Dienstag, 17. März 2026

Obskurantistisches zur Karfreitagsliturgie – oder wie war das mit den Juden und dem Karfreitag?

 

Obskurantistisches zur Karfreitagsliturgie – oder wie war das mit den Juden und dem Karfreitag?



Auch in der heutigen Kirche des Relativismus und des irgendwie weiß man nichts Gewisses über Gott gibt es noch unangefochtene Wahrheiten: Wie immer nun auch eine Mitschuld der christlichen Religion an dem Holocaut bestimmt wird, gilt es als Dogma, daß die Kirche keine Judenmission mehr betreiben dürfe und deswegen auch auf keinem Falle für ihre Bekehrung zum christlichen Glauben in der Karfreitgsliturgie beten dürfte. (Daß in der Ordnung der „Tridentinischen Messe“ in der Karfreitagsliturgie so gebetet wurde und wird, war und ist ja auch eines der Hauptargumente wider eine Wiederzulassung der „Alten Messe“.

Das Beten um eine Bekehrung zum christlichen Glauben sei also eine Sünde, wenn so für die Juden gebetet würde. Die Begründung ist nun wirklich so absurd, daß sie unglaublich erscheinen müßte, würde sie nicht wirklich so vertreten und das nicht nur im chritlich- jüdischen Dialog: Dem jüdischen Volke ist im Holocaust das allerschlimmste unvergleichliche Verbrechen angetan worden. Die christliche Religion habe an diesem Verbrechen eine wie auch immer näher bestimmte Mitschuld. Deswegen dürfe sie jetzt im Geiste einer „Theologie nach dem Holocaust“ keine Judenmission mehr betreiben.

Was hat denn nun der Holocaust mit der Judenmission zu tuen? Steht der Holocaust für den Vernichtungswillen des jüdischen Volkes so ist das Ziel der Judenmission das der Rettung des jüdischen Volkes durch den wahren Glauben. Ergo: Weil die Kirche irgendwie mitverantwortlich für den Vernichtungswillen des jüdischen Volkes gewesen sei, dürfe es nun nicht dies Volk durch die Mission retten wollen. Absurder geht es wirklich nicht mehr!

Wenn nun theologisch doch ein Nein zur Judenmission legitimiert werden soll, muß gelehrt werden, daß der christliche Glaube für das jüdische Volk nicht heilsnotwendig sei. Zwei Versionen sind dabei konstruierbar: Erste Version: Jesus Christus sei objektiv auch für das jüdische Volk gestorben am Karfreitag, und es bedürfte nicht des Glaubens an dies Heilsereignisses, da es ihm objektiv gälte, auch wenn es nicht daran glaubte.Zweite Version: Jesus Christus sei nur für die Heiden gestorben, dem jüdischen Volke reiche hinreichend ihre Art der Gottesverehrung zu ihrem Heile.

Beide Versionen sind nun aber weder mit dem Zeugnis der hl.Schrift noch mit der Lehre der Kirche vereinbar. Darum wird eine „Theologie nach dem Holocaust“ eingefordert, die der Lehre der Kirche, basierend auf der hl. Schrift und der Tradition widerspricht. Der Holocaust avanciert damit zu der bedeutsamsten Quelle der Lehre der Kirche, die sogar als wichiger als alle anderen Quellen, die natürliche Gotteserkenntnis, die hl. Schrift, die Tradition und die Lehre der Kirche zu bewerten sei.

Ja, die Annahme der christlichen Religion soll gar für einen Juden nicht nur etwas nicht Heilsnotwendiges sein, sondern etwas für ihn Negatives sein. Die Kirche solle ihm vor seiner Bekehrung bewahren, denn für ihn sei es besser, in der jüdischen Religion zu verharren oder als ein Atheist zu weiterzuleben als ein Christ zu werden. Der Heilnd hat so dem Saulus geschadet, ihm etwas Negatives angetan, als er ihn vor Damaskus zum christlichen Glauben bekehrte. Jesus hätte nämlich nur Heiden zu seinen Schülern berufen dürfen, da für einen Juden die christliche Religion nicht nur etwas Überflüssiges sondern gar etwas Negatives sei.

(Inzwischen ist aber die Mehrheitsmeinung selbst innerhalb der Kirche die, daß jeder in seiner Religion verharren solle, da jede wie auch die christliche ihm ein Weg zu seinem Heile sei und daß selbst ein Atheist das Heil erlangen könne, lebte er nur nach seinem Gewissen!)

