Eine nützliche oder gefährliche Phantasievorstellung der Kirche - soll sie wegrationalisiert werden?
„Hölle.Dazu hatte er keine Beziehung.Hölle.Das war etwas Irreales für ihn.Hölle.Des Teufels Zuhause.Er zweifelte daran,ob es das überhaupt gab.Die Menschen sind diesbezüglich im Erfinden sehr phantasievoll.Die Hölle soll abschrecken, und das tut sie in den meisten Fällen auch.Die meisten Menschen haben Angst davor,nach ihrem Tode in der Hölle zu landen,deshalb bemühen sie sich, ein gottgefälliges Leben zu führen.“1
Aus der Angst vor der Hölle ein „gottgefälliges Leben“ führen zu wollen, das erscheint nicht nur einem der Protagonisten dieses Horrorromanes als verquert, müßte doch ein Christ aus Liebe zu Gott um des Guten willen so zu leben erstreben! Dies Urteil verbindet sich mit der Behauptung, daß die Kirche die Hölle doch nur erfunden hätte, um uns Menschen zu verängstigen um uns so zu einem gottgefälligen Leben zu zwingen mit der Drohbotschaft der Höllenstrafen! Die Kirche habe die Liebe Gottes zu verkünden in Wort und Tat und nicht dürfe sie eine Angstpädagogik praktizieren.
Befremdlich ist dann aber, daß, wenn es um das Gut der Gesundheit geht, mit purster Angstpädagogik gearbeitet wird: Was alles für Schrecknisse werden den Tabakfreunden vor Augen geführt: „Wehe Dir, wenn Du rauchst!“
Da gilt die Erzeugung von Angst als das beste Mittel zum Abhalten vom Rauchgenuß! Seit wir Menschen auf Erden wandeln, rauchen wir Tabak aber noch nie wurde uns so viel Angst gemacht vor den Folgen des Tabakgenusses.
Aber die Kirche dürfe sich keiner Angstpädagogik bedienen.Wenn nun mal angenommen wird, daß die kirchliche Höllenpredigt die Menschen davon abhielte zu sündigen,oder zumindest es erreichte, daß wir Menschen weniger sündigten, wäre dann die Erfindung der Höllenpredigt rechtfertigbar?
Nein, denn es dürfe nur die Liebe Gottes gepredigt werden! Wer so urteilt,muß dann aber die Höllenpredigt Jesu Christi auch verurteilen,muß gar urteilen, daß Jesus selbst nicht christlich gepredigt hätte. ( Als ein Ausweg böte sich dann an, zu behaupten,daß Jesu Predigt von unserer möglichen Bestrafung durch und in der Hölle nur eine Erfindung der urchristlichen Gemeinden gewesen sei, Jesus selbst niemals so hätte predigen können.Die Plumpheit dieses Selektionsverfahrens, alles mir Mißfallende als nicht echt jesuanisch abzuqualifizieren, ist aber mehr als offensichtlich.)Jesus, der Sohn Gottes hat uns die Hölle gepredigt, wenn wir nicht umkehren, an ihn glauben und gemäß ihm leben.
Ist nun der Erweis der Nützlichkeit einer Predigt von der Hölle als dem Orte unserer Bestrafung durch Gott ein Beweis dafür, daß die Hölle um dieser Nützlichkeit willen von der Kirche erfunden worden sei? Was hielte man dann von dieser Aufklärungspredigt eines Schafes: „Liebe Schafskollegen, der Besitzer unserer Herde sagt uns: „Hütet Euch vor den Wölfen, denn die wollen Euch fressen. Gehorcht also immer mir, damit ihr so vor ihnen sicher seid. Unser Besitzer hat den bösen Wolf nur erfunden,um uns durch die Angst vor ihm beherrschen zu können! In Wirklichkeit ist der Wolf ein Vegetarier! Hört der Wolf auf, ein Wolf zu sein, weil die Wahrheit über den Wolf für jedes Schaf etwas Furchtbares ist? Ist der Glaube an eine Welt ohne Feinde nicht eine durch nichts rechtfertigbare Illusion?
Für die plumpe Priesterbetrugstheorie, sie hätten, wenn sie schon nicht Gott so zumindest den Teufel nur erfunden, um uns besser beherrschen zu können, gibt es keinen Beweis, es ist nur eine sehr simpel gestrickte Verschwörungstheorie.
Um des Gutes der Gesundheit willen wird eine reine Angstpädagogik wider die Raucher angewandt mit rabiaten Freiheitseinschränkungen, aber um des Seelenheiles willen darf die Kirche nicht von der Hölle predigen? „Rauche nicht, damit Du nicht an Lungenkrebs sterben wirst“, ist eine gute Aufklärungspredigt, „Sündige nicht, damit Du nicht in der Hölle endest“, eine unzumutbare Angstpredigt!
Der Lungenkrebs als eine Folge des Tabakgenusses sei etwas Reales, die Hölle als Gottes Bestrafung für unser Sündigen etwas Irreales. Nur, warum schließt Gottes Gerechtigkeit ein Bestrafen unserer Sünden aus? Wäre Gott gerecht, wenn er die Ermordeten und ihre Mörder gleichermaßen mit dem ewigen Leben beschenken werden würde in seinem Endgericht?
Außerdem:
Was hielte eine Frau von diesem Eheversprechen: " Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben, egal ob Du mir treu sein wirst oder mich betrügen wirst,ob Du mich lieben oder verachten wirst, denn meine Liebe ist bedingungslos"? Wäre eine solche Liebe von einer Gleichgültigkeit überhaupt unterscheidbar?
1A.F.Morland, Der Silbermann, aus der Serie:Tony Ballard, Bd 12,S.5. In dieser Serie treten regelmäßig Protagonisten auf, die alles Übersinnliche und Übernatürliche als Phantasmata abtuen, dann aber auf das bitterste eines Besseren belehrt werden.
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