Donnerstag, 1. Oktober 2020

Menschenrechte im Kampf gegen die Kirche?

Es muß auf den ersten Blick irritieren, wenn heutzutage die Vorstellung der Menschenrechte zum Kampfe wider die Katholische Kirche appliziert wird: Wird da nicht etwas an sich Gutes nur zu solch einem Kampf instrumentalisiert, wird das Gute mißbraucht?

Geben wir der Ex-“Bischöfin“ Frau Käßmann das Wort. Kath de berichtet über Käßmanns Eingriff in die innerkatholische Debatte um die Einführung des Frauenpriestertumes in der Sonntagsbildzeitung:

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz dafür kritisiert, die Forderungen von Frauen nach Zugang zu geweihten Ämtern bei der Herbstvollversammlung "wieder abgeschmettert" zu haben. "Es ist allerhöchste Zeit, dass die Kirchen, ja alle Religionen sich bewegen", schrieb Käßmann in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Im Grundgesetz sei die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben, so Käßmann. "Können Religionen sich davon eigentlich ausnehmen?" Ich finde nicht." Die Theologin fragte weiter: "Warum haben Bischöfe, Kardinäle und Päpste Angst vor Frauen im geistlichen Amt?" Wenn Frauen Aufgaben von Priestern übernähmen, mache das das "Gesicht aller Kirchen menschlicher". Kath de 27.9.2020.

Im Hintergrund dieses Argumentes steht die Menschenrechtsideologie. Die verlange die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Dagegen verstöße die Katholische Kirche, indem sie Frauen, weil sie Frauen seien, die Diakonats-, Priester-und Bischofsweihe verweigere. Der Totalitätsanspruch dieser Menschenrechtsideologie lasse es also nicht zu, daß die Katholische Kirche sich nach den ihr eigenen Grundsätzen gestalten dürfe,denn die Kirchen werden als Subsysteme der Gesamtgesellschaft angesehen, sodaß das innere Leben dieser Subsysteme den Prinzipien der Gesammtgesellschaft zu subordinieren sei.

Dürfte also ein Theaterregisseur, wenn er eine Besetzung für die Rolle des Gretchens in Goethes Faustdrama sucht, einen männlichen Bewerber nicht ablehnen mit der Begründung, er sei ein Mann und keine Frau? Würde die Gleichberechtigungsforderung so unmittelbar in dem Subsystem des Theaters angewandt, würde das so groteske Folgen zeitigen: Frauen, die Männerrollen in Theaterstücken spielen, nur damit das Theater nicht eine Frauendiskriminierung vorgeworfen werden kann.

Daß Gott als Regisseur seiner Kirche für das dreigliedrige Weiheamt nur Männer vorgesehen hat, das widerspricht eben einer feministischen Auslegung der Menschenrechtsideologie und somit muß diese göttliche Ordnung beseitigt werden. Daß die Kirche und ihre Ordnung ein rein weltlich Ding ist und so ganz nach menschlichem Belieben gestaltet werden, als gäbe es keinen Gott und keine göttliche Ordnung, ist eben für die Ex“Bischöfin“ Käßmann eine Selbstverständlichkeit. Damit steht sie aber nicht allein, die Mehrheit des „Synodalen Irrweges“ stimmt dem sicher zu und selbst viele der Kritiker der Einführung des Frauenpriestertumes votieren ja dagegen, weil sie keine Chance sehen, diese feministische Reform in der ganzen Kirche durchzusetzen und keinen deutschen Sonderweg gehen wollen.

Warum allerdings Frauen als Diakone, Priester und Bischöfe die Kirche „menschlicher“ machen würden, das ist schwer nachvollziehbar, oder meint Frau Käßmann ernsthaft, daß die englische Regierung, als Frau Thatcher regierte, oder Deutschland, weil Frau Merkel regiert „menschlicher“ geworden sind?



