Dienstag, 7. Juli 2026

Eine Theologie nach Auschwitz müsse eine andere als vor diesem Ereignis sein!

 

Eine Theologie nach Auschwitz müsse eine andere als vor diesem Ereignis sein!



Aktuell wird der Piusbruderschaft vorgeworfen, sie verleugne die Notwen-digkeit einer Umkehr der Verhältnisbestimmung der Kirche und der Theologie zur jüdischen Religion, wie sie im 2.Vaticanum irreversibel vollzogen worden wäre angesichts von Ausschwitz: Es könne und dürfe keine Judenmission seitens der Kirche mehr geben. Deshalb lehre jetzt die Kirche, daß Gottes Bund mit dem Volke Israel ein ungekündigter sei, daß Israel weiterhin das von Gott erwählte Volk sei.

Nicht wird hier die Frage erörtert, warum das Ereignis Auschwitz nicht unter der Thematik der Theodizee: „Warum läßt der allmächtige und gute Gott das Leiden der Menschen zu, zu subsumieren ist und daß dann der Theodizeediskurs weiter zu führen ist. Man behauptet, daß so der Einzigartigkeit und Unvergleichlichkeit dieses Verbrechens nicht genüge getan würde, obschon selbst der Superlativ: „das größte Menschheitsverbrechen“ denknotwendig die Vergleichbarkeit dieses einen Verbrechens mit allen anderen präsumiert.

Die zugrundeliegenden Thesen zum Nein zu jeder Art von einer kirchlichen Mission Juden gegenüber1 könnten so rekonstruiert werden.

Erstens: In Auschwitz ist dem jüdischen Volke etwas sehr Böses angetan worden. Ergänzt wird diese These durch die These, daß in irgendeiner Weise die christliche Religion und die Kirche mitschuldig sei an Auschwitz.

Zweitens: Juden zu missionieren wäre auch ihn gegenüber etwas Böses Tuen.

Deshalb darf es keine Judenmission mehr geben, auch weil die Kirche mitschuldig sei an den Verbrechen den Juden in Auschwitz.



Eine Überprüfung dieser Thesen:

Wenn jede Judenmission den Juden gegenüber etwas Böses ist, dann war es das vor wie nach Auschwitz gleichermaßen. Dann hätte nicht nur die Kirche sondern schon Jesus selbst niemals Juden in seine Nachfolge berufen dürfen. Daß Jesus selbst gesündigt habe, indem er Juden zu seinen Schülern (Jünger) machte, ist eine theologisch unmöglich wahre Aussage.

Dann müßte gelten, daß die Judenmission von Jesus bis zum Ereignis Auschwitz eine erlaubte kirchliche Praxis war und erst durch Auschwitz eine verbotene wurde. Das Evangelium allen Menschen und somit auch den Juden zu verkünden, ist etwas Gutes, denn es wird ja die Wahrheit so den Hörern verkündet. Nun sei irgendwie die Kirche mitschuldig an Auschwitz, sie trage so eine Mitverantwortlichkeit an dem da den Juden Böses Angetane. Da drängte sich doch der Schluß auf, daß nun, um das Böse Tuen wieder gutzumachen, den Juden jetzt umso mehr Gutes getan werden müsse, ihnen also die Wahrheit zu verkünden sei. Einem das Evangelium nicht zu verkünden, wäre da doch eine Unterlassung an einem Gutes zu tuen!

Nur wenn die These, einem Juden das Evangelium zu verkünden, sei etwas Böses ihm gegenüber, wahr ist, ergibt die These, daß um Auschwitz willen nicht mehr das Evangelium ihnen zu verkünden sei, einen Sinn: Da man den Juden so viel Böses da angetan wurde,müsse nun auch das Böse Tuen der Mission ihnen gegenüber von der Kirche eingestellt werden.

Daß aber den Juden die Wahrheit zu verkünden, etwas Böses sei, diese Behauptung ist mit der Praxis Jesu Christi und dem ganzen Zeugnis des Neuen Testamentes unvereinbar.



Ein paar Klärungen zur jüdischen Religion:

Es muß distinguiert werden zwischen der Gottesverehrung des jüdischen Volkes, wie es sie das Alte Testament bezeugt und der jüdischen Religion zu der prinzipiell jeder Mensch sich bekennen kann, auch wenn die Mehrheit ihrer eAnhänger Juden im ethnischen Sinne sind.

Die Genealogie die jüdischen Religion: Die jüdische Religion konstituiert sich durch das Nein zu Jesus, daß er nicht der im Alten Testament verheißende Messias Israels ist und schon gar nicht der Sohn Gottes und dadurch, daß der hebräische Kanon umgedeutet werden mußte, da die Juden nach der Zerstörung ihres Kultzentrumes, des Jerusalemer Tempels keinen neuen Tempel mehr erreichten konnten und eine tempellose Religion konstruiert werden mußte. Nun avancierte der Synagogengottesdienst zum alleinigen Gottesdienst der jüdischen Religion, obgleich im babylonischen Exil der Synagogengottesdienst nur als ein Surrogat für den Tempelkult konzipiert worden war. (In der christlichen Religion wurde der Tempelkult und der Synagogengottesdienst synthetisiert zu der einen hl. Messe, bestehend aus der Vormesse, dem Synagogengottesdienst und dem Meßopfer, der christlichen Version des Tempelopferkultes. )

Die jüdische Religion zeichnet sich durch diesen Bruch mit dem Alten Testament aus, mit ihrer Verneinung des Tempelkultes und des Neins zu dem im Alten Testament verheißenden und in Jesus gekommenden Messias. .So urteilt Jesus selbst über die jüdische Religion, daß sie nicht Mose glaubt, denn wenn Juden Mose glaubten, würden sie Jesus als den Messias glauben. (Joh 5.45-47.)