Eine weitere eigentümliche Konsequenz des Holocaustes ist nun das Dogma, daß Juden immer nur als Opfer von Gewalt und niemals als Täter anzusehen seien. Deswegen muß nicht nur in den Karfreitagspredigten die Alleinschuld des Römischen Staates an der Hinrichtung Jesu herausgearbeitet werden und die völlige Unschuld der Juden, vielleicht mit der Ausnahme von den machtgierigen jüdischen Klerikern.(Das war auch einer der Hauptgründe der Verdammung des Filmes: „Die Passion“ von ;Mel Gibsen, daß sein Film sich an dieser einseitigen Schuldzuweisung nicht hielt. Ich möchte diesen Film gern als Karfreitagsfilm empfehlen: Er ist der beste Jesusfilm, der je gedreht wurde!) Bis zum jetzigen Angriffskrieg Israels im Bunde mit den USA gilt: Nie sind Juden Schuldige und alles, was sie tuen, ist gut, denn sie sind die Holocaustopfer, So wird dann auch die Geschichte zwischen der Synagoge und der Kirche vereinseitigt zu der der unterdrückerischen Kirche der Synagoge gegenüber, die immer nur das Opfer eines christlichen Antijudaismus geworden sei. Eigentlich müsse der „Märtyrer“ Stephanus schon selbst die frommen Juden so provoziert haben, daß sie nicht für die Steinigung des Stephanus verantwortlich zu machen seien.

Das Befremdlichste dabei ist aber: Wenn die christliche Religion für einen Juden etwas Negatives ist, wie kann dann diese Religion für andere etwas Gutes sein? Sollte sie etwa für jeden Menschen etwas Nichtgutes sein, das er so von sich abschütteln sollte? 

Corollarium

Ein großes Unrecht wird dabei aber auch dem Hohepriester Kaiaphas angetan, indem verkannt wird, daß er am Sühnopfertod Jesu Christi konstitutiv  beteiligt war als der Priester, dessen Aufgabe die Darbringung des Entsühnungsopfers war, daß eben das Priestertum Jesu nicht im Lichte des Priestertumes des Alten Bundes begriffen wird und sein Priestertum wiederum uns erst das Priestertum des Alten Bundes begreifen lehrt. Im Neuen Bund gibt es Priester, weil am Karfreitagsopfer gerade der Priester Kaiaphas konstitutiv beteiligt war und Jesus das Opfer nicht allein vollzog. Deswegen setzt Jesus das Priestertum ein, damit auch fernherin die Kirche an seiner Opferung beteiligt ist, aktiv und nicht nur empfangend.



Montag, 16. März 2026

Ist der jetzige Krieg gegen den Iran ein politisches oder eher ein religiöses Ereignis- oder markiert er eine Rückkehr der politischen Religion?

 

Ist der jetzige Krieg gegen den Iran ein politisches oder eher ein religiöses Ereignis- oder markiert er eine Rückkehr der politischen Religion?


Der KI gab mir auf meine Anfrage nach der Bedeutung des Vernichtungskrieges diese sehr informative Auskunft (13.März 2026): Ein Vernichtungskrieg ist ein Krieg, dessen Ziel die vollständige Vernichtung

eines Staates, Volkes oder einer Volksgruppe ist, einschließlich der massen-haften Ermordung der Bevölkerung und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.“

Nicht stünden politische oder territoriale Ziele im Vordergrund, sondern der Wille zur Vernichtung des Feindes.Dadurch unterschiede er sich von den sonstigen Kriegen, worunter im Sinne von der Kriegstheorie Clausewitz die Kriege als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln zu verstehen sind.

Als das Gegenstück zum Krieg unter dem Primat der Politik möchte ich so den religiösen oder ideologischen Krieg verstehen, für den es den einen Feind gibt, der vernichtet werden muß, da er das Böse schlechthin ist, im religiösen Raum: der Teufel und dann auch seine Anhänger und im ideologischen Raum den zum Menschenfeind deklarierten Ersatzteufel. So distinguieren sich auch die Ziele eines politischen Krieges, etwa den Feind, ist er besiegt, auszubeuten, zu unterdrücken von dem religiösen, bzw ideologischen Krieg, der als das Endziel nur die Vernichtung des Feindes kennt.1

Zusammenfassend ist ein Vernichtungskrieg eine extrem gewalttätige, ideologisch motivierte Kriegsführung,die über militärische Auseinandersetzung hinausgeht und auf die komplette Auseinandersetzung hinausgeht und die komplette Vernichtung des Gegners abzielt, sowohl physisch als auch sozial und wirtschaftlich.“

So definiert nun der amerikanische Präsident Trump seine Kriegsziele:"Wir zerstören das terroristische Regime des Iran total – militärisch, wirtschaftlich und auf jede andere Weise. Und doch, wenn man die Failing New York Times liest, könnte man fälschlicherweise glauben, wir würden nicht gewinnen. Die Marine des Iran ist weg, ihre Luftwaffe existiert nicht mehr, Raketen, Drohnen und alles andere werden vernichtet, und ihre Führer wurden vom Antlitz der Erde getilgt. Wir verfügen über unübertroffene Feuerkraft, unbegrenzte Munition und reichlich Zeit – schaut euch an, was heute mit diesen verrückten Kerlen passiert. Sie töten seit 47 Jahren unschuldige Menschen auf der ganzen Welt, und jetzt töte ich sie als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Was für eine große Ehre das ist! 2 

Damit charakterisiert der Präsident diesen Krieg eindeutig als einen Vernichtungskrieg, indem die Guten,die USA unter seiner Führung das Reich des Bösen auszutilgen haben. Die Bösen müssen getötet werden: „Ich töte sie“, das ist keine politische Kriegserklärung sondern eine,in der in einem heiligen Krieg dem Feind seine Vernichtung angekündigt wird. Dazu paßt die Methode des Lynchjustiz, das einfach zu Feinden Erklärte hingerichtet werden ohne einen rechtsstaatlichen Prozeß und daß nun auch Kopfgelder zur Erfassung dieser Feinde ausgesetzt werden.

