Samstag, 27. Juni 2026

Stellt die Menschenwürde das Zentrum der christlichen Religion dar?

 

Stellt die Menschenwürde das Zentrum der christlichen Religion dar?



Das Narrativ der Kaprizierung auf die Menschenwürde wird schöpfungstheologisch fundiert: Da Gott der Schöpfer aller Menschen sei, er sie gar als sein Ebenbild erschaffen habe, gälte dem Menschen eine ihm eigene Würde.Daraus wird dann direkt deduziert, daß die Kirche vorrangig sich um die Menschenrechte zu engagieren habe, isb für solche Menschengruppen, denen die Anerkennung ihrer Würde teilweise oder fast vollständig verwehrt würde. Das wären nun die Frauen, die in der Katholischen Kirche immer noch diskriminiert würden und das LGBTQ-Klientel und die „Flüchtlinge“. Im Prinzip würde aber die westliche Gesellschaft mit ihrer Demokratie und dem Rechts- und Sozialstaat der Menschenwürde gerecht werden im Kontrast zu den autoritär- despotisch regierten Ländern, denen so die Feindschaft zu erklären sei: Rußland, China, dem Iran usw.

Stimmt das aber auch? Als erstes ist zu kritisieren, daß die große Erlösungsgeschichte (vgl Lyotard über die großen Erzählungen) der christlichen Religion, vom Fall des Menschen und wie er durch Jesus Christus erlöst wird und wie dabei die Kirche mitwirkt, völlig ausgeblendet wird. In Jesus bestätigt Gott nur seine Liebe zu allen Menschen, da er ihr Schöpfer ist. Darüber hinaus lehrten alle monotheistischen Religionen die Liebe des Schöpfergottes zu allen Menschen, sodaß jede Missionierung unter den monotheistischen Religionen sinnwidrig sei.

Im Zentrum des Alten Testamentes steht aber nicht Gott als der alle seine Geschöpfe liebende Schöpfergott sondern der Gott, der das Volk Israel zu seinem Volke erwählte und für den die anderen Völker die nichterwählten sind. Sein Volk errettete er aus dem ägyptischen Sklavenhaus,das ägyptische Volk schlug er mit entsetzlichen Plagen, er tötete die Kinder Ägyptens. Der Apostelfürst Paulus predigt über die Wohltaten Gottes für sein Volk: Sieben Völker hat Gott im Lande Kannaan vernichtet und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben.“ Apg 13,19. Wie könnte dieser siebenfache Genoizid mit dem Glauben an den alle Menschen liebenden Gott vereinbar sein? Nicht die Allliebe Gottes bestimmt das Alte Testament sondern die Differenz zwischen dem erwählten Volke und den nichterwählten. Darüber hinaus: Wie ist es mit der Liebe Gottes zu allen Menschen vereinbar, daß er in der Sintflut die ganze Menschheit ausrottete, acht Gerechte in der Arche Noah ausgenommen?

Im Neuen Testament steht nun Jesu Christi Verkündigung des Reich Gottes im Zentrum mit der Frage: Wer wird in dieses Reich eingehen und wer nicht? So komplex nun diese Frage beantwortet wird, nie lehrte Jesus, daß jeder Mensch als notwendige und hinreichende Eintrittsbedingung auf sein bloßes Menschsein verweisen bräuchte.Wenn Jesus Christus (Mk 16,16) verkündet, daß jeder der glaubt und getauft ist, in das ewige Leben eingehen wird, der Nichtgläubige aber verdammt wird im Endgericht, dann ist das unvereinbar mit der Menschenwürde und isb den Menschenrechten, denn selbst Gott dürfte keinen Menschen ob seines Nichtglaubens diskriminieren.

Das Zentrum der Verkündigung Jesu Christi verschwindet ganz wegen der Kaprizierung auf den jeden Menschen bejahenden Schöpfergott und der sozialdiakonischen Praxis des Eintretens für die Menschenrechte. Das Projekt der Humanisierung der Welt ersetzt so die Reich Gottes Verkündigung Jesu. Prinzipieller: Für die christliche Religion gilt der Mensch als erlösungsbedürftig,  somit auch als ein Zuüberwindender, daß er ein neuer Mensch in Christo werde und nicht daß Gott ihn so bejahe wie er ist als "Alter Adam"!

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Freitag, 26. Juni 2026

Eine Welt ohne Grenzen – ein gemeinsames Projekt der Linken und der Katholischen Kirche?

 

Eine Welt ohne Grenzen – ein gemeinsames Projekt der Linken und der Katholischen Kirche?


Slavoj Zizek enthüllt in seinem Buch:“Der neue Klassenkampf“ die neue Revolutionsstrategie der Linken, nachdem sie ihre Hoffnung auf das revolutionäre Subjekt der Arbeiterklasse endgültig, desillusioniert aufgegeben hatten:“Nur eine wirklich große Anzahl von Flüchtlingen(mitsamt ihrer Enttäuschungen,da Europa ihre Erwartungen offensichtlich nicht erfüllen kann) könne die radikale europäische Linke wiederbeleben.“1

Es soll nun der Gedankengang, der diese Revolutionsstrategie hervorgebracht hat, rekonstruiert werden. Am Anfang war der Wille Linksintellektueller, daß die modern bürgerlich - kapitalistische Gesell-schaftsordnung überwunden werden müsse. Das verband sich mit der Einsicht, daß die Gruppe der Linksintellektuellen auf sich allein gestellt, der Aufgabe einer revolutionären Überwindung dieser Gesell-schaftsordnung nicht gewachsen sei. Wer kann dann das revolutionäre Subjekt sein, wenn es nicht der aufgeklärte Bürger sein kann,und nicht eine neue Intellektuellenherrschaft in einer Entsprechung zu dem Konzept einer Priesterherrschaft? Der Marxismus gab darauf die Antwort, die die Linke bis 1989 im Wesentlichen zustimmte. Der Klassenkampf sollte dabei das Mittel sein, durch das die Revolution schlußendlich siegen würde. Zu beachten ist hierbei, daß die Gründe, warum die Linksintellektuellen das Ende der bürgerlichen Gesellschaft herbeisehnten und die Gründe, warum die revolutionäre Arbeiterklasse den Kapitalismus überwinden möchte, nicht a priori identisch sind.

Wer könnte nun als ein Ersatz für die Arbeiterklasse als das revolutionäre Subjekt fungieren? Der Widerspruch zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie wird nun substituiert durch den zwischen den ausgebeuteten Völkern und den sie imperialistisch ausbeutenden Völkern. Die „Flüchtlinge“ sind nur Vertreter der ausgebeuteten Völker, die nun in Europa und Amerika die „Ausbeuter“ selbst „ausbeuten“ wollen, indem sie einen Anteil an dem Reichtum der „Ausbeuter“ für sich zurückfordern da unser Reichtum doch nur deren „Ausbeutung“ erwirkt sei. Die individuelle Rückgewinnung des ihnen eigentlich gehörenden Reichtumes der westlichen Länder würde sich dann in eine politische Revolution radicalisieren, in der die bürgerlich- kapitalistische Gesellschaft zerstört würde.

Damit transformiert sich der Klassenkampf in einen zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden Völkern. Er wird zu einem ethnischen Konflikt. Diesen Wandel kritisiert nun der in diesem Punkte eher traditionalistische Linke Zizek in diesem Buch.Seine Kritik fundiert er mit diesem Leninzitat, das wirklich bedenkenswert ist:“Die Methode der sozialistischen Reolution unter der Losung >Fort mit den Grenzen< ist völlige Konfusion.“ „Wir vertreten die Notwendigkeit des Staates,der Staat aber setzt Grenzen voraus. Zum Staat kann natürlich eine bürgerliche Regierung gehören,während wir Sowjets brauchen. Aber auch für diese besteht die Frage der Grenzen. Was heißt >Fort mit den Grenzen<? Hier beginnt die Anarchie.“2

Die Forderung nach der Auflösung aller Grenzen zerstört die Ordnung des Staates und verwandelte die Welt so in eine Anarchie.Daß diese Erkenntnis der Revolutionär Lenin erfaßte, zeigt seine Größe. Die postmarxistische Linke dagegen will die Anarchie als die Zerstörung jeglicher staatlicher Ordnung. Indem sie die Ordnung des Staates zerstören will,will sie auch die Zerstörung der Ordnung der Völker. Sie revoltiert so gegen die Schöpfungsordnungen Gottes.


