompatibiliät der kantschen Philosophie mit dem Katholischen Glauben und empfiehlt dann verblüffenderweise die philosophische Schule der Phänomelogie als eine bessere Alternative.

„Das Anliegen der Transzendentalphilosophie ist legitim. Doch so genial ihre von Kant erstmals konsequent bedachte Fragestellung ist, so unübersehbar wird die Gefahr einer Sackgasse, in die die Entwertung der Erfahrung führen kann. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, meint Martin Buber. Begegnung ist Erfahrung. Wenn Buber recht hat, dann folgt aus dem Gesagten, dass die Philosophie sich vom wirklichen Leben so weit wie möglich zurückziehen muss, um zu sich selbst zu kommen. Diese Folgerung kulminiert in Kants Apotheose der „reinen Vernunft“: „rein“ bedeutet: rein von jeglicher Erfahrung. Lebenserfahrung zählt nicht. Das gilt auch für die moralische Vernunft: Eine „Metaphysik der Sitten“ ist die Erkenntnis der moralischen Prinzipien in ihrer „Reinigkeit“ aus bloßen Begriffen ohne Rückgriff auf Erfahrung. Die Erfahrungswelt ist für sie nur ein Anwendungsfeld, keine Erkenntnisquelle.“

Mit der Transzendentalphilosophie ist hier die kantsche Philosophie gemeint. In dem Satz: „Wenn Buber recht hat“, hat sich nun ein gravierender Fehler eingeschlichen, es müßte heißen: „Wenn Kant recht hat“. Daß Kant alle Erfahrung entwertet hätte, ist nun ein noch gravierendes Fehlurteil. Zur Veranschaulichung: Der Empirist Hume würde sagen: Wenn ich zwei Ereignisse sehe, daß ich in die Hände klatsche und daß ein Vogel davinfliegt und diese ursächlich verbinde in dem Urteil: „Weil ich in die Hände geklatscht habe, flog der Vogel davon“, dann ist das ein unbegründetes Urteil, weil die Kausalität nicht ein Bestandteil der Empirie ist, sondern nur meine subjektive Deutung der zwei Ereignisse. Kants Philosophie untersucht nun die Frage, warum das Urteil: „Weil ich in die Hände klatschte, flog der Vogel davon“ ein wahres Urteil ist. Es entsteht durch die Anwendung der Kategorie der Ursache. Diese ist nicht aus der Erfahrung gewonnen, sondern eine Hervorbringung der theoretischen Vernunft. Sie bringt diese Kategorie hervor ohne einen Rekurs auf die Empirie; aus der könnte sie auch nicht deduziert werden, wie es überzeugend der Empirist Hume nachweist.Simpler formuliert: Ohne unser Denken gibt es für uns keine Wirklichkeit, denn das was wir als wirklich bezeichnen, ist ein Produkt unseres Denkens, dem ein Rohmaterial zugrunde liegt, das uns aber in seiner unbearbeiteten Rohheit nie zugänglich ist.

Ein triviales Beispiel besonders geeignet für Brillenträger möge dies noch mals versimplifiziert veranschaulichen: Vor einem Gemälde in einer Kunstausstellung stehend schaue ich mir das Bild an, dann setze ich meine Brille ab und sehe das vorher gesehene Bild ganz anders, verschwommen. Wie ist es möglich, daß ich das eine Bild so verschieden sehe, daß in mir zwei verschiedene „Bilder“ von dem einen Bild außerhalb von mir erscheinen? In mir sind zwei „Abbilder“ des einen Bildes produziert worden und wenn ich auch meine, das Bild da außer mir seiend zu sehen, so sehe ich faktisch doch ein Abbild des Bildes in mir. Dieses Abbild ist nun das Produkt meines Sehens und Interpretierens des sinnlich Vermittelten. Kants Philosophie ist so eine Analyse des Sehens, wie dann in uns durch unser Denken unsere Wirklichkeit entsteht. Der fundamentale Irrtum des Empirismus ist nun der Glaube, einen unmittelbaren unreflektierten Zugang zu dem, wie es wirklich ist, zu haben, um dann unsere Deutungen der Wirklichkeit mit dem, wie uns die Wirklichkeit unmittelbar zugänglich sei, vergleichen zu können.

