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Samstag, 25. November 2023

Aus der Giftküche universitärer Theologie: akute Gottes- und Kirchenvergiftung

Aus der Giftküche universitärer Theologie: akute Gottes- und Kirchenvergiftung


Wer über den Niedergang der Katholischen Kirche nachdenkt, darf die Größe: Universitätstheologie nicht vernachlässigen, denn fast alle Hauptamtlichen der Kirche studierten katholische Theologie, dem Namen nach nur hat das, was da gelehrt wird, kaum noch etwas mit katholisch gemein. Es ist keine Übertreibung, wenn man davon ausgeht, daß in Deutschland kein Nichtlinksliberaler oder gar Kritiker der Deformagenda von „Wir sind Kirche“, wieder aufgekocht vom Synodalen Irrweg eine Chance hat, an einer katholischen Fakultät eine Dozentenstelle zu bekommen. Die „rechte“ Gesinnung ist dabei wesentlicher als die wissenschaftliche Qualifikation, ja selbst ein Aktivist der „Letzten Generation“ hätte Chancen im Fach: Praktische Theologie: Wie klebe ich mich wo wie fest!

Die Dogmatikprofessorin Frau Wendel zeichnet sich nun im Kampf gegen die Katholische Theologie und den Glauben der Kirche besonders aus. Sie verzettelt sich nun nicht in Scharmützelgefechten sondern greift die Wurzel des Übels an, daß die Kirche aufbauend auf der natürlichen Gotteserkenntnis von einer Offenbarung Gottes in Jesus Christus ausgeht, sodaß zum Glaubensgut der Kirche übernatürliche, geoffenbarte Wahrheiten gehören, daß gerade die heilsnotwendig sind. In ihrem Machwerk: „In Freiheit glauben“ legt sie nun da, daß es Gott gar nicht möglich sei, sich oder etwas zu offenbaren. Gott habe den Menschen mit der Vernunft ausgestattet und was er allein durch sie erkennen könne, das sei allein als für einen modernen Menschen, das ist der Mensch nach Kant glaubbar zu bestimmen. Die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit habe nun Kant in seiner Kritik der theoretischen und praktischen Vernunft hinlänglich erfaßt.

Wollte Gott über das so Erkennbare hinaus noch gar sich oder etwas offenbaren, verstieße er gegen sich selbst und gegen die Freiheit des Menschen. Er handelte wider sich, als wäre ihm die Schöpfung nicht recht geraten, sodaß er nachträglich noch intervenieren müßte, um sich bekannt zu machen.Der Autonomie des Menschen widerspräche eine Offenbarung Gottes zudem, da er nur das glauben kann als freies Wesen, was er aus sich selbst hervorgebracht habe. Im Rahmen der praktischen Vernunft erschlösse sich im die Freiheit, daß er frei ist, weil das Sittengesetz ihn unbedingt beansprucht und das setzt seine Freiheit voraus. Der Mensch bringt dann seine Moral selbstständig hervor und frägt nach dem Grund seiner Freiheit. Diese Freiheit kann er nun als eine Gabe, ein Abbild der Freiheit Gottes deuten und somit Gott als den Grund seiner Freiheit.

Wie der Mensch zu leben hat und was er wie glauben kann, erschließt sich so für ihn allein aus den Reflexionen der praktischen Vernunft. Darüber hinaus kann es keine Gotteserkenntnis geben, schon gar keine „Gebote“ Gottes, denen zu gehorchen wären.

So macht diese Professorin sich über die vorkantische Gottesvorstellung lustig:

Gott und Welt stehen sich hier gleichsam unvermittelt gegenüber“ und man denkt dann „an ein gleichsam mirakulöses schöpferisches und intervenierendes Handeln Gottes“ „Hier schimmern anthromorphe Restbestände durch,die Projektion eines göttlichen Gegenübers,eines zu einem göttlichen Individuum hypostatisierten freien Ich- eine Konzeption,die mit der Kopernikanischen Wende und deren Erkenntnis der Unendlichkeit des Universums kaum noch zu vermitteln ist.“ (S.82, Fußnote 164)

Nein, Gott ist kein der Welt Gegenüberseiendes, der dann noch frei in ihr handeln könnte oder sich gar offenbaren könnte. Es kann nur durch unsere Vernunft hervorgebrachte Gottesvorstellungen geben, die entweder der Aufklärung gemäß oder nichtgemäß sind. Das ist ein radical pelagianistisches Konzept, da in ihm Gottes Gnade oder sonst irgendein Wirken Gottes ausgeschlossen ist.Hier wird nur noch an die autonome menschlicheVernunft geglaubt, die Gott als ihren Grund glaubt. Damit ist der ganze katholische Glaube ad acta gelegt, weil er nicht mit dem aufklärerischen Denken kompatibel sei, wobei die Aufklärung mit Kant ineinsgesetzt wird.

Allerdings wird Kants Postulat der Seele, ihre Unsterblichkeit nicht akzeptiert und das Postulat der praktischen Vernunft, daß Gott denknotwendig ist, reduziert auf die These, die durch das Sittengesetz erfahrbare Freiheit, aber auch nur dadurch erfahrbare,könne sich als durch Gott bedingt deuten, müsse das aber nicht.

 

Mittwoch, 10. März 2021

Bischof Wilmer: „Gedanke von strafendem Gott ist fürchterlich und unchristlich“

(Ein Bischof, der ganz kreativ "christlich" und "unchristlich" neu definiert- oder daß die hl. Schrift "fürchterlich" und "unchristlich" ist- Gott muß neu erfunden werden!)

So stand es am 30.3.2020 in der pseudokatholischen Internetseite: Kath de geschrieben. Solange noch die hl. Schrift der Grundtext ist, durch den christlich von unchristlich unterscheidbar wird, ist dieses Urteil einfach falsch. Selbstverständlich straft Gott. Man denke nur an die Sintfluterzählung, wie Gott die Sünde Adams und Evas strafte, an Gottes Strafgericht über Jerusalem 586 v. Chr bis zu dem großen göttlichen Endgericht, wie es uns die Johannesoffenbarung voraussagt.

