Montag, 23. Februar 2026

Der wichtigste Beruf, die demographische Katastrophe und die Krise des Sozialstaates

 

Der wichtigste Beruf, die demographische Katastrophe und die Krise des Sozialstaates

Der Beruf des Friseurs und der des Bundeskanzlers haben eines gemein-sam, daß keiner von ihnen ausgeübt werden könnte, wenn eine Frau nicht die Kinder geboren hätte, die dann diesen Beruf ausübten noch könnte dieser Beruf ausgeübt werden, wenn nicht von Frauen Kinder geboren werden, denen die Haare frisiert werden bzw die dann regiert werden können.

In allen Industriestaaten erblicken wir nun dieses Problem, daß pro Jahr weniger Kinder geboren werden als daß Menschen sterben. Simpel gesagt: Immer weniger Arbeitende müssen immer mehr Nichtmehrarbeitende und auch Nichtmehrarbeitenkönnende ihren Lebensunterhalt finanzieren. Da die durchschnittliche Lebenszeit zunimmt, verstärkt das dies Problem noch.Der Sozialstaat verspricht den Alten, daß sie bis zu ihrem Lebensende gut versorgt leben können, aber die Finanzierbarkeit dieser Versprechung stößt auf ihre Grenzen.

Wir erlebten Zeiten der Reformeuphorie, isb unter dem sozialdemokratischen Kanzler Brandt: Die Gesellschaft sei etwas permanent zu Verbesserndes und die Reformpolitik verwirkliche nun diese unbegrenzte Optimierungshoffnung. Der sozialdemokratische Nachfolgekanzler Schmitt beendete diese Reformepoche, denn nun galt die Maxime, daß die Politik die Kunst des Mach- und des Finazierbaren sei, eine antiutopistische „Reformpolitik“ wurde eingeleitet, daß nun Reformen in der Regel eine Verschlechterung für alle Bürger oder zumindest für den „Kleinen Mann“, das gemeine Volk bedeuteten. Das Wünschbare müsse auf das Machbare reduziert werden! Der Sozialstaat sei zu teuer, das ist nun das Credo des Wirtschaftsliberalismus. Angesichts der demograpischen Fehlentwickelung ist das auch keine falsche Behauptung: Immer weniger Arbeitsfähige können nicht immer mehr Rentner, immer länger lebende finanzieren! Das Problem zu lösen, indem massenweise Arbeitskräfte als „Flüchtlinge“ importiert werden,um „uns“ die Rente zu sichern, funktioniert zur Zeit nicht und: Auch i den sog. Entwickelungsländern“ wird es nach allgemeinen Prognosen nicht fernerhin einen Geburtenüberschuß geben, der dann exportiert werden könnte.

Wenn es keine Lösung für das demographische Problem gibt, ist aber der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar. Aber er ist aus sozialpolitischen Gründen auch nicht so reduzierbar, daß er weiter finanzierbar bleibt.

Die Mutterschaft ist nun mal der wichtigste Beruf, der, wenn er nicht genügend ausgeübt wird, zu einer sozialpolitischen Katastrophe führt! 

Zusatz: 

In der marxistischen Anthropologie ist der Begriff der Arbeit von zentralster Bedeutung. Nicht mehr wie in der philosophischen Tradition von Platon bis Hegel galt das Spezifische des Menschen, daß er denkt, sondern nun, daß er sich durch sein Arbeiten als Mensch hervorbrachte und hervorbringt. Im 19.Jahrhundert galten nun die 3 "K" für den Lebensraum der Frau: Küche, Kinder, Kirche, sodaß sie aus dem eigentlichen Leben, das des Berufslebens ausgeschlossen war.Denn als Arbeit galten die Tätigkeit der Frau in diesen drei Sphären nicht, eigentlich !arbeitete" nur der Arbeiter, der einer Lohnarbeit nahging. Die Kaprizierung des Arbeitsbegriffes auf den Lohnarbeiter erzwangso, daß das Arbeiten der Frau keine Arbeit war. Zum vollwertigen Menschen konnte so die Frau nur werden, wenn auch sie einer Erwerbstätigkeit nachging. Das war so unter den bürgerlichen Feministin das Emanzipationsziel der Frau, während der linke Feminismus in der Industrie schonn arbeitende Frauen wahrnahmen und eine Humanisierung der Arbeitswelt forderten. Die "Hausfrau" arbeitet nicht, diese Meinung war ihnen gemeinsam. Deshalb ist die Frau erst e-mann-zipiert, wenn sie wie der Mann arbeitet. Das muß aber zwangsläufig zu Lasten des allerwichtigsten Berufes, der der Mutter sich auswirken.    





