Samstag, 28. März 2020

Der Kampf um das Priesteramt- einst und jetzt- zum synodalen Irrweg

Wer darf Priester sein, wer Gott Opfer darbringen, das ist nicht nur eine der Zentralkontroversen der Gegenwart, auch schon in der hl. Schrift wird .dies thematisiert. (2.Chronik, 26)Der König Judas Ozias wird anfänglich so charakterisiert:“Und er that, was in den Augen des Herrn recht war“ (26,4) „Und Gott half ihm gegen die Philister“,(26,7).
Dann dies: „Als er aber stark geworden war, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben“, (26,16). Diskussionswürdig ist, ob: „elevatum est cor“ gut mit: überhob sich wiedergegeben ist, weil das Passvische hier zu kurz kommt. Das klassische Hybrismotiv also: Seine Erfolge machten den König hochmütig und dieser Hochmut führt zu seinem Verderben.
Was tat er in seiner Hybris? „und er setzte den Herrn, seinen Gott hintan und ging in den Tempel des Herrn, und wollte auf dem Räucheraltar Räucherwerk anzünden.“ (26,16). Das irritiert doch. Zuerst wird von dem König ausgesagt, daß er anfing, Gott zu mißachten und dann im selben Satz noch wird von ihm erzählt, daß er die Absicht hat, ein frommes, Gott wohlgefälliges Werk zu vollbringen. Die Hybris führt doch nicht zum Wollen von Gott Wohlgefälligem!
Aber die Priester Gottes widersetzen sich ihrem König- „viri fortissimi“= furchtose Männer. (26,17). Zu allen Zeiten verlangt es der Courage, den Mächtigen der Welt zu widersprechen. Was sagten sie zu ihrem König?
Es ist nicht deines Amtes, Ozias!,dem Herrn Räuchewerk darzubringen, sondern Sache der Priester, welche zu solchem Dienste geweiht sind“. (26,18)Die Hybris des Königs bestand also in dieser Amtsanmaßung:Er wollte etwas tuen, was ihm nicht zukommt. Er wollte opfern, aber der Opferdienst kommt allein den Priestern zu, die dazu geweiht sind. Diese Weihe qualifiziert und berechtigt sie erst zu dem Opferdienst.
Gott selbst hat sich nun die auserwählt, die zum Priester geweiht werden dürfen und können: die Söhne Aarons. (26,18). Die Ordnung Gottes wird uns so vor Augen gestellt.Gott selbst erwählte Aaron und seine Söhne (nicht seine Töchter und nicht Söhne von Mose oder wem anders),daß sie seine Priester sein sollten. Dies Erwählen inkludiert notwendigerweise, daß die Anderen nicht zum Priestertum erwählt worden sind. Die Erwählten nun sind zu weihen, damit sie den Gott wohlgefälligen Dienst vollziehen. Nicht schon die göttliche Erwählung, sondern erst die Weihe befähigt zum kultischen Opferdienst.
Die Hybris des Königs ist nun genau dies, die Insubordination gegenüber dieser göttlichen Ordnung. Und wie reagiert Gott auf diesen revolutionären König? Gott straft ihn mit dem Lepraaussatz, den der König bis zu seinem Tode nicht mehr los wird. In einem abgesonderten Hause muß er bis zu seinem Tode leben und er durfte nicht in den Königsgräbern beerdigt werden, weil er aussätzig war.(26,20-23). Hier heißt es nicht, daß Gott diese Erkrankung zuließ, nein Gott schlug ihn damit: die Plage des Herrn. (26,20).
Die Hybris ist der Aufstand gegen Gottes Ordnung, daß sich wer etwas anmaßt, was ihm nicht zukommt. Diese Anmaßung führt zum Untergang, hier zum Aussatz und dann zu dem unwürdigen Grab. Dies Revoluzertum ist das Sichentfernen von Gott. Das Erstaunliche nun: Die Hybris verführt hier nicht zu einer unfrommen, Gott widrigen Handlung. Gott will ja, daß ihm in seinem Tempel geopfert wird. Aber er hat dies Amt den dazu Erwählten vorbehalten und gewährt es nicht jedem zum Volke Gottes Dazugehörigen. Der König hätte doch sonst erwidern können, daß er beschnitten sei und daß so auch er Gott Opfer darbringen könne.So argumentierte später Luther, um das Amtspriestertum zu bekämpfen mit der Behauptung, daß durch die Taufe der Christ zum Priester geweiht sei. Aber das gilt nicht in den Augen Gottes: Er will nur Opfer von den von ihm auserwählten und geweihten Priestern.
So war es im Alten Bund und so ist es auch im Neuen Bund und auch in diesem verführt die Hybris dazu,daß Gläubige sich etwas anmaßen, was ihnen nicht nach der göttlichen Ordnung zukommt. Gerade der Laienkatholizismus ob seiner innerkirchlichen Stärke, es sei nur an das Laien-ZK erinnert, das gelegentlich wie ein politisch korrektes Politbureau agi(ti)ert, ist sehr anfällig für diese Hybris. Der synodale Irrweg gibt davon ein beredtes Zeugnis. Viele König Ozias Nachahmer wirken da insubordinatorisch revolutionär und wenden sich so von Gott ab!