Zusatz:

Es kann aber nicht übersehen werden, daß jede Religion zur Menschenrechtsideologie ein gespanntes Verhältnis aufweisen muß, denn das, was der Religion das Wesentliche ist, daß Gott den Religionen nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern die wahre von den unwahren unterscheidet und so auch die Menschen nach ihrer unterschiedlichen Stellung zur wahren Religion beurteilt, das verbietet diese Ideologie, denn sie verlangt die Vergleichgültigung aller Religionen. So unschön das auch in christlichen Ohren klingen muß: Das Menschenrecht der freien Religionsfreiheit gilt auch für Satanisten mit ihren „schwarzen Messen“.

 

Mittwoch, 30. September 2020

Verträge mit dem Teufel schließen- auch mit dem chinesischen Staat ?

Zur Notwendigkeit, die Ideologiekritik von der Staatskritik zu unterscheiden

Kardinal Zen äußerte sich laut kath net vom 28.9. 2020 wie folgt zu den Möglichkeiten vertraglich geregelter Beziehungen zwischen dem Vatican und China: „Der Gedanke, mit Peking Vereinbarungen zu treffen, ist Wahnsinn. Man macht keine Geschäfte mit dem Teufel. Man kämpft einfach gegen den Teufel! Die Kirche nimmt keine Befehle von Regierungen entgegen, und das gilt überall“. Es ist zu vermuten, daß die sogenannte Untergrundkirche in China eine ähnliche Position in dieser Causa einnimmt, zumindest stellt sich dieser Kardinal als der Sprecher dieser Kirche in den westlichen Medien dar. Man kann es sich einfach machen: Dann gibt es die guten Katholiken der Untergrundkirche, die vom bösen chinesischen Staat bekämpft werden und die Opportunisten der staatstreuen Patriotischen Kirche. Aber wie nun, wenn das Leben Chinas nicht so märchenhaft einfach strukturiert ist, wenn die Lage komplexer ist?

Theologisch ist dann die Frage zu prüfen, ob der Staat Chinas der/ein Teufel ist, oder vom Teufel ist. Die theologische Antwort ist hier eindeutig: Jede Obrigkeit ist von Gott. Der auch noch so durch die Sünde pervertierte Staat hört nicht auf, eine von Gott geschaffene Institution zu sein, wie auch kein Mensch, so sehr er auch sündigen mag, aufhören kann, ein Geschöpf Gottes zu sein.

Als Paulus seine Skizze einer Metaphysik des Staates entwarf (Röm 13), hatte er den Römischen Staat vor Augen, der sein Volk, das jüdische unterdrückte und der die politische Verantwortung für die ersten Christenverfolgungen trug, denn Pontius Pilatus ließ Jesus Christus töten. Es war ein von Heiden regierter Staat, der die politische Verantwortung für das Kreuz Christi trug und der später auch den Apostelfürsten Paulus den Märtyrertod abverlangte.

Aber Paulus und kein christlicher Theologe nach ihm hat diesen Römischen Staat als Teufelsstaat verurteilt. Ja, Paulus verlangt diesem Staate gegenüber Gehorsam von den Christen, denn für ihn war auch dieser Heidenstaat von Gott. Selbstverständlich muß es Grenzen des Gehorsames diesem, wie jedem Staate gegenüber geben für den Christen, wenn etwas mit dem Glauben Unvereinbares der Staat von ihm gebietet, aber auch dann hört dieser Staat nicht einfach auf, von Gott zu sein.

