Samstag, 8. August 2026

Eine Verlustanzeige: Was unter anderem der heutigen Kirche und der Theologie abhanden gekommen ist

 

Eine Verlustanzeige: Was unter anderem der heutigen Kirche und der Theologie abhanden gekommen ist


Oft scheint es fast so,als ob die Vorsehung sich entschlossen habe,den Frevler entkommen zu lassen und die wohlberechtigten Pläne des Guten zu Schanden zu machen.Aber Gottes Wege sind nicht unsere Wege.“ So steht es in dem Roman: „Waldröschen“, 6.Band, S.3471 von Karl May geschrieben. In dieser Großerzählung zeigt sich, daß am Ende es doch „gut“ ausgeht, daß das, was ein Christ glaubt, wenn er an die Vorsehung Gottes glaubt, sich nun auch ereignet: Durch alle menschlichen Confusionen und Widrigkeiten hindurch setzt Gottes Gerechtigkeit sich durch. In diesem Roman wird so sichtbar, was der Gläubige nur erhofft, da wir noch im Glauben und noch nicht im Schauen der Wahrheit leben.

Das Vertrauen auf die Vorsehung Gottes ist das Vertrauen darauf, das sowohl das Leben des einzelnen Menschen wie auch die ganze Menschheitsgeschichte etwas Ganzes ist, das auf sein von Gott bestimmtes Ziel hingeführt wird und daß dies ein gutes Ziel ist.

Kleinformatiger findet sich dies auch in Liebesfilmen wieder, daß die zwei Protagonisten, die füreinander bestimmt sind, das ist ihr Schicksal, am Ende auch zueinander finden. (Vgl dazu die 1.Stafel: „Sturm der Liebe“, Laura und Alexander)

Aber außerhalb dieser fiktionalen Erzählungen finden wir in der Regel eine so zielgerichtete Vorsehung Gottes nicht, wir können nur an sie glauben! Nur scheint die Realität diesem Vorsehungsglauben so sehr zu widersprechen: Wir wollen seine Wahrheit schon schauen und nicht nur auf die göttliche Vorsehung vertrauen. Die Kunstwerke, die uns nun in diesem Vertrauen stärken könnten, werden nun als „kitschig“ abgeurteilt und als „realistisch“ gilt eigentlich nur noch der von seinen Hoffnungen Desillusionierte, der das Leben so zu nehmen weiß, wie es eben ist, der „coole Typ“.

Damit zerfällt uns aber unsere eigene Lebensgeschichte wie die ganze als eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die kein ganzes Sinnvolles ist. Jede Erzählung impliziert, daß das Ganze ein sinnerfülltes Ganzes ist, das macht erst die literarischen Texte zu einem Werk, aber damit wird uns das literarische Werk etwas Wirklichkeitsfremdes, als wenn nur durch die Erzählkunst das Erzählte zu einem sinnvollen Ganzen wird. Wird das auf unser reales Leben übertragen, heißt das, daß wir erst unser Einzelleben wie das Ganze der Menschheitsgeschichte zu etwas Sinnerfülltem machen – wir entdecken nicht mehr im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes den Sinn der Ereignisse sondern fabrizieren ihn selbst durch unser Deuten und somit auch Verdeuten von etwas an sich Sinnlosen.

Das Vertrauen in die Vorsehung Gottes verlangt von uns, zu glauben, ohne schon das Geglaubte sehen zu können. Weil das dem modernen Menschen zu wenig ist und er es schon so erleben will, bekommt er nun viel weniger: Geschichten, die als Ganzes keinen Sinn mehr ergeben, weil er den Sinn nicht an ihnen ablesen kann. Ist das vielleicht das Geheimnis der Romane von Franz Kafka? Sie gelten uns als größte Leistungen der modernen Literatur, Werke, die aus dem Vertrauen auf die Vorsehung Gottes verfaßt werden, als Trivialliteratur.

Die Weltgeschichte wie die des Einzelnen gleicht ohne die Vorsehung Gottes Schauspielern auf einer Theaterbühne ohne ein aufzuführendes Theaterstück und ohne einen Regisseur. Sie müssen sich ihr Stück und ihre Rolle selbst schreiben, weil es keinen Regisseur mehr gibt,der das Gesamtstück des Welttheaters schreibt.

