Empfinden wir noch eine Angst vor dem Tode? Haben wir uns mit ihm versöhnt?
Benedikt 16..: „Wir fragen uns jedoch: Warum empfinden wir Angst vor dem Tod?“ In diesem Kath net Artikel vom 2.11.2026 heißt es dann weiter: „Papst Benedikt 2011 in Generalaudienz an Allerseelen: >Warum hat die Menschheit zu einem großen Teil sich nie damit abgefunden zu glauben, daß jenseits des Todes einfach nur das Nichts ist?<“ Er gibt darauf diese Antwort: „Ich würde sagen, daß es vielfältige Antworten gibt: Wir fürchten den Tod, weil wir Angst haben vor dem Nichts, vor dem Aufbrechen zu etwas, das wir nicht kennen, das uns unbekannt ist.“
Wenn die Angst vor dem Todsein eine menschliche Konstante wäre, könnte die Verkündigung des ewigen Lebens an diese Angst anknüpfend, auf einen fruchtbaren Boden fallen. Statt daß diese Angst verdrängt wird, wäre doch die Hoffnung auf ein ewiges Leben sinnvoller als ein resigniert sich mit dem Tode Abfinden.
„Mir ist klar geworden,dass wir nicht koexistieren können,der Tod und ich.Solange ich am Leben bin,ist er nicht da.Wenn er übernimmt, werde ich nicht mehr sein.Warum also sollte ich vor etwas Angst haben, das ich nie erleben werde.“ 1
In der sehr populären Zukunftsromanserie Perry Rhodan findet sich diese auf den Philosophen Epikur zurückgehende Antwort auf die Frage: Ist der Tod zu fürchten? Wenn der Tod die Angst vor dem Nichts wäre, dann muß im Geiste Epikurs geantwortet werden, daß das Nichts nie von mir erlitten werden kann, denn solange ich lebe ist nicht das Nichts und wenn ich durch den Tod genichtet worden bin, dann gibt es mich nicht mehr, sodaß ich das Nichts erleiden könnte. Den um meinen Tod erleiden zu können, müßte es mein Ich noch geben, das dann den Tod erleidend erfahren könnte.
Unserem zeitgenössischen biologistisch-materialistischen Weltbild entspricht dies Verständnis des Todes als einfache Nichtung: Meinen Tod gibt es nur für die Anderen, er kann nie der meinige sein. Wenn das Lebensziel aus der hedonistischen Lebensperspektive das der Glücks-gefühlsmaximierung ist oder wenigstens das der Vermeidung von einem Unglücklichsein, dann ist das Todsein eine „schwarze Null“: Man empfindet weder Lust noch Unlust, weder Glück noch Unglück. Das ist fürwahr für viele Menschen, älter geworden und durch vielen Altersleiden in ihrer Lebenszufriedenheit sehr limitiert, eine erstrebenswerte Perspektive.
Den Kontext des Verlustes an der Angst vor dem Todsein bildet unsere Dekadenzepoche, daß generell der Wille zum Leben geschwächt ist. In der demographischen Fehlentwickelung manifestiert sich direkt diese Dekadenz des Verneinens des Lebens, indem es sich nicht mehr fortpflanzen will.
Ich empfehle, die Todesanzeigen in Zeitungen daraufhin zu lesen, in welchen noch etwas von der Hoffnung auf ein ewiges Leben geschrieben steht. Meiner Beobachtung nach dominiert die Idee, daß ein Verstorbener im Gedächtnis der um ihn Trauernden „weiterlebt“, oder daß der Verstorbene nun ewig „ruht“ im Grabe.
Es ist davon auszugehen, daß in allen Zeiten Antworten auf die Frage, was heißt es, tot zu sein, gegeben wurden und werden. Die Hoffnung auf ein postmortales Leben ist eine mögliche Antwort, aber nur eine von vielen möglichen. In den Zeiten der Dekadenz ist das aber eine Antwort, die nicht auf eine breite Zustimmung hoffen kann.
Zusatz:
Das Leben hört nicht auf, wird nicht einfach im Tode genichtet, weil wir das so uns imaginieren. Nur ist nicht jedes postmortale Leben ein ewiges im guten Sinne.
1Marie Erikson, Die Runen des Tartorus, Perry Rhodan Bd. 3401, S.15f.