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Freitag, 8. Mai 2026

Ist der Pazifismus mit dem Gebot der Nächstenliebe vereinbar?

 

Ist der Pazifismus mit dem Gebot der Nächstenliebe vereinbar?



Als ich Theologie studierte, in den 80 er Jahren, erlebte Deutschland die Blütezeit der Friedensbewegung wider die Aufrüstungspolitik der Nato und viele Theologiestudierenden bekannten sich zum Pazifismus aus ihrem Glauben heraus.Nebenbei: Die politischen Ziele der damaligen Friedensbewegung: „Nein zur Natoaufrüstung!! bejahe ich auch heute noch, es geht mir so hier also nicht um eine Kritik der Friedensbewegung sondern allein um die Frage, ob ein Christ ein Pazifist sein kann.

Damals führte ich das Gespräch mit Christin immer so, wenn denn ein Gespräch zu dieser Causa führbar war, meist sprach man auch damals schon nur im Kreise der Gleichgesinnten.

Stelle Dir bitte vor, Du hättest ein Mädchen, Deine Tochter, ein bildhübsches Madel von 12 Jahren. Du kommst vom Einkaufen nach Hause. Da siehst Du: Im Wohnzimmer liegt Deine Tochter, völlig entkleidet, ein fremder Mann über sie gebeugt, sie ist offenkundig vergewaltigt worden und er will jetzt ihr ein Brotmesser in die Brust rammen.

Glaubst Du wirklich, daß Du nun nicht Gewalt anwenden darfst, um das Erstechen Deiner Tochter zu verhindern?“ Zusätzlich frug ich: „Glaubst Du wirklich, daß dieser Vergewaltiger Deiner Tochter sich von ihrer Ermordung abhalten ließe, indem Du ausruft: „Das dürfen Sie nicht! Das ist unmoralisch!“? Keine Studentin blieb pazifistisch: Um des Lebens ihres Kindes willen, hätte jede Gewalt angewendet.

Bei einem Gespräch mit Theologiestudenten variierte ich dieses Ereignis leicht: statt Mädchen sagte ich da: „Deine Freundin“.

Diese Extremsituation führt aber zu einem eindeutigen Resultat: Die Nächstenliebe ist nicht vereinbar mit dem Pazifismus! Es gibt Situationen, da um der Nächstenliebe willen, der Christ Gewalt anzuwenden hat.Allerdings ist auch zu sagen, daß in der Politik zu oft und zu schnell die Option des Krieges gewählt wird. 

Samstag, 28. Februar 2026

Ein befremdliches Gespräch über die Bergpredigt zu Zeiten der Friedensbewegung

 

Ein befremdliches Gespräch über die Bergpredigt zu Zeiten der Friedensbewegung



Die Bergpredigt, das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens, Nie sei dieser Text so aktuell wie jetzt, Bisher, gerade in den Zeiten des „Thron-und Altar Bündnisses“ sei er von der Kirche völlig entstellt worden, ja die Kirche habe gar Waffen gesegnet, aber jetzt ist unsere Stunde des Pazifismus gekommen!“

Der erste Einwand: „Was hat den: „Selig, die Frieden schaffen (pacem facere) mit einem Pazifismus zu tuen? Das „pacem facere“ ist resultativ gemeint und besagt nichts über das Wie des Friedensschaffens aus, wohingegen der Pazifismus eine Gesinnung meint.“

Gottes Gebot heißt: >Du sollst nicht töten!< Das verlange einen Pazifismus!“

Wenn diese Übersetzung zuträfe, warum wird dann in der Bibel nie einer der vielen Kriege, die Israel zur Eroberung des ihnen von Gott verheißenden Landes geführt hat, als Sünde, als ein Handeln wider Gottes Willen qualifiziert?“

Ach, das Alte Testament! Jesus hat alles ganz neu gemacht und uns von so dem kriegslüsternen AT-Gott befreit! Jesus habe nie Gewalt angewandt, zu Zeiten des Alten Testaments hatten die Juden diesbezüglich noch recht unklare Vorstellungen über Gott!“

Könnte diese Differenz nicht etwas mit dem Unterschied von privatem und staatlichem Handeln zu tuen haben. Es muß doch das Gewaltmonopol des Staates bedacht werden.“

Ah, Du willst auf das Votum des Bundeskanzlers Schmitt hinaus: Man könne die Welt nicht mit dem Evangelium, der Bergpredigt regieren, Die sei nur was für Weltfremde, die keine Verantwortung für ihre Nächsten trügen!“

Lasse uns doch mal zum Text der Bergpredigt zurückgehen! Eine simple Eingangsfrage hätte ich dazu: Wenn ich einen Kinofilm sehen möchte, erkundige ich mich nach den Eintrittsbedingungen, daß es da etwa heißt: Mindestalter 16 und 8 Euro Eintritt. Dann weiß ich, daß ich beide Conditionen erfüllen muß, um den Kinofilm sehen zu dürfen. Es reicht also weder aus, zwar 17 Jahre alt zu sein, wenn ich keine 8 Euro bezahlen kann noch reichen die 8 Euro, wenn ich erst 15 Jahre alt bin. Die Bergpredigt bennennt nun die Eintrittsbedingungen in das Reich Gottes. Habe ich nun alle zu erfüllen oder reicht mir eine von den da aufgezeigten?“

(Auf diese Frage konnte mir kein theologischer Dialogpartner eine Antwort geben! Kopfschüttelnd hieß es nur: „Das sei Sophistik!“ Aber der Dialog zeigte dann, daß es dem Bergpredigtchristen auch nicht in erster Linie um das „ewige Leben“ und das „jenseitige Reich Gottes“ ginge, sondern darum, wie wir Christen eine bessere, humane Welt erschüfen könnten!)

Also, die Bergprdigt Jesu ist eine Programmskizze zur Humaniserung der Welt ohne Krieg und ohne Ungerechtigleit?- Dann hätte ich dazu eine simple Frage. Wenn mein Dialogpartner eine Theologin war, friug ich so: Stelle Dir bitte diese Situation vor. Du hast eine 12 jährige Tochter, ein bildhübsches junges Madel. Du kommst vom Einkaufen retour, während Deine Tochter fleißig Daheim ihre Schulaufgaben erledigt. Als Du nun die Wohnungstüre aufschließt, siehst Du Deine Tochter, am Boden liegend, völlig entkleidet und über ihr einen fremden Mann, der ihr gerade ein Brotmesser in die Brust rammen will, nachdem er Deine Tochter offensichtlich vergewaltigt hat.Was tust Du dann als eine überzeugte Pazifistin? (Bei Männerm wandelte ich die Situation etwas um: Da lag dann seine Freundin, wie beschrieben am Boden!)

Sagst Du da zu dem Vergewaltiger: „Das darfst Du nicht“ und siehst dann zu, wie Deine Tochter ermordet wird?“ Du liebst Deine Tochter! Wäre es da nicht christlicher, den Mann mit Gewalt daran zu hindern, Deine Tochter zu morden, als pazifistisch gesonnen: -Keine Gewaltanwendung- den Mord hinzunehmen?“

Hier kapitulierte jede Pazifistin und gestand,daß in diesem Falle Gewalt gegen den Vergewaltiger erlaubt sei.

Ich resümierte: Wie immer auch die Bergpredigt auszulegen sei, die Auslegung dieses Textes ist sehr schwer, muß in kriteriologischer Hinsicht gesagt werden: Die Bergpredigt darf nicht so interpretiert werden, daß der Christ dann gegen das Gebot der Nächstenliebe verstoßen muß. Es gibt Situationen, in denen um der Nächstenliebe willen Gewalt gegen Angreifer erlaubt, vielleicht sogar geboten ist. Jesus hätte nie von einer Mutter verlangt, auf eine Gewaltanwendung zu verzichten, um somit ansehen zu müssen, wie ihr eigenes Kind dann ermordet wird.Das hat auch im politischen Raum zu gelten: Jeder Staat hat das Recht, wird er militärisch angegriffen, sich kriegerisch zu verteidigen!

In unserer postlapsarischen Welt der Gewalt und der Kriege wäre ein konsequenter Pazifismus die Einladung an alle Gewalttäter, im privaten wie im politischen Raume, die Nichtgewaltbereiten unermeßlich zu maltraitieren und letztendlich zu töten! Das kann und darf keine christliche Praxis sein! 

