Mittwoch, 22. Juli 2026

 

Offenbart Gott uns noch etwas oder mißfällt das Offenbarte, sodaß es wegtheologisiert wird?


KI informiert über das „instruktionstheoretische Offenbarungs-verständnis“.1 Dieses Verständnis „betrachtet göttliche Offenbarung primär als Belehrung und Mitteilung von Glaubenswahrheiten. Gott teilt sich hierbei nicht direkt als Person mit, sondern instruiert den Menschen durch Satzsätze, Dogmen und Gebote, die unhinterfragt aufgrund der göttlichen Autorität geglaubt werden müssen.

Dieser Ansatz war über Jahrhunderte in der katholischen Theologie vorherrschend und wurde insbesondere auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869–1870) vertreten.“

Auch wenn in diesem KI-Beitrag eine hyperkritische Tendenz unüberlesbar ist, so ist das doch eine treffende Darlegung dieses Offenbarungsverständnisses, das so schon prägend ist für die hl.Schrift und dann in der theologischen Reflexion so begriffen wurde.Wenn Propheten im Auftrage Gottes sein zukünftiges Handeln voraussagten, dann beansprucht eine solche Prophetie allein aus der Autorität Gottes ihre Wahrheit. Das gilt isb auch für die Johannesoffenbarung. Gott als der oberste Gesetzgeber ist so aber auch der Grund der Wahrheit der uns offenbarten Gesetze. Nicht „unhinterfragt“ sondern wegen der Einsicht in Gottes Autorität wird das von ihm Offenbarte also geglaubt. Gottes Gebote sind wahr, weil er der Gesetzgeber schlechthin ist, Gott ist der Herr der Geschichte,und deswegen wird das von ihm uns durch Propheten Vorausangekündigte auch geschehen.

Jesu Haupttätigkeit war die des Lehrens, und so gab es eine Lehre Jesu, als Genetivus subjectivus und nachösterlich eine Lehre über ihn, als Genetivus objectivus,die schon das Neue Testament bezeugt. Aber genau diese Lehrtätigkeit Jesu Christi gerät nun in das Fadenkreuz der Kritik der Konzeption der „ Selbstmitteilung Gottesals der Antithese zu diesem instruktionstheoretischen Offenbarungsverständnisses.

Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) und dessen Dokument Dei Verbum fand ein Paradigmenwechsel statt. Die Kirche wandte sich vom instruktionstheoretischen Modell ab und hin zum Modell der Selbstmitteilung Gottes. Hierbei steht nicht die Belehrung durch Lehrsätze im Vordergrund, sondern die personale Begegnung und die lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Die „personale Begegnung“ meint nun nichts anderes als die „lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Das „und“ ist hier als ein explikatives zu lesen, im Sinne von: „das ist...“

Der Gehalt ist einzig der des Geliebtwerdens, des Bejahtwerdens durch Gott in der Begegnung mit Jesus. Im Hintergrund steht ein humanistisches Begegnungsverständnis der gelungenen Begegnung:

Ich bin in Ordnung und Du bist in Ordnung!“ Drei mißlingende Begegnungsschemata stehen dem gegenüber: erstens das hysterische: „Ich bin in Ordnung, Du aber nicht!“, das depressive: „Ich bin nicht in Ordnung, Du aber bist es!“ und das verfehlteste: „Ich bin nicht in Ordnung und Du bist nicht in Ordnung!“

Als gelungen gilt dann nur das Schema der Anerkennung: „ Du und ich sind in Ordnung!“ Genau das ereigne sich nun in Gottes Selbstmitteilung in Jesu. Die ganze Morallehre der Kirche sei also aus dieser Begegnung zu deduzieren, und alle Gebote Gottes und Kirchengebote können dann nur noch eine Geltung beanspruchen, wenn sie kompatibel sind mit der Zuwendungserfahrung des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott.

Gott gibt uns so keine Gebote, er offenbart uns nur sein Liebesein und schon gar nicht kündigt er uns prophetisch Zukünftiges voraus. Die Johannesoffenbarung wie auch alle apokalyptischen Texte der Bibel sind so nur religiöse Phantasieprodukte und keinesfalls gründen sie in einer Offenbarung Gottes.

Auch die Lehrtätigkeit Jesu, schon gar nicht seine Kontroversen mit seinen Berufskollegen, den pharisäischen Gesetzeslehrern gehören so zum Eigentlichen Jesu: Er konzentrierte sich eben darauf, in seinen Begegnungen seine/Gottes Liebe zu jedem unmittelbar erleb- und erfahrbar zu machen! „Ich habe Euch doch alle lieb!“

Diese Konstruktion der gelungenen Begegnung ist nun offenkundig ein Produkt der Philosophie des Personalismus und hat mit der Denkwelt der Bibel und der auf sie fußenden Theologie wenig gemein, aber gehört in das Archiv des Liberalismus, gerade in seiner Abneigung gegen alles Dogmatische und Systematische: Nur der Einzelne und das Einzelereignis zähle, alles andere sind intellektualistische Konstruktionen, denen keine Realität zukäme- das Credo des Nominalismus.

Und wozu dient dieser personalistische Reduktionismus? So kann man sich die ganze Lehre der Kirche, die dogmatische wie die moraltheologische vom Halse schaffen und substiuieren durch einen Humanitarismus, basierend auf dem Credo des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott. 

Zusätze

Ein Lehrer- Schüler Verhältnis ist kein persönlich personales sondern ein sozial regulierte der Ordnung des schulischen Unterrichtens. Jesus war zuvördest ein Lehrer, er agiert aber auch als ein Amtsinhaber, als Messias und nicht als eine Privatperson. Seine Berufung bestand darin, sich priesterlich als das Sühnopfer am Kreuze darzubringen: das hat nichts zu tuen mit einer "persönlichen Begegnung". Zudem gilt, daß die Begegnung im emphatischen Sinne ihren Sitz im Leben im Genre des Liebesfilmes hat, wo zwei sich in einem Augenblick als füreinander Bestimmte erkennen, filmästhetisch brillant inszeniert in der 1.Folge von "Sturm der Liebe", zwischen Laura und Alexander.  



1Aufgerufen bei KI unter diesem Stichwort. Nach meinen bescheidenen Erfahrungen mit KI : Was ich da finde, zeichnet sich durch eine gute Qualität aus.

