Montag, 4. Juli 2022

In Mißkredit geratene Zentralaussagen der christlichen Religion: Machet die Natur euch untertan

In Mißkredit geratene Zentralaussagen der christlichen Religion: Machet die Natur euch untertan


Kaum eine Aussage der hl. Schrift provoziert heutigen Tages so viel Ablehnung wie diese: „Benedixitque illis Deus, et ait: Crescite et multiplicamini,et replete terram, et subjicite eam“= Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch, und erfüllet die Erde und machet sie euch unterthan und seid Herren über“ sie. (1.Mose, 1,28) Als skandalös wird dabei der Zusammenhang zwischen dem Segnen Gottes und der Fruchtbarkeit empfunden, als segnete hier Gott Adam und Eva, damit sie Kinder bekommen. Das verunmöglichte ja jede Segnung homosexueller Paare, wenn der Zweck einer Paarsegnung die Fruchtbarkeit, der Kindersegen also wäre. Daß dann der Mensch aufgerufen wird, die Welt sich zu unterwerfen, gilt nun als die Büchse der Pandora, der wir die ganze Umweltzerstörung bis hin zur angeblich von Menschenhänden gemachten Klimakatastrophe zu verdanken haben. Daß dann auf der „Umweltschutzsynode“ der Amazonassynode die Göttin Erde verehrt wurde, auch und gerade von dem jetzigen Papst verwundert dann auch nicht mehr, gilt doch die Vergöttlichung der Natur als ein probates Mittel, die Natur wieder dem Beherrschungswillen des Menschen zu entziehen.

Hier wird nun einmal ein ganz anderer Umgang mit diesem Text versucht, indem er quer gelesen wird mit einem anderen Text, der auf den ersten Blick mit diesem Mosestext nichts zu tuen haben scheint:

Werthe legte erst der Mensch in die Dinge, sich zu erhalten,-er schuf erst den Dingen Sinn, einen Menschen-Sinn! Darum nennt er sich „Mensch“,das ist:der Schätzende.“Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, 1.Teil: Von tausend und Einem Ziel. Ergnzend: „Nicht -mehr-wollen und Nicht-mehr-schätzen und Nicht-mehr-schaffen!,ach.dass diese große Müdigkeit mir stets ferne bleibe.“ (Zarathustra, Teil 2: Auf den glücklichen Inseln.

Man könnte sich Gottes Schöpfung, in die dann das erste Menschenpaar hineingestellt wird, als einen wohlgeordneten Kosmos vorstellen, der eine schöne Welt ist, Kosmetik kommt von Kosmos her, und eine gute und wahre. Philosophisch ausgedrückt: Das Sein des Kosmos ist eins mit seiner Idee, wie es sein soll und somit ist die Welt die wahre Welt.So formuliert es ja Ott treffend: „Die ontologische Wahrheit oder >Dingwahrheit< besteht in der Übereinstimmung eines Dinges mit seiner Idee.“ (Ott, Grundriß der Dogmatik, §15: Die Wahrheit Gottes.)Für den Menschen bliebe so eigentlich nur noch eine Aufgabe, die des Lobpreises dieses wunderbaren von Gott geschaffenen Kosmos. Nichts dürfte und könnte er ändern, weil jedes Ändern, Bearbeiten und Umgestalten doch nur eine Depravation des von Gott gut Geschaffenen sein könnte. Die Natur sei das an sich Gute, das nun aber der Mensch durch sein Naturbeherrschenwollen destruiere. Er hätte stattdessen sich in die Naturordnung einfügen sollen wie ein Organ in einen Gesamtkörper, damit dieser als Ganzer sei.

Wenn dem so wäre, wäre Gottes Auftrag an den Menschen, sich die Natur zu unterwerfen, sie zu subjektivieren, wie es so treffend die Vulgata schreibt, etwas nicht nur Sinnwidriges sondern auch rein Destruktives. Anders gefragt: Was besagt dieser göttliche Auftrag über die Natur, wenn Gott sie dem Menschen zur Subjektivierung übergeben hat? Es scheint doch so, als wenn die Natur vor ihrem Beherrschtwerden durch den Menschen etwas Defizitäres anhinge, als wenn sie noch in eine Ordnung zu bringen sei. Im 2.Kapitel des 1. Buch Moses heißt es dann im Vers 20, daß Adam allem der Natur ihre Namen gab. Den Dingen der Schöpfung fehlte etwas, denn Adam erkannte nicht die Eigennamen, fand sie also nicht vor, sondern er rief sie (Appellavitque). Die Naturbeherrschung begann so mit dieser Namensgebung.

Ist das nicht auch Nietzsches Grundgedanke, daß den Dingen der Welt etwas fehlt,daß ihnen ihr „Werth“ fehlt. Ontologisch formuliert: Dem Seienden mangelt es an etwas und es ist die Aufgabe des Menschen, diesen Mangel kreativ zu beheben. Bildlich geredet: Das erste Menschenpaar gleicht einem Buben, dem man eine riesige Anzahl verschiedenster Bausteine vorgelegt hat, damit er nun daraus was erbaue. Die Legosteine wären so nicht einfach für genau ein bestimmtes Bauprojekt bestimmt und genormt, sondern vielfältigst benutzbar. Das Gute der Schöpfung wäre dann ihre Brauchbarkeit für den Gestaltungswillen des Menschen. Er produziert aus der Welt, wie sie ihm von Gott übergeben wurde, eine Welt für sich, indem er sie subjektiviert.

Die jetzige Postmoderne wäre dann das, was Nietzsche als die „große Müdigkeit“ diagnostiziert: Der Mensch will nicht mehr kreativ gestalten, er will nur noch im Bestehenden verharren und verweilen. Diese Erschlaffung seines Gestaltungswillens kann sich nun auch durch die allseits bekannte Problematik der zunehmenden Umweltzerstörung legitimieren: Wir schufen und so Elendes kam dabei heraus!

Aber die so unbequem gewordene göttliche Beauftragung bleibt bestehen: Der Mensch ist von seinem Kreator selbst zu einem kreativen Umgang mit der Natur bestimmt: Er soll sie sich unterwerfen, denn der Natur fehlt etwas, es wohnt ihm ein ontologischer Mangel inne und darum hat Gott dem Menschen die Natur zur Aufgabe gegeben. Nietzsche sagt es so: „und ohne das Schätzen wäre die Nuss des Daseins hohl.“ (Zarathustra, 1.Teil, Von tausend und Einem Ziel) Das Gutsein der Schöpfung wäre so, um es im Geiste des Philosophen Fichte zu sagen, ihre gute Geeignetheit, das Material menschlicher Pflichterfüllung sein zu können.




