Mittwoch, 26. Juli 2023
Der Religionsunterricht – ein einziges Fiasko?
Mittwoch, 4. Mai 2022
"Gott ist nicht christlich"- oder Religionsunterricht für alle- Multikulti über alles
Das Bistum Hamburg will nun dem Religionsunterricht ein multikulturelles Ende bereiten. "Religionsunterricht für alle" ist der einzige gangbare Weg"- so tönt die Überschrift auf kath de am 3.5.2022. Zumindest gälte das für das Hamburger Bistum, das sich nun dem Projekt des Religionsunterrich für alle anschließen möchte: Alle Religionen werden da in diesem neukre-ierten Fach unterrichtet unter der Perspektive: Wie religiös leben in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft? Da die Nachfrage nach dem traditionell katholischen Religions- unterricht sehr gering sei, bietet man eben jetzt im Stile eines Supermarktes alle möglichen Religionen religionskundlich an unter der Perspektive der heutigen Multikultigesellschaft. Marktwirtschaftlich gedacht ist dies Unternehmen nicht unplausibel: So wie ein Verbraucher- markt nicht nur eine sondern viele verschiedene Weinsorten in seinem Sortiment führt, so soll es eben auch in diesem Multireligions-unterricht praktiziert werden: Irgendeine der offerierten Sorten wird dann wohl bei einem der Schüler auf ein Interesse stoßen.
Aber nun möchte man doch noch für diesen Supermarktreligionsunterricht eine theologische Begründung mitliefern und in diesem kath de Artikel ist man auch fündig geworden:
"Gott ist nicht katholisch,Gott ist nicht evangelisch, Gott ist nicht orthodox, Gott ist nicht mal christlich. Gott ist nicht der Gott dieser oder jener Religion. Gott ist Gott (...)Gott ist Gott für alle". So lehrte der (einstige) Bischof von Aachen Heinrich Mussinghof anläßlich eines interreligiösen "Friedenstreffen". Es ist ja allseits bekannt, daß Jesus selbst angesichts der eskalierenden Konflikte zwischen dem jüdischen Volk und der römischen Besatzungs-macht regelmäßig mit den Priestern und Gläubigen aller im Römischen Imperium vertreten-den Religionen um die Bewahrung des Friedens betete! Nur sind dann diese interreligiösen Gebete durch eine kirchliche Redaktion aus der Bibel wegzensiert worden.
Also: Gott ist nicht christlich. Was wird damit denn ausgesagt? Gott sei nicht so, wie er in der christlichen Religion vorgestellt wird, er sei schon gar nicht so, wie die einzelnen christ-lichen Confessionen Gott sich vorstellen. Wie ist Gott dann: Einerseits soll Gott jenseits aller bestimmten religiösen Vorstellungen von ihm sein, von der christlichen, der jüdischen, der islamischen, der Wotan- und Zeuzvorstellung etc andererseits sollen aber doch auch alle religiösen Vorstellungen von ihm wahr sein. Das läßt sich am simpelsten an dem Beispiel eines Würfels veranschaulichen: Die eine Religion sagt: "1" wäre die Wahrheit Gottes, die andere "6" und beide hätten recht, denn einem Würfel kommt sowohl die Seite "1" wie die Seite "6" zu. So wären alle Aussagen von "1" bis "6" wahr und doch wäre jede wahre Aussage doch immer nur eine Particularwahrheit. Jesu Christi Selbstaussage: "Ich bin die Wahrheit" müßte also transformiert werden in die: "Soviele Religionen es gibt, so viele Wege zu Gott gibt es und ich bin dann nur eine Wahrheit neben vielen anderen gleich wahren Wahrheiten."
Wird bedacht, wie viele Religionen es schon vor Gottes Menschwerdung gab, könnte gefolgert werden, daß genau genommen diese Menschwerdung völlig überflüssig gewesen sei. Wozu haben unsere germanischen Vorfahren dann ihren Wotan- und Odin-Glauben abgelegt, um Christen zu werden, wenn doch ihre Religion auch ganz wahr war? Könnten dann die Indianer Amerikas zu ihrer "Mutter-Erde-Religion". der Pachamamaverehrung zurückkehren, gerade auch, weil diese Göttin so gut zur Ökoideologie paßt?
