Montag, 10. August 2020

Anarchochristen- eine Spurensuche

Selbstverständlich ist dies ein polemischer Begriff, aber wo steht geschrieben, daß es für die ecclesia militans (= die kämpfende Kirche, die auf Erden und noch nicht im Himmel sich befindenden) kämpferische Begriffe unerlaubt seien? Erst seit dem die Vorstellung vom „wandernden Gottesvolk“ diesen Begriff ersetzt hat, als wäre das Erdendasein der Kirche ein lieblicher Picknickausflug, ist ja uns das Verständis fürs Kämpfenmüssen verloren gegangen.

Jetzt steht da dieser polemische Begriff, der nun mit Inhalten gefüllt sein will, damit er uns zu einem lebendigen Begriff wird. Ich skizziere nun einige Fälle, die unter diesen Begriff subsumierbar sind:

Ein Extrembeispiel: Ein Mann liegt im Sterben, die Ärzte erwarten in Bälde seinen Tod. Aber er hat noch gesunde Organe, die jetzt herausnehmbar transplantiert werden könnten. Im selben Spital liegt auch ein anderer Patient, der nicht mehr lange zu leben hat. Wenn die Ärzte nun dem ersten zum Überleben notwendige Organe entnehmen würden, sobald der Gehirntod diagnostiziert wurde, und sie dem Anderen implantierten, dann hätte diese gute Chancen zum Weiterleben.

Wie beurteilen nun einige, oft sich als „fromm“ verstehende Christen? Wenn ein Gehirntod diagnostiziert wird, ist nur das Gehirn tot aber noch nicht alle Organe. So könnte der Ganztod des Sterbenden dann durch die Entnahme von lebenswichtigen Organen bewirkt werden und darum dürfen sie erst entnommen werden, wenn der Mensch ganz tot ist und somit auch all seine Organe. Dann kann man sie aber nicht mehr zum Nutzen anderer implantieren. So verlange der Glaube, daß der Sterbende die Entnahme von lebensnotwendigen Organen ablehnt, er dann stirbt und der Mitmensch dann auch, weil für diesen keine implantierbaren Ersatzorgane vorhanden waren. Das sei christlich geboten! Es gälte also, unbedingt bis zur letzten Lebenszuckung am eigenen Leben festzuhalten, auch wenn deshalb andere sterben müssen. Unzumutbar ist die Vorstellung des Opfers des eigenen Lebens zugunsten des Lebens von Mitmenschen. Und das gälte auch, wenn es sich nur noch um wenige Lebensmomente handelt, die zwischen dem Gehirntod und dem des Ganztodes.

Fundiert ist diese Lebenseinstellung in dem Grundsatz, daß jeder sich selbst das Wichtigste ist, und daß es nichts gibt, für das man sich zugunsten von anderen einschränken wolle, es sei denn, das nütze auch dem Sicheinschränkenden selbst. Diese Selbstverabsolutierung zum Nachteil der Mitmenschen, das sei als anarchistisches Grundprinzip verstanden. Es gibt nur mich, nur ich zähle.



Szenenwechsel

Irgendwo in Deutschland wird einem letztinstanzlich abgelehnten Asylbewerber ein sogenanntes „Kirchenasyl“ gewährt. Mit welchem Recht. Das Aner-kennungsverfahren ist doch in letzter Instanz zu dem Ergebnis gekommen, daß dieser Antrag auf Asyl nicht angenommen werden kann. (Man möge sich dies mal vorstellen: Ein Mörder würde zu lebenslanger Haft verurteilt und eine Kirchengemeinde nähme den Verurteilten auf, gäbe ihm „Asyl“, sodaß er nicht seine Haftstrafe antritt, mit der Begründung, die Gemeinde meine, er sei zu unrecht verurteilt! Mit welchem Recht? Einfach mit dem der Meinung, daß hier falsch geurteilt worden sei. Die Gemeinde könne eben diesen Mordfall besser beurteilen als ein weltliches Gericht. Das ist so absurd, das würde kein vernünftiger Mensch akzeptieren.)

Aber wenn es um abgelehnte Asylanten geht, dann soll das plötzlich legitim sein? Es ist offenkundig, daß hier ein rechtskräftiges Urteil, daß nach geltendem Gesetz ein Asylantrag abgelehnt wurde, im Widerspruch steht zu dem rein moralischen Urteil der Gemeinde, daß diesem Asylanten sein Wunsch nach einem dauerhaften Aufenthalt nachzukommen sei. Im Namen dieses Moralurteiles habe der Staat auf sein Rechtsurteil dann zu verzichten, Diese Verabsolutierung des eigenen Moralurteiles, das ist genau das anarchische Grundprinzip dieser Haltung. Das ist die christliche Hypermoral, (Arnold Gehlen) die sich gerade in der Praxis des Kirchenasyles auslebt.



Letztes Beispiel

Angesichts der Coronaseuche verlangte der Staat von all seinen Bürgern, eine deutliche Einschränkung seiner Freiheitsrechte hinzunehmen. Da das Allgemeinwohl dem des Individualwohles übergeordnet ist, ist das prinzipiell legitim. Ernst von Salomon verdanken wir (in seinem Roman: Der Fragebogen) eine sehr gediegene Explikation der Frage, was es heißt, sich zu einer Staatsbürgerschaft zu bekennen: Wenn ich sage, diesem Staate anzugehören, dann sage ich damit aus, für wen ich im Ernstfalle des Krieges zu töten und zu sterben bereit bin. Ernstfälle verlangen von allen die Opferbereitschaft um des Allgemeinwohl willens. Und das ist auch zutiefst christlich, denn Jesus Christus hat ja selbst sein eigenes Leben am Kreuze geopfert, um die Vielen zu retten. Aber ganz anders agieren nun manche „frommen“ Christen, auch und gerade im offenen Widerspruch zu ihren Bischöfen, die zum Gehorsam aufriefen.