Dienstag, 21. Juli 2026

„Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“

 

Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“


Der Moraltheologe Sautermeister hielt diesen Vortrag auf eine Einladung der „Katholischen Akademie Freiburg“ im Jahre 2024 und er ist unter diesem Titel auch leicht im Internet auffindbar. Gleich am Anfang seines Vortrages erklärte dieser Theologe, daß die Normativität von Offenheit und Toleranz nicht (mehr) eigens zu begründen sei, da sie sich selbstverständlich aus der christlichen Religion, der Theologie und isb der Moral- und Soziallehre ergäbe. So sei nur noch die Frage, was uns behindere, diesem normativen Anspruch zu genügen, zu erörtern! Er lieferte dann einen politisch korrekten Vortrag, der nicht erörterungsbedürftig ist.

Statt nun gleich auf einer theoretisch abstrakten Ebene diesen normativen Anspruch zu kritisieren,möchte ich ein paar einfache Anschauungsbeispiele vorführen, die diesen normativen Anspruch zweifelhaft erscheinen lassen.

Ist eine Ehefrau verpflichtet, die Seitensprünge ihres Mannes zu tolerieren und offen zu sein für ein Eheverständnis, das ein Recht auf ein Fremdgehen inkludiert? Müßte dann nicht auch unterschieden werden, ob eine Frau prinzipiell es toleriert, wenn ein Mann so ein liberales Eheverständnis bejaht, aber es nicht toleriert, wenn ihr Ehemann das dann so praktiziert? Gibt es so eine Differenz zwischen etwas prinzipiell Tolerierbaren, daß aber dann von einer bestimmten Person als für sie nicht mehr tolerierbar markiert wird?

Was würde wohl die Hörerschaft dieses Vortrages sagen, erklärte ein Familienvater,daß er die Prügelstrafe für ein adäquates Mittel seiner Kindererziehung erachtet und eine Tolerierung einfordert von den Verneinern dieser Strafpädagogik?

Spätestens hier wird klar, daß es einer Unterscheidung bedarf einerseits zwischen bestimmten Personen nicht Tolerierbarem, etwa, daß ein Gast in seiner Wohnung raucht,obzwar der Einlader ein strikter Nichtraucher ist und Handlungen, die prinzipiell nicht tolerierbar sind, etwa die Prügelstrafe für Kinder. Ganz auf die Unterscheidung von Tolerierbarem und Untolerierbarem zu verzichten, ist auf jeden Fall mit dem Gebot der Nächstenliebe unvereinbar!


Es gibt Bereiche, in denen klar gewußt wird, was wahr und was unwahr ist. Im Rechenunterricht wird so die Antwort „13 „oder „11“ nicht als Antwort auf die Lehrerfrage: „Was ist 5 plus 7?“ toleriert. Nur in den Bereichen, in denen nicht eine wahre Aussage von einer falschen unterscheidbar ist, kann berechtigt Toleranz und Offenheit praktiziert werden. So ist weder die Existenz noch die Nichtexistenz von von Nichtirdischen geflogener UFOs beweisbar und so ist sowohl der Glaube wie auch der Unglaube an UFOs zu tolerieren.


Wie steht es nun aber, wenn die kirchliche Morallehre bestimmte Handlungen als unmoralisch und als nicht tolerierbar beurteilt? Hier herrscht weitestgehend die Meinung vor, daß das nur eine Kirchenmeinung sei, die man bejahen oder auch verneinen könne. Im Bereich der Religionen und Weltanschauungen gäbe es keine Kriteriologie des Unterscheidenkönnens von wahr und falsch, sodaß jede Religion und jede Weltanschauung zu tolerieren sei. Damit muß sich jeder Gläubige, jeder Anhänger einer Religion und Weltanschauung sich zerspalten in ein gläubiges Subjekt, das ist eine, das seine Religion für wahr hält und in ein Subjekt innerhalb der pluralistisch strukturierten Gesellschaft, die jede Religion und Weltanschauung als gleich wahr anerkennt. Das heißt faktisch, daß er seinen Glauben für gleichgültig erklärt. Mit Slavoj Zizek gesagt: Für ihn ist seine Religion ein Kulturgut, das er praktiziert, ohne an sie selbst noch zu glauben.

Die Alternative wäre der Kampf aller Religionen und Weltanschauungen widereinander, da keine, nicht nur nach dem Urteil Max Webers ihren Wahrheitsgehalt verifizieren könne. Die Postmoderne offeriert dazu das Konzept der Vergleichgültigung aller Wahrheitsansprüche, die dann aber jeden Glauben an eine erkannte, weil gar offenbarte Wahrheit ausschließt und so als nicht tolerierbar reprobiert.


Nun ist der Diskurs des Unterscheidens von dem Tolerierbarem und dem Nichttolerierbarem kein herrschaftsfreier Diskurs im Sinne J. Habermas, sondern ein durch den Willen zur Macht (Nietzsche) geformter. Wer die Macht innehat, bestimmt, was wahr und unwahr, was tolerierbar und was untolerierbar ist. Die politische Korrektheit und der Kampf gegen Rechts zeigen, wie die Macht das Sag- und Nichtmehrsagbare definiert. So ist es jetzt unvorstellbar geworden, daß an einer österreichischen oder deutschen Universität ein Vortrag stattfinden könnte, in der der Vortragende die Lehre der Kirche in der Causa der Homosexualität bejahend vortragen könnte: Er würde einfach niedergebrüllt. Das Faustrecht ersetzt den Wahrheitsdiskurs. Das Verbietenwollen nichtkonformistischer politischer Meinungen gehört heute eben zu den Selbstverständlichkeiten des politischen Diskurses.


Es müßten also diese Unterscheidungen in dieser Causa getroffen werden: Erstens müssen die Räume unterschieden werden, in denen wahre von unwahren Aussagen unterschieden werden können,(etwa die Mathematik) von denen, in denen solche Unterscheidungen nicht treffbar sind, dazu zählt heute die Welt der Religionen und die der Weltanschauungen.

Dann müßte in den Privaträumen unterschieden werden, was zwar prinzipiell tolerierbar aber nicht für jeden tolerierbar ist.

