Samstag, 20. Juni 2026

Eine Kritik der Genderideologie

 Ein Auszug aus meinem Buch: Der zensierte Gott

Irrwege -der Genderismus


A. Camus eröffnet sein Kapitel „Die metaphysische Revolte“ mit dem Satz: „Die metaphysische Revolte ist die Bewegung, mit der ein Mensch sich gegen seine Lebensbedingung und die ganze Schöpfung auflehnt. Sie ist metaphysisch, weil sie die Ziele des Menschen und der Schöpfung bestreitet.“1 Um das Besondere der metaphysischen Revolte im Kontrast zur sozialen Revolte zu unterstreichen, fügt er hinzu: „Der Sklave protestiert gegen das Leben, das ihm innerhalb seines Standes bereitet ist, der metaphysisch Revoltierende gegen das Leben, das ihm als Mensch bereitet ist.“2

Wir verstünden den Genderismus völlig falsch, sähen wir in ihm nur eine frauenspezifische soziale Revolte mit dem Ziel einer Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen. Dann wäre die Eröffnung eines Genderzenters durch den EKD-Vorsitzenden Schneider eben nur eine weitere Bereicherung des sozialen Engagements des Protestantismus, das die Katholische Kirche ruhig nachahmen könnte. Nur, wer sich an das unsägliche Antifamilienpapier der EKD erinnert, der wird wohl argwöhnisch fragen: Ist das wirklich so eine unschuldige Sache mit den Genderstudies? Wird hier ein Geist in das Christentum hineingelassen, den, hat man ihn erst mal gerufen, nicht mehr zu beherrschen weiß, den Geist einer metaphysischen Revolte, die das Christentum so völlig zerstört?Der Verdacht ist erlaubt. Sichern wir Spuren und Indizien!


Nicht ab ovo, sondern mit den Grundsätzen des Genderismus soll nun die Erörterung dieses Themas eröffnet werden. Beide Grundsätze stammen von Simone de Beauvoir, der Philosophin des französischen Existentialismus, der Lebensgefährtin Sartres, einer außergewöhnlich talentierten Schriftstellerin. Die Grundsätze lauten: Man wird nicht als Frau geboren sondern dazu gemacht.

Mutterschaft ist heute eine wahre Sklaverei.3 (Es wäre eine eigene Untersuchung wert, den Niedergang des Adels als der einstigen Elite der Völker in einem Zusammenhang mit der in Adelskreisen üblich gewordenen Übergabe der eigenen Kinder von der leiblichen Mutter an Ammen und Gouvernanten zu erörtern.) Auf diesen beiden Grundaxiomen erbaut sich dann die Weltanschauung des Genderismus auf. Darum sollen diese Grundsätze nun diskutiert werden.


1.Der erste Grundsatz


Der erste Grundsatz wird im Genderismus entfaltet durch die Unterscheidung von Gender und Sex als Geschlecht. Das natürliche Geschlecht der Frau wird von dem sozialen Konstrukt des weiblichen Geschlechtes unterschieden. Diese Unterscheidung soll dabei schon der erste Akt der Aufklärung sein, denn es wäre ein Anliegen patriachalistischen Denkens, das gesellschaftliche Konstrukt der Natur der Frau als die Natur der Frau auszugeben. Etwas geschichtlich kontingent Gewordenes würde so zu einer außergeschichtlichen Natur hypostasiert, zum Wesen der Frau. Die Dekonstruktion dieser Natur der Frau, ihres Wesens ist so das erste Anliegen des Genderismus. Als postmoderne Gesellschaft „muß sie alles >Natürliche< als bloßes soziales Konstrukt leugnen“, urteilt Lisson4. Die Frau soll ihrer geschichtlichen Entfaltung entkleidet werden, um so ganz neu eingekleidet zu werden. Nicht ist so das Anliegen des Dekonstruktivismus ein rousseausches „Zurück zur Natur“ als dem wahren und unverdorbenem Frausein, sondern es ist nur die Entkleidung der Frau, damit sie nun sich einkleiden kann. Shopping ist angesagt. Sie soll so neu, frei, selbstbestimmt sich kultivieren. Kultur ist so nicht per se ein Negativum. Nur die patriarchalische Kultur wäre rein negativ. Die sich aus dem Patriachalismus emanzipiert habende Frau soll sich nun erst frei neu erwählen als freies Projekt ihrer Selbstbestimmung. Jedes Rollenbild, jede Vorstellung vom wahren Frausein behindere dabei nur die freie Wahl. Existentialistisch ausgedrückt: Der Wahl der Frau - so will ich sein - dieser ihrer gewählten Existenz geht keine Essenz des Frauseins voraus. Denn jede Essenz limitierte die Freiheit des freien Selbstentwurfes. Darum sollen alle gesellschaftlich bedingten Bilder des Frauseins dekonstruiert werden als Hervorbringungen männlichen Willens der Macht über die Frau. Erst wenn jedes normative Frauenbild aufgelöst ist, entsteht das wahre Reich der Frauenfreiheit: frei sich bestimmen zu können!


Sartre legte diese Grundkonzeption in seinem Essay „Ist der Existentialismus ein Humanismus“ prägnant dar. „Wenn der Mensch, so wie ihn der Existentialist begreift, nicht definierbar ist, so darum, weil er anfangs überhaupt nichts ist. Er wird erst in der weiteren Folge sein, und er wird so sein, wie er sich geschaffen hat. Also gibt es keine menschliche Natur, da es keinen Gott gibt, um sie zu entwerfen. Der Mensch ist lediglich so, wie er sich selbst konzipiert.“5 Ab ovo: Der Mensch ist nichts, das und nur das ist seine Freiheit, denn das meint die reine Unbestimmtheit. Nur aus ihr heraus kann sich der Mensch frei, nämlich willkürlich als Projekt entwerfen. Jede Vorstellung von einer Natur des Menschen ist so ein Angriff auf die menschliche Freiheit. Gäbe es einen Gott, dann bestimmte er das Menschsein, das Wesen des Menschen, und somit wäre er unfrei, weil er nun nicht mehr der Kreator seiner selbst wäre. Der Genderismus transformiert diesen sartreschen Gedanken nun um: Die Frau kann nur frei sein, wenn die Gesellschaft, die patriarchalische ihr nicht mehr vorschreibt, wie sie als Frau zu sein hat. Der Begriff der Natur der Frau wird so rekonstruiert als Akt des Beherrschungstrends des Mannes: er will ihr diktieren, wie sie zu sein hat. Der gesellschaftliche Begriff der Frau, ihre Natur ist so das Produkt einer gesellschaftlichen Konstruktion. Es gäbe zwar eine biologische Grundausstattung der Frau, aber dies biologisch-natürliche Geschlecht dürfe nicht verwechselt werden mit dem sozialen Geschlecht der Frau.


Die Frau ist nichts, bevor sie sich selbst zu etwas entwirft, so würde es Sartre formulieren, ist so gesehen noch radikaler, weil dieser Satz selbst noch die biologische Naturbestimmtheit des Menschseins unterlaufen will. Nebenbei: Offenkundig bildet die ockhamistische Gotteslehre, Gott als vollkommene Willkürfreiheit zu denken als potentia absoluta, den ideengeschichtlichen Hintergrund des sartreschen Freiheitsverständnisses. Begrenzt so die biologische Natur der Frau ihre Freiheit? Genau das bejaht Beauvoir in ihrem zweiten Grundsatz: Mutterschaft ist Sklaverei. Solange die Frau noch Mutter sein will, ist sie noch eingebunden in die Natur und durch diese Einbindung unfrei. Erst wenn sie nicht mehr Mutter sein will, ist sie frei. Und das lebte die kinderlose Beauvoir auch vor! Erst wenn die Frau ihre innere Natur, ihr Berufensein zur Mutterschaft überwindet, ist sie wahrhaft frei. Darum gehört zur feministischen Frauenemanzipation der unbedingte Wille zum Recht des Tötens der eigenen ungeborenen Kinder. Es ist bezeichnend, „dass der erste Staat der Welt, der Abtreibungen legalisierte, Lenins bolschewistisches Russland gewesen war.“6 Der Kampf gegen den einstigen §218 gehört so konstitutiv zum Genderismus dazu. Und in diesem Punkte siegte der Feminismus. Noch nie sind im Namen einer Weltanschauung so viele Menschen getötet worden wie im Namen des Feminismus. Kommunisten und Nationalsozialisten zusammen töteten weniger Menschen als Feministinnen Kinder abtreiben und töten ließen und lassen!

