Wider ein paar populäre Mißverständnisse des Kreuzes
Jesu
Jesus
war eben ein so guter Mensch, daß die Bösen ihn nicht ertrugen
konnten und so ihn töteten. Diese einfache Deutung seines Kreuztodes
kann dann sehr vielfältig ausgeschmückt werden, wobei isb um des
christlich- jüdischen Dialoges willen Wert darauf gelegt wird, die
jüdische Schuld zu minimalisieren, sodaß Pontius Pilatus zum
Hauptschuldigen befördert werden muß, ganz im Kontrast zu den
Aussagen der 4 Evangelien dazu. (Kennern der Serie: „Sturm der
Liebe“ ist diese Konstellation wohl bekannt, daß die guten Herzens
immer wieder das Vorzugsopfer der böswilligen Intriganten werden,
gerade weil sie selbst nicht mit so viel Niedertracht ihrer Feinde
rechnen.) Aber dies Interpretationschema verkennt völlig, daß es
Gottes Wille war, daß sein Sohn sich als das Sühnopfer darbringe.
Gottes Wille geschah, als Jesus Christus am Karfreitag gekreuzigt
wurde.
Jesu
Hinrichtung war eine Willkürentscheidung der Römischen Justiz, ein
Fehlurteil, weil Pilatus einen Unschuldigen zum Tode verurteilt. Wenn
ich zu all meinen Freunden sagte: „All Eure Schulden übernehme
ich, ich trete vor Eure Gläubiger, um Eure Schulden zu
begleichen“,dann bin ich dadurch zum Schuldner geworden,auch wenn
ich selbst bei niemanden Schulden gemacht hätte. Pilatus verurteilte
so wirklich in Jesus einen Verbrecher, und nicht nur einen, sondern
den, der alle Verbrechen auf sich selbst genommen hat,weil er um
unseres Heiles willen der Sünder schlechthin werden wollte.
Der
Hohepriester Kaiaphas ist ein abschreckendes Beispiel all der
klerikalistischen Untugenden, der nicht mal davor zurückschreckt,
aus Neid einen Populären und beim Volke Beliebten töten zu lassen.
Kaiaphas agiert hier nicht als eine Privatperson sondern als ein
Amtsinhaber: Sein Beruf ist die Darbringung des Versöhnungsopfers
für die Sünden des Volkes.Völlig abgesehen von seinen
Privatmotiven handelt er als Priester hier amtlich, indem er dazu
beiträgt, daß Jesus nicht nur für die Sünden des jüdischen
Volkes sondern der der ganzen Menschheit geopfert wird.Nur durch das
Mitwirken des Hohepriesters wird Jesu Kreuzestod ein kultisches
Sühnopfer. Wäre Pilatus allein der Akteur,wäre seine Kreuzigung
allein eine Tat im Raume des Rechtes und der Gerechtigkeit gewesen,
durch den Hohepriester wird es aber eine Tat im Raume des Kultes, des
Opferkultes. Wäre Jesus nur wie der hl. Stephanus gelyncht worden
und hätte ihn dann Gott nach 3 Tagen auferweckt, hätte sein Tod
keine Heilsbedeutung außer der, daß Gott seine Märtyrer durch die
Gabe des ewigen Lebens belohnen will.
Jede
historisch-kritische Rekonstruktion der Kreuzigung Jesu eruiert nur
eine Anzahl von kontingenten Ereignissen, die sich menschlichen
Entscheidungen verdanken. So wird notwendig das Eigentliche verkannt,
daß gerade im Ereignis der Kreuzigung Gottes Wille selbst sich
verwirklichte.