Montag, 11. Mai 2026

Die vergessene Quelle des "Synodalen (Irr)Weges -ein Auszug aus meinem Buch: "Der zensierte Gott"

 

2.12. Eine zeitgenössische Variante der Rotte Korach


Wenden wir uns einem zeitgenössischen Dokument dieser Gattung der Rottengeistertheologie zu, dem Verein „Wir sind Kirche“. Sicher gäbe es intellektuell ansprechendere Wiedergeburten dieser Kirchenrevoluzer, aber es gibt wohl kein anderes so antikatholisches Reformprogramm, das in der Kirche so viele Anhänger und Unterstützer findet wie das dieser Umstürzler. Das neue Rotte-Krach-Programm ist natürlich umfangreicher als sein Urtyp, aber es ist derselbe Urgeist, der aus beiden Programmen spricht: die Kirche zu Tode reformieren!


„Wir sind Kirche“ legte im Januar 1996 in dem Publik-Forum-Dossier „Kirche in Bewegung“ eine Art Manifest ihres Wollens und Tuns vor.1 Niemand kann sagen, daß hier nicht freimütig und klar gesagt wurde, was sie wollen. Die 5 Hauptpunkte des KirchenVolksBegehrens sind bekannt, sollen hier aber doch noch einmal in Erinnerung gerufen werden:


Aufbau einer geschwisterlichen Kirche

Volle Gleichberechtigung der Frauen

Freie Wahl zwischen zölibatärer und nichtzölibatärer Lebensform

Positive Bewertung der Sexualität

Frohbotschaft statt Drohbotschaft.


Man wird schwerlich eine innerchristliche Reformbewegung in der Geschichte der Kirche mit einem dürftigeren Programm finden, aber gerade das macht wohl auch gerade ihre Massenwirksamkeit aus. 2 Millionen Unterschriften legitimieren - so die Meinung der Initiatoren dieses Volksbegehrens - diese Reformvorschläge.


Diese Punkte werden dann im Dossier Punkt für Punkt durch ein Meer von Detailforderungen konkretisiert. Begründungen für diese Detailforderungen findet man kaum. Sie erscheinen den Reformern wohl in sich so evident, daß sie keiner weiteren Begründung bedürfen. Am Rande der Forderungskataloge werden dann Texte aus dem 2. Vatikanum gestellt, ohne daß aber in irgendeiner Weise ein Zusammenhang zwischen den Forderungskatalogen und diesen Konzilstexten erkennbar wird. Das schlichte Nebeneinander soll hier einen nicht vorhandenen Zusammenhang vortäuschen.


Aufbau einer geschwisterlichen Kirche


Der Detailforderungskatalog beginnt gleich mit einem Paukenschlag: „Kein Lehramt mit Unfehlbarkeitsanspruch, sondern ein repräsentatives Leitungsgremium, welches demokratisch und auf Zeit gewählt wird und in geeigneten Städten tagt.“ (S.8) Das heißt im Klartext: die Abschaffung des Papsttumes, die Ersetzung dieses Amtes durch einen auf eine befristete Zeit gewählten Vereinsvorstand. Antirömisch wird dann noch hinzugefügt, daß dieser Vorstand seinen Sitz nicht in der ewigen Stadt Rom haben solle, sondern mobil mal hier mal dort tagen soll. Unübersehbar wird schon mit dieser ersten Detailforderung unter der Rubrik der „geschwisterlichen Kirche“ die Abschaffung der Römisch-Katholischen Kirche gefordert. Denn zu dieser Kirche gehört nun einmal konstitutiv das von Jesus Christus selbst eingesetzte Hirtenamt, das des Papstes. Petrus wurde nicht demokratisch von Jesu Jüngern (besser hieße es: Schülern) erwählt, sondern leider ganz autokratisch vom Herrn eingesetzt. Nicht ruft Jesus seinen Schülern zu: „Unterrichtet euch jetzt selbst, hütet euch jetzt selbst“, sondern er erwählt die 12 Apostel ganz und gar autokratisch, nur sie lädt er zum „letzten Abendmahl“ ein, in dem er die Feier der Eucharistie einsetzt und sie mit der priesterlichen Vollmacht der Darbringung des Meßopfers ausstattet. Und Petrus wurde nicht mal von diesem Zwölferkreis gewählt, sondern allein durch den Herrn eingesetzt.

Aber „Wir sind Kirche“ sind das nur gräuliche Anfänge des Urchristentums, die es gilt, weit hinter sich zu lassen, damit die Kirche im Lichte des deutschen Vereinswesens genese. Aber nein, so deutschtümelnd ist diese Los-von Rom-Bewegung nicht: Sie fordern als Idealgestalt der Kirche die eines gemeinnützigen Vereins nach amerikanischem Vorbild.

Es heißt dann auch: „Der Konzern Katholische Kirche muß dringend reformiert werden, das heißt in zahlreiche autonome kleine Unternehmen umgestaltet werden“. (S.8) Das wäre die Zerschlagung der Einheit der Kirche. Beachtenswert ist dabei auch das Verständnis der Kirche als das eines Unternehmens. Man könnte sagen, daß das Unternehmen Kirche sich neu auf dem freien Markt aufzustellen habe, um durch eine Dezentralisierung flexibler auf den Regionalmarkt vor Ort agieren zu können. Kirche, nein Danke, kann dieser Zerschlagungsvorschlag treffend zusammengefaßt werden. Allerlei weitere Demokratisierungsvorschläge ergänzen dann dies Grundanliegen der Umwandlung der hierarchisch verfaßten einen katholischen Kirche in eine vereinsmäßig organisierte Religionsgemeinschaft.

