Montag, 12. Oktober 2026

„Schwester Tod“ - oder der Abschied von der Hoffnung auf das ewige Leben

 

„Schwester Tod“ 1- oder der Abschied von der Hoffnung auf das ewige Leben

In Franz von Assisis „Sonnengesang“ heißt es: „Gelobt seist du,mein Herr, durch unsere Schwester,den leiblichen Tod,“ Franziskus habe den „Sonnengesang“ auf seinem Sterbelager verfaßt, den Tod vor Augen habend, dem „Übergang in die himmlische Herrlichkeit ganz nahe.“ Was läge da nicht näher als ein „Lobgesang auf das Paradies“ oder eine „Abhandlung über die Ewigkeit.“ Er schrieb aber ein Lob auf die „Schwester Tod“.

Warum? Der Bistumsblattredakteur klärt uns auf: Ein unendlich währendes Leben müsse „irgendwann einmal unendlich langweilig werden“. Nun wird es obskur: „Selbst Franziskus war nicht immer heilig,hat in seiner Jugend wild in den Tag hineingelebt.“ Es gäbe so Momente in unserem Leben, „in denen wir uns lebendig gefühlt haben“.Solche Momente seien dann was wahre eigentliche ewige Leben -bei Franziskus die seines wilden noch nicht heiligen Lebens? .

Die „Schwester Tod“, bewahrt sie uns so vor einem unendlichen Leben in Langeweile? Eine Ewigkeit sei für den Redakteur nicht vorstellbar und evoziert nur die Vorstellung von einem endlos langen Langeweileleben!

Seit Ludwig Thomas: „Ein Münchner im Himmel“ gehört die Desavouierung der Hoffnung auf das ewige Leben zu dem Repertoire der antichristlichen Propaganda: Nicht wird dogmatisch behauptet, daß es das nicht gäbe, denn dann stünde ja nur die Behauptung, es gäbe kein ewiges Leben gegen die, daß es das gäbe, sondern: Seien wir froh, nicht ewig leben zu müssen im Himmel, das wahre „ewige Leben“ erlebten wir hier auf Erden in erfüllten Augenblicken, etwa im Hofbräuhaus zu München.

Franziskus schreibt vom „leiblichen Tod“. Mitgesetzt ist damit die Idee, daß den Tod nur den Leib und nicht die Seele betrifft, denn die ist ja unsterblich und kann so nur den Tod als den ihrigen erleiden! Aber der Redakteur scheint eher an der Vorstellung eines Ganztodes des Menschen Gefallen zu haben, daß es nun zu Ende sei und den Blick eröffnet für die wahren erfüllten Momente des Diesseitslebens. „Carpe diem!“ paßt eben besser in unsere Zeit als ein Hoffen auf ein ewiges jenseitiges Leben, das doch nur eines der Langeweile sein könne! 

P.S.

Man muß aber dem Bistumsblatt zugute halten, daß seine Stärken eher im Kampf gegen die AfD und Trump liegen als in theologuschen Fragen!



1Passauer Bistumsblatt, 4.10.2026, S.2.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“

 

Eine Sichtweise der Kirche, „die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht“1


Ein tschechischer Bischof stellt tatsächlich fest, daß die tridentinische Sichtweise der Kirche den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht. So heißt es in dem Kath net Artikel:

„Der Novus Ordo ermöglicht es, die Synodalität im Bereich der Liturgie umzusetzen“, schreibt Holub wörtlich. Den Alte Ritus lehnt er daher ab. Wörtlich schreibt er: „Andernfalls wäre dies sehr schwierig, da der Vetus Ordo Ausdruck einer tridentinischen und modernen Sichtweise der Kirche ist, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr entspricht.“

„und modernen Sichtweise“ - hier muß ein Verschreibungsfehler vorliegen, denn die tridentinische Messe wird ja gerade als eine vormoderne, nicht moderne verurteilt. Die „heutigen Bedürfnisse“ paßten aber gerade zu einer modernen Sicht der Kirche.

