Freitag, 14. Dezember 2018

Lesefüchte: Ein Lichtblick auf den Menschen

">Homo homini lupus< [der Mensch ist des Menschen Wolf] ist ein trauriger,aber ewig gültiger Wahrspruch." C.G.Jung, Psychologie und Religion, 2.Auflage, 1972, S.21. So deutet nun dieser Psychologe dies berühmte Votum Thomas Hobbes: "Der Mensch hat tatsächlich Grund genug, jene nichtpesönlichen Kräfte zu fürchten, die im Unbewußten wohnen. Wir befinden uns in seliger Unbewußtheit über jene Kräfte, weil sie niemals oder wenigstens fast niemals in unserm persönlichen Handeln und unter gewöhnlichen Umständen in Erscheinung treten. Wenn aber andererseits Menschen sich anhäufen und einen Mob bilden, dann werden Dynamismen des Kollektivmenschen entfesselt-Bestien oder Dämonen, welche in jedem Einzelnen schlafend liegen, bis er zum Partikel einer Masse wird. Der Mensch in der Masse sinkt unbewußt  auf ein niedrigeres moralisches und intellektuelles Niveau; auf das Niveau, das immer da ist unter der Schwelle des Bewußtseins. Hier ist das Unterbewußte immer bereit, loszubrechen, sobald es durch die Bildung einer Masse unterstützt und hervorgockt wird." (S.21f)
Der Diskurs über den Menschen, was ist er wie?, leidet oft an einer Vermischung indikatvischer Aussagen, wie ist er? mit imperativischen, wie soll er sein? und optatvischer: o, möge er doch so sein! Dazu gesellt sich dann noch das Problem der Zeit: Ist der Mensch ein  sich immer Gleichbleibendes, ist er heute so, wie er immer war und wird er immer so bleiben? und der konjunktivischen Frage:Könnte er anders sein, als er ist? 
C.G.Jung wagt hier eine provokative Aussage über den Menschen, so wie er immer war und sein wird: "ein ewig gültiger Wahrspruch". Das heißt, daß es konstitutiv für das Menschsein ist, daß in ihm ein nichtindividueles Unterbewußtsein existiert, das ihm im Regelfall nicht bewußt ist, das aber das Individuum bestimmt, wenn es als Teil einer Masse agiert.Dies  Kolleltivunterbewußtsein distinguiert sich nun deutlich von dem Über-Ich, das im Regelfall unser Agieren in der Welt normiert.
Woher kommt nun aber diese Negativtendenz dieses Unterbewußten, sein Bestien- und Dämonenhaftes? Meint das einfach, daß es als Unterbewußtes und nicht vom Einzelich Beherrschtes daimonisch ist?  Äußerer Anlaß dieser Beurteilung dieses Unterbewußten scheinen für Jung der 1.Weltkrieg und die russische Oktoberrevolution gewesen zu sein. (S.19), aber ob diese politischen Ereignisse wirklich aus einem kollektiven Unterbewußtsein heraus erklärbar sind, ist doch fraglich. 
Aus theologischer, nicht psychologischer Perspektive liegt es nahe, diese Wahrnehmung des Menschen als eine psychologische Darstellung dessen zu lesen, was die Theologie als die Erbsünde expliziert. Der nichtindividuelle Charakter meint dann die menschliche Natur, so wie sie uns nach dem Sündenfall Adams zukommt. Jede individuelle Existenz setzt ja die Essenz des Menschseins voraus, aus der sich dann das Indiviuum individuiert. Dies Menschsein ist nun das, wozu sich Adam bestimmt hat als er als das Urbild des Menschseins sich zum Sünder bestimmte durch seine Sünde. Er wählte damit das Menschsein.
Grimms Märchen: "Die Lebenszeit" bringt das aufs feinsinnigste zum Ausdruck, wie die Wahl eines Urmenschen das Schicksal aller Menschen ist. Gott frägt Tiere, wie alt sie werden möchte. Das jeweils gefragte Tier bestimmt so die Lebenszeit seiner Art. Zuerst frägt Gott des Esel, ob er 30 Jahre auf Erden leben möchte. Das war ihm angesichts der Mühsal zu viel. 18 Jahre hat er so zu leben, der Hund handelte Gott auf 12 Jahre Erdenzeit runter, der Affe auf 10 Jahre. Nur dem Menschen waren die 30 Jahre von Gott ihm angebotene Lebenszeit zu wenig: Er wollte länger leben. Er bekam dann 70 Jahre, so viel wie der Esel, der Hund und der Affe zusammen zusätzlich zu den 30 Lebensjahren.
Das Ereignis seiner Lebenszeitwahl: (es ist so schön formuliert, daß ich hier ausführlich zitiere: (Grimms Märchen, Otus Verlag 2014, S.280, wunderschön illustriert):
"Also lebt der Mensch siebzig Jahr. Die ersten dreißig sind seine menschlichen Jahre; die gehen schnell dahin; er ist gesund,heiter, arbeitet mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der anderen aufgelegt: Er muss das Korn tragen, das Andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, knurrt und hat keine Zähne mehr zum Beißen.Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluss. Da ist der Mensch schwachköpfig und närrisch, treibt alberne Dinge und wird zum Spott der Kinder."  
Dies Schicksal hat der Mensch sich selbst erwählt, indem ihm das von Gott Gewährte nicht reichte und er noch die Lebenszeit des Esels, des Hundes und des Affen dazuhaben wollte. Wie hier durch die Wahl des einen Urmenschen das Leben aller Menschen bestimmt wurde, so bestimmte Adam durch seine Wahl das Menschsein als dem, was dann individuiert den Einzelmenschen ergibt. 
So könnte dies von Jung beschriebene Kollekivunterbewußtsein den alten Adam in uns meinen, der gerade dann zu triumphieren weiß, wenn die Kontrollstärke des Über-Iches durch das Sein in der Masse geschwächt wird, denn jetzt ersetzt das Massenverhalten das das  Verhalten sonst normierende Über-Ich. Dann gilt diese Aussage Jungs über den Menschen auch nur dem postlapsarischen Menschen, nicht ihm vor dem Sündenfall und auch nicht ihm im ewigen Leben. Aber als Beschreibung des erbsündlichen Menschen ist diese Darstellung bedenkenswert. 

