Montag, 17. Juni 2019

Die christliche Religion in einer Neuen Weltordnung? ein Versuch

Alexander Dugin erfaßt die "Neue Weltordnung" in ihrem Kern als aus  drei Komponenten bestehend: Die Universalisierng der freien Marktwirtsaft, der politischen Demokratie und der Ideologie der Menschenrechte. (Dugin, Die vierte politische Theorie, 2013,S.75). Die bestimmende Ideologie sei die des Liberalismus, die sich im Kampfe gegen die sozialistische/kommunistische wie auch faschistisch/nationalsozialistische erfolgreich durchgesetzt habe."Liberalismus wurde global; er wurde zum einzig möglichen politischen System. Er entwickelt sich nun weiter in die Richtung eines postmodernen und postindividuellen Politikbegriffs, der im allgemeinen als der Posthumanismus beschrieben wird." (S.79)
Sicher überschätzt hier Gugin die Bedeutung der transhumanistischen/posthumanistischen Bewegung, die einen "Neuen Menschen" als Wesen nach dem Menschen erwarten,der als Synthese aus Mensch und Technik , als Cyborg den Menschen überwinden soll im Geiste des Übermenschen Nietzsches- nur jetzt eben als technisches Konzept.
Aber doch könnte der Begriff des Posthumanismus etwas Wesentliches der Postmoderne treffen, wenn das Fundament des Humanismus in Descartes Konzeption des Menschen verortet wird: cogito, ergo sum. Zizek: das Gespenst des cartesinischen Subjetes. Um es auszutreiben, haben sich alle wissenschaftlich-akademischen Mächte zu einer heiligen Allianz zusammengeschlossen". Zizek, Die Tücke des Subjekts, 2001, Einleitung. Der Mensch als sich Bewußter und Transparenter,der Herr im eigenen Hause ist und von daher das Leben gestaltet, das wäre dann das Herzstück des Humanismus, den die Postmoderne überwinden will. Es sei nur an M. Foucaults These vom Tode des Menschen (im Sinne Descartes) erinnert. Für den Liberalismus heißt das, daß er sich umformen muß, bildete doch dies Subjekt gerade das Zentrum dieser Ideologie.   
Aber es soll nun auf etwas in dieser Bestimmung der Neuen Weltordnung Fehlendes verwiesen werden. Welche Rolle spielt in den verschiedenen Konzepten der Neuen Weltordnung, die Pugin in seinem Buch expliziert, die Religion? Faktisch ist für ihn nur noch der Islam von Relevanz. Geht also Dugin davon aus, daß die Neue Weltordnung ohne eine öffentliche Religion auskommt und daß es so Religionen nur als Störgröße für das Konzept einer neuen Weltordnung geben könnte? 
Aber vielleicht ist die Sachlage doch noch etwas komplexer. Versimplifizieren wir sie: Wenn die christliche Religion die Erlösung durch das Subjekt Gott ersehnte, so negierte der Humanismus nicht einfach diese Erlösungshoffnung, sondern erwartete sie durch das Subjekt Mensch- das war der cartesianisch verstandende. In der Postmoderne wird nun auch dies Subjekt nach dem Subjekt Gott gestrichen, weil nun eine subjektlose Posthistorie anbrechen soll, in der es kein Subjekt der Erlösung mehr geben soll. Die Geschichte hört auf, weil sie nun kein auf eín  gutes Ende mehr zulaufender Prozeß ist, also Geschichte ohne ein Happy End und so löst sich die ganze Geschichte auf als ein auf ihr Ende hin sinnvoll Erzählbares. (Vgl dazu auch: Siefert,Finis Germania, das Kapitel:Pathodizee). 
Was bleibt dann für die christliche Religion mit ihrem Erlösungsgott noch übrig? Vielleicht eine Umformung zu einer bloßen Religion der Fundierung der Menschenrechtsideologie als dem ideologischen Element der Neuen Weltordnung? 
Aber übersehen wird so, daß auch die postmoderne Neue Weltordnung nach Ansicht ihrer Förderer nicht ohne eine öffentliche Religion auskommt, Siefert spricht da von der neuen Staatsreligion, die der Politischen Korrektheit verbunden mit der Holocaustreligion. Treffend bezeichnet Siefert diese Religion als Nichtprivatreligion, als staatliche. Sie soll sozusagen die postmoderne Neue Weltordnung wie Kitt zusammenhalten, weil dem freien Markt als dem einzigen Ordnungsprinzip der neuen Ordnung nicht genügend Bindungskraft zugeschrieben wird. 
Und die christliche Religion? Sie subordiniert sich als Privatreligion der neuen öffentlichen und versucht sich als Religion der Menschenrechtslegitimation zu profilieren. Ist das die Zukunft der christlichen Religion?           .         