Im politischen Raum dagegen gilt es, den Machtkampf wahrzunehmen, daß hier ausgekämpft wird, was als wahr und was als unwahr und nicht mehr tolerierbar festgesetzt wird. Seit dem Ende des Real existierenden Sozialismus 1989f behauptet sich der Liberalismus als einzig wahre Ideologie, die nun aber im Islamismus und noch mehr in der „Rechten“ ihren zu bekämpfenden Feind sieht. Der „Feind“ (Carl Schmitt) ist der Nichttolerierbare- der Liberalismus hat eben dazu gelernt. Die Kirche macht sich diese Feinderklärung mustergültig zu eigen: Wer und was ist auszugrenzen aus dem Diskurs, wer und was ist intolerabel! 

Corollarium

Im Alten Testament wird die Beziehung Gottes zu dem Volke Israel als ein Ehebund gedacht: Jedes Fremdgehen wird als die Sünde Israels qualiiziert.Von einer Tolerierung solcher Ehebrüche ist keine Spur erkennbar. Seit dem sich der Monotheismus in Israel durchsetzte, im babylonischen Exil werden alle Religionen als Götzenverehrung verurteilt, nur die Jahwereligion ist wahr. Eine Toleranz oder Offenheit anderen Religionen gegenüber ist hier unvorstellbar.

Im Neuen Testament: Jesus Christus bezeichnet sich selbst als die einzige Wahrheit. Den Juden, die ihn nicht als den Sohn Gottes und ihren Messias anerkennen,wirft er ihren Unglauben vor, nirgends wird das jüdische Nein zu ihm toleriert! Der Apostelfürst Paulus polemisiert gegen seine christlich-gnostischen Kritiker in den 2 Korintherbriefen: Von einer Toleranz ist da nichts spürbar, obschon es ein innerchristlicher Konflikt über die Weise der Vorstellung über das ewigen Lebens war. Die heidnischen Religionen werden stets nur negativ beurteilt, ja ihren Anhängern droht gar die ewige Verdamnis, wenn sie sich nicht zu Christus bekehren. Ist das tolerant?  




Montag, 20. Juli 2026

„Kein Rechtsanspruch auf Kinder“ - oder ein bunter Strauß von Absurditäten

 

Kein Rechtsanspruch auf Kinder“1 - oder ein bunter Strauß von Absurditäten


Der Moraltheologe Sautermeister verblüfft in diesem Domradiobeitrag uns alle:„In religiöser Deutung kommt darin die existenzielle Erfahrung zum Ausdruck, dass wir das Leben eines Menschen nicht machen können, dass Kinder verdankt sind und gerade nicht das Ergebnis eigener Leistung sind.“ 


Dabei hatte ich bisher in meiner Unaufgeklärtheit doch tatsächlich geglaubt, daß Menschen durch einen Geschlechtsakt entstünden, den ein Mann und eine Frau vollzögen und der so etwas von Menschen Gemachtes sei! Oder sollte dieser Moraltheologe damit an das Faktum erinnern wollen, daß die Seele nicht aus dem Geschlechtsakt entsteht, sondern unmittelbar von Gott erschaffen in den menschlichen Leib, der sich einem Geschlechtsakt verdankt, inkarniert wird? Aber ganz ohne eine menschliche Leistung entsteht kein Mensch, es bedarf dazu des Geschlechtsaktes, der von einem impotenten Mann nicht erfolgreich vollzogen werden kann und darum eine menschliche Leistung ist. Aber ein Moraltheologe sieht das eben anders.

Aber es geht hier ja um die Begründung des kirchlichen Neins zur Leihmuttershaft. Das erste Gebot: „Seid fruchtbar, mehret Euch!“, das einer den Ansprüchen einer moraltheologischen Ansprüchen genügenden Darlegung dieser Causa zu grundegelegt werden müßte, vergißt dieser Theologe,wie wohl die allermeisten. Was hätte den die theologische Morallehre mit den Geboten Gottes zu schaffen! Das wäre wohl ein vorkonziliares auf Gottes Willen fixiertes Moralverständnis!


5 Gründe sprächen wider die Erlaubtheit einer Leihmutterschaft!

Das Kind wird in besonders ausgeprägter Weise zum Objekt eines Kinder-wunsches“, heißt es da wirklich. Eine Frau wünscht sich ein Kind. Damit nimmt das gewünschte Kind den Status eines Objektes an, eines Akkusativobjektes. Es ist für jede Mutter unmöglich, eine Beziehung zu ihrem Kind zu haben, ohne daß es ihr zu einem Objekt wird. In der mütterlichen Liebe wird denknotwendig ihr Kind zu einem Objekt: „Ich liebe Dich, mein Kind!“

Um ein Kind zu bekommen, will eine Frau schwanger werden. Aber damit instrumentalisiere sie die Schwangerschaft! Um den Kinderwunsch sich zu erfüllen würden „gezielt Bedingungen einer Schwangerschaft geschaffen werden, die die für die Entwicklung eines Menschen wichtige pränatale Beziehung zur Mutter wissentlich und willentlich rein instrumentell konstelliert..“

Daß die ersten Monate im Mutterleibe für ein Kind bedeutsam sind, kann nicht bestritten werden. Aber: Was ist, wenn nun eine Mutter ob der Diagnose, ihr Kind wird geistig behindert zur Welt kommen und sie erklärt, ein solches Kind überfordere sie, und es dann nicht töten läßt sondern nach der Geburt zur Adoption freigibt, ist das dann eine unerlaubte Instrumentalisierung der Schwangerschaft, sollte sie das Kind dann besser abtreiben lassen? Es ist leicht, die Idealbedingungen für die Geburt und die Kindschaft zu konstruieren, aber es ist zu fragen, ob Kinder auch dann gewünscht und erzeugt werden dürfen, wenn die Idealbedingungen nicht vorliegen. Darf eine Mutter ihr Kind zur Welt bringen,und es dann zur Adoption freizugeben, da sie ihr Kind nicht töten lassen wollte, aber glaubte, ihm keine gute Mutter sein zu können?

Daß die Leihmutterschaft von der Bibel bejaht wird, obschon das keine Idealbedingung für das Kind ist, zeigt, daß die Bibel hier ganz anders urteilt.

