Dienstag, 21. Januar 2020

Irritierendes: Gott ist mit uns- bittere Wahrheiten

Israel,dasVolk mit dem Gott ist, denn er hat es ja eigens für sich erwählt- darf da sein Volk nicht darauf vertrauen,daß sein Gott in Notzeiten, also auch und gerade in Kriegszeiten ihm beisteht. Israel kämpfte mal wieder gegen ihren Feind,die Philister (1.Samuel, 4)Das Heer der Israeliten wurde vernichtend geschlagen: 4000 Mann fielen (4,3)"Warum hat der Herr heute die Philister über uns siegen lassen?" (4,3). Für die Israeliten war eben eine rein militärische Niederlage keine rein militärische, weil sie Gott als den Herren der Geschichte glaubten. Gott hat die Philister über sie siegen lassen, obgleich er doch ihr Gott ist. 
In der Leseordnung wird dabei der erste Vers weggelassen, der diese Niederlage noch problematischer werden läßt, denn da steht geschrieben: "Das Wort Samuels erging an ganz Israel." Die Lesung in der Messe beginnt dann erst mit dem darauf Folgendem: "Israel zog gegen die Philister in den Krieg." Der gesetzte Punkt zwischen diesen beiden Aussagen beseitigt nun nicht den Sinnzusammenhang zwischen diesen zwei Aussagen, daß, weil Gottes Wort durch den Propheten an Israel ergangen war, es gegen seinen Feind auszog. Gott war so doch mit ihnen- hatte er das nicht durch dies Prophetenwort angekündigt: Ziehet gegen den Feind, denn ich bin mit euch?  Wie konnte es dann aber zu dieser Niederlage kommen?
Das gläubige Israel wußte aber nun, was zu zu tuen war: Weil die Bundeslade, da wo Gott über den Cherubimen thront, nicht dabei war, konnten die Philister sie besiegen: "Wir wollen die Bundeslade des Herrn aus Silo zu uns holen; er soll in unsere Mitte kommen und uns aus der Gewalt unserer Feinde erretten." Als dann die Bundeslade hergebracht wird in das Lager, bricht großer Jubel aus: Jetzt ist Gott mit uns. Und die Philister fürchten nun das mit diesem Gott verbundende jüdische Heer.
"Weh uns! Wer rettet uns aus der Hand dieses mächtigen Gottes? Das ist der Gott, der Ägypten mit allerlei Plagen in der Wüste geschlagen hat." (V8) Als Polytheisten können die Philister auch an den mächtigen Gott Israels glauben als einen von vielen Göttern, der  aber als mächtiger zu fürchten ist. Die Philister ziehen dann- trotz ihrer Gottesfurcht- in den Kampf wider das israelische Heer.
Nun müßte es doch zur Wende in diesem Kriegsgeschehen kommen: Gott zieht jetzt mit in den Kampf wider die Feinde. Aber wie fürchterlich endet diese Schlacht. Israel wird geschlagen, 30.000 Mann fallen und die Philister erobern gar die Bundesade. So klagte nun Israel: "Fort ist die Herrlichkeit aus Israel, denn die Lade Gottes ist weggechleppt worden." (V22).  
Diese Geschichte paßt einfach nicht mehr in unser heutiges Verständnis von Gott, denn a) hat Gott nichts mit Kriegen zu tuen, er will nur, daß es keine gibt und b) läßt Gott nicht zu, daß die auf ihn Vertrauenden so bitter enttäuscht werden, daß insgesamt 34.000 Mann ihr Leben verloren und daß sie ihres Heiligtumes, da wo Gott für sie da ist, verlustig gingen.
Wie nun aber, wenn der Gott Israels und damit auch derGott Jesu Christi eben auch ganz anders ist als das Gottesbild, das wir uns so gerne von ihm ausmalen? Ist nicht der Verdacht erlaubt, daß die Kirche die Gotteslehre betreibt wie einen großen Domestikationsakt, daß wir aus ihm einen nur noch lieben Gott machen möchten, damit er uns nicht beunruhigt, daß wir so friedlich schlafen können? 

