Gewißheiten im Meer des postmodernistischen Relativismus:Totalitäre Staaten bekämpfen die Kirche, liberal ausgerichtete Staaten schützen die Freiheit der Kirche
In unserer Epoche der Postmoderne scheint es nur noch wenige Gewißheiten zu geben, zumindest werden die traditionellen außer Kraft gesetzt, die der christlichen Religion insbesondere. Die Kirche habe so nach den Erfahrungen mit dem Konzept des totalitären Staates eines dazugelernt: Für sie ist nur das System der liberalen Demokratie bejahbar. Die stalinistische und die nationalsozialistische Diktatur bewiesen das hinlänglich.
Um diese Entscheidung der Kirche für das System der westlichen Demokratie zu legitimieren,lag es nahe, sowohl den Nationalsozialismus als auch den Stalinismus als nihilistische Ideologien zu deuten, denen dann das auf die Menschenrechte und Menschenwürde im christlichen Sinne sich auferbauende westliche System gegenübergestellt wird.
Unübersehbar ist nun aber,daß diese zwei Ideologien auch ganz anders interpretierbar sind, daß im Geiste der Postmoderne beide totalitäre Systeme als Wahrheits-diktatuen verstehbat sind, die im „Besitz der Wahrheit“ sich wähnend alles davon abweichende Denken bekämpften: „Es gibt nur eine Wahrheit und jeder, der die nicht anerkennt, ist ein Feind, der zu bekämpfen ist!“ Das könnte auch als die Substanz des Konstruktes jedes totalitären Systemes gedeutet werden. Dann aber gerät die Kirche und somit auch die christliche Religion unter einen Totalitarismusverdacht, da auch sie von der Erkenntnis der Wahrheit ausgeht: In der Kirche ist die Wahrheit als erkannte und als von jedem zu erkennende präsent. Man schaue auf die immer wiederkehrende Kampagne in den Medien, daß der christlicher Fundamentalismus die Demokratie gefährde, da dieser Fundamentalismus von sich behauptet, daß die christliche Religion die einzig wahre sei!
Aber eines so doch sicher: Beide Diktaturen, die stalinistische wie die nationalsozialistische wollten doch die Kirche und die christliche Religion vernichten.
Stimmt das so? Sicher war in der Anfangsphase der Entstehung der Sowjetunion, der leninistischen Phase der Kampf gegen die christliche Religion und die Russisch- Orthodoxe Kirche ein wesentliches Anliegen der Revolutionsregierung. Aber man wird das Verhältnis des Revolutionsstaates unter Stalin zur Russisch-Orthodoxen Kirche als diffiziler betrachten müssen.
Mein Verdacht: Stalin hat von unserem Kaiser Wilhelm gelernt, als der erklärte, daß er nun keine Parteien sondern nur noch Deutsche kenne. Er erklärte den Krieg gegen Deutschland zum großen vaterländischen Krieg, nicht als den Verteidigungskrieg der Errungnschaften des Kommunismus wider den deutschen Faschismus. Zu diesem Kriegskonzept gehörte dann auch die Einbindung der Kirche in diesen Vaterlandsverteidigungskrieg. Meine These lautet also, daß die Russisch- Orthodoxe Kirche seit der stalinistischen Phase nicht mehr von der Kirche unterdrückt und gar verfolgt wurde, solange sie politisch sich dem sowjetischen Staat gegenüber loyal verhielt.Wie im heutigen China die Katholische Kirche nicht verfolgt wird, wenn sie als patriotisch ausgerichtete das chinesische System bejaht und nur die sogenannte „Untergrundkirche“ verfolgt wird, da ihr aus Sicht des Staates eine staatsfeindliche und antipatriotische Haltung vorgeworfen wird.
Das ist nun ein sehr grobes Schema und wird in seiner Abstraktheit nicht der wirklichen Beziehung zwischen diesen zwei kommunistischen Staaten und der Kirche ganz gerecht, aber dies Schema reicht aus, um die simple These, daß jeder totalitäre Staat wesensnotwendig kirchenfeindlich sein muß, in Frage zu stellen.
Aber bei Hitler sei die Sache doch klar: Der wollte von Anfang an die Kirche zerstören. Als der Kronzeuge dafür gilt Rauschnings Deutung des Nationalsozialismus als einer rein nihilistischen Ideologie, die Hitler nur benutzte, um seinen Machtwillen durchzusetzen und da er der Alleinherrscher sein wollte, mußte er die Kirche darum zerstören wollen.
