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Montag, 3. August 2026

„War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“

 

„War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“



In diesem „Communio“ Artikel vom 31.7.2026 wird das Buch des Neutestamentlers Trummer:“Jesus ohne Opfer“ rezensiert. Dessen Kernthese lautet, daß Gott keine Opfer bräuchte. „ >Sündenböcke seien "eine eklatante Fehlleistung menschlicher Projektionen" (ebd.) – "Ein solch blutrünstiges Monster hätte Jesu niemals Abba nennen können"<(78).“ Eine solche Vorstellung vergifte das „Gottesbild“. Das Kritikniveau dieses Buches ist an blauäugiger Naivität kaum noch unterbietbar: Gott ist so, wie ich ihn mir wünsche, das ist mein Gottesbild und ein Gottesbild, was dem widerspricht, muß somit unwahr sein. Dabei identifiziert dann der Exeget sein Idealgottesbild mit dem von Jesus, denn Jesus könne doch nicht etwas diesem „Exegeten“ Anstößiges und Inakzeptables vertreten haben.

Unter der Überschrift: „Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“ wird nun eine äußerst konfuse Kreuzestheologie skizziert:

„Jedoch sein Zeugnis von der Grenzen überschreitenden Liebe Gottes nicht durch deren für ihn tödlichen Zurückweisung begrenzen, sondern betet sogar für seine Peiniger (vgl. Lk 23,34). Insofern er auf diese Weise sein Zeugnis göttlicher Barmherzigkeit sogar über die Grenze hinausträgt, die deren Zurückweisung errichtet, wird diese Barmherzigkeit auch in einer von der Sünde durchwirkten Welt lebendig. Sie gewinnt so die Qualität einer religiösen Opfergabe ("sacrifice"), denn Jesus ist in einem Akt der Solidarisierung mit denjenigen Sündern gestorben, die ihn in den Tod getrieben haben. Damit ist er auch für diese Sünder und um ihrer Sünde willen gestorben. Und der Gott, den er seinen Vater nannte, "brauchte" dieses Opfer, weil ihm auch dort am Menschen liegt, wo dieser sich in den Mechanismen der Sünde verfangen hat.“

Jesu Barmherzigkeit erstrecke sich somit sogar auf die, die seinen Tod gewollt haben und ihn kreuzigen ließen. Er habe sich so mit diesen Sündern solidarisiert.1 Aber was hat das mit dem Opfer im kultischen Sinne zu tuen? Nichts: Im Kult wird Gott das Opfer dargebracht mit einem Zweck, ihn günstig zu stimmen, um somit etwas von ihm zu erbitten. Wie bei der Frage: „Was ist ein Trabi?“ zuerst gewußt werden muß, was ein Automobil ist, um dann das Spezifische dieser Automarke zu begreifen, so verlangt das Begreifen des Opfers Jesu Christi zuvörderst einen Allgemeinbegriff von dem Opfer, um dann sein Spezificum zu begreifen.Die Opfer des Alten Testamentes, isb das alljährlich vom Hohenpriester dargebrachte Versöhnungsopfer sind sozusagen Vorabbildungen des wahren Kreuzaltaropfers Jesu Christi und somit legen diese Opfer sich wechselseitig aus.

Das Kreuz Christi besitzt so gar keine Heilsbedeutung, es besagt nämlich nur, daß Gott allen Sündern barmherzig eingestellt sei. Diese Verkündigung wäre auch wahr, wenn Jesus nicht gekreuzigt worden wäre.

Das Kreuz Christi ist eben nicht nur den Heiden eine Torheit, den Juden ein Skandal sondern unseren modernistischen Theologen etwas Unzumutbares. Um sich des Kreuzes Christi zu entledigen wird dabei gerne die Kultopferpraxis des Alten Bundes als ein Irrtum, etwas Primitives abgetan, obzwar Gott selbst diesen Opferkult eingesetzt hat. Letztendlich muß so auf einer Nichtidentität des Gottes, der Opfer wollte, mit dem Nurliebesgott Jesu insistiert werden: Marcion grüßt!








1Ob der Begriff der Solidarität ein guter Ersatz für den der Liebe bzw Nächstenliebe ist, läßt sich bestreiten, gehört er doch ursprünglich in das Vokabular der Arbeiterklasse und meint: „Setze Du Dich jetzt für die von einer Entlassung bedrohten Kollegen ein, damit die dann sich für Dich einsetzen.“ Es ist somit ein Begriff einer utilitarisrstischen Ethik, wohingegen die Nächstenliebe nicht auf einen irdischen Lohn hofft sondern auf ihn verzichtend auf den himmlischen.

Sonntag, 31. Mai 2026

Opfer und Gebet - keine magische Praxis!

Opfer und Gebet - keine magische Praxis!  (ein Auszug aus meinem Buch:"Der zensierte Gott")


Nun könnte sich bei uns ein gefährliches Mißverständnis einschleichen: Wenn wir nur in rechter Weise opfern und beten, dann wird Gott uns erhören. Er wird dann umkehren und uns seine Gnade erweisen. Es gibt eine feste göttliche Ordnung: opfern und beten wir so, wie es der göttlichen Ordnung entspricht, dann wird uns Gott auch ganz gewiß erhören. Gott habe sich selbst seiner Ordnung untergeordnet, indem er uns zusagt: Immer, wenn ihr recht opfert und betet, dann werde ich euch erhören.


Vielleicht ist auch deshalb uns die Geschichte von König David und Batseba aufgeschrieben worden, damit wir lernen, das Beten von einer magischen Praxis zu unterscheiden. Ein magisches Opfer- und Gebetsverständnis wäre es nämlich, wenn wir meinten, daß wir Gott beherrschen könnten: Beten und opfern wir nur richtig, dann muß Gott tun, um was wir ihn bitten!


Der Ausgangspunkt ist der Augenblick des Sichverliebens. König David, auf dem Balkon stehend, sieht Batseba beim Baden. Sie war so schön anzusehen, daß er sich in sie verliebte. Der König zog Erkundigungen über diese Frau ein. Sie ist verheiratet mit dem Hetiter Urija. König David lud sie zu sich ein, sie schliefen miteinander, und Batseba wurde schwanger. Das sagte sie dem König. Ein Seitensprung mit Folgen. König David faßt nun einen einfachen Plan. Er läßt den Ehemann, der als Krieger dem König diente, aus einer Schlacht zu sich kommen, um sich die militärische Lage von ihm darlegen zu lassen. Der König hoffte nun, der Krieger würde, heimgekehrt, zu seiner Frau gehen, sodaß man ihm das uneheliche Kind als seines unterschieben könne. Aber demonstrativ ging der betrogene Ehemann nicht zu seiner Frau. Nun mußte es offenbar werden, daß das Kind nicht von ihm ist! Der Ehemann muß von dem Fehltritt seiner Frau gehört haben und ging so nicht in die königliche Falle. Ginge er ein zu seiner Frau, dann könnte ja er als der Vater gelten. Jetzt würde es offenbar werden, daß er, da er ob des Krieges schon so lange nicht mehr zu Hause war, nicht der Vater sein kann.Was nun, König David? König David läßt den Ehemann umbringen. Er befahl seinem Vertrauten: „Sorge dafür, daß dieser Ehemann in der nächsten Schlacht stirbt.“ Die Anweisung wird ausgeführt. Der Ehemann fällt in der Schlacht.Die Witwe trauert um ihren toten Mann. Als aber die Trauerzeit zu Ende war, nahm sich der König David sie zur Frau. Sie gebar ihm einen Sohn!


So weit diese dramatische Liebesgeschichte. Jetzt greift Gott ein: „Dem Herrn aber mißfiel, was David getan hatte.“ (2 Samuel 11,27). Gott will den König für diese Sünde bestrafen. David bekennt dem Propheten Gottes: „Ja, ich habe gesündigt und verdiene, bestraft zu werden.“ Der Prophet Natan verkündet David das Strafgericht Gottes: „Aber warum hast du das Wort des Herrn verachtet und etwas getan, was ihm mißfällt? Du hast den Hetiter Urija mit dem Schwert erschlagen und hast dir seine Frau zur Frau genommen; durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umgebracht. Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. So spricht der Herr: ich werde dafür sorgen, daß sich aus deinem eigenen Haus das Unheil wider dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem anderen geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. Ja du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun.“ (11,9-12)


Gottes Strafe wird hier durch das Prophetenwort verkündet. David hat das Wort des Herrn verachtet. Darum straft ihn Gott. Nahm er sich eine Frau, die schon verheiratet war zur Frau, so soll nun David durch Gott dadurch gestraft werden, daß ein Umstürzler ihm den Königsthron nehmen und dann ihm all seine Frauen für sich als seine Frauen nehmen wird.


Wie reagiert David? Er bekennt: „Ich habe gegen den Herrn gesündigt.“ Man beachte: Nicht sagt er, er habe gegen Menschen gesündigt, gegen den Ehemann, den er töten ließ und gegen Batseba, die er zum Ehebruch verführte. Hat David denn nicht gegen diese beiden Menschen gesündigt? David denkt hier theozentrisch: Daß er gegen Gott gesündigt hat, das ist sein Vergehen. Darum wird Gott ihn strafen. Denn das Sündigen ist ein Angriff auf Gott. Er wird durch unser Sündigen verachtet. Und darum straft er um seinetwillen. David bekannte seine Sünde. „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“ wird man hier mithören dürfen.


