Gott will das Heil aller Menschen – eine Problemanzeige
Eine Orientierungsskizze
Das Heil aller Menschen ist an keine von Gott gestellte Bedingung abhängig.Das evozierte einen theozentrischen Nihilismus, da nun gälte, was Dostojewski als den atheistischen Nihilismus bezeichnete: Wenn es keinen Gott gäbe,sei alles erlaubt. So wäre auch Gott es gleichgültig,wie wir Menschen leben, da er jedem das Heil gewähren würde.
Das Heil des Menschen sei seine Würde, seine ihm eigenen Menschenrechte, die, da Gott der Schöpfer und der seine Geschöpfe Liebender sei, jedem Menschen zukäme. Auch dem Sünder gälte die Menschenwürde, sodaß ein humaner Strafvollzug innerweltlich gefordert sei,aber Gott würde letztendlich jedem das ewige Heil gewähren, sofern es ein Mensch erlangen möchte.
Das Heil der Menschen ist abhängig von der Erfüllung der zum Erreichen des Heile gesetzten Bedingungen seitens des Menschen. Das macht die Substanz jeder Religion aus: Der Mensch kann wissen, was die Götter oder der Gott von ihm will und er gewährt Gutes, je nachdem er die Bedingungen erfüllt oder nicht erfüllt.
Das hätte für die christliche Religion diese Folge: Da diese Religion nicht zu allen Zeiten und in allen Orten bekannt war, muß prinzipiell das Erlangen des Heiles als unabhängig von der christlichen Religion gedacht werden. Das Konstrukt der natürlichen Religion leistet das: Zu jeder Zeit war eine zum Heile hinreichende Gotteserkenntnis möglich,daß Gott ist und was er von uns will. Es läge nun allein an dem Menschen, so das Heil zu erlangen.
Die christliche Religion kann dann nur eine zusätzliche, aber nicht notwendige Möglichkeit zur Erlangung des Heiles sein.Wir glichen Schwimmern, denen ein Rettungsring zugeworfen würde, die darauf aber antworten könnten: „Wir sind gute Schwimmer und sind so nicht einer Ertrinkungsgefahr ausgesetzt!“
Eine Alternativkonstruktion dazu: Jeder Mensch könnte so zwar theoretisch das Heil erlangen, aber faktisch hat es keiner geschafft, sodaß nun faktisch das Heil nur durch die christliche Religion erreichbar ist. Eigentlich hätte jeder Mensch durch die natürliche Religion das Heil erlangen können, aber da es keinem faktisch gelang, bietet Gott nun sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg den Weg zum Heile an.
Die Gnade Gottes bestünde in all diesen Versionen darin, daß Gott entweder bedingungslos jedem Menschen das Heil gewähre, oder daß er Bedingungen setzt, die jeder Mensch erfüllen könne. Wenn aber nun doch das Heil faktisch von der christlichen Religion abhängig wäre, dann wäre es nur ein partikular realisierbares. Im Urchristentum fand sich dafür eine zweifache Antwort: Erstens ermöglichte die Taufe zugunsten von schon als nichtgläubig Verstorbener deren Seelenheil, zweitens wurde geglaubt, daß der Heiland selbst, niedergefahren in das Reich der Toten, den dortigen Seelen das Evangelium predigte, um ihnen das Heil so doch noch zu ermöglichen.
Um des Heiles willen, müsse nun die Kirche aber allen das Evangelium predigen, also missionieren.
Wenn aber die christliche Religion gar nicht notwendig zum Heile gewesen wäre, wenn die Menschen die Möglichkeiten der natürlichen Religion genutzt hätten, sondern nur notwendig wurde, da wir unsere erste Chance verspielten, dann wird das der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus nicht gerecht, als wäre diese Offenbarung nur eine Zusatzhandlung Gottes zum Heile, nachdem der erste Weg der natürlichen Religion sein Ziel nicht erreicht hätte. In der paulinischen Diktion des Römerbriefes hieße das: Das Gesetz Gottes war und ist der eigentliche Heilsweg, da uns Menschen der aber faktisch überforderte, kam das Evangelium dazu als ein Sonderweg, eine Art der Sonderschulpädagogik zur Erleichterung für uns Menschen.