Sonntag, 22. Februar 2026

Der Anthropozentrismus – ein Irrweg der Analyse der heutigen Krise der Kirche? Ist Gott immer auf Sendung?

 

Der Anthropozentrismus – ein Irrweg der Analyse der heutigen Krise der Kirche?


Selbstverständlich ist die uns bedrohende Klimakatastrophe ein allein von uns Menschen verschuldete, wer das bestreitet gleicht einem Holocaustleugner und sollte so bestraft werden. König Saul, in größter Bedrängnis: „Wie steht es um mich, ist Gott mir noch gnädig“, befrug die Priester. (1.Samuel 28) Aber sie mußten ihm antworten: „Gott schweigt, wir befragen ihn auf die übliche Weise, aber er gibt keine Antwort!“ Nicht betrügen ihn da die Priester Gottes, indem sie sagten: „Ist schon in Ordnung, Gott hat Dich ja zum König Israels erwählt.“ Sie schweigen, weil Gott schweigt.

Das hätte sich so nie ereignen dürfen: Gott redet immer, immer antwortet er, nur wir Menschen verschließen uns dann ihm gegenüber, wir wollen ihn nicht hören. So vielfältig nun auch die Analysen der gegenwärtigen Krise der Kirche und der christlichen Religion ausfallen, in einem Punkte stimmen sie überein: Sie ist ausschließlich menschengemacht.Gott beruft seine Gemeinde zum Gottesdenst, aber wenn dann von 100 Berufenen nur 5 seinem Rufe folgen, dann hören und erhören die 95 seinen Ruf nicht. Gott beruft Männer zu Priestern und Frauen und Männer zur besonderen Nachfolge zum klösterlichen Leben, aber auch da hören viele diesen Ruf nicht oder überhören ihn. Warum nun die Berufenen nicht ihrem Rufe folgen, da ist unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt, auch wenn sich klar zwei Richtungen herauskristalisieren lassen: Entweder sei die Kirche daran schuld, weil sie nicht progressiv - liberal sei oder sie sei schon zu progressiv- liberal.

In einer Predigt hörte ich gar, daß Gott uns mit leiser Stimme berufe, aber wir in der lärmenden Welt seine Stimme nicht mehr hören könnten. Der Mensch, der beheimatet sei in der Natur, der vernehme da Gott noch, aber wir Stadtmenschen:der Natur und Gott entfremdet.

Gott sei immer präsent und auf „Sendung“, nur wir Menschen stellten dann unseren Sendungsempfang aus! Gottes Offenbarung sei in der Kraft des Heiligen Geistes stets für uns offenbar, aber wir verschlössen uns diesem Offenbarsein der Wahrheit. Jesus ruft verzweifelt am Kreuze: „Warum hast Du, Gott mich verlassen!“ Das ist die bitterste Wahrheit des Karfreitages.Aber in wie vielen Sonntagspredigten wird diese Wahrheit uns verstellt: „Jesus irrte, als er meinte, von seinem ihm liebenden Vater auch nur eine Sekunde verlassen worden zu sein. Denn Gott verläßt uns nie, wir können uns nur einbilden, daß er uns verließ, daß er aufhöre,zu uns zu sprechen. Er ist halt immer auf Sendung.“

Aber Gott schwieg, als König Saul ihn befragen ließ: „Wie steht es um mich?“ und Gott hat seinen eigenen Sohn verlassen, bis er ihn auferweckte. Als anthropozentristisch sind alle Analysen der jetzigen Krise zu bezeichnen, die sie als allein menschengewirkt beurteilen, als wenn Gott stets für uns Menschen offenbar sein will, stets ein Berufender ist, daß aber viele, zu viele nicht auf ihn hören wollen.