Also, die Lehre von der Kirche müsse also den Bedürfnissen der Menschen genügen. Nicht hat also der Herr der Kirche sie gestiftet und ihr einen Auftrag und eine dazu passende Ordnung gegeben, sondern die Kirche müsse sich stets an den Bedürfnissen ihrer potentiellen Kunden orientieren. Da die nun einem Wandel unterworfen seien, habe sich die Kirche stets auf das Neue auf diese sich wandelnden Bedürfnisse zu kalibrieren.2

Ein Gottesdienst ist eine Dienst-Veranstaltung, in der in erster Linie Gott kultisch verehrt wird. Was hielte man von einer Dienstordnung, die nun in erster Linie den Bedürfnissen der Dienenden gemäß ausgerichtet wäre und nicht gemäß dem Willen dessen, dem hier gedient werden soll. Was hielte man von einem Butler, der seinem Dienstherren gegenüber erklärte: Das Wichtigste seines Dienstes sei es, daß der Dienst ihm, dem Diener zusage?

Nun soll also das Kirchenverständnis, das sich in der Tridentinischen Messe manifestiere nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entsprechen und darum produzierte das 2.Vaticanum ein neues modernes Kirchenverständnis, das sich nun auch in der neuen Liturgie manifestiere. Das synodalistische Kirchenverständnis widerstreite somit dem vorkonziliaren und deswegen dürfe auch die Tridentinische Messe nicht mehr in der modernen Kirche zelebriert werden.

Die Kirche hat sich also im 2.Vaticanum neu erfunden, da ihr bisheriges Selbstverständnis nicht mehr den Bedürfnissen des modernen Menschen entspräche. Deswegen mußte sie auch eine neue Liturgie sich erschaffen, die ganz auf die Bedürfnisse des modernen Menschen zugeschnitten sei.

Wenn dem so wäre, warum sind dann nun die Kirchen fast leer, obschon doch die Reformliturgie ganz auf den modernen Menschen zugeschnitten ist und warum waren sie fast noch voll, als die nichtmoderne Messe zelebriert worden ist?

Was macht denn nun überhaupt das synodalistische Kirchenverständnis aus? Darauf gibt der Kath net Text eine klare Antwort: Die Kirche habe sich in ihrem Tuen ganz auf die Bedürfnisse= die Konsumentenwünsche ihrer potentiellen Kunden auszurichten!

Der „Klerikalismus“ steht für die Vorstellung eines objektiv vorgegebenen Auftrages der Kirche und einer ihr dazu vorgegebenen Ordnung, den es nun zu überwinden gälte: Ganz demokratisch marktwirtschaftlich ausgerichtet soll die Kirche ihr Leben gestalten: „Wie hätten Sie es denn gerne?“Nur, irgendwie klappt diese Konsumentenorientierung nicht, zumal noch so viele Ewiggestrige die „Alte Messe“ lieber ist als die moderne, gerade unter jüngeren Priestern und Gläubigen ist sie beliebt!

Sollte aber Jan Loffeld die Lage richtig beurteilen, siehe die Fußnote hier, dann existiert fast keine Konsumentennachfrage an religiösen Angeboten. 

Corollarium

Dieser Bischof zeigt damit aber auch sein völliges Unverständnis über das Wesen der Religion auf, als wäre eine Religion ein rein menschliches Unternehmen,die dann ganz nach unseren Bedürfnissen zu gestalten sei. Und was soll die Kirche unternehmen, wenn es kein Bedürfnis nach einer Gottesverehrung gibt oder kaum noch gibt?



1 Kath net 7.10.2026: Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität.

2Der Theologiemarketingforscher Jan Loffeld konstatiert in seinem Buch: „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“, 2024: „Mittlerweise lässt sich allerdings bei Vielen empirisch nicht nur kein Gottes- Transzendenz- oder Spiritualitätsbedürfnis feststellen,; es ist auch zunehmend fraglich,ob auch jeder Mensch in seinem Leben nach umfassendem Sinn sucht.“ S.66. Wenn es schon keine direkten religiösen Bedürfnisse mehr gäbe, könnte ja wenigstens die nichtreligiöse Sinnfrage religiös beantwortet werden- aber auch diese Markettingstrategie funktioniere nicht.