Sonntag, 16. Juni 2019

Europa- ein Trug: europäische Werte= christliche Werte?

"Ein Beispiel einer solchen Integration nach zivilisatorischen Kriterien liefert die neue,übernationale politische Organisation der Europäischen Union. Sie ist ein Muster der >regionalen Globalisierung<;innerhalb ihrer Grenzen sind Länder und Kulturkreise mit gemeinsamer Kultur und Geschichte und geteilten Werten eingeschlossen."Alexander Gugin, Die vierte politische Theorie, 2013, S.125.  
Es muß schon sehr irritieren, daß ein so scharfsinniger Kritiker des  Liberalismus, der jetzt vorherrschenden Ideologie der Postmoderne, so Gugin gerade dies Produkt dieser Ideologie so enthusiastisch feiert. Ist ihm denn gar nicht aufgefallen, daß die Europäische Union bis 1989  nur aus westeuropäischen Staaten bestand und daß diese Union in bewußter Konfrontation zu Osteuropa und Rußland gegründet worden ist? Seit dem es "Europa" gibt, steht auf der politischen Tagesordnung die Frage: Wer beherrscht es? Zwischen Frankreich, England und Spanien wurde dieser Konflikt primär ausgetragen, bis daß Deutschland unter Bismarck dann auch als Mitkonkurrent auftrat. Die Feindschaft gegen das Deutsche Reich entlud sich dann ja im 1.Weltkrieg. 
1945 brachte nun eine neue Konfliktsituation: Westeuropa unter der Hegemonialmacht der USA stand dem Ostblock unter der Hegemonialmacht Rußland gegenüber. Das Ziel der Nato und der ihr subordinierten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft war nun der Kampf gegen den Osten, defensiv aus Furcht vor dem kommunistischen Konzept einer Weltrevolution und offensiv als Wille zur Integration aller osteuropäischen Völker in Westeuropa unter Ausschluß Rußlands. Die "westeuropäische Kultur" sollte die dominierende Europas werden? Was ist denn nun aber diese westeuropäische Kultur anderes als die angelsächsische mit einem Übergewicht des Amerikanischen?
Gehörte nicht zur Erschaffung dieses Westeuropas zuvörderst die Umerziehung des Deutschen Volkes nach dem verlorenen Kriege, daß wir verwestlicht wurden? 
Zudem: Es gab das christliche Abendland mit seiner Hochkultur, zu der aber auch Rußland gerade auch mit seiner besonderen christlichen Kultur gehörte, aber ist dies Abendland nicht spätestens seit dem Ende des 1.Weltkrieges im Untergang sich befindend? Ist das Konzept des "freien Westens" nicht schon ein postchristliches Konzept, in dem die Ideologie des Liberalismus das Christentum ins Abseits stellte?
Und nichtet nicht auch diese regionale Globalisierung die Eigenarten der Völker Europas, indem sie der Ideologie des Liberalismus, der Verwestlichung unterworfen werden? Deutschland sollte wenigstens als Westdeutschland seine kulturellle Eigenart verlieren, indem es verwestlicht wurde. "Nie wieder Deutschland" ist dann nur die fanatische Version der Bejahung der Entdeutschung und der Verwestlichung Deutschlands. In Ostdeutschland hat die dortige Befreiungsmacht nicht wie die westlichen ein Programm der Entdeutschung durchgeführt und so erklärt sich der größere Widersand in Ostdeutschland gegen die nun politisch gewollte Auflösung Deutschlands in ein Multikultieuropa. 
Die gemeinsame Kultur, von der Gugin spricht, könnte so entweder die des christlichen Abendlandes sein, die ist aber faktisch schon untergegangen, oder er meint die Kultur des Liberalismus, die ab 1945  Westeuropa bestimmte. Aber das ist nicht einfach die gemeinsame Kultur der (westeuropäischen) Völker, sondern ist nur die Ideologie, die nach 1945 dort siegte, die dann aber auch die ganze bisherige Kultur des Abendlandes in ihrem Geiste neu interpretierte, und nur das dem  Liberalismus Zuträgliche rezipierte. 
Liberalismus ist der Glaube an den Primat der Ökonomie, daß der wahre Mensch der homo oeconomicus sei und daß alles, was ist, dazu bestimmt ist, Ware für den freien Markt zu sein.So schreibt es Dugin in diesem Buch selbst. Nur, was hat diese Ideologie mit der Kultur der Franzosen, Deutschen und Spanier gemein, wenn dann ist der Liberalismus doch nur die Kultur Englands. (vgl dazu: Oswald Spengler, Preußentum und Sozialismus)
Man kann sich jetzt zwar noch fragen: Wie viel vom christlichen Abendland ist in der liberalen Kultur Westeuropas noch lebendig, aber man kann nicht umhin, dann hinzufügen zu müssen, daß das Wenige nun auch nur noch im Modus des Absterbens lebt.    

