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Samstag, 30. Oktober 2021

Anmerkungen zum Problemfall China


Lebensschützern könnte die Nachricht, daß die chinesische Staatsregierung die „Abtreibung“ als ein großes Übel bezeichnet, irritieren, denn China wird ja kommunistisch regiert und deshalb könne doch kein Regierungsunterfangen Chinas etwas Gutes sein. Dann müßte aber auch J.Stalins Verbot der Abtreibung in der UdSSR als etwas „Nichtgutes“ abqualifiziert werden, weil dieser Staatsmann ja auch ein Kommunist gewesen war. Wenn Lenin als erster Staatsmann, inspiriert vom Feminismus das Töten von Kindern im Mutterleibe erlaubte im Kontext seiner Antifamilienpolitik, die Familie ganz durch den Staat zu ersetzen, wie kann aber dann Stalins kommunistische Familienpolitik, ganz Lenins kommunistischen Ansatz entgegengesetzt auch verurteilt werden?

Aus theologischer Perspektive gilt, daß nur Gott rein gut und daß nur der Teufel nur rein böse ist, sodaß wir Menschen weder rein gut oder rein böse sein können, denn das ist Gott und dem Satan vorbehalten. Wie, wenn wir in einer so konfusen Welt lebten, in der eine christdemokratische Regierungschefin sich energisch für das Recht der Frauen auf das Töten der Kinder im Mutterleibe engagiert und ein kommunistischer Diktator aus seinem Herzen für ungeborene Kinder heraus Abtreibungen verbietet?

Aber die chinesische Staatsregierung unterdrückt doch die Katholiken in China. Diese Sache ist doch einfach: Kommunisten sind Atheisten und darum bekämpfen sie die gottgläubigen Katholiken. Nur, warum gibt es dann in China auch eine vom kommunistischen Staat anerkannte Katholische Kirche? Da auch in ihr selbstverständlich an Gott geglaubt wird, müßte die doch auch von diesem atheistischen Staate verfolgt werden! Oder ist diese Kirche eine marxistisch-kommunistische, etwa eine im Geistes der marxistischen Befreiungstheologie oder eine Kirche nach dem Motto: „Christen für den Sozialismus“? Die offizielle Bezeichnung dieser anerkannten Kirche lautet: „Patriotische Kirche“. Es ist wohl keine unzulässige Spekulation,wenn nun die vom Staate unterdrückte „katholische Untergrundkirche“ als un- wenn nicht gar als antipatriotisch angesehen wird und deshalb nicht anerkannt wird. Der unerlaubte und verfolgte Gegensatz zur Staatsregierung wäre somit nicht der Theismus der Katholiken, sondern eine antipatriotische Ausrichtung der „Untergrundkirche“.

Seit Bismarcks Kulturkampf gegen die Katholische Kirche ist uns dieser Konflikt bekannt: Dem nationalpatriotischen Bismarck sind Katholiken ob ihrer ultramontanen Ausrichtung unzuverlässiger Staatsbürger, da sie im Zweifelsfalle mehr Rom, dem Papst gehorchen werden als dem Deutschen Kaiser. Es spricht viel dafür, daß so auch die chinesische Staatsführung, die ja sehr nationalistisch orientiert regiert, ultramontane Katholiken ein Problem sind, nicht weil sie Gottgläubige sind. Die Katholiken Chinas müßten also der Staatsregierung glaubhaft machen, daß obgleich sie sich zum Gehorsam dem Papstamt gegenüber verpflichtet fühlen, gute Patrioten sein können und wollen. Damit stellt aber die chinesische Regierung an ihre Katholiken nur einen Anspruch, der jeder andere Nationalstaat auch an die Katholiken seines Landes erhebt, Patrioten zu sein.