Wie reagiert nun Gott angesichts dieses reuigen Sündenbekenntnises? „Der Herr hat dir deine Sünden vergeben.“ Aber dann folgt: „Du wirst nicht sterben - aber dein Kind, dein Sohn!“ Sein Sohn, von Batseba zur Welt gebracht, das Kind dieses Ehebruches muß nun sterben. Die Begründung: „Weil du aber die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern veranlaßt hast, muß der Sohn, der dir geboren wird, sterben.“ Gott hat ihm seine Sünde verziehen. Und doch verlangt Gott noch eine Strafe. Die Untat Davids hatte Folgen. Für diese Folgen ist David verantwortlich. Dafür straft Gott David, indem er ihm seinen Sohn tötet. Eine sehr befremdliche Vorstellung: ein unschuldiges Kind töten, um David zu strafen. Und warum verzeiht Gott, wenn er doch noch eine Strafe wider David verhängt? Hier stoßen wir auf Fragen, die uns dieser Text nicht beantwortet. Hier zeigt sich uns aber aufs deutlichste, warum die Theologie nicht nur erzählend gestaltet werden kann und warum sie so ins systematisch-dogmatische Denken übergehen muß! Aber jetzt wollen wir bei dieser Szene stehen bleiben und dies in seiner Dunkelheit auch so stehen lassen.


Wie reagiert David? David kämpft um das Leben seines Kindes. Er fastet und betet. Gott, der Herr will ihm das Kind nehmen, es töten. Nur er kann es aber auch vom Tode retten. Streng fastete er. Er legte sich auf den nackten Boden, um so Gott anzuflehen: „Verschone mein Kind!“


Was bedeutet hier das Fasten? Natürlich kein Gesundfasten, keine Diät, kein bewußteres Leben, nicht, daß er nun, weil er nicht mit Essen und Trinken befaßt war, mehr Zeit für etwas Wichtigeres und Wesentlicheres hätte. All das, wie man heute so über das Fasten redet, hat mit dem religiösen Fasten nichts zu tun! David hat seinen Gott vor Augen. Gott will sein Kind strafen. Jetzt straft sich David selbst durch dies strenge Fasten. Er hofft, daß Gott urteilen wird: Um der Strafe willen, die David sich selbst auferlegt hat und an sich selbst vollzieht, verzichte ich auf meine Strafe. Die Strafe, die Gott über das Kind Davids verhängt hat, ist selbstredend viel größer als die Qualität der Strafe, die David sich selbst auferlegt. Es ist so ein Gnadenakt Gottes, wenn er diese im Vergleich zu dieser von ihm verfügten kleinen Strafe als Ersatz annimmt und so auf seine verzichtet. David will leiden, damit das Kind nicht leiden muß. Er fügt sich den Schmerz des Fastens zu, damit dem Kind der Schmerz des Sterbens erspart bleibt. Darum heißt es ja auch in Jesaja 58,5: Ist das ein Fasten wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht?“ Hier übersetzt die „Einheitsübersetzung“ aber leider nicht korrekt. Der hebräische Text liest hier: sich kasteit, sich ein Leid antun! Eine „Übersetzung“ im Geiste der Zensierung Gottes!


Im Hintergrund steht die Vorstellung, daß jede Sünde bestraft werden muß. Ein einfaches Bild mag uns diese uns befremdlich vorkommende Vorstellung näherbringen. Wenn ein Lastschiff beladen wird, muß es ausgewogen beladen werden. Würde nur auf der einen Seite das Schiff beladen, auf der anderen nicht, droht das Schiff zu kentern und unterzugehen. Es muß im physikalischen Sinne gleichgewichtig beladen werden. In einer menschlichen Gemeinschaft, damit sie nicht kentert und untergeht, muß das Verhältnis zwischen Sünden und Strafen ausgeglichen sein, damit sie im moralischen Sinne im Gleichgewicht bleibt. Ungestrafte Sünden brächten sie aus dem moralischen Gleichgewicht. Durch Davids Sünde und seine Folgen ist nun eine Gleichgewichtsstörung im sozialen Leben entstanden. Die Untat Davids wurde durch die Vergebung durch Gott ausgeglichen. Die Negativfolgen der Untat Davids sollen nun durch die Bestrafung des Kindes von David ausgeglichen werden. David bietet Gott nun an, selbst sich zu bestrafen, um so durch sein strenges Fasten die Ausgeglichenheit wieder herzustellen. Seine Selbstbestrafung reicht selbstverständlich zum Ausgleich nicht aus. Aber wenn Gott sein Bußwerk annimmt, seine Selbstbestrafung, dann würde sie ausreichen durch die göttliche Annahme. Erst die göttliche Annahme qualifizierte dies strenge Fasten zum ausreichenden Ersatz für die Bestrafung des Kindes. David hofft auf die Gnade Gottes. Er hofft auf Gottes Erbarmen. Gott erhört ihn nicht. Sein Kind stirbt. Gott tötete es - trotz Davids Bitten und seines Fastens.


Behalten wir dies Bild vor Augen: David bittet, er fastet: „Verschone mein Kind!“ Aber Gott erhört ihn nicht. Er tötet das Kind Davids! Gott läßt hier nicht den Tod des Kindes zu, er straft es mit der Todesstrafe. Gott hat geurteilt. Sein Kind ist tot. Er geht zu seiner Frau Batseba und tröstet sie. Sie wird schwanger und gebiert ihm den Sohn Salomon.


Werfen wir doch auch einen Blick auf diese Mutter. Sie wird die Ehefrau des Mörders ihres Mannes. Sie gebiert ihm einen Sohn, den Gott tötet, um der Sünde ihres Ehemannes willen. Das ist ihr Schicksal! Hat sie es sich selbst zuzuschreiben, weil sie zum König ging, als er sie zu sich rief?Ist sie das Opfer einer männlich - königlichen Verführung? Und nun ist sie wieder Mutter, die Mutter des zukünftigen Königs Salomo. Ihr zweites Kind mit dem König David, ihr erstes ist tot. Dies Frauenschicksal sollten wir nicht zu schnell ausblenden. Sie hat Gott in ihrem Lebensschicksal so erfahren. Es ist kein Trugbild. Gott war so zu ihr.

Zusatz

So sehr die Differenz zu betonen ist zwischen dem Beten und einem magischen Beschwören, ist auch das Gemeinsame zu benennen, daß mit übernatürlichen Kräften gerechnet wird, die für unser Leben von größter Relevanz sind. 

 

Sonntag, 29. März 2026

Die Kirche als die Organisation der Nächstenliebe – ein Sackgassenprojekt?

 

Die Kirche als die Organisation der Nächstenliebe – ein Sackgassenprojekt?



Wenn die Kirche in Deutschland noch eine Zustimmung findet, als erhaltenswürdig beurteilt wird, dann als die Organisation der Nächstenliebe: Christentum, das sei die praktizierte Nächstenliebe. Das genuin Religiöse, wie der Gottesdienst, das Beten sei dagegen etwas Sekundäres, auch wenn dann der Glaube an einen Gott schon noch dazugehöre. Also habe die Kirche sich auf das Sozial-Caritative zu konzentrieren, um ihre Akzeptanz zu steigern, auch um so einem weiteren Kirchenmitgliederrückgang entgegen zu wirken.

Dazu sei nun eine simple Frage gestellt: Wer möchte den ein Adressat der kirchlich organisierten Nächstenliebe sein? Ein Hilfsbedürftiger, ein in Not Befindlicher möchte eigentlich keiner sein, aber für solche habe doch die Kirche in erster Linie darzusein. Das heißt, daß wohl die Mehrheit der Christen urteilt,daß da die Kirche für Notleidende dar zu sein hat, sie für die Anderen, nicht für sie dar ist. Die modernen Gesellschaften zeichnen sich durch eine hochgradige Arbeitsteilung aus, sodaß es einen eigenen großen Komplex an Dienstleistungsanbietern gibt. Jede Dienstleistung kann so jeder Bürger für sich beanspruchen, insofern er sie bezahlen kann.Der solch ein Angebot Annehmender nimmt sich nun selbst nicht als ein Hilfsbedürftiger wahr, sondern als ein Kunde, der für die angenommene Dienstleistung angemessen bezahlt.Solche Dienstleistungsanbieter schränken nun den Raum der zur praktizierenden Nächstenliebe ein. Wer seinen Friseur, seinen Klempner und den KfZ-Meister bezahlt, versteht sich selbst nicht als jemanden, dem so Nächstenliebe entgegengebracht wird sondern als ein Kunde, der von der Arbeitsteilung der modernen Gesellschaft profitiert.

Notleidend ist so gesehen nur der, der einen Dienstleistungsanbieter für sein Anliegen nicht selbst bezahlen kann. Nur dieser wird als Hilfsbedürftiger angesehen und nur für die sei eigentlich die Kirche dar.

Nun zeitigt die Kirche als die Organisation der praktizierten Nächstenliebe noch einen irritierenden Kollateralschaden: Weil diese Organisation für die Nächstenliebe zuständig ist, entlastet sie so, eingedenk der Institutionenkritik Gehlens das Individuum: „Das brauche ich nicht mehr zu tuen, dafür ist jetzt die und die Institution zuständig.“ Die faktisch praktizierte Nächstenliebe reduziert sich so auf das Spenden für sozial- caritative Zwecke, daß dann dazu befähigte Organisationen die nötige Hilfe leisten können durch die Spendengelder.