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Neue Theologie- oder der Kunde ist König

Warum neue Theologie ? Eugen Biser, gibt darauf in einem Video:"Alte und neue Theologie" eine so verblüffend tiefsinnige Antwort als Religionsphilosoph und Theologe, daß sofort gemerkt wird, daß er nicht im Religionsunterricht geschlafen hat. Schon vor langer Zeit erklärte mir im gymnasialen Religionsunterricht die Lehrkraft, daß es hinsichtlich der Christologie, wer ist dieser Jesus, zwischen dem jüdischen und dem griechischen Denken zu distinguieren sei. Für das jüdische Denken sei der Adoptionismus der Vorstellungsraum, um das Besondere des Jesus von Nazareth zu erklären: Gott habe ihn zu seinem Sohn erklärt per Adoption. (Wie ja auch das jüdische Volk nicht Gottes natürliches Volk sei im Sinne einer göttlichen Vaterschaft). Dem griechischen Denken sei diese adoptionstische Vorstellung nicht adäquat, griechisch denkt man naturalistisch und so wurde aus dem adoptierten Sohn Gottes der "leibliche" natürliche Sohn, der Gott zum Vater und eine Frau zur Mutter gehabt hätte. 
Wir denken weder jüdisch noch griechisch, so bedürfen wir eine andere Jesulogie, die den "Wahrheitskern" dieser beiden Vorstellungen in sich aufnimmt, daß Jesus eben eine ganz besondere Beziehung zu Gott habe,daß er ihn Pappa (Abba) nannte. 
Eugen Biser sagt das nun ähnlich: Die christliche Theologie habe die Botschaft Jesu in die Denkweise der griechischen Philosophie gefaßt und so nötig das auch war, um eine zeitgemäße Theologie zu konstruieren, jetzt muß diese Art der Theologie als veraltet ad acta gelegt werden. Die Theologie müsse also entphilosophiert werden, um zu dem echten Jesus zurückzufinden. Das ist der Jesus hinter der Lehre der Kirche, der in der alten Theologie verborgene Jesus.
Was macht nun diesen echten Jesus jenseits der philosophisch-dogmatischen Systeme aus? Der Aufsatz: "Therapeutisches Christentum" von M. Krienke in "Stimmen der Zeit" 12/2018
offenbart es uns (S.876): "Seine Großtat bestand, einfach ausgedrückt, darin, daß er den aus Angst und Hoffnung gewobenen Schleier vom Bild Gottes entfernte  und statt dessen das Anlitz des bedingungslos liebenden Vaters zum Vorschein brachte." So formulierte Biser selbst das Jesus Auszeichnende.  Dem korreliert Bisers Zeitdiagnose, daß der moderne Mensch der an Angst Leidende ist: "Wenn Angst nach Biser die grundlegende Ambivalenz in allen menschlichen Grundrelationen bezeichnet, welche Gott, den Mitmenschen und sogar das Ich selbst als potentiellen Gegner des Menschen ansieht" (so faßt Krienke Bisers Zeitdiagnose  zusammen, S.877). Die neue Theologie dieses Professors reduziert sich so also auf die Aussage, daß der Gott und der Jesus Christus der alten Theologie nicht mehr zu der  Angstgrundbefindlichkeit des Menschen passe. Die traditionelle Lehre wirke eher kontraproduktiv, sodaß nun ein neuer Jesus konstruiert werden müsse, der der aktuellen Nachfrage nach einer Angsttherapie gerecht werde. 
Denn das traditionelle Gottesbild zeichne sich aus durch ein Gottesbild, "das Gott als gleichzeitig liebende und rachsüchtige, erlösende und verdammende Allmacht kennzeichnet." (S.876). Diese Ambiguität müsse nun die neue Theologie überwinden, die nur noch den alles liebenden Pappagott kennt. So würde sich dann eine therapeutische Angstüberwindungsreligion konzipieren lassen. Diese sei dann nicht mehr dogmenzentriert, moralisch und asketisch (S.878), sondern ihr ging es um ein neues Gottesbewußtsein, daß jeder zum Pappaglauben finde. Das ist das Angebot für den modernen Menschen der Angst. Im Zentrum stünde dabei die Person Jesus. Daß dieser Pappagläubige nicht so ganz mit dem Zeugnis des Neuen Testamentes über Jesus Christus in Einklang zu bringen ist, darauf erwidert dieser "Theologe", daß  das Christentum eben nicht primär eine Schriftreligion sei (S.878) (aus der dann dogmatische Lehrsysteme entwickelt würden), sondern allein die Person Jesu mit seinem angstbeseitigenden Pappaglauben.  Und das ist die neue Theologie, ganz konsumentenorientiert konstruiert. 
Eines sollte aber hinzugefügt werden, daß die neue Theologie umzubenennen ist in: Marketing: Oder welcher Jesus läßt sich gut verkaufen! 
Der Marketingexperte setzt dabei konsequent auf das Konzept der Regression, daß dem sich ängstigenden Kinde ein starker liebender Pappa die beste Hilfe ist. Die Kirche müsse sich einfach an das sich so ängstigende Kind in jedem Erwachsenen wenden, um ihm dann den: "Ich hab Euch doch alle lieb Gott" zu verkündigen,die Pappagottreligion! 
Ob ein solcher Infantilismus wirklich die Zukunft der Kirche liegt, das darf aber bezweifelt werden! Denn dieser Pappagott ist kein Gott für Erwachsende. 

