Sonntag, 25. Juli 2021

Europa- oder der Mythos von der westlichen und christlichen Freiheit



Die Europäische Union im Verbund mit der NATO, Beides steht für die Verteidigung der westlichen Freiheit gegen die Bedrohung durch den sowjetischen Bolschewismus. War Stalin noch bis 1945 ein geschätzter Bündnisparter gegen das Hitler-Deutschland, wendete sich das Blatt schnell nach 1945: Die Sowjetunion stieg auf zu dem Feind der Freiheit, ganz Westeuropa schloß sich zusammen unter der Führung des freiheitlichsten Landes des Welt, um der kommunistischen Gefahr etwas entgegenzusetzen. Die bis jetzt Europa bestimmenden Differenzen zwischen den einzelnen europäischen Staaten verschwand im gemeinsamen Abwehrkampf gegen den Osten.

Aus kirchlicher Sicht war die Lage ebenso klar: Der Osten stand für den kommunistischen Atheismus, der Westen für eine an dem Christentum orientierten Wertegemeinschaft der Freiheit und der Liberalität. So einfach läßt sich die Lage Europas von 1945 bis 1989 zurechtlegen.

Läßt dies Schwarz-Weiß-Schema noch einen Platz über für kritische Anfragen? Wenn die Westeuropäische Wertegemeinschaft die Westeuropas war zur Abwehr des Ostens, warum nannte sie sich „europäisch“, wenn in ihr doch nur westeuropäische Staaten wirkten? Warum galt die USA als außereuropäische Macht als die politische und ökonomische Kraft dieser Wertegemeinschaft, während so ureuropäische Mächte wie Rußland, Ungarn und Polen plötzlich nicht mehr zu diesem Europa zählten? Spricht das nicht eher für ein expansives, denn passives Konzept, daß eben alle europäischen Staaten des Ostens in dies Westeuropa integriert werden sollten. Stalin war es aus seiner Sicht gelungen, viele osteuropäische Länder und auch ein Teil Deutschlands in sein ideologisches System zu integrieren, aber es mußte ihm klar sein, daß in keinem dieser Länder die frisch etablierten sozialistischen Regierungen in den jeweiligen Völkern wirklich akzeptiert wurden. Aus Stalins Sicht mußte so die Stabilisierung des jetzt Erreichten im Vordergrund stehen, sodaß aktuell eine weitere Expansionspolitik nicht auf seiner Tagesordnung stand. Dazu paßte es dann auch, daß er Westdeutschland 1953 den Rückzug der russischen Truppen aus der DDR anbot, um eine Wiedervereinigung Deutschlands als neutralen Staat zwischen dem Westen und dem Osten anbot. Das spricht nicht gerade für eine Expansionsstrategie. Westeuropa schien viel eher auf die Expansion gen Osten zu setzen. Ein reines passives Verteidigungskonzept war so weder die NATO noch die EU.



Aber verteidigte nicht der freie Westen das Christentum gegen den kommunistischen Atheismus? Ein Phänomen muß nun aber so den christlichen Beobachter irritieren: Wenn es noch in Europa christlich geprägte Länder gibt, in denen die Kirchen nicht am Absterben sind, dann sind das Polen und Rußland und jetzt auch Ungarn, dessen Regierung sich die Verteidigung der christlichen Kultur zu ihrer Aufgabe gemacht hat. War denn nun der freie Westen der Hort einer an christlichen Werten orientierten Gemeinschaft im Abwehrkampf gegen den Sozialismus? Wie erklärt sich dann aber, daß jetzt die EU die Entchristlichung Europas so forciert vorantreibt durch die konsequente Begünstigung der Einwanderung von Muslimen in Europa, durch die Proklamation des Rechtes auf die Kindestötung im Mutterleib als Menschenrecht durch das EU-Parlament und durch diverse die Homosexlobby fördernden Maßnahmen. Ungarn avanciert jetzt zum Unrechtsstaat, weil es seine Kinder von Homopornographie und Polen, weil es das Leben der Ungeboren schützen will.

Könnte es sein, daß der West-Ost Konflikt gar nicht der zwischen kommunistischem Atheismus und einem christlich geprägten freiheitlichen Westen war, sondern der zwischen autoritär regierten Ländern mit liberalistisch regierten?

Ist es dann selbstverständlich, daß die Katholische Kirche auf Seiten des Liberalismus zu stehen hat? Ist die Zurückdrängung der Kirche in die Privatsphäre, der in Religionsfragen indifferente Staat, der Glaube, daß Staaten am besten regiert werden, wenn auf die Politik die christliche Religion keinen Einfluß hat, für die christliche Religion Selbstverständlichkeiten? Ist die westliche Freiheit, so wie sie der Liberalismus ausbuchstabiert, wirklich auch die christliche Freiheit?Wird dabei nicht völlig verdrängt, daß die Französische Revolution zutiefst antichristlich inspiriert war und daß auf dieser Revolution die westliche Wertegemeinschaft fundiert ist? Der große Revolutuionsführer Robespiere und nicht erst Lenin bekämpfte die christliche Religion, indem er die christliche Religion durch die Verehrung der Göttin Vernunft surrogieren wollte.