Es gibt einen abgründigen Zusammenhang zwischen Sartres Rechtfertigungsversuchen des stalinistischen Terrors und des Jas der feministischen Beauvoir zum Kindermord, zur Abtreibung verharmlost. Somit ist der Feminismus gerade in seiner genderistischen Ausgestaltung eine metaphysische Revolte gegen die Natur der Frau. Aber es ist auch ein Aufstand gegen das Leben: Werden keine Frauen mehr Mütter, stirbt das menschliche Leben aus.



2.Das natürliche und das gesellschaftliche Geschlecht der Frau


Der als Frau geborene Mensch verfüge über eine natürliche geschlechtliche Grundausstattung. Das wäre sein natürliches Geschlecht. Dann gäbe es, darauf aufbauend noch das soziale Geschlecht der Frau. Das ist das, wozu die Frau durch die Gesellschaft in Gestalt ihrer Eltern, des Kindergartens und der Schule gemacht wird. Wer auch immer noch die Frauwerdung mitprägt - man denke an die Massenmedien, aber auch an das soziale Umfeld - eines fällt ad hoc ins Auge: die Frauwerdung der Frau wird in diesen sozialkritischen Ansätzen sehr einseitig gesehen. Die Frau wird gemacht durch die Gesellschaft. Das Spezifische, daß die Frau auch das Subjekt ihres Werdens ist, wird dabei weitestgehend ausgeklammert. Dies evoziert die kritische Anfrage: Könnte es denn nicht sein, daß dem Zur-Frau-Machen der Gesellschaft ein Zur-Frau-Werden-Wollen der Frau entspricht? Implizit wird hier ein Widerspruch hineingelesen zwischen dem, was die natürliche Natur der Frau ausmacht und dem, was die Gesellschaft aus der Frau macht.

So müßte ein im Geiste des Genderismus Urteilender sagen, daß, wenn Mädchen lieber mit Puppen und Buben lieber mit Autos spielen, dies nichts mit der Natur der Mädchen und Buben zu tun habe, sondern ausschließlich ein Produkt der geschlechtsspezifischen Erziehung wäre. Gäbe es dies nicht, spielten Jungen auch gerne mit Puppen und Mädchen mit Werkzeugkästen. Sieht man kleine Mädchen mit lackierten Fingernägeln und Schmuck, dann sind die Eltern oder die Gesellschaft daran schuld und nicht etwa die ewige Natur der Frau, die den Blick in den Spiegel sucht: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Der einstige Mao-Einheitslook für Frauen und Männer wäre so das Paradies auf Erden für Genderisten: Frauen, die nicht mehr als Frauen erkennbar sind!


Aber wie begründet der Genderismus, daß die soziale Natur der Frau dem ihr gesellschaftlich zugeschriebenen Frauenbild der biologischen Natur der Frau widerpräche? Solange wir noch so fragen, denken wir die biologische Natur als die Norm für das Soziale. Es läge dem ein romantischer Rousseauismus zugrunde: Die gute Natur und ihre Korruption durch das Soziale. Sartre weist uns da aber in eine andere Richtung. Seit Humes Kritik am naturalistischen Fehlschluß, daß das, was ist, uns sagt, was sein soll, wissen wir, daß das, was ist, nur das Material unseres Gestaltungswillens ist. Die Natur ist nur noch der Rohstoff unseres Gestaltungswillens. Unser Wille sagt, was sein soll, und er verfügt dann so über die Natur, daß sie demgemäß gestaltet wird. Sartre mißt so der Natur keinerlei normative Größe zu. Das übernimmt der Genderismus. Das ist auch nur verständlich. Es ist ein Leichtes darzulegen, daß gerade das traditionelle Frauenbild, das sie primär als Mutter und somit als Ehefrau sieht, der biologischen Natur der Frau entspricht. Wir wissen: Die Natur kennt nur einen Willen, den der Arterhaltung. Dem ordnet sie das Individuum unter: Es ist nur um der Arterhaltung willen. Die Natur ist so gesehen sehr konservativ ausgerichtet: Arterhaltung ist ihr oberstes Ziel. Das Leben ist dabei beständig bedroht im natürlichen Kampf aller gegen alle.


Nur, von all dem will diese Weltanschauung nichts mehr wissen. Die Naturvergessenheit des Genderismus zeichnet sie als typisches Phänomen der Großstadtkultur aus. Es sei hier en passant an die immer noch lesenswerte Darstellung Oswald Spenglers „Die Seele der Stadt“ erinnert. „Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in seinem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los, der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. Nicht nur weil Kinder unmöglich geworden sind, sondern vor allem weil die bis zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr Vorhandensein mehr findet, bleiben sie aus.“7 Das ist nach Spengler das Besondere der Stadtkultur. Offenkundig ist der Genderismus eine Gewächs, ein recht unansehnliches zumal dieser Asphalt- und Betonkultur.


Nicht bildet also die biologische Natur der Frau den normativen Gegenpol zum sozialen Konstrukt der Frau. Nein, diese frauliche Natur soll geradezu entwertet werden zum Rohmaterial der freien Selbstbestimmung der Frau. Sie will nur noch ein Projekt sein, ein Selbstentwurf. Für einen solchen Selbstentwurf wäre eine normative Natur nur eine unzumutbare Einschränkung. Ja, jedes normative Frauenbild verkleinerte die Freiheit der Frau, sich frei zu entwerfen. Sartre: „Der Mensch ist zuerst ein Entwurf, der sich subjektiv lebt“.8 Nur drängt sich nun ein gravierendes Problem auf: Wenn es keine normativen Kriterien zur Prüfung eines Entwurfes der Selbstbestimmung von Frauen gibt, wie und mit welchem Recht wird dann das jetzige sozial konstruierte Frauenbild kritisiert? Es bliebe nur die reine Formalität, daß das gesellschaftlich konstruierte Frauenbild nicht eine Hervorbringung ungebundener Subjektivität von Frauen sei! Nur weil das Frauenbild ein soziales sei, widerspräche es dem Ideal der Selbstbestimmung. Nimmt man dies Argument ernst, wird die Frau und überhaupt der Mensch nur ein freies Wesen werden können, wenn er asozial, außerhalb jeder Gesellschaft lebte. Denn jede Gesellschaft bringt Rollenbilder hervor, geschlechtliche von Mann und Frau, soziale von Lehrer und Schüler, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beliebig ergänzbar, die so die jeweilige Freiheit der Menschen auflösten, weil sie keine freie Selbstbestimmung mehr zuließen. Wußte Aristoteles noch, daß der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist, so wird im Genderismus das Soziale zum Feind der individuellen Freiheit. Jede Frau habe das Recht, sich so zu bestimmen, wie sie es möchte ohne jede Rücksicht auf das Sozialwesen, in dem sie lebt. Zugleich fordert diese asoziale Selbstbestimmung aber, daß sie unbedingt von der Gesellschaft bejaht bzw. akzeptiert werden muß. So reduziert sich die Kritik an der sozialen Konstruktion des Frauenbildes auf die These, daß, weil es sozial ist, es nicht individuell ist, und nur individuelle Entwürfe des Frauseins entsprächen dem Ideal selbstbestimmten Lebens.


