Samstag, 14. März 2026

Wir brauchen eine neue Kirche – Umstürzlerische Vorschläge aus der Giftküche des Laien-ZKs

 

Wir brauchen eine neue Kirche – Umstürzlerische Vorschläge aus der Giftküche des Laien-ZKs



Der ZK-Theologe und Vizepräsident dieser Vereinigung Herr Södling stellt klar, daß die von dieser Vereinigung propagierte Reformagenda erst der Schritte zur Zerstörung der Katholischen, denn wenn man erst Mal die Macht in der Kirche übernommen habe,dann könne erst richtig mit der Kirche aufgeräumt werden. „Es braucht eine katholische Internationaleso betitelt Kath net am 13.März 2026 das Anliegen dieses ZK- Theologen.1

Als den ersten Punkt formuliert dieser ZK- Theologe sein vernichtendes Urteil über den jetzt gültigen Katechismus der Katholischen Kirche, diesem Kompendium der Lehre der Kirche: „Vizepräsident des ZdK behauptet: Die Kirche müsse sich ehrlich eingestehen, >dass der ‚Katechismus‘ nur eine kleine Zielgruppe erreicht<.“ Unter dem Verb: erreichen wird hier nicht verstanden, daß der Katechismus zur Kenntnis genommen wird, und das dann nur von sehr wenigen, sondern daß er nur von sehr wenigen bejaht wird, daß nur sehr wenige der Katholiken der Lehre der Kirche zustimmten.

Da für diesen demokratisch gesonnenen Theologen als wahr nur gelten kann, was von einer Mehrheit der Katholiken bejaht wird und zudem abstimmungsberechtigt nur die jetzt gerade lebenden Katholiken sind, was die vor uns und was die nach uns Katholiken glauben, ist eben irrelevant, weil es nur auf die jetzigen ankäme,ist damit hinreichend bewiesen, daß dem Katechismus die „ Rote Karte“ zu zeigen sei.

Wie die katholische Kirche in der globalisierten Welt ihre diakonische, soziale, pädagogische, kulturelle und dann auch politische Aufgabe erfüllen will, muss sie unter den verschärften Bedingungen der Gegenwart neu herausfinden.“ Was ist also die Aufgabe der Kirche? Sie habe diakonisch,pädagogisch,kulturell und politisch zu wirken. Damit gibt sich die Kirche selbst auf, indem sie auf ihre wesentliche Aufgabe verzichtet, die der Verkündigung des Evangeliumes und noch grundlegender die der Gottesverehrung durch und in ihrem Gottesdienst. Die Kirche soll in eine humanitaristische NGO transformiert werden eingedenk des Faktums, daß die Kirche,wenn überhaupt noch nur nach als eine Organisation der praktizierten Nächstenliebe akzeptiert wird.

Positives kann dieser ZK- Theologe aber schon in der jetzigen kirchlichen Praxis erkennen: „Es fehle ja nicht „an Initiativen und Projekten“, so Söding, und lobt dann: >von Caritas International über Justitia et Pax bis zum Flüchtlingswerk der Jesuiten, von den kirchlichen Hilfs- und Solidaritätswerken über Gemeinde- und Bistumspartnerschaften bis zu kirchlichen Basisbewegungen<, immerhin erwähnt er wenigstens noch >die Orden, die erfahrensten Gemeinschaften mit den intensivsten Kontakten weltweit<.

Ein Problem wird dabei aber übersehen:Wenn auch wohl die Allermeisten die Kirche als organisierte Nächstenliebe noch bejahen,so sagen sie dann aber auch: „Hoffentlich brauche ich die Kirche nicht,denn ich hoffe, nicht so in eine Notlage zu kommen, daß ich deren Dienste beanspruchen muß!“ Christsein heißt dann, die Kirchensteuer zu bezahlen, die hoffentlich die Kirche für ihr diakonisches Wirken ausgeben möge und daß man wenigstens ab und zu für ein sozial- caritatives Anliegen spendet – die zeitgenössische Version des Ablasses: „Spende und Du bist ein guter Mensch!“

Ach, und war da noch was mit Gott, dem Dreieinigen, ist das Christentum nicht eine Religion und hat was mit einer Gottesverehrung zu tuen? Das ist ein vorkonziliares Kirchenverständnis, dem leider noch der jetzige Katechismus ganz und gar verhaftet sei, aber das ist eben modernen Menschen Unzumutbares. So hat sich die Kirche aufzugeben! Stattdessen sei es die Aufgabe der Kirche, als eine neue „Internationale“ die Welt zu humanisieren im Bunde mit allen humanistischen Kräften, das Menschenrecht universal zur Geltung zu bringen! Aus  der zur Mission berufenen Kirche wird so eine Agentur zur Weltoptimierung. 


1Ob dieses ein kryptisches Anspiel auf die „Kommunistische Internationale“ ist, in der bekanntermaßen wir nicht auf ein höheres Wesen,Gott vertrauen sollen, sondern die Welt selbst revolutionieren sollen, indem wir das Menschenrecht universal verwirklichen,überlasse ich der Phantasie der geneigten Leser.

