Mittwoch, 2. September 2026

„Ich bin ein Gegner der Erscheinungen, die von einer Strafe Gottes sprechen“ Oder: Wie erschaffe ich mir einen konsumentenfreundlichen Gott!

 

Ich bin ein Gegner der Erscheinungen, die von einer Strafe Gottes sprechen“1 Oder: Wie erschaffe ich mir einen konsumentenfreundlichen Gott!



Da der sich als postmodern verstehende Zeitgenosse seine „sexuelle Orientierung“ und seine gechlechtliche Identität zu wechseln beliebt wie seine Hemden, ja er gar dazu sich berufen fühlt, neue Geschlechtsidentitäten für sich zu kreieren, das „diverse Geschlecht“ ,da liegt es doch nahe, auch Gott neu zu erfinden, ihn konsu-mentenfreundlicher zu gestalten.

Der Vorsitzende der Päpstlichen Internationalen Marianischen Akademie, der Franziskaner Pater Stefano Cecchin, erklärte in einem Vortrag Ende August in Mexiko wörtlich: „Ich bin ein Gegner der Erscheinungen, die von einer Strafe Gottes sprechen“. Was will uns damit dieser Franziskaner sagen? Eine Marienerscheinung, in der die Mutter Gottes von einem Strafen Gottes, einem gegenwärtigen oder zukünftigen spräche, könne keine wahre sein! Denn Gott strafe nicht!

Damit erklärt dieser Vorsitzende nachträglich von der Kirche bisher anerkannte Marienerscheinungen für unechte, etwa -wie Kath info berichtet die:

Unsere Liebe Frau von La Salette
19. September 1846

Wenn ihr eine Nacht seht, die von einem unbekannten Licht erhellt wird, dann wisst, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt: dass er die Welt für ihre Verbrechen bestrafen wird – durch Krieg, Hungersnot und Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters.“

oder diese:

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz von Fatima
17. Juli 1917

Damit die Welt seinen Zorn erkennt, ist der himmlische Vater im Begriff, eine große Strafe über die gesamte Menschheit zu senden.“



Der KI abgefragt zur Frage: Straft Gott, informiert uns so:

Übersicht mit KI

Ob Gott die Menschen straft, ist eine alte Frage, die in der Bibel und der Theologie unterschiedlich beantwortet wird.

Die Sicht der Bibel

In der Bibel gibt es zwei verschiedene Bilder von Gott: Er wird als strenger Richter und als liebevoller Vater beschrieben. Wie man Gottes Handeln versteht, hängt oft davon ab, welcher Teil der Bibel gelesen wird.

Das Alte Testament

  • Konsequenzen und Gericht: Im Alten Testament wird oft beschrieben, dass Gott Unrecht direkt bestraft.

  • Beispiele: Bekannte Geschichten sind die Sintflut oder die Zerstörung von Sodom und Gomorra.

  • Erziehung: Diese Strafen sollen die Menschen oft vor weiterem Schaden bewahren oder sie auf den richtigen Weg zurückbringen.

Das Neue Testament und Jesus

  • Vergebung durch Jesus: Im Neuen Testament steht im Vordergrund, dass Jesus die Strafe für die Menschen am Kreuz getragen hat. Viele Christen glauben deshalb, dass Gott seine Kinder nicht mehr verurteilt oder bestraft.

  • Keine Strafe für Leid: Jesus stellt klar, dass Krankheiten oder Schicksalsschläge im Leben keine direkte Strafe für die Sünden eines Menschen sind.

Was Theologen heute sagen

  • Liebe statt Zorn: Moderne Theologen betonen, dass Gott kein unberechenbarer Richter ist, der Unglück als Strafe schickt.

Gemeinsames Leid: Gute und schlechte Menschen erleben in dieser Welt dieselben schweren Zeiten. Gott leidet mit den Menschen, anstatt sie zu bestrafen.“


Dieses Verfahren : „Wie beseitige ich mir Nichtgefallendes?“ ist uns nun schon recht vertraut: Man spricht von verschiedenen Gottesbildern in der Bibel in der Intention, daß man sich nun aus dieser offerierten Vielzahl an Angebotsbildern das einem Gefallene erwählen dürfe.Das Gottesbild des „Alten Testamentes“ wird dabei gern in Schwarz-Weiß malerischer Manier dem des Neuen Testamentes gegenübergestellt. Man hat das von dem Häretiker Marcion gelernt, daß der Gott des Alten Testamentes mit dem Jesus Gott nicht vereinbar sei. Jetzt formuliert man es moderater: Jeder dürfe sich das ihm passende Gottesbild für sich erwählen.

Es wird zwar konzediert, daß im Neuen Testament noch von einem strafenden Gott die Rede sei, Jesus habe gar die Strafe Gottes am Kreuze für uns getragen, aber die modernen Theologen kennten nur noch einen mitleidenden Gott, der nicht strafe!