 

"Pacem facere" mit "Pacifismus" gleichzusetzen, ist schon arg peinlich. 





Mittwoch, 9. April 2025

Ein verhängnisvoller Irrtum: Wollte Jesus durch seinen Gewaltverzicht ein Vorbild des Deeskalisierens sein? Ein Beitrag zum Karfreitag

 

Ein verhängnisvoller Irrtum: Wollte Jesus durch seinen Gewaltverzicht ein Vorbild des Deeskalisierens sein?



Der Karfreitag kommt näher auf uns zu und damit steht die liberale Theologie Jahr für Jahr wieder vor der Aufgabe, dieses Skandalon der christlichen Religion irgendwie zu bewältigen, für die Zeitgenossen zu etwas Hinnehmbaren zu transormieren.

Eine besondere Strategie dieser Umformung soll hier skizziert werden.Aber nicht in medias res, sondern über einen scheinbaren Umweg möchte ich hier diese Strategie rekonstruieren. In den „Beherzigungen für jeden Tag des Monates“ aus den Schriften des heiligen Bonaventura zitiert M. Sintzel1.In dem der Tugend der Sanftmut gewidmeten „Neunten Tag“ heißt es: Friede und Eintracht erhält der Sanftmütige mit dem Nächsten.Denn wie ein Federkissen die Gewalt eines geschleuderten Steines bricht,so bricht auch ein sanftmütiger Mensch die Gewalt des Zornes und Unwillens,wenn er ein sanftes und friedliches Wort zurückgibt.Deshalb lesen wir auch im Buch der Sprichwörter: >Eine weiche Antwort bricht den Zorn>.Spr 15,1.“

Damit versucht diese Betrachtung der Tugend der Sanftmut die Seligpreisug Jesu: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen!“Mt 5,4 zu deuten und verkennt damit das Eigentliche dieser Verheißung. Das Positive an dieser Tugend ist, daß Gott den diese Tugend Praktizierenden mit dem ewigen Leben belohnen will, Jesu Morallehre ist eindeutig eine Lohnlehre, aber nicht meint er, daß diese Tugend,praktiziert weltimmanent positiv sich auf das zwischenmenschliche Leben auswirke und daß das dann das Positive dieser Tugend sei.Jesus Christus glaubt Gott als einen belohnenden und bestrafenden Gott, wobei der Schwerpunkt dann auf das eschatologische Endgericht gelegt wird. Nicht sind die Tugenden etwas, das unser Leben gut werden läßt oder schlecht im Sinne von, daß es mir gut oder nicht gut ergeht, je nachdem ob ich tugendhaft lebe oder nicht.

Der Glaube, daß die praktizierte Sanftmut andere Gewaltbereite davon abhält, gegen den Sanftmütigen aggressiv zu agieren, ist nun leider eine fromme Illusion. Gerade die Sanftmütigen, die die nicht zurückbeißen, sind das Vorzugsopfer des Mobbings, sind geradezu dazu prädestiniert,Opfer sexuellen Mißbrauches zu werden:“Mit denen kann man es ja machen, denn die wehren sich nicht und lassen sich alles gefallen!“ Menschen lächeln sich gerne wechselseitig an, besonders wenn ihnen gesagt wird: „Jetzt photographiere ich Sie!“ Auf welchem so gestellten Bild lächelt der Photographierte nicht in die Kamera! Er lächelt und zeigt dabei gleichzeitig die Zähne. Die Zähne sind ursprünglich eine Angriffswaffe des Menschen, ihr Zeigen signalisiert: „Ich kann Dich beißen“ und das demonstrierte Lächeln: „Ich kann auch friedlich mit Dir umgehen!“ Diese zweifache Geste stellt den so Angesprochene vor eine Frage: „Wie willst Du unser Miteinander gestalten: friedlich oder aggressiv? Beides kann ich!“ Die Wahl eines friedlichen Miteinanders ist so oft nur das Ergebnis der Einschätzung der Kraft des Anderen, daß der im Konfliktfall sich als der Beißkräftigere erweisen könnte. Im politischen Raum heißt das, daß nur der zum Krieg Fähige und dazu auch Bereite im Frieden leben kann. Dagegen reißt die gelebte Sanftmut den Aggressiven zum Angreifen und gar zum Quälen des Opfers.

Wenn es eine systemische Ursache für die Mißbräuchsfälle in der Kirche gibt, dann wäre das eine pazifistisch ausgelegte Bergpredigt: „Du darfst dem Vergewaltiger, dem der Dir Böses antuen will, keinen Widerstand entgegensetzen und mußt dann Deinem Bruder, dem Christen 77mal vergeben und ihn dann noch, da er Dein Feind ist, lieben!“

Warum starb Jesus Christus den so qualvollen Tod am Kreuze? Eine Selbstverständlichkeit ist es geworden, die traditionelle Auslegung, wie sie am eindrucksvollsten Anselm von Canterbury vorgelegt hat in seinem nicht genug zu bewundernden Werk: „Warum Gott Mensch wurde“ als nicht mehr zeit(geist)gemäß zu reprobieren: Er starb nicht für uns einen Sühnetod.Aber warum dann? Weil er als der Sanftmütigste den Kreislauf der Gewalt unterbinden wollte: Er hätte als Allmächtiger auf die Gewalt, die ihm angetan wird, mit einer Gegengewalt reagieren können, die wiederum ein Mehr an Gewalt seitens der Gewalttätiger evoziert hätte, sodaß eine Gewaltspirale daraus erwüchse, daß mit immer mehr Gewalt reagiert würde. Diese Eskalation der Gewaltanwendung wollte Jesus verhindern, indem er auf jede Gegengewalt verzichtete und so sanftmütig die Gewalttäter besänftigte, so wie es der Traktat über die Sanftmut sich es vorstellt.

Aber Jesus wurde doch auf das Grausamste von den Soldaten gequält, ja sein Erdulden provozierte geradezu die Gewalttäter, ihn umso mehr zu mißhandeln. Warum: Jesus sollte den Kreuzestod erleiden als die Sühne für unsere Sünden und deswegen reagierte er nicht mit Gewalt gegen die ihm angetan werdende Gewalt. Nicht meinte er, durch sein freiwilliges Erleiden würde er die Welt gewaltfreier machen, daß ob seiner praktizierten Sanftmut die Gewalttätigen abließen von ihrer Gewalt. Nein, er hatte so den Zorn Gottes über uns Sünder zu besänftigen aber er legte uns damit kein Programm zur Befriedigung der Welt vor. Für das praktische Leben gilt weiter die bittere Wahrheit: Die Sanftmütigen sind das Lieblingsopfer aller Aggressiven, und nur wer kriegsbereit ist, kann in Frieden leben. 

Zu Zeiten Jesu war die Gewaltfrage höchst virulent als die Frage der Option eines gewaltsamen Befreiungskampfes wider die römische Fremdherrschaft. Hier positionierte sich Jesus und das Urchristentum eindeutig: Statt auf eine politische Befreiung Israels setzte es auf die Erlösung durch die Wiederkunft Jesu Christi, der dann das Reich Gottes bringen werden wird. 







1Michael Sintzel, Maria,meine Zuflucht und mein Trost“, neue verbesserte Auflage,1019,S.177f. Dieses Werk kann man gar nicht angemessen würdigen wegen seiner überragenden Qualität! Selbst Superlative reichen da nicht aus.

Donnerstag, 27. Februar 2025

Das „Bergpredigtchristentum“ - eine gemeingefährliche Moralvorstellung?

 

Das „Bergpredigtchristentum“ - eine gemeingefährliche Moralvorstellung?


Spontan wird wohl jeder Leser dies Urteil als ein eindeutiges Fehlurteil abtuen:Wie kann nur wer so diese so hoch stehende Moral als etwas Negatives bezeichnen? Statt nun eine Vorrede der Entfaltung dieses Negativurteiles voranzustellen, möchte ich gleich in medias res gehen, um für die Plausibilität dieser Beurteilung zu werben.

Der Fall: Ein Mann will eine junge Frau vergewaltigen, der Mann ist ein Priester, die Frau eine Ministrantin. Sie liebt die Bergpredigt und will gemäß ihr leben.