Es gibt nun viele, sehr viele gute Gründe, als Christ, die kommunistische Ideologie abzulehnen, vernünftige und moralische Gründe, kein Kommunist zu sein, aber die Kirche hat zu unterscheiden, wie sie theologisch eine bestimmte politische Richtung zu beurteilen hat, also hier die kommunistische Ideologie und wie sie den Staat zu beurteilen muß, der von einer kommunistischen Regierung geführt wird. So wie der Apostelfürst jede heidnische Religion als Aberglaube verurteilt und zwar als Sünde wider Gott, so wenig verurteilt er den Römischen Staat, der von Heiden regiert wird, ja der sogar den Sohn Gottes tötete. So müßte auch die Katholische Kirche Chinas prinzipiell ihre Obrigkeit anerkennen und so prinzipiell bereit sein, Verträge mit diesem Staate zu schließen, nicht aus opportunistischen Erwägungen, sondern weil auch dieser Staat Obrigkeit im Sinne von Röm 13 ist. Das schließt selbstredend nicht aus, daß Kritik an bestimmten Entscheidungen und Maßnahmen der Regierung zu äußern ist, aber doch immer nur in dem Wissen, daß auch dieser Staat Obrigkeit ist. Wo das Christen nicht bereit sind anzuerkennen, müssen sie sich ernsthaft befragen, ob sie nicht auch rechtens von dem Staate diskriminiert werden, den sie nicht als Obrigkeit anerkennen wollen. Sie rebellieren ja da selbst gegen eine göttliche Ordnung. Eine solche Perhorreszierung des Staates ist eben ein sehr bedenkliches Verhalten und inkompatibel mit der kirchlichen Staatslehre.

Für Rom kann das nur heißen, mit viel diplomatischem Geschick gute Verträge mit der Staatsführung Chinas auszuarbeiten und nur dann einen Vertragsabschluß abzulehnen, wenn der mögliche Vertrag inakzeptable Bestimmungen enthielte. Die Kirche hat Konkordate mit dem faschistischen Italien und mit dem nationalsozialistischen Deutschland geschlossen, also kann sie auch mit dem kommunistisch regierten China einen Konkordat abschließen, wenn das Vertragswerk gut für die Kirche ist und dazu gehört auch die Akzeptanz der staatlichen Interessen in dieser Causa.



1.Zusatz:

Vor kurzem war zu lesen, daß der Papst der chinesischen Regierung dankte für die medizintechnischen Hilfsleistungen Chinas an Italien in der Caronakrise. Hat er da etwa dem Teufel für die gewährte Hilfe gedankt, oder einfach dafür gedankt, daß sich hier die chinesische Regierung als hilfsbereit für Italien in einer Notlage erwies?



2. Zusatz:

Hat dann etwa die Russisch-Orthodoxe Kirche gesündigt, als sie sich an die Seite Stalins stellte, als er zum „vaterländischen Krieg“ 1941 aufrief, ein wenig unseren Kaiser Wilhelm II nachahmend, er kenne jetzt keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche, die nun für ihr Vaterland zu kämpfen haben?











 

Dienstag, 29. September 2020

Politisch korrekte Narrative und Wahrheiten

Mythos und Wahrheit


Die griechische Regierung ist sicher, daß das Flüchtlingslager in Moira von den Asylsuchern selbst in Brand gesteckt worden ist. Die „Freie Welt“ (14.9.2020) berichtet: Es ist klar, so Athen, dass die Feuer in dem Lager von den dortigen Bewohnern selbst vorsätzlich gelegt wurden. Seitens der Verwaltung hatte man aufgrund der entdeckten Corona-Fälle eine Quarantäne verhängen wollen. Damit waren die Migranten nicht einverstanden und hatten zunächst protestiert. Als ihre Proteste nicht zu dem von ihnen angestrebten Resultat geführt haben, haben sie ihre Unterkünfte vorsätzlich entzündet, völlig außer Acht lassend, dass sie damit Gefahr für Leib und Leben der Menschen vor Ort heraufbeschworen haben. Aus der Sicht der griechischen Regierung handelt es sich um Schwerkriminelle, Brandstifter, die leichtfertig in Kauf genommen haben, dass Menschen ums Leben kommen.“

Und jetzt werden diese durch ihre Brandstiftung das Leben ihrer Mitmenschen Gefährder dafür belohnt, daß Deutschland sie großzügig aufnimmt.

Politicaly incorect“: „In Griechenland verfolgt man diese Bereitschaft zur Aufnahme von Camp-Insassen mit Sorge. Man fürchtet nämlich, dass die Taktik der Niederbrennung von Camps zur schnelleren Verteilung in Aufnahmeländer bald ihre Nachahmer finden könnte.“

Man vergleiche das einmal mit dem, was die „seriösen“ Medien über diese Causa berichten! Seltsam, ist etwa eine Brandstiftung, durch die das Leben von Menschen gefährdet wird, ein Kavaliersdelikt? Und warum sollen Asylanten in Deutschland aufgenommen werden, wenn sie schon in Griechenland in Sicherheit (vor ihren Verfolgungen) waren, nur weil sie jetzt ihre Unterkünfte selbst niedergebrannt haben, wie die griechische Regierung beteuert?