Die jüdische Religion ist im Urteile Jesu Christi eine falsche Religion: „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht.“ (Joh,5,23)Diese Aussage ist einer der Ausgangspunkte der Trinitätslehre: Gott Vater und Gott Sohn sind Verschiedene und doch eins, denn es gilt, daß wer den Sohn nicht ehrt, auch den Vater nicht ehrt. Nicht urteilt Jesus hier ja, daß im Synagogengottesdienst zwar Gott geehrt würde, aber nur der Sohn dann nicht, als wenn diese Verehrung eine teilweise wahre wäre.

Gerade da die jüdische Religion eine unwahre ist, muß ihr gegenüber die wahre verkündet werden.

Es bliebe nur als ein Ausweg zur Rechtfertigung des Neines zur Judenmission die These, daß das jüdische Volk, jetzt im ethnischen Sinne, so von Gott erwählt sei, daß es für dies Volk gleichgültig wäre, wie es sich zur christlichen und zur jüdischen verhielte. Aber diese These widerstreitet das ganze Alte Testament und Jesus wirft den nicht an ihn glaubenden Juden vor, daß sie so auch sie ungläubig Mose und dem ganzen Alten Testament gegenüber verhielten.







1Die Frage, wer ein Jude ist, kann hier nicht erörtert werden ob der Kompliziertheit dieser Materie: Ist Jude im ethnischen oder staatspolitischen oder religiösem Sinne gemeint? M.W wird diese Frage im christlich-jüdischen Dialog auch nicht erörtert, geschweige den geklärt.

Montag, 6. Juli 2026

Was bedeutet die Gewissenfreiheit unter Politikern – ein Aufklärungsbeitrag

 

Was bedeutet die Gewissenfreiheit unter Politikern – ein Aufklärungsbeitrag



Wenn ein Berufspolitiker vor der Wahl verspricht: „Niemand habe die Absicht, die Steuern zu erhöhen!“, und nach der Wahl, in der neuen Regierung sitzend erklärt: „Eine Steuererhöhung sei unvermeidbar!“, dann ist das keine arge Wählertäuschung, sondern er gehorchte der Stimme seines Gewissens, die ihn nun dazu drängte, doch einer Steuererhöhung zuzustimmen. Als ein demokratisch gewählter Parlamentarier unterliegt er keinem „imperativen Mandat“, das ihn dazu verpflichtete, das vor der Wahl Versprochene auch zu tuen. Denn als Gewählter hat er das Recht und gar die Pflicht, nur seinem Gewissen folgend zu entscheiden.

Nur Politiker, die nicht nach der Wahl in die neue Regierung eingetreten sind, halten daran fest,daß sie das vordem Verheißende auch nach der Wahl auch umzusetzen würden, stellten sie die neue Regierung.

Die katholische Moraltheologie exculpiert die Politiker, die der Stimme ihres Gewissens folgen mit der Lehre, daß jeder, also auch die gewählten Politiker immer ihrem Gewissen zu folgen hätten, wenn das ihnen klar anzeigt, für was sie im Parlament zu votieren haben, selbst wenn ihr Gewissen sich irre.



Damit nun diese Gewissensfreiheit nicht zu anarchischen Exzessen in den Parlamenten führt, wird sie aber vertikal in die Fraktionsdisziplin und horizontal in die der Parteidisziplin eingehegt. Damit ein Parlamentarier nicht an seine Versprechungen an das Wahlvolk gebunden ist, soll und darf er auf seine Gewissensfreiheit pochen. Damit aber in den Parlamenten nicht anarchisch entschieden wird, wird dann die Gewissensfreiheit der Fraktions- und Parteidisziplin subordiniert.

Der KI klärt uns nun über das eherne Gesetz der Oligarchisierung der Parteien auf: Übersicht mit KI: „Das sogenannte „eherne Gesetz der Oligarchie“ besagt, dass jede demokratische Organisation – wie etwa eine politische Partei – mit der Zeit unweigerlich bürokratische Strukturen ausbildet. Dadurch konzentriert sich die Macht in den Händen einer kleinen Führungselite, wodurch die Kontrolle durch die Parteibasis schwindet und demokratische Ideale letztlich unterlaufen werden.“

Das bedeutet für die parlamentarische Demokratie, daß in jeder etablierten Partei eine Oligarchie die Politik der Partei bestimmt und daß alle Parteioligarchen unter sich in den Parlamenten die Regierungs-aufgabe und die der Oppositionsaufgabe aufteilen, wobei in letzter Instanz immer die Bundesparteivorstände den politischen Kurs bestimmen. So ist letztendlich die parlamentarische Demokratie die Herrschaft der sich wechselseitig als koaliations- und regieungsfähig anerkennenden Parteien.