Freitag, 7. August 2026

Ein großer Sieg der LGBTQ in der Katholischen Kirche

 

Ein großer Sieg der LGBTQ in der Katholischen Kirche



Der Magdeburger Bischof Feige klärt uns auf in dem Kath de Artikel: „Bischof Feige: Keine Gemeinsamkeiten zwischen der AfD und Kirche“ am 6.8.2026:


Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sieht keine Gemeinsamkeiten zwischen dem Weltbild der AfD und der katholischen Kirche. Mit Blick auf queere Menschen und das Segnen homosexueller Paare habe die Kirche sicher eine Entwicklung hinter sich, sagte Feige in einem Podcast der "Mitteldeutschen Zeitung" und der "Volksstimme". Aber die große Tendenz sei, "dass wir da offen sind für jeden Menschen und jeden Menschen achten in seiner Art und Weise, in seiner Sexualität und in seiner Selbstbestimmung". In ihrem Parteiprogramm setzt sich die AfD primär für die klassische Kernfamilie ein.“

Das ist nun wahrhaft revolutionär: Weil die AfD sich für die klassische Kernfamilie einsetze, sei sie für einen Katholiken nicht wählbar, da diese die sexuelle Selbstbestimmung bejahe und somit auch alle frei gewählten Gestaltungen einer Zweisamkeit! Jeder Mensch hätte eben das Recht, frei sein Geschlecht sich zu erwählen und zu verändern und intim zusammenzuleben mit wem und wie auch immer. Das habe die Kirche dazugelernt und verabschiede sich deswegen von ihrer gesamten Ehe- und Sexualmorallehre, um zeitgeistgemäß zu erscheinen. Die AfD verträte stattdessen in dieser Causa Positionen, die die Kirche längst überwunden habe und so sei sie für die heutigen Katholiken völlig inakzeptabel! 

Unübersehbar: Keine andere Lobby reüssiert in den heutigen Tagen so sehr wie die der LGBTQ! 

Ein Musterbeispiel der Selbstdestruktion der Katholischen Kirche

 

Ein Musterbeispiel der Selbstdestruktion der Katholischen Kirche


Sehr löblich ist nun die Intention des Kath de Artikels vom 6.8.2026, zum zigsten Male der Piusbruderschaft und allen Conservativen in der Katholischen Kirche den Krieg zu erklären: „Kritik an Piusbruderschaft. Dogmatikerin: Es gibt keine fixierte katholische Identität.“ Diese Kräfte behaupten ja, daß durch das 2.Vaticanum bzw deren Weiterentwickelung die Identität der Kirche gefährdet sei. So repliziert dieser Kath de Artikel nun diese Kritik.

Letztlich sei die Identitätsbildung Aushandlungssache – auch wenn es Eckpfeiler gebe, an denen sich die Aushandlung orientieren müsse. Als Beispiele nannte sie die Anerkennung eines universalen Heilswillen Gottes, der auf das Heil aller Menschen und nicht nur einer exklusiven Gruppe ziele, das gemeinsame kirchliche Wirken zugunsten einer Einheit der Menschheit, die Anerkennung der >Geschichtlichkeit der Offenbarung< sowie den Einsatz für soziale Gerechtigkeit und das Gemeinwohl.“

Findet sich in diesem Zitat eine spezifisch katholische oder christliche Aussage? Nein, was hier ausgesagt ist, das hätte im Namen jeder monotheistischen Religion ausgesagt werden können. Daß Gott das Heil aller wolle, das bestreitet nun weder die Piusbruderschaft noch sonst ein Katholik, nur die Anhänger der doppelten Prädestinationslehre des Calvinismus bestritt das, die aber von der Kirche reprobiert worden ist.

Bestritten wird aber, daß jeder Mensch das Heil erlangen wird und zwar durch Jesus Christus selber, wenn er lehrt: „Wer an mich glaubt und getauft ist, wird im Endgericht gerettet werden, wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ Mk 16,16.

Die Aufgabe der Kirche ist nun die Evangelisation, die Verkündigung des Evangeliumes und nicht die Hervorbringung einer Einheitsmenschheit, denn es wird bis zum Jüngsten Gericht die Differenz zwischen den Gläubigen und den Nichtgläubigen geben, die diese Einheit nicht zuläßt. Die Kirche hat das Reich Gottes zu verkünden und nicht eine Sozialutopie einer gerechten Welt.

Der Terminus der „Geschichtlichkeit der Offenbarung“ dient nun dazu, das Offenbarsein der Offenbarung in Frage zu stellen, da sowohl die Offenbarung selbst als auch ihre Aneignung so sehr geschichtlich bedingt sei, daß daraus keine ewigen Wahrheiten herauskristallisierbar seien.

Die christliche Religion rediuziert sich somit auf einen schlichten Humanitarismus mit etwas theologischem Dekor, daß es da einen jeden Menschen liebenden Gott gäbe. Die Identität der Katholischen Kirche sei die einer humanitaristischen NGO, die sich dann noch in katholisch anmutende Kleider aufschmücken mag, solange sie dabei humanitaristisch bleibt.