Ob nun der Philosoph Buber eine geeignete Quelle für das theologische Denken ist, das darf sicher bezweifelt werden. Die Behauptung, alles wirkliche Leben sei Begegnung, mag wohl für das Genre des Liebesromanes und Liebesfilmes gelten, wem das unverständlich sein sollte, emfehle ich aus der Serie: „Sturm der Liebe“ die jeweiligen Erstbegegnungen der Traumpaare der einzelnen Stafeln, filmästhetisch hervrragend inszeniert, besonders die erste Folge: Laura begegnet Alexander, aber sonst: 1.Gilt das nur für zwischenmenschliche Begegnungen? Begegnet einer Maus auch eine Katze wirklich, auch wenn diese Begegnung dann dann die letzte im Leben dieser Maus sein dürfte? 2. Ist jede Begegnung zwischen Menschen wirkliches Leben und eine Erfahrung, auch wenn ein Jude einem Hamasanhänger begegnet und daß die dann sein Lebensende herbeiführt? Man müßte also fragen, was hier präzise unter einer so qualifizierten Begegnung zu verstehen ist. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß am Ende dieser Näherbestimmung wir doch im Genre des Liebesromanes bzw Liebesfilmes enden werden. Das provoziert aber die Frage: Wie erkennen denn die zwei sich so Begegnenden, also Laura und Alexander, daß sie für einander bestimmt sind in dem Augenblick des Sichbegegnens?

Welche Bedeutung kann nun aber die Erfahrung für die Moralphilosophie bzw Moraltheologie haben. Pater Recktenwald will offenkundig darauf insisteren, daß die Erfahrung eine wesentliche Bedeutung für die Morallehre haben soll.Erfahren werden kann aber nur das, was ist. Die Moral sagt aber, was sein soll und daß ist kein Element der Erfahrung. Zur Veranschaulichung: Ein Mörder sitzt in einem Gefängnis,zu einer 20 jährigen Haftstrafe verurteilt. Er erfährt das Verhaftetsein als einen qualvollen Zustand und sagt sich: „Ich hätte mich nicht erwischen lassen dürfen, wenn ich nochmals wen umbringen werde, ich muß es besser anstellen, daß ich nicht wieder erwischt werden werde.“ Es gibt keinen zwingenden Grund dafür, daß die Erfahrung des Erleidens der Gefängnisstrafe ihn zur Einsicht verhilft: „Du darfst nicht morden!“ Das was hier so pathetisch die „Erfahrungswelt“ betitelt wird, ist nur ein Meer von Aussagesätzen: „So ist das“ und besagt nichts über das, was sein soll. Der Empiriker Hume hat das erkannt, er spricht deshalb von einem „naturalistischen Fehlurteil“, wenn von dem, was ist, auf das geschlossen wird, was sein soll!

Begegnen sich zwei Menschen, so ist keiner für den Anderen ein moralisch qualifizierbarer Anspruch. Der eine kann Ansprüche dem Anderen gegenüber erheben: „Du hast Dich mir gegenüber so zu verhalten!“, aber dann muß dieser Anspruch auch moralphilosophisch begründet sein, wenn er denn ein legitimer ist.Wenn ein Mann einer Frau begegnet und er ein Messer zieht: „Zieh Dich aus, oder ich ersteche Dich“dann ist das zwar eine ganz reale Begegnung im Leben dieser zwei Personen, aber der so gestellte Anspruch ist kein moraltphilosophisch legitimer. Ob der Philosoph Buber diese Begegnung als ein Fall für die Aussage, wirkliches Leben sei Begegnung ansehen würde, ich hoffe, daß er das nicht meint. Hätte er nachgedacht, hätte er diese Begegnunsthese nie aufgestellt.

"Karl Popper etablierte das Falsifikationsprinzip als Kriterium der Wissenschaftlichkeit: Wissenschaftliche Theorien müssen falsifizierbar sein, d.h. sie müssen zu erkennen geben, mit welchem empirischen Befund sie unverträglich sind.“ Wenn ein Theologe diese Aussage Poppers zustimmt, muß er bedenken, daß genau genommen, nur die Naturwissenschaften dann wirklich wissenschaftliche Theorien enthalten, schon die simple Aussage der Mathematik: Die Wurzel aus 9 ist Minus oder Plus 3, ist empirisch nicht falsifizierbar, da die Zahlen zwar real aber nicht empirisch sind. Für die philosophische Tradition des Nominalismus, in der die popperische Philosophie steht, sind zudem alle Abstraktbegriffe: der Mensch, das Volk, die Kirche, die Menschheit etc keine etwas Wirkliches Bezeichnendes, das empirisch verifiziert oder falsifiziert werden könnte. Für jedes theologische Denken ist das ob des ihm eigenen Begriffsrealismus, daß die Ideen real seiend in Gott sind, inakzeptabel. So schreibt Joseph Ratzinger, Benedikt VXI in seiner „Einführung in das Christentum“,in dem Kapitel: „Der Primat des Logos“: „All unser Denken ist in der Tat nur ein Nachdenken des in Wirklichkeit schon Vorgedachten.Es kann nur auf eine armselige Art versuchen, jenes Gedachtsein,das die Dinge sind, nachzuvollziehen und darin Wahrheit zu finden.“Der Empirismus verfehlt so die Wahrheit von jedem Seienden, weil es seine Idealität verkennt.