Als demokratiegefährdend wird dann verstanden, wenn eine so nicht anerkannte Partei in die Parlamente gewählt wird, die diese inneroligarchische Aufteilung zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien behindert oder gar verhindert. Denn die Stabilität dieser Parteienoligarchieherrschaft beruht darauf, daß einer Regierung im Parlament eine Opposition gegenübersitzt, die eine mögliche und nie unwahrscheinliche Unzufriedenheit des Wählervolkes zu ihrer Sache erklärt: „Wir würden besser regieren als die jetzige Regierungspartei.“ So können die Oligarchien abwechselnd regieren und dann opponieren, ohne daß die Politik sich ändern würde, da die Parteioligarchen in allen wesentlichen Fragen das Gleiche vertreten und nur deswegen sich wechselseitig als regierungsfähig beurteilen.

Wenn aber alle sich wechselseitig als regierungsfähig anerkennenden Parteien gemeinsam regieren müssen, um ein Mitregieren oder gar Regieren der nichtanerkannten Partei zu verhindern, dann gefährdet das die Stabilität des Systemes, die eine fiktive Opposition verlangt, die, wenn sie dann gewählt wird, die Politik der abgewählten Regierung nahtlos prolongieren kann.

Diese Oligarchenherrschaft verlangt nun aber als erstes den Parlamentarier, der nicht an seine Wahlversprechungen dem Volke gegenüber gebunden ist, sein freies Gewissen, damit er ganz der Parteiherrschaft subordinierbar ist.

So ist die Gewissensfreiheit überhaupt nur die Emanzipation des Menschen von den Geboten Gottes und der Kirche, damit er sich ganz dem Zeitgeist des „Man“ subordiniert, was man tut und was nicht, was sich gehört und was sich nicht gehört.Die Individualität des Gewissens ist wohl ein Phantasmata.

Sonntag, 5. Juli 2026

Ziviler Ungehorsam gegen Rechts und gegen alles Nichtkonformistische?

 

Ziviler Ungehorsam gegen Rechts und gegen alles Nichtkonformistische?



Auf der Internetauftrittseite „Bündnis widersetzen“, das zum Kampf wider den AfD- Parteitag in Erfurt mobilsierte, heißt es: „AfD Parteitag verhindern.Am 4. Juli in Erfurt Höcke stoppen! Der Bundesparteitag der AfD am 4. & 5. Juli in Erfurt darf nicht stattfinden! Er wäre eine faschistische Zusammenrottung mit Björn Höcke an der Spitze. Höcke steht für den offen faschistischen und NS-verherrlichenden Kurs in der Partei:Menschenverachtung,Ausgrenzung, massenhafte Deportationen und Hass.“

Ziviler Ungehorsam gegen Rechts wird da gefordert: da ein zivilen Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag legitim sei.1 Worin besteht nun dieser zivile Ungehorsam, etwa in einem Nichtgehorchen staatlichen Gesetzen gegenüber? Mitnichten: Einer Gruppe von Bürgern wird das Versammelungsrecht und das Recht auf die freie Meinungsäußerung angesprochen und es sollte verhindert werden, daß diese Bürgergruppe diese Bürgerrechte ausüben kann.

Wer entscheidet nun darüber, wem die Recht abgesprochen wird? Dies antifaschistische Bündnis. Wurde vor diesem Beschluß die Angeklagten befragt, ihnen eine Möglichkeit zur Entkräftung der Vorwürfe gegen sie gewährt? Mitnichten. Stattdessen sind hier die Ankläger und die Entscheider personenidentisch. Dieses antifaschistisches Bündnis nimmt also für sich das Recht in Anspruch, Andersdenkenden das Recht auf die Versammelungsfreiheit abzusprechen und berechtigt zu sein, zu verhindern, daß diese ihr Recht ausüben können.

Es existiert kein Verfahren, mit dem die gegen die AfD erhobenen Vorwürfe überprüft wurden, es reichte aus, einfach zu behaupten, daß sie menschenverachtend, ausgrenzend sei und für massenhafte Deportationen und Haß stünde.Das ist faktisch eine Variante der Lynchjustiz, daß hier einer ganzen Gruppe die politischen Grundrechte aberkannt werden und ihnen die Ausübung ihrer Rechte verunmöglicht werden sollte.

Das Demokratieverständnis dieser Antifaschisten spricht für sich: Andersdenkenden sei das Versammelungsrecht und das Recht auf die freie Meinungsäußerung zu verwehren und man dürfe versuchen, ihnen diese Rechte auszuüben, zu verunmöglichen.

Bei jeder in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindenden Lebensschutzkundgebung wird dieses Demokratieverständnis ebenso praktiziert: Feministische und antifaschistische Organisationen versuchen, solche Kundgebungen zu verhindern, denn auch ihnen wird das Versammelungsrecht und das Recht auf die freie Meinungsäußerung abgesprochen.

Es soll so aber auch jedem Bürger das Recht abgesprochen, auf das zu hören, was die Lebensschützer oder die AfD ihnen sagen wollen. Feministische und antifaschistische Bündnisse nehmen auch für sich das Recht in Anspruch, allen Bürgern diktieren zu dürfen, was sie hören und was sie nicht hören dürfen.

Der zivile Ungehorsam richtet sich also primär gegen die Rechte der Mitbürger, wenn diese denn unerwünschte Meinungen vertreten. Was nun unerwünscht sei und zu bekämpfen sei, das legen diese Gruppen ganz autonom fest, sie wollen entscheiden, wer was sagen darf und wer nicht. Und wenn dann der Rechtsstaat die Bürgerrechte der so Diskriminierten verteidigt, indem er durch massive Polizeieinsätze das Versammelungsrecht auszuüben ermöglicht, werden auch die Polizisten auch körperlich angegriffen, da sie den Antifaschisten es verunmöglichen, den Parteitag der AfD oder Lebensschutzkundgebungen zu verhindern.