So redet nun der Franziskaner über diese Causa:

in den Kelch legen wir unsere Sünde. In den Kelch legen wir unsere Krankheiten. In den Kelch legen wir die schlechten Menschen, die sich in unserer Umgebung befinden, denn Christus ist am Kreuz nicht für die Heiligen gestorben, sondern für die Sünder. Deshalb bin ich ein Gegner der Erscheinungen, die von einer Strafe Gottes sprechen. Gott will nicht strafen – das sagt der Katechismus der Katholischen Kirche –, Gott will alle retten. Die Strafe, die Angst, ist das Werk des Teufels. Deshalb legen wir im Wein unsere Sünden nieder, denn Christus ist gestorben, um unsere Sünde auszulöschen. Christus ist gestorben, um unsere Krankheiten zu heilen, und Christus ist gestorben, um Frieden zu schaffen und die Feinde zu bekehren.“

Gott wolle nicht strafen, also straft er auch nicht. Wäre das wahr, müßte die Kirche eine Allversöhnung lehren, denn der Ausschluß vom ewigen Heil gilt ja nach Jesu Christi Endzeitgerichtspredigten und der Lehre der Kirche als die Strafe Gottes schlechthin!

Aber dieser Franziskaner genügt sich nicht damit, er erklärt gar, daß die Aussage, Gott strafe,ja die Gottesfurcht vor seinem Endgericht ein Werk des Teufels sei. Wir hätten es sozusagen mit „satanischen Versen“ in der hl. Schrift zu tuen, daß hier der Lügner schlechthin in die Bibel seine Worte hineinmanipuliert hätte und dann fast 2000 Jahre lang in der Kirche lebendig erhalten hätte.

So lesen wir noch in dem offiziellen Gesangbuch des Erzbistums München und Freising aus dem Jahre 1950 unter der Rubrik: „Grundwahrheiten unseres Glaubens“: „Gott belohnt das Gute und bestraft das Böse. Ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis wird das endgültige Geschick der unsterblichen Seele sein“. (S.15)

Von solchen teuflischen Manipulationen will uns nun dieser Franziskanerpater befreien.

Merke: Eine Kirche, die solche Irrlehrer zu Freunden hat, braucht keine Feinde mehr! 

Corollarium 1

Lk 13,4-5 Jesus sagt hier: "Oder meint ihr,die achtzehn,auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug, schuldiger gewesen sind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage Euch,Nein, sondern wenn Ihr nicht Buße tut,werdet Ihr alle auch so enden." Jesus droht hier den Einwohnern Jerusalems, daß sie, wenn sie nicht Buße tuen, wie die 18 gestraft werden. Die 18 sind um ihrer Sünden willen so gestraft worden, urteilt Jesus, aber er fügt dann dazu: "Glaubet nicht,daß weil auf Euch der Turm nicht gefallen und getötet seid, daß Ihr unschuldig seid. " Jesus sagt hier eindeutig, daß Gott schon zu Lebzeiten Sünder strafen kann und will.  

Corollarium 2

Im "Gotteslob" des Jahres 1988 wurde unter der Rubrik: "Umkehr und Buße" Nr 6 ein Gebet des hl.Thomas von Aqiun abgedruckt, in dem es heißt: "Laß mich,o Herr, deine Strafen hienieden tragen im Geiste der Buße".

Das soll nun alles unwahr sein dank unseres neuen Gottesverständnisses!  




1Katth info, 1.9.2026

Dienstag, 1. September 2026

Ist der Teufel aus exegetisch - biblischen Gründen aus der Theologie zu entfernen – oder wer versucht den Menschen?

 

Ist der Teufel aus exegetisch - biblischen Gründen aus der Theologie zu entfernen – oder wer versucht den Menschen?



In 1.Chronic 21,1 heißt es: „Satan aber erhob sich gegen Israel und reizte David an,Israel zu zählen.“ Diese Volkszählung wurde ihm als eine Sünde von Gott angerechnet.

In 2.Könige 24,1 der Vulgata bzw 2.Samuel 24,1 heißt es: „Der Zorn des Herrn aber entbrannte abermals gegen Israel,und er reizte David gegen sie,indem er sprach: Auf zähle Israel und Juda!“

Wer verführte nun den König David zu dieser Sünde der Volkszählung, Gott oder der Satan? Warum nun diese Volkszählung im Urteile Gottes eine Sünde war, soll hier nicht erörtert werden, vielleicht, weil der König auf die Stärke seines Volkes sein Vertrauen setzen wollte, daß wir so viele sind, und somit nicht auf Gottes Stärke.

Die Chronik ist später als die Königs- bzw Samuelbücher verfaßt worden.So könnte man dann urteilen: Ursprünglich war es Gott selbst, der erzürnt über die Sünden seines Volkes oder isb der des Königs David versuchte. David ließ sich dann verführen. Nachträglich fand man, daß diese Aussage Gott nicht gerecht würde und schrieb nun, daß der Satan ihn zu dieser Sünde verführt hätte. Die nachträgliche Umdeutung, daß der Satan der Versuchende gewesen sei, sei als sekundär abzulehnen, da das Ursprüngliche zähle.Ursprünglich käme diese Geschichte des Falles und der Bestrafung und Buße des Königs David ohne die Figur des Satans aus, der leider nachträglich eingeführt, dies Ereignis vermythologisierend verklärt habe. Ja, man könne diese Geschichte in ihren zwei Versionen zum Anlaß nehmen, prinzipiell den Verdacht zu hegen, daß die Figur des Satans nur nachträglich eingeführt worden sei, aber eigentlich wieder ausstreichbar sei als eine unnötige Vermythologisierung.

Aber aus der theologischen Perspektive ist dieser literakritische Umgang mit diesen zwei Versionen nicht akzeptabel: In der hl.Schrift sind keine unwahren Aussagen über Gott enthalten, schon gar nicht diverse Gottesbilder, so daß wir uns das uns genehmste als das für uns wahre uns dann erwählen dürften.