Freitag, 9. Oktober 2026

Eine Kritik der islamischen Kopftuchtragepflicht

 

Eine Kritik der islamischen Kopftuchtragepflicht


Gemein ist die Meinung, daß das Kopftuchtragenmüssen eine besondere der islamischen Religion zu eigene Pflicht sei, daß die Frau sich durch ein Kopftuch zur islamischen Religion zu bekennen habe. Aber so selbstverständlich diese Meinung auch inzwischen geworden ist, so bezweifelbar ist sie auch.


Warum sollte es denn nur die Pflicht der Frau sein, sich durch das Tragen eines bestimmten Kleidungsstückes zu dieser Religion zu bekennen und nicht ebenso die der Männer? Warum wird dazu ein Kleidungsstück gewählt, daß in keinster Weise auf die islamische Religion verweist, es enthält kein islamisches Symbol. Und warum müssen die Mädchen erst ab einem bestimmten Alter ein Kopftuch tragen und auch nicht erst ab 18 Jahren, wenn sie religionsmündig wären aber auch noch nicht mit 8 Jahren? Die Mädchen tragen faktisch ein Kopftuch ab wann sie als geschlechtsreif gelten.


Meine These: Auch wenn in der heutigen Zeit die Liebesehe als die Gestalt der Ehe angesehen wird, wird auch die von Eltern ihren Kindern gestiftete Ehe praktiziert. „Wir Eltern wissen doch am besten, was für unser Mädchen, unseren Buben das Richtige ist, wen sie also heiraten.

Die klassische Rollenverteilung für die Liebesehe: Die Frau macht sich schön, Männer verlieben sich in ihr und die Frau wählt dann unter ihren Bewerbern den für sie wahren Mann aus. Sobald ein Mädchen geschlechtsreif geworden ist, ist es potentiell für Männer attraktiv, affiziert es Männer erotisch. Ihr Primärschmuck ist dabei ihr Haar, die Zierde der Frau. Damit nun nicht Männer sich verlieben, muß das zur Frau gewordene Mädchen, das wird sie durch ihre Geschlechtsreife,seine Schönheit verbergen. Sie soll ja mit dem von ihren Eltern ausgesuchten Mann verheiratet werden. Aber wenn sich nun irgendein Mann in sie verliebt hat und sie ihn darauf wiederliebt, wie sollen dann noch die Eltern ihre vorgesehene Ehe durchsetzen können.

Auch nachdem die Frau dann so verheiratet worden ist, darf sie ihre ihr eigene Schönheit nur dem Ehemann zeigen, denn eine Ehe ohne eine wechselseitige Liebe ist auf einem schwachen Fundament auferbaut: Ein anderer Mann könnte sich in die so Verheiratete verlieben und sie ihm untreu werden, da sie den eigenen Ehemann ja gar nicht liebt.

Die Frau darf nicht schön sein,nicht als schön erscheinen, damit sie von den Eltern verheiratet werden kann.

Zum Kopftuchtragen gehört so eigentlich auch die Pflicht, daß die Mädchen und Frauen sich so kleiden, daß sie nicht attraktiv für Männer erscheinen. Der Frauenkörper ist so zu verhüllen durch weitgeschnittene Kleider, daß weiblicher ihr Körper so verhüllt wird. Unübersehbar ist nun aber, daß das so die allerwenigsten Mädchen und junge Frauen praktizieren, denn sie tragen zwar ihr obligatorisches Kopftuch, aber kleiden sich dann gerne figurbetont attraktiv.So wird von ihnen die Intention der Kopftuchpflicht unterlaufen.

Mit der islamischen Religion hat so die Kopftuchpflicht nichts zu tuen sondern sie ist ein Mittel zur Durchsetzung der von Eltern gestifteten Ehen für ihre Kinder. Die erotische Ausstrahlungskraft einer jungen Frau soll so reduziert werden, daß die Eltern sie dann mit dem von ihnen erwählten Mann verehelichen können.


Es könnte aber sein, daß das Tragen der Kopftücher in westlich geprägten Ländern eine andere Symbolfunktion erlangt hat, nämlich zu demonstrieren, daß sich die muslimische Frau nicht in die westliche Kultur integrieren möchte. Aber das evoziert dann die Kritik, warum denn nur Frauen so ihre Nichtintegrierwilligkeit demonstrieren.

