Mittwoch, 5. August 2026

Zur Demokratisierung der Kirche – ein abschreckendes Fallbeispiel

 

Zur Demokratisierung der Kirche – ein abschreckendes Fallbeispiel


In einem öffentlichen Hörbeitrag einer Ruhrgebietspfarrei wünscht der Pfarrgemeinderatsvorsitzende die Streichung des Agnus Dei in der Messe. Hintergrund ist die angeblich nicht mehr vermittelbare Deutung des Todes Jesu als ein Sühnopfer für unsere Sünden. Eine Diskussion entsteht.“ 1

Ob das Agnus Dei noch theologisch akzeptabel oder zu streichen sei, das soll nun urdemokratisch der Pfarrgemeinderat entscheiden! Wie immer nun diese Entscheidung ausfiel, der Skandal ist die Anmaßung eines Pfarrgemeinderates, selbstherrlich über diese Causa entscheiden zu dürfen.Denn hier gilt nun, daß nur das als „wahr“ gelten dürfe, was eine Mehrheit dieses Gremiumes als wahr bestimmt.

Wie viele Pfarrgemeinderäte existieren in Deutschland? Soll es so so viele „Wahrheiten“ geben, wie es Pfarrgemeinderatsbeschlüsse gibt? Das wäre aber nun eine rabiate Umsetzung des Subsidaritätsprinzipes auf das Innenleben der Kirche, daß alles Relevante auf der untersten Ebene der Kirche entschieden würde und nur das dort nicht Entscheidbare auf eine höhere Entscheidungsebene hochdelegiert wird. Das wäre der Tod der Katholischen Kirche!

1Communioartikel: „War der Kreuztod Jesu ein heilswirksames Opfer?, 31.7.2026, Kommentar: Zimmerer.

Montag, 3. August 2026

Gott nicht so ernst nehmen?

 

Gott nicht so ernst nehmen?


Die Geschichte vom Streit zwischen den Jahwe-Verehren und den Baalspriestern ist bekannt: Auf dem Berg Karmel erwies sich Jahwe eindeutig als der wahre Gott, denn er erhörte das Opfer Elijas, das der Baalspriester wurde nicht erhört. 1.Könige 18.Weniger bekannt und meist überlesen heißt es dann im 1.Vers des 19. Kapitels: „Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan hatte,auch daß er alle Propheten (des Baals)mit dem Schwert getötet habe.“

Um des wahren Gottes willen läßt sein Prophet die Diener des falschen Gottes töten!

Im 2.Buch der Könige lesen wir über den großen Reformer Josia, er fand das Buch des Gesetzes im Tempel wieder und reformierte danach das ganze Land:“Und alle Priester der Höhen,die daselbst waren, tödtete er bei den Altären.“ 23,20. Die Priester der Höhen verehrten zwar Jahwe, aber an den falschen, nicht von Gott verordneten Orten, nämlich nur im Jerusalemer Tempel durften dem wahren Gott seine Opfer dargebracht werden.


Hier wird Gott so ernst genommen, daß um des wahren Gottes willen und um des einen Ortes willen, an dem Gott nur recht kultisch verehrt werden darf, Andersgläubige getötet wurden. Die innerchristlichen Religionskriege des 17.Jahrhundertes zeigen nun an, daß dies nicht etwas auf die Zeit des Alten Bundes Limitiertes ist: Um der wahren Gottesverehrung willen führte man in Europa Krieg. Erst nachträglich, nach der Domestizierung der christlichen Religion durch die Aufklärung kam das Narrativ auf, die christliche Religion sei hier nur von politisch Mächtigen mißbraucht worden.

Man nehme es bitte um des Friedens willen nicht so genau, so ernst mit der Religion: Jeder dürfe doch glauben, was er wolle und glaubt er nichts, ist das auch in Ordnung.

Wer über den Relevanzverlust des Glaubens an Gott nachdenkt, darf diese Verdomnestikationsstrategie, die sehr erfolgreich war, nicht wegdiskutieren: Um des innerweltlichen Friedens willen Gott nicht ernst nehmen, ihn und das Wie und gar das Ob seiner Verehrung für gleichgültig zu erklären! Der wahre Gott und die wahre Verehrung hätten zu vielen das Leben gekostet! 

