Mittwoch, 25. März 2026

 

Grundlegendes: Was können wir über das Todsein wissen? Eine unorthodoxe Idee


Wie wäre es, befrügten wir jemanden, der schon gestorben war und wirklich tot war und der uns, neu zum Leben erweckt, darüber nun eine Auskunft geben könnte? Vom einer Person ist uns bezeugt, daß er tot war und dann nach 3 Tagen wieder auferweckt worden ist bzw auferstand. Wer, wenn nicht Jesus Christus könnte uns so Zuver-lässiges über das Todsein mitteilen? Wie stand es um ihn, nachdem er am Kreuze ausrief: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“ und bevor er dann am Ostermorgen von den Toten auferstanden sich seinen Schülern offenbarte?

Der 1.Petrusbrief klärt uns auf: Jesus ist hinabgestiegen in das Reich der Toten und hat dort den Toten das Evangelium gepredigt. (3,19 und 4,6) Diese biblische Aussage muß uns erstmal irritieren: Wie können den Verstorbene noch das Evangelium hören und wie kann ein Verstorbener noch das Evangelium predigen? Wenn der Tod die einfache Nichtung unseres Lebens wäre, wären beide Aussagen unwahr. Damit diese 2 Aussagen wahr sein können, muß der Tod etwas ganz anderes sein als diese uns geläufige Vorstellung vom Todsein.

Der Petrusbrief präzisiert nun das Todsein der Verstorbenen als ein „Gefängnis“ (3,19), in dem die Verstorbenen als „Geister“ eingesperrt sind. Das „Gefängnis“ besagt hier, daß sie nicht mehr zurückkehren können in die Welt der Lebenden, weil sie Gefangene sind. Daß sie als „Geister“ bezeichnet werden, bedeutet, daß sie als Seele in diesem „Gefängnis“ eingesperrt sind, wohingegen ihr Leib, oder was noch von ihm übrig ist,in den Gräbern liegt. Das gilt so nun auch von Jesus Christus: Sein Leib lag bis zum Ostersonntag in seinem Grabe, aber als Seele stieg er hinab in dies „Gefängnis“, sowohl als wahrer Mensch wie auch als wahrer Gott. Man darf sich seinen Kreuzestod ja nicht so imaginieren, daß er nur als Mensch starb und als Gott davon unberührt blieb.

So konnte Jesus in der Unterwelt predigen und die in der Unterwelt Gefangenen konnten seine Predigt hören! Was zeichnet nun dies Dasein in dem „Gefängnis“, der Unterwelt, wie es sehr treffend heißt, aus? Jesus selbst gibt uns darauf die klare Antwort: die Gottverlassenheit! Gott kerkert die Verstorbenen ob ihrer Sünden in dies „Gefängnis“ ein. So erleiden sie selbst ihr Todsein, das ist ihr Verlassensein von Gott. Aus dieser Haft kann Gott aber nun auch befreien und das tat er, indem er seinen Sohn am Ostermorgen aus dieser Gottverlassenheit befreite.

Die Toten sind nicht genichtet, sondern existieren nach ihrem Sterben entweder als Seele im Himmel, oder im Fegefeuer oder in der Hölle, So könnte es auch erklärt werden, wie es möglich sein konnte, daß eine Totenbeschwörerin den toten Samuel herbeirufen konnte, damit er dem König Saul sein Schicksal offenbarte.(1.Samuel 28, 3- 25) Unsere Toten sind nicht einfach tot, als wenn sie nicht mehr existierten.



Dienstag, 24. März 2026

„Pastoralpsychologe: Gott hat nichts davon, dass ich faste“-oder die Bekämpfung der Religion

 

Pastoralpsychologe: Gott hat nichts davon, dass ich faste“-oder die Bekämpfung der Religion



Kath de offenbarte uns mitten in der Fastenzeit diese geradezu revolutionäre Erkenntnis am 21.März 2026. Der darauf folgende Artikel ist aber so belanglos, daß ich auf jede Kommentierung verzichte um mich auf diese einzig relevante Aussage dieses Artikels zu fokussieren. Jede religiöse Praxis ist immer auch ein Agieren in Hinsicht auf Gott, in der Hoffnung, daß er ob dieses Tuens im Sinne der religiösen Praxis reagieren wird. Sie setzt voraus, daß gewußt oder zumindest gehofft wird, daß die Praxis gemäß Gottes Willen ist und daß Gott so auf eine solche Praxis dann auch positiv reagieren wird, da sie gemäß seinem Willen ist, bzw sofern sie gemäß Gottes Willen praktiziert wird.

