„Glaubensweitergabe im Wandel der Zeit“ - oder wie es nicht geht!
„Über Predigt, Katechese und die Kunst, Menschen im Glauben zu begleiten - Ein Essay für die Ausbildung und den Dienst von Priestern, Diakonen und Katecheten. Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer“. So wird der Artikel zum Thema der Glaubensweitergabe, kath net am 26.10.2026 eingeleitet. Aber das Thema der Überschrift zu Folge ist die „Glaubensweitergabe“ und nicht, wie Gläubige, also schon Glaubende „zu begleiten“ seien.Wer das Autofahren erlernt,wird ja auch nicht einfach von seinem Fahrlehrer begleitet, während der Schüler Auto fährt.Es müßte nach der Artikelüberschrift um die Glaubensvermittelung gehen!
Dr. Thiermeyer stellt dabei diese These den folgenden 11 voraus: „These 1 Gottes Liebe ist Ursprung und Inhalt der Glaubensweitergabe. In Jesus Christus erschließt sich die Liebe des dreifaltigen Gottes. Sein Leben, sein Kreuz und seine Auferstehung begründen die Hoffnung, dass Schuld, Leid und Tod den Menschen nicht endgültig bestimmen. Jede Verkündigung empfängt von dieser Heilsbotschaft ihren Inhalt und ihren menschenfreundlichen Ton.“
Liest man daraufhin die 11 Folgethesen, muß festgestellt werden, daß in keiner aufgewiesen wird, wie denn nun diese in der 1.These bezeichneten Glaubensinhalte vermittelt werden können oder sollen.
Der Apostelfürst Paulus bestimmt die Aufgabe des Gesetzes als die des Erziehers auf den Glauben an Jesus Christus hin. (Gal, 4,24) Die religionspädagogische Vermittelung der Gehalte des christlichen Glaubens kann so nicht unmittelbar in medias res anheben sondern verlangt eine Vorbereitung, eine Hinführung auf den spezifischen Glauben an Jesus Christus. Kein Rechenlehrer käme auf die Idee, den Tafelkläßlern das Addieren und Subtrahieren beibringen zu wollen, ohne ihnen zuvor das Zählen, wenigstens von 1 bis 10 beizubringen. Durch das Abzählen an den Fingern lernt der Tafelkläßler, daß 2 plus 3 = 5 sind.
Paulus versteht nun unter dem Gesetz die natürliche Gotteserkenntnis als die Vorbedingung auf die Christuserkenntnis, wie er es dann im Römerbrief, Kapitel 1 bis 8 expliziert.
Wenn nicht erfaßt ist, wer den Gott sei, kann die Aussage, Gott liebe uns Menschen nicht begriffen werden, auch nicht die Liebe des dreieinigen Gottes. Ein wichtiger Merksatz: In der Regel will ein Mensch nur von dem geliebt werden,den er auch liebt! Was für ein Unglück ist es für einen verheirateten Lehrer, wenn eine Schülerin ihn wirklich liebt und nicht nur von ihm schwärmt! Die Bedeutung der Aussage: „Gott liebt Dich“ erschließt sich erst, wenn erkannt wird, wer Gott ist.
Eine „Heilsbotschaft“ ist nur von dem als eine „Heilsbotschaft“ erkennbar, wenn er von seinem Unheil weiß. Für einen in einer Wüste Verdurstenden ist die Aussage: „Da ist eine volle Wasserflasche“ eine Heilsbotschaft, für einem in einem Wirtshaus vor seinem Maß Bier Sitzenden etwas Gleichgültiges.
Für wen der Tod etwas rein Natürliches ist, das zum Leben dazugehört, warum sollte der dann auf ein Leben nach dem Tode hoffen, zumal ein ewiges Leben in den Verruf gekommen ist, ein schrecklich langweiliges Leben zu sein. Vergleiche:Ludwig Thoma: Ein Münchner im Himmel.
Ganz anders sieht es aus, wenn der Tod, das Sterbenmüssen und das Leid von Gott her begriffen werden, daß unser Sterbenmüssen der „Sold der Sünde“ ist, daß wir unter dem Zorne Gottes leben.
Es bedarf also einer Präparation, damit der christliche Glaube dann auch vermittelt werden kann. Die christliche Religion ist eine Religion unter vielen, die aber die einzig wahre ist. Wenn aber kein Verständnis für das, was eine Religion als eine Religion ausmacht, vermittelt wird, kann auch die besondere christliche Religion nicht vermittelt werden! Kein Lehrer kann Schülern erklären, was ein „Trabi“ ist, wenn er nicht erklärt, was ein Automobil ist, um dann die Differenz des Autos der Marke „Trabant“ von anderen Automarken zu erklären.
Man will also in medias res gehend Schülern das Addieren und Subtrahieren beibringen, aber zählen zu erlernen, als einen unnötigen Umweg verwerfen.
Den Kontext solcher religionspädagogischen Konzepte bildet eine unangemessene Verhältnisbestimmung der christlichen Religion zu den anderen Religionen, das in ihnen zumindest die natürliche Gotteserkenntnis aufgehoben ist, die selbst wiederum einen vorbereitenden Charakter für die Erkenntnis der christlichen Religion besitzt.