Über den Zusammenhang zwischen dem Ideal der religiösen Toleranz und der Vergleichgültigung alles Religiösem

 

Über den Zusammenhang zwischen dem Ideal der religiösen Toleranz und der Vergleichgültigung alles Religiösem





John Stuart Mill meinte, dass eine liberale Toleranz – sagen wir ruhig: eine Laissez-faire-Haltung – nur durch die Ausklammerung, ja, die bewusste Suspension von Glaubensartikeln möglich sei: Er schrieb: >Intoleranz ist den Menschen hinsichtlich dessen, woran sie zutiefst glauben, so natürlich angeboren, dass religiöse Freiheit nirgends wirklich praktiziert wird, außer wo es ein religiöser Indifferentismus ist, der sich vom Streit der Theologen nicht stören lassen will.<"1

Wie konnte dann aber die Toleranz im Gebiet des Religiösen zu einer Tugend erklärt werden, eine Haltung werden, der heutigen Tages sicher selbst die allermeisten Christen zustimmen und sie auch praktizieren, wenn diese doch dem natürlichem Verhalten jedes Gläubigen so sehr widerspricht? Wenn die religiöse Intoleranz von diesem Philosophen als „natürlich angeboren“ beurteilt wird, dann müßte vorausgesetzt werden, daß der Mensch von seiner Natur her religiös sei und daß zu seiner natürlichen Religiösität die Intoleranz gehörte.Faktisch ist aber jede Religiösität etwas kulturell Vermitteltes, auch wenn der Ursprung einer Religion in Gott selbst gesehen wird.Die Kirche vermittelt dann die Religion, eingedenk der Einsicht des hl Cyprians, niemand könne Gott zu seinem Vater haben, der die Kirche nicht zu seiner Mutter habe. Wenn man aber das Natürlich- Angeborensein als: „Es sei doch selbstverständlich, daß einem Gläubigen religiöse Fragen nicht gleichgültig sein können“, liest, ist diese Aussage nicht bestreitbar.

Es ist also, wie auch immer,gelungen,daß das, was für den religiösen Menschen eine Selbstverständlichkeit ist,ihm etwas Inakzeptables geworden ist. Man könnte hier von einer gelungenen Umerziehung sprechen. Ihre Anfänge sind in dem Anliegen der Aufklärung als dem Willen zur Domestikation der christlichen Religion zu finden, daß innerchristliche Kontroversen zu gleichgültigen Streitfragen entradicalisiert werden sollten. Eine „natürliche Religion“ wurde dazu konstruiert, die die Summe aller Vernunftwahrheiten der Religion zusammenfaßt und alle anderen Aussagen der christlichen Religion und auch aller anderen Religionen als überflüssige entwertet: Gott, die Seele und die Bestimmung zur Sittlichkeit,bildeten dabei die Kernelemente dieses Konstruktes der natürlichen Religion.

Damit war ein großer Schritt hin zum religiösen Indifferentismus getätigt. Die Ökumene und der interreligiöse Dialog prolongieren dann diese Vergleichgültigungstendenz innerhalb der Religionen, denen dann nur die Integrationsunwilligen gegenüberstehen, die Wahrheitsfundamentalisten.

Von fundamentaler Bedeutung für die Genealogie des Indifferentismus ist nun die Kritik des Erkenntnisvermögens, daß sich alle religiösen Aussagen weder verifizieren noch falsifizieren lassen, daß so der Glaube nur etwas subjektiv willkürlich als für wahr Gehaltenes sei.Hierbei muß bedacht werden, daß der Wille, daß es im Bereich des Religiösen keine Wahrheitserkenntnis geben solle, die anspornende Kraft war und ist, alle religiösen Aussagen als nicht als beweisbar und als unwissenschaftlich zu diskreditieren2. Denn könnten im Bereich der Religion wahre Aussagen generiert werden,würden die ob ihres Wahrheitsanspruches konfliktträchtig sein, da einige sie bejahen würden und andere nicht. Um des lieben Friedens willen sollen deshalb Glaubensbekenntnisse nur als rein subjektivistische geäußert werden: „Das glaube Ich so, aber jeder kann das auch nicht so glauben wollen.“

Die Erziehung zum religiösen Indifferentismus führt dazu, daß bis jetzt noch in „Gute Benimmratschlägen“ regelmäßig zu lesen ist:“Rede nicht über Deinen Glauben oder die Religion, das könnte zu Konflikten führen!“ Ein solches Reden sei sowieso zwecklos, da man über religiöse Fragen so wenig streiten könne wie über den Geschmack: „Jedem gefalle eben etwas anderes und so könne es auch jeder mit allem Religiösen halten- hier sei alles gleichgültig. Deshalb müsse aber jeder Wahrheitsfundamentalismus aus jedem Gespräch und dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden.

Das hier Aufgeführte ist nun keine vollständige Analyse der Genealogie des Indifferentismus im Raume der Religion, sondern soll nur anzeigen, daß diese Haltung eine künstliche erzeugte ist angefangen mit der Auflärung, die allein dem Zwecke der Devitalisierung der Religion, der Religionen dienen soll,also um das in jeder Religion innewohnende Konfliktpotential zu entschärfen. Der eigene Glaube soll selbst dem Gläubigen so unwichtig werden, daß er deswegen kein Streitgespräch führen werde. Deswegen muß jeder Glaube,jede Religiösität auf etwas pur Subjektives reduziert werden.