 

Samstag, 2. Juli 2022

Das kann unmöglich in der hl.Schrift stehen...oder wie Gott zensiert wird

Das kann unmöglich in der hl. Schrift stehen....oder wie Gott zensiert wird


Jesus sagt, wer nicht glaubt, wird verdammt! Das könne Jesus nie gesagt haben, soetwas könne unmöglich in der Bibel stellen, empörte sich der Leiter eines Gesprächskreises zu Fragen des Glaubens. Ein Diplomtheologe war er aber es verschlug ihm die Sprache, als dann Mk 16,16 zitiert wurde: Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt. Das kann da nicht stehen und es steht da doch. Man hat eben sein persönliches Jesusbild sich erschaffen und dann wird man konfrontiert mit einer Aussage, die nicht in das liebgewonnene Jesusbild integrierbar ist. Wem die hl. Schrift eine Autorität ist, der sieht sich so zu einer Korrektur seines Jesusbildes genötigt, kritische Geister präferieren dagegen dann die Bibelkritik, daß da eben auch Unsinniges und Falsches geschrieben stünde.


Bibelleser stellt nun die Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja vor fast unlösbare Probleme. Was ist ein Prophet, wozu wird er von Gott berufen, was immer darauf dann an Antworten gefunden werden mag, niemand käme auf diese Idee, daß das Gottes Auftrag an einen Propheten sein könne:

Verblende das Herz dieses Volkes,verhärte seine Ohren, und schließ ihm die Augen,daß er nicht etwa mit seinen Augen sehe,und mit seinen Ohren höre,und mit seinem Herzen verstehe,und sich bekehre, und ich es heile.“ (Jesaja,6,10)

Die Aussage ist an sich klar und eindeutig formuliert: Gott will das Volk nicht heilen.Darum verschließt er ihm sein Herz,seine Augen und seine Ohren. Denn wenn es hörte und sähe, könnte es das Gesehene und Gehörte verstehen und sich dann bekehren. Bekehrte es sich aber, wie sollte Gott es dann noch nicht mehr heilen. Offenkundig ist hier eine Differenz zwischen dem Sichbekehren und dem Heilen gesetzt: Die Bekehrung ist keine Heilung des Volkes, es kann sich nicht selbst heilen, aber bekehrte es sich, dann würde Gott es heilen wollen. Da er es aber nicht heilen will, verunmöglicht Gott die Bekehrung seines Volkes.

Aber es ist noch komplizierter: Was ist denn das, was das Volk sehen, hören und verstehen könnte, sodaß es sich bekehren könnte? Damit kann hier nur die Predigt des Propheten gemeint sein. Verstünde die das Volk, dann bekehrte es sich. Also lautet der Auftrag an den Propheten, daß er das, was zum Heile des Volkes durch Gott führen würde, verstände es das, er so predigen soll, daß das Gehörte und Gesehene die Ohren und die Augen der Hörer so zuspert, daß es zu keiner Umkehr kommt. A.Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe (1903) diese Stelle so:

D.i.du wirst durch deine Predigt dieses Volk nur noch mehr verstocken.- Die Propheten stellen das, was auf ihre Predigten erfolgt,zuweilen so vor,als ob es von ihnen bezweckt worden wäre.“

Aus dem Imperativ: Verblende, Verhärte wird ein Futur: Du wirst verblenden und verstocken. Diese futurisch eintretende Wirkung würde nun fälschlicherweise von

dem Propheten als seine Absicht ausgegeben, in der Wirklichkeit handle es sich aber um eine kontingente Auswirkung seiner Predigt.Rabiater kann dieser Text nicht mißverstanden werden. Daß Gott es ist, der an den Propheten diesen Auftrag erteilt und daß es Gottes Wille ist, daß das Volk nicht auf den Propheten hört und sich nicht bekehrt, wird hier völlig ausgeblendet. Gott wird hier eben durch diese Kommentierung zensiert, weil das hier Geschriebene diesem Jesuiten als unvereinbar mit seinem Gottesbild erscheint. Das erinnert an Luthers Umgang mit der hl. Schrift: Zuerst konstruiert er eine ganz neue Rechtfertigungslehre, allein aus der Schrift und schriftgemäß, um dann alle bisherigen als nicht schriftgemäß zu verdammen und dann stellt er fest, daß die Aussagen des Jakobusbriefes zu der Causa der Rechtfertigung nicht mit seiner neuen schriftgemäßen Lehre kompatibel sind: Ergo es gibt in der hl. Schrift Nichtschriftgemäßes! Der jesuitische Kommentar verfährt im Prinzip genauso: Was ihm nicht in sein Gottesbild paßt, das muß so umgedeutet werden, daß es paßt.

Aber wie ist diese Berufung dann zu verstehen? Ob der Sünden des Volkes will Gott es strafen und so will er ihm keine Chance mehr zur Umkehr geben. Durch die Predigt des Propheten könnte es gerettet werden, hörte es auf die Predigt und bekehrte sich. Aber Gott läßt dies Heilsmittel dem Volke zu seinem Unheil wirken, weil diese Predigt sie verstockt, sodaß sie sich nicht bekehren. Warum läßt Gott dann überhaupt den Propheten predigen?

Dafür kann ich nun nur diese Erklärug anbieten:Es gibt für das Volk, wenn es mit offenen Augen und Ohren sähe und hörte,die Möglichkeit zu erkennen, daß es gegen Gott sündigt und daß es dehalb umkehren müsse, um dem göttlichen Strafgericht noch entkommen zu können. Der Ermöglichungsgrund dafür ist unabhängig von der Prophetenpredigt für das Volk gegeben. Damit es diese Möglichkeit nicht realisiert, predigt der Prophet, sodaß sie verstockt, nicht hörend und nicht sehend dem göttlichen Gericht entgegenschreiten.Es soll nun bestraft werden und exiliert werden. Aber in Vers 13 wird verheißen, daß es einen heiligen Rest des Volkes geben wird, der sich bekehrt und den will Gott dann erhalten. Gott stellt sich so uns als ein Gott vor, der die Sünden der Menschen so ernst nimmt, daß es einen Punkt für ihn gibt, wo er nicht mehr den Sünder retten will, ja er ihm sogar die Möglichkeit zu seiner Rettung nimmt. Hier ist der Würfel gefallen, hier kann das Volk seinem Schicksal nicht mehr entrinnen, weil Gott selbst das Volk verurteilt hat.

Es ist nur zu gut verständlich, daß diesem jesuitischen Kommentar so viel göttliche Härte zuviel ist, aber wir haben Gott so anzuerkennen, wie er ist und nicht dürfen wir ihn uns so verzärteln, bis er uns gefällt. 

dem Propheten als seine Absicht ausgegeben, in der Wirklichkeit handle es sich aber um eine kontingente Auswirkung seiner Predigt.Rabiater kann dieser Text nicht mißverstanden werden. Daß Gott es ist, der an den Propheten diesen Auftrag erteilt und daß es Gottes Wille ist, daß das Volk nicht auf den Propheten hört und sich nicht bekehrt, wird hier völlig ausgeblendet. Gott wird hier eben durch diese Kommentierung zensiert, weil das hier Geschriebene diesem Jesuiten als unvereinbar mit seinem Gottesbild erscheint. Das erinnert an Luthers Umgang mit der hl. Schrift: Zuerst konstruiert er eine ganz neue Rechtfertigungslehre, allein aus der Schrift und schriftgemäß, um dann alle bisherigen als nicht schriftgemäß zu verdammen und dann stellt er fest, daß die Aussagen des Jakobusbriefes zu der Causa der Rechtfertigung nicht mit seiner neuen schriftgemäßen Lehre kompatibel sind: Ergo es gibt in der hl. Schrift Nichtschriftgemäßes! Der jesuitische Kommentar verfährt im Prinzip genauso: Was ihm nicht in sein Gottesbild paßt, das muß so umgedeutet werden, daß es paßt.