Das zweite Argument wiederholt nur das erste: Die Frau, die ihren Körper für die Schwangerschaft zur Verfügung stellt, wird in einer existenziell-leiblichen Weise so instrumentalisiert, dass dies auch Auswirkungen auf die vorgeburtliche Beziehung zwischen Mutter und Kind hat, im Wissen darum, dass Dritte dieses Kind dann als deren Kind rechtlich und sozial annehmen werden.“ Es wird konstatiert, daß eine Leihmutterschaft nicht ideal für ein Kind ist, aber ist das ein hinreichender Grund dafür, daß es nicht entstehen kann? 

Zudem ist auf den Mißbrauch des Begriffes der Instrumentalisierung hinzuweisen: In einer Dienstleistungsgesellschaft ist es eine selbstverständliche Praxis, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen für eine Bezahlung. Ich instrumentalisiere nicht einen Friseur zum Mirhaareschneiden, wenn ich ihn dafür bezahle. Allein die Frage, ob die Dienstleistung moralisch und rechtlich erlaubt ist, ist relevant, aber eine Bezahlung instrumentalisiert den Dienstleistenden nicht: Es ist einfach ein Geschäft!

Drittens: Die Leihmutterschaft birgt faktisch die große Gefahr der Ausbeutung von Frauen und der Kommerzialisierung von Schwangerschaft; sie würde eine vertragliche Regelung des Umgangs der Leihmutter mit sich selbst und dem Embryo erfordern, die moralisch nicht statthaft ist.“

Leider ist hier die Tatsache völlig vergessen worden, daß in einer modernen Gesellschaft jeder, sofern er nicht reich ist, genötigt ist, seine Arbeitskraft zu verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf dem freien Arbeitsmarkt wird eben die menschliche Arbeitskraft gehandelt wie eine Ware. Daß ein Arbeitsvertrag einer Leihmutterschaft wirklich sittenwidrig ist,müßte erst bewiesen werden, statt es einfach zu behaupten. Wäre dann die einstige Praxis des Adels, ihre Kinder durch eine Amme stillen zu lassen für eine Bezahlung auch sittenwidrig, da es für das Kindeswohl besser wäre, von der eigenen Mutter gestillt zu werden? (Es spricht aber einiges dafür, daß diese Praxis den Niedergang des Adels beförderte.)

Viertens: Kinder dürfen nicht zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen gemacht und somit zu einem Vertragsobjekt werden.“ Das ist Unsinn, denn bei jeder Adoption wird ein Kind ein Vertragsobjekt, auch bei jeder gerichtlich festgesetzten Zahlungsverpflichtung des Vaters in Folge einer Ehescheidung.  

Fünftens: Die Praxis der Leihmutterschaft schafft mit der vorgeburtlichen Entwicklung des Kindes gezielt Bedingungen und nimmt, um der Realisierung des Kinderwunsches willen, besondere Herausforderungen für die Identitätsentwicklung und Identitätsbildung des Kindes in Kauf.“

Wenn ein Kind nicht unter Idealbedingungen geboren und aufwachsen kann, ist das ein Argument dafür, daß es nicht sein darf? Die Bibel sagt: Onan war verpflichtet,der Witwe ein Kind zu machen für seinen verstorbenen Verwandten und dieses Kind hätte dann ohne einen wirklichen Vater groß werden sollen, denn es galt als das Kind des Verstorbenen und nicht als das seinige. Das sind wahrlich keine guten Conditionen für dies Kind, aber so verlangte es das Gesetz Mose. Onan hätte hier als ein Leihvater, als Nursamenspender zu fungieren!Nicht vergessen: Gott tötete Onan, weil er kein Nursamenspender sein wollte!



Die völlige Bibel- und Gottvergessenheit der Moraltheologie ist schon frappierend!

1 Domradio 18.7.2026.

Sonntag, 19. Juli 2026

Leihmutterschaft – ein Skandal

 

Leihmutterschaft – ein Skandal




Zuvor hatte Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) eine neue Debatte über Leihmutterschaft ausgelöst. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten mitgeteilt, dass sie beide Eltern geworden seien. Der Sohn mit Namen Georg kam demnach in den USA zur Welt und wurde von einer Leihmutter geboren.“1

Das war nun der Anlaß zu einer sehr lebhaften Debatte über die Frage der Leihmutterschaft,die sich nicht gerade durch ihre Sachlichkeit vortat. Ein großes Kompliment muß ich deswegen einem auf „Communio“ veröffentlichten Leserkommentar machen, in dem aus moraltheologischer Perspektive die richtigen Fragen zu dieser Causa gestellt wurden:2

Zwei provokannte, nicht rhetorisch gemeinte Fragen: Wenn nach dem Alten Testament eine Ehe kinderlos blieb, hatte die Ehefrau die Pflicht, dem Mann eine Frau zu geben, deren Kind, wenn sie von dem Ehemann schwanger wurde als ein legitimes Kind der Ehe angesehen wurde.Ist das nicht eine Leihmutterschaft Onan mußte, als die Ehe eines Verwandten kinderlos blieb zur Witwe gehen, mit ihr ein Kind zeugen, das dann nicht als sein Kind gelten sollte sondern als das des Verstorbenen. War Onan so nur ein Samenspender oder wirklich ein Ehemann der Witwe?“

Diese wirklich provokanten Fragen können nicht respondiert werden, wenn dabei von dem ersten Gebot, das Gott uns Menschen gab, abstrahiert wird: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ Im Alten Testament wird nun die Frage erörtert, wie dieses erste Gebot zu halten ist, wenn die Bedingung,daß nur ehelich der Mensch sich fortpflanzen dürfe, nicht eingehalten werden kann. Dabei erhält die Ehe den Status einer Ausführungsbestimmung dieses Gebotes, die dem Zweck der Fortpflanzung subordiniert ist.