Die Domestikation der christlichen Religion führt notwendig zu ihrer Devitalisierung: So ernst und wichtig bräuche man es mit Gott nicht zu nehmen! So ist ja ein zentrales Anliegen der Menschenrechte, daß bei der Beurteilung eines Bürgers seine Religion keine Rolle spielen darf, sie dürfe nur in seinen Privaträumen relevant sein. Gar in Benimmregelartikeln kann man den "guten Rat" bekommen: "Rede nicht über Religiöses, das sei etwas Konfliktträchtiges."

„War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“

 

War der Kreuzestod Jesu ein heilswirksames Opfer?:Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“



In diesem „Communio“ Artikel vom 31.7.2026 wird das Buch des Neutestamentlers Trummer:“Jesus ohne Opfer“ rezensiert. Dessen Kernthese lautet, daß Gott keine Opfer bräuchte. „ >Sündenböcke seien "eine eklatante Fehlleistung menschlicher Projektionen" (ebd.) – "Ein solch blutrünstiges Monster hätte Jesu niemals Abba nennen können"<(78).“ Eine solche Vorstellung vergifte das „Gottesbild“. Das Kritikniveau dieses Buches ist an blauäugiger Naivität kaum noch unterbietbar: Gott ist so, wie ich ihn mir wünsche, das ist mein Gottesbild und ein Gottesbild, was dem widerspricht, muß somit unwahr sein. Dabei identifiziert dann der Exeget sein Idealgottesbild mit dem von Jesus, denn Jesus könne doch nicht etwas diesem „Exegeten“ Anstößiges und Inakzeptables vertreten haben.

Unter der Überschrift: „Gestorben für unsere Sünden: zur Heilsbedeutung des Kreuzes“ wird nun eine äußerst konfuse Kreuzestheologie skizziert:

Jedoch sein Zeugnis von der Grenzen überschreitenden Liebe Gottes nicht durch deren für ihn tödlichen Zurückweisung begrenzen, sondern betet sogar für seine Peiniger (vgl. Lk 23,34). Insofern er auf diese Weise sein Zeugnis göttlicher Barmherzigkeit sogar über die Grenze hinausträgt, die deren Zurückweisung errichtet, wird diese Barmherzigkeit auch in einer von der Sünde durchwirkten Welt lebendig. Sie gewinnt so die Qualität einer religiösen Opfergabe ("sacrifice"), denn Jesus ist in einem Akt der Solidarisierung mit denjenigen Sündern gestorben, die ihn in den Tod getrieben haben. Damit ist er auch für diese Sünder und um ihrer Sünde willen gestorben. Und der Gott, den er seinen Vater nannte, "brauchte" dieses Opfer, weil ihm auch dort am Menschen liegt, wo dieser sich in den Mechanismen der Sünde verfangen hat.“

Jesu Barmherzigkeit erstrecke sich somit sogar auf die, die seinen Tod gewollt haben und ihn kreuzigen ließen. Er habe sich so mit diesen Sündern solidarisiert.1 Aber was hat das mit dem Opfer im kultischen Sinne zu tuen? Nichts: Im Kult wird Gott das Opfer dargebracht mit einem Zweck, ihn günstig zu stimmen, um somit etwas von ihm zu erbitten. Wie bei der Frage: „Was ist ein Trabi?“ zuerst gewußt werden muß, was ein Automobil ist, um dann das Spezifische dieser Automarke zu begreifen, so verlangt das Begreifen des Opfers Jesu Christi zuvörderst einen Allgemeinbegriff von dem Opfer, um dann sein Spezificum zu begreifen.Die Opfer des Alten Testamentes, isb das alljährlich vom Hohenpriester dargebrachte Versöhnungsopfer sind sozusagen Vorabbildungen des wahren Kreuzaltaropfers Jesu Christi und somit legen diese Opfer sich wechselseitig aus.

Das Kreuz Christi besitzt so gar keine Heilsbedeutung, es besagt nämlich nur, daß Gott allen Sündern barmherzig eingestellt sei. Diese Verkündigung wäre auch wahr, wenn Jesus nicht gekreuzigt worden wäre.

