Sonntag, 18. April 2021

Pluralität als höchster Wert?

(Was ist Wahrheit? Das Ende dieser Frage im Pluralismus)



So genommen stellt Kunsterfahrung eine exemplarische und mustergültige Einübung in Pluralität dar.“ urteilt W.Welsch in seinem Essayband: Ästhetisches Denken 8.Auflage 2017, S.77. Ja für ihn ist die postmoderne Ästhetik geradezu um dieses Zweckes willen: Sie soll der Affirmation der Pluralität dienen.Die Postmoderne sei geradezu die Haltung der Bejahung der Pluralität, wohingegen die moderne Perspektive die Pluralität als etwas Problematisches ansähe, weil sie ihr Ideal in Einheitsvorstellungen sähe. Die Postmoderne überwinde diese Einheitsvorstllung durch ihré Abwendung vom Anthropozentrimus und vom Logozentrimus. Allerdings expliziert dann der Autor diese zwei Begriffe nicht. Er setzt wohl ihren Negativcharakter voraus, um die Befreiung davon gutzuheißen.

Unreflektiert bleibt dabei aber die simple Frage, wozu denn die Pluralität die Kunst zu ihrer Legitimierung bedarf, wozu einer ästhetischen Hinführung. Sollte etwa das Ideal der Pluralität nicht ad hoc auf eine Zustimmung hoffen dürfen, sodaß um ihre Akzeptanz erst gerungen werden muß?

Es soll eine Orientierungsskisse versucht werden, und zwar selbst eine pluralistische.

Es gibt den Raum des Wissens und Wißbaren. Für die Fragen, wann begann der 30 Jährige Krieg?, wer ist jetzt die Bundeskanzlerin Deutschlands?, was ist 5 plus 7?; gibt es jeweils eine richtige Antwort, alle anderen sind falsch. Hier wird keine Pluralität der Antworten geduldet. Nur solange die richtige Antwort noch nicht gewußt wird, sind diverse Antworten legitim. Der Kommissar,einen Mordfall untersuchend resümiert, der oder der oder die könnte der Täter gewesen sein, aber mit dem Ziel, daß am Ende der kriminalistischen Untersuchung der eine wahre Täter überführt wird.

Ganz anders verhält es sich im Raume des Konsums: Hier erfreut es einen Kunden, wenn er aus einem vielfältigen Angebot von Weinsorten die ihm mundende aussuchen kann.

Im Raum der Ästhetik verhält sich nun der Kunstgenießer wie ein Konsument: Er schaut das ihm Gefällige aus einer Vielzahl von Kunstwerken aus. Der ästhetische Diskurs, was ist ein wahres Kunstwerk?, interessiert ihn nicht, denn ihm kommt es allein auf sein eigenes Geschmacksurteil an.

Aber es gibt andere Räume, wo eine solche Pluralität nicht gutgeheißen wird. Wie würde wohl ein Patient reagieren, sagte der eine Arzt ihm, das Geschwür sei gutartig und der andere, es sei Krebs? Würde da diese Pluralität der Urteile begrüßt werden?

Es gibt also Lebensräume, in der die Pluralität bejaht wird und es gibt Räume, in denen sie nicht tolerierbar ist. Warum soll nun die Pluralität als solche zu dem wahren Ordnungsprinzip für alles erhoben werden? Jeder wissenschaftliche Diskurs drängt darauf, ausgehend von einer Pluralität von Theorien die zur Erklärung von Sachverhalten angemessene herauszukristallisieren. Absurd wäre es, zu urteilen, daß es gut sei, daß es viele Theorien gäbe und niemand erkennen könne, welche angemessen sei. Es drängt sich so der Eindruck auf, daß je größer die Lebensrelevanz von etwas ist, desto weniger wird in diesem Raume eine Pluralität bejaht. Nur wo man meint, das könne man halten, wie man will, da wird die Pluralität affirmiert. Die Affirmation der Pluralität der Religionen wie die der Kunst zeigte so nur auf, daß Beides als nicht so wichtig angesehen wird.

Aber warum soll dann der Zweck der postmodernen Kunst der der Affirmation der postmodernen Pluralität sein? Impliziert das, daß es Widerstände gegen die Affirmation des Pluralismus gibt, daß eben doch der Wille zur Unterscheidung von wahr und unwahr, gut und böse, schön und unschön, die theoretische, die praktische und die ästhetische Vernunft sich dieser Universalpluralisierung widersetzen?