Randständig wird diesem Ruf zur Demokratisierung der Kirche nun eine bemerkenswerte Begründung zur Seite gestellt. „Der Wunsch nach einer Kirche, welche die Gleichwertigkeit aller Gläubigen sichtbar und strukturell zum Ausdruck bringt, ist mehr als die bloße Angleichung der Kirche an die Forderungen nach Demokratie und Emanzipation.“(S. 7) Das ist ein bemerkenswertes Selbstzeugnis. Zu allererst ist das eben die Forderung an die Kirche, sich gemäß der Welt zu gestalten. Die Welt wird damit zum normativen Maßstab für die Gestalt der Kirche. Da nun die Weltmenschen die demokratische Form für die beste aller denkbaren halten und nicht mehr die Monarchie oder die Aristokratie, müsse es die Kirche den Weltmenschen recht machen und sich gemäß ihren Vorstellungen gestalten. Implizite ist dabei die Vorstellung mitschwingend, daß die Geschichte der Kirche ein permanenter Anpassungsprozeß an die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse der Zeitgenossen gewesen sei. Verklausuliert bringt das zum Ausdruck: „Wir wissen heute durch historische und theologische Forschung mehr denn je, daß die derzeitige institutionelle Gestalt der Kirche weniger unmittelbarer Ausdruck des Willens Gottes als vielmehr die Form geschichtlich gewordener Entscheidungen und Strukturen ist.“ (S. 8) Das „geschichtlich“ deutet dabei die Einpassung der Kirche in die jeweilige Zeit an. Daß man dem urreformatorischen Anliegen, die Römisch-Katholische Kirche als Abfall vom Urchristentum mit seiner von Gott so gewollten Urordnung auf den Leim geht, wird hier nicht bemerkt. Das Anliegen dieser pseudokritischen Erforschung der Kirche ist ja immer nur das eine: die illegitime Entfernung und den Abfall der Kirche vom Urchristentum zu beweisen. Von vornherein wird dabei die Kirche als getrennt von Gott gedacht. Als solche konnte sie sich dann vom Ursprung entfernen und tat dies auch, auch wenn immer wieder mutige Reformer sie zum Ursprung zurückriefen, vor allem Luther. Warum man sich als Katholik dieser parteiischen Geschichtsschreibung zuwendet und sie kritiklos bejaht, bleibt dabei völlig unreflektiert! Aber, und das ist nun das Befremdliche: Es wird nun gefordert, so solle es auch weiterhin geschehen. Nicht Rückkehr, sondern weiter Anpassen heißt jetzt die Maxime.Wie jedes Marktunternehmen sich den jeweiligen Marktnachfragen anzupassen habe, so solle das auch die Kirche unternehmen.

Aber da dies wohl selbst den Deformern etwas zu dürftig erscheint, versuchen sie, dem noch eine theologische Rechtfertigung beizufügen. Jetzt konterkarieren sie ihren eigenen Anpassungsansatz, das Heil der Kirche läge im Sichanpassen an die Zeit, indem sie nun plötzlich ein Zurück zu den Uranfängen fordern. Jetzt gibt es plötzlich idealtypische Formen des Urchristentums, die jetzt noch normative Bedeutung haben sollen. Stellen aus dem Neuen Testament werden angezeigt, aber ohne eine Auslegung, drei Stellen aus der Apostelgeschichte, eine Paulusstelle und eine aus dem Matthäusevangelium. Das wird man wohl schwerlich eine biblische Fundierung nennen können. Sieht man sich die angezeigten Stellen an, kann man aber nur noch staunen! Die Apostelgeschichte ist nun wirklich der Beleg für die hierarchische Struktur der Urkirche! Die Apostel sind nicht demokratisch Gewählte sondern von Christus autokratisch eingesetzt. Die Apostel und Priester entscheiden im ersten Apostelkonzil ohne das Volk (Apg 15,6): Die Apostel und die Ältesten traten zusammen, um die Frage zu prüfen. Erst zur organisatorischen Umsetzung der Beschlüsse wurde dann das Volk hinzugezogen. Apg 15, 22: Da beschlossen die Apostel und die Ältesten mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen.

Und Paulus' Lehre von der Kirche und ihren Ämtern: Was hat der Vergleich mit einem Leib, in dem jedes Glied seine Aufgabe hat, mit Demokratie zu tun? Ein kleiner Blick in die jüngere deutsche Ideengeschichte hätte diesen Deformern gezeigt, daß in der Weimarer Republik gerade in antidemokratischer Intention das organologische Denken vertreten wurde: Das soziale Gemeinwesen solle nicht demokratisch aufgebaut sein, fußend auf dem Einzelmenschen, sondern das Gemeinwesen solle sich wie ein Gesamtorganismus verstehen, in dem jeder immer schon ein Glied des Ganzen ist. Paulus meint ja nicht, um im Bilde zu bleiben, daß das Auge mit dem Fuße zusammen darüber zu debattieren hätte, wie die Ohren zu hören hätten! Die Begeisterung für den urchristlichen Liebeskommunismus hat dann wohl dazu geführt, zu überlesen, daß aller Besitz den Aposteln zu Füßen zu legen war. Genau damit wird der Vorrang der Apostel in der Uhrgemeinde aber aufs deutlichste unterstrichen. Es muß also konstatiert werden, daß die angezeigten Stellen in keiner Weise Belege für eine demokratische Struktur des Urchristentums sind.

Wenn man sich dann noch vor Augen hält, daß das Verhältnis Jesu zu seinen Jüngern das eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses war, dann wundert es nicht, daß sich diese Struktur im Urchristentum prolongiert in dem Verhältnis des Amtes zur Gemeinde. Die Apostel setzt der Lehrer Jesus ein als seine Nachfolgelehrer, und die wiederum setzen ihre Nachfolgelehrer ein. Nirgends findet sich ein Indiz für eine demokratische Wahl der Apostel oder Presbyter in der Bibel!

Nun wird versuchsweise auch ein theologisch systematisches Argument beigebracht: „Eine Kirche will Zeichen sein für die unbedingte Zuwendung Gottes zu den Menschen“. Und diese unbedingte Zuwendung zu jedem Menschen verlange nun eine Demokratisierung der Kirche! Die Vorstellung einer unbedingten Zuwendung Gottes zu den Menschen ist nun selbst eine sehr fragwürdige Darlegung des Verhältnisses Gottes zu den Menschen. Gott will das Heil aller Menschen, das könnte man als unbedingten Heilswillen Gottes bezeichnen. Aber er setzt einen Ordo Salutis. „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt“. Mk 16,16 kann als Kurzfassung dieses Heilweges bezeichnet werden. Somit werden Bedingungen gesetzt für das Heil; das Heil gilt nicht jedem bedingungslos.

Zur Veranschaulichung: Wenn ein Lehrer sagt, ich möchte, daß alle am Ende des Schuljahres die Versetzung schaffen, dann kann das der Ausdruck der Liebe des Lehrers zu seinen Schülern sein. Wenn dann aber nicht alle die Versetzung schaffen, einige also sitzen bleiben, widerspricht das nicht der Nächstenliebe des Lehrers. Es zeigt aber, daß es sich mit der unbedingten Nächstenliebe zu den Schülern verträgt, Anforderungen an die Schüler zu stellen, und wenn diese Anforderungen nicht geleistet werden, Schülern die Versetzung zu verweigern. Das Ziel des Eintrittes in das ewige Leben ist an Bedingungen geknüpft, die der Mensch zu erfüllen hat, also, daß er glaubt und getauft wird. Erfüllt er sie nicht, tritt er nicht ein ins Reich Gottes. Es gehört zur Grundsubstanz der Reich-Gottes-Verkündigung, daß Jesus nicht verkündet, daß jeder, der eintreten möchte in das ewige Leben, auch eintreten dürfe. Deshalb gibt es keine unbedingte Zuwendung Gottes zu den Menschen, wenn darunter die hinreichende Bedingung für den Eintritt in das Reich Gottes verstanden würde.