Dieser Krieg ist eben nicht nur ein völkerrechtswidriger und einer der Lehre vom gerechten Krieg,so wie die Kirche diese Lehre bejaht, widersprechender, sondern tatsächlich ein quasi religiös interpretierter Vernichtungskrieg, in dem die Guten, die USA unter ihrem Präsidenten die Bösen von dem Angesicht der Erde zu vertilgen haben. Im politischen Raum kann kein absoluter Dualismus, der der Guten wider die Bösen geben, da nur Gott allein gut und der Teufel allein böse sein kann. Die Politik wird so quasi verreligiösiert, indem nun relative Unterschiede die des Mehr oder Weniger an Gutem oder Bösen zu absoluten Differenzen hochstilisiert werden und dem politischen Feind nun das Existenzrecht abgesprochen wird,indem er zum absoluten Feind erklärt wird.

1Es könnte vermutet werden, daß Carl Schmitts Verständnis des Feindes in seiner Bestimmung des Wesen des Politischen den „Feind“ im ursprünglich religiösem, als dem Antigott und dann im ideologischen Sinne meint und damit nicht in einem rein politischen Verständnis im Sinne der Kunst des Regierens.

2 Donald Trump auf Truth Social: "Wir zerstören das terroristische Regime des Iran total" Freie Welt 13.3.2026

Samstag, 14. März 2026

Wir brauchen eine neue Kirche – Umstürzlerische Vorschläge aus der Giftküche des Laien-ZKs

 

Wir brauchen eine neue Kirche – Umstürzlerische Vorschläge aus der Giftküche des Laien-ZKs



Der ZK-Theologe und Vizepräsident dieser Vereinigung Herr Södling stellt klar, daß die von dieser Vereinigung propagierte Reformagenda erst der Schritte zur Zerstörung der Katholischen, denn wenn man erst Mal die Macht in der Kirche übernommen habe,dann könne erst richtig mit der Kirche aufgeräumt werden. „Es braucht eine katholische Internationaleso betitelt Kath net am 13.März 2026 das Anliegen dieses ZK- Theologen.1

Als den ersten Punkt formuliert dieser ZK- Theologe sein vernichtendes Urteil über den jetzt gültigen Katechismus der Katholischen Kirche, diesem Kompendium der Lehre der Kirche: „Vizepräsident des ZdK behauptet: Die Kirche müsse sich ehrlich eingestehen, >dass der ‚Katechismus‘ nur eine kleine Zielgruppe erreicht<.“ Unter dem Verb: erreichen wird hier nicht verstanden, daß der Katechismus zur Kenntnis genommen wird, und das dann nur von sehr wenigen, sondern daß er nur von sehr wenigen bejaht wird, daß nur sehr wenige der Katholiken der Lehre der Kirche zustimmten.

Da für diesen demokratisch gesonnenen Theologen als wahr nur gelten kann, was von einer Mehrheit der Katholiken bejaht wird und zudem abstimmungsberechtigt nur die jetzt gerade lebenden Katholiken sind, was die vor uns und was die nach uns Katholiken glauben, ist eben irrelevant, weil es nur auf die jetzigen ankäme,ist damit hinreichend bewiesen, daß dem Katechismus die „ Rote Karte“ zu zeigen sei.

Wie die katholische Kirche in der globalisierten Welt ihre diakonische, soziale, pädagogische, kulturelle und dann auch politische Aufgabe erfüllen will, muss sie unter den verschärften Bedingungen der Gegenwart neu herausfinden.“ Was ist also die Aufgabe der Kirche? Sie habe diakonisch,pädagogisch,kulturell und politisch zu wirken. Damit gibt sich die Kirche selbst auf, indem sie auf ihre wesentliche Aufgabe verzichtet, die der Verkündigung des Evangeliumes und noch grundlegender die der Gottesverehrung durch und in ihrem Gottesdienst. Die Kirche soll in eine humanitaristische NGO transformiert werden eingedenk des Faktums, daß die Kirche,wenn überhaupt noch nur nach als eine Organisation der praktizierten Nächstenliebe akzeptiert wird.

Positives kann dieser ZK- Theologe aber schon in der jetzigen kirchlichen Praxis erkennen: „Es fehle ja nicht „an Initiativen und Projekten“, so Söding, und lobt dann: >von Caritas International über Justitia et Pax bis zum Flüchtlingswerk der Jesuiten, von den kirchlichen Hilfs- und Solidaritätswerken über Gemeinde- und Bistumspartnerschaften bis zu kirchlichen Basisbewegungen<, immerhin erwähnt er wenigstens noch >die Orden, die erfahrensten Gemeinschaften mit den intensivsten Kontakten weltweit<.