Aber wie konnte es nun dazu kommen, daß jetzt postmarxistische Linke mit der Kirche zusammen faktisch die Ordnung des Staates nichten wollen? Ein Staat der offenen Grenzen liquidiert sich ja selbst.


Meine vorläufige These dazu lautet: Die Katholische Kirche hat sich dem Humanitarismus zugewandt und dabei die Gehalte der christlichen Religion aufgegeben. Zu diesem Humanitarismus als dem Glauben an den guten Menschen gehört auch die Vorstellung einer herrschaftsfreien Weltgesellschaft, die nur noch aus vernünftigen Menschen bestünde ohne eine Volks- und Geschlechtszugehörigkeit, ohne eine sie beanspruchende Religion , daß es nur noch atomisierte Menschen gäbe, die sich alle wechselseitig als gleiche bejahten.


1Zizek, Der neue Klassenkampf, 2020, S.88.

2A.a..O. S.95.


Donnerstag, 25. Juni 2026

Auf Rom hören und das Gegenteil tuen- die neue Praxis der „Synodalkirche“

 

Auf Rom hören und das Gegenteil tuen- die neue Praxis der „Synodalkirche“


Kath de überbrachte am 23.6.2026 die Hiobsbotschaft: „Vatikan gibt keine Erlaubnis zur Laienpredigt in der Messe“, um am gleichen Tage ergänzend zu melden: „Abgelehnte Erlaubnis für Laienpredigt stößt auf negative Reaktionen“.Damit hat wiederum der Vatican dem Einstieg in die Einführung in das Fraunpriestertum die „Rote Karte“ gezeigt: Erst läßt man die Laien und isb die Frauen in der hl.Messe predigen, um dann zu proklamieren: Wenn Frauen schon in der Messe predigen dürfen, dann müßten sie auch der Eucharistie vorstehen können.

Wenn einem Fußballspieler die „Rote Karte“ von dem Schiedsrichter gezeigt wurde, muß der Spieler das Spielfeld verlassen und er gehorcht auch.Kein Fall einer Insubordination ist in der Geschichte des Fußballspieles bekannt geworden. Ganz anders verhält sich nun die neue „Synodalkirche“ Deutschlands. Das Laien- ZK „erwartet von den Oberhirten dennoch eine Sonderregelung für Laien.“ 1Das heißt im Klartext: Laien dürfen weiterhin in den hl.Messen predigen. Ob das ZK schon gänzlich die Macht in der Kirche erobert hat, ist noch nicht eindeutig beantwortbar aber die Machtübernahme wäre gelungen, akzeptierte der Vatican die neue Kirchenordnung, wie sie der „Synodale Weg“ beschlossen hat.

Am 24.6.2026 ergriff dann ein Pastoraltheologe wider den Vatican das Wort: „Pastoraltheologe: Vatikanabsage hilft nicht gegen Klerikalismus“:Dieser Pastoraltheologe, also ein Marketingexperte „äußerte die Hoffnung, dass das Vatikan-Verbot keine Auswirkungen auf den Gemeinde-Alltag habe. >Denn ich hoffe, dass mit dieser römischen Intervention in vielen Gemeinden genauso umgegangen wird, wie es bereits mit dem Predigtverbot von 1988 geschehen ist: Man hört Rom und geht dennoch in ungekündigter Verbundenheit mit der Weltkirche mit guten Gründen und im Vertrauen auf den schöpferischen Geist im Heilsplan Gottes einen anderen Weg.<"

Das Hören auf Rom wird hier nun auf das Grotesktete in sein Gegenteil verkehrt: Hören heißt nun das Gegenteil vom Gehörten zu tuen! Unter der ungekündigten Verbundenheit mit der Weltkirche wird nun verstanden, daß die deutsche Synodalkirche macht, was sie will und nennt das einen „anderen Weg“.

Größte Beliebtheit unter Häretikern, Apostaten und Schismatikern erfreut sich dabei der Rekurs auf den „Heiligen Geist“, der dem Heiligen Geist, der die Kirche nun 2000 Jahre führt, widerspricht. Dieser „Geist“ sei ein schöpferischer, das meint einer, der wie einem Politiker erklärt: „Was schert mich mein Geschwätz von Gestern!“ 2000 Jahre lang hat also der Heilige Geist nicht erkannt, daß die Laien und isb die Frauen das Recht hätten, in der Messe zu predigen, aber jetzt ist ihm dieser fatale Irrtum aufgefallen und er korrigierte seinen groben Irrtum, indem er nun den Synodalen diese Kurskorrektur offenbarte. Daß das so neu Offenbarte identisch ist mit den Erkenntnissen des vorherrschenden Zeitgeistes, irritiert solche progressiven Charismatiker nicht.


Eine Frage stellt sich mich nun: Wenn nun der feministische Suffragettentraum sich nicht erfüllt,daß die ersten Laienpredigerin wortgewaltig von den Kanzeln herab das Kirchenvolk aufklären, daß die armen Frauen nun 2000 Jahre lang in der Kirche unterjocht worden seien sondern predigten, daß das Glück einer Frau in der Liebe und dem Familienleben bestünde, wer von den Befürwortern der Laienpredigt würde dann noch die Laienpredigt in der Kirche gutheißen? Begründet sich die Forderung, daß die Laienpredigt in der Messe zu erlauben sei, nicht mit der Annahme, daß die Laien im Vergleich zu den Priestern liberaler, progressiver seien und so zeitgeisterfüllt predigen werden? Laien, die gemäß der Lehre der Kirche predigen würden, sind sicher unerwünscht.


Selbstredend ist das Endziel des Kampfes um die Laienpredigt in der Messe die Auflösung der hierarischen Struktur der Kirche, aber man sollte deswegen Näherliegendes nicht gänzlich aus den Augen verlieren, die einfache Marketingstrategie, daß von Frauen angepriesene Produkte, und eine Predigt ist ja auch nichts anderes als ein Verkaufsprodukt,wenn sie denn attraktiv sind, sich gut verkaufen lassen. Ziehen etwa attraktive Frauen mehr Männer in den Gottesdienst, wenn sie dann da predigen? Wären dann etwa Pfarrer, die heiraten dürfen, auch attraktiver für Frauen? Aus pastoraltheologischer Perspektive sind das sehr wohl bedenkenswerte Überlegungen! 

Zusatz

In einer (post)modernen Gesellschaft mit ihrer hochgradigen Arbeitsteilung stellt die Forderung nach einer Laienpredigt einen Anachronismus dar oder was wäre von der Forderung zu halten, daß die Gäste in einem Speiserestaurant selbst mitkochen sollen, damit die Speisen ihnen mehr munden? 



1Kath de am 23.6.2026:Abgelehnte Erlaubnis für Laienpredigt stößt auf negative Reaktionen.


Mittwoch, 24. Juni 2026

„Was bleibt,wenn der Glaube schwindet?“ Eine Bankrotterklärung

 

Was bleibt,wenn der Glaube schwindet?“ Eine Bankrotterklärung


Eine Sonderausgabe des „Publik Forums“ stellte diese sich diese Frage und offenbarte dabei ihr völliges Unverständnis der christlichen Religion.1 Der Beitrag: „Wenn das religiöse Erbe verschwindet“2leistet wahrlich einen Offenbarungseid,wobei die Äußerungen des da zitierten pensionierten Religions- und Geschichtslehrers „Karl“ eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. „Der Mensch von heute braucht die Kirche nicht mehr“,tönt es.3Der Mensch von heute“ besitzt hier eine normative Bedeutung, und ist so nicht einfach deskriptiv gemeint.