Und für uns Deutsche stellt sich die Frage so: Gehört denn Deutschland wirklich zur westeuropäischen Kultur, die nun sich anheischig macht, die ganz Europas zu werden? Eingedenk des Thomas Manns Essays: „Betrachtungen eines Unpolitischen“, dem Besten, was je ein Deutscher über uns schrieb, sind hier viele Fragezeichen erlaubt! Westlich wurden wir, weil der Westen uns 1945 besiegte und weil nach 1989 dann auch der ostdeutsche Staat in den Westen integriert wurde und weil 1953 (die sogenannte Stalinnote) eine CDU Regierung die Chance, daß wir wiedervereint in die Mitte Europas zurückkehren konnten, leichtfertig verspielte.



 

Samstag, 24. Juli 2021

Gehorsam und Grenzen des Gehorsams - ein Problemanzeige: Ist immer dem Papst zu gehorchen, auch in der Causa der „Alten Messe“?


Gott hat man mehr zu gehorchen als den Menschen: Dieser Aussage würde sicher jeder religiöse Mensch ad hoc zustimmen. Nur wer erkennt wie, was denn nun Gottes Wille ist, dem zu gehorchen ist und gibt es nicht Menschen, denen wir mehr als anderen zu gehorchen haben.

Wenn in einem Fußballspiel der Schiedsrichter einen Elfmeter gibt, dann müssen alle Spieler diese Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie fest davon überzeugt sind, daß in diesem Falle der Schiedsrichter falsch sich entschieden habe.

Es gibt nun Christen, die meinen, daß wenn letztinstanzlich ein Gericht entschieden hat, daß ein Asylantrag abgelehnt werden muß,sie das Recht hätten, den so Abzuschiebenden ein Kirchenasyl gewähren zu dürfen, um so doch noch eine Aufenhaltsgenehmigung zu erwirken. In diesem Falle können sie sich selbstredend nicht auf Gottes Willen berufen, daß Gott ihnen offenbart hätte, daß dieser Asylantrag angenommen hätte werden müssen. Auch verfügen sie über keine Sachkompetenz, daß sie besser als das Gericht diese Causa hätten entscheiden können. Faktisch urteilen hier Gutmenschen in der ihnen eigenen Selbstgewißheit, daß sie eben besser Bescheid wüßten und darum sie im Recht sind. Das führt dann aber auch da zu, daß rechsstaatlich getroffenen Entscheidungen nicht mehr respektiert werden. Wer hier dann sagt, daß Gott mehr zu gehorchen sei als den Gerichtsentscheidungen, mißbraucht offenkundig hier Gott, indem eine rein menschliche Meinung mit dem Willen Gottes identifiziert wird: Was ICH will, das ist Gottes Wille.

Was nun aber, wenn Regierungen der Entscheidung des EU-Parlamentes folgend, die Tötung von Kindern im Mutterleibe als ein Menschenrecht anzusehen, Ärzte und anderes Krankenhauspersonal zur Tötung von Kindern im Mutterleibe verpflichten , damit Frauen dies ihr Menschenrecht auch ausüben können? Hier ist der Fall eindeutig: Die Tötung von unschuldigen Kindern im Mutterleibe widerspricht eindeutig dem Willen Gottes, sodaß hier jeder Gehorsam dem Staate gegenüber ein Ungehorsam Gott gegenüber ist. Diskussionswürdig ist aber die Frage, ob dann der Ungehorsam dem Staate gegenüber mit der Gewissensfreiheit zu legitimieren ist, denn dann dürfte ja jeder Arzt Kinder so töten, wenn es sein Gewissen ihm erlaube. Aber auch wenn ein Arzt guten Gewissens Kinder so tötet, sündigt er und kann sich nicht mit der Aussage, daß ihm sein Gewissen dies Töten erlaubt habe, exculpieren.

Anders stellt sich die Frage, mit welchem Grund kann der Staat es tolerieren, wenn Ärzte eine von ihm verlangte Handlung verweigern. Hier setzt dann der Begriff der Gewissensfreiheit ein, der besagt, daß der Staat Menschen nicht dazu zwingen darf, gegen ihr Gewissen etwas tuen zu müssen. Dies setzt einen Staat voraus, der die Gebote Gottes nicht als ihn verpflichtende Gebote ansieht, sondern nur noch als eine religiöse Tradition, der sich einige der Staatsbürger verpflichtet fühlen. Er kann es dann tolerieren, daß so sich verpflichtet Fühlende weigern, Handlungen zu vollziehen, die mit den göttlichen Geboten unvereinbar sind; er gewährt so die Gewissensfreiheit. Für den religiösen Menschen ist das aber keine Gewissensfreiheit sondern das göttliche Gesetz verpflichtet ihn zum Ungehorsam einem solchen staatlichen Tötungsanliegen gegenüber.

Wie sieht es nun aber im Raume der Kirche aus? Wie verhält es sich hier mit dem Gehorsam den Kirchenoberen gegenüber und gibt es Grenzen des Gehorchenmüssens. Einfach zu respondieren wäre diese Frage, könnte geurteilt werden, daß der Wille der Kirchenoberen immer eins wäre mit dem, was Gott will.Aber dann würde die schlichte Tatsache eskamotiert, daß auch die Kirchenoberen Menschen sind, die in der Frage, was denn jetzt Gott wolle, sich irren können.