Aber das Parteiprogramm der NSDAP besagte genau das Gegenteil, es bejaht die christlichen Kirchen Deutschlands. Dann muß man eben seine Zuflucht nehmen zu der These,daß die Partei ihr eigenes Programm nicht ernst genommen hätte und in Wirklichkeit etwas ganz anderes vertreten hätte. Dann liegt es ja nahe, in Hitlers Schrift: „Mein Kampf“ die wahre Absicht Hitlers erkennen zu können, die in dem Parteiprogramm dann verschleiert worden sei.
Nur enttäuscht dieses Buch den noch so kritisch Lesenden noch mehr. Hitlers These lautet, daß der Niedergang der christlichen Religion für Deutschland fatale Folgen zeitige, daß um der Abwehr gegen nihilistische Tendenzen die christliche Religion gar notwendig sei! „Die breite Masse eines Volkes besteht nicht aus Philosophen;gerade aber für die Masse ist der Glaube häufig die einzige Grundlage einer sittlichen Weltanschauung überhaupt:“ 1
Ja, da heißt es auch noch darüber„hinaus: „Bemerkenswert ist auch der immer heftiger einsetzende Kampf gegen die dogmatischen Grundlagen der einzelnen Kirchen,ohne die aber auf dieser Welt von Menschen der praktische Bestand eines religiösen Glaubens nicht denkbar ist.“ Hitler urteilt hier also, daß die Dogmenkritik die sittliche Substanz der christlichen Religion destruiere, daß die von der Kirche gelehrte Moral alo in ihrer Dogmatik fundiert sei und deshalb auch zu bewahren sei. Es heißt dann da auch: „Die verschiedenen Ersatzmittel haben sich im Erfolg nicht als so zweckmäßig erwiesen,als daß man in ihnen eine nützliche Ablösung der bisherigen religiösen Bekenntnisse zu erblicken vermöchte.“
Ja, er ermahnt die Kirche, statt in Afrika zu missionieren, Sorge dafür zu tragen, daß nicht noch mehr Menschen sich von der Kirche abwendeten!
Wenn man nun noch beachtet, daß diese Aussagen in dem Kapitel: „Ursachen des Zusammenbruches“ = Ursachen der Niederlage im 1.Weltkrieg getätigt sind, müssen sie den Leser irritieren, hätte man doch mutmaßen müssen, daß ein so antichristlich eingestellter Hitler den Kirchen eine Mitschuld an dieser Niederlage zuschreibt.
Meine These: Der nationalsozialistische Staat war nicht an sich kirchen- und religionsfeindlich, aber er bekämpfte Christen dann, wenn sie aus ihrem Glauben politische Konsequenzen zogen, die dieser Staat nicht bereit bereit war, zu tolerieren.
Politisch wäre es auch sehr unklug, wenn die Partei sich als die antikommunistische Kraft profilieren wollte, ich folge hier Ernst Nolte, die Kirche als Feind anzusehen, statt sie als einen Verbündeten gegen den kommunistischen Atheismus anzuerkennen, was im Gefolge des Präventivkrieges gegen Rußland 1941 dann auch getan wurde.
Weder ist der Stalinismus noch der Nationalsozialismus wesensnotwendig antichristlich bzw antikirchlich, es sind politische Ideologien, die dann aber Christen bekämpft, wenn diese politisch oppositionell agieren.
Erst nach 1945 wurde der Mythos von dem Nazi-Staat, der die Kirche bekämpfte, hervorgebracht, um im Kampfe gegen den Kommunismus in der Kirche die guten Deutschen zu finden, die nicht für Hitler waren und so nun gute Verbündete gegen Stalin sein konnten.Bis 1945 galten ja alle Deutschen als „Nazis“- wie hätte dann der Westen mit uns Westdeutschen Front gegen den Osten machen können? Es mußten erst „gute Deutsche“ gefunden werden, die Antinazis waren, keine Kommunisten und keine preußischen Militärs, da das Preußische ja als der Hort des Bösen von den Siegermächten verteufelt wurde- da fand man nur die Christen, die objektiv die Feinde des Nationalsozialismus waren, weil dieser sie vernichten wollte und die dann auch teilweise subjektiv den Kampf aufgenommen hatten wider Hitler und jetzt so gegen die Kommunisten zu kämpfen hätten.
Der Liberalismus avancierte nach 1945 dann zu der antitotalitären Ideologie, der die Kirche dann auch zustimmte. Damit verschob sich aber die Interpretation der totalitären Ideologien im postmodernen Denken dann: Sie galten nicht mehr als nihilistisch sondern als totalitär, weil sie antiliberal ausgerichtet Wahrheitsdiktaturen waren , da sie von ihrer Wahrheit als der einzig wahren überzeugt alle anderen Weltanschauungen bekämpften im Namen ihrer Wahrheit.
1Adolf Hitler, Mein Kampf, Kapitel: Religiöse Verhältnisse, im 10.Kapitel: Ursachen des Zusammenbruches.
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