Zusatz

Um der intellektuellen Redlichkeit willen: Auch in der Kirche gibt es die Tendenz, den Wunsch der Frau, schön sein zu wollen,attraktiv sich zu kleiden, als unsittlich zu verurteilen.   

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Von den „drei Königen“, die keine Könige und die auch keine Astrologen sein dürfen

 

Von den „drei Königen“, die keine Könige und die auch keine Astrologen sein dürfen


Geben wir der Vulgata zu dieser Causa das Wort: „ecce Magi ab Oriente venerunt Jerusalem“. Mt 2,1. So nun übersetzt der Jesuit Augustin Arndt in seiner Vulgataausgabe 1903 ? „da kamea Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem.“ Magier sind keine Weisen! Aber dem Übersetzer waren die Magier zu anstößig, also verwandelte er sie in Weise.

Ihnen war ein Stern erschienen und dem folgten sie. In der Fußnote 4 zum Text schreibt nun dieser Jesuit:“Die Weisen, Magier, waren Gelehrte, die sich insbesondere mit dem Studium der Weisheit und der Sternkunde beschäftigen“. Die Sternkunde, wissenschaftlich betrieben heißt Astronomie. Die Sternenkundler sollen nun aber zu der Berufszunft derer zählen, die „bei den Persern Rathgeber der Könige“, sind. Diese „Rathgeber“ sind keine Astronomen sondern Astrologen! Nur weil die Magier eben Astrologen waren, konnten sie einer Sternbewegung eine Bedeutung zuschreiben, daß der von ihnen gesehene Stern sie zu dem neugeborenen König der Juden führe. Die Astrologie kann nun auch nicht unter dem Begriff der Weisheit subsumiert werden. Auch frugen gewiß nicht nur persische Könige ihre Astrologen um einen Rat! Es ist wohl davon auszugehen, daß die Astrologie einer der ältesten Wissenschaften der Menschheit ist, bis sie dann zu einer Unwissenschaft erklärt und als Aberglaube verurteilt wurde.Gegen das Urteil des Kirchenlehrers Thomas von Aqiun schließt sich die Kirche dieser Verurteilung an und bekommt so ein gravierendes Problem mit den Astrologen, die sich durch einen Stern zum Kinde in der Krippe führen ließen. Denn nach dem Urteil des Katechismus müssen auch diese Astrologen und Christusfinder als Sünder verurteilt werden, sie praktizierten ja Astrologie. Wie konnte auch nur Gott auf die Idee kommen, praktizierenden Astrologen den Weg zum Kinde in der Krippe zu führen durch einen Stern!


Aber diese zu Weisen Umgeformten dürfen nun auch keine Könige mehr sein, dekretiert dieser Jesiut: Sie seien keine Könige gewesen, da dafür kein Beleg im Neuen Testament noch im Altertum es gäbe, auch nicht dafür, daß es drei gewesen seien, noch daß ihre Namen irgendwie bekannt gewesen wären.

Gut katholisch wäre es nun, zu urteilen, wenn die Kirche sagt, es seien drei Könige, wenn diese „Meinung“ so verbreitet ist in der Kirche, dann ist sie auch wahr. Denn Jesus Christus als der lebendige Herr seiner Kirche ließe es nicht zu, daß ein solcher Irrtum sich so sehr in der Kirche eingeheimatet hätte. Je verbreiteter ein bestimmter Glaube in der Kirche ist, desto wahrscheinlicher ist er auch wahr, weil die Kirche einen sie regierenden Herren hat, Jesus Christus.

Es spricht nichts dagegen, daß Könige auch selbst Astrologen sein können! Viel spricht aber dagegen, daß um des Anpassens an die moderne Welt willen die Astrologen keine Astrologen mehr sein dürfen und daß ein Theologe kryptoprotestantisch motiviert die Könige nicht mehr Könige sein lassen will.

Dienstag, 6. Oktober 2026

Hängt das Wohl des Staates von der Religion ab? Oder ist die Religion nur eine Privatsache?

 

Hängt das Wohl des Staates von der Religion ab?Oder ist die Religion nur eine Privatsache?


