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Mittwoch, 26. Juli 2023

Der Religionsunterricht – ein einziges Fiasko?

Der Religionsunterricht (RU) – ein einziges Fiasko? Zu diesem Ergebnis könnte man kommen, wenn das Religionsunterrichtsverständnis, wie es im Jesuitenmagazin 2-2023 auf Seite 11 dargelegt wird, den heutigen Religionsunterricht ausmachte. Die dortige wohlvertraute Phraselogie der heutigen Religionspädagogik läßt dies allerdings befürchten. Das Wichtigste ist natürlich das Feindbild, was auf keinen Fall in dem heutigen RU geschehen darf: „Es geht nicht ums Einpauken von dogmatischen Lehrsätzen“. Daß mit „dogmatischen Lehrsätzen“ die Vorstellung eines Einpaukunterrichtsstiles verbunden wird, ist einfach nur billige Polemik, im Unterricht könnte ja stattdessen der cognitive Gehalt eines dogmatischen Lehrsatzes expliziert und sein Wahrheitsgehalt begründet werden. Die Verfasserin setzt aber wohl auf die Voreingenommenheit der Leserschaft dieses Magazines, daß eben Dogmatisches an sich etwas rein Negatives ist und daß der christliche Glaube eben nicht etwas in Lehrsätzen Aussagbares ist. Dies ist einfach einer der Exzesse des heutigen Antiintellektualismus, der sich in den Konzepten des RU niederschlägt. Statt der Lehrsätze sollen „Gottesbegegnungen“ im Mittelpunkt des RU stehen und die „Deutung der Welt als Ort der Gegenwart Gottes.“ Jede Begegnung,jeder Kontakt,jede Nachfrage von Schüler*innen ist Gottesbegegnung.“(Die deutsche Sprache durch ein konsequentes Gendern zu verhunzen, gehört heutzutage zum Standard jesuitischer Geistesverirrung!) Dogmatisch, das Jesuitenmagazin möge mir diesen Mißgriff verzeihen, ist Gott nur in dem einen Menschen, Jesus Mensch geworden, sodaß nur von ihm gilt, daß Gott uns in ihm begegnet, hier wird nun einfach behauptet, das gälte für jeden Menschen. Völlig unklar bleibt dabei, wie denn in jeder Begegnung mit einem Menschen darin eine Gotteserfahrung sich ereignen soll. Stattdessen heißt es dann: „Es geht nicht ums laute Missionieren, sondern um Aufmerksamkeit (und zwar der Lehrenden)für die Gaben,die jede Schülerin und Schüler mitbringt.“ Hier tritt nun das wichtigste Feindbild der heutigen Religionspädagogik auf den Plan: Mission, Missionieren, Evangelisieren usw. Dogmatik und der Frevel des Missionierens gehören irgendwie zusammen. Auch wenn hier dieser Zusammenhang nicht eigens thematisiert wird, so ist er doch einsichtig: Das Missionieren setzt erkannte Wahrheiten voraus. Der Apostelfürst Paulus verstand die Katholische Kirche noch als die „Säule und das Fundament der Wahrheit“. (1.Tim 3,15),aber das ist selbstredend ein völlig indiskutabler Wahrheitsdogmatismus. Es soll nur noch um mögliche, kontingente Deutungen von Ereignissen in der Welt gehen. Die Welt soll gedeutet werden, man soll lernen, gut zu handeln und mit Verlusten und Scheitern umzugehen. Es soll darum gehen, den schon in der Welt anwesenden Gott sichtbar werden zu lassen. Als Zentralbegriff dieses RU-Verständnisses fungiert der der Deutung. Nun können Ereignisse religiös gedeutet werden.Aber das setzt ein religiöses Deutungsinstrumentarium voraus, daß Gott als die Ursache von denkbar ist, daß etwa der Kosmos nicht ohne eine ihn bewirkt habende Ursache zu denken ist und daß die Gott sein könnte, weil er als Wirkender zu denken ist. Ohne diese Gottesvorstellung könnte aber nichts als von Gott Gewirktes gedeutet werden. Diese Gottesvorstellung gründet sich nun aber nicht einfach aus einer Wahrnehmung der Welt,so wie schon die Vorstellung eines Verursachtseins eine Deutung ist. 2 Ereignisse: Ein Mensch ruft und ein Vogel fliegt davon. Diese Deutung ist möglich: Weil der Mensch rief, flog der Vogel aufgeschreckt davon. Nur, daß der Ruf die Ursache des Davonfliegens war, ist nicht selbst wahrnehmbar sondern eine Deutung durch den Begriff der Kausalität. Wie sollten dann also Schüler Ereignisse religiös deuten können, wenn sie vordem nicht sich ein Instrumentarium religiöser Deutungsmöglichkeiten angeeignet haben? Eine Gotteslehre ist nämlich die Voraussetzung der Praxis der religiösen Deutung. Das wäre aber ein dogmatisches Element im RU, aber das soll ja ausgeschlossen werden. Etwas viel Gravierenderes müßte aber auffallen, daß hier nichts spezifisch Christliches vorkommt, ja nicht klar ist, ob, wenn hier von Gott geschrieben wird, überhaupt der christliche gemeint ist. Dieser Artikel erschien im Magazin: „Jesuiten“, aber Jesus kommt kaum noch in den dortigen Artikeln vor und schon gar nicht mehr als der Sohn Gottes. Ist er für den RU nicht mehr zeitgemäß?