Wie können nun diese zwei Versionen gleich wahr sein? Das ist eine wahrhaft theologische Aufgabe, die uns andemonstriert, warum die Theologie nicht einfach biblizistisch verfahren kann. Zwei Subjekte, Gott und der Teufel sind so für die eine Tat des Versuchens des Königs David verantwortlich. Wie ist das zu denken? Die mögliche Interpretation, Gott ließe es zu, daß der Teufel den König versuche, wird der Aktivität Gottes nicht gerecht: Ein Zulassen ist kein aktives Verführen. Daß der Satan nur ein Instrument gewesen sei, durch das Gott sein Vorhaben des Verführens realisierte, wird aber dem Satan als dem eigenmächtig Verführenden nicht gerecht.

In diesem Falle wollten also Gott und der Satan das Gleiche, den König David zu versuchen. Gott war erzürnt über den König. In diesem Zorn wollte Gott das, was auch der Satan wollte, den König zu Fall zu bringen. Der Unterschied Gottes zum Satan ist nun der, daß Gott angesichts des reumütigen Schuldbekenntnisses dem König vergibt, er nimmt seinen Zorn von ihm fort, obgleich Gott doch noch eine Strafe für des Königs Sünde einfordert. (Hier wird der Gedanke des Fegefeuers präfiguriert, daß Gott einem Sünder seine Sünden vergibt und doch noch ein Abstrafen der Sünde im Fegefeuer verlangt.)

Aber es bleibt das Schockierende: Hier wollte der erzürnte Gott und der Satan das Gleiche, den König David zu einer Sünde verführen. Gott erweist sich hier ganz im Sinne Rudolf Ottos als die Einheit des tremendum und faszinosum, des zu fürchtenden und des faszinierenden Gottes ! Die hl. Schrift macht es sich mit dem Gott nicht so einfach, wie wir es gerne hätten, denn sie kennt und bekennt den lebendigen Gott, nicht ein blutleeres Abziehbild Gottes!



Montag, 31. August 2026

„Bartholomaios: Menschheit steht größter Bedrohung jemals gegenüber“ oder ein Anschauungsbeispiel hysterischer Panikmache

 

Bartholomaios: Menschheit steht größter Bedrohung jemals gegenüber“ oder ein Anschauungsbeispiel hysterischer Panikmache



Als einen „Dramatischer Appell zu Umweltschutz“ bezeichnet Kath de am 30.8.2026 die Äußerungen des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I zum Problem des Umweltschutzes. „Die Menschheit stehe der größten Bedrohung in ihrer gesamten Geschichte gegenüber, zitiert die Presseagentur Kathpress aus dem Hirtenwort des Patriarchen zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres und des "Weltgebetstag für die Schöpfung" am Dienstag.Das unersättliche Bestreben, die Natur zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten, werde für das Leben auf der Erde tragisch enden, schreibt das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, das auch als "Grüner Patriarch" bekannt ist. Der heutige "Mensch, der sich als Gott betrachtet", setze seinen Weg der Zerstörung der Erde fort.“

Es gibt also einen „Weltgebetstag für die Schöpfung“! Nehmen wir mal an, ich unternähme eine Fernreise in die Saharawüste, was aber zugegebenerweise mehr als unwahrscheinlich ist, da ich kein Freund des Reisens bin und es in der Heimat am schönsten finde, und entnähme dann der Wüste ein Sandkörnchen, um es als ein Andenken bei mir Daheim in ein Regal zu stellen und erklärte dann: Da ich ein Sandkorn aus der Wüste weggenommen habe, sei die Existenz der Wüste auf das dramatischte gefährdet, jeder erklärte mich rechtens für verrückt.

Nun gibt im Universum, das ist Gottes Schöpfung sicher mehr Planeten als Sandkörner in der Wüste. Gelänge es uns Erdbewohner, unseren Planeten in die Luft zu sprengen durch etwa den Einsatz aller Atombomben, sodaß statt des Planeten Erde eine Staubwolke unsere heimische Sonne umkreiste, so wäre dadurch die Schöpfung Gottes so gefährdet wie durch die Entnahme eines Sandkornes die Existenz einer Wüste. Ein „Weltgebetstag für die Schöpfung“ ist einfach, nimmt man das theologisch ernst, geradezu lächerlich.

Das Bestreben, „die Natur zu beherrschen“ gründet sich selbst in dem Auftrag Gottes an uns Menschen, sie zu beherrschen, sie zu subjektivieren, wie es die Vulgata so tiefgründig übersetzt: es subjicite eam“ 1.Mose 1,18. Gott gab diesen Auftrag Adam und Eva vor dem Sündenfall, sodaß das Gebot: „Vermehret Euch“ nicht primär dem Erhalt der Menschheit diente, da der Einzelmensch noch nicht dem Schicksal des Sterbenmüssens unterworfen war, sondern damit er sich vermehrend diesen Auftrag Gottes erfüllen kann. Auch wenn nun um des Polemisierens willen von einer Ausbeutung geschrieben wird und einem unersättlichen Bestreben, so kann auch diese Polemik nicht gänzlich verschleiern, daß die Welt dem Menschen in seine Hände gelegt worden ist von dem Schöpfergott selbst, damit er sie für sich instrumentalisiere.