Warum nun aber Gottes unbedingter Heilswille, daß alle das ewige Heil erreichen sollen, eine demokratische Struktur erfordern soll, ist völlig unklar! Um des Zieles willen, daß alle Schüler die Versetzung schaffen oder alle Kranken eines Spitales Gesundung erfahren, wird ja auch niemand eine demokratische Organisation der Schulen oder der Spitäler einfordern! Und: im Urchristentum gab es keine Demokratie. Sie gab es nur als Forderung der Rote Korachs, die gegen Gottes Ordnung der Hierarchie protestierte mit der Revolutionsparole: „Alle sind heilig, die ganze Gemeinde, und der Herr ist mitten unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?“ ( Num, 16,5). Um dieser Revolution wider die von Gott eingesetzte Hierarchie willen wurde diese Rotte von Gott selbst ausgerottet!

Also resümieren wir: Die Vorstellung einer unbedingten Zuwendung Gottes zu den Menschen schließt die Tatsache nicht aus, sondern ein, daß Gott uns den Weg des Heiles offenbart hat, der die Bedingungen des Eingelassenwerdens in das Reich Gottes benennt. Nur, wer diese Bedingungen erfüllt, geht ein ins Reich. Völlig unklar bleibt dann aber, warum Gottes unbedingter Heilswille eine demokratische Struktur der Kirche erheischen soll. Jesus Christus war kein Demokrat, und nie war die Kirche demokratisch! Es bleibt so nur eines übrig: „Wir sind Kirche“ fordern die Demokratisierung der Kirche, weil die Weltmenschen die Demokratie für die beste Organisationsform erachten. Aber so würde doch zu oberflächlich geurteilt. Des Pudels Kern ist nämlich die Frage: Wer ist der Herr der Kirche? Demokratie heißt, daß das Volk herrschen soll und nicht mehr ein von Gott eingesetzter Monarch. Der antimonarchischen Intention der Forderung nach der Demokratie als der wahren Regierungsform liegt so eine antitheozentrische Intention zugrunde: Gott soll nicht mehr durch einen von ihm dazu Erwählten regieren, sondern das Volk. Und so ist auch die Forderung nach einer Demokratisierung der Kirche im wesentlichen die Forderung nach der Entmachtung Jesu Christi selbst: Er soll nicht mehr regieren, sondern wir Menschen wollen selbst in der Kirche regieren und so die Kirche zu unserer Kirche machen. Wenn der Herr nicht mehr der Herr ist über seine Kirche, dann erst kann sie frei nach dem Belieben unserer menschlich allzumenschlichen Wünsche umgestaltet werden.

Es ist eine altbekannte Tatsache, daß die Demokratie immer gefährdet ist, sich zur Ochlokratie zu pervertieren. Überfliegt man das Dossier und nimmt wahr, welchen beherrschenden Stellenwert das Thema Sex einnimmt, die Kirche solle ihre Sexualmorallehre liberalisieren, dann zeigt dies wohl eine ochlokratische Tendenz in dieser Reformbewegung auf. Ihr Bauch ist ihnen nicht mehr ihr Gott, wie Paulus einst seine Kritiker entlarvte, sondern ihre sexuellen Wünsche und Begierden. Das gibt dieser Reformbewegung ihren vulgären und darum so populären Charakter. Man denke an die bittere Wahrheit, daß die Forderung nach einer Demokratisierung der Kunst immer nur ihre Pornographiesierung zur Folge hat!


Volle Gleichberechtigung der Frauen

Der zweite Forderungskatalog der vollen Gleichberechtigung der Frauen ist eine Addition von der Forderung der Demokratisierung der Kirche und der Forderung, daß alle Ämter und Leitungsämter Frauen offen stehen sollen, also das Frauenpriestertum eingeführt werden soll. Zu diesem Punkte ist schon so vieles geschrieben worden, daß ich hier nur noch Eulen nach Athen tragen könnte. Deshalb sei hier nur auf ein Problem hingewiesen. Der Priester empfängt in der Weihe die Vollmacht, Wein in das Blut Christi, Brot in den Leib Christi zu verwandeln. Jetzt könnte jemand meinen, daß Brot und Wein für die Feier der Eucharistie aus dem kulturellen Kontext des Urchristentums sich ergeben haben. Jetzt könne man auch statt Wein Bier nehmen und statt immer Brot auch eine Bratwurst. Jetzt spräche der Priester über Bier und Bratwurst die Konsekrationsworte - würde sich dann Bier in das Blut Christi und die Bratwurst in das Fleisch Christi wandeln? Mitnichten! Die Vollmacht zur Wandlung bezieht sich auf Brot und Wein und nicht auf Bier und Bratwurst!

Christus hat Männer zu Priestern geweiht, als er die erste Eucharistie feierte, und keine Frau, nicht einmal Maria, seine Mutter. Wie nehmen nun die Befürworter des Frauenpriestertumes an, daß eine Frau die Vollmacht zur Konsekration empfangen kann? Der Empfänger muß zur Gabe passen! Nur Brot und Wein gilt die Vollmacht des Verwandeltwerdens, nicht dem Bier. Männern gilt die Verheißung, daß sie nach Gottes Ordnung die priesterliche Vollmacht empfangen können. Wo gibt es die Verheißung Christi, daß diese auch Frauen empfangen können? Wo gibt es im alten Bund Priesterin? Und warum soll es dann im neuen Bund Priesterin geben? Es ist zu vermuten, daß es Frauen, die zum Priestertum geweiht würden, so erginge wie dem Bier, über das ein Priester die Wandlungsworte spräche: Es geschähe nichts; das Brot bliebe Brot und die Frau ohne die Priestervollmacht. Denn der Empfänger muß von seiner Natur zu der ihm durch das Sakrament übermittelten Gnade passen! Daß die Frau von ihrer Natur dazu passe, dafür gibt es keinen Beleg in der hl. Schrift oder in der Lehre der Kirche! Und ohne die durch das Weihesakrament vermittelten geistlichen Vollmachten wären alle Amtshandlungen des Priesters vollkommen ungültig. Das heißt konkret: Wer die Kommunion in einer von einer Priesterin geleiteten Eucharistiefeier empfinge, der empfinge nichts außer Brot und Wein! Wer bei ihr beichtete, empfing keine Lossprechung seiner Sünden. Die Gemeinde würde so nur betrogen werden, erhielte sie Priesterin! Wer das Frauenpriestertum fordert, damit überall wieder Eucharistie gefeiert werden könne, schafft damit die Eucharistie ab, weil so die Gemeinde nur Brot und Wein empfinge und sonst nichts! Nebenbei: Im Protestantismus hat zuerst Luther das Priestertum abgeschafft, indem er das Meßopfer beseitigte und nur ein sakramentales Abendmahl übrigließ. Daß eine Frau die Leiterin eines Mahles sein kann, das paßt dann auch zur Natur der Frau als Hausfrau, und so war es dann auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Frauen Pfarrerin werden durften. Aber es gibt keine evangelische Priesterin, weil es im Protestantismus auch keine Priester gibt.