Auf der anderen Seite wirken die Essays von W.Walsch aber auch vergestrigt. Die Politische Korrektheitsideologie mit ihrer überschäumenden Lust an Denk-und Meinungsäußerungsverboten ist ja antipluralistisch: Nur was politisch korrekt ist, darf noch gedacht und gesagt werden. Wehe dem, der einen Schokoladenkuß auch mal einen Negerkuß nennt, oder der ein Zigeunerschnitzel ordert....Diese Ablehnung der Pluralität ist so eine selbstverständliche Praxis geworden, daß sie gar nicht mehr aufffiele, wenn nicht ihre Apologeten im Namen der Pluralität und Diversität permanent die Einschränkung der Meinungsfreiheit einforderten und die Zensur für das beste Mittel zur Förderung der Pluralität anpriesen. Die politisch korrekte Pluralität ist also eine, die die Pluralität faktisch abschaffen will. Unterscheidet sich davon nun die postmoderne Pluralität als Nein zu dieser Uniformierungstendenz? Oder soll uns die Pluralität im Ästhetischen über die Uniformierungstendenz des Lebens durch die Politische Korrektheit nur hinwegtrösten?



Corollarium 1

Ist nicht jede Kunstauffassung, die die Kunst nicht als Kunst um ihretwillen versteht, ein Indienstnehmen der Kunst für nichtästhetische Zwecke und so ihre Herabwürdigung zu einer Butlerexistenz!



 

Samstag, 17. April 2021

Die heutigen Anforderungen an die Kirche und der Wille zu ihrer Destruktion

(über den Glauben an den Fortschritt, an die Notwendigkeit, auf der Höhe der Zeit zu sein und die Lust am Destruieren des Alten)

Den vielen Herausforderungen unserer Zeit dürfen wir bei all unseren Bemühungen um Evangelisierung nicht mit Vereinfachung,Kulturpessimismus oder gar Antimodernismus begegnen, bis dahin,dass die Diskussion um innerkirchliche Reformen wie den Synodalen Weg als >Anbiedeung an den Zeitgeist< gedeutet wird.“ So wird in „Der Fels“ April 2021, S.124 das „Konradsblatt 6/2021,S.51 zitiert.

Dieses Zitat hat es in sich! Die Herausforderungen unserer Zeit-nicht fordert uns Gott, Jesus Christus, das Evangelium...heraus, sondern unsere Zeit. Nebenbei: Das Zentralorgan der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) heißt: „Unsere Zeit“. Nur, seit wann stellt denn die Zeit Anforderungen? Wenn dann gar von unserer Zeit die Rede ist, das uns besitzanzeichnend gemeint ist, wieso fordert uns das von uns Besessene heraus?

Nun taucht hier die Diffamierungsformel der Vereinfachung auf. Kenner wissen, daß Verschwörungstheorien, Fundamentalismen und Rechte sich durch die Vereinfachung der komplexen Wirklichkeit auszeichnen, wohingegen politisch Korrekte die einzigen sind, die dieser Komplexität gerecht werden. Wenn da so ein Ultrafundamentalist von sich behauptet, er sei die Wahrheit, das Leben und der Weg, dann ist vor solchen Versimplifizierungen zu warnen, denn so wird man der komplexen Wirklichkeit niemals gerecht. Überhaupt ist die Behauptung, im Besitz der Wahrheit zu sein, sie gar selbst zu sein, eine unzumutbare Zumutung, sind wir Menschen doch immer nur Suchende aber nie die Wahrheit Findende. Christen sind Gottsucher, das verbindet uns mit allen Anhängern aller Religionen.

Der Kulturpessimismus ist nun etwas ganz und gar Verwerfliches, ermöglichte er doch, so ein beliebtes Narrativ der Gegenwart, den Erfolg des Nationalsozialismus mit seinen alles versimplifizierenden demagogischen Antworten. Einer der ärgsten Kulturpessimisten war natürlich der Apostel Paulus mit seiner Sündenlehre des Römerbriefes, daß alle Menschen vor Gott Sünder seien und der aller fürchterlichsten Lehre von der Erbsünde, die dann der unheilige Augustin auf das Groteskete explizierte zu einem Horrordogma. Wir dagegen wissen ja seit Rousseau,dem Antiaugustiner, daß der Mensch gut ist und daß nur widrige soziale Umstände ihn depravieren können.Deshalb ist die Sozialarbeit die wichtigste Aufgabe der Kirche. In der heutigen Sprache der Kirche bezeichnet so der Begriff der Evangelisierung dieses soziale Engagement der Kirche, die so Abschied genommen hat von jeder kulturimperialistischen Prosylitenmacherei (früher auch Bekehrung genannt) dank dem 2.Vaticanum.