Ja, zu den Grundwahrheiten des Glaubens, das Gottesdienst Gebet-und Gesangbuch des Erzbistumes München und Freising weist 5 Grundwahrheiten auf, (1950,S.5)zählt : „Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse.“ Das weiß dieser Bischof nicht oder will es nicht wissen. Das Urteil: „ist fürchterlich“ zeigt uns aber an, woher dieser Buischof diese Erkenntnis hergewonnen hat: Wahr ist nur das, was in unseren Ohren lieblich und süß klingt, was aber „fürchterlich“ klingt, kann nicht wahr sein.Es leuchtet ja auch ad hoc ein, daß das fachärztliche Urteil einer unheilbaren Erkrankung ein Fehlurteil ist, denn kein Patient möchte gern hören, daß es für ihn keine medizinische Rettung mehr gibt. Wie in der Unterhaltungsindustrie es üblich ist, nur dem Publikum Gefälliges zu produzieren, so soll es auch die Kirche machen: Nur den Menschen Gefälliges soll sie sagen!

Als Petrus nach Jesu Leidensanküpndigung Jesus irritiert vom Kreuzesweg abhalten wollte, hätte Jesus eben, statt ihn anzufahren, weiche von mir, Satan!, verständnisvoll einsehen müssen, daß das Kreuz nicht gut ankommt bei den Menschen, weder bei den Juden noch bei den Heiden und so auf das Kreuz verzichten sollen.

Den Kampf gegen den Gott Jesu Christi, den Gott, wie ihn die hl. Schrift und die Tradition der Kirche und dem Lehramt lehrt, gehört nun spätestens seit dem „Synodalen Irrweg“ zu dem heißen Eisen der Reformer. Auf Kath de durfte so am 8.3.2021 der Pseudotheologe Halik seinen Kampf gegen den Gott Jesu Christi in einem Interview vorführen: Halik:

Jede Krise ist Herausforderung und Chance. Die Pandemie ist nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Kirche und den Glauben eine Herausforderung. Sie hilft der Kirche über krankhafte und primitive Gottesbilder nachzudenken. Wir müssen weg von einem Gott, der wie ein Regisseur das Welttheater lenkt oder durch die Pandemie Sünden bestraft.“

Nicht nur, daß der von dem Theologen Halik erdichtete Gott keine Sünden straft, dieser regiert regiert auch nicht die Welt! Der Gott, wie ihn die hl. Schrift und Jesus Christus verkündet, ist eben eine „krankhafte und primitive“ Gottesvorstellung, die nun durch eine bessere ersetzt werden soll.So wird dieser neue Gott uns auf Kath de vorgestellt, passend zum „Synodalen Irrweg“:

Halik: „Nein, Gott handelt nicht unmittelbar. Er handelt nicht mechanisch, "von oben und von außen". Er inspiriert die Menschen, er handelt auch durch Glaube, Hoffnung und Liebe in den Menschen. Ich habe die Präsenz Gottes in der solidarischen Liebe der Menschen während der Pandemie gespürt. Das war etwas „Heiliges“, dort können wir dem Willen und der Präsenz Gottes begegnen An einen Gott der Rache hinter Naturkatstrophen glaube ich nicht.“

Dieser neue Gott kann also nicht direkt in das Weltgeschehen eingreifen, so kann er wohl weder Jesus noch andere Menschen von den Toten auferwecken, denn dazu müßte er ja „von oben und von außen“ einwirken.Nur als Inspirator ist er in Menschen wirksam. Das könnte auch einfacher formuliert werden: Das Vermögen zum Guten ist das Göttliche im Menschen, das sich dann im guten Wirken aktualisiert. Wo Solidarität gelebt wird, da ereignet sich Gott. (Das erinnert irgendwie an die Gott ist tot Theologie, die Gott auf das Humane im Menschen reduzieren wollte.)

Daß Gott nun selbst von sich aussagt: „Die Rache ist mein; ich will vergelten.“ (5.Mose 32,35: Mea ist ultio, et ego retribuam“,demonstriert nur mal wieder, wie primitiv und fürchterlich der Gott der Bibel ist, den nun aber unser Zeitgeistsurftheologe überwinden will.

Mit der Überwindung dieses primitiven Gottes muß dann aber auch die Absage an die klassische Mission einhergehen. Das ist ja inzwischen zum Gemeingut der nachkonziliaren Theologie geworden, daß die einzig vertretbare Gestalt der Mission die Diakonie ist. Das ist auch konsequent, da ja Gott auch nichts anderes ist als das Ereignis solidarischer Liebe zwischen Menschen. Die Kirche nahm eben nicht nur Abschied vom Teufel sondern auch Abschied von Gott, um sich ganz einer humanitaristischen Praxis solidarischer Liebe hinzuwenden.

Dazu bedarf es aber nicht mehr der Kirche als Heilsvermittelungsinstitution sondern nur noch einer zum diakonischen Wirken fähigen Vereinsorganisation, gut demokratisch verfaßt. Dieser organisatorischen Umgestaltung zu einer humanitaristischen Vereinigung soll nun der „Synodale Irrweg“ dienen. Um dies Ziel aber theologisch zu legitimieren, muß eben aber der christliche Gott abgeschafft und durch einen zeitgeistgemäßen ersetzt werden.

 

Mittwoch, 19. August 2020

Der Schrecken Gottes- oder der wegzensierte Gott

so daß viele von andern Völkern und Glaubensgenossen zu der Religion und den Gebräuchen der Juden übergingen;denn alle hatte großer Schrecken vor dem Namen derselben befallen.“ So steht es geschrieben in der hl.Schrift im Buche Esther, 8,17b. Die Jahwereligion findet Anhänger außerhalb des Volkes Israels. Das ist erst mal theologisch ein erstaunliches Phänomen, denn Jahwe wird im AT zwar monotheistisch als der eine Gott bezeugt, der so der Herr über alle Völker ist, der aber selbst nur Gott für das eine Volk, für sein Volk Israel sein will.

Aber diese monotheistische Religion strahlt über die Volksgrenzen Israels hinaus.Aber wie? Durch den großen Schrecken, den der Name des jüdischen Volkes unter den Heiden verbreitet.Denn Israel ist das mit Gott verbundene Volk. Wer sich gegen dies Volk stellt, der stellt sich gegen den Gott dieses Volkes. Amans Feindschaft gegen das jüdische Volk brachte ja diesem Mächtigen des persischen Reiches den Tod ( Esther, 3-7).