1.Schritt: Sie hat aus der Bergpredigt gelernt: „Widersetze Dich nicht des Bösen.“ Da das Vergewaltigtwerden das Erleiden von etwas ihr Bösem ist, widersetzt sie sich nicht und läßt sich vergewaltigen.

2.Schritt: Sie hat aus der Bergpredigt gelernt: „Du mußt Deinem Bruder nicht 7mal, sondern 77mal, also immer wieder vergeben. Sie vergibt also dem Vergewaltiger.

3.Schritt: Sie hat gelernt, daß sie ihre Feinde zu lieben habe. Also bemüht sie sich, ihren Vergewaltiger zu lieben. Das heißt konkret für sie, daß sie den Täter nicht anzeigen wird und wenn er sie wieder versucht, zu vergewaltigen, sie sich dem nicht widersetzen wird.

So ist diese Bergpredigtchristin das ideale Opfer jedes Vergewaltigers.

Nun wenden wir uns dem Täter zu:

Gott liebe jeden, so wie er ist, Gottes Liebe ist unbedingt.“ Das hört der Täter regelmäßig in den Sonntagspredigten. Was heißt das nun konkret für ihn? So meditiert nun der Täter diese Predigtaussage: „Bevor ich die junge Frau vergewaltigt hatte, liebte mich Gott, so wie ich bin! Jetzt, nachdem ich sie vergewaltigt habe, liebt Gott mich noch genauso wie vor meiner Tat, denn Gottes Liebe zu mir ist keine conditionale: „Ich, Dein Gott liebe Dich, aber wenn Du diese Frau vergewaltigt haben wirst, dann werde ich Dich nicht mehr lieben!“Dann würde Gott ja seine Liebe abhängig machen von der Bedingung, daß dieser Mann die junge Frau nicht vergewaltigt. Aber Gott liebe unbedingt und deshalb verliert der Vergewaltiger nicht Gottes Liebe, wenn er eine Frau vergewaltigt hat.

Ein so verstandene Bergpredigt verbunden mit dem Glauben an die unbedingte Liebe Gottes zu uns Menschen schafft ein optimales Klima für sexuelle Mißbräuche in der Kirche als systemische Ursachen der Mißbräuchsfälle! 

Vgl hierzu auch Emanuel Hirschs Auseinandersetzung mit dem "Tolstojchristentum", einer pazifistischen Auslegung der Bergpredigt in: "Deutschlands Schicksal"!  Es ist davon auszugehen, daß dies "Bergpredigtchristentum" auf einer theologisch nicht haltbaren Auslegung der Bergpredigt fußt, denn es kann nicht Jesu Christi Anliegen gewesen sein, das Gebot der Nächsten- wie auch das der Selbstliebe auszuhebeln durch einen rigoristischen Pazifismus, der nur der Stärkung des Bösen dienen kann!


Montag, 2. Dezember 2024

Vom Pazifismus zur Kriegsbegeisterung – Irritierendes! Oder über Extreme und das Nein zum Maßvollen in der Politik

 

Vom Pazifismus zur Kriegsbegeisterung – Irritierendes!



Spontan könnte man sich das doch so vorstellen: 2 Extrempositionen und die Mittelposition, allem Extremen ablehnend gegenüberstehend. Für die politische Ordnung heißt das, daß in der Mitte die demokratischen Parteien zu verorten sind und die extremen Außenpositionen dann von den Stalinisten und Nationalsozialisten besetzt werden. In der moralischen Ordnung sieht das dann anders aus: Die Mitte stünde für weder böse noch gut und es ist nun die Lebensaufgabe, sich von diesem Nullpunkt immer mehr stetig zum Positiven zu entwickeln und ein Abfallen in das Negative zu vermeiden. Dem absolut Gutem, Gott, stünde der absolut Negative gegenüber, wie plus Unendlichkeit dem negativen Unendlichen. Je mehr ein Mensch sich zu einem der Liebe entwickelte, desto mehr entfernt er sich vom Negativen, dem Haß. Wer nun von dem einen Extrempunkt zu dem anderen sich hinbewegen möchte, der muß den langen Marsch bis zum Nullpunkt auf sich nehmen, um dann erst in den anderen Bereich überwechseln zu können. Nichts ist so weit vom liebenden Menschen entfernt als der hassende.

So plausibel diese Modellvorstellung auch auf den ersten Blick erscheinen mag, widerstreitet ihr doch eine dem diamentral entgegengesetzte, die Vorstellung von dem Hufeisen, daß die jeweiligen Extrempunkte so dicht wieder beiander sind, daß ganz leicht von dem einen zu dem anderen hinübergesprungen werden. Im politischen Diskurs wird dies als die Kernvorstellung der Totalitarismustheorie veranschaulicht durch die These der formalen Gleichheit der nationalsozialistischen Diktatur mit der stalinistischen. Hitler und Stalin seinen doch Kinder eines (Un)Geistes totälitärer Ideologien. Die einzig legitime Haltung sei dagegen die liberale Mitte. Man könne leicht als Nazi Stalinist und als Stalinist Nazi werden, aber ein Liberaler können beide nie werden, denn zu weit sind sie davon entfernt.

Appliziert man diese 2 Extremisvorstellungen auf die Pole des Pazifismus und der Kriegsbegeisterung ergäben sich 2 Vorstellungsmöglichkeiten: Dem Extrem des Pazifismus steht das Extrem des Bellizismus gegenüber und in der Mitte der Verantwortungsethiker, für den der Krieg nur die ultima ratio ist als ein Mittel der Politik, wenn ein politishes Problem nicht anders gelöst werden kann. Wird das Hufeisenmodell zu grundegelegt, ergibt sich daraus ein ganz anderes Bild: Die zwei Extreme des Pazifismus und des Bellizismus liegen dicht beianander, und die Mitte des verantwortungsethischen Umganges mit dem Mittel des Krieges ist von beiden Extremen weit entfernt positioniert. Aus Kriegsenthusiasten können plötzlich Pazifisten und aus Pazifisten Kriegsenthusiasten werden. Denn beiden Extrempositionen ist eines gemeinsam: Sie haben kein politisches Verhältnis zum Mittel des Krieges sondern glorifizieren oder daimonisieren dies Mittel der Politik. Als die „Grünen“ sich in die damalige Friedensbewegung einheimaten wollten, nahmen sie radical pazifistische Positionen ein, auch und gerade um sich von den traditionell linken Organisationen, die das Rückrat dieser Bewegung bildeten, abzusetzen. Die Friedensbewegung ist tot und das in einer Zeit, wo wir so nahe wie lange schon nicht mehr an dem Rande eines 3.Weltkrieges stehen. Die einstige Bewegungspartei der „Grünen“ hat sich nun vollständig verparlamentarisiert und denkt an ihre Jugendsünden nur noch mit Grauen.

Jetzt positioniert sie sich radicaler als alle anderen Parteien als eine Anti-Rußlandkriegspartei.Nicht will sie mehr mit den linken Aufrüstungsgegnern und Entspannungspolitikern in einem Boote sitzen, nein sie liebt jetzt die Nähe zu den „Kalten Kriegern“, denen die sozialdemokratische Entspannungspolitik stets ein Greuel war: Mit Diktatoren verhandelt man nicht, sie bekämpft man. In der „Jungen Freiheit“ liest sich das am 2.12.2024 in dem Artikel zum Ukrainekrieg so:“Der Bild am Sonntag antwortete die im November neu gewählte Parteichefin und enge Vertraute von Spitzenkandidat Robert Habeck auf die Frage, was Merz besser könne als Scholz: „Frieden, Freiheit in Europa und klar an der Seite der Ukrainer stehen.“ Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion und Merz-Vertraute, Thorsten Frei, sieht in der „Außen- und Sicherheitspolitik“ ebenfalls große Schnittmengen mit den Grünen, wie er am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ als Reaktion auf Brantners Aussagen hervorhob.“

Frieden und Freiheit“ waren und sind nun mal die Kriegsparolen der „Kalten Krieger“: Frieden könne es erst geben, wenn die östlichen Diktaturen beseitigt und durch westliche Demokratien ersetzt seien. Deshalb sei ein Krieg gegen den Osten der Kampf für den Frieden in Europa. Nur kann ein solcher Krieg wirklich gewonnen werden, wenn sowohl Rußland wie auch die NATO über die Atombombe verfügen? Der Wille, den politischen Feind unbedingt zu besiegen, nimmt das Risiko eines totalen Krieges auf sich, ja der Vernichtungswille verselbstständigt sich zu einem Selbstzweck. Politisch irrational ist der Pazifismus, verkennt er völlig, daß es politische Probleme geben kann, die nicht ohne das Mittel des Krieges gelöst werden können, wie etwa der Staat Israel nicht auf dies Mittel in seinem Überlebenskampf verzichten kann und somit die pazifistische Optiom ein Selbstmordprogramm ist, aber genauso irrational ist die Glorifizierung des Krieges als einziges Mittel, den Ukrainekonflikt zu lösen, statt diplomatische Lösungen zu favorisieren, wie es die Sarah Wagenknechtpartei und die AfD vorschlagen.

