Was
ist das Revolutionäre
des
2.Vaticanums? Die Selbstrelativierung der Kirche und der Beginn ihrer
Selbsthistorisierung!
Im
Geiste des 2.Vaticanumes über es hinaus, seine positiven Potenzen
weiterentwickeln, das sei die jetzige Aufgabe der Theologie,
offenbart uns der Fundamental“theologe“ Hoff. Ja, es gäbe
Revolutionäres
im
2.Vaticanum. Damit reiht sich dieser Theologe in die Heerschar derer
ein, denen dies Konzil zuvörderst das der Diskontinuität gewesen
sei, daß einer Befreiung von der fast 2000 jährigen Tradition
zugunsten eines Aufbruches zu neuen Ufern. Meist wird dann aber
relativierend hinzugefügt, daß der Bruch noch nicht gänzlich
gelungen sei, daß eben doch noch zu viel Traditionalistisches in ihr
weiter west, und noch nicht verwest sei.
Zu
einem der Favoriten dieser Diskontinuitätstheorie avancierte nun die
Behauptung des kryptoprotestantischen Kirchenhistorikers Hubert Wolf,
das Papstamt mit seiner Kompetenzbestimmung sei eine Erfindung des
19. Jahrhundertes, von der sich leider dies Reformkonzil nicht gelöst
hätte. In dem Kath de Artikel liest sich das so: „Im
19. Jahrhundert – das hat Hubert Wolf überzeugend herausgearbeitet
– wird auf dem Boden der Tradition ein neues Lehrformat entwickelt.
Was bedeuten diese Prozesse für die Selbstbestimmung der Kirche?“
(Das
hätte dieser Fundamentalteologe auch simpler formulieren können:
Jetzt haben wir erkannt, daß Luthers Papsttumskritik im Recht war,
aber das klänge doch zu trivial, es soll wissenschaftlicher
daherkommen!)Das Papstamt, so wie es dann das 1.Vaticanum explizierte
sei ein Konstrukt des 19. Jahrhundertes. Dieser Subtext muß dabei
mitzuhören, daß die Kirche sich da gegen die Moderne
verbarrikadiert hätte, statt diese Frucht der Aufklärung in sich
beglückt aufzunehmen, aber das 2.Vaticanum öffnete dann ihre Tore
weit, weit, auch wenn der jetzige Modernistenpapst Magnus Striet
bemängelt, daß Kants Philosophie immer noch nicht zum neuen
Fundament der Kirche gekürt worden sei!
Von
zentraler Bedeutung ist nun der Terminus der „Selbstbestimmung
der Kirche“: Was
sie lehrt und was sie dann auch tut, das ist ein Ergebnis ihrer
Selbstbestimmungsakte.Damit ist die These mitgesetzt, daß sie all
ihre Gehalte als die Produkte von ihren Selbstbestimmungsakten
revozieren und durch neue ersetzen könne. „Alles fließt“-
darauf läßt sich diese Selbstrelativierung der Lehre der Kirche
reduzieren.
So
formuliert dies dieser Fundamental“theologe“: Es
hat der Pluralität von Kirche einen anderen Ort gegeben. Es hat die
Globalität von Kirche und der unterschiedlichen kirchlichen
Traditionen markiert und eine neue Wissensform entwickelt – nämlich
diejenige, dass man sich von anderen Perspektiven,
Wahrheitsüberzeugungen und gesellschaftlichen Realitäten
relativieren lassen kann. Relativieren heißt, sich zu ihnen in ein
produktives Verhältnis setzen. Menschenrechte, Religionsfreiheit,
Ökumene, die Bedeutung anderer Religionen: sich davon relativieren
zu lassen, ohne die eigenen Überzeugungen und den eigenen
Geltungsanspruch aufzugeben, war ein bedeutender Schritt.“
Aus
den Offenbarungswahrheiten werden so Überzeugungen,
die Kirche tätige nun nur auch Aussagen, die Geltungsansprüche
erhebten. Tätige ich die Aussage: „Es regnet jetzt!“, dann
erhebe ich damit den Anspruch, daß diese Aussage wahr sei, verbunden
mit der Möglichkeit, daß dieser Geltungsanspruch veri- oder
falsifizierbar sei. So werden in jedem Gespräch Geltungsansprüche
getätigt. In denen manifestieren sich auch Überzeugungen,
in
diesem Falle die, daß es regnet!