Wenn dann doch noch in der Kirche von der zu praktizierenden Nächstenliebe gepredigt wird, reduziert sich das, wenn man das Pathos der Nächstenliebe überhört auf: „Seid nett zueinander!“ Schon ein freundliches Grüßen des Nachbarn sei schon praktizierte Nächstenliebe. Für alle gewichtigen Probleme sind dann aber die entsprechenden Dienstanbietungsleister zuständig, zumal die dann auch professionell helfen können.

Wer braucht so die Kirche als Organisation der Nächstenliebe? Die Allermeisten wollen sie so nicht gebrauchen und hoffen, nie auf sie angewiesen zu sein. Selbst aber als ein Akteur der Nächstenliebe zu wirken, das überläßt in unserer modernen arbeitsteiligen Gesellschaft auch der Christ gerne den professionellen Helfern.Es reiche doch, durch Spendengelder dann sozial- caritative Projekte zu finanzieren.

Der geneigte Leser kann diese Behauptung leicht überprüfen, indem er sich eine ganze Woche vor Augen hält unter der Fragestellung: „Wann habe ich in ihr etwas getan, was als praktizierte Nächstenliebe zu bewerten wäre?“ 

Corollarium

Der Nächste,das war einst der räumlich Nahe, in unserer Epoche der Medien und der Ferkommunikation der in den Medien Präsente. Aber wie soll dieser Nächste noch ein Adressat der praktizierten Nächstenliebe sein, sofern die Nächstenliebe noch etwas anderes sein soll als das Spenden für Notleidende irgendwo auf der Erde.

Samstag, 21. März 2026

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“

 

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“



In der 2.Station des Kreuzweges: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ („Gotteslob“, 9.Auflage 1988, 775) heißt es: „Herr Jesus, du hast willig das Kreuz getragen,das die Sünde der Menschen dir auferlegt hat.“ Daß er „willig“ sein Kreuz auf sich genommen hat, gründet sich in dem Philipperhymnus, daß er „gehorsam bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper 3,8) gewesen war- aber wem war Jesus denn nun so gehorsam? Hat die Sünde ihm das Kreuz auferlegt,sodaß er ihr gehorchend nun sein Kreuz trug? Nein, Gott, sein Vater legte ihm das Kreuz auf seine Schultern, damit er so die Sünde aller Menschen büße.

Nun heißt es aber auch in der 2.Station: „Er will den Kelch trinken,den der Vater reicht,“ Um Gottes Gerechtigkeit willen vergibt Gott nicht einfach in einer Generalamnestie allen Menschen ihre Sünden, sondern seine Gereechtigkeit fordert eine der von uns Menschen begangenen und begangen werdenden Sünde gemäße Strafe, die nun der Sohn Gottes auf sich selbst nahm, um uns von der Strafe Gottes zu befreien. Das Maß seines Kreuzesleidens ermaß sich aus dem Maß der Sünde aller Menschen, aber das Kreuz selbst legte der Vater ihm auf.

Nun steht in der 4.Station: „Jesus begegnet seiner Mutter“: „Noch immer leidet Christus in unserer Welt, in den Gliedern seines Leibes, in seinen Brüdern und Schwestern. Mit ihnen leidet Maria, seine und unsere Mutter.“ Leiden also Maria und diese Geschwister wie Jesus Christus, weil Gott es will, daß diese so für die Sünde der Menschen zu leiden haben um der Versöhnung der Gerechtigkeit Gottes willen?

Liest man den Text der 4.Station des Krezweges, suggeriert er doch eher, daß diese, weder Maria noch die Brüder und Schwestern leiden sollten, daß der Text so an seinen Leser appelliert, daß dieses Leiden nicht sein sollte. Nur, Jesu Leiden am Kreuze war ein von Gott gewolltes, das der Sohn Gottes gehorsam auf sich nahm. Soll das nun so auch für die Gläubigen gelten, daß auch sie so gehorchend ihr Kreuz zur Genugtuung der Gerechtigkeit Gottes zu tragen haben? Von dem Kreuz Christi wird nun eindeutig in der 9.Station: „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ gesagt: „Doch er will das Werk vollebden,das der Vater ihm aufgetragen hat.“

Soll nun diese Aussage des Aufgetragenseins des Kreuzes für jedes Kreuz gelten, das ein Christ in der Nachfolge Christi zu tragen hat? Das Gebot der Nächstenliebe legte es doch näher, die Not leidender Christen abzuwenden zu helfen, als in ihrem Leid einen Beitrag zur Versöhnung mit Gottes Gerechtigkeit wahrzunehmen. Wenn aber in Predigten es heißt, in den leidenden Mitmenschen den leidenden Christus zu recognizieren, dann bedeutete das, nähme man das ernst, daß dies Leiden auch eines uns zum Heile wäre.

Der Apostelfürst Paulus schreibt in seinem Kolosserbrief: „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch fehlt,für seinen Leib, das ist die Kirche.“ (1,24). Soll das nun für jedes Leiden gelten, das einem Christen in seinem Leben widerfährt? Oder wird es nur ein solches Ergänzungsleiden, wenn es ein Christ so als ein Ergänzungsleiden annnimmt und Gott so aufopfert?

Kein Mensch will leiden und kein Mensch soll leiden, das könnte als wohl von allen Menschen anerkannte Position zum Leiden angesehen werden. Nun sagt aber die christliche Religion über das Leiden Christi etwas völlig anderes, wie es auch wder Kreuzweg des „Gotteslobes“ ausdrückt. Verwirrend wird es nun aber, wenn von dem Leiden der Christen in ihrer Kreuzesnachfolge geschrieben wird: Leiden wir Christen dann auch so, daß Gott uns diesen Kelch des Leidens uns zu trinken aufgibt, oder ist das Leiden eher ein Appell an uns, dem leidenden Mitchristen in seiner Not zu helfen?

Diese Unklarheit läßt sich aus dem Kreuzweg des Gotteslobes nicht wegexegetisieren, denn er ist selbst in der Theologie des Kreuzes grundgelegt in der Spannung von dem, der ein Mal für unsere Sünden gestorben ist und der Kreuzesnachfolge, wenn isb in jedem Leidenden Christus als der Leidende recogniziert werden soll.Es scheint so, als wenn einmal das  Kreuz Christi allein heilgenügsam, dann, daß es ergänzungsbedürtig wäre.

Freitag, 6. März 2026

„Wortgottesdienste mit oder ohne Kommunionausteilung? Bei der Frage scheiden sich die Geister.“ Welch eine Confusion!

„Wortgottesdienste mit oder ohne Kommunionausteilung? Bei der Frage scheiden sich die Geister.“ Welch eine Confusion!


Es ist schon fast eine theologische Spitzenleistung, wie viel an Confusion der Kath de Artikel :“Priestermangel prägt die liturgische Praxis.Kranemann: Liturgie lebt von Vielfalt, nicht von Verengung“1 anrichten kann. Ein Liturgieprofessor, Herr Kraenemann stimmt dabei die übliche Laudatiogesänge über die liturgische „Vielfalt“ an, verkennt dabei dann aber, daß man seitens Kath de doch nur daran interessiert war, zum zigsten Male den Priestermangel als einen Vorwand zur Abschaffung des Zölibates und der Einführung des Frauenpriestertumes zu vernutzen.

Statt nun die dargebotenen Confusionen zu dieser Causa nachzuerzählen, versuche ich nun eine kleine Übersichtsskizze zu dieser Problematik.


Erstens muß festgestellt werden, daß ursprünglich es nur eine Gestalt des Gottesdienstes im Alten Bund gab, die des Opferkultes, wobei nach der Errichtung des Jerusalemer Tempels nur noch in ihm dieser Gottesdienstzelebriert werden durfte.

Zweitens: Im babylonischen Exil, da dort die Priester keine Opfer Gott mehr darbringen durften, wurde als ein Surrogat der sog. „Wortgottesdienst“ kreiert, der jetzige Synagogengottesdienst, in dem die Predigt: „Warum sind wir aus unserer Heimat vertrieben worden und was haben wir nun zu tuen?“ im Zentrum stand.

Drittens: Nicht das ganze jüdische Volk kehrte in seine Heimat zurück, viele blieben im Exil als Diasporagemeinden und die hielten dann an der Praxis des synagogalen „Wortgottesdienstes“ fest. Jetzt existierte die Pluralität der Gottesdienste, der des kultischen im Tempel und der des „Wortgottesdienstes“ in der Synagoge.

Viertens: Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und ob der politisch bedingten Unmöglichkeit einer Restitution des Tempels avancierte der Synagogengottesdienst zu der einzigen Gestalt der jüdischen Religion. Die Kirche erschuf nun eine Synthese, indem der synagogale Gottesdienst und das Meßopfer der Eucharistie als die christliche Version des Tempelkultes zu einem Gottesdienst verschmolzen wurde mit der Unterscheidung von der Vormesse, dem Wortgottesdienst und der eigentlichen Messe, der Eucharistie zelebriert als Sacrificium und als Sakrament,

Fünftens: Die Reformation löste diese Synthese auf und erachtete den „Wortgottesdienst“ als den wahren Gottesdienst und reduzierte die Eucharistie auf ein heiliges sakramentalistisches Essen, das den Status eines Appendix des Wortgottesdienstes erhielt, lutherisch ein Mal im Monat, reformiert 4 bis 6 Mal im Jahr zu feiern.