Papst Leo 13. sagte dazu: „Von der Religion, durch die Gott verehrt wird,hängt das Wohl des Staates ab“ (Immortalis Dei Nr.31),1 Die spontane Reaktion auf diese These dürfte wohl lauten, daß das „Wohl des Staates“ ganz gewiß von vielem abhängig sei, aber gewiß nicht von der Religion. Darüber hinaus sei der Staat doch selbst nur ein Mittel zur Beförderung des Wohlergehens der Bürger der zu einem Staate sich zusammengeschlossen habenden Bürgerschaft. Ob zum Wohle des einzelnen Bürgers eine Religion gehöre,das sei nun doch eine rein private Ermessensfrage.

Die Religion gehöre so aber nicht in den Bereich des Staatsbürgers sondern in den des Privatmenschen, denn die Religion sei ja eine Privatangelegenheit abseits des öffentlichen politischen Diskurses.

Friedrich Romig vertritt nun die These, daß die Kultur „aus der Gottesliebe und der Liebe zum Nächsten“ entstünde, „die wiederum in der Gottesliebe begründet ist.“2 Unklar bleibt nun die Verhältnisbestimmung der Kultur zu dem Staate. Die Kultur als das Wie des Umgehens mit Gott und den Menschen untereinander soll so wohl für das Wohl des Staates eine wesentliche Bedeutung haben. Der Staat scheint dann hier das Gemeinschaftsleben zu meinen.

Nun könnte man diese These so verstehen, als wenn eine Kultur der wechselseitigen Liebe aller Bürger zu allen der Garant für das Wohlergehen aller Staatsbürger sei. Der Grund, oder die Motivation zu so einer wechselseitigen Liebe wäre dann der Glaube an Gottes jeden Bürger geltende Liebe.

Aber so verkürzte man diese These, denn hier meint ja die Gottesliebe die menschliche Liebe zu Gott und darauf die der Menschen zu ihren Mitmenschen. Die Liebe zu Gott ist die Weise seine Verehrung. Ob und wie Gott verehrt wird, habe so eine wesentliche Bedeutung für das Wohl des Staates und somit für das Wohlergehen jedes seiner Staatsbürger. Nicht meint somit diese These, daß nur die Weise des Miteinanders der Bürger für das Gemeinwohl eine konstitutive Bedeutung habe sondern die Frage, ob und wie Gott verehrt wird.

Um diese These zu verstehen, muß man sich einer zentralen religiösen Vorstellung annähern, die der Moderne völlig abhanden gekommen ist, daß es nämlich Gott selbst nicht gleichgültig ist,ob und wie er öffentlich verehrt wird.Das Wohlergehen des Staates hängt nämlich wesentlich von dem Wohlwollen Gottes ab, ob er der staatlichen Gemeinschaft wohlwollend oder zürnend gegenübersteht.

Wenn Kaiser Konstantin die Kirche förderte, dann tat er das nicht als eine Privatperson sondern in seiner Rolle als römischer Kaiser,als eine Amtsperson zu deren Berufspflichten die Sorge um die rechte Gottesverehrung gehört, denn nur wenn die Götter Rom wohlgesonnen sind, kann es Rom gut gehen.

Gott ist eben der Geber aller guten Gaben, aber er gewährt seine guten Gaben nicht einer Gemeinschaft, in der er nicht angemessen gemeinsam verehrt wird.

Gemeint ist somit mit der These„Von der Religion, durch die Gott verehrt wird,hängt das Wohl des Staates ab“ nicht, daß jeder Bürger die Tugend der Nächstenliebe praktizierend das Wohlergehen der Gemeinschaft des Staates hervorbringt und daß der Glaube an Gott dann zu dieser Bürgertugend motiviere. In erster Linie hängt das Wohlergehen der Gemeinschaft von der rechten Gottesverehrung selbst ab, denn wie sollte Gott einer Gemeinschaft von Bürgern Gutes gewähren, wenn sie ihn nicht verehren.

In der Moderne ist man fest davon überzeugt, daß es Gott gleichgültig sei, ob und wie er öffentlich verehrt wird. Wenn dann hat das Wie der Gottesverehrung nur eine Bedeutung für den Privatmenschen, für sein rein subjektives Sichwohlfühlen. Höchstens könnte noch konzediert werden, daß eine Religion mit ihrer Morallehre für die in einer Gesellschaft zu praktizierende Sittlichkeit eine Rolle spielen könnte. Aber auf das Wohlergehen einer Gemeinschaft, des Staates habe Gott keinen Einfluß: Aus der Geschichte und der Politik halte sich Gott eben heraus. Er interessiere sich halt nur für unser Privatleben.