Montag, 20. Januar 2020

Zur Verteidigung des Gutmenschen durch die "Caritas"

Der Gutmensch ist in Mißkredit geraten, dieser Kämpfer des Lichtes gegen Dunkeldeutschland, gegen Rechts, gegen Islamphobie, gegen eben alles, was nicht politisch korrekt ist. Warum nur? Ist es nicht menschlich allzuverständlich, in den Spiegel schauen zu können, um sich sagen zu lassen: Gott sei es gedankt, daß ich kein Sünder und Zöllner (Verzeihung), kein Dunkeldeutscher, kein Rechtspopulist, kein Rassist, kein Negerkußesser, kein....bin? Gut wird man doch erst durch den Blick auf die Anderen, die nicht sind wie ich! Und die erdreisten sich jetzt, mir mein Gutmenschsein zum Vorwurf zu machen! 

Da muß natürlich die Caritas einschreiten: Caritas wendet sich gegen Verunglimpfung von "Gut-menschen"Der Begriff "Gutmensch" ist in den vergangenen Jahren überwiegend negativ benutzt worden und dadurch in Verruf geraten. Das will die Caritas mit ihrer neuen Jahreskampagne ändern. Wer Anderen Gutes tue, dürfe nicht verunglimpft werden"Für den Zusammenhalt in der Gesellschaft brauche es dringend "Gutmenschen", die Verantwortung für die Nächsten und die Gemeinschaft übernähmen und sich entschieden gegen die Herabsetzung und Diffamierung guten Handelns wehrten." Kath de 16.1.2020. 

Nur fragen wir uns nun, seit wann denn tuen diese Gutmenschen denn etwas Gutes? Ihre Hauptaktivität ist doch die Bekämpfung der Dunkeldeutschen, daß es eben keine Versammlungs- und Meinungsfreiheit für Andersdenkende geben soll. Oder sollen wir etwa glauben, daß die vorbehaltlose Unterstützung der Politik der offenen Grenzen der Bundesregierung etwas Gutes sein soll? Sicher, die Regierung freute sich über die vielen Regierungstreuen, aber das heißt noch lange nicht, daß dieser Massenimport von "Flüchtlingen" für unser Volk etwas Gutes ist. Dem Gutmenschen wirft man ja so vor, daß er unter der Maskierung des Guten eine antideutsche und somit ungute Politik unterstützt. 

Der Gutmensch setzt sich ja so gerade gegen den Zusammenhalt in der Gesellschaft ein, indem er sie spaltet in die Guten und die Anderen, die Dunkeldeutschen etc., die er dann bekämpft.Sie übernehmen gerade keine Verantwortung für die Gemeinschaft, indem sie durch die Masseneinwanderung von "Flüchtlingen" die Gemeinschaft gefährden, daß sie sich auflöst in diverse Parallelgesellschaften, die keine Einheit mehr bilden. Das Konzept der Multiethnisierung und Multikultivierung will ja gerade die Einheit unseres Volkes auflösen, daß es keine Gemeinschaft mehr gibt. Nein, der Gutmensch steht für das Nein zur Verantwortung für die Gemeinschaft, ja er kündigt sie ja selbst den Andersdenkenden gegenüber auf: Mit  "Rechten". "Politisch Inkorreten" rede ich nicht!  Ein schönes Beispiel gutmenschlicher Aktivität: Junge Freiheit am 14.Jänner 2020: AfD  Politiker erhalten ein Lokalverbot, fast schon ein alltägliches Ereignis. Die Gutmenschen wollen eben unter sich sein und dulden so Andersdenkende nicht einmal in einem Speiselokal neben sich im selben Raum.  


Sonntag, 19. Januar 2020

Der vergessene Lehrer Jesus Christus- oder warum sind wir Jünger?