Faktisch wird so das Faustrecht zum Mittel des politischen Kampfes: Wir haben das Recht, Andersdenkenden ihre Meinungsäußerungen zu verunmöglichen. Die kommoderen antifaschistischen Parteien, Grüne, SPD und Linke wollen die AfD einfach verbieten, um so deren Ausübung des Rechtes auf die freie Meinungsäußerung zu verunmöglichen. Sie stimmen dabei dem Grundsatz zu, daß das Recht auf die Versammelungsfreiheit und das Recht auf die freie Meinungsäußerung zu kritisch Denkenden abzusprechen sei, nur möchten sie das rechtsstaatlich durchsetzen, wohingegen die radicaleren Antifaschisten auf die Macht der Fäuste setzen.

Gilt eigentlich, daß die Meinungsfreiheit zu den Kernelementen der Demokratie gehört, gilt faktisch nun: Nur Konformisten steht dieses Recht in einer Demokratie zu! Nonkonformisten ist dieses Recht abzusprechen und man darf und muß sogar ihnen verunmöglichen, diese staatsbürgerlichen Rechte auszuüben. 

Zusatz:

Junge Freiheit 5.7.2026: „Widersetzen“ billigt Angriffe auf Journalist„Faschist*innen mit Presseausweis sind immer noch Faschist*innen“, betont „Widersetzen“-Sprecher Noa Sander. Bei der Abschluss-Pressekonferenz des linken Bündnisses in Erfurt werden Angriffe auf Journalisten nicht verurteilt.


 

1 Jurist über den AfD-Parteitag„Wir stehen vor einem möglichen Wendepunkt, TAZ am 4.7.2026.

Samstag, 4. Juli 2026

„Die Piusbruderschaft will Sekte sein – soll sie es!“ Ein Jesuit kritisiert auf höchstem Niveau die Bischofweihen der Piusbruderschaft

 

Die Piusbruderschaft will Sekte sein – soll sie es!“ Ein Jesuit kritisiert auf höchstem Niveau die Bischofweihen der Piusbruderschaft



Wo anders als auf Kath de (3.7.2026) konnte diese Fundamentalkritik dieses skandalösen Vorfalles publiziert werden! Die zentrale Frage dieser Kritik lautet: „ist das meine Kirche?“ „mein“ ist hier besitzanzeigend gemeint: Es existieren also 2 Kirchen, die des Jesuiten und die der Piusbruderschaft. Der Kritiker frägt nun, ob er in der Kirche der Piusbruderschaft die seinige recognizieren könne.Darauf folgt die rhetorische Frage: „Will ich diese Kirche in meiner haben?“ Die Antwort lautet zwar: „Eher nein“, aber es ist doch ein „Nein“ gemeint!

Was ist nun so furchtbar an der Kirche der Traditionalisten? Der Standpunktkommentar bietet uns dazu eine wahrhaft überzeugende Argumente.

Wenn ich die Bilder der Bischofsweihe sehe:graust mir hätte eigentlich vor dem Doppelpunkt stehen müssen. „hunderte Männer, eher blass, ernst und streng die Gesichter, schwitzend in engen, irgendwie antiquiert wirkenden Gewändern, unverständliche lateinische Gesänge singend, weihrauchgeschwängert,“ Diese Fundamentalkritik verlangt nun unsere größte Aufmerksamkeit, um diesen Höhenflügen jesuitischer Kritik auch nur annähernd gerecht werden zu können.

hunderte Männer“: das ist ja schon an sich ein Skandal: Waren Frauen etwa von diesem Weiheakt ausgeschlossen? Und waren etwa keine „Diversen“ dabei? (Es sei an den usus kirchlicher Stellenausscheibungen: m/w/d erinnert!)

eher blass, ernst und streng die Gesichter“ So unsympathische Männer, dabei sollten doch wir Christen laut Nietzsche fröhlicher ausschauen!1

schwitzend in engen, irgendwie antiquiert wirkenden Gewändern“: Die liturgischen Gewänder passen einfach nicht zu den jetzigen hochsommerlichen Temperaturen, eine luftige Freizeitkleidung hätte doch das Schwitzen verhindern können! „antiquiert“ das heißt: nicht mehr zeit(geist)gemäß aber simpler, erst Mal: unmodisch!

unverständliche lateinische Gesänge singend“ : Was die Sprachkenntnisse eines Jesuiten überfordert, ist eben unverständlich, nur vergaß er dabei das relativierende: „für ihn“ hinzuzufügen. Daß das Latein die Sprache der Liturgie ist, ist den der Liturgie im Regelfall reserviert gegenüberstehenden Jesuiten sicher nicht bekannt, ist ihnen doch die Predigt, möglichst ohne davon Ablenkendes das Wesentliche eines Gottesdienstes und darum ist ihnen der Weihrauch auch ein Greuel, verunklart er doch das gepredigte Wort.

Weihrauchgeschwängerte Männer: Das ist selbstredend der Höhepunkt dieser Kritik: Die enthaltsam lebenden Männer lassen sich als Ersatz vom Weihrauch schwängern! Im (Un)Geist der Genderideologie kann es natürlich schwangere Männer geben, aber vom Weihrauch geschwängert, ist schon ein arges Stück jesuitischer Sophistik!

