Ein Auszug aus meinem Buch: Der zensierte Gott
Irrwege
-der Genderismus
A. Camus
eröffnet sein Kapitel „Die metaphysische Revolte“ mit dem Satz:
„Die metaphysische Revolte ist die Bewegung, mit der ein Mensch
sich gegen seine Lebensbedingung und die ganze Schöpfung auflehnt.
Sie ist metaphysisch, weil sie die Ziele des Menschen und der
Schöpfung bestreitet.“
Um das Besondere der metaphysischen Revolte im Kontrast zur sozialen
Revolte zu unterstreichen, fügt er hinzu: „Der Sklave protestiert
gegen das Leben, das ihm innerhalb seines Standes bereitet ist, der
metaphysisch Revoltierende gegen das Leben, das ihm als Mensch
bereitet ist.“
Wir
verstünden den Genderismus völlig falsch, sähen wir in ihm nur
eine frauenspezifische soziale Revolte mit dem Ziel einer
Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen. Dann wäre die
Eröffnung eines Genderzenters durch den EKD-Vorsitzenden Schneider
eben nur eine weitere Bereicherung des sozialen Engagements des
Protestantismus, das die Katholische Kirche ruhig nachahmen könnte.
Nur, wer sich an das unsägliche Antifamilienpapier der EKD erinnert,
der wird wohl argwöhnisch fragen: Ist das wirklich so eine
unschuldige Sache mit den Genderstudies? Wird hier ein Geist in das
Christentum hineingelassen, den, hat man ihn erst mal gerufen, nicht
mehr zu beherrschen weiß, den Geist einer metaphysischen Revolte,
die das Christentum so völlig zerstört?Der Verdacht ist erlaubt.
Sichern wir Spuren und Indizien!
Nicht ab
ovo, sondern mit den Grundsätzen des Genderismus soll nun die
Erörterung dieses Themas eröffnet werden. Beide Grundsätze stammen
von Simone de Beauvoir, der Philosophin des französischen
Existentialismus, der Lebensgefährtin Sartres, einer außergewöhnlich
talentierten Schriftstellerin. Die Grundsätze lauten: Man wird nicht
als Frau geboren sondern dazu gemacht.
Mutterschaft
ist heute eine wahre Sklaverei.
(Es wäre eine eigene Untersuchung wert, den Niedergang des Adels als
der einstigen Elite der Völker in einem Zusammenhang mit der in
Adelskreisen üblich gewordenen Übergabe der eigenen Kinder von der
leiblichen Mutter an Ammen und Gouvernanten zu erörtern.) Auf diesen
beiden Grundaxiomen erbaut sich dann die Weltanschauung des
Genderismus auf. Darum sollen diese Grundsätze nun diskutiert
werden.
1.Der erste
Grundsatz
Der erste
Grundsatz wird im Genderismus entfaltet durch die Unterscheidung von
Gender und Sex als Geschlecht. Das natürliche Geschlecht der Frau
wird von dem sozialen Konstrukt des weiblichen Geschlechtes
unterschieden. Diese Unterscheidung soll dabei schon der erste Akt
der Aufklärung sein, denn es wäre ein Anliegen patriachalistischen
Denkens, das gesellschaftliche Konstrukt der Natur der Frau als die
Natur der Frau auszugeben. Etwas geschichtlich kontingent Gewordenes
würde so zu einer außergeschichtlichen Natur hypostasiert, zum
Wesen der Frau. Die Dekonstruktion dieser Natur der Frau, ihres
Wesens ist so das erste Anliegen des Genderismus. Als postmoderne
Gesellschaft „muß sie alles >Natürliche< als bloßes
soziales Konstrukt leugnen“, urteilt Lisson.
Die Frau soll ihrer geschichtlichen Entfaltung entkleidet werden, um
so ganz neu eingekleidet zu werden. Nicht ist so das Anliegen des
Dekonstruktivismus ein rousseausches „Zurück zur Natur“ als dem
wahren und unverdorbenem Frausein, sondern es ist nur die Entkleidung
der Frau, damit sie nun sich einkleiden kann. Shopping ist angesagt.
Sie soll so neu, frei, selbstbestimmt sich kultivieren. Kultur ist so
nicht per se ein Negativum. Nur die patriarchalische Kultur wäre
rein negativ. Die sich aus dem Patriachalismus emanzipiert habende
Frau soll sich nun erst frei neu erwählen als freies Projekt ihrer
Selbstbestimmung. Jedes Rollenbild, jede Vorstellung vom wahren
Frausein behindere dabei nur die freie Wahl. Existentialistisch
ausgedrückt: Der Wahl der Frau - so will ich sein - dieser ihrer
gewählten Existenz geht keine Essenz des Frauseins voraus. Denn jede
Essenz limitierte die Freiheit des freien Selbstentwurfes. Darum
sollen alle gesellschaftlich bedingten Bilder des Frauseins
dekonstruiert werden als Hervorbringungen männlichen Willens der
Macht über die Frau. Erst wenn jedes normative Frauenbild aufgelöst
ist, entsteht das wahre Reich der Frauenfreiheit: frei sich bestimmen
zu können!