So weit der Überblick. Eine Messe ohne die Eucharistiefeier kann so katholisch geurteilt nur ein defizitärer Gottesdienst sein. Es muß dabei an der Erkenntnis festgehalten werden, daß der „Wortgottesdienst“ ursprünglich nur ein Ersatz für den Tempelkult war.

Die Eucharistie setzt sich nun selbst aus zwei religiösen Praktiken zusammen, der des Opferkultes und der des heiligen Essens, daß entweder etwas Heiliges gegessen wird oder daß mit den Göttern oder mit einem Gott zusammen etwas gegessen wird.

Wenn nun in Folge eines Priestermangels die Eucharistie nicht als heiliges Meßopfer zelebriert werden kann, kann sie sehr wohl noch als das Sakrament des Altares zelebriert werden. Dazu ist kein Priester notwendig, es reicht ein Kommunionausteiler. Die Hostien werden dann als schon von einem Priester gewandelte dem Tabernakel entnommen, um sie an die Gläubigen auszuteilen. Für den gläubig Empfangenden entsteht dadurch kein Nachteil, denn für den gültigen Empfang ist es gleichgültig, ob ein Priester in der Eucharistie erst die Elemente transsubstantionalisiert hat oder ob sie schon vorher gewandelt worden aus dem Tabernakel entnommen werden.

Um den Eindruck einer Meßsimulation zu vermeiden, die ist eine schwere Sünde, empfiehlt es sich, die Liturgie auf die Austeilung und den Empfang der Hostie zu reduzieren: „Das ist mein Leib“

Es gibt keinen legitimen Grund, den Gläubigen das Sakrament der Eucharistie vorzuenthalten, ihnen den Empfang der Kommunion zu verwehren durch eine Reduktion des Gottesdienstes auf einen bloßen „Wortgottesdienst“. Die Zelebration des Meßopfers muß dann zwar ob des Priestermangels entfallen, die Gläubigen können aber gültig das Sakrament der Eucharistie empfangen.


Zudem: Zur Gültigkeit der Eucharistie reicht es, wenn ein Priester die Messe ließt und dann die heilige Kommunion empfängt auch wenn kein sonstiger Gläubiger an dem Gottesdienst teilnimmt. Es ist aber für das Heil der Gläubigen gut, wenn sie so oft es ihnen möglich ist, die hl. Kommunion empfangen und deswegen sollten keine „Wortgottesdienste“ ohne einen Empfang der Kommunion durchgeführt werden,da sonst ihnen ein sehr wichtiges Gut vorenthalten wird.

Jeder Gottesdienst wird in erster Linie zur Ehre Gottes zelebriert, deshalb kann er auch gültig ohne eine Gemeinde gefeiert werden, Um der Gläubigen willen sollte aber stets ein Empfang der Euchariste ermöglicht werden, auch dann, wenn die Feier des hl. Meßopfers in dem Gottesdienst dann nicht möglich ist.

Außerdem sollte die Bedeutung der Realpräsenz Jesu Christi im Tabernakel, in den gewandelten Hostien nicht unterschätzt werden: Der Herr der Kirche ist stets in ihr lebendig gegenwärtig und deswegen versammeln sich die Gäubigen da, wo er schon immer für sie da ist. Jede Kirche ist eben ein Wohnort Gottes, der im Tabernakel, dem Begegnungszelt auf seine Gläubigen wartet.

1Kath de am 3.März 2026.

 

Dienstag, 2. September 2025

Für Liebhaber von Abstrusitäten: „Wie offenbart sich Gott im Gekreuzigten?:“

 

Für Liebhaber von Abstrusitäten: „Wie offenbart sich Gott im Gekreuzigten?:“



Dieser so betitelte Podcast der Internetseite „Communio“ am 1.9.2025 ist kein verspäteter Aprilscherz und auch kein Satirebeitrag sondern ein Kompendium abstrusester Phantasmen, denen die Kreuzestheologie Urs von Balthasar zugrunde liegen soll. So wird dieser Hörbeitrag präludiert: „Für COMMUNIO-Gründer Hans Urs von Balthasar ist das Kreuz der Höhepunkt einer Bewegung der göttlichen Selbstentäußerung. Balthasar ist überzeugt: Der allmächtige Gott offenbart sich in der Ohnmacht des Kreuzes als die reine Liebe.“

Es soll sich nun zuerst auf das Phantasmata der „Ohnmacht des Kreuzes“ kapriziert werden, Der Sohn Gottes soll also ohnmächtig das Kreuz erlitten haben! Es bedarf nun weder einer durchreflektierten Trinitätslehre noch eines in diesem Beitrag so polemisch diffamierten philosophischen Begriffes der Allmacht Gottes, um festzustellen, daß die Aussage des Philiperhymnus, daß Jesus Christus „gehorsam bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper, 1,8) unvereinbar ist mit der Vorstellung eines ohnmächtigen Jesu Christi am Kreuze. Ein grobianisches Beispiel veranschailicht das ad hoc: Wenn ein Mann einer Frau KO-Trophen eingibt, und wenn sie dann ohnmächtig geworden ist, vergewaltigt, dann kann diese Vergewaltigung nicht als ein Gehorsam der Frau dem Vergewaltiger gegenüber interpretiert werden. Das Gehorchenkönnen setzt nämlich denknotwendig den freien Willen des Gehorchenden voraus, sich entscheiden zu können, gehorchen zu wollen oder nicht gehorchen zu wollen. Jesus gehorchte, indem er sich freiwillig dafür entschied, seinem Vater zu gehorchen, das Kreuz auf sich zu nehmen!

Jesus war keineswegs ohnmächtig und hilflos der römischen Besatzungsmacht ausgeliefert. Denn er sagte zu seinen Schülern, als die seine Verhftung durch den Einsatz des Schwertes zu verhindern versuchte: „Oder glaubst du nicht, mein Vater würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darim bäte?“ (Mt 26.53) Urprünglich wird im Hebräischen Gott als der Heer der Heerscharen bezeichnet. Das ist ein militärischer Begriff und besagt, daß Gottes Heerr unzählig groß und aus Soldaten besteht, nämlich Engeln, die sich durch ihre übernatürliche Kriegskraft aussetzen, sodaß man bei der Übersetzung ins Griechische (Pantokrator) oder ins Lateinische (omnipotent) die ursprüngliche militärische Bedeutung nicht wegdiskutieren darf. Diese zwölf Engelslegionen besitzen also so viel Macht, daß die gesamte römische Militärmacht nicht ihr sich entgegenstellen könnte, denn sie wäre wahrlich diesen Legionen gegenüber ohnmächtig.

Jesus zweifelt keine Sekunde, daß Gott, wenn er es wollte, ihm den Kreuzestod ersparen könnte, ihn davor bewahren, denn Gott ist allmächtig und das inkludiert nicht nur, daß er alles, was er will, vollbringen kann, sondern auch, daß er alles hätte wollen können,was er nicht realisiert hat. Er hat die Welt geschaffen, er hätte sie auch nicht erschaffen wollen. So betet er: „Vater,wenn du willst,nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein,sondern dein Wille soll geschehen.“ (Lk 22,42). Der Gehorsam Jesu besteht darin, daß er Gott bittet, das der Wille des Vaters geschehen solle und er dann, wenn es Gottes Wille ist, sein Kreuz ertragen will. Mit der Vorstellung einer Ohnmacht Jesu oder Gottes hat das überhaupt nichts zu tuen. Gott ist so allmächtig, daß in der Kreuzigung Jesu genau da sich Gottes Wille realisierte und Jesus, obzwar er jederzeit die Macht hätte, sich dem Kreuzestod zu entziehen, sich kreuzigen ließ.

Aber woher hatte den der Römische Staat die Macht, die Vollmacht, den Sohn Gottes zu kreuzigen? Auch diese Frage respondiert Jesus eindeutig, indem er zu Pilatus sagt: „Du hättest keine Macht über mich,wenn es dir nicht von oben gegeben wäre“. (Joh 19,11) Die Römische Staatsmacht maßt sich hier also kein Recht an, daß ihr nicht zusteht, sondern sie übt hier die Schwertgewalt aus, die ihr eigens von „oben“ von Gott also übergeben worden ist. Diese Schwertgewalt steht, wie es Paulus Metaphysik des Staates darlegt, im Dienste der Gerechtigkeit Gottes. (Röm 13,1-7)

Wäre Jesus wie der Märtyrer Stephanus gesteinigt worden, dann wäre er nur ein Opfer einer Lynchjustiz geworden, aber da ihn der Römische Staat zu Tode verurteilte als von Gott eingesetztes Schwert im Dienste der Gerechtigkeit, wird er um der göttlichen Gerechtigkeit willen gekreuzigt.1

Auch wenn aus katholischer Perspektive Luthers Theologie als häretisch beurteilt werden muß, kann man schwerlich bestreiten, daß seine Auslegung von: „uns zum Fluche geworden“ wohl die beste ist, deshalb wird sie hier zitiert:

Von Martin Luther

Gal 3,13 Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben (5.Mose 21,23): „Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget“, auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden käme etc.

