Der Anthropozentrismus – ein Irrweg der Analyse der heutigen Krise der Kirche?
Selbstverständlich ist die uns bedrohende Klimakatastrophe ein allein von uns Menschen verschuldete, wer das bestreitet gleicht einem Holocaustleugner und sollte so bestraft werden. König Saul, in größter Bedrängnis: „Wie steht es um mich, ist Gott mir noch gnädig“, befrug die Priester. (1.Samuel 28) Aber sie mußten ihm antworten: „Gott schweigt, wir befragen ihn auf die übliche Weise, aber er gibt keine Antwort!“ Nicht betrügen ihn da die Priester Gottes, indem sie sagten: „Ist schon in Ordnung, Gott hat Dich ja zum König Israels erwählt.“ Sie schweigen, weil Gott schweigt.
Das hätte sich so nie ereignen dürfen: Gott redet immer, immer antwortet er, nur wir Menschen verschließen uns dann ihm gegenüber, wir wollen ihn nicht hören. So vielfältig nun auch die Analysen der gegenwärtigen Krise der Kirche und der christlichen Religion ausfallen, in einem Punkte stimmen sie überein: Sie ist ausschließlich menschengemacht.Gott beruft seine Gemeinde zum Gottesdenst, aber wenn dann von 100 Berufenen nur 5 seinem Rufe folgen, dann hören und erhören die 95 seinen Ruf nicht. Gott beruft Männer zu Priestern und Frauen und Männer zur besonderen Nachfolge zum klösterlichen Leben, aber auch da hören viele diesen Ruf nicht oder überhören ihn. Warum nun die Berufenen nicht ihrem Rufe folgen, da ist unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt, auch wenn sich klar zwei Richtungen herauskristalisieren lassen: Entweder sei die Kirche daran schuld, weil sie nicht progressiv - liberal sei oder sie sei schon zu progressiv- liberal.
In einer Predigt hörte ich gar, daß Gott uns mit leiser Stimme berufe, aber wir in der lärmenden Welt seine Stimme nicht mehr hören könnten. Der Mensch, der beheimatet sei in der Natur, der vernehme da Gott noch, aber wir Stadtmenschen:der Natur und Gott entfremdet.
Gott sei immer präsent und auf „Sendung“, nur wir Menschen stellten dann unseren Sendungsempfang aus! Gottes Offenbarung sei in der Kraft des Heiligen Geistes stets für uns offenbar, aber wir verschlössen uns diesem Offenbarsein der Wahrheit. Jesus ruft verzweifelt am Kreuze: „Warum hast Du, Gott mich verlassen!“ Das ist die bitterste Wahrheit des Karfreitages.Aber in wie vielen Sonntagspredigten wird diese Wahrheit uns verstellt: „Jesus irrte, als er meinte, von seinem ihm liebenden Vater auch nur eine Sekunde verlassen worden zu sein. Denn Gott verläßt uns nie, wir können uns nur einbilden, daß er uns verließ, daß er aufhöre,zu uns zu sprechen. Er ist halt immer auf Sendung.“
Aber Gott schwieg, als König Saul ihn befragen ließ: „Wie steht es um mich?“ und Gott hat seinen eigenen Sohn verlassen, bis er ihn auferweckte. Als anthropozentristisch sind alle Analysen der jetzigen Krise zu bezeichnen, die sie als allein menschengewirkt beurteilen, als wenn Gott stets für uns Menschen offenbar sein will, stets ein Berufender ist, daß aber viele, zu viele nicht auf ihn hören wollen.
Gott beruft, aber wir wollten ihn nicht mehr hören und erhören, wir lärmten,um ihn zu überhören. Liegt denn da der Gedanke nicht viel näher, daß unser Gott, weil wir gegen ihn leben, nun selbst schweigt, wie er zum König Saul schwieg, als er ihn befragte: „Wie steht es um mich?“ Anders gefragt: Ist das Zumglaubenkommen eine Möglichkeit für jeden Menschen, Gott gäbe sie jedem, aber es sei nun allein in unserer Hand, ob wir Gläubige werden oder ihm nicht glauben? Gliche die Kirche einem Supermarkt, in dem die Glaubensartikel zum Erwerb für jeden Konsumenten ausliegen und der Konsument allein sich frei dazu entschließen könne, die Glaubensartikel in seinen Einkaufswagen zu legen, seinem persönlichen Glauben oder sie im Regal liegen zu lassen? Gott bliebe dann nur die Rolle eines Zuschauers: Wer nimmt die Glaubensartikel in sich auf?
Könnte es nicht sein, daß Gott in unserer Zeit ein sich verbergender ist, der nur noch von wenigen erkannt und bekannt werden will?