Das Resümee fällt klar aus: Die Kirche, die so einen Gottesdienst zelebriert, ist nicht die Kirche dieses, eines Jesuiten! Wie ist denn nun die Kirche dieses Jesuiten, der in der der Piusbruderschaft die seinige, besitzanzeigend gemeint, nicht recognizieren kann?

Die katholische Kirche ist ja ein großer Zoo mit vielen bunten, auch grellbunten Tieren, und das soll so sein, ist wunderbar, aber die hier gesehene bunte Farbe will ja die einzige sein, und sie spricht anderen Buntheiten das Katholischsein ab – damit ist diese Kirche gerade nicht mehr katholisch, sondern eine Sekte.“ Die Jesuiten-Kirche ist bunt! Diese Parole: „Bunt statt rechts/rechtspopulistisch/conservativ“ wird nun fast auf jeder Anti-Rechts- Demonstration gebrüllt und meint positiv gewendet,daß politisch korrekt die Buntheit nur aus zwei Farben bestehe: „Grün“ und „Rot“! Alle Andersfarbigen seien auszuschließen.

(Ich vermute, daß das Tragen des Trikots unsere Fußballmannschaft auf einer Anti-Rechts- Demonstration auch untersagt würde, aber Homosexfahnen bejubelt würden.) Die Kirche hat also ein bunter Zoo zu sein, die deswegen alle unerlaubten Farben auszuschließen habe. So nur verhindere sie, eine Sekte zu sein! Nicht Grün-Roten muß deswegen das Katholischsein abgesprochen werden! Das entspricht der Praxis der katholischen „Kirchentagen“, die faktisch Grün-Rote Bejubelungsfeste sind. Und zu einer Zookirche passen eben ernste Männer nicht, die statt Tierkostümen liturgische Gewänder tragen!

Wer solche Kritiker hat, braucht keine Apologeten!

1Friedrich Nietzsche kritisierte das Christentum scharf dafür, dass Christen seiner Meinung nach oft freudlos und unerlöst wirken. Sein berühmter Ausspruch lautet: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ KI- Übersicht.

Freitag, 3. Juli 2026

Hängt die „Scheiß-Deutschlandflaggen“ab! Oder über eine Folge des Gottesglaubenverlustes

 

Hängt die „Scheiß-Deutschlandflaggen“ab! Oder über eine Folge des Gottesglaubenverlustes


Der Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, hat nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft gegen die Deutschlandflagge gehetzt. Auf dem Kurznachrichtendienst Threads und auf Instagram schrieb Bobga, die Deutschen sollten jetzt ihre „Scheiß-Deutschlandflaggen“ wieder abzuhängen.“ Junge Freiheit1 Die unter Linken sehr populäre Musikband: „Feine Sahne, Fischfilet singt: „Deutschland verrecke“, „Deutschland ist Scheiße!“ Das Neinsagen zu Deutschland ist unter uns Deutschen sehr beliebt, das Zentralorgan der SED: „Neues Deutschland“ bezeichnet sich jetzt ja auch nur noch: „nd“ um sich von jeglichem deutschen Patriotismus zu distanzieren. Wie viele Linke freuten sich wohl über das blamable Ausscheiden unserer Nationalmannschaft bei der jetzigen Fußballweltmeisterschaft!

Die Selbstbejahung oder die Selbstverneinung gelten als die grundlegendsten Optionen des Verhaltens des Menschen zu sich selbst. Wir Menschen sind nicht durch unsere Eigennatur zu einer Selbstbejahung determiniert sondern wir können uns zu uns selbst kontingent verhalten. Was wir sind, normiert uns auch nicht dazu, uns als das zu bejahen, was wir sind. Wer so argumentierte, vollzöge den naturalistischen Fehlschluß, von dem, was ist, auf das zu schließen, was sein soll. Vgl dazu David Hume.

Aber hierbei wird der Begriff der Selbstbejahung wie auch der der Selbstverneinung unterkomplex verwendet. Denn konstitutiv zum Akt des Selbstbejahens wie des Selbstverneines gehört das als was man sich bejaht oder verneint. Wer als ein Deutscher einstimmt in die Parole: „Deutschland verrecke!“ verneint sich als Deutscher, nicht aber als Mensch, als Mann oder als Frau, auch nicht als Staatsbürger: Er sagt nur Nein zu seinem Deutschsein. Er kann das ob seiner Freiheit. Zu fragen ist aber, ob er so nicht seine Freiheit mißbraucht. Nur setzt dies Urteil voraus, daß ein Mensch so sein soll, wie er ist, daß er in seiner Geschlechtlichkeit, seiner Volks- und Rassenzugehörigkeit so sein soll, wie er ist.

Begreift sich ein Mensch als von Gott Erschaffener, wird er sich in diesen seinen Bestimmtheiten bejahen, denn er versteht diese Bestimmungen Gottes als seine Gaben an ihm, die ihm so auch Gottes Aufgaben sind. Wo aber der Gottesglaube sich auflöst, wird dem Menschen seine Eigennatur, all seine vorhandenen Bestimmtheiten zum Spielmaterial eines sich willkürlich Neukonzipierens: Deutsche, die keine Deutsche mehr sein wollen, Männer, die keine Männer mehr sein wollen usw. Die radicalste Selbstverneinung ist die der Verneinung des Menschseins: Der Mensch soll nicht sein!

