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Freitag, 30. Januar 2026

Ein überdrüssiges Thema: Schöpfung und Evolution - aus dem Üblichen- aber herausfallende Gedanken

 

Ein überdrüssiges Thema: Schöpfung und Evolution - aus dem Üblichen aber herausfallende Gedanken



Es ist wohl unmöglich,zu diesem Thema irgendetwas zu schreiben, was nicht schon zigfach gedacht und bedacht worden ist,daß sich die Frage wirklich stellt, wozu noch etwas dazu schreiben. Das ist aber auch die Not unserer Postmoderne, daß das für alles gilt,worüber geschrieben werden könnte: Zu jedem Gegenstand,über den etwas geschrieben werden könnte,ist schon so viel geschrieben worden, daß wollte man, bevor man Eigenes schreiben, so viel an Primär- und Sekundärliteratur zu dieser Causa lesen,wie es nötig ist,um sich in dieser Causa auszukennen,man nie zum Schreiben kommen kann,zumal man dann noch konstatieren muß, daß das vermeintlich Eigene schon längst zigfach publiziert worden ist.

Nun reizt mich dieses Thema trotzdem und so formuliere ich dazu ein paar Gedanken, die sicher nicht durch eine große Originalität sich auszeichnen werden, die aber hilfreich für dies Thema sind.

Die analogia entis Lehre berücksichtigend könnte gesagt werden:Ähnlich wie ein Architekt einen Hausbauplan erstellt, der dann Schritt für Schritt realisiert wird, so setzt Gott als Schöpfer zuerst die ideele Welt, das ist die Menge aller Ideen der Welt,die untereinander geordnet alle Elemente der zur realisierenden Welt bilden. Schöpfungstheologisch ist das die unsichtbare Welt als von Gott verschiedene,als die Welt von Gottes Ideen von allem, was dann realisiert werden sollen.

So ist die Idee des Menschen durch Gottes Denken und davon zu distinguieren ist nun die prozessuale Hervorbringung des Menschen als die Individuation der Idee des Menschen in seinen vielen Erscheinungen. Die Idee des Menschen ist so ante rem als die Idee,die dann in vielen Exemplaren individuiert realisiert wird: Das ist,daß ein Mensch ist,daß er also ein Fall des Menschseins ist.Die Idee des Menschen ist so in jedem Exemplar des Menschen, individuiert realisiert, aber doch als diese Idee recognizierbar. Das ist der Ermöglichungsgrund dafür, daß wir alle Menschen, so sehr sich jeder von den anderen Menschen unterscheidet, unter dem Begriff des Menschen subsumieren können. In dem Begriff des Menschen wird so die Idee des Menschen erfaßt. Der Begriff ist so die recognizierte Idee des Menschen, realisiert in dem Einzelmenschen in einer Individuieren Gestalt. Die Idee ist so das Erste und in seiner Realisierung das Letzte so wie der Bauplan für ein Haus das Erste und am Schluß der Realisierung erst das Haus erscheint als die Realisierung der Idee.

Die Naturwissenschaft kann nun nur den Prozeß der Entwickelung des Menschen untersuchen und seine Gesetzmäßigkeiten erkennen, aber nicht den Ursprung dieser Entwickelung, die Idee des Menschen. Denn die gehört nicht in die Welt sondern ist vor der Welthervorbringung als die Idee Gottes vom Menschen.Der biblische Schöpfungsbericht zeigt sozusagen Gottes Bauplan für die ganze Welt als in sich wohl geordnete, die dann auch realisiert wird, in dem die Idee von etwas nun individuierend realisiert wird:Die Urbilder erscheinen in einer Vielzahl ihrer Abbilder. Und diese Abbildungen werden nun gemäß den von Gott dekretierten Naturgesetze hervorgebracht.Der Erforschung dieser gesetzmäßig verlaufenden Entwickelung dient nun die Evolutionstheorie, ihre Grenze aber findet in den Ideen, den jenseitigen, die sich dann in ihrer Entwickelung realisieren.

So müßte auch strikt zwischen dem ersten Menschen als seiner Idee, wie Gott ihn gedacht hat und seinem ersten Erscheinen in der Entwickelung der Natur unterschieden werden. Adam und Eva im Paradies meinen nicht die ersten in der Naturentwickelung hervorgebrachten Menschen der Urzeit der Menschheitsgeschichte. Die reale,realisierte Welt ist eben strikt von der ideelen zu distinguieren.