Wichtger als die Kirche und wohl auch die Religion sei: „dass die Kinder und Enkel >gute Staatsbürger< sind, wie er sagt.Ja, der Exreligionslehrer urteilt über seine Kinder und Enkel: „Sie sind gute Menschen“.4Sie bejahten zwar viele christliche Traditionen nicht mehr,aber ein vermittelter christlicher Grundwert sei es doch, zu versuchen „demütig zu sein und andere Menschen gut zu behandeln.“5 „Mitleid,Großherzigkeit und Rücksicht6nahme“sollen dann als weitere christliche Tugenden gelten. Dann wird gar eingeräumt, daß dieser pensionierter Religionslehrer sogar ein bißchen damit sympathisiere,“dass sich die Enkel von der Kirche abwenden.denn ihm ist sie zu unbeweglich und frauenverachtend.“ 7

Zustimmend wird der Pädagoge Christof Horst zitiert: „Das Beste für ein Kind ist,ihm beizubringen, selbst zu denken.“8 Die christliche Religion ist also in der 3.Generation fast völlig verschwunden, außer diesen Fragmenten und das obzwar anfänglich die Familie eine religiös praktizierende war. „In der Familie Hoffmann jedenfalls wird wenig über Gott gesprochen.“Ist das wirklich nur als eine deskriptive Aussage gemeint oder klingt da nicht ein präskriptiver Unterton mit: So ist es auch richtig für eine moderne Familie? „Werte ja, Glaube nein!,9das könnte als das Resümee des Was vom Glauben übrigbleibt, benannt werden. Das sei >eine ganz normale Erscheinung der Zeit,nicht eine persönliche Verantwortung“ wird dann auch noch resümiert.10

Der Strom der Zeit stellt eben einfach den christlichen Glauben in das Abseits und läßt als seine Konkursmasse nur noch ein paar gutbügerliche Tugenden übrig.

Der darauf folgende Artikel: „An Einhörner glauben“ stellt fest, daß es in der kindlichen Entwickelung zwei Phasen der Gläubigkeit gäbe.11 Anfänglich glaube man an Einhörner , Dinosaurier und Märchenprinzen. Darauf folge ein anderer Glaube:“dass die Welt im Kern gerecht ist. Dass die Leute in politische Ämter gewählt werden,die das Beste für alle wollen.Dass die Bösen am Ende im mer den Guten unterlegen sind.“ Aber als D,Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde und ob ihres Nachdenkens über Auschwitz löste sich auch dieser Glaube auf. Jetzt bliebe nur noch dies: „Wir müssen weiter hoffen,weiter demonstrieren,weiter darüber sprechen, wie die Welt war,wie sie ist und wie wir sie uns für die Zukunft wünschen.“ Nichts ist hier mehr von der christlichen Religion und dem Glauben übriggeblieben!

Die weiteren Artikel erspare ich meinen Lesern, nur dies Bekenntnis einer evangelischen Theologen sei zur Abschreckung zitiert: „Ich verstehe Religion als das, was aufbricht, wenn Menschen Sinnfragen stellen.“12


Kein Mal fand ich in dieser Sonderausgabe den Namen Jesus Christus oder irgendeinen christlichen Gehalt erwähnt!Die christliche Religion gilt faktisch als nicht mehr vermittelbar.



1Publik Forum.Sonderdruck, 11.2025.

2A,a.O, S.3-6.

3A.a.O. S.5.

4A,a,O. S,5.

5A.a.O.S.5.

6A.a.O.S.5.

7A,a.O. S.4.


8A:a.O: S:$:


9A.a.O. S.5

10A.a.O. S.5.

11A.a.O.S.7.

12A.a.O, S.16.

Dienstag, 23. Juni 2026

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel

 

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel


Man möge sich ein Mal vorstellen, daß ein Lehrer den Unterschied zwischen einem „Trabant“ (Trabi) und einem Mercedes erklären wollte, ohne zu klären, was denn ein Auto(mobil) sei. „Was das Autosein des Autos ausmache, das sei viel zu kompliziert und zu abstrakt für die Schüler,es falle ihnen leichter, die sinnlich wahrnehmbaren augenfälligen Unterschiede zu benennen.“

Klingt das absurd, aber nicht in den Ohren der Religionslehrer: Hier will man die christliche Religion vermitteln, ohne zu erklären, was denn die Religion überhaupt sei, um dann die bestimmten Religionen zu erfassen.Ja, es wird sogar ganz auf den Begriff der Religion verzichtet, um zu suggerieren, daß die christliche gar keine sei, auch um sie so vor der Religionskritik zu immunisieren.

Aber wie nicht erklärt werden kann, was ein „Trabi“ ist, eine bestimmte in Ostdeutschland viel gefahrene Automarke, ohne zu klären, was denn ein Auto sei, so wenig kann die christliche Religion vermittelt werden ohne das ein Verständnis, was denn die Religion sei vermittelt wird.

Ich möchte hier Peter Sloterdijks These von der postmetaphysischen Umformung des Christentumes aufnehmend1 die These vertreten, daß diese Art der Vermittelung selbst eine postmetaphysische ist. Denn es ist eine metaphysische Fragestellung, ob alle empirisch vorfindlichen Religion die individuierte Erscheinungen der Religion, der Wesens, der Idee der Religion sind, oder ob es nominalistisch gedacht nur die einzelnen empirisch vorfindlichen Religionen gäbe aus denen abstrahierend dann eine Vorstellung von der Religion als der Substanz aller Religionen konstruiert wird.Ein entmetaphysiertes Christentum erscheint dann als ein sogenanntes „religionsloses Christentum“, wie es in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer genannt wird. Die Vulgärversion stellt das politische Christentum dar, das seine Wesen in dem Kampf gegen Rechts und für die „Klimagerechtigkeit“ erblickt.

Aber die christliche Religion ist als eine Religion erst Mal etwas ganz anderes als ein Weltverbesserunsengagement. Im Zentrum steht die Gottesverehrung, das Wissen, daß unser Wohlergehen in erster Linie von der Gunst Gottes und deswegen von der rechten Gottesverehrung abhängig ist. In diesem Punkte dürften sich unsere frommen germanischen Vorfahren von den frommen Christen nicht unterschieden haben, die Differenz liegt allein in dem Wie der richtigen Verehrung.

Nun könnte viel über die Differenzen der Religionen von mir geschrieben werden, daß sie Gott selbst nicht gleichgültig sind, daß er zwischen der wahren und den falschen Religionen distinguiert, aber das darf erst nach dem, was das Wesen der Religion ausmacht, geschrieben werden.

1Peter Sloterdijk; Nach Gott, 2017.S.228.

Sonntag, 21. Juni 2026

Weiteres aus einem Gespräch mit einer evangelischen Christin

 





 vgl 13.6.2026 Aus Dialogen mit evangelischen Christen

 

Weiteres aus einem Gespräch mit einer evangelischen Christin 

 

Das hat mich gefreut, daß Du geantwortet hast und dann gar noch zustimmend,als wüßtest Du nicht, daß die Reformatoren eine Fürbitte an die Mutter Gottes verworfen haben und alle protestantischen Kirchen ihnen darin gefolgt sind.

Da unser Gespräch so gut anfängt, möchte ich es gerne fortsetzen.

Stelle Dir einmal vor, eine Deiner Töchter heiratete und ihr Zukünftiger erkläre, daß er zwar Deine Tochter heiraten wolle, Dich aber auf der Hochzeit nicht sehen wolle. Was würdest Du dazu sagen und wie würde Deine Tochter reagieren?

