Dienstag, 29. September 2026

Über die Auftragsverweigerung der Kirche – ein gravierendes Beispiel

 

Über die Auftragsverweigerung der Kirche – ein gravierendes Beispiel



„Zum Auftakt des Monats der Weltmission hat der Aachener Bischof Helmut Dieser zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Er verwies am Sonntag im Aachener Dom laut Mitteilung des katholischen Hilfswerks missio Aachen darauf, dass die Menschen im globalen Süden besonders stark unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hätten. Madagaskar ist das Beispielland des Monats der Weltmission.“

So steht es in der quasi offiziösen Internetauftrittsseite der deutschen Bischöfe in dem Artikel: „Monat der Weltmission eröffnet – Bischof: Gemeinsam gegen Klimawandel“ am 27.9.2026.

Den Kampf wider den „Klimawandel“ sieht Missio Deutschland jetzt als ihre Kernaufgabe an, Die früher als „Entwickelungsländer“ qualifizierten Länder litten unter diesem Wandel mehr als die Anderen, sodaß sie insbesondere unserer Hilfe bedürften.

Was hat nun diese im Rahmen einer „Entwickelungshilfe“ Aufgabe mit der der Kirche Beauftragung zur Mission zu tuen? Nichts, denn dieser Auftrag lautet nun mal:So lautete der Missionsauftrag Jesu Christi an die 11 Apostel, damit der Kirche: „Darum gehet zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu befolgen, was ich ihnen geboten habe.“ Mt 28,19f.

Im Sinne des Subsidaritätsprinzipes soll die Entwickelungshilfe primär von freien Trägern durchgeführt werden und die staatliche soll dann nur diese Arbeit ergänzen. So übernimmt die Kirche faktisch die staatliche Entwickelungshilfe, zu der dann auch der Klimaschutz gehört, Aber mit ihrer Berufung zur Mission hat das nichts zu tuen.

Wie es zu diesem Verzicht auf die Mission und ihre Ersetzung durch die Diakonie und Entwickelungshilfe gekommen ist, das ist keine leicht respondierbare Frage. Daß die Kirche so aber „Nein!“ sagt zu ihrem Auftrag, den ihr der Sohn Gottes selbst gegeben hat, ist unverkennbar.








Sonntag, 27. September 2026

Die „armen Seelen“ und das Helloweenfest – oder wird vor einem zutiefst katholischen Fest gewarnt?

 

Die „armen Seelen“ und das Helloweenfest – oder wird vor einem zutiefst katholischen Fest gewarnt?


„Arme Seelen sind nach Lehre und Tradition der römisch-katholischen Kirche Seelen im Fegefeuer (Purgatorium), wohin sie durch die Entscheidung des Partikulargerichts (mit seiner Seelenwägung) – das Eingangsportal des Fegefeuers – gelangt sind. Dort erleiden sie Qualen, dies aber hoffnungsfroh, weil sie nicht endgültig im Fegefeuer festgehalten werden, sondern immer die Gewissheit haben, daraus in den Himmel entlassen zu werden, den einzigen Ausgang des Fegefeuers. Gebete von Lebenden, besonders im Rahmen des Memorialwesens, helfen, diese Zeit zu verkürzen und sie aus ihren Qualen zu erretten. In der Liturgie wird der Armen Seelen vor allem zu Allerseelen und im Requiem gedacht.“1

Das ursprüngliche Anliegen des Helloweenfestes vor seiner Veramerikanisierung: daß es den „armen Seelen“ an dem Tag des Helloweenfestes gestattet ist,uns zu erscheinen, um uns um unsere Hilfe für sie zu beten. Die Masken sollen uns dabei an das wirkliche Leiden der „armen Seelen“ erinnern mit der Bitte: Helft uns!, symbolisch durch ein Süssigkeitengeschenk an sie, realiter durch unser Beten und Messelesenlassen für sie.

In diesem Fest feiert der Katholik die Gnade Gottes, daß er uns die Möglichkeit gewährt, den „armen Seelen“ helfen zu können!

