Samstag, 18. Juli 2026

Eine nützliche oder gefährliche Phantasievorstellung der Kirche - soll sie wegrationalisiert werden?

 

Eine nützliche oder gefährliche Phantasievorstellung der Kirche - soll sie wegrationalisiert werden?


Hölle.Dazu hatte er keine Beziehung.Hölle.Das war etwas Irreales für ihn.Hölle.Des Teufels Zuhause.Er zweifelte daran,ob es das überhaupt gab.Die Menschen sind diesbezüglich im Erfinden sehr phantasievoll.Die Hölle soll abschrecken, und das tut sie in den meisten Fällen auch.Die meisten Menschen haben Angst davor,nach ihrem Tode in der Hölle zu landen,deshalb bemühen sie sich, ein gottgefälliges Leben zu führen.“1

Aus der Angst vor der Hölle ein „gottgefälliges Leben“ führen zu wollen, das erscheint nicht nur einem der Protagonisten dieses Horrorromanes als verquert, müßte doch ein Christ aus Liebe zu Gott um des Guten willen so zu leben erstreben! Dies Urteil verbindet sich mit der Behauptung, daß die Kirche die Hölle doch nur erfunden hätte, um uns Menschen zu verängstigen um uns so zu einem gottgefälligen Leben zu zwingen mit der Drohbotschaft der Höllenstrafen! Die Kirche habe die Liebe Gottes zu verkünden in Wort und Tat und nicht dürfe sie eine Angstpädagogik praktizieren.

Befremdlich ist dann aber, daß, wenn es um das Gut der Gesundheit geht, mit purster Angstpädagogik gearbeitet wird: Was alles für Schrecknisse werden den Tabakfreunden vor Augen geführt: „Wehe Dir, wenn Du rauchst!“

Da gilt die Erzeugung von Angst als das beste Mittel zum Abhalten vom Rauchgenuß! Seit wir Menschen auf Erden wandeln, rauchen wir Tabak aber noch nie wurde uns so viel Angst gemacht vor den Folgen des Tabakgenusses.

Aber die Kirche dürfe sich keiner Angstpädagogik bedienen.Wenn nun mal angenommen wird, daß die kirchliche Höllenpredigt die Menschen davon abhielte zu sündigen,oder zumindest es erreichte, daß wir Menschen weniger sündigten, wäre dann die Erfindung der Höllenpredigt rechtfertigbar?

Nein, denn es dürfe nur die Liebe Gottes gepredigt werden! Wer so urteilt,muß dann aber die Höllenpredigt Jesu Christi auch verurteilen,muß gar urteilen, daß Jesus selbst nicht christlich gepredigt hätte. ( Als ein Ausweg böte sich dann an, zu behaupten,daß Jesu Predigt von unserer möglichen Bestrafung durch und in der Hölle nur eine Erfindung der urchristlichen Gemeinden gewesen sei, Jesus selbst niemals so hätte predigen können.Die Plumpheit dieses Selektionsverfahrens, alles mir Mißfallende als nicht echt jesuanisch abzuqualifizieren, ist aber mehr als offensichtlich.)Jesus, der Sohn Gottes hat uns die Hölle gepredigt, wenn wir nicht umkehren, an ihn glauben und gemäß ihm leben.

Ist nun der Erweis der Nützlichkeit einer Predigt von der Hölle als dem Orte unserer Bestrafung durch Gott ein Beweis dafür, daß die Hölle um dieser Nützlichkeit willen von der Kirche erfunden worden sei? Was hielte man dann von dieser Aufklärungspredigt eines Schafes: „Liebe Schafskollegen, der Besitzer unserer Herde sagt uns: „Hütet Euch vor den Wölfen, denn die wollen Euch fressen. Gehorcht also immer mir, damit ihr so vor ihnen sicher seid. Unser Besitzer hat den bösen Wolf nur erfunden,um uns durch die Angst vor ihm beherrschen zu können! In Wirklichkeit ist der Wolf ein Vegetarier! Hört der Wolf auf, ein Wolf zu sein, weil die Wahrheit über den Wolf für jedes Schaf etwas Furchtbares ist? Ist der Glaube an eine Welt ohne Feinde nicht eine durch nichts rechtfertigbare Illusion?

Für die plumpe Priesterbetrugstheorie, sie hätten, wenn sie schon nicht Gott so zumindest den Teufel nur erfunden, um uns besser beherrschen zu können, gibt es keinen Beweis, es ist nur eine sehr simpel gestrickte Verschwörungstheorie.

Um des Gutes der Gesundheit willen wird eine reine Angstpädagogik wider die Raucher angewandt mit rabiaten Freiheitseinschränkungen, aber um des Seelenheiles willen darf die Kirche nicht von der Hölle predigen? „Rauche nicht, damit Du nicht an Lungenkrebs sterben wirst“, ist eine gute Aufklärungspredigt, „Sündige nicht, damit Du nicht in der Hölle endest“, eine unzumutbare Angstpredigt!