Aber wie ist diese Berufung dann zu verstehen? Ob der Sünden des Volkes will Gott es strafen und so will er ihm keine Chance mehr zur Umkehr geben. Durch die Predigt des Propheten könnte es gerettet werden, hörte es auf die Predigt und bekehrte sich. Aber Gott läßt dies Heilsmittel dem Volke zu seinem Unheil wirken, weil diese Predigt sie verstockt, sodaß sie sich nicht bekehren. Warum läßt Gott dann überhaupt den Propheten predigen?

Dafür kann ich nun nur diese Erklärug anbieten:Es gibt für das Volk, wenn es mit offenen Augen und Ohren sähe und hörte,die Möglichkeit zu erkennen, daß es gegen Gott sündigt und daß es dehalb umkehren müsse, um dem göttlichen Strafgericht noch entkommen zu können. Der Ermöglichungsgrund dafür ist unabhängig von der Prophetenpredigt für das Volk gegeben. Damit es diese Möglichkeit nicht realisiert, predigt der Prophet, sodaß sie verstockt, nicht hörend und nicht sehend dem göttlichen Gericht entgegenschreiten.Es soll nun bestraft werden und exiliert werden. Aber in Vers 13 wird verheißen, daß es einen heiligen Rest des Volkes geben wird, der sich bekehrt und den will Gott dann erhalten. Gott stellt sich so uns als ein Gott vor, der die Sünden der Menschen so ernst nimmt, daß es einen Punkt für ihn gibt, wo er nicht mehr den Sünder retten will, ja er ihm sogar die Möglichkeit zu seiner Rettung nimmt. Hier ist der Würfel gefallen, hier kann das Volk seinem Schicksal nicht mehr entrinnen, weil Gott selbst das Volk verurteilt hat.

Es ist nur zu gut verständlich, daß diesem jesuitischen Kommentar so viel göttliche Härte zuviel ist, aber wir haben Gott so anzuerkennen, wie er ist und nicht dürfen wir ihn uns so verzärteln, bis er uns gefällt.



 


 

Freitag, 1. Juli 2022

Hätten sie doch nur geschwiegen - Zur "Eingabe der Deutschen Ordensoberenkonferenz an die Synode zur Synodalität 2021-2023

Hätten sie doch nur geschwiegen....Zur „Eingabe der Deutschen Ordensoberenkonferenz an die Synode zur Synodalität 2021-2023


Dieses Monumentalwerk christlicher Frömmigkeit und tiefschürfenden theologischen Denkens läßt nur einen Schluß zu: Die Demokratisierung der Kirche muß in so glaubensarmen Zeiten wie den heutigen zum vollständigen Ruin der Kirche führen.Das Mönchtum war einmal das Herzzentrum der christlichen Frömmigkeit, aber auch der Ort theologischer Gelehrsamkeit. Aber es ist schon seltsam, daß heutzutage die Nonnen keine Nonnen sondern Schwestern und Mönche keine Mönche sondern Brüder sein wollen. Aber noch seltsamer ist das in diesem Dokument Geschriebene. Ein Punkt soll hier exemplarisch herausgegriffen werden, um den theologischen Niedergang der Frauenorden in Deutschland zu dokumentieren. Es geht um die Causa der Eucharistie, der Zulaßbarkeit von Nichtkatholiken zur hl. Kommunion. Dazu führt diese Eimgabe aus (ich biete den vollständigen Text): 

Mit anderen christlichen Konfessionen Gerade anlässlich des Luther-Gedenkjahres haben wir neu die enge Verbindung zu evangelischen Kommunitäten und ihren Mitgliedern erfahren. Durch das Leben in Gemeinschaft auf der Basis christlicher Werte erleben wir viel stärker das Verbindende als das Trennende zwischen den Konfessionen. Viele von uns fänden es stimmig, miteinander gemeinsam um den Tisch des Herrn versammelt zu sein und miteinander Eucharistie zu feiern. Wir leiden daran, dass das nicht möglich ist, bzw. dass es von unserer Kirche nicht erlaubt wird. Das schmerzt viele von uns sehr. Solche, die sich eine so weitreichende Tischgemeinschaft noch nicht vorstellen können, wünschen sich jedoch zumeist einen größeren Gewissensspielraum bei Einzelentscheidungen bezüglich der Teilnahme am Mahl der jeweils anderen Konfession. In Treffen von Ordensleuten halten manche den Schmerz der Trennung bewusst aus und verzichten auf den Empfang des Abendmahls. Wie auch immer: Die Sehnsucht nach der Einheit der Kirche auch in der Eucharistiefrage bleibt – und der Schmerz bleibt. 

Meine Mama verbietet mir, den Schokoladenpudding aufzuessen!“ mault das Kind. Warum darf es den nicht essen? Das weiß es nicht und versteht es auch nicht. Gern würde es mit ihren kleinen Freundin den ganzen Pudding verspeisen , mit ihren Sandkastenfreundin...Da hilft doch nur eines: Eine Petition an die Mutter (Kirche): Wir wollen das, denn wir wollen nicht verzichten! Unterscheidet sich diese Eingabe wirklich wesentlich von dem Protestieren unseres Sandkastenmädchens, das nun mit ihren Spielkameradin zusammen naschen will, bloß die Mutter verbietet es? Es wird kein einziger Versuch unternommen, sich mit den theologischen Argumenten gegen eine Zulassung von Nichtkatholiken zur Eucharistie zu beschäftigen, sie zu würdigen oder auch zu kritisieren. Es reicht einfach das Faktum, daß es uns schmerze, nicht mit den Protestanten zusammen eine „Tischgemeinschaft“ haben zu dürfen. Weil das schmerzt, darf das Verbot nicht sein! Verbote, die schmerzen, werden wohl als

illegitim verurteilt. Warum sich welche eine Tischgemeinschaft noch nicht vorstellen können, ist dann für dies Dokument irrelevant, wozu sollte man wen oder Argumente gar verstehen wollen.

Als Lösung wird dann das Allzweckargument des Gewissens appliziert: Wenn einem Verbote nicht gefallen, müsse es doch erlaubt sein, die Verbote im Namen der Gewissensfreiheit zu übertreten. Dann könne es halt jeder so praktizieren, wie es ihm gefalle. Zeichnete sich in früheren Zeiten die Nonne wie der Mönch durch den Gehorsam aus, galt das gar als das Merkmal des klösterlichen Lebens, so entledigt man sich heutzutage dieser Tradition durch die Parole der Gewissensfreiheit.


