Freitag, 19. Juni 2026

Radicale Nachfolge Jesu: ein Klärungsversuch über die Verbürgerlichung der christlichen Existenz

 

Radicale Nachfolge Jesu: ein Klärungsversuch über die Verbürgerlichung der christlichen Existenz


Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ Mt 19,21. Radicaler kann Jesus Christus das, was es heißt, ihm nachzufolgen, nicht formulieren. Das „komm und folge mir“ bezeichnet die Zielbestimmung, das verkaufe alles, das Mittel, um ihm nachfolgen zu können. Denn jeder Besitz macht den Besitzer immobil, es existierten damals noch keine kleinen überall hinnehmbaren Kreditkarten, mit denen überall bezahlt werden kann. Den Armen soll das Geld aus dem Verkauf von allem geschenkt werden, denn die können dafür keine Gegengeschenke machen und so dem Verschenker wieder zu einem Besitz verhelfen. So mahnt Jesus ja davor, nicht die zum Essen einzuladen, von denen dann eine Einladung zu einem weiteren Essen zu erwarten ist, oder nur zu geben, der dann auch wiedergeben kann.

Diese Aussage ist bestimmt durch die oppositionelle Gegenüberstellung von dem irdischen und dem himmlischen Lohn bzw Schatz: Wer irdische Schätze genießt, wird keine himmlischen genießen können und wer keine irdischen genießt, dem werden himmlische verheißen.

Aber was meint nun die Nachfolge Jesu? Die Nachfolge Jesu meint hier eine genau bestimmte Lebenspraxis, die des Wanderpredigers, der auf allen seine Mobilität behindern würden Besitz verzichtet, um von Ort zu Ort ziehend das Evangelium zu predigen. Seinen Lebensunterhalt bezieht er dann allein aus dem ihm Gespendeten. Der Apostel Paulus bildete dabei eine Ausnahme, da er seinen Lebensunterhalt durch sein Handwerk verdiente und dem deswegen in Korinth der Vorwurf gemacht wurde, kein echter Apostel zu sein, da ihm die Versorgung durch die Gemeinden als einem Apostel zustünde.

Diese radicale Nachfolgepraxis ist eine antibürgerliche Existenz, indem auf ein Familienleben und dem dazu gehörigen Berufsleben verzichtet wird.

Aber die Wanderprediger gründeten selbst Gemeinden von Seßhaften, die ihr bürgerliches Leben nicht aufgaben, sondern als Gläubige in der Ordnung der Familie und des Berufes und des Staates lebten. Ein Familienvater kann nicht alles den Armen verschenken ohne gegen die Ordnung der Familie zu verstoßen, seinen Pflichten der Ehefrau und seinen Kindern gegenüber. So gibt es auch die Berufspflichten, denen nicht jeder Berufstätige sich einfach entziehen kann und auch die staatsbürgerlichen Pflichten: All diese zu befolgen, verlangt die Nächstenliebe.

Wie soll sich nun der bürgerlich lebende Christ zu der Idee der radicalen Nachfolge verhalten. Der Apostel Paulus präsentiert uns ein konstitutives Element der Verbürgerlichung der radicalen Jesusnachfolge: „Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;“.1.Kor 7,29ff. Aus dem alles Weggeben und alles Verschenken wird hier ein Besitzen „als ob nicht“. Innerlich soll der Christ sich von allem Weltlichen distanzieren aber er kann das Weltliche dann doch noch nutzen um seiner weltlichen Verpflichtungen willen. So lebt der Weltchrist innerlich eine antibürgerliche Existenz in seinem äußerlichen bürgerlichen Leben.

Gekrönt wird diese paulinische Konzeption des „als ob nicht“ durch die Aussage: „denn die Gestalt dieser Welt vergeht.“ Wer sein Herz an die vergängliche Welt hängt, sie liebt, der wird mit ihr vergehen, denn die von ihm geliebte Welt wird ihren Liebhaber mit in ihren Untergang hinunterziehen.