Für diese Dogmatikerin ist das 2.Vaticanum nichts anderes als die Selbsterkenntnis der Katholischen Kirche, sich selbst liquidieren zu haben, um als eine Links-NGO dann von den Toten aufzuerstehen!Das hier skizierte Kirchenprogramm scheint auch mehr dem Geiste des Freimaurertumes zu entsprechen,daß alle Religionen gleich wahr wären und daß es hauptsächlich um die Humanisierug der Welt ginge  als daß es katholisch wäre.


Donnerstag, 6. August 2026

Eine provokante These zur monogamen Ehe in der Bibel

 

Eine provokante These zur monogamen Ehe in der Bibel


Uns Modernen ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es ursprünglich die Idee der Monogamie gab und daß die dann sekundär auf das Verhältnis des Volkes Israel zu seinem Gott übertragen wurde: So wie es viele Männer, aber für eine verheiratete Frau nur einen Ehemann gibt, so existieren viele Götter, aber für das Volk Israel nur einen Gott, der sich mit ihm ehelich verband. Damit ist in beiden Fällen die Möglichkeit der ehelichen Untreue mitgesetzt, daß wie eine Ehefrau „fremdgehen“ kann auch das jüdische Volk „fremdgehen“ kann. Da es für eine verheiratete Frau nur einen Mann gibt, so gibt es für Israel nur einen Gott.

Die Sünde Israels ist so das Fremdgehen, nicht daß man sich ganz von dem Gott Jahwe abgewandt hätte, nur diente man daneben auch gern Fruchtbarkeitsgöttern als einer Art „Nebenfrau“.

Die eheliche Norm der Treue wäre so auf das religiöse Verhältnis zu dem Gott Israels übertragen worden: Auch hier gälte das Gebot der Bundes-Treue in einer Analogie zur ehelichen Treue.

Wie wäre es nun aber, verhielte es sich genau umgekehrt, daß die religiöse Vorstellung, daß das Volk Israel nur einem Gott verpflichtet sei, die der Monolatrie erst die Norm der ehelichen Treue der monogamen Ehe hervorrief?Man blättere mal das Alte Testament durch: Welcher König war nur mit einer Frau verheiratet, wie viele Nebenfrauen nahmen sie sich? Wenn eine Ehe kinderlos blieb, war die Ehefrau verpflichtet, ihrem Mann eine andere Frau zu geben, damit er mit ihr schliefe, bis sie von ihm schwanger wird, damit dann dieses Kind als ein Kind der Ehe angesehen wurde, obschon die Ehefrau nicht die leibliche Mutter war! Die Töchter Evas „heirateten“ leibliche Brüder, das waren alles Inzestehen, die nach der Morallehre der Kirche durch nichts rechtfertigbar gewesen wären. So wenig „ernst“ nahmen die ersten Menschen die Ordnung der Ehe.

Ist da nicht der Verdacht erlaubt, daß erst in der Folge der Monolatrie, daß es für das Volk Israel nur einen Gott gäbe, dem es verbunden sei, dem jedes Fremdgehen ein Greuel ist, die Ordnung der monogamen Ehe mit ihrem Treueverständnis entstanden ist?

Kann es dann uns noch irritieren, daß heutzutage die Ehe als ein aufkündbarer Bund wahrgenommen wird, daß es auch keine schwere Sünde sei, wenn einer der Eheleute fremd geht, wenn das weltanschauliche Fundament der monogamen Ehe der Glaube an einen Gott ist, der sich mit dem Volke Israel verbunden hat und der von ihm die eheliche Treue verlangt? Israel mußte ja auf das bitterste erfahren und erleiden, was die Folgen seines Fremdgehens waren: die Exilierung Israels in die babylonische Gefangenschaft 586 v.Chr!

In traditionellen Gesellschaften, vgl dazu etwa Julius Evola, bestimmen die Religion auch die scheinbar weltlichen Beziehungen, die in der Moderne säkularisiert worden sind. 

Auffallend ist doch, daß wie um einer Kinderlosigkeit einer Ehe gegen die Ordnung der Ehe verstoßen werden durfte Israel auch so gegen die Monolatrie sich versündigte, um Fruchtbarkeitsgöttern zu dienen.

Die Unauflöslichkeit einer gültig sakramental geschlossenen Ehe begründet sich ja in der Unauflöslichkeit des (Ehe)Bundes Jesu Christi mit seiner Kirche. 