So muß geurteilt werden, daß Kants Moralphilosophie der katholischen auf jeden Falle näher steht als das buberische Begegnungsgerede. 

Ein Witzlein: Ein Empirist und ein Dogmatiker führen ein Streitgespräch: Der Dogmatiker urteilt, daß jeder Junggeselle ein unverheirateter Mann sei, dem Empiristen ist das purster Dognatismus. Er teilt 100 Fragebögen an Junggesellen aus, 97 sagen, sie seien unverheiratete Männer, 3 verneinen das: Also ist der Dogmatiker widerlegt. 


Mittwoch, 4. Dezember 2024

Die „Glaubensweitergabe“ nach Papst Benedikt XVI: Ein Holzweg?

 

Die „Glaubensweitergabe“ nach Papst Benedikt XVI: Ein Holzweg?



Kardinal Koch veröffentliche in der Zeitschrift: „Der Fels“ in der November- und Dezemberausgabe 2024 einen zweiteiligen sehr lesens- und bedenkenswerten Aufsatz: „ Papst Benedikt XVI zur Glaubensweitergabe“ . Nur, so wohlfeil das da Niedergeschriebene auch klingt, es entsteht beim Lesen ein Unbehagen, daß da irgendwas nicht stimmt. Dabei hört sich das da Geschriebene doch so gut katholisch an: Das Evanglium bedeute nach Papst Benedikt XVI: „Gott hat sein Schweigen gebrochen,Gott hat gesprochen, Gott ist da.Diese Tatsache als solche ist Heil: Gott kennt uns, Gott liebe uns,er ist in die Geschichte eingetreten.“ (Der Fels, Dez 2024, S.342.) Das Evangelium sei der befreiende Zuspruch und der herausfordernde Anspruch Gottes an uns. (S.342). Dieser Glaube sei als Martyria zu verkünden, als Leiturgia zu feiern und als Diakonia erfahrbar zu machen. Diese Dreieinheit von Verkünden, Feiern und Erfahrbarmachen sei die Aufgabe der Kirche, die so den Glauben weitergebe.

„Der Ilt Gucky ist ein Teleporter und rettete so viele aus ihren Notlagen.“ Ich gehe davon aus, daß die allermeisten Leser diesen Satz nicht verstehen können, da sie a) nicht wissen, was ein Teleporter ist und b) nicht wissen,was ein Ilt ist, und sie vermuten, daß „Gucky“ ein Eigenname eins Iltes ist. Das Retten aus vielen Notlagen ist zwar verständlich, daß „so“ verunständlicht diese Aussage. Wie nun, wenn vielen Hörern es mit den von Papst Benedikt getätigten Aussagen über Gott ebenso oder ähnlich erginge wie wohl den allermeisten Lesern dieser Aussage über den Ilt Gucky? Man müßte die Perry Rhodan Serie kennen, um diese Aussage in Gänze verstehen zu können. Was passiert nun, wenn diese Aussage über Gott so gepredigt genauso unverständlich einem nicht kirchlich Sozialisierten bleibt wie jedem Nicht-Perry Rhodan-Leser die Aussage über diesen Multimutanten Gucky?

Wer die Aussage: „Gott ist da, Gott sei das Heil“ verstehen soll, muß über ein beachtliches Vorwissen, ein Vorverständnis von Gott besitzen, um das dann verstehen zu können. Das Weihnachtsereignis markiert eben nicht den Anfang der Beziehung Gottes zu uns Menschen, sondern setzt schon eine lange „Beziehungsgeschichte“ voraus, in der Gott zu uns gesprochen hat. Wann soll denn je Gott geschwiegen haben? Zu den ersten Menschen sprach er schon im Paradiese, er sprach immer zu uns durch sein erstes Buch, der Natur als der Quelle der natürlichen Gotteserkenntnis, er sprach immer zu uns durch die Stimme unseres Gewissens und deutlich durch das Alte Testament. Auch und gerade die Heiden waren religiös, glaubten, daß die Götter zu verehren seien und daß ihr Wohlergehen von der Gunst der Götter abhängig sei, sodaß selbst unter dieser Verquerrung des Monotheismus noch ein wahrer Gottesglaube lebendig war.