Die ganze Geschichte des Volkes Israels in der Bibel zeigt uns nun überdeutlich, daß das Wohlergehen des jüdischen Volkes davon abhängt, daß Gott von seinem Volke in rechter Weise verehrt wird und daß Gott ihm zürnt, verläßt es seinen Gott. Das gilt so aber nicht nur für das jüdische Volk, denn Gott will nun durch Jesus Christus der Gott aller Völker sein.

1Zitiert nach:Friedrich Romig, Die Rcchte der Nation, 2002, S.111.

2A.a.O. S.111.

„Woher kommt eigentlich die Vorstellung, dass jeder Mensch Gott braucht?“ Oder wie die christliche Religion sich selbst als überflüssig erklärt.

 

„Woher kommt eigentlich die Vorstellung, dass jeder Mensch Gott braucht?“1 


Diese Frage wirft der Praktische Theologe Loffeld auf in seiner besonderen Hinsicht auf die christliche Religion. Nicht wird also gefragt, wie es denn dazu gekommen sei, daß heutzutage so vielen Gott gleichgültig sei, das sei das Problem des heutigen Christentumes2, sondern wie sei es überhaupt dazu gekommen, daß man meinte, daß der christliche Gott für jeden Menschen von höchster Relevanz sei.

Die Theologie des Apostelfürsten Paulus rekonstruiert er dazu mit dem Schwerpunkt auf dessen Erbsündenlehre. Da diese Rekonstruktion in seinem Buch sehr knapp ausfällt, erlaube ich mir eine ausführlichere hier darzulegen, an Hand des Römerbriefes, Kapitel 1 bis 8 in der Intention Loffelds.

Paulus sieht sich mit dem Einwand der Heiden konfrontiert: „Uns kannst Du nicht vorwerfen, daß wir Sünder seien und so der Erlösung durch Jesu Christi bedürfen, da wir ja gar nicht wußten und erkennen konnten, daß es einen Gott nur gäbe, den wir zu verehren hätten und wie wir gemäß ihm zu leben gehabt hätten. Kann uns so aber nicht der Vorwurf, Sünder zu sein, gemacht werden, auch nicht von diesem christlichen Gott, bräuchten wir auch keine Erlösung.“

Paulus beweist nun, daß jedem Menschen Gott erkennbar sei kraft der Möglichkeit der natürlichen Gotteserkenntnis und daß jeden sein Gewissen bezeuge, wie er zu leben habe, denn im Gewissen spräche Gott zu ihm. So sind nicht nur die Juden, denen Gott sich offenbart hatte Sünder, weil sie nicht gemäß Gottes offenbartem Willen lebten sondern auch die Heiden. Beide wußten von dem einen Gott und wie sie zu leben hätten.

Nun könnte aber ein weiterer Einwand jetzt von den Juden wie von den Heiden erhoben werden: Jeder Mensch könne nun doch umkehren,und dann so leben, wie Gott es von ihm wolle, sodaß es keines Erlösers bedürfe. Das Vermögen zur natürlichen Gotteserkenntnis und das Wissen um wie man zu leben habe im Gewissen jedes Menschen reiche doch aus.

Paulus konstruiert deswegen die Erbsündenlehre, um mit ihr zu beweisen, daß kein Mensch ohne die Erlösung durch Jesus Christus und die Aneignung des Heilswerkes Jesu Christi durch den Glauben an ihn gerettet werden kann.

„Der Mensch ist unfreiwilliges Opfer bzw Teil einer universalen Sündenverfallenheit, aus der er sich aus eigener Kraft nicht befreien kann. Daher müssen Kinder möglichst früh getauft werden, um diesem allgemeinen Zusammenhang möglichst schnell entzogen zu werden.“3

„Von nun an wird der Monotheismus missionarisch, was er vorher nicht war.“ 4Damit deutet der Autor die Intention seines Buches an, eine nicht mehr missionarische Kirche,die den christlichen Glauben nur noch anbietet als eine Option unter vielen möglichen Weltanschauungen und Religionen, wobei der Kunde letztlich frei entscheidet, welche er präferieren will. So lautet dann die folgende Überschrift: „Ein Hauptproblem: >Leben in Fülle< funktioniert ohne Gott.“ 5 Daß hier einfach der Autor die subjektive Meinung, ein „Leben in Fülle“ zu haben mit der Frage, ob es denn auch objektiv ein Leben in Fülle sei, verwechselt, ist offensichtlich aber das ist bei eine konsumentenrenorientierten Untersuchung eine Selbstverständlichkeit: Nur die Meinung des Kunden zählt.