Samstag, 15. Juni 2019

Was für Bilder nicht gezeigt werden dürfen! Der freie Westen ruft nach mehr Zensur

Meldungen aus einer absurden Welt?

1. Die französische Justiz hat einen Prozess gegen die „Rechtspopulistin“ Marine Le Pen angeordnet: Weil sie Gräuelfotos der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbreitet hat, wie am Mittwoch bekannt wurde. Ihr drohen bis zu drei Jahre Haft sowie 75.000 Euro Geldstrafe.  Compact 14.6.2019. Das ist kein Schwarzer-Humor-Witz! Tatsächlich wird hier diese Politikerin angeklagt, weil sie mit Hilfe von Photographien über die Greueltaten des Islamischen Staates aufklären will. Die Photographien sollen eben zeigen, daß die Behauptung begangener Greueltaten durch die Islamisten kein Phantasieprodukt antiislamischer Propaganda ist (wie etwa die antideutsche Propaganda während des 1. Weltkrieges das Schauermärchen belgischen Kinder die Hände abhackender Deutscher Soldaten erphantasierte). 
Aber diese Aufklärung ist in dem Lande der Aufklärung, Frankreichs schon eine Anklage vor Gericht wert. Ist es vorstellbar, daß jemand ob der Publizierung von Photographien von Greueltaten in Konzentrationslagern  in Frankreich vor Gericht gestellt würde? Natürlich nicht- und wenn, dann wäre diese Anklage nach dem dadurch provozierten Proteststurm schon längst zurückgezogen worden und der diese Anklage zugelassen habende Richter seines Amtes enthoben.
Aber wenn es um Greueltaten des Islam geht, da sieht das eben ganz anders aus! Um des friedlichen Zusammenlebens mit dem Islam in Frankreich willen, darf so nicht über das Tuen des Islamischen Staates aufgeklärt werden. 

2.   Die Freie Welt berichtete am 13.6. 2019:  "Doppelmoral der Sozialen Netzwerke: Abtreibung ja – Ultraschallbilder von Ungeborenen Nein. Die sozialen Mediennetzwerke sind nicht so frei und unvoreingenommen wie sie vorgeben. Jetzt sollen Ultraschall-Bilder von ungeborenen Kindern auf Twitter zensiert werden." Wir kennen die feministischen Kampfparolen: "Mein Bauch gehört mir!" Mit dieser Banalität, daß der Körper und auch alle Körperteile Eigentum des Menschen sind, zu dem sie gehören, soll nun die Tötung des Kindes im Mutterleibe, das natürlich nicht zum Körper der Mutter gehört, legalisiert werden. Aber was wird da abgetrieben? Die Utraschallbilder zeigen es: ein Mensch! Das zu zeigen, will nun Twitter verbieten! Daß da Kinder im Mutterleibe getötet werden, das soll der Zensur zum Opfer fallen. Wenn Frauen ihre Kinder im Mutterleibe töten lassen, dann ist es eben ihnen nicht zumutbar, auf Bildern zu sehen, daß das, was sie da töten ließen, ein Mensch war. Darum sollen diese Bilder wegzensiert werden. Zu viel Aufklärung schadet eben der Abtreibungslobby.

Ergo: Es gibt Verbrechen gegen die Menschlichkeit, von denen gerne Greuelphotographien gezeigt werden, um zu beweisen, daß sie wirklich stattfanden, aber es gibt auch Greueltaten, die nicht der Politischen Korrektheitsideologie widersprechen, wie etwa, wenn Mütter ihre Kinder im Mutterleibe umbringen lassen oder wenn eben Muslime Greueltaten begehen- Beweisbilder dafür sind dann unerwünscht und sollen so wegzensiert werden, damit die Bilderwelt nur zeigt, was sie zeigen soll.


