Posts mit dem Label Personalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Personalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. August 2026

Jesus begegnen – aber Nein zu seiner Lehre sagen!

 

Jesus begegnen – aber Nein zu seiner Lehre sagen!





>Das Christentum<, schreibt Kierkegaard, ist ">eine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung<“. Zur Wirkungsgeschichte: „Zum ersten Teil der Wendung findet sich (bevor es zur Phrase gerann) auch bei wichtigen katholischen Theologen wie Hans Urs von Balthasar, Karl Rahner oder Joseph Ratzinger ein Echo: Kein abstraktes Regelwerk habe Jesus verkündet, sondern er selbst, als Ereignis, sei die Botschaft, bei welcher alles auf lebendige >Begegnung<ankomme“1



Fast die gesamte Theologiegeschichte der Kirche wird damit als ein einziger Irrtum abgetan. In liberalen Kreisen, nicht nur bei dem liberalen Theologen Adolf von Harnack bekommen wir mitgeteilt, daß der erste Irrtum der Kirche der gewesen wäre, aus dem lehrenden Jesus von Nazareth eine Lehre über ihn zu produzieren, denn er selbst gehöre gar nicht in die Lehre, sondern er habe nur etwas über...gelehrt und nichts über sich selbst. Aber im Ungeiste dieses Philosophen geht man weiter: Jesus habe auch nicht gelehrt, sondern er sei nur Menschen begegnet, und das sei das eigentliche Heilsereignis.

Antiintellektualistisch gestimmt wird dabei Lehre, als ein „abstraktes Regelwerk“ denunziert, der lebendigen Begegnung entgegengestellt. Das hat nun zur Folge, daß der Sohn Gottes auch nichts außer sich als uns Begegnenden offenbart, sodaß es gar keine auf seine Offenbarung fußende Lehre geben könne.

Die Intention dieser Liquidierung der Lehre Jesu Christi, als Genitivus subjektivus, was er lehrte und als Genitivus objektivus zu lesen, was über ihn gelehrt wird, ist klar: All das darin uns Modernen Anstößige und nicht mit den Dogmen der Moderne Kompatible soll aus der Kirche exkommuniziert werden. Jesu Weltbild sei eben doch so voraufklärerisch antik, daß es für uns Heutigen einfach irrelevant sein kann.

Was unterscheidet denn nun ein Begegnungsgeschehen mit Jesu von der Alltagsphrase: „Schön, Dich mal wieder gesehen zu haben“? In einem emphatischen Sinne verstanden könnte an die Begegnung zweier füreinander Bestimmter in dem Genre des Liebesfilmes gedacht werden: Sie erkennen sich als füreinander Bestimmte, ihre Begegnung ist ihr Schicksal.2 In einem humanistischen Sinne meint die Begegnung eher der Akt des sich wechselseitig Anerkennens. Das: „Du bist in Ordnung und ich bin in Ordnung“ spiegelt der mir Begegnende wieder: „Auch Du bist in Ordnung und auch ich!“ Das sei dann die Quelle allen humanen Miteinanderumgehens.

Daß Jesus ein Heilswerk für uns gewirkt habe, uns etwas offenbart hat, daß nur wahr ist, weil er es in der Autorität des Sohnes Gottes gelehrt habe, ist damit völlig ausgeschlossen.

Das einstige Heilsvermittelungsinstitut der Kirche wird so zu einem Orte des Sichbegegnens und der geselligen Kommunikation, in der es nicht auf den Gehalt des Kommunizierten ankommt sondern allein darauf: Hauptsache, wir haben miteinander, wo rüber auch immer,geredet.

Ideengeschichtlich ordnet sich diese Begegnungs-philosophie etwa Bubers und Levinas und der ihr folgenden Theologien ein in die rabiate Abkehr von der Philosophie des deutschen Idealismus, etwa der Wissenschaftslehre Fichtes und der Philosophie Hegels, in deren Nachfolge dann auch Karl Marx stand hin zum Subjektivismus, den Georg Lukacs in einer polemischen Überspitzung als die Zerstörung der Vernunft kritisierte, aber dabei doch eine objektive Tendenz dieser Zeit erkennt, daß der Vernunft immer weniger zugetraut wird, die Wahrheit zu erkennen.

Ein solcher Vernunftskeptizismus muß sich nun auch verheerend auf die Theologie auswirken, wird doch dem Denken an sich, und somit auch dem theologischen die Befähigung zum Erkennen abgesprochen. 

Der christlichen Religion liegt die große Erzählung von Gottes Schöpfung, dem Fall des Menschen und wie Gott ihn erlösen will durch das Erösungswerk Jesu Christi zugrunde. Damit diese Erzählung begriffen wird, muß sie in eine Lehre transformiert werden, die das Ganze begreift und so in die Lehre aufhebt und somit ihre Wahrheit zum Ausdruck bringt.



1 Communio 23.8.2026 :Der Einzelne: Sören Kierkegaards bleibende Herausforderung.

2Wunderbar in Szene gesetzt in der Erstbegegnung zwischen Laura und Alexander in der ersten Folge von: „Sturm und Liebe“.

Sonntag, 23. August 2026

„allein vor Gott stehen“ - eine Kritik eines überspannten Antikatholizismus

 

allein vor Gott stehen“ - eine Kritik eines überspannten Antikatholizismus





Eine alte Dame (ich kannte sie sehr gut), deren Treue zur Institution von niemandem zu übertreffen war, wenige Jahre vor ihrem Tod, wie beiläufig: >Am Ende werde ich allein vor Gott stehen. Nur ihm muss ich dann Rechenschaft ablegen. Ganz persönlich. Kein Papst und keine Kirche kann mir dabei helfen.<" 1 Der in diesem Artikel gefeierte Philosoph Sören Kierkegaard hätte es nicht besser formulieren können.

Ein Verhängnis wäre es für die katholische Theologie und Kirche, brächten sie das Gespräch mit der Philosophie ab, um sich in einen abseitigen Biblizismus einzumauern,denn ohne die Wissenschaft oder die Weisheit des Denkens, die Philosophie kann die Theologie als das Denken über Gott nicht auskommen. Das in der Bibel Ausgesagte soll eben begriffen werden, sonst wäre der christliche Glaube kein menschlicher Glaube, von ihm vollzogener. Nur ist nicht jede Philosophie gleichermaßen geeignet für den katholischen Glauben.

Das gerade zitierte Bekenntnis ist ein durch und durch antikatholisches Bekenntnis, dem sogar Luther nicht hätte zustimmen können, denn so antikatholisch war nicht mal dieser Reformator.Denn nach seiner Lehre kommen uns Christen, wenn und wenn wir wirklich Jesum Christum glauben, seine Verdienste zugute, sodaß wir nur um seiner Gerechtigkeit und nicht um einer unserigen willen im Endgericht vor Gott Erbarmen finden können. Nackt, unbekleidet mit Jesu Christi Gerechtigkeit bestünde kein Mensch im Gericht Gottes.

Nach der katholischen Lehre kommt einem gläubigen Katholiken, steht er post mortem vor seinem göttlichen Richter, der Gnadenschatz der Kirche, die Verdienste Jesu und aller Heiligen zugute und alle für ihn gelesenen Messen und Gebete zugunsten des Verstorbenen. Nie steht er als Einzelner, nackt vor dem Richterstuhl Gottes sondern als Glied der Kirche bekleidet mit diesem Schutzmantel. Isb stehen wir als die Kinder unserer Himmelsmutter vor dem dreieinigen Gott und so nie ohne eine Hilfe. Keine Kirche könne uns helfen, das ist wirklich purster Antikatholiizismus.

Kierkegaard bekämpft eben laut diesem Communioartikel die Erkenntnis Cyprians, daß niemand Gott zum Vater haben könne, der die Kirche nicht als seine Mutter habe.

Prinzipieller gedacht: Wer denkt und das Gedachte artikuliert, gar verschriftlicht, kann dies nur tuen, indem er eine bestimmte Sprache dazu verwendet. Nicht verhält es sich dabei nun so, daß vorrangig wir in unserem inneren Denken unsprachlich denken könnten und daß wir dann nur unser eigentliches Denken in eine bestimmte Sprache formten, um mit anderen kommunizieren zu können, unser Denken also so vermitteln. Einen Gedanken können wir nur in einer bestimmten Sprache, ohne eine bestimmte Sprache denken, ohne sie, in meinem Falle die deutsche, könnte ich keinen einzigen Gedanken denken.

Das System der deutschen Sprache ermöglicht mir so erst, individuierte Gedanken zu denken. Schachspielen kann nur, wer das Regelsystem dieses Spieles kennt. Es determiniert nun nicht die Spielzüge eines Schachspielers sondern ermöglicht ihm erst, sinnvoll Züge kontingente, frei gewollte vollziehen zu können. Das Allgemeine ist so nicht etwas dem Individuieren, dem Einzelnen oppositionell Entgegengesetztes sondern erst der Ermöglichungsgrund eines individuellen Lebens.