Die „Grünen“ sprangen so von dem einen Extrem in das andere, vom Pazifismus zum Glauben an das Schlachtfeld als dem einzigen Ort der Entscheidungsfindung. Das Gemeinsame dabei ist die Verkennung des instrumentellen Charakters des Krieges, er wurde erst daimonisiert und jetzt als etwas Besseres als die Politik gefeiert: Wozu Diplomatie, wenn die Waffen eine viel effektivere und klarere Sprache sprechen! 

Vgl dazu: „Man kann mit Diktatoren nicht verhandeln, weil sie sich nicht saturieren lassen“ "Welt am 15.7.2022. Deshalb müsse der Westen gegen Rußland Krieg führen.

Zusatz:

Ein Blick in unsere Geschichte lehrt eins: Es hat uns Deutsche immer geschadet, sich gegen Rußland zu stellen. Was wäre uns Deutschen alles erspart geblieben, hätte unsere Regierung das Stalinangebot 1952, daß wir unter der Condition der Neutralität uns wiedervereinen könnten, angenommen hätten.


Donnerstag, 21. März 2024

Ist der christliche Glaube mit dem Pazifismus vereinbar?

 

Ist der christliche Glaube mit dem Pazifismus vereinbar?


Spontan könnte gemeint werden: Natürlich, es gäbe doch Christen, die Pazifisten seien und verlange Jesu Bergpredigt nicht auch einen praktizierten Pazifismus,also den Verzicht auf jegliche Gewaltanwendung gegen Menschen so als ob eine Gewaltanwendung gegen Menschen immer ein Übel sei, das durch keinen noch so guten Zweck rechtfertigbar sei.

Als in Deutschland noch die Wehrpflicht galt,gewährte der Staat, Wehrpflichtigen die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung. Dazu war ein schriftlicher Antrag zu stellen mit einer Begründung und dann hatte sich der Antragsteller einer Prüfung zu unterziehen, in der eine Kommission die Wahrhaftigkeit der Ablehnung des Kriegsdienstes zu überprüfen hatte. Dazu wurden dem Zuprüfenden eine Konfliktsituation geschildert und er gefragt,wie er sich in dieser Situation verhalten würde. Eine Beispielsituationsangabe möge dies Verfahren verdeutlichen: Gesetz den Fall, sie gehen in einem Wald spazieren, sehen eine entkleidete Frau am Boden liegend,ein Mann über sie, der sie nun nach der vollzogenen Vergewaltigung mit dem zum tödlichen Stich erhobenen Dolch ermorden will. Daneben liegt in ihrer Reichweite ein Spaten. Was tuen sie?

Unerlaubt ist nun eine Verweigerung einer Antwort, etwa: Ich gehe nie im Wald spazieren oder: Im Wald liegen keine Spaten herum. Der Zentralfrage dieser Gewissensprüfung liegt immer das selbe Schemata zugrunde: Eine oder mehrere Personen sollen von jemandem ermordet werden und der Mord kann nur durch eine Gewaltanwendung gegen den Täter verhindert werden und ein dazu befähigtes Instrument ist vorhanden zur Verhinderung des Mordes. Erklärt der Zuprüfende, auf eine Gewaltanwendung dem Täter gegenüber zu verzichten, nimmt er so billigend die Ermordung des Opfers in Kauf.

Das verstößt nun aber gegen das Gebot der Nächstenliebe, einem, der ermordet werden soll, die für ihn notwendige und erbringbare Hilfe zur Abwehr des Mordes zu verweigern. Es sei denn,es würde gesagt,daß die Nächstenliebe nur gewaltfrei praktiziert werden dürfte, sodaß die Rettung eines Unschuldigen zu unterlassen wäre, wenn dessen Lebensrettung nur durch eine Gewalthandlung wider den Täter möglich wäre. Dies Argument erinnert fatal an das Argument der Pharisäer, daß ein Arzt den Beruf des Heilens auch an einem Sabbat auszuüben habe, aber nur insoweit als es die Sabbatordnung zulasse. So dürfe ein Arzt einen chronisch Kranken am Sabbat nicht heilen, wohl aber die erste Hilfe leisten bei einem Unfall. Darf also die Nächstenliebe limitiert werden durch ein Verbot jeglicher Gewaltanwendung gegen Menschen, auch wenn dadurch die Ermordung von Unschuldigen ermöglicht wird?

Es muß hier die Unterscheidung von Unschuldigen und Schuldigen berücksichtigt werden. Wenn ein Mensch nur durch eine Gewaltmaßnahme von der Ermordung eines anderen Menschen abgehalten werden kann, dann gilt der potentielle Täter als schuldig und das potentielle Opfer als unschuldig, sodaß eine Gewalthandlung gegen den Schuldigen zur Lebensrettung des Unschuldigen erlaubt ist. Denn eine Gewaltanwendung gegen Schuldige, Personen, die andere töten wollen, ist legitim,zumal eine Güterabwägung hier zu vollziehen ist: Wenn keine Gewalt gegen den Täter ausgeübt wird,kommt ein Mensch zu Tode, wohingegen die Möglichkeit ja besteht, den Täter durch eine Gewaltanwendung unfähig zum Töten zu machen,ohne ihn zu töten.

Der Pazifismus kann also in solchen Extremsituationen,daß eine Ermordung eines Unschuldigen nur durch eine Gewaltanwendung verhinderbar ist,dem Gebot der Nächstenliebe nicht gerecht werden. Der Glaube, daß jeder Konflikt ohne eine Anwendung von Gewalt lösbar sei,ist leider durch die Realität des Lebens nicht gedeckt.

Ja, ein konsequenter Gewaltverzicht würde darüber hinaus die Gewaltbereiten nur zur Gewaltanwendung ermutigen, könnten sie darauf vertrauen, daß pazifistisch Gesonnene ihrer Gewalt nichts Effektives entgegensetzen werden.Bestünde ein Gemeinwesen nur aus Pazifisten, könnte jeder Gewalttäter unbegrenzt in ihr morden, so viel er will, weil niemand ihm effektiv entgegentreten könnte, wenn er nur selbst durch Gewalt am Morden gehindert werden könnte.

Für den Glauben, daß die demonstrierte Gewaltfreiheit Gewalttäter an einem Morden abhalten würden,gibt es auch keinerlei Berechtigung,es ist ein phantastischer Irrglaube, der ein pures Wunschdenken mit der Realität des Lebens unheilvoll verwechselt.

Auch ist es sehr fragwürdig, ob der Pazifismus mit dem Gebot der Selbstliebe kompatibel ist: Müßte sich ein Christ ermorden lassen, wenn er seine Ermordung nur durch eine Gewaltanwendung verhindern könnte? Das ist mit dem Gebot der Selbstliebe nicht vereinbar.

Wer nun aber daran festhalten möchte, daß der Pazifismus mit dem christlichen Glauben vereinbar sei, der muß genau darlegen, wie der Pazifismus mit dem Gebot der Nächstenliebe und der Selbstliebe vereinbar sei. Ich gehe davon aus, daß eine Vereinbarkeit nicht beweisbar ist! Der Beweis muß scheitern an der Realität des Bösen,daß es immer Menschen gibt, die bereit sind,unmoralische Ziele per Gewalt zu realisieren. An diesem realen Bösen in der Welt muß der Pazifismus scheitern, weil durch ihn die Welt immer nur noch noch böser und gewaltvoller würde.