Aus dem der bürgerlichen Welt sich Entziehenden, dem antibürgerlichen Wanderprediger wird so der Weltchrist in seiner ihm eigentümlichen Weltfremdheit, dem die Welt nie seine wahre Heimat sein kann. Die Gefahr dieser unweltlichen Existenz in der Welt ist offenkundig: daß er die Welt zu lieben anfängt und diese Distanz des „als ob nicht“ verdrängt. 

Völlig verbürgerlicht präsentiert sich die Theologie, wenn sie Jesu Nachfolge als ein sozialpolitisches Programm mißversteht, die Armut zu bekämpfen.


Donnerstag, 18. Juni 2026

Wie in einer Predigt über das Beten und Fasten Jesu Christi Verkündigung verfälscht wird

 

Wie in einer Predigt über das Beten und Fasten Jesu Christi Verkündigung verfälscht wird



So lehrt der Sohn Gottes selbst, der Lehrer der Wahrheit: „Und wenn ihr betet,sollt ihr nicht sein wie die Heuchler,die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten,damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich,ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“ Mt 6,5 Wenn die so Betenden ihr Gebet in der Intention vollzögten, daß auch die Anderen so beten mögen, dann wäre dies öffentliche Beten nichts Kritikwürdiges. Aber ihre Intention ist die, von den Anderen dafür anerkannt zu werden. Das ist ihr Lohn, den sie so erwirken wollen und Jesus bezweifelt nicht, daß sie ihn auch so erlangen werden.

Das gilt ebenso für das Fasten: Wer so fastet, daß die Anderen es merken und loben, der bekommt so seinen so erstrebten Lohn. Mt 6,17.

Wie betet und fastet man denn nun richtig als Christ: Man bete und faste im Verborgenen, um so nicht von den Mitmenschen eine Anerkennung zu finden,sondern damit Gott sie für ihr Beten und Fasten belohnen wird. In Mt 6d,9f verweist uns Jesus auf die fundamentale Alternative,daß wir entweder nach einem irdischen Lohn oder nach dem himmlischen streben können. Wer nach einem irdischen strebt, der erlangt ihn dann auch, aber er wird dann keinen himmlischen mehr erlangen und wer auf das Streben nach einer irdischen Belohnung verzichtet, wird den himmlischen Lohn erlangen. Dabei wird dann der irdische als ein vergänglicher, der himmlische als ein unvergänglicher qualifiziert.

Was machte daraus die auf diese Texte fußende Predigt ? Wir sollen nicht nach Lohn streben, sondern das Gute um des Guten willen vollbringen. Psychologisch gedeutet heißt das: Es kann auf eine externe Belobigung unseres guten Tuens verzichtet werden, da wir das Belobigtwerden so internalisiert haben, daß unser eigenes Gewissen das Belohnen übernimmt, wir also keiner externen Belohnung mehr bedürfen. Dies Sichselbstbelohnen ist dann aber nur ein Sonderfall des Strebens nach einer innerweltlichen Belohnung,daß ich selbst nach einem guten mich so belohnenden Gewissen strebe.

Jesus aber bejaht das Streben nach einer Belohnung für unser Tuen, nur soll der Christ danach streben, von Gott belohnt zu werden, den Himmelslohn zu empfangen und das ist, daß wir eintreten dürfen in das Reich Gottes in das ewige Leben. Stattdessen wird suggeriert, daß ein Streben nach einem Lohn an sich verwerflich sei, egal ob ein irdischer oder ob der himmlische Lohn erstrebt wird. Zudem wird die jenseitige Perspektive völlig ausgeblendet, daß der Himmelslohn ein jenseitiger ist. Das gute Tuen soll stattdem schon hier auf Erden dem Christen guttuend sein, indem er das Gute um des Guten willen wirkt und es darin genießt. Denn alles Tuen hat entweder seinen Zweck in sich selbst, dann wird es genossen oder hat seinen Zweck außer sich, dann wird nicht das Tuen sondern das Erreichen des Zweckes genossen.Vgl hierzu den hl.Augustin über die Unterscheidung von "uti"= gebrauchen zu etwas und "frui"= genießen, etwas um seiner selbst willen tuen.

