Eine Welt voller Confusionen – was ist eigentlich ein Gottesdienst?
Die elementarste Erklärung des Phänomens des Gottesdienstes ist wohl diese: Ein Gottesdienst ist die Verehrung eines oder vieler Götter in der Hoffnung, daß der oder die so Verehrten den sie Verehrenden Gutes erweisen werden als die Antwort auf ihre Verehrung. Wird Gott oder die Götter nicht geziemend verehrt, ist dagegen mit einer negativen Reaktion zu rechnen.
Woher weiß man nun, wie der Gott oder die Götter zu verehren sei. Irgendwie muß letztendlich das Wissen um die rechte Verehrung auf Gott oder die Götter selbst zurückgeführt werden, einfach durch Erzählungen, daß der Gott in bestimmter Weise dargebrachte Opfer annahm, sich darauf gnädig den Verehrenden erwies.
Man mag nun noch so sehr das Besondere und Einzigartige der christlichen Religion betonen, wenn es eine Religion ist, gilt das hier Geschriebene auch für sie.
Könnte die Krise der Kirche und der christlichen Religion daher rühren, daß dies Elementare des Gottesdienstes vergessen worden ist, daß man heute den Gottesdienst primär als eine Veranstaltung für uns Menschen als eine Bildungs- oder Unterhaltungsveranstaltung ansieht? Auf der Bühne früher der heilige Raum des Altares wird etwas aufgeführt, von möglichst vielen Akteuren, damit die Veranstaltung keine Ein-Mann- Unterhaltungsshow ist,damit, wenn sie gefällt, das Publikum zum Schluß applaudiert, wenn die Veranstaltung ihm gefiel.
Vielleicht offeriert dabei der Prediger originelle zum Nachdenken anregende Gedanken,vielleicht entsteht auch eine religiöse Stimmung um die Eucharistiefeier herum, aber es ist eine Veranstaltung ohne Gott, in der höchstens noch über ihn gesprochen wird, aber nicht mehr zu ihm und schon gar nicht mehr von ihm her zu uns hin.
Man beachte ein mal, zu wem die Gebete im Gottesdienst gesprochen werden? Zur Gemeinde hin, durch ein Mikrophon, damit das Gebet gut bei den Hörern ankommt!
Aus der dreigliedrigen Struktur: der im Tabernakel gegenwärtige Sohn Gottes im Hochaltar, der Priester, der zwischen ihm und der Gemeinde vermittelt und der Gemeinde wird eine zweigliedrige: der Priester und die Gemeinde. Der Volksaltar vermittelt nicht mehr zwischen Gott und der Gemeinde sondern der Priester wirkt von ihm her nur noch zur Gemeinde. Gerade die aus dem Tabernakel entnommenen Hostien, die der Priester dann vom Altar her der Gemeinde austeilt, zeigt diese Vermittelungsstruktur.
Der Gottesdienst, wie wir ihn heute in seiner Reinform im Protestantismus erleben, entstammt der Zeit des babylonischen Exiles, als die Exilierten dort keinen Gottesdienst feiern durften, der durfte nur in der dazu erwählten Staat stattfinden, und als Surrogat ein Wortgottes“dienst“ konstruiert wurde, der der Belehrung des Volkes diente: „Warum sind wir von Gott mit dem Exil bestraft worden und was sollen wir nun tuen als unsere Abkehr von unseren bisherigen Sünden?“ Nach der Rückkehr nach Jesrusalem und dem Neubau des Jerusalemer Tempels hielten die im Exil Verbliebenden an diesem Surrogatsgottesdienst fest als den Synagogengottesdienst.
Die Kirche synthetisiere dann den Synagogengottesdienst als die Vormesse mit der Eucharistie, dem kirchlichen Meßopfer als der Prolongierung des Tempelkultes. Man könnte das so formulieren: Das Urbild des wahren Opfers, des Kreuzaltarofers bildet sich vorab im Tempelkultopfer ab und bildet sich nach im kirchlichen Meßopfer. Das urbildliche Opfer ist somit die Substanz jedes wahren gottgefälligen Opfers.