Erstmal maßt man sich da an, besser über diese Seuche Bescheid zu wissen als die Regierung (kraft göttlicher Eingebung?): Warum dann gehorchen? Es sei unzumutbar, daß wir Christen die Einschränkungen unserer Freiheitsrechten akzeptieren, die alle anderen Staatsbürger zu akzeptieren haben. Denn wenn wir zu unseren Versammlungen gehen wollen, dann muß der Staat das erlauben, auch wenn er allen anderen um der Seuchenansteckungsgefahr willen das Sichversammeln untersagen darf: „Keine Rudelbildung“ hieß halt die staatliche Parole, aber das dürfe nicht für christliche Versammlungen gelten! Das allgemeine Versammlungsrecht, das eben auch für Notfälle ein Untersagen des Sichversammelns erlaubt, gälte eben für uns Christen nicht. Warum nicht? Das anarchistische Grundprinzip lautet eben, daß der Staat- auch nicht im Namen des Allgemeinwohles- MEINE Freiheitsrechte einschränken darf, die anderer schon, aber nicht die MEINIGEN.

Aber es gäbe doch ein Grundrecht auf freie Religionsausübung! Sicher, aber jedes Grundrecht darf der Staat auch um des Gemeinwohl willens einschränken. Unser Staat ist eben kein Nachtwächterstaat. (Für die Bedeutung des Notstandes, des Ausnahmezustandes sei hier wegweisend auf Carl Schmitt verwiesen.)

Die Ausübung der Religionsfreiheit wäre nur dann nicht hinnehmbar beeinträchtigt, hätte der Staat wirklich die Gottesdienste verboten. Das tat er aber nicht. Er verbot nur das Sichversammeln in den Kirchen. So konnte jeder Christ per Medien an den gehaltenen Gottesdiensten teilnehmen und so ist das Verbot öffentlich gefeierter Messen eine akzeptable Einschränkung gewesen.(Bei der Beurteilung dieser Verbotsmaßnahme ist zudem zu berücksichtigen, daß 91 Prozent der Katholiken und 97 Prozent der Evangelischen Sonntag für Sonntag nicht zum Gottesdienst gehen- sie demonstrieren unübersehbar für den Staat, daß Gottesdienste für die überwältigende Mehrheit der Christen überflüssig sind. Das zu berücksichtigen, kann nun niemand dem Staate wirklich verübeln. )

Aber all das interessiert einen Anarchochristen nicht: Er sieht nur SEIN Recht, sonst nichts und dann will er gar dem Staate, das ihm eigene Recht, die Ausübung von Grundrechten einzuschränken, absprechen,nur weil er sich nicht einschränken lassen will. 

 

Corollarium 1

Den ideengeschichtlichen Hintergrund dafür bildet eine unangemessene Vorstellung vom Menschen, daß er rein atomistisch betrachtet wird und so verkannt wird, daß jeder Einzelne eine komplexe Individuierung des Menschseins ist, und er so nur ist als Partizipierender an etwas im Vorausgehendes und Größerem , der Menschheit, eines bestimmten Volksseins wie auch Geschlechtseins. Dieses ontologische Sein der Indiviuumes moralphilosophisch nicht zu berücksichtigen bringt dann Anthropologien hervor, die das Sein des Menschen verkennen.  

 

Samstag, 8. August 2020

Irritationen: Vergibt Gott und vergibt er auch nicht unsere Sünden?

Ein Versuch, hoffend bessere Lösungen noch zu finden!

Täglich betet ein Christ wohl das Vater Unser: und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Kann es sein, daß Gott mir zwar meine Schuld vergibt, dem anderen, nehmen wir an, daß auch er ein Christ ist, aber nicht, sodaß ich dem seine Schuld mir gegenüber zu vergeben habe und nicht Gott. Das scheint absurd. Suchen wir einmal Ordnung in diesen Gedankengang zu bringen. Jede Sünde ist immer ein Tuen oder Unterlassen gegenüber Gott und oft auch ein Tuen und Unterlassen anderen Menschen gegenüber. Wenn Gott vergibt, vergibt er dann sowohl die Sünde wider ihn wie auch, wenn es eine Sünde wider andere Menschen ist, die Sünde wider die anderen Menschen? Sünde verlangt nach einer Strafe, gerecht straft Gott, wenn das Maß der Strafe dem Maß der Sünde entspricht, er also ausgewogen straft. Denken wir uns einen Vergewaltiger- durch diese Tat sündigte der Täter wider Gott und die Frau, die er vergewaltigte.

Nehmen wir an, daß er diese Tat jetzt im Beichstuhl beichtet und der Priester ihm die Sünde verzeiht, ist ihm dann auch die Sünde als gegen die Frau vollzogene vergeben oder nur die Sünde,sofern sie auch ein Tuen wider Gott, Gottes Gesetz ist? Könnte der Täter nach der Beichte urteilen, daß nun eigentlich der Staat kein Recht mehr hätte, ihn wegen dieser Tat zu bestrafen, weil Gott sie ihm durch den Priester schon vollständig vergeben hätte.

Nehmen wir an, das Opfer träte an den Täter heran um ihm diese Untat zu vergeben, (vielleicht weil sie das Vater Unser sehr ernst nimmt: wie auch wir vergeben unseren Schuldigen) könnte dann der Täter respondieren, Gott habe ihm schon diese Untat vergeben, deshalb sei ihre Vergebung, so löblich sie auch gemeint sei, für ihn überflüssig. Warum mußte dann aber der reuige Sünder am Kreuze noch seinen Straftod erleiden, obzwar ihm Jesus Christus am Kreuze seine Sünden vergab: Heute noch wirst Du im Paradiese sein, verheißend? Kann irgendwie dieser erlittene Kreuzestod noch gerechtfertigt werden, wenn der Sohn Gottes ihm seine Sünden vergeben hatte?Hätte Jesus als Allmächtiger nicht eher sagen müssen: Weil ich Dir Deine Sünden vergeben habe, wäre es ein Unrecht, müßtest Du jetzt noch die Todesstrafe für Deine Sünden erleiden. Steig also ab vom Kreuze herab und sündige forthin nicht wieder? Aber der Sohn Gottes hatte ihm zwar seine Sünden vergeben, ob seiner reuigen Beichte, aber er erließ ihm nicht die weltliche Todesstrafe für seine Verbrechen.

Anders gefragt: Warum gibt es noch das Fegefeuer für Sündiger, denen Gott ihre Sünden vergeben hat, sonst könnten sie nicht ins ewige Leben eingehen, aber die doch noch ihre Sünden im Fegefeuer abzubüßen haben? Vergibt Gott und vergibt er doch nicht? Warum soll denn überhaupt ein Christ einem Anderen vergeben, wenn es allein auf die Vergebung durch Gott ankommt, der dann dem Vergewaltiger in der Beichte seine Sünde vergibt nicht nur als etwas ihm Zuwidere sondern auch als Verbrechen der Frau gegenüber? Könnte es sein, daß dieser Vergewaltiger tatsächlich im Fegefeuer seine Untat als der Frau gegenüber getätigte abzubüßen hat, weil sie ihm nur als Untat wider Gott vergeben wurde, sodaß ihm das Fegefeuer nur erspart bliebe, wenn die vergewaltigte Frau auch ihm diese Untat verziehen hätte?