Freitag, 14. Juni 2019

Ein großer Triumph der Homosexlobby

Die Konversionstherapie soll nun verboten werden! "Verbot der KonversionstherapieGegen solche Praktiken braucht es empfindliche Strafen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die sogenannten Konversionstherapien für Homosexuelle noch in diesem Jahr verbieten. Dass so etwas überhaupt noch erlaubt sei, sage viel aus über den Stand von Schwulen und Lesben, kommentiert Christoph Schäfer. Umso wichtiger sei Spahns Vorstoß jetzt." (Deutschlandfunk 14.6. 2019)
Was dem gläubigen Muslim das Verbot des Abfalles vom Islam und die Konversion zu einer anderen Religion ist, verbunden mit dem Anliegen, wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, jede Art von Mission unter Muslimen staatlich zu verbieten, das ist der Homosexlobby der Kampf gegen Konversionsterapien: Wer einmal homosexuell ist, der muß es auch bleiben. Wenn nun ein Homosexueller an seiner eigenen Homosexualität leidet, sie vielleicht selbst als widernatürlich empfindet und er sie los werden möchte, so soll es zukünftig verboten sein, ihm eine Therapie anzubieten. 
Homosexualität sei keine Krankheit und deshalb dürfe sie auch nicht therapiert werden, lautet der Slogan der Homosexobby. Was wäre dann von diesem Argument zu halten: Die Schönheitschirugie sei zu verbieten, weil ein Mangel an Gutaussehen, zumal wenn dieser nur subjektiv empfunden wird, keine Krankheit sei, sodaß sie zu verbieten sei: Jeder müsse sich eben mit seinem Aussehen, so wie er ausschaut, zufrieden geben?
Der Wikipedia Artikel zur Konversionsterapie diffamiert diese Therapie gleich in den ersten Sätzen des Artikels so: "Konversionstherapie (von lateinisch conversio‚ Umwendung, Umkehr) oder auch „Reparativtherapie“ wird eine Gruppe von umstrittenen Methoden der Psychotherapie genannt, welche die Abnahme homosexueller Neigungen und die Entwicklung heterosexueller Potentiale als Ziel postulieren. Sie wird auch Reorientierungstherapie genannt und von verschiedenen Gruppen der überwiegend evangelikal geprägten Ex-Gay-Bewegung propagiert. "

A) Was umstritten ist, ist per se negativ- so der heutige Sprachgebrauch! Aber was ist, wenn es wirklich eine Meinungsfreiheit gibt, nicht umstritten? Nur politisch Korrekte kennen Unumstrittenes, das sind ihre eigenen Dogmen und was nicht denen entspricht, nur das wird als umstritten diskreditiert.

B) Was von Evangelikalen propagiert wird, ist per se verwerflich. Liberale und Linke propagieren nie etwas, so negativ verhalten sich nur Rechte und dazu gehören ja auch die Evangelikalen.

Aber nun erlauben wir uns, den Text gegen die offensichtliche Autorenintention zu lesen: Da wird von einer Ex-Gay- Bewegung gesprochen. Das heißt erstmal nichts anderes, als daß da Menschen sind, die einst selbst homosexuell waren, nun es nicht mehr sind und öffentlich bekunden, daß sie es gut finden, nicht mehr homosexuell zu sein. Für die Homosexlobby ein klarer Fall: Verräter, Renegaten- nichts verachtet jede vitale ideologische Bewegung mehr als Abtrünnige. So spricht jeder Zeuge Jehovas mit jedem liebend gern über die Bibel, aber auf keinen Fall mit einem Ex-Zeugen!
Wenn nun Ex-Homosexuelle ihre Umwendung zur Heterosexualität als etwas für sie Gutes bezeichnen und bezeugen, diese Konversion gelang mir durch eine Therapie, dann ist das für die Homosexlobby sozusagen die unverzeihliche Sünde wider den Heiligen Geist. Das dürfen diese nicht und schon gar nicht dürfen sie eine so erfolgreiche Therapie anderen als Möglichkeit anbieten.
Hier deutet sich ein weiteres Problem an: Konversionstherapien können erfolgreich sein, wohl gerade dann, wenn ein Homosexueller an seiner sexuellen Ausrichtung leidet und sie überwinden will.Gehört das aber nicht zum Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen?Aber jeder gläubige Muslim wird sagen, daß es kein Recht gibt, von der wahren Religion sich abzukehren. Genauso urteilt da die Homosexlobby.
Stattdessen wird das Recht auf Selbstbestimmung so untergraben: Die, die sich von ihrer Homosexualität therapieren lassen wollen, wollen sich gar nicht von ihr therapieren lassen. Aber die Diskriminierung der Homosexualität erzwingt bei ihnen einen Therapiewunsch, den sie eigentlich nicht haben: Sie wollen so, was sie nicht wollen und darum ist ihr Wunsch nach einer Therapie nicht ernst zu nehmen- sie müssen eher therapiert werden bis sie so wollen, wie die Homosexlobby es ihnen vorschreibt.
Der Skandal der Konversionstherapien ist also, daß es Homosexuelle gibt, die nicht mehr homosexuell sein wollten und durch eine Therapie heterosexuell wurden und bekunden: Das ist gut so! Eine Therapie kann helfen! Dieses Angebot soll nun verboten werden, damit an ihrer Homosexualität Leidende nicht mehr therapiert werden dürfen. Warum? Weil die Homosexlobby eben nicht Mitglieder verlieren will, denn Mitgliederverluste bewirkt in der Regel einen Verlust an Einfluß in pluralistisch verfaßten Gesellschaften.          
   