So voraussetzungslos in den Raum gesprochen, sind diese Sätze über Gott denn noch von anderen als von gut kirchlich Sozialisierten verstehbar? (In der evangelischen Kirche entstand nach dem 1. Weltkrieg die sog. Dialektische Theologie, die jede Art von natürlicher Gotteserkenntnis als mit dem Offenbarungsglauben unvereinbar verurteilte: Der christliche Glaube sei das ganz andere und habe nichts gemein mit dem, was man Religion nenne. Denn jede Religion sei der menschliche Versuch, sich Gottes zu bemächtigen statt sich von Gott allein die Wahrheit offenbaren zu lassen in dem einen alleinigen Wort Gottes, Jesus Christus. Das war somit eine radical antikatholisch ausgerichtete Theologie, die noch das Insistieren auf die Möglichkeit einer natürlichen Gotteserkenntnis bei den Reformatoren als ein kryptisches Erbe katholischer Theologie entlarvten. Dies ultrareformatorische Konzept verbot nun jede Anknüpfung an die Glaubens- und Vorstellungswelt der Nichtchristen und verlangte stattdem eine einfache autoritäre Verkündigung: So ist es! Verkürzt hieß das einfach: „Gott liebt Dich!“ Diesem Zuspruch folgt dann der Anspruch: Weil Gott alle Menschen liebt, haben wir erstens, zweiten, ….usw.Faktisch verkommt so die Evangeliumsverkündigung zu einer Proklamation einer Morallehre im Namen der Liebe Gottes. Der lutherische Theologe Paul Althaus setzte dem mit sein Uroffenbrungskonzept entgegen, daß um der Verstehbarkeit des Evangeliumes willen, ein religiöses Vorverständnis von Gott vermittelt worden sein muß, an das dann die Evangeliumsverkündigung anknüpft.)

Nun könnte erwidert werden, daß doch die Aussage: „Gott liebt Dich!“ in sich verstehbar sei. Aber dann wird ein gravierendes Problem übersehen: In der Regel möchte jemand nur von dem geliebt werden, den er auch liebt. Eines der größten Unglücke auf Erden ist es, wenn man als die Antwort auf das Bekenntnis: „Ich liebe Dich“ die Antwort zu hören zu bekommen: „Ich Dich nicht!“ Nur wie arg geht es den, der nun weiß, wirklich geliebt zu werden, aber den nicht liebt, der ihn liebt. Auf dem Arbeitsplatz zeitigt das gravierende Probleme zwischen dem Liebenden und dem nichtgeliebtwerden Wollenden. „X liebt Dich!, hört man nur als eine gute Botschaft, wenn man X selbst liebt. Das gilt so auch für die Aussage, Gott liebe dich, wenn der so Angesprochene a) Gott auch liebt und b) so auch von ihm geliebt werden möchte. Anders formuliert: Was muß der so von Gott Geliebtwerdende von Gott schon wissen, damit er diese Aussage als eine Verheißung an ihn hören kann?

Je mehr ich diesen Text durchdenke, desto mehr befürchte ich, daß er für viele so unverständllich ist wie die Aussage: „ Der Ilt Gucky teleportierte und rettete so Rhodan das Leben.“

Positiv formuliert: Es bedarf einer Hinführung in die christliche Religion und dazu gehört als Vorbereitung eine generellere Einführung in den religiösen Kosmos, in die religiöse Welt- und Lebensdeutung.Die klassische katholische Theologie setzte als eine Stockwerktheologie  eime Metaphysik und Ontologie und Erkenntnislehre voraus, auf der dann die christliche Theologie fußend auferbaut wurde als Offenbarungslehre.

Dienstag, 15. Oktober 2024

Ratzinger als ein Prophet: Zur Krise der Kirche

 

Ratzinger als ein Prophet: Zur Krise der Kirche



1958 prophezeite Ratzinger ein Neuheidentum,das in der Kirche sich ausbreiten werde. Auf Kath info wurde dankenswerter Weise dieser prophetische Text des späteren Papstes vollständig abgedruckt am 14.10.2024 und sei hiermit eindringlichst zur Lektüre empfohlen. Da ist zu lesen: „Dieses dem Namen nach christliche Europa ist seit rund vierhundert Jahren zur Geburtsstätte eines neuen Heidentums geworden, das im Herzen der Kirche selbst unaufhaltsam wächst und sie von innen her auszuhöhlen droht. Das Erscheinungsbild der Kirche der Neuzeit ist wesentlich davon bestimmt, daß sie auf eine ganz neue Weise Kirche der Heiden geworden ist und noch immer mehr wird“.

Die rund vierhundert Jahre könnten auf die Reformation bezogen verstanden werden, aber in dem Gesamttext findet sich keine und auch nur die kleinste Anspielung auf die Reformation. Dabei wäre die These, daß durch die Zerspaltung des Christentumes in die Katholische Kirche und den Protestantismus der Anfang des Zerfalles des damals noch existierendem christliche Abendlandes gesetzt worden sei, sehr plausibel.Wer den Text aber sehr genau liest, könnte eher den Eindruck bekommen, daß die staatliche Anerkennung der christlichen Religion durch den Kaiser Konstantin die Neuverheidnisierung der Kirche eingeleitet hätte. In der Konstantinischen Epoche sei eben die Differenz zwischen der Kirche und der Welt nivelliert worden, indem die christliche Religion zu der Staatsreligion avancierte.In dem Text wird ja antithetisch die Zeit, als die Menschen Christen wurden, indem sie sich persönlich zu Christus bekehrten von der Zeit unterschieden, in der man in die Kirche hineingeboren und hineingetauft wurde als ein Kind christlicher Eltern. Jetzt gälte es also, daß die Kirche sich in ihrer Differenz zur Welt begreifen müsse, damit sie sich nicht völlig verweltliche durch das Konzept der Staatsreligion, in dem tendenziell nicht die Welt verchristlicht sondern die Kirche verweltlicht würde. So habe hier der Theologe Ratzinger die Einsicht des Papstes Benedikt XVI, daß die Kirche sich zu entweltlichen habe, vorweggenommen.