(Vergleiche dazu: Uwe C. Lay, (mein Buch): Der zensierte Gott:


Eine Frau, jubelnd reißt sie ihre Hände in die Höhe. „Meinem Gotte will ich Loblieder singen, ihn ehren und preisen. Du hast mein Volk befreit aus dem ägyptischen Sklavenhaus. Mit mächtiger Hand führtest Du uns heraus. Wunder über Wunder wirktest Du. Durchs Schilfmeer führtest Du uns trockenen Fußes. Mose gabst Du uns als Führer in die Freiheit, in unsere zukünftige Heimat, wo Milch und Honig fließen, in das Land, das wir Israel heißen werden.“ Ein Bild, eingereiht in eine lange Erzählung der Volkswerdung Israels, der Geschichte Gottes mit diesem Volk. Aber unser Auge soll nun verweilen bei diesem Bild: die israelitische Frau, die ihrem Gott zujubelt: „Du, unser Befreier.“



Dies Bild überstrahlt ein anderes, blendet unsere Augen so sehr, daß wir die Negativseite des Bildes nicht sehen können. Eine Frau, eine Ägypterin, kniend am Grabe ihres einzigen Kindes, die Grabblumen verwelken schon, aber täglich werden sie getränkt mit den Tränen dieser ägyptischen Mutter: „Mein Kind - tot!“, getötet vom Würgeengel Gottes. Ein Soldat nähert sich ihr, eine Feldpost in der Hand. „Ihr Mann ist gefallen! Ertrunken in den Fluten des Roten Meeres, als er im Auftrage des Pharao den Israeliten nachsetzte. Gott, der Gott Israels, ertränkte ihren Mann. Er ertränkte das ganze ägyptische Heer mit Mann und Maus.“



Zwei Götter, der eine, der die israelitische Frau befreite aus ihrer Knechtschaft, und der andere, der das unschuldige Kind der ägyptischen Mutter tötete und der ihren Ehemann tötete? Nein, es sind zwei Bilder des einen Gottes.
     

Mittwoch, 12. Dezember 2018

"Freiheit, Gleichheit,Brüderlichkeit" Fremdkörper im Abendland?