Stelle Dir vor, ein Prinz heiratet eine Bürgerliche, gar eine Magd und seine Untertanen erklärten, daß dies eine Mesalliance sei und verweigerten so der einstigen Magd den ihr als einer Prinzessin zukommenden Respekt.

Gott hat Maria zur Mutter seines Sohnes erwählt, sie wurde die Mutter Gottes. Kannst Du Dir vorstellen, daß es Gott und seinem Sohn gefallen könne, wenn sie nicht als Mutter Gottes respektiert und geehrt wird, da sie eine Magd gewesen sei, nun aber die Mutter Gottes ist? Mägde= Dienerin Gottes gibt es viele, aber nur eine ist die Mutter Gottes,

Selbstredend wird Maria nicht wie Gott angebetet sondern so respektiert und verehrt, wie es ihr als die Mutter Gottes zukommt.

Joh 19,26f: Jesus setzt dem Jünger, den er lieb hat, Maria zu seiner Mutter ein und sie als die seinige. Wozu bedurfte er einer Mutter, wenn er doch Gott zu seinem Vater und Jesus als seinen Erlöser hat? So wie Jesus Petrus als den Hirten seiner Kirche eingesetzt hat und nicht urteilte, er selbst genüge als der Hirte, so setzte er Maria als die Mutter des Jüngers ein, den er liebte, damit er nicht mutterlos als ein Halbwaise zu leben habe. Nun glauben wir, daß Jesus nicht nur diesen Jünger liebte sondern jeden Christgläubigen und daß er deshalb jedem Maria zu seiner Mutter eingesetzt hat.

Der terminus technicus dafür ist der der Akkommodation: Gott paßt sich uns an, damit wir ihn verstehen und wir mit ihm kommunizieren können. Da es für uns ein Unglück ist, mutterlos als eine Halbwaise leben zu müssen, gibt er uns eine Mutter, die dann nach ihrer Aufnahme in den Himmel als unsere Mutter im Himmel fungiert. Als solche ehren und respektieren wir sie und wenden uns in all unseren Nöten an sie wie ein Kind sich zu seiner Mutter verhält, denn wir sind ja als Christen Kinder Gottes, der Mutter bedürftig. .

Samstag, 20. Juni 2026

Eine Kritik der Genderideologie

 Ein Auszug aus meinem Buch: Der zensierte Gott

Irrwege -der Genderismus


A. Camus eröffnet sein Kapitel „Die metaphysische Revolte“ mit dem Satz: „Die metaphysische Revolte ist die Bewegung, mit der ein Mensch sich gegen seine Lebensbedingung und die ganze Schöpfung auflehnt. Sie ist metaphysisch, weil sie die Ziele des Menschen und der Schöpfung bestreitet.“1 Um das Besondere der metaphysischen Revolte im Kontrast zur sozialen Revolte zu unterstreichen, fügt er hinzu: „Der Sklave protestiert gegen das Leben, das ihm innerhalb seines Standes bereitet ist, der metaphysisch Revoltierende gegen das Leben, das ihm als Mensch bereitet ist.“2

Wir verstünden den Genderismus völlig falsch, sähen wir in ihm nur eine frauenspezifische soziale Revolte mit dem Ziel einer Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen. Dann wäre die Eröffnung eines Genderzenters durch den EKD-Vorsitzenden Schneider eben nur eine weitere Bereicherung des sozialen Engagements des Protestantismus, das die Katholische Kirche ruhig nachahmen könnte. Nur, wer sich an das unsägliche Antifamilienpapier der EKD erinnert, der wird wohl argwöhnisch fragen: Ist das wirklich so eine unschuldige Sache mit den Genderstudies? Wird hier ein Geist in das Christentum hineingelassen, den, hat man ihn erst mal gerufen, nicht mehr zu beherrschen weiß, den Geist einer metaphysischen Revolte, die das Christentum so völlig zerstört?Der Verdacht ist erlaubt. Sichern wir Spuren und Indizien!


Nicht ab ovo, sondern mit den Grundsätzen des Genderismus soll nun die Erörterung dieses Themas eröffnet werden. Beide Grundsätze stammen von Simone de Beauvoir, der Philosophin des französischen Existentialismus, der Lebensgefährtin Sartres, einer außergewöhnlich talentierten Schriftstellerin. Die Grundsätze lauten: Man wird nicht als Frau geboren sondern dazu gemacht.

Mutterschaft ist heute eine wahre Sklaverei.3 (Es wäre eine eigene Untersuchung wert, den Niedergang des Adels als der einstigen Elite der Völker in einem Zusammenhang mit der in Adelskreisen üblich gewordenen Übergabe der eigenen Kinder von der leiblichen Mutter an Ammen und Gouvernanten zu erörtern.) Auf diesen beiden Grundaxiomen erbaut sich dann die Weltanschauung des Genderismus auf. Darum sollen diese Grundsätze nun diskutiert werden.


1.Der erste Grundsatz


Der erste Grundsatz wird im Genderismus entfaltet durch die Unterscheidung von Gender und Sex als Geschlecht. Das natürliche Geschlecht der Frau wird von dem sozialen Konstrukt des weiblichen Geschlechtes unterschieden. Diese Unterscheidung soll dabei schon der erste Akt der Aufklärung sein, denn es wäre ein Anliegen patriachalistischen Denkens, das gesellschaftliche Konstrukt der Natur der Frau als die Natur der Frau auszugeben. Etwas geschichtlich kontingent Gewordenes würde so zu einer außergeschichtlichen Natur hypostasiert, zum Wesen der Frau. Die Dekonstruktion dieser Natur der Frau, ihres Wesens ist so das erste Anliegen des Genderismus. Als postmoderne Gesellschaft „muß sie alles >Natürliche< als bloßes soziales Konstrukt leugnen“, urteilt Lisson4. Die Frau soll ihrer geschichtlichen Entfaltung entkleidet werden, um so ganz neu eingekleidet zu werden. Nicht ist so das Anliegen des Dekonstruktivismus ein rousseausches „Zurück zur Natur“ als dem wahren und unverdorbenem Frausein, sondern es ist nur die Entkleidung der Frau, damit sie nun sich einkleiden kann. Shopping ist angesagt. Sie soll so neu, frei, selbstbestimmt sich kultivieren. Kultur ist so nicht per se ein Negativum. Nur die patriarchalische Kultur wäre rein negativ. Die sich aus dem Patriachalismus emanzipiert habende Frau soll sich nun erst frei neu erwählen als freies Projekt ihrer Selbstbestimmung. Jedes Rollenbild, jede Vorstellung vom wahren Frausein behindere dabei nur die freie Wahl. Existentialistisch ausgedrückt: Der Wahl der Frau - so will ich sein - dieser ihrer gewählten Existenz geht keine Essenz des Frauseins voraus. Denn jede Essenz limitierte die Freiheit des freien Selbstentwurfes. Darum sollen alle gesellschaftlich bedingten Bilder des Frauseins dekonstruiert werden als Hervorbringungen männlichen Willens der Macht über die Frau. Erst wenn jedes normative Frauenbild aufgelöst ist, entsteht das wahre Reich der Frauenfreiheit: frei sich bestimmen zu können!