Zudem: Die Forderung nach einer Veränderung der Zugangsbedingungen zum Priesteramt wird dabei lautstark begründet mit der Wichtigkeit der Eucharistiefeier für die Gläubigen. Damit es keine Gemeinde ohne die Eucharistiefeier gäbe, solle der Zölibat fallen und das Frauenpriestertum eingeführt werden. Könnte man meinen, daß den Deformern also die Eucharistiefeier so wichtig ist, wird man kurz darauf aber eines besseren belehrt: „In priesterlosen Gemeinden hat die Zusammenkunft zum sonntäglichen Gemeindegottesdienst (zum Beispiel Wortgottesdienst) Vorrang vor der Teilnahme an einer Eucharistiefeier in einer Nachbargemeinde.“ (S. 22) So unwichtig ist hier die Eucharistie, daß man auf sie verzichtet, um nicht in der Nachbargemeinde sie zu feiern! Man bleibt lieber daheim ohne das Altarsakrament!


Freie Wahl zwischen zölibatärer und nichtzölibatärer Lebensform

Der dritte Punkt spricht nun das materiale Hauptthema der Reformbewegung an, das Thema: Sex. Zwischen dem formalen Anliegen, dem der Demokratisierung, dem Außerformbringen der Kirche und der Forderung nach der Aufhebung des Zölibates für Priester besteht ein enger Zusammenhang.

Die Demokratisierung ist die formale Voraussetzung dafür, daß nun die Menschen frei nach ihrem Geschmack und ihren Wünschen die Inhalte der Kirche bestimmen. Und die Verpflichtung zum priesterlichen Zölibat ist nun eine Ordnung, die unserer ganz vom hedonistischen Geist erfüllten Zeit zutiefst zuwider sein muß. Als Argument wider den Zölibat fungiert wieder die Zauberformel vom geschichtlich Gewachsensein dieser Ordnung. Damit soll die Relativität dieser Ordnung fundiert werden. Gewachsensein meint dann nicht eine Weiterentwicklung aus den Anfängen heraus, sondern ein Bedingtsein durch externe Ursachen, sodaß das Wachsen mehr ein Fremdbestimmtsein durch anderes ist als eine selbständige Selbstentwicklung. Unreflektiert wird dabei zudem vorausgesetzt, daß die Geschichte der Kirche eine ohne Gott ist. Der Hl. Geist mag zwar beim ersten Apostelkonzil gegenwärtig gewesen sein. Dort konnte das Apostelkonzil noch von sich sagen: „Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28), aber das darf eben für alle anderen Entscheidungen der Kirche nicht mehr gelten. Denn sonst müßten ja die weiteren Beschlüsse von Konzilien auch verbindlich sein. Das sei aber ferne! rufen unsere Reformer von „Wir sind Kirche!“

Weil diese Ordnung nur geschichtlich entstanden sei, sei sie nicht verbindlich, ist somit eine These, die mit dem katholischen Verständnis von der Kirche als Leib Christi nicht vereinbar ist. Denn die Kirche glaubt an ihr Geführtwerden durch ihren Herrn, ihr Haupt Christi. Gerade weil es eine katholische Ordnung geworden ist, eine, die die ganze Römische Kirche praktiziert, ist es auch eine wahre Ordnung.


Positive Bewertung der Sexualität

Der vierte Punkt der Reformagenda wurde nun schon durch den dritten vorbereitet. Es wird eine positive Bewertung der Sexualität gefordert. Die Kernthese lautet, daß es die Aufgabe der Kirche sei, ihren Mitgliedern zu helfen, eine ihrem Gewissen gemäße Praxis der Sexualität zu finden. (S. 25) Das wäre die Aufgabe der gesamten Morallehre der Kirche zugunsten einer protestantischen Gewissensethik. Mein Gewissen allein ist für mich die letztgültige Entscheidungsnorm. Damit wird die Moral der Gewissensfreiheit untergeordnet und zum Spielball der menschlichen Willkür. De facto wird so der Zeitgeist zur Quelle der Morallehre der Kirche. Das Dossier nennt das, ihren Gliedern einen Freiraum zu gewähren, in dem sie dann selbstverantwortlich entscheiden können. Und damit schließt sich der Kreis, indem wir so auf die erste Forderung zurückverwiesen werden, die nach der Abschaffung des päpstlichen Lehramtes. Diese Forderung beinhaltet somit auch die Forderung nach der Abschaffung jeder verbindlichen kirchlichen Morallehre zugunsten der Vorstellung, daß jedem sein Gewissen die letztverbindliche Instanz der Moral ist und somit nicht die Lehre der Kirche.

Damit könnten wir diesen Punkt abschließen, gäbe es da nicht noch die Forderung nach einer Rückkehr zur Teilnahme der kirchlichen Beratungsstellen für Schwangere in die staatliche Pflichtberatung. (S. 25) Das Entscheidende ist dabei, daß in Deutschland Mütter ihre ungeborenen Kinder nur straffrei töten lassen können, wenn sie einen Schein vorlegen, der ihnen bestätigt, daß sie sich von einer staatlich anerkannten Beratungsstelle beraten lassen haben. Nur wer bereit ist, solche Lizenzen zum Töten auszustellen, kann anerkannter Partner der staatlich anerkannten Beratung sein. Ob der Pflicht zur Ausgabe solcher Tötungslizenzen ist die Kirche in Deutschland aus dieser Beratungspraxis ausgetreten. Nicht trat sie aus, weil sie Schwangere nicht beraten will, sondern weil die Ausstellung von Tötungserlaubnissen von ungeborenen Menschen mit der Moral der Kirche unvereinbar ist. „Wir sind Kirche“ wollen dagegen, daß die Kirche Beihilfe zum Töten von ungeborenen Kindern leistet durch das Ausstellen dieser Tötungserlaubnisscheine.

Professor Häring bringt das in seiner Kritik am hl. Vater Franziskus auf den Punkt im Geiste dieser Reformbewegung, wenn er kritisiert, daß der Papst gegen Abtreibung, Homosexualität und das Frauenpriestertum ist. Hier müsse der Papst seine Meinung ändern. (Vgl.: Internetseite: Wir sind Kirche Deutschland, Aussendung Härings zum hl. Vater Franziskus.)

Wir kennen den makaberen Witz: „Was ist Demokratie? Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Lamm darüber entscheiden, was es zum Mittagessen gibt.“ Die ungeborenen Kinder sind so das prominenteste Opfer von „Mehr Demokratie wagen!“ So einst W. Brandt, und diese Reformbewegung stößt ins selbe Horn: Unter dem Vorwand des Beratenwollens will sie wieder Tötungslizenzen ausstellen lassen!


Frohbotschaft statt Drohbotschaft

Als Abschluß kommt nun noch der skurrilste Teil: „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“. Der Untertitel lautet: „Mehr helfende und ermutigende Begleitung und Solidarität anstelle von angstmachenden und einengenden Normen.“ Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß unser Heiland diese moderne Seelsorgemaxime noch nicht gekannt hat und so auch nicht praktizierte! Wenn er das schon gewußt hätte, nie hätte er gesagt: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden!“ ( Mk, 16,16 ) Zu der Frohbotschaft „wird gerettet werden“ gesellt sich gleich die Drohbotschaft zu „wird verdammt werden“.