So geht auch der Glaube der Kirche dem Glauben des Einzelnen voraus, ermöglicht einen persönlichen Glauben als individuierende Aneignung des Glaubens der Kirche. Selbst in unserem intimsten Denken denken wir, in meinem Falle in der deutschen Sprache und partizipieren so an diesem Allgemeinen, das meinem Privatdenken vorrausliegt.

Kierkegaards Philosophie kann nur in einer Zeit entstehen, in der der Mensch von sich selbst völlig entfremdet ist und in der diese Entfremdung als ein unaufhebbares Schicksal mißverstanden wird, daß jeder Einzelne nur als ein Einzelner existiert und nie zu einem Gemeinschaftsleben finden kann, da er in seiner Selbstisolation verharrt. Für dies Denken kann es weder die Ordnung der Ehe, der Familie, des Volkes noch die der Kirche geben, da sich hierin jeder,wenn er sich im Sinne Kierkegaards versteht, in sich selbst abschließt von allem Gemeinschaftlichen. Aber da er nun denkt, gar philosophisch kann er dieses nur, indem er an dem Anteil nimmt, einer bestimmten Sprache, die er dann im Denken ableugnet. 

Zusatz: 

"Das Christentum, schreibt Kierkegaard, ist >keine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung<".Damit sagt dieser Philosoph , daß Jesus nicht gelehrt habe, und daß Jesus so schon im Neuen Testament völlig mißverstanden wurde, da hier von seiner Lehre geschrieben wird, als Genetivus subjectivus: Er lehrte und als Genetivus objectivus, daß über ihn gelehrt wurde. 



1 Communio 23.8.2026 :Der Einzelne: Sören Kierkegaards bleibende Herausforderung.

Dienstag, 11. August 2026

Der Personalismus – ein Gift für die Katholische Kirche und ihre Theologie?

 

Der Personalismus – ein Gift für die Katholische Kirche und ihre Theologie?



Um ein mögliches Mißverständnis sofort abzuwehren: Nicht ist hier damit gemeint, daß die wahre Theologie rein biblisch zu sein hätte und daß dann durch die Einflüsse der Philosophie die Theologie und dann auch die ganze Kirche kontaminiert worden seien. Denn die Theologie ist eine Denktätigkeit und da die Philosophie die Wissenschaft oder die Kunst des Denken ist, kann eine Theologie schon immanent nie ohne ein philosophisches Denken auskommen; das Philosophische ist und kann ihr nichts Äußerliches sein.

Aber nicht jede Philosophie ist gleichermaßen geeignet für die Theologie. Der Personalismus ist nun eine unter vielen Philosophien, die aber durch den polnischen Papst Johannes Paul II und mit der Unterstützung französischer Theologen in die Kirche sich eingeheimatet hat.


Hier soll nun eine Grobskizze der Anliegen dieser philosophischen Schule versucht werden. M.W reüssierte diese Philosophie in Polen wie auch in Frankreich an den Universitäten, in den polnischen, die vom orthodoxen Marxismus bestimmt wurden und in den französischen, in denen diverse nicht dogmatische Marxismen den Ton angaben als einer Alternativkonzeption. In der Tradition des Marxkritikers Stirner und des Hegelkritikers Kirkegaard wurde den großen Sytemdenkern der Vorwurf gemacht, daß sowohl der Mensch in seiner individuellen Eigenart wie auch jedes einzigartige Ereignis in ihrem Systemdenken zugrunde ginge. Die politische Praxis der Verabsolutierung des Staates und das kollektivistische Denken zerstöre die Freiheit des Einzelnen. Daraus generiert sich die große Nähe zum Liberalismus als der antisozialistischen Ideologie.

Das Besondere ist nun, daß im Zentrum der Einzelmensch als einer Person steht, die erst durch ihre Interaktion mit einem „Du“ zu einem wahren „Ich“ würde. Der KI faßt dies Anliegen so zusammen, ohne dann aber auf die Bedeutung der Begegnungsrhetorik einzugehen:

Der Personalismus ist eine philosophische Strömung, die den Menschen als Person und dessen absolute Würde in den Mittelpunkt stellt. Er betrachtet die Person als den höchsten Wert und als Schlüssel zum Verstehen der Wirklichkeit.

  • Die Person als höchster Wert: Jede einzelne Person besitzt eine unverletzliche, absolute Würde, die nicht an Nützlichkeit, Leistung oder gesellschaftliche Funktionen gebunden ist.

  • Der „Dritte Weg“: Der Personalismus entstand vor allem im 20. Jahrhundert als Gegenentwurf sowohl zum egoistischen Individualismus als auch zum unterdrückerischen Kollektivismus (wie Kommunismus oder Faschismus).

  • Beziehungsfähigkeit: Eine Person ist für den Personalismus kein isoliertes Wesen, sondern lebt wesentlich in Gemeinschaft, Verantwortung und Solidarität mit anderen (Mitmenschen und Gott).“


Für die Theologie sind nun diese Folgen des Personalismus gravierend: Die Struktur: Gott – Kirche – Gläubiger wird ersetzt durch die: Gott – Gläubiger- Kirche. Die Kirche vermittelt nicht mehr zwischen Gott und dem Einzelnen sondern der von Gott unmittelbar Affizierte vergeselligt sich mit den anderen Gläubigen zu einer Kirche. Der persönlich- individuelle Glaube ist das Zentrum dann auch der Vergeselligung ähnlich Glaubender. Diese persönliche Glaube generiert sich entweder direkt aus einer Begegnung mit Jesus, bzw aus der Begegnung mit vom Jesusglauben Erfüllter.Gott, bzw Jesus offenbarte dann auch keine Glaubenswahrheiten, Wahrheiten, die in der Form von Aussagesätzen gar zu einem Lehrsystem der Kirche verobjektiviert werden könnten, sondern in der personalen Begegnung erlebt und erfährt der Mensch sein unbedingtes Angenommensein von Gott in seiner Liebe zu uns. Das konstituiert den Wert des Menschen als einer einzigartigen Person, die so nun zum Zentrum der Morallehre und des ganzen politischen Lebens aufzusteigen habe.


Das ist so, als wenn sich 7 Menschen mit je einer eigenen Privatsprache ausgestattet, begegneten, um dann, um sich wechselseitig verständigen zu können, aus ihren Privatsprachen eine gemeinsame erschüfen, die sie dann in ihrem Verein als die Gemeinsprache verwendeten. Aber diese Gemeinsprache signalisiere dann auch schon einen Verlust an der ganz individuellen Sprache, die nur der Person wirklich gerecht wird. Der „persönliche Glaube“ zähle, sei der „wahre“ und nicht der der Kirche. Gilt in der katholischen Kirche, daß die notwendige Voraussetzung des persönlichen Glaubens der Glaube der Kirche ist, der individuierend sich anzueignen ist, so degradiert nun der Glaube der Kirche zu einem Abstraktum, das genau genommen dem persönlichen, dem wahren nie ganz gerecht würde.1


In der Moraltheologie führt der Personalismus zu dem Problem, daß ein Gemeinwohl nicht mehr denkbar ist, das über das Ziel des Wohlergehens aller Einzelpersonen hinausgeht. Wenn es kein Volk gibt, aber auch keine Familie, sondern nur Personen, die Beziehungen eingehen, dann entschwindet das Sozialleben, es wird verprivatisiert.Frappierend ist dabei, das die Ordnung des Staates dann primär als eine Gefährdung der Privatfreiheit vorgestellt wird und nicht als das Organisationszentrum eines gemeinsamen Lebens. 

Im Alten Bund ist der Bund Gottes Beziehung zu seinem Volke Israel, der Neue Bund ist der mit dem neuen Volk der Kirche, stets ist der Einzelne als ein Glied des jeweiligen Volkes, des Volk Gottes gemeint. Die "personale" Beziehung ist dagegen eine abgeleitete. 



Diese Grobskizze soll später erweitert werden und dient nur einer ersten Orientierung..


1In dieser Perspektive könnte auch Adornos „Nagative Dialektik“ kritisch gelesen werden.

Sonntag, 26. Juli 2026

Hat das Gemeinwohl etwas mit der Religionsfreiheit zu tuen?

 

Hat das Gemeinwohl etwas mit der Religionsfreiheit zu tuen?


Spontan dürfte die Antwort „Ja“ lauten, denn es ist doch für ein friedliches Miteinander günstig, wenn jeder Bürger seine eigene Religion frei ausüben könne und auch das Recht besitzt, nicht religiös zu sein.