Aber es gibt auch eine wesentliche Differenz: Heutzutage fehlen couragierte Priester, die den Königen dieser Welt, den Einflußreichen in den Medien sich zu widersprechen trauen, den Feministin und der Homosexlobby insbesondere.

Freitag, 27. März 2020

Sterben für die Wirtschaft in Zeiten der Coronaepidmie


Das höchste Gut des Menschen, das wichtigste Menschenrecht ist das, uneingeschränkt gewinnbringende Geschäfte zu machen. Nun verunöglichen in zunehmender Weise die von den Staaten in Europa erlassenen Schutzmaßnahmen das Geschäftemachen. Deshalb: „Der stellv. Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag und Chef der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann (CDU), plädierte für ein Ende des Shutdowns bis spätestens Ostern.“ (Christliches Forum 27.3. 2020)Gibt es irgendeinen Grund für die optimistische Einschätzung, daß nach Ostern die Ansteckungsgefahr so sehr reduziert ist,daß weitestgehend unlimitiert die Geschäfte wieder aufsperren können, ohne eine Gefährdung der Gesundheit der Mitarbeiter und der Kunden?
Die lebensnotwendigen Geschäfte, wie etwa die Lebensmittelgeschäfte sind weiterhin offen, auch wenn das nicht ohne ein Risiko für die dort Arbeitenden ist. Wozu müßten nun aber Friseurgeschäfte, Kosmetikstudios, Kleidergeschäfte etc aufschließen? Dafür gibt es nur einen Grund, denn daß sie jetzt keinen Gewinn mehr erwirtschaften können. Was wäre nun die Folge des Endes dieses Herunterfahrens der Wirtschaft? Mehr Infektionen, mehr Tote! Auch wenn um Ostern herum die Anzahl der Neuinfektionen zurückginge, ein Wiederhochfahren der Wirtschaft triebe die Zahlen wieder in die Höhe.
Das gesteht auch der Chefredakteur der Weltwoche implizit: Klar sei, dass man nicht warten könne, bis das Virus endgültig aus der Welt geschafft oder »besiegt« sei. Das könne ewig dauern oder nie eintreten. So lange kann die Wirtschaft und Gesellschaft nicht warten, ohne großen Schaden zu nehmen. (Freie Welt vom 27.3.2020) Auch wenn der Virus weiter aktiv ist und wenn so durch ein Hochfahren der Wirtschaft es wieder zu mehr Infektionen und Toten kommt, muß dieser Kollateralschaden in Kauf genommen werden, damit das Geschäftemachen wieder klappt.
Mit Christlichkeit hat dies, Sterben für den Mammon! nichts zu tuen. Es ist so wirklich erstaunlich, daß die jetzige CDU Regierung diesen Anliegen von Wirtschaftskreisen um des Allgemeinwohles willen nicht nachgibt, steht diese Partei doch nebst der FDP im Rufe, in erster Linie eine Partei der Wirtschaft zu sein. Aber das Gemeinwohl, jetzt die Sorge um die Volksgesundheit verlangt eben vom Staate, sich couragiert gegen Partikularinteressen, auch der der Wirtschaft zu stellen!