Sartre legte diese Grundkonzeption in seinem Essay „Ist der Existentialismus ein Humanismus“ prägnant dar. „Wenn der Mensch, so wie ihn der Existentialist begreift, nicht definierbar ist, so darum, weil er anfangs überhaupt nichts ist. Er wird erst in der weiteren Folge sein, und er wird so sein, wie er sich geschaffen hat. Also gibt es keine menschliche Natur, da es keinen Gott gibt, um sie zu entwerfen. Der Mensch ist lediglich so, wie er sich selbst konzipiert.“5 Ab ovo: Der Mensch ist nichts, das und nur das ist seine Freiheit, denn das meint die reine Unbestimmtheit. Nur aus ihr heraus kann sich der Mensch frei, nämlich willkürlich als Projekt entwerfen. Jede Vorstellung von einer Natur des Menschen ist so ein Angriff auf die menschliche Freiheit. Gäbe es einen Gott, dann bestimmte er das Menschsein, das Wesen des Menschen, und somit wäre er unfrei, weil er nun nicht mehr der Kreator seiner selbst wäre. Der Genderismus transformiert diesen sartreschen Gedanken nun um: Die Frau kann nur frei sein, wenn die Gesellschaft, die patriarchalische ihr nicht mehr vorschreibt, wie sie als Frau zu sein hat. Der Begriff der Natur der Frau wird so rekonstruiert als Akt des Beherrschungstrends des Mannes: er will ihr diktieren, wie sie zu sein hat. Der gesellschaftliche Begriff der Frau, ihre Natur ist so das Produkt einer gesellschaftlichen Konstruktion. Es gäbe zwar eine biologische Grundausstattung der Frau, aber dies biologisch-natürliche Geschlecht dürfe nicht verwechselt werden mit dem sozialen Geschlecht der Frau.


Die Frau ist nichts, bevor sie sich selbst zu etwas entwirft, so würde es Sartre formulieren, ist so gesehen noch radikaler, weil dieser Satz selbst noch die biologische Naturbestimmtheit des Menschseins unterlaufen will. Nebenbei: Offenkundig bildet die ockhamistische Gotteslehre, Gott als vollkommene Willkürfreiheit zu denken als potentia absoluta, den ideengeschichtlichen Hintergrund des sartreschen Freiheitsverständnisses. Begrenzt so die biologische Natur der Frau ihre Freiheit? Genau das bejaht Beauvoir in ihrem zweiten Grundsatz: Mutterschaft ist Sklaverei. Solange die Frau noch Mutter sein will, ist sie noch eingebunden in die Natur und durch diese Einbindung unfrei. Erst wenn sie nicht mehr Mutter sein will, ist sie frei. Und das lebte die kinderlose Beauvoir auch vor! Erst wenn die Frau ihre innere Natur, ihr Berufensein zur Mutterschaft überwindet, ist sie wahrhaft frei. Darum gehört zur feministischen Frauenemanzipation der unbedingte Wille zum Recht des Tötens der eigenen ungeborenen Kinder. Es ist bezeichnend, „dass der erste Staat der Welt, der Abtreibungen legalisierte, Lenins bolschewistisches Russland gewesen war.“6 Der Kampf gegen den einstigen §218 gehört so konstitutiv zum Genderismus dazu. Und in diesem Punkte siegte der Feminismus. Noch nie sind im Namen einer Weltanschauung so viele Menschen getötet worden wie im Namen des Feminismus. Kommunisten und Nationalsozialisten zusammen töteten weniger Menschen als Feministinnen Kinder abtreiben und töten ließen und lassen!

Es gibt einen abgründigen Zusammenhang zwischen Sartres Rechtfertigungsversuchen des stalinistischen Terrors und des Jas der feministischen Beauvoir zum Kindermord, zur Abtreibung verharmlost. Somit ist der Feminismus gerade in seiner genderistischen Ausgestaltung eine metaphysische Revolte gegen die Natur der Frau. Aber es ist auch ein Aufstand gegen das Leben: Werden keine Frauen mehr Mütter, stirbt das menschliche Leben aus.



2.Das natürliche und das gesellschaftliche Geschlecht der Frau


Der als Frau geborene Mensch verfüge über eine natürliche geschlechtliche Grundausstattung. Das wäre sein natürliches Geschlecht. Dann gäbe es, darauf aufbauend noch das soziale Geschlecht der Frau. Das ist das, wozu die Frau durch die Gesellschaft in Gestalt ihrer Eltern, des Kindergartens und der Schule gemacht wird. Wer auch immer noch die Frauwerdung mitprägt - man denke an die Massenmedien, aber auch an das soziale Umfeld - eines fällt ad hoc ins Auge: die Frauwerdung der Frau wird in diesen sozialkritischen Ansätzen sehr einseitig gesehen. Die Frau wird gemacht durch die Gesellschaft. Das Spezifische, daß die Frau auch das Subjekt ihres Werdens ist, wird dabei weitestgehend ausgeklammert. Dies evoziert die kritische Anfrage: Könnte es denn nicht sein, daß dem Zur-Frau-Machen der Gesellschaft ein Zur-Frau-Werden-Wollen der Frau entspricht? Implizit wird hier ein Widerspruch hineingelesen zwischen dem, was die natürliche Natur der Frau ausmacht und dem, was die Gesellschaft aus der Frau macht.

So müßte ein im Geiste des Genderismus Urteilender sagen, daß, wenn Mädchen lieber mit Puppen und Buben lieber mit Autos spielen, dies nichts mit der Natur der Mädchen und Buben zu tun habe, sondern ausschließlich ein Produkt der geschlechtsspezifischen Erziehung wäre. Gäbe es dies nicht, spielten Jungen auch gerne mit Puppen und Mädchen mit Werkzeugkästen. Sieht man kleine Mädchen mit lackierten Fingernägeln und Schmuck, dann sind die Eltern oder die Gesellschaft daran schuld und nicht etwa die ewige Natur der Frau, die den Blick in den Spiegel sucht: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Der einstige Mao-Einheitslook für Frauen und Männer wäre so das Paradies auf Erden für Genderisten: Frauen, die nicht mehr als Frauen erkennbar sind!


Aber wie begründet der Genderismus, daß die soziale Natur der Frau dem ihr gesellschaftlich zugeschriebenen Frauenbild der biologischen Natur der Frau widerpräche? Solange wir noch so fragen, denken wir die biologische Natur als die Norm für das Soziale. Es läge dem ein romantischer Rousseauismus zugrunde: Die gute Natur und ihre Korruption durch das Soziale. Sartre weist uns da aber in eine andere Richtung. Seit Humes Kritik am naturalistischen Fehlschluß, daß das, was ist, uns sagt, was sein soll, wissen wir, daß das, was ist, nur das Material unseres Gestaltungswillens ist. Die Natur ist nur noch der Rohstoff unseres Gestaltungswillens. Unser Wille sagt, was sein soll, und er verfügt dann so über die Natur, daß sie demgemäß gestaltet wird. Sartre mißt so der Natur keinerlei normative Größe zu. Das übernimmt der Genderismus. Das ist auch nur verständlich. Es ist ein Leichtes darzulegen, daß gerade das traditionelle Frauenbild, das sie primär als Mutter und somit als Ehefrau sieht, der biologischen Natur der Frau entspricht. Wir wissen: Die Natur kennt nur einen Willen, den der Arterhaltung. Dem ordnet sie das Individuum unter: Es ist nur um der Arterhaltung willen. Die Natur ist so gesehen sehr konservativ ausgerichtet: Arterhaltung ist ihr oberstes Ziel. Das Leben ist dabei beständig bedroht im natürlichen Kampf aller gegen alle.


Nur, von all dem will diese Weltanschauung nichts mehr wissen. Die Naturvergessenheit des Genderismus zeichnet sie als typisches Phänomen der Großstadtkultur aus. Es sei hier en passant an die immer noch lesenswerte Darstellung Oswald Spenglers „Die Seele der Stadt“ erinnert. „Der letzte Mensch der Weltstädte will nicht mehr leben, wohl als einzelner, aber nicht als Typus, als Menge; in seinem Gesamtwesen erlischt die Furcht vor dem Tode. Das, was den echten Bauern mit einer tiefen und unerklärlichen Angst befällt, der Gedanke an das Aussterben der Familie und des Namens, hat seinen Sinn verloren. Die Fortdauer des verwandten Blutes innerhalb der sichtbaren Welt wird nicht mehr als Pflicht dieses Blutes, das Los, der Letzte zu sein, nicht mehr als Verhängnis empfunden. Nicht nur weil Kinder unmöglich geworden sind, sondern vor allem weil die bis zum äußersten gesteigerte Intelligenz keine Gründe für ihr Vorhandensein mehr findet, bleiben sie aus.“7 Das ist nach Spengler das Besondere der Stadtkultur. Offenkundig ist der Genderismus eine Gewächs, ein recht unansehnliches zumal dieser Asphalt- und Betonkultur.