Der Mensch betrachtet sich so nicht, als wäre er Gott sondern er tut so ganz genau das, wozu ihn der Schöpfergott bestimmt hat. Bertold Brecht hat sehr weise einmal gesagt: Eine schlechte Zeitung ist kein Argument für die Abschaffung der Zeitungen sondern ein Aufruf, bessere hervorzubringen. Das gilt so prinzipiell für die Technik. Da sie ein menschliches Produkt ist, funktioniert sie nicht immer gut, ja sie kann auch Katastrophen hervorbringen, man denke an einen Flugzeugabsturz. Aber technische Probleme werden durch eine Verbesserung der Technik gelöst und nicht durch eine Abkehr von der Technik. Oder möchte jemand ernsthaft auf seine Waschmaschine verzichten, um ganz natürlich seine Schmutzwäsche in einem Bach zu reinigen?

Die Möglichkeit der Zerstörung des Planeten Erde durch die Technik kann eben nur durch eine Optimierung der Technik abgewehrt werden.

Ein kleiner Zukunftsausblick: Unsere Sonne hat mit jedem Feuer eine Gemeinsamkeit, die des Ausbrennenwerdens und Verlöschens. Es wird einen Zeitpunkt geben, da wird unsere Sonne aufhören zu scheinen und spätestens dann jedes Leben auf der Erde auslöschen. Über den zukünftigen Weltuntergang in der Folge des Ausbrennens der Sonne existieren unter den Wissenschaftlern diverse Vorstellungen, ob wir erst verbrennen werden und danach erfrieren werden, oder ob uns der Sauerstoff schon vorher ausgehen wird...wie auch immer: Wenn die Menschheit nicht gewaltige technische Höchstleistungen vollbringen werden wird, wird die verlöschende Sonne uns alle töten.

Nur durch einen gewaltigen technischen Fortschritt ist uns ein dauerhaftes Überleben möglich. Stattdessen wird hier die Technik daimonisiert, dem Volke mal wieder „Wasser und Brot“ gepredigt, der „Kleine Mann“ habe den Gürtel mal wieder enger zu schnallen, jetzt nicht mehr um des Himmels willen, sondern weil sein Konsumieren die Natur gefährde. Und das Ärgste: Hier vergißt ein hoher Würdenträger der Kirche völlig den Auftrag, den Gott uns selbst gegeben hat: „Unterwerft Euch die Natur!“

Sonntag, 30. August 2026

Eine Falschübersetzung, um das Ansehen eines großen Königs nicht zu rampunieren? Oder, wenn die Wissenschaft an einem Zuviel an Moral scheitert.

 

Eine Falschübersetzung, um das Ansehen eines großen Königs nicht zu rampunieren? Oder wenn die Wissenschaft an einem Zuviel an Moral scheitert.


Die Bevölkerung derselben (gemeint sind die eroberten Städte der Ammoniter) führte David heraus, und ließ Dreschwagen, und Schleifen und eisenbeschlagene Wagen über sie dahingehen, so daß sie zerschnitten und zermalmt wurden. So verfuhr David mit allen Städten der Söhne Ammons.“ 1.Chronik,20,3.

König David gilt wie in den Königsbüchern so auch in der Chronik als der fromme vorbildliche König schlechthin - und nun wird von ihm ein solches Massakieren von schon besiegten Feinden berichtet!

Der Jesuit Arndt fügt in seiner Vulgataausgabe diese Anmerkung in einer Fußnote bei: „Andere geben das Hebr: und zerschnitten sie mit Segen und Dreschwagen und Beilen.Sehr viele Kritiker fassen indeß den Text von der Verurtheilung zu allerlei Zwangsarbeiten.Man nimmt einige Schreibfehler im Hebr. Text an.“

Warum hier einige „Schreibfehler“ angenommen werden von „Kritikern“ angenommen werden, liegt auf der Hand: So brutal und grausam könne kein frommer König mit seinen schon besiegten Feinden verfahren sein.


Der KI gewährt uns einen Einblick in die gängigen „Übersetzungen“ dieses Verses:


HOF

Die Einwohner von Rabba verschleppte David und verurteilte sie zur Zwangsarbeit mit Steinsägen, eisernen Pickeln und Äxten. Ebenso erging es den Einwohnern der anderen ammonitischen Städte. Als der Krieg vorüber war, kehrten David und sein Heer nach Jerusalem zurück.

LUTH1545

Aber das Volk drinnen führte er heraus und zerteilte sie mit Sägen und eisernen Dreschwagen und Keilen. Also tat David in allen Städten der Kinder Ammon. Und David zog samt dem Volk wider nach Jerusalem.

SCH1951

aber das Volk darin führte er heraus und stellte sie an die Sägen und in die Eisengruben und an die Eisenhämmer. Also tat David allen Städten der Kinder Ammon. Darnach zog David samt dem ganzen Volk wieder nach Jerusalem.

SCH2000

Auch das Volk darin führte er weg, und er stellte sie an die Sägen und an eiserne Werkzeuge und eiserne Beile. So machte es David mit allen Städten der Ammoniter. Dann kehrte David samt dem ganzen Volk wieder nach Jerusalem zurück.