1  „Communio“ 12.3.2026: „49 Stressball: Über den Zorn der Theologen“.


2Anregend könnte ein Blick in das Georg Lukacs Werk: „Zerstörung der Vernunft“sein,in dem dieser Philosoph nachzuweisen versucht, daß das Zentralanliegen der nachheglischen und nachmarxschen Zeit das Beweisen der Nichterkennbarkeit der Wahrheit gewesen sein soll.

Freitag, 13. März 2026

Widerstreitet Jesu Verkündigung der Menschenwürde?

 

Widerstreitet Jesu Verkündigung der Menschenwürde?



Vorab ein Lekürevorschlag:“Elfter Tag,Betrachtungen über die große Zahl der Verdammten“, in: Michael Sintzel, Maria, meine Zuflucht und mein Trost“, 1919, S.687- 689.

So lehrt es uns Jesus Christus selbst: „Bemühet Euch, durch die enge Pforte einzugehen; viele werden es versuchen einzugehen, und es nicht vermögen.“ (Lk, 13,24) Wie konnte nur diese Aussage, vor etwa 100 Jahren zitiert, noch zustimmend zitiert werden, widerspricht sie doch offenkundig der Menschenwürde, daß Gott, da er unser aller Schöpfer ist, uns alle auch liebt und so es unmöglich ist, daß dieser Gott den Vielen den Eintritt in das Reich Gottes verwehrt, als existierte eine in das Himmelreich führende„enge Pforte“, sodaß viele dies Ziel nicht erreichen können.

Die Entschiedenheit, mit der diese Aussage über die „ebge Pforte“ verworfen wird, demonstriert unübersehbar, wie selbstverständlich die chritliche Religion in einen religiösen Humanitarismus transformiert worden ist, für denn es eben selbstverständlich ist, daß Gott als uns alle Liebender auch uns alle in das ewige Leben führen wird, sofern wir es nicht vorziehen, nicht in einer ewigen Gemeinschaft mit ihm leben zu wollen.

Daß Gott jedes Geschöpf, weil er es selbst ersschaffen hat, auch liebt, und so keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten will, sei doch ein selbstverständlicher Gedanke. Nur, Gott hat auch den Engel erschaffen, der dann gegen ihn revoltierte und als Teufel dann wider ihn kämpft, bis Gott ihn endgültig besiegen werden wird, an dem Tage Jesu Christi Wiederkunft in Herrlichkeit. Von diesem gefallenen Engel und den Seinen sagt die hl. Schrift nie, daß Gott auch ihnen vergeben wird, nein, dem Satan und den Seinen droht die ewige Verdammnis. Einer rein anthropozenristischen Theologie bekümmert nun das Schicksal des Teufels und der Seinigen nicht, aber bedächte man es, könnte nicht mehr einfach gelehrt werden: Weil Gott jedes seiner Geschöpfe liebe, könne er keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten.

Die Sünde wird in dem christlichen Heilsdrama so ernst genommen, daß unser Sündigen uns vom ewigen Heil ausschließen könnte. Die Kaprizierung auf die Menschenwürde im Verbund mit der Menschenrechtsideologie soll dieses Ernstnehmen der Sünde ausschließen: Wir alle sind und bleiben stets Gottes geliebte Kinder. Vor Gott befinden wir uns so gesehen stets im Status der Unmündigkeit: Weder traut Gott uns noch gute Werke zu, durch die wir uns den Himmel verdienen könnten noch daß wir um unserer Sünden willen von Gott bestraft werden könnten. Gott rechnet uns weder unser gutes Tuen noch unser böses an, sondern er liebt uns wie eine Mutter ihr unmündiges Kleinkind. Dieser Unmündigkeitstatus soll uns also auszeichnen und uns vergewissern, daß alle Rede von einem Zorn Gottes, einem Gericht nach unseren Werken oder allein danach, ob wir ihm glaubten oder nicht glaubten, nur widerchistliche Horrorphantastereien seien.

Damit wird aber Jesu Christi ganze Lehre vom Himmelslohn, von der Möglichkeit unseres Bestraftwerdens durch Gott ob unserer Sünden als ein einziger Irrtum abgetan. Auch war Jesu Heilswerk, sein Sühnopfertod am Kreuze ein völlig überflüssiges Unternehmen, da Jesus ja uns nur aufgeklärt hätte, daß Gott jeden von uns liebe, sodaß uns allen der Eintritt in das eeige Leben gewiß sei. Denn Gott hörte nie auf, uns zu lieben, da er als die Liebe gar nicht anders könne als uns zu lieben.

Gottes Geliebtwerden gehört so zu uns Menschen so selbstverständlich, wie auch die Menschenwürde etwas Unerlierbares sei.Nicht sei es ein Akt der Gnade, wenn Gott uns Menschen bejahe sondern Gott könne ja gar nicht anders, als uns als seine Geschöpfe zu lieben, das ist die Vernaturalisierung der gnädigen Liebe Gottes.

