Über den Widerstreit zwischen dem organologischen und dem personalistischen Kirchenverständnis
Das organologische Kirchenverständnis legte der Apostelfürst Paulus in seinem 1. Korintherbrief 12,12-31. Die Kirche sei wie ein menschlicher Körper zu denken: Er ist einer bestehend aus vielen Gliedern. Jedes Glied erfüllt in ihm eine ihm eigene bestimmte Aufgabe und der Körper als ganzer lebt nur dadurch, daß jedes seine erfüllt. Die Teile des Körpers existieren nicht unabhängig von dem Ganzen, als wäre das Ganze ein Zusammenschluß der vordem Einzelnen.
Dieses Bild kann nun erweitert werden durch die Vorstellung, daß Jesus das Christus das Haupt der Kirche, seines Leibes sei, der dann seinen Körper leite.
Gern gesellt sich zu der Idee des Ganzen als einem Körper diese Geschichte: Ein Streit entbrannte zwischen allen Gliedern des Körpers, welches denn nun unter ihnen das bedeutsamste und gewichtigste sei. Der Kopf streitete mit dem Herzen, also der Verstand wider das Gefühl und der Magen, materialistisch gesonnen: „Erst käme das Essen, dann..“ wider alle.Da erhob der Arsch seine Stimme: „Ich bin das Allerwichtigste!“ Alle lachten ihn, den „AvD“= Arsch vom Dienst“ aus. Da streikte der AvD. Nach einer Woche des Streikens baten ihn alle inbrünstig: „Arbeite wieder- Du bist unverzichtbar!“
Das Auge ist nur zum Sehen, das Ohr nur zum Hören, die Nase nur zum Riechen dar- was wenn nun das Auge proklamierte: „Das Hören und Riechen will ich auch übernehmen“?
Aus gleichen Teilen kann kein Körper sein, jedes Organ ist von allen anderen verschieden und kann so seine spezifische Aufgabe erfüllen.Das Ganze differenziert sich in seine Teile aus und bildet so eine Einheit.
Das personalistische Kirchenverständnis geht von dem Primat der Einzelperson aus, die sich dann sekundär mit anderen Personen vergeselligt. Alle Personen sind gleich und beanspruchen so die gleichen Rechte und im Prinzip,daß jeder jede Aufgabe in der Kirche auch erfüllen könnte. Gelegentlich wird dazu hinzugefügt, daß das Taufsakrament jeden Getauften zu jeder kirchlichen Aufgabe befähige. Allen wären so im Gegensatz zum Amtsverständnis des Paulus die Begabung zu jedem Amt verliehen worden. So kann aber keine Gemeinschaft entstehen sondern nur ein Verein Gleichberechtigter.
Jeder sei so dazu berufen, Apostel, Diakon oder Lehrer oder Zeuge Jesu zu sein. Jeder sei sein eigener Hirte und Hirte seiner Geschwister. Das ist so, als wenn im Menschenkörper jedes Glied für alles zuständig, also das Ohr zum Sehen und Riechen und dürfte sich seine Einschränkung auf das Hören nicht gefallen lassen.
In der Kirche, organologisch verstanden, sind nicht alle Glieder zu den gleichen Aufgaben berufen, denn sonst könnte die Kirche gar nicht bestehen.
In der Ecclesiologie muß also vom Ganzen der Kirche ausgegangen werden, um dann die besonderen Berufungen für die Aufgabe der Kirche erfassen zu können und nicht von der Person als dem Anfangsgrund der Kirche
So geht ja auch die Struktur der Fußballmannschaft: der Angriff, das Mittelfeld und die Verteidigung, der Aufteilung der Mannschaftsspieler auf diese drei Positionen voraus- nicht gibt es die Aufgabe des Sturmes, weil einer unbedingt Stürmer spielen möchte.Nicht manifestiert sich in diesen drei Positionen der Fußballmannschaft die Wünsche und Bedürfnisse der Spieler wieder sondern sie ergeben sich aus der Aufgabe einer Fußballmannschaft.So ist auch die Binnendifferenzierung der Ämter in der Kirche das Resultat ihrer ihr von Gott gegebenen Aufgabe.
Das personalistische Kirchenverständnis ist eine Frucht des Liberalismus.