3. Die Revolte wider Gott


Sartre erfaßt das widergöttliche Anliegen des Genderismus treffend: Wenn es einen Gott gäbe, dann hätte dieser Gott als Schöpfer dem Menschen eine Natur gegeben, und die wäre dann normativ für den Menschen. Meiner Wahl, also meiner Existenz ging die Essenz meines Menschseins voraus, und diese normierte meine Selbstbestimmung. Soll dagegen meine Selbstbestimmung ein reiner Freiheitsakt sein im Sinne von Willkür, dann darf meiner Wahl keine normative Vorgabe vorangehen. Eine von Gott geschaffene Natur, die mir sagte, wie ich sein solle, verhindert eine freie Selbstbestimmung unter der Prämisse, daß ich Freiheit als Willkür verstehe. So revoltiert der Genderismus gegen den Schöpfergott, indem er die von Gott gewollte Unterscheidung von Mann und Frau beseitigen will! Der Genderismus kämpft so gegen die Natur der Frau wie gegen die Natur des Mannes. Denn die natürlichen Unterschiede von Frau und Mann und die darauf aufbauende soziale Differenz von Frau und Mann sind ja die Schöpfungsordnungen Gottes, die Gott gab, damit menschliches Leben ermöglicht wird und gelingen kann. Den Archetyp aller menschlichen Revolutionen gegen Gott bildet der Aufstand der Rotte Korach wider die gottgewollte Hierarchie mit den Parolen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bzw. politisch korrekter: Geschwisterlichkeit. Die ihm nachfolgenden Revolten, von Luther über die Französische Revolution bis zum Genderismus, sind so gesehen nur Mutationen dieses Urbildes der Revolte wider Gott und seine Ordnung.



4. Die Sexuelle Revolution


Oberflächlich betrachtet ist die sogenannte sexuelle Revolution ein Produkt des Scheiterns des orthodox-marxistischen Klassenkampfkonzeptes: als das Subjekt der erlösenden Revolution, die Arbeiterklasse unter Führung von kommunistischen Avantgardeparteien die Hoffnung Linksintellektueller nicht erfüllte, brachte u.a. Max Reich die These auf, daß das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft die Unterdrückung der Sexualität sei und daß darauf aufbauend erst der Widerstreit von Kapital und Arbeit sich formiere. Deshalb müsse, wer die bürgerliche Gesellschaft revolutionieren wolle, die Sexualität aus dem Gefängnis der bürgerlichen Gesellschaft befreien. Das war sozusagen der revisionistisch-marxistische Grundsatz der Kampagne der Sexuellen Revolution. F. Engels sagte: „In der Familie ist der Mann der Bourgeois und die Frau repräsentiert das Proletariat.“9 Der Kampf um die Befreiung der Sexualität verband sich mit dieser marxistischen Familienkritik und wurde so zum Kampf wider die Familie. So urteilt Popov: „Das traditionelle Familienleben und die Religion waren die hauptsächlichen Träger der alten Kultur. Deswegen war die Politik der Befürwortung von Abtreibung eines der Instrumente der gewünschten vorrevulutionären Zerstörung der russischen Familie und der russischen Kultur.“10




5. Die Technik als unser Schicksal?


Nur, so wird die Tiefgründigkeit dieser Bewegung übersehen. Kaprizieren wir uns auf das Hauptproblem. Es ist die Abtrennung der Sexualität von der Fortpflanzung. Die Technik ermöglichte dies, so daß es zum Regelfall wird, daß Sexualität gelebt wird unter Ausschluß der Möglichkeit, daß durch die gelebte Sexualität Nachwuchs entsteht. Die Pille und die vielen anderen Verhütungsmittel erlauben es, Sexualität zu leben, ohne daß Nachwuchs entstehen kann. Ja, es bedarf jetzt des besonderen Willensentschlusses der Partner, auf die Verhütung zu verzichten, damit ein Kind entstehen kann. Die Technik, wenn man will, der technische Fortschritt ermöglichte erst diese Trennung von Sexualität und Fortpflanzung. Die Natur des Menschen wird somit durch diese Technik überlistet. Erfand die Natur den Lustgewinn beim Fortpflanzungsakt, damit die Menschen sich fortpflanzten, würde der Mensch sich nur, motiviert durch die Einsicht in die Pflicht zur Fortpflanzung, zur Arterhaltung fortpflanzen, wäre er wohl längst mangels Nachkommen ausgestorben. So trennt nun die Technik den Akt der Fortpflanzung mit seinem Lustgewinn von der Frucht der Fortpflanzung, dem Nachwuchs. Jetzt, wo der Gebrauch von technischen Verhütungsmitteln zur Regel geworden ist, erscheint auch die Sexualität als etwas Selbstzweckliches, das nur um des Genusses willen praktiziert wird. Das wiederum legitimiert alle Arten praktizierbarer Sexualität, bereiten sie den Praktizierenden nur Lust. Das ist der Kern der Forderung der gesellschaftlichen Anerkennung aller sexuellen Praktiken, sofern sie nur alle Beteiligten befriedigt. Daß die Sexualität wesenshaft auf die Fortpflanzung und die Nachkommenschaft ausgerichtet ist, wird in den Zeiten der Verhütungsmittel nur noch zum moralischen Appell. Faktisch ist diese Ausrichtung beseitigt. Faktisch gab es vor den technisch-künstlichen Mitteln der Verhütung von Schwangerschaften Methoden der Verhütung, so etwa die Propagierung des Analverkehres durch den Radikalaufklärer Marquise de Sade, aber erst durch die Omnipräsenz der künstlich-technischen Verhütungsmethoden kommt es faktisch zur Abtrennung von der gelebten Sexualität von der Fortpflanzung.


