Eigentlich ist die katholische Welt in Deutschland in Ordnung....für die Reformer
Fast leere Predigerseminare, sinkende Mitgliedszahlen und der Mißbrauchsskandal: Das sind doch die besten Argumente für eine baldigste Durchsetzung der Modernisierungsagenda des linksliberalen Katholizismus. So lange die Kirche so katholisch bleibe, wie sie jetzt noch sei, sei ihr Niedergang unaufhaltsam. Das Kirchenvolk sei eben progressiv, nur das reaktionäre Rom verhindere nun die so notwendige Modernisierung der Kirche.
Aber dann passieren Dinge, die sich nicht ereignen dürften. Kath de, das Zentralorgan der Modernisten muß einräumen, daß die traditionalistischen Gruppen mehr Neupriester haben.1
Wie kann das nur möglich sein, daß die Ewiggestrigen, die Petrus- und die Piusbruderschaft anziehender sind gar auf junge Männer als die zeitgeistgestylten sonstigen Priesterseminare? Da diese Tatsache nicht wegdiskutiert werden kann, müssen eben diese Nachwuchspriester diffamiert werden als ,,,? So heißt es nun auf Kath de: „Nach Ansicht des Schweizer Theologen Daniel Ammann haben traditionalistische Gruppierungen wie die Petrusbruderschaft und die Piusbruderschaft deshalb so viel Priesternachwuchs, weil es sich "bei diesen Bruderschaften um Sondergesellschaften, die in ihrem Selbstverständnis quasi noch in den 1950-er Jahren leben" handelt. "So manche der Priesterseminaristen stammen aus kinderreichen Familien, in denen es nicht unüblich ist, dass ein Sohn Priester wird. Sie leben in sehr abgeschotteten Gruppierungen, und die Berufung zum Priester gilt in ihrer Welt als sehr wichtig“, sagte Ammann am Wochenende dem Schweizer Internetportal kath.ch. Ein weiterer Grund sei "der missionarische Drive" der Gemeinschaften, der eine große Motivation darstelle.“
Der erste Vorwurf lautet also,daß sie „Sondergesellschaften“ seien. Nur, ansonsten wird doch permanent das Hohelied des Pluralismus angestimmt, daß die katholische Uniformität zu überwinden sei, daß ein Maximum an Diversität zu erstreben sei. Sie lebten gar noch in dem Selbstverständnis der 50er Jahre. Damit wird umschrieben, daß diese Gemeinschaften sich an dem vorkonziliaren Katholizismus orientierten und das sei eben verwerflich. Das implizite Argument lautet dabei, daß nur eine Kirche auf der Höhe ihrer Zeit die zeitgenössischen Menschen erreichen könnte. So erreichten diese Traditionalisten nur Vorgestrige. Nur wie kommt es, daß es jetzt so viele Vorgestrige gibt? Könnte das etwa daran liegen, daß die Moderne, der sich die Kirche so energisch einpassen will, schon geendet ist und so die sich modernisierende in der postmodernen Epoche gar nicht mehr zeitgemäß ist?
Die Nachwuchspriester kämen aus „kinderreichen Familien“. Das ist als ein Vorwurf gemeint: Kinderreiche Familien passen nicht in die moderne Welt, in der beide Ehepartner berufstätig zu sein haben, so daß so keine kinderreichen Ehen vorkommen. Jetzt wird dieser Priesternachwuchs weiter diffamiert: In solchen Milieus, kinderreich und abgeschottet von der modernen Gesellschaft sei es nicht „unüblich“, daß einer der vielen Kinder ein Priester werde. Also nicht aus einer persönlichen Entscheidung heraus, aus dem Glauben, zum Priesteramt berufen zu sein, werden sie Priester, sondern weil das da so üblich sei, wenn man so viele Kinder hat und nicht recht weiß, wohin mit den vielen!
Aber es kommt noch schlimmer: Ein „missionarischer Drive“ motiviere sie dazu, Priester zu werden. Die Kath de Leserschaft weiß natürlich, daß alles Missionarische etwas Vorkonziliares ist, da jetzt die Kirche jeden in seiner Religion oder als einen Atheisten so anerkennt wie er ist und mit ihm dialogisiert, nicht aber jemanden bekehren will.
Also, da werden Personen Priester, die die zeitgeistbewußte Kirche nicht akzeptieren könne und für die so in der Kirche kein Platz sei. Und die Richtigen, die zum Priesteramt wirklich Geeigneten kommen nicht in die Priesterseminare, da die Kirche sich noch nicht hinreichend modernisiert habe. Es frägt sich aber, ob es diese wirklich gibt oder ob sie nur in der Phantasie der Reformer existieren.
Aber Kath de muß weitere Hiobsbotschaften verkraften, die mit dem festen Glauben an den Siegeszug der Aufklärung und Vernunft nicht vereinbar sind: „Seelsorgliche Begleitung im Vordergrund.Dass das Thema weiterhin beschäftigt, zeigt eine aktuelle Yougov-Umfrage. Demnach glaubt rund jeder vierte Deutsche sicher oder eher an Dämonen, Teufel oder Besessenheit. Aber wie geht die Kirche heute mit den Menschen um, die meinen, besessen zu sein? 2 Was soll die sich modernisierende Kirche mit so vormodern Glaubenden machen? Müßte man sie nicht seelsorgerlich aufklären, daß es weder Daimonen noch den Teufel gäbe. Wer an den Teufel glaubt, der wird wohl war auch noch an die Jungfräulichkeit von Maria glauben und sonstiges Vorkonziliare.
Die sich der Moderne verpflichtet fühlende Kirche muß so Vorgestrige aus ihren Reihen ausschließen, denn sie setzt auf den modern aufgeklärten Menschen.
1 Priesternachwuchs :Theologe: Deshalb haben traditionalistische Gruppen mehr Neupriester,Kath de 29.6.2026.
2 Skepsis – doch Glaube an Dämonen bleibt 50 Jahre nach Anneliese Michel: Wie der Exorzismus weiterlebt. Kath de 30.6.2026