Mittwoch, 5. August 2026

Zur Demokratisierung der Kirche – ein abschreckendes Fallbeispiel

 

Zur Demokratisierung der Kirche – ein abschreckendes Fallbeispiel


In einem öffentlichen Hörbeitrag einer Ruhrgebietspfarrei wünscht der Pfarrgemeinderatsvorsitzende die Streichung des Agnus Dei in der Messe. Hintergrund ist die angeblich nicht mehr vermittelbare Deutung des Todes Jesu als ein Sühnopfer für unsere Sünden. Eine Diskussion entsteht.“ 1

Ob das Agnus Dei noch theologisch akzeptabel oder zu streichen sei, das soll nun urdemokratisch der Pfarrgemeinderat entscheiden! Wie immer nun diese Entscheidung ausfiel, der Skandal ist die Anmaßung eines Pfarrgemeinderates, selbstherrlich über diese Causa entscheiden zu dürfen.Denn hier gilt nun, daß nur das als „wahr“ gelten dürfe, was eine Mehrheit dieses Gremiumes als wahr bestimmt.

Wie viele Pfarrgemeinderäte existieren in Deutschland? Soll es so so viele „Wahrheiten“ geben, wie es Pfarrgemeinderatsbeschlüsse gibt? Das wäre aber nun eine rabiate Umsetzung des Subsidaritätsprinzipes auf das Innenleben der Kirche, daß alles Relevante auf der untersten Ebene der Kirche entschieden würde und nur das dort nicht Entscheidbare auf eine höhere Entscheidungsebene hochdelegiert wird. Das wäre der Tod der Katholischen Kirche!

1Communioartikel: „War der Kreuztod Jesu ein heilswirksames Opfer?, 31.7.2026, Kommentar: Zimmerer.

Montag, 3. August 2026

Gott nicht so ernst nehmen?

 

Gott nicht so ernst nehmen?


Die Geschichte vom Streit zwischen den Jahwe-Verehren und den Baalspriestern ist bekannt: Auf dem Berg Karmel erwies sich Jahwe eindeutig als der wahre Gott, denn er erhörte das Opfer Elijas, das der Baalspriester wurde nicht erhört. 1.Könige 18.Weniger bekannt und meist überlesen heißt es dann im 1.Vers des 19. Kapitels: „Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan hatte,auch daß er alle Propheten (des Baals)mit dem Schwert getötet habe.“

Um des wahren Gottes willen läßt sein Prophet die Diener des falschen Gottes töten!

Im 2.Buch der Könige lesen wir über den großen Reformer Josia, er fand das Buch des Gesetzes im Tempel wieder und reformierte danach das ganze Land:“Und alle Priester der Höhen,die daselbst waren, tödtete er bei den Altären.“ 23,20. Die Priester der Höhen verehrten zwar Jahwe, aber an den falschen, nicht von Gott verordneten Orten, nämlich nur im Jerusalemer Tempel durften dem wahren Gott seine Opfer dargebracht werden.


Hier wird Gott so ernst genommen, daß um des wahren Gottes willen und um des einen Ortes willen, an dem Gott nur recht kultisch verehrt werden darf, Andersgläubige getötet wurden. Die innerchristlichen Religionskriege des 17.Jahrhundertes zeigen nun an, daß dies nicht etwas auf die Zeit des Alten Bundes Limitiertes ist: Um der wahren Gottesverehrung willen führte man in Europa Krieg. Erst nachträglich, nach der Domestizierung der christlichen Religion durch die Aufklärung kam das Narrativ auf, die christliche Religion sei hier nur von politisch Mächtigen mißbraucht worden.

Man nehme es bitte um des Friedens willen nicht so genau, so ernst mit der Religion: Jeder dürfe doch glauben, was er wolle und glaubt er nichts, ist das auch in Ordnung.

Wer über den Relevanzverlust des Glaubens an Gott nachdenkt, darf diese Verdomnestikationsstrategie, die sehr erfolgreich war, nicht wegdiskutieren: Um des innerweltlichen Friedens willen Gott nicht ernst nehmen, ihn und das Wie und gar das Ob seiner Verehrung für gleichgültig zu erklären! Der wahre Gott und die wahre Verehrung hätten zu vielen das Leben gekostet! 

Die Domestikation der christlichen Religion führt notwendig zu ihrer Devitalisierung: So ernst und wichtig bräuche man es mit Gott nicht zu nehmen! So ist ja ein zentrales Anliegen der Menschenrechte, daß bei der Beurteilung eines Bürgers seine Religion keine Rolle spielen darf, sie dürfe nur in seinen Privaträumen relevant sein. Gar in Benimmregelartikeln kann man den "guten Rat" bekommen: "Rede nicht über Religiöses, das sei etwas Konfliktträchtiges."