– Der ganze Nachdruck li„Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen …“ Eine Auslegung von Galater 3,13egt auf dem Wörtchen „für uns“. Christus ist, was seine Person angeht, unschuldig. Folglich mußte er nicht am Holze hangen, aber, weil jeder Räuber nach dem Gesetz ans Holz gehörte, darum mußte Christus nach dem Gesetz des Mose ans Holz gehängt werden, weil er die Person des Sünders und Räubers, nicht eines Einzelnen, sondern aller Sünder und Räuber vertreten hat. Wir sind ja Sünder und Räuber, darum sind wir des Todes und der ewigen Verdammnis schuldig. Aber Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen und ist dafür am Kreuz gestorben. Darum mußte er, wie Jes. 53,12 sagt, unter die Räuber gerechnet werden.

Das haben alle Propheten gesehen, daß der zukünftige Christus der größte Räuber, Mörder, Ehebrecher, Dieb, Tempelschänder, Lästerer etc. sein würde, der durch keinen Verbrecher in der Welt je übertroffen wird.“

Das Kreuz Christi offenbart uns so zuvörderst Gottes Gerechtigkeit, Paulus spricht gar vom „Zorn Gottes“ (Röm 1,18), der so offenbar wird.Nun wird aber in dem Podcast behauptet, daß Gott seine reine Liebe offenbare. Das kann aber schon dewegen nicht stimmen, da zu erst Gott seine Gerechtigkeit hier offenbart, daß er die Sünde straft. In am Kreuze sterbenden Jesus straft Gott die Sünden aller Menschen. Die Liebe zeigt sich dabei daran, daß er statt die Menschheit zu strafen, seinen Sohn stellvertretend straft. Daß Jesus nun die Strafe Gottes auf sich nahm, hat überhaupt nichts mit einer Ohnmacht Gottes zu tuen.

Wie wenig der Sohn Gottes ohnmächtig gewesen ist zwischen dem Karfreitag und Ostern, zeit uns:“So ist er auch zu den Geistern gegangen,die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.“ (1.Petr. 3,19) Die christliche Religion kennt nicht die moderne, auf Epikur zurückführbare Vorstellung von dem Ganztod des Menschen, seiner Nichtung, sondern daß die Seele nach ihrer Trennung von ihrem Leibe alttestamentlich in die Unterwelt eingeht, wo Jesus ihnen nun am Karsamstag das Evangelium predigte.Der Tod ist das Getrenntsein der Seele von Gott, („Warum hast Du mich verlassen, mein Gott?“ ) in dem Hades, in den Jesus zum Heil der Seelen hinanstieg und dort selbst auch dies Getrenntsein von Gott erlittt in dieser Unterwelt.

Die These, daß Gottes Allmacht seine Liebe wäre, ist nun der Gipfel der Abstrusitäten dieses Podcastes! Gottes Allmacht, ursprünglich als realpolitisch als eine Militärmacht gedacht, ist sein Vermögen, alles realisieren zu können, was er will und daß er auch alles realisieren konnte, was er nicht realisieren wollte. Daß er ein liebender Gott ist, muß dabei als eine Selbstbestimmung Gottes gedacht werden, daß es ein Akt der Gnade ist, wenn Gott anderes als sich selbst liebt. Daß Gott sich dazu frei selbst bestimmen konnte und er nicht heteronom zur Liebe zu anderen bestimmt ist, setzt seine Allmacht als sein alles Bestimmenkönnen voraus. Gottes Sein darf ja nicht univok mit dem kreatürlichen Sein verstanden werden, daß seiner Existenz seine Essenz vorausliegte, zu der er sich dann noch kontingent verhalten könnte.2 Alle Bestimmungen Gottes können nur als wahre angesehen werden, wenn es durch einen Akt der Selbstbestimmug gesetzte Bestimmungen sind. Da der Grundsatz gilt: „Omnes determinatio est negatio“ kann eine Selbstlimitierung Gottes nur als eine durch ihn selbst gesetzte gedacht werden. Gott bestimmt sich dazu, Gott zu sein und somit nicht ein Nichtgott zu sein. Das exkludiert alles, was nicht Gott ist. Daß Gott ein den Menschen Liebender sein will, ist somit eine Setzung seiner Allmacht als potentia absoluta und deshalb kann seine Allmacht nicht seine Liebe sein, denn zu Gottes Allmacht gehört konstitutiv auch die Möglichkeit, ein den Menschen Verneinder sein zu können.

Völlig unsinnig ist nun die Behauptung, Gott erweise seine Liebe, indem er den Tod Jesu zugelassen hätte. Es ist sowohl mit der menschlichen wie der göttlichen Liebe unvereinbar, den Tod seines eigenen Kindes zuzulassen, wenn dieser vermieden werden könnte. Zu behaupten, Gott hätte den Kreuzestod nicht verhindern können, widerspricht nun eindeutig dem Gottsein Gottes und dem klaren Zeugnis der hl. Schrift! Mit 12 Engelslegionen hätte Gott seinen Sohn vom Kreuzestod bewahren können, aber er wollte diesen Kreuzestod um der göttlichen Gerechtigkeit willen.











1Am Rande ist zu ereähnen, daß durch die Beteiligung des Hohenpriesters am Kreuztod Chriisti dieser Tod als ein kultisches Sühnopfer zu stehen kommt, das darzubringen die vorhmehmste Aufgabe ja des Hohepriesrters ist.

2Weiterführend hierzu sei auf J.P. Sartres Freiheitsreflexionen verwiesen.

Sonntag, 24. August 2025

Weitere Kernelemente des Entkernunngsprogrammes der christlichen Religion:ein kreuzfreies Christentum

 

Weitere Kernelemente des Entkernunngsprogrammes der christlichen Religion:ein kreuzfreies Christentum


Der Theologe Striet legt nun in seinem Elaborat: „Alte Formeln – lebendiger Glaube“ einen Versuch vor, die christliche Religion gänzlich zu entkernen, wobei aber die Außenfassade stehen bleiben soll, wohl nicht nur aus nostalgischen Motiven, sondern um so unter dieser Maskerade ein ganz anderes „Evangelium“ seiner Leserschaft und der Kirche anzuempfehlen, eines, das eben weit besser bei dem modernen Menschen ankommen würde als das traditionelle.Nun war ja den Juden und den Heiden das Kreuz Christi von Anfang an ein Ärgernis und eine Torheit, um wie viel mehr da dem modernen Menschen. Also muß der Kampf gegen dies Ärgernis aufgenommen werden. Magnus Striet kämpft!

Als erstes argumentiert er mit der Differenz zwischen dem, was er als historisch sich ereignet Habenden konstruiert und der theologischen Interpretation des Geschehenen, wobei die theologische Interpretation als etwas Sekundäres unter dem Generalverdacht steht, das Wirkliche subjektivistisch zu verdeuten1.

So wird dann der historische Kern der „Hinrichtung“ Jesu konstruiert:

„Wer in dem römischen Besatzungsgebiet als Aufständischer vor Gericht gestellt wurde,dem drohte nicht nur die Hinrichtung, sondern sie war ihm gewiss.Am Kreuz hingerichtet wird Jesus als politischer Messiasanwärter wie viele andere Aufständische auch.“2

War er denn ein Aufständischer? „Er hat sich vehement für die Rechte von Benachteiligten eingesetzt, und wer dies tut,betritt das Feld des Politischen.“3Aber das eigentlich Anstößige an ihm war: „Er hat zu dem Gott ermutigt,der sich an die Seite der Armen und Benachteiligten stellt,der ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens errichten wird.“4

Damit soll nun jeder möglichen theologischen Deutung des Kreuztodes Jesu Christi der historische Boden entzogen werden.Er ist als ein Revolutzer mit sozialpolitischer Ausrichtung hingerichtet worden. Aber von dieser historischen Rekonstruktion her wird sofort die kirchliche Lehre vom Kreuztod Christi attackiert:“Die gültige Umsetzung dieses Reiches überläßt er dann ganz der Aktivität Gottes.“ „Daraus begründet sich sein Verzicht auf Gewalt.Wenn er nun sein eigenes Tun mit dem Handeln Gottes identifizierte,er zutiefst davon überzeugt war,dass Gott sein Reich mit den Mitteln der friedfertigen Liebe errichten will,dann kann schon deshalb Gott seinen Tod nicht gewollt haben.Gott musste ihn hinnehmen, wenn er sich selbst treu bleiben wollte.“5 Einfacher gesagt: Wie Jesus so ist auch Gott ein Pazifist und deswegen konnten Beide sich nicht der Hinrichtung Jesu widersetzen!

Daß Gott ein Pazifist sei,ist nun erstens eine völlig absurde Behauptung,die durch die hl.Schrift eindeutig widerlegt wird: In der Sintflut ertränkte Gott die ganze Menschheit bis auf 8 Menschen, er tötete die Erstgeburt der Ägypter, Gott hat sieben Völker im Lande Kanaan vernichtet,Apg 13,19 und in der Johannesoffenbarung 9,18 wird verkündet, daß Gott durch seine Engel ein Drittel der Menschheit töten wird. Einen pazifistischen Gott gibt es nur in den Phantasiewelten liberaler Theologie.Zweitens: Selbst wenn Gott ein pazifistischer wäre,hätte er seinen Sohn auch ohne eine Gewaltanwendung vor dem Kreuzestod bewahren können.