Ob im Sinne von „Wir sind Kirche“ Ärzte demnächst nicht mehr ihren Patienten drohen dürfen: „Wenn sie sich nicht operieren lassen, werden sie in Bälde sterben?“ Dürfen Sie nicht mehr zum Raucher mit schwerer Lungenentzündung sagen: „Wenn sie nicht aufhören mit dem Rauchen, werden sie nicht mehr gesunden?“ Lassen wir diese Abstrusität auf sich beruhen. Es kann keinen Weg des Heiles geben, der nicht verbunden wäre mit der Warnung und Drohung, daß, wer diesen Weg nicht beschreitet, nicht das Ziel des Heiles erreichen wird. Das gehört konstitutiv zu jeder Heilslehre dazu. Wo es eine offenbarte und erkannte Wahrheit gibt, da ist immer auch die Warnung vor den Folgen der Mißachtung der Wahrheit zugegen!


1Vgl.: Dossier Kirche in Bewegung, Publik Forum Januar 1996.

Samstag, 9. Mai 2026

Wenn wir alle Pazifisten würden, würde die Welt dann nicht eine der Gewaltlosigkeit und des Friedens?

 

Wenn wir alle Pazifisten würden, würde die Welt dann nicht eine der Gewaltlosigkeit und des Friedens?


Die Antwort muß ein eindeutiges „Ja“ sein. Gerade jetzt,wo der Krieg als ein Mittel der Politik faktisch rehabilitiert worden ist und die Rüstungsausgaben immens gesteigert werden, wenn da nun jeder für sich beschlösse, ab jetzt pazifistisch zu leben, endete sofort jeder Krieg und jegliche Gewaltanwendung fände ihr Ende. Wenn meine Maxime, Pazifist zu werden, die aller Menschen werden würde, dann wäree das das Beste, was der Welt passieren könnte. Aus dieser Überlegung heraus hatte ich selbst dann den Kriegsdienst verweigert, Man müsse doch den Pazifismus als die Lebenspraxis für sich erwählen, wenn diese Wahl die bestmögliche für den Frieden ist.

Nehmen wir nun mal ganz utopistisch an, daß jeder Weltbürger sich zum Pazifismus bekehrte um einer friedlichen und gewaltfreien Welt willen, was geschähe dann? Mindestens einer käme auf diesen Gedanken: Wenn alle Pazifisten sind, ich aber Gewalt als das Mittel einsetze, um meine Privatinteressen durchzusetzen, es könnte keiner mehr sich mir erwehren, setzte ich nur rücksichtslos das Mittel der Gewalt ein. Der Erfolg dieser Gewaltstrategie führte dann dazu, daß immer mehr Menschen zu Gewaltmenschen würden, denen die pazifistisch Gesonnenen zu wehrlosen Opfern werden. Orientierte sich jeder Weltbürger an dem Ziele des Gemeinwohles, wäre der Pazifismus die Lebenspraxis jedes Weltbürgers, aber faktisch neigt der Mensch dazu, zuvörderst seine Privatinteressen durchzusetzen und wenn er das nicht ohne eine Gewaltanwendung kann, dann wählt er auch das Mittel der Gewalt. Wenn dann der Gewalttäter ohne eine Bestrafung fürchten zu müssen, und eine Bestrafung könnte es ja in einer gewaltfreien pazifistischen Welt nicht geben, gewalttätig werden könnte,endet der Pazifismus aller notwendig um des Überlebens der Pazifisten willen. Die letzte Konsequenz des Pazifismus wäre so der totale Bürgerkrieg, in dem die Pazifisten das erste Opfer wären.

Werden Menschen photographiert: „Achtung – Photo!“ lächeln wir in die Kamera und zeigen dabei immer auch unsere Zähne.Unsere Zähne sind ursprünglich unsere natürlichen Angriffswaffen mit der Botschaft: „Ich kann Dich beißen!“ Zwei Handlungsoptionen bietet so der seine Zähne Zeigende und sein gegenüber Anlächelnde an: „Wollen wir friedlich miteinander umgehen oder ich kann Dich auch angreifen?“ Die scharfen Zähne des Gegenübers lassen dann viele einen friedlichen Umgang wählen.Was würde aus unserer Welt, lebten 99 Prozent zahn- und bißlos und der Rest griff bewaffnet mit seinen Zähnen an?

Freitag, 8. Mai 2026

Eine vergessene oder verdrängte Revolution im Himmel

 

Eine vergessene oder verdrängte Revolution im Himmel


Man möge sich bitte dies Szenario vorstellen: Ein Prinz verliebt sich in eine Stallmagd, heiratet sie und so avanciert sie zur Königin und nun grüßte sie ein Bauer mit: „Ja, Maria, unsere Stallmagd!“

Empörte sich nicht der König über diese Titulierung, daß sie- seine Frau als eine Magd gegrüßt wird? Maria, die Gottesmutter ist nicht nur leiblich in den Himmel aufgenommen worden sondern da zur Königin des Himmels gekürt worden. Sie ist jetzt nicht nur eine Königin sondern die einzige des Himmels.Die Bestimmung einer jeden Königin ist es, zu regieren, zu herrschen.Auch Maria regiert nun, herrscht – aber wem ist sie dann als ihre Königin vorangestellt? Sie ist inthronisiert worden zur Königin der Engel!

Eine wahrhafte Revolution hat sich somit hier ereignet: Ein Mensch, gar eine Frau avanciert durch Gott selbst zur Königin des Himmels. In einer sehr schönen Predigt hörte ich, daß die größte Freude der Engel es sei, ihrer Königin ihre Wünsche von den Lippen abzulesen, um sie dann zu erfüllen.

Hätten wir Menschen nur einen Vater im Himmel, wir glichen Halbwaisen und deswegen stellte Gott die Mutter Gottes sich als die Himmelskönigin zur Seite,damit wir nicht mutterlos zu leben haben.

Unsere Gebetspraxis zeigt das: Es existiert wohl keine katholische Kirche, in der kein Marienaltar installiert ist, sodaß wir da zu unserer Mutter beten, Opferkerzen anzünden vertrauend auf ihre mütterliche Hilfe. Wie Kinder sich mit ihren Wünschen und Anliegen lieber an ihre Mutter als an ihren Vater wenden, so wenden wir Kinder Gottes uns auch lieber an sie.

Gott selbst hat uns diese Ordnung gegeben, damit uns so die Kommunikation mit ihm leichter fällt, indem unsere Mutter unser Beten in Gott wohlgefälliges umwandelt.

Das ist wirklich eine Revolution des Himmels dar: Maria ist unsere Himmelskönigin!

Ist der Pazifismus mit dem Gebot der Nächstenliebe vereinbar?