Donnerstag, 26. März 2020

"Es gibt kein sinnloses Leid mehr"


für den, der an Christus glaubt.“ So steht es geschrieben in der 12.Kreuzwegstation des Kreuzweges des „Gotteslobes“1988. Eine provokannte Aussage.Ist damit gemeint, daß es objektiv gesehen kein sinnloses Leid mehr gibt, und daß nur der Christ das erkennt oder gibt es zwar noch sinnlosen Leiden, aber für den Christen wird dies Sinnlose durch seinen Glauben etwas Nichtsinnloses?
Die prinzipielle Frage: Ist Sinn etwas in den Ereignissen Innewohnendes oder gibt die Interpretation den Ereignissen erst ihren Sinn? Das eine wäre ein Sinnfinden, ein Sinnerkennen, das andere mal ein Sinngeben. Gibt also der Glaube dem Ereignis einen Sinn, den es in sich gar nicht hat?
Es soll diese Aussage nun an einem Extremfall erörtert werden. Gesetz den Fall, eine Christin wird vergewaltigt. Kann gesagt werden, daß ihre erlittene Vergewaltgung kein sinnloses Leid war? Natürlich, aus der Sicht des Vergewaltigers, denn er tat dies um des sexuellen Lustgewinnes.Für den Täter ist (in der Regel) jedes Verbrechen etwas Sinnvolles, sonst unternähme er es ja gar nicht. Nur für das Opfer des Verbrechens ist das Verbrechen ein sinnloses Leid. Wie könnte nun für das Vergewaltigungsopfer dies kein sinnloses Leid sein? Die Antwort der Kreuzwegandacht: „Auch im tiefsten Abgrund ist der Gekreuzigte bei ihm.“
Die spontane Antwort des Vergewaltigunsopfers dürfte wohl lauten: Wenn der Sohn Gottes bei mir, mit mir war, warum half er mir dann nicht? Er hätte es als Allmächtiger doch gekonnt! Warum soll nun aber schon das bloße Dabeisein beim Opfer sein Leiden zu einem Nichtsinnlosen verwandeln oder erkennen lasseen, daß das erlittene Leid kein sinnloses war?
Das Kreuzesleiden Jesu Christi war kein sinnloses, weil Gott selbst es wollte als Sühneleiden. Soll nun geurteilt werden, daß jedes erlittene Leiden ein Sühneleiden ist, das zwar nur im Glauben als solches erkannt wird, aber es doch objektiv ist? Das Leiden Christi war ein gottgewolltes Sühneleiden, aber das begründet nun doch nicht die Aussage, daß jedes Leiden ein Sühneleiden ist! Oder soll das nun sagen, daß jeder Christ, wenn er sinnlos etwas erleidet, es als Sühneleiden Gott aufopfern kann? Dann würde erst durch diesen Akt die erittende Untat zu einem nichtsinnlosen Leiden.
Naheliegender ist es aber, die erlittende Vergewaltigung als Akt des Mißbrauches menschlicher Freiheit zu begreifen und dem Opfer zu sagen, daß ihm hier wirklich etwas rein Negatives angetan wurde (aus Sicht des Opfers), statt dem Opfer noch aufzubürden, in seinem erlittenden Leid noch etwas Nichtsinnloses zu erkennen oder daraus etwas Nichtsinnloses zu machen durch eine christliche Deutung des Erlittenden.
Gehört es nicht zur christlichen Erlösungsreligion, daß in der Welt sich auch sinnloses Leiden ereignet aus der Perspektive des Opfers und daß so die Erlösung auch das Ende einer Welt ist, in der sinnlos gelitten wird, statt daß der christliche Glaube uns so die Augen öffnet, daß alles scheinbar sinnlose Leiden objektiv keines ist, weil wir schon in einer Welt leben, in der es nichts Sinnloses gibt. Im letzteren Falle wäre die christliche Religion einfach die reine Affirmation der Welt, so wie sie ist und keine Erlösungsreligion.

Mittwoch, 25. März 2020

Was tun in unseren Zeiten ohne öffentlich zelebrierten Messen?

Eine gut bewährte katholische Praxis ist dies Gebet. Es werden ja noch Messen von Priestern gelesen und die sind gültige Messen, auch wenn sie ohne Volk gelesen werden. Im "Gebetsschatz" von A.M.Weigl gibt es zudem eine ganze Messe nach Padre Pio zum Beten- mehr als empfehlenswert!

 

 

Geh, o heiliger Engel mein, geh für mich in die Kirch hinein,
knie dich hin an meinen Ort, hör die Hl. Messe dort.

Bei der Opferung bring m ich dar, Gott zum Dienste ganz und gar,
was ich hab und was ich bin, lege mit zum Opfer hin.

Bet für die, die mich geliebt, bet für die, die mich betrübt,
denk auch der Verstorbenen mein, Jesu Blut mach alle rein.

Bei der Hl. Wandlung dann, bet mit großer Liebe an
meinen Heiland Jesus Christ, der wahrhaft zugegen ist.