Der "Untergang des Abendlandes" ist viel im Munde, Oswald Spengler aktueller denn je, wenn auch nur mit dem Titel seines Meisterwerkes. Gehört das Ideal der "Glechheit" zur Kultur des christlichen Abendlandes, oder bezeichnet es eher eine destruktive Größe, die in der Französischen Revolution das Licht der Welt erblickte, aber als ein freimaurerisch inspirierter Fremdkörper in der abendländischen Kultur?
"Lacan teilt mit Nietzsche und Freud die Vorstellung,daß Gerechtigkeit als Gleichheit auf Neid beruht:auf unseren Neid auf den anderen,der hat, was wir nicht haben und der es genießt." Slavvoj Zizek, Lacan. Eine Einführung, 2008, S.54.Das Streben nach Gerechtigkeit speist sich also aus der Quelle des Neides, wenn unter der Forderung nach Gerechtigkeit die Forderung nach einer Gleichheit verstanden wird.
Spotan wird wohl jeder da zuerst widersprechen: Gerechtigkeit ist, wenn jeder gemäß seiner Leistung mehr oder weniger belohnt wird, daß guten Schülern gute und schlechten Schülern schlechte Noten gegeben werden. Dahingegen ist es ungerecht, wenn ein Lehrer einer Schülerin eine gute Note vergibt aus Sympathie ihr gegenüber, wenn sie eine schlechte verdient hätte. Aber allen Schülern eine 1 zu geben, damit Niemand neidisch auf eine bessere Note, als man selbst bekam, sein wird ist doch im Höchstmaß ungerecht.
Und damit stehen wir schon mitten in der Problematik des Gleichheitsideales. Denn das meint tatsächlich, daß Alle das Recht haben, so wie Alle genießen zu dürfen. Daß wer etwas hat, was der andere nicht hat, wird nun als eine Ungerechtigkeit empfunden- nur wo Alle gleich sind, da ist Gerechtigkeit. Dem neidischen Blick wird dabei gerade das, was ich nicht habe, der Andere aber, zu der Quelle des Glückes, an dem ich nur keinen Anteil haben kann, weil mir genau das fehlt, was das Glück des Anderen ausmacht. Der Andere genießt, was ich zu meinem Unglücke nicht genießen kann. 
Also, das ergäbe die Forderung, daß das, was bisher nur die Privilegierten genießen konnten, nun zum Genießbaren für Alle wird. Alle genießen unlimitiert, das wäre die vollkommene Gleichheitsgerechtigkeit.
Aber Zizek verblüfft den Lesenden auch hier ( wie so oft): "Die Forderung nach Gerechtigkeit ist letztlich die Forderung, das exzessive Genießen der anderen einzuschränken, damit jedermanns Zugang zum Genießen gleich ist." (S.54) Unter dem exzessiven Genießen muß also ein Modus des Genießens gemeint sein, der nicht universalisierbar ist, daß nicht jeder so genießen kann. Die einfachste Erklärung dafür wäre wohl:Wenn alle reich wären, wäre keiner reich, denn der Begriff des Reichseins impliziert notwendig: das Mehrhaben als die Anderen. Exzessiv könnte nur dann etwas genossen werden, wenn es verbunden ist mit dem Wissen, etwas exclusiv zu genießen, etwas zu genießen, wovon viele ausgeschlossen sind. Ein kleiner Witz mag das veranschaulichen:
Wie kann die Frau Doktor noch ihren echten Pelzmantel genießen, wenn sie ihre Putzfrau im gleichen Pelzmantel in ihrem Tennisclub antrifft? 
Indem das exclusive Genießen aufgelöst wird durch die Forderung nach dem Genießen für Alle, löst sich der Genuß auf.  So wird die Vulgarisierung des Genießens zur Askese, dem Verzicht auf das Genießen. "Das notwendige Ergebnis dieser Forderung ist natürlich Askese." (S.54)
Eine Gesellschaft, die so die Gleichheit realisieren würde aus dem Ungeiste des Neides heraus, wäre eine freudlose ohne Genuß. Der hl. Augustin erkannte schon, daß das Streben nach dem Genießen die Antriebskraft des Menschen sei mit seiner Unterscheidung von dem, was wir um seiner selbst willen tuend genießen und dem, was wir nur tuen, um ein Ziel außerhab dieses Tuens zu erreichen. Diese Selbstbezüglichkeit sprengt die Vorstellung eines exzessiven Genießens, denn hier scheint es so, als wenn dazu konstitutiv gehört die Vorstellung, daß es ein privilegiertes Genießen ist:  Der echte Pelzmantel verursacht nur diesen Genuß, wenn damit das Wissen verbunden ist, daß nur wenige so genießen können. Wird der echte Pelzmantel zum Besitz der Vielen, hört er  auf, Objekt  des Genießens sein zu können. Der Massenkonsum vertilgt so die Möglichkeit exzessiven Genießens, wenn Alles, was jetzt noch nur für wenige ist, durch die Forderung der gleichmacherischen Gerechtigkeit zum Konsumobjekt der Vielen wird.  So produziert der  Massenkonsum den asketischen Konsumenten. Aus dem Munde Älterer tönt das dann so: Früher freuten sich die Kinder zu Weihnachten über eine Süßigkeit, jetzt sind sie so überfüttert, daß sie sich gar nicht mehr freuen können: das asketische= genußlose Kind.  
Es bedarf wohl keiner Begründung, daß für die abendländische Kultur die  Gerechtigkeitsvorstellung, jedem gemäß seiner Leistung das Bestimmende war und daß mit dieser Gleichheitsgerechtigkeitsforderung so ein Fundament dieser Kultur untergraben wurde und wird.   

Dienstag, 11. Dezember 2018

"Warum die Kirche gegen die Menschenrechtserklärung war" vor 70 Jahren- oder wie sie irrte