Dieser Immantismus, daß das Gute Tuen sich in sich selbst belohnt, verkennt, daß Gott allein der Richter unseres Tuens und Nichttuens ist, der so uns belohnt oder auch nicht belohnt. Diesem Immantismus wohnt nun auch die Tendenz inne, die Folgen unseres Sündigens als eine immanente Auswirkung der Sünde auf den Sündigenden zu verkennen: Gott straft so auch nicht, wie er auch das Gute Tuen nicht selbst belohnen wird. Jesus Christus lehrt uns nun etwas völlig anderes, daß Gott gerecht belohnt und bestraft. 

Vergleiche dazu meinen Artikel: "Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie". Diese Predigt ist ein gutes Anschauungsbeispiel für eine postmetaphysische Theologie ob ihres Immatismuses. 


Mittwoch, 17. Juni 2026

„Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst.“

 

Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst.“


So urteilen das Theologen duo infernale Striet und Essen laut dem kath de Artikel: „Theologen: Kirche sperrt sich gegen staatliche Freiheitsrechte“.1" „Der Volkssouveränität aber wird von der römisch-katholischen Kirche bis heute die Anerkennung verweigert": Zwei Theologen vermissen ein klares kirchliches Bekenntnis zum demokratischen Rechtsstaat.“ 2 In ihrem Buch: „Was vom Westen bleibt“ wird zwischen dem liberalen und einem illiberalen Demokratieverständnis distinguiert und der Kirche vorgeworfen, ein illiberales zu vertreten.

Das falsche Demokratievertändnis: „Die Kirche begründe die Geltung der staatlichen Rechtsordnung religiös und verankere sie in Gott, nicht im Freiheitsbewusstsein der Bürger, erläuterten die Theologen. Laut deutschem Grundgesetz gehe dagegen alle Staatsgewalt vom Volk aus. >Der Volkssouveränität aber wird von der römisch-katholischen Kirche bis heute die Anerkennung verweigert", monierte Essen. Darin spiegelt sich der antiliberale Schatten des katholischen Naturrechtsverständnisses.<"

Eine theologische Begründung der staatlichen Rechtsordnung sei also verwerflich. Auch dürfe nicht naturrechtlich die Kirche argumentieren.Das wären ja inhaltliche Vorgaben, wohingegen die liberale Demokratie ein nur rein formales Verfahren zur Bestimmung dessen sei, was als wahr zu gelten habe.

Als Beispiel verwiesen die beiden Theologieprofessoren auf den Streit um das Abtreibungsrecht: Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst. Stattdessen gehe es ihm "um die Wesensbestimmung der Frau, die aus dieser Sicht nun einmal darin besteht, Kinder zu bekommen und für deren Erziehung zu sorgen", kritisierte Striet.“

Der Ordo salutis der Frau, 1.Timotheusbrief 2,15 wird damit als eine Fremdbestimmung reprobiert, denn Gottes Wille ist eben der Feind des Selbstestimmungsrechtes auch der Frau. Jede Art einer Wesensbestimmung ist aus Sicht der Postmoderne abzulehnen, da das alles nur geschichtlich kontingent produzierte Konstrukte seien: Jede Frau bestimme stattdessen selbst, was sie unter ihrem Frausein verstehen möchte.

Das Selbstestimmungsrecht der Frau verlange so, daß sie darüber entscheiden dürfe, ob sie ihr Kind im Mutterleibe töten wolle oder nicht. Das mache die Würde der Frau aus! Ergo: In einer liberalen Demokratie dürfen Frauen ihre Kinder im Mutterleibe töten, eine illiberale verweigert ihr dies Tötungsrecht! Liberalität inkludiert so das Recht zur Tötung von unschuldigen Menschen. In Deutschland werden in 10 Jahren 1 Millionen Kinder so getötet: der Triumph der liberalen Demokratie.


1Kath net Theologen: Kirche sperrt sich gegen staatliche Freiheitsrechte am 15.6.2026

2A.a.O.

