„Völker sind die Gedanken Gottes“ - ein falsches Zitat?
Der KI informiert: „Der Satz >Völker sind die Gedanken Gottes< ist ein historisch falsches Zitat, das Johann Gottfried Herder fälschlicherweise zugeschrieben wird.“ Dieses Zitat findet sich wohl wirklich nicht in den Werken des Philosophen Herder, wie auch der Ausspruch, die SPDler seien vaterlandslose Gesellen, weder von Bismarck noch von Kaiser Wilhelm II oder dem Wilhelm I stammte. So sind beides falsche Zitate.
Aber man könnte sich gut vorstellen, daß diese zwei Äußerungen von Herder oder von Bismarck stammten, es würde zu ihnen passen.
Aber es könnte doch auch einmal ganz anders gefragt werden: Ob die Aussage, die Völker seien Gedanken Gottes, nicht wahr sein könne, und es dann gleichgültig wäre, ob das Herder so geschrieben habe oder nicht. Denn auch wenn es der Philosoph Herder so formuliert hätte, besagte das über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage doch nichts aus.
Dem modernen Denken ist das Denken ein Abbildungsprozeß der Wirklichkeit und es stellt sich dabei stets die Frage: Ist das, was wir über etwas denken, dem gemäß, was es unabhängig von unserem Denken sei:Produziert unser Denken ein adäquates Bild der Realität, kann es das? Das heißt konkreter: Ist die Sprache ein Medium einer sachgemäßen Widerspiegelung der nichtsprachlichen Welt? Oder sind wir eingesponnen in unserer Welt, wie wir sie durch die Sprache konstituieren, wohingegen die Welt selbst ganz anders sei. Nietzsches Sprachkritik läuft auf dieses Urteil über die Sprache hinaus. Wir seien ein Opfer der Grammatik, indem wir ein Ereignis durch die sprachliche Struktur des Subjektes und Prädikates in den Satz verformen: „Ich denke“, statt das Ereignes des Denkens als ein subjektloses zu erfassen.
Ganz anders stünde es um die Wahrheitsfähigkeit des Denkens, wenn das zu Denkende selbst ein Produkt seines Gedachtwordenseins wäre.Gott dächte etwas und die Idee von diesem Etwas realisiere er dann in der Wirklichkeit. Jede Realität wäre so eine Verwirklichung einer Idee Gottes von dem Zuverwirklichendem. Indem dann das Denken in der verwirklichten Idee die Idee Gottes von dem Zuverwirklichendem recogniziert, erkennte es die Wahrheit des Zuerkennenden.
Somit wäre auch jedes Volk eine Realisierung der Idee Gottes von diesem Volke. So wäre die Aussage, Völker seien die Gedanken Gottes, wahr, auch wenn es so Herder nicht gesagt hat. Allerdings müßte nun doch eine Differenz zwischen der Idee und seiner Realisierung eingeschrieben werden: Da wir Menschen keine Roboter Gottes sind, sondern er uns als freie Wesen erschuf und so auch wollte, hängt das Wie der Realisierung entscheidend von uns ab: Das Abbild des Urbildes, wie Gottes Idee von etwas ist, kann so von seinem Urbild abweichen, es gar pervertieren, aber auch ein pervertiertes Abbild bleibt ein Abbild des Urbildes. Wird diese Differenz mitbedacht, ist die Aussage, die Völker sind Gedanken Gottes wahr, auch wenn das der Philosoph Herder so nicht gesagt hatte, es ist so ein falsches aber wahres Zitat.