Wer kann dann wie erkennen, ob eine Anordnung von Kirchenoberen zu gehorchen sei oder ob ihr nicht zu gehorchen sei. Für den katholischen Christen spitzt sich diese Frage zu zu der, ob und wann dem Papst der eigentlich immer zu leistende Gehorsam verweigerbar ist. In conservativeren Kreisen der Kirche scheinen einige, um sich radical vom linksliberalen: Ich gehorche nur mir!, abzusetzen, nun in das andere Extrem zu verfallen, daß dem Papst immer zu gehorchen sei. Dann hätte aber der Apostel Paulus niemals dem zum ersten von Jesus selbst eingesetzten Papst Petrus widersprechen dürfen, wie es uns der Galaterbrief berichtet. Diese Kontroverse zwischen Petrus und Paulus demonstriert eindeutig, daß selbst der erste Papst in einer theologischen Sachfrage irren konnte und so Paulus nicht gehorchte.

Aber damit ist für eine Kriteriologie, wann ist dem Papst nicht zu gehorchen, noch nicht viel gewonnen. Aber eines kann doch jetzt schon, bei dem Stande der jetzigen Erörterung ausgesagt werden: Wenn der Papst etwas lehrt oder zur Nachahmung verlangt, was eindeutig gegen die Gebote Gottes verstößt, darf ein Katholik nicht gehorchen, wenn etwa der Papst verlangte, daß nun auch wir wie er die Götzin „Pachamama“ zu verehren hätten.

Darf nun ein Papst die Art, wie die Katholische Kirche über 400 Jahre lang Gottesdienst feierte - faktisch- verbieten, oder den Bischöfen anempfehlen, sie zu verbieten? Das könnte er doch nur, wenn er beweisen könnte, daß spätestens seit dem Trienter Konzil die Kirche nicht die Gottesdienste mehr so gefeiert habe, wie es Gottes Willen entspricht und daß darum dieser Fehler beseitigt werden müsse. Aber die Katholische Kirche kann sich, weil Jesus Christus ihr lebendiges Haupt ist, nicht so umfassend in einer so gewichtigen Sache irren. Wenn die “Alte Messe“ aber eine legitime Weise des Gottesdienstes ist, dann kann und darf ein Papst diese nicht verbieten wollen bzw empfehlen, sie zu verbieten. Damit zerstört nämlich der Papst die Einheit der Kirche, indem er eine so lang währende Praxis nun als fast unerlaubte dysqualifiziert. Ein Papst kann nicht aufgrund einer persönlichen Vorliebe für die „Neue Messe“ die, die so lange praktiziert wurde, als faktisch illegitim abqualifizieren. Eine wahre Gottesdienstgestalt, wie die der „Alten Messe“ verfügt eben über keine limitierte Haltbarkeit, sodaß sie als „abgelaufen“ aus dem Lebensmittelregal entfernt werden müßte.

Vorbehaltlich besserer Einsicht votiere ich so dafür, in der Causa des faktischen Verbietens der „Alten Messe“, dem Papst nicht zu gehorchen: wir müssen ihm in dieser Causa wie einst auch Paulus im Galaterkonflikt widersprechen.

 

Freitag, 23. Juli 2021

„Ein "Primat der Liebe" holt die kirchliche Sexualmoral in die Realität“

(Warum  Homosex auf Liebe und die "Alte Messe" verurteilt wird)