 

Montag, 28. September 2020

Infiltrierte Kirche? Die Lateranverträge 1929

Man kann sich das breite Grinsen Mussolinis vorstellen, als Papst Pius XI dessen Bedingungen annahm und die Verträge anschließend vom italienischen Parlament ratifizieren ließ.“ Dies soll eines von vielen Beispielen sein, mit denen Marshall ( Infiltriert. Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, 2020, S. 102) die Infiltration der Kirche durch freimaurerisch/daimonische Mächte veranschaulichen möchte: Nicht erst mit oder seit dem 2.Vaticanum gäbe es erfolgreiche Infiltrationen zum Schaden der Kirche. So werden von ihm die Lateranverträge aus dem Jahre 1929 verurteilt.

Folgende Punkte werden dann als die Kernpunkte dieses Vertrages aufgeführt (S.101f):


Die Vatikanstadt wird als souveräner Staat anerkannt, verzichtet dafür aber auf alle Gebietsansprüche des ehemaligen Kirchenstaates.

Der Papst wird als Souverän dieses Staates anerkannt.

Der Katholizismus wird als alleinige Religion Italiens anerkannt.

Italien wird die Gehälter der Priester und Bischöfe zahlen.“

Kirchliche Eheschließungen werden vom Staat anerkannt.

An öffentlichen Schulen wird katholischer Religionsunterricht stattfinden.“

Dem italienischen Staat wird das Vetorecht bei Bischofsernennungen zuerkannt.“

Der Vatikan erhält circa 60 Millionen Euro (auf heut(e umgerechnet) als Entschädigung für die Enteignungen, die seit 1860 vollzogen worden waren.


Sicher war die Anerkennung eines staatlichen Vetorechtes bei Bischofsernennungen eine bittere Pille für die Katholische Kirche, aber setzt man das in Relation zu dem, was so der Italienische Staat der Kirche gewährte, muß dieser Vertrag zwischen der Kirche und dem Staat als hervorragend angesehen werden. Die Anerkennung der katholischen Religion als der Religion Italiens galt der vorkonziliaren Katholischen Kirche als non plus ultra, was für sie vom Staat zu erlangen war. Erst im 2. Vaticanum verzichtete die Kirche auf diese Ideallösung, weil sie sie nicht mehr für kirchenpolitisch durchsetzbar hielt. Aber in diesem Punkte realisierte der Lateranvertrag das, was die Kirche seit Kaiser Konstantin als ihr kirchenpolitisches Ideal ansah. Dem entspricht dann auch der katholische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen. Daß der Staat dann gar rein kirchlich geschlossene Ehen anerkannte, muß auch als großer Erfolg katholischer Verhandlungsdipomatie angesehen werden. Und der Italiienische Staat anerkennt den Vaticanstaat als souveränen Staat mit dem Papst als seinem Souverän an.


Wenn das die Substanz der Lateranverträge ist, dann ist es unbegreiflich, wie diese eine Infilttration der Kirche durch feindliche Mächte dokumentieren soll. Marshall behauptet dann aber neben seiner Kritik, daß die 60 Millionen Euro nur ein Schnäppchenpreis gewesen wäre:

Leider unterminierte dieser Kompromiss die Lehre Pius X von der Herrschaft des Christkönigs über das Politische.“ (S.102). Aber der Übersetzer kommentiert dazu in einer Fußnote (S.281, Nr.56), daß diese Behauptung nicht akzeptabel sei.