Ein Kirchenhistoriker klärt uns auf. Aus den dunkelsten Tagen der Kirche weiß er uns zu erzählen, als die Kirche in ihrer vorkonziliaren Verdunkelung den Menschenrechten ablehnend gegenüberstand. Dabei schlägt das Herz der Kirche doch für die Menschenrechtsideologie, ja diese Rechte bilden doch das Zentrum heutiger Verkündigung. Wie konnte da einst die Kirche so irren?   
Der Kirchenhistoriker Schneider enthüllt uns:
"Rechte wie die Religions-, Presse- und Meinungsfreiheit seien zudem als Gegensatz zum kirchlichen Wahrheitsanspruch aufgefasst worden, erklärt der Theologe. Dahinter stehe der Gedanke, dass es eine von Gott geoffenbarte Wahrheit gebe, die allein der Kirche anvertraut sei. In diesem System brauche es keine Meinungs- oder Religionsfreiheit." Katholisch de am 10.12.2018. Die Kirche vertrat einst einen "Wahrheitsanspruch". Das ist schon eine diskriminierende Haltung, besonders dann, wenn dieser Anspruch legitimiert wird mit der Behauptung, daß es "eine von Gott geoffenbarte Wahrheit" gäbe, die allein in der Kirche präsent sei. Und weil es eine offenbarte und offenbare Wahrheit gäbe könne es kein Recht für Unwahrheiten geben. In einem doktrinär dogmatischen Rechenunterricht akzeptiert die Lehrerin auf ihre Frage, was ist 5 plus 7 nur die Antwort: 12- alle Tafelkläßler, die ein anderes Ergebnis errechnen, werden dann  da diskriminiert.
Im Rechenunterricht und in anderen Fächern soll auch heute noch diese aggressive Intoleranz praktiziert werden, daß zwischen wahr und unwahr unterschieden  und nur das Wahre erlaubt ist als richtige Antwort. 
Aber im Raume der Religionen gilt das nicht mehr: Hier gibt es so viele Meinungen,wie es Sandkörner in der Wüste gibt  und alle sind irgendwie gleich wahr oder auch unwahr. Jetzt erst, wo der Agnostizismus zur vorherrschenden Meinung geworden ist: Nichts Genaues weiß man genau! nachkonzilliar, konnte die Kirche ihr Ja sagen zur Religions- und Gewissensfreiheit. Denn wenn es nicht mehr möglich ist, in dem Raume der Religionen zwischen wahr und unwahr zu distinguieren, dann muß die Kirche von ihrer Anmaßung, daß in ihr die offenbarte Wahrheit offenbar ist, Abschied nehmen, sodaß sie nun ein gut aufgestellter Partner in der pluralistisch verfaßten Gesellschaft sein kann. Nun erst kann sie es als ein positives Recht ansehen, daß in Konkurrenz zur wahren Religion eine Unzahl von falschen gelebt und verkündigt wird, denn nun existiert diese  Unterscheidung nicht mehr. 
Wo immer nämlich zwischen wahr und unwahr klar unterschieden werden kann, daß eben der 30Jährige Krieg nicht im Mittelalter sich ereignet hat, wird jede unwahre Aussage über das Wann dieses Krieges im Namen der Wahrheit diskriminiert. Wo es aber keine erkennbare und erkannte Wahrheit mehr gibt und höchstens noch nicht legitimierbare Wahrheitsansprüche, da müssen alle potentiellen Konfliktparteien eines  vermeintlichen Wahrheitsbesitzes "abrüsten" in der Anerkenntnis, daß Niemand wirklich weiß, was die Wahrheit ist. 
Lapidar stellt diesen Wandel der Kirchenhistoriker so dar:         
"Das änderte sich mit dem Zweiten Vatikanischen  Konzil (1962-1965). Papst Johannes XXIII. würdigte die Menschenrechtserklärung 1963 als großen Fortschritt."  Der große Fortschritt be- steht also darin, daß die Kirche es aufgegeben hat zu glauben, daß es eine von Gott offenbarte Wahrheit gibt, die in der Katholischen Kirche offenbar ist.  
Denn nur wenn die Wahrheit nicht erkennbar ist oder noch nicht erkannt ist, kann es eine legitime Pluralität von Meinungen geben, was denn das Wahre sei. Das ist genau der genuine Standpunkt der Menschenrechtserklärung, den sich so die Kirche zu eigen gemacht hat.
Wer nun meint,daß so ein Frühling der Freiheit diese Menschenrechtsideologie hervorriefe, muß sich aber eines besseren belehren lassen: Kaum proklamiert, begann der tödliche Winter der Guillotine: Krieg der Katholischen Religion,  die kommunistische "Internationale erkämpfte das Menschenrecht" in den Archipel Gulags und Umerziehungslagern und Feministin töten massenhaft Kinder im Mutterleibe im Namen der Menschenrechte. Und die Diskriminierung Andersdenkender gehört nicht nur im Menschenrechtsland Deutschlands zur Selbstverständlichkeit der Politischen Korrektheit. Oder wie es so treffend Slavoj Zizek auf den Punkt bringt:
"daß unsere hochgeschätzten Menschenrechte in ihrem innersten einfach das Recht sind, die Zehn Gebote zu brechen. >Das Recht auf Privatheit< ist das Recht zum Ehebruch, der im verborgenen begangen wird, wenn niemand es sieht." >Pressefreiheit und Meinungsfreiheit<sind das Recht zu lügen."  Zizek, Lacan. Eine Einführung, 2008, S.61. 

Das Resümee: Der Mensch wurde qua Proklamation der Menschenrechte von der Kirche und der wahren Religion emanzipiert, aber nur um ihn dann politischen Ideologien zu unterwerfen, jetzt der Politischen Korrektheit .