So betitelt attackiert zum zigsten male Kath de jetzt in dem Stand-punktkommentar vom 23.7.2021 die Morallehre der Kirche, isb die Sexuallehre. Dieser Titel könnte nun aufmerksame Leser irritieren, verspürt man doch beim Lesen über das de facto Verbot der „Alten Messe“ von diesem Primat der Liebe gar nichts, ja die Begeisterung für diesen Sieg über die Katholische Tradition und ihre ewiggestrigen Anhänger ist nicht verkennbar. Aber es geht ja um etwas ganz anderes: um die Anerkennung der praktizierten Homosexualität und die Anerkennung aller sonstigen bisher als irregulär qualifizierten Beziehungen, in der die Sexualität gelebt wird.Das Argumentationsprinzip ist einfach: Was alle oder viele tuen, darf die Kirche nicht als Sünde qualifizieren. Sünde kann nämlich nur ein vom Durchschnittsverhalten abweichendes Verhalten sein. Die Realität definiert so das, was sein soll, frei nach Hegel, daß die Wirklichkeit, so wie sie ist, vernünftig sei, sie müsse nur in ihrer Vernünftigkeit noch erkannt werden. Ganz kundenorientiert vermerkt eben dieser Kommentar, daß die Kirche nicht sagen dürfe, daß die überwältigende Mehrheit ihrer Mitglieder nicht so lebt, wie es Gott von ihnen verlange, denn das wollen diese Mitglieder nicht hören.Da aber die oberste Norm der Kirche die sei, gemäß den Kundenwünschen zu agieren, muß um der Optimierung der Service-orientierung der Kirche willen die Morallehre diesen Wünschen angepaßt werden. Die „Realität“, die die Kirche so also einzuholen hat, ist die der Wünsche ihrer Mitglieder.Machen wir mal eine Probe aufs Exempel. Als Mose sich länger als erwartet auf dem heiligen Berg aufhielt,um dort die Gebote Gottes entgegen-zunehmen, murrte das Volk und beschloß, sich ein Götzenbild zu erschaffen, dem sie dann da huldigen wollten. Warum hat Mose und dann nicht auch Gott diesem Volkswunsch nachgegeben? Zumal an einen unsichtbaren Gott zu glauben, doch wirklich eine arge Überforderung an uns Menschen darstellt, es doch viel humaner ist, etwas Sicht- und Anfaßbares zu verehren.Der demokratisch gesonnene Priester Aaron hörte auf das Volk! Aber leider nahm die Kirche ihn nicht sich zum Vorbild und lehrt so bis heute noch, was dem Kirchenvolke mißfällt. Nur, warum zürnte Gott dann mit dem Volke und seinem Priester, statt den dogmatischen Mose zu verurteilen, der an der fixen Idee des Glaubens an einen unsichtbaren Gott festhielt und gar verbot, Götterbilder zu erstellen? Es scheint so, als verstünde Gott und Mose einfach nichts von dem obersten Prinzip der Service- und Kundenorientierung.Nun impliziert dieser Primat der Liebe nicht nur die Aufforderung, jeden, egal wie er lebt, zu lieben sondern auch jede zwischenmenschliche Liebe zu affirmieren, daß also die Kirche zu jeder Liebesgemeinschaft ihr Ja sagen soll. Fragen wir mal einfach: Hat Gott Ja gesagt zur Liebesgemeinschaft von König David mit der Frau Batseba (2.Samuel 11 und 12), daß der König sich eine verheiratete Frau zu seiner Geliebten nahm und dann gar ihren Ehemann töten ließ, um sie zu ehelichen? Alles geschah aus Liebe- aber es war in den Augen Gottes eine sündige Liebe!Wie kann dann ungeprüft jede Liebesgemeinschaft als von der Kirche zu bejahende hingestellt werden? Ist es nicht geradezu die Pflicht der Moraltheologie, legitime von illegitimen zu unterscheiden? Aber genau das soll nun die Morallehre der Kirche nicht mehr leisten, denn sie soll nun alles bejahen, wenn es nur von vielen Menschen so gewünscht wird. Also hätte Mose doch dem Volke die Verehrung des „Goldenen Kalbes“ erlauben müssen, weil es die Meisten so sich wünschten.Wenn nun aber die Kundenorientierung die höchste Maxime der Kirche werden soll, warum gilt das denn nicht auch für die „Alte Messe“? Denn auch sie wird von vielen geliebt und viele möchten so Gottesdienst feiern.Hier werden plötzlich die liberalen: „Der König ist Kunde“ Vertreter ganz und gar dogmatisch, denn plötzlich gilt, daß solchen Wünschen die Kirche nicht, wie es leider Papst Benedikt tat, nicht nachgegeben werden darf. Im politischen Raume hieße dies Fehlverhalten: Popularismus, eine der schlimmsten Sünden der Politik. Kundenwünsche sind so eben nicht Kundenwünsche. Dem Wunsche nach Segnungen von Homopaaren habe die Kirche sich zu beugen, dem Wunsche, den Gottesdienst so zu feiern, wie es die Kirche über 400 Jahre lang tat, ist dagegen entgegenzutreten, denn das wollen ja nur Ewiggestrige, auch wenn darunter jüngere Priester und junge Gläubige sich befinden. Das seien eben reaktionäre Wünsche, die Kirche solle aber nur ein offenes Ohr für progressive Wünsche haben.

Wer entscheidet nun aber, was reaktionäre und was nun progressive Wünsche sind? Natürlich die linksliberalen Theologen! Wer auch sonst könnte das! So enthüllt sich uns eine kleine Maskerade des heutigen Modernismus: Ihre Forderungen legitimiert es mit dem, was das Kirchenvolk wolle, wenn aber das Volk oder Teile von ihm etwas wollen, was nicht kompatibel ist mit dem Linksliberalismus, dann müsse die Kirche hart gegen solche Begehren vorgehen, und wenn zusehens mehr an der „Alten Messe“ Gefallen finden, dann die auch verbieten. Der Kunde zählt nur, wenn er eben das Richtige, das Politisch Korrekte will. Darum wird in der Kirche auch eher die Sprache gegendert: „Gott m/w/d“ statt daß in Latein das Hochgebet gesprochen wird.





 

Donnerstag, 22. Juli 2021

Versucht Gott die Kirche durch Papst Franziskus?



Täglich betet ein Christ in dem bedeutsamsten Gebet: Gott, führe uns nicht in Versuchung! Jesus lehrt damit, daß Gott sehr wohl in Versuchung führen kann oder wie es dem frommen Hiob geschieht, daß Gott dem Satan die Möglichkeit gibt, ihn zu versuchen. Gott straft, individuelle Sünden einzeln und öffentliche kollektiv. Die ganze Menschheit verurteilte Gott durch die Sintflut zu Tode, nur die Wenigen der Arche rettete er, er vernichtete Sodom und Gomorra.

Calvin schrieb einst, wenn eine Bevölkerung schlecht regiert wird, dann solle sie, bevor sie ihren Protest gegen eine solche Regierung erhebt, prüfen, ob Gott sie nicht durch ein solches Regiment rechtens straft für ihre öffentlichen Sünden. Zur Differenz von privaten und öffentlichen Sünden: Tötete ich einen Menschen, dann wäre das meine Privatsünde für die ich auch und gerade von Gott her eine gerechte Bestrafung zu erwarten habe. Werden aber in unserem Lande täglich unschuldige Kinder im Mutterleibe getötet, das mit der staatlichen Erlaubnis, und wenn das Volk dann gar mit überwältigender Mehrheit Parteien in den Bundestag wählt, die diese Kindestötungen bejahen, dann ist das eine öffentliche Sünde, die Gott auch nicht unbestraft sein lassen wird.

