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Montag, 12. Oktober 2026

„Schwester Tod“ - oder der Abschied von der Hoffnung auf das ewige Leben

 

„Schwester Tod“ 1- oder der Abschied von der Hoffnung auf das ewige Leben

In Franz von Assisis „Sonnengesang“ heißt es: „Gelobt seist du,mein Herr, durch unsere Schwester,den leiblichen Tod,“ Franziskus habe den „Sonnengesang“ auf seinem Sterbelager verfaßt, den Tod vor Augen habend, dem „Übergang in die himmlische Herrlichkeit ganz nahe.“ Was läge da nicht näher als ein „Lobgesang auf das Paradies“ oder eine „Abhandlung über die Ewigkeit.“ Er schrieb aber ein Lob auf die „Schwester Tod“.

Warum? Der Bistumsblattredakteur klärt uns auf: Ein unendlich währendes Leben müsse „irgendwann einmal unendlich langweilig werden“. Nun wird es obskur: „Selbst Franziskus war nicht immer heilig,hat in seiner Jugend wild in den Tag hineingelebt.“ Es gäbe so Momente in unserem Leben, „in denen wir uns lebendig gefühlt haben“.Solche Momente seien dann was wahre eigentliche ewige Leben -bei Franziskus die seines wilden noch nicht heiligen Lebens? .

Die „Schwester Tod“, bewahrt sie uns so vor einem unendlichen Leben in Langeweile? Eine Ewigkeit sei für den Redakteur nicht vorstellbar und evoziert nur die Vorstellung von einem endlos langen Langeweileleben!

Seit Ludwig Thomas: „Ein Münchner im Himmel“ gehört die Desavouierung der Hoffnung auf das ewige Leben zu dem Repertoire der antichristlichen Propaganda: Nicht wird dogmatisch behauptet, daß es das nicht gäbe, denn dann stünde ja nur die Behauptung, es gäbe kein ewiges Leben gegen die, daß es das gäbe, sondern: Seien wir froh, nicht ewig leben zu müssen im Himmel, das wahre „ewige Leben“ erlebten wir hier auf Erden in erfüllten Augenblicken, etwa im Hofbräuhaus zu München.

Franziskus schreibt vom „leiblichen Tod“. Mitgesetzt ist damit die Idee, daß den Tod nur den Leib und nicht die Seele betrifft, denn die ist ja unsterblich und kann so nur den Tod als den ihrigen erleiden! Aber der Redakteur scheint eher an der Vorstellung eines Ganztodes des Menschen Gefallen zu haben, daß es nun zu Ende sei und den Blick eröffnet für die wahren erfüllten Momente des Diesseitslebens. „Carpe diem!“ paßt eben besser in unsere Zeit als ein Hoffen auf ein ewiges jenseitiges Leben, das doch nur eines der Langeweile sein könne! 

P.S.

Man muß aber dem Bistumsblatt zugute halten, daß seine Stärken eher im Kampf gegen die AfD und Trump liegen als in theologuschen Fragen!



1Passauer Bistumsblatt, 4.10.2026, S.2.

Sonntag, 27. September 2026

Die „armen Seelen“ und das Helloweenfest – oder wird vor einem zutiefst katholischen Fest gewarnt?

 

Die „armen Seelen“ und das Helloweenfest – oder wird vor einem zutiefst katholischen Fest gewarnt?


„Arme Seelen sind nach Lehre und Tradition der römisch-katholischen Kirche Seelen im Fegefeuer (Purgatorium), wohin sie durch die Entscheidung des Partikulargerichts (mit seiner Seelenwägung) – das Eingangsportal des Fegefeuers – gelangt sind. Dort erleiden sie Qualen, dies aber hoffnungsfroh, weil sie nicht endgültig im Fegefeuer festgehalten werden, sondern immer die Gewissheit haben, daraus in den Himmel entlassen zu werden, den einzigen Ausgang des Fegefeuers. Gebete von Lebenden, besonders im Rahmen des Memorialwesens, helfen, diese Zeit zu verkürzen und sie aus ihren Qualen zu erretten. In der Liturgie wird der Armen Seelen vor allem zu Allerseelen und im Requiem gedacht.“1

Das ursprüngliche Anliegen des Helloweenfestes vor seiner Veramerikanisierung: daß es den „armen Seelen“ an dem Tag des Helloweenfestes gestattet ist,uns zu erscheinen, um uns um unsere Hilfe für sie zu beten. Die Masken sollen uns dabei an das wirkliche Leiden der „armen Seelen“ erinnern mit der Bitte: Helft uns!, symbolisch durch ein Süssigkeitengeschenk an sie, realiter durch unser Beten und Messelesenlassen für sie.

In diesem Fest feiert der Katholik die Gnade Gottes, daß er uns die Möglichkeit gewährt, den „armen Seelen“ helfen zu können!

Eine Bekannte von mir erklärte mir, daß doch die Kirche im 2.Vaticanum das „Fegefeuer“ abgeschafft hätte und: Sie habe noch nie eine Predigt gehört, in der dies „Fegefeuer“ auch nur mit einem Worte erwähnt werden würde. Sie als eine Religionslehrerin würde selbstverständlich so etwas Obskures auch nie erwähnen im Religionsunterricht! Daß Tote uns Lebenden erscheinen würden, sei doch auch nur etwas völlig Mittelalterliches – das elektrische Licht habe dem dann doch sein wohlverdientes Ende bereitet.

Sicher steht diese progressive Katholiken mit dieser Meinung nicht allein, daß die Kirche das Mittelalter in sich selbst noch scheinlebendig zu überwinden habe.

So protestiert die Kirche mit ihrem „Nein“ zu „Helloween“ gegen eine ihr eigentümliche religiöse Vorstellung, die fest in dem Katholischen Glauben verankert ist.

Aber: „Drei von vier Deutschen werden im Laufe ihres Lebens Zeuge eines paranormalen Phänomens. Häufig erscheinen den Betroffenen verstorbene Angehörige.“ 2

Dem „Focus“-Magazin kann man gewiß weder eine Neigung zum Spiritismus noch gar zum Katholischen vorwerfen, aber in diesem Magazin stand dieser Bericht. Erstaunlich ist,daß in repräsentativen Befragungen so viele sich zu so etwas Mittelalterlichem bekennen.

Wenn heutzutage gefordert wird, die Kirche habe auf die Menschen zu hören, statt auf die Dogmen der Kirche, dann sind damit diese Dreiviertel nicht gemeint, denn die erleben etwas, daß es nach dem Reformkonzil nicht mehr geben dürfe.

Nur, was tuen, wenn die Seelen der Verstorbenen sich nicht nach den modernistischen Meinungen verhalten?

Es dauert noch, bis „Helloween“ angesagt ist – aber es wäre gut, begönnen wir jetzt schon damit, in diesem Fest ein zutiefst katholisches zu recognizieren und das zum Anlaß nähmten, Ablässe für unsere Verstorbenen zu erbeten, statt gegen dieses Fest zu polemisieren! 

Zusatz aus dem Leben des hl. Pater Pio:

Eines abends war Pater Pio in einem Zimmer, im Erdgeschoß des in eine Pension umgewandelten Klosters. Er war allein und hatte gerade die Liege bezogen, als ihm plötzlich ein Mann erschien, eingehüllt in einem schwarzen Umhang. Pater Pio war erstaunt und erhob sich, um den Mann zu fragen, wer er sei und  was er wolle.  Der Fremde antwortete, er sei eine Seele aus dem Fegefeuer. "Ich bin Pietro Di Mauro", sagte er, „ich starb in einem Feuer am 18. September 1908 in diesem Kloster.  In der Tat war dieses Kloster nach der Enteignung des kirchlichen Guts in ein Altenpflegeheim verwandelt worden. Ich starb in den Flammen, als ich auf meiner Strohmatratze schlief, genau in diesem Zimmer. Ich komme aus dem Fegefeuer: Gott hat mir gewährt, hierher zu kommen und Sie zu bitten, für mich morgen früh eine Messe zu lesen.  Dank einer Messe ich werde bereit sein, ins Paradies zu gelangen". Pater Pio teilte dem Mann mit, daß er die heilige Messe für ihn lesen wuerde,..., "aber…" sagte Pater Pio: "Ich wollte ihn zur Tür des Klosteres begleiten.  Ich war gewiss, daß ich mit einer toten Person gesprochen hatte. In der Tat, als wir in den Kirchhof hinaustraten, verschwand der  Mann, der bei meiner Seite war, ganz plötzlich. Ich muß zugeben, daß ich sehr erschrocken wieder zurueck ins Kloster ging.  Pater Paolino von Casacalenda, Abt meines Ordens, bemerkte meine Nervosität.  Nachdem ich ihm erklärt hatte, was geschehen war, erbat ich die Erlaubnis, Heilige Messe für die verstorbene Seele zu feiern.“  Wenige Tage später wollte Pater Paolino, die Informationen nachprüfen. Er ging zum Büro der Registratur der Gemeinde von St. Giovanni Rotondo, und bekam die Erlaubnis, im Jahr 1908 das Register des Verstorbene zu konsultieren. Die Geschichte von Pater Pio Pater war wahr. Im Register der Verstorbenen des Monats September waren Namen, Nachnamen und Todesursache  aufgeführt: "Am 18. September 1908, im Feuer des Pflegeheimes, starb Pietro Di Mauro." 


zitiert nach:

Arme Seelen, die Unglücklichen, Pater Pio, Maria Simma, Emmerich




1Wikipedia: Arme Seelen.

