Freitag, 4. September 2026

Eine vergessene, verdrängte Wahrheit: Wir haben Feinde

 

Eine vergessene, verdrängte Wahrheit: Wir haben Feinde



Man könnte Jesu Gebot der Feindesliebe so deuten,als wollte er uns aufklären, daß es entweder gar keine Feinde gäbe, sondern nur „Feindbilder“, durch die wir unsere Mitmenschen zu Feinden machten, oder daß, wenn es schon Feinde gäbe, die durch ihnen gegenüber praktizierte Nächstenliebe in uns freundlich Gesonnene transsubstantioniert werden würden.

Aber wer jetzt aufruft: „Nein, wir haben doch wirklich Feinde, gegen die wir uns zu verteidigen hätten, trüge Eulen nach Athen, denn der Zeitgeist hat sich gewandelt. Wir erleben und erleiden eine Wiederkehr des Kalten Krieges mit seinem Feind, dem Russen, ergänzt durch China und den Iran, um nur die aktuellen außenpolitischen Feinde zu benennen. Aber um so mehr wird betont, daß aller europäischen Völker nun vereint seien in einem einzigen wahren Freundschaftsverbund , daß dort alle Zwietracht überwunden sei. Nur noch außerhalb Europas existieren für uns Deutsche Feinde. Deswegen muß aber Rußland aus Europa exkommuniziert werden, als gehörte es nicht dazu, sodaß wir so sinnwidrige Parolen wie: „Europa müsse gegen Rußland verteidigungs- und kriegsbereit sein!“zu lesen bekommen. Daß es eine Versöhnung mit dem Feinde geben könnte, wird inzwischen als eine völlig antiquierte Idee abgelehnt. Das gilt nun für den äußeren wie für den inneren Feind, allem, was politisch conservativ oder rechts verortbar ist.

Befremdlich ist nun, daß Thomas Mann in seinem Großessay: „Betrachtungen eines Unpolitischen“ das ganz anders sah. Er urteilte: „Wessen Bestreben es wäre, aus Deutschland einfach eine bürgerliche Demokratie im römisch- westlichen Sinn und Geist zu machen,der würde ihm sein Bestes und Schwerstes, seine Problematik nehmen wollen,in der seine Nationalität ganz eigentlich besteht; der würde es langweilig,klar, dumm und undeutsch machen wollen und also ein Anti- Nationalist sein, der darauf bestünde,daß Deutschland eine Nation in fremden Sinne und Geiste würde.“1

Zwei Feinde benennt Mann somit: Die äußeren, die im 1.Weltkrieg gegen uns ihren Krieg führten, er hatte dabei die Westmächte vor Augen und die inneren, die Deutschland verwestlichen und somit seiner Identität berauben wollten. Nietzsche erfaßt das Problem unserer Identität wohl am klarsten, wenn er schreibt: „Es kennzeichnet die Deutschen, daß bei ihnen die Frage >was ist deutsch<“ niemals ausstirbt.“2

Nach zwei verlorenen Kriegen scheint nun zuerst, diese Verwestlichung und Entdeutschung in Westdeutschland gelungen zu sein. Wohingegen in Ostdeutschland dies Vorhaben noch auf beachtliche Widerstände stößt. Nietzsche wußte aber zumindest, was nichtdeutsch ist: „Meistersinger:Gegensatz zur Zivilisation, das Deutsche gegen das Französische“.3

Manfred Görtemaker zeigt nun in seinem politisch korrekten Buch: „Thomas Mann und die Politik“ den irritierenden Positionswechsel Thomas Manns auf.Er zitiert den französischen Politiker Bidault: Dieser „verfolgte im nationalen Interesse Frankreichs gegenüber Deutschland und die Sowjetunion einen gleichermaßen strikten Kurs: Man wolle die Russen nicht am Rhein – schon gar nicht in Paris.Aber man wünsche auch kein starkes Deutschland,das zwar ein Bollwerk gegen ein weiteres sowjetische Vordringen nach Westeuropa darstellen würde, sich aber leicht zu einer neuen Bedrohung Frankreichs entwickeln könnte.“ 4 Er schlug deshalb vor, „Millionen von Deutschen“ durch eine gelenkte Auswanderung nach Frankreich zu schwächen.Thomas Mann sei dieser Idee positiv gegenübergestanden: „Ein so sonderbares Volk (wie das deutsche) sollte nicht so zahlreich sein. Außerdem wäre es ein Schritt weiter zur Schaffung eines entnationalisierten europäischen Typs,einer Synthese europäischer Tradition,die das griechische Bildungselement in der römischen Machtwelt abgeben könnte.“5

Es bedarf nun keines spekulativen Aufwandes, um die „Politik der offenen Grenzen“ als eine andere Variante dieses Entdeut-schungsprogrammes zu recognizieren.

Deutete Thomas Mann den 1.Weltkrieg noch als den Kampf Deutschlands um sein Selbstbestimmungsrecht, nach seiner eigen Fasson sein Leben gestalten zu wollen, und bezeichnete er den Nationalsozialismus in seinem Roman: Doktor Faustus noch als seinen letzten und äußersten Versuch,die selbsteigene politische Form zu finden“,6 das in so gräßlichem Mißlingen untergeht, so markiert für ihn dies letzte Experiment sein „Nein“ zu jeder Art von einem eigenen deutschen Weg: Wir sollten aufhören, deutsch zu sein.

Eine bittere Wahrheit für uns Deutsche: Unser Feind ist der, der zu uns sagt: Wir sollen und dürfen nicht mehr deutsch sein. Dabei haben wir es gleichermaßen mit einem inneren wie mit äußeren Feinden zu tuen, die diese antideutsche Parole vereint.



Zusatz:

Der englische Außenminister Ernest Bevin äußerte sich 1946 so:“Am schlimmsten aber wäre ein wiedererstarktes Deutschland, das gemeinsame Sache mit Rußland macht.“7 Das nun wieder propagierte Feindbild Rußland soll das nun verhindern.



1Thomas Mann, Betrachtungen eines Unpolitischen, Der Zivilisationsliterat.

2Friiuedrich Nietzsche, Völker und Vaterländer Nr, 244 in: Jenseits von Gut und Böse.

3Zitiert nach Thomas Mann, Betrachtungen, Bürgerlichkeit.

4Görtemaker, 2005, S.211. Dieser politisch Korrekte diffamiert in diesem Buch Thomas Manns: Betrachtungen so: Die Unterscheidung zwischen der Kultur und der Zivilsation sei "verkrampfter Unsinn"  (S.39), Manns Gedanken seien entlegen und abstrus,S.39,  "ästhetisch entrückt, grausam-wirklichkeitsfremd" S.41,ähnelten einfältigen,irrationalen nationalistischen Parolen, S.41 und behauptet, es seien "Unfassliche,unbewiesene und beweisuntaugliche Behauptungen,eines Stammtisch unwürdig." S.41. Unfähig zu argumentieren kann dieser Autor nur diffamieren,

 

5Zitiert nach: Görtemaker, S.211.

6Thomas Mann, Doktor Faustus, 46.Kapitel.

7Görtemaker, S.215.

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