Wenn aber gilt,daß die Kirche heilsnotwendig ist, der Glaube an Jesus Christus, dann wird es sehr schwer, diese Aussage mit dem universalistischen Heilswillen Gottes zu vereinbaren. Der Rekurs auf eine Präfestinationslehre, daß Gott einige zum ewigen Heile erwählt hätte, andere aber nicht, widerstreitet dem Heilswillen Gottes, dem universalistischen.Am überzeugendsten erscheinen mir dann doch noch die zwei Lösungen des Neuen Testamentes, die der Taufe zugunsten der Verstorbenen und der Glaube an Jesu Christi Evangeliumspredigt im Reiche der Toten.
Die anthropozentrische Wende:
In der gegenwärtigen Diskussion kapriziert sich dieser Diskurs über das Verhältnis vom Gott, der alle erlösen will und ob wirlich alle erlöst werden, auf die Frage: Wie sind Menschen für die Kirche und die christliche Religion gewinnbar, alle oder nur einige? Ist die christliche Religion als die wahre eine für jeden notwendige oder nur eine für wenige attraktiv? Die zunehmende Gleichgültigkeit der christlichen Religion gegenüber ist das Problem der heutigen Kirche: der Indifferentismus. Setzen alle bisher skizzierten Versionen darauf, daß es einen objektiv gültigen Weg zum Heile der Menschen gibt, so verschieden sie dann auch gedacht wurden, der deswegen auch hinreichend anziehend für jeden Menschen sei, da er sein eigenes Heil wolle,so verschwindet dieser Objektivismus nun völlig: Es wird gefragt: Was will der potentielle Kunde der Kirche, was sind seine Konsumbedürfnisse? Das ist das Konzept der Marktwirtschaftskirche. Es wird somit nach nichtreligiösen Bedürfnissen geforscht, die die Kirche, wenn sie ihre Angebote auf diese Nachfrage hin ausrichtet, erfüllen könne, um so wieder attraktiv zu werden.Idealer weise sollte ein oder ein paar bestimmte Bedürfnisse eruiert werden, auf die hin jeder potentielle Kunde ansprechbar sei.
Nur, es wollen sich solche Bedürfnisse nicht mehr recht finden lassen. Die Verkaufsstrategie, daß Menschen auf der Sinnsuche seien, orientierungslos und daß die christliche Religion darauf die oder zumindest eine besonders gediegene Antwort sei, kommt nicht an! Akzeptanz erreiche die Kirche fast nur noch als organisierte Nächstenliebe. Die religiöse Substanz der Kirche würde dagegen als uninteressant nicht mehr zur Kenntnis genommen.
Existieren Bedürfnisse nichtreligiöser Art, die dann durch die christliche Religion befriedigt werden können oder antwortet die christliche Religion auf Bedürfnisse, die selbst schon in der Religion begründet sind? Wer nach Erlösung und der Wahrheit frägt, frägt schon als ein religiöser Mensch. Jesu Christi Verkündigung und die missionarische der Kirche setzte religiös Sozialisierte voraus, denen darum auch das Evangelium eine erkennbare Wahrheit war, da das Evangelium sich auf ihre Religion bezog, auf die Fragen der vorchristlichen Religion.
Die Kirche diene der Geselligkeit und der Humanität, wäre so die Kirchenantwort auf den Verlust des Interesses an allem Religiösen! Auf diesem (Irr)Weg scheint die konziliare Synodenkirche nicht nur in Deutschland voranschreiten zu wollen. Das Heil, eine Heilssuche wäre dann nur noch ein Minderheiten ansprechendes Programmsegment in der Angebotspalette der Kirche.