Die Kinder Adams und Evas konnten keine Ehe schließen, da alle Menschen leibliche Geschwister waren und eine Inzestehe verboten war. Hätten sich alle Geschwister an dieses Gebot gehalten, wäre die Menschheit mit dem Tode dieser Adams- und Evakinder ausgestorben. Da Gott aber nicht den Tod des Menschen wollte, erlaubte er den Inzest. Das ist für die Moraltheologie ein Ärgernis schlimmster Art, aber Gott ist so sehr ein das Leben Liebender,daß, wie es der hl. Augustin rechtens erfaßte: „Am Anfang war der Inzest!“, er das scheinbar Widermoralische erlaubte. Wie die Kirche das Gebot: „Du darfst nicht töten!“ bejaht und doch das Töten im Kriege in einem gerechten Kriege wie in einer Notwehrsituation erlaubt, wenn nur durch das Töten des Angreifers der Angegriffene sein Leben retten kann. Dem ersten Gebot wird so über die Ausführungsbestimmung gestellt: Wenn eine Eheschließung unmöglich war wurde der Inzest gar erlaubt als eine „Inzestehe“.

Die Bestimmung Mose, daß im Falle der Kinderlosigkeit einer Ehe die Ehefrau ihrem Ehemann eine Frau zu geben hätte, damit er sie schwängere,und daß dann dies Kind als Kind der Ehe gälte, ist ein eindeutiger Fall einer Leihmutterschaft. Besonders problematisch ist dabei, daß die Ehefrau einer ihr Subordinierten, einer ihrer Mägde befehlen konnte, an ihrer statt ein Kind von ihrem Ehemann zu empfangen! Nicht heiratete der Ehemann dabei die Magd seiner Ehefrau, damit das Kind nicht als Kind der Magd gälte.

Wenn die Kirche eine Leimutterschaft prinzipiell verurteilt, stellt sie sich gegen die Morallehre der hl. Schrift, indem sie die Subordiniertheit der Ehe als einer Ausführungsbestimmung des ersten Gebotes dabei mißachtet.

Die Causa des Onan ist nun komplizierter: Ursprünglich war gemeint, daß ein Nahverwandter dann mit der Witwe der kinderlos gebliebenen Witwe ein Kind zu erzeugen habe, damit der verstorbene Ehemann so posthum noch ein legitimes Kind erhielte. Zu Zeiten Jesu wurde dieser Fall so gedeutet, als wenn der Nahverwandte die Witwe zu ehelichen hätte, aber das widerspricht der Intention, daß das so erzeugte Kind nicht als ein legitimes Kind dieser Beziehung angesehen werden sollte sondern als ein Kind des Verstorbenen. Aber mit einer Nichtverheirateten ein Kind zu erzeugen, wurde zu Zeiten Jesu als ein Problem angesehen.

Onan fungierte so tatsächlich als ein Samenspender für die Witwe, er diente dabei als ein Ersatz für den verstorbenen Ehemann. Onan wollte kein Samenspender sein und deswegen machte er sich durch eine Selbstbefriedigung zeitlich befristet zeugungsunfähig, wenn er zu der Witwe zu gehen hatte, um mit ihr ein Kind zu erzeugen. Gottes Urteil über diese Verweigerung fällt erschreckend eindeutig aus: Gott bestrafte Onan mit dem Tode!

Es muß so angefragt werden: Mit welchem Recht stellt sich die Morallehre der Kirche so eindeutig gegen die in der hl. Schrift bezeugte Morallehre, in der die Ehe dem ersten Gebot gegenüber als subordiniert gilt und deswegen auch in ihrer Geltung relativiert werden darf?

Es gilt aber, daß nur dann eine Leihmutterschaft oder eine Leihvaterschaft erlaubbar ist, wenn eine Erzeugung von Kindern in der Ehe unmöglich ist! In dem Communioartikel: „Keine Schönfärberei“ wird nun behauptet:Es gibt – starker Kinderwunsch hin oder her – kein Recht auf ein Kind. Wohl aber gibt es zumindest aus theologisch-ethischer Perspektive ein legitimes Recht des Kindes, von einem Vater und einer Mutter abzustammen, die es kennt und die menschlich-personal, möglichst in Ehe und Familie, miteinander verbunden sind.“

Das ist sachlich einfach falsch! Erstens wird hier vergessen, daß es in erster Linie um das erste Gebot Gottes geht und nicht in erster Linie um ein menschliches Recht! Das Recht, von Eltern abzustammen, die das Kind kenne, kennt die Bibel überhaupt nicht und Onans Geschick beweist das Gegenteil. Im Hintergrund dieses Fehlurteiles steht die Philosophie des Personalismus3 und nicht eine theologisch- ethische Perspektive, denn die müßte sich an den Geboten Gottes orientieren!



In der aktuellen Debatte wird aber auch viel Unsinn geredet! Ich beschreite nun einen kleinen Umweg, da die moralistische Aufgeladenheit dieser Causa ein klares Durchdenken oft verhindert. Was hielte man von dieser Verschwörungstheorie: Geldgierige Friseure verlangen viel Geld, weltweit und von Frauen mehr als von Männern, welch eine Diskriminierung der Frau, damit sie Haare schneiden: Nicht aus Liebe zu einem eines Haarschnittes Bedürftigen sondern um des Profites willen schneiden sie die Haare! Oder, Menschen nötigen des Gelderwerbes Bedürftige, ihnen die Haare zu frisieren? Das ist purer Unsinn. In einer Gelderwerbswirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Kunden für für sie erbrachte Dienstleistungen bezahlen. Diskussionswürdig ist allein die Frage, ob einer erbrachte Dienstleistung moralisch erlaubt und ob sie strafrechtlich verboten ist. In einem Rechtsstaat ist allein die Frage der rechtlichen Verbotenheit relevant, die Moral ist (leider aus katholischer Sicht) reine Privatsache!

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten, das ist eindeutig. Aber ebenso eindeutig ist es, daß die Moraltheologie unter bestimmten Bedingungen eine Leihmutterschaft wie die einer Leihvaterschaft ob des ersten Gebotes Gottes zu erlauben hat. Eine Kirche, die beides für alle Fälle verbietet, handelt lebensfeindlich, Menschenleben verneinend- ein Phänomen dekadenter Zeiten!

1 Spahn-Debatte Lob-Hüdepohl: Leihmutterschaft wird zunehmend kritisch gesehen, Kath de 17.7.2026.


2Communio, 16.7.2026, Erstveröffentlichung 28.4.2026. Keine Schönfarberei- was für das Verbot der Leihmuterschaft spricht.

3Dies Implantat aus der Philosophie wirkt sich leider in vielen Bereichen der Moraltheologie fatal aus, isb da dem Personalismus ein Begreifen des Gemeinwohles ob der Verabsolutierung des egozentrischen Ichmenschen unmöglich ist.