Ein sehr gewagter Gedanke, aber doch nicht ganz uneinsichtig. Als Geschädigter kann Gott sehr wohl jedes Sündigen gegen ihn selbst verzeihen, wenn er es will,aber mit welchem Recht würde er im Namen des Vergewaltigungsopfers diese Untat verzeihen können, wenn Gott nicht völlig willkürlich vergibt? Könnte es so also sein, daß wenn er die Sünde gegen sich verzeiht, er damit nicht gleichzeitig die Sünde, sofern sie auch ein Sündigen wider Menschen ist, verzeiht, sodaß dies im Fegefeuer abgebüßt wird, sofern das Opfer der Sünde nicht selbst dem Täter die Untat verzeiht. Dann büßte am Kreuz der Mörder, obgleich ihm von Gott her seine Sünde verziehen war, seine Verbrechen gegen die Menschen ab, denn die hatten ihm seine Untaten nicht verziehen.



Wer eine bessere Lösung dieses Problemes weiß, bitte sie anzeigen!

 

Freitag, 7. August 2020

Wo Religion ist, soll Wissenschaft werden! Oder die Lust zum Eigentorschießen

Welcher Torwart kennt dies nicht, wenn Stürmer, übereifrig und ungeschickt im eigenen Strafraum aushelfend den Ball dann unhaltbar ins eigene Tor versenken: gescheiterte Apologeten. Das gibt es auch in der Kirche. Ein peinliches Beispiel dafür präsentiert kath de mit dem Artikel: Die Kirche und die Hexen: Sollten "weise Frauen" vernichtet werden? , am 2.8.2020. Es geht also um den antikirchlichen Klassiker der Hexen verfolgenden Kirche in apologetischer Intention.

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenszauber – das ist natürlich Unsinn. Wie auch so vieles, was man über die Hexenverfolgung bis heute hören und lesen kann. Denn so falsch die damals unterstellten Zusammenhänge und so haarsträubend der Aberglaube, so falsch und haarsträubend sind manche Unterstellung der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber. Sie habe die Verfolgung betrieben, sie habe damit "weise Frauen" unterdrücken wollen. Doch an der Hexen- und Zaubererverfolgung hat die katholische Kirche und die von ihr eingesetzte Inquisition nur einen geringen Anteil.“

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenzauber“ das sei „natürlich Unsinn“. Wenn das aber nur Unsinn war, warum beteiligte sich die Kirche dann an der Bekämpfung der Verursacher dieser Zauberpraktiken, wenn auch nur geringfügig? Dann wird es noch richtig vulgärsoziologisch:

Mitteleuropa, beginnende Neuzeit. Der Klimawandel trifft die Menschen hart. Irgendjemand muss Schuld sein an Missernten und langen, harten Wintern. Der Sündenbock ist schnell gefunden: Hexen und Zauberer hätten, so die populäre Vorstellung, durch böse Wettermagie die klimatischen Extremereignisse hervorgerufen und die Ordnung zerstört. Die Macht für diese negativen Interventionen käme direkt vom Teufel, so der Aberglaube im Volk, das zum Schutz vor diesen schädlichen Umtrieben die Verfolgung von angeblichen Hexen und Zauberern verlangte, wenn sie nicht gleich Selbstjustiz betrieb.“

Also so entsteht der Aberglaube: Menschen stehen vor einem Phänomen, dem Klimawandel, das sie nicht begreifen können. Deshalb greifen sie zu abergläubischen Verschwörungstheorien, daß Hexen und Zauberer im Bund mit dem Teufel diesen Klimawandel herbeigezaubert hätten. Hier wird einfach das religionskritische Narrativ, Religionen gäbe es, weil Menschen Naturkatastrophen noch nicht naturwissensschaftlich sich erklären konnten, ummoduliert zur Kritik eines populären Aberglaubens an das Wirken des Teufels, daß der Pakte mit Menschen schlösse: Ich tue Dir das, wenn Du mir das gibst. Wo also Religion ist, da soll Wissenschaft werden, denn die abergläubige Religion lebt ja nur, solange der Mensch unwissend ist, noch nicht hinreichend die Naturwissenschaften entwickelt hat.

Sollte das dann heißen, daß auch Teile der Kirche diese abergläubige Vorstellung geteilt haben und so- wenn auch nur geringfügig- an der Hexenverfolgung mitwirkten? Hätte der Verfasser statt dieser vulgärsoziologischen Religionskritik, die Religion verdanke sich der Unwissenheit, die hl. Schrift befragt, woher die Vorstellung eines Teufelspaktes käme, dann hätte er- o Graus- Jesus Christus selbst als den Urheber der Teufelspaktvorstellung erkennen müssen. Denn der Leibhaftige schlug ja in verscherischer Intention Jesus selbst einen Teufelspakt vor: Ich mache Dich zum Herren über alle weltlichen Mächte, wenn Du mich dafür anbetest. Das ist die Struktur des Teufelspaktes:

a) Er beruht auf der Freiwilligkeit. Der so Angesprochene kann Ja oder Nein zum vorgeschlagenen Pakt sagen.

b) Der Teufel bietet ein Gut an, das dem so Versuchten als begehrenswert erscheint. Wichtig ist dabei, daß Jesus nicht urteilt: Was Du verheißt, kannst Du gar nicht realisieren, Du betrügst einfach. Nein, der Sohn Gottes traut dem Teufel wirklich zu, das Verheißende realisieren zu können. Der Teufel ist ja ein gefallener Engel und so sehr mächtig, nicht allmächtig wie Gott aber übernatürlich mächtig.

c) Jesus kennt aber auch den Preis, den er dann dem Teufel dafür zu zahlen hat: Er gehört dann dem Teufel. Und darum sagt er Nein zu diesem Pakt mit dem Teufel. (Es wird Dostojewskis Großinquisitor vorbehalten sein, darum Jesus zu kritisieren: Wenn er doch nur diesen Pakt eingegangen wäre zum Wohle der Menschen!)