Warum wollten den nun Menschen Jesus töten? Betrieben hätten den Tod Jesu „die vermutlich sadduzäisch orientierten hohen Priester des Tempels.Selbst noch im Heiligtum verübte Jesus seine unverblümte Tempelkritik“.6 Diese Ausdeutung ist nun völlig abwegig, ging es Jesus doch bei seiner Tempelreinigung um die Heiligkeit des Tempels, die er durch die profanen Tätigkeiten der dort tätigen Händler entweiht sah.Die Rausgeschmissenen taten nichts Unmoralisches, aber sie taten Dinge, die der Heiligkeit des Tempels widerspricht.Im Hintergrund steht dabei das kulturprotestantische Narrativ des 19.Jahrhundertes7, daß Jesus eine reine Sittlichkeitsreligion gelehrt hätte in Tat und Wort als die Überwindung der primitiven Religion des Alten Testamentes, in der Gott einen Opferkult mit Priestern wollte. „Jesus fiel Menschen zum Opfer - nicht Gott.“8 Zur Ausschmückung hätte Striet nun noch die in aufklärerischen Zeiten sehr beliebte vulgäre Priesterbetrugstheorie auftischen können, daß die Priester ihren Gott, der zürnt und Opfer verlangt, selbst erphantasiert hätten, um so von den Opfergaben gut zu leben,aber darauf wird hier wohl verzichtet, da dies Narrativ den christlich – jüdischen Dialog stören würde ob der mit diesem Narrativ mitgesetzten Herabsetzung des Alten Testamentes mit dem Jerusalemer Tempelkult.

Aber dieser Theologe möchte nun doch noch eine theologische Alternativdeutung des Kreuztodes Jesu offerieren, um damit endgültig die Glaubensaussage, daß er um unserer Sünden willen am Kreuze als das Sühnopfer sich dargebracht habe, außer Kraft zu setzen: „Vor seiner Menschwerdung konnte Gott nicht wissen,was es bedeutet,einen Schmerz ertragen zu müssen. Ebenso wenig wie er wissen konnte,was es bedeutet,als Mensch geboren zu werden,aufzuwachsen,sich zu freuen,Lust zu empfinden, enttäuscht zu werden oder einsam zu sein.“9 Gott litt also an gravierenden Mängeln und um denen abzuhelfen, nahm er in Jesus das menschliche Leben auf sich,um so diese Defizite zu beseitigen. Vielleicht könnte noch hinzugefügt werden, daß so ein ums Menschliche bereicherte Gott menschlicher zu eins sich verhalten wird, da er nun erst gelernt habe, was es hieße, als ein Mensch zu leben!




1So ist für ihn die Jungfrauengeburt kein reales Ereignis, sondern eine „Metapher für die Wirkmächtigkeit Gottes in der Geschichte“.S.82)und auch das leere Grab ist kaum ein historisches Faktum.(S.101). Magnus Striet,Alte Formeln, lebendiger Glaube,2024.

2Magnus Striet, a.a.O. S.94.

3A.a.O.S.94.Zu bemängeln ist aber,daß hier Jesu vorbildliches Engagement für den Umweltschutz vergessen wird.

4A.a.O. S.94. Diese Deutung Gottes dürfte wohl der Befreiungstheologie sich verdanken.Abwegig ist es aber, Kollaborateure der römischen Besatzungsmacht, die für Rom die Steuern eintreibenden Zöllner als „Benachtiligte“ zu qualifizieren.Sie wurden als Profiteure verachtet.

5A.a.O.S94f.

6Striet, a.a:O. S.93.

7Dazu paßt die Aussage, daß Jesus den Tempelkult substituieren wollte durch einen „Kult“, „der die verhärteten sozialen Verhältnisse und die grassierende Ungerechtigkeit beendet.“ S.95.

8Striet a.a.O,S.95.

9Striet a.a.O. S.96.

Donnerstag, 26. Juni 2025

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!

 

Ein Klassiker: Zum Kampf gegen die Eucharistie – oder wie schwer ist es, das lutherische Narrativ vom Abendmahl zu verteidigen!


Das lutherisch-reformatorische Narrativ zur Lehre vom Abendmahl ist sattsam bekannt und bräuchte keinen Katholiken zu beunruhigen, gäbe es nicht in der katholischen Theologie die Tendenz zur Verprotestantisierung. Dem liegt die Selbstdeutung des Protestantismus als der der Moderne gemäßen Ausgestaltung der christlichen Religion zugrunde, wohingegen der Katholizismus im mittelalterlichen Denken verhaftet, nie in der Moderne heimisch geworden sei, weil er nicht in sie hineinpasse. Katholisch sein könne man halt nur noch in den tiefsten bayrischen Waldgegenden, die noch nicht an die moderne Zivilisation angeschlossen seien, wie Protestanten sich das zurechtlegen, wenn kein katholisches Ohr mithört. So verwundert es nicht, daß dann im Katholizismus eine Modernistenbewegung entstand, die die Verprotestantisierung der Kirche erstrebte, dessen Neuauflage der Synodale Weg ist.


Nach Luther und die ihm Nachfolgenden hat Jesu Christi Sühnopfertod am Kreuze nicht nur jedes weitere Opfer überflüssig gemacht sondern gar verboten, denn jedes danach dargebrachte Opfer der Kirche könnte ja nur die Mißachtung des Opfers Christi ausdrücken. Deshalb sei das Abendmahl von Jesus selbst nur als ein heiliges Essen konzipiert worden, in dem Jesus uns einen Anteil an seinem Heilswerk gibt, indem er uns sein Fleisch und Blut da zum Essen und Trinken gibt. Deshalb dürfe es in der Kirche kein Opfer und keine Priester geben, sondern nur noch einen Predigtgottesdienst, an dem sich eine Abendmahlsfeier anschließen kann, bei den Lutheranern ein Mal im Monat, bei den Reformierten 3 bis 5 Mal im Jahr,denn das Zentrum des Gottesdienstes sei die Predigt, nicht schon allein das Verlesenwerden von Texten der hl.Schrift.

Den Abfall vom christlichen Glauben markiert also, daß die Abendmahlsfeier ein Opfer genannt wird und daß von Priestern gesprochen wird, die dann noch gar dem eigentlichen heiligen Essen voranstünden als wäre es ein kultisches Opfer.

Rudolf Bultmann diskutiert nun in seiner immer noch sehr lesenswerten „Theologie des Neues Testaments“ in dem Paragraphen 13: „Die Sakramente“1 auch das Abendmahl in genuin lutherischer Tradition, stößt dabei aber auf gravierende Probleme.

So heißt es da: „Im Laufe der Entwicklung ist die Eucharistie als Opfer aufgefaßt worden.“ Hier meint Entwickelung natürlich eine Fehlentwickelung, weg vom Ursprünglichen. Dann heißt es: „Wenn sie freilich Did2 14,1 Opfer3 genannt wird, so ist das noch bildlich gemeint, bzw die Eucharistie wird dadurch nur als kultische Handlung bezeichnet, die in der christlichen Gemeinde an die Stelle eigentlicher Opfer getreten ist.“

Die Eucharistie solle somit nur ein Bild eines Opfers und nicht selbst ein Opfer sein! Daß das Bild eines Apfels nicht selbst ein Apfel sei, stellt ein modernes Bildverständnis dar, das so in der Antike und in der Alten Kirche nicht vorausgesetzt werden darf. Im platonischen Denken partizipiert das Bild am Urbild, das es abbildet, und nur so ist es ein Bild. Wenn gar die Eucharistie eine kultische Handlung sein soll, wie könnte sie das, wenn sie keine Opferhandlung wäre. Die Taufe, das andere kirchliche Sakrament, ist ja selbst keine kultische Handlung sondern befähigt erst zur Teilnahme an einer Kultfeier. Wenn nun dann noch geschrieben wird, daß die Eucharistie an die Stelle der eigentlichen Opfer getreten sei, muß das die Frage aufwerfen: Kann denn etwas das Opfer, das im Tempel dargebracht worden ist, durch eine Kulthandlung substituiert werden, die nicht selbst wiederum ein Opfer ist?

Offensichtlich paßt schon diese erste uns bekannte Kirchenordnung nach dem Neuen Testament nicht in das lutherische Narrativ von dem später erst erfolgtem Abfall von dem ursprünglich opferlosen Kult der Urgemeinde.

Leider muß dieser lutherische Exeget einräumen, daß dann schon Ignatius für die Eucharistie „die Opferterminologie“ benutzte, ja Ignatius spricht gar schon von einem „Altar“, bzw von einem „Altarraum“, in dem die Eucharistie gefeiert wurde. Der 1.Klenensbrief versteht dann die Kultdiener in einer Analogie zu den Priestern des Alten Bundes als Priester.

Den Anfang dieser Fehlentwickelung verortet Bultmann dann aber schon in der ´Absonderung der Eucharistie von einer wirklichen Mahlzeit, wie es Paulus initiiert hätte. Ursprünglich sei nämlich das Herrenmahl eine wirkliche Mahlzeit gewesen, „die zur Sättigung der Teilnehmer diente.“4 Unter Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses der hellinistischen Christen stellt Bultmann dann die jeden Lutheraner beängstigende Frage: „ob sich in der christlichen Gemeinde wieder ein Opferkult und ein Priestertum entwickeln werden“?Nur steht dieser Exeget vor dem Problem, daß faktisch schon die Didache die Eucharistie als Opfer verstand und auch wenn es Bultmann nicht zugestehen will, daß in der Antike und somit auch im Urchristentum eine kultische Opferhandlung ohne Priester nicht denkbar war. Es ist so auch nicht überraschend, daß die Aussage des Hebräerbriefes 13,10: „Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen“, nicht in der „Theologie des Neuen Testaments zitiert wird, da das Vorhandensein eines Altares für die Eucharistiefeier nun überhaupt nicht in das lutherische Narrativ paßt. Ein Altar, auf dem nicht geopfert wird, ist kein Altar!