Sartre legte
diese Grundkonzeption in seinem Essay „Ist der Existentialismus ein
Humanismus“ prägnant dar. „Wenn der Mensch, so wie ihn der
Existentialist begreift, nicht definierbar ist, so darum, weil er
anfangs überhaupt nichts ist. Er wird erst in der weiteren Folge
sein, und er wird so sein, wie er sich geschaffen hat. Also gibt es
keine menschliche Natur, da es keinen Gott gibt, um sie zu entwerfen.
Der Mensch ist lediglich so, wie er sich selbst konzipiert.“
Ab ovo: Der Mensch ist nichts, das und nur das ist seine Freiheit,
denn das meint die reine Unbestimmtheit. Nur aus ihr heraus kann sich
der Mensch frei, nämlich willkürlich als Projekt entwerfen. Jede
Vorstellung von einer Natur des Menschen ist so ein Angriff auf die
menschliche Freiheit. Gäbe es einen Gott, dann bestimmte er das
Menschsein, das Wesen des Menschen, und somit wäre er unfrei, weil
er nun nicht mehr der Kreator seiner selbst wäre. Der Genderismus
transformiert diesen sartreschen Gedanken nun um: Die Frau kann nur
frei sein, wenn die Gesellschaft, die patriarchalische ihr nicht mehr
vorschreibt, wie sie als Frau zu sein hat. Der Begriff der Natur der
Frau wird so rekonstruiert als Akt des Beherrschungstrends des
Mannes: er will ihr diktieren, wie sie zu sein hat. Der
gesellschaftliche Begriff der Frau, ihre Natur ist so das Produkt
einer gesellschaftlichen Konstruktion. Es gäbe zwar eine biologische
Grundausstattung der Frau, aber dies biologisch-natürliche
Geschlecht dürfe nicht verwechselt werden mit dem sozialen
Geschlecht der Frau.
Die Frau ist
nichts, bevor sie sich selbst zu etwas entwirft, so würde es Sartre
formulieren, ist so gesehen noch radikaler, weil dieser Satz selbst
noch die biologische Naturbestimmtheit des Menschseins unterlaufen
will. Nebenbei: Offenkundig bildet die ockhamistische Gotteslehre,
Gott als vollkommene Willkürfreiheit zu denken als potentia
absoluta, den ideengeschichtlichen Hintergrund des sartreschen
Freiheitsverständnisses. Begrenzt so die biologische Natur der Frau
ihre Freiheit? Genau das bejaht Beauvoir in ihrem zweiten Grundsatz:
Mutterschaft ist Sklaverei. Solange die Frau noch Mutter sein will,
ist sie noch eingebunden in die Natur und durch diese Einbindung
unfrei. Erst wenn sie nicht mehr Mutter sein will, ist sie frei. Und
das lebte die kinderlose Beauvoir auch vor! Erst wenn die Frau ihre
innere Natur, ihr Berufensein zur Mutterschaft überwindet, ist sie
wahrhaft frei. Darum gehört zur feministischen Frauenemanzipation
der unbedingte Wille zum Recht des Tötens der eigenen ungeborenen
Kinder. Es ist bezeichnend, „dass der erste Staat der Welt, der
Abtreibungen legalisierte, Lenins bolschewistisches Russland gewesen
war.“
Der Kampf gegen den einstigen §218 gehört so konstitutiv zum
Genderismus dazu. Und in diesem Punkte siegte der Feminismus. Noch
nie sind im Namen einer Weltanschauung so viele Menschen getötet
worden wie im Namen des Feminismus. Kommunisten und
Nationalsozialisten zusammen töteten weniger Menschen als
Feministinnen Kinder abtreiben und töten ließen und lassen!
Es gibt
einen abgründigen Zusammenhang zwischen Sartres
Rechtfertigungsversuchen des stalinistischen Terrors und des Jas der
feministischen Beauvoir zum Kindermord, zur Abtreibung verharmlost.
Somit ist der Feminismus gerade in seiner genderistischen
Ausgestaltung eine metaphysische Revolte gegen die Natur der Frau.