In keiner Religion wird so gesagt, daß Gott jedes ihm dargebrachte Opfer annehmen würde, egal wie es von wem dargebracht wird. Man liegt wohl nicht fehl in der Annahme, daß dies Wissen um das rechte Opfern die Berufskompetenz des Priesters ausmacht, auch wenn wohl nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, daß es priesterlose Religionen mal gegeben haben könnte als primitive Religionen, das ist eine Religion ohne eine interne Aufgabendifferenzierung. Den Religionen, die sich auf eine Offenbarung gründen, gehört so die Weise des Fastens selbst zum Offenbarungsgut, obzwar man den Eindruck haben könnte, daß die Praxis des Fastens eine jeder Religion bekannte Praxis ist. Es müßte jeden Leser der Geschichte des Propheten Jona irritieren, wie den die Bürger Ninives auf die Idee kamen, das ihnen vom Propheten Jona angekündigte Gericht durch ihr Fasten abwenden zu können, obschon der Prophet ihnen das nicht verkündet hatte: „Fastet und Gott wird euch nicht strafen!“ Sie dachten ja: „Wer weiß? Vielleicht läßt Gott es sich gereuen und wendet sich ab von seinem gimmigen Zorn,daß wir nicht verderben.“ (3,9) Sie hoften also, daß vielleicht ob ihres Fastens Gott seinen Zorn über sie abwenden würden, aber sie wußten das nicht, denn ihnen war das nicht offenbart worden.

Die Voraussetzung jeder religiösen Praxis und somit auch des Fastens ist die, daß Gott auf die Praxis reagiert und daß gehofft wird, daß Gott im Sinne der Fastenden reagieren wird. Eine magische, nichtreligiöse Praxis wäre das Fasten, wenn Gott nun nicht anders könnte, als gemäß der Intention der Fastenden zu reagieren. Gott bleibt Herr, er kann unser Fasten erhören, muß es aber nicht.Aber eines ist klar: Die religiöse Praxis des Fastens setzt notwendig voraus, daß es Gott selbst nicht gleichgültg ist, ob wie fasten oder ob wir nicht fasten. Er will nämlich, daß wir gemäß seinem Willen handeln und zu der von ihm gewollten Praxis gehört auch das Fasten.

Gott habe nichts von unserem Fasten, suggeriert dagegen, daß ihm unser Fasten gleichgültig sei, sodaß es nur ein Tuen zu unserem wie auch immer gearteten Vorteil sei, das heißt, daß es gar keine religiöse Praxis ist. Eine Religion ohne religiöse Praxtiken ist aber keine Religion!

Corollarium

Gott als sich vollkommen genügend zu denken evoziert das Problem, ob dann noch eine Beziehung des so gedachten Gottes zu einem anderen als sich selbst für Gott eine Bedeutung haben kann. 


Montag, 23. März 2026

Vergessene Wahrheiten oder der Relevanzverlust Gottes

 

Vergessene Wahrheiten oder der Relevanzverlust Gottes


Man hat in unseren religiös-neu-analphabetischen Jahrzehnten so gut wie ganz vergessen, daß die Rede von Gott im Monotheismus immer auch einen zornigen Gott einschloß.“ So urteilt Peter Sloderdijk in seinem mehr als lesenswerten Buch: „Zorn und Zeit“.1

Man könnte urteilen, daß nun die Religionskritik Feuerbachs, Marx und Nietzsches: „Gott ist tot!“ ihre Früchte trügen und es so nicht verwunderlich sei, daß auch in Deutschland, sind doch diese drei auch deutsche Philosophen, die Anzahl der Gottgläubigen immer geringer und so die Kirchen immer leerer würden. Die von der Katholischen Kirche und der EKD vorgelegten Zahlen bestätigen nun ja Jahr für Jahr diesen Niedergang.

