Verdrängtes und Vergessenes in der heutigen Kirche
„Perry,glaub ganz fest daran: Wie viele Millionen Lichtjahre uns auch trennen, wie viele Jahre vergehen – eines Tages sehen wir uns wieder. Es ist uns bestimmt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es im Universum ein Schicksal gibt. Dieses Schicksal steht auf unserer Seite.“1
Der Glaube ist hier eine feste Überzeugung, nicht ein: „Ich weiß es nicht, aber es wird wohl so sein.“ Der Begriff des Schicksales ist nun ein Begriff aus der Welt der Religion, aber kein spezifisch christlicher. Da nun aber die christliche Religion eine Religion ist, gehört er auch zu ihr, auch wenn es die Tendenz gibt, statt von der christlichen Religion von dem christlichen Glauben zu sprechen, auch um zu verdecken, daß sie eine Religion ist. Dietrich Bohnhoefers fragmentarischen Erwägungen zu einem „religionslosen Christentumsverständnis wirkten sich dabei destruktiv aus ob der dem erwachsenden Tendenz, die christliche Religion auf eine Morallehre und Praxis zu reduzieren.
Hinter dem Glauben an das Schicksal steht der Glaube an einen die Welt im Allgemeinen und im Besonderen regierenden Gott. Würde an mehr als einen Gott geglaubt, könnte nicht mehr mit Gewißheit geglaubt werden, daß das Schicksal, für den ein Gott Menschen bestimmt hat, sich auch erfüllen wird, da ja die anderen Götter dies verhindern könnten. So verlangt der Schicksalsglaube eine monotheistische Religion.
In allen monotheistischen Religionen wird ihr Gott als sich offenbart habender und sich so bekannt gemacht habender geglaubt. Der Begriff des Schicksales entfaltet hier nun eine zu bedenkende Differenzierung: Der Gott, wie er sich offenbart und somit zu erkennen gegeben hat, kann nicht direkt in seinem Wirken an uns recogniziert werden, er erscheint als ein anderer Gott . Luther entfaltete dies in seiner Lehre vom „verborgenem Gott“. Der Begriff des Schicksales verdankt sich ebenso dieser Differenzerfahrung.Wer einen „Schicksalsschlag“ erleidet, etwa daß eine Mutter ihr eigenes Kind beerdigen muß, da es durch einen Unfall zu Tode kam, der kann in diesem Ereignis nicht das Wirken des uns Menschen doch liebenden Gottes wiedererkennen. Aber dieses Schreckliche wird nicht als ein Ereignis außerhalb des Regierens Gottes gedeutet, sondern daß auch hier Gottes Wille sich ereignet hat.
Aber das „Warum“, das „Wozu“ bleibt den davon Betroffenden und es Erleidenden unerforschlich. Es widersetzt sich nun aber der Schicksalsglaube dem, indem er darauf setzt, daß auch dies Schreckliche einen guten Sinn hat, da dies Schicksal von Gott selbst verhängt worden ist.
Die Frau von Perry Rhodan kann nicht erkennen, warum sie nun so lange und so weit von ihrem Manne getrennt ihre besondere Pflichten, ihre ihr zugemutete Aufgabe zu erfüllen hat, aber sie vertraut darauf, daß das Schicksal es gut mit ihnen beiden meint und somit sie auch wieder zusammenführen wird.
Der Schicksalsbegriff hat in der Frömmigkeit so eine zentrale Bedeutung, wird durch ihn die Serie unserer kontingenten Ereignisse unseres Lebens mit dem Glauben, daß Gott nicht nur die ganze Welt sondern auch unser besonderes Leben regiert. Die Verhältnisbestimmung zwischen Gottes Regieren isb als dem Bestimmer unseres Schicksales und unserer Freiheit, gehört zu den schwierigsten Aufgaben des sich reflektierenden Glaubens, der Theologie,aber in der Frömmigkeit wird beides geglaubt: unsere Verantwortlichkeit für unser Leben und daß doch Gott regiert.
Ein großer Verlust stellt es so dar, wenn dieser Begriff in der Theologie und Kirche fast völlig vergessen ist!
1Robert Felddorf, Das Sternenfenster, Perry Rhodan Nr 2100.
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