Ein Problem wird dabei aber übersehen:Wenn auch wohl die Allermeisten die Kirche als organisierte Nächstenliebe noch bejahen,so sagen sie dann aber auch: „Hoffentlich brauche ich die Kirche nicht,denn ich hoffe, nicht so in eine Notlage zu kommen, daß ich deren Dienste beanspruchen muß!“ Christsein heißt dann, die Kirchensteuer zu bezahlen, die hoffentlich die Kirche für ihr diakonisches Wirken ausgeben möge und daß man wenigstens ab und zu für ein sozial- caritatives Anliegen spendet – die zeitgenössische Version des Ablasses: „Spende und Du bist ein guter Mensch!“

Ach, und war da noch was mit Gott, dem Dreieinigen, ist das Christentum nicht eine Religion und hat was mit einer Gottesverehrung zu tuen? Das ist ein vorkonziliares Kirchenverständnis, dem leider noch der jetzige Katechismus ganz und gar verhaftet sei, aber das ist eben modernen Menschen Unzumutbares. So hat sich die Kirche aufzugeben! Stattdessen sei es die Aufgabe der Kirche, als eine neue „Internationale“ die Welt zu humanisieren im Bunde mit allen humanistischen Kräften, das Menschenrecht universal zur Geltung zu bringen! Aus  der zur Mission berufenen Kirche wird so eine Agentur zur Weltoptimierung. 


1Ob dieses ein kryptisches Anspiel auf die „Kommunistische Internationale“ ist, in der bekanntermaßen wir nicht auf ein höheres Wesen,Gott vertrauen sollen, sondern die Welt selbst revolutionieren sollen, indem wir das Menschenrecht universal verwirklichen,überlasse ich der Phantasie der geneigten Leser.

Über den Zusammenhang zwischen dem Ideal der religiösen Toleranz und der Vergleichgültigung alles Religiösem

 

Über den Zusammenhang zwischen dem Ideal der religiösen Toleranz und der Vergleichgültigung alles Religiösem





John Stuart Mill meinte, dass eine liberale Toleranz – sagen wir ruhig: eine Laissez-faire-Haltung – nur durch die Ausklammerung, ja, die bewusste Suspension von Glaubensartikeln möglich sei: Er schrieb: >Intoleranz ist den Menschen hinsichtlich dessen, woran sie zutiefst glauben, so natürlich angeboren, dass religiöse Freiheit nirgends wirklich praktiziert wird, außer wo es ein religiöser Indifferentismus ist, der sich vom Streit der Theologen nicht stören lassen will.<"1

Wie konnte dann aber die Toleranz im Gebiet des Religiösen zu einer Tugend erklärt werden, eine Haltung werden, der heutigen Tages sicher selbst die allermeisten Christen zustimmen und sie auch praktizieren, wenn diese doch dem natürlichem Verhalten jedes Gläubigen so sehr widerspricht? Wenn die religiöse Intoleranz von diesem Philosophen als „natürlich angeboren“ beurteilt wird, dann müßte vorausgesetzt werden, daß der Mensch von seiner Natur her religiös sei und daß zu seiner natürlichen Religiösität die Intoleranz gehörte.Faktisch ist aber jede Religiösität etwas kulturell Vermitteltes, auch wenn der Ursprung einer Religion in Gott selbst gesehen wird.Die Kirche vermittelt dann die Religion, eingedenk der Einsicht des hl Cyprians, niemand könne Gott zu seinem Vater haben, der die Kirche nicht zu seiner Mutter habe. Wenn man aber das Natürlich- Angeborensein als: „Es sei doch selbstverständlich, daß einem Gläubigen religiöse Fragen nicht gleichgültig sein können“, liest, ist diese Aussage nicht bestreitbar.

Es ist also, wie auch immer,gelungen,daß das, was für den religiösen Menschen eine Selbstverständlichkeit ist,ihm etwas Inakzeptables geworden ist. Man könnte hier von einer gelungenen Umerziehung sprechen. Ihre Anfänge sind in dem Anliegen der Aufklärung als dem Willen zur Domestikation der christlichen Religion zu finden, daß innerchristliche Kontroversen zu gleichgültigen Streitfragen entradicalisiert werden sollten. Eine „natürliche Religion“ wurde dazu konstruiert, die die Summe aller Vernunftwahrheiten der Religion zusammenfaßt und alle anderen Aussagen der christlichen Religion und auch aller anderen Religionen als überflüssige entwertet: Gott, die Seele und die Bestimmung zur Sittlichkeit,bildeten dabei die Kernelemente dieses Konstruktes der natürlichen Religion.

Damit war ein großer Schritt hin zum religiösen Indifferentismus getätigt. Die Ökumene und der interreligiöse Dialog prolongieren dann diese Vergleichgültigungstendenz innerhalb der Religionen, denen dann nur die Integrationsunwilligen gegenüberstehen, die Wahrheitsfundamentalisten.