Der Lungenkrebs als eine Folge des Tabakgenusses sei etwas Reales, die Hölle als Gottes Bestrafung für unser Sündigen etwas Irreales. Nur, warum schließt Gottes Gerechtigkeit ein Bestrafen unserer Sünden aus? Wäre Gott gerecht, wenn er die Ermordeten und ihre Mörder gleichermaßen mit dem ewigen Leben beschenken werden würde in seinem Endgericht?

Außerdem:

Was hielte eine Frau von diesem Eheversprechen: " Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben, egal ob Du mir treu sein wirst oder mich betrügen wirst,ob Du mich lieben oder verachten wirst, denn meine Liebe ist bedingungslos"? Wäre eine solche Liebe von einer Gleichgültigkeit überhaupt unterscheidbar?  


1A.F.Morland, Der Silbermann, aus der Serie:Tony Ballard, Bd 12,S.5. In dieser Serie treten regelmäßig Protagonisten auf, die alles Übersinnliche und Übernatürliche als Phantasmata abtuen, dann aber auf das bitterste eines Besseren belehrt werden.

Abendmahl für alle und der marktwirtschaftlich sozialisierte Konsument

 

Abendmahl für alle und der marktwirtschaftlich sozialisierte Konsument



Als marktwirtschaftlich Sozialisierte weiß man, daß 1,5 Liter Wein zu 2 Euro nicht trinkbar ist, zumindest unzumutbar ist für jeden Weinkenner,daß Turnschuhe unter 10 Euro nicht tragbar sind usw. Die Qualität eines Produktes erkennt man an der Höhe seines Preises. Was also umsonst ist,kann nichts taugen!

Früge ein Lehrer seine vierzehnjährigen Schüler: „Welches dieser zwei Bücher wollt Ihr lesen, das für Euch geeignete, ab 14 Jahren empfohlen oder das, daß Ihr nur ab 18 lesen dürft?, die Antwort fiele eindeutig aus: Fast jeder will das ab 18! Alles Verbotene steht höher im Kurs als das Erlaubte; so hieß ja auch eine Fernsehserie, eine sehr erfolgreiche: „Verbotene Liebe“.

Was umsonst und dann noch für jedermann ist, das kann so einfach nichts taugen, urteilt so jeder Kenner der Marktwirtschaft. Aber die Kirche preist nun gerade so den Empfang der hl.Kommunion an. Vielen ihrer Vertretern ist es geradezu peinlich, sagen zu müssen, daß nicht jeder, der sie empfangen will, sie nicht empfangen dürfe.So müsse es ein Anliegen der ökomenischen Gespräche sein, dafür zu sorgen, daß jeder Christ bei jeder Abendmahlsfeier, bzw Eucharistie kommunizieren dürfe. Aber Juden. Muslime und Buddhisten dürfe man doch auch nicht ausschließen und warum dann einen Atheisten, wenn er zur Kommunion möchte?

Theologisch“ ließe sich das so legitimieren: In dem Abendmahl begegne uns doch die Liebe Jesu, die Liebe Gottes zu uns und mit welchem Recht dürfe die Kirche jemanden von diesem Liebesbegegnungsgeschehen ausschließen!Gottes Liebe wolle doch jeden erreichen. Daß so die hl Kommunion verramscht für jeden marktwirtschaftlich Sozialisierten entwertet wird, übersieht diese Strategie des Abendmahles für jedermann völlig. So kann es nicht verwundern, daß für die Erstkommunikanten ihre erster Empfang auch für lange Zeit ihr letzter ist: für alle umsonst, das kann nichts sein.

Wir leben in einer Massengesellschaft: Nur wenn ich in den nächst gelegenen Verbrauchermarkt zum Einkaufen gehe, begegne ich in ihm so viele andere Menschen, daß ich mich auf meinem Daheimwege kaum noch an eine der Begegnungen erinnern kann.1 Gravierender ist aber, daß ein heiliges Essen kein Begegnungsgeschehen ist: Niemand würde sagen: „Zu Mittag ist mir mein Mittagessen begegnet“, selbst wenn es ein aufgewärmtes Sauerkraut wäre! Im Empfang incorperiert ein Mensch das Gegessene und Getrunkene, also in der Eucharistie das Fleisch und das Blut Christi.

Die hl.Kommunion empfangen zu dürfen, ist genau genommen ein Privileg. Jesus Christus lud eben zur ersten Eucharistiefeier nur seine 12 Apostel ein und sonst niemanden!

Warum ist denn nun nicht jeder zum Empfang der hl.Kommunion zulaßbar? Im Hebräerbrief, 13, 10 werden die Juden vom Empfang ausdrücklich ausgeschlossen, da sie nicht an Jesus als den Christus glauben. Wer ungläubig kommunizierte, würde sich zum Unheile die Kommunion empfangen.