Beim Empfang vom höchsten Gut bring mir Jesu Fleisch und Blut,
und im Geist mich IHM verein, laß mein Herz sein Tempel sein.

Gib das allen Menschen Heil aus dem Opfer werd zuteil,
ist die Hl. Messe aus, bring den Segen mir nach Haus.

Amen.

Zitiert nach: Christliches Forum 25.3. 2020

Kurz und bündig: Blasphemie und religiöse Gefühle

Die religiösen Gefühle des Anderen nicht zu verletzen, das gehört zu den guten Umgangsformen und reguliert so auch das Gespräch über Religiöses im zwischenmenschlichen Bereich und nicht nur den öffentlichen Diskurs. Das private, persönliche Gespräch ist durch das: Was man wie zu sagen und nicht zu sagen hat, mehr als man individuell merkt, reglementiert, der öffentliche sowieso.
Was hat das für eine Konsequenz für den Dialog zwischen Vertretern verschiedener Religionen oder Confessionen einer Religion? Eine der wichtigsten Spielregeln lautet, daß es in dem Raum der Religionen und Confessionen nicht ein Unterscheiden von wahr und unwahr geben darf. Die berühmte Gretchenfrag, wie hältst Du es mit der Religion? (Goethe,Faust) ist also so zu respondieren: Damit kann jeder es halten, wie es ihm beliebt, er muß nur jede andere Religiösität akzeptieren, egal welche er selbst auch präferieren mag. Kann unter dieser Condition überhaupt noch missioniert werden? Die Antwort fällt eindeutig aus:Die notwendige Voraussetzung jeglicher Art von Mission ist, daß es eine wahre oder zumindest wahrere gibt, zu der Missioniernde den Anders- oder Nichtgläubigen bekehren möchte. Weiterhin muß präsumiert werden, daß es für den Menschen wichtig ist, daß er die wahre Religion praktiziert und daß es gerade Gott selbst nicht gleichgültig ist, wie er geglaubt und verehrt wird.
Aus diesem Vorstellungskomplex ergibt sich erst das Urteil der Verwerflichkeit der Blasphemie, daß so unwahr von Gott gedacht wird, er so unwahr verehrt wird, daß dies a) den Zorn Gottes provoziert und b) auch dem Menschen und der Gesellschaft schadet. Das Gemeinwohl ist eben gerade von der rechten Gottesverehrung abhängig, denn alle guten Gaben kommen von Gott und ein erzürnter Gott könnte so seine guten Gaben verwehren.
Von dieser Vorstellung hat nun die modern aufgeklärte Gesellschaft sich verabschiedet. Das Gemeinwohl einer Gesellschaft ist etwas, daß wir Menschen allein durch uns zu realisieren haben, wobei dann religiös Motivierte auch einen nützlichen Beitrag dazu liefern können. Aber was hier das Gute ist, das ist etwas, was die politische Vernunft ohne jede Religion erkennen kann. Auch ist es für den einzelnen Bürger gleichgültig, wie er es mit der Religion hält und darum darf er jede beliebige, aber auch gar keine praktizieren. Und deshalb darf auch niemals ein Anhänger einer Religion Andersgläubigen gegenüber den Vorwurf der Blasphemie erheben. Denn, selbst wenn es einen Gott gibt, und sehr viele glauben noch an einen Gott, muß dieser Gott als einer sich allen Religionen gegenüber gleichgültig verhaltenden gedacht werden. Das ist nun selbst keine Gotteserkenntnis, daß Gott sich so realiter verhalte, sondern nur eine Spielregel für jede religiöse Kommunikation, die der pluralistisch strukturierten Gesellschaft kompatibel ist. Darum kann und darf es in modernen/postmodernen Gesellschaften das Urteil, das ist blasphemisch, nicht mehr geben- es kann nur noch das Gebot geben: Respektiere jede Religion, halte alle für gleichgültig, egal welche du nun auch rein privat präferierst. Das ist das endgültige Ende des christlichen Abendlandes, aber auch jeder religiös fundierten Gesellschaft.
Nur eines bleibt dabei ungeklärt: Verhält der wirkliche Gott sich so, wie es ihm dieser Diskurs vorschreibt, daß ihm alle Religionen und auch der praktizierte Atheismus gleichgültig ist.