 


Montag, 10. Dezember 2018

Die Wurzel aller Übel: Der Zölibat


Würde Professor Zulehner gefragt, was gegen die sich anbahnende Klimakatastrophe zu unternehmen sei, um die Erde vor ihrem Untergange zu bewahren, gewiß würde er respondieren: Den Zölibat abschaffen, denn die an Enthaltsam so Leidenmüssenden erhitzen ja durch ihre aufgestauten Sexualtriebenergien die Atmosphäre so sehr, daß es zu dieser Klimakatastrophe kommen muß, wenn nicht der Zwangszölibat abgeschafft wird.
Nun möchte dieser Pastoraltheologe aber nicht die Welt retten, sondern er limitiert sich auf einen Rettungsplan für die Katholische Kirche. Und der fällt- welch eine Überraschung wie der der Weltrettung aus:

"Der Wiener katholische Theologe Paul Michael Zulehner geht davon aus, dass Papst Franziskus die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt radikal ändert, wenn die Bischöfe des Amazonas-Gebiets dies beschließen. Dann könnten verheiratete, berufstätige Männer geweiht werden, sagte Zulehner in Freiburg. Langfristig solle dieser Weg auch Frauen offen stehen." (Katholisch info am 7.12.2018)
An Einfallslosigkeit ist dieser Rettungsplan nicht zu überbieten, auch verbietet sich jeder Blick zur EKD, wo die Protestanten auch erhebliche Pfarrernachwuchssorgen plagen, obwohl da schon alle Reformwünsche unser Ewiggestrigen Modernisten schon erfüllt sind, aber der Glaube, daß der Zölibat der schlimmste Fehler der Kirche ist, läßt sich eben durch keinerei Tatsachen irritieren. 
Das Bedrückende ist nun aber, daß dieser Pastoraltheologe in seiner Einschätzung der Amazonassynode recht haben könnte, daß sie als 2.Räubersynode in die Kirchengeschichte eingehen könnte, daß eben Papst Franziskus hier am "Rande der Kirche" sein Destruktionswerk der Kirche vielleicht krönen will, die Kirche, so viel es ihm als Papst möglich ist, zu verbeulen. 

Zusatz:
Daß Jesus zölibatär gelebt haben soll, diesen Irrtum des Neuen Testamentes zu korrigieren, das könnten doch jesuitische Bibelforscher leisten, am besten mit der exegtischen Erkenntnis, daß Jesus bisexuell gewesen sei, also mit einer Frau und danach mit einem Manne verheiratet gewesen war, also auch die Auflösbarkeit der Ehe gelebt hat.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Ein paar Probleme des Advents