Da diese Erkenntnis in der heutigen Zeit fast völlig verschwunden ist, bedarf sie einer Erläuterung. Die Kirche bezeichnet die Eucharistie als die Medizin zur Unsterblichkeit. Jeder Medizin wohnt nun ein Wirkstoff inne, in der Eucharistie das Fleisch und das Blut Jesu Christi, bzw er selbst. Die Wirkkraft dieses Wirkstoffes kann mathematisch als sein Betrag bezeichnet werden. Der Betrag 5000 meint, daß er 5000 Einheiten von Null entfernt ist. Das Vorzeichen,plus oder minus qualifiziert diesen Betrag etwa als 5000 Euro Guthaben oder als 5000 Euro Schulden auf einem Bankkonto. Auf den Bereich der Medizin angewandt heißt das, daß die Wirkkraft der Medizin gemäß ihrem Betrag entweder zum Guten oder zum Bösen sich auswirkt. Die vorschriftsmäßig richtig eingenommene Medizin wirkt gesundungsfördernd, eine nicht vorschriftsgemäß eingenommene gar krankmachend. Je stärker die Wirkkraft einer Medizin ist, desto destruktiver wirkt sich ihr falscher Gebrauch aus. Die Eucharistie ist nun die stärkste Medizin auf Erden und so ist ein falscher Empfang auch für den Empfangenden äußerst gefährlich. Das meint: ein sakrelegischer Empfang.

Keine Mutter läßt den Medizinschrank unverschlossen, solange sie nicht ausschließen kann, daß ihr Kind davon mal naschen will und das dann für die Gesundheit ihres Kindes die fatalsten Folgen haben kann: daß ihre Medizin ihr Kind sehr krank machen kann. Genauso verschließt die Mutter Kirche ihren Medizinschrank, das Tabernakel, damit nicht ihre Kinder oder andere einen Schaden nehmen, damit sie diese Medizin gar zum eigenen Unheil empfangen. Die Liebe zu allen Menschen verpflichtet die Kirche also dazu, sehr sorgfältig diese stärkste aller Medizinen auszuteilen. Die Kirche ist ja auch die Apotheke Gottes auf Erden, uns zur Gesundmachung von Gott selbst eigens eingesetzt!


1Davon sind aber Begegnungen im emphatischen Sinne zu unterscheiden, die ihren Sitz im Leben in dem Genre des Liebesfilmes hat, daß sich zwei begegnen und im Augenblick der Begegnung sich als für einander bestimmt erkennen.. Wer dafür ein sehr gelungenes Anschauungsbeispiel sucht, dem sei die erste Folge der Serie:“Sturm der Liebe“ empfohlen, der Begegnung zwischen Laura und Alexander! Das Schicksal führt sie dann nach circa 300 Folgen zueinander. Dieser Vorstellunsgkomplex ist nun ein religiös sehr aufgeladener, aber er paßt nicht zur Eucharistie!

Donnerstag, 16. Juli 2026

Westdeutsche: ganz und gar von sich selbst entfremdet – oder das „Nein“ der Kirche zu Gott

 

Westdeutsche: ganz und gar von sich selbst entfremdet – oder das „Nein“ der Kirche zu Gott


Anfang Juni wies Björn Höcke im „Weltwoche“-Interview auf die unterschiedlichen Mentalitäten hin: Westdeutsche seien lediglich „deutsch sprechende Amerikaner“ mit einer „Ersatzidentität“, während im Osten noch „Deutsch sprechende Deutsche“ lebten.1 Daß dies Votum dieses Spitzenpolitikers der AfD in den Medien nicht positiv aufgenommen wurde, wenn es überhaupt beachtet wird, wird niemanden irritieren. Nur, wer erwartet denn überhaupt noch etwas Be- und Nachdenkenswertes aus dem Munde eines Parteipolitiker! Aber verwirren muß die hier implizite aufgestellte These, daß dies Votum etwas mit Gott zu tuen habe, zumal doch die Kirche lautstark uns erklärt, daß die AfD eine antichristliche sei.

Ab ovo: Wenn ein Christ sich befrägt: „Was will Gott konkret von mir?“ dann findet er in seinem Bestimmtheiten eine Antwort, die konkreter ausfällt als die abstrakteren etwa der Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe. „Sei, was Du bist!“, sagt Gott zu mir. Denn daß ich bin und was ich bin, das ist nicht das Resultat von zufälligen Ereignissen, sondern Gott selbst wollte mich so. Womit Gott mich begabt, daß ich nicht ein abstraktes Menschsein sondern ein konkret bestimmter Mensch bin, das ist Gottes Gabe an mich, die so meine Aufgabe ist. Gott gibt mir ein bestimmtes Geschlecht, eine bestimmte Volks- und Rassenzugehörigkeit.

Was nun, wenn wer nicht sein will, wozu Gott ihn so bestimmt hat? Fatal ist es, wenn diese Frage auf die reduziert wird: Will ich Gottes Geschöpf sein oder mehr als das oder weniger als das?2, so gewichtig diese Frage auch ist. Dem Ideal der Selbstbestimmung liegt die Annahme zugrunde, daß ich rein zufällig ein bestimmter Mensch bin und so das Recht habe,mich völlig neu zu bestimmen und somit mich als so bestimmter abzulehnen. Der Mensch gliche einer Puppe, der man Kleider angezogen habe, die sie aber ausziehen und durch andere ersetzen dürfe. Der Mensch sei und solle nur ein Abstraktum sein, daß sich selbst seine Kleider auswählen dürfe, welches Geschlecht, welche Volkszugehörigkeit und welche Rassenzughörigkeit ihm halt gefalle.