Nun können selbstredend so komplexe Kriege wie der Deutschlands gegen die Sowjetunion 1941 oder der jetzige in der Ukraine nicht mit dem simplen Deutungsmuster eines kriegslüsternden Aggressors und eines friedfertigen Opfers  begriffen werden, denn so solche Komplexitätsreduktionismen sind nur Elemente einer Kriegspropaganda und haben sehr wenig mit der Realität gemein, die allein durch sorgfältigste Analysen der Kriege eruierbar ist.



Mittwoch, 25. Oktober 2023

„Jerusalemer Kardinal: Frieden durch Gewalt funktioniert nicht“ oder Realitätsverlust

Jerusalemer Kardinal: Frieden durch Gewalt funktioniert nicht“



Auch wenn dies eine Äußerung eines Kardinales ist, der als solcher doch der Lehre der Kirche verpflichtet auch gemäß ihr lehren sollte, so ist doch dieser von Kath net am 24.10.2023 dokumentierten Äußerung zu widersprechen. Wer so redet, offenbart, daß ihm die Elementarkenntnisse über das staatliche Regieren in seiner Differenz zum Kirchenregiment fehlt.Gott regiert nicht nur unmittelbar (das ist sein Wirken durch Wunder) sondern auch durch die Zweitursachen, die Kirche und den Staat. In Hinsicht auf das Problem des Wieerwirkens des Friedens heißt das: Durch das geistliche Schwert, das ist die Kirche wirkt Gott eine innere Wandlung des Herzens,sodaß eine Liebe zum Frieden dort sich beheimatet. Durch das weltliche Schwert, das ist der Staat wird nicht der Mensch in seinem Innersten zum Guten gewandelt sondern er wird durch die Androhung der Anwendung staatlicher Gewalt vom Tuen des Bösen abgehalten. Innerlich bleibt er als ein Sünder ein zum Unfrieden Geneigter, den aber die Gewaltandrohung vor dem Bösen abhalten soll.

Darum wird, solange wir Menschen auf Erden und noch nicht im Paradiese leben, immer die römische Weisheit wahr sein: Wer in Frieden leben will, muß zum Kriege gerüstet sein. Durch das Wirken des Heiligen Geistes werden Menschen zu friedliebenden, aber durch das weltliche Schwert werden zum Bösen Geneigte davon, abgehalten, ihr Wollen zu realisieren. Kriege werden nur geführt, wenn der Angreifer auf einen militärischen Sieg hoffen kann. Es ist so die Aufgabe jeder Staatsregierung, seinen politischen Feinden klar zu machen, daß sie nicht gegen ihn einen Krieg gewinnen können, So wird im politischen Raum nur durch eine angedrohte Gewalt der Friede gesichert.

Wehe dem, der sich nicht verteidigen kann! Der so erwirkte Friede ist kein Idealfriede, aber den kann es nur im Himmel geben. Auf Erden gilt, daß eine Verteidigungsunfähigkeit einen politischen Feind zu einem Angriffskrieg verlockt.Im Mikrokosmos jeden Betriebes oder in jeder Schulklasse kann man dies schon sehen: Die Schwächsten, die am wenigsten Aggressiven sind die Vorzugsopfer des allgegenwärtigen Mobbings. Der Staat Israel ist ein von Feinden umlagerter Staat, die ein großer Traum vereint, die Juden im Meer zu ersäufen. Da kann nur durch die Androhung von militärischer Gewalt ein menschenmöglicher Friede erwirkt werden und auch das Mittel des Krieges muß in letzter Konsequenz eingesetzt werden.

Das Tragische des Konfliktes zwischen dem palästinensischen Volk und dem jüdischen ist nun das Faktum, daß das palästinensische Volk das menschliche Recht, das in ihrer Heimat für sich zu leben auf ihrer Seite hat und das jüdische Volk das göttliche Recht, in dem Lande für sich zu leben, das Gott selbst ihm gab. Es ist zu befürchten, daß dieser Konflikt gerade deshalb nicht friedlich gelöst werden kann, weil ihm ein antagonistischer Gegensatz zugrunde liegt. (Hilfreich könnte zum Verstehen von antagonistischen Widersprüchen Lyotars Werk über den Widerstreit sein.)


 

Mittwoch, 3. August 2022

Klarstellungen: Vom Pazifismus zur Liebe zum Krieg (oder der friedliche Westen) + 4 Zusätze

Klarstellungen: Vom Pazifismus zur Liebe zum Krieg (oder der friedliche Westen)



Wer sich eine Strecke vorstellt mit dem linken Endpunkt des Pazifismus und dem rechten mit dem Standpunkt, daß um des Kriegsführens willen man schon Kriegsgründe (er)finden kann (so etwa Nietzsche), den muß das Faktum doch sehr irritieren, daß das Friedensbewegungsorgan, die „TAZ“, einst gar linksradical gestartet jetzt zu einem der lautstärksten Kriegszeitungen sich gemausert hat, daß die Partei der Öko-und Friedensbewegung nun nicht nur ernsthaft weitere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke erwägt, sondern in der Regierungskoalition den Vorkämpfer für eine aggressive Außenpolitik gegen Rußland spielt.

Als Alternativmodell zur Erklärung dieses radicalen Positionswechsel bietet sich nun das Hufeisenmodell an, daß die Extreme wieder dicht beieinander liegen, sodaß der Weg von einem zum anderen Extrem kurz ist. Beiden Extremen wohnt ja auch etwas Unpolitisches inne, da der Einsicht von Clausewitz über den Primat der Politik so nicht genüge getan wird, daß eben der Krieg ein Mittel der Politik ist. Es könnte von einer unpolitischen Haltung zum Kriege gesprochen werden.

So ließt sich das jetzt in der einstigen Zeitung der Friedensbewegung: TAZ: „Sanktionen gegen Rußland“ : Der Westen wird den Wirtschaftskrieg gegen Rußland gewinnen.“ (30.7.2022) Klar und in erfrischender Aufrichtigkeit wird hier ausgesagt, daß es um einen Krieg gegen Rußland geht. Diesen will und wird der Westen gewinnen. Offenkundig identifiziert sich die einst friedensbewegte TAZ total mit den Kriegszielen des Westens, den Feind, Rußland zu besiegen. Ist das überhaupt ein politisches Ziel? Seit der sog. Entspannungspolitik galt doch das Konzept des friedlichen Miteinanders des Westens mit den Staaten des Ostblockes. Rußland galt nur noch als ideologischer Konkurrent, wobei dann stets das damalige Pflichtprogramm des Systemvergleiches zu dem Ergebnis kam, daß bei uns im Westen alles viel besser sei.

Das ist jetzt eine plusquamperfektische Vergangenheit, denn seit dem Endsieg des freien Westens über den Sozialismus 1989f gibt es ja nur noch den Kapitalismus als alternativloses System. Die einstigen Ostbockstaaten verwestlichten sich, auch wenn ein paar sich dabei als störrig erwiesen, wie etwa Ungarn und Polen,aber der Westen stand plötzlich ohne Feind dar. Brach so eine Epoche des Friedens an, eine Zeit der Verabschiedung vom politischen Mittel des Krieges?

Diese Frage respondiert uns nun die TAZ: „Damit ist das entscheidende Wort gefallen: „langfristig“. Der Westen wird den Wirtschaftskrieg gegen den Kreml gewinnen, aber eben nicht sofort. Sanktionen können die Waffen nicht ersetzen, die die Ukraine jetzt so dringend braucht. Denn momentan ist Russland noch autark, wenn es darum geht, Krieg zu führen. Das Land besitzt Nahrungsmittel, Öl und Waffen.“

Der freie Westen kann und wird diesen Krieg gegen Rußland gewinnen durch die Kombination des Militärkrieges der Ukraine gegen Rußland und dem Wirtschaftskrieg des Westens gegen Rußland. Wie ist nun aber Rußland wieder zu dem Feind geworden, den es zu besiegen gilt? Der ideologische Konflikt zwischen den sich sozialistisch verstehenden Staaten und denen des freien Westens ist ja nun beendet durch den Sieg des Westens.

Nach der Auflösung des sozialistischen Lagers blieben 2 Großmächte bestehen, neben der USA Rußland und stärker werdend China und eine arabische Welt, die sich zusehens vom Westen absetzt in ihrer Rückbesinnung auf den das Westliche verwerfenden Islam.

