Ist Gott erlebbar, erfahrbar? Die Sehnsucht nach einer
Unmittelbarkeit - oder daß wir glauben können
Ein Umweg soll nun eingeschlagen werden,um sich dieses
Problemes anzunähern. Sigmund Freud entwickelte dies
Dreikomponentenmodell: „Es- Ich- Überich“, um bestimmte
Probleme, die in das Aufgabengebiet der Psychologie gehören,
erklären zu können. Die stärkste These wäre nun die,daß ohne
dies Modell bestimmte Ereignisse überhaupt nicht erklärbar seien,
schwächer wäre die,daß ohne dies Modell sie weniger gut erklärt
werden können. Die schwächste wäre die, daß mit diesem Modell
gleichgut mit anderen Modellen diese Ereignisse erklärt werden
können.
Freud und auch nach ihm keiner hat je bewiesen,daß
es innerpsychisch diese drei Komponenten gibt, aber ob ihrer
Erklärungsleistung werden sie weiterhin verwendet.
Ähnelt unser Umgang
mit Gott dem, daß etwas erlebt,erfahren wird,das wir dann mit dem
Begriff Gott erklären? Das Erlebte und Erfahrene wäre so nicht
selbst Gott, sondern eine Wirkung, die wir erklärend auf Gott
zurückführen.
Das Pathos des: „So
erlebte ich das, so erfuhr ich das“ lebte von der Vorstellung einer
Unmittelbarkeit. Denken bedeutet dagegen eine Negation dieser
Unmittelbarkeit und setzt sich dem Verdacht aus, daß das so Gedachte
auch ein Ver-dachtes sein könnte, als falsches Denken sei. Das
Unmittelbare sei so nur das Wahre, weil so es mir unverändert und
unverfälscht ist. Aber ist etwas Erlebtes und Erfahrenes wirklich
etwas Unmittelbares? Ist das nicht selbst schon ein Produkt meines
Wiewahrnehmens und meines ersten Verarbeitens eines Rohmateriales,
das mir so nie selbst zugänglich ist?
Schon in der simplen
Erfahrung: „Da steht ein Baum“, wird das Sogesehene von mir als
ein Fall des Baumseins begriffen, also unter dem Begriff des Baumes
subsumiert.Warum soll dann erst die weitere „Bearbeitung“
verfälschend sein? Im Sinne des Philosophen Hegel gilt gar, daß
erst im Denken Gott sich uns erschließt.
Wenn es eine
Erfahrung und ein Erleben Gottes gäbe, daß uns unmittelbar sein
Sein, daß er wirklich existiert, bewiese, könnten wir nicht an ihn
glauben.Eine Ehefrau, die an der Treue ihres Ehemannes zweifelte,ob
er sie auf der Kur betrüge und ihn deswegen durch ein Detektivbureau
überwachen ließe, kann an seine Treue nicht glauben, wenn sie ihr
durch die Detektive für die Zeit der Kur bewiesen werden würde. Zum
Glauben gehören gute Gründe, an Gott zu glauben, aber könnten wir
ihn beweisen, dann lebten wir schon im Sehen und nicht mehr im
Glauben!
Es gibt Ereignisse
und Erlebnisse, die wir auf Gott als den Bewirker zurückführen
können, aber wenn sie so eindeutig wären, daß nur Gott als ihr
Bewirker in Frage kommen könnte, dann würde das uns unseren Glauben
an Gott verunmöglichen.
Daß es unser Glaube
ist, dazu gehört mein subjektives Beteiligtsein, daß ich das erlebt
und erfahren habe. Aber die Zurückführung des von mir Erlebten und
Erlebten auf Gott, das ist ein Produkt meiner denkerischen
Bearbeitung des Erlebten und Erfahrenen.
Viele erlebten Jesu
Wunder und Wunderheilungen, aber die einen urteilten, daß er diese
Taten in der Kraft des Teufels vollbrächte, um die Juden zu
verführen, und die anderen urteilten, daß diese Wunder ihn als
einen Menschen auszeichneten, mit dem zumindest Gott im Bunde stehe,
wenn er nicht gar so als Gottes Sohn sich erwiese.Beides sind
mögliche Deutungen des Erlebten: Als Moses sich vor dem Pharao als
von Gott Gesandten durch Wunder legitimieren wollte, mußte er ja die
bittere Erfahrung machen, daß die Magier des Pharaos diese Wunder
auch bewirken konnten. ( Der babylonische Talmud erläutert dann
dazu, daß Jesus in Ägypten sich zu einem Magier ausbilden ließ,
der so dann diese Wunder bewirken konnte zur Verführung der Juden!)
Meiner Erinnerung
nach – vor langer Zeit hörte ich das in einer
Kirchengeschichtsvorlesung, aber konnte das jetzt nicht verifizieren-
soll der Philosoph Celsus gar die Erscheinungen des auferstandenen
Jesus so gedeutet haben: Daß er nach seinem Tode anderen erschienen
sei, beweise nur, daß er ob seines sündigen Lebenswandels nicht in
den Himmel aufsteigen konnte, sondern auf Erden weilen müsse.
Aber grade deswegen
können wir an seine Auferstehung glauben!