Will der Deutsche ein Deutscher sein? Auf diese Frage antwortet der AfD- Politiker: Der Westdeutsche wolle das nicht (mehr), er habe sich eine Surrogatsidentität erwählt! Die Frage nach dem Warum drängt sich damit auf. Und eine Antwort wird durch die These, daß dies ein spezifisches Problem der Westdeutschen sei, präfiguriert. Thomas Manns Deutung des 1.Weltkrieges als unserem Kampf um unsere Identitätswahrung, dem auch ein innere Feind entgegen trat, daß wir aufhören sollten, Deutsche sein zu wollen um uns stattdessen uns verwestlichen, soll so nicht ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. (Thomas Mann, Betrachtungen eines Unpolitischen)

Die spezifische Geschichte Westdeutschlands muß hier betrachtet werden. Die Geschichte Österreiches soll hier auch nicht bedacht werden: Es gelang dort, den Anschluß Österreiches an Deutschland zu einer Überwältigung Österreiches durch das “Nazideutschland“ umzudeuten,als wenn nun die Österreicher keine Deutschen wären, die stattdessen das erste Opfer des deutschen Imperialismus wurden.Das Resultat dieser Umdeutung: Österreicher, die meinen, keine Deutsche zu sein und es auch nicht sein wollen. (Ein Unglück war es, daß Bismarck nicht 1871 die großdeutsche Lösung, der Zusammenschluß mit Österreich gelang!)

Das Besondere der Entwickelung Westdeutschlands war nun die These der Willenseinheit der Nationalsozialisten mit unserem Volke: Hitler verwirklichte nur, was wir als Deutsche eigentlich immer schon wollten. Deshalb war der Krieg nicht zu führen als ein Krieg zur Befreiung des deutschen Volkes aus der Hitlerdiktatur, wie es Stalin verkündete, sondern als ein Krieg gegen das deutsche Volk. Der Deutsche sollte aufhören, ein Deutscher sein zu wollen, so lautete dann das volkspädogogische Lernziel der Umerziehung, der uns die USA unterwarfen, um uns zu zivilisieren, das hieß, zu verwestlichen.

Anfällig dafür wären alle Deutschen gewesen, aber nur in Westdeutschland wurde dies Umerziehungsprogramm durchgeführt, mit sehr viel Erfolg. Die Westdeutschen verwestlichten sich so sehr, daß aus der Sicht von Ostdeutschen die „Wessis“ als Nichmehrdeutsche erscheinen!

Die Katholische Kirche sagt nun „Ja“ zu dem Resultat dieser Umerziehung, indem sie den Willen zur Selbstbejahung als „völkischen Nationalismus“ perhorresziert. Aber dabei verharrt sie nun nicht: Sie propagiert selbst die Entdeuschung duch die massenhafte Aufnahme von „Flüchtlingen“, daß wir Deutschen zu einer Minderheit in unserem eigenen Staate werden sollen. Wir sollen aufhören,zu sein, was wir sind.Die Kirche propagiert eben nicht nur ein Nein zum Schöpfergott, indem sie hier die Genderideologie vertritt sondern auch indem sie die deutsche Identität verwirft.



1 Compact 15.72026 Knaller: Chrupalla und Steimle singen DDR-Hymmne

2Heute dominiert das Weniger als Gottes Geschöpfsein wollen, da der Mensch nur noch ein besonderes Tier sein will.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Eine vergessene Frage – eine zu unrecht vergessene im Diskurs der Kirche

 

Eine vergessene Frage – eine zu unrecht vergessene im Diskurs der Kirche


Dem,der tut,was in ihm ist, versagt Gott nicht die Gnade“= Facienti quod in se est,Deus non denegat gratiam“ wird Petrus Abaelardus zugeschrieben.1 Warum wird das mit dieser Aussage verbundener Problemkomplex heute kaum noch verstanden und in seiner Bedeutung verkannt? Diese Aussage setzt einen Kontext voraus, ohne den sie unverständlich ist: Gott will etwas von uns Menschen und wenn wir das tuen, will er uns etwas Gutes geben. Und Gott hat uns offenbart, zur Kenntnis gegeben,was er von uns will. Das klingt banal, aber selbst solche Banalitäten sind nicht mehr oder nur sehr vage im heutigen religiösem Wissen präsent. „Was muß ich tuen, um das ewige Leben von Gott zu erlangen?“

Kann ich das, was ich soll, aus mir selbst heraus, also aus meinem natürlichen Vermögen oder bedarf ich dazu einer göttlichen Hilfe?“Aus meinem natürlichen Vermögen kann nun auf die Natur des Menschen bezogen verwendet werden oder aber auch auf seine individuierte Natur. Das evoziert die Anfrage, ob denn Gott etwas von uns Menschen verlangen könne, was unser natürliches Vermögen überfordert.Wie sollte etwa ein Kurzsichtiger etwas gut sehen können, wenn er dazu nicht eine Sehhilfe, seine Brille verwendet?