Aber es ist auch ein Aufstand gegen das Leben: Werden keine Frauen
mehr Mütter, stirbt das menschliche Leben aus.
2.Das
natürliche und das gesellschaftliche Geschlecht der Frau
Der als Frau
geborene Mensch verfüge über eine natürliche geschlechtliche
Grundausstattung. Das wäre sein natürliches Geschlecht. Dann gäbe
es, darauf aufbauend noch das soziale Geschlecht der Frau. Das ist
das, wozu die Frau durch die Gesellschaft in Gestalt ihrer Eltern,
des Kindergartens und der Schule gemacht wird. Wer auch immer noch
die Frauwerdung mitprägt - man denke an die Massenmedien, aber auch
an das soziale Umfeld - eines fällt ad hoc ins Auge: die Frauwerdung
der Frau wird in diesen sozialkritischen Ansätzen sehr einseitig
gesehen. Die Frau wird gemacht durch die Gesellschaft. Das
Spezifische, daß die Frau auch das Subjekt ihres Werdens ist, wird
dabei weitestgehend ausgeklammert. Dies evoziert die kritische
Anfrage: Könnte es denn nicht sein, daß dem Zur-Frau-Machen der
Gesellschaft ein Zur-Frau-Werden-Wollen der Frau entspricht? Implizit
wird hier ein Widerspruch hineingelesen zwischen dem, was die
natürliche Natur der Frau ausmacht und dem, was die Gesellschaft aus
der Frau macht.
So müßte
ein im Geiste des Genderismus Urteilender sagen, daß, wenn Mädchen
lieber mit Puppen und Buben lieber mit Autos spielen, dies nichts mit
der Natur der Mädchen und Buben zu tun habe, sondern ausschließlich
ein Produkt der geschlechtsspezifischen Erziehung wäre. Gäbe es
dies nicht, spielten Jungen auch gerne mit Puppen und Mädchen mit
Werkzeugkästen. Sieht man kleine Mädchen mit lackierten
Fingernägeln und Schmuck, dann sind die Eltern oder die Gesellschaft
daran schuld und nicht etwa die ewige Natur der Frau, die den Blick
in den Spiegel sucht: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist
die Schönste im ganzen Land?“ Der einstige Mao-Einheitslook für
Frauen und Männer wäre so das Paradies auf Erden für Genderisten:
Frauen, die nicht mehr als Frauen erkennbar sind!
Aber wie
begründet der Genderismus, daß die soziale Natur der Frau dem ihr
gesellschaftlich zugeschriebenen Frauenbild der biologischen Natur
der Frau widerpräche? Solange wir noch so fragen, denken wir die
biologische Natur als die Norm für das Soziale. Es läge dem ein
romantischer Rousseauismus zugrunde: Die gute Natur und ihre
Korruption durch das Soziale. Sartre weist uns da aber in eine andere
Richtung. Seit Humes Kritik am naturalistischen Fehlschluß, daß
das, was ist, uns sagt, was sein soll, wissen wir, daß das, was ist,
nur das Material unseres Gestaltungswillens ist. Die Natur ist nur
noch der Rohstoff unseres Gestaltungswillens. Unser Wille sagt, was
sein soll, und er verfügt dann so über die Natur, daß sie demgemäß
gestaltet wird. Sartre mißt so der Natur keinerlei normative Größe
zu. Das übernimmt der Genderismus. Das ist auch nur verständlich.
Es ist ein Leichtes darzulegen, daß gerade das traditionelle
Frauenbild, das sie primär als Mutter und somit als Ehefrau sieht,
der biologischen Natur der Frau entspricht. Wir wissen: Die Natur
kennt nur einen Willen, den der Arterhaltung. Dem ordnet sie das
Individuum unter: Es ist nur um der Arterhaltung willen. Die Natur
ist so gesehen sehr konservativ ausgerichtet: Arterhaltung ist ihr
oberstes Ziel. Das Leben ist dabei beständig bedroht im natürlichen
Kampf aller gegen alle.
Nur, von all
dem will diese Weltanschauung nichts mehr wissen. Die
Naturvergessenheit des Genderismus zeichnet sie als typisches
Phänomen der Großstadtkultur aus. Es sei hier en passant an die
immer noch lesenswerte Darstellung Oswald Spenglers „Die Seele der
Stadt“ erinnert. „Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht
mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in
seinem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den
echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt,
der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen
Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der
sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los,
der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. Nicht nur
weil Kinder unmöglich geworden sind, sondern vor allem weil die bis
zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr
Vorhandensein mehr findet, bleiben sie aus.“
Das ist nach Spengler das Besondere der Stadtkultur. Offenkundig ist
der Genderismus eine Gewächs, ein recht unansehnliches zumal dieser
Asphalt- und Betonkultur.