Mt 5,23f: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder,dann komm und opfere deine Gabe.“ bringt nun das lutherische Narrativ in arge Bedrängnis: Wie kann der, der jeden Opferkult zu überwinden kam durch sein allein genügsames Sühnopfer am Kreuze hier die Christen belehren, wie sie zu opfern haben. Bultmann schreibt dazu nur, daß hier „die Beteiligung am Tempelkult als selbstverständlicher Brauch vorausgesetzt“5 wird, ohne zu klären, wie das in der Urgemeinde möglich gewesen sein soll, galt in ihr doch das Ende jedes Opferkultes, wie es Luther uns lehrt. Der Exeget muß gar konstatieren, daß die Urgemeinde „am Tempel und seinem Kult“ festhält.6 Also hat das Urchristentum von Anfang an die Bedeutung des Kreuztodes Jesu Christi mißverstanden, denn sonst hätten sie sich nicht an dem jerusalemer Tempelkult beteiligen dürfen.

Ob allerdings hier wirklich der Opferkult des jerusalemischen Tempels gemeint sein kann, ist fraglich, denn als Mt sein Evangelium schrieb, war der Tempel schon zerstört, sodaß auch ein Christ da nicht mehr opfern konnte, also diese Aussage für den Evangelisten und seine Leser völlig sinnlos sein müßte, wenn es in der Urgemeinde nicht schon eine Möglichkeit des kultischen Opferns gegeben hätte, auf die dann diese Aussage zu beziehen wäre, daß also die Christen ihre Opfergabe zur Eucharistiefeier brachten, daß Brot und Wein dafür vorhanden waren.


Liebe Leser, wir müssen ungeschminkt nun den Tatsachen ins Auge sehen: Erst Luther und vor ihm keiner hat begriffen, daß Jesus den Opferkult abschaffen wollte und nach ihm dann die Aufklärung, etwa Kant!





1Auf die Angabe von Seitenzahlen verzichte ich, da dieses Werk so vielfältig publiziert worden ist.

2Did= Didache, die älteste uns bekannte nachneutestamentliche Kirchenordnung, deren Datierung umstritten ist.

3Im Text: griechisch.

4Alle Zitate aus Paragraph 13.

5Paragraph 2 : Die Auslegung der Forderung Gottes.

6Paragraph 8: Ansätze zur Ausbildung kirchlicher Formen.

Donnerstag, 17. April 2025

Was wäre, wenn Jesus Christus wie der hl.Stephanus einfach gelyncht worden wäre und wenn Gott ihn dann nach 3 Tagen von den Toten auferweckt gehabt hätte?

 

Was wäre, wenn Jesus Christus wie der hl.Stephanus einfach gelyncht worden wäre und wenn Gott ihn dann nach 3 Tagen von den Toten auferweckt gehabt hätte?



Diese recht spekulativ anmutende Frage ist nun aber ein sicherer Weg, das Kreuzererignis zu verstehen, daß und warum da Pontius Pilatus und Kaiaphas mitgewirkt haben. Die Bedeutung ihres Mitwirkens erkennen wir am besten dann, wenn wir sie aus dem Ereignis herausstreichen, um zu fragen, wie sich dies Ereignis verändern würde, strichen wir diese 2 Personen und selbst das Kreuz und reduzierten dann alles auf das Schema;Der gute Jesus wird von aufgebrachten Juden gesteinigt, aber Gott erweckt ihn dann von den Toten nach den drei Tagen.Merke: Wenn wer erkennen möchte, wie wichtig ihm etwas oder eine Person ist, ist der leichteste Weg, sich vorzustellen: Wie würde sich mein Leben ändern, wemn die Person oder ein bestimmter Gegenstand nicht mehr da wären und zwar für immer?

Pontius Pilatus wie auch Kaiaphas agieren in diesem Ereignis nicht als Privatpersonen sondern als Amtspersonen, Durch die Beteiligung der Amtsperson Pilatus rückt das Ereignis in die Sphäre des Staates, des Raumes der Gerechtgkeit präziser formuliert, da hier dieser Staatsdiener als staatlicher Richter fungiert, Durch die Beteiligung des Hohepriesters Kaiaphas rückt das Ereignis in die Sphäre des Kultischen, denn er wirkt hier amtlich als ein besonders ausgezeichnete Priester. Das Amt des Priesters ist wesentlich das der Vermittelung zwischen Gott und den Menschen, daß, sagen wir es mal ganz formal, eine Beziehungsstörung durch die Darbringung von Opfern, so wie Gott sie vorgeschrieben hat, wieder in Ordnung gebracht wird, oder daß Gott so motiviert werden soll, Gnade den Menschen zu erweisen, etwa in der Form von guten Ernten.

Wäre nun weder die Insitution des Staates noch die des Priestertumes des Alten Bundes an dem Karfreitagsereignis beteiligt, wäre Jesus einfach nur einem Lynchmord zum Opfer gefallen, dann wäre dies ein reines privates Unglück Jesu gewesen ohne eine seine Person transzendendierende Bedeutung. Nur seine Auferstehung hätte dann eine, aber welche? Nur die, daß Gott einen Gelynchten zu einem neuen Leben erweckt hätte.

Durch den Staatsdiener Pilatus bekommt Jesu Tod nun aber eine besondere Bedeutung: Im Namen des Staates, der für die Gerechtigkeit zuständig ist, so lehrt es uns der Apostelfürst Paulus, daß er für die Bestrafung der Sünder zuständig ist, wird die verhängte Todesstrafe zu einer Frage, die in dem Vorstellungsraum des Rechtes,der Gerechtigkeit zu stellen und zu respondieren ist. Die theologische Antwort ist nun paradox; Einerseits hat hier der römische Staatsdiener einen, ja den einzig völlig Schuldlosen zu Tode verurteilt und das obzwar Pilatus selbst dessen Unschuld erkannt hatte und andererseits hat er hier den zu Tode verurteilt, der alle Schuld aller Menschen auf sich genommen hatte, sodaß keiner ein so großer Sünder war wie er. Der Staatsdiener verurteilte so genau den, der dies verdient hatte.

Der römische Staat maßte sich nun hier nicht etwas an, was ihm nicht zukäme, nein Jesus Christus sagt ausdrücklich zu Pilatus: Du als Staatsdiener hättest keine Vollmacht über mich, mich zu Tode zu verurteilen oder mich freizusprechen, wenn du diese Vollmacht nicht von Gott selbst erhalten hättest. Die (römische)Staatsgewalt ist also allein dadurch legitimiert, daß der alleinige Herr über alle Menschen dem Staat das Recht zugeteilt hat, Gericht zu halten und so auch Menschen zu Tode verurteilen zu dürfen. In der Amtsperson des Pilatus tat so der römische Staat das, wozu er nach Gottes eigenem Willen da ist. Jesus wurde so um der Gerechtigkeit willen zu Tode verurteilt, er, der alle Schuld von uns Menschen auf sich selbst genommen hatte.



Der Hohepriester ist nun im Besonderen für die Darbringung des Sühnopfers für das Volk zuständig. Durch seine Beteiligung wird die Tötung Jesu zu einem kultischen Opfer, durch das eine Versöhnung Gottes mit den Menschen erwirkt werden soll. Ein nur gesteiniger Jesus wäre nur ein Opfer eines Lynchjustizaktes, aber da nun der Priester des Alten Bundes hier mitwirkte, er veranlaßte die Auslieferung dieses einen, um einen großen Schaden von dem jüdischen Volke abzuwehren und wirkte so ganz im Sinne seines Amtes. Durch ihn erst wird der zu Tode Verurteilte zu dem Sühnopfer, dargebracht Gott für die vielen Sünden der Menschen. In diesem Opferakt erfüllte sich so die Bestimmung des Priestertumes des Alten Bundes. Jesus ist ja nicht gekommen, um den Alten Bund zu nichten, sondern um ihn zu erfüllen. Darum mußte auch der Amtspriester dieses Bundes an der Hinrichtung Jesu teilnehmen, damit sein Tod auch wirklich ein Sühnopfer wurde. Jesus war eben nicht einfach das Opfer eines Justizirrtumes, nicht das Opfer einer aufgehetzten Menschenmenge , sondern das von dem Hohepriester dargebrachte Sühnopfer!

Erst wenn die Tötung Jesu Christi in diesen zwei Sphären des Staates und des Priestertumes des Alten Bundes eingezeichnet und von daher gedeutet wird, kann es in seiner wahren Bedeutung begriffen werden,



„Gründonnerstag: Das letzte Abendmahl“ - was wird daraus in glaubensschwachen Zeiten ? Eine Kritik dieser Liturgie!

 

„Gründonnerstag: Das letzte Abendmahl“ - was wird daraus in glaubensschwachen Zeiten ? Eine Kritik dieser Liturgie!