Sollte nun auch der Sohn Gottes in abergläubigen Vorstellungen verhaftet sich diese Versuchung nur erphantasiert haben, da er noch nicht wissenschaftlich gebildet erkannte, daß hier nur sein Unterbewußtsein zu ihm spricht in der Maskerade des Versuchers. Jesus kannte eben noch nicht Sigmund Freuds Unterbewußtsein!

Zu allen Zeiten hat die Kirche gelehrt, daß es den Teufel gibt und daß er Menschen zum Sündigen verführt und daß er dabei die Menschen nicht so versuchten kann, daß sie gezwungen Ja sagen müssen. Der Teufel kann nur verführen, wo der Verführte auch sich verführen lassen will, er also sein Ja spricht zum Teufel.

So reagierte die Kirche auf die populär- „abergläubige“ Vorstellung von Teufelspakten, die zum Nachteil von Menschen von Hexen und Zauberen vollzogen worden sind, gemäß ihrer eigenen Lehre vom Teufel. Der Teufelsglaube ist aus christlicher Sicht eben kein Aberglaube, sondern gehört selbst zur Lehre der Kirche. Es gibt zudem keinen legitimen theologischen Grund, auszuschließen, daß der Teufel nicht nur Jesus sondern auch anderen Menschen einen so gearteten Pakt vorschlägt und daß Versuchte dann ihr Ja sagen!

Gibt es das heute noch? Sicher, da wo Satanismus drauf steht, gerade auch bei einschlägigen Schwermetallmusikgruppen ist das in der Regel eher eine PR-Werbemaßnahme, aber das schließt nicht aus, daß es wirkliche Satanisten gibt, die ihrem Gott schwarze Messe feiern, die dann auch von dem Leibhaftigen erhört wird, daß er mit ihnen ist. Der praktizierte Satanismus wird maßlos verkannt, wird die Wahrheit verdrängt, daß der Teufel wirklich lebt und Menschen für sich in seinem Kampfe gegen Gott als Verbündete sucht, gerade auch in der Form des Teufelspaktes.Dem großen französischen Lyriker Boudelaire,(Die Blumen des Bösen) wird der Ausspruch zugeschrieben, daß noch nie der Teufel so erfolgreich war, seit dem man aufhörte, an ihn zu glauben.



Es ist wirklich ein Unglück, daß die Kirche aufgehört hat, dies Gebet zum Abschluß jeder Messe zu beten:

Heiliger Erzengel Michael, verteidige
uns im Kampfe; gegen die Bosheit und
die Nachstellungen des Teufels sei unser
Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen. 

 

Es muß aber festgehalten werden, daß mit dieser plumpen Vulgärsoziologie, die abergläubige Religion verdanke sich der Unwissenheit die christliche Religion sich selbst attackiert und so den Atheismus fördert.  
















Welcher Torwart kennt dies nicht, wenn Stürmer, übereifrig und ungeschickt im eigenen Strafraum aushelfend den Ball dann unhaltbar ins eigene Tor versenken: gescheiterte Apologeten. Das gibt es auch in der Kirche. Ein peinliches Beispiel dafür präsentiert kath de mit dem Artikel: Die Kirche und die Hexen: Sollten "weise Frauen" vernichtet werden? , am 2.8.2020. Es geht also um den antikirchlichen Klassiker der Hexen verfolgenden Kirche in apologetischer Intention.


Wettermagie, Teufelspakt, Schadenszauber – das ist natürlich Unsinn. Wie auch so vieles, was man über die Hexenverfolgung bis heute hören und lesen kann. Denn so falsch die damals unterstellten Zusammenhänge und so haarsträubend der Aberglaube, so falsch und haarsträubend sind manche Unterstellung der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber. Sie habe die Verfolgung betrieben, sie habe damit "weise Frauen" unterdrücken wollen. Doch an der Hexen- und Zaubererverfolgung hat die katholische Kirche und die von ihr eingesetzte Inquisition nur einen geringen Anteil.“

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenzauber“ das sei „natürlich Unsinn“. Wenn das aber nur Unsinn war, warum beteiligte sich die Kirche dann an der Bekämpfung der Verursacher dieser Zauberpraktiken, wenn auch nur geringfügig? Dann wird es noch richtig vulgärsoziologisch:

Mitteleuropa, beginnende Neuzeit. Der Klimawandel trifft die Menschen hart. Irgendjemand muss Schuld sein an Missernten und langen, harten Wintern. Der Sündenbock ist schnell gefunden: Hexen und Zauberer hätten, so die populäre Vorstellung, durch böse Wettermagie die klimatischen Extremereignisse hervorgerufen und die Ordnung zerstört. Die Macht für diese negativen Interventionen käme direkt vom Teufel, so der Aberglaube im Volk, das zum Schutz vor diesen schädlichen Umtrieben die Verfolgung von angeblichen Hexen und Zauberern verlangte, wenn sie nicht gleich Selbstjustiz betrieb.“

Also so entsteht der Aberglaube: Menschen stehen vor einem Phänomen, dem Klimawandel, das sie nicht begreifen können. Deshalb greifen sie zu abergläubischen Verschwörungstheorien, daß Hexen und Zauberer im Bund mit dem Teufel diesen Klimawandel herbeigezaubert hätten. Hier wird einfach das religionskritische Narrativ, Religionen gäbe es, weil Menschen Naturkatastrophen noch nicht naturwissensschaftlich sich erklären konnten, ummoduliert zur Kritik eines populären Aberglaubens an das Wirken des Teufels, daß der Pakte mit Menschen schlösse: Ich tue Dir das, wenn Du mir das gibst. Wo also Religion ist, da soll Wissenschaft werden, denn die abergläubige Religion lebt ja nur, solange der Mensch unwissend ist, noch nicht hinreichend die Naturwissenschaften entwickelt hat.

