Offenbart Gott uns noch etwas oder mißfällt das Offenbarte, sodaß es wegtheologisiert wird?
KI informiert über das „instruktionstheoretische Offenbarungs-verständnis“.1 Dieses Verständnis „betrachtet göttliche Offenbarung primär als Belehrung und Mitteilung von Glaubenswahrheiten. Gott teilt sich hierbei nicht direkt als Person mit, sondern instruiert den Menschen durch Satzsätze, Dogmen und Gebote, die unhinterfragt aufgrund der göttlichen Autorität geglaubt werden müssen.
Dieser Ansatz war über Jahrhunderte in der katholischen Theologie vorherrschend und wurde insbesondere auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869–1870) vertreten.“
Auch wenn in diesem KI-Beitrag eine hyperkritische Tendenz unüberlesbar ist, so ist das doch eine treffende Darlegung dieses Offenbarungsverständnisses, das so schon prägend ist für die hl.Schrift und dann in der theologischen Reflexion so begriffen wurde.Wenn Propheten im Auftrage Gottes sein zukünftiges Handeln voraussagten, dann beansprucht eine solche Prophetie allein aus der Autorität Gottes ihre Wahrheit. Das gilt isb auch für die Johannesoffenbarung. Gott als der oberste Gesetzgeber ist so aber auch der Grund der Wahrheit der uns offenbarten Gesetze. Nicht „unhinterfragt“ sondern wegen der Einsicht in Gottes Autorität wird das von ihm Offenbarte also geglaubt. Gottes Gebote sind wahr, weil er der Gesetzgeber schlechthin ist, Gott ist der Herr der Geschichte,und deswegen wird das von ihm uns durch Propheten Vorausangekündigte auch geschehen.
Jesu Haupttätigkeit war die des Lehrens, und so gab es eine Lehre Jesu, als Genetivus subjectivus und nachösterlich eine Lehre über ihn, als Genetivus objectivus,die schon das Neue Testament bezeugt. Aber genau diese Lehrtätigkeit Jesu Christi gerät nun in das Fadenkreuz der Kritik der Konzeption der „ Selbstmitteilung Gottes“ als der Antithese zu diesem instruktionstheoretischen Offenbarungsverständnisses.
„ Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) und dessen Dokument Dei Verbum fand ein Paradigmenwechsel statt. Die Kirche wandte sich vom instruktionstheoretischen Modell ab und hin zum Modell der Selbstmitteilung Gottes. Hierbei steht nicht die Belehrung durch Lehrsätze im Vordergrund, sondern die personale Begegnung und die lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Die „personale Begegnung“ meint nun nichts anderes als die „lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Das „und“ ist hier als ein explikatives zu lesen, im Sinne von: „das ist...“
Der Gehalt ist einzig der des Geliebtwerdens, des Bejahtwerdens durch Gott in der Begegnung mit Jesus. Im Hintergrund steht ein humanistisches Begegnungsverständnis der gelungenen Begegnung:
„Ich bin in Ordnung und Du bist in Ordnung!“ Drei mißlingende Begegnungsschemata stehen dem gegenüber: erstens das hysterische: „Ich bin in Ordnung, Du aber nicht!“, das depressive: „Ich bin nicht in Ordnung, Du aber bist es!“ und das verfehlteste: „Ich bin nicht in Ordnung und Du bist nicht in Ordnung!“
Als gelungen gilt dann nur das Schema der Anerkennung: „ Du und ich sind in Ordnung!“ Genau das ereigne sich nun in Gottes Selbstmitteilung in Jesu. Die ganze Morallehre der Kirche sei also aus dieser Begegnung zu deduzieren, und alle Gebote Gottes und Kirchengebote können dann nur noch eine Geltung beanspruchen, wenn sie kompatibel sind mit der Zuwendungserfahrung des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott.
Gott gibt uns so keine Gebote, er offenbart uns nur sein Liebesein und schon gar nicht kündigt er uns prophetisch Zukünftiges voraus. Die Johannesoffenbarung wie auch alle apokalyptischen Texte der Bibel sind so nur religiöse Phantasieprodukte und keinesfalls gründen sie in einer Offenbarung Gottes.
Auch die Lehrtätigkeit Jesu, schon gar nicht seine Kontroversen mit seinen Berufskollegen, den pharisäischen Gesetzeslehrern gehören so zum Eigentlichen Jesu: Er konzentrierte sich eben darauf, in seinen Begegnungen seine/Gottes Liebe zu jedem unmittelbar erleb- und erfahrbar zu machen! „Ich habe Euch doch alle lieb!“
Diese Konstruktion der gelungenen Begegnung ist nun offenkundig ein Produkt der Philosophie des Personalismus und hat mit der Denkwelt der Bibel und der auf sie fußenden Theologie wenig gemein, aber gehört in das Archiv des Liberalismus, gerade in seiner Abneigung gegen alles Dogmatische und Systematische: Nur der Einzelne und das Einzelereignis zähle, alles andere sind intellektualistische Konstruktionen, denen keine Realität zukäme- das Credo des Nominalismus.
Und wozu dient dieser personalistische Reduktionismus? So kann man sich die ganze Lehre der Kirche, die dogmatische wie die moraltheologische vom Halse schaffen und substiuieren durch einen Humanitarismus, basierend auf dem Credo des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott.
Zusätze
Ein Lehrer- Schüler Verhältnis ist kein persönlich personales sondern ein sozial regulierte der Ordnung des schulischen Unterrichtens. Jesus war zuvördest ein Lehrer, er agiert aber auch als ein Amtsinhaber, als Messias und nicht als eine Privatperson. Seine Berufung bestand darin, sich priesterlich als das Sühnopfer am Kreuze darzubringen: das hat nichts zu tuen mit einer "persönlichen Begegnung". Zudem gilt, daß die Begegnung im emphatischen Sinne ihren Sitz im Leben im Genre des Liebesfilmes hat, wo zwei sich in einem Augenblick als füreinander Bestimmte erkennen, filmästhetisch brillant inszeniert in der 1.Folge von "Sturm der Liebe", zwischen Laura und Alexander.
1Aufgerufen bei KI unter diesem Stichwort. Nach meinen bescheidenen Erfahrungen mit KI : Was ich da finde, zeichnet sich durch eine gute Qualität aus.