Theologisch kann Jesu Lehre, daß es den Vielen nicht möglich sein wird, durch die „enge Pforte“ in Gottes Reich einzugehen, so interpretiert werden: Uns Menschen sei das fast unmöglich, aber Gott kann uns gnädig durch diese „ enge Pforte“ hindurchführen, nur ist das keine Selbstverständlichkeit sondern allein ein Gnadengeschenk Gottes.Jesus antwortet ja auf die entsetzte Frage seiner Schüler, wer könne denn dann noch gerettet werden:"Was bei den Menschen unmöglich ist,das ist bei Gott möglich." (Lk 17,27) Sintzel offeriert aber eine völlig andere Deutung, die nicht a priori verworfen werden kann.

Donnerstag, 12. März 2026

„Moral statt Gnade:Warum die Kirche das Wesentliche aus den Augen verloren hat“

 

"Moral statt Gnade:Warum die Kirche das Wesentliche aus den Augen verloren hat“



So lautet der Titel eines mehr als lesenswertens Artikels der Internetseite: „Communio“ am 9.März 2026. Die Kirche verfehle ihren „übernatürlichen Auftrag“, wie es die CDU-Politikerin Frau Klöckner auf den Punkt brachte. Im Text heißt es dann: „Die übernatürlichen Heilswirklichkeiten geraten aus dem Blick.Gegenwärtig konzentriert sich die Kirche vielfach auf moralische und politische Themen: soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Verantwortung, Haltung und Engagement. Im Vordergrund stehen natürliche Tugenden wie Solidarität und Mitmenschlichkeit – wichtige Dimensionen des Zusammenlebens, die jedoch auch ohne Glauben einsichtig und praktizierbar sind. Ein Mensch kann moralisch gut handeln, ohne auf das übernatürliche Ziel der Gottesgemeinschaft ausgerichtet zu sein.“Die Gnade wird so faktisch zu etwas Überflüssigem, da der Adressat solchens Appelierens das von ihm Gesollte allein aus seinem natürlichen Vermögen zu können vermag. „Die Gnade erscheint nicht mehr als Erfüllung des menschlichen Verlangens nach dem Guten, sondern wird im Extremfall überflüssig. Der Mensch errichtet seine eigene Heilsordnung, die zumeist im Immanenten verbleibt.“

Damit wird in diesem Artikel das Anliegen einer politischen Theologie erfaßt, daß es nur im Medium der Politik erstrebenswerte Ziele gäbe, die von jedem Bürger guten Willens auch als erstrebenswert anzuerkennen sind. Es sind dabei aber eher sozialethische Tugenden als moralische Gebote, die den Kern einer politischen Theologie ausmachen. Wer ein gutes Ohr hat, wird dabei eine grün- rote Einfärbung dieser politischen Theologie nicht überhören können. Die „Kirchentage“ der Katholischen wie der EKD gleichen ja auch „Grün- Roten“ Jubelparteitagen, sodaß es auch verständlich ist, weswegen eine CDU- Politikerin diese politische Ausrichtung kritiseriert und eine unpolitische sich wünscht, wenn die Kirchen schon nicht auf der richtige Parteilinie zu bringen sind.

Das Reich der Moral wird dabei als das der endlich- politischen Zwecksetzungen verstanden, dem der Bereich der Gnade als die Ermöglichung eines Strebens nach übernatürlichen Zielen als überflüssig in das Abseits gestellt werden. Arnold Gehlen stellte dazu schon in seinem Werk: „Moral und Hypermoral“ fest, daß die eigentlichen Begriffe der Theologie in der Kirche kaum noch anzutreffen sind: „Unsterblichkeit, Prädestination, Gnade, Erlösung und Sünde“,1daß stattdessen „die Theologie zu einer simplen Ethik in erhabener Verkleidung wird.“2

Theologisch gründet sich diese Verquerung in der Bestimmung des natürlichen Vermögens des Menschen zum Guten als eine ihm eigene Möglichkeit, die durch seine Neigung zum Sündigen nicht beeinträchtigt sei, und somit keiner göttlichen Gnade bedürfe und in dem Insistieren darauf, daß getreu der Parole Nietzsches,daß der Mensch seiner Erde treu sein solle, der Mensch alle jenseitigen Ziele als irrelevante ad acta zu habe solle. Die christliche Religion solle auf keinen Fall mehr in den Verruf einer Jenseitsvertröstung geraten. Deswegen wird entweder die Hoffnung auf ein ewiges postmortales Leben gar nicht mehr erwähnt oder als ein Ziel angegeben, um das sich der Mensch gar nicht zu bemühen habe, da ihm dies gratis von Gott geschenkt werden würde, sofern er dieses Ziel überhaupt erreichen möchte.

Wenn es aber nur noch weltimmanente Ziele gibt, für die ein Engagement sich lohnt, dann kann dazu eine Morallehre, deren Frage lautet: „Wie habe ich zu leben, um das ewige Leben zu erlangen?“ nichts beitragen. Deswegen müssen alle Gehalte der kirchlichen Morallehre so umgeformt werden,daß sie Antworten geben, auf Fragen, für die sie gar nicht gegeben worden sind. So wird dann aus der Gerichtspredigt Jesu: „Wer wird in das ewige Leben eingehen?“ Mt 25,31- 46 ein sozial- caritatives Humanisierungsprogramm, an dem sich jeder Bürger guten Willens beteiligen könne.