Sollte das dann heißen, daß auch Teile der Kirche diese abergläubige Vorstellung geteilt haben und so- wenn auch nur geringfügig- an der Hexenverfolgung mitwirkten? Hätte der Verfasser statt dieser vulgärsoziologischen Religionskritik, die Religion verdanke sich der Unwissenheit, die hl. Schrift befragt, woher die Vorstellung eines Teufelspaktes käme, dann hätte er- o Graus- Jesus Christus selbst als den Urheber der Teufelspaktvorstellung erkennen müssen. Denn der Leibhaftige schlug ja in verscherischer Intention Jesus selbst einen Teufelspakt vor: Ich mache Dich zum Herren über alle weltlichen Mächte, wenn Du mich dafür anbetest. Das ist die Struktur des Teufelspaktes:

a) Er beruht auf der Freiwilligkeit. Der so Angesprochene kann Ja oder Nein zum vorgeschlagenen Pakt sagen.

b) Der Teufel bietet ein Gut an, das dem so Versuchten als begehrenswert erscheint. Wichtig ist dabei, daß Jesus nicht urteilt: Was Du verheißt, kannst Du gar nicht realisieren, Du betrügst einfach. Nein, der Sohn Gottes traut dem Teufel wirklich zu, das Verheißende realisieren zu können. Der Teufel ist ja ein gefallener Engel und so sehr mächtig, nicht allmächtig wie Gott aber übernatürlich mächtig.

c) Jesus kennt aber auch den Preis, den er dann dem Teufel dafür zu zahlen hat: Er gehört dann dem Teufel. Und darum sagt er Nein zu diesem Pakt mit dem Teufel. (Es wird Dostojewskis Großinquisitor vorbehalten sein, darum Jesus zu kritisieren: Wenn er doch nur diesen Pakt eingegangen wäre zum Wohle der Menschen!)



Sollte nun auch der Sohn Gottes in abergläubigen Vorstellungen verhaftet sich diese Versuchung nur erphantasiert haben, da er noch nicht wissenschaftlich gebildet erkannte, daß hier nur sein Unterbewußtsein zu ihm spricht in der Maskerade des Versuchers. Jesus kannte eben noch nicht Sigmund Freuds Unterbewußtsein!

Zu allen Zeiten hat die Kirche gelehrt, daß es den Teufel gibt und daß er Menschen zum Sündigen verführt und daß er dabei die Menschen nicht so versuchten kann, daß sie gezwungen Ja sagen müssen. Der Teufel kann nur verführen, wo der Verführte auch sich verführen lassen will, er also sein Ja spricht zum Teufel.

So reagierte die Kirche auf die populär- „abergläubige“ Vorstellung von Teufelspakten, die zum Nachteil von Menschen von Hexen und Zauberen vollzogen worden sind, gemäß ihrer eigenen Lehre vom Teufel. Der Teufelsglaube ist aus christlicher Sicht eben kein Aberglaube, sondern gehört selbst zur Lehre der Kirche. Es gibt zudem keinen legitimen theologischen Grund, auszuschließen, daß der Teufel nicht nur Jesus sondern auch anderen Menschen einen so gearteten Pakt vorschlägt und daß Versuchte dann ihr Ja sagen!



Gibt es das heute noch? Sicher, da wo Satanismus drauf steht, gerade auch bei einschlägigen Schwermetallmusikgruppen ist das in der Regel eher eine PR-Werbemaßnahme, aber das schließt nicht aus, daß es wirkliche Satanisten gibt, die ihrem Gott schwarze Messe feiern, die dann auch von dem Leibhaftigen erhört wird, daß er mit ihnen ist. Der praktizierte Satanismus wird maßlos verkannt, wird die Wahrheit verdrängt, daß der Teufel wirklich lebt und Menschen für sich in seinem Kampfe gegen Gott als Verbündete sucht, gerade auch in der Form des Teufelspaktes.Dem großen französischen Lyriker Boudelaire,(Die Blumen des Bösen) wird der Ausspruch zugeschrieben, daß noch nie der Teufel so erfolgreich war, seit dem man aufhörte, an ihn zu glauben.



Es ist wirklich ein Unglück, daß die Kirche aufgehört hat, dies Gebet zum Abschluß jeder Messe zu beten:

Heiliger Erzengel Michael, verteidige
uns im Kampfe; gegen die Bosheit und
die Nachstellungen des Teufels sei unser
Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.


























 

Donnerstag, 6. August 2020

Universalistische Werte? Ganz ohne Gott?

Der Philosophieprofessor Markus Gabriel will also für die universalistische Geltung von Werten sich engagieren. Seinen Vortrag (so im Internet auffindbar: „Warum es zum Glück keine europäischen Werte gibt – Think Europe mit Prof. Dr. Markus Gabrieleröffnet er für einen Philosophen heutiger Zeit sehr ungewöhnlich mit der Frage: Sind die Gebote Gottes wahr und verbindlich, weil sie Gott gegeben hat oder hat Gott sie gegeben, weil sie wahr und verbindlich sind. 

So charakterisiert der „Deutschlandfunk“ das Anliegen dieses Philosophen, (Markus Gabriel: „Der Sinn des Denkens“Denken als sechster Sinn am 24.1.2019) „Denn Philosophie wendet sich gegen die unsinnige Behauptung alternativer Tatsachen, gegen Verschwörungstheorien und unbegründete apokalyptische Szenarien, damit all dies nicht endgültig überhandnimmt und es nicht wirklich in naher Zukunft zum Ende der Menschheit kommt. Deshalb ergreife ich im Folgenden einmal mehr Partei für einen zeitgemäßen, aufgeklärten Humanismus, der die intellektuellen und ethischen Fähigkeiten der Menschheit gegen unsere post- und transhumanistischen Verächter verteidigt.“



Also ein Verteidiger des Humanismus und ein Kritiker oppositioneller Denker, die von alternativen Tatsachen sprechen, Verschwörungstheorien und apokalyptische Szenarien vertreten usw. Aber wie paßt das alles zu dieser Ausgangsfrage?

Klar wird diese Frage von diesem Philosophen respondiert: Weil die Gebote wahr sind, gab sie Gott.Das heißt aber nun auch, daß Gott für die Wahrheit und Verbindlichkeit dieser Gebote überflüssig ist, denn sie sind nicht wahr, weil Gott sie dekretiert hat,sondern sie sind aus sich heraus evident wahr.Es gäbe so universal gültige Werte (als funktionales Äquivalent zu den Geboten?), die dem vernünftigen Denken als solche einsichtig seien. Eine autonome Vernunft könne so eine für alle Menschen verbindliche Moral oder zumindest universal gültige Grundwerte hervorbringen. Das ginge ganz ohne Gott, das ist eben der vernünftige aufgeklärte Humanismus.