Des Menschen Natur ist es, sein Leben zu verkünstlichen. Diese These soll nun an den Anfang einer tiefgründigeren Erfassung des Wesens des Genderismus vorangestellt und kurz erläutert werden. Der Genderismus ist so gesehen ein Nebenprodukt der technischen Revolution. Ein kurzer Blick auf den zeitgenössischen Menschen reicht, um uns den Grad der Verkünstlichung vor Augen zu führen: von der Brille als künstlicher Sehhilfe über die Heizung, die uns vor der Kälte nicht nur des Winters schützt, über die Kleidung, die wir statt der Wärme spendenden Behaarung tragen, bis zu künstlichen Ersatzorganen: Seitdem der Mensch technische Geräte zur Naturbeherrschung entwickelte, wendete er die Technik auch auf sich selbst an. Wir leben nicht natürlich, sondern technisch-künstlich. Der Mensch versteht die Natur als Aufgabe zur Umgestaltung. Nur in Mußestunden meditiert er in der Natur, betrachtet sie genießend. In der Regel ist sie dem Menschen nur ein Rohstoff. Der Schreinermeister sieht ein Stück Holz, und schon betrachtet er es unter der Fragestellung: Wozu kann ich dies Stück verarbeiten? Da wir Menschen selbst ein Teil der Natur sind, machen wir uns selbst zum Rohstoff für eine technische Weiterverarbeitung. So gesehen entspricht es dieser Neigung des Menschen, die Natur und somit auch die eigene durch Technik zu beherrschen, daß der Mensch durch künstliche Verhütungsmittel die gelebte Sexualität von der Fortpflanzung abtrennt. Er entnaturalisiert damit die Sexualität. Sie wird jetzt nur noch um des reinen Lustgewinnes willen praktiziert unter Ausschluß der Hervorbringung von Nachwuchs. Der Mensch überlistet somit mittels der Technik die Vernunft der Natur. Am Endpunkt dieser Entwicklung werden wir auf eine künstlich unfruchtbar gemachte Sexualität stoßen, die Sexualität wird gelebt unter dem Ausschluß der Möglichkeit der Entstehung von Kindern und einer künstlichen Fortpflanzung. Das meint, daß die Nachkommen in vitro erzeugt, vom Brutkasten zur Kita kommen ohne natürliche Eltern und ganz und gar mutterlos. Das wäre der Endpunkt der Verkünstlichung des menschlichen Lebens. Wem dies nur als grausige Zukunftsromanphantasie vorkommt, der mag genau hinschauen, wie weit wir schon auf diesem Weg vorangeschritten sind. Es bleibt die bedrückende Frage: Lassen wir den technischen Fortschritt über uns herrschen, oder gelingt es dem Menschen, den Fortschritt selbst im humanen Geiste zu beherrschen? Der Genderismus will die totale Verkünstlichung des Menschen bis dahin, daß Frauen und Männer gleichermaßen durch Kunstoperationen ihr Geschlecht beliebig ändern können. Ich brauche nicht mehr zu sein, wozu mich die Natur bestimmt, also Frau oder Mann, weil ich mein Geschlecht dank der Technik künstlich beliebig verändern kann. Lisson bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Warum sind Männer eigentlich Männer, Frauen eigentlich Frauen, Weiße weiß und Schwarze schwarz? Sie müssen es doch nun nicht mehr sein, nachdem ihre >Natur< als etwas technisch Variables verstanden wird, das nur der Zufall als Startbedingung so bestimmt hat, was aber nicht heißt, daß jeder sein Leben lang schicksalshaft an diesen Bedingungen gebunden ist.“11 Die Sexualität wird nun ob der Verkünstlichungstendenz zu einer Quelle reinen Lustgewinnes, weil sie von dem Ziel der Sexualität, der Fortpflanzung, völlig emanzipiert ist. Dieser durch die Technik ermöglichten Sexualität ohne Fortpflanzung korrespondiert dann die durch den technischen Fortschritt ermöglichte Fortpflanzung ohne Sexualität, die rein künstliche Fortpflanzung. Die Erziehung der künstlich erzeugten Kinder wird dann zur reinen Staatsaufgabe. Das macht dann die Mutterschaft und die Elternschaft völlig überflüssig.




6.Das soziale Umfeld des Genderismus


Die Weltanschauung des Genderismus hat sich natürlich nicht in einem luftleeren Raum entwickelt. Die Katholische Sozialethik definierte einst als gerechten Lohn, daß der Ernährer der Familie so viel verdiene, damit er davon die Familie, die Frau und die Kinder unterhalten könne12. Marxisten meinten, daß der Mindestlohn ausreichen müsse zur Reproduktion der Arbeitskraft als Ware für den Arbeitsmarkt. Das meinte auch die Perpetuierung der Arbeitskraft in der Institution der Familie durch den eigenen Nachwuchs. Denn die Wirtschaft funktioniert nicht ohne genügend Arbeitskräfte, die die arbeitende Klasse selbst hervorbringt als zukünftige Werktätige. Um es ökonomisch auszudrücken: Es muß viel investiert werden, bis aus der befruchteten Eizelle eine den Ansprüchen des Marktes genügende Arbeitskraft hervorgebracht worden ist. Das sind, rein ökonomisch betrachtet, nur Unkosten. Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes bringt hierfür die Lösung. In sogenannten Dritte-Welt-Staaten läßt man die Arbeitskräfte von der Geburt an ausbilden, um sie dann in die hoch entwickelten Industriestaaten zu importieren. Die Entwicklungskosten der Arbeitskraft werden so eingespart, sie tragen allein die Entwicklungsländer, unterstützt durch die Entwicklungshilfe. In den entwickelten Industriestaaten dagegen animiert man die Frau, keine Kinder zu bekommen, damit sie einerseits uneingeschränkt dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und damit andererseits die hohen Kosten der „Kinderaufzucht“ im eigenen Lande vermieden werden. Der Genderismus ist so gesehen die Wohlstandsideologie von Frauen, die die Notwendigkeit des Nachwuchses den Frauen der „unterentwickelten“ Länder aufbürdet, um selbst kinderlos die Früchte der Mutterschaft anderer Frauen zu genießen in Form des Importes von ausgebildetem Nachwuchs aus den sogenannten Dritte-Welt-Staaten. Denn gerade auch die jetzt kinderlos lebenden Frauen können weiterhin nur leben, wenn irgendwelche Kinder später für sie sorgen, wenn auch nur als Finanzierer ihrer Renten durch Steuerzahlungen! Die Ausbeutung der Bodenschätze der 3. Welt wird so ergänzt durch die Ausbeutung des Kinderreichtums der 3. Welt. Dort sollen die noch intakten Familien Kinder hervorbringen, damit die hiesigen Frauen sich der Mühe und der Unkosten des Kindernachwuchses entziehen können. Darin manifestiert sich die asoziale Einstellung des Genderismus. Sie will die Willkürfreiheit von einigen Frauen zu Lasten der vielen anderen in den „Entwicklungsländern“. Diese asoziale Einstellung paßt aufs beste in einen von allen sozialen Verpflichtungen sich emanzipierenden Turbokapitalismus, den Motor der Globalisierung. Damit zeigt sich mal wieder, wie sehr der Hl. Vater Franziskus im Recht ist, wenn er immer wieder den Kapitalismus als unsoziale Gestaltung des Wirtschaftslebens kritisiert.




7. Der radikale Aufstand gegen Gott, der 2.Grundsatz


Ich möchte in loser Anlehnung an Ernst Noltes Diktum von den Widerstandsformen gegen die Globalisierung von den verschiedenen Widerstandsformen wider die Herrschaft Gottes sprechen. Der Mensch revoltiert wider Gott. Die radikalste Widerstandsform gegen Gott ist das menschliche Nein zur Fortpflanzung, zum Leben. Gott schuf den Menschen. Der Gott des Lebens will Leben, und darum setzte er den Menschen als weibliches und männliches Menschsein. So, und nur so können sie sich fortpflanzen und somit den Tod natürlich überwinden. Mancher Bibelleser wird vielleicht den göttlichen Imperativ an den Menschen, das erste Gebot, das Gott Frau und Mann gab, „Seid fruchtbar und mehret euch!“ als etwas peinlich empfinden. Hätte Gott den Menschen nicht etwas Geistiges, Höheres anbefehlen können, etwa: Strebet nach der Gotteserkenntnis, lebt heilig? Nein, der Grundauftrag lautet: pflanzt euch fort. Könnten wir nicht einwenden: Das tun die Menschen schon von Natur aus ob ihres sexuellen Fortpflanzungstriebes? Dieser göttliche Imperativ sei so gesehen überflüssig. Eigentlich hätte Gott statt dessen anordnen müssen: pflanzet euch gemäß der Ordnung der Ehe fort, denn die bloße Fortpflanzung würde sich auch instinkthaft natürlich ohne einen göttlichen Imperativ ereignen! Nur, Gott selbst ordnet dies als seinen ersten Befehl an Mann und Frau an! Können wir dafür einen Grund eruieren? Ja, der göttliche Imperativ sagt, daß es der ausdrückliche Wille Gottes ist, daß der Mensch sich fortpflanze. Simone de Beauvoirs Nein zur Mutterschaft, weil die Mutterschaft die Sklaverei der Frau sei, ist so die radikalste Auflehnung gegen Gott, gegen sein erstes Gebot, daß er als der Schöpfergott das menschliche Leben will und es sich darum fortzupflanzen hat. Der göttliche Imperativ impliziert aber noch etwas anderes: daß der Mensch wirklich die Möglichkeit hat, Nein zum Leben zu sagen in der Form des Freitodes und der Fortpflanzung. Der Mensch wird nicht so durch seinen Lebenswillen und seinen Willen zur Fortpflanzung determiniert, daß er sich nicht frei gegen sein Leben und das menschliche Leben stellen könnte. Weil der Mensch Nein zum Leben, zur eigenen Arterhaltung sagen kann, verpflichtet Gott den Menschen durch dies erste Gebot zum Leben und somit zur Arterhaltung durch die Fortpflanzung. Im Timotheusbrief (2, 15) wird dieser göttliche Imperativ in der Darlegung des Ordo Salutis der Frau noch einmal bestätigt: die Frau werde dadurch gerettet, daß sie Kinder zur Welt bringt und fromm lebt. Die göttlichen Ordnungen der Ehe und des Staates sind so Gottes Ordnungen zum Erhalt, und das heißt immer auch zur Fortpflanzung des Menschen angesichts der Bedrohung des Lebens durch den Tod. Der metaphysische Gehalt dieser genderistischen Revolte ist sein Nein zum Leben in der Verweigerung der Fortpflanzung.