Der Antimodernismus war nun eine der schlimmsten Fehlentwickelungen der Kirche in der Moderne, vergleichbar den Hexenverbrennungen und den Kreuzzügen. Seinen Ausgangspunkt hat dieser Antimodenismus in der johanneischen Theologie mit der Verdammung der Welt: Liebt nicht die Welt, und was in der Welt ist!Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht.(1.Johannesbrief, 2,15. Aber auch das hat die Kirche seit dem 2.Vaticanum überwunden in ihrem großen Jasagen zur Welt, wie sie ist.

Der Begriff der Reform bedeutet innerkirchlich, daß die aus der Form geratene Kirche wieder in ihre Ursprungsform zurückversetzt werden soll. Die Normativität des Ursprunges verurteilt dabei jede Wegentwickelung von dem Ursprung als Abfallbewegung mit der Forderung; Zurück zum Anfang. Geschichtsphilosophisch beurteilt sind also solche Reformer Reaktionäre, weil sie etwas Untergegangenes revitalisieren wollen. Wahre Reformer dagegen sehen die Menschheitsgeschichte als einen Entwickelungsprozeß aus dunklen Zeiten, den Ursprüngen zu immer lichteren. Jeder Mensch, jede Organisation steht so immer vor der Aufgabe, im Strom dieser progressiven Entwickelung mitzuschwimmen, der objektiven Höherentwickelung Rechnung zu tragen, und das Heutige als das Gestrige von Morgen anzusehen, um so auf der Höhe der Zeit zu stehen. Das von der Bibel Gelehrte und auch Jesus selbst sind eben auch nur Kinder ihrer Zeit, Geschöpfe ihrer Zeit. Die heutigen Wissenschaften wissen eben viel mehr und viel genauer als sie, sodaß die Bibel nicht mehr einfach unsere Lehrmeisterin sein kann, wenn sie nicht zeitgemäß ausgedeutet (umgedeutet)wird. So findet die Exegese auf der Höhe unserer Zeit, daß die Homosexualität etwas Gutes ist, daß alle Religionen gleich wahr sind, daß es keinen Teufel und keine Daimonen gibt, daß Wunder abergläubische Erfindungen sind, daß Jesus schon ein Fan der Basisdemokratie war und alles Hierarische verabscheute, niemals eine Kirche gründen wollte, keinen Petrus als Leiter einsetzte usw...Sollte er das aber doch so reaktionär gewesen sein wie es die jetzigen Reaktionäre,(die wahren Reformer) meinen, dann können und dürfen wir ihm natürlich nicht mehr folgen.

Mit dem Fortschritt voran gehen in eine immer lichter werdende Zukunft, ist natürlich keine Anbiederung sondern ein Akt des Gehorsames dem Fortschritt gegenüber. Dieser gewaltigen Kraft des Progresses vertrauend, alles Alte und Veraltete hinter sich lassend, eine ganz neue Kirche kreieren, das ist jetzt der kirchliche Beitrag zum Fortschritt der Menschheit. Nur zu dumm, daß außerhalb der Kirche fast niemand mehr an diese große Erzählung vom Fortschritt (vgl Lyotard) glaubt.Aber unsere progressiven Reformchristen, (faktisch aber Antiquitätenhändler der Aufklärungsepoche) hinken der Zeit eben meilenweit hinter her, was sie aber nicht daran hindert, sich ganz progressiv zu fühlen.

 

Freitag, 16. April 2021

Irritierendes zu Ostern oder: Warum siegte Ostern Jesus Christus über den Tod? Ein Irrtum?

(daß das Kreuz Christi kein Justizirrtum war -Davila- und wie durch einen der Tod wirklich besiegt wurde)



Stellen wir uns einmal vor, Jesus wäre wie der hl. Stephanus von einer erzürnten Menge gesteinigt worden und wäre dann am 3.Tage von den Toten auferweckt worden von Gott. Erlaubten dann seine österlichen Erscheinungen, von seinem Sieg über den Tod zu sprechen. Im Prinzip unterschiede Jesus sich dann ja nicht von dem vom Tode auferweckten Lazarus. Beide Auferweckungen bewiesen ja nur, daß Gott als der Allmächtige Tote wieder ins Leben zurückrufen kann. Gott hatte schon vordem Henoch und den Propheten Elischa vor dem Tode bewahrt, indem er sie in den Himmel aufnahm bevor sie starben. Haben diese 2 Entrückungen den Tod besiegt oder auch nur bewiesen, daß Gott in seiner Allmacht Menschen vor ihrem Tode bewahren kann?