Nicht bildet also die biologische Natur der Frau den normativen Gegenpol zum sozialen Konstrukt der Frau. Nein, diese frauliche Natur soll geradezu entwertet werden zum Rohmaterial der freien Selbstbestimmung der Frau. Sie will nur noch ein Projekt sein, ein Selbstentwurf. Für einen solchen Selbstentwurf wäre eine normative Natur nur eine unzumutbare Einschränkung. Ja, jedes normative Frauenbild verkleinerte die Freiheit der Frau, sich frei zu entwerfen. Sartre: „Der Mensch ist zuerst ein Entwurf, der sich subjektiv lebt“.8 Nur drängt sich nun ein gravierendes Problem auf: Wenn es keine normativen Kriterien zur Prüfung eines Entwurfes der Selbstbestimmung von Frauen gibt, wie und mit welchem Recht wird dann das jetzige sozial konstruierte Frauenbild kritisiert? Es bliebe nur die reine Formalität, daß das gesellschaftlich konstruierte Frauenbild nicht eine Hervorbringung ungebundener Subjektivität von Frauen sei! Nur weil das Frauenbild ein soziales sei, widerspräche es dem Ideal der Selbstbestimmung. Nimmt man dies Argument ernst, wird die Frau und überhaupt der Mensch nur ein freies Wesen werden können, wenn er asozial, außerhalb jeder Gesellschaft lebte. Denn jede Gesellschaft bringt Rollenbilder hervor, geschlechtliche von Mann und Frau, soziale von Lehrer und Schüler, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, beliebig ergänzbar, die so die jeweilige Freiheit der Menschen auflösten, weil sie keine freie Selbstbestimmung mehr zuließen. Wußte Aristoteles noch, daß der Mensch von Natur aus ein soziales Wesen ist, so wird im Genderismus das Soziale zum Feind der individuellen Freiheit. Jede Frau habe das Recht, sich so zu bestimmen, wie sie es möchte ohne jede Rücksicht auf das Sozialwesen, in dem sie lebt. Zugleich fordert diese asoziale Selbstbestimmung aber, daß sie unbedingt von der Gesellschaft bejaht bzw. akzeptiert werden muß. So reduziert sich die Kritik an der sozialen Konstruktion des Frauenbildes auf die These, daß, weil es sozial ist, es nicht individuell ist, und nur individuelle Entwürfe des Frauseins entsprächen dem Ideal selbstbestimmten Lebens.


3. Die Revolte wider Gott


Sartre erfaßt das widergöttliche Anliegen des Genderismus treffend: Wenn es einen Gott gäbe, dann hätte dieser Gott als Schöpfer dem Menschen eine Natur gegeben, und die wäre dann normativ für den Menschen. Meiner Wahl, also meiner Existenz ging die Essenz meines Menschseins voraus, und diese normierte meine Selbstbestimmung. Soll dagegen meine Selbstbestimmung ein reiner Freiheitsakt sein im Sinne von Willkür, dann darf meiner Wahl keine normative Vorgabe vorangehen. Eine von Gott geschaffene Natur, die mir sagte, wie ich sein solle, verhindert eine freie Selbstbestimmung unter der Prämisse, daß ich Freiheit als Willkür verstehe. So revoltiert der Genderismus gegen den Schöpfergott, indem er die von Gott gewollte Unterscheidung von Mann und Frau beseitigen will! Der Genderismus kämpft so gegen die Natur der Frau wie gegen die Natur des Mannes. Denn die natürlichen Unterschiede von Frau und Mann und die darauf aufbauende soziale Differenz von Frau und Mann sind ja die Schöpfungsordnungen Gottes, die Gott gab, damit menschliches Leben ermöglicht wird und gelingen kann. Den Archetyp aller menschlichen Revolutionen gegen Gott bildet der Aufstand der Rotte Korach wider die gottgewollte Hierarchie mit den Parolen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bzw. politisch korrekter: Geschwisterlichkeit. Die ihm nachfolgenden Revolten, von Luther über die Französische Revolution bis zum Genderismus, sind so gesehen nur Mutationen dieses Urbildes der Revolte wider Gott und seine Ordnung.



4. Die Sexuelle Revolution


Oberflächlich betrachtet ist die sogenannte sexuelle Revolution ein Produkt des Scheiterns des orthodox-marxistischen Klassenkampfkonzeptes: als das Subjekt der erlösenden Revolution, die Arbeiterklasse unter Führung von kommunistischen Avantgardeparteien die Hoffnung Linksintellektueller nicht erfüllte, brachte u.a. Max Reich die These auf, daß das Fundament der bürgerlichen Gesellschaft die Unterdrückung der Sexualität sei und daß darauf aufbauend erst der Widerstreit von Kapital und Arbeit sich formiere. Deshalb müsse, wer die bürgerliche Gesellschaft revolutionieren wolle, die Sexualität aus dem Gefängnis der bürgerlichen Gesellschaft befreien. Das war sozusagen der revisionistisch-marxistische Grundsatz der Kampagne der Sexuellen Revolution. F. Engels sagte: „In der Familie ist der Mann der Bourgeois und die Frau repräsentiert das Proletariat.“9 Der Kampf um die Befreiung der Sexualität verband sich mit dieser marxistischen Familienkritik und wurde so zum Kampf wider die Familie. So urteilt Popov: „Das traditionelle Familienleben und die Religion waren die hauptsächlichen Träger der alten Kultur. Deswegen war die Politik der Befürwortung von Abtreibung eines der Instrumente der gewünschten vorrevulutionären Zerstörung der russischen Familie und der russischen Kultur.“10




5. Die Technik als unser Schicksal?


Nur, so wird die Tiefgründigkeit dieser Bewegung übersehen. Kaprizieren wir uns auf das Hauptproblem. Es ist die Abtrennung der Sexualität von der Fortpflanzung. Die Technik ermöglichte dies, so daß es zum Regelfall wird, daß Sexualität gelebt wird unter Ausschluß der Möglichkeit, daß durch die gelebte Sexualität Nachwuchs entsteht. Die Pille und die vielen anderen Verhütungsmittel erlauben es, Sexualität zu leben, ohne daß Nachwuchs entstehen kann. Ja, es bedarf jetzt des besonderen Willensentschlusses der Partner, auf die Verhütung zu verzichten, damit ein Kind entstehen kann. Die Technik, wenn man will, der technische Fortschritt ermöglichte erst diese Trennung von Sexualität und Fortpflanzung. Die Natur des Menschen wird somit durch diese Technik überlistet. Erfand die Natur den Lustgewinn beim Fortpflanzungsakt, damit die Menschen sich fortpflanzten, würde der Mensch sich nur, motiviert durch die Einsicht in die Pflicht zur Fortpflanzung, zur Arterhaltung fortpflanzen, wäre er wohl längst mangels Nachkommen ausgestorben. So trennt nun die Technik den Akt der Fortpflanzung mit seinem Lustgewinn von der Frucht der Fortpflanzung, dem Nachwuchs. Jetzt, wo der Gebrauch von technischen Verhütungsmitteln zur Regel geworden ist, erscheint auch die Sexualität als etwas Selbstzweckliches, das nur um des Genusses willen praktiziert wird. Das wiederum legitimiert alle Arten praktizierbarer Sexualität, bereiten sie den Praktizierenden nur Lust. Das ist der Kern der Forderung der gesellschaftlichen Anerkennung aller sexuellen Praktiken, sofern sie nur alle Beteiligten befriedigt. Daß die Sexualität wesenshaft auf die Fortpflanzung und die Nachkommenschaft ausgerichtet ist, wird in den Zeiten der Verhütungsmittel nur noch zum moralischen Appell. Faktisch ist diese Ausrichtung beseitigt. Faktisch gab es vor den technisch-künstlichen Mitteln der Verhütung von Schwangerschaften Methoden der Verhütung, so etwa die Propagierung des Analverkehres durch den Radikalaufklärer Marquise de Sade, aber erst durch die Omnipräsenz der künstlich-technischen Verhütungsmethoden kommt es faktisch zur Abtrennung von der gelebten Sexualität von der Fortpflanzung.