2Focus am 10.7.2017: Fast drei Viertes der Deutschen sehen Geister.

Sonntag, 20. September 2026

Die Totenruhe – Irritierendes und hoffentlich Aufklärendes dazu

 

Die Totenruhe – Irritierendes und hoffentlich Aufklärendes dazu



Oft sagen wir etwas, ohne nachzudenken, was wir damit sagen! So photographieren viele „Sonnenaufgänge“ und „Sonnenuntergänge“, sind aber völlig irritiert, wenn sie gefragt werden: „Wo war denn die Sonne, bevor sie aufging und wo ist sie, nachdem sie unterging?“

Mit dem Begriff der „Totenruhe“ scheint es sich ähnlich zu verhalten. Der stets zuverlässige KI bietet uns diese Information:

„Die Totenruhe bezeichnet den Anspruch und das Recht darauf, dass die sterblichen Überreste oder die Asche einer verstorbenen Person an ihrer letzten Ruhestätte dauerhaft und ungestört verbleiben.

Bedeutung und rechtlicher Schutz

  • Respekt und Würde: Die Totenruhe schützt das Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen über den Tod hinaus sowie das seelische Wohl der Angehörigen.“

  • Ein Toter hat also Rechte. Würde man nicht spontan eher urteilen, daß nur der lebende Mensch nicht erst nach seiner Geburt sondern pränatal bis zu seinem Tode Rechte habe, aber nicht mehr als ein Verstorbener? Setzt nicht das Persönlichkeitsrecht das Personsein voraus? Oder sollten wir den wahrlich unkonventionellen Gedanken wagen, daß auch der Verstorbene noch eine Person sei.

  • Wer schläft und in seinem Schlafe dann gestört und gar aufgeweckt wird, empfindet das nicht als eine Wohltat: „Ich wollte doch schlafen!“ Kann also ein Toter auch so oder so ähnlich gestört werden und gar auferweckt werden? Kann also durch Lärm, etwa zu laut miteinander Redenden oder durch ein Hundegebell die Ruhe eines Verstorbenen gestört werden? Das setzt nun aber denknotwendig voraus, daß der Verstorbene diesen ihn störenden Lärm überhaupt wahrnehmen kann und wahrnimmt. Bestritt man das, ergäbe der Begriff der Totenruhe keinen Sinn, da dieser Begriff ja eine störbare Ruhe meint, aus der gar der Tote auferweckt werden kann: „Wer stört mich da in meiner Ruhe?“

  • Der Begriff setzt zudem voraus, daß der Verstorbene entweder selbst in seinem Grabe liegt oder doch so nahe dem Grabe ist, daß er durch in der Nähe des Grabes verursachten Lärm gestört werden kann.

  • Wie verträgt sich dieser Gedanke nun aber mit der Vorstellung, daß ein Verstorbener so tot ist, daß er weder etwas außer sich noch in sich wahrnehmen könne, daß er also den Lärm hört und als ihn störenden auch wahrnimmt, also auch über eine Selbstwahrnehmung verfügt?

  • Wenn um den Verstorbenen Trauernden eine Störung der Totenruhe beklagen, meinen sie damit ja nicht primär, daß sie in ihrem Trauern sich gestört fühlen sondern daß sie sagen: „Unser Verstorbene wird durch den Lärm gestört!“

  • Könnte denn nun eine Störung der Totenruhe Folgen für die ihn gestört Habenden haben? Selbstverständlich, wenn man an die möglichen Reaktionen der um den Toten Trauernden denkt. Aber kann der Tote auch auf sein Gestörtwordensein reagieren? Wer in seinem Schlaf gestört wird, regiert ärgerlich, verärgert, wenn es eine Person gibt, die für diese Störung verantwortlich ist, etwa der Nachbar, der Mitternachts laute Musik hört. . Könnte ähnlich ein Verstorbener wider einen Ruhestörer ähnlich reagieren? Wäre die Vorstellung eines möglichen Reagierens auf eine Störung des Toten völlig ausgeschlossen, warum nimmt man dann so viel Rücksicht auf den Toten, wenn im Alltagsleben wir schon oft auf unsere Mitmenschen kaum eine Rücksicht nehmen, obschon die darauf negativ reagieren könnten?

  • Vielleicht ergeht es uns hierbei wie mit dem Photographieren eines Sonnenaufganges. Wenn wir den photographieren, denken wir die Sonne als einen um die Erde kreisende, die auf- und untergeht. Frägt man uns dann danach, verneinen wir diese Vorstellung, die wir gerade noch geglaubt haben. Der Begriff der Totenruhe bekommt seinen ganzen Gehalt tatsächlich erst, wenn damit der Gedanke verbunden wird, daß der gestörte Tote sich für die erlittene Störung rächen könnte.


  • Ein Toter scheint so viel „lebendiger“ zu sein, als wir es meinen, wenn wir über das Todsein reden. Er kann Störungen wahrnehmen, kann sie als ihn betreffende empfinden und könnte gar auf sie reagieren, und wohl negativ, den Störenden treffend. Positiv gewendet: Wer am Grabe eines Verstorbenen zu ihm spricht, für ihn betet, darf dann annehmen, daß ihn der Verstorbene hört, er also angenehm durch dies Reden mit und über ihn zu Gott berührt wird.

  • Anthropologisch stellt uns dieser Gedanke nicht vor Aporien, wenn wir gut katholisch an die Seele, ihre Unsterblichkeit glauben. Der Körper des Menschen zerfällt, bis er nur noch Staub ist, aber die Seele, aus ihrem Leibe entschwunden bleibt und sie verbleibt als eine, die wahrnehmen kann, wie die Lebenden sich dem Verstorbenen gegenüber verhalten, ja sie könnte sogar darauf reagieren.


  • Der KI informiert uns dann zum Thema: „Arme Seelen“ so:

Übersicht mit KI

„Als >arme Seelen< bezeichnet der Volksglaube und die katholische Tradition die Verstorbenen, die sich nach dem Tod in der Reinigung befinden (im Fegefeuer) oder als erdgebundene Geister auf der Erde umgehen.

Was sind Erscheinungen armer Seelen?

  • Definition: Es handelt sich um Manifestationen von Verstorbenen, die laut alten Überlieferungen keine Ruhe finden, weil sie noch ungesühnte Schuld tragen oder um Fürbitte bitten möchten.

  • Erscheinungsbilder: Sie zeigen sich in Sagen und Berichten als lichtlose Gestalten, Schatten, wehklagende Stimmen im Wind, in Tiergestalten oder als Poltergeister, die sich durch unerklärliche Geräusche bemerkbar machen.

  • Der Sinn der Erscheinung: Im Katholizismus gilt das Zeigen solcher Seelen als Hilferuf. Die Betroffenen sollen durch Gebete, Opfer oder Messen erlöst werden, um den Weg in den Himmel zu finden.“


Es ist nun nicht schwierig, in Ähnlichkeit zum Geschick der „Armen Seelen“ die Reaktion von in ihrer Totenruhe gestörten Seelen zu denken.


Wenn wir also von einer Störung der Totenruhe reden, meinen wir damit viel mehr als uns bewußt ist. Und diese Meinung ist keine falsche, da sie sich ganz im Einklang mit dem katholischen Glauben befindet. Nur eine modernistische Theologie, die stets auch den Volksglauben verachtet und „aufklären“ will, sagt dazu ihr „Nein!“ Daß dann noch der größte Philosoph, Platon dieser katholischen Seelenlehre zustimmt, spricht auch für sie! Der so viel geschmähte „Volksglaube“ steht so höher als die vulgärmaterialistische Vorstellung vom Ganztod des Menschen, der Bestreitung seiner Seele.