Aber selbst da erhebt Marcel Lefebvre einen Einwand. Es sei ihm hier das Wort gegeben: „Kommen wir nun zu einigen weiteren Gebrechen der Religionsfreiheit,die noch fundamentaler sind. Die Argumentation des Konzils beruht im Grund auf einer falschen,personalistischen Auffassung des Gemeinwohls, das hier auf die Summe der Einzelinteressen reduziert ist, wie man sagt,auf die Respektierung der Rechte der Personen auf Kosten des gemeinsamen Werkes.das zur größeren Ehre Gottes und zum Wohl aller zu vollbringen ist,“ 1

Papst Johannes XXIII wird dann dazu so zitiert: „>Für das heutige Denken<,schreibt er,>beruht das Gemeinwohl vor allem in dem Schutz der Rechte und Pflichten der menschlichen Person>.“2


Das Allgemeine, auf das sich das Ziel des Wohlergehens bezieht, ist nicht die Summe der Privatinteressen der Einzelbürger. Es fehlt nun eine positive Bestimmung des dem Privatbürgers übergeordnetem Allgemeineren. Für den politischen Diskurs im Kontrast zu einem humanistischen ist das das Volk, das sein Leben im Nationalstaat als selbstbewußtes führt. Wenn nun die Rechte des Einzelnen verabsolutiert werden, stellt das eine Gefährdung des Allgemeinwohles dar.

Nur, was hat diese Einsicht mit der Frage der Religionsfreiheit zu tuen? Was soll man sich bei der Formulierung: „des gemeinsamen Werkes.das zur größeren Ehre Gottes und zum Wohl aller zu vollbringen ist,“ denken? Das gemeinsame Werk meint die Religionsausübung, die um des Gemeinwohles willen zu vollbringen ist. Pointiert formulierter: Unser Wohlergehen ist von der rechten Gottesverehrung und dem Ja zur wahren Religion abhängig.

So irritierend dieser Gedanke auch erscheinen mag, wird er doch einsichtig, wenn bedacht wird, daß einerseits Gott der Spender aller guten Gaben ist und daß es ihm andererseits nicht gleichgültig sein kann, ob er gemäß seinem offenbarten Willen geehrt wird oder nicht. Näherliegend ist nun wohl der Gedanke, daß für das Wie des Miteinanders und der Einsicht in die Bereitschaft der Unterordnung des Bürgers unter das Allgemeinwohl die wahre Religion förderlich ist.

Für das Alte Testament ist es eine selbstverständliche Wahrheit, daß das Wohlergehen des jüdischen Volkes abhängig ist von der rechten Gottesverehrung. Kaiser Konstantin förderte die christliche Religion, nicht primär als eine Privatperson, sondern weil er von seinem Beruf her für die rechte Gottesverehrung zuständig war um des Wohlergehens des römischen Volkes.

Ein heute völlig verworfener Gedanke muß aber noch mitbedacht werden: Gott kann auch zürnen, wenn er nicht recht verehrt wird, wobei die rechte Gottesverehrung nicht als reine Privatangelegenheit gemeint ist. Die privaten Sünden straft Gott an dem Einzeltäter, die öffentlichen an dem Volke, dass sie begeht. Das Gericht Gottes über Sodom und Gomorrah war keines über die vielen Privatsünden. Daß das Gemeinwohl nichts mit der rechten Gottesverehrung zu tuen habe, ist ein erst in der Moderne aufgekommender Gedanke, dessen Wahrheit bezweifelt werden kann.


1Marcel Lefebvre, Sie haben ihn entthront, 1988, S.206.

2A.a,O.

Mittwoch, 22. Juli 2026

 

Offenbart Gott uns noch etwas oder mißfällt das Offenbarte, sodaß es wegtheologisiert wird?


KI informiert über das „instruktionstheoretische Offenbarungs-verständnis“.1 Dieses Verständnis „betrachtet göttliche Offenbarung primär als Belehrung und Mitteilung von Glaubenswahrheiten. Gott teilt sich hierbei nicht direkt als Person mit, sondern instruiert den Menschen durch Satzsätze, Dogmen und Gebote, die unhinterfragt aufgrund der göttlichen Autorität geglaubt werden müssen.

Dieser Ansatz war über Jahrhunderte in der katholischen Theologie vorherrschend und wurde insbesondere auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869–1870) vertreten.“

Auch wenn in diesem KI-Beitrag eine hyperkritische Tendenz unüberlesbar ist, so ist das doch eine treffende Darlegung dieses Offenbarungsverständnisses, das so schon prägend ist für die hl.Schrift und dann in der theologischen Reflexion so begriffen wurde.Wenn Propheten im Auftrage Gottes sein zukünftiges Handeln voraussagten, dann beansprucht eine solche Prophetie allein aus der Autorität Gottes ihre Wahrheit. Das gilt isb auch für die Johannesoffenbarung. Gott als der oberste Gesetzgeber ist so aber auch der Grund der Wahrheit der uns offenbarten Gesetze. Nicht „unhinterfragt“ sondern wegen der Einsicht in Gottes Autorität wird das von ihm Offenbarte also geglaubt. Gottes Gebote sind wahr, weil er der Gesetzgeber schlechthin ist, Gott ist der Herr der Geschichte,und deswegen wird das von ihm uns durch Propheten Vorausangekündigte auch geschehen.

Jesu Haupttätigkeit war die des Lehrens, und so gab es eine Lehre Jesu, als Genetivus subjectivus und nachösterlich eine Lehre über ihn, als Genetivus objectivus,die schon das Neue Testament bezeugt. Aber genau diese Lehrtätigkeit Jesu Christi gerät nun in das Fadenkreuz der Kritik der Konzeption der „ Selbstmitteilung Gottesals der Antithese zu diesem instruktionstheoretischen Offenbarungsverständnisses.

Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) und dessen Dokument Dei Verbum fand ein Paradigmenwechsel statt. Die Kirche wandte sich vom instruktionstheoretischen Modell ab und hin zum Modell der Selbstmitteilung Gottes. Hierbei steht nicht die Belehrung durch Lehrsätze im Vordergrund, sondern die personale Begegnung und die lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Die „personale Begegnung“ meint nun nichts anderes als die „lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Das „und“ ist hier als ein explikatives zu lesen, im Sinne von: „das ist...“

Der Gehalt ist einzig der des Geliebtwerdens, des Bejahtwerdens durch Gott in der Begegnung mit Jesus. Im Hintergrund steht ein humanistisches Begegnungsverständnis der gelungenen Begegnung:

Ich bin in Ordnung und Du bist in Ordnung!“ Drei mißlingende Begegnungsschemata stehen dem gegenüber: erstens das hysterische: „Ich bin in Ordnung, Du aber nicht!“, das depressive: „Ich bin nicht in Ordnung, Du aber bist es!“ und das verfehlteste: „Ich bin nicht in Ordnung und Du bist nicht in Ordnung!“

Als gelungen gilt dann nur das Schema der Anerkennung: „ Du und ich sind in Ordnung!“ Genau das ereigne sich nun in Gottes Selbstmitteilung in Jesu. Die ganze Morallehre der Kirche sei also aus dieser Begegnung zu deduzieren, und alle Gebote Gottes und Kirchengebote können dann nur noch eine Geltung beanspruchen, wenn sie kompatibel sind mit der Zuwendungserfahrung des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott.

Gott gibt uns so keine Gebote, er offenbart uns nur sein Liebesein und schon gar nicht kündigt er uns prophetisch Zukünftiges voraus. Die Johannesoffenbarung wie auch alle apokalyptischen Texte der Bibel sind so nur religiöse Phantasieprodukte und keinesfalls gründen sie in einer Offenbarung Gottes.

Auch die Lehrtätigkeit Jesu, schon gar nicht seine Kontroversen mit seinen Berufskollegen, den pharisäischen Gesetzeslehrern gehören so zum Eigentlichen Jesu: Er konzentrierte sich eben darauf, in seinen Begegnungen seine/Gottes Liebe zu jedem unmittelbar erleb- und erfahrbar zu machen! „Ich habe Euch doch alle lieb!“

Diese Konstruktion der gelungenen Begegnung ist nun offenkundig ein Produkt der Philosophie des Personalismus und hat mit der Denkwelt der Bibel und der auf sie fußenden Theologie wenig gemein, aber gehört in das Archiv des Liberalismus, gerade in seiner Abneigung gegen alles Dogmatische und Systematische: Nur der Einzelne und das Einzelereignis zähle, alles andere sind intellektualistische Konstruktionen, denen keine Realität zukäme- das Credo des Nominalismus.

Und wozu dient dieser personalistische Reduktionismus? So kann man sich die ganze Lehre der Kirche, die dogmatische wie die moraltheologische vom Halse schaffen und substiuieren durch einen Humanitarismus, basierend auf dem Credo des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott. 

Zusätze

Ein Lehrer- Schüler Verhältnis ist kein persönlich personales sondern ein sozial regulierte der Ordnung des schulischen Unterrichtens. Jesus war zuvördest ein Lehrer, er agiert aber auch als ein Amtsinhaber, als Messias und nicht als eine Privatperson. Seine Berufung bestand darin, sich priesterlich als das Sühnopfer am Kreuze darzubringen: das hat nichts zu tuen mit einer "persönlichen Begegnung". Zudem gilt, daß die Begegnung im emphatischen Sinne ihren Sitz im Leben im Genre des Liebesfilmes hat, wo zwei sich in einem Augenblick als füreinander Bestimmte erkennen, filmästhetisch brillant inszeniert in der 1.Folge von "Sturm der Liebe", zwischen Laura und Alexander.  