8.Die große Täuschung: das Ideal der Selbstbestimmung


Man könnte nun das Anliegen der Genderstudien reduzieren auf den Imperativ: Da, wo bisher die gesellschaftliche Fremdbestimmung der Frau durch das Konstrukt der Natur der Frau war als normative Vorgabe für die Frau, soll nun die Realität völliger Freiheit der Selbstbestimmung der Frau treten. Jede Normativität, jedes normierende Frauenbild wäre so ein Angriff auf die vollkommene Freiheit der Frau. Nur, zu unserer Enttäuschung: Immer dann, wenn sich nun eine Frau frei dazu entscheidet, gemäß dem traditionellen Frauenbild zu leben und ihr Glück in Liebe und Familie zu finden und nicht im werktätigen Berufsleben, sind unsere Genderisten empört! Eine Frau entscheide sich nur frei, wenn sie sich gegen das traditionelle Frauenbild entscheide. Sonst triebe sie Mißbrauch mit ihrer Freiheit! Die Frau ist so gesehen dazu verpflichtet, sich ihre Freiheit zu bewahren, indem sie, wozu auch immer sie sich positiv entscheidet, sie sich negativ gegen das traditionelle Frauenbild zu entscheiden hat. Sie darf alles sein wollen, nur nicht Frau im klassischen Sinne! Das ist die große Intoleranz des Genderismus.


Im Hintergrund steht dabei die Vergötzung der Erwerbsarbeit durch Karl Marx in seiner These, daß der Mensch sich durch seine Arbeit selbst hervorbringe, moderner formuliert: selbstverwirkliche. Dies gälte aber nur für die Erwerbsarbeit, nicht für die Arbeit in der Familie, für die Frau, deren Beruf die Mutterschaft ist. Sie arbeitet nicht und soll deshalb schnellstmöglich um ihrer Menschwerdung willen in die kapitalistische Wirtschaft integriert werden. Die Frau soll so von der Familie und der Mutterschaft vollkommen emanzipiert werden, damit sie wie der Mann uneingeschränkt der Wirtschaft zur Verfügung steht! Die Frau wird so der Ökonomie geopfert !


Einfach gesagt: wenn unser kleines Madel im Kindergarten, wo nach Meinung nicht nur der katholischen Caritas die Erziehung im Ungeiste des Genderismus anzufangen hat, wenn also unser kleines Madel mit Puppen spielen will, dann ist dort die Hölle los: „So nicht!“ Du mußt jetzt mit Schraubenziehern spielen, damit so früh wie möglich die Umerziehung erfolgversprechend beginnt! Die Kitas und Kindergärten sollen zu Umerziehungslagern im Geiste des Genderismus werden. Wehe, wenn die Kleinen natürlich bleiben wollen! Das ist der totalitäre Charakter dieser Revolte wider Gott. Es ist bezeichnend, daß die Homosexlobby heute die führende Kraft im Kampf wider die Meinungsfreiheit ist in ihrem Anliegen, jede Meinungsäußerung, die nicht mit ihrer Homosexideologie übereinstimmt, verbieten zu wollen und strafrechtlich zu verfolgen.


1Camus, A., Der Mensch in der Revolte, 1983, S. 22.

2Camus, A., Der Mensch in der Revolte, 1983, S.22.

3Vgl. Beauvoir, S., Das andere Geschlecht, 1949.

4Lisson, F., Homo Viator. Die Macht der Tendenzen, 2013, S.59.

5Sartre, J.P., Ist der Existentialismus ein Humanismus?, in: Sartre, J.P. Drei Essays, 1981, S 11.

6Palko, V., Die Löwen kommen, 1. Auflage 2014 S. 61.

7Spengler, O., Der Untergang des Abendlandes. 7.Auflage 1983, S. 679.

8Sartre, a.a.O. S. 11.

9Zitiert nach: Palko, a.a.O. S.34.

10Zitiert nach:Palko, a.a.O. S.60.

11Lisson, F., Homo Viator. Die Macht der Tendenzen, 2013, S.60.

12Vgl. Leo XIII. Enzyklika: „Rerum novarum“, DH 40. Auflage, 2005, 3271


Über KI und Technik: Ein Annäherungsversuch

 

Über KI und Technik: Ein Annäherungsversuch



Als erstes wäre doch zu fragen, warum und mit welchem Recht dies überhaupt ein Thema der Theologie ist und zweitens wäre doch selbstkritisch anzufragen, ob den Theologen hier nur dilettantisch sich zu dieser Causa äußern können, da sie nun mal von Berufswegen her Geisteswissenschaftler sind, denen nun mal die Technik oft ein einziges Mysterium ist. Auch vermittelt weder die Diakonen- noch die Priester- noch die Bischofsweihe Kenntnisse über die Technik. So drängt sich doch der Generalverdacht auf, daß hier das Prinzip: „Was ich nicht verstehe, kann ja nicht richtig sein, denn sonst verstünde ich es ja!“ inflationär angewandt wird.

Aus der theologischen Perspektive ist aber dies zu sagen: Die Technik gibt es, da Gott dem Menschen den Auftrag gegeben hat, die Welt zu gestalten, sie sich ihm unterzuordnen. Die Welt ist so für ihn nicht eine perfekt eingerichtete, in der er dann seinen Platz einzunehmen hat sondern Gott gleicht hier eher einer Mutter, die ihrem Kinde viele Legobausteine zur Verfügung stellt mit dem Arbeits- oder vielleicht auch Spielauftrag: „Mache was daraus!“

Diesen Auftrag erteilte uns Gott vor unserem Sündenfall und so auch, bevor wir dem Schicksal, sterben zu müssen, unterworfen wurden. „Seid fruchtbar, vermehret Euch!“, dies Gebot Gottes, das erste, das er uns gab, diente so nicht der Erhaltung des menschlichen Lebens angesichts seines Sterbenmüssens sondern war dem Auftrage der Weltgestaltung subordiniert: Wie hätten den Adam und Eva allein zu zweit diesen Auftrag erfüllen können!

Uns Menschen ist nicht nur eine äußere Natur als unsere Gestaltungsaufgabe von Gott gegeben sondern auch eine innere, unser Körper, den die Seele als ein Teil der Natur auch als ein zu gestaltendes Objekt gegeben ist: das Ideal der Selbstbeherrschung.