Aber seit dem Ende des Real existierenden Sozialismus und der Propagierung der Marktwirtschaft und der liberalen Demokratie als alternativlose Ordnungen, hat sich das von der Kirche verkündigte sozial- caritative Projekt als das Surrogat für die eigentliche Evangeliumsverkündigung selbst verändert: Es ist nun die pure Affirmation dieser bestehenden Ordnung verbunden mit dem Auftrag, im Rahmen dieser Ordnung die allgemeine Humanisierung weiterzuentwickeln, aber zuförderst jede Kritik an ihr zu verwerfen. Der Kampf gegen Rechts wird so geführt als ein apologetischer, daß wir nun im Prinzip schon in der besten möglichen Welt leben, nur daß leider die Ordnung der Kirche da noch hinterherhinke und so einer Vermodernisierung bedürfe.



1Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, 9.Religion und Ethik, neuer Stil, S.133, Ausgabe 1981.

2A,a,O. S. 131.

Mittwoch, 11. März 2026

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte-systemrelevant?

 

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte



Ein Schreckgespenst geht um in den theologischen Fakultäten: Fast keiner will mehr Theologie studieren und was die universitäre Theologie an wissenschaftlichen Erkenntnissen noch produziert, wird außerhalb der Theologie nicht mehr rezipiert,und selbst innertheologisch kaum noch wahrgenommen. Wie kann sich da die Theologie als eine Disziplin an den staatlichen Universitäten noch legitimieren, daß sie für irgendwas noch eine Relevanz besitzt?

Der „feinschwarz“-Arikel: „Politische Theologie am Tag der Krise“ vom 7.März 2026 will auf diese bedrängende Frage eine Antwort geben: Die Theologie könne sich nur noch als eine politische Theologie legitimieren! So lautet dann die Hauptthese dieses Artikels:„Der liberale Staat kann sich am Tag der Krise nicht selbst retten, ohne seine Liberalität zu verraten. Er ist auf Kultur und Religion als außerstaatliche Sphären der Freiheitsbildung angewiesen. Dass von Kultur und Religion allerdings eine Affirmation liberaler Freiheit ausgehen, ist alles andere als selbstverständlich. Entscheidend ist daher, ob Religion selbst auf Seiten der Freiheit oder der Herrschaft steht.“

Sarah Rosenhauer ist die Autorin dieses Artikels.Klar erkennt sie die Krise des „liberalen Staates“, der gleichgesetzt wird mit dem politischen System Deutschlands. Die Krise ist seine Kritik durch rechtspopulistische, rechte und rechtsextremistische Kräfte, die in der letzten Zeit bei Landags- und Bundstagswahlen reüssierend und zwar so sehr, daß eine echte Gefahr für den „liberalen Staat“ Deutschlands existiere. Ganz alarmistisch wird so vor einem neuen „Faschismus“gewarnt: Alles müsse unternommen werden, um diese Gefahr zu bannen. Der „liberale Staat“ könne sich nun nicht selbst hinreichend vor dieser rechten Gefahr schützen, sondern bedürfe dazu einer antifaschistischen Kultur und insbesondere einer politischen Theologie, die den „liberalen Staat“ wider seine Feinde verteidige. Dabei könnte die Religion als eine falsche sich gegen die Freiheit, den „liberalen Staat“ stellen oder sich affirmativ zu ihm in Stellung bringen. Wenn die Theologie nun die Religion zu einer den „liberalen Staat“ affimierenden gestaltet, wird sie zur politischen Religion, die so ihrer Relevanz beweist. Sie soll so eine für den Staat relevante Leistung erbringen und dadurch sich als eine systemrelevante legitimieren.

Das Feindbild, das nun dieser Artikel in erschreckendsten Bildern ausmalt, zeichnet sich nicht durch seine Orginalität aus, verbleibt im Üblichen der politischen Korrektheit. Von Carl Schmitt hat man dabei gelernt, daß für den politischen Diskurs die Aufgabe der Bestimmung des Feindes die wesentliche ist.So wird dann die apologetische Aufgabe der Theologie so erfaßt: Die „Politische Theologie in Solidarität mit dem Liberalismus im Augenblick seines Sturzes“:“Angesichts der Krisen, Widersprüche und Paradoxien einer in Freiheit gegründeten Ordnung, kann die politische Funktion von Religion nicht darin liegen, eine bloße Apologie des Liberalismus zu formulieren. Ebensowenig aber darin, im Stil des Neo-Integralismus göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze an die Stelle autonomer Sittlichkeit zu setzen und daraus das religiöse Fundament einer postliberalen „Sittendiktatur“ zu bilden.“ Eine Apologie des Liberalismus müsse also die teilweise berechtigte Kritik am Liberalismus in sich integrieren, denn nur so könne sie wirklich ihrer Verteidigungsaufgabe gerecht werden. Reprobiert müsse dabei die Vorstellung, es gäbe“göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze“, denn das seien nun einmal mit der Konzeption des „liberalen Staates“ unvereinbare Ideen. Dazu wird nun die Hauptthese der neuen politischen Theologie formuliert: „Die politische Bedeutung von Religion besteht nicht darin, als Verkündungs- und Durchsetzungsinstanz göttlicher Wahrheit und göttlicher Gesetze zu fungieren: Wir müssen uns unsere Ordnung selbst geben und sie selbst verantworten; es gibt kein natürliches oder göttliches Gesetz, das uns diese Verantwortung abnimmt.“ Gott habe uns nämlich zur Freiheit bestimmt, daß wir Menschen selbst uns unsere Ordnung autonom zu setzen hätten.