Meine These lautet nun: Der Westen versteht sich selbst als die einzig legitime Kulturstufe in der Entwickelung der Menschheit zur Freiheit und will so alle anderen sich unterwerfen, sie gleichschalten. So eröffnete der Westen den Krieg gegen die arabisch-nichtwestliche Welt durch den Aniterrorkrieg, das erste Opfer wurde Afghanistan und der Irak, die Regierung Libyens gestürzt und versucht, in Syrien eine prowestliche Regierung zu installieren, was bis jetzt noch nicht gelang.Parallel dazu betrieb die Nato ihre Ostexpansion, um seine Truppen direkt an den Westgrenzen Rußlands platzieren zu können. Die Ukraine sollte dabei als Frontstaat gegen Rußland aufgebaut werden.

Das Konzept der Globalisierung ist eben nicht ein rein humanitäres ökonomisches Unterfangen sondern hier geht es um die Weltbeherrschung. Die angloamerikanische Kultur soll die der Welt werden, die ganze Welt verwestlicht, damit sie so ausbeutbar wird für....ja für wen eigentlich? Dieser Globalisierungswille hat sicher nichts zu tuen mit den Interessen der Bürger der westlichen Gesellschaften, nichts mit den nationalen Interessen der Völker, aber doch gibt es diesen Willen zur Weltbeherrschung des westlichen Imperialismus, wie man es früher zu benennen pflegte.

Es gilt nun einfach zu konstatieren, daß sich viele, einst auch oppositionell sich zur Ideologie des Westens Verhaltende nun sich völlig mit dem Westen und seinem Weltherrschaftsanspruch identifizieren, daß sie so den Krieg gegen Rußland und die anderen Gegenmächte bejahen. So kann man, auch wenn man die Zeitungen nur oberflächlich überliest die Stimmungsmache gegen China nicht überhören. Als besonders effektiv erweist sich dabei die Menschenrechtspropaganda, daß der Westen seine Kriege doch nur für diese führe.

Aber wie kam es dazu, daß nun der Westen so viele gläubige Anhänger fand und findet, die für ihn nun das Kriegsbeil ausgraben? Auch im katholischen Bereich stößt diese Propaganda ja auf fruchtbarem Boden, man lese dazu nur mal die „Tagespost“ oder „kath net“! Daß die Deutschen Bischöfe der antirussischen Außenpolitik der jetzigen Regierung zustimmen und so auch alle Kontakte zur Russisch-Orthodoxen Kirche abbrechen, wird aber niemanden verblüffen.

Wir haben wieder einen Feind!“, es ist, als wenn so mancher Zeitgenosse davon begeistert ist. Nach so langen Zeiten des Indifferentismus, der Kompromisse und des irgendwie ist alles erlaubt, erleben wir nun eine neue Epoche der Feindschaft. Innenpolitisch ist der Feind klar markiert, alles, was politisch inkorrekt und rechts ist und außenpolitisch Rußland und China, aber auch Ungarn und so manches andere unbotmäßige Land.

Aber ist dieses Ja zur Feindschaft, das eben in letzter Konsequenz auch ein Ja zum Kriege ist, nur ein propagiertes Mittel des Westens, die Weltherrschaft für sich zu erringen? Könnte es nicht auch so sein, daß im Westen manche Journaillienschreiber und mancher Leser des so lang währenden Friedens überdrüssig sich nach „Stahlgewittern“ (Ernst Jünger) sehnen, nach einer Welt, in der eben die einfach Guten gegen die Bösen kämpfen?



Und wir Deutsche? Unser Unglück, daß wir unsere geistige Heimat verloren, die wir weder zum Westen noch zum Osten gehören sondern in die Mitte durch die erste Westintegration nach 1945 und der zweiten jetzt nach 1989. Zu viele identifizieren sich so mit der angloamerikanischen Kultur samt ihrem Weltmachtstreben, dabei vergessend, daß wir nun schon in 2 Weltkriegen auch ein Opfer dieses Strebens geworden sind. 

1. Zusatz

Das TAZzitat zeigt aber auch sehr deutlich, wie wenig es dem Westen um das Volk der Ukraine geht, es wird hier nur instrumentalisert für den Krieg gegen Rußland! 

2. Zusatz:

"Kein Frieden ist von Dauer,solange Putin nicht verliert". Die schwedische Tageszeitung: Aftonbladed, zitiert nach: "Junge Welt" vom 3.8.2022, S.4

3.Zusatz:

Frau Wagenknecht schrieb: "Wiederinbetriebnahme der Kohlekraftwerke zeigt:Klimawandel war für Grüne gestern wichtig.Heute hat wahnsinniger Krieg gegen Russland für frühere Ökopartei Top-Priorität & sogar einzig vernünftige Konfliktlösung (Diplomatie/Verhandlungen wird abgelehnt." Zitiert nach "Junge Welt", 3.8.2022, S.4 Der dortige Artikel: "Die Linke zerlegt sich weiter" zeigt auf, wie sehr Kräfte in dieser einstigen ostdeutschen Partei sich das Narrativ vom guten Westen, der gegen die Sowjetunion und jetzt gegen Rußland sich zu stellen hat, zu eigen gemacht haben, vielleicht auch nur, um für die Grünen und Roten Bellizisten koalitionsfähig zu werden. 

4.Zusatz

In der Politik, wie wohl in allem menschlichen Handeln gibt es die Vorderseite des rational-vernünftig- nützlichen Handelns und eine verborgene Seite des verdrängt Irrationalen. Für die Vorderseite ist der Krieg ein rational eingesetztes Mittel der Politik, im Hintergrund vitalisiert sich darin aber auch ein irrationaler Wille zum Kriege um des Krieges willen.


 





 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Frieden schaffen ohne Waffen- eine Problematisierung

Frieden schaffen ohne Waffen“- eine Problematisierung


Wer kennt diese Parole nicht, in der Friedensbewegung und auf den katholischen und evangelischen Kirchentagen fest beheimatet und doch soll diese populäre Parole nun bekrittelt werden?

Noch bekannter als diese Parole sind die unzähligen Photographien in die Kamera lächelnder Menschen, ganze Photoalben können damit angefüllt werden. Der Aufruf: Jetzt wird photographiert, welcher so Angesprochener bemüßigt sich nicht ad hoc, in die Kamera hineinzulächeln! Was sieht ein Aufmerksamer noch, wenn er in die lächelnde Angesichter schaut? Zähne, der Abgebildete zeigt seine Zähne, während er lächelt. 2 Botschaften sendet der Photographierte so auch per Körpersprache: Ich lächele Dich an und ich zeige Dir meine Zähne. Symbolisiert das Anlächeln eine freundschaftliche Gestimmtheit so zeigen die Zähne die Aggressionsbereitschaft. Die Zähne dienten nämlich den Menschen bis er Waffen erfand auch als Angriffswaffe: Damit kann ich Dich beißen! Es darf gemutmaßt werden, daß das menschliche Gebiß bevor die Domestikation des Feuers zum Herdfeuer zum Kochen gelang, sehr viel bissiger war als jetzt, da der Mensch nur Rohes zu essen hatte. Seine Zähne waren ihm wirklich eine Angriffswaffe.

Nur drückt das Lächeln in der Einheit mit dem damit verbundendem Zähnezeigen aus: Wir können friedlich miteinander umgehen, wenn Du das aber nicht willst: Ich kann auch anders und Dich beißen! Ein friedliches Miteinander wird so nur durch die angezeigte Drohung: Ich kann auch Dich beißen!, ermöglicht. Geht der Friede etwa nicht ohne diese Drohung des Beißenkönnens?

Leider ist es eine Tatsache, daß es wohl keinen Bereich des menschlichen Lebens gibt, in dem nicht gemobbt wird, auch wenn der Raum der Schule und der des Berufslebens dabei im Zentrum des Augenmerkes liegt.Frägt man nach dem typischen Opfertypus des Mobbings stößt man leicht auf diese bittere Wahrheit: Je wenger bissiger, zum Aggressiven geneigt wer erscheint, desto sicherer wird der zum Vorzugsopfer des Mobbings. Die Sanftmütigen, die Friedfertigen, die auf die eine Backe Geschlagenen, die dann noch ihre andere hinhalten sind die Vorzugsobjekte des Mobbings. Je mehr die dann noch duldend,erduldend das hinnehmen, je aggressiver wird gegen sie gemobbt. Ergo: Die Waffenlosen werden am meisten von ihren Mitmenschen mißhandelt. (Um dies einzugrenzen erfand die Natur für Kleinkinder das Kindchenschema, damit die Aggressionsneigung gegen die Schwächsten, die Kleinkinder so gehemmt wird!)