Eine Bekannte von mir erklärte mir, daß doch die Kirche im 2.Vaticanum das „Fegefeuer“ abgeschafft hätte und: Sie habe noch nie eine Predigt gehört, in der dies „Fegefeuer“ auch nur mit einem Worte erwähnt werden würde. Sie als eine Religionslehrerin würde selbstverständlich so etwas Obskures auch nie erwähnen im Religionsunterricht! Daß Tote uns Lebenden erscheinen würden, sei doch auch nur etwas völlig Mittelalterliches – das elektrische Licht habe dem dann doch sein wohlverdientes Ende bereitet.

Sicher steht diese progressive Katholiken mit dieser Meinung nicht allein, daß die Kirche das Mittelalter in sich selbst noch scheinlebendig zu überwinden habe.

So protestiert die Kirche mit ihrem „Nein“ zu „Helloween“ gegen eine ihr eigentümliche religiöse Vorstellung, die fest in dem Katholischen Glauben verankert ist.

Aber: „Drei von vier Deutschen werden im Laufe ihres Lebens Zeuge eines paranormalen Phänomens. Häufig erscheinen den Betroffenen verstorbene Angehörige.“ 2

Dem „Focus“-Magazin kann man gewiß weder eine Neigung zum Spiritismus noch gar zum Katholischen vorwerfen, aber in diesem Magazin stand dieser Bericht. Erstaunlich ist,daß in repräsentativen Befragungen so viele sich zu so etwas Mittelalterlichem bekennen.

Wenn heutzutage gefordert wird, die Kirche habe auf die Menschen zu hören, statt auf die Dogmen der Kirche, dann sind damit diese Dreiviertel nicht gemeint, denn die erleben etwas, daß es nach dem Reformkonzil nicht mehr geben dürfe.

Nur, was tuen, wenn die Seelen der Verstorbenen sich nicht nach den modernistischen Meinungen verhalten?

Es dauert noch, bis „Helloween“ angesagt ist – aber es wäre gut, begönnen wir jetzt schon damit, in diesem Fest ein zutiefst katholisches zu recognizieren und das zum Anlaß nähmten, Ablässe für unsere Verstorbenen zu erbeten, statt gegen dieses Fest zu polemisieren! 

Zusatz aus dem Leben des hl. Pater Pio:

Eines abends war Pater Pio in einem Zimmer, im Erdgeschoß des in eine Pension umgewandelten Klosters. Er war allein und hatte gerade die Liege bezogen, als ihm plötzlich ein Mann erschien, eingehüllt in einem schwarzen Umhang. Pater Pio war erstaunt und erhob sich, um den Mann zu fragen, wer er sei und  was er wolle.  Der Fremde antwortete, er sei eine Seele aus dem Fegefeuer. "Ich bin Pietro Di Mauro", sagte er, „ich starb in einem Feuer am 18. September 1908 in diesem Kloster.  In der Tat war dieses Kloster nach der Enteignung des kirchlichen Guts in ein Altenpflegeheim verwandelt worden. Ich starb in den Flammen, als ich auf meiner Strohmatratze schlief, genau in diesem Zimmer. Ich komme aus dem Fegefeuer: Gott hat mir gewährt, hierher zu kommen und Sie zu bitten, für mich morgen früh eine Messe zu lesen.  Dank einer Messe ich werde bereit sein, ins Paradies zu gelangen". Pater Pio teilte dem Mann mit, daß er die heilige Messe für ihn lesen wuerde,..., "aber…" sagte Pater Pio: "Ich wollte ihn zur Tür des Klosteres begleiten.  Ich war gewiss, daß ich mit einer toten Person gesprochen hatte. In der Tat, als wir in den Kirchhof hinaustraten, verschwand der  Mann, der bei meiner Seite war, ganz plötzlich. Ich muß zugeben, daß ich sehr erschrocken wieder zurueck ins Kloster ging.  Pater Paolino von Casacalenda, Abt meines Ordens, bemerkte meine Nervosität.  Nachdem ich ihm erklärt hatte, was geschehen war, erbat ich die Erlaubnis, Heilige Messe für die verstorbene Seele zu feiern.“  Wenige Tage später wollte Pater Paolino, die Informationen nachprüfen. Er ging zum Büro der Registratur der Gemeinde von St. Giovanni Rotondo, und bekam die Erlaubnis, im Jahr 1908 das Register des Verstorbene zu konsultieren. Die Geschichte von Pater Pio Pater war wahr. Im Register der Verstorbenen des Monats September waren Namen, Nachnamen und Todesursache  aufgeführt: "Am 18. September 1908, im Feuer des Pflegeheimes, starb Pietro Di Mauro." 


zitiert nach:

Arme Seelen, die Unglücklichen, Pater Pio, Maria Simma, Emmerich




1Wikipedia: Arme Seelen.