Von fundamentaler Bedeutung für die Genealogie des Indifferentismus ist nun die Kritik des Erkenntnisvermögens, daß sich alle religiösen Aussagen weder verifizieren noch falsifizieren lassen, daß so der Glaube nur etwas subjektiv willkürlich als für wahr Gehaltenes sei.Hierbei muß bedacht werden, daß der Wille, daß es im Bereich des Religiösen keine Wahrheitserkenntnis geben solle, die anspornende Kraft war und ist, alle religiösen Aussagen als nicht als beweisbar und als unwissenschaftlich zu diskreditieren2. Denn könnten im Bereich der Religion wahre Aussagen generiert werden,würden die ob ihres Wahrheitsanspruches konfliktträchtig sein, da einige sie bejahen würden und andere nicht. Um des lieben Friedens willen sollen deshalb Glaubensbekenntnisse nur als rein subjektivistische geäußert werden: „Das glaube Ich so, aber jeder kann das auch nicht so glauben wollen.“

Die Erziehung zum religiösen Indifferentismus führt dazu, daß bis jetzt noch in „Gute Benimmratschlägen“ regelmäßig zu lesen ist:“Rede nicht über Deinen Glauben oder die Religion, das könnte zu Konflikten führen!“ Ein solches Reden sei sowieso zwecklos, da man über religiöse Fragen so wenig streiten könne wie über den Geschmack: „Jedem gefalle eben etwas anderes und so könne es auch jeder mit allem Religiösen halten- hier sei alles gleichgültig. Deshalb müsse aber jeder Wahrheitsfundamentalismus aus jedem Gespräch und dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden.

Das hier Aufgeführte ist nun keine vollständige Analyse der Genealogie des Indifferentismus im Raume der Religion, sondern soll nur anzeigen, daß diese Haltung eine künstliche erzeugte ist angefangen mit der Auflärung, die allein dem Zwecke der Devitalisierung der Religion, der Religionen dienen soll,also um das in jeder Religion innewohnende Konfliktpotential zu entschärfen. Der eigene Glaube soll selbst dem Gläubigen so unwichtig werden, daß er deswegen kein Streitgespräch führen werde. Deswegen muß jeder Glaube,jede Religiösität auf etwas pur Subjektives reduziert werden.





1  „Communio“ 12.3.2026: „49 Stressball: Über den Zorn der Theologen“.


2Anregend könnte ein Blick in das Georg Lukacs Werk: „Zerstörung der Vernunft“sein,in dem dieser Philosoph nachzuweisen versucht, daß das Zentralanliegen der nachheglischen und nachmarxschen Zeit das Beweisen der Nichterkennbarkeit der Wahrheit gewesen sein soll.

Freitag, 13. März 2026

Widerstreitet Jesu Verkündigung der Menschenwürde?

 

Widerstreitet Jesu Verkündigung der Menschenwürde?



Vorab ein Lekürevorschlag:“Elfter Tag,Betrachtungen über die große Zahl der Verdammten“, in: Michael Sintzel, Maria, meine Zuflucht und mein Trost“, 1919, S.687- 689.

So lehrt es uns Jesus Christus selbst: „Bemühet Euch, durch die enge Pforte einzugehen; viele werden es versuchen einzugehen, und es nicht vermögen.“ (Lk, 13,24) Wie konnte nur diese Aussage, vor etwa 100 Jahren zitiert, noch zustimmend zitiert werden, widerspricht sie doch offenkundig der Menschenwürde, daß Gott, da er unser aller Schöpfer ist, uns alle auch liebt und so es unmöglich ist, daß dieser Gott den Vielen den Eintritt in das Reich Gottes verwehrt, als existierte eine in das Himmelreich führende„enge Pforte“, sodaß viele dies Ziel nicht erreichen können.

Die Entschiedenheit, mit der diese Aussage über die „ebge Pforte“ verworfen wird, demonstriert unübersehbar, wie selbstverständlich die chritliche Religion in einen religiösen Humanitarismus transformiert worden ist, für denn es eben selbstverständlich ist, daß Gott als uns alle Liebender auch uns alle in das ewige Leben führen wird, sofern wir es nicht vorziehen, nicht in einer ewigen Gemeinschaft mit ihm leben zu wollen.

Daß Gott jedes Geschöpf, weil er es selbst ersschaffen hat, auch liebt, und so keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten will, sei doch ein selbstverständlicher Gedanke. Nur, Gott hat auch den Engel erschaffen, der dann gegen ihn revoltierte und als Teufel dann wider ihn kämpft, bis Gott ihn endgültig besiegen werden wird, an dem Tage Jesu Christi Wiederkunft in Herrlichkeit. Von diesem gefallenen Engel und den Seinen sagt die hl. Schrift nie, daß Gott auch ihnen vergeben wird, nein, dem Satan und den Seinen droht die ewige Verdammnis. Einer rein anthropozenristischen Theologie bekümmert nun das Schicksal des Teufels und der Seinigen nicht, aber bedächte man es, könnte nicht mehr einfach gelehrt werden: Weil Gott jedes seiner Geschöpfe liebe, könne er keinem das Gut des ewigen Lebens vorenthalten.