Aus Furcht vor Gott, ein Gläubiger der Religion zu werden, in der der Gott verehrt wird, den man fürchtet, das klingt in unseren Ohren absurd. Aber könnte das nicht auch uns anzeigen,wie weit wir uns von der religiösen Vorstellungswelt und damit auch von der christlichen Religion entfernt haben. Bismarck konnte noch sagen, daß wir Deutschen nichts fürchteten außer Gott, heutzutage erscheint uns die Gottesfurcht als etwas Voraufklärerisches, als zudem mit der christlichen Religion, die ihr Zentrum im Glauben an den Gott hat, der nur die Liebe ist, Inkompatibles.Der Katechismus der Kirche weiß von der Gottesfurcht nur noch zu sagen, daß sie eine Gabe des Heiligen Geistes sei. (1831)

Wie nun aber, wenn die Vorstellung der Furcht vor Gott nicht einfach als etwas Unzeitgemäßes und Unchristliches abgetan würde, weil der Sohn Gottes sie uns selbst lehrt: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“Hier spricht Jesus eindeutig von Gott,seinem Gott,denn nur der hat die Vollmacht,die Seele verderben zu können.In unser heutiges Jesusbild paßt diese Aussage so wenig wie die Aussage des Estherbuches, daß Heiden aus Furcht vor Gott Gläubige wurden. Wie müßte denn Gott gedacht werden, wenn die Gottesfurcht keine absurde Vorstellung sein soll? Gott müßte gedacht werden als ein Gott, dem es nicht gleichgültig ist, wie sich Menschen verhalten. Das heißt im Estherbuch: Wer sich gegen Gottes Volk wendet, der muß mit der Feind-schaft Gottes gegen sich rechnen und das heißt in Jesu Verkündigung, daß es Gott nicht gleichgültig ist, ob wir ihn in Jesus Christus annehmen oder nicht.Denn Jesus selbst sagt zu seinen Verkündigern: „Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht an-nimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen.Amen, das sage ich euch: Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tage des Gerichtes nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt.“ (Mt 10,14f)



Wann hat die Kirche nur angefangen, diesen Gott der Bibel zu ersetzen durch einen Gott der Gleichgültigkeit, dem Gott der Ökumene und des interreligiösen Dialoges?Fing das nicht damit an, daß auch wir Christen anfingen, den Menschen mehr zu fürchten als Gott, als man den „religiösen Fundamentalisten“ mehr fürchtete als Gott, sodaß angefangen wurde zu fragen, wie Gott zu denken sei,damit jede ein friedliches Miteinander der Religionen störende Wahrheitsansprüche außer Kraft gesetzt werden können: durch den Gott der Gleichgültigkeit.



 

Donnerstag, 16. Juli 2020

Wir brauchen einen neuen Gott! Der alte hat ausgedient- eine Pastoraltheologin revolutioniert Gott



Wer hat dieses festgestellt, fragen wir uns nun? Die promovierte Pastoraltheologin Frau Bundschuh-Schramm, angestellt am Bischöflichen Ordinariat der Diözöse Rottenburg-Stuttgart. Hier spricht sich also eine Hauptamtliche eines bischöflichen Ordinariates aus. Es reichen eben keine pastoralen Neukonzepte zur Revitalisierung der Kirche, es muß auch ein neuer Gott her, passend zu den neuen Pastoralkonzepten.
Zuvörderst muß so der alte Gott zu Grabe getragen werden: „ Der Verweis auf einen Gott, der ein zweites Stockwerk oberhalb der Welt bewohnt und dessen Himmelreich als Trost für das Unbill der Welt dem Gläubigen bereitsteht, hat als Tatsachenwahrheit schlicht und einfach ausgedient. Vorsichtiger formuliert: Es dürfte unwahrscheinlich sein. Die Glaubenshoffnung auf Auferstehung, individuell oder kollektiv, kann Wahrheit enthalten, aber nicht in einem wörtlich verstandenen Sinn. Es handelt sich um Mythologie.“ (https://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/der-gott-von-gestern?)
Also, der christliche Gott, im Himmel mit seinen Verheißungen des Reich Gottes, des ewigen Lebens, ist nur „Mythologie“, oder höchst unwahrscheinlich. (Wie, mit welcher Wahrscheinlichkeitsberechnung diese Pastoraltheologin die Unwahrscheilichkeit Gottes berechnet hat, bleibt aber im Dunkeln. Der Text wir nun noch konkreter: Was sind alles mythologische und somit zu überwindende Vorstellungen? Von der heutigen Kirche und ihrer Theologie gälte: „Sie hat keinen allmächtigen Gott als manchmal liebenden und manchmal zornig prüfenden Vater auf der Vorhand und keinen unendlich liebenden gnädigen Gott, der alles zu einem spürbar guten Ende führt, auf der Rückhand. Sie kann auch nicht mehr mit der Freiheit wuchern, die Gott über alles stellt. Denn die Realität von Corona hat gezeigt, dass die Politikerinnen mit der Freiheit und ihren notwendigen Beschränkungen offensichtlich klüger umgehen, als dieser Gott es vermochte.“
Der allmächtige Gott, der manchmal zornig, mal liebend die Welt regiert, der alles dann zu einem guten Ende führt, hat ausgedient. Das zeige jetzt die Caronaseuche. Die Vorstellung, Gott lasse die Übel zu, die von den Menschen erwirkten, weil Gott den Menschen als Freiheit erschuf und so er auch den Mißbrauch der Freiheit um der Freiheit willen zulasse, wird ebenso energisch verworfen. Die Politik zeigte in der Coronakrise, wie um des Allgemeinwohles willen die Bürgerfreiheit einzuschränken sei ,und sei somit sinnvoller mit der Freiheit umgegangen als dieser Gott, der als allmächtig gedacht den Mißbrauch der Freiheit zuließe, statt ihn zu begrenzen. Der Gott, der so unklug mit der menschlichen Freiheit umginge, könne kein akzeptabler Gott sein.
Ein neuer Gott muß her. Und da sieht sie auch schon eine Hoffnung! Die Prozeßtheologie, die Gott als noch kommenden denkt, als einen Gott, der dabei ist, im Laufe der Evolution Gott zu werden.
Wikipedia faßt das Anliegen dieser Theologie (Prozeßtheologie) treffend so zusammen:
Der Begriff der Prozesstheologie umfasst insbesondere folgende Kernaussagen:
  • Die Omnipotenz (Allmacht) Gottes wird neu definiert und teilweise negiert; Gott bedient sich nie des Zwangs zur Ausführung seines Willens, sondern ermöglicht eine Welt der Selbstschöpfung, in der die Subjekte Raum zur freien Entscheidung haben. Hierin liegt auch eine Lösung des Problems der Theodizee.
  • Die Wirklichkeit und das Universum definieren sich über Prozess und Veränderung, bestimmt durch willensfreie Individuen. An diesem Punkt schafft die Prozesstheologie eine Verbindung mit modernen wissenschaftlichen Theorien, zum Beispiel der Evolutionstheorie in der Biologie.
  • Gott beinhaltet das Universum, aber ist nicht identisch damit (Panentheismus).
  • Da Gott ein veränderliches Universum beinhaltet, ist er selbst in der Zeit veränderlich (d. h. von den Geschehnissen im Universum beeinflusst). Gott ist nicht selbstgenügsam, sondern in das Leben des Universums als Urgrund eingebunden. Er reagiert auf das Geschehen in der Welt und wird selbst durch das Werden der Welt.
  • Der Mensch verfügt über keine subjektive (oder persönliche), sondern über eine objektive Unsterblichkeit, in welcher sein Leben für immer in Gott, der alles was ist beinhaltet, weiterlebt.
Die promovierte Pastoraltheologin schreibt das dann so: „Der Mathematiker und »Vater der Prozesstheologie«, Alfred North Whitehead, spricht von Gott »im Prozess der Welt«, John Caputo von Gott in der aktiv handelnden »Antwort auf den Ruf«. Martin Heidegger, Jacques Derrida und Emmanuel Lévinas nennen es »in der Spur«, wie Gott gelesen werden kann, ohne als ein Etwas zugriffsfähig zu werden. Zentral bei diesen Denkern ist, dass eine theologische Weiterführung ihrer Ansätze keinen von der Welt trennbaren Gott zulässt und gleichzeitig keinen, der/die innerweltlich in irgendeiner Weise verfügbar wäre. Gott »ist« immer im Kommen“.
Dieser immer im Werden und im Kommen sich ereignende Gott ist ganz gewiß nicht der Gott der christlichen Religion, nicht der Jesu Christi, eben ein ganz anderer, der eben hier konstruiert wird, weil dieser bei den Gebildeten Verächtern des vulgären Christentumes besser ankommt. Unklar ist aber mit welcher Berechtigung diese Theologin hofft, daß Gott, beeindruckt von dieser ihm gezeigten „Roten Karte“ das Spielfeld verlassen wird, um das Feld, die Welt, den Kosmos diesem konstruierten Werdegott zu überlassen. Ob Gott nun wirklich nach dieser Pastoraltheologierevolution zu Rottenburg-Stuttgart das Handtuch werfen und abdanken wird, weil er nicht mehr zeitgemäß ist?


