Die Technik ist nun die Hervorbringung des Menschen, ohne die er diesem Auftrag nicht gerecht werden könnte. Die christliche Religion wie auch jede andere monotheistische setzt die Differenz zwischen dem Schöpfergott und der Welt als seine Hervorbringung, die somit entgöttlicht und säkularisiert wird. Die Welt wird so zu unserer Gestaltungsaufgabe, wird zum Material unserer Kreativität.

Zwei gravierende Probleme sind nun unübersehbar: An einer Aufgabe kann ein Mensch scheitern: Der noch so geschickt erbaute Legobausteinturm kann umfallen und statt mit diesen Steinen zu spielen kann der Bub sein Schwesterlein die an den Kopf werfen und er freut sich, wenn das kleine Mädchen weint, die ewige Heulsuse. Wie im Microkosmos des Kinderzimmers so im Macrokosmos der Welt. Hier ist, solange nicht unser Heiland wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten, nichts Neues zu erwarten. Die Weltgeschichte hat viel gemeinsam mit dem wunderbaren Theaterstück: „Dinner for one“, das uns jedes Jahr zu Sylvester so beglückt.Gegen alle hysterischen Aufgeregtheiten empfiehlt sich eine aufmerksame Lektüre des Prediger Salomons!

Wir leben nun nicht einfach in der Welt sondern in einer bestimmt gestalteten, in einer Weltgesellschaft ob der Tendenz zur Veruniversalisierung des westlichen Gesellschaftsmodelles. In der modernen Arbeitswelt wird die Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch technische Instrumente zu einer vorherrschenden Tendenz. Zur Veranschaulichung: Als die Züge noch um zu fahren, mit Kohlen beheizt wurden, mußten auf jedem Zug die Heizer ihren Dienst vollbringen, jetzt sind sie arbeitslos geworden: Die Züge fahren elektrisch. Jedes mehr an Technik in der Arbeitswelt macht bestimmte bisher notwendig von Menschen verrichtete Arbeiten überflüssig.

Nun muß aber jeder Bürger, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, einer Erwerbstätigkeit nachgehen in unserer modernen Gesellschaft, es sei denn, daß er so vermögend ist, daß er nicht zu arbeiten braucht. Die Technik in der Arbeitswelt führt nun dazu, daß immer weniger an gesamtgesellschaftlich für den Erhalt der Gesellschaft zu erbringenden Arbeit notwendig ist, daß so das Reich der Freiheit jenseits der der notwendigen Arbeit größer wird. Aber das führt auch dazu, daß viele Bürger keine Erwerbstätigkeit für sich mehr finden über den freien Arbeitsmarkt, 3 Millionen allein in Deutschland: Kann etwa zukünftig die Arbeitswelt auf die menschliche Arbeitskraft weitestgehend verzichten, sie überflüssig machen? Das ist die Alptraumvorstellung, die den Diskurs über KI so brisant und verängstigend gestaltet.

Es müssen doch Bereiche, Refugien geben, in denen der Mensch in der Arbeitswelt unersetzbar ist,damit ihm ein Überleben in ihr gewährt wird!“ Vielleicht ist M. Foucaults Votum vom Verschwinden des Menschen unphilosophisch als sein Überflüssigwerden in der Arbeitswelt realistischer als es den Bürgern der Moderne lieb sein kann. Kann die Arbeitswelt sich des Menschen als einer Arbeitskraft entledigen, ihn wegrationalisieren?

Das ist eine Frage, die die Theologie nicht beantworten kann! Sie muß aber darauf insistieren, daß jeder Mensch seinen Anteil an dem Weltgestaltungsauftrag haben soll und so ein Recht auf einen Beruf hat. Der Beruf muß aber nicht notwendig eine Erwerbstätigkeit sein. So ist nun mal der Beruf der Mutter der wichtigste Beruf, denn würde der nicht ausgeübt, stürbe die Menschheit in Kürze aus!

Die Technik ist so nicht an sich ein Problem für den Menschen sondern ein gesellschaftspolitisches, daß der Bürger arbeiten muß, um seinen Lebensunterhalt sich zu verdienen und daß die Ressource Arbeit ob der Technik in der Arbeitswelt immer weniger gefragt ist. Selbst kreative Arbeiten, etwa die Hervorbringung von Kunstwerken könnten KI-Programme übernehmen,


P.S. Ich kann mir aber die Anmerkung nicht verkneifen, daß von KI s geschriebene Politikerreden für ihre Hörer doch wohl ein Gewinn wären ob der Politikerredenqualität.

Corollarium 1

Das Projekt der Cyborgisierung ist nicht ein hybrischer Versuch daimonisch Besessener sondern nur die letzte Konsequenz des Naturgestaltungsauftrages Gottes.

Corollarium 2

Der theologische Diskurs über die  Technik und KI muß dem "subicite eam"  1.Mose, 1,18 = "subjektiviert die Welt"  gerecht werden. 

Freitag, 19. Juni 2026

Radicale Nachfolge Jesu: ein Klärungsversuch über die Verbürgerlichung der christlichen Existenz

 

Radicale Nachfolge Jesu: ein Klärungsversuch über die Verbürgerlichung der christlichen Existenz


Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ Mt 19,21. Radicaler kann Jesus Christus das, was es heißt, ihm nachzufolgen, nicht formulieren. Das „komm und folge mir“ bezeichnet die Zielbestimmung, das verkaufe alles, das Mittel, um ihm nachfolgen zu können. Denn jeder Besitz macht den Besitzer immobil, es existierten damals noch keine kleinen überall hinnehmbaren Kreditkarten, mit denen überall bezahlt werden kann. Den Armen soll das Geld aus dem Verkauf von allem geschenkt werden, denn die können dafür keine Gegengeschenke machen und so dem Verschenker wieder zu einem Besitz verhelfen. So mahnt Jesus ja davor, nicht die zum Essen einzuladen, von denen dann eine Einladung zu einem weiteren Essen zu erwarten ist, oder nur zu geben, der dann auch wiedergeben kann.

Diese Aussage ist bestimmt durch die oppositionelle Gegenüberstellung von dem irdischen und dem himmlischen Lohn bzw Schatz: Wer irdische Schätze genießt, wird keine himmlischen genießen können und wer keine irdischen genießt, dem werden himmlische verheißen.

Aber was meint nun die Nachfolge Jesu? Die Nachfolge Jesu meint hier eine genau bestimmte Lebenspraxis, die des Wanderpredigers, der auf allen seine Mobilität behindern würden Besitz verzichtet, um von Ort zu Ort ziehend das Evangelium zu predigen. Seinen Lebensunterhalt bezieht er dann allein aus dem ihm Gespendeten. Der Apostel Paulus bildete dabei eine Ausnahme, da er seinen Lebensunterhalt durch sein Handwerk verdiente und dem deswegen in Korinth der Vorwurf gemacht wurde, kein echter Apostel zu sein, da ihm die Versorgung durch die Gemeinden als einem Apostel zustünde.

Diese radicale Nachfolgepraxis ist eine antibürgerliche Existenz, indem auf ein Familienleben und dem dazu gehörigen Berufsleben verzichtet wird.

Aber die Wanderprediger gründeten selbst Gemeinden von Seßhaften, die ihr bürgerliches Leben nicht aufgaben, sondern als Gläubige in der Ordnung der Familie und des Berufes und des Staates lebten. Ein Familienvater kann nicht alles den Armen verschenken ohne gegen die Ordnung der Familie zu verstoßen, seinen Pflichten der Ehefrau und seinen Kindern gegenüber. So gibt es auch die Berufspflichten, denen nicht jeder Berufstätige sich einfach entziehen kann und auch die staatsbürgerlichen Pflichten: All diese zu befolgen, verlangt die Nächstenliebe.