Warum lesen wir in deutschen Übersetzungen des Neuen Testamentes stets von "Jüngern" Jesu, wenn doch der griechische Urtext wie auch die Vulgata die Überstzung mit "Schüler" viel näher legt? Daß Jesus selbst als Lehrer bezeichnet wird und daß er als solcher angesehen wird, kann auch nicht überlesen werden. Jesus lehrte. Sein Verhältnis zu seinen "Jüngern" war ein Lehrer-Schüler-Verhältnis. So stellt ein Lehrer Lehrerfragen, also er prüft damit, ob die Schüler das wissen, was sie zu wissen haben. Ein Lehrer frägt nicht: "Wann begann der 30 Jährige Krieg?, weil er das nicht wüßte, sondern er prüft so, ob seine Schüler in den Geschichtslehrstunden aufgepaßt haben. So frägt auch der Lehrer Jesus nie etwas, weil er etwas nicht wüßte. 
Stattdessen belehrt er sie. So heißt es bei Markus: Et docebat eos in parabolis multa, et dicebat illis in doctrina sua (4,2)= Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen, und sprach zu ihnen in seiner Lehre. Da lehrte Jesus also eine doctrina
Für Luther ist der Fiduzialglaube das allein Seligmachende. Zu solch einem Vertrauensglauben paßt nun das Lehren Jesu Christi nicht so recht. Lehren werden als wahr erkannt und so bejaht, würde man nur auf sie vertrauen, hieße das, das man nicht sicher ist, ob die Lehre wahr ist, aber man setzt seine Hoffnung darauf, daß sie wahr ist. Für den Protestantismus wie für die nachkonziliare Theologie gilt nun, daß die Lehre Jesu, sowohl das, was er lehrte und was die Kirche dann über ihn lehrte (die Christologie) als Ansammlung von Satzwahrheiten abqualifiziert wird, um stattdessen ein persönliches Vertrauensverhältnis zur Person Jesu als das Eigentliche des christlichen Glaubens herauszuschälen. 
So  gehört es heute zum guten Ton, das sogenannte instruktionstheoretische Offenbarungsverständnis abzulehnen, daß uns durch Gott Wahrheiten offenbart wurden, die in Aussagesätzen ausformulierbar sind, bis hin zur Entwickelung zu Dogmen, um stattdessen die Offenbarung als ein Inbeziehungsetzen Gottes mit uns Menschen zu deuten. Genaugenommen offenbart Gott nur sich als den uns Liebenden. Da ist dann kein Platz mehr für ein Lehren oder gar für eine Doktrin. Zu so einem Verständnis paßt dann der Jüngerbegriff. 
Luther hat dazu mit seinem Fiduzialglauben das Fundament gelegt, aber so gerade Jesus als den göttlichen Lehrer entwertet. Dabei wird dann aber auch ausgeblendet, daß schon Jesus Christus ein Aussagesatz ist, nämlich, daß Jesus der Christus ist und daß der christliche Glaube auf dies Fundament auferbaut ist, daß diese Aussage wahr ist. Im Glauben an Jesus verhalten wir uns nicht einfach zu einer Person vertrauend, sondern wir glauben, daß er der Messias, der Christus, der Sohn Gottes ist.   