Nicht bildet
also die biologische Natur der Frau den normativen Gegenpol zum
sozialen Konstrukt der Frau. Nein, diese frauliche Natur soll
geradezu entwertet werden zum Rohmaterial der freien Selbstbestimmung
der Frau. Sie will nur noch ein Projekt sein, ein Selbstentwurf. Für
einen solchen Selbstentwurf wäre eine normative Natur nur eine
unzumutbare Einschränkung. Ja, jedes normative Frauenbild
verkleinerte die Freiheit der Frau, sich frei zu entwerfen. Sartre:
„Der Mensch ist zuerst ein Entwurf, der sich subjektiv lebt“.
Nur drängt sich nun ein gravierendes Problem auf: Wenn es keine
normativen Kriterien zur Prüfung eines Entwurfes der
Selbstbestimmung von Frauen gibt, wie und mit welchem Recht wird dann
das jetzige sozial konstruierte Frauenbild kritisiert? Es bliebe nur
die reine Formalität, daß das gesellschaftlich konstruierte
Frauenbild nicht eine Hervorbringung ungebundener Subjektivität von
Frauen sei! Nur weil das Frauenbild ein soziales sei, widerspräche
es dem Ideal der Selbstbestimmung. Nimmt man dies Argument ernst,
wird die Frau und überhaupt der Mensch nur ein freies Wesen werden
können, wenn er asozial, außerhalb jeder Gesellschaft lebte. Denn
jede Gesellschaft bringt Rollenbilder hervor, geschlechtliche von
Mann und Frau, soziale von Lehrer und Schüler, Arbeitgeber und
Arbeitnehmer, beliebig ergänzbar, die so die jeweilige Freiheit der
Menschen auflösten, weil sie keine freie Selbstbestimmung mehr
zuließen. Wußte Aristoteles noch, daß der Mensch von Natur aus ein
soziales Wesen ist, so wird im Genderismus das Soziale zum Feind der
individuellen Freiheit. Jede Frau habe das Recht, sich so zu
bestimmen, wie sie es möchte ohne jede Rücksicht auf das
Sozialwesen, in dem sie lebt. Zugleich fordert diese asoziale
Selbstbestimmung aber, daß sie unbedingt von der Gesellschaft bejaht
bzw. akzeptiert werden muß. So reduziert sich die Kritik an der
sozialen Konstruktion des Frauenbildes auf die These, daß, weil es
sozial ist, es nicht individuell ist, und nur individuelle Entwürfe
des Frauseins entsprächen dem Ideal selbstbestimmten Lebens.
3. Die
Revolte wider Gott
Sartre
erfaßt das widergöttliche Anliegen des Genderismus treffend: Wenn
es einen Gott gäbe, dann hätte dieser Gott als Schöpfer dem
Menschen eine Natur gegeben, und die wäre dann normativ für den
Menschen. Meiner Wahl, also meiner Existenz ging die Essenz meines
Menschseins voraus, und diese normierte meine Selbstbestimmung. Soll
dagegen meine Selbstbestimmung ein reiner Freiheitsakt sein im Sinne
von Willkür, dann darf meiner Wahl keine normative Vorgabe
vorangehen. Eine von Gott geschaffene Natur, die mir sagte, wie ich
sein solle, verhindert eine freie Selbstbestimmung unter der
Prämisse, daß ich Freiheit als Willkür verstehe. So revoltiert der
Genderismus gegen den Schöpfergott, indem er die von Gott gewollte
Unterscheidung von Mann und Frau beseitigen will! Der Genderismus
kämpft so gegen die Natur der Frau wie gegen die Natur des Mannes.
Denn die natürlichen Unterschiede von Frau und Mann und die darauf
aufbauende soziale Differenz von Frau und Mann sind ja die
Schöpfungsordnungen Gottes, die Gott gab, damit menschliches Leben
ermöglicht wird und gelingen kann. Den Archetyp aller menschlichen
Revolutionen gegen Gott bildet der Aufstand der Rotte Korach wider
die gottgewollte Hierarchie mit den Parolen von Freiheit, Gleichheit
und Brüderlichkeit bzw. politisch korrekter: Geschwisterlichkeit.
Die ihm nachfolgenden Revolten, von Luther über die Französische
Revolution bis zum Genderismus, sind so gesehen nur Mutationen dieses
Urbildes der Revolte wider Gott und seine Ordnung.