Montag, 4. November 2019

Wir gestalten Gott neu- der Alte ist nicht mehr zeitgemäß!

Der Fundamentaltheologe Magnus Striet plaudert offenherzig das Geheimnis modernistischer Theologie aus, daß sie vor der Aufgabe stünde, einen für den modernen Menschen akzeptablen Gott zu konzipieren. "Aber der Begriff von ihm wird menschlich normiert."(Ernstfall Freiheit, 2018, S.41), denn Gott dürfe kein anderer sein als ein freiheitsfürchtiger Gott. Er hat unseren "moralisch-ethischen Maßstäben" zu entsprechen. Ob dann dieser Gott, so konstruiert, auch wirklich so ist, ist dann eine Frage des Hoffens: O möge er doch so sein! Einfacher ausgedrückt: Der Gott, so wie ihn die hl.Schrift und die Tradition lehrt, ist eben nicht mehr marktgerecht, denn er ist nicht kompatibel mit den Konsumwünschen der Heutigen. Gott muß einfach modernisiert werden,damit er für uns akzeptabel wird.
Bischof Kohlgraf präsentiert uns dazu ein praktisches Beispiel dieser Umformungsarbeit.Völlig inakzeptabel ist doch für Heutige die Vorstellung eines strafenden Gottes, der gar Menschen ins Fegefeuer verurteilt. Deshalb sagt dieser Bischof: "Das Fegefeuer ist kein Ort der Qual" Katholisch de am 2.10. 2019:
"Christus ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten". Im Tod begegne Jesus den Menschen nicht als strenger Richter, der über ihnen throne und sie von oben herab behandele, sondern in Liebe und Zuwendung. Gleichwohl sei der Tod ein Augenblick der Selbsterkenntnis, wie das eigene Leben verlaufen sei — und das könne auch schmerzlich sein. Die Christen sollten "die Rede vom Gericht" ernst nehmen, aber keine Angst davor haben."

1. Jesus Christus ist in seiner ersten Ankunft nicht gekommen, um zu richten, aber er wird kommen,um zu richten die Lebenden und die Toten. So bekennt es das Apostolische Glaubensbekenntnis. 

2. Jesus Christus begegnet uns nicht als "strenger Richter" sondern in "Liebe und Zuwendung",aber was ist mit der göttlichen Gerechtigkeit? Als Grundwahrheiten des Glaubens bezeichnete noch 1950 das Gottesdienstgesangbuch des Erzbistumes München und Freising:
"Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse. Ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis wird das endgültige Geschick der unsterblichen Seele sein." (S. 15)Aber wer nur langsam lesend diese zwei Aussagen für sich wiederholt, wird urteilen müssen: Solche Wahrheiten verträgt der moderne Christ nicht mehr. Als Konsument hat er aber ein Recht darauf, daß ihm ein ihm genehmer Gott von der Kirche präsentiert wird!