 

Ist der Pazifismus mit dem Gebot der Nächstenliebe vereinbar?



Als ich Theologie studierte, in den 80 er Jahren, erlebte Deutschland die Blütezeit der Friedensbewegung wider die Aufrüstungspolitik der Nato und viele Theologiestudierenden bekannten sich zum Pazifismus aus ihrem Glauben heraus.Nebenbei: Die politischen Ziele der damaligen Friedensbewegung: „Nein zur Natoaufrüstung!! bejahe ich auch heute noch, es geht mir so hier also nicht um eine Kritik der Friedensbewegung sondern allein um die Frage, ob ein Christ ein Pazifist sein kann.

Damals führte ich das Gespräch mit Christin immer so, wenn denn ein Gespräch zu dieser Causa führbar war, meist sprach man auch damals schon nur im Kreise der Gleichgesinnten.

Stelle Dir bitte vor, Du hättest ein Mädchen, Deine Tochter, ein bildhübsches Madel von 12 Jahren. Du kommst vom Einkaufen nach Hause. Da siehst Du: Im Wohnzimmer liegt Deine Tochter, völlig entkleidet, ein fremder Mann über sie gebeugt, sie ist offenkundig vergewaltigt worden und er will jetzt ihr ein Brotmesser in die Brust rammen.

Glaubst Du wirklich, daß Du nun nicht Gewalt anwenden darfst, um das Erstechen Deiner Tochter zu verhindern?“ Zusätzlich frug ich: „Glaubst Du wirklich, daß dieser Vergewaltiger Deiner Tochter sich von ihrer Ermordung abhalten ließe, indem Du ausruft: „Das dürfen Sie nicht! Das ist unmoralisch!“? Keine Studentin blieb pazifistisch: Um des Lebens ihres Kindes willen, hätte jede Gewalt angewendet.

Bei einem Gespräch mit Theologiestudenten variierte ich dieses Ereignis leicht: statt Mädchen sagte ich da: „Deine Freundin“.

Diese Extremsituation führt aber zu einem eindeutigen Resultat: Die Nächstenliebe ist nicht vereinbar mit dem Pazifismus! Es gibt Situationen, da um der Nächstenliebe willen, der Christ Gewalt anzuwenden hat.Allerdings ist auch zu sagen, daß in der Politik zu oft und zu schnell die Option des Krieges gewählt wird. 

Dienstag, 5. Mai 2026

Unsere Sprache: Grenze oder Reichtum unseres Denkens?

 

Unsere Sprache: Grenze oder Reichtum unseres Denkens?


Das berühmte Zitat >Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt< von Ludwig Wittgenstein (Tractatus) besagt, dass unser Verständnis der Realität durch die sprachlichen Begriffe und Strukturen, die uns zur Verfügung stehen, begrenzt wird. Sprache prägt Wahrnehmung, Denken und Handeln, da wir Phänomene, für die uns Worte fehlen, schwerer fassen können. So faßt der KI, abgefragt am 5.5,2026 das Problem: Die Sprache- Grenzen unseres Verstehens treffend zusammen.“


Das klingt auf den ersten Leseeindruck hin gut, aber löst sich sofort auf, wenn über das da Geschriebene nachgedacht wird. Es gibt nicht nur indikativische Aussagen, die die Realität wiedergeben sondern auch konjunktivische:“Statt jetzt diesen Beitrag zu schreiben, könnte ich auch meinen Karl May Roman weiterlesen.“ Diese konjunktivische Aussage bezieht sich aber nicht auf die Realität, denn in der schreibe ich jetzt und lese nicht.Es gibt auch imperativische Aussagen: „So soll es sein!“, aber die beziehen sich nicht auf die Realität, wie sie ist. Und jede futurische Aussage bezieht sich auf etwas, was noch nicht eine Realität ist, aber eine werden könnende ist.In unserer Sprache transzendieren wir so die Realität und erschließen uns darin Welten, die nicht wirklich sind, die der Freiheit und die der Moral, des Sollens. Unser Handeln ist stets auf eine Zukunft ausgerichtet,solange das Ziel der Handlung noch nicht erreicht ist und das Zukünftige ist noch keine Realität.

Kunstwerke sind so auch nicht einfach Abbilder einer Realität, welche sollte denn da eine Gustav Mahler Symphonie oder „Der Herr der Ringe“ wiedergeben, sondern gewähren uns ein Eingehen in Kunstwelten,die zwar Ähnlichkeiten mit unsere Lebenswelt aufweisen, aber doch rein Künstliches sind.

Fragen wir weiter: Käme je ein Schachspieler auf die Idee, das Regelsystem des Schachspieles als die Begrenzung seines Spielens zu beurteilen? Mitnichten, denn dieses Regelsystem ermöglicht ja erst unendlich viele Möglichkeiten. Ohne dies Regelsystem existierte nämlich für einen Spieler überhaupt keine Möglichkeit, einen Spielzug zu vollziehen.

Die Sprache ist so der notwendige und hinreichende Ermöglichungsgrund unseres Denkens, das nicht nur die Bestimmung zum Begreifen der Realität in sich trägt.

Theologisch gewendet bedeutet das, daß alles durch den Logos ist, vgl den Johannesevangeliumsprolog) sodaß die Welt, die Totalität logozentristisch ist.Unserem Denken, das immer ein sprachliches ist, korreliert die Realität, da auch sie die Hervorbringung des göttlichen Denkens ist. Aber auch die die Realität transzendierenden Welten der Freiheit und des Sollens sind durch den Logos und so auch in der Sprache des Denkens denkbar.

Das sprachliche Denken ist der Reichtum des Menschen und befähigt uns gar dazu, die Realität zu transzendieren.


Ein großes Unrecht wird aber in der Betrachtung der Sprache der Schriftlichkeit der Sprache angetan. Das gliche einem Weinkenner, der meinte, es wäre für den Genuß eines Weines gleichgültig, ob er den Wein aus einem Weinglas oder einer Teetasse trünke, denn das Trinkgefäß sei dem Getränk rein äußerlich.So steht die Schrift in dem Verruf, der gesprochenen Sprache rein äußerlich zu sein und deswegen dem Aussagegehalt des Gesprochenen gleichgültig gegenüberstehend.Wer sich aber einmal das Verglügen geleistet hat, Werke in ihrer Originalorthographie gelesen zu haben, dem wird dieser Irrglaube schnell vergehen: Er wird das literarische Werk dann so genießen, wie ein Weinkenner einen guten Wein nur aus einem Weinglas genießen will.