Dienstag, 4. November 2025

„Da ruht er“ . Menschen gehen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen- eine Kritik

„Da ruht er“ . Menschen gehen zu den Gräbern ihrer Verstorbenen- eine Kritik


Wer einen Friedhof aufsucht, nicht nur in der Zeit von Allerheiligen und Allerseelen, wird angetan sein davon, wie liebevoll aber oft die Gräber gepflegt werden und auch künstlerisch kreativ gestaltet sind. Daran dürfte es doch nun wirklich nichts zu kritisieren geben.auch wenn notorische Quenkler an allem etwas zu bemäkeln haben.“Hier ruht XY“, und es ist wohl hinzuzugefügt mitzulesen: „hoffentlich in Frieden!“ Nur, ist das denn nun auch wahr? Das Sterben bedeutet die Trennung von der Seele und dem Leib, der Tod ist die vollzogene Trennung. Der von der Seele zum Leib geformte Körper wird begraben, sofern eine Erdbestattung vorgenommen wird. Das evoziert nun die Frage: „Wie lange denn ist der entseelte Leib noch der Leib des Verstorbenen? Wenn der Leichnam sich gänzlich in bloßen Staub verwandelt hat, ist das dann noch der Verstornene XY?

Aus verständlichen Gründen werden heutzutage die Form der Urnenbestattung bevorzugt. Wem das unverständlich ist, der frägt mal bei einem Beerdigungsinstitut nach, wie kostspielig eine Erdbestattung ist. Nun ruht der Verstorbene in einer Urne als verbrannter Leichnam, als bloße Asche. Ist diese Asche noch der Verstorbene XY?

Wo ist nun die Seele des Verstorbenen? Drei mögliche Antworten gibt es auf diese Frage: im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle, sodaß eines gewiß ist, daß sie nicht mitbeerdigt im Sarg oder der Urne ist. Ist somit das Grab nur der Ort, an welchem wir uns des Verstorbenen erinneren? Diese Auffasung wird wohl unserer Beerdigungskultur nicht gerecht. Man scheint eher zu meinen, daß die Verstorbenen in ihren Gräbern ruhten, woraus ja auch die Benimmregel für ein Verweilen auf einem Friedhof entspringt, nicht die Totenruhe zu stören. Nicht ist damit gemeint, andere Friedhofsbesucher bei ihrem Gedenken an den Verstorbenen zu stören, das wäre eine zu verrationalisierte Auffassung des Gebotes: „Större die Totenruhe nicht!“Es wird damit wirklich gemeint, daß die in den Gräbern Ruhenden wie in ihrem Bette Schlafende durch Lärm gestört werden.

Ein Verstorbener scheint so an zwei verschiedenen Orten zugleich zu sein. Diesen Widerspruch bezeugt uns schon das Alte Testament, daß man einerseits sagt: In seinem Grabe liegt der Verstorbene und zugleich, daß er nun in die Unterwelt abgestiegen ist: Der Ort des Grabes und die Unterwelt, der Hades sind nun eindeutig nicht identische Orte.Ergo: Der Leib des Verstorbenen liegt im Grabe, die Seele ist in der Unterwelt, im Reiche der Toten. Wird der Leib als konstitutiv zum Sein des Versorbenen XY gedacht, ist er tatsächlich an zwei Orten, als Leiche im Grabe und als Seele im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle.

Aber doch melden sich Bedenken an: Der Leib vergeht und löst sich in Staub auf, wenn er nicht gleich zu Asche verbrannt wird, wohingegen die Seele weiterexistiert.Nur weil sie nach dem Sterben noch ist, gibt es den Tod als mein Todsein, denn wäre der Tod die Nichtung meines Iches, könnte es für mich den Tod als den meinigen ja gar nicht geben, wie Epikur es treffend erfaßt hatte: Wenn Ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin nicht Ich! Der Mensch ist also eine Seele, die einen Körper hat,in ihn inkarniert ist, den Körper den die Seele sich zu ihrem Leibe formt. So bin Ich als Verstorbener wo Ich als Seele bin!

„Ruht“ denn nun die Seele, nachdem sie von ihrem Leibe getrennt worden ist? Wäre das wahr, könnte keiner der Heiligen, auf deren Fürbitte wir vertrauen, nicht mal die Mutter Gottes für uns fürbitten, da sie ja alle ruhten, das ist: schliefen. Wie sollte gar die Mutter Gottes ihr Amt, das der Himmelskönigin ausüben, schliefe sie! Ein weiteres Argument spricht dagegen: Wenn unsere Seele zu Gott heimgekehrt ist, dann soll sie Daheim nichts besseres zu tuen haben, als sich schlafen zu legen? Man denke sich einen frisch verliebten Mann, der seine Freundin ein paar Monate nicht sehen konnte und die ihn nun endlich heimgkehrt zu sich eingeladen hat: Legte der sich, kaum angekommen zum Schlafen hin, weil er so gerne ruhen mag?So wenig der Verliebte sich da schlafen legen würde, so wenig wollte unsere Seele ruhen, wäre sie endlich Daheim bei Gott.

Die Seelen im Fegefeuer wie in der Hölle schlafen auf keinen Fall, denn sie erleiden da ja, in unterschiedlicher Weise ihre Strafen für ihre Sünden: Wie könnten sie das, wenn sie ruhten?

Ruhen könnte höchstens der tote Leib und von dem ist genaugenommen ein Ruhen nicht recht aussagbar, denn er ist tot. Es ist eben ewas sehr Verschiedenes, ob jemand vom Schlafen aufsteht oder ob ein Toter zu einem neuen Leben erweckt wird! Dabei stehen wir noch vor einem prizipielleren Problem: Kann den der sterbliche Leib ein Leib des ewigen Lebens werden oder muß er nicht erst verwandelt werden in einen zu einem ewigen Leben passenden? Wird aus dem Staub, der nun in einer Urne liegt, ein ewig leben könnender Leib durch Gott erschaffen, in den dann meine Seele sich wieder inkarniert? Die Verwandelung des Urnenstaubes in einen nicht mehr sterben müssenden Leib scheint so fast ein so großes Wunder zu sein wie das der Verwandelung des Brotes in den Leib Christi. Kann hier noch von einer leiblichen Identität gesprochen werden oder ist nicht doch die Seele allein das meine Identität Wahrende?

Der Friedhof und seine Gräber, daß das der Ort ist, wo unsere Toten „ruhen“ ist so gesehen eine sehr fragwürdige Vorstellung! Sie paßt nicht recht zur christlichen Religion. Eine andere Frage ist nun aber die, ob die Verstorbenen als Seele noch wahrnehmen können, ob wir zu ihren Gräbern gehen und was wir da wie tuen.Wenn die Heiligen für uns fürbitten können, also auch unsere Gebete an sie wahrrnehmen können, denn täten sie das nicht, wie könnten sie dann Fürbitte leisten können, dann dürfen wir wohl darauf vertrauen, daß zumindest die Seelen im Fegefeuer wie auch im Himmel uns hier auf Erden lebend wahrnehmen können, denn alle im Himmel wie auch im Fegefeuer können für uns beten. Wir wenden uns ja mit unserer Fürbitte an die Heiligen, weil wir gewiß sind, daß diese im Himmel für uns beten können, was die Verdammten gewiß nicht mehr können.

Wenn wir also zu den Gräbern Verstorbener gehen und sie pflegen, dann ruhen ihre Augen auf uns, sie sehen nämlich, was wir für sie da tuen! Sie ruhen eben nicht! 

Zusatz:

Urspünglich hat die Verheißung der Ruhe für Israel die Bedeutung,daß gegen Israel kein Krieg geführt wurde noch daß es Kriege führte, daß also die Abwesenheit vom Kriege die Ermöglichung eines positiven Lebens ist, aber nicht schon selbst etwas Positives ist.In den Zeiten der Dekadenz bekommt die Verheißung der Ruhe erst den Klang von etwas selbst Gutem, dem Sichausruhen vom Leben,denn alles Leben wird als Unruhe negativ empfunden.



 

Dienstag, 22. April 2025

Zum Tode Papst Franziskus : De mortuis nil nisi bonum!

 

Zum Tode Papst Franziskus : De mortuis nil nisi bonum!