Mittwoch, 4. Mai 2022

"Gott ist nicht christlich"- oder Religionsunterricht für alle- Multikulti über alles

Das Bistum Hamburg will nun dem Religionsunterricht ein multikulturelles Ende bereiten. "Religionsunterricht für alle" ist der einzige gangbare Weg"- so tönt die Überschrift auf kath de am 3.5.2022. Zumindest gälte das für das Hamburger Bistum, das sich nun dem Projekt des Religionsunterrich für alle anschließen möchte: Alle Religionen werden da in diesem neukre-ierten Fach unterrichtet unter der Perspektive: Wie religiös leben in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft? Da die Nachfrage nach dem traditionell katholischen Religions- unterricht sehr gering sei, bietet man eben jetzt im Stile eines Supermarktes alle möglichen Religionen religionskundlich an unter der Perspektive der heutigen Multikultigesellschaft. Marktwirtschaftlich gedacht ist dies Unternehmen nicht unplausibel: So wie ein Verbraucher- markt nicht nur eine sondern viele verschiedene Weinsorten in seinem Sortiment führt, so soll es eben auch in diesem Multireligions-unterricht praktiziert werden: Irgendeine der offerierten Sorten wird dann wohl bei einem der Schüler auf ein Interesse stoßen. 

Aber nun möchte man doch noch für diesen Supermarktreligionsunterricht eine theologische Begründung mitliefern und in diesem kath de Artikel ist man auch fündig geworden: 

"Gott ist nicht katholisch,Gott ist nicht evangelisch, Gott ist nicht orthodox, Gott ist nicht mal christlich. Gott ist nicht der Gott dieser oder jener Religion. Gott ist Gott (...)Gott ist Gott für alle".  So lehrte der (einstige) Bischof von Aachen Heinrich Mussinghof anläßlich eines interreligiösen "Friedenstreffen". Es ist ja allseits bekannt, daß Jesus selbst angesichts der eskalierenden Konflikte zwischen dem jüdischen Volk und der römischen Besatzungs-macht regelmäßig mit den Priestern und Gläubigen aller im Römischen Imperium vertreten-den Religionen um die Bewahrung des Friedens betete! Nur sind dann diese interreligiösen Gebete durch eine kirchliche Redaktion aus der Bibel wegzensiert worden.

Also: Gott ist nicht christlich. Was wird damit denn ausgesagt? Gott sei nicht so, wie er in der christlichen Religion vorgestellt wird, er sei schon gar nicht so, wie die einzelnen christ-lichen Confessionen Gott sich vorstellen. Wie ist Gott dann: Einerseits soll Gott jenseits aller bestimmten religiösen Vorstellungen von ihm sein, von der christlichen, der jüdischen, der islamischen, der Wotan- und Zeuzvorstellung etc andererseits sollen aber doch auch alle religiösen Vorstellungen von ihm wahr sein. Das läßt sich am simpelsten an dem Beispiel eines Würfels veranschaulichen: Die eine Religion sagt: "1" wäre die Wahrheit Gottes, die andere "6" und beide hätten recht, denn einem Würfel kommt sowohl die Seite "1" wie die Seite "6" zu. So wären alle Aussagen von "1" bis "6" wahr und doch wäre jede wahre Aussage doch immer nur eine Particularwahrheit.  Jesu Christi Selbstaussage: "Ich bin die Wahrheit" müßte also transformiert werden in die: "Soviele Religionen es gibt, so viele Wege zu Gott gibt es und ich bin dann nur eine Wahrheit neben vielen anderen gleich wahren Wahrheiten." 