Die postliberalen Staatsordnungsmodelle setzten das Gemeinwohl als das oberste Ziel und gefährdeten so die inhdividuelle Freiheit: „Der zentrale Zweck der Verfassungsordnung liegt (gemeint sind die antiliberalen Staatskonzeptionen) hier in der Förderung des Gemeinwohls und nicht – wie im liberalen Staat – im Schutz individueller Freiheit.“ Die wahre politische Theologie habe so den „liberalen Staat“ gegen so geartete Gemeinwohlkonzeptionenzu verteidigen. Das ist nun angesichts der sozialpolitischen Krise, in der eben nicht nur Ostdeutsche so hohe Anforderungen an den Sozialstaat stellen, ein einsichtiges Anliegen des politischen Liberalismus, vulgär ausgedrückt: „Das gemeine Volk hat den Gürtel enger zu schnallen, statt eine Vollversorgung vom Vater Staat zu verlangen.“

Die politische Theologie soll also rein affirmativ sich zum jetzt so wie er ist bestehenden Staat verhalten und alle Kritik zurückzuweisen, aber doch offen zu sein für einige Korrekturen an der liberalen Staatsordnung. Das Zentralvorhaben dabei habe der Verneinung von irgendwie aus Gottes Offenbarung abgeleiteten Ordnungen und Gesetze zu sein, denn Gott habe uns zur Autonomie bestimmt.Das sei eben eine falsche politische Theologie, etwa die des Neointegralismus und aller fundamentalistischen Versionen. Nur die liberale Theologie mit ihrem Ja zum „liberalen Staat“ sei eine wahr politische Theologie, die so systemrelevant sei, daß sie auch weiterhin staatlich zu protegieren sei.



Nun schaut dieser Artikel nicht über den Tellerrand der innerdeutschen Diskurse hinaus, sonst könnte in ihm auch der Krieg der Freiheit gegen den fundamentalistisch regierten Iran gefeiert werden. 

 

Zusatz:

In den 80er Jahren versuchte der "Kommunistische Bund" mit der These, ein neuer Faschismus stünde bei uns direkt vor der Haustüre, zu reüssieren, jetzt gehört das zum Standardrepertoire des Kampfes gegen Rechts. 





Dienstag, 10. März 2026

Zwischen Weltbejahung und Weltverneinung – einer der faszinierendsten und tiefgründigsten Texte der hl.Schrift

 

Zwischen Weltbejahung und Weltverneinung – einer der faszinierendsten und tiefgründigsten Texte der hl.Schrift



Ein Kaplan scheiterte an diesem Text, dem sogenannten „Johannesevan-geliumsprolog, Joh, 1,1 – 18. Weitläufig entschuldigte er sich in seiner Predigt dafür, daß ein solch fast schon „philosophisch“ entarteter Text im Neuen Testament stünde, um dann seine Predigt doch noch halten zu können, indem er behauptete, dem Text liege ein Jesushymnus zugrunde,sodaß er dann über die Bedeutung des Singens sich ausließ und kein Wort mehr über diesen „entarteten“ Text verlor. Unglücklicherweise sollte er dann am Gedenktag des hl. Thomas wieder über diesen Text predigen, unterließ das dann aber mit der Entschuldigung, er hätte in den letzten Tagen so viel zu arbeiten, daß er keine Predigt dazu geschafft hätte.

Es kann nun hier nicht der ganze Prologtext erörtert werden, bildet er doch selbst schon die Quintessenz des ganzen Evangeliumes in einer Konzetratform, sondern nur eines seiner wesentlichen Momente und zwar die Aussage: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“ (1,5). Jesus Christus ist das „Licht“ und die Welt ist die „Finsternis“, Wie ist diese Aussage zu begreifen?

Für das griechische Denken ist der Kosmos, die Welt das Schöngeordnete, also eine lichterfüllt Welt. Der Begriff der Kosmetk ist ja ein Derivat des Begriffes des Kosmos und meint, daß isb Frauen sich gemäß der Analogie des Makrokosmos zum Mikrokosmos, dem Einzelmenschen schön geordnet gestalten. In einem so aufgefaßten Kosmos ist ein Licht, das die Welt erleuchtet, völlig überflüssig, Jesus trüge Tauben nach Athen.

Für das alttestamentliche Schöpfungsverständnis gilt das ebenso: Gott erschuf die Welt so gut, daß sie gar transparent ist für den Urheber seiner Schöpfung. Alle Gottesbeweise fundieren sich in diesem Schöpfungserständnis, daß aus der geschaffenen Natur Gott in seinem Werk zu erkennen ist.

Der Johannesprolog konfirmiert nun doch auch dieses: Wenn alle Dinge durch den Logos erschaffen worden sind, dieser die Vernunft und das Licht ist, wie könnte dann das so Erschaffene ein Ort der Finsternis sein, der der Erhellung durch das Licht, den Sohn Gottes beürfte. Wie verfinsterte sich der Kosmos? Wenn die Welt der Raum der Finsternis ist und nur die Kirche, die Menschen, die das Licht aufnahmen, der Ort des Lichtes ist, dann muß ja notwendigerweise die Kirche ihr „Nein“ zur Welt sagen, denn sie ist ja nur eine Finsternis, die sich nicht erhellen lassen will.