Ein Erklärungsversuch für die MIsere der heutigen Kirche und ihrer Theologie

 

Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie


Erst in der heutigen Zeit,in der eine postmetaphysische Umformung des Christentums eingesetzt hat,will man eine rein menschliche Form von Christlichkeit hervorbringen, folglich möchte man die Gläubigen aus der vertikalen Spannungen entlassen,die vormals seine begründeten.“ Peter Sloterdijk1. Manfred Frank bestimmt die Differenz zwischen dem metaphysischen und dem nachmetaphysischen Denken prägnant so:“Denn wenn mit dem Tod Gottes das ganze Deutungs- und Sinnstiftungs- und Tröstungssystem des abendländischen Geistes zusammengebrochen sein soll,dann läßt sich ahnen, was der kleinste gemeinsamer Nenner all der seit 2500 Jahren den Menschen angebotenen Antworten auf ihre Sinn- Bedürfnisse gewesen ist: nämlich die Gewißheit einer übersinnlichen Welt.Und >Metaphysik<ist zunächst genau dies:die Gewißheit des Übersinnlichen. Deren Tod bedeutet für Nietzsche, daß die abendländische Philosophie als Platonismus und Christentum zu Ende ist“.2 Dieser Tod der Metaphysik kennzeichne das postmoderne Denken, das ein postmetaphysisches sei.

Die „vertikalen Spannungen“, von denen Sloterdijk schreibt resultieren aus der Differenz zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt in der Frage, wie denn der diesseitig lebende Mensch ein Bürger des Jenseits werden könne.Eine postmetaphysische Anthropologie kenne dann nur noch Menschen-verbesserungskonzeption für und innerhalb des Dieseitigen.

Sloterdijk sagt nun, daß die Umformung der Theologie in ein so bestimmtes Verständnis der Postmetaphysik schon stattfindet. Arnold Gehlen weist uns auf eine Spur, die uns diese postmetapysische Theologie aufzufinden hilft,denn sie ist schon da, auch wenn sie nicht unter dieser Flagge segelt:“Die Religion wurde,vor allem in den letzten Jahrzehnten, immer ausschließlicher bloß humanitär“,3 Sie wurde humanitaristisch.4

Diese Transformation in den Humanitarismus findet nun ihre Vollendung in dem Glauben an die Menschenwürde, die Menschenrechte und in dem Glauben an die eine Menschheitsfamilie, wobei dann Gott nur noch die Funktion zufällt, eine kontingente ergänzende Letztbegründung für diesen Humanitarismus zu liefern: Die Kirche verkündet so die Menschenwürde.

1Peter Sloterdijk, Menschenverbesserung, in: Nach Gott, 2017,S.226.

2Manfred Frank, Was ist Neostrukturalismus?, 1984, S.27.

3Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, 1969, S.129.

4A.a,O. S.129.


Montag, 15. Juni 2026

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche

 

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche


Frägt man nach dem Kern der reformatorischen Umformung des christlichen Gottesdienstes, dann ist das die Zentrierung auf die Predigt und die Herabstufung der Eucharistie zu einem heiligen Essen, dem Abendmahl als einer kontingenten Ergänzung des Gottesdienstes, das lutherisch ein Mal im Monat, reformiert vier bis sechs Mal im Jahr gefeiert wird.

Die Evangelischen durften keine Priester mehr sein, da das Abendmahl kein Opfer mehr sein durfte, sondern sie hatten das Berufskleid des Lehrers anzuziehen. Die Predigt war und ist das, was im heutigen pädagogischen Diskurs als das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes bezeichnet wird. Das dürfte in der Zeit der Reformation das Format des Unterrichtens gewesen sein und war es auch eine lange Zeit hindurch. Die zeitgenössische Pädagogik steht diesem Format aber ablehnend gegenüber: Die Schüler lernten nur, wenn sie selbst aktiv im Unterricht sein können.