2Focus am 10.7.2017: Fast drei Viertes der Deutschen sehen Geister.

Freitag, 25. September 2026

Eine Genalogie: der coole Typ und was der mit einer Weihnachtspredigt zu tuen hat

 

Eine Genalogie: der coole Typ und was der mit einer Weihnachtspredigt zu tuen hat


Eine Weihnachtspredigt, gehalten an einem 24.Dezember. Der in der Kirche aufgestellte Weihnachtsbaum leuchtete, aber nur zur Hälfte, denn genau so viele elektrische Kerzen brannten, so viele brannten nicht. „Dürfen wir Christen uns hier in Deutschland freuen und die Weihnachtsnacht feiern, wenn gleichzeitig so viele Mitchristen etwa in Afrika leiden, im Elend leben, afrikanische Kinder jetzt hungern!“ Die nichtbrennenden Kerzen sollten die leidenden Mitchristen symbolisieren, die sich nicht Weihnachten freuen könnten.

Es sei doch geradezu herzlos, feierten wir Privilegierten jetzt das Weihnachtsfest – wir dürfen und können es erst recht feiern, wenn jeder Christ auf der Welt Weihnachten auch feiern könne.

Diese Predigt lebt von dem Konzept der „Sensibilierung“: Es reiche nicht die rein cognitive Einsicht in das Leiden andere, um uns zum Helfen für sie zu motivieren. Emotional müssen die Bürger unseres Landes angesprochen werden, Mitleid müsse evoziert werden, auch Schuldgefühle erweckt werden- also: Die Menschen müssen sensibiliert werden für die Not der Anderen.

Zufrieden, gar glücklich sein, ist da etwas Unmoralisches und Widerchristliches, denn wenn ein Christ leidet, habe jeder Christ mit ihm zu leiden.

Die Antithese zu diesem: „Du darfst Dich nicht freuen, zufrieden zu sein, wenn andere leiden“, ist der coole Typ, der nur in seiner Opposition dazu begriffen werden kann. Er insistiert darauf, selbst glücklich sein zu dürfen, wenn sein Mitmensch leidet. Ihm ist sein Leben das Wichtigste und seine Mitmenschen, wenn sie ihm für seine Lebenszufriedenheit nützlich sind. „Coolsein“ ist somit die Antistrategie zur Pädagogik der Sensiblisierung,

Vorausgesetzt ist in beiden Fällen der Mensch, der beziehungslos zu seinem Mitmenschen lebt. Er sei so erst zu einem Mitleben zu motivieren, daß ihn emotional das Leid des Mitmenschen betroffen macht.Der so zum beständigen Mitleiden und Sichsolidarisieren mit... Aufgerufene entzieht sich diesem Appellieren durch das Konzept des Coolseins: für sich zu leben und die Anderen nur zu gebrauchen zur Steigerung der eigenen Lebensqualität. (Man könnte hier eine Ähnlichkeit zum Nein Nietzsches zur Mitleidsethik Schopenhauers sehen, den „Willen zur Macht“ glorifizierend.)

Der warmherzige Mensch ist somit sowohl der Antitypus zum zum Mitleiden Sensibilierten und zu dem „coolen Typ“. Nur ist die Warmherzigkeit keine erlernbare Tugend sondern eine Menschen gegebene oder auch nicht gegebene Charaktereigenschaft! Sie ist so eine Gabe Gottes!



Die christliche Religion = das Fundament (West)Europas?

 

Die christliche Religion = das Fundament (West)Europas?