1Aufgerufen bei KI unter diesem Stichwort. Nach meinen bescheidenen Erfahrungen mit KI : Was ich da finde, zeichnet sich durch eine gute Qualität aus.

Sonntag, 19. Juli 2026

Leihmutterschaft – ein Skandal

 

Leihmutterschaft – ein Skandal




Zuvor hatte Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) eine neue Debatte über Leihmutterschaft ausgelöst. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten mitgeteilt, dass sie beide Eltern geworden seien. Der Sohn mit Namen Georg kam demnach in den USA zur Welt und wurde von einer Leihmutter geboren.“1

Das war nun der Anlaß zu einer sehr lebhaften Debatte über die Frage der Leihmutterschaft,die sich nicht gerade durch ihre Sachlichkeit vortat. Ein großes Kompliment muß ich deswegen einem auf „Communio“ veröffentlichten Leserkommentar machen, in dem aus moraltheologischer Perspektive die richtigen Fragen zu dieser Causa gestellt wurden:2

Zwei provokannte, nicht rhetorisch gemeinte Fragen: Wenn nach dem Alten Testament eine Ehe kinderlos blieb, hatte die Ehefrau die Pflicht, dem Mann eine Frau zu geben, deren Kind, wenn sie von dem Ehemann schwanger wurde als ein legitimes Kind der Ehe angesehen wurde.Ist das nicht eine Leihmutterschaft Onan mußte, als die Ehe eines Verwandten kinderlos blieb zur Witwe gehen, mit ihr ein Kind zeugen, das dann nicht als sein Kind gelten sollte sondern als das des Verstorbenen. War Onan so nur ein Samenspender oder wirklich ein Ehemann der Witwe?“

Diese wirklich provokanten Fragen können nicht respondiert werden, wenn dabei von dem ersten Gebot, das Gott uns Menschen gab, abstrahiert wird: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ Im Alten Testament wird nun die Frage erörtert, wie dieses erste Gebot zu halten ist, wenn die Bedingung,daß nur ehelich der Mensch sich fortpflanzen dürfe, nicht eingehalten werden kann. Dabei erhält die Ehe den Status einer Ausführungsbestimmung dieses Gebotes, die dem Zweck der Fortpflanzung subordiniert ist.

Die Kinder Adams und Evas konnten keine Ehe schließen, da alle Menschen leibliche Geschwister waren und eine Inzestehe verboten war. Hätten sich alle Geschwister an dieses Gebot gehalten, wäre die Menschheit mit dem Tode dieser Adams- und Evakinder ausgestorben. Da Gott aber nicht den Tod des Menschen wollte, erlaubte er den Inzest. Das ist für die Moraltheologie ein Ärgernis schlimmster Art, aber Gott ist so sehr ein das Leben Liebender,daß, wie es der hl. Augustin rechtens erfaßte: „Am Anfang war der Inzest!“, er das scheinbar Widermoralische erlaubte. Wie die Kirche das Gebot: „Du darfst nicht töten!“ bejaht und doch das Töten im Kriege in einem gerechten Kriege wie in einer Notwehrsituation erlaubt, wenn nur durch das Töten des Angreifers der Angegriffene sein Leben retten kann. Dem ersten Gebot wird so über die Ausführungsbestimmung gestellt: Wenn eine Eheschließung unmöglich war wurde der Inzest gar erlaubt als eine „Inzestehe“.

Die Bestimmung Mose, daß im Falle der Kinderlosigkeit einer Ehe die Ehefrau ihrem Ehemann eine Frau zu geben hätte, damit er sie schwängere,und daß dann dies Kind als Kind der Ehe gälte, ist ein eindeutiger Fall einer Leihmutterschaft. Besonders problematisch ist dabei, daß die Ehefrau einer ihr Subordinierten, einer ihrer Mägde befehlen konnte, an ihrer statt ein Kind von ihrem Ehemann zu empfangen! Nicht heiratete der Ehemann dabei die Magd seiner Ehefrau, damit das Kind nicht als Kind der Magd gälte.

Wenn die Kirche eine Leimutterschaft prinzipiell verurteilt, stellt sie sich gegen die Morallehre der hl. Schrift, indem sie die Subordiniertheit der Ehe als einer Ausführungsbestimmung des ersten Gebotes dabei mißachtet.

Die Causa des Onan ist nun komplizierter: Ursprünglich war gemeint, daß ein Nahverwandter dann mit der Witwe der kinderlos gebliebenen Witwe ein Kind zu erzeugen habe, damit der verstorbene Ehemann so posthum noch ein legitimes Kind erhielte. Zu Zeiten Jesu wurde dieser Fall so gedeutet, als wenn der Nahverwandte die Witwe zu ehelichen hätte, aber das widerspricht der Intention, daß das so erzeugte Kind nicht als ein legitimes Kind dieser Beziehung angesehen werden sollte sondern als ein Kind des Verstorbenen. Aber mit einer Nichtverheirateten ein Kind zu erzeugen, wurde zu Zeiten Jesu als ein Problem angesehen.

Onan fungierte so tatsächlich als ein Samenspender für die Witwe, er diente dabei als ein Ersatz für den verstorbenen Ehemann. Onan wollte kein Samenspender sein und deswegen machte er sich durch eine Selbstbefriedigung zeitlich befristet zeugungsunfähig, wenn er zu der Witwe zu gehen hatte, um mit ihr ein Kind zu erzeugen. Gottes Urteil über diese Verweigerung fällt erschreckend eindeutig aus: Gott bestrafte Onan mit dem Tode!

Es muß so angefragt werden: Mit welchem Recht stellt sich die Morallehre der Kirche so eindeutig gegen die in der hl. Schrift bezeugte Morallehre, in der die Ehe dem ersten Gebot gegenüber als subordiniert gilt und deswegen auch in ihrer Geltung relativiert werden darf?

Es gilt aber, daß nur dann eine Leihmutterschaft oder eine Leihvaterschaft erlaubbar ist, wenn eine Erzeugung von Kindern in der Ehe unmöglich ist! In dem Communioartikel: „Keine Schönfärberei“ wird nun behauptet:Es gibt – starker Kinderwunsch hin oder her – kein Recht auf ein Kind. Wohl aber gibt es zumindest aus theologisch-ethischer Perspektive ein legitimes Recht des Kindes, von einem Vater und einer Mutter abzustammen, die es kennt und die menschlich-personal, möglichst in Ehe und Familie, miteinander verbunden sind.“

Das ist sachlich einfach falsch! Erstens wird hier vergessen, daß es in erster Linie um das erste Gebot Gottes geht und nicht in erster Linie um ein menschliches Recht! Das Recht, von Eltern abzustammen, die das Kind kenne, kennt die Bibel überhaupt nicht und Onans Geschick beweist das Gegenteil. Im Hintergrund dieses Fehlurteiles steht die Philosophie des Personalismus3 und nicht eine theologisch- ethische Perspektive, denn die müßte sich an den Geboten Gottes orientieren!



In der aktuellen Debatte wird aber auch viel Unsinn geredet! Ich beschreite nun einen kleinen Umweg, da die moralistische Aufgeladenheit dieser Causa ein klares Durchdenken oft verhindert. Was hielte man von dieser Verschwörungstheorie: Geldgierige Friseure verlangen viel Geld, weltweit und von Frauen mehr als von Männern, welch eine Diskriminierung der Frau, damit sie Haare schneiden: Nicht aus Liebe zu einem eines Haarschnittes Bedürftigen sondern um des Profites willen schneiden sie die Haare! Oder, Menschen nötigen des Gelderwerbes Bedürftige, ihnen die Haare zu frisieren? Das ist purer Unsinn. In einer Gelderwerbswirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Kunden für für sie erbrachte Dienstleistungen bezahlen. Diskussionswürdig ist allein die Frage, ob einer erbrachte Dienstleistung moralisch erlaubt und ob sie strafrechtlich verboten ist. In einem Rechtsstaat ist allein die Frage der rechtlichen Verbotenheit relevant, die Moral ist (leider aus katholischer Sicht) reine Privatsache!

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten, das ist eindeutig. Aber ebenso eindeutig ist es, daß die Moraltheologie unter bestimmten Bedingungen eine Leihmutterschaft wie die einer Leihvaterschaft ob des ersten Gebotes Gottes zu erlauben hat. Eine Kirche, die beides für alle Fälle verbietet, handelt lebensfeindlich, Menschenleben verneinend- ein Phänomen dekadenter Zeiten!

1 Spahn-Debatte Lob-Hüdepohl: Leihmutterschaft wird zunehmend kritisch gesehen, Kath de 17.7.2026.


2Communio, 16.7.2026, Erstveröffentlichung 28.4.2026. Keine Schönfarberei- was für das Verbot der Leihmuterschaft spricht.