Das Eigentümliche des Menschen ist nun, daß Gott ihn als zur Selbstbestimmung befähigtes Geschöpf wollte.Der Mensch konnte sich so in seiner Urwahl als seinem Gott gehorchen Wollender oder ihm widerstreiten Wollender hervorbringen.Indem das erste Menschenpaar sein Nein zu Gottes Willen sagte,brachte es das menschliche Geschlecht gemäß dieser Urentscheidung hervor. Die Idee des Menschen wäre ja nicht eine Idee des Menschen, wenn ihr,der Idee nicht die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gegeben wäre. Zu ihr sagt ja Gott: „Vermehret Euch!“ Es ist also als gehorsamsfähig zu denken. Das erste Menschenpaar, das nur in seiner geschlechtlichen Polarität fortpflanzungsfähig ist, sollte eben kein Unikat bleiben, sondern das Urbildpaar, das sich dann in vielen Exemplifikationen des Urbildes des Menschen realisieren sollte. Aber die Abbilder der Idee des Menschen reproduzierten in sich das Menschsein so,wie es durch diese Urentscheidung geworden ist, als zum Sündigen Geneigte.

Deswegen existiert auch die Differenz zwischen dem Menschen, wie Gott ihn erdacht hat, der ideele Mensch und wie er sich dann in den vielen individuierten Abbildern des Menschen realisiert,als eben durch diese Urwahl bestimmte. So gehört zwar das Sterbenkönnen zur menschlichen Natur, nicht aber das Sterbenmüssen. Die Naturwissenschaft kann nur den in der Welt realisierten Menschen erforschen, und so urteilt sie, daß das Sterbenmüssen zur Natur des Menschen gehöre,aber verkennt so notwendig den Menschen als seiner Idee.

So wie die Wahrheit des Kreises seine mathematische idee ist und nicht die Kreise, wie sie im Rechenunterricht von den Schülern gezeichnet werden,so ist auch die Idee des Menschen seine Wahrheit und nicht seine durch den Sündenfall depravierte Erscheinungen!Es ist so der wirkliche Mensch von dem wahren, das ist seine Idee und die Wirklichkeit von ihrer Wahrheit zu unterscheiden. Das markiert eine Grenze der Naturwissenschaften.

Soweit meine vorläufigen Gedanken zu dieser Causa.





Freitag, 1. Dezember 2023

Zum Niedergang der christlichen Religion – ein überraschender Fund

Zum Niedergang der christlichen Religion – ein überraschender Fund


Wer hätte wohl gedacht, daß in dem so erfolgreichen,inzwischen in über 40 Sprachen übersetzenden Roman:“Sofies Welt“ von Jostein Gaarder sich für diesen Niedergang verantwortlich zu machende Elemente auffinden lassen.Der Autor habe Philosophie,Theologie und Literaturwissenschaft studiert und doziere nun als Philosophieprofessor. Nichts Extravagantes oder Originelles sondern die Vulgärität zeichnet dabei diese Elemente aus. Nicht wird hier nun der Roman besprochen, dem nicht abgesprochen werden kann, eine gut geschriebene Einführung in die Geschichte des philosophischen Denkens zu sein, sondern es soll sich auf wenige simple Phrasen kapriziert werden, die wohl gerade deshalb auch so wirkmächtig sind.

In dem Kapitel: „Eine göttliche Stimme“,in dem auch Sokrates mit Jesus verglichen wird, ist zu lesen: Sokrates und Jesus „forderten die Machthaber in der Gesellschaft heraus,weil sie alle Formen von Ungerechtigkeit und Machtmißbrauch kritisierten. Und nicht zuletzt: Diese Tätigkeit kostete beide das Leben.“ Jemand, der Theologie studiert hatte, schreibt über Jesu Christi Kreuzestod, daß er gekreuzigt worden sei ob seiner Kritik an den Mächtigen seiner Zeit. Kann man noch vulgärer über das Kreuz Christi denken? Diese völlige Verständnislosigkeit über das Heilsereignis Jesu Christi ist nicht nur symptomatisch für das Verlöschen der Lebenskraft der christlichen Religion sondern auch ursächlich dafür, denn diese rabiate Reduktion Jesu auf einen Gesellschaftskritiker tötet die christliche Religion.

Zusatz:

Dies Buch schrieb ein Theologe! Was hat der nur an der theologischen Fakultät gelernt?

Sofie lernt und als eine ihrer ersten Einsichten formuliert sie: „Sie begriff,daß die Menschen immer ein Bedürfnis nach Erklärungen für die Naturprozesse gehabt hatten.Vielleicht konnten die Menschen ohne solche Erklärungen nicht leben.Und deshalb hatten sie damals, als es noch keine Wissenschaft gab, die Mythen ersonnen.“ So sei „Das mythische Weltbild“ entstanden, deren Auflösung wir der Wissenschaft zu verdanken haben. Ob aber der Gehalt von Mythen sich darin erschöpft, daß er vollständig von den Naturwissenschaften ersetzbar ist, bleibt in diesem Buchkapitel ungefragt.