1 Chronicles 20:2

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1 Chronicles 20:4

Hoffnung für Alle (HOF) Hoffnung für Alle® (Hope for All) Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®; Luther Bibel 1545 (LUTH1545) Copyright © 1545 by Public Domain; Schlachter 1951 (SCH1951) Copyright © 1951 by Société Biblique de Genève ; Schlachter 2000 (SCH2000) Copyright © 2000 by Société Biblique de Genève


Luther übersetzte 1545 noch wörtlich, danach wurden die beschriebenen Maßnahmen wider die besiegten Feinde als zu brutal empfunden und somit abgemildert.

Die „Einheitsübersetzung“ läßt nun ihre Leserschaft den Vers so lesen: „Auch ihre Einwohner führte David fort und stellte sie an die Steinsägen,an die eisernen Spitzhacken und an die eisernen Äxte.“ Die besiegten Feinde wurden also nicht massakriert sondern zu einer Zwangsarbeit gedungen.

Historisch kritische Gründe dafür, daß diese Zwangsarbeit wahrscheinlicher gewesen wäre als ein solches Dahinmetzeln gibt es nicht. Allein das hohe Ansehen der Persönlichkeit Davids gebietet es, hier falsch zu übersetzen, den hebräischen Text als verdorben, verschrieben anzusehen.


Aber wie sieht man das heute? Der KI informiert:“Die Passage in 1. Chronik 20,3 (sowie ihr Parallelvers in 2. Samuel 12,31) gehört tatsächlich zu den bekanntesten Beispielen für ein historisches Übersetzungsproblem in älteren Bibelübersetzungen.

Der Text führt in alten Übersetzungen oft zu dem Eindruck, König David habe extrem grausame Foltermethoden oder Massenhinrichtungen an den besiegten Ammonitern durchgeführt. Moderne Sprachwissenschaft und Archäologie zeigen jedoch, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt.“ Ein so guter König könne nicht so gehandelt haben, auch verträgt sich die richtige Übersetzung nicht mit dem christlich- jüdischen Dialog, und verbietet sich so schon von selbst.


Ein vergleichbares Phänomen stellt die „Tempelprostitution“ dar. „Wikipedia“ schreibt dazu:

Tempelprostitution oder kultische Prostitution ist eine im Altertum vor allem in Indien (→Devadasis), Ägypten, Babylonien (Ištar-Kult), Lydien, Numidien und auf Zypern vermutete Form des kultischen Geschlechtsverkehrs von Priesterinnen oder Tempeldienerinnen, meist einer Gottheit der sexuellen Liebe.

Nachdem die Existenz dieser Institution von der Wissenschaft lange Zeit als gegeben angenommen wurde, wird sie im 21. Jahrhundert in Frage gestellt.

Historische Belege

Die Bibel berichtet mehrfach von Tempelprostitution in antiken Kulten. Die Königsbücher berichten mehrfach davon, dass diese Praxis in anderen Kulten üblich war, so zum Beispiel in 1 Kön 14,24 EU oder 2 Kön 23,7 EU. Dem Volk Israel wird diese Tradition nach Dtn 23,18 EU explizit verboten.“

Die Vorstellung, in anderen Religionen könnte es eine „Tempelprostitution“ gegeben haben, wird als dem Ansehen dieser Religionen zu sehr schadenden Vorstellung abgelehnt, hier polemisiere die Bibel, das Alte Testament zu sehr und verunglimpfe so die nichtjüdischen Religionen, was aber dem Geiste des interreligiösen Dialoges des wechselseitigen Respektierens widerspräche.

Die Geisteswissenschaften sind eben nicht objektivistisch sondern wertrgebunden: Was nicht sein darf, das ist auch nicht: Weder kann König David so grausam mit den Feinden Israels umgegangen sein, noch könne es eine Tempelprostitution gegeben haben, denn das widerspräche der (bürgerlichen) Moral.

Interessant ist, daß der Prophet Hosea die Kultprostitution auch in Israel bestätigte: „denn die Priester selbst gehen mit den Dirnen beiseite, mit den Weihedirnen feiern sie die Schlachtopfer“.4,14bf. Diese „Weihedirnen“ sind Kultprostituierte. Nur die darf es eben auch nicht gegeben haben, denn das widerspräche der heutigen Moral.

Ein Vorschlag von mir:

Wenn etwas in der Bibel Ausgesagte modernen Erkenntnissen der Geisteswissenschaften widersprechen,vertraue man mehr der Bibel ob der Ideologieanfälligkeit aller Geisteswissenschaften. Die Naturwissenschaften können prinzipiell den Wundern Gottes, die die Bibel berichtet, nicht gerecht werden, da ein Wunder ein Außerkraftsetzen der von Gott dekretierten Gesetze der Natur ist. 


Freitag, 28. August 2026

„Völker sind die Gedanken Gottes“ - ein falsches Zitat?

 

Völker sind die Gedanken Gottes“ - ein falsches Zitat?


Der KI informiert:Der Satz >Völker sind die Gedanken Gottes< ist ein historisch falsches Zitat, das Johann Gottfried Herder fälschlicherweise zugeschrieben wird.“ Dieses Zitat findet sich wohl wirklich nicht in den Werken des Philosophen Herder, wie auch der Ausspruch, die SPDler seien vaterlandslose Gesellen, weder von Bismarck noch von Kaiser Wilhelm II oder dem Wilhelm I stammte. So sind beides falsche Zitate.

Aber man könnte sich gut vorstellen, daß diese zwei Äußerungen von Herder oder von Bismarck stammten, es würde zu ihnen passen.

