Eine Verlustanzeige: Was unter anderem der heutigen Kirche und der Theologie abhanden gekommen ist
„Oft scheint es fast so,als ob die Vorsehung sich entschlossen habe,den Frevler entkommen zu lassen und die wohlberechtigten Pläne des Guten zu Schanden zu machen.Aber Gottes Wege sind nicht unsere Wege.“ So steht es in dem Roman: „Waldröschen“, 6.Band, S.3471 von Karl May geschrieben. In dieser Großerzählung zeigt sich, daß am Ende es doch „gut“ ausgeht, daß das, was ein Christ glaubt, wenn er an die Vorsehung Gottes glaubt, sich nun auch ereignet: Durch alle menschlichen Confusionen und Widrigkeiten hindurch setzt Gottes Gerechtigkeit sich durch. In diesem Roman wird so sichtbar, was der Gläubige nur erhofft, da wir noch im Glauben und noch nicht im Schauen der Wahrheit leben.
Das Vertrauen auf die Vorsehung Gottes ist das Vertrauen darauf, das sowohl das Leben des einzelnen Menschen wie auch die ganze Menschheitsgeschichte etwas Ganzes ist, das auf sein von Gott bestimmtes Ziel hingeführt wird und daß dies ein gutes Ziel ist.
Kleinformatiger findet sich dies auch in Liebesfilmen wieder, daß die zwei Protagonisten, die füreinander bestimmt sind, das ist ihr Schicksal, am Ende auch zueinander finden. (Vgl dazu die 1.Stafel: „Sturm der Liebe“, Laura und Alexander)
Aber außerhalb dieser fiktionalen Erzählungen finden wir in der Regel eine so zielgerichtete Vorsehung Gottes nicht, wir können nur an sie glauben! Nur scheint die Realität diesem Vorsehungsglauben so sehr zu widersprechen: Wir wollen seine Wahrheit schon schauen und nicht nur auf die göttliche Vorsehung vertrauen. Die Kunstwerke, die uns nun in diesem Vertrauen stärken könnten, werden nun als „kitschig“ abgeurteilt und als „realistisch“ gilt eigentlich nur noch der von seinen Hoffnungen Desillusionierte, der das Leben so zu nehmen weiß, wie es eben ist, der „coole Typ“.
Damit zerfällt uns aber unsere eigene Lebensgeschichte wie die ganze als eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die kein ganzes Sinnvolles ist. Jede Erzählung impliziert, daß das Ganze ein sinnerfülltes Ganzes ist, das macht erst die literarischen Texte zu einem Werk, aber damit wird uns das literarische Werk etwas Wirklichkeitsfremdes, als wenn nur durch die Erzählkunst das Erzählte zu einem sinnvollen Ganzen wird. Wird das auf unser reales Leben übertragen, heißt das, daß wir erst unser Einzelleben wie das Ganze der Menschheitsgeschichte zu etwas Sinnerfülltem machen – wir entdecken nicht mehr im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes den Sinn der Ereignisse sondern fabrizieren ihn selbst durch unser Deuten und somit auch Verdeuten von etwas an sich Sinnlosen.
Das Vertrauen in die Vorsehung Gottes verlangt von uns, zu glauben, ohne schon das Geglaubte sehen zu können. Weil das dem modernen Menschen zu wenig ist und er es schon so erleben will, bekommt er nun viel weniger: Geschichten, die als Ganzes keinen Sinn mehr ergeben, weil er den Sinn nicht an ihnen ablesen kann. Ist das vielleicht das Geheimnis der Romane von Franz Kafka? Sie gelten uns als größte Leistungen der modernen Literatur, Werke, die aus dem Vertrauen auf die Vorsehung Gottes verfaßt werden, als Trivialliteratur.
Die Weltgeschichte wie die des Einzelnen gleicht ohne die Vorsehung Gottes Schauspielern auf einer Theaterbühne ohne ein aufzuführendes Theaterstück und ohne einen Regisseur. Sie müssen sich ihr Stück und ihre Rolle selbst schreiben, weil es keinen Regisseur mehr gibt,der das Gesamtstück des Welttheaters schreibt.