Ab ovo: Kann es unabhängig von Gott das Gute, das was sein soll, geben, sodaß Gott so dem Menschen gute Gebote gab, weil sie aus sich heraus gut sind? Stünde das Gute so nicht über Gott, als wenn Gott wie ein Monarch einer konstitutionellen Monarchie regierte, daß die Verfassung (das Gute) ihm übergeordnet wäre? Woher soll aber diese Gott selbst übergeordnete Ordnung des Guten kommen, etwa aus einer Gott übergeordneten Vernunft?

Oder aber sollte Gott in sich selbst eine Vernunft vorfinden, die ihm anzeigte, was das Gute sei, dem er sich zu subordinieren habe- sozusagen ein Moralgesetz in Gott eingeschrieben?

So kann Gott nicht gedacht werden, weil er so wie eine Kreatur gedacht wird, der eine ihm eigene Natur vorausliegt und sie bestimmt. Gott ist als causa sui zu denken, daß er seine Natur sich selbst gibt, daß er als reine Selbstbestimmung zu denken ist. (Dieser Gedanke ist die große Leistung von Wilhelm von Ockham). Also muß gelten, da das, was gut ist, nur so ist, weil Gott es selbst so entschieden hat, es also ein rein dezisionistischer Akt ist, der nicht durch eine diesem Akt vorgegebene Ordnung bestimmt ist.

Eine andere Frage ist nun aber die, ob in der von Gott geschaffenen Welt das Gute, das was sein soll, weil es Gott so geordnet hat, dem Denken erkennbar ist? Auf diese Frage gibt uns der Apostelfürst Paulus im Römerbrief eine paradoxe Antwort: Zu allen Zeiten war das Gute, das was zu tuen ist, erkennbar, aber die Menschen haben nie das von ihnen immer möglich Erkennbare auch realisiert. So ist ein Humanismus (als Realisieren des Gesollten) denkbar aber nicht praktizierbar. Der Humanismus wird so nach Paulus immer nur eine schöne Theorie bleiben.

Außerdem muß aber auch angefragt werden, ob nicht auch die Erkennbarkeit des Guten durch die Sünde verändert wird, daß das, was als das Gute prinzipiell erkennbar wäre, nicht erkannt wird, weil es nicht erkannt werden will.

Diesem humanistischen Philosophen ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es für alle Menschen, weil sie Vernunftwesen sind, nur eine vernünftige Moral geben könnte oder zumindest vernünftige Grundwerte. Nur, ist das wirklich selbstverständlich? Liegt die Annahme nicht näher, daß verschiedene Kulturen sich auch durch verschiedene Moralordnungen unterscheiden, so daß die Behauptung, daß es eine für alle verbindliche gäbe, nur eine Manifestation des Willens zur Macht ist, eine zu verabsolutieren! So gab es im Luthertum der 30er Jahre eine Debatte der Frage, ob Gott nicht jedem Volke einen eigenen Volksnomos geben habe, gerade auch, um sie zu individuieren. (Aktuell: Einen bedenkenswerten Versuch legte Werner J. Mertensacker mit seinem Buch: „Die Treue“ vor.) Der Gedanke der Menschheit ist ja auch nur eine blutleere Abstraktion der Realität des Volkslebens gegenüber mit seiner Eigenkultur. (Es gäbe dann nach dieser lutherischen Konzeption für jedes Volk einen ihm eigenen Nomos, das, wozu es im Besonderen berufen sei und dann aber ein wahres Evangelium für alle. Den Hintergrund bildet die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium.

Obskurantistsch ist nun aber, warum der Glaube an die Möglichkeit universalistisch gültiger Werte dem Wahrheitsanspruch von Verschwörungstheorien widersprechen soll. Werner J. Mertensacker formuliert dazu treffend: „Verschwörungs-Theorien hat es immer gegeben.Das liegt daran, daß es auch Verschwörungen immer schon gegeben hat.“ Kurier der Christlichen Mitte, 8/2008, S.2. Ganz bekannte werden da erwähnt, die des Hohen Rates gegen Jesus Christus, die gegen Caesar, lapidar aber treffend wird festgestellt, daß Niemand solche Theorien so sehr bekämpft wie die Verschwörer selbst.

Auch ist es nicht einsichtig, warum universalistisch gültige Werte apokalyptische Szenarien verhindern könnten, etwa das, daß unsere Sonne einmal ausgebrannt jedes Leben auf der Erde vernichten wird. Ob der Mensch dann seinen Heimatplaneten verlassen muß, um zu überleben, oder ob er es schafft, mit einer künstlichen Ersatzsonne doch noch auf diesem Planeten zu überleben, hat sicher wenig mit solch universalistischen Werten zu tuen.

Grundsätzlicher.Der Begriff des Wertes entstammt dem Raum der Ökonomie mit seiner Unterscheidung des Gebrauchswertes von dem des Tauschwertes. Der Wert ist so nichts Konstantes oder Fixes. So hängt der Tauschwert von dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab und variiert so, der Gebrauchswert ist abhängig von dem jeweiligen Nutzer. So hat eine Briefmarke für einen Briefschreiber einen anderen Gebrauchswert als für einen Briefmarkensammler. Wie soll nun so etwas Instabiles wie der Wert ein Fundament für die Moralphilosophie bilden können?



Mittwoch, 5. August 2020

Die letzte Hoffnung für die Katholische Kirche


Was würde nur die Katholische tuen, stünden ihr nicht so wunderbar kreative Berater zur Seite! "Wenn der Synodale Weg scheitert, geht die Kirche gesellschaftlich ins Ghetto". So lautet der Untertitel, der Rettungsplan des Priesters und Buchautoren. Herr Stefan Jürgens Rettungsplan wird dann auf Katholisch de (4.8.2020) vorgestellt. Ganz dramatisch tönt da die Überschrift: „Priester und Autor Stefan Jürgens warnt vor Relevanzverlust der Kirche“. Der Synodale Weg sei die letzte Chance der Kirche! Welch eine Dramatik.
Was ist nun also zu tuen? Herr Jürgens hat die Lösung aller Kirchenprobleme gefunden, den Stein der Weisen:
Der Pfarrer hatte im November zusammen mit drei weiteren Priestern einen öffentlichen Aufruf zum Reformdialog gestartet. An dessen Ende müssten konkrete Beschlüsse stehen, "die den Klerikalismus, eine der Wurzeln des Missbrauchs in der Kirche, wirksam bekämpfen", heißt es darin. In seinem Buch "Ausgeheuchelt!" fordert Jürgens zudem, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen, den Pflichtzölibat zu beenden und mit Homosexuellen wertschätzender umzugehen.“
So und nur so ist die Katholische Kirche noch zu retten:
a) durch die Demontage des Priester- und Bishofsamtes , sein antiklerikales Anliegen
b) durch die Einführung des Frauenpriestertumes
c)durch die Abschaffung des Zölibates und
d) durch die Wertschätzung der Homosexualität.