Aber es könnte doch auch einmal ganz anders gefragt werden: Ob die Aussage, die Völker seien Gedanken Gottes, nicht wahr sein könne, und es dann gleichgültig wäre, ob das Herder so geschrieben habe oder nicht. Denn auch wenn es der Philosoph Herder so formuliert hätte, besagte das über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage doch nichts aus.

Dem modernen Denken ist das Denken ein Abbildungsprozeß der Wirklichkeit und es stellt sich dabei stets die Frage: Ist das, was wir über etwas denken, dem gemäß, was es unabhängig von unserem Denken sei:Produziert unser Denken ein adäquates Bild der Realität, kann es das? Das heißt konkreter: Ist die Sprache ein Medium einer sachgemäßen Widerspiegelung der nichtsprachlichen Welt? Oder sind wir eingesponnen in unserer Welt, wie wir sie durch die Sprache konstituieren, wohingegen die Welt selbst ganz anders sei. Nietzsches Sprachkritik läuft auf dieses Urteil über die Sprache hinaus. Wir seien ein Opfer der Grammatik, indem wir ein Ereignis durch die sprachliche Struktur des Subjektes und Prädikates in den Satz verformen: „Ich denke“, statt das Ereignes des Denkens als ein subjektloses zu erfassen.

Ganz anders stünde es um die Wahrheitsfähigkeit des Denkens, wenn das zu Denkende selbst ein Produkt seines Gedachtwordenseins wäre.Gott dächte etwas und die Idee von diesem Etwas realisiere er dann in der Wirklichkeit. Jede Realität wäre so eine Verwirklichung einer Idee Gottes von dem Zuverwirklichendem. Indem dann das Denken in der verwirklichten Idee die Idee Gottes von dem Zuverwirklichendem recogniziert, erkennte es die Wahrheit des Zuerkennenden.

Somit wäre auch jedes Volk eine Realisierung der Idee Gottes von diesem Volke. So wäre die Aussage, Völker seien die Gedanken Gottes, wahr, auch wenn es so Herder nicht gesagt hat. Allerdings müßte nun doch eine Differenz zwischen der Idee und seiner Realisierung eingeschrieben werden: Da wir Menschen keine Roboter Gottes sind, sondern er uns als freie Wesen erschuf und so auch wollte, hängt das Wie der Realisierung entscheidend von uns ab: Das Abbild des Urbildes, wie Gottes Idee von etwas ist, kann so von seinem Urbild abweichen, es gar pervertieren, aber auch ein pervertiertes Abbild bleibt ein Abbild des Urbildes. Wird diese Differenz mitbedacht, ist die Aussage, die Völker sind Gedanken Gottes wahr, auch wenn das der Philosoph Herder so nicht gesagt hatte, es ist so ein falsches aber wahres Zitat.



Gott und die Götter, das Volk und die Völker – oder eine Falschübersetzung? Zur Individualität der Völker

 

Gott und die Götter, das Volk und die Völker – oder eine Falschübersetzung?Zur Individualität der Völker.



So lautet der ursprüngliche Text, 5.Mose 32,8f: Als der Höchste die Völker als Erbe verteilte, / als er die Menschheit aufteilte, / legte er die Gebiete der Völker / nach der Zahl der Gottessöhne fest; der HERR nahm sich sein Volk als Anteil, / Jakob wurde sein Erbteil.“

Die Vulgata liest nun aber: „Als der Höchste die Völker schied,als er die Söhne Adams sonderte,bestimmte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.“ Die entscheidende Differenz ist hierbei nun die, ob die „Zahl der Gottessöhne“ oder die „Zahl der Söhne Israels“ maßgebend war.Die Septuaginta liest: „nach der Zahl der Engel Gottes“.


Der KI informiert uns in auch dieser Causa erfreulich klarsichtig:

Bedeutung und Hintergrund:Der alte hebräische Text (Qumran und Septuaginta): Ältere Textzeugen (wie Handschriften aus Qumran und die griechische Übersetzung des Alten Testaments) sprechen im Urtext von den „Söhnen Gottes“ oder „Gottessöhnen“ (hebräisch bene elohim). Damit war im altorientalischen Denken der Götterrat gemeint – nach späterer jüdischer und christlicher Auslegung auch Engel oder Völkermächte.

Die spätere jüdische Tradition (Masoretischer Text): Spätere jüdische Schriftgelehrte änderten den Text oft zu „nach der Zahl der Söhne Israels“. Damit sollte vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, es gäbe neben Gott noch andere himmlische Götter. Der Sinn war dann: Die Zahl der Völker orientiert sich an der Nachkommenschaft Jakobs (Israel).

Der direkte Kontext (Vers 9): Direkt im Anschluss (Vers 9) heißt es in der Einheitsübersetzung: „Denn der Anteil des HERRN ist sein Volk, Jakob der Bezirk seines Erbteils.“ Gott selbst übernimmt Israel als seinen direkten Anteil, während die anderen Völker anderen himmlischen Instanzen (Engeln/Gottessöhnen) zugeordnet wurden.“

Ursprünglich wird hier also eine entscheidende Differenz gesetzt: Das eine Volk, das jüdische unterstellt sich Gott selbst, er regiert es, während alle andere Völker „anderen himmlischen Instanzen“ subordiniert werden. Sie können als Gottessöhne oder als Engel bezeichnet werden.