Kardinal Joseph Ratzinger schreibt: „Es ist kein Zweifel,dass bei den Grundvätern der europäischen Einigung das christliche Erbe als Kern dieser geschichtlichen Identität angesehen wurde,natürlich nicht in konfessionellen Formen, das Gemeinchristliche schien über die konfessionellen Grenzen hinweg als verbindende Kraft weltlichen Handelns durchaus erkennbar.“1

Das „Gemeinchristliche“ ist nun mehr als das Konstrukt der natülichen Religion, auf die die Aufklärung, isb in Deutschland die christliche Religion und alle anderen reduzieren wollte, an den Glauben an Gott, der Bestimmnng des Menschen zur Sittlichkeit und dem Glauben an das ewige Leben, aber doch auch weit weniger als das confessionelle kirchliche Christentum.

Natürlich“ war die Entscheidung dazu nicht, sondern eine politische! Eingedenk der Erkenntnis Carl Schmitts über die Bedeutung des „Feindes“ im politischen Diskurs galt für die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG, später zur EU umfirmiert und der Nato der „Ostblock“ mit seiner kommunistischen Ideologie als der „Feind“, gegen den sich alle Christen Westeuropas zusammenschlossen, die confessionellen Grenzen hintenanstellend um des gemeinsamen Feindes willen.

Der Rardinal schreibt, daß Europa „kein geographisch fassbarer Kontinent sei, „sondern ein kultureller und historischer Begriff „sei 2,dann verdrängt er damit, daß Europa primär ein politischer Begriff ist.Wer sich die Epoche des „Kalten Krieges“ vor Augen hält, sieht hier klarer: Westeuropäische Staaten taten sich zusammen als ein Verteidigungsbändnis gegen die sozialistischen Staaten und deren Ziel des Weltkommunismus und mit dem Ziel, alle osteuropäischen Staaten in die EWG und die Nato zu integrieren, aber Rußland dabei herauszuhalten3. Dies Ziel verkennt Kardinal Ratzinger völlig, wenn er meint, Europa sei ein Friedensprojekt, nein es ist primär ein Eroberungsprojekt, denn wäre es ein Defensivprojekt, hätte es sich als „westeuropäische Union“ bezeichnet und nicht als Europa,das Osteuropa in sich integrieren will. Um dieses gemeinsamen Feindes willen gründeten sich die C-Parteien als confessionsüberwindende: Es sei gleichgültig, ob man Katholisch oder Protestantisch sei, Hauptsache christlich- antikommunistisch.

Die Ideologie des „freien Westens“ war und ist die des Liberalismus, dem die Kirche und auch der Protestantismus4 als der erfolgreichsten antikommunistischen Ideologie zustimmten, nachdem der Faschismus und der Nationalsozialismus als antikommunistischen Ideologien 1945 gescheitert waren.

Damit stellt sich die Frage, wie denn nun der katholische Glaube sich zum Liberalismus verhält. Meine These lautet nun: Die Reduzierung des katholischen Glaubens auf das „Gemeinchristliche“ diente dazu, die christliche Religion auf das mit dem Liberalismus Kompatible zu reduzieren. Aktuell heißt das, daß zum Zentrum der christlichen Religion der Glaube an die Menschenwürde, die Menschenrechte und der Aufruf zur Humanisierung der Welt aufgestiegen ist, der dann theologisch mit dem Glauben an den Schöpfergott begründet wird, daß Gott als Schöpfer jeden Menschen bejahe unter der Absehung aller spezifisch christlichen Gehalte.

Die Liaison mit dem Liberalismus, antikommunistisch motiviert, muße sich als eine Mesalliance erweisen, denn in dieser Ehe löste der Liberalismus die Substanz der christlichen Religion auf.

Kardinal Ratzingers Intention ist klar: Europa bedürfe als sein Fundament das Christliche, denn ohne dies ist es grundlos. Daß aber das Fundament Westeuropas und jetzt auch fast aller osteuropäischen Staaten der Liberalismus ist, übersieht er.

Dabei hat er selbst das Anliegen des Liberalismus im Raume der Politik erfaßt: „der rein säkulare Staat, der die göttliche Verbürgung und Normierung des Politischen als mythische Weltansicht ablegt und Gott selbst zur Privatsache erklärt,die nicht ins Öffentliche der gemeinsamen Willensbildung gehört.“ 5


Zusätze

Slavoj Zizek spricht von „unserem Zeitalter des globalen Kapitalismus und seines ideologischen Suppements,des liberal - demokratischen Multikulturalismus“ 6 Der Begriff des Supplementes wird der Ideologie, auch der des Liberalismus nicht gerecht, denn die Wirklichkeit unserer Zeit ist ja die Materialisierung dieser Ideologie. Daß dieser Ideologie aber der Glaube an das Privateigentum eine „heilige Kuh“ ist, ist unverkennbar und das macht die Substanz des Kapitalismus aus.Man schaue auf die geradezu hysterischen Reaktionen auf das Vorhaben der Partei „Die Linke“, die Wohnraumnot in Berlin durch Verstaatlichungen als die ultima ratio zu lösen.