Mitentscheiden wollen diese Ordensoberen über das Leben der Kirche. Wer dieses Dokument in Gänze liest, kann sich nicht des Eindruckes erwehren, daß hier völlig Inkompetente mitreden wollen, als wenn Taube über das Musikprogramm eines Radiosenders entscheiden wollten. DerText zur Eucharistie zeigt nun wirklich unüberlesbar nur dies eine auf: die völlige Unkenntnis über die Eucharistie! So ein theologischer Analphabetismus ist nun aber leider kein Sonderfall der Frauenorden. So tief ist die Katholische Kirche ge- und versunken im Meer der Unwissenheit.

Hätten sie doch nur geschwiegen....Zur „Eingabe der Deutschen Ordensoberenkonferenz an die Synode zur Synodalität 2021-2023


Dieses Monumentalwerk christlicher Frömmigkeit und tiefschürfenden theologischen Denkens läßt nur einen Schluß zu: Die Demokratisierung der Kirche muß in so glaubensarmen Zeiten wie den heutigen zum vollständigen Ruin der Kirche führen.Das Mönchtum war einmal das Herzzentrum der christlichen Frömmigkeit, aber auch der Ort theologischer Gelehrsamkeit. Aber es ist schon seltsam, daß heutzutage die Nonnen keine Nonnen sondern Schwestern und Mönche keine Mönche sondern Brüder sein wollen. Aber noch seltsamer ist das in diesem Dokument Geschriebene. Ein Punkt soll hier exemplarisch herausgegriffen werden, um den theologischen Niedergang der Frauenorden in Deutschland zu dokumentieren. Es geht um die Causa der Eucharistie, der Zulaßbarkeit von Nichtkatholiken zur hl. Kommunion. Dazu führt diese Eimgabe aus (ich biete den vollständigen Text):


Mit anderen christlichen Konfessionen Gerade anlässlich des Luther-Gedenkjahres haben wir neu die enge Verbindung zu evangelischen Kommunitäten und ihren Mitgliedern erfahren. Durch das Leben in Gemeinschaft auf der Basis christlicher Werte erleben wir viel stärker das Verbindende als das Trennende zwischen den Konfessionen. Viele von uns fänden es stimmig, miteinander gemeinsam um den Tisch des Herrn versammelt zu sein und miteinander Eucharistie zu feiern. Wir leiden daran, dass das nicht möglich ist, bzw. dass es von unserer Kirche nicht erlaubt wird. Das schmerzt viele von uns sehr. Solche, die sich eine so weitreichende Tischgemeinschaft noch nicht vorstellen können, wünschen sich jedoch zumeist einen größeren Gewissensspielraum bei Einzelentscheidungen bezüglich der Teilnahme am Mahl der jeweils anderen Konfession. In Treffen von Ordensleuten halten manche den Schmerz der Trennung bewusst aus und verzichten auf den Empfang des Abendmahls. Wie auch immer: Die Sehnsucht nach der Einheit der Kirche auch in der Eucharistiefrage bleibt – und der Schmerz bleibt.


Meine Mama verbietet mir, den Schokoladenpudding aufzuessen!“ mault das Kind. Warum darf es den nicht essen? Das weiß es nicht und versteht es auch nicht. Gern würde es mit ihren kleinen Freundin den ganzen Pudding verspeisen , mit ihren Sandkastenfreundin...Da hilft doch nur eines: Eine Petition an die Mutter (Kirche): Wir wollen das, denn wir wollen nicht verzichten! Unterscheidet sich diese Eingabe wirklich wesentlich von dem Protestieren unseres Sandkastenmädchens, das nun mit ihren Spielkameradin zusammen naschen will, bloß die Mutter verbietet es? Es wird kein einziger Versuch unternommen, sich mit den theologischen Argumenten gegen eine Zulassung von Nichtkatholiken zur Eucharistie zu beschäftigen, sie zu würdigen oder auch zu kritisieren. Es reicht einfach das Faktum, daß es uns schmerze, nicht mit den Protestanten zusammen eine „Tischgemeinschaft“ haben zu dürfen. Weil das schmerzt, darf das Verbot nicht sein! Verbote, die schmerzen, werden wohl als illegitim verurteilt. Warum sich welche eine Tischgemeinschaft noch nicht vorstellen können, ist dann für dies Dokument irrelevant, wozu sollte man wen oder Argumente gar verstehen wollen.

Als Lösung wird dann das Allzweckargument des Gewissens appliziert: Wenn einem Verbote nicht gefallen, müsse es doch erlaubt sein, die Verbote im Namen der Gewissensfreiheit zu übertreten. Dann könne es halt jeder so praktizieren, wie es ihm gefalle. Zeichnete sich in früheren Zeiten die Nonne wie der Mönch durch den Gehorsam aus, galt das gar als das Merkmal des klösterlichen Lebens, so entledigt man sich heutzutage dieser Tradition durch die Parole der Gewissensfreiheit. 

 

 

Mitentscheiden wollen diese Ordensoberen über das Leben der Kirche. Wer dieses Dokument in Gänze liest, kann sich nicht des Eindruckes erwehren, daß hier völlig Inkompetente mitreden wollen, als wenn Taube über das Musikprogramm eines Radiosenders entscheiden wollten. DerText zur Eucharistie zeigt nun wirklich unüberlesbar nur dies eine auf: die völlige Unkenntnis über die Eucharistie! So ein theologischer Analphabetismus ist nun aber leider kein Sonderfall der Frauenorden. So tief ist die Katholische Kirche ge- und versunken im Meer der Unwissenheit.



 


 



 

Donnerstag, 30. Juni 2022

Ist die Kirche noch in Ordnung? Ein paar Bedenken

Ist die Kirche noch in Ordnung? Ein paar Bedenken


Die Kirche, das ist auch der Raum, ein besonderer, in dem der Gottesdienst durchgeführt wird. Selbstverständlich richtet sich spontan das Augenmerk auf das da sich Ereignende: Wer da was wie wozu macht. Könntes es nicht sein, daß so schon etwas auch für die christliche Religion Konstitutives übersehen und somit auch nicht hinreichend mitreflektiert wird, daß der Raum, in dem sich dann der Gottesdienst wie auch immer ereignet, selbst ein heiliger Ort ist, der so selbst zur Praxis des Gottesdienstes dazugehört. Für die religiöse Praxis gilt ja nicht, daß da, wo sich Menschen zu einem Gottesdienst versammeln, ein heiliger Ort entsteht, sondern daß da, wo ein heiliger Ort ist, die Gläubigen den Gottesdienst begehen. Gott hat sich den Zion und dann den Jerusalemer Tempel als den Ort erwählt, wo ihm dann die Gottesdienste zu zelebrieren waren, denn dort hat er seinen Namen wohnen lassen.

(Als eine degenerierte Gestalt der christlichen Religion muß deshalb die reformatorischere Vorstellung angesehen werden, daß erst durch die religiösen Versammlungen Orte zu heiligen werden.) Für den Katholischen Gottesdienst gilt deshalb, daß der Tabernakel das Zentrum des heiligen Raumes zu bilden hat, denn das ist der Ort der Präsenz Jesu Christi in der Kirche. Durch die lebendige Anwesenheit seines Herren in jedem Kirchenraum wird dieser zu einem heiligen Ort.