"Auf die Ankunft (Advent) des Herrn Jesus Christus bereiten wir uns (nun)", so oder so ähnlich hört es die Gottesdienstgemeinde in der Adventszeit. Das kommt so vertraut, wie alle Jahre wieder , routiniert daher, daß es kaum noch eine Aufmerksamkeit auf sich zieht.Nur, wenn wir unseren Augen vertrauen, das ewige Licht beim Tabernakel verkündet uns doch: Hier bin ich für Euch da!. Das Begegnungszelt des Alten Bundes, der Tempel, in dem Gott seinen Namen wohnen läßt (so im Einweihungsgebet des Jerusalemer Tempels) prolongiert sich im Neuen Bund doch im Tabernakel, der jede Kirche zu einem Wohnort Gottes werden läßt. 
Könnte da nicht der Anwesende derr Adventsgemeinde zurufen: Ich bin doch schon bei Euch; ihr versammelt Euch doch in dieser Kirche, weil ich hier schon auf Euch warte! Aber so will der anwesende Jesus Christus unsere Vorbereitungsfeier auf den Advent wohl nicht stören,obgleich er als da Präsente nun als der zukünftig erst Kommende gefeiert wird.Dann empfangen die Gläubigen in dem konsekrierten Brot den Leib und das Blut Christi und somit ihn selbst (nicht nur Teile von ihm), um sich so auf den zukünftig kommen Werdenden zu präparieren. Aber in jeder Kommunion geht er doch schon in uns ein,so innig nahe will er da für uns sein.
Im Hochfest des Weihnachten feiert die Kirche, daß der Sohn Gottes in dem Kinde zu Bethlehem Kind geworden ist, daß wir in diesem kleinen Menschen Gott sehen können. Das hat sich jetzt aber vor 2018 Jahren ereignet und ist ein Ereignis der Geschichte, genau genommen gar ein plusquamperfektisches, denn dies Kind zu Bethlehem ist längst ein Erwachsener geworden, der jetzt zur Rechten Gottes thront, und nicht mehr als Kind in Windeln und der nun in allen Kirchen der Erde seinen Wohnort aufgeschlagen hat im Begegnungszelt. Wie kann das vor 2018 Jahren sich ereignet Habende jetzt zu einem zukünftigen Ereignis werden in der adventlichen Liturgie der Kirche? 
Das historische Denken kann die Advents- und dann auch die Feier der heiligen Nacht der Geburt des Erlösers doch nur als Erinnerungsfest verstehen, daß die Kirche, in der dieser Erlöser sein Daheim hat, sich erinnert, daß er vor 2018 Jahren in die Welt kam und so nun unter uns weilt. Aber dann ist der Aufruf: "Bereitet Euch auf die Ankunft des Herrn" in der Adventszeit so sinnvoll, wie wenn ein Historiker in einem Vortrag zur Schlacht um Stalingrad  seine Hörer aufforderte, sich nun auf den Endkampf um diese Stadt vorzubereiten. Es ist ja schon alles längst geschehen und entschieden: Seit der Weihnacht ist der Sohn Gottes mitten unter uns präsent und er ist nicht in erster Linie der zukünftig erst noch Kommenwerdende! Oder die Kirche müßte den Advent ausrichten auf das Hoffen der Wiederkehr des Sohnes Gottes in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten.Dann würde die Kirche sich von dem vergangenen Ereignis der heiligen Weinacht abwendend ganz dem Futurischen  zuwenden, aber warum das in der Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest? 
Dem historischen Denken steht so ein liturgisches mit einem ganz anderen Zeitverständnis entgegen- das ist das Geheimnis der Liturgie. Es ist ein ein zyklisches Zeitverständnis, das sich fundiert an dem Kreislauf der Jahreszeiten, daß auf jeden Frühling ein Sommer und Herbst und dann ein Winter folgt, auf denn dann immer wieder ein Frühling folgt.Der Kreis ist die Veranschaulichung der ewigen Zeit des liturgischen Denkens, die Zahlenreihe von : Minus Unendlich bis Plus Unendlich die des historischen Denkens,, dem die Null die Gegenwart, Minus die Vergangenheit und Plus die Zukunft darstellt. Das ist die ewige Zeit des historischen Denkens. Für Beide gibt es weder einen Anfang noch ein Ende. 
Liturgisch heißt das, daß der Sohn Gottes zu Weihnachten geboren, zu Karfreitag gekreuzigt, zu Ostern auferstanden, zu Himmelfahrt aufgenommen in den Himmel zu Weihnachten wieder geboren wird. So würde die christliche Religion zur rein mythologischen Religion werden, die in dem Kirchenjahr die ewige Wiederkehr des Gleichen feierte. Aber die christliche Religion ist eine historische: Weihnachten hat sich nur einmal ereignet, jetzt vor 2018 Jahren und dies Ereignis wiederholt sich nicht in jeder Weihnachtsfeier der Kirche. Aber es liegt im Wesen der Liturgie, daß in ihr sich das einmal sich Ereignethabende wiederholt, sich vergegenwärtigt. Dächten wir nämlich uns den Gottesdienstkult nur als eine historische Erinnerungsfeier, dann wäre das kein Kult mehr, sondern eine reine vielleicht etwas nostalgische Historikerveranstaltung.
Aber, stehen wir damit nicht vor einem Phänomen, das uns gerade auch in jeder Messe begegnet, daß sich in ihr das einmal geschehene Kreuzaltaropfer Jesu Christi selbst vergegenwärtigt als reales Opfer der Kirche? Vielleicht könnte es so gedacht werden, daß wie das Urbild des Kreuzaltaropfers sich in jedem seiner  Abbilder des Meßopfers vergegenwärtigt, so vergegenwärtigt sich das ganze Leben Jesu Christi im Kult als der Abbildung seines Lebens, wobei dann das Urbild als im Abbild real gegenwärtig zu denken ist. 
Die Adventszeit stellt so das theologische Denken vor beachtliche Aufgaben: Was ist der gottesdienstliche Kult? Der Tod der Liturgie ist es aber,wenn sie als reine Erinnerungsfeier gestaltet wird verbunden dann mit einem Aktualisierungsmoment: Weil Gott Mensch wurde in einer Krippe müssen wir nun für menschengerechte Wohnungen uns einsetzen- und ähnliche theologische "Glanzstücke" der Aktualisierungspädagogik, die aber zur Notwendigkeit wird, wenn das Liturgische etwas rein historisch Erinnerndes wird.

         