Eng verbunden mit den Mythen sei nun aber auch der Aberglaube. Götter bewirkten Gesundheit und Krankheit,wirkten auch in der Geschichte: „Die Griechen der frühen Zeit hatten auch für Krankheiten die Götter verantwortlich gemacht.So wurden ansteckende Krankheiten oft als Strafe der Götter bezeichnet.“, heißt es so in dem Kapitel: „Geschichtswissenschaft und Medizin“.Noch abergläubischer: „Andererseits konnten die Götter Menschen gesund machen, wenn ihnen nur die richtigen Opfer dargebracht wurden.“Aber die Medizin und die Geschichts-wissenschaft beseitigte dann solch mythologisch abergläubische Vorstellungen.So löste sich dann auch die mythologische Vorstellung einer göttlichen Vorsehung und des Schicksales auf: All das verschwand dank der Wissenschaft.

Und so kann dann Jesus auch nur noch ein Gesellschaftskritiker gewesen sein, denn dann die Mächtigen töteten. Alle Mythologie und alle Religion ist so vollständig durch die Wissenschaft ersetzbar, sie konnten es ja auch nur geben in wissenschaftslosen Zeiten.

Darum wird am Schluß die Frage: „Aber an irgend etwas Übernatürliches glaubst du nicht?“so beantwortet: „Allein der Ausdruck >übernatürlich< kommt mir immer ein bißchen komisch vor.Nein,ich glaube wohl,daß es nur eine Natur gibt. Aber die ist zum Ausgleich höchst erstaunlich.“ Zur Klarstellung wird dann diese Nachfrage bejaht: „Das Übernatürliche gibt es also nur in den Büchern,die du mir gezeigt hast?“,aber undogmatisch: man könnte sich offen halten für die rein theoretische Möglichkeit, daß da noch was sein könnte. (Kapitel: Unsere eigene Zeit...der Mensch ist zur Freiheit verurteilt) Alle Mythologie, alle Religion endet so im rein wissenschaftlichen Denken, das als undogmatisches nicht das Nichtsein alles Übernatürlichen behaupten will, aber es als überholt ad acta legt. 

 

 

Dienstag, 25. November 2014

Das moderne Weltbild und die christliche Religion

Wo sind Himmel und Hölle?

Naturwissenschaft und Glaube-oder widerspricht Mariae Himmelfahrt dem modernen Weltbild?

Wer hat das noch nicht am Festtage der Feier Mariä Himmelfahrt erlebt, daß der Prediger sich weit und breit dafür entschuldigt, daß in Zeiten der Ökomene die Aufnahme Mariä noch in der Katholischen Kirche gefeiert würde.Sei das nicht ein Affront gegen unsere protestantischen Mitchristen? Und subkutan klingt da noch mit Nietzsches Aufruf zur Treue zur Erde, Heinrich Heines Votum, den Himmel überlassen wir den Spatzen und überhaupt: ist nicht der Himmel als Vorstellung eines Ortes, wo Gott samt den Engeln und Heiligen thront tiefstes Mittelalter. Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel, das hieße dann, zeitgeistgemäß übersetzt, daß Gott den ganzen Menschen in seiner Einheit von Leib und Seele bejahe. Das und nur das besage auch dies Fest der Aufnahme Mariä in den Himmel und diese Umformung wäre auch für protestantische Ohren zumutbar, alles andere tiefstes Mittelalter.

Daß Kopernikus das Mittelalter mit seiner Vorstellung von der Erde als Scheibe, dadrunter die Hölle und dadrüber der Himmel und somit auch die christliche Vorstellung von Himmel- und Höllenfahrt ein für alle mal erledigt hätte, das wußte schon A. Rosenberg in seinem „Mythos des 20. Jahrhunderts“ zu verkünden: „Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen,daß Kopernikus, der am die Stelle des statischen Weltbildes von der unbeweglichen Erdenscheibe mit dem Himmel oben und der Hölle unten das dynamische der ewig kreisenden der Sonnensysteme setzte, unsere gesamte kirchliche Zwangsglaubenlehre restlos überwunden, ein für allemal erledigt hat.“1 Viele stimmen heuer dem zu selbst in der Kirche. Es sei hier als Extrembeispiel des Jesuiten Lenaers erinnert, der sogar neben den Glauben an Himmel und Hölle den Glauben an einen welttranszenden Gott verwirft, weil es für ihn nach Kopernikus nur ein Universum gibt, außer dem nichts ist, so daß es keinen Gott über uns und keine Hölle unter uns geben könnte. Ist Gott aber nur in der Welt, dann liegt es nahe, Gott pantheistisch aufzulösen.Das Werk dieses Jesuiten, „Der Traum des Nebukadnezars“ in der Intention, das Mittelalter in der Kirche zu überwinden, kommt dem dann auch erschreckend nahe.