Als Nachruf zu dem nun abberufenen Papst Franziskus möchte ich das Zusammen-lesen des Kath info Nachrufes: „Papst Franziskus wurde abberufen“ und den auf „Communio“ erschienen Beitrag: „Vom Ende der Welt nach Rom“, beide am 21.4.2025 publiuiert, wärmstens empfehlen und kapriziere mich nun, statt noch einen Nachruf aus meiner Feder den vielen, wobei nicht alle so gut geraten sind wie diese zwei, hinzufügen auf diese alte und doch an allen Orten und allen Zeiten beherzigte Maxime: „Über die Toten nichts, außer Gutes!“1

Wie ist nun dieses Redeverbot erklärbar, an das sich fast alle zu allen Zeiten und Orten hielten und halten, es so gesehen eine wahrhaft katholische, das ist: eine allegemeine Praxis ist? Über einen kleinen Umweg erschließt sich der Sinngehalt ad hoc: Wenn ein Arbeitnehmer seine Arbeitsstelle gekündigt hat oder ihm gekündigt wurde, hat er ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis. In diesem darf nun nichts stehen, das im eine Anstellung bei einem anderen Arbeitgeber erschweren oder gar verunmöglichen würde. Es darf da nicht geschrieben werden: „Er hat schlecht gearbeitet!, aber auch solche umschreibenden Formulierungen wie: „Er war stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“,das heißt nämlich im Klartext; daß er seine Aufgaben nicht erfüllen konnte oder wollte, sind vom Gesetzgeber her verboten. Es existiert hier ein Spannungsfeld zwischen dem Gebot eines wahrhaftigen Zeugnisses und der Verpflichtung, dem ehemalig Angestellten nicht durch das ausgestellte Arbeitszeugnis zu schaden, ihm eine Neuanstellung bei einem anderen Arbeitgeber zu verunmögichen. Das Arbeitszeugnis ist also so ausstellen, daß es der Wiedereinstellung förderlich ist. Das heißt: Es darf in ihm nichts Schlechtes stehen, nur Gutes!

Wer gestorben ist, verläßt auch diese Welt. Er bringt sozusgen seine über ihn getätigten Nachrufe wie ein Arbeitszeugnis mit, um so in dem jenseitigen Leben gut aufgenommen zu werden. Die Trauerreden am Grabe sind so Empfehlungsbriefe für den von uns Gegangenen, der nun vor der Einlaßtür des Himmels steht, nicht mit leeren Händen, sondern ausgestattet mit gut ausgefallenen Arbeitszeugnissen. Enthielte dies Schlechtes über den Verstorbenen, könnte das ihm den Übergang in das andere Leben erschweren oder gar verunmöglichen. Deshalb darf da nichts Negatives hineingeschrieben werden. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, daß ein Verstorbener in das ewige Leben aufgenommen wird, auch und gerade nicht in der christlichen Religion.2

Aber diese Regel dürfte wohl noch eine zweite Bedeutung haben, die ich für die ursprünglichere halte. Wer schlecht über seine Mitmenschen redet, muß damit rechnen, daß sie sich dafür rächen.Man kann nun unser Kultur als einen Prozeß der Zivilisierung des Menschen betrachten, es sei hier an die vorzügliche Studie Norbert Elias über den Prozeß der Zivilisation erinnert, der es insbesondere um die Kontrolle und Domestikation unsere Leidenschaften und Affekte geht, aber auch der gut zivilisierte Bürger möchte gern Verleumdern irgendwie entgegentreten. Ursprünglicher war wohl der Wille zur Rache. Was passiert nun, wenn man über Tote lästert, über sie Schlechtes redet? Es muß damit gerechnet werden, daß auch die Toten sich dafür rächen wollen und sie können das auch! Daß die Toten einfach tot sind, sich in Staub oder anspruchsvoller formuliert in Nichts auflösen, ist keine selbstverständliche Vorstellung über tote Menschen. Als „Geister“ könnten sie Rache nehmen für das, was man an Schlechtem über sie sagte. Jeder Ahnenkult, jede Pietät den Verstorbenen gegenüber, wozu auch der Umgang mit dem Leib des Verstorbenen gehört, ob und wie er beerdigt wird, gründet sich ursprünglich in dieser Furcht vor einer möglichen Rache der Toten. In Schauerromanen, im Genre des Hororromanes ist ja diese Vorstellung von unerlösten Geistern, den Seelen Verstorbener, die sich für irgendetwas rächen wollen gut bekannt, ja diese archaische Vorstellung lebt da noch.


Nur eine materialistisch-biologistische Anthropologie verunmöglicht eine so geartete Vorstellung der sich rächenden Toten, aber sie ist nun wirklich ein Konstrukt atheistischer Phantasie, wohingegen religiös fundierte Kulturen die Vorstellung, daß die Verstorbenen einfach nur tot, das ist: nicht mehr sind! Nicht kennt. Die Unterwelt, der Hades sind eben Orte, in die die Verstorbenen hinansteigen als Seele, und wo es nicht völlig ausgeschlossen ist, daß sie auch wieder zurückkehren können. Nur deshalb konnte ja die Totenbeschwörerin für den König Saul den schon verstorbenen Propheten Samuel herbeibeschwören,sodaß dieser dann dem König sein Schicksal anzeigen konnte. Das dreigeteilte Weltbild, daß es den Himmel, die Erde und die Unterwelt gibt, meint eben nicht, daß diese drei Welten völlig voneinander abgetrennt ohne die Möglichkeit von Transiten existierten. Vielleicht erfreuen sich rein materialistische Weltanschauungen auch deshalb so großer Beliebtheit, weil sie uns vor der Möglichkeit der Konfrontation mit Über- und Unterirdischen bewahren.Bezeichnend ist es ja,daß das Halloweenfest in den USA versäkularisiert wurde, ging es doch ursprünglich hier um „Arme Seelen“, die auf Erden erschienen, um uns um Hilfe zu bitten.

Ein nicht österlicher Witz zum Schluß: Warum wird die Welt immer böser? Antwort: Weil nur die guten Menschen sterben, die bösen nicht. Der Beweis: Die Reden am Grabe und die Nachrufe.

1Es stellt so einen extremen Kulturbruch da, wenn über die deutschen Soldaten des 2.Weltkrieges und nicht nur über die der Waffen-SS nichts als nur Böses ausgesagt werden darf gemäß den Direktiven der Politischen Korrektheit.

2So ist es auch fraglich, ob die Grabbeilagen als Nutzgegenstände für ein postmortales Leben gemeint sind oder als Geschenke zur Erlangung einer günstigen Aufnahme in dies jenseitige Leben.

Dienstag, 29. Oktober 2024

Halloween- eine verpaßte Chance der Neuevangelisation

 

Halloween- eine verpaßte Chance der Neuevangelisation


Manchmal verbirgt der Schein das Sein von etwas und so sollte die Oberfläche nicht mit dem Wesen dem Schein ineins gesetzt werden. Der Ursprung des heutig völlig verkommerzialisierten und verpopularisierten Halloweenfestes liegt nicht nur geographisch in Irland sondern gehört auch zur katholischen Volksfrömmigkeit Irlandes. Die Vorstellung, diesem Fest läge ursprünglich ein heidnisches Fest zugrunde, das dann christlich übermalt bzw verdrängt wurde, liegt ein romantisches Narrativ zugrunde, daß das Ursprüngliche das Heidnische gewesen sei, das dann christlich unterdrückt wurde. In dem sehr erfolgreichen Roman: „Nebel von Avalon“ von Zimmer Bradley wird dies Narrativ uns augenfällig vorgeführt in schlichtester Schwarz-Weiß-Malerei. Aber realistich ist das alles nicht, es ist eben ein pures Produkt beachtlicher Dichtkunst.

Im Zentrum des Festes Halloween steht das Eingedenken des Fegefeuers, daß dort die „Armen Seelen“ ihre Sünden abzubüßen haben. Ihnen ist es zwar verheißen, am Ende in das Reich Gottes eingehen zu werden, aber vordem haben sie ihre Sünden abzubüßen. Das ist eine große Leidenszeit der Seelen. Nun besagt die irische Volksfrömmigkeit, daß Gott den „Armen Seelen“ es an diesem besonderen Gnadentag, Lebenden zu erscheinen, um sie um Hilfe zu bitten. Die zu Halloween üblichen Kostümierungen sollen nun an diese Seelen im Fegefeuer erinnern und zwar als leidende Seelen: „So sehr leiden wir- tuet für uns Gutes, damit unsere Leidenszeit abgekürzt wird.“ Die katholische Praxis des Erbetens von Teil- und Ganzablässen gehört so zu diesem Gesamtvorstellungskomplex der „Armen Seelen“. Ihnen soll geholfen werden. Auf der symbolischen Ebene erbitten die Verkleideten um meist süße Gaben für sich. Das verweist auf die Not der im Fegefeuer leidenden Seelen, die uns nun um ihre Hilfe bitten. Das Sichverkleiden ist also nicht einfach ein Klamauk, sondern dient der Sensibilisierung: So sehr leiden die Seelen im Fegefeuer, daß ihr Anblick so greußlich ist.