Wird bedacht, wie viele Religionen es schon vor Gottes Menschwerdung gab, könnte gefolgert werden, daß genau genommen diese Menschwerdung völlig überflüssig gewesen sei. Wozu haben unsere germanischen Vorfahren dann ihren Wotan- und Odin-Glauben abgelegt, um Christen zu werden, wenn doch ihre Religion auch ganz wahr war? Könnten dann die Indianer Amerikas zu ihrer "Mutter-Erde-Religion". der Pachamamaverehrung zurückkehren, gerade auch, weil diese Göttin so gut zur Ökoideologie paßt?

Aber sicher ist in diesem Kaufmannsladenunterricht die wichtigste Lexion die der Einsicht in die Gleichgültigkeit aller Religionen. Es lohne sich überhaupt nicht, hier nach wahr oder unwahr zu fragen, denn alles sei doch gleich wahr. Darüberhinaus ist es dem Kaufmann auch egal, welchen Wein einer seiner Kunden in den Warenkorb reinlegt (= sein persön-licher Glaube), wenn er nur irgendeine Weinflasche kauft. Das gilt dann wohl auch für die Religionslehrer dieses Konzeptes: Hauptsache, ein Schüler interessiert sich dann für eine der dargebotenen Religionen.

Und was ist nun mit Gott? Dem ist alles gleichgültig! Wir können ihn "Manitu", "Allah" oder "Allvater" oder "Jupiter" rufen, christlich, hinduistisch oder islamisch verehren, alles ist ihm gleichgültig. Nur ein Problem stellt sich uns hier: Welche Religion kennt einen solchen: "Mir ist alles egal Gott" außer den Theologen des interreligiösen Dialoges? Aber so frägt eben dieser Dialog erst gar nicht, denn er läßt sich allein von der Fragestellung leiten: Wie muß Gott gedacht werden, damit er zu unserem gesellschaftlichen Projekt der multi-kulturellen Gesellschaft paßt, daß Gott diesem Projekt förderlich ist?  

Für heutige Schüler ist es in der Regel nicht gleichgültig, wie man sich kleidet, aber im neuen Fach "Religion für alle" lernen sie, daß die Gretchenfrage: "Wie hältst Du es mit der Religion?" nur eine Antwort zuläßt: "Das ist wurscht!" Deshalb gibt es auch nur einen Feind, der nicht toleriert werden darf, der der da sagt: "Das ist die Wahrheit"- der Funda-mentalist, der vom Relativisten: "Alles ist irgendwie wahr" zu bekämpfen ist, weil er nicht die Ideologie des Multikulturalismus bejaht.   



 


Sonntag, 13. März 2022

Irritierendes: Hat den die christliche Religion etwas mit Lehre und Erkenntnis zu tuen?

Es heißt zwar: „Sufficiet discipulo,ut sit magistere ejus“ (Mt 10,25), aber schon J.Arndt übersetzt in seiner Vulgatausgabe: mit „Jünger“ und „Meister“, wie jetzt auch die Einheitsübersetzung. Aber die Wortbedeutung von discipulus und von magister ist eindeutig: Schüler und Lehrer. Das Verhältnis von Jesus zu seinen „Jüngern“ ist ein klares Lehrer-Schüler-Verhältnis. Jesu Schüler verhalten sich dann auch typisch schülerhaft: Welcher Lehrer wird schon richtig von seinen Schülern verstanden. Gerade das Markusevangelium präsentiert uns Jesu Schüler gerade nicht als eine Gruppe von verständigen Lernenthusiasten. Es ist so erlaubt, dies Evangelium auch als eine erste Kirchenkritik im Namen des Lehrers Jesu zu lesen.