Der schlichten Parole, die Kirche dürfe nicht etwas als verbindliche Lehre erklären, was den Erkenntnissen der Naturwissenschaft widerspräche, ist aber nicht zu widersprechen: nach katholischem Verständnis kann keine Wahrheit des Glaubens Ergebnissen der Naturwissenschaft widersprechen. Wenn sie ortslos wären in der von Gott geschaffenen Welt, dann könnten sie nicht weiter Bestandteil des Glaubens sein. Wo sind Himmel und Hölle, wenn das nicht einfach nur Symbole für positive oder negative Erfahrungen des Erdendaseins sein sollen? Wo wurde Maria aufgenommen, wenn sie in den Himmel aufgenommen wurde? Der Katechismus weiß darauf nur zweierlei zu respondieren: der Himmel sei der Ort Gottes und der geistigen Geschöpfe bezeichne die endzeitliche Herrlichkeit.2Von der Hölle heißt es: daß die Hölle den Zustand der endgültigen Selbstausschließung von der Gemeinschaft mit Gott meint.3 Himmel und Hölle werden so reduziert auf eine bloße Relationsgröße, bei oder entfernt sein von Gott, ohne zu fragen, ob nicht die Vorstellung von einem Bei-oder Abgesondertsein von Gott notwendig die Vorstellung eines Selbststandes des Menschen präsumiert, der nah oder fern von Gott ist und um dieses Seins willen ein Sein eines Raumes präsumiert, damit eine Relation zu Gott sein kann. Aber die Glaubenswahrheit der leiblichen Auferstehung verlangt, daß die Vorstellung einer Relation Gottes zum Menschen auch im ewigen Leben eine räumliche Dimension besitzt, denn Körprerlichkeit verlangt nach Räumlichkeit.

Wir könnten es uns einfach machen, und Himmel und Hölle einfach reduzieren auf die Vorstellung von: einem In -Gott-Sein oder Getrennt-von Gott-Sein. Aber damit reprodiziert sich von selbst wieder die Vorstellung des Raumes als des Ermöglichungsgrundes von einer solchen Relation.Würde von Maria gelehrt, daß sie, wie alle Menschen gestorben wäre, so daß nur ihr Leib begraben, ihre Seele aber zu Gott aufgenommen worden wäre, dann könnte man sich eine Relation ihrer Seele zu Gott raumlos vorstellen, aber ob ihrer leiblichen Auferstehung verbietet sich dies.

Alle biblischen Vorstellungen von einem himmlischen Gottesdienst, dessen Abbild der irdische ist, gar die Vorstellung von einem himmlischen Gastmahl inkludieren die Vorstellung einer Raümlichkeit des Himmels- keine Auflösung in einem In -Gott- Sein, wie etwa ein Regentropfen aufgeht in einem Meer.

Könnte es für uns nach Kopernikus noch eine Möglichkeit geben, Himmel und Hölle als etwas Räumliches zu denken, wobei dieser Raum nicht ein Element des uns bekannten Raumes, des Kosmos wäre?

Da menschliche Vorstellungen sehr zeitgeistbedingt sind, soll hier nun eine Anleihe in einer Wissenschaft gesucht werden, die im Rufe steht im Vergleich zu anderen, ewigen Wahrheiten näher als andere Wissenschaften zu kommen: die Mathematik. Zwei parallele unbegrenzte Linien haben keinen gemeinsamen Schnittpunkt, obgleich sie Element einer unbegrenzt großen Fläche sein können.So können auch zwei unendlich große Flächen parallel zueinander in einem Raum sein.ohne gemeinsame Elemente. Was für eindimenmsionale Gebilde in einer zweidimensionalen Fläche, was für zweidimensionale Flächen in einem dreidimensionalen Raum gilt, das gilt ebenso für zwei dreidimensionale unendlich große Räume in einem „Hyperraum“: in ihm lägen zwei dreidimensionale unendliche Räume so parallel zu einander, daß sie keinen gemeinsamen Punkt aufwiesen. Räume sind als von Gott geschaffene Ermöglichungsbedingungen eines Miteinanders von Geschöpfen zu denken, die auch ein Zusammensein mit dem Schöpfergott ermöglichen. Weil Gott Menschen und Engel schuf als von ihm verschiedene Wesen und die Beziehung Gottes zu ihnen ihr kreatürliches Sein nicht einfach nichtet, ist die Vorstellung eines Raumes adäquat , damit darin eine Geschichte einer Beziehung von Gott und seinen Geschöpfen möglich ist.