Samstag, 18. Januar 2020

Irritierendes: Der neue Mensch als (vergessene?)Aufgabe

Aufgabe des Menschen, das ist eine vieldeutige Aussage. Meint es, eine, oder die Aufgabe für den Menschen, die er sich stellt bzw. die er gestellt bekommt oder soll der Mensch sich aufgeben, soll er aufgegeben werden? Ist der neue Mensch in diesem doppelten Sinne das Ziel der Aufgabe des Menschen? Der neue Mensch ist erstmal ein christlicher Begriff, wenn darunter verstanden wird, daß der Christ sein altes Gewand des Adams ablegen und sein neues in Christo anziehen soll.Eschatologisch wird sein alter zur Sterblichkeit bestimmter Leib verklärt werden zu einem nicht mehr der Sterblichkeit unterworfenen Leib. 
In Korinth wurde Paulus ja angefragt, wie denn ein ewiges Leben für uns Menschen möglich sein soll, wenn wir nicht nur als Seele sondern auch leiblich ewig leben werden, wo doch zu jeder Leiblichkeit konstitutiv die  Vergänglichkeit gehört. Paulus erwiderte, daß es auch eine nicht vergängliche Leiblichkeit gibt und in eine solche würde unser Körper nach der Auferstehung der Toten verwandelt werden. Vgl: 1.Kor. 15. Also kennt Paulus zwei Vorstellung der Überwindung des Alten Menschen, des adamitischen Menschen, die seiner Neuwerdung durch den Glauben und die der Wandlung seines Körpes zur Unsterblichkeit. 
Eine Vorausetzung ist für diesen ganzen Vorstellungskomplex wesentlich, daß der Mensch, so wie er ist, nicht in Ordnung ist. Der Mythos vom Sündenfall Adams und Evas ist dafür die gewichtigste Erklärung, daß der Mensch auf Erden sich immer schon als irgendwie verfehlt und von sich entfremdet vorkommt, daß er, geboren sich schon zum Sterbenmüssen verurteilt weiß, daß ihm dieses Schicksal als etwas Widernatürliches erscheint. Gerade die populäre Vorstellung vom Sensemann als dem Bringer des Todes zeigt das ja an, daß der Tod so als etwas extern Gewirktes erscheint, daß er nicht aus dem Leben kommt als irgendein Keim des Todes im Leben angelegt, sondern der Tod nimmt dem Menschen sein Leben in der Gestalt des Sensemannes.  
Ist nun aber die Aussage, daß der Mensch, so wie er sich selbst vorfindet, nicht in Ordnung, entfremdet von sich selbst lebend,selbst schon eine religiöse Aussage, oder ist die Religion eine Antwort auf eine solche vorreligiöse Selbstwahrnehmung? Es könnte gesagt werden, daß das Gesetz Gottes im Gewissen des Menschen präsent, die Erfahrung hervorbringt, daß der Mensch dem Gesetz Gottes, das er bejaht, nicht Genüge tuen kann und so sich als Erlösungsbedürftiger erfährt. So die Konzeption Paulus im Römerbrief. Der neue Mensch ist dann der aus dem Hl.Geist Lebender, der so den Alten Adam hinter sich läßt. 
Der neue Mensch im Glauben ist so die Aufgabe der christlichen Existenz, die ihren Anfang in der Taufe hat. Nur kann es schwerlich bestritten werden, daß jetzt, 2020 Jahre nach der Geburt des Erlösers von diesem "neuen Menschen" im Glauben wenig zu bemerken ist, abgesehen von den wenigen Heiligen. Oberflächlich betrachtet ist auch der Mensch der christlichen Religion eher dem Alten Adam treu geblieben. Das war sicher einer der Gründe, daß nun das Projekt des neuen Menschen die Aufklärung zu ihrer Aufgabe erklärte. Was die christliche Religion und die Kirche nicht schaffte, das soll nun die aufklärerische Bildung hervorbringen, den vernünftig sein Leben gestaltener Mensch. Das Pathos der aufklärerischen Philosophie wird so verkannt, sieht man in ihr primär nur die religionskritische Seite und nicht, daß sie die Religion (hegelisch) gesprochen aufheben wollte, indem sie die Erlösungshoffnung, den verheißenden neuen Menschen nun als menschliche Aufgabe ansah. Das implizierte aber auch, daß der jetzige Mensch sich aufgeben sollte, um zum Vernunftmenschen sich zu bilden. Als dann dies aufklärerische Bildungskonzept politisch wurde, da erwuchs daraus die politische Revolution  der Vernunft, die Französische und später die Russische. Der Glaube an die Möglichkeit des neuen Menschen beflügelte so die französischen wie die russischen Revolutionäre. In der Postmoderné ist dieser Revolutionstraum desillusioniert ad acta gelegt, aber auch die christliche Verheißung des neuen Menschen. 
Der christliche Gott in der Postmoderne reduziert sich auf das Jasagen zum Menschen, so wie er ist. Er ist die bedingungslose Liebe, die den Alten Adam Alter Adam sein läßt, weil Gott ihn ja so, wie er ist, bejaht. Die Aufgabe des neuen Menschen drängt so das organisierte Christentum an die Ränder seiner Institutionen, etwa an charismatisch orientierte Christenvereinigungen, wie sie jetzt besonders in dem Augsburger Gebetshaus sich organisiert. Es sei an die Mehr-Konferenzen erinnert.
Was bleibt so von der Aufgabe des Menschen, ein neuer Mensch zu werden? Die transhumanistische Bewegung nimmt nun diese Aufgabe in sehr eigentümlicher Weise wahr, indem sie das Konzept der Cyborgisierung  des Menschen vertritt. Das paßt in unser materialistisch denkendes Zeitalter, daß der Mensch sich durch Technik perfektioniert, nein überwindet. Aber noch so gewagte Mensch-Technik-Synthesen erschaffen dem Menschen keine neue Seele oder ein neues Herz, sodaß er doch auch als Cyborg der Alte Adam bleiben wird. 
Sollte so die Hoffnung auf den neuen Menschen aufgegeben werden, oder die Erfüllung dieser Verheißung auf das Jenseits verschoben werden, da auch wir Christen auf Erden Alte Adämer bleiben trotz des christlichen Glaubens? Oder sollten wir einfach nur einräumen, daß es nur wenigen Christen gelang und gelingen wird, den Alten Adam in sich zu überwinden, wie es schon Dostojeweskijs Großinquisitor sah? Schwer respondierbare Fragen!
Selbst Nietzsches Hoffnung auf den Übermenschen als dem Überwinder des Menschen lebt noch von der christlichen Verheißung des neuen Ménschen. Was wird aber aus uns Menschen, wenn wir diese Aufgabe, uns zu überwinden, gar nicht mehr als Aufgabe annehmen wollen, weil wir noch so bleiben wollen, wie wir als Kinder Evas sind?
Wenn nun die Frage nach einem Spezificum des Abendlandes, der europäischen Kultur aufgeworfen wird, dann könnte respondiert werden, daß es das Projekt, die Aufgabe des neuen Menschen ist. Die Entwicklungsdynamik des Abendlandes generiert sich aus dem Hoffen auf den neuen Menschen. Selbst da noch, wo die christliche Religion aufgegeben wurde, bei Feuerbach und Marx, aber auch bei Nietzsche wurde an dem Projekt des neuen Menschen nicht nur festgehalten, vielmehr sollte die christlich religiöse Gestalt aufgelöst werden, um diese Aufgabe zu realisieren als humanistisches oder revolutionär politisches Programm oder als ein Züchtungsprogramm. (Vgl dazu: Slotderijk; Regeln für den Menschenpark)  "Der Untergang des Abendlandes" wäre dann die Aufgabe dieser Aufgabe.  