Dienstag, 24. März 2020

So funktioniert die Demokratie angesichts der Möglichkeit des Freiheitsmißbrauches in Kirche und Staat

Wo es Freiheitsrechte gibt, da entsteht auch die Möglichkeit des Mißbrauches. Grundsätzlich setzt die Idee der demokratischen Wahl die Vorstellung voraus, daß der mündige Staatsbürger entscheiden kann und auch entscheiden soll, von wem er regiert werden will. Eine von der Mehrheit der Wähler gewählte Regierung legitimiert so ihre Regierung durch die Mehrheit der für sie abgegebenen Stimmen. Was nun aber, wenn Falsche gewählt werden? Diese Frage wirft nun selbst wieder eine grunsätzliche Frage auf: Wer bestimmt, daß wer Falsches gewäht worden ist?
In diesem Falle ist aber die Sachlage klar: "AfD im Pfarrgemeinderat: Erzbischof Koch ordnet Neuwahlen an. Ein AfD-Mitglied kam in den Pfarrgemeinderat, ohne dass die Wähler von der Parteizugehörigkeit wussten. Nach Protesten wandte sich der zuständige Potsdamer Propst zwecks Neuwahlen an Erzbischof Heiner Koch. Der hat nun entschieden."  
So lautet die Erfolgsmeldung der quasi offiziellen Internetseite der Deutschen Bischofskoferenz. Zur Klarstellung: Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten der Pfarrgemeinderatswahl, daß die Kandidaten keinen Wahlkampf führen,nicht sich als Vertreter einer bestimmten Richtung bekennen, etwa so: Ich bin liberal, ich feministisch oder daß irgendeine Partei- oder sonstige Vereinszugehörgkeit bekannt wird, denn es soll eine reine Persönlichkeitswahl sein. 
Als nun aber bekannt wurde, daß so ein AfD Parteimitglied in den Pfarrgemeinderat gewählt worden ist, galt dies übliche Vorgehen nicht mehr. Nachträglich wurde nun die Offenlegung der Parteizugehörigkeit verlangt und da  einer der Gewählten, wie alle anderen auch,  seine Mitgliedschaften nicht offengelegt hatte, muß nun die Wahl wiederholt werden.Warum: weil so ein Falscher, nämlich ein AfDler gewählt worden war. 
Merke also: Wenn demokratisch ein Falscher gewählt wird, dann wird einfach die Wahl für ungültg erklärt und eine neue angesetzt. Wäre  der Falsche nicht gewählt worden, wäre hingegen diese Wahl als Sieg der demokratisch Gesonnenen gefeiert worden: Hier wurde einem Rechten klar die Rote Karte gezeigt.
Im Kleinen wie im Großen: Als ein FDP-Politiker in der Wahl eines Landesparlamentes mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, war auch dies ein Mißbrauch der Rechte der Parlamentarier. Die Bundesregierung im Kampfverbund mit allen seriösen Medien sprach von einem Skandal, einem Angriff auf die Demokratie und diese Wahl mußte dann rückgängig gemacht werden. Jetzt regiert dort wieder ein Richtiger der SED-Nachfolgepartei.(Die SED war ja klar antifaschistisch ausgerichtet und darum kann eben auch problemlos ein Linken-Politiker Ministerpräsident werden, auch wenn diese Partei auf einem Strategiekongreß laut über die Erschießung von 1% der Reichen nachdachte, nach Schätzung der "Freien Welt", von circa 800.000 Menschen.) 
Aber es gibt noch weitere effektive Möglichkeiten des Kampfes wider den Mißbrauch der Freiheit: Es gibt die Möglichkeit,wenn eine falsche Partei in demokratischen Wahlen zuviel Stimmen bekommt, diese verbieten zu lassen. Bisher wurden 2 Parteien in Deutschland verboten, die Sozialistische Reichspartei und die Kommunistische Partei Deutschlandes. Das ist sozusagen die Ultima ratio zum Kampf gegen den Mißbrauch der Freiheit: Das Volk darf so lange frei wählen, solange es richtig wählt, also eine der demokratischen Blockparteien. Andere Parteien werden zugelassen zur Wahl, um anzudemonstrieren, daß wirklich die Mehrheit der Stimmen auf diese Blockparteien entfallen und daß die Anderen nicht gewählt werden. Werden aber Alternativparteien zu viel gewählt, übernimmt zuerst der Verfassungsschutz die Aufgabe der Bekämpfung und wenn sie weiterhin reüssieren das Bundesverfassungsgericht, um die Alternativen zu verbieten. Sicher, in der Causa der NPD hat das Gericht  nicht wunschgerecht entschieden, aber es gab doch den herrschenden Parteien den guten Rat, nur Parteien verbieten zu wollen, die so viel Erfolg bei den Wahlen erreichen, daß realiter eine Gefahr  für die Vorherrschaft der  etablierten Parteien entstünde. 
So sind die demokratischen Wahlen keine Gefährdung der Herrschaft der etablierten Parteien, die den Staat als ihren Privatbesitz ansehen, wo sie dann nur darum konkurrieren, wer regiert und wer dann opponiert im regelmäßigen Rollenwechsel zur Stabilisierung des ganzen demokratischen Systemes. Regierte nämlich immer nur eine Partei, könnte eine Unzufriedenheit mit dieser nicht so leicht kanalisiert werden wie  in einem Mehrparteiensystem, in dem die jeweilige oppositionelle Partei die Unzufriedenheit in sich aufnimmt und so domestiziert. Die Parteiendemokratie schließt so die Möglichkeit einer Veränderung aus, indem sie von Wahl zu Wahl eine Veränderung simuliert.      
 