4. Die
Sexuelle Revolution
Oberflächlich
betrachtet ist die sogenannte sexuelle Revolution ein Produkt des
Scheiterns des orthodox-marxistischen Klassenkampfkonzeptes: als das
Subjekt der erlösenden Revolution, die Arbeiterklasse unter Führung
von kommunistischen Avantgardeparteien die Hoffnung
Linksintellektueller nicht erfüllte, brachte u.a. Max Reich die
These auf, daß das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft die
Unterdrückung der Sexualität sei und daß darauf aufbauend erst der
Widerstreit von Kapital und Arbeit sich formiere. Deshalb müsse, wer
die bürgerliche Gesellschaft revolutionieren wolle, die Sexualität
aus dem Gefängnis der bürgerlichen Gesellschaft befreien. Das war
sozusagen der revisionistisch-marxistische Grundsatz der Kampagne der
Sexuellen Revolution. F. Engels sagte: „In der Familie ist der Mann
der Bourgeois und die Frau repräsentiert das Proletariat.“
Der Kampf um die Befreiung der Sexualität verband sich mit dieser
marxistischen Familienkritik und wurde so zum Kampf wider die
Familie. So urteilt Popov: „Das traditionelle Familienleben und die
Religion waren die hauptsächlichen Träger der alten Kultur.
Deswegen war die Politik der Befürwortung von Abtreibung eines der
Instrumente der gewünschten vorrevulutionären Zerstörung der
russischen Familie und der russischen Kultur.“
5. Die
Technik als unser Schicksal?
Nur, so wird
die Tiefgründigkeit dieser Bewegung übersehen. Kaprizieren wir uns
auf das Hauptproblem. Es ist die Abtrennung der Sexualität von der
Fortpflanzung. Die Technik ermöglichte dies, so daß es zum
Regelfall wird, daß Sexualität gelebt wird unter Ausschluß der
Möglichkeit, daß durch die gelebte Sexualität Nachwuchs entsteht.
Die Pille und die vielen anderen Verhütungsmittel erlauben es,
Sexualität zu leben, ohne daß Nachwuchs entstehen kann. Ja, es
bedarf jetzt des besonderen Willensentschlusses der Partner, auf die
Verhütung zu verzichten, damit ein Kind entstehen kann. Die Technik,
wenn man will, der technische Fortschritt ermöglichte erst diese
Trennung von Sexualität und Fortpflanzung. Die Natur des Menschen
wird somit durch diese Technik überlistet. Erfand die Natur den
Lustgewinn beim Fortpflanzungsakt, damit die Menschen sich
fortpflanzten, würde der Mensch sich nur, motiviert durch die
Einsicht in die Pflicht zur Fortpflanzung, zur Arterhaltung
fortpflanzen, wäre er wohl längst mangels Nachkommen ausgestorben.
So trennt nun die Technik den Akt der Fortpflanzung mit seinem
Lustgewinn von der Frucht der Fortpflanzung, dem Nachwuchs. Jetzt, wo
der Gebrauch von technischen Verhütungsmitteln zur Regel geworden
ist, erscheint auch die Sexualität als etwas Selbstzweckliches, das
nur um des Genusses willen praktiziert wird. Das wiederum legitimiert
alle Arten praktizierbarer Sexualität, bereiten sie den
Praktizierenden nur Lust. Das ist der Kern der Forderung der
gesellschaftlichen Anerkennung aller sexuellen Praktiken, sofern sie
nur alle Beteiligten befriedigt. Daß die Sexualität wesenshaft auf
die Fortpflanzung und die Nachkommenschaft ausgerichtet ist, wird in
den Zeiten der Verhütungsmittel nur noch zum moralischen Appell.
Faktisch ist diese Ausrichtung beseitigt. Faktisch gab es vor den
technisch-künstlichen Mitteln der Verhütung von Schwangerschaften
Methoden der Verhütung, so etwa die Propagierung des Analverkehres
durch den Radikalaufklärer Marquise de Sade, aber erst durch die
Omnipräsenz der künstlich-technischen Verhütungsmethoden kommt es
faktisch zur Abtrennung von der gelebten Sexualität von der
Fortpflanzung.
Des Menschen
Natur ist es, sein Leben zu verkünstlichen. Diese These soll nun an
den Anfang einer tiefgründigeren Erfassung des Wesens des
Genderismus vorangestellt und kurz erläutert werden. Der
Genderismus ist so gesehen ein Nebenprodukt der technischen
Revolution. Ein kurzer Blick auf den zeitgenössischen Menschen
reicht, um uns den Grad der Verkünstlichung vor Augen zu führen:
von der Brille als künstlicher Sehhilfe über die Heizung, die uns
vor der Kälte nicht nur des Winters schützt, über die Kleidung,
die wir statt der Wärme spendenden Behaarung tragen, bis zu
künstlichen Ersatzorganen: Seitdem der Mensch technische Geräte zur
Naturbeherrschung entwickelte, wendete er die Technik auch auf sich
selbst an. Wir leben nicht natürlich, sondern technisch-künstlich.