Aber es muß doch gefragt werden: Wird dieser theologischen Wahrheit die ästhetische Gestaltung des Innenraumes der Kirchen gerecht? Oft schon: Wer das Glück hat, in einer Barockkirche die hl. Messe zu erleben, wird hier eine Innenraumgestaltung erleben, die diese theologische Wahrheit ästhetisch zum Ausdruck bringt. Im Prolog des Johannesevangeliumes wird das Verhältnis des göttlichen Logos zur Welt in erhabenster Weise expliziert: Das Licht, das in die Welt kommt, die durch den Logos erschaffen ward, um sie nun zu erleuchten, aber die Welt nahm das Licht nicht auf, sondern nur die dazu Erwählten. Das müßte auch ästhetisch zur Geltung gebracht werden: Das Helligkeitszentrum bildet der Tabernakel, auf den hin der Altar ausgerichtet ist, denn Gott wird ja das Meßopfer dargebracht, auch dem Sohn selbst. Wenn die Welt außerhalb des Kirchenraumes die der Finsternis ist, dann ist das Tabernakel und der auf ihn hin ausgerichtete Altar das Lichtzentrum, von dem her die Welt und ersteinmal der Kirchenraum sein Licht erhält. Vom Eintritt in die Kirche her müßte also die Helligkeit zum Tabernakel und dem Altar hin zunehmen. Denn die Kirche leuchtet ja nicht aus sich heraus sondern sie leuchtet wie der von der Sonne beschienene Mond. Der innere Aufbau der Kirche ergibt sich daraus: Von Oben, vom Himmel kommt der göttliche Logos, um die Erde zu erleuchten. Der Raum des Allerheiligsten wäre so der des Tabernakels und des Altares. Davon separiert ist der Teil des Kirchenraumes, in dem die Menschen aus der Welt kommend, die sich nun dem Lichte zuwenden. Es ist so der vom Lichtzentrum her erleuchtete Raum, der aber auch ein dunkler zu sein hat, damit er erleuchtet werden kann.

Die Antithese wäre die Vorstellung, daß die natürlich-vernünftige Gotteserkenntnis die Menschenwelt schon so sehr erleuchtet, daß das Offenbarungslicht gar nicht mehr von Nöten sei. Das wäre so, als stellte man eine brennende Kerze in einem von elektrischem Licht vollständig erhellten Raum.Die Trias von der Welt außerhalb der Kirche, des heiligen Raumes in seiner Zweiteilung von dem allerheiligsten und dem Teil des Sichversammelns der von der Welt in die Kirche Kommenden konstituierte so den Raum der Kirche. So verkündete schon diese Komposition das Evangelium der Menschwerdung des Sohnes Gottes.

Daß das Heil von Oben von einem Außerhalb kommt, verlangt nun auch eine besondere Raumgestaltung. Der Abstiegsbewegung Gottes zu uns korreliert die Aufstiegsbewegung von uns zu Gott. Der Kirchenraum hat so eine inneres Gefälle zu haben, daß hereinkommend man zu Gott nach Oben sich ausrichtet und daß der Priester, von Oben kommend vermittelnd zu uns herab kommt. Wer einmal eine hl. Messe im „Alten Peter“ in München erleben durfte, konnte das erleben. Das Amt des Priesters ist ja das der Vermittelung. Er empfängt von Gott und teilt es dem Volke aus, sowohl das Wort Gottes in der Predigt wie das Sakrament vom Altar her. Diese Vermittelung verlangt aber eine Differenz, die zu überwinden ist. Oben steht der Hochaltar mit seinem Zentrum, dem Tabernakel, von dem der Priester hinabsteigt, um dem Volke den Leib und das Blut Christi auszuteilen. Wenn er dagegen das Meßopfer darbringt, hat er sich von dem Volke ab- und dem Tabernakel hinzuwenden, denn er opfert ja nicht dem Volke sondern Gott.

Wo nun diese Raumstruktur aufgegeben wird in Folge der Liturgiereform des 2.Vaticanums verliert der heilige Raum seine angemessene Ordnung. Jetzt sollen, zumindest liberal interpretiert, alle Gott gleich nahe sein, sodaß es eine solche Vermittelung gar nicht mehr geben braucht. Es gibt kein Oben und kein Unterhalb mehr, sondern der ganze Raum ist gleichermaßen erhellt. Man beginnt, den Gottesdienst zu feiern, in dem alle gleichberechtigt auf gleicher Höhe stehend oder sitzend mitwirken. Die Predigt drückt dann nur noch den persönlichen Glauben des Predigers aus- der Triumph des Subjektivismus. Deshalb wird sie nicht mehr von der Predigtkanzel gehalten. Die Kirchenräume sind hell, weil wir in einer guten hellen Schöpfung leben, die genau genommen gar keines Erlösers, einer externen Belichtung bedürfte. Wo die Welt, der ganze Kosmos schon die gut geordnete Welt ist, da bräuchte sie nur noch eines Aufklärers, der verkündet: Öffnet Eure Augen und ihr seht die Schönheit der Welt. Oft wird gar der Tabernakel ganz aus dem Zentrum gerückt und der Altar sieht dann eher wie eine Tischtennisplatte oder wie ein überdimensionierter Frühstückstisch aus, denn es fehlt im die Relation zu dem im Kirchenraum präsenten Gott im Tabernakel.


Könnte es nicht sein, daß die modern nachkonziliar erbauten Gottesdiensträume so die Wahrheit des christlichen Glaubens selbst dementieren und so zu unglaubwürdigen Gottesdiensten führen. Denn welche Frau glaubte dem Bekenntnis: „Ich liebe Dich!“, wenn der Mann dabei die Arme vor seinem Körper verschränkte. So könnte auch die Sprache moderner Kirchenbauten die Wahrheit der Kirche unglaubwürdig machen.









 

Spurensuche: Das Phänomen der Selbstsäkularisierung der Kirche

Spurensuche: Das Phänomen der Selbstsäkularisierung der Kirche


Daß die anvisierten „Kirchenreformen“, würden sie, wie sie jetzt in Deutschland diskutiert werden, vollständig umgesetzt, die hiesige Kirche in eine protestantische Religionsgemeinschaft verwandeln würde, ist so offenkundig, daß selbst der Papst anfrug, wozu es denn in Deutschland neben der EKD noch eine zweite protestantische Kirche geben solle. Aber die Kaprizierung auf die Frage, verprotestantisiere sich so die Katholische Kirche Deutschlands verstellt den Blick dafür, daß die Substanz der Kirche durch die Tendenz der Selbstsäkularisation noch viel grundsätzlicher angegriffen wird.