„Der Dollar-Imperialismus des 21. Jahrhunderts – oder:
Die westliche Wertegemeinschaft in Aktion

Die westlichen Demokratien verstehen sich als und bilden eine Wertegemeinschaft. Das ist in mehrfacher Hinsicht, im materiellen wie im höheren Sinn von ‚Wert‘, ernst zu nehmen. Die Partnerländer des sogenannten Westens haben sich einer Staatsräson verschrieben, deren ökonomischer Gehalt durch den materiellen Wert schlechthin definiert ist: das private Eigentum und seine Vermehrung. Der Erwerb von Dollars resp. Euros oder verwandtem Geld ist das gesellschaftliche Lebensmittel und findet statt in Abhängigkeit von der Verwendung des Geldes als Kapital; das Gelingen des einschlägigen Geschäftslebens ist die allgemeine, unerbittlich geltende gesellschaftliche Lebensbedingung, also der die Gesellschaft beherrschende Lebenszweck. Das gilt im Innern der verbündeten Demokratien so absolut und so selbstverständlich, dass Alternativen nicht einmal verboten werden müssen: Alles andere als die marktwirtschaftliche Realität disqualifiziert sich einfach als unrealistisch. Im ideellen Wertekanon der westlichen Nationen wird das Dasein unter der Notwendigkeit des Gelderwerbs und nach Maßgabe des damit erzielten Kapitalwachstums als verwirklichte Handlungsfreiheit verbucht, speziell in Amerika als „way of life“ vom Rang eines Menschenrechts, dem die Staatsgewalt dient, wenn sie mit ihrem Schutz des privaten Eigentums die Konkurrenz um einen Gelderwerb zum ersten und entscheidenden Inhalt der gewährten staatsbürgerlichen Freiheit macht.“ „Gegenstandpunkt“ 3/2014

So polemisch dieser Text auch verfaßt ist, erfaßt er wohl besser das Wesentliche der europäischen Werteordnung als der Glaube an ihre christliche Fundierung!











1Kardinal Ratzinger, Was ist Europa – Grundlagen und Perspektiven, in: ders: Werte in Zeiten des Umbruchs, 2005, S.90.

2A.a.O. S.68.

3Es ist bezeichnend, daß der Kardinal etwa Sibierien als nicht zu Europa gehörend ansieht, obschon auch dort Europäer leben (S.68), sie aber nicht westlich sind sondern zum Feind gehört..

4In Deutschland fand der Nationalsozialismus isb unter den Protestanten viel Zustimmung ob seiner antikommunistischen Ausrichtung.

5A.a.O. S.76.

6Slavoj Zizek, Die Tücke des Subjekts, 2001, S.11.

Donnerstag, 24. September 2026

„Hören, Nachfragen, Verstehen“ : die Zukunftsperspektive der Kirche

 

„Hören, Nachfragen, Verstehen“ : die Zukunftsperspektive der Kirche1


Die Kirche hat zu hören, zuzuhören, aber nicht wie dogmatisch Verbildete nun darunter ein Hören auf das Wort Gottes verstehen, sondern auf die Wünsche ihrer Mitglieder und potentiellen Neukunden. Der Pastoraltheologe (= Marketingfachmann) Leo Karrer bringt das so auf den Punkt: „Zwischen gesellschaftlicher Marktsituation und Ursprungstreue zum Evangelium wird die Kirche einen die beiden Pole verbindenden Weg suchen müssen.“2

Zwei Momente sind dabei zu unterscheiden: Einerseits sollen die Anbieter auf ihre Kunden hören, um dann nachfrageorientiert die Angebote zu gestalten und daß andererseits die Kunden an der Hervorbringung der Angebote selbst beteiligt werden sollen, da sie so den Kundenwünschen auch gerechter werden würden.