Dies Fest ist aber nun gerade ein Freudenfest, denn in ihm erweist sich Gott gerade als ein barmherziger Gott: Er ist bereit, den Seelen im Fegefeuer einen Nachlaß ihrer Strafen zu gewähren. Dafür gibt er uns die Chance, Mitarbeiter seines Heilswerkes zu werden, indem wir Gutes zugunsten der „Armen Seelen“ tuen, etwa für sie zu beten oder hl. Messen lesen zu lassen. Diese Freude kann aber nun auch nicht eine ungetrübte sein, muß doch auch und gerade das Leiden dieser Seelen ernstgenommen werden. Den Kostümierten geben wir Süßes, aber dann gilt es real für die „Armen Seelen“ auch Gutes zu wirken.

Statt nun wider dies Fest zu polemisieren, wäre es gerade auch im Sinne einer Neuevangelisation angebrachter, den eigentlichen Sinn dieses Festes in den Vordergrund zu stellen. Dann kann gesagt werden, daß es gut getan ist, wenn Christen sich dazu wie üblich zu diesem Feste verkleiden, erinnern sie so doch an die leidenden Seelen und an unseren Auftrag, ihnen zu helfen. Eine Katechese über den Ablaß könnte dann der krönende Abschluß eines kirchlich gefeierten Halloweens sein. Statt die Restbestände katholischer Volksfrömmigkeit auch noch zu liquidieren zu verhelfen, wäre eine Rückbesinnug auf das Eigentliche dieses Festes angemessener. 

Einer der vielen Gründe der Krise der Kirche ist die Mißachtung der Volksfrömmigkeit als etwas Voraufklärerisches. 

Freitag, 11. Oktober 2024

„Ich bin mein Körper“ oder verwechselt sich hier die Kirche mit einem Sportstudio?

 

„Ich bin mein Körper“ oder verwechselt sich hier die Kirche mit einem Sportstudio?


„Mein Körper ist nicht nur eine zufällige Hülle für ein imaginäres, wesentliches Selbst. Ich bin mein Körper. Es ist ein Fehler, die Persönlichkeit auf eine Abstraktion zu reduzieren, als wäre sie nur eine Idee in unserem Kopf, die möglicherweise nach Belieben verändert werden kann.“ So heißt es in dem Kath net Artikel: „Kirche hat differenzierte, realistische,gehaltvolle Vision der sexuellen Natur der Menschheit.“ am 11.10.2024.

Eine kleine Anmerkung über die nicht nur auf dieser Internetseite praktizierte Verhunzung der deutschen Sprache kann ich mir nicht verkneifen. Die Überschrift hätte heißen müssen: „Die Kirche hat eine (oder gar) die Vision“. Jetzt aber zum Inhaltlichen. Die Aussage: „Ich bin mein Körper“ist anthropologisch und auch theologisch absurd. Nur eine naturalistisch-materialistische Philosophie könnte das als eine wahre Aussage über den Menschen gelten lassen. Es wird dabei nämlich völlig die Seele des Menschen vergessen, bzw durch einen naturalistischen Reduktionismus zu einem Epiphänomen der Materie herabgestuft.

Die Seele nun formt den menschlichen Körper, macht ihn zu meinem. Wenn der Mensch nur aus seiner Körperlichkeit bestünde, hätte dies zur notwendigen Folge,daß alle Heiligen, auf deren Fürsprache wir vertrauen, außer der Mutter Gottes keine Menschen mehr wären, bzw nur noch tote Menschen, da sie mit dem Tode des Körpers sich völlig aufgelöst hätten. Jesus Christus hätte nicht zum reumütigen Sünder, einem der mit ihm Gekreuzigten sagen können:“Heute noch wirst Du im Paradiese sein“, denn sein Körper wurde danach bestattet und was von ihm noch übrig geblieben ist, verwest weiterhin unter der Erde, aber auf keinen Fall ist er im Paradiese. Die Verheißung Jesu Christi kann nämlich nur wahr sein, wenn sein Körper zwar begraben wurde, seine Seele aber in das Reich Gottes aufgenommen worden ist. Auch könnte kein Mensch im Fegefeuer sein, da ja bis jetzt alle Verstorbenen in der Erde verwesen bis Gott sie dann am Ende aller Zeiten auferwecken wird.

Darüber hinaus stellen uns Paulus naturphilosophischen Reflexionen (1.Kor 15) vor ein gravierendes Problem: Wie verhält sich der zum Sterbenmüssen verurteilte menschliche Körper zu dem zukünftig ewig leben könnenden? Die gnostisch inspirierten Kritiker des Apostelfürsten Paulus urteilten ja,daß eine leibliche Auferstehung eine in sich sinnwidrige Vorstellung sei, da dann die so Auferstandenen wider sterben müßten wegen ihrer Körperlichkeit. Paulus setzt dagegen, daß es sterben müssende Körper und nicht sterben müssende Körper gäbe, daß also unser sterbliche Körper in einen unsterblichen verwandelt würde. Das evoziert aber die Frage nach der Identität des sterblichen mit dem unsterblichen Körper des Menschen: Sind sie identisch, oder wird ihm, also der Seele ein neuer, unsterblicher gegeben werden? Für die am Tage der Wiederkunft Jesu Christi Lebenden gilt, daß ihr Körper verwandelt wird, aber bei den dann schon Verstorbenen ist dies unklar, ob an eine Verwandelung oder eine Neuschöpfung des Körpers zu denken ist.

Wenn aber ich mein Körper bin, wäre ich dann noch ich, wenn so sehr mein Körper verwandelt worden sein wird, daß aus einem sterben müssender ein unsterblicher geworden sein wird?

Nun scheint die Absicht der Behauptung, ich sei mein Körper, die zu sein, den menschlichen Körper vor willkürlichen Manipulationen zu schützen.Wenn der Körper ich bin, dann verletze ich mich selbst, wenn ich meinen Körper verändere.Was hätte das für Folgen für einen Menschen, der einer Prothese bedarf, etwa eines künstlichen Gelenkes oder eines Herzschrittmachers? Hört etwa damit der Körper auf, ich zu sein, wenn in ihm Künstliches implantiert wird? Denn dann gehört ja zu ihm etwas Nichtichhaftes, eben das Künstliche als zum natürlichen Körper Hinzugefügtes.

Nun scheint dem Text das Thema der Sexualität besonders am Herzen zu liegen. Hierbei stehen wir vor einem beachtlichen Problem der Seelenlehre.Ist die Seele als geschlechtslos zu denken, sodaß ein Mensch nur ob der Geschlechtlichkeit des Körpers zu einem Mann oder zu einer Frau würde.Das zöge dann aber auch die Konsequenz nach sich, daß die Heiligen postmortal geschlechtslos würden, daß etwa der hl.Pater Pio jetzt kein Mann mehr wäre. Deshalb ist die Annahme, daß die Seele des Menschen aus ihrer Eigennatur heraus entweder weiblich oder männlich ist, wahrscheinlicher. Das Ich, das den Körper zu meinem formt, ist selbst als etwas Individuiertes zu denken, denn nur so ist die Individualität jedes Menschen denkbar. Denn aus etwas Nichtindividuellem kann sich nichts Individuelles herausentwickeln. Wer also sein Geschlecht ändert,ändert es wider die Geschlechtsbestimmtheit der Seele, des Iches meines Körpers.

„Ich bin mein Körper“, so ein naturalistisch-materalistisches Menschenverständnis präjudiziert dann natürlich auch den Vorrang der „natürlichen“ Bedürfnisse des Menschen, daß eben das Wichtigste die Sorge um das tägliche Brot sei, daß man dann noch kulturelle Wünsche habe, aber die und die „geistlichen“ seien eben nur zweitrangige. Deshalb engagiert sich die Kirche ja auch primär im Bereich der Diakonie und kann die Mission und Evangelisation ruhig vernachlässigen.