Unsere Mutter als unsere Fürbitterin

 

Unsere Mutter als unsere Fürbitterin (Auszug aus meinem Buch: "Der zensierte Gott"


Der heilige Dominikus und der heilige Franziskus von Assisi waren beide von ihrer Kindheit an bis zu ihrem Tode ganz besondere Verehrer Mariä, der allerseligsten Jungfrau. -Sie nahmen in allen großen und wichtigen Angelegenheiten ihre Zuflucht zur himmlischen Gottesmutter. -Der heilige Dominikus betete, wie er selbst erzählt, nach seiner Gewohnheit nachts in der Kirche. -Da sah er, wie der Sohn Gottes zur Rechten des Vaters ganz erzürnt aufstand, um alle Sünder auf Erden zu vertilgen. -Er schwang drei Lanzen: eine wider die Hochmütigen, eine wider die Habsüchtigen und eine wider die Wollüstigen. -Da sich niemand widersetzen durfte, kam die Mutter Gottes, umfing Jesu Füße und bat ihn, doch diejenigen,die er mit seinem Blute erlöst hätte, zu verschonen und Barmherzigkeit vor Recht walten zu lassen.- „Siehst du nicht“, sagte ihr Sohn, „wie viele Unbilden sie mir zufügen? -Länger kann meine Gerechtigkeit so viel Böses in allen Ständen nicht dulden.“ -Allein die Mutter erwiderte: „Du weißt alles, also auch die Weise, wie du sie wieder zu dir zurückführen kannst. -Sieh, ich habe einen Diener, einen eifrigen Verehrer, den du in die Welt hinaussenden wirst, auf daß er ihnen deinen Willen verkünde, und so werden sie sich wieder zu dir, ihrem Heilande bekehren. -Und dann habe ich noch einen treuen Verehrer und Diener. Diesen will ich dem ersten zum Gehilfen geben.“ Da sagte der Sohn: „Ich bin versöhnt, aber zeige mir jene, welche du zu diesem großen Geschäfte ausersehen hast.“ -Da führte die Gottesmutter ihm den heiligen Dominikus zu. Dieser sah auch im Gesichte den heiligen Franziskus, den er vormals nie gekannt hatte. -Da er ihn am anderen Tage in der Kirche sah, erkannte er ihn und sagte: „Du bist mein Gefährte! Laß uns zusammenstehen, und kein Feind wird uns besiegen.“1


Soweit diese Geschichte! Da sagte der Sohn: „Ich bin versöhnt.“ Das ist die Zentralaussage dieser Szene aus dem Leben Jesu. Jesus Christus kann unversöhnt sein! Die Sünden der Menschen, ihr Hochmut, ihre Habsucht, ihre Wollust zerstören das Liebesverhältnis Gottes zu den Seinen. Er zürnt denen, die er selbst mit seinem Blut erlöst hat. Diesen Erlösten zürnt er. Diese will er vertilgen, weil sie so viel sündigten, und das, obwohl sie durch Jesu Blut Erlöste sind. So ernst nimmt Jesus Christus unser Sündigen. Ob unserer menschlichen Sünden stehen wir, obgleich Getaufte und durch sein Blut Erlöste, wieder unter Gottes Zorn.

Die Mutter Gottes versöhnt nun Jesus, indem sie ihm ihren Plan aufzeigt zur Bekehrung und Umkehr der sündigenden Menschen. Jetzt wollen wir aber nicht auf diesen marianischen Rettungsplan schauen, nein, sondern auf die Umkehr Jesu. Zuerst kehrt er um, indem er abläßt von seinem Zorn. Maria bittet Jesus, und diese Bitte, ihr Gebet ändert Gott. Er will jetzt, was er vorher nicht wollte.

Wer dies nun für eine mythologisierende Erzählung hält, die Gott und seinem Sohn nicht gerecht werden, weil der dreieinige Gott nichts als die Liebe ist, der möge jetzt Paulus Römerbrief 1-8 überfliegen. Es ist eine große Erzählung vom Zorn Gottes über die Menschen, Juden wie Heiden, und wie sie alle gegen Gott sündigten, obwohl sie wußten, wie sie zu leben haben gemäß Gottes Willen, bekannt gemacht durch die Offenbarung des Gesetzes und im Gewissen und wie durch das Kreuz Christi und den Glauben die Wende eintritt, daß Gott, durch das Kreuz Christi versöhnt, sich wieder liebend den Menschen zuwendet, die an Jesus Christus glauben. Hier braucht uns nur die Struktur zu interessieren: daß Gott den Menschen zürnt, weil sie Sünder sind und daß durch das Kreuz versöhnt, Gott sich wieder neu den Menschen zuwendet.


Die Zentralaussage lautet also: Gott kann sich ändern! Er kann zürnen und er kann seinen Zorn wieder zurücknehmen. Was wird aber aus der Geschichte Gottes mit den Menschen, streichen wir diese Vorstellung aus dem Gottesbild heraus? Was bleibt von der Geschichte, wenn es weder Gottes Zorn noch Gottes Umkehr gibt? Es entstünde ein Aufklärungsroman über Gott, der immer nur der uns Menschen Liebende war, ist und sein wird und die Einsicht, daß wir Menschen uns viele falsche Vorstellungen von Gott gemacht haben, von denen uns Jesus befreite, indem er verkündete: „Gott ist die Liebe! Befreit euch von euren falschen Gottesbildern, daß er auch heilig und gerecht, zürnend und vergebend ist, daß er Opfer fordert, daß er unsere Nachfolge will. Er will nichts von uns! Er ist einfach nur Liebe.“ Nur, dieses Gottesbild ist nicht das des Alten Testamentes, nicht das von Jesu Christi, nicht das, das die Kirche verkündete, sondern ein erdichteter Gott, ein Phantasiegott, den es nur in den Vorstellungen modernistischer Theologen gibt!


Halten wir so dies fest: der Philosoph Platon sagt, daß um der Moral willen folgende religionsphilosophischen Voraussetzungen gemacht werden müssen. Von Gott bzw. von den Göttern muß gedacht werden, daß sie sind, daß sie sich um die Menschen kümmern und daß es nicht leicht sei, ihre Gunst zu erlangen.2 Platon sieht als Gefahr für die Moral die Vorstellung an, daß der Mensch leicht die Gunst Gottes wiedererlangen könnte durch das Darbringen von Opfern und Gebeten. Es sei en passant daran erinnert, daß auch heute noch im Verborgenen über Katholiken gelästert wird, daß sie es mit der Moral nicht so genau nähmen, bräuchten sie doch nur, wenn sie gesündigt haben, einen Rosenkranz beten, und ihnen sei alles vergeben! Wer bemühte sich schon um ein moralisches Leben, wenn man so leicht seine Sünden los werden könnte! Die christliche Religion sieht dies anders, denn sie glaubt an Jesus Christus, das wahre Gott dargebrachte Opfer, und dies Opfer ist kein leichtes! Die christliche Religion weiß aber, daß wenn Gott zürnt, es eines Opfers bedarf, das Gottes Zorn stillen kann. Welches Opfer das vermag, das wird uns erst das Kreuz Christi zeigen und uns vor die Frage stellen: wie verhält sich dies eine Opfer Christi zu den vielen anderen Opfern? Jetzt soll aber nur dies festgehalten werden: Gott kann und will umkehren. Er kann und will über uns Menschen zürnen, wenn wir gegen ihn sündigen. Er kann und will aber auch seinen Zorn von uns wieder abwenden. Ihn kann sein Zorn reuen, wenn er uns wieder gnädig sein will!