Donnerstag, 13. Juni 2019

Christ sein heute- was macht das aus?

"Gott wird sich eine neue Wohnung suchen müssen"- so provokant formuliert es der Standpunkt-kommentar von katholisch de am 13.6. 2019. Der Anlaß, daß viele Kirchen in Bälde zugesperrt werden müssen, weil sie ob des Gläubigenmangels nicht mehr gebraucht werden. Das verleitet nun den Kommentar zu einer eigentümlichen Vorstellung, daß Gott, der im Laufe der Geschichte schon in so vielfältiger Weise unter den Menschen gelebt habe, sich nun eine neue Wohnung zu suchen hat: Gott ziehe aus der Kirche aus- nur wohin? Gott sei es gedankt, der Kommentar weiß, wo wir nun Gott finden können. Hier die vollständige Liste. 

"Er wird wohnen bei denen, die sich um seine Schöpfung sorgen.
Er wird wohnen bei denen, die Not sehen und helfen; bei denen, die ihn in den Armen und zur Flucht gezwungenen erkennen (Mt 25,31–46).
Er wird wohnen bei denen, die voll spiritueller Sehnsucht sind; bei denen, die ihn um seine Gegenwart bitten (Lk 11,13).
Er wird wohnen bei denen, die die Mühen religiöser Bildung tragen, den Religionslehrern; bei denen, die sich für Menschenwürde und Menschenrechte einsetzen, für staatliche Gewaltenteilung, Gerechtigkeit, Frieden und zivilgesellschaftliche Transparenz.
Er wird wohnen bei denen, die Kranke pflegen und Betrübte beraten; bei denen, die Tote geleiten und deren Angehörigen trösten.
Er wird wohnen bei Kindern und bei den Alten, bei den Einsamen und den Diskriminierten. Er wird wohnen bei denen, die sich lieben, die heiraten und eine Familie gründen.
Er wird wohnen bei denen, die sich um die Erziehung und das kulturelle Erbe sorgen und bei denen, denen die Suche nach Wahrheit nicht gleichgültig ist.
Pfingsten, das heißt: Er wird unser Gott sein, ein Gott, der – in welcher Form auch immer – in der Welt und unter den Menschen wohnen bleiben will. Unser Gott, der Zuflucht und Hoffnung ist."

Zuerst fällt ins Auge, daß der Autor dieses göttlichen Umzugsplanes, gar ein Theologieprofessor, so selbstverständlich die Orte der Realpräsenz Christi in der Welt mit keinem Wort erwähnt: die Eucharistiefeier und der Tabernakel. 
Dafür steht an erster Stelle der Mensch, der sich um die Schöpfung sorgt. Hätte man nun nicht von einem Theologieprofessor etwas kritische Distanz zu dieser Allerweltsphrase erwarten dürfen, denn a) ist Gott allein der, der die Welt erschaffen hat und das meint immer das ganze Universum, und nicht nur das Teilelelement des Planeten Erde, und b) Gott ist es auch allein, der seine ganze Schöpfung bewahrt, denn die Destruktionskraft des Menschen, so sehr er sich auch anstrengen möchte, reicht zur Gefährdung der Existenz der Schöpfung Gottes bei weitem nicht aus , noch kann er mit seinen Bewahrungskräften die Schöpfung erhalten. Aber diese Phrase kommt eben gut an.

Zum 2.Punkt: "Er wird wohnen bei denen, die Not sehen und helfen; bei denen, die ihn in den Armen und zur Flucht gezwungenen erkennen (Mt 25,31–46)." Hier stehen wir nun vor einem interpretatorischem Problem: Sind damit 2 Gruppen gemeint, die einen, die Not sehen und helfen und die anderen, die in "Flüchtlingen" Jesus Christus sehen, oder sollen die letzteren eine Konkretion darstellen? Ich neige dazu, es so zu deuten: Gott wohnt bei denen, die die Not anderer sehen und das sind jetzt insbsondere die, die sich für "Flüchtlinge" einsetzen. Damit sind einfach alle gemeint, die die Politik der offenen Grenzen für jedermann der Bundesregierung unterstützt. Einen arger Fehlgriff leistet sich dann der Kommentar, wenn er als Beleg dafür Mt 25,31-46 heranzieht, denn hier sagt Jesus Christus eindeutg: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Selbstverständlich meint hier Jesus, wie auch sonst immer mit den Brüdern Mitchristen und nicht irgendwie alle Menschen! 
Also, Punkt 1 und 2 sind reine Huldigungen der politischen Korretheit mit ihrer Vorliebe für die Parole der Schöpfungsconservierung und der Ideologie des Multikulturalismus.   