Ein einfältigeres oberflächlicheres Reformprogramm der Kirche findet man schwerlich in der Kirchengeschichte. Völlig unbegreiflich ist aber, warum dieser „Berater“ des Synodalen Irrweges nicht zur Kenntnis nimmt, daß er einfach mit seinen protestantischen Anliegen in der falschen Kirche ist. Niemand würde doch Parteimitglied der „Grünen“, wenn er ein enthusiastischer Befürworter der Kernkraftwerke ist. Zudem, wenn er auf die „Kirchen“ der EKD blicken würde, wo all seine Reformvorschläge schon längst realisiert worden sind und noch viel mehr (da dürfen Frauen Pfarrerin werden und ihre Kinder im Mutterleibe töten lassen), müßte er da nicht zur Kenntnis nehmen, daß es um diese „Kirchen“ noch viel schlimmer steht als um die Katholische.
Dieser Berater würde wohl auch dem Fußballverein „Borussia Dortmund“, damit sie endlich mal wieder den Meistertitel holen, empfehlen, sich an den Absteigern der letzten Spielsaison zu orientieren, um Erfolg zu haben!
Nie war eine Kirchenkritik so niveaulos wie die jetzige. Und um die zu artikulieren, tagt nun diese Pseudoynode jahrelang, nur um das zu beschließen, was jetzt schon feststeht: Die Kirche muß sich verprotestantisieren, denn ihr Untergang ist ihre einzige Zukunft! 

Ach ja, hat diese Kirche denn noch etwas zu sagen, außer daß sie sich dem vorherrschenden Zeitgeist unterwerfen will. Der Kirche habe kein Thema mehr, klagt dieser Modernist: "Wie wolle die Kirche etwa für Demokratie eintreten, wenn sie selbst "monarchisch und klerikal" aufgestellt sei, fragt Jürgens." Für die jetzige staatstreue Kirche sei also die Verkündigung der Demokratie ein Zentralaliegen, die sie aber nicht glaubwürdig verkünden kann, solange sie selbst nicht auch sich wie der Staat demokratisch organisiere. Ob dann im kommunistisch regierten China die dortige Kirche nicht nur diese Staatsform als die beste aller möglichen verkündigen  und auch so sich selbst organisieren sollte, um in China nicht jede Relevanz zu verlieren?

 

Irritationen: Das gibt es nicht, das existiert nicht....


Vampire und Einhörner, eines ist ihnen gemein, daß es sie nicht gibt. Nur, wie erklärt es sich, daß von etwas, was es nicht gibt, Aussagen getätigt werden können, die veri- bzw falsifizierbar sind? So ist die Aussage, daß Vampire sich von Menschenblut ernähren, wahr, unwahr aber, daß Einhörner fliegen können. Darüber hinaus kann geurteilt werden, daß Vampire und Einhörner sehr wohl existieren und zwar in Unterhaltungsfilmen, in Kunstbildern, in Erzählungen, ja auch in der Alltagskultur. Und doch urteilen wir, daß es diese zwei Entitäten real nicht gibt.
Die Distinktion, daß sie nur in unserem Denken existierten und nicht in der Wirklichkeit, trifft es auch nicht, denn diese kulturellen Vorstellungen existieren ja auch unabhängig vom subjektiven Denken, sie haben sich so verobjektiviert, daß wir Aussagen über Vampire und Einhörner überprüfen können, ob sie wahr sind.
Könnte man dann die Existenz diese zwei Entitäten als virtuelle Existenz qualifizieren? Religionskritisch gewendet: Sind etwa alle Entitäten der Religion auch nur virtuelle, Gott, Engel, der Teufel und die Daimonen?
Was macht denn präzise etwa die Differenz zwischen einem Einhorn und einem Pferd aus? Daß das Einhorn ein dem Pferd Ähnliches ist, daß es sich aber distinkt durch sein Einhorn vom Pferde unterscheidet? Wenn aber geurteilt wird, daß das Pferd ist, das Einhorn aber nicht, dann ist das „ist“ in beiden Aussagen etwas Grundverschiedenes, denn einmal ist es eine Copula, das andere mal bedeutet „ist“ eine Existenzaussage und wir können nun präzisierend sagen, eine nichtvirtuelle Existenz. Somit fügt die Aussage, daß das Pferd ist, das Einhorn aber nicht, dem Subjekt etwas Reales hinzu, seine Existenzaussage, daß es real und nicht nur virtuell ist. (Gegen Kant, daß das ist kein reales Prädikat ist)
Wir leben also in einer Welt, die reale und virtuelle Existenzen ermöglicht. Wie ist aber nun ist unterscheidbar, was nur virtuell und was dagegen real (=nichtvirtuell) ist? Man könnte anders das Problem diskutieren: Es gibt verschiedene Wissenschaften, in denen dann bestimmte Größen als real angenommen werden, z,B in der Psychologie das Unterbewußtsein, in der praktischen Philosophie der freie Wille, in der Völkerkunde, daß es Völker gibt, aber nicht wird das, was in einer Wissenschaft als reales Objekt präsumiert wird, deshalb schon in den anderen so anerkannt. Gibt es so eine Realwelt, auf die sich alle wissenschaftlichen Diskurse teilweise beziehen, aber eben in verschiedener Weise? Verweist der Mensch der Betriebswirtschaftslehre und der der philosophischen Anthropologie auf das selbe Objekt, den Menschen an sich? Oder gibt es wie beim Beispiel des Bauern, des Schach- und des Kartenspielbauern und dem Bauern der Landwirtschaft keine allen „Bauern“ zugrunde liegende gemeinsame Entität namens Bauer, von der aus sowohl der Landwirtschaftsbauer, der Skatbauer und der Schachbauer begriffen werden könnte. Wäre das diesen diversen Bauervorstellungen Zugrundeliegende die Idee des Bauern?
Die Welt ist eine Totalität, die nur als Ganzes gedacht werden kann, wenn sie definiert wird von der Vorstellung der Nichtwelt. Die Welt ist die Negation der Nichtwelt und so denkbar (gegen den Philosophen Markus Gabriel) Aber wenn so die Welt als Ganzes gedacht werden kann, wie kann dann Gott in diesen Gedanken eingezeichnet werden? Spräche etwas dagegen, Gott als die Entität zu bestimmen, durch die es erst die Differenz von Welt und Nichtwelt gibt? Die Welt als Ganzes ist der Ermöglichungsgrund des Erscheinens von Seiendem´(realem und virtuellem), sodaß die Welt als Ganzes nicht selbst als zu erkennender Gegenstand in der Welt erscheinen kann, sie kann nur gedacht werden als die Negation der Nichtwelt und die ist wiederum nur die Negation der Welt. Die Nichtwelt wäre dann das, was der theologische Diskurs die Creatio ex nihilo begreift.Das Nichts ist nun nicht der Welt etwas Vorausgesetztes, sondern es ist nur als Nichtwelt durch die Setzung der Welt.
Wird aber von den Erscheinungen in der Welt gesprochen (Kant), dann impliziert das eine Grunddifferenz von dem, was ist, und dem, wie das, was ist, erscheint. Dann wäre alles Seiende in der Welt etwas Virtuelles, das auf ein Sein jenseits der Erscheinungen verweist. Gegen diesen damit mitgesetzten Dualismus kämpft nun isb die zeitgenössische Philosophie (nicht nur der brillante Zizek). Aber es darf angefragt werden: Warum? Sind nicht alle Wissenschaftsdiskurse auf eine Wirklichkeit ausgerichtet, die sich ihnen entzieht, wenn sie nur bei der Reflexion der Erscheinungen verharren? Diese Wirklichkeit wäre dann das ideele Sein von allem Erscheinenden der Welt im Denken Gottes als Idee.