Aber jetzt ist das Augenmerk auf etwas anderes zu konzentrieren, daß Jesus Christus nämlich in erster Linie als Lehrer wirkte: Er lehrte. So ist es kein Zufall, daß die Evangelien von so vielen Kontroversen zwischen Schriftgelehrten und Pharisäern mit dem Lehrer Jesus schreiben, denn das sind, erst mal nüchtern betrachtet Lehrstreitigkeiten. So urteilt ja Nikodemus bekanntermaßen über Jesus: „Lehrer, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust“. (Joh 3,2). Aber die Einheitsübersetzung schreibt: „Rabbi“ statt „Lehrer“. Dazu paßt es dann auch, daß aus „der Erkenntnis des Heiles“ die „Erfahrung des Heiles“ (Lk 1.77) wird.

Das Jesus Qualifizierende ist so, daß er der von Gott kommende Lehrer ist und daß deshalb seine Lehre wahr ist. Es soll nun versucht werden, diesen Gedanken klarer zu erfassen. Gern wird das Problem der Erkennbarkeit Gottes durch den Menschen so formuliert: Wie sollte der Mensch als endliches Wesen den unendlichen Gott erkennen können, jede Erkenntnis würde Gott verobjektivierend verendlichen. (Vgl sehr viel diffiziler: Norbert Fischer, Die philosophische Frage nach Gott) Kann also Jesus uns Gott lehren oder kann es keine lehrbare Gotteserkenntnis geben?

Wenn es aber gar keine lehrbare Gotteserkenntnis geben könnte, wie konnte dann Jesus als der von Gott kommende Lehrer anerkannt werden, der dann ja auch als solcher ein Lehrgespräch mit dem bei ihm in die Schule gehenden Johannes führte. Wie konnte aber dieser Lehrer von der Heilsnotwendigkeit der Taufe wissen, die er ja in diesem Unterricht Nikodemus lehrte ? Wie konnte Jesus überhaupt eine Gotteserkenntnis lehren? Nikodemus gibt dazu die Antwort: weil er ein von Gott kommender Lehrer ist.

Es soll nun dieser Gedanke versucht werden zu verstehen. Wie könnte doch der endliche Mensch den unendlichen Gott begreifen? Das klingt sehr fromm, aber deshalb ist dies noch lange nicht wahr! Denn nähme man die Aussage, daß der endliche Mensch den unendlichen Gott nicht erkennen könne, ernst, geräte man in beachtliche Aporien. Ein Mensch denkt Gott. Wenn Gott unendlich ist, kann dies menschliche Denken nicht außerhalb von Gott sein, denn dann würde Gott durch dies Denken begrenzt: Wo der Mensch denkt, denkt Gott nicht. Dann könnte dies menschliche Denken unwahr sein, aber es könnte nur unwahr sein, weil Gott trotz seiner Unendlichkeit hier durch dies Denken limitiert würde. Wenn aber Gott als Unbegrenztheit zu denken ist, dann kann das menschliche Denken als teilidentisches mit Gottes Denken nicht unwahr sein. Gott dächte in uns, wenn wir Gott denken. Das wäre dann eine Spielart des Pantheismus oder Panentheismus. Soll aber an der Differenz zwischen dem menschlichen Denken über Gott und Gottes Denken über sich festgehalten werden, dann muß denkbar sein, daß es außerhalb von Gottes eigenem Denken ein davon verschiedenes geben kann, das dann unwahr oder wahr sein kann.