Unwahr ist das sicher nicht, aber so gerät der Eigenanteil des Verschuldens dieses Niederganges ganz aus den Augen.Es könnte doch gemutmaßt werden, daß ein Element, daß den Relevanzverlust Gottes und damit der Religion genau in dem hier von Sloterdijk Bezeichnetem liegen könnte.

Ab ovo: Wenn Gott unser Verhalten ihm gegenüber nicht gleichgültig ist, dann haben wir, um es mal ganz simpel auszuformulieren, damit zu rechnen, daß unser Gott gefälliges Verhalten ihm gegenüber für uns positive, daß unser Gott mißfallendes Verhalten ihm gegenüber für uns negative Folgen habe. So müßten wir also der Frage, wie würde Gott unser Verhalten wohl beurteilen, eine Relevanz zusprechen. Es kann jetzt hier jede Näherbestimmung des Was Gott mißfallen oder gefallen könnte, wie gewiß wir das erkennen können und wie genau Gott positiv oder negativ reagieren könnte, außer Acht lassen, da so die Gefahr besteht, daß dies Elementare uns aus unser Sicht gerät.

Wenn wir Gott nämlich glaubten als einen Gott, der immer nur sein „Ja“ zu uns sagt und nie ein „Nein“, das „Nein“ soll hier als Zorn Gottes verstanden werden, dann kann dieser Gott für unser Leben keine Relevanz mehr haben. Eine Relevanz hätte er doch nur für uns, wenn er auf unser Verhalten ihm gegenüber reagieren würde und wir zu bedenken hätten: „Wie würde Gott wohl reagieren, wenn ich dies oder jenes täte.“ Wenn Gott aber geglaubt wird als ein immer nur zu uns Menschen Jasagender, dann hat dieser Gott keine Relevanz für mich bei der Frage: „Wie soll ich leben?“

Die Idee des Zornes Gottes zeigt an, daß Gott uns so wenig gleichgültig ist, wie einem Liebenden es nicht gleichgültig sein kann, ob der Geliebte ihm treu ist oder ihn betrügt.Eine Liebe ohne die Möglichkeit des Zornes ist von einer Gleichgültigkeit faktisch nicht distinguierbar: „Mir ist es gleich,ob Du mir treu bist oder nicht, denn nie werde ich aufhören, Dich zu lieben.“ Das ist kein ernst zu nehmendes Liebesbekenntnis.

Philosophisch erfaßt meint das, eingedenk der Tatsache: „Omnes determinatio est negatio“, daß eine Liebe, die die Möglichkeit der Negation der Liebe ausschließt als „Zorn“ oder „Haß“ keine Liebe ist. „Wer nicht schweigen kann, der kann auch nicht reden“, denn das Redenkönnen ist die Negation des Schweigenkönnens.





1Slotedijk, Peter., Zorn und Zeit, 2008, S.73.

Sonntag, 22. März 2026

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?

 

Deregulierung- die Wunderwaffe gegen alle Mißstände in der Welt auch in der Kirche und der Politik?



Keine Kampfparole kommt ohne ihr Feindbild aus, in diesem Falle erfreut sich der Terminus der Bureaukratie größter Beliebtheit: Die Wirtschaft und überhaupt wir alle als Bürger leiden an einem Zuviel an bureaukratischen Vorschriften: Das Leben würde durch sie geradezu stranguliert. So müsse ein rabiater Vorschriftenabbau initiiert werden. Bertold Brechts kluge Bemerkung, daß schlechte Zeitungen kein Argument für deren Abschaffung sondern für dessen Verbesserung seien, finden in (neo)liberalen Zeiten wenig Gehör, daß also nicht die Vorschriften das Übel an sich seien sondern deren Qualität.

Einst lebten wir Menschen unsere Sexualität oder für romantisch Eingestelltere die Liebe unreglementiert natürlich, bis daß sie zum Opfer einer Moralbureaukratie wurde, die in ihrer Reglementierungslust alles und jedes verbot, was den Menschen eine Freude bereitete. Die Euphorie für die Ethnologie verdankte sich der Sehnsucht nach noch natürlich lebenden Völkern, die unreglementiert noch glücklich leben konnten in ihrer freien „Liebe“.

