Ein Verdacht über einen Zusammenhang von Karneval/Fasching und dem Aschermittwoch
Auf den ersten Blick existiert da kein wie auch immer gearteter Zusammenhang. Mit dem Aschermittwoch, einem von der Kirche festgesetzten Fastentag eröffnet die Kirche die 40 tägige Fastenzeit als die Vorbereitungszeit für das Hochfest Ostern. Nicht schaut der Gläubige zurück, sondern er richtet sich auf Ostern aus, wobei dann jeder Fastensonntag schon ein Antizipieren des Hochfestes ist.
Aber warum werden dann ein paar Tage davor mehrtägige Hochfest des Karnevals und des Faschings gefeiert, und warum setzt dann der Aschermittwoch dem ein so rabiates Ende. Oberflächlich könnte man meinen, daß nun am Mittwoch das Zuviel an Essen und Trinken abgefastet wird, man müsse wieder auf seine Figur achten und was da zu viel sei, gälte es nun, per Diät loszuwerden. Die Eßsünden seien so abzubüßen.
Das verleitet nun zu einer tiefgründigeren Vermutung, daß man halt in den närrischen Tagen mal „die Sau loslassen“ dürfe, da man nach solch exzessiven Tagen sie dann ja am Aschermittwoch abbüßt. Die Nachfolge Christi, so wie sie lange Zeit die Kirche im Sinne Jesu Christi lehrte, war eben kein Weg lauter Lustbarkeiten und erfüllt von Vergnügungen. Eingedenk eines so zivilisationskritischer Werkes wie Elias: „Prozeß der Zivilisation“ oder des großen Gemurres wider die den Menschen zu sehr einpferchenden Kultur und ob der Sehnsucht nach einem natürlichen Leben, frei vom Manierismus der Hochkultur könnte man doch auf die Idee kommen, daß Dostojewskis „Großinquisitor“mehr recht hat, als ihm seine katholischen Kritiker zubilligen. Die Kirche kenne nun mal ihre Pappenheimer, wie die Gläubigen wirklich sind im Unterschied zu dem, wie sie eigentlich sein müßten, wären sie wirklich Gläubige. Da erlaube oder toleriere die Kirche eben für eine befristete Zeit, daß die Christen sich närrisch auslebten als wenn es doch faktisch eine Überforderung wäre, sollte der Mensch ununterbrochen vernünftig leben oder gar sein Kreuz auf sich nehmend Jesus nachfolgen.
Man könnte meinen, daß ein gewisses Unbehagen an der Kultur, die das ganze Leben in allem und jeden reguliert,verständlich ist und so auch die Sehnsucht nach Ausnahmezustandszeiten nicht unvernünftig ist. Der Großinquisitor würde dazu sagen: Die von Jesus und der Kirche eingeforderte Nachfolge Jesu überfordere auch die Christen. Deswegen brauchen sie Ausnahmetage, um dann wider christlich leben zu können. Die Katholische Kirche ruft weiterhin zur Nachfolge Jesu Christi, aber sie erlaubt oder toleriert dann auch den Gläubigen „Urlaubstage“, Zeiten des Narrentumes! Wer stets vernünftig leben will, der braucht auch ein paar Narrentage, damit er dann wieder vernünftig lebt.
Aber solche exzessiven Narrentage müssen dann auch abgebüßt werden und dafür ist der Aschermittwoch eingesetzt, könnte im Sinne des Großinquisitors gemeint werden. Der Großinquisitor Dostojewskis ist ja kein tyrannischer Despot sondern ein die Menschen Liebender, der aber gerade so um die menschliche Schwachheit weiß und so Rücksicht nehmen will auf die Menschen, wie sie nun mal wirklich sind, obzwar sie doch eigentlich alle zur Heiligkeit Berufene sind.
So könnte man sich das Verhältnis von den Narrentagen zu dem Aschermittwoch denken, aber es könnte auch ein Irrtum sein.
Ein ähnlicher Fall: Man sage mal zu einem unverheirateten Mann, daß er jungmännlich zu leben habe. Wird der so Angesprochene sich unter der Jungmännlichkeit irgendetwas Sinnvolles verstehen können. Sagt man zu einer unverheirateten Frau, daß sie jungfraulich zu leben habe, wird sie sofort verstehen, was damit gemeint ist und dann diese Anforderung brüsk abweisen.. Nach der Lehre der Kirche müßten alle Unverheirateten enthaltsam leben, aber es drängt sich doch die Vermutung auf, daß man faktisch nur die Jungfraulichkeit gefordert hatte, den Männern aber kein enthaltsames Leben auferlegt hatte. Männern, außer ein paar Heiligen kann man die Enthaltsamkeit als wirklich zu leben, nicht abverlangen. Der hl. Augustin wie auch der hl. Thomas urteilen deshalb ja, daß die Prostitution nicht verboten werden dürfe, um die Frauen, die bis zu ihrer Verheiratung enthaltsam leben wollen, vor der Sexualität der Männer zu schützen! Dem hätte der Großinquisitor gewiß zugestimmt.
Meine Empfehlung: Lese den Großinquisitor gerade nicht in Narrenzeiten, sondern wenn es gilt, vernünftig zu urteilen!Der Text ist genial!