Das Kreuz Christi ist eben nicht nur den Heiden eine Torheit, den Juden ein Skandal sondern unseren modernistischen Theologen etwas Unzumutbares. Um sich des Kreuzes Christi zu entledigen wird dabei gerne die Kultopferpraxis des Alten Bundes als ein Irrtum, etwas Primitives abgetan, obzwar Gott selbst diesen Opferkult eingesetzt hat. Letztendlich muß so auf einer Nichtidentität des Gottes, der Opfer wollte, mit dem Nurliebesgott Jesu insistiert werden: Marcion grüßt!








1Ob der Begriff der Solidarität ein guter Ersatz für den der Liebe bzw Nächstenliebe ist, läßt sich bestreiten, gehört er doch ursprünglich in das Vokabular der Arbeiterklasse und meint: „Setze Du Dich jetzt für die von einer Entlassung bedrohten Kollegen ein, damit die dann sich für Dich einsetzen.“ Es ist somit ein Begriff einer utilitarisrstischen Ethik, wohingegen die Nächstenliebe nicht auf einen irdischen Lohn hofft sondern auf ihn verzichtend auf den himmlischen.

Sonntag, 2. August 2026

Religion mal ganz einfach

 

Religion mal ganz einfach


Alle Herreach, zumindest die aus der weiteren Gegend,waren von der Existenz eines Gottes mit Namen Kummerog überzeugt.Mit einem Gott zu leben,das vereinfachte viele Dinge.Zufall existierte nicht mehr.Glück oder Pech ließen sich beeinflussen,indem man Kummerog günstig stimmte; was man nicht begreifen konnte,das war offenbar von Kummerog so eingerichtet.“1 Dem Perry Rhodan Autor gelingt es hier, mit wenigen Sätzen die Substanz einer monotheistischen Religion zu skizzieren,

Der hier geglaubte Gott wird als Geber aller guten Gaben geglaubt und daß er bereit ist, auf die Bitten seiner Gläubigen zu hören.Man kann diesen Gott günstig stimmen. Das, was nicht begreifbar ist, wird auf ihn hin zurückgeführt und verwandelt sich so in etwas Annehmbares. Selbstredend ist dies noch Lichtjahre entfernt von der Komplexität der christlichen Religion, aber auch sie ist als eine Religion auf diese einfache Struktur reduzierbar. Treffend ist auch das Verb: „überzeugt“ gewählt im Sinne von, daß man sich seiner Existenz gewiß ist und nicht meint: Man wüsse nicht, ob er existiert, aber man glaubt schon, daß er ist. In der Vorstellung, diesen Gott günstig stimmen zu können ist auch schon eine komplexere Vorstellung enthalten, daß dieser Gott seinen Gläubigen gegenüber ungünstig gestimmt sein könnte, da sie nicht so gelebt haben, wie er es von ihnen gewollt hat und daß er so zu versöhnen sei.

Wenn nun eingewandt wird, daß das doch eine recht primitive Religions-vorstellung sei, ist zu erwidern, daß jede monotheistische Religion auf dieser einfachen Vorstellung sich auferbaut, um dann allerdings weit über sie hinauszugehen, aber es darf dabei diese einfache Vorstellung nicht als eine zu primitive ad acta gelegt werden! Denn ohne diese einfache Vorstellung verliert jede Religion ihre Relevanz.

1Robertt Feldhoff, Die Herraach, Perry Rhodan Nr. 1801, S.30f. Die „Herreach“ sind nichttrrreistische Wesen.

Fragmentarische Erwägungen zum Relevanzverlust Gottes- oder: „Warum haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“

 

Fragmentarische Erwägungen zum Relevanzverlust Gottes- oder: „Warum haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“


Was müssen wir von Gott denken, damit er für uns relevant wird in einer der christlichen Religion angemessenen Weise?“ Von dieser Fragestellung her soll ein Versuch unternommen werden, seinen Relevanzverlust zu rekonstruieren.


Thesen dazu:


Gott ist als das höchste Gut zu denken, daß er einerseits selbst das summum bonum für uns Menschen ist und daß er andererseits der Geber von allem für uns Guten ist.


Religiös relevant wird Gott nun aber erst, wenn von ihm, wenn er so gedacht wird, gedacht wird, daß er auf unser Verhalten ihm gegenüber hin, sich auch reagierend verhält, daß er uns das höchste Gut sein will oder sich uns auch als höchstes Gut verweigern kann, und daß er so auch uns Gutes geben will oder auch nicht, je nach unserem religiösen Verhalten ihm gegenüber.