Irritierend ist wohl, daß von einer faschistischen Regierung ein der Kirche so zugute kommendes Abkommen zustande kommen konnte. Die Fixierung auf antikatholische Kräfte, die die Katholische Kirche zu unterwanderten, läßt Marshall hier das Naheliegende verkennen, daß sowohl der Faschist Mussolinie wie auch die Katholische Kirche in dem Kommunismus die größte Gefahr sahen, die Kirche hatte nur zu gut die kirchenfeindliche Politik der Bolschewisten Rußlands vor Augen, und so verband man sich angesichts des gemeinsamen Feindes. Auch der faschistische Staatsführer Mussolinie hatte, wie später auch der spanische Faschistenführer Franco ein ureigenstes Interesse, die Katholische Kirche zu stärken als Partner im Kampfe gegen den atheistischen Kommunismus. Weder Mussollinie noch Franco waren der Kirche gegenüber „barmherzige Samariter“,sondern nüchtern kalkulierende Staatsmänner, die so für ein Miteinander von Staat und Kirche sich einsetzten. Und es darf nicht vergessen werden, daß die Konstantinische Epoche erst gerade mit dem 1.Weltkrieg zu Grunde gegangen war, sodaß die Bereitschaft der Kirche, neu mit Staaten Bündnisse einzugehen zu wechselseitigem Nutzen sehr groß war, besonders wenn dabei die Katholische Religion als die Religion im Staate anerkannt wurde- das Ideal der konstantinischen Epoche.




 

Sonntag, 27. September 2020

Notizen zum Kampf wider die Muttergottes


Eine der schönsten und auch frömmsten Illusionen ist wohl die einer friedlich in sich harmonisch lebenden Kirche, die ganz ein Herz und eine Seele ist. Seit dem der Begriff der „ecclesia militans“ ganz aus dem Vokabular der Kirche gestrichen und ersetzt worden ist durch die Vorstellung einer Picknickkirche, die fröhlich durch die Welt wandelt. Daß aber die „kämpfende Kirche“ immer auch eine ist, in der um die Wahrheit gekämpft wird, daß es eben nicht nur den Feind außerhalb der schützenden Mauern der Kirche gibt, das ist ein Faktum, das den Begriff der kämpfenden Kirche erst seine ganze Brisanz gibt. Aber es muß festgehalten werden, daß Jesus Christus- gegen eine vulgäre Vorstellung daimonischer Verführungen- nicht zu einer Prostituierten sagen mußte: „Weiche von, Du satanische Verführung!“ sondern zu dem Sprecher der 12, der Apostel, zu Petrus, den er später zum ersten Papst weihte, indem er ihn beauftragte: „Regiere Du meine Kirche!“

Das Lebenselexier der Kirche ist so auch ihr innerlicher Kampf, in dem immer wieder die Wahrheit der Kirche angegriffen und in Kämpfen sich zu bewähren hatte. Veranschaulichen wir uns das an dem „Trienter Konzil“. Hätte die Kirche in den vielen Fragen, die dies Konzil bearbeitete, so viel Klarheit finden können ohne die Negativtheologie Luthers?

Der Kampf wider die Mariologie gehört nun zu den Herzensanliegen der feministischen Theologie. Ein nicht mehr aktuelles Dokument dieses Kampfes präsentiert Frau Halkes in dem Beitrag: „Maria/Mariologie aus der Sicht feministischer Theologie“ (Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe Bd 3, Herausgeber P. Eicher, 1985, S.62-70) Dies Kampfdokument ist aber in seiner Authenzität, wie feministisch gegen die kirchliche Mariologie gekämpft wird, immer noch bedeutsam.

Gleich dierste Satz offenbart die Kriteriologie dieser Kritik der Mariologie:

Maria als die neue Eva. Es gibt zwei Gründe für die schädliche Wirkung dieser Metapher.“ (S.62).Es wird nicht gefragt, ob diese theologische Aussage, daß Maria die neue Eva sei, wahr ist oder vielleicht unwahr, sondern es wird sich allein kapriziert auf die Frage der Nützlichkeit dieser (und man darf hier schon auch „jeder“ mitlesen) Aussage, denn die Nützlichkeit ist die „Wahrheit“ einer theologischen Aussage. Nur „nützlich“ für was? „Einerseits wurde Eva dadurch als die typische Verführerin dargestellt, als femme fatale, die ihre Männer zur Sünde verleitet; andererseits wurde so Maria zu ihrem Gegenpol, zur vollkommenen, idealisierten Frau. Beide Typen wurden immer auf Kosten der Frau gegeneinander ausgespielt.“ (S.62). Diese beiden Frauenbilder behinderten Frauen, ihre „eigene Identität“ zu finden. Das normative Kriterium ist also das Ideal einer eigenen Identität, sodaß nur wahr sein kann, was dieser Norm dienlich ist. Was denn nun diese Identität der Frau ausmache, das wiederum zu bestimmen, ist die Aufgabe des feministischen Diskurses, der so die Norm des theologischen bildet.

Maria, die jungfräuliche Mutter Gottes“ (S.63)Diese Vorstellung zeitigte auch für Frauen schädliche Auswirkungen. Diese Vorstellung führe zur Verherrlichung des Mutterseins, die die Frau zu einem Leben für den Ehemann und ihre Kinder ansporne. Oder sie würde zur Hure, wenn sie nicht sexuell enthaltsam lebe.Der Kampf gegen die Mariologie ist so primär ein Kampf gegen die Mutterschaft, wie schon die feministische Philosophin Beauvoir es lehrte, daß das Muttersein die Versklavung der Frau sei. Stattdessen gelte es, die Frau zu einem Sexualleben zu befreien, ohne eine Fixierung auf das Kinderkriegen, ist also die Quintessenz dieser Kritik der Mariologie. Es ist wohl kein Fehlschluß, daß diese Überwindung des Ideales der Mutterschaft der Emergenzpunkt für die feministische Vorliebe für die lesbische Liebe ist.

Maria , die geringe Magd“ (S.63) ist dann natürlich inakzeptabel, weil so sie und somit die Frau „immer im Schatten ihres göttlichen Sohnes“ verbleibt. Die frauliche Identität muß also eine sein, die die Frau ohne einen Bezug zum Mann oder zu Kindern bestimmt als einfach etwas Selbstständiges.

Maria als Ersatz für das Weibliche“ (S.63) Dies ist ein Produkt der Verdrängung des Weiblichen des zölibatären Lebens. Frauen dürften so nur Jungfrauen oder Mütter sein. Das ist natürlich für Feministin inakzeptabel. So kann der Feminismus mit der kirchlichen Mariologie nichts anfangen, sie muß ganz umgeschrieben werden, bis aus Maria eine Maria 2.0 wird, der Idealtyp einer emanzipierten Frau.

Wozu bedarf es eigentlich einer feministischen Mariologie, wenn diese doch nur das wiederholen soll, was Feministin als Idealbild der Frau sowieso schon vertreten? Charakteristisch ist aber die völlige Gleichgültigkeit der Frage gegenüber, was denn wahre Aussagen über Maria sind, es zählt allein die Nützlichkeit bzw Kompatibilität ihrer Aussagen zur modernen Welt mit ihren spezifischen Anliegen, hier konkret der feministischen Frauenemanzipation.

Darin trifft sich der Feminismus aber mit dem die heutige Kirche beherrschenden Trend der Verweltlichung der Kirche: Ihre Zukunft ist die größtmögliche Anähnelung an die Welt.




 

Samstag, 26. September 2020

Mutter: Nein Danke oder katholische Feministin im Kampf gegen Maria


Der feministische Kampfverband kfd („katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) unterstreicht nun seine Staatstreue, indem er sich die Feinderklärung der demokratischen Blockparteien und der Regierung zu eigen macht: Die Mitgliedschaft in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist nach einem Beschluss ihrer Bundesversammlung nicht mit der Mitgliedschaft in der AfD vereinbarDas teilte der Verband am Samstag nach der Versammlung in Mainz mit. Man positioniere sich damit "klar gegen Rechtspopulismus, Rassismus und überholte Geschlechterrollen", hieß es. (Kath de am 19.9.2020.) Damit zieht sie gleich mit dem BDKJ und dem KAB.