Freitag, 17. Januar 2020

Kann die Moratheologie rein vernünftig begründet und durchgeführt werden? kurz und bündig

Früge man ganz simpel, was denn das Ziel der Moraltheologie sei, so müßte ganz simpel respondiert werden, daß es die Lehre ist, wie der Mensch zu leben hat, damit er gottgefällig vor Gott ist. Kann nun aber das Gottgefällige durch rein vernünftiges Denken erfaßt werden?
Das setzte voraus, daß
a) Gott so vernüftig ist, daß nur Vernunftgemäßes und nichts anderes von uns Menschen will und
b) der Mensch so vernünftig ist, daß er das Vernunftgemäße selbst erkennen kann und
c) so Gott nicht seinen Willen als Gestz und Gebot offenbaren bräuchte.

Nur, Gott ist als Freiheit zu denken; er könnte so auch Nichtvernünftiges vom Menschen fordern als das ihm Wohlgefällige. Zudem hat Gott doch selbst erst bestimmt, was vernünftig und was so unvernünftig ist, denn es kann ja kein Vernünftigsein unabhängig von Gott geben, also unabhängig von seiner Dezision. Was vernünftig ist, ist so erst durch Gott. (Vgl dazu Wilhelm Ockham)
Das Ziel, das vernünftiges menschliches Denken erreichen kann, ist eine Lehre vom guten Leben für alle Menschen, worin dies gute Leben besteht und wie das für alle erreichbar sei. Aber ob damit auch schon ein Gott wohlgefälliges Leben erreicht werden würde, kann das vernünftige Denken nicht beweisen.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Kurz und Bündig:Zum Kampfe wider den Zölibat

Wer Hermann Hesses "Steppenwolf" gelesen hat,der weiß, daß das bürgerliche Leben den Außerbürgerlichen , die Steppenwolfexistenzen braucht, um nicht zu erstarren. In früheren Zeiten sorgte der Nachtwächter dafür, daß alle Stadtbürger ruhig schlafen konnten, weil der Nachtwächter wachte. Die christliche Religion  seit ihren Anfängen bedurfte immer der radical Jesus Nachfolgenden, im wörtlichen Sinne der mit ihm Ziehenden und dann der Nonnen und Mönche und der Weltpriester, die in ihrer nichtbürgerlichen Existenz den Sauerteig des Christentumes  bilden. Ohne  diese nichtbürgerliche Existenz, die eben nicht eine in Sphären aufgeteilte ist, in die des Berufes, der Familie und des Staatsbürgers, verliert die christliche Religion ihre Lebendigkeit, droht sie in der Bürgerlichkeit sich aufzulösen. Gerade das zölibatäre Leben in seiner Nichtbürgerlichkeit ist so das Lebenselexier der christlichen Religion, ihr Herz, aus dem dann auch das bürgerliche Christentum lebt, aus seiner Ausstrahlkraft.