Aber sicher ist in diesem Kaufmannsladenunterricht die wichtigste Lexion die der Einsicht in die Gleichgültigkeit aller Religionen. Es lohne sich überhaupt nicht, hier nach wahr oder unwahr zu fragen, denn alles sei doch gleich wahr. Darüberhinaus ist es dem Kaufmann auch egal, welchen Wein einer seiner Kunden in den Warenkorb reinlegt (= sein persön-licher Glaube), wenn er nur irgendeine Weinflasche kauft. Das gilt dann wohl auch für die Religionslehrer dieses Konzeptes: Hauptsache, ein Schüler interessiert sich dann für eine der dargebotenen Religionen.
Und was ist nun mit Gott? Dem ist alles gleichgültig! Wir können ihn "Manitu", "Allah" oder "Allvater" oder "Jupiter" rufen, christlich, hinduistisch oder islamisch verehren, alles ist ihm gleichgültig. Nur ein Problem stellt sich uns hier: Welche Religion kennt einen solchen: "Mir ist alles egal Gott" außer den Theologen des interreligiösen Dialoges? Aber so frägt eben dieser Dialog erst gar nicht, denn er läßt sich allein von der Fragestellung leiten: Wie muß Gott gedacht werden, damit er zu unserem gesellschaftlichen Projekt der multi-kulturellen Gesellschaft paßt, daß Gott diesem Projekt förderlich ist?
Für heutige Schüler ist es in der Regel nicht gleichgültig, wie man sich kleidet, aber im neuen Fach "Religion für alle" lernen sie, daß die Gretchenfrage: "Wie hältst Du es mit der Religion?" nur eine Antwort zuläßt: "Das ist wurscht!" Deshalb gibt es auch nur einen Feind, der nicht toleriert werden darf, der der da sagt: "Das ist die Wahrheit"- der Funda-mentalist, der vom Relativisten: "Alles ist irgendwie wahr" zu bekämpfen ist, weil er nicht die Ideologie des Multikulturalismus bejaht.
Sonntag, 13. März 2022
Irritierendes: Hat den die christliche Religion etwas mit Lehre und Erkenntnis zu tuen?
Es heißt zwar: „Sufficiet discipulo,ut sit magistere ejus“ (Mt 10,25), aber schon J.Arndt übersetzt in seiner Vulgatausgabe: mit „Jünger“ und „Meister“, wie jetzt auch die Einheitsübersetzung. Aber die Wortbedeutung von discipulus und von magister ist eindeutig: Schüler und Lehrer. Das Verhältnis von Jesus zu seinen „Jüngern“ ist ein klares Lehrer-Schüler-Verhältnis. Jesu Schüler verhalten sich dann auch typisch schülerhaft: Welcher Lehrer wird schon richtig von seinen Schülern verstanden. Gerade das Markusevangelium präsentiert uns Jesu Schüler gerade nicht als eine Gruppe von verständigen Lernenthusiasten. Es ist so erlaubt, dies Evangelium auch als eine erste Kirchenkritik im Namen des Lehrers Jesu zu lesen.
Aber jetzt ist das Augenmerk auf etwas anderes zu konzentrieren, daß Jesus Christus nämlich in erster Linie als Lehrer wirkte: Er lehrte. So ist es kein Zufall, daß die Evangelien von so vielen Kontroversen zwischen Schriftgelehrten und Pharisäern mit dem Lehrer Jesus schreiben, denn das sind, erst mal nüchtern betrachtet Lehrstreitigkeiten. So urteilt ja Nikodemus bekanntermaßen über Jesus: „Lehrer, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust“. (Joh 3,2). Aber die Einheitsübersetzung schreibt: „Rabbi“ statt „Lehrer“. Dazu paßt es dann auch, daß aus „der Erkenntnis des Heiles“ die „Erfahrung des Heiles“ (Lk 1.77) wird.
Das Jesus Qualifizierende ist so, daß er der von Gott kommende Lehrer ist und daß deshalb seine Lehre wahr ist. Es soll nun versucht werden, diesen Gedanken klarer zu erfassen. Gern wird das Problem der Erkennbarkeit Gottes durch den Menschen so formuliert: Wie sollte der Mensch als endliches Wesen den unendlichen Gott erkennen können, jede Erkenntnis würde Gott verobjektivierend verendlichen. (Vgl sehr viel diffiziler: Norbert Fischer, Die philosophische Frage nach Gott) Kann also Jesus uns Gott lehren oder kann es keine lehrbare Gotteserkenntnis geben?
