Illusionen Kardinal Ratzingers über die Fundamente (West)Europas – oder irgendwie war der Anfang doch christlich
Europa sei nach 1945 eine „Friedensperiode“ geschenkt worden, die sie Churchill.Adenauer,Schumann und De Caspari zu verdanken habe.1 „Wir haben dafür zu danken,dass nicht der Gedanke der Bestrafung oder gar der Rache und der Demütigung der Unterlegenden bestimmend wurde2,sondern allen ihr Recht gewährt werden sollte“.3 Die „Mitte dieser friedensstiftenden Politik war die Bindung des politischen Handelns an die Moral.“ 4 Damit wird nun die These vorbereitet, auf die es dem Kardinal ankommt: „Sie haben eine Politik der Vernunft gemacht – der moralischen Vernunft; ihr Christentum hatte sie nicht von der Vernunft entfernt, sondern ihre Vernunft erleuchtet.“5
Antithetisch wird dann der durch den Glauben erleuchteten Vernunft die durch Ideologien „geknechtete und entstellte Vernunft“ entgegengestellt.6 Auf eine simple Formel heruntergebracht: Vernunft plus Ideologie = entstellte Vernunft, Vernunft plus Glaube = erleuchtete,wahre Vernunft. Deswegen müsse auch weiterhin das Fundament Europas diese erleuchtete Vernunft bilden, denn ohne den Zusatz der christlichen Religion entarte die Vernunft, die das Opfer dann von Ideologien würde.
Aber von welchen Ideologien schreibt hier der Kardinal und von welcher eben nicht? Er denkt an die nationalsozialistische und vor allem an die kommunistische, und kein Wort verliert er über die Ideologie des Westens, den Liberalismus.
Die Realgeschichte der Entstehung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG, später zur Europäischen Union umgefirmt und der NATO wird dabei völlig ausgeblendet.
Es ging dabei in keinster Weise um Moral, sondern Churchill faßte es knapp in diesem Diktum zusammen: „Wir haben den Falschen geschlachtet.“Der russische Stalin sei ein noch größere Feind als der deutsche Hitler. Westdeutschland sollte nun zu dem Frontstaat gegen den Osten, den Staaten des Warschauer Paktes und des Comecons aufgebaut werden. Zuvor galten wir aus der westlichen Sicht als das Feindvolk, das zu besiegen war, nicht zu befreien.
Zwei Ziele der Gründung der NATO und der EWG sind klar erkennbar: Einerseits sollte das ein Vertei-digungsbündnis gegen den Osten sein, ökonomisch fundiert durch die EWG, und andererseits als ein Offensivbündnis zur Reintegration aller Staaten des Ostblockes in den kapitalistischen Westen. Nur westeuropäische Staaten gründeten diese zwei Vereinigungen, aber sie proklamierten schon durch ihren Namen, daß ganz Europa in diese zwei Vereinigungen, die militärische und die ökonomische integriert werden sollten und daß somit deren Vereinigungen aufzulösen seien.
Die Parole lautete so: Deutschland klein zu halten, Rußland aus Europa rauszuhalten und die USA reinzuhalten. Wir sollten nie mehr ein starkes Volk werden können, sondern der NATO und Europa subordiniert werden.
Angesichts des gemeinsamen Feindes vertagten alle westeuropäischen Staaten ihre Zwistigkeiten untereinander, um gemeinsam gegen den Osten zu kämpfen. Daß der so entfesselte „Kalte Krieg“ nicht zu einem wirklichen Krieg sich auswuchs, verdankte sich einzig und allein der wechselseitigen Drohung eines Einsatzes der Atombomben. Mit einer vom christlichen Glauben erleuchteten Vernunft hat das nun wirklich wenig gemein.
Könnte denn nun der westliche Liberalismus, die ideologische Grundlage der Europäischen Union und der NATO als ein Resultat, eine Manifestation der christlich erleuchteten Vernunft rekonstruiert werden? Das ideologische Fundament ist die heilige Dreieinigkeit von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und nicht der dreieinige Gott, bzw der Glaube an ihn. Das Bündnis mit der liberalen Ideologie ging die Kirche nur ein, weil diese Ideologie als die effektivste antikommunistische sich nach 1945 erwiesen hatte. Der Liberalismus läßt sich nun selbst nur in die Theologie und Kirche integrieren, indem die christliche Religion auf den Glauben an Gott als den Schöpfer des Menschen, woraus seine Menschenwürde und die Menschenrechte abgeleitet werden, reduziert wird. Die Philosophie des Personalismus vermittelt dann zwischen der christlichen Religion und dem Liberalismus durch diesen Reduktionismus auf die Person als den höchsten Wert.Jede Ideologie, die stattdessen einen anderen höchsten Wert kennt, wird dann als totalitär verurteilt.
Zusätze
Wer über Adenauer schreibt, darf die fatalste Fehlleistung seiner Regierung nicht unerwähnt lassen, sein "Nein" zur Stalinofferte 1952,daß uns die Wiedervereinigung ermöglicht werden sollte in einem sich neutral erklärenden Deutschland!
Wer über unser Schicksal nachdenkt, muß die Verwestlichung Deutschlands als einen kulturellen Verlust an unserer Identität bedauern.
1Kardinal Joseph Ratzinger,Werte in Zeiten des Umbruchs, 2005, S.124f.
2Warum mußte dann Deutschland nach 1945 so viele Gebiete abtreten, sie als Kriegsbeute den Siegern zuerkennen? Warum darf in Deutschland nie mehr ein Bundesland „Preußen“ gegründet werden? Warum gelten wir mit Japan zusammen als „Feindstaaten“, sodaß es den Siegern erlaubt ist, gegen uns einen Krieg zu führen, wenn wir nicht mehr eine den Siegern gefällige Politik betrieben? Hat der Grünen Politiker Fischer recht, wenn er in seinem Buch: „Risiko Deutschland“ die Europäer vor uns warnt: Halter dies Volk unter die Kontrolle durch die EU?
3A.a.O. S.125.
4A.a.O. S.125.
5A.a.O.S.125.
6A.a.O. S.125.