3. Es gibt also kein Gericht mehr und schon gar keine Strafe, denn das Gericht ist nur dies, nämlich der "Augenblick der Selbsterkenntnis". Wenn normalerweise unter dem Gericht die Be- und auch Verurteilung des Angeklagten verstanden wird, wenn er als schuldig im Sinne der Anklage befunden wird, sodaß der Verurteilung eine Verurteilung zu einer Strafe folgt, kennt dieser Bischof eine ganz andere Art von Gericht. Das Gericht vermittelt nur noch die Selbsterkenntnis des Angeklagten und das ist alles. Die Maxime: Erkenne Dich selbst! wird so zur Wirklichkeit. So eine Selbsterkenntnis könne nun zwar auch schmerzlich sein, aber davor bräuchte sich der Christ - oder vielleicht auch niemand- zu fürchten, denn diese Selbsterkenntnis hat keine Folgen.
Das wäre so, als wenn der Richter am Ende der Urteilsbegründung zum Mörder sagte: "Sie sind ein Mörder- erkenne das an! und danach können sie als freier Mensch das Gericht verlassen." Jesus Christus würde also so wie dieser Richter richten und vor solch einem Gericht bräuchte sich niemand zu ängstigen.  

4. Zu einer Strafe verurteilt zu werden, weil man Verbrecherisches getan hat, ist nun kein Akt des Quälenwollens sondern ein Akt der Gerechtigkeit. Die Waage ist das Symbol der Gerechtigkeit, daß der Schwere der Straftat gegenüber die Schwere der Strafe auszufallen hat. Die Untat wird durch die Strafe so ausgewogen. Aber davon will dieser Bischof nichts mehr wissen. Das göttliche Gericht darf nur noch eine Selbsterfahrung sein, so bin ich wirklich, wobei dann diese Selbsterkenntnis für den Sicherkennenden folgenlos bleibt. Es gibt keine göttliche Verurteilung nicht zum Fegefeuer und- wir dürfen wohl im Sinne dieses modernistischen Bischofes hinzufügen, keine Verurteilung zur ewigen Verdammnis. Gottes Gerechtigkeit wird einfach hinwegdispuiert, weil Gott nur noch Liebe und Zuwendung sei.

5. Was bedeutet das aber für das Menschenverständnis? In diesem Gericht ist der Mensch in den Augen Gottes strafunmündig. Er kann und braucht für seine Tat nicht einzustehen. Wie einem unmündigen Kinde erklärt hier der väterliche Richter, daß das vom Kinde Getane nicht in Ordnung sei und die Einsicht in die Falschheit seiner Tat reicht für die Erziehung des Kindes. Vorkonziliar sah Gott den Menschen als Mündigen an, der verantwortlich ist für sein Böses und der auch belohnbar ist für sein Gutes- jetzt erfolgt die große Regression, denn der Mensch wird nun entmündigt, er ist nur noch das Objekt der liebenden Pädagogik Gottes, die dem Kinde zuruft: Das hast du aber gut getan, jenes aber nicht!, um es dann liebevoll in den Arm zu nehmen, denn der göttlichen Liebe ist letztendlich das Tuen und Nichttuen seines Kindes gleichgültig- oder wie es volkstümlich einfach der größte Kirchenlehrer des 20.Jahrhundertes auf den Punkt brachte: "Wir sind alle kleine Sünderlein..und kommen alle in den Himmel hinein!" Willy Millowitsch!       