Des Menschen Natur ist es, sein Leben zu verkünstlichen. Diese These soll nun an den Anfang einer tiefgründigeren Erfassung des Wesens des Genderismus vorangestellt und kurz erläutert werden. Der Genderismus ist so gesehen ein Nebenprodukt der technischen Revolution. Ein kurzer Blick auf den zeitgenössischen Menschen reicht, um uns den Grad der Verkünstlichung vor Augen zu führen: von der Brille als künstlicher Sehhilfe über die Heizung, die uns vor der Kälte nicht nur des Winters schützt, über die Kleidung, die wir statt der Wärme spendenden Behaarung tragen, bis zu künstlichen Ersatzorganen: Seitdem der Mensch technische Geräte zur Naturbeherrschung entwickelte, wendete er die Technik auch auf sich selbst an. Wir leben nicht natürlich, sondern technisch-künstlich. Der Mensch versteht die Natur als Aufgabe zur Umgestaltung. Nur in Mußestunden meditiert er in der Natur, betrachtet sie genießend. In der Regel ist sie dem Menschen nur ein Rohstoff. Der Schreinermeister sieht ein Stück Holz, und schon betrachtet er es unter der Fragestellung: Wozu kann ich dies Stück verarbeiten? Da wir Menschen selbst ein Teil der Natur sind, machen wir uns selbst zum Rohstoff für eine technische Weiterverarbeitung. So gesehen entspricht es dieser Neigung des Menschen, die Natur und somit auch die eigene durch Technik zu beherrschen, daß der Mensch durch künstliche Verhütungsmittel die gelebte Sexualität von der Fortpflanzung abtrennt. Er entnaturalisiert damit die Sexualität. Sie wird jetzt nur noch um des reinen Lustgewinnes willen praktiziert unter Ausschluß der Hervorbringung von Nachwuchs. Der Mensch überlistet somit mittels der Technik die Vernunft der Natur. Am Endpunkt dieser Entwicklung werden wir auf eine künstlich unfruchtbar gemachte Sexualität stoßen, die Sexualität wird gelebt unter dem Ausschluß der Möglichkeit der Entstehung von Kindern und einer künstlichen Fortpflanzung. Das meint, daß die Nachkommen in vitro erzeugt, vom Brutkasten zur Kita kommen ohne natürliche Eltern und ganz und gar mutterlos. Das wäre der Endpunkt der Verkünstlichung des menschlichen Lebens. Wem dies nur als grausige Zukunftsromanphantasie vorkommt, der mag genau hinschauen, wie weit wir schon auf diesem Weg vorangeschritten sind. Es bleibt die bedrückende Frage: Lassen wir den technischen Fortschritt über uns herrschen, oder gelingt es dem Menschen, den Fortschritt selbst im humanen Geiste zu beherrschen? Der Genderismus will die totale Verkünstlichung des Menschen bis dahin, daß Frauen und Männer gleichermaßen durch Kunstoperationen ihr Geschlecht beliebig ändern können. Ich brauche nicht mehr zu sein, wozu mich die Natur bestimmt, also Frau oder Mann, weil ich mein Geschlecht dank der Technik künstlich beliebig verändern kann. Lisson bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Warum sind Männer eigentlich Männer, Frauen eigentlich Frauen, Weiße weiß und Schwarze schwarz? Sie müssen es doch nun nicht mehr sein, nachdem ihre >Natur< als etwas technisch Variables verstanden wird, das nur der Zufall als Startbedingung so bestimmt hat, was aber nicht heißt, daß jeder sein Leben lang schicksalshaft an diesen Bedingungen gebunden ist.“11 Die Sexualität wird nun ob der Verkünstlichungstendenz zu einer Quelle reinen Lustgewinnes, weil sie von dem Ziel der Sexualität, der Fortpflanzung, völlig emanzipiert ist. Dieser durch die Technik ermöglichten Sexualität ohne Fortpflanzung korrespondiert dann die durch den technischen Fortschritt ermöglichte Fortpflanzung ohne Sexualität, die rein künstliche Fortpflanzung. Die Erziehung der künstlich erzeugten Kinder wird dann zur reinen Staatsaufgabe. Das macht dann die Mutterschaft und die Elternschaft völlig überflüssig.




6.Das soziale Umfeld des Genderismus


Die Weltanschauung des Genderismus hat sich natürlich nicht in einem luftleeren Raum entwickelt. Die Katholische Sozialethik definierte einst als gerechten Lohn, daß der Ernährer der Familie so viel verdiene, damit er davon die Familie, die Frau und die Kinder unterhalten könne12. Marxisten meinten, daß der Mindestlohn ausreichen müsse zur Reproduktion der Arbeitskraft als Ware für den Arbeitsmarkt. Das meinte auch die Perpetuierung der Arbeitskraft in der Institution der Familie durch den eigenen Nachwuchs. Denn die Wirtschaft funktioniert nicht ohne genügend Arbeitskräfte, die die arbeitende Klasse selbst hervorbringt als zukünftige Werktätige. Um es ökonomisch auszudrücken: Es muß viel investiert werden, bis aus der befruchteten Eizelle eine den Ansprüchen des Marktes genügende Arbeitskraft hervorgebracht worden ist. Das sind, rein ökonomisch betrachtet, nur Unkosten. Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes bringt hierfür die Lösung. In sogenannten Dritte-Welt-Staaten läßt man die Arbeitskräfte von der Geburt an ausbilden, um sie dann in die hoch entwickelten Industriestaaten zu importieren. Die Entwicklungskosten der Arbeitskraft werden so eingespart, sie tragen allein die Entwicklungsländer, unterstützt durch die Entwicklungshilfe. In den entwickelten Industriestaaten dagegen animiert man die Frau, keine Kinder zu bekommen, damit sie einerseits uneingeschränkt dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und damit andererseits die hohen Kosten der „Kinderaufzucht“ im eigenen Lande vermieden werden. Der Genderismus ist so gesehen die Wohlstandsideologie von Frauen, die die Notwendigkeit des Nachwuchses den Frauen der „unterentwickelten“ Länder aufbürdet, um selbst kinderlos die Früchte der Mutterschaft anderer Frauen zu genießen in Form des Importes von ausgebildetem Nachwuchs aus den sogenannten Dritte-Welt-Staaten. Denn gerade auch die jetzt kinderlos lebenden Frauen können weiterhin nur leben, wenn irgendwelche Kinder später für sie sorgen, wenn auch nur als Finanzierer ihrer Renten durch Steuerzahlungen! Die Ausbeutung der Bodenschätze der 3. Welt wird so ergänzt durch die Ausbeutung des Kinderreichtums der 3. Welt. Dort sollen die noch intakten Familien Kinder hervorbringen, damit die hiesigen Frauen sich der Mühe und der Unkosten des Kindernachwuchses entziehen können. Darin manifestiert sich die asoziale Einstellung des Genderismus. Sie will die Willkürfreiheit von einigen Frauen zu Lasten der vielen anderen in den „Entwicklungsländern“. Diese asoziale Einstellung paßt aufs beste in einen von allen sozialen Verpflichtungen sich emanzipierenden Turbokapitalismus, den Motor der Globalisierung. Damit zeigt sich mal wieder, wie sehr der Hl. Vater Franziskus im Recht ist, wenn er immer wieder den Kapitalismus als unsoziale Gestaltung des Wirtschaftslebens kritisiert.