Ein Extrembeispiel führt der Artikel: „Jesuitenpater sieht katholische Kirche am Kipp-Punkt“. (Kath de am 27.6.2022)

Der Jesuitenpater definiert die Katholische da so: „dass unterschiedlichste Leute in Anerkennung ihrer Verschiedenheit im Dialog zusammenkommen und gemeinsam versuchen aus der Welt eine Welt für alle zu machen.“ Die Kirche sei für die Menschen da, habe ihnen Hoffnung zu geben und solle sich für Gerechtigkeit einsetzen. Was auffallen muß: Nichts irgendwie Religiöses oder gar Christliches findet sich hier wieder. Radicaler kann die Selbstsäkularisierung nicht betrieben werden. Was tritt hier an die Stelle der christlichen Religion? Der Auftrag zur Humanisierung der Welt. Die „Anerkennung der Verschiedenheit“ ist dabei die Lieblingsparole der „Sexuellen Revolution“ in der Epoche der Postmoderne: Jede sexuelle Orientierung soll anerkannt und die natürliche Zweigeschlechtigkeit des Menschen, daß er Frau oder Mann sei, reprobiert werden. Dazu gehört dann auch, daß alle Möglichkeiten der Ausgestaltung der Sexualität bejaht werden. Nun könnte der Text aber auch so gelesen werden, als meinte er, daß jeder, egal welche politische Option er für das Projekt der Weltgestaltung vertritt, mitdialogisieren könne und solle, um „eine Welt für alle“ zu kreieren.Das ist sicher so nicht gemeint: Die Zielvorgabe der einen Welt schließt schon alle Globalisierungskritiker aus. Nur Befürworter der Einen-Welt-Ideologie sind für diesen Dialog zugelassen. Außenpolitisch sind da die zwei großen Gegner der Globalisierung zu benennen: China und Rußland und innenpolitisch die „Popularisten“, die „Rechten“, die „Nationalisten“...Pragmatischer formuliert: nur die politisch Korrekten. (So soll es auf dem „Synodalen Weg“ eine übliche Praxis gewesen sein, sobald ein als conservativ Geltender das Wort ergreifen wollte, ihm die „Rote Karte“ gezeigt wird, bevor er noch ein Wort sprach: Deine Rede ist hier unerwünscht! Diese Unterscheidung von zum Dialog Dazu- und Nichtdazugehörigen und Dazu- und Nichtdazusagbarem gehört nun aber konstitutiv zur Ordnung der Diskurse dazu, wie M. Foucault fundiert darlegt. Somit ist dieser Dialog ein Diskurs im Sinne Foucaults. Diese Praxis des Ausgrenzens ist jedem vertraut, der die Parole der Buntheit und Vielheit kennt, mit der alles Conservative und Rechte dann ausgeschlossen und nur noch Rot-Grün und die Homosexfahne erlaubt wird.

Eine Welt für alle“, das ist nun nicht irgendein Weltbeglückungsprogramm, sondern das der Überwindung aller Differenzen hin zu einer uniformierten Einheitswelt: die „neue Weltordnung“ ist damit gemeint, eine Welt ohne Geschlechter- Völker- und Rassendifferenzen, in der es nach John Lennons Traum („Imagine“) keine Religion und keine Nationen und keine Grenzen mehr gibt, sondern nur noch ein in sich undifferenziertes Einerlei. Dazu paßt es eben, daß schon in der Kirche die Religion keine Rolle meh

Aber für was für einen Menschentyp soll denn nun diese neue Gerechtigkeitswelt errichtet werden. Was wird dabei dann unter dem Begriff der Gerechtigkeit verstanden? Sicher nicht, daß jeder das ihm Zustehende bekommt: Jedem das Seine!, ein Gerechtigkeitsverständnis, daß ja heute als nationalsozialistisches verteufelt wird, sondern eher, daß jeder das Gleiche bekommt. Alle Menschen seien gleich, darum sollen auch alle das Gleiche bekommen. Was kann denn dann die staatliche Politik an alle Bürger gleichmäßig ver- und zuteilen? Materielle Güter, vom Essen über die Kleidung bis zum Wohnraum, aber auch alle möglichen Konsumgüter. Gerecht geht es also zu in der Welt, wenn jeder auf ihr die Güter und auch Konsumgüter hat, die er haben will und er so keinen materiellen Einschränkungen unterworfen ist. Der Konsummensch ist so der Adressat dieses Eine-Welt-Projektes, dem zugerufen wird, daß solange Menschen auf der Erde auf etwas verzichten müssen, sie ein Unrecht erleiden. Dieser Konsummensch ist so ein Mensch ohne religiöse oder metaphysische Bedürfnisse, einen Sinn in seinem Leben zu haben, weil ihm das Leben als der Ermöglichungsgrund zum Konsumieren reicht. Und wenn er doch mal religiöse Bedürfnisse haben sollte, dann gibt es dafür Religionsdienstleistungsanbieter.

Diesen Menschentyp konstruiert sich der politische Diskurs selbst, der ihn als sein angemessenes Objekt des politischen Handelns braucht. Mit solch einem Menschentyp läßt sich eben die „Neue Weltordnung“ erschaffen. Nietzsche beschreibt diesen Typ als den des „letzten Menschen“. Dieser kann streng genommen kein religiöser Mensch mehr sein, er ist reduziert auf seine Wirtschaftsfunktion als Produzent und Konsument von Waren. Gerechtigkeit kann dann für diesen Typus nur noch heißen, daß jeder Mensch, wenig arbeitend alles wie alle anderen konsumieren kann.

Was bleibt dann für die Kirche noch übrig? Nichts, außer daß auch sie einstimmt in den großen Aufruf: Schaffet die zum „letzten Menschen“ passende Welt, denn die wird eine des Friedens und der Gerechtigkeit, in der es Alles für Alle gibt.

Das wäre die radicalste Version der Selbstsäkularisierung der Kirche. So radical ist man doch aber nicht in Deutschen Landen. In der Kirche wird doch noch von Gott und Jesus geredet, selbst der Hl. Geist taucht ab und zu auf. Der reformierte Theologe Karl Barth riet einmal zur Überprüfung, ob ein Text wirklich christlich sei, aus ihm Gott, Jesus Christus etc zu streichen, um dann zu untersuchen, ob der Gehalt des Textes sich ändere. Zur Veranschaulichung: Die Aussage: Jesus sagt, es sei gut, aufeinander Rücksicht zu nehmen, behält ihren Wahrheitswert, wenn ich das: „Jesus sagt“ streiche. In wie vielen Texten des katholischen Verbandslebens könnte man so Gott, Jesus Christus... streichen, ohne daß die Texte dadurch an Gehalt verlören. Es drängt sich eben der Verdacht auf, daß der Grad der Selbstsäkularisierung dadurch verschleiert wird, daß rein säkularistische Texte noch mit christlichem Dekor verziert werden. Sinnfällig wird das besonders bei bischöflichen Stellungnahmen, die sich kaum in irgendetwas noch von den Regierungserklärungen zu der Sache unterscheiden.




 

Mittwoch, 29. Juni 2022

359 338 Kirchenaustritte in einem Jahr und welche Konsequenzen hat das?

359 338 Kirchenaustritte in einem Jahr und welche Konsequenzen hat das?


Den Bischöfen Deutschlands wird diese Austrittszahl keine schlaflosen Nächte bereiten, solange noch genug Geld in der Gestalt der Kirchensteuer in die Kirchenkassen fließt, aber welche Bedeutung hat den der Austritt für die Ausgetretenen?