Die Wahl des Begriffes des Neuheidentumes ist aber mehr als unglücklich. Denn die Heiden waren ja weder theoretische noch praktische Atheisten, sondern sie glaubten an ihre Götter und auch praktizierten sie ihre Religion,lebten also nicht so, daß sie zwar an ihre Götter glaubten, aber ihr Leben so führten, als existierten sie nicht. Unsere Gegenwart ist aber durch einen massenhaften Atheismus geprägt, bzw durch einen Gottglauben, ein Höheres wird es schon geben, der aber keine Relevanz für das Leben besitzt.Davon wäre ein neues Interesse an den heidnischen Religionen zu distinguieren, in der Romantik anhebend als das Interesse an den volkstümlich ursprünglichen Religionen, die dann die Katholische Kirche verdammt hätte. Die Verweltlichung der Kirche kann so auf keinen Fall als eine Selbstverheidnisierung aufgefaßt werden. Es ist stattdessen ihre Selbstversäkularisierung, daß sie nur noch eine Sozialdienstagentur sein will.

Auch ist wohl die pointierte Gegenüberstellung von der Kirche, der nur die sich zu Christus Bekehrten angehören zur Volkskirche, in die man hineingetauft wird, sehr problematisch, verkennt sie doch, daß wie der Alte Bund ein Bund Gottes mit einem Volke war, dem jüdischen, so auch der Neue Bund der mit einem Volke ist, dem Kirchenvolke. Zum Volkssein gehört nun aber konstitutiv,daß man in es hineingeboren wird und nicht in es eintritt wie in einen Verein. Das Problem ist deswegen nicht das Hineingeboren- und Hineingetauftwerden, sondern daß die Vermittelung des christlichen Glaubens an die so Hineingetauften nicht gelingt.

In dem Text wird die These aufgestellt, daß es selbst den Christen nicht mehr vorstellbar sei, daß es die eine wahre Religion gäbe, die als solche heilsnotwendig zu glauben sei, daß es doch wohl ausreiche, anständig zu leben, um gottefällig zu sein. Alle Religionen seien so gleichgültig für das Heil, wenn man denn überhaupt noch an eine Erlösung glaube.Heiden war ihre Religion aber nie so gleichgültig. Diese Vergleichgültigung kann wirklich nicht unter dem Begriff eines Neuheidentumes subsumiert werden. Wir erleben und erleiden eine Selbstsäkularisation, die so es vordem noch nie in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. 

Klärungsbedürftig ist angesichts dieses Ratzingertextes aber auch prinzipiell das Verhältnis der heidnischen Religionen zu der christlichen. 














Samstag, 13. Juli 2024

Die Katholische Kirche Deutschlands und die „Flüchtlinge“, die „Migranten“: welch eine Confusion!

 

Die Katholische Kirche Deutschlands und die „Flüchtlinge“, die „Migranten“: welch eine Confusion!



Papst Benedikt XVI schrieb zu dieser Causa: „Natürlich hat jeder Staat das Recht,die Migrationsströme zu lenken und eine Politik umzusetzen,die von den generellen Bedürfnissen des Gemeinwohles bestimmt wird,dabei aber immer die Achtung der Würde jedes Menschen gewährleistet.“ (zitiert nach: Martin Lichtmesz, Kann nur ein Gott uns retten?, 2014, S.313) Wie politisch mit dem Problem der „Flüchtlinge“, der Papst spricht hier deutlich von Migrationsströmen umzugehen habe, muß das Allgemeinwohl des Volkes berücksichtigen, in das die „Flüchtlinge“ aufgenommen werden wollen. Es gäbe wohl ein Recht auf eine Auswanderung aus seiner Heimat, dem stünde aber nun auch die Pflicht der Politik gegenüber, dabei das Allgemeinwohl des potentiellen Aufnahmelandes zu berücksichtigen.