Würde Gottes Verhalten uns gegenüber nur als ein Verhalten Gottes zu uns gedacht ohne daß gedacht wird, daß er dann auf unser Verhalten ihm gegenüber kontingent reagiere, dann kann es keine Religion geben. Es entstünde ein Gott ohne eine religiöse Relevanz. Jede Religion setzt nämlich voraus, daß es eine Kommunikation zwischen dem Gott oder den Göttern und den Menschen möglich ist, eine nicht herrschaftsfreie sondern eine asymmetrische, in der Gott gibt und sich bitten läßt, etwas Gutes oder gar sich selbst zu geben. Das impliziert, daß uns Menschen offenbart ist, wie wir mit dem Gott oder den Göttern kommunizieren können und wie Kommunikationsstörungen zwischen uns und dem Gott behoben werden können, theologisch formuliert, wie uns unsere Sünden vergeben werden können.


Wenn der Gott der christlichen Religion so nicht mehr geglaubt wird, dann verliert er seine Relevanz und diese Religion stirbt ab. Mit diesen Thesen ist nun noch nicht das Spezifische der christlichen Religion erfaßt, aber wenn so der Gott der christlichen Religion nicht geglaubt wird, dann nichtet das das Wesen jeder Religion und damit auch die christliche.


Merke:

Wer wissen will, was ein „Trabi“ ist,muß wissen, was ein Automobil ist,um dann das Besondere dieser Automarke begreifen zu können. Das gilt ebenso für das Verhältnis der christlichen Religion als einer besonderen zum Begriff der Religion.


Freitag, 31. Juli 2026

Wer über die Krise der Kirche ernsthaft schreiben will, darf über den Relevanzverlust Gottes nicht schweigen- oder Ratlosigkeit

 

Wer über die Krise der Kirche ernsthaft schreiben will, darf über den Relevanzverlust Gottes nicht schweigen- oder Ratlosigkeit



Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ frägt der kath net Artikel "Die Hölle ist der Ort der größtmöglichen Gottesferne“ am 29.7.2026 und stellt damit die gewichtigste Frage zur aktuellen Krise der christlichen Religion. Geradezu naiv wirkt dagegen die gegenwärtige innerkirchliche Reformdebatte mit ihren schon längst verstaubten Parolen der Demokratisierung der Kirche, der Forderung nach der Einführung des Frauenpristertumes und der Forderung: „Sex für alle!“, als wenn dadurch die christliche Religion wieder in unserem Lande verlebendigt werden könnte. Das Zentrum der christlichen Religion ist nun mal der sich in Jesus Christus offenbart habende dreieinige Gott und sein Jesu Christi Erlösungswerk.

In Anlehnung an Martin Heideggers Geschichte der Seinsvergessenheit bräuchte es einer Rekonstruktion der Geschichte der Gottvergessenheit: „Wie kam uns Gott abhanden?“ Der Philosoph Hegel konnte noch urteilen,daß der einzige Gegenstand des Denkens Gott sei und daß die Religion mit ihrer Theologie und die Philosophie sich nur in verschiedener Weise dieses Gegenstandes annähmen. Heute interessiert fast jede Frage mehr als die nach Gott: Ist er, wie ist er und was ist er für uns? Die Antworten auf diese Fragen finden kaum noch Leser. Es ist ja nicht so, daß es keine Antworten auf diese Fragen gäbe,daß der Reichtum der gegebenen Antworten nicht ganze Bibliotheken anfüllte, aber wer sucht noch die Archive auf, in denen die Antworten gesammelt einstauben?

Es scheint so zu sein, daß der Diskurs über Gott sich erschöpft hat, daß eben alle möglichen Antworten schon gegeben worden sind und man nur noch schon gegebene nur noch zitieren kann, weil allem dazu schon Gedachtem nichts mehr hinzufügbar ist.

Auf der anderen Seite stößt selbst unter Theologiestudenten, zumindest nach meinen Beobachtungen die Gotteslehre kaum noch auf ein Interesse und geliebt wird das Fach „Dogmatik“ schon gar!