Gott beruft, aber wir wollten ihn nicht mehr hören und erhören, wir lärmten,um ihn zu überhören. Liegt denn da der Gedanke nicht viel näher, daß unser Gott, weil wir gegen ihn leben, nun selbst schweigt, wie er zum König Saul schwieg, als er ihn befragte: „Wie steht es um mich?“ Anders gefragt: Ist das Zumglaubenkommen eine Möglichkeit für jeden Menschen, Gott gäbe sie jedem, aber es sei nun allein in unserer Hand, ob wir Gläubige werden oder ihm nicht glauben? Gliche die Kirche einem Supermarkt, in dem die Glaubensartikel zum Erwerb für jeden Konsumenten ausliegen und der Konsument allein sich frei dazu entschließen könne, die Glaubensartikel in seinen Einkaufswagen zu legen, seinem persönlichen Glauben oder sie im Regal liegen zu lassen? Gott bliebe dann nur die Rolle eines Zuschauers: Wer nimmt die Glaubensartikel in sich auf?

Könnte es nicht sein, daß Gott in unserer Zeit ein sich verbergender ist, der nur noch von wenigen erkannt und bekannt werden will?


Samstag, 21. Februar 2026

„Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten“

 

Leere Hörsäle: Dramatischer Einbruch bei katholischen Theologie-Studenten“


Kath net berichtet am 13.Februar 2026 in diesem Artikel: „Crash der "deutschen Theologie" hat begonnen - Studentenzahl im Vollstudium hat sich innerhalb von sechs Jahren mehr als halbiert“ und präsentiert dazu auch gleich eine Analyse des Leiters des Augsburger Gebetshauses: „Johannes Hartl: "Wer heute Theologie studiert, möchte seinen Glauben vertiefen, nicht dekonstruieren".Kath de meldet Tags darauf: „Massiver Rückgang beim Theologiestudium .Theologie: Studierendenzahlen zeigen große Probleme für die Kirche.“

Das Problem ist nun aber, daß kaum noch jemand die Theologie studieren will, auch wenn dann Hartls These, daß die, die sie noch studieren wollen, vermehrt die staatlichen Fakultäten meiden, gerade weil sie die Theologie studieren möchten, zustimmen kann. Kath de berichtet: „Aktuelle Daten, die dem "KNA-Hintergrund"-Dienst vorliegen, deuten auf ein viel massiveres Problem hin, als es die offiziellen Statistiken vermuten lassen. Während die gesamten Geisteswissenschaften in den vergangenen sechs Jahren einen Schwund von 12,5 Prozent verzeichneten, brach die Zahl der Studierenden im theologischen Vollstudium im selben Zeitraum um rund 50 Prozent ein. Die genaue Erfassung bleibt schwierig“.


Hegel schrieb 200 Jahre davor noch in seiner:“Enzyklopädie der Wissenschaften in seinem ersten Paragraphen über die Aufgabe der Theologie wie der Philosophie: „Beide haben die Wahrheit zu ihrem Gegenstande,und zwar im höchsten Sinne – in dem, daß Gott die Wahrheit und er allein die Wahrheit ist. Beide handeln dann ferner von dem Gebiete des Endlichen,von der Natur,und dem menschlichen Geiste, deren Beziehung aufeinander und auf Gott als auf ihre Wahrheit.“ Im Jahre 1830 schrieb das Hegel, im Jahre 2026 will kaum noch jemand die Theologie studieren! Wie ist das erklärbar? Will man noch studieren, aber steht der Frage nach der Wahrheit gleichgültig gegenüber? Nicht ein obskurantistischer Hinterweltlertheologe sondern einer der bedeutendsten Philosophen spricht so von der Wahrheit.

Vor voreiligen Schnellschüssen sei gewarnt: Wenn das Theologiestudium so wäre, wie ICH es für gut, richtig hielte, dann würden wieder viele Theologie studieren. Oder : Jeder müßte an der Beantwortung der Pontius Pilatus Frage : „Was ist Wahrheit?“ interessiert sein, und somit müßten viele Theologie oder Philosophie studieren.

Empirische Untersuchungen, warum so viele Theologie nicht studieren wollen, ja sicher nicht ein mal die Frage, ob das für sie eine Option sein könnte, erwägen, sind mir nicht bekannt. Um so leichter läßt sich dann über die Beweggründe spekulieren, aber wie richtig sind die dann?

Ich selbst, der ich mit Leidenschaft Theologie studiert habe, stehe etwas ratlos vor dieser Frage und limitiere mich so darauf, traurig zu sein, daß so Wenige nur noch Theologie studieren wollen!



Freitag, 20. Februar 2026

Zur Zukunft der Tridentinischen Messe – wird die Piusbruderschafr neue Bischöfe weihen?