Schauen wir nun auf die Katholische Kirche, so hat in ihr der Glaubensabfall ein so großes Ausmaß erreicht, daß eigentlich mit einem Strafwirken Gottes gerechnet werden muß. Der Glaubensabfall ist ja jetzt nicht mehr einfach der von Einzelnen, sondern er ist fast schon zum Regelfall geworden. Liegt angesichts dessen der Gedanke wirklich so fern, daß Gott nun sein so ungehorsames Volk straft, indem es in eine Versuchung geführt wird: Hält es noch stand im Katholischen Glauben oder verfällt es Irrlehren, wenn sie aus dem Munde eines Papstes verkündet werden. Gott hat uns mit einem großen Papst beschenkt, mit Papst Benedikt, aber auf den wollten die Allermeisten nicht hören, jetzt sandte er uns den Alternativpapst Franziskus, der wohl gerade auch als „Antitheologe“ zum Papst gewählt wurde: „Endlich kein Theologe, sondern ein pastoraler Seelsorger!“.

Der nun produziert eine Irrlehre nach der anderen: Wann hat es denn je einen Papst gegeben, der sich erhob, besser als der Sohn Gottes über Gott Bescheid zu wissen, indem er ihm vorwirft, ein falsches Gottesbild uns zu lehren mit der Vater Unser Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung!“Welcher Papst hat sich je erdreistet, über die Menschenwürde besser Bescheid zu wissen als der Schöpfer der Menschen selbst, der die Todesstrafe als mit der Menschenwürde vereinbar bejahte und verlangte. Wer hat je gelehrt, daß in einer so gewichtigen Causa Gott und die Kirche 2000 Jahre lang geirrt haben, bis der jetzige Papst diesen göttlichen und kirchlichen Irrtum erkannte und in den Katechismus schreiben läßt: Die Todesstrafe widerspräche der Würde des Menschen. Wann hat je ein Papst die Gottheit Jesu geleugnet, sein Freund Scalfari berichtete davon und bis heute dementierte der Papst diese Aussage nicht. Und wann hat je ein Papst neben dem dreifaltigen Gott eine Göttin , „Pachamama“ öffentlich verehrte?

Drängt das nicht den Verdacht auf, daß durch diesen Papst das Kirchenvolk in eine Versuchung geführt wird, ob rs noch feststeht im Katholischen Glauben oder bereit ist, ihn aufzugeben durch solche Irrlehren aus dem Munde des Papstes Franziskus? Nun erklärt faktisch der Papst die Messe, so wie sie die Kirche seit dem „Trienter Konzil“ zelebriert hat als unerlaubt. Wie kann etwas, und zwar gar das Herzstück des christlichen Lebens, solange überall so zelebriert, zum Unerlaubten in der Kirche erklärt werden? Soll etwa die Kirche solange in der Weise, wie sie Gott kultisch verehrt hat, geirrt haben, die Kirche, die der Leib Christi ist? Nur ein Anhänger Luthers kann ernsthaft glauben, daß der Herr seiner Kirche einen so lange währenden Irrtum, eine falsche Praxis des Gottesdienstes zulassen kann. Papst Benedikt ging ging es um die Wahrung der kirchlichen Kontinuität, als er die „Alte Messe“ aus der Schmuddelkammer herausholte, in die sie nachkonziliare Modernisten einmotten wollten. Der jetzige Papst will die Konfrontation, den Ausschluß der vorkonziliaren katholischen Tradition aus der Kirche, damit sie eine ganz neue und moderne werden kann.

Könnte es nicht sein, daß Gott unsere tägliche Vater Unser Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ ob des kollektiven Zerfalles des Glaubens in der Katholischen Kirche nicht mehr erhören will und so jetzt uns auf die Probe stellt: Lassen sich die Gläubigen durch die Irrlehren dieses Papstes in die Irre führen oder halten sie stand? Dabei sind die Irrlehren doch so offensichtlich, daß es nicht eines Theologie-studiumes bedarf, um sie als solche zu erkennen.



 

Mittwoch, 21. Juli 2021

Papst Franziskus: Zur Purifizierung der Katholischen Kirche von ihrer liturgischen Tradition, dem Kampf gegen die „Alte Messe“.


Man kann, ja muß von einem Paradigmenwechsel im Umgang mit der „Alten Messe“ in der Kirche sprechen. Den sogenannten „Ecclesia- Dei- Gemeinschaften war es erlaubt als in der Kirche integrierte und anerkannte die „Alte Messe“ zu zelebrieren. Eine Intention dabei war, nicht alle Anhänger der „Alten Messe“ in die Arme der Traditionalisten zu treiben, die in der Gestalt der Piusbruderschaft aus Sicht der Kirche sowieso schon zu lebendig waren. Diesen integralistischen Kurs verläßt nun Papst Franziskus, denn er setzt nun klar auf einen Konfrontationskurs.

Nicht der traditionalistischen Piusbruderschaft gilt so dabei der päpstliche Angriff, sondern diesen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften. Der Kommentar: „Wofür sollen die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften noch Priester weihen?“ Kath info 19.7.2021 arbeitet dies Anliegen des päpstlichen Schlages gegen die katholische Tradition präzise heraus:


Traditionis custodes ist das Verbot, neue Meßorte des überlieferten Ritus zu errichten.