7. Der radikale Aufstand gegen Gott, der 2.Grundsatz


Ich möchte in loser Anlehnung an Ernst Noltes Diktum von den Widerstandsformen gegen die Globalisierung von den verschiedenen Widerstandsformen wider die Herrschaft Gottes sprechen. Der Mensch revoltiert wider Gott. Die radikalste Widerstandsform gegen Gott ist das menschliche Nein zur Fortpflanzung, zum Leben. Gott schuf den Menschen. Der Gott des Lebens will Leben, und darum setzte er den Menschen als weibliches und männliches Menschsein. So, und nur so können sie sich fortpflanzen und somit den Tod natürlich überwinden. Mancher Bibelleser wird vielleicht den göttlichen Imperativ an den Menschen, das erste Gebot, das Gott Frau und Mann gab, „Seid fruchtbar und mehret euch!“ als etwas peinlich empfinden. Hätte Gott den Menschen nicht etwas Geistiges, Höheres anbefehlen können, etwa: Strebet nach der Gotteserkenntnis, lebt heilig? Nein, der Grundauftrag lautet: pflanzt euch fort. Könnten wir nicht einwenden: Das tun die Menschen schon von Natur aus ob ihres sexuellen Fortpflanzungstriebes? Dieser göttliche Imperativ sei so gesehen überflüssig. Eigentlich hätte Gott statt dessen anordnen müssen: pflanzet euch gemäß der Ordnung der Ehe fort, denn die bloße Fortpflanzung würde sich auch instinkthaft natürlich ohne einen göttlichen Imperativ ereignen! Nur, Gott selbst ordnet dies als seinen ersten Befehl an Mann und Frau an! Können wir dafür einen Grund eruieren? Ja, der göttliche Imperativ sagt, daß es der ausdrückliche Wille Gottes ist, daß der Mensch sich fortpflanze. Simone de Beauvoirs Nein zur Mutterschaft, weil die Mutterschaft die Sklaverei der Frau sei, ist so die radikalste Auflehnung gegen Gott, gegen sein erstes Gebot, daß er als der Schöpfergott das menschliche Leben will und es sich darum fortzupflanzen hat. Der göttliche Imperativ impliziert aber noch etwas anderes: daß der Mensch wirklich die Möglichkeit hat, Nein zum Leben zu sagen in der Form des Freitodes und der Fortpflanzung. Der Mensch wird nicht so durch seinen Lebenswillen und seinen Willen zur Fortpflanzung determiniert, daß er sich nicht frei gegen sein Leben und das menschliche Leben stellen könnte. Weil der Mensch Nein zum Leben, zur eigenen Arterhaltung sagen kann, verpflichtet Gott den Menschen durch dies erste Gebot zum Leben und somit zur Arterhaltung durch die Fortpflanzung. Im Timotheusbrief (2, 15) wird dieser göttliche Imperativ in der Darlegung des Ordo Salutis der Frau noch einmal bestätigt: die Frau werde dadurch gerettet, daß sie Kinder zur Welt bringt und fromm lebt. Die göttlichen Ordnungen der Ehe und des Staates sind so Gottes Ordnungen zum Erhalt, und das heißt immer auch zur Fortpflanzung des Menschen angesichts der Bedrohung des Lebens durch den Tod. Der metaphysische Gehalt dieser genderistischen Revolte ist sein Nein zum Leben in der Verweigerung der Fortpflanzung.



8.Die große Täuschung: das Ideal der Selbstbestimmung


Man könnte nun das Anliegen der Genderstudien reduzieren auf den Imperativ: Da, wo bisher die gesellschaftliche Fremdbestimmung der Frau durch das Konstrukt der Natur der Frau war als normative Vorgabe für die Frau, soll nun die Realität völliger Freiheit der Selbstbestimmung der Frau treten. Jede Normativität, jedes normierende Frauenbild wäre so ein Angriff auf die vollkommene Freiheit der Frau. Nur, zu unserer Enttäuschung: Immer dann, wenn sich nun eine Frau frei dazu entscheidet, gemäß dem traditionellen Frauenbild zu leben und ihr Glück in Liebe und Familie zu finden und nicht im werktätigen Berufsleben, sind unsere Genderisten empört! Eine Frau entscheide sich nur frei, wenn sie sich gegen das traditionelle Frauenbild entscheide. Sonst triebe sie Mißbrauch mit ihrer Freiheit! Die Frau ist so gesehen dazu verpflichtet, sich ihre Freiheit zu bewahren, indem sie, wozu auch immer sie sich positiv entscheidet, sie sich negativ gegen das traditionelle Frauenbild zu entscheiden hat. Sie darf alles sein wollen, nur nicht Frau im klassischen Sinne! Das ist die große Intoleranz des Genderismus.


Im Hintergrund steht dabei die Vergötzung der Erwerbsarbeit durch Karl Marx in seiner These, daß der Mensch sich durch seine Arbeit selbst hervorbringe, moderner formuliert: selbstverwirkliche. Dies gälte aber nur für die Erwerbsarbeit, nicht für die Arbeit in der Familie, für die Frau, deren Beruf die Mutterschaft ist. Sie arbeitet nicht und soll deshalb schnellstmöglich um ihrer Menschwerdung willen in die kapitalistische Wirtschaft integriert werden. Die Frau soll so von der Familie und der Mutterschaft vollkommen emanzipiert werden, damit sie wie der Mann uneingeschränkt der Wirtschaft zur Verfügung steht! Die Frau wird so der Ökonomie geopfert !


Einfach gesagt: wenn unser kleines Madel im Kindergarten, wo nach Meinung nicht nur der katholischen Caritas die Erziehung im Ungeiste des Genderismus anzufangen hat, wenn also unser kleines Madel mit Puppen spielen will, dann ist dort die Hölle los: „So nicht!“ Du mußt jetzt mit Schraubenziehern spielen, damit so früh wie möglich die Umerziehung erfolgversprechend beginnt! Die Kitas und Kindergärten sollen zu Umerziehungslagern im Geiste des Genderismus werden. Wehe, wenn die Kleinen natürlich bleiben wollen! Das ist der totalitäre Charakter dieser Revolte wider Gott. Es ist bezeichnend, daß die Homosexlobby heute die führende Kraft im Kampf wider die Meinungsfreiheit ist in ihrem Anliegen, jede Meinungsäußerung, die nicht mit ihrer Homosexideologie übereinstimmt, verbieten zu wollen und strafrechtlich zu verfolgen.


1Camus, A., Der Mensch in der Revolte, 1983, S. 22.

2Camus, A., Der Mensch in der Revolte, 1983, S.22.

3Vgl. Beauvoir, S., Das andere Geschlecht, 1949.

4Lisson, F., Homo Viator. Die Macht der Tendenzen, 2013, S.59.

5Sartre, J.P., Ist der Existentialismus ein Humanismus?, in: Sartre, J.P. Drei Essays, 1981, S 11.

6Palko, V., Die Löwen kommen, 1. Auflage 2014 S. 61.

7Spengler, O., Der Untergang des Abendlandes. 7.Auflage 1983, S. 679.

8Sartre, a.a.O. S. 11.

9Zitiert nach: Palko, a.a.O. S.34.

10Zitiert nach:Palko, a.a.O. S.60.

11Lisson, F., Homo Viator. Die Macht der Tendenzen, 2013, S.60.

12Vgl. Leo XIII. Enzyklika: „Rerum novarum“, DH 40. Auflage, 2005, 3271