Papst Johannes XXIII schrieb in seiner Enzyklika: „Pacem in terris“: „Jedem Menschen muß das Recht zugestanden werden,innerhalb der Grenzen seines Staates seinen Wohnsitz zu behalten oder zu ändern, ja es muß ihm auch erlaubt sein, sofern gerechte Gründe dazu raten,in andere Staaten auszuwandern und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen.“ (a.a.O. S.314). Die Einschränkung: „sofern“akzeptieren nun die Multikultipolitiker und die Katholische nicht mehr, indem sie faktisch den Standpunkt vertreten, daß der Wunsch,in Deutschland leben zu wollen, weil man sich hier ein besseres Leben als in der Heimat verspricht, schon ausreiche, um hier leben zu dürfen. Bei der Prüfung, ob denn „gerechte Gründe“ überhaupt vorliegen, wäre ja auch das Recht des Staates zu bedenken, denn seine Bürger verfügen ja nicht nur Rechte dem Staate gegenüber sondern auch Pflichten, die die Rechte des Staates seinen Bürgern gegenüber sind. Konkret ist das die Frage, ob es dem Gemeinwohl zuträglich ist, wenn der Staat bestimmten Bürgern das Recht gewährt, auswandern zu dürfen. Man denke etwa an Afghanistan und Syrien, zwei von Kriegen verwüstete Länder, in denen nun alle Kräfte zum Wiederaufbau gebraucht werden. Daß es Bürger in diesen Ländern gibt, die ob der jetzigen dortigen Lage lieber in Deutschland als in ihrer Heimat leben wollen, ist verständlich, aber dann muß auch das Recht des Staates gesehen werden, um des Allgemeinwohles willen, dies Recht auf eine Auswanderung nicht oder nur teilweise zu gewähren.

Die Crux der Menschenrechtspolitik ist eben, daß in ihr der Gedanke, daß Menschen nicht nur Rechte sondern auch Pflichten haben, nicht berücksichtigt ist, daß so auch die Individualrechte dem Gemeinwohl subordinierbar sein müssen. Hierbei ist dann sowohl das Gemeinwohl des Auswanderlandes als auch das des Einwanderlandes zu berücksichtigen. Aber seitens der Multikultipolitiker und der Kirche Deutschlands wird nur das „Recht“ des „Flüchtlinges“ betont, leben zu wollen, wo es ihm gefällt ohne eine Rücksicht auf das Gemeinwohl der beiden davon betroffenden Staaten. Ja aus dem Recht auf eine Auswanderung wird nun gar“ eine Pflicht der Aufnahmeländer gemacht“, die Migranten aufzunehmen. (S.214)

Die Praxis des sog. „Kirchenasyles“ gründet sich darin, letztinstnzlich abgewiesene Asylbewerber in Kirchenräumen vor ihrer Abschiebung zu bewahren, hoffend, daß sie doch noch einen Aufenhaltstitel bekommen, weil sie ja das „Recht“ hätten, leben zu dürfen, wo sie es möchten, ohne eine Rücksicht auf das davon tangierte Gemeinwohl des Aufnehmvolkes. In dieser Nichtrücksichtsnahme verbirgt sich die antideutsche Intention der Multikultianhänger.

Eines ist aber nicht übersehbar: Die heutige Politik der unlimitierten Aufnahme von Migranten kann sich nicht einfach auf die Lehre der Kirche stützen und rechtfertigen, denn es wird da der Einschub, sofern gerechte Gründe vorliegen, außer Acht gelassen wird und Papst Benedikts Aussage, daß der Staat das Recht habe, bei der Frage der Aufnahme von „Flüchtlingen“ das Gemeinwohl des eigenen Volkes zu berücksichtign. Was hielte man denn von einer säugenden Mutter, die fremden Kindern die Brust gäbe, für die eigenen dann aber nicht mehr genug an Muttermilch hätte! Sollte das etwa praktizierte Nächstenliebe sein? 

Corollarium

Dem Problem der Migration, der "Flüchtlinge" wird die Politik von vornherein nicht gerecht, wenn man es nur individualistisch sieht, daß da Einzelmenschen in Deutschland leben möchten, weil sie Zuhause nicht mehr leben möchten, denn diese Individuen agieren ja als ein Teil eines bestimmten Volkes, einer Sprachgemeinschaft. Das Migrationsproblem ist ein Problem der Beziehung verschiedener Völker zueinander. Stark wachsende Völker erschließen sich durch die Migration neue Lebensräume in stagnierenden Völken. Als Eingewanderte schließen sie sich so ja auch der jeweiligen in dem Einwanderungsland schon existierenden landsmännischen Gemeinschaft an, wird von ihr aufgenommen, sodaß sie hier zwar in Deutschland aber nicht mit den Deutschen zusammenleben wollen. Der ideologische Ausdruck dafür ist die Multikulturalität als Zielbestimmung, obzwar der Begriff der Multiethnizität das Anliegen sachgemäßer benennen würde.   



Donnerstag, 2. Mai 2024

Skandalöse Aussagen des Neuen Testamentes und wie man in der Kirche damit umging und umgeht!

 

Skandalöse Aussagen des Neuen Testamentes und wie man in der Kirche damit umging und umgeht!