Im Bereich der Politik triumphiert nun auch das Projekt der Deregulierung: Die USA und Israel legen das Völkerrecht als verstaubt ad acta,indem sie nun einfach das natürliche Faustrecht repristinieren: Dem Mächtigen ist alles erlaubt,nur Schwache müssen sich an die von den Mächtigen ihnen diktierten Vorschriften halten. Das Völkerrecht erlaubt den Krieg als ein Mittel der Politik gemäß der auch von der Kirche bejahten Lehre vom „gerechten Kriege“. Der jetzige Angriffskrieg gegen den Iran ist eindeutig nicht durch das Völkerrecht legitimierbar und auch seine Befürworter bestreiten das nicht, wie etwa Kath net: Aber im Kampf gegen das Böse sei eben alles erlaubt! Wir erleben so das Ende der Epoche der regulierten Weltpolitik. Allerdings müssen die Nichtmächtigen weiter an Gesetz und Ordnung sich halten, nur die Großen nicht.

Das verleitet nun zu dem Bedenken, ob etwa eine Deregulierung der Wirtschaft: Mehr freier Markt, weniger staatliche Vorschriften auch nur den Mächtigen zu Lasten der Schwächeren dienen wird.Den auch in den zwei anderen Bereichen, dem der Sexualität und dem der Politik führt eine Deregulierung doch nur zum (natürlichen)Recht des Stärkeren.Wer die Macht hat, den Anderen zum Sex zu zwingen, darf das, so lautet das Credo des Radicalaufklärers de Sade und wer die Macht hat,Kriege zu führen in der Hoffnung, sie auch zu gewinnen, darf sie auch führen.

Im Raume der Theologie und Kirche sollte es so auch jedem freigestellt werden,zu glauben, was er wolle, solange nur die Kirchensteuer bezahlt wird.Eine solche Deregulierung der Theologie ist so nun doch das Kernanliegen der liberalen Theologie und der Kirchenreformer. Am besten wäre doch die gänzliche Abschaffung der Morallehre, sodaß der Christ nur die staatlichen Gesetze zu befolgen hätte, die als demokratisch gesetzte die einzig legitimen seien.

Daß das Recht des Stärkeren, der menschliche Naturzustand, den es faktisch aber nie gab, da wir unser Leben immer kulturell gestaltet haben, der Idee des Gemeinwohles dysfunktional gegenübersteht, ist offenkundig, da die Recht das des Egoismus ist.

Daß Regeln und Vorschriften dem Ziele einer vernünftigen Regulierung dienen sollen, auch wenn dann nicht alle Gesetze dem gerecht werden, darf nicht vergessen werden im Taumel der Begeisterung für das Ideal der Deregulierung.Unreguliert zu leben, ist eben unvernünftig. Gott selbst hat ja aus Liebe zu uns Menschen die Gebote und Satzungen gegeben, damit wir gut leben können, nicht um uns zu bevormunden. Und dieser Gott regiert uns auch durch die staatlichen wie durch die kirchlichen Gesetze und Vorschriften, was aber leider nicht ausschließt, daß schlechte Gesetze gegeben werden können, die dann aber es gilt, sie zu verbessern, statt von einer Gesetzeslosigkeit zu träumen.







Samstag, 21. März 2026

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“

 

Eine kritische Anmerkung zum Kreuzweg des „Gotteslobes“



In der 2.Station des Kreuzweges: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern“ („Gotteslob“, 9.Auflage 1988, 775) heißt es: „Herr Jesus, du hast willig das Kreuz getragen,das die Sünde der Menschen dir auferlegt hat.“ Daß er „willig“ sein Kreuz auf sich genommen hat, gründet sich in dem Philipperhymnus, daß er „gehorsam bis zum Tode am Kreuze“ (Philipper 3,8) gewesen war- aber wem war Jesus denn nun so gehorsam? Hat die Sünde ihm das Kreuz auferlegt,sodaß er ihr gehorchend nun sein Kreuz trug? Nein, Gott, sein Vater legte ihm das Kreuz auf seine Schultern, damit er so die Sünde aller Menschen büße.