Das obige Zitat soll nun sagen, daß Gott nichts von uns fordert, das unser Vermögen übersteigt. Wenn ein Mensch das ihm Mögliche realisiert an dem von Gott ihm Angeforderten, dann wird Gott ihm das dazugeben, was ihm an der Realisierung fehlte,das er aber nicht zu leisten vermag. Gottes Gerechtigkeit bestünde somit darin, nur das uns Mögliche zu fordern. Nur, daß das Gott selbst nicht genüge, sodaß er dann das Fehlende ergänze. So gedacht ist sichergestellt, daß jeder Mensch Gottes Geboten genügen könne, da er sie nur soweit zu erfüllen bräuchte, wie es ihm selbst möglich ist. Aber wird so die Gnade Gottes nicht etwas, das der Mensch sich verdienen kann? „Wenn Du a,b...tust, wird Gott Dich beschenken!“


Nun ist dieser ganze Diskurs über das natürliche Vermögen des Menschen und über die Gnade Gottes zu einem Museumsstück geworden, den fast nur noch Archivare interessiert. Das sogenannte Indikativ- Imperativ- Schema hat diesen Diskurs ersetzt: „Gott liebt uns Menschen und darum sollen wir“ und was wir sollen,können wir im Glauben an unser Geliebtwerden! Unser Geliebtwerden wird dabei in einer Analogie zur Vorstellung der Menschenwürde und der Menschenrechte als nicht gnadenhaft Gewährtes verstanden, sondern als ob unseres Menschseins Zukommendes. „Weil Gott uns geschaffen hat, liebt er uns auch, denn sonst hätte er uns nicht erschaffen.“Gott wird sozusagen uns natürlich liebend gedacht, sodaß es keine göttliche Gnade ist, von ihm geliebt zu werden.

Die Praxis dieses Verständnisses der Liebe Gottes ist so der Humanitarismus, der sich theologisch fundiert in dem Glauben an die Menschenwürde, die jedem Menschen ob seines Geliebtseins durch Gott zukommt. Einer Gnade bedarf dieser Mensch nicht mehr. Durch diese Konstruktion wird nun jede wie auch immer geartete Erlösungslehre obsolet, es reicht ein monotheistischer Schöpferglaube. 


1 zitiert nach. Saskia Wendel,In Freiheit glauben, 2020, S.125

Dienstag, 14. Juli 2026

„Erzbistum Hamburg: Eltern wehren sich gegen LGBT-Sexualkonzept in katholischen Schulen“ 1 oder die Sehnsucht nach dem Tode

 

Erzbistum Hamburg: Eltern wehren sich gegen LGBT-Sexualkonzept in katholischen Schulen“ 1 oder die Sehnsucht nach dem Tode


Auf diesen Kath net Artikel möchte ich jetzt en detail näher eingehen, er spricht für sich, weit dies Bistum sich schon vom katholischen Glauben entfernt hat. Ursprünglich wurde das Subsidaritätsprinzip auch im Bildungsbereich verwendet, um gegenüber dem Staate, der als moderner die Bildung als seine ureigenste Aufgabe definiert, Freiräume sich zu erkämpfen, in denen im katholischen Geiste Kinder unterrichtet werden sollten. Dem modernen Nationalstaat traute man so ein positives Verhältnis zur Katholischen Kirche nicht zu- man denke an den Kulturkampf Bismarcks.

Jetzt lassen sich die katholischen Schulen Hamburgs gleichschalten, indem sie die von den Regierungen der Länder protegierte Ideologie der LGBTQ- Bewegung in sich implantieren lassen.

Im Geleitwort schreibt P. Sascha-Philipp Geißler SAC, der zuständige Generalvikar des Erzbistums folgende Sätze: >Wir treten ein für die Akzeptanz (nicht nur Toleranz, Anm. d. Red.) von Vielfalt hinsichtlich sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität. Und wir treten ein für eine lebensbejahende und in diesem Sinne positiv besetzte Sichtweise auf Sexualität.<“

Daß diese Aussage sich selbst widerspricht, ist offenkundig: Denn lebensbejahend ist die Sexualität nur, wenn sie ihrem Wesen gemäß auf die Fortpflanzung ausgerichtet ist. Das verneint nun die Ideologie der Akzeptanz der „Vielfalt sexueller Orientierungen“. Die Zweigeschlechtlichkeit ist nun die notwendige Bedingung für die Geburt von Kindern und somit verneint die Rede von einer Vielzahl geschlechtlicher Identitäten eine lebensbejahende Sexualität.

Daß so dies Konzept unvereinbar mit der Lehre der Kirche ist, lautet doch das erste Gebot, daß Gott uns Menschen gab: „Seid fruchtbar, mehret Euch!“, ist nicht wegdiskutierbar. Irritieren muß aber, wie denn die LGBTQ- Ideologie in die Schulbücher der staatlichen Schulen einwandern konnten, die nun die Kirche Hamburgs so breitwillig sich unterwirft.Man könnte doch meinen, daß selbst ein atheistischer Staat um seiner Selbsterhaltung willen dafür Sorge trägt, daß das Staatsvolk sich hinreichend vermehrt, um sich zu erhalten und somit auch den Staat des Staatsvolkes. Wie kann dann der Staat eine so lebensverneinende Ideologie wie die LGBTQ oder den Feminismus unterstützen?

Die Krise des Sozialstaates, daß er nicht mehr finanzierbar ist, ist hauptsächlich der demographischen Fehlentwickelung zuzuschreiben, daß zu wenig Arbeitende zu viele Nichtmehrarbeitende finanzieren müssen, daß eben mehr Bürger sterben als geboren werden.