Traditionis custodes hat die Priester, die bisher im überlieferten Ritus zelebrierten, zu Bittstellern degradiert. Wenn sie weiterhin im überlieferten Ritus zelebrieren möchten, sind sie von der Willkür ihres Bischofs oder Oberen abhängig.

Traditionis custodes will den Priesternachwuchs für den überlieferten Ritus abwürgen. Jeder Neupriester, der im überlieferten Ritus zelebrieren möchte, braucht eine Sondererlaubnis von Rom. Im Klartext soll eine solche nur mehr eine seltene Ausnahme sein. Da das Motu proprio nicht differenziert, sind auch die Neupriester der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften gezwungen, diese Erlaubnis einzuholen.“


Das heißt, daß es diesen Gemeinschaften nicht erlaubt ist, in Gemeinden, in denen sie noch nicht wirken, die ihnen eigentlich zugestandene Messe zu feiern. Dafür ist nicht ein solches Verbot durch den zuständigen Bischof von Nöten, er dürfte gar keine neuen Meßorte für die „Alte Messe“ zulassen.

Die „Alte Messe“ darf aber auch nur dann an den bisherig erlaubten Orten zelebriert werden, wenn dies der zuständige Bischof erlaubt. Darüber hinaus darf die „Alte Messe“ nicht mehr in den „normalen Pfarrkirchen“ zelebriert werden. (Kath de 21.7.2021: „Bei der Piusbruderschaft“) Wahrscheinlich darf dann die „Alte Messe“, wenn sie denn vom Bischof doch noch erlaubt wird, nur noch in Kapellen gefeiert werden. So mußte ja schon in Wien in einer Gemeinde diese Messe in eine Kapelle verlegt werden.

Wenn nun ein Neupriester und das gilt dann auch für die Priesteramtskandidaten dieser Gemeinschaften die „Alte Messe“ zelebrieren wollen, dann darf er das nur mit einer Sondererlaubnis von Rom; Bischöfe können diese nicht erteilen. Das heißt im Klartext, daß die jetzigen Priesteramtskandidaten dieser Gemeinschaften eigentlich keine Chance haben, je erlaubt die „Alte Messe“ zu lesen. Im günstigen Falle bleiben also diesen Gemeinschaften von Bischöfen erlaubte Kapellenmessen übrig in der Erwartung, daß mit dem Ausscheiden der da wirkenden Priester diesem Spuk auch da ein Ende gesetzt wird.


Der Kath-info Kommentar erfaßt so das Zentralanliegen Papst Franziskus:

Traditionis custodes ist eine Einladung und Aufforderung an die 3.151 Diözesanbischöfe und alle Ordensoberen weltweit, die bestehenden Meßorte der Tradition zu zerschlagen. Franziskus erteilte ihnen den Freibrief dazu.“

Kardinal Burke (Kath net 21.7.2021) konstatiert: „Laut einem Bericht der katholischen Zeitung The Remnant haben nur ungefähr 30 Prozent der Bischöfe die Umfrage beantwortet, die der Vatikan 2020 zur Umsetzung von „Summorum Pontificum“ durchgeführt hat. Mehr als die Hälfte der Antworten seien positiv oder neutral gewesen, berichtet The Remnant unter Berufung auf mehrere Quellen. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden in TC als Grund für die nach Ansicht von Papst Franziskus notwendige Einschränkung des usus antiquior angegeben.“

Daraus erklärt sich, warum bis heute Papst Franziskus die Ergebnisse dieser Studie nicht veröffentlichen ließ, paßt das Ergebnis doch nicht zu dem Anliegen des Papstes, die „Alte Messe“ in der Katholischen Kirche zu beseitigen.

Somit wird noch ein weiteres und vielleicht noch grundlegenderes Interesse dieses Papstes sichtbar. Um es politisch korrekt zu formulieren: Der Papst hofft, daß so der „Rechte Rand“, „die Traditionalisten“ und „Ewiggestrigen“ aus seiner Kirche herausgetrieben werden.Wenn die ihre Messe nicht mehr legal in der Kirche feiern dürfen, dann werden sie sie verlassen. Die Katholische Kirche soll so gespalten werden, wie es im politischen Raume der jetzige AfD – Parteivorsitzende vorschwebte, als er die Partei in zwei aufspalten wollte, eine liberal-conservative, die Guten und eine national-conservative, die Rechten= die Bösen. Wenn den „Ewiggestrigen“ ihre Messe genommen werden wird, dann werden sie schon gehen- das dürfte die Intention des Papstes sein. Im Kleinen findet das in der Kampagne gegen Kardinal Woelki statt, was der Papst für die ganze Kirche sich wünscht: eine von allem Conservativen und Traditionalistischen befreite Kirche, die so sich erst problemlos modernisieren läßt.

 

Dienstag, 20. Juli 2021

„Kardinal Müller: Papst Franziskus will, dass Alte Messe ausstirbt“



So jubelt die quasi offizielle Internetseite der Deutschen Bischöfe (19.7.2021). Diese Überschrift sagt alles. Kardinal Müller verdient für diese klare Aussage Respekt, daß er, statt die Lage schön zu reden, das Anliegen Papst Franziskus und des linksliberalen Lagers in der Katholischen Kirche erfaßt. Es lohnt sich, die Hintergründe dieses Kampfes gegen die „Tridentinische Messe“ zu erhellen zu versuchen.