„Liebt nicht die Welt, und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt,hat die Lieb zum Vater nicht!“ So steht es geschrieben im 1.Johannesbrief, 2,15.Diese Aussagen nahmen viele Christen ernst und es ist keine Übertreibung, wenn geurteilt wird, daß, wenn es diese Aussage in der hl.Schrift nicht geben würde, kein kirchliches Mönchtum hätte entstehen können. Die Klostermauern schlossen die Welt aus und der Mönch lebte schon auf Erden außerhalb der Welt in seiner Klausur. Als nun das 2.Vaticanum die Liebe zur Welt und die Welt als den Ort entdeckte,wo zuvörderst der Christ sein Leben zu führen habe,beraubte das der Theologie des Klosters ihrer Substanz: die Flucht aus den Klöstern in die Welt hob dann an und ruiniert jetzt das einstige Zentrum der katholischen Frömmigkeit.

Auch gab es keineswegs unüberzeugende Versuche, diese Aussage wegzuexegetisieren, R. Bultmanns Deutung der johanneischen Theologie aunehmend und radicalisierend, daß die sich in eine gefährliche Nähe zur Gnosis begeben habe.Der Gnosis läge ein Dualismus zugrunde, der von Geist und Materie, vom Erlöser- und vom Schöpfergott. Die Seele, die Geistseele sei eingefangen, eingekerkert worden in die Materie, in die Gottferne und der Erlöser sei nun aus dem Jenseits in die Welt gekommen, um uns Menschen aus ihr heraus zu befreien,zurückzuführen in unsere Heimat, die wir gar ob unserer Welteingebundenheit gar vergessen hätten. Der Erlösergott befreite uns so aus der Welt des Demiurgen, der die Materiwelt erschuf, die uns gefangen hielte, sodaß wir des Erlösers aus der Heimat herabkommend bedürfen, um zurückzufinden in die Welt des Geistes. Daraus ergäbe sich dann denknotwendig die Antithetik von der Liebe zu Gott zur Liebe zur Welt.

Aber die johanneische Theologie widersetzt sich diesem Dualismus doch,indem an dem Glauben an der Einheit des Schöpfer- und Erlösergottes festgehalten wird,klar formuliert im Anfang des Johannesvangeliumes,Joh 1,1 bis 1,17, einer der schönsten Stellen des Neuen Testamentes. Aber es bringt dann doch einen sekundären Dualismus hervor, den zwischen der gefallenen Welt, der ursprünglich guten, die sich dann aber der Wahrheit verschließt und der Kirche,das ist der Gegenpol zur Welt, weil in ihr die Wahrheit geglaubt wird.Dieser Dualismus ist kein ontologischer sondern ein geschichtlich kontingent gewordener zwischen der Welt als die sich der Welt verschließende, die so erst zur Welt wird und der Kirche, die ihr Sein als ein Nichtvonderwelt her hat.

Somit eröffnet dieser johanneischer Dualismus auch eine ganz andere Option für den Umgang mit dieser Welt:“Denn alles,was von Gott stammt,besiegt die Welt.Und das ist der Sieg,der die Welt besiegt hat:unser Glaube.“ 1Joh 5,4. Dem Projekt der Weltflucht in die mönchische Klosterexistenz konnte nun das Thron-und Altarbündnis der Konstantinischen Epoche entgegengesetzt werden: Die Welt sollte besiegt werden, indem sie durch die Kirche christianisiert wird. Das „geistliche Schwert der Kirche“ sollte dabei das „weltliche Schwert des Staates“ führen, damit durch die Cooperation von der Kirche und des der Kirche sich subordinierenden Staates die Welt entweltlicht werden sollte durch ihre Verchristlichung.

Das Symbol dieses Projektes was die Tiara, die Papstkrone. Darin manifestierte sich der Glaube, daß der Glaube die Welt besiegen kann.

„Jahrhundertlang trugen die Päpste Tiara. Bis heute ist die Dreifachkrone ein bedeutendes Symbol kirchlicher und weltlicher Macht. Seit Papst Paul VI. seine Tiara 1964 ablegte, tragen die Päpste sie nicht mehr.“, heißt es lapidar in dem Artikel:“Der Papst und die Tiara“ der Internetseite: planet wissen. „Papst Benedikt XVI.war der erste Papst seit Jahrhunderten, der ganz auf die Tiara als Symbol verzichtete. Bis zu seinem Amtsantritt war sie zumindest noch auf den Wappen seiner Vorgänger zu sehen gewesen. Benedikt XVI. ersetzte jedoch das Zeichen der Macht durch die einfache Mitra – die Bischofsmütze“.