Wenn Gott als sich selbst Erkennender zu denken ist, dann verobjektiviert Gott sich selbst in seiner Erkenntnis. Alles zu Erkennende wird durch seine Erkenntnis zu einem Objekt. Gott ist unendlich und als sich Erkennender auch ein sich Verobjektivierender. Genau deshalb, weil er sich selbst erkennt, kann Gott diese seine ihm eigene Selbsterkenntnis anderen vermitteln. Der von Gott kommende Lehrer vermittelt so die Gott eigene Selbsterkenntnis seinen Schülern. Indem Gott sich als etwas Bestimmtes erkennt, als Gott und somit als Nicht-Nichtgott, konstituiert er die Möglichkeit von Nichtgöttlichem, die er durch seine Selbstbestimmung zum Gottsein ausgeschlossen hat als eine Möglichkeit eines Außerhalbes von ihm. So entsteht erst die Möglichkeit, daß ein endliches Denken außerhalb von Gott Gott inadäquat denken kann, aber auch die Möglichkeit eines wahren Denkens von Gott, wenn Gott seine Erkenntnis dem endlichen Denken vermittelt. Da es eine verobjektivierte Erkenntnis Gottes ist, ist sie tatsächlich von einem göttlichen Lehrer lehrbar. Die philosophische Frage nach Gott müßte also zu der Erkenntnis vordringen können, daß die Gotteserkenntnis nur möglich ist als eine Teilhabe an der göttlichen Selbsterkenntnis. Soll diese Teilhabe nicht pan(en)theistisch gedacht werden, verlangt die Ermöglichung dieser Teilhabe einen göttlichen Lehrer als den einzig möglichen Vermittler dieser Gotteserkenntnis. Darum ist Jesus der Lehrer und Christsein heißt, sein Schüler zu sein.

 

Samstag, 9. September 2017

"Rekrutierung von Gläubigen ist nicht das Ziel" Zur Selbstzerstörung des Religionsunterrichtes

So betitelt  Katholisch de ein Interview mit dem Religionspädagogen Englert am 8.9. 2017. Was ist nicht das Ziel des Religionsunterrichtes an den Schulen? Rekrutierung von Gläubigen? Das sei ferne!
Nun hat der Begriff der Rekrutierung einen negativen Klang in den Ohren eines jeden Gutmenschen, assoziert er damit doch was Militärisches, daß Rekruten für die Armee eingezogen werden.Damit kann ein christlicher Religionsunterricht natürlich nichts gemein haben. 
Aber was wird denn nun so diffamiert? Die Vorstellung, daß der Religionsunterricht dem Ziele diene, den christlichen Glauben zu vermitteln! "Es ist nicht in erster Linie Aufgabe des Religionsunterrichts, den Glauben weiterzugeben. Früher sollte er auch das leisten, aber dies steht seit Jahrzehnten nicht mehr im Zentrum der Aufgabenstellung. Heute geht es um eine offene Auseinandersetzung mit religiösen Fragen, aber nicht um eine "Übertragung" des kirchlichen Glaubens auf Jugendliche. Das kann und soll der schulische Religionsunterricht nicht leisten."Englert.
Was soll denn dann dieser Unterricht leisten?"Englert: Im Wesentlichen soll er einen Beitrag zur religiösen Orientierungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen leisten. Ganz besonders soll er die religiöse Pluralitätsfähigkeit fördern. Das ist heute sehr wichtig, denn wir leben in einem Kontext religiöser Pluralität. Damit muss man umgehen lernen. Viele Menschen in unterschiedlichen Religionsgemeinschaften tun sich mit den Gegebenheiten religiöser Pluralität noch immer schwer. Deswegen hat der Religionsunterricht da eine wichtige Aufgabe."