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ostern für sich genommen zeigt nur, daß Gott Tote auferwecken kann, wenn er will; Ostern besagt aber nicht, daß er alle Menschen so vom Tode erwecken werden wird, wie ja auch die Himmelfahrt des alttestamentlichen Propheten nicht besagt, daß Gott so nun alle von dem Tode erwecken will. Diese Himmelfahrt demonstriert uns nur, daß der Allmächtige das könnte. Ja die Kritiker des Apostels Paulus urteilten gar, daß, wenn Jesus wirklich leiblich auferstanden wäre, er ob seiner Leiblichkeit dann wieder sterben müßte- so wie eben auch Lazarus, auferweckt wieder sterben mußte. Seine Auferweckung ist eben kein Sieg über den Tod sondern nur eine Zugabe an Lebenszeit, die mit seinen Tode ihr Ende gefunden hatte.

Wie kam dann das Narrativ auf, daß Jesu Tod die Überwindung des Todes sei. Zwei Thesen dazu:

Vom Alten Testament her und isb von den Texten der Septuaginta (die Makkabäerbücher) her hatte sich im Judentum zu Zeiten Jesu der Glaube an die allgemeine Auferstehung der Toten oder die der Gerechten entwickelt. Die Pharisäer, zu denen Paulus ursprünglich gehörte, vertraten diesen Auferstehungsglauben, die Sadduzäer reprobierten ihn. Von dieser pharisäischen Glaubensvorstellung her wurde nun im Urchristentum das Osterereignis begriffen: Mit der Auferweckung Jesu war an ihm die erwartete und erhoffte Auferstehung aller am Ende der Geschichte vorweggenommen. Er war der Erstling und wie er würden dann alle auferweckt werden, weil in Jesus das Allgemeine singulär vorweggenommen sich ereignet hat.

Das Alte Testament lehrt den Tod als Folge der Sünde Adams und Evas. Es gibt für das AT keinen natürlichen Tod. Der Tod ist Gottes Strafgericht über den Menschen und deshalb erlitt auch Jesus am Kreuze das Strafgericht Gottes. Weil er aber nun nicht Gottes Strafgericht über seine eigenen Sünden erlitt, sondern weil er das Strafgericht als Sühne für die Sünden der ganzen Welt erlitt, braucht nun kein Mensch mehr den Tod als Strafgericht zu erleiden. Jetzt wird der Tod zum Hinübergehen in das ewige Leben. Der Tod als göttliches Strafgericht besiegte Jesus Christus, indem er ihn stellvertretend für uns erlitt. Das Jesus Christus hier um der göttlichen Gerechtigkeit willen das Kreuz erleidet, dafür steht das Faktum, daß Gott Jesus durch den Römischen Staat kreuzigen ließ; sei Tod ist so ein Ereignis im Rechtsraum des Staates und ist ein Akt göttlicher Gerechtigkeit.

Wäre sein Tod nur ein Willkürakt einer aufgehetzten Menge, sein Tod hätte nichts mit der Gerechtigkeit zu tun und seine Auferweckung wäre dann nur eine Revision einer Willkürermordung. Aber durch die Durchführung des Todesurteiles durch den Römischen Staat entsteht die Frage: Ist hier Recht oder Unrecht gesprochen worden?Spontan fällt die Antwort klar aus, daß hier ein Unschuldiger verurteilt worden ist. Aber dies Urteil verkennt, daß hier der vollkommen Unschuldige für die Schuld aller eintretend der wirklich zu Bestrafende geworden ist und so Pilatus auch rechtens das Todesurteil sprach. Wenn ich für einen Freund alle seine Schulden übernehme, dann verlangen die Gläubiger zu Recht von mir, daß ich alle Schulden begleiche. Das tat Jesus auch, als er unseren Tod auf sich nahm am Kreuze, damit wir ihn nicht erleiden müssen. So besiegt Jesus für uns den Tod, daß er nun nicht mehr der Straftod ist, der uns das Tor in die Unterwelt ist sondern uns zum Tore ins ewige Leben so geworden ist.

 

Donnerstag, 15. April 2021

Mit den Menschenrechten die Kirche bekämpfen - Ja zu einer chismatischen „Kirche“ Deutschlands?

(Wozu der Wille, Homopaare zu segnen, Deformer der Kirche alles verleitet!)