Corollarium 

Der Verneinung des Seele Leib Dualismus korreliert die Verneinung des Dualismus von Gott und Welt. Es gäbe nur die Welt des Körperlichen, Alles sei eins.

















































Dienstag, 8. Oktober 2024

Exzesse der Technikphobie: „Künstliche Befruchtungen verletzen die Menschenwürde“ oder das vergessene Gebot Gottes

 

Exzesse der Technikphobie: „Künstliche Befruchtungen verletzen die Menschenwürde“

So tönt es am 8.10.2024 in dem „Tagespost“ Artikel. Weiterhin ist da zu lesen:“Kinder hätten das Recht, die Welt nicht als Laborprodukte betreten zu müssen, meint der Osnabrücker Sozialwissenschaftler Manfred Spieker.“ Dieser Sozialwissenschaftler verfügt offenkundig über keine Kenntnisse der Anthropologie der Katholischen Kirche und das erste Gebot, das Gott uns Menschen gab, ist ihm auch völlig unbekannt, aber dafür ist er ganz erfüllt von einer irrationalen Technikphobie. Der Mensch ist ein aus seiner Seele und seinem Körper bestehendes Compositum. Sein Leib entwickelt sich aus der befruchteten Eizelle, wohingegen seine Seele unmittelbar von Gott erschaffen inkarniert wird. Aus etwas Materiellem kann keine Seele entstehen. So ist der Mensch als Ganzes weder das Produkt einer natürlichen Erzeugung noch einer künstlichen, weil die Seele, die ihm zu einen Menschen macht, unmittelbar von Gott erschaffen wird. Die Seele existiert ja auch nach dem Tode weiter, nur der entseelte Körper zerfällt und wird zu Staub.

Wegen seiner Seele ist so der Mensch ein Ebenbild Gottes. Die Manichäer verspotteten ja die alttestamentliche Aussage, der Mensch sei als ein Ebenbild Gottes erschaffen mit der These, dann müsse ja Gott Haare, Zähne etc haben. Erst durch eine platonisierende Auslegung gelang es der Katholischen Kirche, diese Kritik zu widerlegen: Gott ist reiner Geist und der Mensch als Seele sein Abbild. Die völlige Seelenvergessenheit ist aber in der jetzigen Kirche so allgegenwärtig, daß hier wieder einmal daran erinnert werden muß.

Allerdings könnte man doch wenigstens von Christen die Kenntnis des 1.Gebotes erwarten, daß Gott uns Menschen gab. Es lautet unmißverständlich klar formuliert: „Seid fruchtbar und vermehret Euch“. (1. Mose 1,28). Es geht also nicht einfach um einen Kinderwunsch, wenn eine Frau sich ein Kind wünscht, sondern um das 1.Gebot, das hier erfüllt werden will. Das nötigt die Frage auf, mit welchem Recht Herr Spieker Frauen die Erfüllung des 1, Gebotes Gottes verbieten will, nur weil sie auf natürliche Weise nicht schwanger werden können? Dürfte man dann etwa auch Erkrankten, wenn sie sich nicht mehr natürlich ernähren können, eine künstliche Erährung verbieten, da das der Würde des Menschen widerspräche?

Aber jetzt wird es noch konfuser: Eine Verletzung der Menschenwürde setzt ja voraus, daß der Mensch ist, damit überhaupt seine Würde verletzt werden kann. Vor der Inkarnation der Seele ist er ja noch gar nicht, sodaß seine Würde aber gar nicht verletzbar ist. Wenn er aber ist, dann gilt ihm die Menschenwürde ganz gleichgültig ob sein Leib aus einer natürlich oder künstlich herbeigeführten Zeugung entstanden ist. Da die Würde des Menschen sich seiner Ebenbildlichkeit Gottes verdankt, diese seiner Seele, ist die Frage, wie sein Leib erzeugt wurde, sekundär.

Es muß festgehalten werden, daß schon sehr gewichtige Gründe vorhanden sein müssen, die einer Frau die Erfüllung des 1.Gebotes verwehren können, wenn sie selbst einen Kinderwunsch hat. Aber die bloße Tatsache, daß sie nicht auf die natürliche Weise schwanger werden kann und deswegen auf eine künstliche angewiesen ist, kann nicht als ein so gewichtiges Argument angesehen werden. Denn eine künstlich hervorgerufene Schwangerschaft tangiert die Würde des so Erzeugten in keinster Weise, denn die Seele läßt Gott inkarnieren in das menschliche Fleisch unabhängig davon, ob dies Fleisch natürlich oder künstlich erzeugt wurde. Die Kirche lehrt, daß von Anfang an die menschliche Seele im menschlichen Leibe wohnt, von der Befruchtung der Eizelle an.Die Inkarnation der Seele setzt nun aber voraus, daß da schon etwas ist, in das sie inkarniert wird. So muß dieser Vorgang wohl so gedeutet werden: Im Augenblick der Befruchtung inkarniert sich die Seele und beginnt, das Vorgefundene als ihre Seele zu formen, wie ja auch der menschliche Leib seine Formung durch die Seele verliert, verläßt sie den Körper, der dann zu Staub zerfällt.

Die völlige Seelenvergessenheit ist in anthropologischer Hinsicht das gravierendste Problem der heutigen Zeit. Wüßte man noch von ihr, könnte man nicht zu solch gravierenden Fehlurteilen wie die dieses Artikels kommen.

Außerdem: Früge man einen Menschen, der aus einer künstlichen Befruchtung entstanden ist, ob er lieber nicht lebte als so erzeugt worden zu sein, ich bin sicher, daß keiner dann urteilte: Er würde lieber nicht sein als ein so Erzeugter. Die Technikphobie verunmöglicht in der Moraltheologie ein angemessenes Verständnis der Möglichkeit künstlicher Befruchtungen.















Mittwoch, 10. Juli 2024

Die neue Liebe der Kirche zur Homosexuellenbewegung und der ihr anverwandten Bewegungen

 

Die neue Liebe der Kirche zur Homosexuellenbewegung und der ihr anverwandten



Kath de berichtet darüber am 9.7.2024: „Stadtdekanat Köln nimmt an der LGBT-Veranstaltung ‚Cologne Pride’ teil.“ Den LGBT-Menschen gilt eben in besonderer Weise die Liebe Gottes, es sind halt zwar alle gleich, aber einige sind eben ein bißchen gleicher als die Anderen. „Kölns Stadtdechant Kleine. „Darum muss die Kirche offen sein für Menschen jeder sexuellen Orientierung und geschlechtlicher Identität. Gott liebt jeden Menschen vorbehaltlos, weil er selbst die Liebe ist.“

Eigentlich wäre doch zu unterscheiden, etwa, daß eine Mutter ihr Kind zwar liebt, aber wenn es sie belügt, das Lügen des Kindes nicht liebt. Wenn ein Mensch einen anderen ermordet, ist der Mörder dadurch zwar nicht seiner Menschenwürde beraubt, aber die Gerechtigkeit erfordert eine Bestrafung des Täters. Sollte nun die Kirche urteilen, daß Gott einen Mörder so liebe wie jeden anderen auch, sodaß auch ein Mörder in das Reich Gottes eingehen werde, da er ein von Gott Geliebter sei?

Eigentlich heißt es doch, daß Gott, weil er den Tod des Sünders nicht will, daß er umkehre und nicht läßt er seinen Sohn verkünden: Jeden Menschen liebe mein Vater, sodaß jeder so weiterleben möge wie bisher, denn völlig unabhängig davon, wie er lebe, sei er ein von Gott Bejahter. Wenn Gott nun straft, straft er ja nicht die Tat sondern den Täter; es wird ja auch nicht der Mord inhaftiert sondern der Mörder ob seiner Untat. Wenn auch Gott jeden Menschen liebte, dann liebt er noch lange nicht jede Tat des von ihm geliebten Menschen. Daß der Apostel Petrus dreimal Jesus Christus verleugnete, hat Gott gewiß nicht gutgeheißen, aber ob der Reue des Apostels nahm er ihn wieder an und ließ ihm sein Apostelamt.

Ganz anders urteilt dieser Stadtdekan: Er meint tatsächlich, daß Gott, weil er jeden liebe, ihm es gleicjgültig sei, wie der sein Leben führe. Nach der LGBT-Ideologie wählt ja jeder seine sexuelle Orienterung und sein Geschlecht selbst aus, bzw habe das Recht, sein Geschlecht selbst frei erwählen zu dürfen. Wenn ich als ein Mann geboren sei, hätte ich das Recht, mich in eine Frau zu verwandeln oder zu erklären, daß ich weder eine Frau noch ein Mann sei. Für das, wozu ein Mensch sich selbst bestimmt- nicht zu verwechseln mit dem kantschen Begriff der Autonomie, wie Pater Recktenwald gut fundiert nachweist- ist nun mal der sich selbst Bestimmende verantwortlich. Die Kirche hat nun nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht, zu sagen, wie Gott eine bestimmte Wahl, so will ich leben, beurteilt. Nicht weil Gott einen Menschen liebt, heißt er alles, egal wozu er sich bestimmt als eine gute Wahl.Wenn ein Mann sich in eine verheiratete Frau verliebt und sie als Frau begehrt, dann ist diese Liebe im Urteil Gottes keine gute Liebe sondern eine sündige.