Ich finde dafür nur eine Antwort: Wir leben in einer Epoche der Dekadenz, der Schwächung des Lebenswillens. Im Feminismus wie in seinem Derivat, der LGBTQ- Ideologie manifestiert sich ein „Nein“ zum Leben. Diese Ideologien usurpieren nun den Staat, der eine Schöpfungsordnung Gottes zum Erhalt des Lebens ist und verkehren so den Staat zu einem Instrument der Lebensverneinung. Daß nun gar die Kirche sich von dem lebensbejahenden Gott Jesu Christi abgewandt einstimmt in „Spiel mir das Lied vom Tod“ zeigt, wie es um die Kirche steht. Man könnte denken, daß die Sehnsucht nach dem Tode diese Kirche erfüllt.




1 Kath net 14.7.2026

Sonntag, 12. Juli 2026

Die wehrhafte Demokratie praktisch und konkret - auch in der Kirche

 

Die wehrhafte Demokratie praktisch und konkret- auch in der Kirche


Der Parteivorsitzende der CSU will Björn Höcke das passive Wahlrecht entziehen lassen, die CSU die AfD Thüringens verbieten lassen. Zu viele Bürger mißbräuchten ihr Wahlrecht und deshalb müsse nun reagiert werden. Es soll Männer geben, die ihrer Zukünftigen dies Eheversprechen geben: „Jeden Deiner Wünsche werde ich Dir erfüllen, vorausgesetzt, Deine Wünsche gefallen mir!“ Was unterscheidet dies Eheversprechen von dem Konzept der wehrhaften Demokratie, das Volk dürfe frei wählen, solange nur die Blockparteien die Mehrheit der Stimmen bekommen? Wählen nun zu viele eine andere Partei, eine nicht von den Blockparteien anerkannte, müsse erwogen werden, die zu verbieten.

Der AfD Politiker Höcke ist nun zweimal wegen einer politischen Meinungsäußerung bestraft worden. Diese Bestrafung soll nun die rechtliche Grundlage für den Entzug des Wahlrechtes liefern. Was sagte also der Inkriminierte? „Alles für Deutschland!“- dafür ist er zweimal von Gerichten verurteilt worden. Ein Politiker, der also als seine Maxime, alles Gute für Deutschland benennt, darf deshalb nicht mehr in ein deutsches Parlament gewählt werden: Das wäre eine rechtsradicale Einstellung!

Ist dann also: „Nie wieder Deutschland“ oder gar „Deutschland verrecke“ („Feine Sahne, Fischfilet“) eine antifaschistische demokratische Parole?

Das Medienecho fällt erstaunlich einmütig aus: Es habe wenig Sinn, die AfD so zu bekämpfen, da in Ostdeutschland das eher zu einem Stimmengewinn dieser vermaledeiten Partei führe.

Was tun?“ (Lenin), wenn zu viele Bürger ihr Wahlrecht mißbrauchen, da hat die uns regierende Parteienoligarchie noch keine effektive Antwort gefunden, auch wenn die Grünen und die SPD das Parteiverbot präferieren und die antifaschistische in „Die Linke“ umbenannte SED sowieso! In der DDR konnte eben kein Bürger sein Wahlrecht mißbrauchen.

Die Katholische Kirche hat davon gelernt: Die Forderung nach einer Verdemokratisierung der Kirche wird da verbunden mit dem Entzug des passiven Wahlrechtes für alle rechten Kandidaten!: Solche dürfen in kein Gremium gewählt werden.

Kann Gott erhören? Eine kleine Exkursion in die Gotteslehre Ein Auszug aus meinem Buch: Der zensierte Gott

 

 Kann Gott erhören? Eine kleine Exkursion in die Gotteslehre


Wir stoßen hiermit auf die Zentralfrage jeder Religion: Wie denken wir uns die Beziehung Gottes oder der Götter zu uns? Jede Religion stellt sich diese Beziehung als eine Wechselbeziehung vor. Gott ist in Beziehung zu Menschen und der Mensch zu Gott. Keine Wechselbeziehung besteht mehr, wenn von Gott nicht mehr gedacht werden kann, daß er sich zum Verhalten der Menschen selbst noch einmal verhalten kann. Das meint konkreter, daß Gott auf die Reue und Buße der Stadt Ninive schauen kann, und er um dieser Reue und Buße willen auf sein Gericht verzichtet. Der Gott der Liebe, wie ihn uns das Zitat aus der Credo-Schrift darstellt, kann das nicht. Er ist einfach vorgestellt als liebender Gott, der seine Liebe wie die Sonne ihr Licht ausströmen läßt über alle Menschen. Dieser Liebesgott verhält sich nun gleichgültig dazu, ob und wie die so geliebten Menschen auf seine Liebe antworten. Das wäre so, als sagte ein Mann zu der Frau, die er liebt: „Ich liebe dich! Es ist mir gleichgültig, ob Du mich liebst oder auch nicht liebst und wie du dich sonst verhältst. Ich werde nie aufhören, dich zu lieben.“ Gott kann, weil er die Liebe ist, kein Gebet und kein Opfer erhören, ja er kann nicht mal zu unserem Leben, ob wir als Heilige oder wie Schweine leben, sich verschieden verhalten, weil er nur lieben kann. Bittet ein Mensch Gott um etwas, kann Gott dies Gebet oder sein Opfer, das in dieser Intention ihm dargebracht wird, nicht erhören. Denn er gibt das Erbetene, wenn es gemäß der Liebe Gottes zu dem Menschen ist, unabhängig von dem Gebet und dem Opfer. Wenn das Erbetene aber nicht gemäß der Liebe Gottes zu den Menschen ist, dann kann Gott dies Gebet und Opfer auch nicht erhören, weil er nur wirken kann, was gemäß seiner Liebe zu den Menschen ist. Gott ist so unwandelbar der Liebende, daß von ihm nie gedacht werden kann, daß er um des Gebetes und des Opfers willen den Menschen etwas gewährt, was er ihnen ohne das Gebet und Opfer nicht gewährt hätte. Damit werden die Grundvollzüge des religiösen Lebens, das Opfern und das Beten, zu sinnlosen Handlungen. Aber nicht nur das!