Nicht jeder Freitod stellt eine Negation des Menschseins dar, sondern es wird im Regelfall nur das eigene Leben verneint. Der Freitod kann sogar gewählt werden, um durch das eigene Lebensopfer anderen Menschen das Leben zu retten. Aber es kann auch das menschliche Leben als solches verneint werden.



Im politischen Diskurs überwiegt die Tendenz zur Verneinung des eigenen Deutschseins. Die demokratischen Blockparteien wollen nur noch eine Politik für die Staatsbürger oder die hier lebenden Menschen machen, nicht aber für uns als Deutsche. Die Katholische Kirche Deutschlands stimmt diesem Trend zu, indem sie in ihrer Anti-AfD- Erklärung den völkischen Nationalismus perhorresziert, also den Selbstbejahungswillen des deutschen Volkes: Wir sollen nur noch Menschen, oder Staatsbürger oder Europäer oder Weltbürger sein, nur keine Deutschen.

Offenkundig ist diese Haltung die Frucht der Umerziehung in Westdeutschland nach 1945 und des eigentümlichen Schuldkomplexes, daß irgendwie wir Deutschen an allen Übeln der Welt schuld seien, die Ostdeutschen bedürfen hier aber noch des Nachhilfeunterrichtes. Wer „Deutschland verrecke“ singt, die „Scheiß-Deutschlandflagge“ abhängen will, ist somit ein Musterschüler der Reeducation.

Aber es gibt auch Nichtdeutsche, die diesen antideutschen Parolen zustimmen. Hier gilt wohl in der Regel, daß das Deutschsein von ihnen als etwas Fremdes verneint wird, daß sie sich als Nichtdeutsche bejahen und die Deutschen als Deutsche verneinen.

Ontologisch gilt: Jeder Mensch ist nur ein bestimmter Mensch, indem er das verneint, was er nicht ist eingedenk der Erkenntnis: Omnia determinatio est negatio! Als Frau verneint die Frau das Mannsein, als Deutscher das Nichtdeutschsein usw. Diese Negation kann nun aufgehoben werden als die Anerkennung des Anderen als Anderen, aber diese Anerkennung ist ein kontingenter Akt, es kann auch im ontologischen Negieren verharrt werden. 

 

Zusatz:

Der Mensch verneint sich als Mensch, wenn er mehr als ein Geschöpf Gottes sein will aber auch, wenn er weniger als ein Geschöpf Gottes sein will. 



1 Junge Freiheit 1.7.202: Grüne-Jugend-Chef hetzt gegen Schwarz-Rot-Gold

Donnerstag, 2. Juli 2026

Eine unredliche Kritik an der Piusbruderschaft

 

Eine unredliche Kritik an der Piusbruderschaft


Die Freude über die Exkommunikation der Bischöfe und Priester der traditionalistischen Piusbruderschaft nach den unerlaubten Bischofsweihen ist unüberhörbar, hofft man doch so, diese energischen und vielleicht auch manchmal übereifrigen Kritiker des Modernismus in der Kirche los zu sein, um nun getrost das 2.Vaticanum hinter sich lassend, es enthält leider noch so viel Katholisches, die Verprotestantisierung voranzutreiben.

Auch die Internetseite „Communio“ liefert nun pflichtgemäß ihren Beitrag wider die Priesterbruderschaft in dem Artikel: „Außerhalb der Kirche kein Heil:Ein Dogma im Wandel der Geschichte – oder: Warum die Traditionalisten die Tradition nicht gut genug kennen.“ Dabei konzentriert sich die Kritik auf die Bejahung des katholischen Dogmas: „Außerhalb der Kirche kein Heil“.1 Aus dem von der Piusbruderschaft vorgelegtem katholischen Glaubensbekenntnis wird dann zitiert:

Die Krise der Kirche hänge damit zusammen, dass das Dogma Außerhalb der Kirche kein Heil aufgeweicht wurde. Der missionarische Auftrag der Kirche sei dadurch kollabiert. In der Glaubenserklärung vom 14. Mai 2026 hat die Piusbruderschaft daher noch einmal bekräftigt: "Es gibt nur einen einzigen (!) Glauben und eine einzige (!) Kirche, durch die wir gerettet werden können. Außerhalb der römisch-katholischen Kirche und ohne das Bekenntnis des von ihr seit jeher gelehrten Glaubens gibt es weder Heil noch Vergebung der Sünden. Folglich muss jeder Mensch Glied der katholischen Kirche sein, um seine Seele zu retten, und es gibt nur eine einzige (!) Taufe als Mittel, um in sie aufgenommen zu werden. Diese Notwendigkeit betrifft die gesamte Menschheit ohne Ausnahme und schließt unterschiedslos Christen, Juden, Muslime, Heiden und Atheisten ein."


Es wird also die Behauptung aufgestellt, daß faktisch die Kirche die Mission eingestellt hat und diese Behauptung läßt sich empirisch verifizieren: Das Konzept des Dialoges mit allen Religionen und das Projekt des gemeinsamen Eintretens für eine Humanisierung der Welt ist faktisch an die Stelle des Missionsauftrages gestellt worden seit dem 2. Vaticanum. Es liegt nun nahe, dies Ende der Missionstätigkeit der Kirche in einen kausalen Zusammenhang mit der Auflösung des Dogmas, daß es kein Heil außerhalb der Kirche gäbe, zu sehen.