Die Frage, wo ist dann „oben“ und wo ist dann „unten“, ließe sich mit diesem der Mathematik entnommenen Gedanken dann beantworten: es ist ein von dem uns bekannten Raum abgetrennter Raum, der uns nicht zugänglich ist, weil die Räume von Himmel und Erde und Hölle durch ihr Sein in dem übergeordeneten Hyperraum getrennt voneinander sind.

Man mag auf solche Vorstellungen verzichten, weil sie einem zu spekultiv klingen. Aber bevor man sich dafür entscheidet, muß konzidiert werden, daß religiöse Vorstellungen, etwa von einem jenseitigen Himmel und einer unterirdischen Hölle verblassen und aus dem religiösen Bewußtsein verschwinden,wenn man sich bei diesen Vorstellungen nichts mehr denken kann. Wenn sie einmal an die anschauliche Vorstellung vom überirdischen Himmel und der unterirdischen Hölle verbunden waren, wobei der Stand der Erde oben von unten unterschied und das geht nur, wenn die Erde als Scheibe vorgestellt wird- für eine Kugel gibt es kein „Oben“ und „Unten“- dann muß der Gedanke eines Himmels und einer Hölle von dieser Anschauung emanzipiert werden, will man nicht dem heutigen Christen zumuten, in seinem religiösen Denken vor Kopernikus zu leben oder aber diesen ganzen Vorstellungskomplex aufzugeben.
Nur, was bleibt dann? Wer aufmerksam heutigen Beerdigungsansprachen zuhört, wird auffallen, daß das Gerede vom: „Nun ruht der Verstorbene im ewigen Frieden Gottes“ und seiner unendlich vielen Variationen kaum noch unterscheidbar ist von der Aussage, daß der Verstorbene einfach tot in der Erde liegt im Sinne von Epikur, daß mein Tod nie sein kann, weil wenn ich bin, mein Tod nicht ist und wenn mein Tod ist, ich nicht bin, sodaß mein Tod nie eintreten kann. Daß das Leben nach dem Tode das wahre ist, zu dem sich unser irdisches höchstens wie ein Vorspiel verhält, davon ist nichts mehr zu hören. Das wahre und eigentliche ist uns das Erdendasein geworden, als wären wir alle Nietzschejünger , und daß danach: nur noch ein blasses : In- Gott-Ruhen,von einem bloßen Nichtsein kaum unterscheidbar.

Wie anders denkt und glaubt die Kirche, wenn sie Mariä leibliche Aufnahne in den Himmel lehrt. Für sie endet das Leben nicht mit dieser Aufnahme in den Himmel, es ist nicht der wohlgeformte Endpunkt eines Gott wohlgefälligen Lebens sondern der Anfang ihrer Regentschaft im Himmel.Sie wird zur Königin des Himmels und somit auch der Erde. Es ist ein arger Mißbrauch der Intention der Ökomene, wenn unter ihrer Flagge vermeintlich Unzeitgemäßes um des Wohlwollens der Protestanten willen aus der Lehre der Kirche entfernt wird.

Für Rosenberg und viele andere ist das ganz einfach: Im Mittelalter und davor hatten die Menschen primitive Vorstellungen von Erde, Himmel und Hölle. Genußvoll weißt Rosenberg darauf hin, daß so mancher an den Konzilien und den dortigen Entscheidungen, den Dogmen Beteiligter nicht mal lesen und schreiben konnte, um die Unzeitgemäßheit dieser Dogmen herauszustreichen. Die Sachgemäßheit der Dogmen immer wieder aufs neue zu ergründen und zur Anschauung zu bringen, ist so eine bleibende Aufgabe der Theologie. Gelingt das nicht, dann darf man sich nicht wundern, daß immer mehr Teile des Glaubensgutes des Kirche erst zu unverstandenen Formeln werden, die dann Schritt für Schritt aus dem Glaubensbewußtsein verschwinden. Erst so werden sie dann zu leichten Opfern der Reformer: nicht mehr zeitgemäß! .

Uwe C. Lay
1Rosenberg, S. 133.
2Katechismus Nr. 326.

3Katechismus Nr. 1033.