Der Mensch versteht die Natur als Aufgabe zur Umgestaltung. Nur in
Mußestunden meditiert er in der Natur, betrachtet sie genießend. In
der Regel ist sie dem Menschen nur ein Rohstoff. Der Schreinermeister
sieht ein Stück Holz, und schon betrachtet er es unter der
Fragestellung: Wozu kann ich dies Stück verarbeiten? Da wir Menschen
selbst ein Teil der Natur sind, machen wir uns selbst zum Rohstoff
für eine technische Weiterverarbeitung. So gesehen entspricht es
dieser Neigung des Menschen, die Natur und somit auch die eigene
durch Technik zu beherrschen, daß der Mensch durch künstliche
Verhütungsmittel die gelebte Sexualität von der Fortpflanzung
abtrennt. Er entnaturalisiert damit die Sexualität. Sie wird jetzt
nur noch um des reinen Lustgewinnes willen praktiziert unter
Ausschluß der Hervorbringung von Nachwuchs. Der Mensch überlistet
somit mittels der Technik die Vernunft der Natur. Am Endpunkt dieser
Entwicklung werden wir auf eine künstlich unfruchtbar gemachte
Sexualität stoßen, die Sexualität wird gelebt unter dem Ausschluß
der Möglichkeit der Entstehung von Kindern und einer künstlichen
Fortpflanzung. Das meint, daß die Nachkommen in vitro erzeugt, vom
Brutkasten zur Kita kommen ohne natürliche Eltern und ganz und gar
mutterlos. Das wäre der Endpunkt der Verkünstlichung des
menschlichen Lebens. Wem dies nur als grausige Zukunftsromanphantasie
vorkommt, der mag genau hinschauen, wie weit wir schon auf diesem Weg
vorangeschritten sind. Es bleibt die bedrückende Frage: Lassen wir
den technischen Fortschritt über uns herrschen, oder gelingt es dem
Menschen, den Fortschritt selbst im humanen Geiste zu beherrschen?
Der Genderismus will die totale Verkünstlichung des Menschen bis
dahin, daß Frauen und Männer gleichermaßen durch Kunstoperationen
ihr Geschlecht beliebig ändern können. Ich brauche nicht mehr zu
sein, wozu mich die Natur bestimmt, also Frau oder Mann, weil ich
mein Geschlecht dank der Technik künstlich beliebig verändern kann.
Lisson bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Warum sind
Männer eigentlich Männer, Frauen eigentlich Frauen, Weiße weiß
und Schwarze schwarz? Sie müssen es doch nun nicht mehr sein,
nachdem ihre >Natur< als etwas technisch Variables verstanden
wird, das nur der Zufall als Startbedingung so bestimmt hat, was aber
nicht heißt, daß jeder sein Leben lang schicksalshaft an diesen
Bedingungen gebunden ist.“
Die Sexualität wird nun ob der Verkünstlichungstendenz zu einer
Quelle reinen Lustgewinnes, weil sie von dem Ziel der Sexualität,
der Fortpflanzung, völlig emanzipiert ist. Dieser durch die Technik
ermöglichten Sexualität ohne Fortpflanzung korrespondiert dann die
durch den technischen Fortschritt ermöglichte Fortpflanzung ohne
Sexualität, die rein künstliche Fortpflanzung. Die Erziehung der
künstlich erzeugten Kinder wird dann zur reinen Staatsaufgabe. Das
macht dann die Mutterschaft und die Elternschaft völlig überflüssig.
6.Das
soziale Umfeld des Genderismus
Die
Weltanschauung des Genderismus hat sich natürlich nicht in einem
luftleeren Raum entwickelt. Die Katholische Sozialethik definierte
einst als gerechten Lohn, daß der Ernährer der Familie so viel
verdiene, damit er davon die Familie, die Frau und die Kinder
unterhalten könne.