Samstag, 18. Juli 2026

Eine nützliche oder gefährliche Phantasievorstellung der Kirche - soll sie wegrationalisiert werden?

 

Eine nützliche oder gefährliche Phantasievorstellung der Kirche - soll sie wegrationalisiert werden?


Hölle.Dazu hatte er keine Beziehung.Hölle.Das war etwas Irreales für ihn.Hölle.Des Teufels Zuhause.Er zweifelte daran,ob es das überhaupt gab.Die Menschen sind diesbezüglich im Erfinden sehr phantasievoll.Die Hölle soll abschrecken, und das tut sie in den meisten Fällen auch.Die meisten Menschen haben Angst davor,nach ihrem Tode in der Hölle zu landen,deshalb bemühen sie sich, ein gottgefälliges Leben zu führen.“1

Aus der Angst vor der Hölle ein „gottgefälliges Leben“ führen zu wollen, das erscheint nicht nur einem der Protagonisten dieses Horrorromanes als verquert, müßte doch ein Christ aus Liebe zu Gott um des Guten willen so zu leben erstreben! Dies Urteil verbindet sich mit der Behauptung, daß die Kirche die Hölle doch nur erfunden hätte, um uns Menschen zu verängstigen um uns so zu einem gottgefälligen Leben zu zwingen mit der Drohbotschaft der Höllenstrafen! Die Kirche habe die Liebe Gottes zu verkünden in Wort und Tat und nicht dürfe sie eine Angstpädagogik praktizieren.

Befremdlich ist dann aber, daß, wenn es um das Gut der Gesundheit geht, mit purster Angstpädagogik gearbeitet wird: Was alles für Schrecknisse werden den Tabakfreunden vor Augen geführt: „Wehe Dir, wenn Du rauchst!“

Da gilt die Erzeugung von Angst als das beste Mittel zum Abhalten vom Rauchgenuß! Seit wir Menschen auf Erden wandeln, rauchen wir Tabak aber noch nie wurde uns so viel Angst gemacht vor den Folgen des Tabakgenusses.

Aber die Kirche dürfe sich keiner Angstpädagogik bedienen.Wenn nun mal angenommen wird, daß die kirchliche Höllenpredigt die Menschen davon abhielte zu sündigen,oder zumindest es erreichte, daß wir Menschen weniger sündigten, wäre dann die Erfindung der Höllenpredigt rechtfertigbar?

Nein, denn es dürfe nur die Liebe Gottes gepredigt werden! Wer so urteilt,muß dann aber die Höllenpredigt Jesu Christi auch verurteilen,muß gar urteilen, daß Jesus selbst nicht christlich gepredigt hätte. ( Als ein Ausweg böte sich dann an, zu behaupten,daß Jesu Predigt von unserer möglichen Bestrafung durch und in der Hölle nur eine Erfindung der urchristlichen Gemeinden gewesen sei, Jesus selbst niemals so hätte predigen können.Die Plumpheit dieses Selektionsverfahrens, alles mir Mißfallende als nicht echt jesuanisch abzuqualifizieren, ist aber mehr als offensichtlich.)Jesus, der Sohn Gottes hat uns die Hölle gepredigt, wenn wir nicht umkehren, an ihn glauben und gemäß ihm leben.

Ist nun der Erweis der Nützlichkeit einer Predigt von der Hölle als dem Orte unserer Bestrafung durch Gott ein Beweis dafür, daß die Hölle um dieser Nützlichkeit willen von der Kirche erfunden worden sei? Was hielte man dann von dieser Aufklärungspredigt eines Schafes: „Liebe Schafskollegen, der Besitzer unserer Herde sagt uns: „Hütet Euch vor den Wölfen, denn die wollen Euch fressen. Gehorcht also immer mir, damit ihr so vor ihnen sicher seid. Unser Besitzer hat den bösen Wolf nur erfunden,um uns durch die Angst vor ihm beherrschen zu können! In Wirklichkeit ist der Wolf ein Vegetarier! Hört der Wolf auf, ein Wolf zu sein, weil die Wahrheit über den Wolf für jedes Schaf etwas Furchtbares ist? Ist der Glaube an eine Welt ohne Feinde nicht eine durch nichts rechtfertigbare Illusion?

Für die plumpe Priesterbetrugstheorie, sie hätten, wenn sie schon nicht Gott so zumindest den Teufel nur erfunden, um uns besser beherrschen zu können, gibt es keinen Beweis, es ist nur eine sehr simpel gestrickte Verschwörungstheorie.

Um des Gutes der Gesundheit willen wird eine reine Angstpädagogik wider die Raucher angewandt mit rabiaten Freiheitseinschränkungen, aber um des Seelenheiles willen darf die Kirche nicht von der Hölle predigen? „Rauche nicht, damit Du nicht an Lungenkrebs sterben wirst“, ist eine gute Aufklärungspredigt, „Sündige nicht, damit Du nicht in der Hölle endest“, eine unzumutbare Angstpredigt!

Der Lungenkrebs als eine Folge des Tabakgenusses sei etwas Reales, die Hölle als Gottes Bestrafung für unser Sündigen etwas Irreales. Nur, warum schließt Gottes Gerechtigkeit ein Bestrafen unserer Sünden aus? Wäre Gott gerecht, wenn er die Ermordeten und ihre Mörder gleichermaßen mit dem ewigen Leben beschenken werden würde in seinem Endgericht?

Außerdem:

Was hielte eine Frau von diesem Eheversprechen: " Ich liebe Dich und werde Dich immer lieben, egal ob Du mir treu sein wirst oder mich betrügen wirst,ob Du mich lieben oder verachten wirst, denn meine Liebe ist bedingungslos"? Wäre eine solche Liebe von einer Gleichgültigkeit überhaupt unterscheidbar?  


1A.F.Morland, Der Silbermann, aus der Serie:Tony Ballard, Bd 12,S.5. In dieser Serie treten regelmäßig Protagonisten auf, die alles Übersinnliche und Übernatürliche als Phantasmata abtuen, dann aber auf das bitterste eines Besseren belehrt werden.

