Wie kam der Begriff des „Klerikalismus“ in den Reformdiskurs der Kirche, wie in Deutschland, wie bei Papst Franziskus
Bischof Stefan Oster schreibt in seinem Blogg in dem Beitrag: „Die Selbstsäkularisierung setzt sich fort“ vom 4.Februar 2026: „Selbstverständlich räume ich auch ein, dass es systemische Ursachen der Ermöglichung oder der Vertuschung von Missbrauch in unserer Kirche gibt. Aus meiner Sicht hängen diese mit dem zusammen, was Papst Franziskus unter den Begriffen von „Klerikalismus“ und „spiritueller Weltlichkeit“ zusammenfasst.“
Kurze Thesen dazu:
Erstens: In der hl. Schrift dokumentiert der Aufstand der „Rotte Korach“ gegen Mose und den Priester Aaron das erste Erscheinen des Antiklerikalismus in Wort und Tat. Es solle keine gottgewollte Hierarchie geben, da Gott allen gleich nahe und alle Gott gleich nahe seien.
Zweitens: Dem Antiklerikalismus gesellt sich gerne das Narrativ des Priesterbetruges zu, daß es eine Verschwörung der Priester gäbe, daß sie sich einen Gott selbst erfunden hätten, dem sie als Priester zu dienen hätten wie nur sie das könnten. Damit legitimierten sie ihre Priesterherrschaft. Dagegen stünde die natürliche Religion, die Gotteserkenntnis, die jedem Vernünftigen zugänglich sei und die dann ganz ohne eine priesterliche Belehrung oder ohne ihre Dienste zu einem gottgefälligen Leben ausreiche.
Drittens: Papst Franziskus benutzt nun den Begriff des „Klerikalismus“ in einer besonderen abweichenden Intention: Ihm ging es faktisch um eine Zentralisierung der Macht in seinem Amt zu Lasten der Macht der Bischöfe und Priester. Sein Ziel war es, die Bischöfe in Angestellte des Papstes zu verwandeln. Hierin glich er der Intention König Ludwig XIV: „Der Staat bin ICH!“ Das entspricht Papst Franziskus Amtsverständnis als über der hl.Schrift, der Tradition und dem Lehramt zu stehen, daß er allein definiert, was wahr und was unwahr ist.
Viertens: Dem linksliberalen Katholizismus war und ist der „Klerikalismus“ der Feind schlechthin. So präsentierte das sog. „Kirchenvolksbegehren“ mit seinen Forderungen nach der Verdemokratisierung der Kirche, der Liberalisierung der Sexualmorallehre, der Abschaffung des Zölibates und der Einführung des Frauenpriestertumes die Reformagenda des Linksliberalismus. Die Mißbrauchsfälle instrumentalisierte dann dieses Reformlager, um diese Agenda auf die Tagesordnung der Kirche in Deutschland zu setzen, sehr erfolgreich. Dazu mußte nun der „Klerikalismus“ zu der Ursache der Mißbräuchsfälle“ umgedeutet werden. Ursprünglich hatte diese Reformagenda ja nichts mit sexuellen Mißbräuchsfällen zu tuen, jetzt avancierte der „Klerikalismus“ zu dem Übel, aus dem alle anderen erwüchsen! Also: Das linksliberale Reformprogrmm des „Kirchenvolksbegehrens“ sollte nun die Antwort auf die Mißbräuchsfälle darstellen. Deswegen avancierte nun der Begriff des „Klerikalismus“ zu dem Terminus, der dieses Übel erklären sollte, um das antiklerikalistische Programm des Synodalen Weges zu legitimieren!