Daß die Kirche am „Gründonnerstag“ das letzte Abendmahl Jesu feiert und dabei das Fußwaschritual vollzieht, wie es Jesus Christus nach dem Zeugnis des Johannesevangeliumes selbst praktiziert hatte, das gehört zur Tradition der Kirche und ist somit auch in Ordnung: Katholisch ist das, was die Kirche zu allen Zeiten und allen Orten gelehrt und praktiziert hat. Kann aber etwas an sich Richtiges am falschen Ort oder zur falschen Zeit praktiziert zu etwas Falschem werden? Welche Mutter würde bestreiten, daß für das Sichwohlbefinden ihres Kindes die Einnahme von einer Portion Speiseeis von Nöten ist, auch wenn die Mutter dann nicht jedes Mal dem Kinderwunsch: „Eis!, Eis!“ nachkommen wird. Aber wenn das Kind dann mit zur Sonntagsmesse genommen wurde, welche Mutter gäbe ihrem Kinde während der hl. Messe ein Eis zum Essen oder irgendeine sonstige Süßigkeit? Das an und für sich Richtige würde so zu etwas völlig Deplacierten und Falschem.

Könnte das auch für die Praxis des Gründonnerstages gelten? Der Begriff des „Letzten Abendmahles“ suggeriert ja, daß Jesus schon vielmals ein Abendmahl mit wem eigentlich, mit seinen Schülern oder als Gast bei?, eingenommen hätte und nun sein letztes, da er danach am Kreuze sterben würde und darauf nicht mehr zu Abend essen würde. Der Begriff des Abendmahles bezeichnet nämlich nichts anderes als ein Abendessen, das zu mehrt eingenommen wird und das sagen wir mal etwas üppiger ausfällt, als wenn es nur eine Wurstsemmel und ein Glas Bier dazu gäbe. Das Eigentliche, daß hier Jesus Christus zum ersten Mal die Eucharistie feierte, ja dieses Sakrament überhaupt erst einsetzte, verschleiert dieser Begriff völlig. Eine Kontinuität wird hier suggeriert, wo etwas völlig Neues entsteht: die Kultfeier der Kirche.

Wer nahm den an den vielen Abendmählern Jesu teil? Zwei Antworten sind darauf möglich: Entweder nur seine Schüler oder wenn unter diesen Begriff auch die Abendessen subsumiert werden, zu der Jesus eingeladen worden ist, auch die ihn Einladenden und welch eine Provokation auch die Sünder und Zöllner, mit denen er zusammen gespeist hatte. Zur ersten Eucharistiefeier hatte er dagegen nur die 12 Apostel eingeladen, nicht seine Schüler und Schülerin, welch ein grober Verstoß gegen die hl.Prinzipien der Egalität und der Geschlechtergerechtigkeit und auch nicht seine Freunde. Jesus hat gewiß den ihn verraten werdenden Schüler nicht als seinen Freund angesehen, denn er wußte ja, wer sein Verräter sein wird.Diese 12 Apostel hat er dann gar noch zu Priestern geweiht, damit sie dann in der Kirche die Eucharistie zelebrieren können.

Damit stehen wir vor dem zweiten gravierenden Problem des Begriffes des Abendmahles: Wer assoziiert schon mit diesem Begriff den des Kultopfers? Das Eigentliche der Eucharistie ist aber, daß diese Feier an die Stelle des jerusalemischen Tempelopfers tritt: Die Urgemeinde verläßt somit die Ordnung des Alten Bundes mit seinem Zentrum, dem Kult des jerusalemischen Tempels, indem der Herr seiner Kirche die Ordnung des Neuen Bundes, das hl.Meßopfer einstiftete. Seit der Reformation wird der Begriff des Abendmahles gegen die Lehre der Kirche über die Eucharistie, daß ihr Eigentliches die Darbringung des Opfers Jesu Christi ist, instrumentalisiert: Es handle sich dabei nur um ein heiliges Essen und auf keinen Fall um eine kultische Opferfeier. Deswegen, da es sich nur um eine Mahlgemeinschaft handle, könnten und dürften an ihre keine Priester teilnehmen, gar dieser Feier vorstehen. Denn die Alleingenügsamkeit des einen Sühnopfers Jesu Christi verböte der Kirche jede weitere Opferhandlung und somit auch die Existenz von Priestern. Wo nicht mehr Gott geopfert wird, da kann es kein legitimes Priestertum mehr geben. Jesus könne so unmöglich Schüler zu Priestern geweiht haben1.

In glaubensstarken Zeiten hat die Kirche trotzdem von dem „Letzten Abendmahl Jesu Christi“ sprechen können, da sie darauf vertrauen konnte, daß die Gläubigen das Eigentliche dieses Abendmahles verstünden und auch bejahten. Aber das wird man heute so nicht mehr voraussetzen können: In Folge der Ökumene verdunstet doch gerade das Verständnis und die Zustimmung zum spezifisch Katholischen, daß halt wir Christen doch alle irgendwie das Gleiche glaubten, was einhergeht mit dem Verzicht auf das Katholische: Hauptsache, wir begehen gemeinsam das Abendmahl, die dogmatischen Differenzen möge man doch bitte als sophistische Spitzfindigkeiten ablegen.

Das Johannesevangelium stellt nun jeden aufmerksamen Leser bezüglich der Causa der Eucharistie vor ein gravierendes Problem:Warum expliziert Jesus in dem 6.Kapitel des Evangeliumes seine Eucharistielehre,(6,22-71) und nicht kurz vor dem Karfreitag, wie es die anderen Evangelien praktizieren und positioniert dann den Ritus der Fußwaschung dahin, wo eigentlich die Einsetzung der Eucharistie gehörte? Da dies Evangelium die Eucharistielehre in dem 6.Kapitel placierte, füllte es die so entstehende Lücke mit dem Fußwaschungsritual. Die Intention dieser Verortung der Eucharistie in das 6.Kapitel erklärt sich aus der Besonderheit des johanneischen Verständnisses der Eucharistie: Dies betont das Woher der hl.Speise der Eucharistie als das sie Qualifizierende. Nicht die Speisen von „unten“ sondern nur die von „Oben“ könne uns Menschen das wahre Leben, das ewige erwirken. Jesus ist unser Erlöser als der vom Himmel Herabgekommende, der uns zurückführen will in die himmlische Heimat. Er speist uns mit einer Himmelsspeise, der wahren, nicht mit dem Manna der Wüste, damit wir dadurch einen Anteil an dem himmlischen Leben hier auf Erden schon bekommen:unser ewiges Leben. Wegen dieses Verständnisses, das Heil kommt von „Oben“, vom Himmel positioniert das Evangelium in das 6.Kapitel, da es nicht primär die Heilskraft der Eucharistie von der Kreuzigung Jesu Christi her thematisiert.

Die traditionelle Gründonnerstagsliturgie stellt nun das Fußwaschungsritual in den Vordergrund, das ursprünglich Johannes hier eingesetzt hatte, da er die Eucharistie schon im 6.Kapitel exponiert hatte, also als ein Surrogat für die Einsetzung der Eucharistie. Für glaubensschwache Zeiten muß das fatale Folgen zeitigen: Das Eigentliche der Eucharistie wird verdrängt durch dies Ritual, das dann leicht popularisiert werden kann zur Aufforderung, daß jeder seinem Nächsten dienen solle, indem er ihm Gutes tue.Der Auflösungstendenz der christlichen Religion in einen moralistischen Humanitarismus stärkt diese liturgische Ordnung in glaubensschwachen Zeiten.Papst Franziskus Vorliebe, am Gründonnerstag in Gefängnisse zu gehen, um den dortig Einsitzenden dann diesen Liebesdienst zu erweisen, forciert nun noch diese Säkularisierungstendenz. Es ist wohl eine erlaubte Kritik, daß die Einfügung des Rituales der Fußwaschung einem defizitären Verständnis der johanneischen Theologie verschuldet ist, daß da die Bedeutung des johanneischen Dualismuses von „Oben“ und „Unten“ nicht hinreichend erfaßt wurde2.

 

Zusatz:

Die Propaganda des Antikleikalismus verstärkt dann noch die Tendenz, am Gründonnerstag daran zu erinnern, daß Jesus Christus selbst da das Priesteramt in seiner Kirche eingeführt hat und daß so dies "letzte Abendmahl" eine Opferfeier, die des neuen Bundes war und ist.

















1Wenn Luther dann aber doch von einem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen schreibt, so vernutzt er diesen Begriff nur in der negativen Intention der Abschaffung des Amtspriestertumes, ohne dabei mitzubedenken, daß wegen seiner Kreuzestheologie es in der Kirche überhaupt kein Priestertum mehr geben dürfe.

2Es ist das Verdienst des Exegeten R.Bultmann, die Bedeutung dieses Dualismus erfaßt zu haben, darum empfehle ich diesbezüglich seine Kommentare zum Johannesevangelium und seine „Theologie des Neuen Testamentes“ weiterhin gern trotz seines völlig inakzeptablen Entmythologisierungsprogrammes. Bultmann arbeitet dabei das sakramentalistische Verständnis der Taufe und des Abendmahles im Johannesevangelium in bestechender Klarheit heraus, um dann diesen Sakramentalismus zu delegitimieren durch seine These, dies Sakramentenverständnis gehöre nicht zum Urspünglichen sondern sei eine nachträgliche Einfügung einer „kirchlichen Redaktion“,die die Theologie des Johannes nur korrumpiere.