In der Kirche ist diese Wahrheit seit dem 2.Vaticanum weitestgehend verdrängt, daß die Proklamation der Menschenrechte antichristlich und isb antikatholisch inspiriert war, wie sich ja so auch die Französische Revolution und nicht erst ihre Nachfolgerevolution, die bolschewistisch gegen die christliche Religion wandte.Die Gretchenfrage, wie man es denn nun mit der Religion halte (Goethe, Faust)soll nun eine irrelevante sein: Niemand dürfe ob seiner Religion diskriminiert werden; bei der Beurteilung eines Menschen dürfe dessen Religiösität oder Nichtreligiösität keine Rolle spielen. Denn die Religion ist etwas Gleichgültiges. Da die Kirche dem nicht zustimmen konnte, wurde sie in der Französischen Revolution zu einer verfolgten.

Die Kirche verurteite dann konsequenterweise die Menschenrechte bis zum 2.Vaticanum; aber dann änderte sich die kirchliche Stellung dazu. Das ist ja auch ein wesentlicher Grund, warum Traditionalisten das 2.Vaticanum so entschieden kritisieren, weil es im Widerspruch zur Lehre der Kirche die Religionsfreiheit jetzt bejahte, als gäbe es ein Recht zur Unwahrheit.

Wie kam es zu diesem Wandel oder gar Bruch mit der Lehrtradition der Kirche, den noch heute viele Linksliberale als Beweis anführen, daß die Kirche das Recht habe, alle bisher als wahr behaupteten kirchlichen Lehren zu revidieren oder gar abzuschaffen.

Meine These dazu: Die Erfahrung, in totalitär sich verstehenden Staaten im Namen der Wahrheit der da herrschenden Ideologie diskriminiert zu werden, führte dazu, daß die Kirche nicht offensiv die Wahrheit der christlichen Religion - im Forum der Vernunft – bewies und so jede Unterdrückung der christlichen Religion als Unrecht verurteilte, sondern defensiv sich der Menschenrechtsideologie anschloß, daß ein Staat nicht das Recht habe, Bürger ob ihrer Religion zu diskriminieren oder sie an der Ausübung ihrer Religion zu hindern. Die Apologie der christlichen Religion als der einzig wahren traute die Kirche ihrer Theologie nämlich nicht mehr zu. Zudem konnte ja das traditionelle Argument, daß es kein Recht zur Unwahrheit gäbe, totalitäre Staaten nutzen zur Rechtfertigung der Unterdrückung der christlichen Religion mit dem Argument, daß die Religionskritik ja die Unwahrheit jeder Religion hinreichend bewiesen habe. So verzichtete die Kirche auf den Standpunkt, daß die Wahrheit nicht neben sich die Unwahrheit dulden könne.

(In jedem Rechenunterricht dominiert ja immer noch die doktrinäre Intoleranz, daß es auf die Lehrerfrage, was sei 5 plus 7?, nur eine wahre Antwort gäbe und daß alle anderen möglichen Antworten falsch und vom Lehrer nicht zu tolerieren seien.)

Die Kirche mußte so in ihrer Relation nach Außen den Menschenrechtsstandpunkt vertreten, daß im Urteile des Staates jede Religion als gleichwahr bzw gleichgültig anzusehen sei, daß aber vor Gott weiterhin es nur eine wahre Religion gäbe und daß die Kirche innen die Alleinwahrheit der christlichen Religion vertritt. So kann ein Muslim eben nicht Messner einer Kirche werden oder ein Atheist Pfarrer- obgleich so Menschen ob ihrer Religion bzw ihres Atheismus diskriminiert werden. Das Innenleben der Kirche setzt notwendig das Urteil, daß nur die christliche Religion die wahre ist, voraus, denn sonst vergleichgültigte sich das gnze Religionsleben in der Kirche.

Nun wird aber mit den Menschenrechten der Kampf gegen das Innenleben der Kirche geführt: Da sie diese nun seit dem 2.Vaticanum anerkenne, müsse sie auch ihr Innenleben menschenrechtsgemäß gestalten. Dreier Angriffe hat sich so die Kirche zu erwehren: a) daß sie gegen die Menschenrechte verstoße, wenn sie Frauen nicht zum Priestertum zuläßt, b) wenn sie nicht jedem die Kommunion austeile und c) wenn sie homosexuelle Paare nicht segnen wolle.

So titelte Kath de am 14.4. 2021: „Burkhard Hose über Segnungsverbot: Abstriche bei Menschenrechten“. Der Segen wird so als eine kirchliche Dienstleistung verstanden, auf die jeder Mensch ein Recht habe und die so niemanden verwehrt werden dürfe. Warum es nun darüber hinaus auch ein Recht geben soll, daß nicht nur Einzelmenschen sondern auch Paare ein Recht haben, gesegnet zu werden, bleibt aber unreflektiert. Dürfte dann etwa auch jede politische Partei, jede Gruppe, etwa auch die Mafia eine Segnung für sich einfordern, weil es ein Menschenrecht auf den kirchlichen Segen gäbe? Aber „Hochschulpfarrer Burkhard Hose setzt sich für die Rechte Homosexueller in der Kirche ein.“ Gibt es dann wohl auch ein Recht auf die Priesterweihe, sodaß jedem, der sie erstrebt, egal wie er es mit der Religion hält, die Kirche diese Weihe nicht vorbehalten dürfe? Konsequent wäre das im Geiste der Menschenrechtsideologie.