Nun heißt es aber auch in der 2.Station: „Er will den Kelch trinken,den der Vater reicht,“ Um Gottes Gerechtigkeit willen vergibt Gott nicht einfach in einer Generalamnestie allen Menschen ihre Sünden, sondern seine Gereechtigkeit fordert eine der von uns Menschen begangenen und begangen werdenden Sünde gemäße Strafe, die nun der Sohn Gottes auf sich selbst nahm, um uns von der Strafe Gottes zu befreien. Das Maß seines Kreuzesleidens ermaß sich aus dem Maß der Sünde aller Menschen, aber das Kreuz selbst legte der Vater ihm auf.

Nun steht in der 4.Station: Jesus begegnet seiner Mutter“: Noch immer leidet Christus in unserer Welt, in den Gliedern seines Leibes, in seinen Brüdern und Schwestern. Mit ihnen leidet Maria, seine und unsere Mutter.“ Leiden also Maria und diese Geschwister wie Jesus Christus, weil Gott es will, daß diese so für die Sünde der Menschen zu leiden haben um der Versöhnung der Gerechtigkeit Gottes willen?

Liest man den Text der 4.Station des Krezweges, suggeriert er doch eher, daß diese, weder Maria noch die Brüder und Schwestern leiden sollten, daß der Text so an seinen Leser appelliert, daß dieses Leiden nicht sein sollte. Nur, Jesu Leiden am Kreuze war ein von Gott gewolltes, das der Sohn Gottes gehorsam auf sich nahm. Soll das nun so auch für die Gläubigen gelten, daß auch sie so gehorchend ihr Kreuz zur Genugtuung der Gerechtigkeit Gottes zu tragen haben? Von dem Kreuz Christi wird nun eindeutig in der 9.Station: „Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz“ gesagt: „Doch er will das Werk vollebden,das der Vater ihm aufgetragen hat.“

Soll nun diese Aussage des Aufgetragenseins des Kreuzes für jedes Kreuz gelten, das ein Christ in der Nachfolge Christi zu tragen hat? Das Gebot der Nächstenliebe legte es doch näher, die Not leidender Christen abzuwenden zu helfen, als in ihrem Leid einen Beitrag zur Versöhnung mit Gottes Gerechtigkeit wahrzunehmen. Wenn aber in Predigten es heißt, in den leidenden Mitmenschen den leidenden Christus zu recognizieren, dann bedeutete das, nähme man das ernst, daß dies Leiden auch eines uns zum Heile wäre.

Der Apostelfürst Paulus schreibt in seinem Kolosserbrief: „Nun freue ich mich in den Leiden, die ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch fehlt,für seinen Leib, das ist die Kirche.“ (1,24). Soll das nun für jedes Leiden gelten, das einem Christen in seinem Leben widerfährt? Oder wird es nur ein solches Ergänzungsleiden, wenn es ein Christ so als ein Ergänzungsleiden annnimmt und Gott so aufopfert?

Kein Mensch will leiden und kein Mensch soll leiden, das könnte als wohl von allen Menschen anerkannte Position zum Leiden angesehen werden. Nun sagt aber die christliche Religion über das Leiden Christi etwas völlig anderes, wie es auch wder Kreuzweg des „Gotteslobes“ ausdrückt. Verwirrend wird es nun aber, wenn von dem Leiden der Christen in ihrer Kreuzesnachfolge geschrieben wird: Leiden wir Christen dann auch so, daß Gott uns diesen Kelch des Leidens uns zu trinken aufgibt, oder ist das Leiden eher ein Appell an uns, dem leidenden Mitchristen in seiner Not zu helfen?

Diese Unklarheit läßt sich aus dem Kreuzweg des Gotteslobes nicht wegexegetisieren, denn er ist selbst in der Theologie des Kreuzes grundgelegt in der Spannung von dem, der ein Mal für unsere Sünden gestorben ist und der Kreuzesnachfolge, wenn isb in jedem Leidenden Christus als der Leidende recogniziert werden soll.Es scheint so, als wenn einmal das  Kreuz Christi allein heilgenügsam, dann, daß es ergänzungsbedürtig wäre.

Donnerstag, 19. März 2026

Fast vergessende Wahrheiten über Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph

 

Fast vergessende Wahrheiten über Maria und ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph



Es ist wohl der Selbstverprotestantisierungstendenz innerhalb der Katholischen Kirche verschuldet, daß dieses so bedeutsame Protoevangelium des Jakobus kaum noch bekannt und schon gar nicht mehr ernst genommen würde, als gälte nun auch in der Kirche die Parole: „Allein die Schrift“, sodaß die Tradition man zu verachten begann, isb wenn deren Gehalte aus der säkularitischen Weltsicht als zu anstößig empfunden werden, wenn Gott eben in die Wirklichkeit eingreifend im Zentrum steht, daß er Wunder wirkt.