Marxisten meinten, daß der Mindestlohn ausreichen müsse zur
Reproduktion der Arbeitskraft als Ware für den Arbeitsmarkt. Das
meinte auch die Perpetuierung der Arbeitskraft in der Institution der
Familie durch den eigenen Nachwuchs. Denn die Wirtschaft funktioniert
nicht ohne genügend Arbeitskräfte, die die arbeitende Klasse selbst
hervorbringt als zukünftige Werktätige. Um es ökonomisch
auszudrücken: Es muß viel investiert werden, bis aus der
befruchteten Eizelle eine den Ansprüchen des Marktes genügende
Arbeitskraft hervorgebracht worden ist. Das sind, rein ökonomisch
betrachtet, nur Unkosten. Die Internationalisierung des
Arbeitsmarktes bringt hierfür die Lösung. In sogenannten
Dritte-Welt-Staaten läßt man die Arbeitskräfte von der Geburt an
ausbilden, um sie dann in die hoch entwickelten Industriestaaten zu
importieren. Die Entwicklungskosten der Arbeitskraft werden so
eingespart, sie tragen allein die Entwicklungsländer, unterstützt
durch die Entwicklungshilfe. In den entwickelten Industriestaaten
dagegen animiert man die Frau, keine Kinder zu bekommen, damit sie
einerseits uneingeschränkt dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung
steht und damit andererseits die hohen Kosten der „Kinderaufzucht“
im eigenen Lande vermieden werden. Der Genderismus ist so gesehen die
Wohlstandsideologie von Frauen, die die Notwendigkeit des Nachwuchses
den Frauen der „unterentwickelten“ Länder aufbürdet, um selbst
kinderlos die Früchte der Mutterschaft anderer Frauen zu genießen
in Form des Importes von ausgebildetem Nachwuchs aus den sogenannten
Dritte-Welt-Staaten. Denn gerade auch die jetzt kinderlos lebenden
Frauen können weiterhin nur leben, wenn irgendwelche Kinder später
für sie sorgen, wenn auch nur als Finanzierer ihrer Renten durch
Steuerzahlungen! Die Ausbeutung der Bodenschätze der 3. Welt wird so
ergänzt durch die Ausbeutung des Kinderreichtums der 3. Welt. Dort
sollen die noch intakten Familien Kinder hervorbringen, damit die
hiesigen Frauen sich der Mühe und der Unkosten des Kindernachwuchses
entziehen können. Darin manifestiert sich die asoziale Einstellung
des Genderismus. Sie will die Willkürfreiheit von einigen Frauen zu
Lasten der vielen anderen in den „Entwicklungsländern“. Diese
asoziale Einstellung paßt aufs beste in einen von allen sozialen
Verpflichtungen sich emanzipierenden Turbokapitalismus, den Motor der
Globalisierung. Damit zeigt sich mal wieder, wie sehr der Hl. Vater
Franziskus im Recht ist, wenn er immer wieder den Kapitalismus als
unsoziale Gestaltung des Wirtschaftslebens kritisiert.
7. Der
radikale Aufstand gegen Gott, der 2.Grundsatz
Ich möchte
in loser Anlehnung an Ernst Noltes Diktum von den Widerstandsformen
gegen die Globalisierung von den verschiedenen Widerstandsformen
wider die Herrschaft Gottes sprechen. Der Mensch revoltiert wider
Gott. Die radikalste Widerstandsform gegen Gott ist das menschliche
Nein zur Fortpflanzung, zum Leben. Gott schuf den Menschen. Der Gott
des Lebens will Leben, und darum setzte er den Menschen als
weibliches und männliches Menschsein. So, und nur so können sie
sich fortpflanzen und somit den Tod natürlich überwinden. Mancher
Bibelleser wird vielleicht den göttlichen Imperativ an den Menschen,
das erste Gebot, das Gott Frau und Mann gab, „Seid fruchtbar und
mehret euch!“ als etwas peinlich empfinden. Hätte Gott den
Menschen nicht etwas Geistiges, Höheres anbefehlen können, etwa:
Strebet nach der Gotteserkenntnis, lebt heilig? Nein, der
Grundauftrag lautet: pflanzt euch fort. Könnten wir nicht einwenden:
Das tun die Menschen schon von Natur aus ob ihres sexuellen
Fortpflanzungstriebes? Dieser göttliche Imperativ sei so gesehen
überflüssig. Eigentlich hätte Gott statt dessen anordnen müssen:
pflanzet euch gemäß der Ordnung der Ehe fort, denn die bloße
Fortpflanzung würde sich auch instinkthaft natürlich ohne einen
göttlichen Imperativ ereignen! Nur, Gott selbst ordnet dies als
seinen ersten Befehl an Mann und Frau an! Können wir dafür einen
Grund eruieren? Ja, der göttliche Imperativ sagt, daß es der
ausdrückliche Wille Gottes ist, daß der Mensch sich fortpflanze.