Freitag, 25. Oktober 2019

"Wir haben Gott getötet"- der Gottesmord modernistischer Theologie

Es müßte doch eine Selbstverständlichkeit sein, daß die wissenschaftliche Theologie danach frägt: Ist Gott und wie ist er?, und daraus folgernd: Wie ist Gott zu uns und wie sollen wir zu ihm sein? Das wäre die Objektiviät der Wissenschaft als Streben nach Erkenntnissen. Die religiöse Frage: Wie werde ich ein von Gott akzeptabler Gott? würde dann auch in diesem Fragekontext diskutiert.Wie immer nun die Theologie zu Antworten kommt und vielleicht könnte sie gar einräumen, keine Antworten auf diese Fragen zu finden, sie würde aber an diesen Fragen festhalten, weil sie eine Wissenschaft ist, die nach objektiven Erkenntnissen forscht,also dem Objekt ihres Fragens gerecht werdende Antworten.
Ist das etwa eine Selbstverständlichkeit der Theologie?Mitnichten! Ein modernistischer Theologe frägt ganz anders. Als Beispiel ziehe ich hier den Funndamentaltheologen Magnus Striet herzu, weil er eben freimütiger als manch anderer Modernist das Geheimnis zeitgenössischer Theologie ausplaudert. Im "Ernstfall Freiheit" offenbart sich uns so ganz offenherzig das zentrale Konstruktionsprinzip modernistischer Theologie.
Sie frägt nicht mehr: "Wie ist Gott?" sondern: "Wie hat Gott zu sein,damit er für uns Menschen akzeptabel ist?" Es wird nach einem Gott gefragt, der paßgenu zu unseren menschlichen Bedürfnissen paßt!  Der Gott, den Jesus uns verkündet ist deshalb für uns ein akzeptabler Gott, weil er genau zu unseren Wünschen paßt. Der Fundamentaltheologe formuliert das so:
"Von daher,um es auf die Freiheitsfrage zu beziehen, erscheint hier zudem ein passender Gott zu den Nöten des Menschen, dem Freiheit- die eigene und die Freiheit des Anderen-zugleich das Höchste ist  und der deshalb mit mangelnder Gerechtigkeit, aber auch der Endlichkeit des Lebens hadert.Deshalb darf auch kein Gott akzeptiert werden, der nicht für die Freiheitswürde des Menschen steht. Im strengen Sinn wissen kann ich nicht, ob es den Gott gibt, den ich für den Gott des offenbar gewordenen Evangeliums halte." (Ernstfall Freiheit, 2018,S.39.)
Das heißt, Klartext gesprochen:
1. Es wird ein Gottesbild aus der Verkündigung Jesu herauskonstruiert. Dabei selektiert der Theologe zwischen dem Akzeptablem und dem Nichtakzeptablem und schafft so ein ihn genehmes Gottesbild. Da für den Menschen die eigene und die Freiheit des Anderen das höchste Gut sei, muß der für uns Menschen akzeptable Gott einer sein, der zu diesem Freiheitsverständnis kompatible. Grundsätzlich gälte, daß alle Gottesbilder, Aussagen über Gott immer nur menschliche Aussagen über Gott sind, das gälte so auch für die Bibel, die Tradition und den Aussagen des Lehramtes. Ob eine dieser Aussagen auch wahr ist, entzieht sich der Erkenntnis. Das Gottesbild darf nun aber nicht willkürlich ausgemalt werden, denn nur ein Gottesbild, das des Menschen "moralisch-ethischen Maßstäben entspricht"(S.41) ist ein akzeptabler Gott. Daraufhin ist die Bibel und die Tradition zu durchforschen, um nur den theologischen Aussagen einen Bestand zu gewähren, die diesem Kriterium genügen.
Nun gilt aber: "Aber vielleicht tut Gott dem Menschen den Gefallen, so zu existieren, wie dies seinen moralisch-ethischen Maßstäben entspricht." (S.41) Die Aufgabe der Theologie besteht also nach diesem Modernisten darin, im Gestus des Optatives ein Gottesbild auszumalen, daß den Vorgaben der moralisch-ethischen Maßstäbe gerecht wird. Diese Maßstäbe konstruiert die autonome Vernunft des Menschen allein auf sich gestellt, um dann auszurufen: "O möge dieser Wunschgott doch so existieren, wie wir ihn erphantasiert haben kraft unserers vernünftigen Denkens."
Jedes Gottesverständnis nun, was in der hl. Schrift oder der Tradition präsent ist, das dieser Kriteriologie nicht entspricht, ist dann als nichtakzeptabel zu beseitigen. (Diesem Fundametaltheologen sind dabei der Apostelfürst Paulus, der hl. Augustin und- wen wundert es: Anselm von Canterbury die schlimmsten Fehlgriffe ob deren Sündenlehre und der Betonung der Erlösung allein durch das Kreuz Jesu Christi. Er revitalisiert stattdessen ganz unoriginell das pelagianische Anliegen, daß für jeden Menschen das  Heil möglich ist kraft seines natürlichen Vermögens, seiner Vernunft.) Und worin besteht es? Darin, daß jeder die Freiheitsrechte des Anderen wie die eigenen respektiert, also jeden so leben läßt, wie es ihm gefällt, wenn der Andere nur die Freiheitsrechte aller Anderen auch respektiert. Die Freiheit wird so einseitig nur als Freiheit von jeder Fremdbestimmung verstanden, die dann die Freiheit wozu reduziert auf den Verzicht, den Anderen fremdbestimmen zu wollen: Jeder soll selbstbestimmt leben. Und Gott? Der respektiert dies Freiheitsrecht der Menschen, denn sonst wäre er ja inakzeptabel.
Gottes königliche Herrschaft wird also radical demokratisiert: Will Gott Gott sein, dann muß er so sein, wie der Mensch ihn sich wünscht. Und diesen Optativ-Gott zu lehren, das ist die Aufgabe der wissenschaftlichen Theologie. Aber sie kann nur wünschen, daß es ihn so gibt.
Was wird nun aber aus dem Gott, der sich uns offenbart hat? Der ist einfach inakzeptabel, denn Gott hat sich nach uns zu richten. So wird die Offenbarung und das Offenbarsein Gottes dekonstruiert:
"Ich mache aber nochmals darauf aufmerksam, dass es sich bei der Ausdeutung des Lebens und der Person Jesu als Selbstoffenbarung Gottes um ein Narrativ, um eine Interpretation handelt.Ist keine Gewissheit erzeugbar, so bedeutet dies auch, dass das Dogma von der Menschwerdung Gottes epistemologisch betrachtet ein Narrativ darstellt." (S.89)
Genau genommen könnte auch eine Offenbarung Gottes der Gotteserkenntnis nichts hinzufügen, denn die moralisch-ethischen Maßstäbe reichen ja schon aus, um zu wissen, wie Gott ist und daß er nicht anders sein kann. Wir bräuchten nur noch zu glauben, daß es auch wirklich einen Gott gibt, der so ist, wie es unsere Vernunft erdichtet hat.   

 
      
    

Sonntag, 17. März 2019

Irritationen: Glauben wir an einen toten Gott?

"Vor Zeiten sprach jeder, welcher zu fragen ging, in Israel so: Kommet, und laßt uns zum  Seher gehen;denn die, welche heutzutage Propheten heißen, wurden  einst Seher genannt." (1. Samuel 9,9) Man nannte sie auch "virum dei" (V 7): ein Mann Gottes. Müßten wir nicht heutzutage ergänzen: "Nachdem Gott aber oftmals und auf viele Weisen in den Propheten gesprochen hatte, >hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn<(Hebr 1,1f)," um danach nur noch zu schweigen? Hat sich Gott sozusagen ausgesprochen, das Zeugnis seines Wortes als die Bibel nun der Kirche in die Hand gegeben, daß sie sie recht auslege, Gott aber nun schweige, da er uns nichts mehr zu sagen hat? Er hat sozusagen sein Testament gemacht, sein letztes Wort, und nun ist da nur noch Schweigen.
Wenn wer jetzt Gott befragen will, dem bleibt nur noch die Bibel in ihrer Auslegung durch die Kirche. Schweigt Gott zwar, aber regiert die Welt noch? Wer hieraufhin das Gerede zeitgenössischer Theologen und die Verkündigung der Kirche sich vergegenwärtigt, kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Gott ist eigentlich nur noch präsent wirkend als die Liebe, die jedem ihr: "Dich liebe ich!" zuspricht  und als moralischer Imperativ: Lebet anständig, moralisch, sittlich- und das dann in vielfältigsten  Variationen, auch wenn jetzt das Lieblingskind der zu praktizierenden Nächstenliebe eindeutig der Asylant ist und die wichtigste ethische Aufgabe der Kampf gegen die Klimakatastrophe. Nur, ist dieser Gott noch ein Lebendiger, wirklich die Welt Regierender? Oder hat er nicht- nachdem er sich in seinem letzten Wort offenbart hatte- zur Ruhe gesetzt, um Alles nun uns Menschen zu überlassen? 
An den Rändern der Kirche rumort es, da spricht man von Gottes aktuellem Reden zu uns (etwa in Marienerscheinungen), aber die Kirche läßt da die Vorsicht walten, nicht zu unrecht. Aber was, wenn aus Angst vor einem Irren man nur noch von dem jetzt nur noch schweigenden Gott spricht, daß sein Reden nur noch ein plusquamperfektisches ist? Erfüllt sich da nicht auf ganz eigntümliche Weise Nietzsches: "Wir haben Gott getötet"? Tötbar ist nur etwas, was einmal gelebt hat. So gibt auch Nietzsches Votum nur einen Sinn, wenn er etwas Lebendes präsumiert, das dann getötet worden ist.Ist vielleicht die Vorstellung eines sich ausgesprochen habenden Gottes, der uns jetzt nichts mehr zu sagen hat, eine besonders raffinierte Version des Gotttötens?   