Deshalb zitiere ich hier aus diesem Werk, da wohl kaum ein Leser diesen so gewichtigen Text zu seinen Händen hat!

7 Die Vorstellung der Maria im Tempel

1 Und dem Kind wurden die Monate hinzugefügt. Und das Kind wurde zweijährig, und Joachim sagte: "Lassen wir sie in den Tempel des Herrn hinaufgehen, damit wir das Versprechen erfüllen, das wir gelobt haben, damit nicht der Herr gegen uns zürnt und unsere Gabe nicht angenommen wird." Und Anna sagte: "Lass uns das dritte Jahr abwarten, damit sie nicht nach Vater oder Mutter verlangt." Und Joachim sagte: "Lass uns abwarten." 2 Und als das Kind drei Jahre alt wurde, sagte Joachim: "Lass uns die Töchter der Hebräerinnen rufen, die Unbefleckten." Und lasst sie jede mit einer brennenden Fackel stehen, damit sie sich nicht nach hinten wendet und ihr Herz sich nicht vom Tempel des Herrn abwendet. Und so verfuhren sie, bis sie in den Tempel des Herrn hinaufgingen. Und der Priester des Herrn nahm sie entgegen, küsste sie, segnete sie und sagte: "Gott der Herr, hat deinen Namen in allen Generationen groß gemacht. Durch dich wird der Herr den Söhnen Israels die Erlösung offenbaren am letzten der Tage." 3 Und er setzte sie auf die dritte Stufe des Altars, und Gott, der Herr, legte Gnade auf sie, und sie tanzte mit ihren Füßen, und das ganze Haus Israels liebte sie.



III Maria und Joseph (Kapitel 8-10)

8 Marias Frauwerdung

1 Und ihre Eltern gingen hinab, staunend und lobpreisend und verherrlichend Gott den Herrn, weil er sich nicht von ihnen abgewandt hat. Maria war aber im Tempel des Herrn, wie eine Taube, die genährt wird, und sie erhielt Nahrung aus der Hand eines Engels. 2 Als sie zwölf Jahre alt geworden war, hielten die Priester einen Rat und sagten: "Siehe, Maria ist zwölf Jahre alt geworden im Tempel des Herrn. Was sollen wir also mit ihr tun, damit sie das Heiligtum Gottes, unseres Herren, nicht verunreinigt." Und die Priester sagten zu ihm: "Du stehst am Altar des Herrn. Geh hinein und bete für sie, und was auch immer der Herr, dein Gott, dir offenbart, das werden wir tun." Der Priester nahm die zwölf Glöckchen 5, ging hinein in das Allerheiligste, und betete für sie. Und siehe, ein Engel des Herrn trat hervor und sagte: "Zacharias, Zacharias, geh hinaus und rufe die Witwer des Volkes zusammen, und lasst sie einen Stab mitbringen, und dem, dem Gott, der Herr, ein Zeichen zeigt, dem wird sie zur Frau." Und die Herolde gingen hinaus in die ganze Umgebung von Judäa, und die Posaune des Herrn ertönte, und siehe, alle liefen herbei.