Montag, 23. März 2020

Kurz und bündig: Der liberale Staat in der (aktuellen)Krise


Ein Standartvorwurf conservativen Denkens an die liberale Staatsordnung lautet ja,daß sie nur ein Konzept für gute Zeiten sei, sobald stürmische Zeiten anbrechen, müsse sich dann der Staat entliberalisieren. Wer sich den aktuellen Maßnahmenkatalog der Bundesregierung und der Länderregierungen anschaut, kann nicht umhin, in der jetzigen Praxis eine Bestätigung dieser Kritik zu sehen.Wer hätte es denn vor dieser Coronaepidemie für möglich gehalten, daß fast die ganze Wirtschaft heruntergefahren wird, daß fast keine Geschäfte mir aufgesperrt werden dürfen außer zum Leben unverzichtbare, ja daß gar Ausgehverbote erlassen werden müssen, um die Epidemie einzudämmen?
In Italien stehen Ärzte vor Problemen, die es moralphilosophisch gar nicht geben dürfte, daß Ärzte vor 2 Erkrankten stehen, daß beide künstlich beatmet werden müssen, damit sie überleben können, es aber nur für einen von den Zweien der dazu notwendigen Apparat zur Verfügung steht. Hier muß der Arzt so über Leben und Tod von (unschuldigen)Menschen entscheiden, denn wenn er einen beatmen läßt, verurteilt er den Anderen zum Tode. In den Zeiten des allgemeinen Reichtumes ist eben vergessen worden,daß es solche Notsituationen geben kann. Soll hier nun der Arzt individuell vor Ort entscheiden, oder hat der Staat auch solche Extremfälle gesetzlich zu regeln?
Der Glaube an ein unlimitiertes Wachstum von allem Herstellbaren bot für alle Probleme eine Lösung: Wachstum. Wenn der gesellschaftliche Reichtum sehr ungleich verteilt war, dann konnte auch noch dem Kleinverdiener zum Troste gesagt werden, daß auch er Jahr für Jahr eine Gehaltsaufbesserung sich erhoffen dürfe und somit auch es ihm und später dann seinen Kindern und Enkeln besser gehen würde. Zum Funktionieren des liberal verfaßten Staates gehört so konstitutiv die Ideologie des unbegrenzten Wachstumes in seiner sozialintegrativen Funktion. Verliert dieser Glaube an die Möglichkeit unendlichen Wachsens seine Plausibilität, revitalisieren sich die Verteilungskämpfe der verschiedenen Gruppen. Der Gruppenegoismus erkennt nämlich, daß die jeweilige Gruppe nur zu Lasten anderer wachsen kann, wenn das Gesamte nicht mehr wächst. So verschafft der Wohnungsmangel Vermietern die Möglichkeit zu Wuchermieten zu Ungunsten der Mieter, wenn der Mangel an Wohnungen nicht durch eine erhöhte Bauaktivität beseitigt werden kann.
Der liberale Staat würde dies Problem dem freien Markt überlassen, dem freien Kräftespiel des Marktes, auf dem jetzt die Partei der Vermieter triumphiert mit ihrer Möglichkeit der Wuchermiete. Ein auf das Allgemeinwohl ausgerichteter Staat kann aber diese Situation der Wuchermieten nicht akzeptieren, er wird gesetzgeberisch eingreifen, um bezahlbaren Wohnräume zu ermöglichen.
Auch dieses Beispiel zeigt an, daß die liberale Ordnung nur für gute Zeiten etwas taugt, daß aber, sobald es ernsthafte Probleme gibt, der Staat sich entliberalisieren muß um des Allgemeinwohl willens.