 

Zur Zukunft der Tridentinischen Messe – wird die Piusbruderschafr neue Bischöfe weihen



Vgl hierzu den Kath net Artikel „Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit“ vom 12.Februar 2026. Eine kurze Anmerkung zu dieser sehr diffiziellen Causa! Wenn die Piusbruderschaft keine neuen Priester in nicht ferner Zukunft weiht, dann wird sie sich auflösen müssen, weil sie dann auch keine Priester mehr weihen kann, ohne die aber keine hl.Messe und auch nicht die Tridentinische zelebriert werden kann!

Ob innerhalb der Katholischen Kirche weiterhin die „Alte Messe“ gelesen werden kann, hängt, so unschön das auch klingen muß, von den Entscheidungen Roms und letztlich ders amtierenden Papstes ab. Er kann sie tolerieren, er kann sie bekämpfen ind gar vollständig verbieten. Die Petrusbruderschaft besitzt eben kein nicht revozierbares Recht, die „Alte Messe“ zelebrieren zu dürfen. Was immer nun als Verhandlungsergebnis herauskommen mag, vgl den Kath net Artikel, wenn weitere Weihen von Bischöfen der Priesterbruderschaft nicht erlaubt werden, ist das Ende dieser Bruderschaft nahe und es existiert dann keine Garantie mehr, ob fernerhin die „Alte Messe“ in der Kirche noch möglich ist!

Der eigentliche Skandal ist nicht, daß die Piusbruderschaft gültige aber unerlaube Bischofs- und Priesterweihen vollzogen hat, sondern daß die Messe, die spätestens seit dem Trienter Konzil die Messe der Kirche war, verboten worden ist, bzw sie nur noch ausnahmsweise toleriert wurde. Es kann doch eine über 400 Jahre gültig zelerierte Weise der Messe in der Folge einer Liturgiereform verboten werden, als wäre sie eine ungültige Version.  

Donnerstag, 19. Februar 2026

Der Glaube und eine Wette

 

Der Glaube und eine Wette



In Anlehnung an den Philosophen Pascal: Wir können nicht wissen, ob es einen Gott gibt, der von uns ein bestimmtes Leben fordert und uns ein ewiges geben will. Allein zu fragen: „Existiert ein Gott“ ist solange eine irrelevante Frage, bis geklärt ist, ob dieser Gott irgendetwas für uns tut und er irgendetwas von uns verlangt. In den Religionen ist das zwar eine selbstverständliche Vorstellung, aber wer philosophisch frägt wird auch diese Selbstverständlichkeit in Frage stellen. Also ist die Frage als für uns deMenschen existentielle so zu stellen: Gibt es einen Gott, der von uns etwas will und der uns das ewige Leben geben will, wenn wir gemäß seinem Willen leben?

Das dazu notwendige Tableau:

Es gibt diesen Gott und ich glaube an ihn.

Es gibt diesen Gott und ich glaube nicht an ihn.

Es gibt diesen Gott nicht und ich glaube an ihn.

Es gibt diesen Gott nicht und ich glaube nicht an ihn.



2 Möglichkeiten des Fehlverhaltens existieren, daß ich an ihn nicht glaube, obgleich er ist und daß ich an ihn glaube, obgleich er nicht ist. Dadurch entstehen mir dann negative Folgen. Verhalte ich mich richtig, entstehen mir keine negativen Folgen, zumindest keine vermeidbaren. Im Sinne Pascals gilt es nun, eine Abwägung der negativen Folgen zu vollziehen: Wenn ich mich falsch entscheide, wo entstehen mit die größeren Negativfolgen? Einmal glaube ich an Gott und lebe dann gemäß ihm, aber da Gott nicht ist, werde ich dann das ewige Leben nicht von ihm bekommen. Das andere mal glaube ich nicht an Gott und erlange so nicht das ewige Leben, da ich nach seinem Willen zu leben gehabt hätte.

Wenn ich nicht erkennen kann, ob Gott so ist, ist es deshalb sinnvoll, an Gott so zu glauben, da dann, wenn meine Entscheidung falsch sein sollte, mein Schaden geringer ist als wenn ich fälschlich nicht an ihn so geglaubt habe.Das ist der Kerngedanke der Wette Pasals.