9 Maria und Joseph

1 Josef, der das Beil weggelegt hatte, ging selbst hinaus, um ihnen entgegenzukommen, und als sie sich versammelt hatten, gingen sie gemeinsam zum Priester, indem sie die Stäbe nahmen. Der Priester nahm die Stäbe von ihnen, ging in den Tempel und betete. Nachdem er das Gebet beendet hatte, nahm er die Stäbe, ging hinaus und gab sie ihnen zurück. Und es war kein Zeichen an ihnen. Den letzten Stab nahm Josef, und siehe, eine Taube kam aus dem Stab hervor und setzte sich auf den Kopf Josefs. Und der Priester sagte: "Josef, Josef, du bist dazu bestimmt worden, die Jungfrau des Herrn zu nehmen und sie für ihn zu bewahren." 2 Und Josef entgegnete und sagte: "Ich habe Söhne und bin ein alter Mann, sie aber ist jung. Vielleicht werde ich zum Gespött für die Söhne Israels." Und der Priester sagte: "Josef, fürchte den Herrn, deinen Gott, und erinnere dich daran, was Gott Dathan, Abiram und Korach getan hat: wie sich die Erde öffnete und alle verschlungen wurden wegen ihres Widerspruchs. Und nun, fürchte dich, Josef, damit dies nicht in deinem Haus geschieht." 3 Und Josef, voller Ehrfurcht, nahm sie zu sich, um sie für ihn [den Herrn] zu bewahren, und er sagte zu ihr: "Maria, ich habe dich aus dem Tempel des Herrn aufgenommen, und nun lasse ich dich in meinem Haus zurück. Denn ich gehe fort, um Gebäude zu errichten. Und ich werde [wieder] zu dir kommen. Der Herr wird dich behüten."



Solche Texte machen den Reichtum der Kirche aus! Eine "Frucht" des Hyperkritizismus und des Priesterbetrugsnarratives ist der Generalverdacht, daß jede Traditionsbildung stets eine Verfälschung des Ursprünglichen sein soll, die so das Traditionsgut der Kirche entwertet wie dies so wunderbare Werk, das "Vorevangelium" des Jakobus. Grundlegend für dieses Werk ist die Einsicht in die Herkunftbesimmtheit jedes Menschen: Auch von Jesus mußte man, wenn man ihn erkennen wollte, sowohl den Vater, Gott also auch seine Mutter Maria kennen. Dies "Vorevangelium" trägt also das ganze Wissen um die Gottesmutter zusammen, damit seine Leser so ihren Sohn erkennen können. Maria hat so schon ab ihrem 3.Lebensjahr ihr Leben ganz Gott geweiht als eine Tempeljungfrau, die dann unter den Schutz Josephs gestellt wurde, um die Mutter Gottes zu werden. 



Erlöst durch Gottes Liebe oder durch das Leiden Christi?

 

Erlöst durch Gottes Liebe oder durch das Leiden Christi?


Mel Gibsons Jesusfilm: „Die Passion“ gehört wohl zu den meistdiskutierten und umstrittensten Jesus Filmen. Von linksliberaleren Kräften hagelte es nur so an Vorwürfen, hauptsächlich dem des Antisemitismus, Ganz offiziös wurde dieser Film gar gemaßregelt: „Eine gemeinsame Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, und des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, äußert sich jedoch kritisch zum Film: „Mit dieser drastischen Darstellung verkürzt der Film die Botschaft der Bibel auf problematische Weise. Der Film birgt die Gefahr in sich, das Leben Jesu auf die letzten zwölf Stunden zu reduzieren.“ Ein weiteres Problem liege in der Darstellung der beteiligten Juden. Die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung bemerken die Möglichkeit einer antisemitischen Instrumentalisierung.“ 1

Einem Film über die Passion Jesu Christi den Vorwurf zu machen, er kapriziere sich auf seine Passion, zeigt das beeindruckende Niveau der damaligen Kritik.Wenn dem Film der Vorwurf des Antisemitismus gemacht werden kann, dann müßte man ihn an die vier Evangelien weiterleiten, den deren klare Tendenz, primär den Juden, bzw den damaligen Klerikern die Hauptschuld zuzuschreiben, spiegelt dieser Film einfach wider.

Aber der Vorwurf der Verkürzung ist in sich doch recht gehaltvoll, darum soll er hier erläutert werden: Die zentrale Heilsaussage der christlichen Religion lautet, daß wir durch das Kreuzleiden Christi erlöst worden sind. Aber genau diese Kernbotschaft ist seit dem Bemühen der Theologie, sich aufkärungskompatibel umzugestalten, in die Kritik geraten. Für den Aufklärungsphilosophen Kant ist die Vorstellung einer Erlösung durch ein Sühnopfer eine vernunftwidrige Absurdität.