Wahr ist, was der Kunde sich wünscht, oder was er selbst als ein kirchliches Angebot mitgestaltet hat und so ihm gefällig ist.

Im Religionsunterricht lautet demgemäß die Frage: „Wie wünscht Du Dir Deine Kirche?“ und „Was tun?“, damit sie so wird. (Allerdings scheint diese Konzeption unter den postmodernen Konsumenten nicht mehr sehr gut anzukommen, da sie, mißfällt ihnen ein Programm, lieber den Programmanbieter wechseln, als sich für eine Programmänderung zu engagieren.)

Was die Kirche zu tuen habe, ist so ihr nichts Vorgegebenes, sondern soll das Ergebnis dieses Zuhörens sein, denn der Kunde hat eben als ein König zu gelten. Nur: Ist die Kirche so wirklich auf dem Wege zu einer Marktwirtschaftskirche? Gesetz den Fall, eine Gruppe von LGBTQ-Aktivisten wünscht sich eine eigene Messe für sich, welcher fortschrittliche Pfarrer wäre nicht begeistert und sagte: „Ja!“ Gesetz den Fall, andere Christen wünschten sich pro Woche eine eucharistische Anbetungsstunde und regelmäßige Rosenkranzgebete, wären das dann nicht „Vorkonziliare“, deren reaktionären Bedürfnissen die Kirche nicht nachgehen dürfe.

Es drängt sich doch der Verdacht auf, daß nur dann die Kirche eine hörende sein soll, wenn die „Basis“ fortschrittliche Wünsche artikuliert, dagegen wäre es ein unverantwortlicher evangeliumswidriger Populismus, hörte sie auf conservative Stimmen.So ist es bezeichnend, daß der Pastoraltheologe gegen das Konzept einer „konfessorischen Kirche“ polemisiert3, da das ein fundamentalistisches sei und die feministische Theologie und die marxistische Befreiungstheologie als etwas Positives begrüßt, obschon fundamentalistische gut ankämen, aber eben reaktionär seien.

Die Kirche habe die Menschen auf ihren Wegen zu begleiten, von der Geburt und dem Begleitritus der Taufe bis zum Tode mit dem Begleitritus der Beerdigung. So habe auch die kirchliche Seelsorge den Menschen zu begleiten, auf all seinen Wegen und Irrwegen.

Nur, die Seelsorge war ursprünglich die Aufgabe der Seelenführung, ihr auf ihrem Wege zum Himmel zu führen, dazu ihr zu helfen. Jetzt begleitet sie nur noch ohne auf ein Ziel ausgerichtet zu sein, es sei denn der Begleitetwerdender äußert seine Zielvorstellungen.

Der Sohn Gottes gab seiner Kirche diesen Auftrag: „Darum gehet zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ Mt, 28, 19f.

Die Kirche sollte lehren! Es ist ihr eine Lehre vorgegeben. Das ist etwas anderes als daß sie primär zu hören hat, sondern sie hat in die Lehre Jesu Christi zu gehen, um dann seine Lehre zu lehren und Seelen an Hand von ihr zu führen!

1So titelt das Bistumsblatt Passau am 25.9.2026 , S.5 : das Konzept der Synodalität.

2Leo Karrer, Die Stunde der Laien, 1999, S.209.

3Leo Karrer, S.210.

Mittwoch, 23. September 2026

Ein obskurantistischer Gedanke: wider den terrazentralistischen Provinzialismus

 

Ein obskurantistischer Gedanke: wider den terrazentralistischen Provinzialismus


(( Ist der Text lesbar- ich erprobte eine neue Schrift))


Wenn ich jetzt einen Lottoschein ausfüllt, hoffend auf „6 Richtige“, dann ist die Wahrschinlichkeit eines Erfolges so gering, daß der Versuch schon absurd ist.

Wenn dagegen 6 Millionen eíuen Lottoschein ausfüllen, ist es kaum vorstellbar, daß nicht mindestens einer „6 Richtige“ haben wird.