Simone de Beauvoirs Nein zur Mutterschaft, weil die Mutterschaft die
Sklaverei der Frau sei, ist so die radikalste Auflehnung gegen Gott,
gegen sein erstes Gebot, daß er als der Schöpfergott das
menschliche Leben will und es sich darum fortzupflanzen hat. Der
göttliche Imperativ impliziert aber noch etwas anderes: daß der
Mensch wirklich die Möglichkeit hat, Nein zum Leben zu sagen in der
Form des Freitodes und der Fortpflanzung. Der Mensch wird nicht so
durch seinen Lebenswillen und seinen Willen zur Fortpflanzung
determiniert, daß er sich nicht frei gegen sein Leben und das
menschliche Leben stellen könnte. Weil der Mensch Nein zum Leben,
zur eigenen Arterhaltung sagen kann, verpflichtet Gott den Menschen
durch dies erste Gebot zum Leben und somit zur Arterhaltung durch die
Fortpflanzung. Im Timotheusbrief (2, 15) wird dieser göttliche
Imperativ in der Darlegung des Ordo Salutis der Frau noch einmal
bestätigt: die Frau werde dadurch gerettet, daß sie Kinder zur Welt
bringt und fromm lebt. Die göttlichen Ordnungen der Ehe und des
Staates sind so Gottes Ordnungen zum Erhalt, und das heißt immer
auch zur Fortpflanzung des Menschen angesichts der Bedrohung des
Lebens durch den Tod. Der metaphysische Gehalt dieser genderistischen
Revolte ist sein Nein zum Leben in der Verweigerung der
Fortpflanzung.
8.Die große
Täuschung: das Ideal der Selbstbestimmung
Man könnte
nun das Anliegen der Genderstudien reduzieren auf den Imperativ: Da,
wo bisher die gesellschaftliche Fremdbestimmung der Frau durch das
Konstrukt der Natur der Frau war als normative Vorgabe für die Frau,
soll nun die Realität völliger Freiheit der Selbstbestimmung der
Frau treten. Jede Normativität, jedes normierende Frauenbild wäre
so ein Angriff auf die vollkommene Freiheit der Frau. Nur, zu unserer
Enttäuschung: Immer dann, wenn sich nun eine Frau frei dazu
entscheidet, gemäß dem traditionellen Frauenbild zu leben und ihr
Glück in Liebe und Familie zu finden und nicht im werktätigen
Berufsleben, sind unsere Genderisten empört! Eine Frau entscheide
sich nur frei, wenn sie sich gegen das traditionelle Frauenbild
entscheide. Sonst triebe sie Mißbrauch mit ihrer Freiheit! Die Frau
ist so gesehen dazu verpflichtet, sich ihre Freiheit zu bewahren,
indem sie, wozu auch immer sie sich positiv entscheidet, sie sich
negativ gegen das traditionelle Frauenbild zu entscheiden hat. Sie
darf alles sein wollen, nur nicht Frau im klassischen Sinne! Das ist
die große Intoleranz des Genderismus.
Im
Hintergrund steht dabei die Vergötzung der Erwerbsarbeit durch Karl
Marx in seiner These, daß der Mensch sich durch seine Arbeit selbst
hervorbringe, moderner formuliert: selbstverwirkliche. Dies gälte
aber nur für die Erwerbsarbeit, nicht für die Arbeit in der
Familie, für die Frau, deren Beruf die Mutterschaft ist. Sie
arbeitet nicht und soll deshalb schnellstmöglich um ihrer
Menschwerdung willen in die kapitalistische Wirtschaft integriert
werden. Die Frau soll so von der Familie und der Mutterschaft
vollkommen emanzipiert werden, damit sie wie der Mann uneingeschränkt
der Wirtschaft zur Verfügung steht! Die Frau wird so der Ökonomie
geopfert !
Einfach
gesagt: wenn unser kleines Madel im Kindergarten, wo nach Meinung
nicht nur der katholischen Caritas die Erziehung im Ungeiste des
Genderismus anzufangen hat, wenn also unser kleines Madel mit Puppen
spielen will, dann ist dort die Hölle los: „So nicht!“ Du mußt
jetzt mit Schraubenziehern spielen, damit so früh wie möglich die
Umerziehung erfolgversprechend beginnt! Die Kitas und Kindergärten
sollen zu Umerziehungslagern im Geiste des Genderismus werden. Wehe,
wenn die Kleinen natürlich bleiben wollen! Das ist der totalitäre
Charakter dieser Revolte wider Gott. Es ist bezeichnend, daß die
Homosexlobby heute die führende Kraft im Kampf wider die
Meinungsfreiheit ist in ihrem Anliegen, jede Meinungsäußerung, die
nicht mit ihrer Homosexideologie übereinstimmt, verbieten zu wollen
und strafrechtlich zu verfolgen.