„"Auf die schiefe Bahn geraten“ - die Entwickelung der Menschheit vom
Polytheismus zum Atheismus- ein Eigentor?
Fortschrittsgläubig gestimmt könnte man sie die religiöse Entwickelung der Menschheit in etwa so zurechtlegen: von der animistischen Phase1 über die polytheistische zu dualistischen und dann monotheistischen Religionen, die dann ihr Ende in einem aufgeklärten Atheismus fände. Es müßte dann in diese Grobstruktur noch die magische Phase eungezeichnet werden, ihre Aufhebung in der religiösen als Zwischenphase zur wissenschaftlichen, die alle magischen und religiösen Praktiken ersetzen würden. Der Atheismus wäre so das Ziel dieser Entwickelung.
Man könnte gar geneigt sein, diese Entwickelungsstufen als Stufen der Entwickelung jedes Kindes zum Erwachsenen wie auch als die Stufen der Entwickelung der Menschheit zu deuten. Als Animisten fingen wir an, als Atheisten sind wir erst endlich erwachsen geworden.
Solange dieses Entwickelungschema nur ein der Kirche und ihrer Theologie äußerlich gegenüberstehendes wäre, wäre es noch kein gravierendes Problem für und in der Kirche aber es muß dazu avancieren, wenn die Kirche es sich selbst zu eigen gemacht hat, um dann aber in der vorletzten Stufe die „Notbremse“ zu ziehen, indem nun der Monotheismus als die letzte und höchste Stufe deklariert wird, die alle vorherigen Stufen nur noch als einen einzigen Irrtum ablehnen kann. Wenn alle religiösen Entwickelungsstufen nur Irrtümer wären, warum sollte dann die höchste und letzte nicht auch nur einer sein, da die Wahrheit die Negation aller religiösen Entwickelungsstufen und ihrer vorreligiösen, dem Animismus und der Magie sei. Dieses Entwickelungsnarrativ sieht ja den Menschheitsfortschritt allein in der Entzauberung der Welt bis hin zu einem rein wissenschaftlichem Verstehen der Welt, des Ganzen, in dem alles nichtwissenschaftliche Verstehen als religiös oder als vorreligiös magisch animistisch reprobiert wird, als eben irrationalistisch.
Magische Beschwörungen, Opfer und Gebete adressiert an Götter oder einem Gott seien eben doch nur Praxen, die ihren Grund in dem Mangel an dem naturwissenschaftlichen Verstehen der Welt haben und so mit jedem Mehr an Wissenschaft an Bedeutung verlieren müssen.
Nimmt die Kirche dieses Fortschrittsnarrativ in sich auf, sägt sie so auf dem Ast, auf dem sie selbst sitzt, denn wenn alles ein einziger Irrtum gewesen sein soll und daß dann nur die letzte Stufe der religiösen Entwickelung wahr sein soll, dieser Notbremsenstopp kann nicht überzeugen.
Meine These: Als wahr kann sich die christliche Religion nur erweisen, wenn sie die Entwickelung hin zu ihr selbst noch als den Weg erweist, in der die Wahrheit des vorreligiösen Weltverstehens wie des religiösen über die religiösen Entwickelungsstufen hindurch sich zur erkannten Wahrheit der christlichen Religion entwickelt,
Wie das Programm durchzuführen wäre, das kann ich jetzt noch nicht sagen!
1 Der Ki informiert: Bedeutung in verschiedenen Bereichen:
Religion und Ethnologie: Der Animismus bezeichnet die Überzeugung, dass nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen, Steine, Gewässer, unbelebte Gegenstände oder Naturphänomene eine Seele, einen Geist oder eine persönliche Lebenskraft besitzen. Diese Weltsicht findet sich besonders in vielen indigenen und Naturreligionen.
Psychologie (Entwicklungspsychologie): Nach Jean Piaget versteht man darunter eine Phase in der geistigen Entwicklung von Kleinkindern (etwa im Alter von 2 bis 7 Jahren), in der sie unbelebte Dinge – wie Kuscheltiere oder Spielzeug – als lebendig ansehen und ihnen Gefühle oder Absichten zuschreiben.