Abendmahl für alle und der marktwirtschaftlich sozialisierte Konsument

 

Abendmahl für alle und der marktwirtschaftlich sozialisierte Konsument



Als marktwirtschaftlich Sozialisierte weiß man, daß 1,5 Liter Wein zu 2 Euro nicht trinkbar ist, zumindest unzumutbar ist für jeden Weinkenner,daß Turnschuhe unter 10 Euro nicht tragbar sind usw. Die Qualität eines Produktes erkennt man an der Höhe seines Preises. Was also umsonst ist,kann nichts taugen!

Früge ein Lehrer seine vierzehnjährigen Schüler: „Welches dieser zwei Bücher wollt Ihr lesen, das für Euch geeignete, ab 14 Jahren empfohlen oder das, daß Ihr nur ab 18 lesen dürft?, die Antwort fiele eindeutig aus: Fast jeder will das ab 18! Alles Verbotene steht höher im Kurs als das Erlaubte; so hieß ja auch eine Fernsehserie, eine sehr erfolgreiche: „Verbotene Liebe“.

Was umsonst und dann noch für jedermann ist, das kann so einfach nichts taugen, urteilt so jeder Kenner der Marktwirtschaft. Aber die Kirche preist nun gerade so den Empfang der hl.Kommunion an. Vielen ihrer Vertretern ist es geradezu peinlich, sagen zu müssen, daß nicht jeder, der sie empfangen will, sie nicht empfangen dürfe.So müsse es ein Anliegen der ökomenischen Gespräche sein, dafür zu sorgen, daß jeder Christ bei jeder Abendmahlsfeier, bzw Eucharistie kommunizieren dürfe. Aber Juden. Muslime und Buddhisten dürfe man doch auch nicht ausschließen und warum dann einen Atheisten, wenn er zur Kommunion möchte?

Theologisch“ ließe sich das so legitimieren: In dem Abendmahl begegne uns doch die Liebe Jesu, die Liebe Gottes zu uns und mit welchem Recht dürfe die Kirche jemanden von diesem Liebesbegegnungsgeschehen ausschließen!Gottes Liebe wolle doch jeden erreichen. Daß so die hl Kommunion verramscht für jeden marktwirtschaftlich Sozialisierten entwertet wird, übersieht diese Strategie des Abendmahles für jedermann völlig. So kann es nicht verwundern, daß für die Erstkommunikanten ihre erster Empfang auch für lange Zeit ihr letzter ist: für alle umsonst, das kann nichts sein.

Wir leben in einer Massengesellschaft: Nur wenn ich in den nächst gelegenen Verbrauchermarkt zum Einkaufen gehe, begegne ich in ihm so viele andere Menschen, daß ich mich auf meinem Daheimwege kaum noch an eine der Begegnungen erinnern kann.1 Gravierender ist aber, daß ein heiliges Essen kein Begegnungsgeschehen ist: Niemand würde sagen: „Zu Mittag ist mir mein Mittagessen begegnet“, selbst wenn es ein aufgewärmtes Sauerkraut wäre! Im Empfang incorperiert ein Mensch das Gegessene und Getrunkene, also in der Eucharistie das Fleisch und das Blut Christi.

Die hl.Kommunion empfangen zu dürfen, ist genau genommen ein Privileg. Jesus Christus lud eben zur ersten Eucharistiefeier nur seine 12 Apostel ein und sonst niemanden!

Warum ist denn nun nicht jeder zum Empfang der hl.Kommunion zulaßbar? Im Hebräerbrief, 13, 10 werden die Juden vom Empfang ausdrücklich ausgeschlossen, da sie nicht an Jesus als den Christus glauben. Wer ungläubig kommunizierte, würde sich zum Unheile die Kommunion empfangen.

Da diese Erkenntnis in der heutigen Zeit fast völlig verschwunden ist, bedarf sie einer Erläuterung. Die Kirche bezeichnet die Eucharistie als die Medizin zur Unsterblichkeit. Jeder Medizin wohnt nun ein Wirkstoff inne, in der Eucharistie das Fleisch und das Blut Jesu Christi, bzw er selbst. Die Wirkkraft dieses Wirkstoffes kann mathematisch als sein Betrag bezeichnet werden. Der Betrag 5000 meint, daß er 5000 Einheiten von Null entfernt ist. Das Vorzeichen,plus oder minus qualifiziert diesen Betrag etwa als 5000 Euro Guthaben oder als 5000 Euro Schulden auf einem Bankkonto. Auf den Bereich der Medizin angewandt heißt das, daß die Wirkkraft der Medizin gemäß ihrem Betrag entweder zum Guten oder zum Bösen sich auswirkt. Die vorschriftsmäßig richtig eingenommene Medizin wirkt gesundungsfördernd, eine nicht vorschriftsgemäß eingenommene gar krankmachend. Je stärker die Wirkkraft einer Medizin ist, desto destruktiver wirkt sich ihr falscher Gebrauch aus. Die Eucharistie ist nun die stärkste Medizin auf Erden und so ist ein falscher Empfang auch für den Empfangenden äußerst gefährlich. Das meint: ein sakrelegischer Empfang.

Keine Mutter läßt den Medizinschrank unverschlossen, solange sie nicht ausschließen kann, daß ihr Kind davon mal naschen will und das dann für die Gesundheit ihres Kindes die fatalsten Folgen haben kann: daß ihre Medizin ihr Kind sehr krank machen kann. Genauso verschließt die Mutter Kirche ihren Medizinschrank, das Tabernakel, damit nicht ihre Kinder oder andere einen Schaden nehmen, damit sie diese Medizin gar zum eigenen Unheil empfangen. Die Liebe zu allen Menschen verpflichtet die Kirche also dazu, sehr sorgfältig diese stärkste aller Medizinen auszuteilen. Die Kirche ist ja auch die Apotheke Gottes auf Erden, uns zur Gesundmachung von Gott selbst eigens eingesetzt!


1Davon sind aber Begegnungen im emphatischen Sinne zu unterscheiden, die ihren Sitz im Leben in dem Genre des Liebesfilmes hat, daß sich zwei begegnen und im Augenblick der Begegnung sich als für einander bestimmt erkennen.. Wer dafür ein sehr gelungenes Anschauungsbeispiel sucht, dem sei die erste Folge der Serie:“Sturm der Liebe“ empfohlen, der Begegnung zwischen Laura und Alexander! Das Schicksal führt sie dann nach circa 300 Folgen zueinander. Dieser Vorstellunsgkomplex ist nun ein religiös sehr aufgeladener, aber er paßt nicht zur Eucharistie!