Diesem Hochschulpfarrer ist das Menschenrecht auf den kirchlichen Segen so wichtig, daß er gar, um Homopaare zu segnen, zum Schisma mit der Katholischen Kirche bereit ist: „Im Interview erklärt er, warum die kirchliche Einheit nicht um jeden Preis erhalten werden darf – und wo er bei diesem Thema schon einen Bruch beobachtet.“ Die Menschenrechte seien eben nicht verhandelbar: deshalb lieber ohne Rom Homopaare segnen als um der Einheit willen auf diese Segnungen verzichten.

So wird nun versucht, das Innenleben der Kirche zu zerstören durch die Forderung, sie müsse sich auch ihre innere Ordnung menschenrechtsgemäß gestalten. Das Einfallstor dafür bildet die Instrumentalisierung der Menschenrechtsideologie durch die Kirche zur Abwehr totalitärer Ansprüche des Staates, die Religion unterdrücken zu dürfen im Recht ideologischer Wahrheiten. 

Corollarium 1

Das göttliche Endgericht: Wenn Gott menschenrechtsgemäß dies Engericht durchführen würde,dürfte er die Frage, wie hieltest Du es mit der Religion?, nicht stellen, da niemand ob seiner Religion oder Nichtreligion (auch von Gott!) nicht diskriminiert werden dürfte. Würde Gott aber den Menschen nach ihrem Verhalten zur wahren Religion im Endgericht beurteilen, dann verstieße er selbst gegen die Menschenrechte. Kann aber die Kirche die Menschenrechte bejahen und gleichzeitig lehren, daß Gott nicht im Einklang mit ihnen sein Endgericht vollziehen wird, indem er fragen wird: Hast Du geglaubt, den wahren Glauben praktiziert?  Die Anerkennung der Menschenrechte zerstört so das Fundament der christlichen Religion, daß Gott es nicht gleichgültig ist, ob und wie wir an ihn glaubten.

 

Mittwoch, 14. April 2021

Populäre Irrtümer in der Kirche: Die Bibel kenne keine dualistische Anthropologie


Ein beliebtes Narrativ, daß es im AT schon gar nicht und im NT auch nicht eine dualistische Anthropologie gäbe, die mit ihrer Unterscheidung von Fleisch, Körper und Seele und Geist sei nur später in der Kirche aus dem griechischen Kulturraum rezipiert worden- zum Schaden der Theologie. Ein ganzheitliches Menschenbild sei so eine Rückkehr zum eigentlich biblischen Denken. Liest man darauf den Psalm 16, 9f, könnte man sich bestätigt fühlen, vorausgesetzt man liest die „Einheitsübersetzung“:

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele: auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis,du läßt deinen Frommen das Grab nicht schauen.“

Petrus deutet diese Aussage christologisch, Apg 2,26f. Wie verhält sich nach dieser Übersetzung: „mein Leib“ zu dem „mich“, das die Verwesung nicht schauen wird, so in der Apg? Ist der Leib und das Ich identisch, daß ich wohnen werde in Ruhe und daß ich die Verwesung nicht schauen werde?

Ein Blick in den griechischen bzw Vulgatatext verschafft hier Klarheit: Der Leib ruht im Grabe, die Seele aber wird nicht verbleiben in der Unterwelt.

Das ist eine eindeutig dualistische Auffassung des Menschen. Dem korrelieren auch alle biblischen Aussagen über die postmortale Existenz des Menschen: In der Unterwelt existiert er weiter als Seele, das Todsein erleidend als sein Getrenntsein von Gott.

Du läßt den Frommen die Verwesung nicht schauen, impliziert, daß die Unfrommen ihre Verwesung sehr wohl schauen werden. Die Verwesung ist wohl in erster Linie auf den Leib im Grabe zu beziehen und nur in übertragenem Sinne auf die Seele. Zu fragen ist dabei aber, wie denn der Mensch als Verstorbener und Begrabener diese seine Verwesung sehen kann. Darauf gibt es nur eine mögliche Antwort: Die Seele, postmortal in der Unterwelt kann die Verwesung seines Körpers sehen und sich selbst als Geist in der Unterwelt wahrnehmen. Dies Sein in der Unterwelt wäre dann die Verwesung der Seele, ihr Abgetrenntsein vom Leben. Die Seele darf dann aber nicht als einfach genichtet vorgestellt werden, denn dann könnte sie als unfromme nicht die Verwesung seines Leibes noch den eigenen Zustand des Seins in der Unterwelt wahrnehmen: Sie muß also lebendig sein und nur so erleidet sie ihr Totsein als ihr eigenes Leid!