Lassen wir hier den polemischen Gebrauch des Begriffes : Macht erst mal auf sich beruhen und konzentrieren uns auf die Frage: Was bedeutet die Ablegung der Tiara für das Projekt der Entweltlichung und Verchristlichung der Welt? Das ist offenkundig die Absage an dies Projekt. Deshalb kann nun die Kirche sich auch entmächtigen, denn ist dies Projekt aufgegeben, kann die Kirche auch der Macht entsagen, dies Projekt durchzusetzen. Die Welt zu besiegen wird aufgegeben und die Welt und der Staat in ihre Autonomie entlassen. Die sich autonom verstehende Welt wurde so sanktioniert und die Kirche wollte nur noch ein Element in der pluralistisch sich gestaltenden Gesellschaft sein.

Nun drängt sich der Verdacht auf,ob nun etwa die Welt beginnt, die Kirche zu besiegen,indem sie die Kirche zu einem Subsystem der modernen oder postmodernen Gesellschaft umformt. Dann wäre die nachkonziliare Kirche die sich verweltlichende. Vor lauter Liebe zur Welt verlöre sie so ihre Liebe zu Gott, wie es in dieser so anstößigen Passage des Johannesevangeliumes heißt:„Liebt nicht die Welt, und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt,hat die Lieb zum Vater nicht!“















Sonntag, 28. April 2024

Ist die Kirche überflüssig? Ist Gott gar umsonst Mensch geworden? Irritierendes von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.

 

Ist die Kirche überflüssig? Irritierendes von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.


Es steht tatsächlich schwarz auf weiß in seinem Buch:“Einführung in das Christentum“ „Zur Rettung des bloß Einzelnen bedürfte es weder der Kirche noch einer Heilsgeschichte, noch einer Menschwerdung und Passion Gottes in der Welt.“ So schrieb es dieser Mozart der Theologie in dem „Exkurs: Strukturen des Christlichen“in diesem Buch.Wenn ein Einzelner also ohne all dies gerettet werden könnte, dann könnten auch alle, jeder Einzelne für sich so gerettet werden können.Es ist keine maßlose Übertreibung, wenn gesagt werden würde, daß das als die heutige Mehrheitsmeinung in der Kirche angesehen wird!

Theologisch ausbuchstabiert hieße das: Gott liebt jeden Menschen, so wie er ist. Das hat Gott uns durch Jesus in Wort und Tat offenbart, aber was er offenbart hat, gilt jedem, egal ob er es glaubt oder auch nicht glaubt. Die Kirche als ein Heilsvermittelungsinstitut ist somit überflüssig, sie wird nur dazu gebraucht, daß Menschen organisiert dann die Liebe Gottes zu allen Menschen ummünzen in die praktizierte Nächstenliebe.

Diese Textpassage, die der Autor noch als der Theologieprofessor Ratzinger geschrieben hat, sagt ja nun nicht nur aus, daß die Kirche für das Heil überflüssig sei, sondern daß selbst Gottes Menschwerdung und Christi Leiden am Kreuz und darüber hinaus die gesamte Heilsgeschichte,anfangend mit der Verschonung des Brudermörders Kain bis zur Apokalypse, wie sie sie uns die Johannesoffenbarung voraussagt, überflüssig sei. Alles was uns der Sohn Gottes als Lehrer gelehrt hat, sei überflüssig, daß er die Kirche gegründet hat,ihr die hl. Sakramente eingesetzt hat, daß er ihr den Auftrag zur Verkündigung gegeben hat.

Es ist nicht vorstellbar, daß daß Herr Ratzinger noch als Papst Benedikt so geschrieben hätte,leider hat er aber noch im Jahre 2000 dies unverändert neu erscheinen lassen. Hätte hier nicht eine Fußnote hinzugefügt werden müssen: Ein großer Irrtum meinerseits! Das Schlimmste: Fast alles, was in diesem Buche an Gutem geschrieben steht,interessiert heute wohl nur noch Kirchenhistoriker oder Papstkritikern: So gut fing er an und dann wurde der Verfasser leider immer conservativer, aber nur diese Äußerung scheint nachhaltig wirksam geworden zu sein. Schon die allgemeine Meinung der Gleichgültgkeit aller Religionen läßt sich ja aus dieser Äußerung herausdeduzieren. Daß selbst für den Christen die Kirche unwichtig ist, ergibt sich daraus ebenso: 95 Prozent der Katholiken Deutschlands praktizieren das und die Austretenden am konsequentesten.

Aber reden wir nicht immer zu kirchenzentristisch. Was mag wohl Jesus Christus dazu sagen,wenn nun ein Theologieprofessor ihm bescheinigt:Alles, was Du tatest, war umsonst und vergeblich- Du hättest ruhig im Himmel verbleiben können.

Diese Passage in der „Einführung in das Christentum“ demonstriert uns, welche Verwirrungen und Abstrusitäten das 2.Vaticanum hervorbringen konnte, aber auch, daß der Autor dann im Laufe seines weiteren Lebens sich abwenden konnte von diesen Confusionen der nachkonziliaren Zeit.