Solange noch der theologische Grundsatz galt: „außerhalb der Kirche kein Heil“, als die Kirche noch als die 2.Arche begriffen wurde, in der die Darinbefindlichen aus der Sintflut, dem Zornesgericht Gottes über die Sünder gerettet wurden, war ein Kirchenaustritt für den Ausgetretenden ein Fiasko: Er glich einem, der aus der ihn rettenden Arche sprang, um in den Meeresfluten zu ertrinken. Aber dieser Grundsatz gilt in der heutigen Kirche ja nur noch als eine Wahnvorstellung obskurantistischer Mittelaltertheologen, die so die klerikale Herrschaftsmacht über das Kirchenvolk zementieren wollten. Prinzipieller gedacht:

Der Grundsatz: „Extra ecclesiam non salus“ steht in einer Spannung zu dem universalistischen Heilswillen Gottes, daß er das Heil jedes Menschen will. Die Partikularität der Kirche, wenn es das Heil nur durch sie vermittelt geben kann, widerstreitet dem universalistischen Heilswillen Gottes. Verschiedene Löungskonzepte gibt es dafür: Das bekannteste ist das pelagianistische: Jeder Mensch kann das Heil erlangen, wenn er nur das an Gutem in seinem Leben realisiert, daß er ohne eine Gnadengabe Gottes realisieren kann. Die Kirche erleichtere dann nur den Weg zum Heil durch die in ihr präsenten Glaubenswahrheiten und Sakramente. Als semipelalaginistisch könnte dann verstanden werden, daß Gott jedem Menschen insoweit mit seiner Gnade ausstatte, daß jeder kraft ihr dann das Heil erlangen könne. Diese Gnadenvermittelung ereigne sich dann einerseits vermittels der Kirche oder andererseits unvermittelt durch Gott selbst.

Beide Konzepte führen dazu, daß davon ausgegangen werden kann, daß Menschen auch ohne die Kirche das Heil erlangen können. Aber wie verhält es sich nun mit denen, die Glieder der Kirche waren, eingegliedert durch die empfangene Taufe und die dann doch austreten? Für diese müßte, auch wenn so das: „Außerhalb der Kirche kein Heil“ relativiert wird, dieser Grundsatz gelten: Wer aus der Arche herausspringt, ertrinkt in der Sintflut. Nur das wird man heutzutage nie mehr in und von der Kirche hören. Milly Willowitsch, der bedeutsamste und meist rezipierte Kirchenvater des 20.Jahrhundertes hat es auf den Punkt gebracht: Wir mögen zwar alle kleine Sünderlein sein, kommen aber doch alle in den Himmel hinein. Man könnte es auch weniger dogmatisch so formulieren: Ob es einen Gott und ein Leben nach dem Tode gibt, gewiß kann man das nicht wissen, aber wenn es einen Gott gibt, dann kommen wir schon alle in den Himmel, und wenn es keinen gibt, na ja dann schlafen wir eben halt ewig in unserem Erdengrab. Also ist die Frage nach Gott und dem Seelenheil irrelevant geworden, es kommt eben so oder so, ganz gleichgültig ob und was wir glauben.

Für das Seelenheil hat also die Kirchenzugehörigkeit keine Bedeutung- für was dann? Bin ich aus der Kirche ausgetreten, kann ich, wenn ich wollte, am Kirchenleben weiter partizipieren, denn welcher Pfarrer würde mir wohl die Kommunion verweigern, wenn er überhaupt wüßte, daß ich ausgetreten bin. Nur kirchlich heiraten und beerdigtwerden ginge nicht mehr. Ansonst änderte sich nichts für einen Ausgetretenen. Nehmen wir nun mal den Fall eines ausgetretenen jungen Mannes an, der sich in ein Madel verliebt und sie dann auch ehelichen will, daß die dann aber auf eine kirchliche Eheschließung insistierte. Leicht kann er wieder in die Kirche eintreten, seiner Braut zu liebe.

Und selbst aus der Kirche Ausgetrende können und lassen manchmal gar ihre Kinder taufen,denn irgendwie könnte es ja doch ihnen nützen. Slavoj Zizek erzählt dazu gern diese Begegenheit: Ein Mann hängt ein Hufeisen an seine Haustüre, angefragt, ob er denn an Hufeisen glaube, sagt er: Nein – aber er habe gehört: Ein so aufgehängtes Hufeisen hülfe, auch wenn man nicht dran glaube! Zizek hegt den Verdacht, daß es sich in etwa so auch mit dem christlichen Glauben in der Postmoderne verhielte.

So befremdlich es klingt: Eigentlich hat der Kirchenaustritt keine ernsten Konsequenzen außer der, daß man nicht mehr kirchlich beerdigt werden kann. Wollte man dagegen doch noch kirchlich heiraten, könnte man ja leicht wieder eintreten.

So gesehen hat sich eine Kirchenmitgliedschaft für ein Kirchenmitglied selbst fast überflüssig gemacht. Daß Gott das Heil aller wolle und auch alle zum Heile verhelfen werde, macht so diese Arche Noah überflüssig. Sie gleicht nur noch einem Ausflugsboot in einem See, in dem das Wasser so niedrig ist, daß keiner in ihm ertrinken kann. So ist es fast gleichgültig, ob wer im Boote sitzt oder durch das niedrige Wasser des Seees spazieren geht.

Wen brauchen dann noch 359 338 Kirchenaustritte beunruhigen? Niemanden, es sei denn, es flößen weniger Kirchensteuern sodaß die Kirche weniger Geld ausgeben könnte.


Nun könnte erwidert werden: Es käme doch auf die Moral an, auf die kirchlich gelehrte, daß eben die Kirchenglieder nach ihr ihr Leben führten. Ein Austritt bedeute dann eine Absage an die kirchliche Moral und ein gar moralloses Leben. Daß Christsein heißt, möglichst anständig( = moralisch) zu leben, das unterschrieben sicher fast alle Christen, aber die allerwenigsten meinen heutzutage noch, daß sie deshalb gemäß der Morallehre der Kirche ihr Leben zu führen hätten. Seit der Aufklärung hat sich das, was man unter einem morslisch anständigen Leben versteht, weitestgehend emanzipiert von der Morallehre der Kirche. Das anonyme: Man: das tut man nicht!, hat die Morallehre der Kirche weitestgehend ersetzt. Nebenbei: Lacans Theorie von dem „großen Anderen“ spiegelt diese Ersetzung der Kirche durch das Man wieder wieder. (Vgl dazu:Zizek, Lacan.Eine Einführung) Nein, die Ausgetretenden werden im Regelfall genauso moralisch/unmoralisch weiterleben wie vor ihrem Kirchaustritt.