3Dies Implantat aus der Philosophie wirkt sich leider in vielen Bereichen der Moraltheologie fatal aus, isb da dem Personalismus ein Begreifen des Gemeinwohles ob der Verabsolutierung des egozentrischen Ichmenschen unmöglich ist.

Dienstag, 17. Juni 2025

Die Begegnungsrhetorik in der Kirche – eine Kritik

 

Die Begegnungsrhetorik in der Kirche – eine Kritik

Im Abendmahl, in der Eucharistie begegne uns Jesus, seine Liebe oder Gottes Liebe, ja auch in jedem Menschen, isb in den Leidenden oder auch in Gefängnissen Einsitzenden1, aber Gott könne uns auch in der Natur oder in irgendwelch beglückenden zwischenmenschlichen Begegnungen begegnen, irgendwie ist alles ein einziges Ich- und- Du -Begegnen2.

Also im heiligen Essen begegne uns Jesus. Zu unterscheiden ist dabei relihionswissenschaftlich die Vorstellung des heiligen Essens, daß mit Heiligen zusammen etwas gegessen wird, oder daß Heiliges gegessen wird. Aber niemand würde den Akt des Essens als ein Begegnungsgeschehen bezeichnen, daß etwa mir heute zu Mittag ein aufgewärmtes Sauerkraut mit Kartoffelpüree begegnen werden wird. Die Nahrung wird incorperiert und bleibt dem Essenden nicht äußerlich wie wenn mir jemand begegnet. Außerdem gehört das heilige Essen der Eucharistie zum Opferkult als das Essen des Gott Geopferten, so schon wurde es im Alten Bund verstanden. Ein Kultopfer ist nun wirklich kein Begegnungsgeschehen.

In erster Linie war Jesus als ein Lehrer tätig: Er belehrte öffentlich in den Syngogen und privat seine Schüler.Das Lehrer-Schüler-Verhältnis wird in den deutschen Übersetzungen aber durch die Übersetzung der Schüler als Jünger Jesu arg verdunkelt, aber beseitigt nicht die Realität, daß Jesus in erster Linie lehrte. Einem Schüler begegnet nun in einer Unterrichtsstunde nicht ein Lehrer, sondern er wird von ihm unterrichtet, isb wie dies in der traditionelllen Schulpädagogik des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes üblich ist.Kein Schüler resümierte etwa eine Religionsunterrichtstunde mit dem Satz: „Da begegnete mir der Religionslehrer!“ Die Begegnungsrhetorik läßt dann aber das Wesentliche des Unterrichtes Jesu, seine Lehre als Lehre, die er lehrte und als die Lehre, die er über sich selbst lehrte, verschwinden.



Jesus heilte, aber würde ein Patient nach einem erfolgreichen Arztbesuch: „Ich bin meine Schmerzen los!“, sagen: „Da ist mir der Arzt begegnet?“ Nicht daß Jesus Menschen begegnete war also das Wesentliche, sondern daß Menschen durch ihn geheilt wurden. Die Begegnungsrhetorik läßt auch das Heilwerden verschwinden, man begnügt sich mit dem: „Mir ist er begegnet!“



Gott wurde in einem Menschen Mensch, sodaß nur von ihm gilt: „Wer mich sieht, sieht den Vater!“ Daß Gott in jedem Menschen erblickbar und begegnenbar sei, verkennt so völlig das Wunder der Weihnacht. Nicht in jedem Menschen hat sich Gottes Sohn inkarniert! Wenn Jesus verheißt, daß wer einen seiner Apostel aufnimmt, nimmt ihn auf, bedeutet deshalb, daß er im Endgericht dafür so belohnt werden wird, als wenn er Jesus selbst aufgenommen hätte. Dabei spricht Jesus in seiner großen Gerichtspredigt auch nur von in Not geratenden Christen, denen zu helfen sei und daß diese Hilfe dann denn Helfern so angerechnet werden wird, als wenn sie diee Hilfe Jesus selbst gewährt hätten. Mit einer Begegnung mit Jesus in allen Leidenden dieser Welt hat das also nichts zu tuen.



Prinzipieller geht es in der Offenbarung nicht um ein Begegnungsgeschehen, sondern darum, daß der Vernunft nicht aus sich heraus gewinnbare Erkenntnisse vermittelt werden. Eine Offenbarung Gottes hat einen Gehalt, der in Aussagesätzen ausformulierbar ist bis hin zu Dogmen und ist nicht reduzierbar auf die Erfahrung von: „Ich bin da!“Jesus vermittelt Erkenntnisse von sich und über anderes als sich, die in der Dogmatik ihre Entfaltung erlangen, begriffen werden und das ist etwas anderes als ein personales Begegnungsgeschehen zwischen einem Du und einem Ich.

1Papst Franziskus hat ja die Begegnung mit Jesus in Gefängnisinsassen Gründonnerstag geradezzu ritualisiert, denn wenn er Verbrechern die Füße wusch, begegnete ihm da Jesus: Was ihr einem meiner geringsten Brüdern getan habt, habt ihr mir getan- als wenn Verbrecher Brüder Jesu wären.

2Die Begegnungsrhetorik hat nun aber auch einen realen Sitz im Leben, wenn an die Begegnung in einem emphatischen Sinne gedacht wird, daß zwei Menschen sich begegnen und auf den ersten Blick erfassen, daß sie füreinander bestimmt sind, also hat sie ihren Realgrund in dem Genre des Liebesfilmes, daß Menschen schicksalshaft füreinander bestimmt sind. Wem das völlig unverständlich ist, dem empfehle ich die 1.Folge der Serie: „Sturm der Liebe“, wie Laura und Alexander sich zum ersten Male begegneten und sich als füreinander Bestimmte erkannten.- glänzend in Szene gesetzt!

Dienstag, 20. Mai 2025

Das neue „Sexevangelium“ - eine Polemik und eine Klarstellung

 

Das neue „Sexevangelium“ - eine Polemik und eine Klarstellung



Einst trieb den großen Theologen Anselm von Canterbury die Frage um, warum denn nur Gott Mensch geworden sei und er fand darauf eine Antwort, die aber in der postkonziliaren Theologie nur noch neben der Erbsündenlehre paulinisch – augustinischer Fassung als der Sündenfall der Kirche schlechthin diffamiert wird.Wer nun die katholischen Internetseiten und die Weltmedien auf diese Frage hin befragt, stößt unweigerlich auf eine geradezu bahnbrechende Erkenntnis: Entweder Jesus kam, um uns Menschen von allen moralischen Restriktionen der Sexualität zu befreien, da er erkannt hatte, daß wir Menschen am meisten unter der Unterdrückung unserer Sexualität litten oder Jesus kam, um uns zu offenbaren, daß wir am besten auf jeden Sex zu verzichten hätten, und wenn dann nur, um in der Ehe Kinder zu erzeugen. Der Heilige Geist würde uns Neugeborenen ganz von den sexuellen Begiereden befreien, sodaß wir die Sexualität nur noch in der Ehe pflichtgemäß zur Weitergabe des Lebens praktizieren würden.

Wer so nun gut aufgeklärt das Neue Testament oder doch auch noch das Alte zur Hand nimmt, der muß völlig irritiert konstarnieren, daß dies allerwichtigste Thema in der Bibel kaum thematisiert wird! Es läßt sich auch bei noch so willkürlicher Auslegung der biblischen Texte weder plausibel machen, daß der Verzicht auf jeglichen Sex das Jesus und seine Mutter Maria Auszeichnende ist noch kann behauptet werden, daß eigentlich der Sex für diese zwei das Wichtigste gewesen wäre und daß sie nur deshalb enthaltsam gelebt hätten, da sie nicht den rechten Partner dazu gefunden hätten. Daß Leben sein soll, daß Gott deshalb allem Lebendigen den Auftrag der Fortpflanzung gegeben hat, wie es uns der Schöpfungsbericht offenbart, thematisiert den Sex als eigenes Thema nicht. Das Zentralthema der Bibel ist die rechte Gottesverehrung und wie das Volk Israel diesem Auftrage nicht gerecht geworden ist und wie der Apostelfürst Paulus dann in seinem Römerbrief es expliziert, daß alle Menschen der gebotenen Gottesverehrung nicht gerecht geworden sind.

Um die Morallehre des Neuen Testamentes angemessen zu verstehen, muß bedacht werden, daß ursprünglich in Bälde das Eintreten des Reich Gottes erwartet worden war, daß Jesus Christus wiederkommen wird in Herrlichkeit, um die Lebenden und die Toten zu richten. Darum spielte die Frage der Regulierung der Fortpflanzung keine bedeutsame Rolle. Erst als die Kirche in dem Thron- und Altarbündnis zu einer weltgestalten wollenden Kirche sich entwickelt hatte, konnte die Frage der Regulierung der Sexualität für sie eine bedeutsame Frage werden. „Wie hältst Du es mit dem Sex?“ wurde zu einer Frage der Biopolitik des Staates, der sich um einen genügenden Nachwuchs und die Gesundheit des Volkes zu sorgen anfing, denn das Volk war der Reichtum und die potentielle Macht eines Staates. „Wer wen wie heiraten durfte und wie mit unehelichen Kindern umzugehen sei“, sind nun Fragen des Staates und gehören so nicht primär in den Bereich der Individualethik. Die der christlichen Religion eigenste Frage war die, wie wir zu leben haben, um in das ewige Leben eingehen zu können.