Wenn ich mich entscheide, ob ich Gutes oder Böses tun will, kann ich nach dieser Gotteslehre urteilen, nein, ich muß es sogar, daß es dem Liebesgott gleichgültig ist, ob ich Gutes oder Böses tue. Gleich ob ich das Gute oder das Böse vollbringe, Gott wird mich in beiden Fällen weiterhin lieben, weil er nur lieben kann, die Heiligen wie die Sünder. Aus welchen Gründen auch immer ich mich dann für das Gute und gegen das Böse entscheide, den Liebesgott brauche ich bei dieser Entscheidung nicht zu berücksichtigen, denn ihm ist sie gleichgültig. Dostojewskij sagte: Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt. Jetzt dürfen wir ergänzen: Weil Gott die Liebe ist, ist alles erlaubt!


Aber wie anders stellt uns die hl. Schrift die Beziehung Gottes zum Menschen und sein Verhalten zu unserem Beten dar! Da wir schon das Thema der Fürbitte angeschnitten haben, sollen nun Mose und Maria, die Gottesmutter, uns als Fürbitter vor Augen gestellt werden.


Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte“ (Exodus 32, 14). Wie kam es dazu? Das Volk hatte schwer gesündigt. Es hatte sich ein Goldenes Kalb gegossen und dies als seinen Gott verehrt, während Mose auf dem Berg die Gesetze Gottes empfing. Gott spricht zu Mose: „Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten herausgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben.“ (32, 7-8) Zu beachten ist dabei, daß mit dem „sie laufen ins Verderben“ kein Tun- und Ergehenszusammenhang gemeint ist, sondern, daß das Volk wußte, daß, wenn es zu anderen Göttern sich bekehrt, Gottes Zorn über es entbrennen wird. Sie wußten, was sie taten.


Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut. Ein störrisches Volk ist es. Jetzt laß mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.“ (32, 9-10). Liebt Gott alle gleich, ob sie sündigen oder gemäß seinen Geboten leben? Der von modernistischen Theologen erdachte Gott liebt so! Aber hier liebt Gott ganz anders! Er liebte sein Volk, und darum ließ er es durch Mose aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreien. Jetzt schlägt aber die göttliche Liebe in göttlichen Zorn um! Warum: Weil das Volk durch die Anbetung des Götzenbildes Gottes Liebe zu ihm verachtet. Aus geschmähter Liebe wird Zorn. Wem das völlig unbegreiflich sein sollte, der stelle sich vor: Der Ehemann kommt früher als erwartet von der Arbeit heim und sieht seine Frau im Ehebett mit einem Geliebten! Sein Zorn entbrennt, gerade weil er seine Frau liebte! Nur wer liebt, kann auch zürnen. Die Begriffe Liebe und Zorn sollen uns dabei vor Augen stellen: Gott ist kein apersonales Prinzip, das der Gerechtigkeit etwa, das nun die Gerechten belohnt und die Bösen bestraft, sondern ein sich engagierendes Wesen. Er ist eine persönlicher Gott, der Beziehungen zu anderen stiftet, in Beziehungen eingeht, sich in ihnen engagiert als Menschen wirklich Liebender und so auch als Zürnender! Gott will sein Volk vernichten, weil es gesündigt hat gegen ihn, und er will Mose retten, weil er gerecht ist.