Daß auf einem Planeten intelligentes Leben entsteht, ist, wohl so unwahrscheinlich wie „6 Richtige“ bei einem einzigen ausgefüllten Lottoschein. Da es aber im Universum, das ist die Gesamtheit der Schöpfung Gottes, mehr Planeten gibt als Sandkörner in allen Wüsten der Erde zusammen, ist es naturwissenschaftlich eine fast unmögliche Vorstellung, daß nur auf dem Planeten Erde intelligentes Leben entstanden sei.

Wenn Gott das ganze Universum erschuf mit mehr Planeten als Sandkörnern auf der Erde, dann wäre das eine für einen Gott unvorstellbare Ressourcenverschwendung! Warum hätte Gott so viele Planeten erschaffen sollen, wenn er dann nur auf einem intelligentes Leben erschaffen hat, das zu einer religiösen Beziehung zu ihm also befähigt wäre?

Aus einer naturwissenschaftlichen wie aus der theologischen Perspektive ist die Meinung, daß nur auf dem Planeten Erde Leben entstanden sei, mehr als unglaubwürdig.

Was hat das aber für die Christologie für Folgen? Inkarnierte sich der göttliche Logos in so viele Intelligenzwesen, wie es sie im ganzen Universum gibt, einmal in einen Menschen und einmal in ein Intelligenzwesen des Planeten 2, des Planeten 3 usw?Ist der Sündenfall das kontingente Schicksal des Menschen, aber nicht das der vielen anderen von Gott erschaffenen Intelligenzwesen?

Ja, hier stehen wir vor den Toren wahrhaftig spekulativer Theologie. Könnten auch Antworten eruiert werden? Eines ist aber sicher: Es ist mehr als naiv, wenn wir meinen, nur uns Menschen gäbe es in dem ganzen Universum Gottes. Und vielleicht sind diese „Außerirdischen“ uns schon näher gekommen, als es uns lieb ist- ich denke an das Phänomen der Ufo-Sichtungen!

Als erfahrener Zukunftsromanleser kann ich mir den Gedanken nicht ganz verkneifen, ob nicht eventuell unser Sonnensystem mit der Erde sozusagen ein "Provinznest" jenseits der großen kosmiuschen Ereignisse ist, daß halt nur ab und zu mal Forscher bei uns vorbeischauen: Wie steht es denn nun um den Menschen,wie weit haben sie sich denn inzwischen weiterentwickelt? 

Dienstag, 22. September 2026

Zur Kirchenkrise und der Krise der christlichen Religion – ein weiterer Erklärungsversuch

 

Zur Kirchenkrise und der Krise der christlichen Religion – ein weiterer Erklärungsversuch


Wenn man sich weder mit der naiven Vorstellung, an der Krise sei primär die „Diskriminierung“ der Frau in der Kirche und die zu conservative Sexualmorallehre der Kirche schuld noch mit der, man bräuchte nur die vorkonziliare Kirche mit ihrer Theologie repristinieren, zu Frieden geben mag, der steht vor der Aufgabe, erst mal eine Genealogie dieser Krise sich zu erarbeiten.

Ich lege hierzu nun einen weiteren Versuch dar.

These: Die christliche Religion ist eine Buchreligion. Es gibt nur ein maßgebendes Buch, die Bibel und viele andere Bücher, die allerdings ihren Wahrheitsanspruch daraus ableiten, daß sie eine Sekundärliteratur zu dem einen Buch sind. Was wahr ist, erschließt sich so nur durch das Studium des einen und dann sekundär der vielen Bücher. Der Gebildete ist so der, der versteht, was er da in dem einen und dann abgeleitet in den vielen kommentierenden Büchern liest.


Die Aufklärung und der Humanismus setzte diese Vorstellung der Bildung voraus, um sie dann zu modifizieren: Nun sollte es viele gute Bücher geben, die gute Literartur, durch deren Studium der Mensch sich bildete. Der „Monotheismus“ des einen Buches wurde so ersetzt durch einen Bücherpolytheismus: Die guten Bücher avancierten nun zu der Quelle der Bildung und der Humanität. So blieb die Aufklärung in der Tradition des Glaubens an die Wirkkraft des Buches, des Geschriebenen.