Grundlegend für diesen Kampf ist ein evolutionäres Kirchengeschichtsverständnis, daß sich die Kirche im Laufe der Zeit immer weiter zum Positiven weiterentwickle, sodaß die Wahrheiten von Gestern für Heute überholt sein können.

Davon zu distinguieren ist die Vorstellung, daß die Kirche sich im Laufe der Geschichte von ihrem Ursprünglichen entfremdet habe und daß das 2.Vaticanum nun die Aufgabe übernommen hätte, diese Fehlentwickelung zu korrogieren. Diese Vorstellung, in der Reformation beheimatet, erfreut sich ja zusehens in der Katholischen Kirche großer Beliebtheit. Statt daß die Kirche auf den großen Wiederhersteller des Urchristentumes, Luther gehört hätte, erschuf die Kirche sich mit der „Trientinischen Messe“ eine bewußt antiprotestantische Gottesdienstform, ganz im Ungeiste des „Trientinischen Konziles, das sich ganz den Reformanliegen Luthers verschloß. Darum mußte dieser Doppelfehler revidiert werden durch das 2.Vaticanum, das für das Sichöffnen der Kirche für das reformartorische Anliegen stünde und durch die „Neue Messe“, die der antilutherisch ausgerichteten ein Ende setzen sollte.

So verbinden sich diese 2 Narrative, das des Entwickelungsschematas und das des Abfalles vom Ursprünglichen zu einem Nein zur „Alten Messe“.

Beiden Narrativen gemein ist die Absage zur Einheit der Kirche, denn es soll faktisch die ganze Theologie und kirchliche Praxis von „Trienter Konzil“ bis zum 2.Vaticanum aus der Kirche herausgestrichen werden, wahlweise als Fehlentwickelung oder als ein für allemal Überholtes.

Der Konflikt vitalisierte sich nun aus linksliberaler Sicht durch die bestürzende Erkenntnis, daß gerade junge Priester zunehmend sich für die „Alte Messe“ engagierten und daß die Gottesdienstbesucher der „Alten Messe“ auch durchschnittlich jünger sein sollen als die der neuen. Hofften die Reformer, daß das Problem der „Alten Messe“ sich von selbst erledigen würde durch das Absterben der Ewiggestrigen, so mußte diese Wahrnehmung sie zum Kampf gegen die „Alte“ und nun leider trotzdem erfolgreiche Messe drängen. Daß seit der Einführung der „Neuen Messe“ die Gottesdienstbesucherzahlen kontinuierlich sinken, erlaubt den Befürwortern nicht, die „Alte Messe“ als Alternative weiterbestehen zu lassen, könnte doch der Verdacht entstehen, daß diese veraltete Form der Messe die Heutigen vielleicht sogar mehr ansprechen könnte als die moderne Form.

Marktstrategisch formuliert: Die „Neue Messe“ sollte eine Einpassung der Katholischen Kirche in die Moderne leisten, die ist aber nun schon zu Grunde gegangen, denn wir leben in der Nachnoderne, sodaß die einst um der Zeitgemäßheit konstruierte Messe nun zur veralteten wurde- aber an ihr soll festgehalten werden, weil der katholische Linksliberalismus noch ohne Bedenken an dem Paradigma der Aufklärung und der Moderne festhalten will.

Die „Neue Messe“ ist eben das Produkt einer Synthese von der modernen Vernunft und der Tradition der Katholischen Kirche, bei der alles „Mittelalterlich-Katholische“ herauspurifiziert wurde, damit eine vernünftig-moderne Gottesdienstgestaltung so ermöglicht wurde. So verkennt die Mahnung, daß nun doch auch linksliberale Modifikationen oder gar Verstöße gegen die Ordnung der „Neuen Messe“ geahndet werden sollten und nicht nur die „Alte Messe“ diskriminiert werden, die Intention der päpstlichen Entscheidung zur Eliminierung der „Alten Messe“: Eine Weiterentwickelung der „Neuen Messe“, sie tatkräftig weiter zu protestantisieren, auch wenn dabei gegen die Normen der „Neuen Messe“ verstoßen würde, entspricht ja dem „Geiste des 2.Vaticanums“, dem der evolutionären Weiterentwickelungspflicht der Kirche. Tradition ist immer nur das obzwar einst wahr Gewesene jetzt aber zu Überwindende. So muß die Kirche permanent die Einheit mit sich selbst überwinden, um sich evolutionär fortzuentwickeln.



Zusatz:

So denkt Papst Franziskus über die Anhänger „der Alten Messe“ (Kath info am 20.7.2021):Papst Franziskus hat die von ihm in den vergangenen Jahren geäußerte Abneigung gegenüber dem überlieferten Ritus in ein Gesetz gegossen.

Für ihn besteht keine Notwendigkeit für den überlieferten Ritus. Wenn es junge Menschen gebe, so Franziskus zum Beispiel gegenüber tschechischen Bischöfen, die sich für ihn interessieren, so könne das nur eine flüchtige „Mode“ sein, die bestimmt sei, sich wieder zu verflüchtigen. Laut Franziskus kann nämlich nicht sein, was nicht sein darf. Insgesamt seien die Vertreter der Tradition ohnehin „Schriftgelehrte“, „Hartherzige“, „Starre“, „Pharisäer“, „Neopelagianer“, „Rückwärtsgewandte“ … Sie seien kurzum so überflüssig wie ein Kropf.“ Für diesen Papst ist die Schriftgelehrsamkeit ein Vorwurf: Wer schriftgelehrt ist, der ist rückwärtsgewandt!