Nun kommen die der spirituellen Sehnsucht. Durch die angeführte Lk-Stelle soll dabei der Eindruck erweckt werden, daß diese "Spiritualität" etwas mit dem Heiligen Geist zu tuen hätte. Aber unter "Spiritualiät" wird heute in der Regel ein außerkirchliche kirchendistanzierte Ausrichtung verstanden als Restbestand der einst recht lebendigen Esoterikbewegung. Der Hl. Geist wenigestens, der von dem göttlichen Vater und dem Sohn ausgeht, ist einer, der Menschen in die Kirche hineinführt zum wahren Glauben und nicht zu irgendeiner "Spiritualität"! 

Der 4.Punkt ist nun wieder komplizierter: "Er wird wohnen bei denen, die die Mühen religiöser Bildung tragen, den Religionslehrern; bei denen, die sich für Menschenwürde und Menschenrechte einsetzen, für staatliche Gewaltenteilung, Gerechtigkeit, Frieden und zivilgesellschaftliche Transparenz." Auch hier plädiere ich dafür, das "bei denen, die sich"als Explikation zu deuten: Religiöse Bildung ist also das Einsetzen für Menschenrechte und für die westliche Demokratie. Der Religionsunterricht ist so gesehen ein Staatsbürgerkundeunterricht und soll die Schüler zu einer positiven Einstellung zur demokratischen Staatsordnung verhelfen. Was früher da doch unter Religion verstanden wurde!

Und der Rest ist dann eine Prise caritativen Handelns, nur daß die Aussage über das Heiraten und Familiegründen von den Vorgaben der politischen Korrektheit abweicht. Da könnte die Homosexlobby protestieren. 

Gott verläßt seine Kirche, weil er nun bei den politisch Korrekten sein will- wo sollte er auch sonst sein!  Damit präsentiert dieser Kommentar aber auch in Kurzform, was heute eine christliche Existenz ausmache: Der Einsatz für die Schöpfungsconservierung und für Flüchtlinge und Asylanten, ein bißchen Spiritualität und die Bejahung der westlichen Demokratie als  die beste aller denkbaren Regierungsformen und bitte: caritativ leben. Und was hat das mit der christlichen Religion zu tuen? 
Aber dieses Konzept des Wohnungswechsels Gottes paßt genau zu der Umformungstendenz der Kirche in eine linkshumanitaristische NGO! 
  

  

Mittwoch, 12. Juni 2019

"Kirchen werden um Altäre gebaut" und der Tabernakel?