Das wichtigste Ziel ist also die Erziehung zur Pluralitätsfähigkeit. Die Schüler sollen also im katholischen Religionsunterricht lernen, die vielen Religionen und ihre Binnendifferenzierungen zu bejahen und jede religiöse Meinung zu akzeptieren. Zur Orientierungsfähigkeit gehört eben die Kennnis über die verschiedenen auf dem freien Markt angepriesenen Religionen und daß diese Pluralität als etwas Positives zu bewerten ist. Selbstverständlich entfällt die Unterscheidung von wahrer und falscher Religion, denn jede ist gleichermaßen wahr und unwahr. 
Problematisch sind deshalb nur die Anhänger einer Religion, die die ihrige als die einzig wahre glauben, denn die sind so nicht pluralitätsfähig. 
Es gibt so für dieser Religionspädagogik nur eine Wahrheit, daß alle Religionen gleichgültig sind.Das zu vermitteln ist so die Befähigung dazu, in  einer mulikulturellen Gesellschaft leben zu können. 
So entpuppt sich dieser angeblich katholische Religionsunterricht so als Staatsbürgerunterricht, in dem die Schüler zu einem Leben in einer pluralistisch verfaßten Gesellschaft befähigt werden sollen.Die christliche Religion, gar in ihrer Katholischen Formung ist dann eben nur ein religiöses Angebot neben vielen anderen. 
Zu jedem ordentlichen Konzept gehört natürlich auch das passende Feindbild:
"Frage: Bereits 2010 gab es sogar inhaltliche Kritik von Papst Benedikt XVI. Demnach solle Religionsunterricht in Deutschland mehr zu einer Art "Katechese" werden. Ginge das?
Englert: Der Religionsunterricht würde sich aus meiner Sicht ins Abseits manövrieren, wenn er sich zu einer Form der Kateches zurückentwickeln würde."
Katechese ist für die heutige Religionspädagogik der Feindbegriff schlechthin, denn das heißt doch: Rekruten für die christliche Religion gewinnen zu versuchen! Das sei ferne. Die christliche Religion darf in diesem Unterricht nur als eine von vielen auftreten. Sie ist eben nicht wahrer aber auch nicht unwahrer als alle anderen Religionen. Aber es gibt doch noch Unwahres für diese Religionsunterrichtskonzepton: den Glauben, daß eine (meine) Religion die einzig wahre sei. Das ist die Feindbastion, die in diesem Unterricht zu schleifen ist, damit der staatsbürgerlich gewünschte Relativismus in diesem Unterricht siegt. 
Ein katechetischer Unterricht hat an öffentlichen Schulen nichts zu suchen, so lautet dann das Credo dieser Religionspädagogik, denn der Religionsunterricht hat sich eben den staatlichen Vorgaben zu subordinieren. Als Unterricht an öffentlichen Schulen ist er nur legitimierbar als Einübung in das Leben in eine multikulturelle Gesellschaft, wobei der Hauptfeind  jede Art von Fundamentalismus ist, das ist der Glaube, daß es nur eine wahre Religion gibt. Diese Vorstellung zu überwinden, darin sieht dieser Religionspädagoge den Zweck des Religionsunterrichtes! Genaugenommen wird so die Religonkritik zum eigentlichen Anliegen des Unterrichtes mit dem Ziel, alle Religionen als gleichgültig zu erweisen! Das soll katholischer Relgionsunterricht sein!