(M.E. Ist es nicht völlig auszuschließen, daß es ursprünglich noch gehießen haben könnte: Der höchste der Götter gab den anderen, ihm subordinierten Götter die Völker zu ihrem Herrschaftsbereich, er aber erwählte sich das jüdische Volk.)

Was bedeutet es nun aber für die nichtjüdischen Völker, daß ihnen Engel, präziser formuliert Völkerengel voranstanden?

In dem Wikipediaartikel: „Volksgeist“ heißt es dazu, politisch korrekt:

Die idealistischen Begriffe vom Volksgeist wurden in der Folge zum Spiritualismus überhöht. Eine Bedeutung haben die Begriffe Volksgeist oder Volksseele in der Esoterik, etwa bei Rudolf Steiner, der 1910 in Kristiania (Oslo) in elf Vorträgen die „Mission einzelner Volksseelen“ zur Darstellung gebracht hat. Er meint, dass jedem Volk ein Erzengel zugewiesen ist, dessen moralische Dignität sich in der Verfassung des Volkes offenbare.“

Man sollte nicht a priori alles, was Rudolf Steiner geschrieben hat, mit dem Verdikt: esoterisch= Unsinn aburteilen, denn bestünde die Esoterik ausschließlich aus Unwahrheiten, könnte sie nie erfolgreich sein.Denn ihre Melange aus Unwahren und Wahren verhilft ihr zu ihren Erfolgen.

Gemeint ist damit wohl, daß der jeweilige Volksengel dem ihm zugeordneten Volke ein spezifisches Gepräge vermittelt, das man auch als sein ihm eigenes Volkstum bezeichnen könnte. W. Stapels Konzeption des Nomos für jedes Volk ließe sich von daher auch rekonstruieren.

Hätte dies auch eine Auswirkung auf das Begreifen der heidnischen Religionen, daß sie etwa von dem jeweiligen Völkerengel initiiert seien? Jede Religion muß ja, wenn sie eine Religion ist, auch wahr sein, weil Gott die Religion wollte und sie muß auch eine falsche Religion sein, denn sonst wären alle Religionen gleich wahr, ineinsfallend mit der wahren, der christlichen.

Könnte man dann vielleicht alle heidnischen Religionen als auf die wahre Religion hin ausgerichtete verstehen, als pädagogische Instrumente hin zur Erziehung auf Jesus Christus, daß so sie in der wahren Religion nicht einfach negiert sondern hegelisch aufgehoben werden.

Die Vielfalt der Völker ist so eine von Gott selbst gewollte und durch die Völkerengel gibt er dann jedem Volke sein besonderes Gepräge, seine Individualität. Da die Gnade die Natur nicht zerstört sondern vollendet, einer der wichtigsten Grundsätze der katholischen Gnadenlehre, wird durch eine Christianisierung der heidnischen Völker ihr natürlicher Charakter, ihr Geprägtwordensein durch ihren Volksengel nicht einfach negiert, sie bewahren ihre Eigenart.

Das wäre dann die Alternative zu allen Eineweltkonzeptionen, die eine Vereinerleihung aller Völker einfordern neben der Liquidierung aller Geschlechtsdifferenzen. Die Völker sollen das ihnen Eigentümliche bewahren und nicht in einem Einerlei nichten lassen, wäre so die Folgerung an dem Glauben an die Völkerengel, die in diesem Mosetext grundgelegt wird.

Donnerstag, 27. August 2026

Ein verwegener Gedanke: Gibt es nicht nur endlich viele Iche, sondern auch Wirs? - Ein Beitrag zur Entwöhnung an zu viel Gewohntem

 

Ein verwegener Gedanke: Gibt es nicht nur endlich viele Iche, sondern auch Wirs? - Ein Beitrag zur Entwöhnung an zu viel Gewohntem


Nicht mit einem Gedanken ist erwogen worden, daß wie der Mensch,so auch die Nation eine Seele hat, und daß am letzten Ende bei Individuen wie bei Nationen diese Seele das allein Wertvolle ist.“ Diesen so ganz und gar ungewohnten Gedanken verdanken wir Paul Lagarde1. Das das Individuum als ein Individuum Konstituierende ist sein Vermögen, sich als „Ich“ zu denken, das in autobiographischem Schreiben stets als ein sich gleich Bleibendes gedacht wird, was immer es dann auch tuen und erleiden mag. Substanzontologisch gewendet ist das die „Seele“.

Existiert also auch ein „Ich“ oder vielleicht ein „Wir“ jedes Volkes, wie es das Ich bzw die Seele des Menschen gibt? Hier wird nun nicht der Versuch unternommen, zu eruiren, wie Lagarde dies wohl gemeint haben könnte, sondern es ist ein rein systematischer Versuch.