Nur ein dogmatisches Problem bleibt: Ein Getaufter, der aus der Kirche ausgetreten ist, bleibt ob seines Getauftseins ein Glied der Katholischen Kirche, nur eines, daß nicht mehr Glied dieser Kirche sein will. Das vergegenwärtigt uns eine tiefe Wahrheit des Begriffes des Volkes: So wie ein als Deutscher Geborener immer im ethnischen Sinne ein Glied seines Volkes bleibt, auch wenn er eine andere Staatsangehörigkeit annimmt, so bleibt ein in das Volk der Katholischen Kirche Hineingetaufter immer doch ein Glied dieser Kirche. Dem Volke wohnt so auch etwas Schicksalhaftes inne, eine Schicksalsgemeinschaft zu sein, der man sich nicht gänzlich entziehen kann.



 

Dienstag, 28. Juni 2022

359 338 Kirchenaustritte in einem Jahr und illusionäre Therapievorschläge

359 338 Kirchenaustritte in einem Jahr und illusionäre Therapievorschläge


Schenkte man den arrivierten Medien und dem Zentralorgan des links-liberalen Katholizismus, Kath de Glauben, wäre diese Sache ganz einfach: Die Menschen treten aus, weil immer noch nicht die Kirche sich der modernen Gesellschaft hinreichend angepaßt habe: Wenn erst das Frauenpriestertum und die Segnung der Homo“ehen“, eingeführt, die Kirche verdemokratisiert und verparlamentarisiert wäre, sie ihre vormoderene Morallehre abschüfe und sich mehr am Menschen orientiere, dann hätte auch die Katholische Kirche noch eine Zukunft. Bischöf Bätzing sagt deshalb angesichts von fast 400.000 Ausgetretenen: Das bestärke ihn, den Synodalen Weg weiter zu beschreiten. Auch die kritische Anfrage Papst Franziskus, wenn es doch in Deutschland schon eine gut funktionierende Evangelische „Kirche“ gäbe, wozu solle dann jetzt noch eine weitere ins Leben gerufen werden (durch die Transformation der Katholischen Kirche), beunruhigt diesen Bischof nicht: Er will einfach nur noch vorwärts marschieren, der Selbstauflösung der Kirche entgegen.


Aber so illusionär ein Weiter so mit der Selbstverprotestantisierung der Kirche, dann kommen die Menschen wieder zu uns, ist, so illusionär ist auch der Therapievorschlag, wenn die Kirche in Deutschland nur zurückfände zur rechten Lehre und die dann auch praktiziere, dann kämen die Menschen schon wieder retour zur Kirche. Als Jesus Christus (6.Kapitel des Johannesevangeliumes) lehrte, was mein Fleisch, mein Blut in der Eucharistie essen und trinken bedeutete, da verließen ihn viele Jünger, weil ihnen seine Lehre zu hart war. (6,60) In unseren Zeiten, da die „Blutwurst“ nicht mehr „Blutwurst“ heißen darf sondern „Rot-“ oder „Fleischwurst“ ob der Zartbeseiteten, wer käme da noch zum Kommunionempfang, hieße es da statt: „Da begegnet uns die Liebe Jesu, die Liebe Gottes“: „Trinket sein Blut als Medizin zum ewigen Leben“?

Nein, schon als der Sohn Gottes auf Erden selbst die Wahrheit predigte, zogen es viele, sehr viele vor, dieser Wahrheit fern zu bleiben. Wie viele gingen wohl jetzt, predigte die Kirche so wahr wie Jesus es im 6.Kapitel des Johannesevanglium praktizierte!


Unter der Überschrift: „Jesuitenpater sieht katholische Kirche am Kipp-Punkt“ (Kath de am 27.6.2022) wurde der Leserschaft ein jesuitischer Therapievorschlag zur Krise der Kirche vorgelegt. Nachdem der Jesuit sich sehr skeptisch zu den Erfolgsausichten der Reformvorhaben des „Synodalen Irrweges“ äußerte, legte er sein Konzept vor als einen Rückruf zum Wesentlichen der Kirche. Ein aufmerksamer Leser könnte hieraus die Differenz zwischen der Kirchenvorstellung des jesuitischen Papstes und den linksliberalen Ideen des „Synodalen Irrweges“ herauslesen.


Für den Jesuiten ist die Katholische Kirche: „dass unterschiedlichste Leute in Anerkennung ihrer Verschiedenheit im Dialog zusammenkommen und gemeinsam versuchen,aus der Welt eine Welt für alle zu machen.“ Die Kirche sei dazu da, „für Menschen dazusein und Hoffnung zu geben und für Gerechtigkeit einzutreten.“ Hier wird die Selbstsäkularisation der Kirche exzessiv bis zur völligen Aufgabe ihrer Identität vorangetrieben. So ist die Kirche (noch) nicht, aber so sollte sie sein! Aber so kirchenumstürzlerisch das auch klingen mag, ist das nicht schon längst die Realität, daß die Kirche nur noch als eine Organisation der Nächstenliebe gesellschaftlich akzeptiert wird, wohingegen das eigentlich Religiös-Christliche höchstens noch als eine Motivationskrft für die praktische Diakonie bejaht wird? Denn streicht man das Pathetische aus der Kirchenutopie dieses Jesuiten heraus, bleibt doch nur noch die fade Vorstellung, daß Christsein heißt, gut zu seinem Mitmenschen zu sein und besonders zu den Bedürftigen und Armen in der 3. Welt.

Das hieße, auf die Kirchenkrise gemünzt, daß die Zukunft der Kirche in einer Kaprizierung auf die „Soziale Frage“, wie es im 19. Jahrhundert formuliert wurde, bestünde. Aber leisten diese Aufgabe heutzutage nicht die vielfältigen NGOs und sonstigen sozialpolitisch orientierten Vereinigungen viel besser? Maßen nicht die großen politischen Parteien mit ihren jeweiligen Weltbeglückungsprogrammen sich das nicht schon an, wozu sollte die Kirche da mit denen konkurrieren wollen, zumal man dann auch nur deren Programme sich aneignete?

Aber vielleicht ist dies Jesuitenvotum doch noch viel aussagekräftiger als es dem Leser beim ersten Überlesen bewußt wird. Es enthält nämlich auch die Zeitdiagnose, daß der heutige Mensch mit der (christlichen)Religion nichts mehr anzufangen weiß,daß die ihm nicht mehr vermittelbar sei. Wie es sozusagen unmusikalische Menschen so gäbe es auch unreligiöse. Dem habe die Kirche Rechnung zu tragen, wenn die Vielen keinen Sinn mehr für das Religiöse haben. Konsequent zu Ende gedacht heißt das, daß die Kirche zu einer bloßen Institution des sozialen Engagements umgeformt werden müsse. Wie das aussehen könnte, skizziert dann dieser Jesuit in diesem Kath de Artikel mit wenigen aber sehr prägnanten Worten.

Das wäre aber selbstredend der Tod der Katholischen Kirche. Aber sind sich darin nicht eigentlich alle Reformer einig, daß es nur noch eine Zukunft für die Kirche in Deutschland und wohl auch für den Rest der Welt geben wird, wenn sie sich radical entkatholisiert, ja sogar das Religiöse abwirft, um ganz und gar sich zu verweltlichen, so sehr, daß nichteinmal mehr Gott in dieser „Kirche“ noch eine Rolle spielen wird.