Außer Stande sehe ich mich nun, eine zureichende Erklärung für dies Desinteresse an Gott zu geben, aber es ist wohl schon etwas gewonnen, wenn der Kern der heutigen Krise so benennbar ist: Wir tapsen nicht im Dunklen! Einer großen Anstrengung des theologischen Denkens bedarf es dazu. 

Ich werde zukünftig versuchen, dazu vorläufige fragmentarische Erwägungen zu schreiben

Donnerstag, 30. Juli 2026

„Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ Hört der Himmel auf, eine Verheißung zu sein?

 

Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ Hört der Himmel auf, eine Verheißung zu sein?



"Die Hölle ist der Ort der größtmöglichen Gottesferne“ , lautet die Definition der Hölle nach diesem kath net Artikel vom 29.7.2026 in der gegenwärtigen Theologie. Die Schreckensbilder unvorstellbarem Gequältwerdens in den Folterkammern der Hölle sind so in das Kirchenarchiv ausgelagert und durch diese Vorstellung substituiert worden. Aber welche Reaktion evoziert diese Vorstellung: Dem Menschen,dem sein ganzes Leben hindurch Gott gleichgültig war,läßt auch diese Höllenvorstellung kalt: Was vermisse ich schon, wenn Gott mir auch in einem möglichen postmortalen Leben fern ist, da ich ihn ja auch in meinem ganzen Erdenleben nie vermißt habe? Für wen Gott keine Rolle spielt in seinem Diesseitsleben, für den ist auch die Drohbotschaft eines postmortalen Lebens in der „größtmöglichen Gottesferne“ eine bedeutungslose Aussage.

Ist also die Hölle als der Ort der Gottesferne gar genauso bedeutungslos geworden für den modernen Menschen wie der Himmel als der Ort der größtmöglicher Gottesnähe, da Gott uns gleichgültig geworden ist?

Statt einer Drohbotschaft habe die Kirche den jeden Menschen liebenden Gott zu verkünden und nur ihn. Diese Zentralforderung des sogenannten „Kirchenvolksbegehrens“ von „Wir sind Kirche“ ist inzwischen zur Standardmaxime der Kirche geworden, ja die Gattung der Höllenpredigt ist als unzeitgemäß abgeschafft.

Aber diese Predigt des: „Ich lieb Euch alle Gott“ setzt negative Folgen aus sich heraus: Menschlich, allzumenschlich ist es, daß ein Mensch nur von dem geliebt werden möchte, den er auch selbst liebt. In was für eine Bedrängnis gerät ein verheirateter Mann,wenn ihm eine andere Frau bekennt, daß sie ihn liebe und sie ihn auch wirklich liebt? Nur Politiker und Stars wollen von allen „geliebt“ werden. Wem bedeutet so schon die Aussage, daß Gott ihn liebe, etwas? Nur dem, dem Gott etwas sehr Relevantes ist.

Gesund zu sein, den Wert des Gesundseins erfaßt wirklich nur der Kranke. Ein kleines Experiment dazu: Der Leser möge sich bitte vorstellen: Ich erwache und bin plötzlich blind. Nichts kann ich mehr sehen! Hätte ich dann nicht nur noch einen Wunsch, daß Gott mir mein Sehenkönnen zurückgibt? Erst im Kontrast zur Blindheit ergreife ich den Wert des Sehens! Wie nun, wenn das auch für den Kontrast von der Hölle und dem Himmel gilt?Die Verheißung des Himmels verblast, wenn sie nicht mehr kontrastiert wird mit der Drohung der Hölle!

Der Terminus der „Gottesferne“ ist außerdem ein sehr zweifelhafter! Gott selbst ist niemandem fern, aber er ist nicht jedem positiv zugewandt nahe. In seinem Strafgericht über Sodom war Gott dieser Stadt sehr nahe in seinem Zorn über sie. Der in der Bibel so oft erwähnte „Gottlose“1 ist nie jemand, dem Gott selbst fern wäre. Er kann nur „gottlos“ sein, insofern er selbst nicht an Gott glaubt. Die Hölle kann so kein gottferner Ort sein, sondern ist der,in dem Menschen den Zorn Gottes über sie erleiden, der ihnen in seinem Zorne nahe ist.

1Die Vulgata übersetzt mit „impius“ und das bedeutet eigentlich: „unfromm“, das ist: Man glaubt an Gott und lebt aber so, als wenn es ihn nicht gäbe!