Den Hintergrund bildet ein bestimmtes Wirklichkeitsverständnis, daß es die Wirklichkeit der Vielfalt der Erscheinungen gibt, die Wahrheit des Erscheinenden aber nicht einfach sie selbst sind, sondern das, was in ihnen erscheint. Zu diesem den Erscheinenden als Wahrheit zugrunde Liegendem führt das eine heilige Buch, da es das Buch der offenbarten Wahrheiten ist und die viele Kommentarbücher. Das Wahre ist so ein dem Erscheinenden, den Phänomenen gegenüber Transzendentes.


(So obskur es auch klingen mag: Selbst der orthodoxe Marxismus hielt noch an diesen Buchglauben fest, indem nun die marxistischen Klassikertexte als die die Wahrheit erschließenden gelesen wurden, die Gesamtausgaben von Marx, Engels, Lenin und Stalin.Man könnte den Marxismus als säkularisierte Erlösungsideologie somit als ein uneheliches Kind der christlichen Religion bezeichnen.)

Gegen diesen Buchglauben stellt die Weltanschauung des Empirismus einen rabiaten Bruch dar. Nun gilt das Urteil, das sei doch Bücherwissen, als ein Negativurteil . „Das hat der nur aus Büchern, vom wirklichen Leben dagegen hat er keine Ahnung.“ Der Büchermensch gilt nun als ein weltfremder Mensch, gebildet ist nur der, der seine Studierstube verläßt und hinausgeht, um alles zu erforschen. „Reisen bilde“ heißt es nun.1

Den Hintergrund dieses Wirklichkeitsverständnises bildet die Vorstellung, daß die Einzeltatsachen, die Dinge in sich das Wahre seien und daß nun alle Interpretationen und Theorien, die über das Einzelne als Wahrnehmbares hinausgehen,dem kritischen Verdacht unterliegen, haltlose Spekulationen über das einzig Erkennbare, dem Einzelnen zu sein.

Das Bücherwissen sei eben gar kein Wissen, sondern böte nur zweifelhafte Interpretationen des Wirklichen dar, die allein empiristisch erkennbar sei, was eben meß- und zählbar sei. Wenn die Bibel von Jesus als dem Sohn Gottes schreibt, dann ist das eben nur eine Deutung der Person Jesu von Nazareth. Die Umweltkatastrophe der Sintflut deutet die Bibel halt nur als ein Strafgericht Gottes, statt es bei einer naturwissenschaftlichen Erklärung sein zu lassen.

Das Buchwissen wird so zu einer Deutungskultur entwertet, dem die wirkliche Welt der Tatschen gegenüberstünde und die erschlössen sich eigentlich nur durch die Naturwissenschaften.


Die Krise der Kirche ist so auch die Krise des Buches, indem das, was ein Buch schreibt von dem, worüber es schreibt unterschieden wird als eine Polarität von dem, wie es ist, und dem, wie es beschrieben wird. Das Wie des Beschreibenwordenseins gerät dabei unter den Generalverdacht eines Verschreibens der Wirklichkeit. Bücher seien Verschreibungen der Wirklichkeit und keine Führer mehr zur Wahrheit, die sich in ihnen offenbare.


Dieser Zerfall des Wahrheitsgehaltes der Sprache setzt voraus, daß die Wirklichkeit selbst nichts sprachlich Strukturiertes sei und so genaugenommen nie von der Sprache erfaßt, begriffen werden könne.Die Theologie setzt dagegen, daß alles durch den göttlichen Logos ist und so selbst sprachlich strukturiert ist. „Gott sprach und es wurde!“ Der Zerfall des Wahrheitsgehaltes der Sprache wird aber gerade aus der Sprache selbst erst ermöglicht, indem in ihr die Differenz zwischen dem Zeichen, einer Zeichensprache und dem Bezeichneten ruht. Im Nominalismus begann dann der Zerfall, indem den abstrakten Begriffen keine reale von ihnen verschiedene Existenz zugebilligt wurde. Die Ideen von etwas galten nun ontologisch nicht mehr als ante rem, als die Idee Gottes von ihm sondern nur noch als post rem nachträglich produzierte Gedanken über es, wie auch die Bücher mit ihrem eigenen Buchwissen.


1In einem Reiseführer las ich mal: „Du siehst nur, was Du kennst!“. So offenkundig die Abzweckung dieser Aussage auch ist, mich zum Kaiuf dieses Buches zu animieren, so wahr ist doch diese Aussage.