Gott beurteilt nun eindeutig die homosexuelle und die lesbische Liebe als eine sündige, die Kirche hat nun kein Recht, diesem eindeutigen Urteil Gottes zu widersprechen. Aber das tut sie, indem sie jetzt wie es in Köln geschieht, die der Glorifizierung der Homosexualität dienende Veranstaltungen unterstützt und gat da selbst mitwirkt.

Wenn man schon auf die Liebe Gottes zu jedem Menschen verweist, dann müßte auch gesagt werden, daß er jeden Menschen als einen bestimmten liebt, den Mann Peter als den Mann Peter, der so von Gott gewollt ist. Aber der Mann Petra widerspräche der Liebe Gottes zu ihm, wenn er nun die Frau Petra werden wollte, denn Gott hat ihn als Peter gewollt. Gott regiert und als Schöpfergott gibt er jedem seine Besonderheit als einen bestimmten Menschen: Er gibt dem Menschen ein bestimmtes Geschlecht, eine bestimmte Volkszugehörigkeit und auch Rassenzugehörigkeit. Diese Bestimmungen Gottes als seine Gaben wertzuschätzen, bedeutet, sie als Aufgaben zu bejahen, daß eben Peter sein Mannsein bejaht und nicht eine Frau sein werden will, daß er als Deutscher es bejaht, ein Deutscher und ein Glied der weißen Rasse zu sein. Gott bejaht ja nicht einfach nur die Idee des Menschseins sondern den Menschen in seinen konkreten Bestimmtheiten. Die Idee des Menschseins verwirklicht sich ja immer nur in bestimmten konkreten Menschen.

Dazu gehört auch die Gabe der Sexualität in ihrer Ausrichtung auf die Fortpflanzung, damit die Gattung Mensch nicht ausstirbt. Wie wichtig Gott die Sexualität des Menschen ist, demonstriert Gott damit, daß er uns als das erste Gebot gebot: „Seid fruchtbar und mehret euch!“ Um seiner Liebe zum Leben gab Gott dieses Gebot dem Menschen und dazu gibt er uns die Sexualität. Die Homosexualität ist so gesehen ein „Nein“ des Menschen gegen dies erste Gebot. Dies „Nein“ kann und darf die Kirche nicht als etwas Gutes bejahen, sondern muß es als das beurteilen, was es ist: die Verneinung des ersten Gebotes Gottes.

Die Krche erdreistet sich also, indem sie wie es in Köln passiert,die LGBT-Bewegung zu unterstützen, gegen Gott als den Schöpfergott zu streiten, nur um den Menschen, isb der LGBT- Bewegung zu gefallen.Es ist auch bezeichnend für die Verwendung der theologischen Aussage, Gott liebe jeden Menschen, (und deshalb will er, daß jeder durch den Glauben an Jesus Christus gerettet wird), daß damit die Morallehre der Kirche außer Kraft gesetzt wird, als bestünde die Liebe einer Mutter zu ihrem Kinde darin, ihm alles zu erlauben und ihm nichts zu untersagen.

1.Zusatz:

Sein Geschlecht frei wählen zu können, diese Forderung gehört zum Kernanliegen der  LGBT. In Hinsicht auf die Anhropologie ist damit das Problem gestellt, ob denn die Seele selbst geschlechtslos zu denken sei, sodaß ohne einen Verstoß gegen die Seele als das Identitätsstiftende ein Mensch sein Geschlecht wechseln könne. Wer zum hl. Pater Pio betet, ihn um seine Fürbitte bittet, betet er dann zu der Seele dieses Paters,der nun ohne seinen Leib lebend, eine geschechtslos gewordener Pater Pius wäre?  Der Pater Pius wäre er noch ob seiner Seele, wenn aber die Geschechtigkeit nur wegen des Leibes wäre, müßte dann ja jetzt Pater Pio nur noch als seine Seele lebend geschlechtslos sein. Dann wäre er aber nicht mehr Pater Pio, denn zu diesem gehört wesentlich sein männliches Gecchlecht. Das ergibt die These, daß die Seele eines Menschen selbst geschlechtlich bestimmt ist: Sie ist von Anfang an weiblich oder männlich. Das hieße, daß wer sein Geschlecht ändere, seiner Seele zumute, in einem ihn so geschlechtlich nicht passenden Körper zu leben, also wider die Bestimmtheit seiner Seele. 

2.Zusatz

Daß Homosexuelle und Pädophile in der Katholischen Kirche ihren Feind sehen, der von Außen oder von Innen durch trojanische Pferde zu bekämpfen ist, wird dabei übersehen. 



Freitag, 17. Mai 2024

Wo ich als Christ mein Kreuz nicht machen darf oder: Daß der Christ, weil er an seine unsterbliche Seele glaubt, asozial zu sein hat!

 

Daß der Christ, weil er an seine unsterbliche Seele glaubt, asozial sein soll!



Kath net offenbart uns neue für die anstehenden Wahlen geradezu revolutionäre Kriterien für die Wählbarkeit von politischen Parteien in dem Artikel: „Rote Linien dürfen nicht überschritten werden“ vom 16.5.2024.

„Welcher Partei gebe ich meine Stimme? „Es gibt einfach Sachen, die sind in sich schlecht. Völkischer Nationalismus ist in sich schlecht, Abtreibung ist in sich schlecht.“ Tipps für die Europawahlen von Zisterzienserpater Isaak M. aus Neuzelle.“ Selbstverständlich ist mit dem „völkischen Nationalismus“ die AfD gemeint, sodaß hier Kath net ganz im Einklang mit den deutschen Bischöfen diese Partei für unwählbar erklärt. Wenn nun aber auch die Bejahung der Abtreibung als Kriterium der Nichtwählbarkeit genannt wird, hat das zur Folge, daß keine der antretenden Parteien wählbar ist. (Die „Christliche Mitte“, die dann noch wählbar gewesen wäre, tritt ja zu Wahlen nicht mehr an.)

Aber wie begründet nun dieser Pater sein „Nein“ zum „völkischen Nationalismus“? „Ein grundlegendes christliches Prinzip sei, dass wir eine unsterbliche Seele haben. Dies sei der Grund, warum der Einzelne, das Individuum der Gemeinschaft übergeordnet und nicht kollektiven Interessen untergeordnet sei. Soziale Konstrukte und Staaten sind vergänglich, die menschliche Seele jedoch unsterblich, und aus diesem Grund hat sie Priorität.“

Das ist nun radicalster Liberalismus.Ganz in der philosophischen Tradition des Nominalismus fussend kennt dieser Liberalismus nur den Einzelnen (wie auch nur die Einzeletwasse) als wirklich seiend an, während alle Abstraktbegriffe nicht auf etwas Wirkliches sich beziehen, sondern nur Ideenkonstrukte seien. So existiert keine „Gemeinschaft“, auch kein Gemeinwohl, das verzeichnet dieser Liberalismus als eine Art Kollektivismus und selbst den Staat soll es nur als ein soziales Konstrukt geben. Für den Nominalismus kann es tatsächlich nicht einmal den „Staat“ geben, denn es gibt nur einzelne Regierer, die dann auch gemeinsam regieren können, wenn dabei die Einzelheit des Regierers betont wird.

Nur der Einzelne zählt und alles Soziale wäre dann schon eine Bedrohung des Einzelnen. Der so vereinzelte Einzelne kann so weder als Glied der Kirche, des Volkes Gottes noch als das Glied eines Volkes noch einer Familie gedacht werden, da er als Einzelner stets über solchen Sozialordnungen steht, stets nur sich selbst verpflichtet. Der Anarchist Max Stirner wäre begeistert,hätte man ihm das als das Kernstück der christlichen Religion angepriesen. Sein Hauptwerk: „Der Einzige und sein Eigentum“ ist nun eine Apotheose der bürgerlichen Freiheit, die ihre Grenze nur in der Freiheit des Anderen findet und die den Egoismus als die alles vorantreibende Kraft glorifiziert. Heute vertritt das in gemäßigter Form nur noch die traditionell antisozial ausgerichtete FDP, aber die englische Regierungschefin M. Thatcher darf wohl als das Musterbeispiel einer solch radicalliberalen Politik angesehen werden. Faktisch hielt sie die Sozialpolitik für eine kommunistische Erfindung.