Eingedenk der exegetischen Erkenntnisse Bultmanns, die man nicht unterschätzen sollte, da sie nun ob des christlich- jüdischen Dialoges in Mißkredit geraten sind: „Alles Neutestamenliche sei rein jüdisches, danach kam aber der Sündenfall der Verhelenisierung des Urchristentumes, bis die Kirche gar zu philosophieren anfing, könnte der Dualismus der finsteren Welt und des göttlichen Lichtes auf den Dualismus eines Schöpfergottes, eines Demiurgen zu dem Erlösergott zurückgeführt werden, daß der Erlöser unsere Seelen aus der Materie, in der sie gefallen und gefangengenommen sind, erlöst, sie heimführt in die Heimat des Lichtes.

Aber wenn diesem Johannestext dieser gnostische Dualismus zugrunde läge, wäre er durch durch die antignostische Aussage, daß alles durch den Logos erschaffen worden sei, widerlegt. Wie kann also die Welt die der Finsternis geworden sein, die der Erhellung durch das Licht bedarf?

Zwei Optionen sehe ich als denkbare an; Der Sündenfall wird hier radicaler gesehen als es im Alten Testament üblich ist: Durch den Sündenfall ist die ganze Welt die Welt der Finsternis geworden. Alles an sich Wahre, Gute und Schöne ist in ihr völlig unerkennbar geworden ob der Finsternis, die sie gänzlich ausfüllt. Die andere Möglichkeit ist die, daß die Welt, gerade indem sie sich dem Lichte verschloß, erst zur Welt der Finsternis geworden ist. Die,die Wahrheit nicht aufnehmen, erschaffen sich selbst erst diese Welt der Finsternis.

Ist die Welt noch die gut geordnete schöne, sodaß der Gläubige in dem Licht Jesu Christi sie so wahrnimmt, wie sie wirklich ist, nur dem Ungläubigen ist sie eine der Finsternis oder ist sie real finster, sodaß wir Christen möglichst zu ihr in Distanz gehen sollten, damit sich unser Licht nicht selbst verfinstert? Die Option der Weltbejahung ergibt sich aus dem Glauben, daß die Sünde wohl die Welt eingetrübt habe, sie aber doch noch als die gute Schöpfung vorhanden ist. Die Option der Weltverneinung dagegen ergibt sich aus dem Glauben, daß die Welt sich in die der Finsternis verwandelt habe, aus der der Christ sich herauszuziehen habe wie das jüdische Volk aus dem ägyptischen Sklavenhause.

Dem Johannesprolog ist die Welt beides, die gute Schöpfung und die der Finsternis verfallende Welt. Der Dualismus zwischen dem Licht und der Finsterniswelt, der Wahrheit und und der Unwahrheit der Welt, des Lebens und des schon Todseins der Welt ist konstitutiv für das Johannesevangelium, den Briefen des Johannes und der Johannesapokalypse. Das macht aber nun einerseits das Faszinierende und Tiefgründige dieser Texte aus, aber andererseits auch das Abstoßende: Man möchte es lieber harmonisch haben, „ganzheitlich“.

(Weitere Versuche zum Johannesprolog werden folgen.)

Montag, 9. März 2026

Denkwürdige Gespräche – im Meer des Relativismus gibt es doch noch Gewißheiten

 

Denkwürdige Gespräche – im Meer des Relativismus gibt es doch noch Gewißheiten



Mein Vorzugsopfer waren und sind Germanistikstudenten m/w/d, m/ w/de, da in diesen Kreisen sehr viel Wert auf politisch korrekten Verhalten in allen Lebensbereichen gelegt wird. Das Gespräch eröffnete ich gern mit dem Bekenntnis, daß ich nun nicht vom Fache sei, aber gerne von m-w-d Germanisten erfrüge, wie sie ein Werurteil begründen. Daß Thomas Mann oder Robert Musil literarisch Hochwertiges hervorgeracht hätten, sei doch wohl unbestritten. Wie begründe man aber die Minderwertigkeit der Werke etwa der Schriftstellerin Hedwig Courts Mahlers?  Ich wüsse das  nicht und hörte gern eine Begründung dieses Werturteiles.

"Ihre Romane seien Kitschromane!" Das wüsse doch jeder. Aber warum seien denn ihre Romane kitschig? Wenn mein Dialogpartner ob solcher Inkompetenz nicht das Gespräch sofort beendete,hieß es: „Weil deren Romane alle mit einem „Happy End“ abschlössen, sind sie kitschig.“ Mein Gegenargument lautete dann: „Dann sind alle Kriminalfilme auch kitschig, weil am Ende immer der Mörder überführt und der Mordfall aufgeklärt wird.“