Ohne eine dualistische Anthropologie ist diese Ausage dieses Psalmes nicht verstehbar, ja die Unterweltvorstellung setzt notwendigerweise die Idee der unsterblichen Seele voraus, denn nur so kann eine postmortale Existenz des Menschen in der Unterwelt vorgestellt werden.

Die Einheitsübersetzung verdunkelt diese Wahrheit aber dadurch, daß wo sie mit „Seele“ übersetzen müßte mit Ich/mich übersetzt, vielleicht aus Rücksicht auf den Protestantismus, der weitestgehend die Lehre von der unsterblichen Seele verwirft, um ein modernes rein materialistisches Menschenverständnis zu präferieren.

 

Dienstag, 13. April 2021

Die Zerstörung des Sozialen: „Den Menschen es überlassen, wie sie sich selbst schützen möchten“

(Der Liberalismus als die größte Gefahr für das Sozialleben und dem Menschen)

So lautet die Zentralaussage von Dr. Krause in einem Artikel der „Freien Welt“ am 10.April 2021. Hier spricht ein wahrhaft Liberaler in dem Liberalismus nicht mehr so ganz zugeneigten Zeiten.Seit der Coronaepidemie und dem ziemlich erfolgreichen Maßnahmen der Chinesischen Regierung zur Eindämmung dieser Seuche orientieren sich selbst liberal regierte Staaten an diesem chinesischen Vorgehen, sind aber nicht so erfolgreich, weil die jeweiligen Bevölkerungen nicht mehr gewohnt sind, diszipliniert zu leben. Der der (post)modernen kapitalistischen Gesellschaft zu eigene Hedonismus als ideales Konsumentenverhalten kann eben nicht per Tagesbefehl in die Kaserne, in die Kultur des Gehorchens zurückbeordert werden.

Es soll also keine sozialen Regeln des sich - und andere Schützens geben, sondern jeder habe eben für sich allein zu sorgen. Das ist eine eindeutige Aufkündigung des Sozialstaates, denn dessen Anliegen ist ja der Schutz der Bürger vor der Willkür ihrer Mitmenschen. So darf eben ein Vermieter nicht unbegrenzt die Mieten zu Lasten der Vermieter erhöhen und ein Arbeitgeber muß den Mindestlohn zahlen. All das sind Regularien, die aus liberaler Sicht die Freiheit der Bürger beeinträchtigen: Jeder müsse eben selbst sehen, wie er sich vor für ihn unbezahlbaren Mieten oder Niedrigstlöhne schützt.

Auch ist der Jugendschutz (Kinderarbeit, das Verbot des Verkaufes von Alkohol und Tabak an Kinder und vieles mehr) ja genaugenommen auch eine unzumutbare Beeinträchtigung unternehmerischer Freiheit: Sie dürfen kein 13 jähriges Kind, auch wenn es das will, 40 Stunden arbeiten lassen. Genauso schlimm ist die Pflicht zur Mitgliedschaft in einer Krankenkasse, daß nicht jedem es freigestellt wird, wie er für den Krankheitsfall und für eine Erwerbsunfähigkeit vorsorgt. Nein, der Liberalismus kennt, wenn er konsequent ist und sich nicht verwässern läßt durch soziale Anliegen nur das atomisierte Individuum, das allein für sich sorgt ohne eine Rücksicht zu nehmen auf seine Mitmenschen. Dazu paßt es eben, daß auch die Pflicht zum Tragen von den Schutzmasken abgelehnt wird, denn warum sollte ich meine Freiheit einschränken bloß um andere zu schützen.

Es wird kolportiert, daß im Homomilieu auch die Maxime gelte, daß jeder für seine eigene Sicherheit selbst allein verantwortlich sei, sodaß Aidsinfizierte nicht verpflichtet seien, das ihrem Sexpartner mitzuteilen, denn der sei ja allein für seine eigene Gesundheit zuständig, ob er „ungeschütztem Sex“ zustimme.