Einer der größten Feinde für einen gelingenden Unterricht ist nun die Neigung der Schüler, sich ablenken zu lassen, daß sie vielerlei interessanter finden als den Lernstoff. Wie soll den sich ein Gottesdienstbesucher auf die Predigt konzentrieren, wenn er in einer wunderschönen Barockkirche sitzt? Das Ohr mag wohl auf die Predigt hören wollen, aber die Augen sehen Bilder, sehen Goldschmuck und Blumen,,,und die Nase richt Weihrauch. Eine Barockkirche ist eben etwas so die Sinne Ansprechendes, daß das Hören beeinträchtigt wird.

So ist aus diesen lernpädagogischen Gründen die Idealkirche eine, die wie ein universitärer Hörsaal gestaltet ist: Nichts die Sinne Ansprechendes soll vom Hören ablenken. Selbst ein Priestergewand würde da zu einem Problem.

Die Reformierten verboten und verbieten so im Kirchenraum jedes Bild und rühmen ihre völlig schmucklosen Kirchen. Alles Ästhetische beeinträchtigt die rein pädagogische Ausrichtung des Gottesdienstes in seiner Kaprizierung auf die Predigt.

Unverkennbar ist das Bemühen der nachkonziliaren Liturgiereform, dem protestantischen Gottesdienstverständnis sich anzugleichen. Die ästhetische Qualität der „Alten Messe“ wird so dem Konzept der Verpädagogisierung geopfert. Die Priestergewänder werden immer schlichter, die Innenraumgestaltung verzichtet auf alles Dekorative, die Sinne Ansprechendes und oft auch auf Bilder und Skulpturen. Die gepredigte Unterweisung soll eben den kultischen Charakter des Gottesdienstes ersetzen. Da nun das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes nun pädägogisch bezweifelt wird, gilt es, viele irgendwie um den Altar herum auftreten zu lassen, irgendetwas tuen zu lassen, da so diese nun Aktivierten besser so etwas lernen als wenn sie nur passive Zuhörer wären.

Aber ist das Wesen des Gottesdienstes das der Vermittelung theologischer Inhalte an die Schülergemeinde? Ist der Kult eine pädagoische Veranstaltung?

Aufklärungszeiten mit ihrer Pädagogik sind keine guten Zeiten für die Ästhetik. 

Samstag, 13. Juni 2026

Aus Dialogen mit evangelischen Christen

 

In Göttingen studierte ich einst ev.Theologie. Da führte ich mehrmals dies Gespräch zum Thema: Darf ich als Christ zu Maria beten, sie um eine Fürbitte bitten: Ora pro nobis?
Ich frug: Wenn ich nächste Woche mich einer schweren Operation unterziehen müßte, dürfte ich dannDich bitten: "Bete für mich"? Alle sagten: "Ja", nur die, die meinten, Gott könne keine Gebete erhören,verneinten das.
Weiter frug ich: "Dürfte ich denn nicht nur Jesus Christus um Hilfe bitten?" Die meisten respondierten:"Wenn es erlaubt ist, für einen anderen zu beten, dann muß es auch erlaubt sein, einen anderen um eine Fürbitte zu bitten!""Warum darf ich dann Maria nicht bitten,für mich zu bitten?" Viele konnten darauf nichts mehr antworten.
Die Anderen: Maria sei tot, und darum könne sie keine Fürbitte mehr leisten. Dann wäre die Bitte nicht unerlaubt, sondern nur nicht von der Gottesmutter erfüllbar. 
Jetzt muß also erörtert werden, ob ein Verstorbener noch eine Fürbitte erbringen könne. Oder, was heißt es, tot zu sein. Der 1.Petrusbrief gibt uns darüber eine klare Auskunft, indem er über den gekreuzigten und dann begrabenen Jesus aussagt: 3,19f: Er stieg hinab in das Reich der Toten und predigte ihnen das Evangelium,um ihnen eine Möglichkeit zur Rettung zu geben. Die Toten konnten also hören und das Evangelium annehmen und der tote Jesus konnte predigen! Die Erklärung:Im Tod trennt sich die Seele
vom Körper und existiert nach ihr weiter, biblisch wie hellenistisch in der "Unterwelt",erlöst im Himmel.
Also kann Maria als Verstorbene und im Himmel seiende für uns beten.
Das anhaltende Gebet des Gerechten vermag viel. Jakobusbrief 4,16. Wer ist aber gerecht vor Gott, wennnicht die Mutter Gottes, die uns den Erlöser zur Welt brachte! Wie durch Evas Ja zum Versucher die Sünde in die Welt kam, so kam durch Marias Ja zu Gott das Heil in die Welt. Wenn Jesus ein Gebet erhören möchte,dann wohl das seiner Mutter oder?
 