"Und der Tabernakel?,werden einige einwenden. Er dient der Aufbe-wahrung der Frucht des Altares."kann man bei Alfons Zimmer, "Kirchen werden um Altäre gebaut" Der Fels, Juni 2019, S.169 lesen. Der Tabernakel, das Begegnungszelt des Alten Bundes, der Ort, wo Gott seinen Namen wohnen läßt, daß er hier für uns gegenwärtig ist, der soll nur noch ein Aufbewahrungsort sein? "Das eigentliche Christus-Zeichen im Kirchenraum ist der Altar.Wenn wir uns vor dem Altar verneigen, verneigen wir uns vor Christus, der sein Leben für seine Freunde gab." (S.169).
Versuche man sich mal diese Szene zu imaginieren: Die Freundin kommt auf Besuch zu ihrem Freund, und der hat sich eine Photographie von ihr an die Wand gehängt, auf die er die ganze Zeit schaut, während sie anwesend ist. Absurd fürwahr. Aber für den Gläubigen soll der Altar das Christus-Zeichen oder Christus- Bild sein, während wir den Ort, wo er wirklich als wahrer Gott und Mensch nur als einen Aufbewahrungsort ansehen? Zudem, seit wann ist denn Jesus Christus die Frucht des Altares, die Frucht ist doch eher die Versöhnung Gottes durch das Opfer Jesu Christi! 
Zudem: Wo bauten denn der religiöse Mensch Altäre? Da, wo ihm Gott erschienen ist, eine Theophanie geht so dem Bau des Altares in der Regel voraus, oder Gott hat explizit einen Ort erwählt,daß hier ihm die Opfer darzubringen sind, wie Jerusalem! 
Weil Gott in seinen Kirchen wirklich gegenwärtig ist, das ewige Licht zeigt uns seine Realpräsenz an, versammelt sich die Gemeinde genau da. Nicht etwa gilt, wie im Protestantismus, daß die Kirchen leer, ohne Gott sind, und erst wenn sich die Gemeinde zum Gottesdienst versammelt, will er dann unter ihnen sein, weil sie sich in seinem Namen versammelt haben. Darum werden evangelische Kirchen ja außerhalb der Gottesdienszeiten zugesperrt, weil sie dann leer sind. Katholische Kirchen leben dagegen aus der Gegenwart des Sohnes Gottes in ihnen, ja hier wartet der Sohn Gottes täglich im Tabernakel auf seine Gläubigen zur Privataudienz. 
Werden denn wirklich Kirchen "um Altäre gebaut"? Versammelt sich die Gemeinde wirklich um den Altar herum? In nachkonzilliaren Zeiten wurden oft leider die Nebenaltäre der Kirchen beseitigt, weil man nun einen Gefallen an der Konzelebration fand, aber wo immer es noch die Nebenaltäre gibt, zeigt es sich, daß nicht einfach die Altäre das Zentrum bilden können, weil es dafür zu viele gab. In den Barockkirchen ist die Problematik des Zentrumes so nicht nur ästhetisch sondern auch kulttheologisch am überzeugendsten gelöst: In dem Hochaltar ist der Tabernakel als Zentrum integriert und der Priester wendet sich hin zum Hochaltar, weil das der Ort der Präsenz des Göttlichen ist, dem die Kirche das Opfer darbringt. Zur Kommunion dagegen wendet sich der Priester zum Volke hin, steigt die Stufen zum Altar hinab, um den Gläubigen an der Kommuinonbank den Leib Christi und sein Blut zu reichen. Das Volk versammelt sich nicht zur hl. Kommunion um den Altar, denn die Kommunionbank ist der Ort des Empfangens der Kommunion.
Aber all dies hat die Liturgiereform verdunkekt, indem sie das Meßopfer und die Kommunion verprotestantisierte. Aber auch jetzt noch versammelt sich die Gemeinde nicht um  den Altar sondern sie empfängt die Hostie von dem vor dem Altar  stehenden Priester. Eine zweifache Kommunikationrichtung ist dabei zu beachten: Einerseits steht der Priester vor dem Altar und hinter ihm die Gemeinde und beide richten sich aus auf den Hochaltar, wo der Tabernakel ist, oder der Priester wendet sich zur Gemeinde, um nun der Gemeinde die Hostien auszuteilen. In beiden Fällen ist aber der Altar nicht das Zentrum sondern das Medium, durch das hin zu Gott kommuniziert wird, oder von woher dann die Hostien ausgeteilt werden.
Die um den Tisch des Herrn versammelte Gemeinde ist dagegen eine reformatorische Vorstellung, die ihr Zentrum in dem heiligen Essen hat,wo alle sich um den Speisetisch so  versammeln. Erst wenn das hl. Essen den Opfercharakter der Messe verdrängt,wird der Abendmahlstisch zum Zentrum, um den sich die Kommunikanten versammeln, auch um den Gemeinschafts-charakters des gemeinsamen Essens zu unterstreichen.
Daß zum Altar das Opfer gehört, wie Zimmer dann energisch in diesem Aufsatz betont, ist unbedingt zuzustimmen, aber gerade weil dem so ist, werden Kirchen nicht um Altäre gebaut, sondern auf ihren Hauptaltar hin ausgerichtet.Der Altar ist, am besten kommt dies im Hochaltar zum Ausdruck, die Spitze der Kirche,auf die die ganze Kirche hin ausgerichtet ist. Ist dann noch der Tabernakel in den Hochaltar integriert, wird so deutlich, daß der Adressat des Altaropfers Gott selbst ist, denn nur ihm opfert die Kirche, dem Dreieinigen. 
Wo dagegen diese Ausrichtung auf Gott fehlt, da wird dann aus dem Gottesdienst eine Gemeindefeier, in der die eigne Gemeinschaft nur noch zelebriert wird. 