Warum darf nun kein AfD-Frau mehr Mitglied der kfd sein? Die Suffragettenorganisation fand dafür eine besondere Begründung! „Mit dem heutigen Beschluss zeigen wir, dass wir für eine vielfältige, offene und geschlechtergerechte Gesellschaft stehen und uns klar gegen populistische Tendenzen von rechts einsetzen", sagte die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil.“ Was hat die politisch korrekte Zielvorgabe einer vielfältigen offenen und geschlechtergerechten Gesellschaft mit dem katholischen Glauben gemein? Nichts, denn die Kirche verkündet das Reich Gottes und nicht die Utopie einer multikulturellen Einheitswelt mit 50 prozentiger Frauenquote in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Zudem: Muß jetzt nicht auch jede Katholikin aus der kfd ausgeschlossen werden, die nicht für die Einführung des Frauenpriestertumes ist, weil die Forderung danach zur Ideologie der Geschlechtergerechtigkeit gehört?

Aber das „veraltete“ Rollenbild der Frau der AfD verbiete eben eine Zugehörigkeit von AfD-Frauen in dieser Organisation. Das heißt im Klartext, daß das traditionelle Verständnis der Frau als die Berufung zur Mutterschaft (oder zu einem geistlichen Leben, wie es die Kirche selbst lehrt) nicht mehr im kfd vertreten werden darf. „Frau“ redet zwar gern ganz feministisch vom Selbstbestimmungsrecht der Frau, aber Frauen, die für sich das traditionelle Frauenbild erwählen, sind eben im kfd fehl am Platze. Die Mutter Gottes, Maria müßte so auch exkommuniziert werden, da sie es versäumt hatte, für sich und andere Frauen das Priesteramt von ihrem Sohne zu erbitten, um stattdessen nur die Mutter Gottes sein zu wollen. Skandalös!

Zuvor hatte die kfd-Bundesversammlung beschlossen, dass die Mitgliederzeitschrift des Verbands "Frau und Mutter" künftig "Junia" heißen soll. Der neue Name ist zurückzuführen auf eine Stelle im Römerbrief. Dort erwähnt Paulus eine gewisse Junia, die er als herausragend unter den Aposteln bezeichnet.“ Das soll ein Beitrag zum Kampf um die Einführung des Frauenpriestertumes sein. Aber wenden wir uns hier einem gewichtigerem Aspekt zu als dem des Projektes der Verprotestantisierung der Katholischen Kirche. „Frau und Mutter“darf diese Zeitschrift nicht mehr heißen! Denn das klingt doch zu eindeutig nach dem traditionellen und „veralteten“ Frauenbild, als wäre die Bestimmung der Frau die Mutterschaft. Diese Suffragettennachfolger sehen gerade in der Mutterschaft etwas die Frau Unterdrückendes. Simone de Bevauvoir, die Mutter des heutigen Feminismus rief ja aus "Mutterschaft ist heute eine wahre Sklaverei“. Dieser Aufruf ist nun beim kdf angekommen und darum darf ihr Zentralorgan auch nicht mehr „Frau und Mutter“ heißen. Ob wohl das Projekt des radicalen Feministen Lenin, die Frau ganz von der Mutterschaft zu befreien, indem die gesamte Kindesaufzucht verstaatlicht wird, beim kdf auf Zustimmung stoßen würde? Aber Frauen der AfD dürfen so nicht mehr Mitglieder dieses Verbandes sein, nicht weil die AfD antikatholisch ausgerichtet wäre, sondern weil diese Partei nicht feministisch ist und so die Mutterschaft als Berufung der Frau nicht verwirft.

 

Freitag, 25. September 2020

Geplatzte Utopien- Rückkehr zur Religion?

Vorbemerkung: Utopien verweisen auf ein Menschenunmögliches, aber vielleicht sind so sie von Nöten,damit dann das Menschenmögliche erreicht wird. Aber der unbedingte Wille zur Realisierung von Utopien, muß er nicht zum Terror werden, weil die Wirklichkeit sich nicht in eine Utopie verwandeln läßt, so daß die Wirklichkeit terrorisiert wird?