Daß also jeder Mensch Gott, den christlichen Gott gar mit seinem spezifischen Erlösungswerk benötige, sei nur eine theologische Konstruktion, um die Ware: „christlicher Glaube“ im Prinzip an jeden Menschen verkaufen zu können.So rechtfertigte sich die große Missionsbewegung der Kirche.6

Der Apostelfürst Paulus legitimierte nun so also die Heidenmission neben der Judenmission als notwendig, weil auch die Heiden nur durch den Glauben an Jesus Christus das Heil erlangen könnten. Aber damit sei es nun zu Ende. Die Kirche hat ja schon ihr „Nein“ zur Judenmission gesprochen und faktisch hat sie sich auch von jeder Mission Mission verabschiedet: Kein Mensch bedürfe um seines Heiles willen der christlichen Religion und jeder könne auch ohne sie gut leben.

Versimplifiziert veranschaulicht: Jeder Getränkeproduzent weiß, daß es viele Getränke zum Durstlöschen gibt, mit denen viele Kunden zufrieden sind. Deswegen versucht er aber trotzdem, dafür zu werben, seine Getränke zu kaufen, auch wenn er weiß, daß die anderen Getränke auch gut sind. Nur, es könnten sich ja Konsumenten auch für seine Getränke entscheiden. Nur in einem Punkte hinkt dieser Vergleich: Jeder Mensch muß eine Flüssigkeit zu sich nehmen, sonst verdurstet er, aber kein Mensch muß eine Religion oder eine Weltanschauung für sich erwählen, da er auch ganz gut ohne irgendeine Religion oder Weltanschauung leben könne.

Letztendlich bietet so die Kirche Überflüssiges an, aber auch das könne sich verkaufen lassen trotz des gravierenden Desinteresses an den kirchlichen Angeboten. 

Bezeichnend ist die völlige Ausklammerung der Wahrheitsfrage zugunsten der Marketingstrategie: Wie verkauft man das Produkt "christliche Religion", wenn die Strategie, jeder Mensch bedürfe sie zu seinem Seelenheit nicht mehr "ankommt" bei den potentiellen Kunden? Nur die Verkaufbarkeit zählt.

1Jan Loffeld, Wenn nichts fehlt,wo Gott fehlt. 2024, S.98.


2Der Untertitel des Buches von Loffeld lautet: Das Christentum vor der religiösen Indifferenz.

3A.a.O. S.99f.

4A.a.O. S.99.

5A.a.O. S.100.

6A.a.O. S.99.

Versagt die Caritas in ihrem Kernbereich?

 

Versagt die Caritas in ihrem Kernbereich?


So bejubelt die Caritasvorsitzende den Wahlerfolg der „Linken“ in Berlin.„“Dass Elif Eralp als Spitzenkandidatin der Linken in Berlin so viel Unterstützung gewonnen hat, empfinde ich persönlich als Überraschung. Sie ist eine türkischstämmige, feministische Politikerin, die sich vernehmlich gegen Diskriminierung eingesetzt und Netzwerke gegen Rassismus gegründet hat. Angesichts der ständigen Verhetzung von Migranten und Migrantinnen durch die Rechtspopulisten und deren Vorliebe, sich über Geschlechtergleichstellung lächerlich zu machen, hätte ich es nicht mehr für möglich gehalten.“ 1

Frägt man sich nun aber, warum diese Linkspartei so sehr in Berlin reüssierte, dann fällt die Antwort sehr leicht: Sie kaprizierte sich auf das Thema der Wohnungsnot und rückte ihre linksradicalen Lieblingsideen in den Hintergrund. Sie tat so das,was ihr Sarah Wagenknecht empfohlen hatte, als sie selbst noch ein Mitglied dieser Partei war.