Die Sünde wird in dem christlichen Heilsdrama so ernst genommen, daß unser Sündigen uns vom ewigen Heil ausschließen könnte. Die Kaprizierung auf die Menschenwürde im Verbund mit der Menschenrechtsideologie soll dieses Ernstnehmen der Sünde ausschließen: Wir alle sind und bleiben stets Gottes geliebte Kinder. Vor Gott befinden wir uns so gesehen stets im Status der Unmündigkeit: Weder traut Gott uns noch gute Werke zu, durch die wir uns den Himmel verdienen könnten noch daß wir um unserer Sünden willen von Gott bestraft werden könnten. Gott rechnet uns weder unser gutes Tuen noch unser böses an, sondern er liebt uns wie eine Mutter ihr unmündiges Kleinkind. Dieser Unmündigkeitstatus soll uns also auszeichnen und uns vergewissern, daß alle Rede von einem Zorn Gottes, einem Gericht nach unseren Werken oder allein danach, ob wir ihm glaubten oder nicht glaubten, nur widerchistliche Horrorphantastereien seien.

Damit wird aber Jesu Christi ganze Lehre vom Himmelslohn, von der Möglichkeit unseres Bestraftwerdens durch Gott ob unserer Sünden als ein einziger Irrtum abgetan. Auch war Jesu Heilswerk, sein Sühnopfertod am Kreuze ein völlig überflüssiges Unternehmen, da Jesus ja uns nur aufgeklärt hätte, daß Gott jeden von uns liebe, sodaß uns allen der Eintritt in das eeige Leben gewiß sei. Denn Gott hörte nie auf, uns zu lieben, da er als die Liebe gar nicht anders könne als uns zu lieben.

Gottes Geliebtwerden gehört so zu uns Menschen so selbstverständlich, wie auch die Menschenwürde etwas Unerlierbares sei.Nicht sei es ein Akt der Gnade, wenn Gott uns Menschen bejahe sondern Gott könne ja gar nicht anders, als uns als seine Geschöpfe zu lieben, das ist die Vernaturalisierung der gnädigen Liebe Gottes.

Theologisch kann Jesu Lehre, daß es den Vielen nicht möglich sein wird, durch die „enge Pforte“ in Gottes Reich einzugehen, so interpretiert werden: Uns Menschen sei das fast unmöglich, aber Gott kann uns gnädig durch diese „ enge Pforte“ hindurchführen, nur ist das keine Selbstverständlichkeit sondern allein ein Gnadengeschenk Gottes.Jesus antwortet ja auf die entsetzte Frage seiner Schüler, wer könne denn dann noch gerettet werden:"Was bei den Menschen unmöglich ist,das ist bei Gott möglich." (Lk 17,27) Sintzel offeriert aber eine völlig andere Deutung, die nicht a priori verworfen werden kann.

Donnerstag, 12. März 2026

„Moral statt Gnade:Warum die Kirche das Wesentliche aus den Augen verloren hat“

 

"Moral statt Gnade:Warum die Kirche das Wesentliche aus den Augen verloren hat“



So lautet der Titel eines mehr als lesenswertens Artikels der Internetseite: „Communio“ am 9.März 2026. Die Kirche verfehle ihren „übernatürlichen Auftrag“, wie es die CDU-Politikerin Frau Klöckner auf den Punkt brachte. Im Text heißt es dann: „Die übernatürlichen Heilswirklichkeiten geraten aus dem Blick.Gegenwärtig konzentriert sich die Kirche vielfach auf moralische und politische Themen: soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Verantwortung, Haltung und Engagement. Im Vordergrund stehen natürliche Tugenden wie Solidarität und Mitmenschlichkeit – wichtige Dimensionen des Zusammenlebens, die jedoch auch ohne Glauben einsichtig und praktizierbar sind. Ein Mensch kann moralisch gut handeln, ohne auf das übernatürliche Ziel der Gottesgemeinschaft ausgerichtet zu sein.“Die Gnade wird so faktisch zu etwas Überflüssigem, da der Adressat solchens Appelierens das von ihm Gesollte allein aus seinem natürlichen Vermögen zu können vermag. „Die Gnade erscheint nicht mehr als Erfüllung des menschlichen Verlangens nach dem Guten, sondern wird im Extremfall überflüssig. Der Mensch errichtet seine eigene Heilsordnung, die zumeist im Immanenten verbleibt.“

Damit wird in diesem Artikel das Anliegen einer politischen Theologie erfaßt, daß es nur im Medium der Politik erstrebenswerte Ziele gäbe, die von jedem Bürger guten Willens auch als erstrebenswert anzuerkennen sind. Es sind dabei aber eher sozialethische Tugenden als moralische Gebote, die den Kern einer politischen Theologie ausmachen. Wer ein gutes Ohr hat, wird dabei eine grün- rote Einfärbung dieser politischen Theologie nicht überhören können. Die „Kirchentage“ der Katholischen wie der EKD gleichen ja auch „Grün- Roten“ Jubelparteitagen, sodaß es auch verständlich ist, weswegen eine CDU- Politikerin diese politische Ausrichtung kritiseriert und eine unpolitische sich wünscht, wenn die Kirchen schon nicht auf der richtige Parteilinie zu bringen sind.