 

Montag, 19. Juli 2021

Der Gottesdienst- eine Zeit der Erholung und Entspannung??


Ja, das gestrige Sonntagsevangelium hat es in sich: Jesus beklagt das Schicksal der Menschen, daß sie wie eine Herde ohne Hirten sind. (Mk 6.30-34) Darum „lehrte er sie lange.“ (34). Nur paßt diese Aussage nun ganz und gar nicht mehr in das zeitgenössische Christentumsverständnis, denn erstens bedarf da der mündige Christ keiner Belehrung und zweitens schon gar nicht eines Hirten, denn als Mündig-Aufgeklärte regiert er sich doch selbst. Aber noch fataler: Hier wird doch das Eigentliche des christlichen Glaubens ganz verkannt, daß im Zentrum die persönliche Begegnung mit Jesus steht, daß dieser Begegnung der Glauben an ihn als: „Dir vertraue ich“ entspringt. Nicht verkündete Jesus irgendwelche Lehren oder gar noch schlimmer theologische Dogmen, denn er selbst und nur er selbst ist ja die Botschaft. Wir dürfen jetzt an die wunderbare Begegnungsszene des Filmklassikers „Cassablanca“ denken: „Schau mir tief in die Augen, Kleines!“

Dieser Augenblick, da wurde der wahre Glaube lebendig: „Dir vertraue ich!“ Bedauerlicherweise verfälschte dann die Kirche auch dank einer eifrigen Zuarbeit von Theologen dann dieses wunderbare reine Vertrauensverhältnis: „Dir und nur Dir vertraue ich!“ in ein dogmatisches Lehrsystem, in dem die Persönlichkeit Jesu ganz unterging. Dabei hat Jesus doch nie etwas gelehrt, sondern nur in Begegnungen Menschen erleben lassen: „Ich bin es!“Aber was macht man als Prediger dann mit diesem am Eigentlichen schon so Vorbeigeschriebenem, denn offenkundig hat der Evangelist Markus schon Jesus völlig verzeichnet, indem er schrieb: Jesus habe gelehrt? Wie sehr dieser Evangelist schon danebenlag, beweist er ja gleich am Anfang seines Evangeliumes: „Und sie staunten über seine Lehre (doctrina),denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat.“ (1,22)

Kommt und ruht ein wenig aus!“ (Vers 11) rettet da regelmäßig die Predigt.“Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, wir sind hier, um auszuruhen von den Anstrengungen der Arbeitswoche.“ Der Gottesdienst dient also unserem Ausruhen, Auftanken, Sichbesinnen, um dann erholt sich wieder dem Alltagsleben zuzuwenden. Ja überhaupt: Nur wer sich Pausen gönnt, abschalten kann, der kann dann, wenn es wieder nötig ist, konzentriert arbeiten. Der Gottesdienst dient also unserer Erholung.Aber so spontan geurteilt: Ist ein geselliger Frühschoppen bei Weißwurst und einer Maß Bier nicht weit erholsamer, oder ein sonntäglicher Frühspaziergang oder ein ausgiebiges Frühstück? Warum in der Kirche sich erholen und entspannen?

Aber noch verwirrender: Seit wann entspannt sich ein Diensttuender in seinem Dienst? Halten wir uns den Dienstberuf schlechthin, den Butler vor Augen: Er dient und damit ist seine ganze Berufstätigkeit schon allumfassend erfaßt. Ist es vorstellbar, daß ein Butler sagt: „In meinem Dienst erhole und entspanne ich mich“?Aber wenn die Gemeine in der Kirche versammelt Gott dient, dann soll das für sie eine Entspannung und Erholung sein? Das ist absurd. Aber wahrscheinlich provoziert diese Aussage nur die Behauptung, daß der Gottesdienst gar kein Dienst an Gott sei, daß er aber auch seiner Gemeinde da nicht diene, sondern daß der Pfarrer mit seinem Team für die Gemeinde etwas Entspannendes und möglichst auch Unterhaltsames zu inszenieren habe.

Besucher stellten dann aber regelmäßig fest, daß ihnen der Gottesdienst nichts brächte und so sank die Gottesdienstbeteiligung in Deutschland auf 9 Prozent der Katholiken vor der Coronaseuche. Das Gebotene ist wohl doch nicht so entspannend und unterhaltsam, wie es in den Predigten zu diesem Text verkündet wird. Nur, wie kann ernsthaft gemeint werden, daß ein Dienst etwas Entspannendes und Auffrischendes sei? Ganz vorkonziliar Gestimmte sagen sogar, daß die hl. Messe etwas für unser Heil Notwendiges sei. Kann etwas Heilsnotwendiges wirklich eine Entspannungs- und Ausruhveranstaltung sein?

In den nachkonziliaren Zeiten ist einfach das Verständnis für das Wesen der hl. Messe verloren gegangen, sodaß sie nun gar als Erholungs- und Entspannungsveranstaltung angepriesen wird. Nur erholen kann ich mich, fast jeder wohl besser bei einem wohlschmeckenden Sonntagsfrühstück oder in einem sommerlich gestimmten Biergarten.