Das Faktum der Beendigung der Missionsarbeit der Kirche erwähnt die Kritik nicht sondern stellt zu recht fest, daß dies Dogma sehr sorgfältig zu explizieren ist. So gilt das göttliche Gebot: „Du sollst nicht töten!“ auch wenn dann in seiner Explikation ein Töten in einem Kriegsfalle, in einer Notwehraktion und bis zu Papst Franziskus auch der Vollzug der Todesstrafe die Kirche erlaubt. Deswegen wird aber die Gültigkeit dieses Gebotes nicht außer Kraft gesetzt.Das gilt so auch für das Dogma des kein Heils außerhalb der Kirche bis zum 2,Vaticanum.

Jetzt aber wird dies Dogma faktisch außer Kraft gesetzt. In dem Communioartikel heißt es nun nämlich: „Die Kirche kennt unterschiedliche Grade der Zugehörigkeit: Neben den Katholiken, die zur vollen Gemeinschaft der Kirche gehören, gibt es die Nichtkatholiken, die mit ihr durch eine Vielzahl von gemeinsamen Elementen verbunden sind. Selbst die Nichtchristen und Agnostiker sind insofern auf die Kirche als Volk Gottes hingeordnet, als sie nach der Wahrheit suchen und sich um eine humane Praxis bemühen.“

Das bedeutet, daß diese Art der Hinordnung zur Kirche und die graduelle Zugehörigkeit zu ihr zum Heile ausreiche: Das „und“ in der Aussage „als sie nach der Wahrheit suchen und sich um eine humane Praxis bemühen.“ ist hier wohl nicht addidativ sondern explizierend zu lesen: die Wahrheit suchen meint, eine Humanisierung der Welt zu versuchen. Sich um eine „humane Praxis bemühen“ reiche so zum Heile aus. Ob und wie jemand religiös sei, wird damit letztendlich als gleichgültig erklärt.

Damit beweist dieser Communioartikel, wie rechtmäßig diese Piusbruderschaftskritik ist: Die Weise der Deutung des Dogmas, kein Heil außerhalb der Kirche hat zum Ende der Mission der Kirche geführt, denn nun wird gelehrt und es wird so auch praktiziert: Jeder Mensch kann außerhalb der Kirche das Heil erlangen in jeder Religion oder gar als Atheist, wenn er nur humanistisch aktiv ist. Genau genommen reicht für jeden Menschen eine humanistische Gesinnung aus, wohingegen dann die Religion und isb die christkatholische gleichgültig ist.



1Communio 1.7.2026.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Gott ist die Liebe – ein paar verwirrende Anfragen dazu und ein Lösungsversuch

 

Gott ist die Liebe – ein paar verwirrende Anfragen dazu und ein Lösungsversuch


Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.”1.Johannes 4,16b. Das ist doch eine eindeutige und klare Aussage und befreit uns vor den theologischen Spekulationen über Gott, weil hier sich gleich auf das Praktische konzentriert wird. Aber was, wenn nun angefragt wird: Liebe zu wem? Liebt Gott jeden Menschen, weil sie seine Geschöpfe sind, liebt er dann auch den Teufel und seine Daimonen, da er die ja auch erschaffen hatte, die er als gute Kreaturen erschuf und von denen er vorauswußte, daß sie gegen ihn rebellieren werden und so zu den Mächten der Finsternis wurden?

In welcher Liebe zu wem muß der Mensch bleiben, damit er in Gottes Liebe zu ihm bleibt? Ist hier an seine Liebe zu Gott und zu den Menschen zu denken, oder reicht etwa die Menschenliebe? Und was hat es für Folgen, wenn ein Mensch weder Gott noch seine Mitmenschen liebt? Die Aussage: „Wer in der Liebe bleibt“, ist doch conditional zu verstehen: Wer diese Condition erfüllt, der und nur der bleibt in Gott, wird also von ihm geliebt. Es gibt also die Möglichkeit eines Herausfallens aus dem Geliebtwerden von Gott.

Aber diese Aussage ist noch viel schwieriger als ein naiver Leser es sich vorstellt. Gott liebt: Diese Aussage ist klar: Gott fungiert als ein Subjekt, dem das Prädikat: „lieben“ zugeschrieben wird. Das evoziert nun die Nachfrage, die zur Klärung dieser Aussage notwendige: Liebt Gott notwendig, kann er nicht anders als zu lieben oder ist es ein kontingentes Geschehen, daß er also freiwillig liebt, daß er also auch freiwillig nicht lieben könnte? Wenn nun die Liebe des Menschen zu Gott und zu den Menschen als die Condition anzusehen ist, daß Gott einen Menschen liebt, dann kann diese Liebe keine notwendige sein, daß Gott völlig unabhängig davon, ob ein Mensch liebt, ihn liebt und immer lieben wird.

Aber in der Aussage wird das Lieben Gottes nicht prädikativ verwendet, sondern als eine, oder gar die Wesensbestimmung Gottes selbst. Damit steht die Theologie vor einer der schwierigsten Aufgaben, zu durchdenken, was das Wesen Gottes ausmacht. Dem Menschen, wie auch allen Geschöpfen Gottes ist durch Gott eine ihm und allen eigene Natur vorgegeben, dem Menschen seine menschliche Natur, zu der er sich dann noch reflexiv verhalten kann: Der Mensch kann sich bejahen als das, wozu ihn Gott erschaffen hat, erst Mal seine Natur oder er kann sie verneinen, indem er entweder mehr als ein Geschöpf Gottes sein will oder weniger. Aber stets liegt ihm seine Natur voraus zu der er sich dann sekundär kontingent verhalten kann. Diese Natur ist die Idee Gottes vom Menschsein und geht so ante rem seiner Existenz voraus. Aber die Idee des Menschen hat Gott selbst kontingent hervorgebracht, denn er hätte dem Menschen auch eine andere Natur zudenken können. Die ideele Welt, das Glaubensbekenntnis subsumiert sie unter die unsichtbare Welt, ist so von Gott verschieden, wie Gott als das Subjekt von dem verschieden ist, was er hervorbringt als von ihm Gedachtes, seinen Ideen.