Es darf gemutmaßt werden, daß die Sexualität erst zu einem Zentralthema der kirchlichen Morallehre wurde, als die Religion ihre Bedeutung für das öffentliche Leben verlor: Der Mann müsse hinaus in das feindliche Leben, der Lebensraum der Frau seien dagegen die drei Ks: Küche, Kinder und Kirche. Das „feindliche“ Leben, das waren alle Lebensräume außerhalb des Familienlebens, der Raum der Ökonomie, der Politik und des außerhäuslichen Vereinslebens, sie bildeten Subsysteme heraus, dir durch sich selbst hinreichend reguliert waren und die so keinen Raum mehr übrigließen für eine Fremdregulierung durch die kirchliche Morallehre. Der Mann zog sozusagen seinen Privatglauben wie seine Hausschuhe aus, um die Straßenschuhe anzuziehen, wenn er sein Daheim verließ. Daheim wurde dann die Religion noch privat gelebt verbunden mit dem Aufsuchen von Gottesdienste. Diese Entweltlichung bzw Verfamilisierung der Religion dürfte der Grund dafür sein, daß nun erst das Thema der Sexualität in den Vordergrund trat: Wie sind die Kinder diesbezüglich zu erziehen? Sollen sie von allem Sexuellen ferngehalten werden, oder sollen sie auf das spätere Liebes- und Eheleben vorbereitet werden?

Blickt man nun zurück zur ersten Aussage der Bibel zu dieser Causa, muß man irritiert konstatieren, daß Gott den ersten zwei Menschen den Auftrag gab, die Welt zu gestalten, sie sich zu unterwerfen, auch wenn das Klimakatastrophengläubige nicht gerne hören möchten, und daß sie sich vermehren sollten, damit sie diesen göttlichen Auftrag erfüllen können. Dies Gebot gab Gott Adam und Eva ja, als sie noch nicht dem Sterbenmüssen unterworfen waren, sodaß die ursprüngliche Intention dieses Gebotes: „Mehret Euch!“ nicht dem Erhalt des Gattungswesen des Menschen gelten konnte, denn das war noch nicht durch den Tod bedroht. Die ersten zwei Menschen sollten sich vermehren, damit die Menschen als Ganzes diesem Auftrage Gottes, dem der Weltgestaltung gerecht werden konnten. Das Gebot gehört so viel mehr in die Sozialethik der Kirche als in das Gebiet der Individualethik. Daraus resultiert dann auch die Legitimität der Biopolitik des Staates, nicht nur eine Gesundheitspolitik zu betreiben sondern auch eine Bevölkerungspolitik.

Theologisch heißt dies, daß die Sexualität in den Bereich der Schöpfungsordnungen anzusiedeln ist und nicht in den ordo salutis, der Erlösungsordnung. Es gilt also, um es ganz allgemein zu formulieren, Sorge dafür zu tragen, daß genügend Nachwuchs entsteht, um das Staatsvolk am Leben zu erhalten und so universalistischer gedacht, die Menschheit das Überleben zu ermöglichen. Die Regulierung der Sexualität hat also diesem Zwecke zu dienen, woraus sich dann erklärt, daß die Homosexualität negativ beurteilt wird, dagegen das Familienleben staatlich gefördert wird als dem günstigsten Ort der Nachwuchsheranbildung.

Gegen diese allgemeine Regulierung protestiert nun der Individualismus, der auf das Recht jedes Einzelnen pocht, sein Leben und isb das sexuelle als eine reine Privatangelegenheit zu betrachten. Diese Verprivatisierung entortet die Sexualität aber aus dem Bereich der Schöpfungsordnungen in die pure Privatheit, in die dann auch die kirchliche Morallehre nicht eingreifen dürfte. Verblüffend ist nun, daß die conservative Reaktion auf diese Verprivatisierung diese selbst bejaht, aber nun behauptet, daß die Sexualität, nur zwischen zwei sich Liebenden und miteinander Verheirateten eine beglückende Sexualität ermögliche, die dann ihre Krönung in den gemeinsamen Kindern fände. So kann man das Anliegen der sog. „Theologie des Leibes“ von Papst Johannes Paul II rekonstruieren, der in seiner Präferenz für die personalistische Philosophie den liberalistischen Individualismus in die Kirche implantierte.1

Eines sollte aber auch anthropologisch klar sein: Der Mensch besteht nicht einfach nur aus einer Seele und einem Körper, sondern damit ist immer ein hierarisches Über- und Untergeordnetsein mitgesetzt, daß die Seele das den Menschen Ausmachende und Bestimmende ist, sodaß deshalb schon die Sexualität nicht das Wesentliche des Menschen ausmachen kann. Weder kam Gott in die Welt, um uns zu éinem sexuell freizügigen Leben zu befreien noch kam er in die Welt, um uns von der Sexualität zu befreien, oder sie nur noch als ein notwendiges Übel zum Erhalt der Menschheit zu praktizieren. Wenn das Thema der Sexualität ein bedeutsames der Kirche heutzutage sein kann und soll, dann kann es sich nur um das Problem der zu wenigen Geburten handeln, daß, wenn alle Menschen so ihre Sexualität praktizieren würden wie wir Westeuropäer und Amerikaner, die Menschheit von dem Aussterben bedroht wäre. 

Merke: Gerade in einer Negativfixierung auf die Sexualität verharrt man ganz in ihr wie in ihrer Apotheose, das paulinische "als ob nicht" überwindet erst die Fixierung auf die Sexualität. (1.Kor 7,27) 

1Um die Folgen dieser Implantierung uns vor Augen zu führen: Hätten sich alle Kinder Evas und Adams an das Inzestverbot der Kirche gehalten, wäre die Menschheit mit dem Tode der Kinder Evas und Adams ausgestorben.Auch geht es in der Morallehre nicht darum, wie ich zu leben habe, um glücklich zu leben, sondern um erlaubt und nicht sündigend zu leben. Wer alle 10 Gebote Gottes einhält, lebt moralisch richtig aber das heißt nicht, daß er so auch glücklich lebte.

Mittwoch, 7. Mai 2025

Ein Klassiker: Wie politisch oder unpolitisch soll die Kirche sein - aktuell wieder debattiert

 

Ein Klassiker: Wie politisch oder unpolitisch soll die Kirche sein - aktuell wieder debattiert


Aus der Sicht der politischen Parteien wird diese Frage mit einer geradezu wohl-tuenden Klarheit beantwortet: Gefallen die kirchlichen Äußerungen zu den aktuellen politischen Fragen, erklärt eine Partei, sie begrüße diese Kirchenvoten, mißfallen sie und muß davon ausgegangen werden, daß die Kirche in der angesprochenen Causa weiterhin eine Position beziehen wird, die einer Partei mißfällt, genau dann wird sie erklären, die Kirche möge sich doch auf ihre Aufgaben konzentrieren und limitieren, statt in die tagespolitische Debatte einzugreifen. Im politischen Diskurs, in denen nun auch zahlreiche nichtparteipolitisch Gebundene sich äußern, wiederholt sich diese Art der Stellungnahme: Gefallen die kirchlichen Voten, werden sie goutiert, mißfallen sie, wird eine unpolitische Kirche gefordert.

So wurde von allen demokratischen Blockparteien die kirchliche Verurteilung der AfD begrüßt und deren harter Antirechtskurs der Ausgrenzung in allen Medien bejubelt außer in den wenigen oppositionell ausgerichteten. Aber die mißbrauchen ja, wie wir als gute Demokraten wissen die Meinungsfreiheit. Die Regierung ist dann aber leider bei dem Versuch, eines dieser Mißbrauchsmedien zu verbieten, Compact durch ein Gerichtsurteil gestoppt worden, aber von der Kirche wird in dieser Causa erwartet, daß sie den Kampf gegen den Mißbrauch der Meinungsfreiheit unterstützt durch tatkräftige Antirechtskampagnen.

Aber wenn man nun diese Ebene der Versuche, die Kirche für parteipolitische Interessen zu vereinnahmen oder zumindest zu verhindern, daß andere Parteien die Kirche für sich zu instrumentalisieren versucht, wie wäre denn prinzipiell theologisch das Verhältnis der Kirche zur Politik zu bestimmen? Theologisch bedeutet dann nicht, daß die Kirchenmitglieder repräsentativ befragt werden, um das Wunschprogramm: „Wie politisch möchten Sie denn Ihre Kirche haben?“ zu erforschen als die Norm für das Verhalten der Kirche zum und im politischen Diskurs.