Corollarium 1
Die Prämissen dieses Religionsunterrichtkonzeptes sind  a) daß Gott für uns nicht erkennbar ist, sodaß es nur verschiedene Vorstellungen von Gott gibt, ohne daß eine als wahr von den anderen unterscheidbar wäre, daß es b) Gott gleichgültig ist, was wir von ihm denken, wie wir ihn verehren und daß c) die einzig relevante Frage die ist, wie die Religionen zu verstehen seien, damit sie nicht einen Grund für gesellschaftliche Konflikte liefern können, bzw wie die Religionen pluralitätsfähig gestaltet werden können. Die Wahrheit einer Religion reduziert sich so auf ihre Pluralitätsfähigkeit und ihre Nützlichkeit für den einzelnen Anhänger der Religion!     

 

Freitag, 30. September 2016

Das Ende des Religionsunterrichtes? Das Ende der Volksreligion?

"69 Prozent der Deutschen würden den Religionsunterricht einer Umfrage zufolge am liebsten abschaffen. Besonders hoch war die vom Meinungsforschungsinstitut YouGov gemessene Zustimmung in östlichen Bundesländern, wo 81 Prozent für die Abschaffung des Religionsunterrichts stimmten." (Junge Freiheit am 30.9. 2016) Stattdessen würde wie jetzt in Belgien eingeführt, ein Werte-und Normen-Unterricht erteilt werden, in dem dann auch Religionen behandelt werden würden. Diese Zahl macht wohl noch deutlicher als die Austrittszahlen aus der Katholischen Kirche und der EKD, wie es um die Zustimmung zur christlichen Religion bestellt ist. 
Zu fragen wäre, was denn die so Befragten über den realen Religionsunterricht wissen, und inwieweit die Vorstellung eine mehr aus Vorurteilen gespeiste ist. Aber es ist doch davon auszugehen, daß zumindest die in Westdeutschland Befragten den Religionsunterricht aus eigener Erfahrung kennen und dann mehrheitlich gegen ihn votierten. 
Es wäre ein durch nichts begründeter Optimismus, würde dies Nein zum Religionsunterricht als Kritik an einem Unterricht aufgefaßt, der die völlige Verwässerung und Vermodernisierung der Inhalte des Religionsunterrichtes verurteilt- nein, selbst das Wenige an christlicher Religion, was der RU noch bietet, ist den meisten noch zu viel!  
Der Tod der christlichen Religion als Volksreligion in Deutschland und Westeuropa ist nicht mehr zu übersehen- die  christliche Religion stirbt als Volksreligion ab. Was wird stattdessen kommen? Einst war man sich sicher: ein postchristliches atheistisches Europa, aber jetzt stehen wir auch vor der Möglichkeit eines islamisch beherrschten Europas. Houellebecqs "Unterwerfung" könnte sich als die Prophezeiung für Europa erweisen. 
Es ist bezeichnend für die Kirche, daß die wenigen Kräfte, die das was vom christlichen Abendland jetzt bei uns noch lebendig ist, vor der völligen Auflösung bewahren wollen, isb. die Pegida-Bewegung und die Identitäre-Bewegung und alle rechten Parteien Europas von der Katholischen Kirche wie vom Protestantismus energischt angegriffen  und verteufelt werden, als wollte man den Untergang des Christentums in Europa noch beschleunigen. Der größte Feind der christlichen Religion ist jetzt im einstigen Abendland das Desinteresse der Einheimischen an ihrer eigenen Religion!  

Zusatz:
" stelle ich [Kardinal Müller]  im Herbst meines Lebens nicht ohne Betrübnis fest, dass viele unserer Studierenden dem Studium nur wenig Zeit widmen und dass die theologische Ausbildung vieler Kleriker zu wünschen übrig lässt – um nur zwei Beispiele zu nennen." (Kath net vom 29.9.2016 als Zitat aus dem neuen Buch des Kardinals). Wir haben hier richtig gelesen: Selbst den zukünftigen Hauptamtlichen der Kirche interessieren die theologischen Inhalte ihres Studiumes kaum noch: So weit ist das Desinteresse an der Theologie vorangeschritten!
 