Montag, 4. April 2016

Der domestizierte Gott- der tote Gott

Manchmal machen wir conservativen Katholiken es uns zu einfach, wenn wir etwa meinen, daß vor dem 2.Vaticanum die Theologie problemlos in Ordnung gewesen wäre und dann wäre ganz plötzlich der große Abfall gekommen, sodaß die vorkonziliare traditionelle Lehre unter die Räder kam. So bräuchte es nur einer Repristination der traditionellen Lehre. Nur frägt es sich, ob nicht die vorkonziliare Theologie auch in sich Schwächen barg, die es erst ermöglichte, sie dann im ersten Ansturm aus den Angeln zu heben.
P. A. Hirsch versucht nun in seinem Aufsatz: "Wie ist Gott- Gedanken zu den Eigenschaften Gottes" (Der Fels 47.Jahr April 2016, S.102f) eine Wiederauferweckung der traditionellen Gotteslehre und reproduziert dabei auch ihre Schwächen und Anfälligkeiten. 
"Die Allmacht Gottes ist eine Fähigkeit, alles zu machen, was er will, insofern es seinem Wesen nicht widerspricht." (S.102). Warum soll Gott nicht als Allmächtiger das auch wollen können, was er dann nicht gewollt hat? Er konnte Himmel und Erde schaffen, er hätte sie aber auch nicht schaffen können. So hätte er auch etwas tun können, was er dann nicht gewollt hat. Es ist nicht einsehbar, warum Gott hier nicht als Freiheit zu denken ist, der es wesentlich ist, etwas wollen zu können, was sie dann aber nicht wollen wollte und daß er als Allmächtiger mehr realisieren kann, als er dann realisieren will. Dem Menschen ist es als endliche Freiheit schon wesentlich, etwas realisieren zu können, was er dann aber nicht realisieren will. Hinter diesem scheinbar Nebensächlichem verbirgt sich ein gewichtiges Problem jeder Moralphilosophie: Nur wenn vom Menschen ausgesagt werden kann, daß er das, was er realisieren wollte und realisiert hat auch hätte nicht wollen und nicht realisieren können, ist er für sein Tun und Unterlassen moralisch verantwortlich im Guten als Verdienst und im Bösen als Sünde. Wenn dagegen von einem Subjekt ausgesagt werden müßte, daß es notwendig immer nur das Gute oder das Böse wollte und realisierte, wäre es weder für das Gute noch das Böse verantwortlich. Es gliche einer Maschine, die intakt notwendig immer gut funktioniert oder defekt notwendig schlecht oder gar nicht mehr funktioniert. 
Die Allmacht Gottes darf also um der Freiheit und der moralischen Qualifizierbarkeit willen nicht auf das limitiert werden, was Gott will, daß er nur könne, was er auch wolle. Er kann auch das als Allmächtiger, was er dann nicht will. 
"insofern es seinem Wesen nicht widerspricht", reduziert nun auch aufs gröbste Gottes Freiheit, indem es das Wesen Gottes als etwas von Gottes Wollen und Erkennen Vorausgestztes sich vorstellt. So ist es in allen von Gott geschaffenen Wesen, daß sie ihr Wesen als etwas Geschaffenes als die Voraussetzung ihres Seins vorfinden. Dem Menschen ist als ein Geschöpf Gottes sein Wesen die Vorgabe seines individuellen Lebens, zu der er sich dann aber kontingent verhalten kann, indem er gemäß oder wider sein Wesen sein Leben gestalten kann. Der Mensch ist nicht durch sein ihm vorgegebenes Wesen determiniert. Das ist seine kreatürliche Freiheit, die ihm von Gott gegeben ist. Gott nun dagegen soll nach dieser traditionellen Gotteslehre durch sein Wesen determiniert sein, sodaß er nicht mehr kontingent sich zu sich selbst verhalten kann. Damit wird die Freiheit zum Privileg des von Gott geschaffenen Menschen, während Gott als unfrei zu stehen kommt! Durch sein Wesen ist er determiniert. Zudem: Weil der Mensch ein Geschöpf ist, ist ihm sein Wesen durch den Schöpfer vorgegeben- wer hat aber Gott sein Wesen vorgegeben, sodaß er es als Voraussetzung seines Lebens vorfindet? Es kann darauf nur eine Antwort geben: Weil Gott der Schöpfer ist und weil er kein Geschöpf ist, kann er sein Wesen sich selbst nur gegeben haben. Er ist als causa sui zu denken. Nur bei Geschöpfen ist es so, daß sie ihr Wesen als etwas ihnen Vorausgesetztes haben, in Gott selbst kann es aber nichts Vorausgesetztes geben, wenn es nicht als durch Gott selbst Gesetztes begriffen wird. Modern ausgedrückt: Gott ist als reine Selbstbestimmung zu denken, sodaß er sein Wesen selbst setzte, indem er sich dazu bestimmte, so und nicht so zu sein. Am tiefsinnigsten hat dies Ockham durchdacht in seiner Gotteslehre, nur hat er sich bedauerlicherweise nicht in der Gotteslehre durchgesetzt. Und es muß festgehalten werden, daß Gott nicht durch sein durch ihn selbst gesetztes Wesen determiniert wird, gerade weil er es selbst aus seiner Freiheit heraus gesetzt hat. Dieser Setzungsakt muß nun als reine Dezision gedacht werden, denn die Ordnung des Wahren  und Guten und Schönen existiert ja selbst erst dadurch, daß sie von Gott gesetzt wurden, sodaß diese Ordnungen nicht bestimmende Kriterien seiner Selbstbestimung sein können,weil sie ja nur von Gott selbst durch seinen Selbstbestimmungsakt gesetzte Ordnungen sind. Es gibt kein Wahres, Gutes und Schönes unabhängig von Gottes Entscheid, das als gut, wahr und schön zu setzen. 