Zusatz:
Der Kreis (um den Altar herum) ist eine antikatholische Vorstellung und somit als Ordnungsprinzip  des Innenraumes der Kirche inakzeptabel. Denn der Kreis bedeutet, daß jeder Gott gleich nah und gleich fern ist, sodaß es keiner hierarchischen Vermittelung bedarf, also keines Priesters. Das impliziert, daß das Zuglaubende so allgemeine Wahrheiten sind, daß eine Offenbarung in der Geschichte nicht braucht, die an nur bestimmte Menschen erging und von denen dann weitervermittelt wird.Kant hat das erfaßt und so jede Offenbarungswahrheit abgelehnt, da diese die Notwendigkeit einer Hierarchie aus sich heraussetze, eine Klerusherrschaft, die sich dann auch in der Gestaltung der Liturgie widerspiegele: ganz oben Gott, dann dazwischen der Priester und das Volk unten. Der Kreis soll dieses Offenbarungsverständnis in der Kirche überwinden mit der Parole, daß alle Gott gleich nahe seien und so sich jeder Vermittelungsdienst verböte- so die Zentralaussage der Rotte Korach, 4. Mose 16.

Dienstag, 11. Juni 2019

„Gotttesbilder müssen korrigiert werden“

"Striet: Ja, das ist tatsächlich der Kernpunkt. Es geht mir darum, auszusöhnen mit einem Freiheitsdenken, das tatsächlich Autonomiefreiheit will. Das heißt, dass der Mensch sich selbst gesetzt ist und in der eigenen Instanz darüber entscheidet und auch entscheiden muss, was gut und was richtig ist. Alles andere widerspricht diesem neuzeitlichen Freiheitsbegriff." Theologe Magnus Striet „Die Würde der Freiheit“ Deutschlandfunk 18.7.2019. Und da die Gottesbilder der Bibel, der Tradition und des Lehramtes nicht im Einklang mit den Erfordernissen einer Gotteslehre auf dem Niveau der Aufklärung und des modernen Freiheitsbewußtseins sich befinden, müssen die modernisiert werden- so wie eben ein Elektrogerätehändler ja auch keine Schwarz- Weiß - Fernseher mehr verkaufen kann, da die Ansprüche an ein Fernsehgerät halt mit der Zeit gestiegen sind.
1.Gott darf nicht mehr als Gesetzgeber fungieren, denn der autonome Mensch entscheidet selbst, was gut und böse ist. 
2. Gegen die Sündenlehre der Kirche und isb gegen Augustin ist zu lehren,  daß der Mensch dann das so als Gut Erwählte auch realisieren kann. Und das reicht für, um es vorkonziliar zu formulieren, das Seelenheil des Menschen. 
3. So bedarf es keiner Erlösung des Menschen, denn er kann sich selbst erlösen, indem er einfach vernünftig lebt. 
4. Die Kirche und genau genommen auch Jesus Christus ist so für das Heil der Menschen irrelevant, es reicht die praktische Vernunft, die aus sich heraus auch das Hoffen auf einen Gott setzt, von dem aber man nicht erkennen kann, ob er ist. 
5. Diese Bedingungen muß das neue Gottesbild erfüllen, damit er für einen modern-aufgeklärten Menschen akzeptabel ist:
"Und das ist Moderne: nicht mehr zu wissen, ob tatsächlich der Gott, den man wohl glauben möchte, existiert. Das ist der erste Punkt und der zweite Punkt liegt darin: Wenn ich erst einmal entschieden auf Freiheit setze, auf die Würde der Freiheit setze, dann darf auch nur noch ein Gott akzeptiert werden, der tatsächlich so unbedingt die Würde der menschlichen Freiheit akzeptiert, wie Menschen das zumindest tun sollten. Das führt dann notwendig auch dazu, dass historisch aufgebaute Gottesbilder korrigiert werden müssen." 
Man beachte, daß die Bibel, die Tradition und das Lehramt nur "historisch aufgebaute Gottesbilder" aufweist, die eben unseren jetzigen Ansprüchen nicht mehr genügen- der Mensch ist eben dem Kinderglauben entwachsen und sucht nun nach einem Gott, der so vernünftig ist, wie der modern aufgeklärte Mensch es ist.
  
Wer seinen Fernseher anschaltet, da er nun an seinem Feierabend sich unterhalten lassen möchte, der schaltet ja auch Programme, die ihm  mißfallen ab, bis er dann etwas ihm Ansprechendes findet. Warum sollten wir Gott nicht auch einfach abschalten bis wir ein Programm finden, in dem uns ein uns zussagender Gott präsentiert wird. Herr Striet macht sich halt Sorgen um die Einschaltquoten für die Katholische Kirche: Ein nicht mehr akzeptables Gottesbild muß eben vom Bildschirm genommen werden, um einem ansprechenderen Platz zu machen. Nur: Der Aufklärungsgott langweilt mit dem Verblassen der Aufklärung die Zuschauer zusehens, er paßt nicht in die Postmoderne.

Und was ist nun die Aufgabe der wisenschaftlichen Theologie? Die Produktion eines Gottesbildes,die den heutigen Konsumenten anspricht!