Die Übersicht des KI, zum Stichwort der „Seele des Volkes“ teilt dazu mit: „Der Begriff >Seele des Volkes< (oft auch Volksseele oder Volksgeist genannt) beschreibt den vermeintlichen, kollektiven Charakter, das Gemüt oder das gemeinsame Bewusstsein einer Nation oder Volksgruppe.“

Zur Herkunft und Bedeutung: Geistesgeschichte: Der Ausdruck stammt vor allem aus der Philosophie des 19. Jahrhunderts (und den Vorläufern der Romantik wie Johann Gottfried Herder). Er besagt, dass ein Volk neben seiner körperlichen oder politischen Existenz auch eine unsichtbare, geistige Identität besitzt.“

Der kulturelle Ausdruck: „Sichtbar werden soll dieser angebliche Volksgeist in Sitten, Bräuchen, Mythen, Liedern, Sagen und vor allem in der Sprache.“

Ich möchte mich nun auf das „vor allem in der Sprache“ konzentrieren mit der Fragestellung, ob der Terminus des Ausdruckes angemessen ist. Dieser Terminus impliziert ja, daß es zuerst ein Denken, ein nichtsprachliches gäbe, das dann sekundär sich in einer bestimmten Sprache manifestiere. Das Subjekt des Denkens wäre so zwar unmittelbar sich selbst als ein Ich bewußt, aber da es mit anderen kommunizieren möchte, entwickele es eine bestimmte Sprache dazu.Wenn man diese Vorstellung ad acta gelegt, weil ein un- oder vorsprachliches Denken nicht vorstellbar ist, dann könnte man urteilen, daß die jeweilige bestimmte Sprache, in meinem Falle also die deutsche mein „Wir“ ausmache.

Eine Sprache repräsentiert eine Weise des Weltverständnisses,eine Art der Unterscheidung von Dingen und ihrer In-Beziehung-Setzung zueinander.“2 Dieser Gedanke könnte sehr fruchtbar sein, wenn man ebenso den Begriff des Repräsentierens kritisierte. Die Sprache sei das Medium, in dem das Ich sich bewußt werde als ein Ich und diese Sprache ist immer eine „Wir-Sprache“, die eines Volkes.

Catherine Belsey führt dazu in ihrem Buch: „Poststrukturalismus“ aus: Ein kenianischer Schriftsteller verfaßte seine Erstlingswerke in der englischen Sprache. „Später hatte er den Eindruck,dass diese Vorgehensweise dem Einfluss der ehemaligen Kolonialmacht und dem fortgesetzten ökonomischen und kulturellen Neokolonialismus des Westens zu viel zugestand. Wie >afrikanisch< der Inhalt und die Themen seiner frühen Romane auch immer sein mochten, so war doch der Roman selbst eine europäische Gattung, und seine Struktur reproduzierte ein westliches Denkmuster.Außerdem konnte die englische Sprache den kenianischen Wahrnehmungen der Welt nicht gerecht werden.“

Es soll sich nun auf die letzte Aussage konzentriert werden, daß die englische Sprache nicht der Weltwahrnehmung der kenianischen Sprache gerecht werden könne. Das hieße, daß jede bestimmte Sprache eine bestimmte Weltwahrnehmung erst hervorbringe, sie sozusagen subjektiviert. Und damit könnte man auf ein „Ich“ in jeder Volkssprache kommen, das so subjektiv ist wie das Ich eines jeden Einzelmenschen. Dieses Ich wäre dann gegenüber dem Einzelich ein „Wir“.

Was meinen wir denn, wenn wir sagen: „Den 1.Weltkrieg haben wir verloren“, oder „wir galten als das Volk der Dichter und Denker“, oder wenn wir unsere deutsche Geschichte bedenken? Dieses „Wir“ ist doch etwas Reales, und es kann nicht auf die Einzeliche reduziert werden. Aber in der Sprache konstituiert sich dieses „Wir“ als eines, das autobiographisch seine eigene Geschichte bedenken und reflektieren kann. Dies „Wir“ ist nun real, weil wir es im Denken als ein unabhängig vom Denken Existierendes denken. Es ist sozusagen eine nur im Denken uns zugängliche Entität, aber sie ist eine.

Könnte dann die Seele eines Volkes seine Sprache sein, in der es sich und seine Relationen zu allen anderen denkt? Die Sprache ist ja jedem Einzelich vorgegeben wie das Volk dem Einzelnen seines Volkes oder wie der Katholische Glaube dem persönlichen, dem privatisierten.

Das würde nun auch bedenkenswerte Perspektiven für die Geschichtsschreibung ergeben: Mit welchem Recht kann die Geschichte unseres Volkes autobiographisch geschrieben werden, wenn es das Subjekt: deutsches Volk gar nicht gäbe, da es nur Einzeldeutsche gäbe.Die Geschichtsschreibung ist so das Selbstbewußtsein eines Volkes. Es agiert wirklich als ein Subjekt in der Geschichte seines Tuens und Erleidens.


Dies sind nun wahrlich erst sehr fragmentarische Gedanken zum Begriff der Volksseele, des Volksgeistes, sie müssen weiterentwickelt werden.Dabei muß diese Aussage der Bibel durchdacht werden:

Als der Höchste die Völker als Erbe verteilte, / als er die Menschheit aufteilte, / legte er die Gebiete der Völker / nach der Zahl der Gottessöhne fest; der HERR nahm sich sein Volk als Anteil, / Jakob wurde sein Erbteil.“ 5.Mose 32,8f. Gott selbst gliederte die Menschheit in Völker auf, und es besteht eine Relation zwischen den Gottessöhnen, damit sind die Volksengel gemeint, und den einzelnen Völkern. Man könnte von einem Bestimmtsein der einzelnen Völker durch ihren besonderen Volksengel sprechen und das gälte es dann zu durchdenken, auch in der Hinsicht auf die Volkssprachen und eines möglichen Volksnomos - vgl dazu Wilhelm Stapel..






1Zittiert nach: Hermann Helleer, Sozialismus und Nation, 2019, S.43.

2Catherine Belsey, Poststrukturalismus, 2013, S.19.