Samstag, 14. November 2015

Musterjesuiten

Ein Musterschüler gibt immer genau die vom Lehrer erwartete und somit richtige Antwort. Ein kluger Schüler weiß eben zwischen wahr
und was der Lehrkörper hören möchte, zu unterscheiden. Liest man nun das Heft: "Junger Glaube" Jesuiten 2015/4 drängt sich hier der Eindruck von lauter befragter Musterschülern auf. 
Unter dem Titel: "Religiöse Erfahrungen von Jugendlichen (S.2f)lesen wir resümierend: "Das Vertrauen in die Institution Kirche ist nicht sehr ausgeprägt.Für viele ist wichtig, ihren eigenen Weg zu gehen-auch in Glaubens-und Sittenfragen:" (S.2) Wer nun aufmerksam das ganze Heft durchliest(das ist kein vergnügen), kann nicht überlesen,daß gerade der so charakterisierte Jugendliche der Idealpartner der jesuitischen Jugendarbeit ist: genauso wollen wir ihn auch, lautet das implizite Bekenntnis dieser Broschüre. So spricht also der typische Idealjugendliche: " Im Lauf der Jahre hat sich jedoch mein christlicher Glaube immer mehr zu meiner >eigenen Religion< beziehungsweise meinen eigenen Vorstellungen verschoben. Ich habe mich seither ziemlich von der Kirche distanziert." (S.2f). Schuld ist daran natürlich in erster Linie- und das wird jeden Kenner der Jesuiten nicht in Erstaunen versetzen- die Sexualmorallehre der Kirche! Und als Zugabe, "dass man sich unreflektiert an die äußeren Regeln der Kirche hält." Reflektierte man, ließe man diese Regeln ob ihrer Äußerlichkeit unbeachtet liegen, ist da mitzulesen. Zudem ist damit schon der Lieblingsbegriff dieser Broschüre erklungen: der der Reflexion. Es gibt eben Gläubige und Reflektierende (früher Gnostiker genannt) und nur die letzteren sind wahre Gläubige, die sich eben über den unreflektierten traditionellen Katholizismus erheben in ihrer eigenen Religion. Und für diese Religion ist das Wesentliche, daß man Menschen begegnet, "die menschlich überzeugen". (S.3) Damit ist das diakonische Handeln gemeint. 
Aber ein bißchen Gott soll nun da auch noch vorkommen! Es gäbe göttliche Momente im Leben: "Die Momente, in denen wir einfach das tun, um der Sache willen und nicht, um etwas zu erreichen." (S.4)Das ist sehr banal, rekurriert dieser Gedanke doch einfach auf die sinnvolle Unterscheidung von Handlungen, die ihr Ziel außerhalb der Handlung und Handlungen, die ihr Ziel in der Handlung selbst haben.Zur Veranschaulichung: ich kaufe mir ein Buch, um es zu lesen. Das Kaufen hat seinen Zweck nicht in sich, wohl aber das Lesen. Immer wenn ich etwas Selbstzweckliches unternehme, ereigne sich darin etwas "Göttliches". Aber der Autor rudert dann doch gleich zurück, indem er ein "vielleicht" davor setzt. Geht es noch dürftiger?, frägt sich hier jeder kritische Leser und muß sich dann wohl vom "Jesuiten" sagen lassen,daß der so Fragende eben noch einen unrefektierten Glauben lebe! 
Was soll dann der Religionsunterricht leisten? Daß wir da "offen und zugleich geschützt auch über Gefühle und Erfahrungen reden können." , lesen wir auf S.6.Aber nicht nur das: es wird auch als Ziel angegeben die Auseinandersetzung mit modernen Theologen, Kirchenvätern und Philosophen. (S.6) Womit man sich auch da auseinandersetzen will, das Eigentliche sind in dieser hier angedeuteten Skizze des Religionsunterrichtes die persönlichen Gefühle und Erfahrungen, von wo aus dann andere Materialien kritisch betrachtet werden. Das wichtigste Lernziel ist aber dabei, daß weder der Glaube noch gar der Nichtglaube oder die geäußerte Meinung bewertet wird im Unterricht sondern allein die "Fähigkeit zum kritischen Dialog". Der Religionsunterricht dient so zuvörderst diesem hehren Ziel der Befähigung zum Dialogisieren! Das Worüber ist dann eigentlich nicht wesentlich. Wer nun den Artikel: "Sehnsucht und Bedürfnis junger Menschen" (S.10f) liest, wird über die dortigen Trivialitäten nur noch staunen können. Junge Menschen sehnten sich nach "Freundschaft, nach Liebe, nach Erfolg" und irgendwie könne diese Sehnsucht etwas zu tun haben mit jemandem, "der letztlich der ganz Andere bleibt." (S.11). Nach einem dürftigen Artikel über "Nightfever" kommt ein echter jesuitscher Text. So lautet das Resümee eines Freiwilligenjahres: " Ziel des Hilfszetrums ist es, den arbeitenden Kindern und Jugendlichen Piuras eine bessere Zukunft zu ermöglichen und an einer verantwortungsvollen Gesellschaft mitzuwirken." Das tat die Autorin, indem sie Englsch- und Blockflötenunterricht erteite.(S.13)
Als die Ziele der jesuitischen Jugendarbeit werden so genannt: "Raum zu geben für die Entwicklung mündiger und verantwortungbewußter Jugendlicher, die versuchen, aus ihrer religiösen Prägung heraus, Welt und Gesellschaft gerechter und menschlicher zu machen;" und dann kommt der krönnede Abschluß, denn das ist: "das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen." (S.14) Das Reich Gottes ist also nichts anderes als das Projekt der Humanisierung der Welt! Die Reflexinsfähigkeit solle wachsen (S.21), und den Jugendlichen soll größtmögliche Verantwortung übertragen und ihnen die Freiheit zur Gestaltung eingeräumt" werden. (S.20)
Unüberlesbar: hier passen die Jugendlichen,wie sie sich sehen, genau zu dem Idealbild jesuitischer Jugendarbeit.Ist es aber auch ein wahres Bild des Jugendlichen heute oder nicht mehr das Wunschbild linker Reformpädagogen? Das gravierendere ist aber die Auflösung aller christlichen Inhalte in den bloßen Formalismus einer Reflexionskultur verbunden mit sozialpoitischen Engagement- ein kleiner Hauch einstiger Weltverbesserungsphantasien. Und das entspräche genau dem, was die Jugendlichen wollten!