Verkomplifiziert wird nun die Causa China noch durch das Faktum, daß dieser Stat dabei ist, die USA als die Weltmacht Nr.1 abzulösen. Die USA und die Medien der westlichen Welt eröffnen so nun ihren Propagandakrieg gegen China zusätzlich zur Polemik gegen das unter Putins Führung wiedererstarkende Rußland. Für Katholiken stellt sich dabei die Frage, ob die westliche Kultur mit Amerika als ihrer Hegemonialmacht so positiv zu beurteilen ist, daß sie gegen die autokratischen Systeme Rußlands und Chinas zu verteidigen ist. Oder könnte eine multipolare Welt mit verschiedenen Machtzentren und differenten Kulturen nicht auch etwas aus christlicher Sicht Bejahenswertes sein? Man stelle sich doch bitte nur diese eine Frage: Wo wird sonst in Europa das Christentum so gut gefördert durch den Staat wie in Rußland? Wo hingegen in der westlichen Welt erweckt die Katholische Kirche nicht den Eindruck des Untergehens und Sichauflösens?

Wenn jetzt in der westlichen Welt die christliche Religion immer mehr verdunstet, dann sind daran gewiß nicht die Kommunisten Chinas und auch nicht Putin dafür verantwortlich !

 

Donnerstag, 21. November 2019

30 Jahre Mauerfall- Versuche zu Deutschlands Schicksal

Vordergründig ist der Verlauf unserer jüngeren Geschichte klar: Nach dem verlorenen 2.Weltkrieg, teilten die Siegermächte, eingedenk der altrömischen Maxime: "Teile und herrsche" Deutschland in 3 Teile, Österreich, die BRD und die DDR. Neben dem zur Neutralität verpflichtetem Österreich standen sich die BRD integriert in die Nato, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, später in die Europäische Union umbetitelt der DDR, eingebunden in den Warschauer Pakt und dem Comecon gegenüber.  
Die BRD-Hagiographen sahen Westdeutschland als befreit an von der Hitlerdiktatur. sodaß nun das Volk in freier Selbstbestimmung seinen Platz in der westlichen Werteordnung fand und darin lebte und lebt, während den Ostdeutschen von den sowjetischen Kommunisten ein sozialistisches Regime aufgezwungen wurde, von dem sie sich erst 1989 befreien konnten.Daß die DDR-Hagiographen dagegen die Westeinbindung der BRD als Machwerk der westlichen Siegermächte deuteten, während nur in der DDR das Volk seine wahre Freiheit fand, entspricht so der westlichen Deutung, nur mit umgekehrten Vorzeichen. So war nun die Deutung unserer Deutschen Geschichte zweigeteilt, in eine westliche und eine östliche Perspektive.
Eine deutsche Deutung dieser getrennten Geschichte wird nun wahrlich nicht eine sein können, die sich einfach mit einer der beiden Perspektiven hundertprozentig identifiziert. Aber auch die Aussage: "nach dem verlorenen Kriege" ist problematisch, denn ursprünglich verstand sich nur Stalin als Befreier der Deutschen während die westlichen Sieger einen Krieg gegen Deutschland geführt hatten, um es zu besiegen. 
Aber wenn hier von "Deutschlands Schicksal" geschrieben werden soll (auch wenn hier noch nicht so ein brillanter Versuch der Deutung vorgelegt werden kann, wie es Emanuell Hirsch in seinem: Deutschlands Schicksal gelang), dann muß dies Schicksal auch theologisch betrachtet werden, wenn auch ein Begreifen noch nicht gelingen will. Gottes Weltregiment, daß er regiert, kann und darf nicht auf die Privatssphäre individueller Frömmigkeit reduziert werden: mein Gott in meinem Leben!, noch darf das Regieren moralisch verkürzt werden auf die Vorstellung des göttlichen Gesetzgebers, der uns zu einem moralischen Lebenswandel aufruft, der dann aber nur noch zusieht, wie wir Menschen nun unmoralisch wider ihn leben, um gar Weltkriege zu führen, um unsere Gottlosigkeit machtvoll zu demonstrieren. Gott, der Gott Jesu Christi regiert, er schaut nicht nur zu. Zudem gilt, daß nichts auf Erden sich gegen den Willen des allmächtigen Gottes ereignen kann.