Jeder denke nur an sich, und wenn dann alles egoistisch lebten, ginge es allen gut, denn solch ein Egozentrismus zahle sich eben aus. In dem sehr lesenswerten Buch: „Sozialer Patriotismus“ von B. Kaiser findet sich eine fundierte Kritik „Rechter“, die zugleich „Marktwirtschaftsliberale“ sind, sodaß sie um der bürgerlichen Freiheiten willen alles Soziale letztendlich reprobieren, um die zügellose Freiheit des Einzelnen zu propagieren. Wahrhaftig: Am Liberalismus gehen die Völker zugrunde“. Moeller van den Bruck.

 

Montag, 12. April 2021

"Auf dem Synodalen Weg zu einer demokratischen Kirche sui generis"

(die Selbstvernichtung der Katholischen Kirche Deutschlands durch ihre Verdemokratisierung)


So titelt „Kath info“ am 10.4.2021. „Der akademische Vordenker des Synodalen Wegs, Prof. Eberhard Schockenhoff, hat als Ziel des Synodalen Wegs vorgegeben, die kirchliche Theologie und Praxis „auf die Höhe der geltenden Wertmaßstäbe einer säkularen, liberalen Demokratie“2 zu bringen. Die Kirche soll sich in ihren Grundsätzen und dem methodischen Vorgehen an den liberal-demokratischen Wertekanon des säkularen Staates bzw. den demokratischen Mehrheitswillen der Zivilgesellschaft anpassen.“

Das ist eindeutig: Die Kirche Jesu Christi, der Genitiv zeigt ein Besitz-und Herrschaftsverhältnis an, soll zu einer werden, in der das Kirchenvolk regiert. Faktisch meint dies demokratische Regieren aber nur, daß Parteien in Vertretung des Volkes regieren und wie in den meisten westlichen Ländern gibt es dann eine mehr links und eine mehr conservativ ausgerichtete Partei. Auf dem „Synodalen Irrweg“ dominiert eindeutig die linksliberale Partei, die so die Unterordnung der Oppositionellen unter ihr Regiment erwartet.

Liberal“ und „säkular“ soll die Kirche werden. Die ZK Vizepräsidenten brachte das klar zum Ausdruck: „Sie findet den >autoritativen Rückgriff auf göttlichen Willen als abträglich für den notwendigen Dialog“<und dem Streben nach >demokratischen Prinzipien<“. Im demokratischen Diskurs kann das Wort Gottes, Gottes Wille kein Argument sein!

Im Klartext: Der Wille Gottes ist ein Hindernis auf dem Synodalen (Irr-)Weg zu einer Kirche aus dem Willen der Menschen.“ Diese Kommentierung trifft den Kern des „Synodalen Irrweges“. Die so verdemokratisierte Kirche wird nicht mehr die Kirche Jesu Christi sein, sondern eine links-humanitarische NGO, die demokratisch aufgebaut sich wohl primär für die Humanisierung der Welt einsetzt und als folkloristisches Beiwerk noch ein wenig religiöses Dekor aufweisen wird.

Der Antrag einer Bischofsgruppe, sich bei den Beratungen und Beschlüssen an die lehramtlichen Grundsätze des biblisch-kirchlichen Glaubens zu halten, haben die Synodalen mit großer Mehrheit abgelehnt.“ „Lehramtliche Grundsätze des biblisch-kirchlichen Glaubens“ sollen eben hier keine Rolle mehr spielen. Dazu paßt es auch, daß eine Laiengruppe forderte, „man sollen weniger beten und mehr debattieren.“Ob subkutan nicht doch die Parole: Das schaffen wir auch ohne Gott!, die Debatten dieser Dialog- oder sagen wir besser linksliberalen Monologveranstaltung- bestimmt?

Eigentlich haben wir doch in Deutschland schon genug so geartete NGOs- aber keine von denen verfügt wohl über so viel Geld wie diese. Das Geld nun im Sinne eines Linkshumanitarismus einzusetzen, reißt wohl zur Machtübernahme in der Kirche, um dann deren Potential so nutzen zu können.

An „den demokratischen Mehrheitswillen der Zivilgesellschaft anpassen“ inkludiert natürlich auch das Recht der Frauen, ihre Kinder im Mutterleibe töten zu lassen und die Zustimmung zur Euthanasie, die ja mehrheitlich bejaht wird – aber was die Mehrheit will, das gilt nun als Wahrheit. Aber nicht nur die Morallehre der Kirche muß so aufgelöst werden, noch viel mehr die Theologie, die von autoritativ vorgegeben Wahrheiten, geoffenbarten ausgeht, statt als wahr nur das anzuerkennen, was demokratisch als Wahrheit durch Parlamente synodal bestimmt wird. Die Parteienherrschaft soll so die Königsherrschaft Christi ersetzen.