Samstag, 8. Dezember 2018

Über das Hoffen auf ein gutes Ende- Geschichtsphilosohie und Theologie

Was ist Geschichte? Das ist eine Frage, die an die Geschichtsphilosophie zu adressieren ist, denn dort wird nach dem Ganzen der Geschichte gefragt. "Eine Geschichtsphilosophie setzt in der Tat voraus, daß die menschliche Geschichte nicht eine Summe aneinandergereihter Fakten ist-individuelle Entscheidungen und Abenteuer,Ideen, Interessen, Institutionen-sondern daß sie im Augenblick wie in der Aufeinanderfolge eine Totalität ist, die sich in einem privilegierten Zustand zubewegt,der dem Ganzen einen Sinn verleiht."Maurice Merlau-Ponty, Humanismus und Terror 2, 1966, S.60. 
Das, was hier so präsumiert wird, müßte aber doch die Geschichtsphilosohie selbst erst ergründen, ist wohl der erste Einwand, der diese Formulierung provoziert. Aber so wird der privilegierte Zustand überlesen, von dem her erst das Ganze als sinnhaft begriffen werden kann. Das hieße dann aber, daß die Geschichtsphilosophie ihre Arbeit erst am Ende, wenn dieser privilegierte Zustand erreicht ist, ihre Arbeit aufnehmen könne. Bis dahin wäre die Vorstellung, daß die Geschichte ein sinnvolles Ganzes sei, nur ein Postulat, das nicht selbst schon begründet werden könne, denn der Grund für die Begründung sei noch zukünftig. Ob das so zu verstehen ist: Der in der Geschichte Agierende setzt in seinem Handeln darauf, daß es so ist, aber erst in einer Zukunft wird sich die Wahrheit dieses Hoffens verifizieren. Diese Interpretation paßt wohl zur Intention des Essays, "Humanismus und Terror", den stalinistischen Terror zu rechtfertigen mit dem Ziel, dem er dienen soll, eine Welt ohne Gewalt zu schaffen, nur daß auch diesem Philosophen es fraglich wird, ob am Ende des Terrors, 1946 wurde dieser Essay verfaßt, eine Welt ohne Gewalt stehen wird, die dann als der privilegierter Zustand die Erkenntnis der Sinnhaftigkeit auch der stalinistischen Herrschaft ermöglicht. Nur, das zeigt auch auf, daß die Akteure in der Geschichte ohne die Erkenntnis von diesem privilegierten Zustand her zu handeln haben. Das ist sozusagen ihr Risiko. 
Nur, es frägt sich: Woher legitimiert sich ein solches Hoffen auf einen solch privilegierten Erkenntnisort in der Geschichte. Kann das Eintretenwerden eines solchen Aussichtsturmes in der Geschichte, von dem herab das Ganze der Geschichte als sinnhaft begriffen werden kann, selbst von der Geschichtsphilosohie begründet werden? Kann das überhaupt ein Punkt in der Geschichte sein? Wäre er einer, könnte dann nicht dieser Aussichtsturm der Erkenntnis selbst wieder nur eine Episode in der Geschichte sein, sodaß das da Erkannte zu einer Illusion entwertet wird- so wie der Tag des Versprechens ewiger Liebe am Hochzeitstage der verlassenen Ehefrau auch nur noch zu einer schöne Illusion geworden ist. 
Es drängt sich so doch der Verdacht auf, daß diese Art der Geschichtsphilosohie ein unehelichen Kinde der Theologie ist, wobei das philosophische Denken die Reichs Gottes Hoffnung als Ende der Geschichte säkularisiert und als Produkt der Geschichte der Menschen verstehen möchte, als Aufgabe geschichtsmächtigen Handelns, nur daß so säkularisiert das Eintreten des Endes nicht mehr begründet werden kann, es kann nur noch erhofft werden. Und dies geschichtsphilosophische Denken müßte auch das Ende der Geschichte denken können, denn wenn der Zustand einer in dem Laufe der Geschichte nur wäre, könnte ja die Erkenntnis, gewonnen von diesem Aussichtsturm der Erkenntnis im weiteren Laufe der Geschichte revidiert werden. 
"In diesem Sinne war auch Angela erzogen worden, die durch den Glauben der Eltern ihre Stärke und die Überzeugung mit auf den Weg bekommen hatte, daß eine verständnisvolle Hand alle Geschicke dieser Welt leite." Mary Cotten, Hilfe aus dem Totenreich, S.27. Ohne den Glauben an diese die Geschichte leitende Hand kann sich das Hoffen auf den privilegierten Endpunkt,von dem aus das Ganze (sowohl der Geschichte als auch des individuellen Lebens) sich als sinnhaft erweist, nicht begründen. Nur, das geschichtsphilosophische Denken kann sich selbst nicht zum Glauben aufschwingen. "Glauben Sie fest daran, daß alles wieder gut wird, und das Schicksal wird die Zukunft wohlwollend gestalten." (S.26). 
Was kann dann die Geschichtsphilosophie? Sie kann und muß erkennen, daß nur ein privilegierter Punkt außerhalb der Geschichte der Ermöglichungsgrund dafür sein kann, daß Ganze der Geschichte zu erfassen. Die Bestimmung dieses Ortes ist dabei eine Aufgabe der Metaphysik, die christliche Religion erfaßt ihn als das Ende der Geschichte im Reiche Gottes. 

Könnte die Geschichtsphilosophie noch anderes leisten? Eine mögliche Antwort könnte das Schachspiel uns geben: Hier ist ja zu distinguieren zwischen dem System des Schachspieles, (sein gesammtes Regelwerk) und den gespielten Schachpartien. Die Geschichtsphilosophie wäre dann das Erfassen des Regelwerkes der Geschichte, aber diese Erkenntnis beinhaltet nicht das Wissen darum, wie ein bestimmtes Schachspiel ausgeht. Aber das Regelsystem besagt, wer wie (als Figur des Spieles)in dem Spiel agieren kann- und das könnte vielleicht auch die Geschichtsphilosophie leisten: Was sind die in der Geschichte agierenden Subjekte und welche Regelmäßigkeiten gibt es für sie!