Donnerstag, 16. Juli 2026

Westdeutsche: ganz und gar von sich selbst entfremdet – oder das „Nein“ der Kirche zu Gott

 

Westdeutsche: ganz und gar von sich selbst entfremdet – oder das „Nein“ der Kirche zu Gott


Anfang Juni wies Björn Höcke im „Weltwoche“-Interview auf die unterschiedlichen Mentalitäten hin: Westdeutsche seien lediglich „deutsch sprechende Amerikaner“ mit einer „Ersatzidentität“, während im Osten noch „Deutsch sprechende Deutsche“ lebten.1 Daß dies Votum dieses Spitzenpolitikers der AfD in den Medien nicht positiv aufgenommen wurde, wenn es überhaupt beachtet wird, wird niemanden irritieren. Nur, wer erwartet denn überhaupt noch etwas Be- und Nachdenkenswertes aus dem Munde eines Parteipolitiker! Aber verwirren muß die hier implizite aufgestellte These, daß dies Votum etwas mit Gott zu tuen habe, zumal doch die Kirche lautstark uns erklärt, daß die AfD eine antichristliche sei.

Ab ovo: Wenn ein Christ sich befrägt: „Was will Gott konkret von mir?“ dann findet er in seinem Bestimmtheiten eine Antwort, die konkreter ausfällt als die abstrakteren etwa der Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe. „Sei, was Du bist!“, sagt Gott zu mir. Denn daß ich bin und was ich bin, das ist nicht das Resultat von zufälligen Ereignissen, sondern Gott selbst wollte mich so. Womit Gott mich begabt, daß ich nicht ein abstraktes Menschsein sondern ein konkret bestimmter Mensch bin, das ist Gottes Gabe an mich, die so meine Aufgabe ist. Gott gibt mir ein bestimmtes Geschlecht, eine bestimmte Volks- und Rassenzugehörigkeit.

Was nun, wenn wer nicht sein will, wozu Gott ihn so bestimmt hat? Fatal ist es, wenn diese Frage auf die reduziert wird: Will ich Gottes Geschöpf sein oder mehr als das oder weniger als das?2, so gewichtig diese Frage auch ist. Dem Ideal der Selbstbestimmung liegt die Annahme zugrunde, daß ich rein zufällig ein bestimmter Mensch bin und so das Recht habe,mich völlig neu zu bestimmen und somit mich als so bestimmter abzulehnen. Der Mensch gliche einer Puppe, der man Kleider angezogen habe, die sie aber ausziehen und durch andere ersetzen dürfe. Der Mensch sei und solle nur ein Abstraktum sein, daß sich selbst seine Kleider auswählen dürfe, welches Geschlecht, welche Volkszugehörigkeit und welche Rassenzughörigkeit ihm halt gefalle.

Will der Deutsche ein Deutscher sein? Auf diese Frage antwortet der AfD- Politiker: Der Westdeutsche wolle das nicht (mehr), er habe sich eine Surrogatsidentität erwählt! Die Frage nach dem Warum drängt sich damit auf. Und eine Antwort wird durch die These, daß dies ein spezifisches Problem der Westdeutschen sei, präfiguriert. Thomas Manns Deutung des 1.Weltkrieges als unserem Kampf um unsere Identitätswahrung, dem auch ein innere Feind entgegen trat, daß wir aufhören sollten, Deutsche sein zu wollen um uns stattdessen uns verwestlichen, soll so nicht ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. (Thomas Mann, Betrachtungen eines Unpolitischen)

Die spezifische Geschichte Westdeutschlands muß hier betrachtet werden. Die Geschichte Österreiches soll hier auch nicht bedacht werden: Es gelang dort, den Anschluß Österreiches an Deutschland zu einer Überwältigung Österreiches durch das “Nazideutschland“ umzudeuten,als wenn nun die Österreicher keine Deutschen wären, die stattdessen das erste Opfer des deutschen Imperialismus wurden.Das Resultat dieser Umdeutung: Österreicher, die meinen, keine Deutsche zu sein und es auch nicht sein wollen. (Ein Unglück war es, daß Bismarck nicht 1871 die großdeutsche Lösung, der Zusammenschluß mit Österreich gelang!)

Das Besondere der Entwickelung Westdeutschlands war nun die These der Willenseinheit der Nationalsozialisten mit unserem Volke: Hitler verwirklichte nur, was wir als Deutsche eigentlich immer schon wollten. Deshalb war der Krieg nicht zu führen als ein Krieg zur Befreiung des deutschen Volkes aus der Hitlerdiktatur, wie es Stalin verkündete, sondern als ein Krieg gegen das deutsche Volk. Der Deutsche sollte aufhören, ein Deutscher sein zu wollen, so lautete dann das volkspädogogische Lernziel der Umerziehung, der uns die USA unterwarfen, um uns zu zivilisieren, das hieß, zu verwestlichen.

Anfällig dafür wären alle Deutschen gewesen, aber nur in Westdeutschland wurde dies Umerziehungsprogramm durchgeführt, mit sehr viel Erfolg. Die Westdeutschen verwestlichten sich so sehr, daß aus der Sicht von Ostdeutschen die „Wessis“ als Nichmehrdeutsche erscheinen!

Die Katholische Kirche sagt nun „Ja“ zu dem Resultat dieser Umerziehung, indem sie den Willen zur Selbstbejahung als „völkischen Nationalismus“ perhorresziert. Aber dabei verharrt sie nun nicht: Sie propagiert selbst die Entdeuschung duch die massenhafte Aufnahme von „Flüchtlingen“, daß wir Deutschen zu einer Minderheit in unserem eigenen Staate werden sollen. Wir sollen aufhören,zu sein, was wir sind.Die Kirche propagiert eben nicht nur ein Nein zum Schöpfergott, indem sie hier die Genderideologie vertritt sondern auch indem sie die deutsche Identität verwirft.



1 Compact 15.72026 Knaller: Chrupalla und Steimle singen DDR-Hymmne

2Heute dominiert das Weniger als Gottes Geschöpfsein wollen, da der Mensch nur noch ein besonderes Tier sein will.