Wenn es aber gar keine lehrbare Gotteserkenntnis geben könnte, wie konnte dann Jesus als der von Gott kommende Lehrer anerkannt werden, der dann ja auch als solcher ein Lehrgespräch mit dem bei ihm in die Schule gehenden Johannes führte. Wie konnte aber dieser Lehrer von der Heilsnotwendigkeit der Taufe wissen, die er ja in diesem Unterricht Nikodemus lehrte ? Wie konnte Jesus überhaupt eine Gotteserkenntnis lehren? Nikodemus gibt dazu die Antwort: weil er ein von Gott kommender Lehrer ist.
Es soll nun dieser Gedanke versucht werden zu verstehen. Wie könnte doch der endliche Mensch den unendlichen Gott begreifen? Das klingt sehr fromm, aber deshalb ist dies noch lange nicht wahr! Denn nähme man die Aussage, daß der endliche Mensch den unendlichen Gott nicht erkennen könne, ernst, geräte man in beachtliche Aporien. Ein Mensch denkt Gott. Wenn Gott unendlich ist, kann dies menschliche Denken nicht außerhalb von Gott sein, denn dann würde Gott durch dies Denken begrenzt: Wo der Mensch denkt, denkt Gott nicht. Dann könnte dies menschliche Denken unwahr sein, aber es könnte nur unwahr sein, weil Gott trotz seiner Unendlichkeit hier durch dies Denken limitiert würde. Wenn aber Gott als Unbegrenztheit zu denken ist, dann kann das menschliche Denken als teilidentisches mit Gottes Denken nicht unwahr sein. Gott dächte in uns, wenn wir Gott denken. Das wäre dann eine Spielart des Pantheismus oder Panentheismus. Soll aber an der Differenz zwischen dem menschlichen Denken über Gott und Gottes Denken über sich festgehalten werden, dann muß denkbar sein, daß es außerhalb von Gottes eigenem Denken ein davon verschiedenes geben kann, das dann unwahr oder wahr sein kann.
Wenn Gott als sich selbst Erkennender zu denken ist, dann verobjektiviert Gott sich selbst in seiner Erkenntnis. Alles zu Erkennende wird durch seine Erkenntnis zu einem Objekt. Gott ist unendlich und als sich Erkennender auch ein sich Verobjektivierender. Genau deshalb, weil er sich selbst erkennt, kann Gott diese seine ihm eigene Selbsterkenntnis anderen vermitteln. Der von Gott kommende Lehrer vermittelt so die Gott eigene Selbsterkenntnis seinen Schülern. Indem Gott sich als etwas Bestimmtes erkennt, als Gott und somit als Nicht-Nichtgott, konstituiert er die Möglichkeit von Nichtgöttlichem, die er durch seine Selbstbestimmung zum Gottsein ausgeschlossen hat als eine Möglichkeit eines Außerhalbes von ihm. So entsteht erst die Möglichkeit, daß ein endliches Denken außerhalb von Gott Gott inadäquat denken kann, aber auch die Möglichkeit eines wahren Denkens von Gott, wenn Gott seine Erkenntnis dem endlichen Denken vermittelt. Da es eine verobjektivierte Erkenntnis Gottes ist, ist sie tatsächlich von einem göttlichen Lehrer lehrbar. Die philosophische Frage nach Gott müßte also zu der Erkenntnis vordringen können, daß die Gotteserkenntnis nur möglich ist als eine Teilhabe an der göttlichen Selbsterkenntnis. Soll diese Teilhabe nicht pan(en)theistisch gedacht werden, verlangt die Ermöglichung dieser Teilhabe einen göttlichen Lehrer als den einzig möglichen Vermittler dieser Gotteserkenntnis. Darum ist Jesus der Lehrer und Christsein heißt, sein Schüler zu sein.
Samstag, 9. September 2017
"Rekrutierung von Gläubigen ist nicht das Ziel" Zur Selbstzerstörung des Religionsunterrichtes
Nun hat der Begriff der Rekrutierung einen negativen Klang in den Ohren eines jeden Gutmenschen, assoziert er damit doch was Militärisches, daß Rekruten für die Armee eingezogen werden.Damit kann ein christlicher Religionsunterricht natürlich nichts gemein haben.
Aber was wird denn nun so diffamiert? Die Vorstellung, daß der Religionsunterricht dem Ziele diene, den christlichen Glauben zu vermitteln! "Es ist nicht in erster Linie Aufgabe des Religionsunterrichts, den Glauben weiterzugeben. Früher sollte er auch das leisten, aber dies steht seit Jahrzehnten nicht mehr im Zentrum der Aufgabenstellung. Heute geht es um eine offene Auseinandersetzung mit religiösen Fragen, aber nicht um eine "Übertragung" des kirchlichen Glaubens auf Jugendliche. Das kann und soll der schulische Religionsunterricht nicht leisten."Englert.
