Fast vergessende
Wahrheiten über Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph
Es
ist wohl der Selbstverprotestantisierungstendenz innerhalb der
Katholischen Kirche verschuldet, daß dieses so bedeutsame
Protoevangelium des Jakobus kaum noch bekannt und schon gar nicht
mehr ernst genommen würde, als gälte nun auch in der Kirche die
Parole: „Allein die Schrift“, sodaß die Tradition man zu
verachten begann, isb wenn deren Gehalte aus der säkularitischen
Weltsicht als zu anstößig empfunden werden, wenn Gott eben in die
Wirklichkeit eingreifend im Zentrum steht, daß er Wunder wirkt.
Deshalb
zitiere ich hier aus diesem Werk, da wohl kaum ein Leser diesen so
gewichtigen Text zu seinen Händen hat!
7
Die Vorstellung der Maria im Tempel
1
Und dem Kind wurden die Monate hinzugefügt. Und das Kind wurde
zweijährig, und Joachim sagte: "Lassen wir sie in den Tempel
des Herrn hinaufgehen, damit wir das Versprechen erfüllen, das wir
gelobt haben, damit nicht der Herr gegen uns zürnt und unsere Gabe
nicht angenommen wird." Und Anna sagte: "Lass uns das
dritte Jahr abwarten, damit sie nicht nach Vater oder Mutter
verlangt." Und Joachim sagte: "Lass uns abwarten." 2
Und als das Kind drei Jahre alt wurde, sagte Joachim: "Lass uns
die Töchter der Hebräerinnen rufen, die Unbefleckten." Und
lasst sie jede mit einer brennenden Fackel stehen, damit sie sich
nicht nach hinten wendet und ihr Herz sich nicht vom Tempel des Herrn
abwendet. Und so verfuhren sie, bis sie in den Tempel des Herrn
hinaufgingen. Und der Priester des Herrn nahm sie entgegen, küsste
sie, segnete sie und sagte: "Gott der Herr, hat deinen Namen in
allen Generationen groß gemacht. Durch dich wird der Herr den Söhnen
Israels die Erlösung offenbaren am letzten der Tage." 3
Und er setzte sie auf die dritte Stufe des Altars, und Gott, der
Herr, legte Gnade auf sie, und sie tanzte mit ihren Füßen, und das
ganze Haus Israels liebte sie.
III
Maria und Joseph (Kapitel 8-10)
8
Marias Frauwerdung
1
Und ihre Eltern gingen hinab, staunend und lobpreisend und
verherrlichend Gott den Herrn, weil er sich nicht von ihnen abgewandt
hat. Maria war aber im Tempel des Herrn, wie eine Taube, die genährt
wird, und sie erhielt Nahrung aus der Hand eines Engels. 2
Als sie zwölf Jahre alt geworden war, hielten die Priester einen Rat
und sagten: "Siehe, Maria ist zwölf Jahre alt geworden im
Tempel des Herrn. Was sollen wir also mit ihr tun, damit sie das
Heiligtum Gottes, unseres Herren, nicht verunreinigt." Und die
Priester sagten zu ihm: "Du stehst am Altar des Herrn. Geh
hinein und bete für sie, und was auch immer der Herr, dein Gott, dir
offenbart, das werden wir tun." Der Priester nahm die zwölf
Glöckchen 5, ging hinein in das Allerheiligste, und betete für sie.
Und siehe, ein Engel des Herrn trat hervor und sagte: "Zacharias,
Zacharias, geh hinaus und rufe die Witwer des Volkes zusammen, und
lasst sie einen Stab mitbringen, und dem, dem Gott, der Herr, ein
Zeichen zeigt, dem wird sie zur Frau." Und die Herolde gingen
hinaus in die ganze Umgebung von Judäa, und die Posaune des Herrn
ertönte, und siehe, alle liefen herbei.
9
Maria und Joseph
1
Josef, der das Beil weggelegt hatte, ging selbst hinaus, um ihnen
entgegenzukommen, und als sie sich versammelt hatten, gingen sie
gemeinsam zum Priester, indem sie die Stäbe nahmen. Der Priester
nahm die Stäbe von ihnen, ging in den Tempel und betete. Nachdem er
das Gebet beendet hatte, nahm er die Stäbe, ging hinaus und gab sie
ihnen zurück. Und es war kein Zeichen an ihnen. Den letzten Stab
nahm Josef, und siehe, eine Taube kam aus dem Stab hervor und setzte
sich auf den Kopf Josefs. Und der Priester sagte: "Josef, Josef,
du bist dazu bestimmt worden, die Jungfrau des Herrn zu nehmen und
sie für ihn zu bewahren." 2
Und Josef entgegnete und sagte: "Ich habe Söhne und bin ein
alter Mann, sie aber ist jung. Vielleicht werde ich zum Gespött für
die Söhne Israels." Und der Priester sagte: "Josef,
fürchte den Herrn, deinen Gott, und erinnere dich daran, was Gott
Dathan, Abiram und Korach getan hat: wie sich die Erde öffnete und
alle verschlungen wurden wegen ihres Widerspruchs. Und nun, fürchte
dich, Josef, damit dies nicht in deinem Haus geschieht." 3
Und Josef, voller Ehrfurcht, nahm sie zu sich, um sie für ihn [den
Herrn] zu bewahren, und er sagte zu ihr: "Maria, ich habe dich
aus dem Tempel des Herrn aufgenommen, und nun lasse ich dich in
meinem Haus zurück. Denn ich gehe fort, um Gebäude zu errichten.
Und ich werde [wieder] zu dir kommen. Der Herr wird dich behüten."
Solche
Texte machen den Reichtum der Kirche aus! Eine "Frucht" des Hyperkritizismus und des Priesterbetrugsnarratives ist der Generalverdacht, daß jede Traditionsbildung stets eine Verfälschung des Ursprünglichen sein soll, die so das Traditionsgut der Kirche entwertet wie dies so wunderbare Werk, das "Vorevangelium" des Jakobus. Grundlegend für dieses Werk ist die Einsicht in die Herkunftbesimmtheit jedes Menschen: Auch von Jesus mußte man, wenn man ihn erkennen wollte, sowohl den Vater, Gott also auch seine Mutter Maria kennen. Dies "Vorevangelium" trägt also das ganze Wissen um die Gottesmutter zusammen, damit seine Leser so ihren Sohn erkennen können. Maria hat so schon ab ihrem 3.Lebensjahr ihr Leben ganz Gott geweiht als eine Tempeljungfrau, die dann unter den Schutz Josephs gestellt wurde, um die Mutter Gottes zu werden.