Aber so ein Glaube ist kein Vertrauensglaube, sondern nur das Ergebnis einer vernünftigen Entscheidung. Nur, bevor dies nun kritisiert wird: Darf man dann nicht darauf hoffen, daß Gott selbst diese vernünftige Entscheidung anerkennen will, da sie doch eine vernünftige ist? Verlangt Gott wirklich mehr von uns, als uns ob unserer Vernunft möglich ist? Pelagius verneinte das. Dann wäre Gottes Gnade, daß er uns das uns Mögliche als hinreichend für unser Heil ansieht.

Das wäre zumindest eine Alternative zu einer Theologie, die lehrt, daß Gott jeden Menschen als Schöpfer liebe und so jeder, egal wie es es mit der Religion hält, das ewige Leben erlangen wird. Nur, mit der Gnadenlehre der Kirche ist Beides nicht vereinbar!





Mittwoch, 18. Februar 2026

Ist Gott erlebbar, erfahrbar? Die Sehnsucht nach einer Unmittelbarkeit - oder daß wir glauben können

 

Ist Gott erlebbar, erfahrbar? Die Sehnsucht nach einer Unmittelbarkeit - oder daß wir glauben können


Ein Umweg soll nun eingeschlagen werden,um sich dieses Problemes anzunähern. Sigmund Freud entwickelte dies Dreikomponentenmodell: „Es- Ich- Überich“, um bestimmte Probleme, die in das Aufgabengebiet der Psychologie gehören, erklären zu können. Die stärkste These wäre nun die,daß ohne dies Modell bestimmte Ereignisse überhaupt nicht erklärbar seien, schwächer wäre die,daß ohne dies Modell sie weniger gut erklärt werden können. Die schwächste wäre die, daß mit diesem Modell gleichgut mit anderen Modellen diese Ereignisse erklärt werden können.

Freud und auch nach ihm keiner hat je bewiesen,daß es innerpsychisch diese drei Komponenten gibt, aber ob ihrer Erklärungsleistung werden sie weiterhin verwendet.

Ähnelt unser Umgang mit Gott dem, daß etwas erlebt,erfahren wird,das wir dann mit dem Begriff Gott erklären? Das Erlebte und Erfahrene wäre so nicht selbst Gott, sondern eine Wirkung, die wir erklärend auf Gott zurückführen.

Das Pathos des: „So erlebte ich das, so erfuhr ich das“ lebte von der Vorstellung einer Unmittelbarkeit. Denken bedeutet dagegen eine Negation dieser Unmittelbarkeit und setzt sich dem Verdacht aus, daß das so Gedachte auch ein Ver-dachtes sein könnte, als falsches Denken sei. Das Unmittelbare sei so nur das Wahre, weil so es mir unverändert und unverfälscht ist. Aber ist etwas Erlebtes und Erfahrenes wirklich etwas Unmittelbares? Ist das nicht selbst schon ein Produkt meines Wiewahrnehmens und meines ersten Verarbeitens eines Rohmateriales, das mir so nie selbst zugänglich ist?

Schon in der simplen Erfahrung: „Da steht ein Baum“, wird das Sogesehene von mir als ein Fall des Baumseins begriffen, also unter dem Begriff des Baumes subsumiert.Warum soll dann erst die weitere „Bearbeitung“ verfälschend sein? Im Sinne des Philosophen Hegel gilt gar, daß erst im Denken Gott sich uns erschließt.

Wenn es eine Erfahrung und ein Erleben Gottes gäbe, daß uns unmittelbar sein Sein, daß er wirklich existiert, bewiese, könnten wir nicht an ihn glauben.Eine Ehefrau, die an der Treue ihres Ehemannes zweifelte,ob er sie auf der Kur betrüge und ihn deswegen durch ein Detektivbureau überwachen ließe, kann an seine Treue nicht glauben, wenn sie ihr durch die Detektive für die Zeit der Kur bewiesen werden würde. Zum Glauben gehören gute Gründe, an Gott zu glauben, aber könnten wir ihn beweisen, dann lebten wir schon im Sehen und nicht mehr im Glauben!

Es gibt Ereignisse und Erlebnisse, die wir auf Gott als den Bewirker zurückführen können, aber wenn sie so eindeutig wären, daß nur Gott als ihr Bewirker in Frage kommen könnte, dann würde das uns unseren Glauben an Gott verunmöglichen.