Nein, so könne man das nicht sehen. Morde sind nicht kitschig, nur die Liebesfilme und Romane sind kitschig, weil es da um die Liebe geht!“ Mein Einwand: „Frägt man, womit Menschen das Glücklichsein verbinden, dann antworten sie: „ Mit der Liebe“ und nur Ältere urteilen, daß das Allerwichtigste ihr Nichtkranksein sei.“ Sollte also der Glaube an ein mögliches Glücklichsein kitschig sein, da jeder Realist wüsse, daß es auf Erden kein Glück geben könne? Hier könnte sich eine erste gewichtige Spur des Grundes des Kitschvorwurfes andeuten: Das Darstellen am Ende glücklich sich Liebender evoziert Neidgefühle: Wenn mir das Glück in der Liebe nicht möglich ist, dann soll das auch keinem anderen vergönnt sein: „Denn wie könnte ich noch mit meinem Leben zufrieden sein, gäbe es wirklich glücklich Liebende?“

Aber dieser Verdacht transzendiert den Raum der Literaturkritik. Der Verdacht liegt nun näher im Raume der Literaturkritik,daß diese Autorin ihre eigenen Werke „klein gemacht hatte“. Erfolg ruft Neid hervor. Karl May wurde so ein Opfer einer Neidkampagne, seine Werke seien unsittlich, jugendgefährdend. Courths Maler wehrte eine solche Kampagne mit ihrer ihr eigenen Klugheit ab: „Liebe Männer, ich schreibe doch nur Märchen für Erwachsene. Solche Werke braucht doch kein Schriftsteller ernst zu nehmen!“ Eine feministische Literaturkritik könnte das nun als eine kluge Strategie bezeichnen, wie eine Frau in der von Männern dominierten Welt der Romane sich ihren Platz eroberte und eine der Vielgelesendsten wurde. Aber da ihre Romane Liebesromane sind, kam und kommt sie nicht zu dieser sssEhre,klug agiert zu haben.

Gelegentlich wurde auch das Argument des "Klischeehaften" vorgetragen. Aber auf die Nachrfrage,warum denn Klischees etwas Negatives seien, konnte niemand etwas erwidern. Eingedenk der Anthropologie Arnold Gehlens könnte zur Verteidiung des Klischees könnte gesagt werden, daß wir Menschen ob unserer defizitären Bestimmtheit durch unsere Natur die Kontingenz, daß es viele Handlungsoptionen für uns gibt, bewältigen, indem kulurell bestimmte Handlungsversionen vorgegeben sind,die wir dann realisieren. 

Wie viele Mölichkeiten ließen sich ausdenken, wie ein Mann einer Frau seinen Heiratsantrag macht. Es gibt nun ein "Klischee", wie ein Mann den Antrag richtig macht, kniend und dazu der Frau einen Ring anstekend. Wer das so macht, der weiß daß die Frau das als einen richtig gemachten anerkennen wird, sodaß sie dann auch ihr "Ja" sagen kann, wohingegen ein ganz anders gemachter bei der Frau Zweifel entstehen lassen könnte, ob den der Antrag auch wirklich ernst gemeint sei.  Klischees helfen so als Kontingenzbewältigungskonzeptionen und entlasten so den Einzelnen, eine angemessene Praxis für sich zu konzipieren. So entlasten nicht nur die Instituionen sondern auch die kulturell vorgegebenen Klischees den Einzelnen. Diese selbst werden nun durch die Kunst vermittelt, durch die Medien und dazu gehört immer auch noch die Literatur: "So kannst Du Dich in so einer Angelegenheit verhalten, vertrauend darauf, so nichts falsch zu machen. " Warum sollte eine so geartete Hilfe für das Leben ästhetisch minderwertig sein?

Man weiß eben als m/w/d Germanist, welche Romane man auf keinen Fall schätzen darf, um nicht bei allen Kommilitonen unten durch zu sein. „Ernst Jünger darf man auf keinen Fall lesen, denn er ist ein Nazi!“ Meine Gegenfrage: „Woher wissen Sie denn, daß er ein Nazi ist, wenn Sie nie eine Zeile von ihm gelesen haben?“ bekam die Antwort: „Nazibücher lese ich nicht, es reicht, daß ich weiß, daß der einer war!“Und woher weiß man das? Das wüsse doch jeder. Lebt etwa die germanistische Wissenschaft von solchen Vorurteilen?

Wenn es im Raume der Ästhetik noch Gewißheiten gibt, dann sind es Vorurteile, die in bestimmten Milieus vertreten werden und die man teilen muß, wenn man dazugehören will. Ist das der Ausgang der Aufklärung, des Willens zum selbstständigen Denken?

Einen „Ausweg“ bietet das Konzept der politisch engagierten Kunst: Hier entscheidet allein die politische Gesinnung eines Werkes über seinen ästhetischen Wert. So wird wohl kein israelischer Künstler mehr in Österreich oder Deutschland irgendein Werk ausstellen können, ohne daß da gegen ihn heftigst protestiert wird und die Ausstellung dann untersagt wird: Er sei, da er ein Jude sei, ein Unterstützer des zionistischen Imperialismus.

Aber was macht denn stattdessen die ästhetische Qualität eines Kunstwerkes aus? Aber der totale Relativismus macht nicht im Raume der Ästhetik halt: „Was macht eine Aussage zu einer wahren und was qualifiziert das Gute als das Gute?“ Auch die theoretische wie auch die praktische Vernunft ist eben von dem Virenschadprogramm des Relativismus befallen! 

Kein Germanist, auch nicht seit es m/w/d Germanisten gibt, konnte mir meine Fragen zur Qualitätserkennung literarischer Werke beantworten!