Ganz anders der zensierte Gott! E. M. Mørstad schreibt dazu treffend: „Weg mit einem heiligen Zorn Gottes über die Sünde, weg mit dem lieblosen, strafenden Gott! Das Golgatha war ja ein Zusammentreffen ungünstiger Umstände durch Menschen, die nichts wußten; das sagte ja Jesus selbst am Kreuz. Ach, diese reine Gestalt Jesus, dieser Verwirklicher der Nächsten- und Gottesliebe! Er starb aus Liebe zu allen Menschen, nicht weil er von einem brutalen, primitiven Gott als Sühne für die Sünden der Welt geopfert wurde! Da war Paulus noch ganz jüdisch und alttestamentlich. Das Evangelium der Liebe verstand sogar er nun eben nicht so ganz hundertprozentig, obwohl er, und das geben wir immerhin zu, so ergreifend schön von der Liebe sprach: Die Liebe `duldet alles`.


JHWH nunmehr geleugnet - sollte das sogenannte `Heil` nur unter der Kategorie der `Liebe`konzipiert werden, und also zugleich der sogenannte `Gott`?. Nicht länger durfte Jesus der in seinem Blut unter dem Zorn Gottes des Vaters sterbende Gott und Mensch sein, der unbedingt notwendige Versöhnungspriester, Stellvertreter und Heiland des Menschen, für alle Menschen das notwendige Opferlamm.“3 Mørstad malt uns hiermit das Musterbild des der Zensur zum Opfer gefallenen Gottes aus. Weil Gott nur noch die Liebe sein soll, wird aus dem religiösen Gottesbild alles den modernen Menschen Anstößige gelöscht: Gott darf nicht mehr zürnen über die Sünde des Menschen, er darf keine Opfer mehr fordern. Damit wird notwendigerweise das Gottesbild des Alten Testamentes als für uns Heutige nicht mehr zumutbar ausgelöscht. Ein paar wenige Stellen kann man dann vielleicht noch stehen lassen, etwa das Bild des Gottes, der Israel aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit, selbstverständlich unter Ausblendung des Bildes der um ihr Kind und ihren Ehemann weinenden Mutter, aber das meiste muß weg. Aber auch das Neue Testament ist leider angefüllt mit widrigen Gottesbildern. Insbesondere der Apostelfürst Paulus gilt spätestens seit Nietzsches Pauluskritik als der Verfälscher des Lebens Jesu, als der Übeltäter schlechthin. Was bleibt? Nur noch ein Liebesgott und sein Aufklärer, der uns Menschen aus der selbstverschuldeten Gottesfurcht befreite, indem er lehrte: Gott hat uns alle lieb, so als Vorläufer des einzig wahren Kirchenlehrers der Moderne, Willy Millowitsch: „Wir sind alle kleine Sünderleins“ und kommen alle in den Himmel.


1Sintzel, M., Maria, meine Zuflucht und mein Trost, 9.,verbesserte Auflage 1919, S.705f.

2Vgl. Platon, Gesetze X, 885b.

3Mørstad, E.M., Mein Weg zur katholischen Kirche, Leben, Denken und Konversion eines norwegischen lutherischen Theologen, 2001, S.263

Montag, 4. Mai 2026

Von der Religion zur Kultur: etwa eine Verfallsgeschichte?

 

Von der Religion zur Kultur: etwa eine Verfallsgeschichte?


Die zentrale Frage lautet: Warum ist >Kultur< zu unserer zentralen lebensweltlichen Kategorie geworden? Im Hinblick auf Religion glauben wir nicht länger >wirklich<,wir folgen einfach (einigen)religiösen Ritualen und Sitten als Teil unseres Respekts vor dem >Lebensstil< der Gemeinschaft zu der wir gehören.“ „>Ich glaube nicht daran.es ist nur Teil meiner Kultur< scheint die vorherrschende Art für den verleugneten oder verschobenen Glauben zu sein,der für unsere Zeiten charakteristisch ist. Vielleicht ist dann der >nichtfundamentalistische< Begriff von >Kultur< , der sich von >wirklicher> Religion,Kunst usw unterscheidet,in seinem innersten Kern der Name für das ganze Feld verleugneter oder unpersönlicher Glaubenssätze - >Kultur< als der Name für all die Dinge,die wir praktizieren, ohne wirklich an sie zu glauben, oder >ernst zu nehmen<.“ Slavoj Zizek, Der neue Klassenkampf, 2020, S.52f.

Drei Begriff sind so in ihrer Beziehung zueinander zu klären:der der Religion, der der fundamentalistischen und der der nichtfundamentalistischen Kultur. Ich versuche das nun anhand der Vorstellung vom „Wünschen“ zu klären.

In einer Religion wird diese Vorstellung etwa so artikuliert: „Gott, ich wünsche von Dir für mich oder für einen Anderen, daß...“ Von Gott wird dabei geglaubt, daß er den geäußerten Wunsch erfüllen kann, da er allmächtig geglaubt wird und daß er ihn auch erfüllen will, aber das Wünschen ist keine magische Beschwörung, als müsse Gott, wenn wir nur richtig unser Wünschen formulieren, unsere Wünsche erfüllen.

In einer fundamentalistische Kultur wird der Wunsch etwa so formuliert: „Ich wünsche Dir alles Gute!“ Man glaubt, daß dieser ausgesprochene Wunsch sich auch erfüllen wird, obgleich man dabei nicht mehr an Gott glaubt, der der mögliche Realisierer dieses Wunsches ist.

In einer nichtfundamentalistischen Kultur wird der Wunsch zwar noch ausgesprochen: „Ich wünsche Dir alles Gute etwa zum Geburtstage, aber niemand glaubt mehr, daß dieser Wunsch sich wirklich erfüllen wird. Man sagt das halt zu Geburtstagen oder sonstigen Gelegenheiten. Bezeichnend dafür ist, daß der Wunsch: „Ich wünsche Dir einen guten Tag“ reduziert wird auf: „ Guten Tag“ oder gar auf „Tag“.

Im Raume der Politik formte sich so das Ja zur katholischen Religion der Partei des „Zentrums“ der Weimarer Republik zur Bejahung christlicher Werte um in den C-Parteien, an die jetzt, spätestens seit der Regentschaft von Frau Merkel selbst diese Parteien nicht mehr glauben und sie nur noch als eine Tradition zitieren.

Eine nichtfundamentalistische Kultur ist also eine, die nach dem Tode Gottes auch nicht mehr an die eigene Kultur glaubt, sondern sie nur noch praktiziert.Eine Genalogie müßte nun die Gründe dieser Verfallsgeschichte erforschen, aber das kann ich jetzt (noch) nicht leisten.