Daß es unser Glaube ist, dazu gehört mein subjektives Beteiligtsein, daß ich das erlebt und erfahren habe. Aber die Zurückführung des von mir Erlebten und Erlebten auf Gott, das ist ein Produkt meiner denkerischen Bearbeitung des Erlebten und Erfahrenen.

Viele erlebten Jesu Wunder und Wunderheilungen, aber die einen urteilten, daß er diese Taten in der Kraft des Teufels vollbrächte, um die Juden zu verführen, und die anderen urteilten, daß diese Wunder ihn als einen Menschen auszeichneten, mit dem zumindest Gott im Bunde stehe, wenn er nicht gar so als Gottes Sohn sich erwiese.Beides sind mögliche Deutungen des Erlebten: Als Moses sich vor dem Pharao als von Gott Gesandten durch Wunder legitimieren wollte, mußte er ja die bittere Erfahrung machen, daß die Magier des Pharaos diese Wunder auch bewirken konnten. ( Der babylonische Talmud erläutert dann dazu, daß Jesus in Ägypten sich zu einem Magier ausbilden ließ, der so dann diese Wunder bewirken konnte zur Verführung der Juden!)

Meiner Erinnerung nach – vor langer Zeit hörte ich das in einer Kirchengeschichtsvorlesung, aber konnte das jetzt nicht verifizieren- soll der Philosoph Celsus gar die Erscheinungen des auferstandenen Jesus so gedeutet haben: Daß er nach seinem Tode anderen erschienen sei, beweise nur, daß er ob seines sündigen Lebenswandels nicht in den Himmel aufsteigen konnte, sondern auf Erden weilen müsse.

Aber grade deswegen können wir an seine Auferstehung glauben!


Dienstag, 17. Februar 2026

Der von sich selbst entfremdete Mensch – ein erster Versuch

 

Der von sich selbst entfremdete Mensch – ein erster Versuch



Ein Kurztext

Weit entfernt, daß der Mensch in ihnen (das ist: den Menschenrechen) als Gattungswesen aufgefaßt wurde,erscheint vielmehr das Gattungsleben selbst, die Gesellschaft ,als ein den Individuen äußerlicher Rahmen, als Beschränkung ihrer ursprünglichen Selbständigkeit.“1 Jedes Individuum ist ein Teil der Gattung Mensch,ohne diese Teilhabe an dem Gattungsleben wäre das Individuum nicht existent. Ein Fall des Menschseins setzt das Menschsein voraus, von dem jeder Einzelmensch eine Individuation ist.Dieser hier skizzierte Individualismus zerreißt nun den Einzelmenschen in zwei Teile, als ein Nureinzelwesen und in ein Gattungswesen, das dann dem Einzelwesen nur äußerlich ist. Deswegen ist sein Verhältnis zu sich selbst ein entzweites und in sich gestörtes.

Diese Anthropologie kann nun nicht einfach als der Anfang gesetzt werden, sondern so ist der Mensch erst geworden durch gesellschaftliche Verhältnisse, die den Menschen auf solche Weise atomisieren, ihn von sich selbst entfremdet haben. So fordert dieser Mensch nun Rechte gegen sich selbst ob dieser Entfremdung von seinem Gattungswesen.Die natürlichen Beziehungen werden dabei in reine Vertragsbeziehungen umgewandelt. Jeder besitzt sich und sein Eigentum, sodaß auf dieser Grundlage dann Verträge den Austausch zwischen den Menschen regulieren.Man könnte meinen, daß der Markt des Kaufens und Verkaufens sein neues Gattungswesen wurde.

Die christliche Religion kann dann auch nur noch ein Konsumartikel unter den vielen des Marktangebotes sein. Aber fundamentaler: Er selbst findet sich nun als eine Ware des Arbeitsmarktes wieder,der Gesetzmäßigkeit der Nachfrage und des Angebotes unterworfen. Wie immer nun auch eine theologische bzw philosophische Anthropologie zu explizieren ist, sie kann diese Realität, wie das Menschsein sich selbst nun vorfindet,nicht überspielen. So ist der Mensch nicht von seinem Wesen her als Zoon politicon, aber dazu mutierte er in der modernen bürgerlichen Gesellschaft.







1Karl Marx, Zur Judenfrage, Ernst rowohlt Verlag 1919, S.33. Nach L. Althusser dürfte dieser Marxtext kein marxistischer sein, es fehlt ihm das spezifisch Marxistische.