Was soll denn dann dieser Unterricht leisten?"Englert: Im Wesentlichen soll er einen Beitrag zur religiösen Orientierungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen leisten. Ganz besonders soll er die religiöse Pluralitätsfähigkeit fördern. Das ist heute sehr wichtig, denn wir leben in einem Kontext religiöser Pluralität. Damit muss man umgehen lernen. Viele Menschen in unterschiedlichen Religionsgemeinschaften tun sich mit den Gegebenheiten religiöser Pluralität noch immer schwer. Deswegen hat der Religionsunterricht da eine wichtige Aufgabe."
Das wichtigste Ziel ist also die Erziehung zur Pluralitätsfähigkeit. Die Schüler sollen also im katholischen Religionsunterricht lernen, die vielen Religionen und ihre Binnendifferenzierungen zu bejahen und jede religiöse Meinung zu akzeptieren. Zur Orientierungsfähigkeit gehört eben die Kennnis über die verschiedenen auf dem freien Markt angepriesenen Religionen und daß diese Pluralität als etwas Positives zu bewerten ist. Selbstverständlich entfällt die Unterscheidung von wahrer und falscher Religion, denn jede ist gleichermaßen wahr und unwahr.
Problematisch sind deshalb nur die Anhänger einer Religion, die die ihrige als die einzig wahre glauben, denn die sind so nicht pluralitätsfähig.
Es gibt so für dieser Religionspädagogik nur eine Wahrheit, daß alle Religionen gleichgültig sind.Das zu vermitteln ist so die Befähigung dazu, in einer mulikulturellen Gesellschaft leben zu können.
So entpuppt sich dieser angeblich katholische Religionsunterricht so als Staatsbürgerunterricht, in dem die Schüler zu einem Leben in einer pluralistisch verfaßten Gesellschaft befähigt werden sollen.Die christliche Religion, gar in ihrer Katholischen Formung ist dann eben nur ein religiöses Angebot neben vielen anderen.
Zu jedem ordentlichen Konzept gehört natürlich auch das passende Feindbild:
Ein katechetischer Unterricht hat an öffentlichen Schulen nichts zu suchen, so lautet dann das Credo dieser Religionspädagogik, denn der Religionsunterricht hat sich eben den staatlichen Vorgaben zu subordinieren. Als Unterricht an öffentlichen Schulen ist er nur legitimierbar als Einübung in das Leben in eine multikulturelle Gesellschaft, wobei der Hauptfeind jede Art von Fundamentalismus ist, das ist der Glaube, daß es nur eine wahre Religion gibt. Diese Vorstellung zu überwinden, darin sieht dieser Religionspädagoge den Zweck des Religionsunterrichtes! Genaugenommen wird so die Religonkritik zum eigentlichen Anliegen des Unterrichtes mit dem Ziel, alle Religionen als gleichgültig zu erweisen! Das soll katholischer Relgionsunterricht sein!
Corollarium 1
Die Prämissen dieses Religionsunterrichtkonzeptes sind a) daß Gott für uns nicht erkennbar ist, sodaß es nur verschiedene Vorstellungen von Gott gibt, ohne daß eine als wahr von den anderen unterscheidbar wäre, daß es b) Gott gleichgültig ist, was wir von ihm denken, wie wir ihn verehren und daß c) die einzig relevante Frage die ist, wie die Religionen zu verstehen seien, damit sie nicht einen Grund für gesellschaftliche Konflikte liefern können, bzw wie die Religionen pluralitätsfähig gestaltet werden können. Die Wahrheit einer Religion reduziert sich so auf ihre Pluralitätsfähigkeit und ihre Nützlichkeit für den einzelnen Anhänger der Religion!
Freitag, 30. September 2016
Das Ende des Religionsunterrichtes? Das Ende der Volksreligion?
Zusatz:
" stelle ich [Kardinal Müller] im Herbst meines Lebens nicht ohne Betrübnis fest, dass viele unserer Studierenden dem Studium nur wenig Zeit widmen und dass die theologische Ausbildung vieler Kleriker zu wünschen übrig lässt – um nur zwei Beispiele zu nennen." (Kath net vom 29.9.2016 als Zitat aus dem neuen Buch des Kardinals). Wir haben hier richtig gelesen: Selbst den zukünftigen Hauptamtlichen der Kirche interessieren die theologischen Inhalte ihres Studiumes kaum noch: So weit ist das Desinteresse an der Theologie vorangeschritten!