Wie soll sich nun der bürgerlich lebende Christ zu der Idee der radicalen Nachfolge verhalten. Der Apostel Paulus präsentiert uns ein konstitutives Element der Verbürgerlichung der radicalen Jesusnachfolge: „Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht;“.1.Kor 7,29ff. Aus dem alles Weggeben und alles Verschenken wird hier ein Besitzen „als ob nicht“. Innerlich soll der Christ sich von allem Weltlichen distanzieren aber er kann das Weltliche dann doch noch nutzen um seiner weltlichen Verpflichtungen willen. So lebt der Weltchrist innerlich eine antibürgerliche Existenz in seinem äußerlichen bürgerlichen Leben.

Gekrönt wird diese paulinische Konzeption des „als ob nicht“ durch die Aussage: „denn die Gestalt dieser Welt vergeht.“ Wer sein Herz an die vergängliche Welt hängt, sie liebt, der wird mit ihr vergehen, denn die von ihm geliebte Welt wird ihren Liebhaber mit in ihren Untergang hinunterziehen.

Aus dem der bürgerlichen Welt sich Entziehenden, dem antibürgerlichen Wanderprediger wird so der Weltchrist in seiner ihm eigentümlichen Weltfremdheit, dem die Welt nie seine wahre Heimat sein kann. Die Gefahr dieser unweltlichen Existenz in der Welt ist offenkundig: daß er die Welt zu lieben anfängt und diese Distanz des „als ob nicht“ verdrängt. 

Völlig verbürgerlicht präsentiert sich die Theologie, wenn sie Jesu Nachfolge als ein sozialpolitisches Programm mißversteht, die Armut zu bekämpfen.


Donnerstag, 18. Juni 2026

Wie in einer Predigt über das Beten und Fasten Jesu Christi Verkündigung verfälscht wird

 

Wie in einer Predigt über das Beten und Fasten Jesu Christi Verkündigung verfälscht wird



So lehrt der Sohn Gottes selbst, der Lehrer der Wahrheit: „Und wenn ihr betet,sollt ihr nicht sein wie die Heuchler,die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten,damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich,ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“ Mt 6,5 Wenn die so Betenden ihr Gebet in der Intention vollzögten, daß auch die Anderen so beten mögen, dann wäre dies öffentliche Beten nichts Kritikwürdiges. Aber ihre Intention ist die, von den Anderen dafür anerkannt zu werden. Das ist ihr Lohn, den sie so erwirken wollen und Jesus bezweifelt nicht, daß sie ihn auch so erlangen werden.

Das gilt ebenso für das Fasten: Wer so fastet, daß die Anderen es merken und loben, der bekommt so seinen so erstrebten Lohn. Mt 6,17.

Wie betet und fastet man denn nun richtig als Christ: Man bete und faste im Verborgenen, um so nicht von den Mitmenschen eine Anerkennung zu finden,sondern damit Gott sie für ihr Beten und Fasten belohnen wird. In Mt 6d,9f verweist uns Jesus auf die fundamentale Alternative,daß wir entweder nach einem irdischen Lohn oder nach dem himmlischen streben können. Wer nach einem irdischen strebt, der erlangt ihn dann auch, aber er wird dann keinen himmlischen mehr erlangen und wer auf das Streben nach einer irdischen Belohnung verzichtet, wird den himmlischen Lohn erlangen. Dabei wird dann der irdische als ein vergänglicher, der himmlische als ein unvergänglicher qualifiziert.

Was machte daraus die auf diese Texte fußende Predigt ? Wir sollen nicht nach Lohn streben, sondern das Gute um des Guten willen vollbringen. Psychologisch gedeutet heißt das: Es kann auf eine externe Belobigung unseres guten Tuens verzichtet werden, da wir das Belobigtwerden so internalisiert haben, daß unser eigenes Gewissen das Belohnen übernimmt, wir also keiner externen Belohnung mehr bedürfen. Dies Sichselbstbelohnen ist dann aber nur ein Sonderfall des Strebens nach einer innerweltlichen Belohnung,daß ich selbst nach einem guten mich so belohnenden Gewissen strebe.

Jesus aber bejaht das Streben nach einer Belohnung für unser Tuen, nur soll der Christ danach streben, von Gott belohnt zu werden, den Himmelslohn zu empfangen und das ist, daß wir eintreten dürfen in das Reich Gottes in das ewige Leben. Stattdessen wird suggeriert, daß ein Streben nach einem Lohn an sich verwerflich sei, egal ob ein irdischer oder ob der himmlische Lohn erstrebt wird. Zudem wird die jenseitige Perspektive völlig ausgeblendet, daß der Himmelslohn ein jenseitiger ist. Das gute Tuen soll stattdem schon hier auf Erden dem Christen guttuend sein, indem er das Gute um des Guten willen wirkt und es darin genießt. Denn alles Tuen hat entweder seinen Zweck in sich selbst, dann wird es genossen oder hat seinen Zweck außer sich, dann wird nicht das Tuen sondern das Erreichen des Zweckes genossen.Vgl hierzu den hl.Augustin über die Unterscheidung von "uti"= gebrauchen zu etwas und "frui"= genießen, etwas um seiner selbst willen tuen.

Dieser Immantismus, daß das Gute Tuen sich in sich selbst belohnt, verkennt, daß Gott allein der Richter unseres Tuens und Nichttuens ist, der so uns belohnt oder auch nicht belohnt. Diesem Immantismus wohnt nun auch die Tendenz inne, die Folgen unseres Sündigens als eine immanente Auswirkung der Sünde auf den Sündigenden zu verkennen: Gott straft so auch nicht, wie er auch das Gute Tuen nicht selbst belohnen wird. Jesus Christus lehrt uns nun etwas völlig anderes, daß Gott gerecht belohnt und bestraft. 

Vergleiche dazu meinen Artikel: "Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie". Diese Predigt ist ein gutes Anschauungsbeispiel für eine postmetaphysische Theologie ob ihres Immatismuses. 


Mittwoch, 17. Juni 2026

„Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst.“

 

Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst.“


So urteilen das Theologen duo infernale Striet und Essen laut dem kath de Artikel: „Theologen: Kirche sperrt sich gegen staatliche Freiheitsrechte“.1" „Der Volkssouveränität aber wird von der römisch-katholischen Kirche bis heute die Anerkennung verweigert": Zwei Theologen vermissen ein klares kirchliches Bekenntnis zum demokratischen Rechtsstaat.“ 2 In ihrem Buch: „Was vom Westen bleibt“ wird zwischen dem liberalen und einem illiberalen Demokratieverständnis distinguiert und der Kirche vorgeworfen, ein illiberales zu vertreten.

Das falsche Demokratievertändnis: „Die Kirche begründe die Geltung der staatlichen Rechtsordnung religiös und verankere sie in Gott, nicht im Freiheitsbewusstsein der Bürger, erläuterten die Theologen. Laut deutschem Grundgesetz gehe dagegen alle Staatsgewalt vom Volk aus. >Der Volkssouveränität aber wird von der römisch-katholischen Kirche bis heute die Anerkennung verweigert", monierte Essen. Darin spiegelt sich der antiliberale Schatten des katholischen Naturrechtsverständnisses.<"

Eine theologische Begründung der staatlichen Rechtsordnung sei also verwerflich. Auch dürfe nicht naturrechtlich die Kirche argumentieren.Das wären ja inhaltliche Vorgaben, wohingegen die liberale Demokratie ein nur rein formales Verfahren zur Bestimmung dessen sei, was als wahr zu gelten habe.