Das Reich der Moral wird dabei als das der endlich- politischen Zwecksetzungen verstanden, dem der Bereich der Gnade als die Ermöglichung eines Strebens nach übernatürlichen Zielen als überflüssig in das Abseits gestellt werden. Arnold Gehlen stellte dazu schon in seinem Werk: „Moral und Hypermoral“ fest, daß die eigentlichen Begriffe der Theologie in der Kirche kaum noch anzutreffen sind: „Unsterblichkeit, Prädestination, Gnade, Erlösung und Sünde“,1daß stattdessen „die Theologie zu einer simplen Ethik in erhabener Verkleidung wird.“2

Theologisch gründet sich diese Verquerung in der Bestimmung des natürlichen Vermögens des Menschen zum Guten als eine ihm eigene Möglichkeit, die durch seine Neigung zum Sündigen nicht beeinträchtigt sei, und somit keiner göttlichen Gnade bedürfe und in dem Insistieren darauf, daß getreu der Parole Nietzsches,daß der Mensch seiner Erde treu sein solle, der Mensch alle jenseitigen Ziele als irrelevante ad acta zu habe solle. Die christliche Religion solle auf keinen Fall mehr in den Verruf einer Jenseitsvertröstung geraten. Deswegen wird entweder die Hoffnung auf ein ewiges postmortales Leben gar nicht mehr erwähnt oder als ein Ziel angegeben, um das sich der Mensch gar nicht zu bemühen habe, da ihm dies gratis von Gott geschenkt werden würde, sofern er dieses Ziel überhaupt erreichen möchte.

Wenn es aber nur noch weltimmanente Ziele gibt, für die ein Engagement sich lohnt, dann kann dazu eine Morallehre, deren Frage lautet: „Wie habe ich zu leben, um das ewige Leben zu erlangen?“ nichts beitragen. Deswegen müssen alle Gehalte der kirchlichen Morallehre so umgeformt werden,daß sie Antworten geben, auf Fragen, für die sie gar nicht gegeben worden sind. So wird dann aus der Gerichtspredigt Jesu: „Wer wird in das ewige Leben eingehen?“ Mt 25,31- 46 ein sozial- caritatives Humanisierungsprogramm, an dem sich jeder Bürger guten Willens beteiligen könne.

Aber seit dem Ende des Real existierenden Sozialismus und der Propagierung der Marktwirtschaft und der liberalen Demokratie als alternativlose Ordnungen, hat sich das von der Kirche verkündigte sozial- caritative Projekt als das Surrogat für die eigentliche Evangeliumsverkündigung selbst verändert: Es ist nun die pure Affirmation dieser bestehenden Ordnung verbunden mit dem Auftrag, im Rahmen dieser Ordnung die allgemeine Humanisierung weiterzuentwickeln, aber zuförderst jede Kritik an ihr zu verwerfen. Der Kampf gegen Rechts wird so geführt als ein apologetischer, daß wir nun im Prinzip schon in der besten möglichen Welt leben, nur daß leider die Ordnung der Kirche da noch hinterherhinke und so einer Vermodernisierung bedürfe.



1Arnold Gehlen, Moral und Hypermoral, 9.Religion und Ethik, neuer Stil, S.133, Ausgabe 1981.

2A,a,O. S. 131.

Mittwoch, 11. März 2026

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte-systemrelevant?

 

Angesichts des Relevanzverlustes der Kirche und der christlichen Religion: Wozu dann noch die Theologie nützlich sein könnte



Ein Schreckgespenst geht um in den theologischen Fakultäten: Fast keiner will mehr Theologie studieren und was die universitäre Theologie an wissenschaftlichen Erkenntnissen noch produziert, wird außerhalb der Theologie nicht mehr rezipiert,und selbst innertheologisch kaum noch wahrgenommen. Wie kann sich da die Theologie als eine Disziplin an den staatlichen Universitäten noch legitimieren, daß sie für irgendwas noch eine Relevanz besitzt?

Der „feinschwarz“-Arikel: „Politische Theologie am Tag der Krise“ vom 7.März 2026 will auf diese bedrängende Frage eine Antwort geben: Die Theologie könne sich nur noch als eine politische Theologie legitimieren! So lautet dann die Hauptthese dieses Artikels:„Der liberale Staat kann sich am Tag der Krise nicht selbst retten, ohne seine Liberalität zu verraten. Er ist auf Kultur und Religion als außerstaatliche Sphären der Freiheitsbildung angewiesen. Dass von Kultur und Religion allerdings eine Affirmation liberaler Freiheit ausgehen, ist alles andere als selbstverständlich. Entscheidend ist daher, ob Religion selbst auf Seiten der Freiheit oder der Herrschaft steht.“