Eine große Utopie scheiterte. Der Philosoph Ludwig Feuerach äußerte sich so zum Verhältnis des Humanismus zur christlichen Religion: „Ebenso wie mit dem Atheismus ist es mit der von ihm unzertrennlichen Aufhebung des Jenseits.Wenn diese Aufhebung nichts weiter als eine leere, inhalts-und erfolglose Verneinung wäre, so wäre es besser, oder doch gleichgültig, ob man es stehen oder fallen ließe. Allein die Verneinung des Jenseits hat die Bejahung des Diesseits zur Folge; die Aufhebung eines besseren Lebens im Himmel schließt die Forderung in sich: es soll, es muß besser werden auf der Erde; sie verwandelt die bessere Zukunft aus dem Gegenstande eines müßigen, tatlosen Glaubens in einen Gegenstand der Pflicht der menschlichen Selbsttätigkeit....“ (zitiert nach Werner Sombert, Deutscher Sozialismus, 1934, S.102.

Dies Zitat erfaßt die Substanz des feuerbachschen Humanismus, daß was der Christ von Gottes Reich ersehnte, soll nun die Aufgabe des Menschen sein. Nicht soll die christliche Religion einfach negiert werden, sondern seine Erlösungshoffnung wird zum Programm politischen Handelns. Damit entsteht erst die Politik im emphatischen Sinne, sie wird so erst zu etwas anderem als zur Kunst des Regierens.

Sombert zeigt nun auf, wie dies humanistische Anliegen im Marxismus weiterentwickelt wurde. Marx Religionskritik: sei es, die Überwindung des Jammertales zu fordern, sodaß so die Religion als illusorisches Glück überflüssig würde. Ja die ganze christliche Religion würde so entmythologisiert. Der christliche Mythos vom verlorenen und wiederzugewinnenden Paradiese würde durch ein geschichtsphilosophisches Konstrukt des guten Naturzustandes, des Zerfalles dieses Urzustandes durch die Erfindung des Privateigentumes, dem Sündenfall und der Erlösung in der kommunistischen Gesellschaft ersetzt. So findet sich so diese Struktur vom Urzustand, vom Fall und von der Erlösung sowohl in der christlichen Religion wie auch im marxistischen Sozialismus, weil Lezteres eigentlich nur eine säkularisierte Gestalt der christlichen Religion sei. Kautsky erwartete gar einen sozialistischen „Uebermenschen“ (S.104), Trotzki: „Der menschliche Durchschnitt wird sich bis zum Niveau eines Aristoteles, Goethe, Marx erheben“ . (S.105) „Aber vor allem: glücklich werden die Menschen der Zukunft sein.“ (S.105)

All diese Hoffnungen erwiesen sich nun spätestens seit dem Ende des real existierenden Sozialismus als Irrhoffnungen. Aber was wird nun aus der ursprünglich christlichen Hoffnung auf das Reich Gottes, auf die von Gott erwirkte endgültige Erlösung? Es könnte nach dieser Desillusionierung doch die Stunde der Wiederkehr der christlichen Utopie des Reich Gottes kommen, daß nun nach der Enttäuschung über den letzten großen Versuch der Welterlösung durch politisches Handeln die Rückkehr zur religiösen Hoffnung angesagt sein könnte.

Wir erleben aber etwas ganz anderes, den Verzicht auf alles Utopische. Das charakterisiert geradezu die Postmoderne. Selbst das kleine Flämmchen der Esoterik mit ihren Utopien, der Hoffnung auf das sogenannte Wassermannzeitalter hat sich längst verflüchtigt. Man könnte sagen, daß jetzt erst die christliche Religion wirklich negiert ist, weil nun auch noch ihr Weiterleben in politischen Utopien abgestorben ist. Die christliche Religion hat sich derweil selbst entmythologisiert, ihre große Erlösungserzählung vom Paradies, vom Fall, vom Elend und von der Erlösung des Menschen reduziert auf die Aussage, daß Gott jeden Menschen liebe und daß wir so uns wechselseitig zu lieben haben.: ein blasierter Humanismus ohne utopische Hoffnungen, nur ein bißchen politische Korrektheit.