Aber
hier sind andere,gewichtigere Dinge gemeint, und zwar nur Größen,
die die Katholische Kirche vor dem Konzil als nicht mit der Wahrheit
kompatibel verworfen hatte.Zur Bedeutung der anderen Religionen: Nie
hat die Kirche die anderen Religionen als bedeutungslos bezeichnet,
denn gerade eine falsche Religion ist nicht bedeutungslos, sie
insistiert aber darauf, daß nur die Katholische Kirche die wahre
sei, daß nur in ihr der die ganze Wahrheit präsent sei. Dies
aufgegeben zu haben, sei nun die Revolution
des
2.Vaticanums. Die Ökumene und die Bejahung der Religionsfreiheit
fungieren dabei als die Einfallstore der Vergleichgültigung aller
Religionen.
Aber
dies Konzil sei eben noch nicht weit genug gegangen in dem Prozeß de
Selbstrelativierung: „Historisches
Denken greift wirklich Raum. Doch jetzt kommt das große Aber: Eine
wirklich konsequente Selbsthistorisierung der eigenen Wissensform,
das heißt, die Konzepte, mit denen man arbeitet, kontextbewusst in
den Blick zu nehmen, hat das Konzil nicht geleistet.“ Die
Theologie stehe so vor der Aufgabe, die Dogmen und Lehren der Kirche
historisch kritisch zu dekonstruieren als zeitgeschichtlich bedingte
Meinungen über Gott und die Welt.
Aber
Kath de frug nun diesen „Theologen“:Wie
verhält sich denn ein solches geschichtliches Denken zu
Glaubenswahrheiten, die für die Kirche überzeitig sind? Darauf
erhielt der Frage diese meisterliche Antwort:
„Aus
meiner Sicht exzellent. Erstens, weil sich gerade im geschichtlichen
Bestimmen dieser Glaubenswahrheit zeigt, dass der Gott, an den wir
glauben, ein Gott ist, mit dem wir unterwegs sind.“ Die
ewigen Wahrheit ist also die, daß alle sich gebildet habenden
Meinungen und Überzeugungen über Gott und die Welt sich stetig
modifizieren, daß alle die Wahrheit der stetige Wandel sei. In
Anlehnung an Hegel könnte gesagt werden: „Jetzt regnet es“, ich
schreibe den Satz auf und ein paar Stunden später ist der Satz
unwahr geworden, da nun die Sonne wieder scheint.Alle Wahrheit sei
eben nur eine kontextuelle.Das Mit-Gott-Unterwegs-Sein macht so in
letzter Konsequenz aus Gott etwas zu sich selbst noch
Unterwegsseiendes, das wie einem Politiker sein Geschwätz von
gestern heute nicht mehr interessiert.
So
verwundert es nicht, daß dieser Fundamental“theologe“ im
Papstamt das größte Problem für die Kirche sieht: „Neues
Verständnis des
Petrusdienstes nötig.
Hoff sieht monarchisches Papstamt als Grundproblem der Synodalität“
Kath
de am 3.4.2024. Wenn alles relativiert werden soll, dann muß das
päpstliche Lehramt einfach das Übel schlechthin sein. Aber
genaugenommen richtet sich diese in diesem Artikel beschworene
Revolution
gegen
den, der von sich sagt:“Ich
bin die Wahrheit“, denn
eine solche darf und kann es nicht geben, ist doch jede vermeintliche
Gotteserkenntnis nur ein zeitgeschichtlich bedingtes Meinen.
Faktisch
wird hier die Theologie beseitigt durch eine historisch kritisch
vorgehende Ideengeschichte, die eben jede theologische Erkenntnis
relativiert: Nichts Gewisses weiß man, außer das alles ungewiß
sei. Der Philpoosoph P.Sloterdijk ("Menschenverbesserung", in: ders: "Nach Gott", S,228) spricht von einer "postmetaphysischen Umformung des Christentums". Dieser Begriff könnte diese Transformation der Theologie in eine Disziplin der Geschichtswissenschaft erklären, daß keine wahrheitsfähigen Aussagen über Gott mehr als möglich erachtet werden und daß sich so die "theologische" Wissenschaft auf die Klärung der historischen Bedingtheit aller Aussagen über Gott zu kaprizieren habe. Wahre Aussagen über Gott sind eben metaphysische Aussagen, auch wenn sie theologische, von Gott offenbarte sind.