Im politischen Diskurs steht im Zentrum immer die Frage, wie der Staat bzw die Regierung ein bestimmtes Problem lösen solle.Die Diskutierer erhoffen sich dabei, daß ihre Voten von der Regierung beachtet und im Idealfalle gar umgesetzt werden. Dabei hätte jeder das Recht, seine Meinungen in den Diskurs einzubringen und darauf zu insistieren, daß sie beachtet werden. Zur Ordnung des Diskurses gehört nun, wie es der Diskursanalytiker M. Foucault herausgearbeitet hat, konstitutiv ein Regelsystem, welche Beitrage von wem wie zum Diskurs dazugehören und welche nicht. So urteilt nicht nur der Kommunikationstheoretiker Habermas, daß explizit theologische Argumente nicht ein Bestandteil des politischen Diskurses sein können, sie müßten erst in eine säkulare nachmetaphysische und nachtheologische Sprache übersetzt werden. Die Kirche müßte sich also einer Fremdsprache bedienen, da nur so das ihr Eigentliche in den politischen Diskurs einfließen dürfe. Das praktiziert heute die Kirche auch schon, indem sie all ihre Gehalte umformt zu Stellungnahmen, deren Fundament die „Würde des Menschen“ oder die „Menschenrechte“ sind. Gott kann dann dabei implizite als die Letztbegründungsinstanz der „Menschenwürde“ bzw der „Menschenrechte“ mitgedacht werden, aber diese Begründungsinstanz gehört dann nicht mehr zur publizierten kirchlichen Stellungnahme im politischen Diskurs. So agiert faktisch die nachkonziliare Kirche nach dem endgültigen Ende der Konstantinischen Epoche. Das Ende des Thron-und Altarbündnisses sei eben auch das Ende der Theologie und der Metaphysik, wie es die Regulierer des politischen Diskurses festlegen.

Nun entsteht daraus aber selbst ein gravierendes Problem für den politischen Diskurs:Dieser Diskurs weiß selbst nicht und kann nicht wissen, was den eigentlich der Staat ist und kann somit auch das Wozu er ist, nicht begreifen.Denn dies ist eine Frage, die nur eine metaphysische Lehre vom Staat und eine theologische Lehre des Staates erfassen kann. Der politische Diskurs verbleibt so im Oberflächlichen, im Bereich des Meinens und Dafürhaltens, ohne daß er einen Zugang zum Wesen des Staates finden könnte. Die Kirche müßte so dem Staat das sagen, was er aus sich selbst in dieser Zeit nicht mehr wissen kann, in denen der politische Diskurs sich nicht nur vom theologischen völlig entfremdet hat sondern auch sich vom metaphysischen Denken des Staates (von Platon bis Hegel) entfernt hat, So verliert der politische Diskurs die Schöpfungsordnungen Gottes, die Ausrichtung des Staates auf das Ziel der Gerechtigkeit außer Augen aber auch seine Hinordnung auf die Schöpfungsordnungen der Ehe und des Volkes. Daß Gott die Ordnung des Staates als die Schwertgewalt eingesetzt hat neben der Kirche als dem geistlichen Schwert, da Gott durch diese 2 Schwerter die Welt mittelbar regieren will neben seinem unmittelbarem Regieren, das ist eine Wahrheit, die dem säkularisierten politischen Diskurs als böhmische Dörfer erscheinen müssen. Aber wo der politische Diskurs von diesen Wahrheiten abstrahierend geführt wird, verkennt er das Substantielle des Politischen.

Wenn die Kirche aber in den politischen Diskurs das nicht mehr einbringt, was sie als die Kirche da zu sagen hätte, was der politische Diskurs nicht an Erkenntnissen aus sich heraus hervorbringen kann, da er auch das metaphysische Denken als nicht mehr zeitgemäß verwirft, dann reproduziert die Kirche nur noch das politische Gerede und verkauft das als ihr Eigentliches! 

Zusatz:

Der Einluß der Philosophie des Personalismus, durch den Papst Johannes Paul II gefördert, führt dazu, daß die Kirche sich mit dem Liberalismus verbandelt und somit das Wesentliche des sozialen Lebens und des Staates aus den Augen verliert ob der Fixierung auf den Menschen als eine Einzelperson. Sie verbundet sich damit mit einer Weltanschauung,dem Liberalismus, den sie vor dem Konzil noch verurteilt hatte. 

Freitag, 21. März 2025

Ist Jesus Christus reduzierbar auf die Begegnung mit dem „Du“, das mich trägt?

 

Ist Jesus Christus reduzierbar auf die Begegnung mit dem „Du“, das mich trägt?


So ist der Glaube das Finden eines Du, das mich trägt und in aller Unerfülltheit menschlichen Begegnens die Verheißung unzerstörbarer Liebe schenkt, die Ewigkeit nicht nur begehrt, sondern gewährt.“ So beschreibt Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI die Entstehung und das Wesen des Glaubens in seinem Buch: „Einführung in das Christentum“ in dem Kapitel: „Ich glaub an dich.“1

Der geneigte Leser möge nun bitte diese Äußerung mit dem folgenden Liedtext von Deeby Boone 2vergleichen:

You Light Up My Life Lyrics Übersetzung

So viele Nächte, sitze ich an meinem Fenster
Wartend auf jemanden, der mir sein Lied singt.
So viele Träume, behielt ich tief in mir
Einsam in der Dunkelheit, aber nun bist du gekommen.

Und du erleuchtest mein Leben
Du gibst mir Hoffnung, weiter zu machen.
Du erleuchtest meine Tage
Und füllst meine Nächte mit Gesang


Schwankend auf dem Meer, treibend auf dem Wasser
Könnte es endlich sein, dass ich nach Hause komme
Endlich eine Chance zu sagen: „Hey, ich liebe dich“
Nie wieder ganz allein zu sein.

Und du erleuchtest mein Leben
Du gibst mir Hoffnung, weiter zu machen.
Du erleuchtest meine Tage
Und füllst meine Nächte mit Gesang.

Du, du erleuchtest mein Leben
Du gibst mir Hoffnung, weiter zu machen.
Du erleuchtest meine Tage
Und füllst meine Nächte mit Gesang.
Es kann nicht falsch sein, wenn es sich richtig anfühlt
Denn du, du erleuchtest mein Leben.“

Die Ähnlichkeit ist so verblüffend, daß sie fast schon irritiert, aber das ist kein Zufall. Der Sitz des Lebens dieser euphorischen Begegnungsrhetorik, der sich hier auch diese „Einführung in das Christentum“ bedient, ist das Phänomen des Sichverliebens auf den ersten Blick, daß hier sich zwei füreinander Bestimmte als sich Liebende erleben und der Glaube an das Ewigwähren dieser Liebe aus dieser Begegnung entspringt.Nur daß hier der Theologe Ratzinger die Genese des Glaubens an Jesus Christus rekonstruieren will.

Ratzinger schreibt dann, daß der christliche Glaube nicht darin bestünde zu sagen: Ich glaube etwas“,sondern: „Ich glaube an dich“. Denn er ist „Begegnung mit dem Menschen Jesus“. Jesus lehrt also nicht, er heilt nicht, wirkt keine ihm als Sohn Gottes ausweisende Wunder, schon gar nicht verkündet er das Ankommen des Reich Gottes und daß wir Menschen umzukehren hätten, sondern er begegnet uns einfach nur. In der Begegnung mit ihm erführen wir „den Sinn der Welt als Person“. Diese mirakulöse Formulierung wird dann wie folgt expliziert: „In Jesu Leben aus dem Vater, in der Unmittelbarkeit und Dichte seines betenden,ja sehenden Umgangs mit ihm ist er der Zeuge Gottes,durch den hindurch der Unberührbare berührbar,der Ferne nahe geworden ist.“

Wird diese Aussage ihres überschwenglichen Pathos entkleidet, bleibt davon nur übrig: In Jesu vorbildlichem Glaubensleben können wir Gott, an den er glaubt, auch erfahren. Dieser Glaube hat nun keinen anderen Gehalt als daß in dem Glauben Gott erfahrbar wird für den Glaubenden. In Jesu Glauben, als Genetivus subjectivus zu lesen, sei die „Anwesenheit des Ewigen selbst in dieser Welt“ erfahrbar. So habe der Glaube, der dann als ein Suchen nach dem Du interpretiert wird, von dem gilt: „Und du erleuchtest mein Leben
Du gibst mir Hoffnung, weiter zu machen.Du erleuchtest meine Tage“,
in Jesus gefunden. Warum dieses Du nun nur in Jesus und nicht in jedem Menschen findbar ist, der mich und den ich liebe, bleibt dabei völlig ungeklärt und ebenso die Frage, ob dann nicht in jedem Gläubigen so Gottes Nahsein erfahrbar sei, wenn er nur einen lebendigen Glauben hat.