Für den Einzelnen kann und darf somit jede Sozialgemeinschaft, die ja nur zu dekonstruierende Sozialkonstrukte sind, nur ein Mittel zur Realisierung seiner individualistischen Privatinteressen sein, denn es existiert ja für mich nur mein Ich und mein Interesse! Dies Ich einer dem Ich übergeordneten Gemeinschaft unterzuordnen wäre ja eine Beeinträchtigung der Freiheit des Iches. Im Begriff des Eigentumes findet dies Freiheitsverständnis seine Krönung. Eigentum ist das, was nur für mich ist und dessen Genuß durch keinerlei angeblich sozialer Verpflichtungen eingeschränkt werden dürfe.

Das hat nun mit einer christlichen Ethik überhaupt nichts zu tuen, sondern ist einfach nur ein Exzeß liberaler Ideologie.

Daß für diesen Exzeß nun gar der Glaube an die unsterbliche Seele als Legitimierung hergenommen wird, ist geradezu grotesk. Ein Blick in die Staatsphilosophie Platons, der nun als der Lehrer der Unsterblichkeit der Seele gilt, beweist das. Nicht zu Unrecht verurteilt Popper ihn als den philosophischen Feind der liberalen, von ihm als offene Gesellschaft genannten Staatsordnung.Gilt für die christliche Sozialethik der Vorrang des Allgemeinwohles den Parikularinteressen gegenüber ganz im Geiste Platons, so behauptet der radicale Liberalismus, daß es gar kein Gemeinwohl gäbe,da es ja auch keine Sozialgemeinschaften gäbe, sondern nur ein Meer von Privatinteressen, die dann durch Verträge Interessensausgleiche erwirkten ganz gemäß der Struktur der freien Marktwirtschaft.

Um also die AfD als nicht wählbar zu markieren, vertilgt dieser radical liberalistische Ansatz den Menschen als Sozialwesen, der als solcher auch immer ein Volksangehöriger ist, um ihn zu einen egozentrischen Bourgeois umzuformen.

Philosophisch kann der Liberalismus den Menschen nicht begreifen,bedeutet doch schon die Aussage: "Das ist ein Mensch", daß er ein individuiertes Allgemeines, ein Fall des Menschseins ist und somit schon nicht einfach nur etwas Einzelnes, sondern immer auch ein Allgemeines, ein Menschsein. Aristoteles erfaßt so den Menschen als Zoon politikon, als ein Wesen, dem es konstitutiv dazugehört, Glied von sozialen Gemeinschaften zu sein, der einer Familie und der eines Volkstumes. Erst die völlige Entfremdung von diesem dem Menschen eigenen Sozialleben produziert die Vorstellung des isolierten allein für sich seienden Menschen.

Dabei hätte Kath net es sich doch einfacher machen können, um die Nichtwählbarkeit der AfD zu begründen: Diese Partei unterstütze nicht die Natokriegspolitik  gegen Rußland, und das sei unverzeihbar!

Mittwoch, 1. Mai 2024

Ein wahrhaft umstürzlerische Gedanke über den Menschen und die Künstliche Intelligenz. Ein Versuch wider die Naturalisierung des Menschen durch die Vermenschlichung der Technik?

 

Ein wahrhaft umstürzlerische Gedanke über den Menschen und die Künstliche Intelligenz


„Wer könnte schon erklären,wie eine Seele in ein organisch geborenes Kind einzieht? Genauso wenig könnte man mit Sicherheit behaupten,dass künstliche Wesen keine Seele hätten oder nicht am Leben wären, bloß weil ihre Geburt anders stattfand.“ Diese geradezu revolutionäre Frage mutet die Autorin Jacqueline Mayerhofer den Lesern ihres Romanes: „Willkommen in Menschenstadt“, dem 4.Teil der Perry Rhodan Serie: „Androiden“zu. (S.48) In Zeiten, in denen jede Rede von der Seele des Menschen, wenn sie ernsthaft gemeint ist,nur noch als metaphysisches Relikt voraufklärerischer Zeiten und durch die zeitgenössische Gehirnforschung als völlig obsolet verurteilt wird,muß diesem tollkühnen Gedanken Achtung gezollt werden.

Einer biologistisch-materialistisch denkenden Zeit läge der Gedanke doch viel näher ob der Fortschritte der Produktion von Künstlicher Intelligenz, das, was bisher den Menschen in metaphysisch denkenden Zeitaltern als Seele gedacht auszeichnete, als etwas künstlich Herstellbares zu verstehen. Die Seele sei eben nur ein Effekt der Gehirntätigkeit, der ebenso von Computern hervorgerufen werden könnte.

Den Anfang bildete dabei die Vorstellung, daß das, was unter der „Seele“ verstanden würde, selbst eine evolutionäre Hervorbringung der Natur sei, deren Herausbildung sich in der Entwickelung jedes Menschen wiederhole.Deshalb kann die Seele auch nur etwas Biologisches, etwas Natürliches sein, schon gar nicht etwas, dem eine Unsterblichkeit zugeschrieben werden könnte.Der Mensch vernaturalisert sich so vollständig und ermöglicht so auch die Möglichkeit seiner rein künstlichen Hervorbringung. Das biologische Herz eines Menschen kann heute schon durch ein rein künstlich-technisch produziertes ersetzt werden. Da drängt sich doch der Gedanke von selbst auf, ob denn nicht in der Zukunft der Mensch durch ein gänzlich künstlich produziertes Menschwesen ersetzt werden kann.

Also:Die Vernaturalisierung des Menschen, daß seine Seele auch nur etwas rein biologisch Erlärbares und durch die Gehirnerforschung in naher Zukunft auch vollständig Verstehbares sei, ermöglicht die Vorstellung, daß zukünftig es rein technisch produzierte Menschen geben können,deren gesamte Gehirntätigkeit durch Gehirncomputer dann vollbracht werden.

Der Zukunftsroman setzt dem eine radicale Antithese entgegen. Es gibt eine menschliche Seele, die keine Hervorbringung des menschlichen Körpers ist und deren Sein im Menschen nicht erklärbar sei. Das Verb „einzieht“ stellt das klar: Die Seele inkarniert sich in die Materie des menschlichen Körpers als etwas nicht Materiehaftes. Die theologische Anthropologie sagt das so: Der menschliche Leib wird durch die menschliche Zeugung hervorgebracht, die Seele aber unmittelbar durch Gott, der sie dann auch inkarniert.Das ist der Seele-Leib-Dualismus, beide interagieren dann miteinander, wobei die Ethik dann ausführt, daß die Seele den Leib zu regieren habe.

Deutlich zeigt diese dualistische Anthropologie uns Menschen unsere Grenzen auf: Menschen können nicht aus sich heraus Menschen hervorbringen, denn sie können keine Seele hervorbringen. Ohne die Seele wäre der Mensch kein Mensch, aber die menschliche Seele kann auch ohne einen menschlichen Körper leben, nach seinem Tode und vor der leiblichen Auferstehung der Toten am Tage des göttlichen Endgerichtes. Die Autorin mutet uns nun aber den tollkühnen Gedanken zu, daß die menschliche Seele wie sie in einem natürlichen Körper existiert und mit ihm interagiert, auch in einem künstlichen Körper wohnen und mit ihm interagieren könnte. Die könnte, wie sie in einen natürlichen Körper „einzieht“ auch in einen künstlichen einziehen! Theologisch formuliert: Gott könnte ob seiner Allmacht eine menschliche Seele auch in einen künstlichen Körper inkarnieren. Daß er das nicht können würde, widerspräche der Allmacht Gottes, fraglich ist nur,ob Gott das auch will.

Wenn also die Tendenz des technischen Fortschrittes die Ersetzung allen Natürlichen durch künstliche Surrogate ist, dann stellt die Vorstellung beseelter Kunstwesen, die dann ob ihrer Seele Menschen wären, die radicale Antithese dazu da: Die Technik würde vermenschlicht,statt das der Mensch entmenschlicht wird,indem er durch Künstliche-Intelligenz-Roboter subsistuiert wird.


Die 12 bändige Perry Rhodan-Serie: „Androiden“ thematisiert auf das Anschaulichste die Problematik der Beziehung von Menschen mit solchen beseelten Kunstwesen auch unter der Fragestellung: Sind das vollwertige Menschen?