Was soll nun aber nach P. Hirsch Gott alles nicht können? Und hier zeigt sich eben der Wille, Gott so weit wie möglich zu domestizieren, aus ihm einen von uns berechenbaren Gott zu machen. Gott könne nicht  "Geschehenes ungeschehen" machen. (S.102). Warum nicht, frägt man sich als mitdenkender Leser eingedenk des immer wieder intensivst diskutierten Problemes der Zeitparadoxien: Gesetz den Fall, ich reiste in die Vergangenheit (unter der Annahme, Zeitreisen sind möglich) und ich tötete meinen Vater, bevor er mich zeugte, dann wäre der Grund meiner Existenz genichtet, ich wäre nie geboren worden und hätte so nie in die Vergangenheit reisen können, um diese Tat zu vollbringen und so wäre sie nie geschehen und dann existierte ich doch und könnte sie begehen.Ein wirklich anspruchsvolles Thema, das so leidenschaftlich im Umfeld von Science Fictionromanen debatiert wird und auch ein Thema dieser Romane ist. 
Warum sollte das Gott unmöglich sein, diese Frage steht nun noch im Raume. Nehmen wir zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel: Eine Schachpartie, in der Weiß den ersten Zug setzt. 20 verschiedene Möglichkeiten gibt es für Weiß, 16 mit einem Bauernzug das Spiel zu eröffnen und 4 mit den beiden Springern. Mehr gibt es nicht. Stellen wir uns jetzt 20 Schachbretter vor, übereinander, in der auf je einem genau eine der 20 Möglichkeiten realisiert wird, sodaß alle 20 Schachbretter alle 20 möglichen Eröffnungen zeigen.  Indem nun eine der 20 Möglichkeiten realisiert werden, entsteht ein reales Schachspiel mit dieser einen realisierten Möglichkeit und die 19 anderen bleiben bloß mögliche Schachspiele. Wenn nun der allmächtige Gott den gezogenen Zug, den geschehenen ungeschehen werden ließ und stattdessen einen anderen realisierte, dann würde das vorherige reale Schachspiel zu einem nur möglichen sich wandeln und einer der vorher nur möglichen Schachspiele würde jetzt das reale Schachspiel werden. Denn die Realität ist ja nur eine Verwirklichung von vielen Möglichkeiten. Geschehenes ungeschehen zu machen, heißt für Gott so nur, statt einer realisierten Möglichkeit  eine bisher nicht realisierte Möglichkeit zur Realität werden lassen und gleichzeitig damit etwas Realisiertes zur bloßen Möglichkeit umzuwandeln. 
Man denke sich eine Realität als wirkliche Welt und unendlich viele mögliche Welten und daß Gottes Allmacht es möglich ist, die Realität gegen eine bisher nicht realisierte nur mögliche Welt umzutauschen. 
Aber worum geht es im Versuch der Domestikation Gottes? "Damit ist ausgeschlossen, dass Gott [...]sündigt, etwas gegen sein Wesen oder seine Eigenschaften vollbringt oder seine Ratschlüsse und Werke rückgängig macht." (S.102)  Damit Gott all das nicht mehr kann, soll er so domestiziert werden. Nur, so ist der von Theologen erdachte Gott- wer sagt uns, daß Gott sich an unsere menschlich allzumenschlich verständlichen Besimmungen hält? Es wird so Gottes Freiheit verleugnet, damit er uns Menschen zum verläßlichen Partner wird, der so sich uns gegenüber verhält, wie wir es uns wünschen. Der Projektionscharakter ist eindeutig. Diese Gotteslehre verlangt, daß Gott sich nach uns richtet. So wie in einer konstitutionellen Monarchie nicht mehr der Monarch regiert sondern die Verfassung, die Konstitution, die über dem Monarchen seht, so wird hier das Wesen Gottes Gott zum Gefängnis, daß er nur noch in den engen Grenzen dieses seines Wesens agieren kann. Wenn es für den religiösen Menschen göttliche Gnade ist, wenn Gott seine Ratschlüsse und Werke nicht rückgängig macht (Gott reute es, die Welt geschaffen zu haben aber angesichts des Noahofers verzichtet er darauf, sie nochmals durch eine Sintflut zu verderben), dann wird daraus für diese Gotteslehre das Selbstverständlichste: Gott kann gar nicht anders, er muß es so tuen! Gott wird naturalisiert, indem er zum Gefangenen seines Wesens herabgestuft wird! Jede Religion lebt aber aus dem Wissen, daß Gott auch anders kann, als er jetzt will, daß der Erwählte von heute morgen ein Verworfener sein kann und daß es Gnade ist, wenn er die, die er erwählte, auch als Erwählte bewahrt und nicht daß das Gott notwendig so tuen muß ob seiner Natur! 
So eigentümlich es klingen mag, aber schon in diesem domestizierten Gottesverständnis ist eine Spur von Nietzsches: Wir haben Gott getötet! enthalten, indem Gott seiner Freiheit und Lebendigkeit beraubt wird und er nur noch ein Gefangener seines (toten) Wesens wird. Denn ein vollkommen determiniertes Subjekt ist ein totes Subjekt!  
Ein besonderes Problem bleibt dann noch:Ist Gott gut? Selbstverständlich urteilt die traditionelle Gotteslehre. Aber die notwendige Voraussetzung für das Gutwollen und Guttuen ist nun mal die Fähigkeit, auch nicht gut wollen zu können. Ein Subjekt, daß notwendig immer nur das Gute wollen kann, ist eines, das nichts gut wollen kann. Der Münchner Fundamentaltheologe A. Kreiner bringt es prägnant auf den Punkt in der Erkentnis, daß die traditionelle Lehre von der ontologischen Vollkommenheit Gottes, daß er durch sein Wesen determiniert immer nur das Gute wollen kann, es vollkommen verunmöglicht, von Gott ein Moralischsein auszusagen. Einfacher gesagt: Ein perfekt programierter Roboter, der ob seiner Programierung nie etwas Unerlaubtes tuen könnte, ist kein moralisch handeln könnendes Subjekt sondern nur eine perfekt, eben gut funktionierende Maschine. Zum Subjekt im moralischen Sinne würde der Roboter erst werden, wenn er Gutes und Nichtgutes tuen  und sich dann freiwilllig für das Gute entscheiden könnte!   Der traditionell gedachte Gott gleicht so gesehen eigentlich mehr einer perfekt programierten Maschine, denn einem Wesen, daß man Freiheit und Moralität zuschreiben könnte. Und Maschinen sind eben tote Gebilde! Und so trägt der Gott der traditionellen Lehre schon in sich Züge seines Todseins!