Meine These lautet nun, daß unser Volk seit der Reformation auch unter dem Zorn Gottes steht. Gott darf nicht auf den nur Liebenden, Alles Verzeihenden verkürzt werden. So wie die Geschichte des Volkes Israels mit seinem Gott Zeiten des göttlichen Zornes wider das erwählte Volk kennt, so etwa die Niederlage 586 v. Christus, die das Strafgericht Gottes über die öffentlichen Sünden seines Volkes ist, so kann es auch für unser Volk Zeiten des Erleidens des göttlichen Zornes geben. Der dies irae, das eschatologische Endgericht am Ende der Geschichte schließt eben nicht göttliche Gerichte in der Geschichte aus. So können und müssen vielleicht sogar der 30 jährige Krieg und die 2 Weltkriege als Gericht Gottes über unser Volk verstanden werden, weil aus unsrer Mitte dieser so fürchterliche Angriff auf Gottes Kirche sich ereignete, der eben so erschreckend erfolgreich war, war doch die Reformation der Anfang der Auflösung des christlichen Abendlandes. 
BRD und DDR, das war nun ideologisch betrachtet der Zweikampf zwischen der Ideologie des freien Westens, des Liberalismus mit der sowjetischen Sozialismusideologie. Offenkundig hat hier der Liberalismus gesiegt. ( So Alexander Dugin in seinem Opus: Die vierte politische Theorie.) Da die Geschichte die Sieger schreiben, gibt es jetzt nur eine Deutung dieser Wiedervereinigung, die der Sieger. Könnte das auch anders gesehen werden? Ja, wenn statt einer rein politischen Betrachtung wir die Geschichte des so geteilten Deutschlandes kulturell deuten würden.
Dann müßte konzediert werden, daß die Einheit Deutschlands, durch Bismarck geschaffen den Ausschluß Österreiches aus dem Deutschen Reich bedeutete, es konnte nur die "Kleindeutsche Lösung" realisiert werden. Deutschland wurde so zu einseitig preußisch-protestantisch, es fehlte ihm das katholische Korrektiv, das Österreichische, das der Deutschen Kultur das Feinere und Kultiviertere gab gegenüber dem Preußisch-Soldatischem.   
Nach 1945  erlitt nun Westdeutschland seine kulturelle Umerziehung und das war gerade auch die Entpreußung der Deutschen als Entdeutschung durch die westlichen Siegermächte. Eine Entdeutschung und Russifizierzung fand nun in Ostdeutschand nach 1945 nicht statt, sodaß einem aufmerksamen Westdeutschen die DDR als deutscherer, als preußischerer Staat erscheinen konnte. Kulturell gehört Deutschland weder dem Westen noch dem Osten an, erst durch die Niederlage wurde Westdeutschland und nun nach 1989 auch Ostdeutschland  in den Westen integriert. Das heißt aber auch, daß wir Deutsche Gefahr laufen, unsere kulturelle Identität zu verlieren durch diese Verwestlichung. 
Auch dies will theologisch begriffen werden, daß Gott selbst den Völkern wie den Individuen ihren jeweiligen besonderen Charakter gab und gibt, damit sie sind, was sie sein sollen: individuiertes Leben. Nicht erst das politisch gewollte Projekt der Multiethnisierung und Multikutivierung, schon die Verwestlichung Deutschlands stellt eine Auflösung unseres Nationalcharakters dar. Dieser war aber immer auch schon die Zerspaltung durch die Reformation und durch den Ausschluß Österreiches bei der Reichsgründung 1871 geschwächt. Es gilt so nun, unseren kulturellen Charakter zu revitalisieren und dafür sind die Ressourcen in Ostdeutschland vitaler als in Westdeutschland, das eben die Entdeutschung als Reeducation erlitten hat und immer noch daran leidet.