Die Stimmen für die „Linke“ sind so nicht in erster Linie Stimmen für ein feministisches multikulturelles Programm, sondern in ihnen manifestiert sich, daß man der Marktwirtschaft eine Lösung der Wohnungsnot nicht mehr zutraut.

Auch wenn es einem Theologen schwer fällt, aber den meisten Bürgern Berlins ist die Sorge um einen bezahlbaren Wohnraum weit wichtiger als alle theologischen Fragen. Nun wäre es dann doch die Aufgabe der Caritas, in diesem Problemfeld sich zu profilieren. Man muß sich dabei die Wahrheit vor Augen halten, daß die Akzeptanz der Kirche heute in Deutschland vorrangig sich in dem „Ja“ zur Caritasarbeit gründet, daß die Kirche eigentlich nichts anderes sei als eine Nächstenliebeorganisation.

Aber diese Zentralsorge der Bürger Berlins und auch vieler Bürger Deutschlands nimmt die Caritasvorsitzende nicht zur Kenntnis; sie ist begeistert von dem Feminismus und von dem antideutschen Programm der „Linken“.


Im Grundgesetz steht tatsächlich geschrieben:Artikel 14 „Absatz 3 des Grundgesetztes lautet:  

„Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.“

Daß die „Linke“ nun mit der Marktwirtschaft unvereinbare Lösungen für die Wohnungsnot in ihr Wahlprogramm aufnahm, spricht für die politische Klugheit gerade der Berliner Linkenpartei. Ob nun eine „Vergesellschaftung“, eine „Verstaatlichung“ oder eine „Enteignung“ großer Immoblienfirmen gefordert wird von dieser Partei, das sind diffizile Unterscheidungen, die wohl kaum die Bürger Berlins verstanden haben dürften, aber daß dies Wohnungsproblem nicht mehr marktwirtschaftlich gelöst werden kann, sodaß der Staat nun dies Problem in Angriff nehmen muß, das ist erkannt worden!


Unser Grundgesetz markiert in diesem Artikel eine Grenze des Liberalismus auf, daß um des Gemeinwohls willen, eine „Enteignung“ von Privatbesitz erlaubt ist. Hiermit wird dem Staate eine großer Handlungsspielraum eröffnet, allgemeinwohlorientiert zu agieren, auch wenn dafür eine particulare Negation der heiligsten Kuh der Marktwirtschaft, dem Recht auf Privateigentum notwendig ist.

Die Bestimmung: „Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen.“ ist sehr klug formuliert: Die Höhe der zu erbringenden Entschädigung darf nicht den Nutzen für das Allgemeinwohl beseitigen.

Es gibt wirklich gute Gründe, zwar an Gott zu glauben aber nicht an die Marktwirtschaft als das Alleinheilmittel für alle ökonomischen Probleme! Die Bürger Berlins votierten hier eben unideologischer als die Marktwirtschaftsideologen. Aber sie gaben damit ihr Stimme ab für ein Programm, das als für das Gemeinwohl mehr als destruktiv zu beurteilen ist. Diese Melange aus Feminismus, Multikulturalismus und Antideutschtum ist ein giftiger Mix, der aber so erfolgreich war, da die Partei so geschickt die Lösung der Wohnungsnot in den Vordergrund stellte.

(Eigentlich ist der Gedanke einer Verstaatlichung eher eine conservative denn eine linke Idee, denn der Conservatismus fordert einen „starken Staat“, um das Gemeinwohl auch gegen Particularinteressen durchzusetzen.)


Die Caritas kapriziert sich nun auf ihr Lieblingsklientel: die ach so unterdrückten Frauen und die „Flüchtlinge“ und „Asylanten“ und jetzt entdeckt die berlinerische Linke noch ihre Liebe zum Islam! Wird damit nicht die Caritas ihrer eigenen Aufgabe untreu, isb wenn sie die „Ordnung der Liebe“ als ihre eigentlichen Grundlage reprobiert und stattdessen antideutsch agiert.

1Vgl meinen Artikel vom 30.9.2026: „Wir sind längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden“ oder daß der zum Feind Erklärte sich nicht wehren darf!