Hedwig Courths Mahlers Roman: „Durch die Liebe erlöst“, sehr schön verfilmt,ist so faktisch zu der Alternative zur traditionellen Kreuzestheologie avanciert: Die Liebe Gottes erlöst uns. Genau genommen wird so das Kreuz Christi als sein Erlösungswerk völlig überflüssig, denn unsere Erlösung bestand und besteht eigentlich in unserer Aufklärung, daß Gott nie aufgehört habe, uns zu lieben und daß er uns immer auch lieben wird. Irgendwie kann dann noch versucht werden, das Kreuz Christi mit dieser Liebe in Einklang zu bringen, etwa, daß Jesus die Verkündigung des Liebesgottes so wichtig war, daß er auch durch Gewaltandrohungen nicht sich abhalten ließ, den Liebesgott zu verkünden, oder daß etwa Gottes Liebe darin bestünde, nicht mit Gegengewalt auf die Gewalt der Römer zu reagieren, daß Gott also eine Strategie der Gewaltdeeskalation praktiziert hätte. Gern werden Karfreitagspredigten dann noch mit Phrasen dekoriert, etwa, daß Gott uns seine Liebe im Kreuz Christi erwiesen habe, ohne daß dann irgendwie geklärt wird, was man sich dabei denn denken solle.

Dieser Passionsfilm hat nun eine klare Aussage, daß wir durch das Leiden Christi erlöst worden sind. Jesu wird versucht: „Glaubst Du, daß Du diesen Kelch wirklich auszutrinken vermagst?“ Eine klare Gerechtigkeitsidee liegt dem zugrunde, daß der Schwere der Sünde, der Sünden aller Menschen, der einstigen, der jetzigen und der zukünftigen die Schwere der Strafe entsprechen müsse, daß ein ausgewogenes Verhältnis erwirkt werden muß auf der Waage der Gerechtigkeit. Kann Jesus Christus wirklich dieses Maß an Strafe in der Gestalt seines Leidensmüssens ertragen?

Der Film zeigt uns nun in seiner kraftvollen Bildersprache, daß Jesus wirklich dieses Maß an Strafe erlitten und ausgehalten hat, sodaß wir dadurch erlöst wurden.

Wenn ein Arzt seinen Beruf auch um der Nächstenliebe willen erwählt hat, so heilt ein Chirug doch seine Patienten nicht durch seine Nächstenliebe sondern durch sein ärztliches Handeln, daß er den Patienten operiert. Die Liebe motiviert ihn dann zu dem Operieren, aber die Heilung verdankt der Patient der Operation, nicht einfach der Liebe zu ihm. So hat auch Jesu Christi Liebe zu uns ihn dazu motiviert, für uns am Kreuze zu sterben, aber sein Kreuzesleiden hat uns erlöst, nicht einfach seine Motivation.

Die Filme David Hamiltons zeichnet auch eine klare Botschaft aus: „Die Schönheit erlöst die Welt“, wie es Dostojewski in seinem Roman : „Der Idiot“ sagen läßt. Die ästhetische Qualität seiner Filme ist nun, daß es in ihnen gelingt, diesen Gehalt in eine überzeugende Bildersprache zu übersetzen. Als Photograph hat er ein Blick für schöne Bilder, sodaß seine Filme wie eine Aneinanderreihung wunderschöner Bilder erscheint.

Der Passionsfilm zeichnet sich genau durch diese Qualität der Hamiltonfilme aus: seine Bildsprache!

Manche Kritik des Passionsfilmes behandelt diesen Film, als wenn er ein Hörspiel wäre, da die Bildsprache völlig vernachläsigt wird. Aber gerade in ihr manifestiert sich die Erlösungsbotschaft dieses Filmes. Dabei mußte eben eine andere Bildsprache konzipiert werden als für einen Hedwig Courths Mahler Film: „Durch Liebe erlöst“ oder wenn man einen Film über das Dictum: „Schönheit erlöst die Welt“ schaffen wollte. M.E gelingt das den Filmen David Hamiltons.

Das Faszinierende des Passionsfilmes ist es nun, daß hier wirklich eine Bildsprache konzipiert worden ist, die genau diese Erlösungsvorstellung zum Ausdruck bringt in einzigartiger Qualität! Und genau das ist auch des Pudels Kern seiner Kritik: Man sähe lieber einen Liebesfilm, daß wir durch die Liebe erlöst im Sinne Courths Mahlers.

1Wikipedis: Mel Gibson: Die Passion.