Sarah Rosenhauer ist die Autorin dieses Artikels.Klar erkennt sie die Krise des „liberalen Staates“, der gleichgesetzt wird mit dem politischen System Deutschlands. Die Krise ist seine Kritik durch rechtspopulistische, rechte und rechtsextremistische Kräfte, die in der letzten Zeit bei Landags- und Bundstagswahlen reüssierend und zwar so sehr, daß eine echte Gefahr für den „liberalen Staat“ Deutschlands existiere. Ganz alarmistisch wird so vor einem neuen „Faschismus“gewarnt: Alles müsse unternommen werden, um diese Gefahr zu bannen. Der „liberale Staat“ könne sich nun nicht selbst hinreichend vor dieser rechten Gefahr schützen, sondern bedürfe dazu einer antifaschistischen Kultur und insbesondere einer politischen Theologie, die den „liberalen Staat“ wider seine Feinde verteidige. Dabei könnte die Religion als eine falsche sich gegen die Freiheit, den „liberalen Staat“ stellen oder sich affirmativ zu ihm in Stellung bringen. Wenn die Theologie nun die Religion zu einer den „liberalen Staat“ affimierenden gestaltet, wird sie zur politischen Religion, die so ihrer Relevanz beweist. Sie soll so eine für den Staat relevante Leistung erbringen und dadurch sich als eine systemrelevante legitimieren.

Das Feindbild, das nun dieser Artikel in erschreckendsten Bildern ausmalt, zeichnet sich nicht durch seine Orginalität aus, verbleibt im Üblichen der politischen Korrektheit. Von Carl Schmitt hat man dabei gelernt, daß für den politischen Diskurs die Aufgabe der Bestimmung des Feindes die wesentliche ist.So wird dann die apologetische Aufgabe der Theologie so erfaßt: Die „Politische Theologie in Solidarität mit dem Liberalismus im Augenblick seines Sturzes“:“Angesichts der Krisen, Widersprüche und Paradoxien einer in Freiheit gegründeten Ordnung, kann die politische Funktion von Religion nicht darin liegen, eine bloße Apologie des Liberalismus zu formulieren. Ebensowenig aber darin, im Stil des Neo-Integralismus göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze an die Stelle autonomer Sittlichkeit zu setzen und daraus das religiöse Fundament einer postliberalen „Sittendiktatur“ zu bilden.“ Eine Apologie des Liberalismus müsse also die teilweise berechtigte Kritik am Liberalismus in sich integrieren, denn nur so könne sie wirklich ihrer Verteidigungsaufgabe gerecht werden. Reprobiert müsse dabei die Vorstellung, es gäbe“göttliche Wahrheiten und daraus abgeleitete göttliche Gesetze“, denn das seien nun einmal mit der Konzeption des „liberalen Staates“ unvereinbare Ideen. Dazu wird nun die Hauptthese der neuen politischen Theologie formuliert: „Die politische Bedeutung von Religion besteht nicht darin, als Verkündungs- und Durchsetzungsinstanz göttlicher Wahrheit und göttlicher Gesetze zu fungieren: Wir müssen uns unsere Ordnung selbst geben und sie selbst verantworten; es gibt kein natürliches oder göttliches Gesetz, das uns diese Verantwortung abnimmt.“ Gott habe uns nämlich zur Freiheit bestimmt, daß wir Menschen selbst uns unsere Ordnung autonom zu setzen hätten.

Die postliberalen Staatsordnungsmodelle setzten das Gemeinwohl als das oberste Ziel und gefährdeten so die inhdividuelle Freiheit: „Der zentrale Zweck der Verfassungsordnung liegt (gemeint sind die antiliberalen Staatskonzeptionen) hier in der Förderung des Gemeinwohls und nicht – wie im liberalen Staat – im Schutz individueller Freiheit.“ Die wahre politische Theologie habe so den „liberalen Staat“ gegen so geartete Gemeinwohlkonzeptionenzu verteidigen. Das ist nun angesichts der sozialpolitischen Krise, in der eben nicht nur Ostdeutsche so hohe Anforderungen an den Sozialstaat stellen, ein einsichtiges Anliegen des politischen Liberalismus, vulgär ausgedrückt: „Das gemeine Volk hat den Gürtel enger zu schnallen, statt eine Vollversorgung vom Vater Staat zu verlangen.“

Die politische Theologie soll also rein affirmativ sich zum jetzt so wie er ist bestehenden Staat verhalten und alle Kritik zurückzuweisen, aber doch offen zu sein für einige Korrekturen an der liberalen Staatsordnung. Das Zentralvorhaben dabei habe der Verneinung von irgendwie aus Gottes Offenbarung abgeleiteten Ordnungen und Gesetze zu sein, denn Gott habe uns zur Autonomie bestimmt.Das sei eben eine falsche politische Theologie, etwa die des Neointegralismus und aller fundamentalistischen Versionen. Nur die liberale Theologie mit ihrem Ja zum „liberalen Staat“ sei eine wahr politische Theologie, die so systemrelevant sei, daß sie auch weiterhin staatlich zu protegieren sei.



Nun schaut dieser Artikel nicht über den Tellerrand der innerdeutschen Diskurse hinaus, sonst könnte in ihm auch der Krieg der Freiheit gegen den fundamentalistisch regierten Iran gefeiert werden. 

 

Zusatz:

In den 80er Jahren versuchte der "Kommunistische Bund" mit der These, ein neuer Faschismus stünde bei uns direkt vor der Haustüre, zu reüssieren, jetzt gehört das zum Standardrepertoire des Kampfes gegen Rechts.