Verhält sich nun Gottes Natur zu seinem Tuen wie es beim Menschen sich verhält: Sein Sein geht seinem Tuen voraus,wenn dabei unter dem Sein nicht das pure Seien sondern ein bestimmtes Sein, die Natur Gottes bzw die Natur des Menschen gedacht wird? Dann würde Gott wie ein kreatürliches Seiendes gedacht, also univok und nicht analog, ähnlich= analog und nicht gleichartig= univok. Die Natur des Menschen ist die Idee Gottes vom Menschsein, die jeder Einzelexistenz des Menschen zugrunde liegt, aber wie könnte nun Gott gedacht werden als ein Subjekt, dem seine eigene Natur genauso zugrunde liegt und zu der er sich dann nur noch reflexiv verhalten könnte wie ein Mensch?

Omnes determinatio est negatio, diese philosophische Erkenntnis kann und darf auch die Theologie nicht mißachten. Die Natur Gottes, das was ihm dann als zugrunde liegend gedacht würde, wäre als eine bestimmte eine Einschränkung Gottes: Sie besagt, indem sie aussagt, was Gott ist, was er alles nicht ist, weil er ein bestimmtes Sein ist. So würde Gott wie ein Mensch als ein Geschöpf gedacht, als eines das bestimmt ist und nicht durch sich selbst bestimmt ist. So kann aber Gott nicht als Gott gedacht werden.

Gott ist die Liebe“ muß also als das Ergebnis des göttlichen Selbstbestimmungsaktes gedacht werden: Er hat sich dazu bestimmt, die Liebe zu sein. So wird Gott als causa sui gedacht. Gott setzt somit eine Ordnung der Liebe, in der er sich selbst positioniert. In dieser Ordnung gilt nun die Aussage:“Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.”1.Johannes 4,16b. Nicht ist Gott so die Liebe,daß er von seiner Natur aus jeden Menschen lieben müßte, gleichgültig wie er sich dem Menschen gegenüber verhält.

Corollarium 

Eingedenk Heraklits These:„Der Krieg ist der Vater aller Dinge, aller Dinge König; die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“ könnte man es so denken: Erst durch das Setzen von Differenzen, das etwas nur etwas ist, indem es etwas anderes nicht ist, entsteht bestimmtes Seiendes. Wenn Gott völlig unbestimmt wäre, wäre er weder für sich selbst noch für andere erkennbar, im Sinne Plotins wäre Gott das völlig Unerkennbare. Indem Gott sich aber selbst erkennt bestimmt er sich in diesem Akt zu etwas, zu seinem Gottsein und setzt damit die Differenz zu allem, was nicht Gott ist.  Den Krieg deute ich hier als das Setzen von Differenzen, daß alles, was ist, nun nur etwas ist, indem es nicht so ist wie alles andere: "Ich bin ich, weil Du nicht ich bin!"

In dem Wikipediaartikel "Das Eine" wird die neuplatonische Position und damit auch Plotins vortrefflich charakterisiert:

"Wegen seiner absoluten Einfachheit bildet das absolut transzendente Eine den äußersten Gegensatz zum Differenzierten und Mannigfaltigen. Es kann keine Unterscheidung enthalten, weder eine Zweiheit noch sonstige Pluralität. Jede Aussage, die eine positive Bestimmung darstellt, widerspricht dem absolut undifferenzierten Charakter des Einen, denn jede positive Bestimmung impliziert einen Unterschied, einen Gegensatz und damit Nicht-Einheit. Man kann nicht einmal wahrheitsgemäß aussagen, dass das Eine „ist“, denn das Sein als Gegenteil des Nichtseins oder das vollkommene Sein im Gegensatz zu einem geminderten Sein setzt bereits eine Unterscheidung voraus und damit etwas, was dem Einen nachgeordnet ist. Das Eine ist „überseiend“, es transzendiert das Sein. Es ist kein „Etwas“.

Als höchste Instanz nimmt dieses Eine im Neuplatonismus die Stellung ein, die in religiösen Systemen Gott bzw. der obersten Gottheit zukommt. Wegen seiner absoluten Bestimmungslosigkeit und seiner Seinstranszendenz dürfen ihm aber keine göttlichen Merkmale zugeschrieben werden. Daher ist sogar die Identifizierung des Einen mit dem Guten aus neuplatonischer Sicht nur unter einem bestimmten Gesichtspunkt angebracht. Wenn das Eine aus der menschlichen Perspektive betrachtet wird, erscheint es als etwas Höheres und damit Gutes und kann daher als „gut“ bezeichnet werden. An und für sich ist es aber auch von dieser Bestimmung frei. Genau genommen ist es weder gut noch schlecht, sondern jenseits solcher Begrifflichkeit."

Ich möchte vorschlagen, das Verhältnis des "Eines" zu dem "Nous" bei Plotin als ein den Übergang vom Einen zum Nous als den Selbstbestimmungsakt Gottes zu rekonstruieren.