Aber gilt das auf der Microebene im zwischenmenschlichen und im gesellschaftlichem im Bureau und in der Schule auch für den politischen Raum? Selbstredend haben all diese Räume ihre Eigengesetzlichkeit: Menschen agieren im Privatleben anders als im Berufsleben oder im politischen Leben. (Zur Veranschaulichung: Man denke sich eine Schulsportstunde, in der zuerst die Schüler Fußball, dann Handball und dann Tennisball spielen: Wie unterschiedlich agiert in diesen 3 Spielen ein und derselbe Schüler!)

Für den politischen Raum gilt- so ungern Moralisten das auch akzeptieren wollen- , daß der Krieg ein Mittel der Politik ist. Weil es den politischen Willen zum Kriegführen gibt, gibt es auch die Mittel zu einer Kriegsführung: das Kriegsgerät. Eine Mystifikation ist deshalb die Aussage: Waffen führen zu Kriegen, denn der politische Wille zum Krieg erwirkt den Krieg. Aber es gilt auch, daß genügend Waffen der Politik zu Händen sein müssen, um einen Krieg führen zu können. Genügend bedeutet dann, daß die eigene Waffenstärke als ausreichend eingeschätzt wird, den politischen Feind militärisch besiegen zu können. Ein Staat, der über keine Kriegswaffen verfügte, wäre so stets der Gefahr ausgesetzt, daß Nachbarstaaten ihn bekriegen, weil sie wissen, daß der militärisch Angegriffene sich nicht verteidigen kann. Wehrlose Staaten stehen so in der Gefahr, mit Krieg überzogen zu werden. Je stärker ein Staat militärisch gerüstet ist, desto sicherer ist er vor Angriffskriegen. Waffenlosigkeit erhöht so dramatisch das Kriegsrisiko, wie die Sanftmut am Arbeitsplatz den Sanftmütigen zum Vorzugsobjekt des Mobbings werden läßt.


Also sind Waffen nötig, um Kriege zu verhindern, denn Kriege führt nur der,der davon ausgehen kann, daß er waffentechnisch-militärisch dem Zubekriegenden überlegen ist. Damit stehen wir nun aber vor der Paradoxie, daß die Kriegswaffen, die ein Angegriffenwerden verhindern, weil man sich verteidigen kann auch der notwendige Ermöglichungsgrund zum Kriegsführen sind. Um des Friedens willen muß also ein Gleichgewicht an Kriegswaffen vorhanden sein. 2 Menschen lächeln sich an und zeigen so auch wechselseitig ihre Fähigkeit zum Beißen- wechselseitig verzichten sie auf einen Angriff mit ihren Zähnen.


Frieden ohne Waffen schaffen“ ist so gesehen eine Parole, würde sie wirklich versucht, umzusetzen,die den Krieg zum Dauerzustand der Starken gegen die Waffenlosen werden ließ. Aber es gilt auch, daß durch Waffenlieferungen Kriege verlängert werden, weil nur mit den Kriegswaffen ein Krieg zu führen ist. Diese Problematik soll jetzt am Beispiel des jetzigen Ukrainekrieges veranschaulicht werden: Die ukrainische Regierung bekommt von der Nato viele Kriegswaffen geliefert. Es ist davon auszugehen, daß sie von einer beseeren Qualität sind als die russischen Waffen. So lehnte jetzt die ukrainische Regierung Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Angreifer Rußland ab, weil sie auf ihren militärischen Sieg ob der Überlegenheit ihrer Nato-Waffen setzt. Das politische Ziel dieser Regierung heißt nun Sieg, das heißt, daß sie erst dann einen Frieden will, wenn sie militärisch ihre eigenen Kriegsziele als erreicht ansieht.In diesem konkreten Fall also prolongieren die westlichen Kriegswaffenlieferungen den Krieg, der sonst wohl, wenn keine der beiden Kriegsparteien mehr auf einen Siegfrieden hoffen kann, die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen stärkte. Unter einem Siegfrieden ist dann zu verstehen, daß so lange der Krieg weitergeführt wird, bis daß alle politisch gesetzten Kriegsziele militärisch erreicht worden sind.

So kann es Fälle geben, wo ein Rüstungsexport einen Staat verteidigungsfähig macht und so den Frieden fördert, ein Kriegswaffenexport kann aber auch eine Kriegspartei im Vertrauen auf die so erlangte militärtechnische Überlegenheit zur Fortführung des Krieges ermutigen.Nur in diesem Falle würde dann die Parole gelten: Keine Waffenexporte würden zu einem schnelleren Ende des Krieges führen.

Aber prinzipiell gilt: Ein nicht sich verteidigen könnender Staat lebt in der großen Gefahr, mit Krieg überzogen zu werden wie auch die Sanftmütigen und Friedlichen am meisten gemobbt werden.

 

Merksatz:

Widersetzte sich niemand auch mit Gewalt dem Bösen. die Welt würde zu einer Hölle, in der allein die Gewaltmenschen triumphierten. 


 

Donnerstag, 12. Mai 2022

Der Christ und die Gewalt oder der gewaltfreie Gott? Lehrt der Kriege um die Ukraine uns Neues?

Der Christ und die Gewalt oder der gewaltfreie Gott?


Das Narrativ von dem Gott, der nur die Liebe sei und so von uns Christen, aber genaugenommen von allen Menschen guten Willens die Absage an Gewalt erwarte, dem wir die Fehlübersetzung, selig seien die,die keine Gewalt anwenden in der Bergpredigt verdanken,ist ganz plötzlich aus dem kirchlichen Diskurs verschwunden, seit dem die Kirche und die Theologie den Natokriegskurs in der Ukrainekrise sich ganz zu eigen machten.


Ein kleiner Rückblick auf dies verstorbene Narrativ sei deshalb gestattet. Wie einst Luther die Aussage: „Aus Glauben werden wir gerechtfertigt“ transformierte in die, daß wir allein aus Glauben gerechtfertigt würden, obzwar der Jakobusbrief genau dies allein schon als Mißverständnis der paulinischen Theologie schon verwarf, so transformierte dies Narrativ die Aussage, Gott sei die Liebe in die, daß er nur die Liebe sei. Diese Liebe schlösse nun jede Gewalt von Gott ausgehend aus.

8 Menschen überlebten in der Arche Noah das Strafgericht Gottes über die Menschheit in der Gestalt der Sintflut. Hätten damals nur 8000 Menschen gelebt, wären das 0,1 Prozent der Menschheit gewesen. Wenn Gott nur die Liebe wäre, wie könnte dies gigantische Strafgericht mit einem Gott der Liebe vereinbar sein?Im ersten Buch der Bibel wie im letzten, dort lesen wir (Apokalypse 9,18), daß Gott ein Drittel der Menscheit durch Racheengel töten lassen wird, steht so mit der These, Gott sei nur die Liebe Unvereinbares. Gott tötet als Gerechter Sünder. Hier ist von einer göttlichen Gewaltfreiheit nichts zu bemerken und all das zwischen dem ersten und dem letzten Buch der Bibel Geschriebene weiß auch nichts von einem pazifistischen Gott.

Wo Gott liebe, da kann keine Gewalt von Gott ausgehen, das klingt dann aber doch wenigstens plausibel. Aber warum lesen wir dann in der Apostelgeschichte 13,19, daß Gott sieben Völker im Lande Kanaan vernichtet hat, um dann seinem Volke dies Land zu geben? Vertilgte Gott hier nicht aus seiner Liebe zu seinem Volke diese sieben anderen Völker? Tötet ein Ehemann den, der seine Frau gerade ermorden will, so tötet hier dieser Mann aus Liebe. Nein, gerade wo nicht die Gleichgültigkeit sondern die Liebe das bestimmende Handlungsmotiv ist, kann und wird gewaltsam getötet.