Mittwoch, 15. Januar 2020

Zum Kampfe gegen das Amtspriestertum- Luther wird aufgewärmt

Wer meinte, das katholische Reformlager beabsichtigte nur  einen Kleiderwechsel für die Kirche, damit sie modisch überkleidet, besser bei den modebewußten Zeitgenossen ankäme, der verkennt leider, wie grundlegend die Kirche revolutioniert werden soll. Mit der evangelischen Kampfparole des Priesterumes aller Gläubigen soll nun die  hierarchische Struktur der Kirche angegriffen werden. Kath de titelt dazu: Warum die Taufe eine "Weihe zum Priestertum" ist. Dazu wird dann geschrieben: Durch die Taufe werden Menschen nicht nur in die Kirche eingegliedert, sondern sie erlangen auch Anteil am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Die Taufe lasse sich demgemäß auch als Weihe verstehen, so Autor Fabian Brand. Er wünscht sich – gerade in Zeiten der Krise – eine Neuentdeckung dieses gemeinsamen Priestertums.

Was bedeutet denn nun dieser Begriff? Wikipedia gibt dazu knapp aber zutreffend diese Auskunft:
"In den evangelischen Landeskirchen bedeutet er vorrangig, dass alle Gläubigen unmittelbar zu Gott sind und dass das (unverzichtbare) öffentliche Predigtamt (Pastor, Pfarrer) keinen Weihestand konstituiert."
In der römisch-katholischen Kirche wird seit der Dogmatischen Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche Lumen Gentium 1964 ebenfalls ein „gemeinsames Priestertum der Gläubigen“ gelehrt, das sich darin äußert, dass „sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat“. Dieses Priestertum unterscheide sich aber vom hierarchischen Priestertum „dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach“ (Lumen Gentium, 10).

Die Katholische Kirche hält eben daran fest, daß das Wesen des Priestertumes das Gott Opferdarbringen ist, sodaß gilt, wo kein Opferdienst ist, da ist kein Priesterum. Daraus erklärt sich dann auch der wesentliche Unterschied zwischen dem Opferdienst der Laien und dem des Priesters. Nur der geweihte Priester kann das Meßopfer  Gott darbringen, dazu befähigt ihn die Priesterweihe. Das Taufsakrament befähigt dazu nicht. Aber auch der Getaufte und Nichtgeweihte kann geistige Opfer darbrigen und so sein Laienpriestertum ausüben.

Luther schuf nun mit seiner Verneinung des Meßopfers und seiner Umformung der Eucharistie zu einer reinen Abendmahlsfeier, also einem heiligen Essen das Priestertum ab. In allen Luther hierin folgenden Kirchen gibt es so keine Priester mehr, weil es kein Meßopfer mehr gibt. So gibt es aber auch kein Priestertum aller Gläubigen, weil auch die nach Luther kein Opfer mehr darzubringen haben, da Jesus Christus dies zur Genüge getan hätte. Wenn Luther so dennoch vom Priestertum aller Gläubigen spricht, dann nur in einer polemischen Intention gegen  das Amtspriestertum der Kirche. So, und nur so konnte Luther das Fundament einer sich demokratisch aufbauend verstehender "Kirche" werden.

Was macht nun der Artikel aus dieser klaren Angelegenheit? Er vergißt einfach, daß das das Priestertum Konstituierende der Opferdienst ist, vergißt so auch den wesentlichen Unterschied zwischen dem Amtspriestertum und dem Laienpriesterum, um dann ganz dem demkratischen Geschmacke nach mehr Demokratie in der Kirche einzufordern. Konkret liest sich das so: 
"Wenn die Gläubigen mit dem Priester interagieren, dann tun sie dies auf Augenhöhe." Aber diese gleiche Augenhöhe ist eben die demokratisch egalistische Versuchung, der schon die Rotte Korach (4.Mose 16) erlegen ist. (Vgl dazu: mein Buch: Der zensierte Gott) Es wird dabei in unzulässiger Weise die Wesensdifferenz ausgeblendet. Zudem, was soll eine Rede über das Priestertum, wenn dann das Wesentliche des Priestertumes, der Opferdienst mit keinem Worte erwähnt wird? 
Der Text gleicht eher einer Rede eines Vereinsmitgliedes, der den Vorstandsschaften seines Vereines den Vorwurf macht, zu selbstherrlich den Verein zu regieren, statt daß alle gemeinsam das Vereinsleben gestalten. Nur, die Kirche ist kein Verein, sondern eine von Gott geordnete Institution hierarischer Verfaßtheit, dessen Herr Jesus Christus selbst ist.