Eine
provokante These zur monogamen Ehe in der Bibel
Uns
Modernen ist es eine Selbstverständlichkeit, daß es ursprünglich
die Idee der Monogamie gab und daß die dann sekundär auf das
Verhältnis des Volkes Israel zu seinem Gott übertragen wurde: So
wie es viele Männer, aber für eine verheiratete Frau nur einen
Ehemann gibt, so existieren viele Götter, aber für das Volk Israel
nur einen Gott, der sich mit ihm ehelich verband. Damit ist in beiden
Fällen die Möglichkeit der ehelichen Untreue mitgesetzt, daß wie
eine Ehefrau „fremdgehen“ kann auch das jüdische Volk
„fremdgehen“ kann. Da es für eine verheiratete Frau nur einen
Mann gibt, so gibt es für
Israel nur einen Gott.
Die Sünde Israels ist so das
Fremdgehen, nicht daß man sich ganz von dem Gott Jahwe abgewandt
hätte, nur diente man daneben auch gern Fruchtbarkeitsgöttern als
einer Art „Nebenfrau“.
Die eheliche Norm der Treue wäre
so auf das religiöse Verhältnis zu dem Gott Israels übertragen
worden: Auch hier gälte das Gebot der Bundes-Treue in einer Analogie
zur ehelichen Treue.
Wie wäre es nun aber, verhielte
es sich genau umgekehrt, daß die religiöse Vorstellung, daß das
Volk Israel nur einem Gott verpflichtet sei, die der Monolatrie erst
die Norm der ehelichen Treue der monogamen Ehe hervorrief?Man
blättere mal das Alte Testament durch: Welcher König war nur mit
einer Frau verheiratet, wie viele Nebenfrauen nahmen sie sich? Wenn
eine Ehe kinderlos blieb, war die Ehefrau verpflichtet, ihrem Mann
eine andere Frau zu geben, damit er mit ihr schliefe, bis sie von ihm
schwanger wird, damit dann dieses Kind als ein Kind der Ehe angesehen
wurde, obschon die Ehefrau nicht die leibliche Mutter war! Die
Töchter Evas „heirateten“ leibliche Brüder, das waren alles
Inzestehen, die nach der Morallehre der Kirche durch nichts
rechtfertigbar gewesen wären. So wenig „ernst“ nahmen die ersten
Menschen die Ordnung der Ehe.
Ist da nicht der Verdacht
erlaubt, daß erst in der Folge der Monolatrie, daß es für das Volk
Israel nur einen Gott gäbe, dem es verbunden sei, dem jedes
Fremdgehen ein Greuel ist, die Ordnung der monogamen Ehe mit ihrem
Treueverständnis entstanden ist?
Kann es dann uns noch
irritieren, daß heutzutage die Ehe als ein aufkündbarer Bund
wahrgenommen wird, daß es auch keine schwere Sünde sei, wenn einer
der Eheleute fremd geht, wenn das weltanschauliche Fundament der
monogamen Ehe der Glaube an einen Gott ist, der sich mit dem
Volke Israel verbunden hat und der von ihm die eheliche Treue
verlangt? Israel mußte ja auf das bitterste erfahren und erleiden,
was die Folgen seines Fremdgehens waren: die Exilierung Israels in
die babylonische Gefangenschaft 586 v.Chr!
In traditionellen
Gesellschaften, vgl dazu etwa Julius Evola, bestimmen die Religion
auch die scheinbar weltlichen Beziehungen, die in der Moderne
säkularisiert worden sind.
Auffallend ist doch, daß wie um einer Kinderlosigkeit einer Ehe gegen die Ordnung der Ehe verstoßen werden durfte Israel auch so gegen die Monolatrie sich versündigte, um Fruchtbarkeitsgöttern zu dienen.
Die Unauflöslichkeit einer gültig sakramental geschlossenen Ehe begründet sich ja in der Unauflöslichkeit des (Ehe)Bundes Jesu Christi mit seiner Kirche.