Damit stehen wir nun aber schon mitten in der Problematik der Frage: Der Christ und die Gewalt. Offensichtlich kann das Gebot der Nächstenliebe wie das zur Selbstliebe dazu führen, daß ein Christ zu einer Gewaltanwendung sich geradezu verpflichtet weiß. Pointiert gesagt: Wenn ein Christ sieht, wie ein Mann eine Frau vergewaltigt und er, obschon es ihm möglich wäre, durch Gewalt den Vergewaltiger an dieser Untat zu hindern, dies unterließe, weil er als Christ keine Gewalt anwenden möchte, weil das der christlichen Liebe widerspräche, der sündigt – das kann nicht bezweifelt werden. Das Gebot der Nächstenliebe läßt in diesem Falle einen Verzicht auf jegliche Gewaltanwendung nicht zu, sofern gewaltfrei der Täter nicht von seiner Untat abbringbar ist.

Das Gebot der Selbstliebe erlaubt es, verpflichtet in diesem Falle sogar die Frau, wenn es ihr möglich ist, sich mit Gewalt der versuchten Vergewaltigung zu entziehen. Oder könnte wirklich ernsthaft moraltheologisch vertreten werden, daß sie ihre Vergewaltigung hinzunehmen hätte, wenn sie die Möglichkeit hätte, durch Messerstiche den Täter an der Vergewaltigung zu hindern?

Daß durch eine Selbstverpflichtung zur Gewaltfreiheit der Christen die Welt humaner und weniger brutal werden würde, ist eben ein durch nichts gerechtfertigter Optimismus, ja dieser Glaube ist ob seines illusionären Charakters für das Leben auf Erden sogar gmeingefährlich. Die Bösen würden nämlich, träte niemand ihnen gewaltsam entgegen, immer böser und so es immer schlimmer treiben werden. Gott selbst hält durch die staatliche Gewalt, die Schwertgewalt das Böse in Zaun, auch deshalb gab Gott dem Staate so das Recht zur Gewaltausübung, in den extremsten Gestalten des Rechtes zum Kriegführen und des Rechtes, die Todesstrafe auszuüben.

So befremdlich es klingt: Nicht nur Gott sondern auch der Christ kann Gewalt ausüben aus Liebe oder um der Gerechtigkeit willen.Der Pazifismus ist eben keine mit dem christlichen Glauben kompatible Gesinnung. Das ist eben eine bittere Wahrheit für jeden Enthusiasten der glaubt, daß allein durch eine friedliche Gesinnung der Frieden in der Welt erwirkbar sei.

So gesehen stirbt jetzt im innerkirchlichen Diskurs ein Narrativ, das nie in der Kirche hineinpaßte und dort vertreten werden konnte. Aber es muß nun auch erlaubt sein, kritisch zu anzufragen, ob jetzt nicht ein Taumeln von dem einen Extrem des Pazifismus, wenn nur alle friedlich gesonnen sind, dann gäbe es Frieden ohne Unterlaß in das andere, in das andere Extrem, dem eines vorbehaltlosen Militarismus sich ereignet. Plötzlich gilt es als geradezu unmoralisch, eine der Konfliktparteien verstehen zu wollen, Kompromisse zu suchen, die beiden Konfliktparteien gerecht werden. Plötzlich kennt man nur noch: Frieden schaffen durch den militärischen Sieg über den Feind! Daß jetzt die großen Mengen an die Ukrainie ausgelieferten Waffen diese ermutigt,den Krieg weiterzuführen bis zum militärischen Sieg, statt einen Kompromisfrieden zu suchen, ist kaum noch übersehbar.

So bestärkten die englische Beistandsgarantie für Polen ja auch 1939 Polen in dem zwischen Deutschland und Polen eskalierenden Konflikt keine Kompromisse Deutschland gegebüber einzugehen bezüglich des Status von Danzig und einer sicheren Verbindung Deutschlands zu dieser Stadt. Wo keine Kompromisse mehr gesucht werden, da kommt es dann zu Kriegen. Das gilt so auch für den Ukrainekonflikt, wozu Papst Franziskus sachkundig anmerkte, daß an diesem Kriege die Nato eine beachtliche Mitschuld trage. Hier kann es nur einen Frieden geben, wenn für die russische Minderheit auf dem Staatsgebiete der Ukraine eine Lösung gefunden wird, am sinnvollsten wohl das Recht zur Separation und der Gründung eigenständiger russischer Republiken und wenn die legitimen Sicherheitsinteressen Rußlands gegen den Ostexpansionskurs der Nato eine Berücksichtigung finden, etwa in einer Verpflichtung zur Neutralität der Ukraine.

Aber stattdessen setzt man in Deutschland in der Politik wie in der Kirche völlig einseitig auf rein militärische Lösungen. So taumelt man in der Kirche von dem einen Extrem in das andere.

 

Dienstag, 29. März 2016

Über die Wahnwelten eines pazifistischen Kardinals

Vatikan (kath.net) „Jesus, dessen Auferstehung wir an Ostern feiern, ist durch Gewalt umgekommen, er war aber selbst gewaltlos. Dass Gewaltlosigkeit und nicht Gewalt Zukunft hat, ist die grossartige Botschaft, die uns Ostern schenkt.“  Kurienkardinal Kurt Koch im Interview mit der Schweizer Tageszeitung „Blick“. (zitiert nach Kath net vom 29.3. 2016, Kardinal Koch über den islamischen Terror). Solche Abstrusitäten bietet uns ein Katholischer Kardinal. Menschen bringen andere Menschen gewaltsam um, aber Gewalt tötet nicht, sondern Menschen töten gewaltsam. Es sagt ja auch Niemand: Gewehre töten, sodaß dann das Gewehr zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, weil es einen Menschen getötet hat! Zudem: Welche Gewalt hat denn Jesus Christus getötet? Kann denn menschliche Gewalt den Sohn Gottes töten? Mitnichten, denn Jesus sagt ja selbst zu Pontius Pilatus: Wenn Du nicht die Macht und Gewalt über mich von Gott bekommen hättest, könntest Du mich nicht kreuzigen lassen! Gott selbst gab die Macht dem römischen Statthalter, damit er den Sohn Gottes kreuzige. Das hat mit Gewaltlosigkeit nun überhaupt nichts zu tun! Gott selbst nutzt die Staatsgewalt, die römische, um durch sie als Schwertgewalt das Erlösungswerk zu vollziehen. Gott beteiligt ja den Gewaltstaat an dem Heilswerk. Rein theoretisch hätte Jesus Christus ja auch von Juden- ohne Beihilfe des Römischen Staates- getötet werden können, wie der erste christliche Märtyrer Stephanus.Aber Gott wollte das Mitwirken des Römischen Staates in seinem Wesen als Schwertgewalt. (Siehe Paulus Staatslehre, Röm 13, 1-7)
Wenn unter der Zukunft das Reich Gottes verstanden wird, dann muß darüber hinaus auch gefragt werden, ob denn dieses göttliche Endgericht ein gewaltfreies Unternehmen ist? Fragen wir konkreter:
Ist denn die Verurteilung durch Gott zur ewigen Verdammnis etwas Gewaltfreies? Ist die Hölle gewaltfrei für die sie Erleidenden? Wenn dagegen die Zukunft vor dem endgültigen Ende der Geschichte gemeint ist: Wo gibt es eine göttliche Verheißung, daß sich die Gewaltfreiheit gegen die Gewalt innergeschichtlich durchsetzen wird? Diese Verheißung gibt es leider nur in den Phantasmata  der Gutmenschen- aber nicht für das reale Leben!  
Nein, um das Böse in der Welt einzuschränken, damit es nicht vollkommen triumphiert, hat Gott selbst den Staat als Schwertgewalt eingesetzt, um so durch das Schwert das Böse zurückzuhalten. Gäbe es diese Schwertgewalt des Staates nicht, die Welt wäre längst im Kriege aller gegen alle zu Grunde gegangen! (Thomas Hobbes)
Dieser Kardinal verkündet hier nichts anderes als das Gutmenschentum ohne Rücksicht auf die Wahrheiten der christlichen Religion, weltfremde blauäugge Phantastereien, die in ihrem Pazifismus nur dazu führen, daß den Wölfe die Schafe, die Welt zum Fraß ausgeliefert werden!