Dienstag, 4. August 2020

„Die linke Gefahr“


Die Broschüre: „Die linke Gefahr.Das Leichengift der gescheiterten Linken“, von Professor Knütter 2019 erhellt die augenblickliche Lage der Linken in Deutschland und darüber hinaus. Sie kapriziert sich auf die große Zäsur 1989ff, der Implosion des „real existierenden Sozialismus“ und die Neuformierung des linken Diskurses nach dieser Zäsur. Die Linke war scheinbar tot (S.19), die sie tragenden Fundamente hatten sich aufgelöst: der Marxismus in seinen diversen Variationen. Es sollte nicht hinwegdiskutiert werden, daß der Siegeszug nicht nur an den deutschen Universitäten auch etwas mit der intellektuellen Ausstrahlungskraft der „Frankfurter Schule“, eines Adorno und Horkheimer, aber auch eines Georg Lukacs zu tuen hatte und nicht einfach auf effektive Manipulationen zurückzuführen sind. (Selbstkritisch angefragt: Hatten Conservative und Rechte dem etwas Gleichgewichtiges entgegen zu setzen?)
Aber dieser hochtheoretische Marxismus als geistige Grundlage der linken Weltbewegung hat ausgedient. (S.9).
Was bleibt ist eine Reduzierung auf die Geste der Anti-Haltung: man ist nur noch: Antifaschist, Antirassist, Antiglobalist, Antisexist...Positive Ziele können kaum noch artikuliert werden. Dies Phänomen wird anderen Ortes gern als „Kultumarxismus“ qualifziert, (etwa auf der Internetseite: Freie Welt), aber dies verkennt den Tod des Marxismus. (Schaut man auf den Essayband: „Marx von Rechts“ aus dem Jahre 2018, könnte fast der Eindruck entstehen, daß in rechten Kreisen Marx intensiver als unter den heutigen Linken diskutiert wird.)
Aber die Linke revitalisierte sich nach ihrem Tod, aber ihre Lebendigkeit erinnert doch an die von Untoten, die nicht sterben wollen. Neues Leben hauchte das neue Konzept des Antifaschismus ihr ein. Man verwarf die alte Antifa-Doktrin des orthodoxen Marxismus, wie sie Dimitroff verbindlich für alle kommunistischen Parteien ausformulierte, der den engsten Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus ins Zentrum seiner Analyse des Faschismus stellte und ethnisierte stattdessen den Nationalsozialismus als spezifisch deutsches Ereignis. Seit dem gilt nicht mehr die Maxime, nur wer vom Kapitalismus redet, kann sachgemäß vom (deutschen) Faschismus reden, sondern: Antifaschist ist nur, wer Antideutscher ist. Dieser Aspekt kommt nun in der sonst so lesenswerten Broschüre zu kurz. Dieser umgedeutete Antifaschismus verwandelt nun die linken Kräfte zu militanten Unterstützern der Regierungspolitik der Multiethniserung Deutschlandes, daß das Deutsche multikulturell aufgelöst werden soll als der Hort des Bösen.
Sind die Linken noch richtige Linke, oder sollten sie eher als Progressive (S.12) beschrieben werden, auch diese Frage wirft diese Broschüre auf. Eingedenk der These Alexander Dugins, daß nach der Implosion des Realsozialismus der Liberalismus die dominierende Ideologie geworden ist, könnte gefragt werden, ob nicht, das, was sich heute „links“ nennt, nicht ein radicalisierter Linksliberalismus ist.
Eines ist aber unübersehbar: Die Untoten der einst marxistischen Linken leben nur noch vom Blut der „Neonazis, Nazis , Rechten...“: Der Dauerappell, der Feind stünde rechts, überall seinen Nazis am Werke, führt der Linken ihre neue Lebenskraft zu, sie lebt nur noch vom Mythos des Deutschen, der von den Genen her ein Nazi ist und so bekämpft werden muß. Gerade aber diese Ethnisierung des Faschismusverständnisses markiert eine so große Zäsur im linken Diskurs, daß zumindest die Qualifizierung als Kulturmarxismus die Sache nicht trifft. 

Eine andere Frage ist die, wie das Verhältnis der Linken zur Politischen Korrektheit zu bestimmen ist. Diese Korrektheitsideologie beherrscht ja den öffentlichen Diskurs, auch Linke unterwerfen sich dieser Diskursordnung- aber ist deshalb die Politische Korrektheit schon ein linkes Projekt?