„War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“

 

War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“



In diesem „Communio“ Artikel vom 31.7.2026 wird das Buch des Neutestamentlers Trummer:“Jesus ohne Opfer“ rezensiert. Dessen Kernthese lautet, daß Gott keine Opfer bräuchte. „ >Sündenböcke seien "eine eklatante Fehlleistung menschlicher Projektionen" (ebd.) – "Ein solch blutrünstiges Monster hätte Jesu niemals Abba nennen können"<(78).“ Eine solche Vorstellung vergifte das „Gottesbild“. Das Kritikniveau dieses Buches ist an blauäugiger Naivität kaum noch unterbietbar: Gott ist so, wie ich ihn mir wünsche, das ist mein Gottesbild und ein Gottesbild, was dem widerspricht, muß somit unwahr sein. Dabei identifiziert dann der Exeget sein Idealgottesbild mit dem von Jesus, denn Jesus könne doch nicht etwas diesem „Exegeten“ Anstößiges und Inakzeptables vertreten haben.

Unter der Überschrift: „Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“ wird nun eine äußerst konfuse Kreuzestheologie skizziert:

Jedoch sein Zeugnis von der Grenzen überschreitenden Liebe Gottes nicht durch deren für ihn tödlichen Zurückweisung begrenzen, sondern betet sogar für seine Peiniger (vgl. Lk 23,34). Insofern er auf diese Weise sein Zeugnis göttlicher Barmherzigkeit sogar über die Grenze hinausträgt, die deren Zurückweisung errichtet, wird diese Barmherzigkeit auch in einer von der Sünde durchwirkten Welt lebendig. Sie gewinnt so die Qualität einer religiösen Opfergabe ("sacrifice"), denn Jesus ist in einem Akt der Solidarisierung mit denjenigen Sündern gestorben, die ihn in den Tod getrieben haben. Damit ist er auch für diese Sünder und um ihrer Sünde willen gestorben. Und der Gott, den er seinen Vater nannte, "brauchte" dieses Opfer, weil ihm auch dort am Menschen liegt, wo dieser sich in den Mechanismen der Sünde verfangen hat.“

Jesu Barmherzigkeit erstrecke sich somit sogar auf die, die seinen Tod gewollt haben und ihn kreuzigen ließen. Er habe sich so mit diesen Sündern solidarisiert.1 Aber was hat das mit dem Opfer im kultischen Sinne zu tuen? Nichts: Im Kult wird Gott das Opfer dargebracht mit einem Zweck, ihn günstig zu stimmen, um somit etwas von ihm zu erbitten. Wie bei der Frage: „Was ist ein Trabi?“ zuerst gewußt werden muß, was ein Automobil ist, um dann das Spezifische dieser Automarke zu begreifen, so verlangt das Begreifen des Opfers Jesu Christi zuvörderst einen Allgemeinbegriff von dem Opfer, um dann sein Spezificum zu begreifen.Die Opfer des Alten Testamentes, isb das alljährlich vom Hohenpriester dargebrachte Versöhnungsopfer sind sozusagen Vorabbildungen des wahren Kreuzaltaropfers Jesu Christi und somit legen diese Opfer sich wechselseitig aus.

Das Kreuz Christi besitzt so gar keine Heilsbedeutung, es besagt nämlich nur, daß Gott allen Sündern barmherzig eingestellt sei. Diese Verkündigung wäre auch wahr, wenn Jesus nicht gekreuzigt worden wäre.

Das Kreuz Christi ist eben nicht nur den Heiden eine Torheit, den Juden ein Skandal sondern unseren modernistischen Theologen etwas Unzumutbares. Um sich des Kreuzes Christi zu entledigen wird dabei gerne die Kultopferpraxis des Alten Bundes als ein Irrtum, etwas Primitives abgetan, obzwar Gott selbst diesen Opferkult eingesetzt hat. Letztendlich muß so auf einer Nichtidentität des Gottes, der Opfer wollte, mit dem Nurliebesgott Jesu insistiert werden: Marcion grüßt!








1Ob der Begriff der Solidarität ein guter Ersatz für den der Liebe bzw Nächstenliebe ist, läßt sich bestreiten, gehört er doch ursprünglich in das Vokabular der Arbeiterklasse und meint: „Setze Du Dich jetzt für die von einer Entlassung bedrohten Kollegen ein, damit die dann sich für Dich einsetzen.“ Es ist somit ein Begriff einer utilitarisrstischen Ethik, wohingegen die Nächstenliebe nicht auf einen irdischen Lohn hofft sondern auf ihn verzichtend auf den himmlischen.