Jetzt wird der Gerechte aktiv!Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. Sollen etwa die Ägypter sagen können: in böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Laß ab von deinem glühenden Zorn und laß dich das Böse reuen, das du deinem Volk antun wolltest. Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel,und dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen.“ (32, 11-13)


So betet der gerechte und fromme Mose zu seinem Gott. Er stellt sich zwischen Gottes Zorn und das Volk, das Gottes Zorn vertilgen will. Er steht nicht unter dem Zorn Gottes. Nur deshalb kann er jetzt als Fürbitter vor Gott treten, um sein Volk zu retten versuchen. Hier ringt ein Mensch mit Gott. Dem Gerede, daß Juden von Natur aus für den Beruf des Rechtsanwaltes geeignet seien, könnte man angesichts dieses glanzvollen Plädoyers ein wenig Glauben schenken. Selbstverständlich weiß Mose, warum Gott über das Volk erzürnt ist. Er stellt trotzdem diese Warumfrage. Er appelliert damit an Gott, sich von seinem Zorn zu distanzieren und sich zu fragen: „Ist das so gut, daß ich jetzt so zürne?“ Nicht versucht nun Mose die Sünde des Volkes kleinzureden: „So schlimm war das doch nicht!“ Nein, er weiß, daß das so nicht geht. Gottes Zorn ist gerecht angesichts dieses Greuels des aufgestellten und vom Volke verehrten Götzenbildes. Er appelliert an Gott: „Was werden die anderen Menschen, die Ägypter, von dir denken, wenn du so handelst!“ Mose glaubt von seinem Gott, daß ihm die Menschen, auch die Ägypter nicht gleichgültig sind. Und darum ist es diesem Gott auch nicht gleichgültig, was die Ägypter über ihn denken werden, wenn er so in seinem Zorne handelt. Es wäre rufschädigend. Verborgen enthält diese Mahnung Mose die Vorstellung: Gott will nicht nur der Gott Israels sein, sondern der Gott aller Völker. Wie will Gott das aber werden, wenn er in den Ruf gerät, sein Volk, das er sich erwählt hatte, selbst vernichtet zu haben? Welches Volk möchte einen solchen Gott als seinen Gott haben! Danach erinnert Mose Gott an seine Verheißungen an die Väter Israels. „Bleibe deiner Verheißung treu!“


Im Zentrum dieses Gebetes steht nun aber: „Lasse dich das Böse reuen!“ Das dürfte nicht nur nach Meinung der Modernisten, sondern schon Calvins und vieler anderer nicht in der Bibel stehen. Wie viel Schweiß vergoß man, um diese Aussage zum Verschwinden zu bringen! Nur, wenn wir diese Aussage streichen: Was bleibt dann von Gott? Das Böse meint hier selbstredend nicht etwas moralisch Verwerfliches! Das angedrohte Zornesgericht ist gerecht. Aber, was gerecht ist, das ist für das Volk sein Todesurteil. Dies Todesurteil ist für das Volk böse, einfach in dem Sinne, daß es denen, die leben wollen, ihr Leben vernichtet. Gott will hier den Tod seines erwählten Volkes. Das ist das Böse schlechthin für das Volk, auch wenn es ein gerechtes Todesurteil ist. Mose kritisiert ja auch gar nicht dies göttliche Urteil als ungerecht. Er sagt stattdessen zu Gott: Das gerechte Urteil schadet dir. Es ist zwar gerecht, aber nicht gut für dich. Welches Volk, welcher Mensch möchte dich noch zu seinem Gott haben, wenn man von dir zu erzählen weiß, daß du dein eigenes Volk vernichtet hast und daß du deine Eide deinem Volke gegenüber nicht einhältst, wenn das Volk sündigt. Was nützten dann deine Eide, wenn die Einlösung der Eide daran gebunden ist, daß man nicht sündige!


Und was antwortet Gott auf dieses Gebet, das uns doch gar nicht so recht fromm erscheint, ja eher einen guten Rechtsanwalt als Urheber vermuten läßt? Wir haben es schon vernommen: „Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.“ Reuen meint hier nicht, daß Gott von Anfang an nicht vorhatte, sein Volk zu strafen für seine Sünde und dies nur Mose vorspielte, um zu prüfen, wie er sich da verhalten würde. Bewährt sich Mose? Nein, die Reue Gottes meint hier wirklich, daß Gott umgekehrt ist. Er änderte sein vorgesehenes und von ihm selbst gewolltes Verhalten zu seinem Volke. Das ist die Macht und die Kraft des Gebetes wie des Opfers. Gott kann sein Wollen ändern. So lebendig ist Gott.


Ergänzend dazu berichtet Deuteronomium 5 von Moses' rettender Fürbitte: Ich warf mich also vor dem Herrn nieder und lag vor ihm vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Ich warf mich nieder, weil der Herr gedroht hatte, er werde euch vernichten. Ich betete zum Herrn und sagte: Gott, mein Herr, bring nicht das Verderben über dein Volk und deinen Erbbesitz, die du in deiner Macht freigekauft und mit starker Hand aus Ägypten geführt hast. Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Jakob! Beachte nicht den Starrsinn dieses Volkes, sein Verschulden und seine Sünde, damit man nicht in dem Land, aus dem du uns geführt hast, sagt: offenbar kann der Herr sie nicht in das Land führen, das er ihnen zugesagt hat, oder er liebt sie nicht; also hat er sie nur herausgeführt, um sie in der Wüste sterben zu lassen. Sie sind doch dein Volk und dein Erbbesitz, die du mit großer Kraft und hoch erhobenem Arm herausgeführt hast.“ (9,25-29)


Wenn Mose dem Credo der Katholischen Erwachsenenbildung geglaubt und auf die Fürbitte verzichtet hätte, wäre Israel hier vom Gottes Zorn vertilgt worden! Aber das war Mose! Wie ist das heute bei uns Christen?