Was an einer katholischen Hochschule nicht mehr gelehrt werden darf!
Kathpress Österreich beglückte ihre Leserschaft am 4.9.2026 mit dieser Botschaft: „Heiligenkreuz: Theologen begrüßen Ausschluss von P. Waldstein“. Innsbrucker Theologin Quast-Neulinger: "Integralistische Positionen widersprechen klar der katholischen Lehre und dem rechtlichen Rahmen eines demokratischen Verfassungsstaats" - Dekan Winkler: Handeln von Rektor Klausnitzer zu begrüßen“.1
Den Anlaß zum Lehrverbot in „Heiligenkreuz“ bot die Behauptung, dieser Pater habe sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. Faktisch jubelt der linksliberale Katholizismus aber darüber, daß „integralistische Positionen“ nicht mehr an einer katholischen Hochschule gelehrt werden dürfen, Statt argumentativ sich mit solch einer theologischen Position auseinanderzusetzen, ist man begeistert von einem Lehrverbot. „Österreichische Theologinnen und Theologen zeigen sich erleichtert über die Beurlaubung von P. Edmund Waldstein als Lehrender der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz.“
Warum? Weil der Integralismus eine Gefahr für die Demokratie und deswegen auch eine Gefahr für die Kirche sei! „Die wachsenden amerikanisch-europäischen Netzwerke von Integralisten, zu denen zentral auch Waldstein zählt, würden eine "Gefahr dar für Demokratie und Kirche" darstellen, erklärte Quast-Neulinger.“
Damit avanciert das Bekenntnis zur Demokratie im Geiste des Liberalismus zum Glaubensgut der Kirche. Besonders wird dabei das Gemeinwohlverständnis des Integralismus verurteilt.
Übersicht mit KI
„Der katholische Integralismus ist eine antimodernistische Strömung, die fordert, dass die katholische Kirche und ihre Glaubenslehre das gesamte öffentliche und politische Leben eines Staates bestimmen.
Kernmerkmale
Keine Trennung von Staat und Kirche: Der Staat soll den >rechten Glauben< aktiv fördern und sich der moralischen Autorität der Kirche unterordnen.
Ablehnung des Liberalismus: Säkularismus, religiöse Pluralität, Demokratie und individuelle Grund- oder Freiheitsrechte werden oft kritisiert oder abgelehnt.
Gemeinwohl-Definition: Das staatliche Gemeinwohl wird strikt an das katholische Seelenheil gekoppelt.“
Das heißt im Klartext: Indem die Lehre des Integralismus reprobiert wird, wird die gesamte Lehre der Verhältnisbestimmung von der Vernunft und der Offenbarung, der Natur und der Gnade wie daraus resultierend die Verhältnisbestimmung von der Kirche zum Staat der Katholischen Kirche verworfen und als allein selig machend die Ideologie des Liberalismus mit seiner Forderung der strikten Trennung von Staat und Kirche als wahr beurteilt.
Das Gemeinwohl, was das sei und wie es zu realisieren sei, habe nichts mit der Offenbarung Gottes und seinen Geboten zu tuen, hier sei die Vernunft ausschließlich zuständig und nicht durch offenbarte Wahrheiten ergänzungsbedürftig. Die Freiheitsrechte dürften so auch nicht eine Begrenzung durch die Gebote Gottes erleiden. Hierbei steht das „Freiheitsrecht“ auf die Kindestötung im Mutterleibe, die Rechtmäßigkeit der Homoehe und das Selbstbestimmungsrecht der sexuellen Orientierungswahl und des Geschlechtes im Zentrum der antiliberalen Kritik: Das dürfe nicht kritisiert werden im Namen eines Integralismus!
Daß der Staat nicht die wahre Religion, die katholische fördern und für die Wahrheit der Morallehre der Kirche nicht eintreten dürfe, ist eine Totalkapitulation der Kirche, die aber seit den Kampftagen des Modernismus auf der Tagesordnung des linksliberalen modernistischen Katholizismus ganz oben steht. All das, was die Kirche in ihrem „Nein“ zum Modernismus gelehrt hatte, ist somit nun zur wahren Lehre der Kirche avanciert! Dazu gehört auch die strikte Verneinung des Naturrechtes, für die noch Papst Benedikt zum Mißfallen aller Modernisten gar im deutschen Parlament sich einsetzte.
4 verschiedene Verhältnisbestimmungen von der Kirche zum Staate existieren in der christlichen Religion: Die Katholische Kirche lehrt den Primat der Kirche über den Staat eingedenk der Verhältnisbestimmung von der Vernunft und der Offenbarung, der Natur und der Gnade und der Notwendigkeit, die endlichen Ziele den unendlichen, dem Seelenheil zu subordinieren. Die anglikanische lehrt die Subordination unter dem Staate, in der Moderne versteht sich diese Kirche als ein der Gesellschaft untergeordnetes Subsystem. Die lutherische vertritt eine Aufgabenaufteilung, daß die Kirche für das Seelenheil und der Staat für das weltliche Regieren dasei. Die orthodoxen,daß die Kirche und der Staat symphonisch miteinander zu regieren haben.
Faktisch übernimmt der linksliberale Katholizismus die genuin lutherische Verhältnisbestimmung mit dem besonderen Anliegen der Apologetik der Regierungen gegen jede Kritik. Unsere Demokratie sei eben die allerbeste aller denkbaren Staatsformen und müsse so gegen jede Kritik verteidigt werden, jetzt isb gegen Rechts. Die Religion und gar die Offenbarungswahrheiten hätten so im politischen Diskurs nichts zu suchen. Stattdessen sei das Fundament des modernen Staates allein die Vernunft, die sich in der Ideologie der Menschenwürde und der Menschenrechte manifestiere, die so die christliche Religion als die einstig öffentliche Religion Europas substituiere.
Die Aufgabe der Kirche reduziere sich somit darauf, diese Ideologie zusätzlich durch den Glauben an den jeden Menschen bejahenden Gott zu unterstützen und gegen jede Kritik zu verteidigen. Das Konstrukt der Menschenrechte soll dabei die Gebote Gottes und die der Kirche ersetzen und so die Emanzipation des Bürgers von der Religion erwirken, der nur noch als ein Privatmensch, als Privatiere religiös sein darf.
Ein Supplement:
"Waldstein hat in einem Eintrag vom 3. Mai 2025 auf seinem Blog „Sancrucensis“ klargestellt, dass er die Todesstrafe für Häretiker heute nicht gutheißt. Er räumt ein, dass er in der Verteidigung der Lehren früherer Epochen „manchmal zu weit gegangen“ sei, „wenn es um die Anwendung der Prinzipien ging.“ Das betreffe auch die Verteidigung der Lehre von Papst Leo X. zur Todesstrafe für Häretiker. Heute sieht er das anders: „Ich unterstützte voll und ganz, dass das päpstliche Lehramt die Anwendung der Todesstrafe allgemein und die Bestrafung von Häretikern durch die weltliche Gewalt heute ablehnt“, schreibt er wörtlich." Kath net, 9.9.2026, Kritik von Theologen an der Beurlaubung von P.Edmund Waldstein.
1Ob ein Zusamenhang zwischen der von Papst Franztiskus angeordneten Visitation von „Heiligenkreuz“ und dem Lehrverbot besteht, ist nicht eindeutig erkennbar, aber dürfte vermutet werden: Dies Kloster ist eben zu katholisch!