Als Beispiel verwiesen die beiden Theologieprofessoren auf den Streit um das Abtreibungsrecht: Das kirchliche Lehramt nehme das grundrechtlich geschützte Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht ernst. Stattdessen gehe es ihm "um die Wesensbestimmung der Frau, die aus dieser Sicht nun einmal darin besteht, Kinder zu bekommen und für deren Erziehung zu sorgen", kritisierte Striet.“

Der Ordo salutis der Frau, 1.Timotheusbrief 2,15 wird damit als eine Fremdbestimmung reprobiert, denn Gottes Wille ist eben der Feind des Selbstestimmungsrechtes auch der Frau. Jede Art einer Wesensbestimmung ist aus Sicht der Postmoderne abzulehnen, da das alles nur geschichtlich kontingent produzierte Konstrukte seien: Jede Frau bestimme stattdessen selbst, was sie unter ihrem Frausein verstehen möchte.

Das Selbstestimmungsrecht der Frau verlange so, daß sie darüber entscheiden dürfe, ob sie ihr Kind im Mutterleibe töten wolle oder nicht. Das mache die Würde der Frau aus! Ergo: In einer liberalen Demokratie dürfen Frauen ihre Kinder im Mutterleibe töten, eine illiberale verweigert ihr dies Tötungsrecht! Liberalität inkludiert so das Recht zur Tötung von unschuldigen Menschen. In Deutschland werden in 10 Jahren 1 Millionen Kinder so getötet: der Triumph der liberalen Demokratie.


1Kath net Theologen: Kirche sperrt sich gegen staatliche Freiheitsrechte am 15.6.2026

2A.a.O.

Ein Erklärungsversuch für die MIsere der heutigen Kirche und ihrer Theologie

 

Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie


Erst in der heutigen Zeit,in der eine postmetaphysische Umformung des Christentums eingesetzt hat,will man eine rein menschliche Form von Christlichkeit hervorbringen, folglich möchte man die Gläubigen aus der vertikalen Spannungen entlassen,die vormals seine begründeten.“ Peter Sloterdijk1. Manfred Frank bestimmt die Differenz zwischen dem metaphysischen und dem nachmetaphysischen Denken prägnant so:“Denn wenn mit dem Tod Gottes das ganze Deutungs- und Sinnstiftungs- und Tröstungssystem des abendländischen Geistes zusammengebrochen sein soll,dann läßt sich ahnen, was der kleinste gemeinsamer Nenner all der seit 2500 Jahren den Menschen angebotenen Antworten auf ihre Sinn- Bedürfnisse gewesen ist: nämlich die Gewißheit einer übersinnlichen Welt.Und >Metaphysik<ist zunächst genau dies:die Gewißheit des Übersinnlichen. Deren Tod bedeutet für Nietzsche, daß die abendländische Philosophie als Platonismus und Christentum zu Ende ist“.2 Dieser Tod der Metaphysik kennzeichne das postmoderne Denken, das ein postmetaphysisches sei.

Die „vertikalen Spannungen“, von denen Sloterdijk schreibt resultieren aus der Differenz zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt in der Frage, wie denn der diesseitig lebende Mensch ein Bürger des Jenseits werden könne.Eine postmetaphysische Anthropologie kenne dann nur noch Menschen-verbesserungskonzeption für und innerhalb des Dieseitigen.

Sloterdijk sagt nun, daß die Umformung der Theologie in ein so bestimmtes Verständnis der Postmetaphysik schon stattfindet. Arnold Gehlen weist uns auf eine Spur, die uns diese postmetapysische Theologie aufzufinden hilft,denn sie ist schon da, auch wenn sie nicht unter dieser Flagge segelt:“Die Religion wurde,vor allem in den letzten Jahrzehnten, immer ausschließlicher bloß humanitär“,3 Sie wurde humanitaristisch.4

Diese Transformation in den Humanitarismus findet nun ihre Vollendung in dem Glauben an die Menschenwürde, die Menschenrechte und in dem Glauben an die eine Menschheitsfamilie, wobei dann Gott nur noch die Funktion zufällt, eine kontingente ergänzende Letztbegründung für diesen Humanitarismus zu liefern: Die Kirche verkündet so die Menschenwürde.

1Peter Sloterdijk, Menschenverbesserung, in: Nach Gott, 2017,S.226.

2Manfred Frank, Was ist Neostrukturalismus?, 1984, S.27.

3Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, 1969, S.129.

4A.a,O. S.129.


Montag, 15. Juni 2026

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche

 

Von der Verpädagoisierung des Gottesdienstes und der Innenraumgestaltung der Kirche


Frägt man nach dem Kern der reformatorischen Umformung des christlichen Gottesdienstes, dann ist das die Zentrierung auf die Predigt und die Herabstufung der Eucharistie zu einem heiligen Essen, dem Abendmahl als einer kontingenten Ergänzung des Gottesdienstes, das lutherisch ein Mal im Monat, reformiert vier bis sechs Mal im Jahr gefeiert wird.

Die Evangelischen durften keine Priester mehr sein, da das Abendmahl kein Opfer mehr sein durfte, sondern sie hatten das Berufskleid des Lehrers anzuziehen. Die Predigt war und ist das, was im heutigen pädagogischen Diskurs als das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes bezeichnet wird. Das dürfte in der Zeit der Reformation das Format des Unterrichtens gewesen sein und war es auch eine lange Zeit hindurch. Die zeitgenössische Pädagogik steht diesem Format aber ablehnend gegenüber: Die Schüler lernten nur, wenn sie selbst aktiv im Unterricht sein können.

Einer der größten Feinde für einen gelingenden Unterricht ist nun die Neigung der Schüler, sich ablenken zu lassen, daß sie vielerlei interessanter finden als den Lernstoff. Wie soll den sich ein Gottesdienstbesucher auf die Predigt konzentrieren, wenn er in einer wunderschönen Barockkirche sitzt? Das Ohr mag wohl auf die Predigt hören wollen, aber die Augen sehen Bilder, sehen Goldschmuck und Blumen,,,und die Nase richt Weihrauch. Eine Barockkirche ist eben etwas so die Sinne Ansprechendes, daß das Hören beeinträchtigt wird.

So ist aus diesen lernpädagogischen Gründen die Idealkirche eine, die wie ein universitärer Hörsaal gestaltet ist: Nichts die Sinne Ansprechendes soll vom Hören ablenken. Selbst ein Priestergewand würde da zu einem Problem.

Die Reformierten verboten und verbieten so im Kirchenraum jedes Bild und rühmen ihre völlig schmucklosen Kirchen. Alles Ästhetische beeinträchtigt die rein pädagogische Ausrichtung des Gottesdienstes in seiner Kaprizierung auf die Predigt.

Unverkennbar ist das Bemühen der nachkonziliaren Liturgiereform, dem protestantischen Gottesdienstverständnis sich anzugleichen. Die ästhetische Qualität der „Alten Messe“ wird so dem Konzept der Verpädagogisierung geopfert. Die Priestergewänder werden immer schlichter, die Innenraumgestaltung verzichtet auf alles Dekorative, die Sinne Ansprechendes und oft auch auf Bilder und Skulpturen. Die gepredigte Unterweisung soll eben den kultischen Charakter des Gottesdienstes ersetzen. Da nun das Format des lehrerzentrierten Frontalunterrichtes nun pädägogisch bezweifelt wird, gilt es, viele irgendwie um den Altar herum auftreten zu lassen, irgendetwas tuen zu lassen, da so diese nun Aktivierten besser so etwas lernen als wenn sie nur passive Zuhörer wären.

Aber ist das Wesen des Gottesdienstes das der Vermittelung theologischer Inhalte an die Schülergemeinde? Ist der Kult eine pädagoische Veranstaltung?

Aufklärungszeiten mit ihrer Pädagogik sind keine guten Zeiten für die Ästhetik.