Jesus verhieß dem reuigen Sünder, dem Mitgekreuzigten: "Heute wirst Du ins Paradies kommen!", aber Protestanten meinen, auch nach 2000 Jahren warte er im Todesschlaf auf die Erfüllung dieser Verheißung. 

Ein denkwürdiges Gespräch – oder vergessene Wahrheiten über den Tod

 

Ein denkwürdiges Gespräch – oder vergessene Wahrheiten über den Tod



Eine ältere Frau, auf einem Rollator gestützt stand in der Blumenabteilung eines Kaufhauses, künstliche Blumen in der Hand haltend, ratlos auf sie schauend. „Da haben Sie aber sehr schöne ausgewählt!“, sagte ich zu ihr. Es waren wirklich sehr schön ausschauende. Sie: „Darf ich die denn auf das Grab meines Mannes stellen?“ „Ach“,klagte sie, „das Gehen fällt mir so schwer und dann noch der lange Weg auf dem Friedhof zu dem Grabe meines Mannes!“ Nach einer Pause: „Aber kann ich das meinem Mann zumuten, daß ich nun statt echter künstliche Blumen ihm hinstelle?“

Diese Frage gilt es nun zu begreifen. Oft sagen wir mehr als wir intendieren und uns bewußt ist. Wer bedenkt schon, daß die Äußerung: „Morgen“ eine Abkürzung von „Guter Morgen“ ist und meint: „Ich wünsche Dir einen guten Morgen!“ Begriffen wäre diese Wunschäußerung aber erst, wenn gewußt würde: Ist das eine säkularisierte Version des ursprünglichen: „Ich bitte Gott, daß er Dir einen guten Morgen schenkt!, oder manifestiert sich darin ein magisches Wunschverständnis, daß durch die Wunschäußerung der gute Morgen beschworen, also erwirkt würde?

Welche Voraussetzungen impliziert diese Frage der Frau: „Kann ich das meinem verstorbenen Manne zumuten?“ Hierbei soll nun das Ausgesagte ernst genommen werden und nicht psychologistisch entkernt werden: Hier melde sich nur ihr Übberich, daß sie nicht gegen die Norm, man legt auf Gräber keine künstlichen Blumen, verstoßen dürfe. Es geht in dieser Aussage objektiv nicht um eine Norm, sondern um die Frage, ob das für ihren Mann akzeptabel sei. Das impliziert, daß erstens der Verstorbene noch wahrnimmt, daß Blumen auf sein Grab gelegt werden und daß zweitens es ihm nicht gleichgültig ist, welche seine Frau auf sein Grab legt und daß drittens das Folgen zeitigen könnte für das jetzige oder spätere Verhalten des Mannes zu seiner Frau, später,wenn sie selbst verstorben wieder bei ihm sein wird. Denn es ist der Ehefrau nicht gleichgültig, daß es ihrem Manne nicht gleichgültig ist, ob sie künstliche oder echte Blumen auf sein Grab legt.

Das sagt über die Vorstellung, was bedeutet es für den Verstorbenen, tot zu sein, viel aus. Dies Wissen um den Verstorbenen ist in der Frage: „Kann ich das meinem verstorbenen Manne zumuten?“ implizit enthalten. Die heutige Beerdigungskultur lebt immer noch aus diesem Wissen, aber es könnte wahr sein, was Slavoj Zizek so formuliert, daß die Kultur das ist, was wir tuen und nicht mehr glauben. Nur, konnte diese Frau diese Frage noch so stellen, wenn sie das so nicht mehr glauben würde?