So ist Glaube,Vertrauen und Lieben letztlich eins,und alle Inhalte,um die der Glaube kreist,sind nur Konkretisierungen der alles tragenden Wende, des „Ich glaube an dich“- der Entdeckung Gottes im Antlitz des Menschen Jesus von Nazareth.“ Das evoziert aber die Anfrage, ob hier Jesus nur als ein Mensch gedacht wird, in dessen Angesicht dann aber wie auch immer der eine Gott erfahrbar sein soll, also daß Jesus nicht selbst Gott ist. Eine zeitlang, ich vermute, daß diese Redeweise wegen der feministischen Kritik, hier würden Frauen auf die Rolle der Mutter fixiert, hörte man in Predigten, daß ein Kind in der mütterlichen Liebe zu ihm Gottes Liebe zu ihm erführe, wobei dann selbstverständlich die Mutter nicht als eine göttliche Person vorgestellt wird. Am simpelsten wäre wohl die Erklärung, daß im Glauben Jesu an Gott für andere diese in Jesu Glauben präsente Gott auch erfahrbar würde.

Aus einer soziologischen Perspektive gesehen, könnte diese personalistische Vorstellung so rekonstruiert werden:Der Massenmensch ist für sich selbst keine Person (mehr), er kann es aber durch eine Begegnung mit einem anderen werden, der für ihn zu dem Du wird, das ihm es ermöglicht, sich als Ich und damit als eine Person zu erfahren.

Man könnte nun einwenden, daß in diesem Buch doch sehr viel gute Theologie stecke, und das kann nicht bestritten werden, aber es muß angefragt werden, ob all das Gute dann nicht durch diese personalistische Jesulogie aufgelöst wird. Unüberlesbar ist aber, daß so die Person Jesus von Nazareth ganz aus der Geschichte Gottes mit seinem Volke Israel und dann aus der Menschheitsgeschichte herausabstrahiert wird, um ihn auf das Du zu reduzieren, das mich zum Ich werden läßt als einem in diesem Du getragenen.

Vergleiche dazu auch meinen Artikel wider die Engführung des Personalismus vom 20.3.2025! Unverkennbar ist mit diesem personalistischen Ansatz die Möglichkeit eröffnet, Jesus von Nazareth auf den vorbildlich Glaubenden zu reduzieren, der uns so nur noch als das Vorbild des Glaubens dienen kann.

1Auf eine Angabe der Seitenzahl verzichte ich, da dieses Werk in so vielen verschiedenen Auflagen publiziert worden ist, daß es sehr unwahrscheinlich ist,daß ein Leser gerade die meinige Ausgabe zu Händen hat.

2Das Lied sei zum Anhören, leicht im Internet zu finden, wärmstens empfohlen. Dies Lied fungiert auch sehr passend für das Paar Julia Wegener und Niclas Stahl in der Erfolgsserie: „Sturm der Liebe“ Folge 2052 bis 2265.

Donnerstag, 20. März 2025

Wider eine Engführung der christlichen Religion im Geiste des Personalismus – oder steht die Person Jesus im Zentrum des Glaubens?

 

Wider eine Engführung der christlichen Religion im Geiste des Personalismus – oder steht die Person Jesus im Zentrum des Glaubens?


Was würde man antworten auf die Behauptung, daß das Zentrum etwa der englischen Kriminalfilmserie: „Inspector Barnaby “ die Persönlichkeit dieses Kommissares sei wie auch in der Erfolgsserie: „Columbo“ die Persönlichkeit des Schauspielers Peter Falk, der so wunderbar den Kommissar „Columbo“ spiele, das Wesentliche diese Serie ausmache? Es müßte doch erwidert werden, daß der Rahmen des Kriminalfilmes, daß da anfänglich ein Mord geschehen ist und daß dieser dann von einem Polizeibeamten gelöst wird, wobei die Spannung in der Frage besteht: Wie wird der Polizeibeamte wen als den Mörder überführen? In diesem vorgegebenen Rahmen agieren dann auch der Inspector „Barnaby“ oder sein amerikanische Kollege „Colombo“.

Könnte man nun diesen zwei Akteuren gerecht werden, abstrahierte man völlig von dieser Rahmung um sich auf die Charakteristik dieser zwei Personen zu kaprizieren? So würde von ihrem Beruf abgesehen und sie würden nur noch als Privatpersonen thematisiert werden und so völlig verfehlt, agieren sie doch in diesen Serien nicht als Privatmenschen sondern als Polizeibeamte.

Das gilt ähnlich auch für die Person Jesus von Nazareth, der in dem Neuen Testament als der Messias, der Christus, der Erlöser agiert und nicht einfach als eine Privatperson mit einer irgendwie besonderen Persönlichkeit ausstaffiert.

Was ist denn nun der Rahmen, in der dieser Jesus Christus agiert? Der Philosoph Peter Sloterdijk präsentiert uns diesen metaphysischen Rahmen, der gerade auch die christliche Erlösungsreligion fundiert. Er bezeichnet das als das klassische Problem der Metaphysik und rekonstruiert dabei auch den Rahmen der christlichen Erlösungserzählung:


Wenn man die Eins an den Anfang stellt,ist man gezwungen, darüber nachzudenken,wie dieses Eine sich derart selbst zerteilen konnte,daß es aus sich den Übergang in die Zwei- oder Mehrzahl schaffte. Die klassische spekulative Metaphysik ist ein einziges Phantasieren über die Selbstzerreißung und Selbstbegattung des Einen, über seine Ur-Teilung oder Ur-Entzweiung und seine Wege zue Wiedervereinigung – hier liegt die Matrix der sogenannten Großen Erzählungen.“1 Mit dem Begriff der „Großen Erzählungen“ verweist Sloterdijk auf die Krisendiagnostik des Philosophen Lyotards, der von dem Glaubwürdigkeitsverlust der „Großen Erzählungen“ als dem Ausgangspunkt der Postmoderne spricht. Die großen Emanzipationserzählungen sind dabei säkularisierte Versionen der christlichen Erlösungserzählung des Falles und der Erlösung vom Menschen.In dem philosophischen Diskurs wird diese Erzählung nun in eine abstrakte Begrifflichkeit überführt, wobei dann Gott als das Absolute und Eine expliziert wird und von daher die Erlösungserzählung in ein philosophisches System überführt wird, am gediegensten in der Philosophie Hegels: Das Eine, das sich entzweit in eine Vielheit und dann in sich versöhnt wieder eins wird.

Der theologische Diskurs expliziert diese Rahmung in den Fragen: Warum ist nicht nur Gott sondern auch die Welt?2 Wie verlor der Mensch seine Gemeinschaft mit Gott, sodaß dieser Verlust der Anfang der Menschheitsgeschichte bildet und wie die verlorene Einheit wiederhergestellt wird durch das Erlösungswerk Jesu Christi, das er durch seine Kirche zur Vollendung führt? In dieser Rahmung kann erst das Erlösungswerk Jesu Christi begriffen werden und von daher auch die Person Jesus Christus in seiner ihr eigenen Berufung.

Dem personalistischen Denken ist das alles viel zu abstrakt,man polemisiert gegen ein solches Systemdenken, das angeblich dem Einzelereignis und der Individualität der Menschen nicht gerecht würde. Der Einzelne, die Persönlichkeit des Einzelnen würde so den Systemdenken geopfert. Dies Hohelied des Personalismus findet sich dann ausgehend von S. Kierkegaard und Max Stirner in den Texten der philosophischen Richtung des Personalismus, der dann gestärkt durch Papst Johannes Paul II in die Theologie implantiert wurde.

Aber dieses so sehr um die Konkretheit bemühte Denken verfehlt so den Menschen völlig, da er von seinem Sein als ein Gattungswesen und als Zoon Politicon völlig abstrahiert. Jesus von Nazarethh wird dabei auch als Person völlig verkannt, indem von seiner Aufgabe und Stellung in der Unheils- und Heilsgeschichte völlig abstrahiert wird.Der personalistisch gedeutete Jesus gliche einem Inspector Barnaby, dem man seines Berufes entkleidete, der keinen Mordfall mehr aufzuklären hätte sondern nur noch als ein Privatmensch betrachtet würde.


Lyotard stellt nun in seinem Essay über die Postmoderne die These eines Glaubwürdigkeitsverlustes aller Großerzähungen und damit auch der christlichen Unheils- und Heilsgeschichte auf. Damit erfaßt er auch die Grundlagenkrise der christlichen Religion. Die Große Erzählung zerfällt in der Postmoderne in fragmentarische Stücke, die so keine Lebens- und Überzeugungskraft mehr besitzen.Alle Elemente dieser Großerzählung erhalten ja ihre Bedeutung erst als Elemente dieser Erzähung.




1Peter Sloterdik, Hans-Jürgen Heinrichts, „Die Sonne und der Tod.“ 2001, S.147.

2Daß anderes als Gott ist, ist auch für das theologische Denken ein Problem: Begrenzt sich Gott durch die Setzung von anderem als sich selbst? Bindet er sich an von ihm selbst gesetzte Ordnungen, die der Wahrheit, des Guten und des Schönen, oder steht er souverän über diesen Ordnungen? Welche Bedeutung hat die Schöpfung für Gott selbst?