Bischof
Bätzing profiliert sich weiterhin als Vertreter einer politischen
Theologie und als regierungstreu
Wikipedia
informiert uns über den Ursprung des Begriffes der „politischen
Theologie“:
„Der
Begriff der Politischen Theologie geht auf den römischen Gelehrten
Varro
zurück. Dieser grenzte mit dem Begriff >theologia civilis< die
den Kaiserkult legitimierende >bürgerliche Theologie< von der
>mythischen Theologie („theologia mythica und der >natürlichen
Theologie< (>theologia naturalis<) ab. In der Übersetzung
wurde der Begriff >theologia civilis< im deutschen Sprachraum
in der Regel als >Politische Theologie< wiedergegeben. Es
handelt sich aus heutiger Sicht dabei eher um für politische Zwecke
benutzte >Mythologie<.“
Bürgerlich
meint
hier: staatsbürgerlich und soll eine religiöse Legitimierung des
Staates,seiner Ordnung benennen. Man könnte nun spontan meinen, daß
eine wie dann auch immer materialiter ausgeführte theologische
Legitimierung der Staatsordnung durch ihre jetzige demokratische
obsolet geworden ist. Eric Peterson versuchte gar in seiner Kritik an
den angeblich Kaiser Konstantin hoferierenden und beweihräuchernden
Eusebius von Caesarea das Ende der „politischen Theologie“
erblickt zu haben, denn der Glaube an den dreieingen Gott ließe
keine politische Theologie zu.
Aber
die „politische Theologie“ erhielt im Geiste der 68er einen ganz
anderen Gehalt: In ihrem Namen wurde das politische System kritisiert
und oft eine radicale Systemveränderung eingefordert, daß eben
Reformen keine qualitative Verbesserung des Bestehenden erwirken
könnten. Die marxistische Befreiungstheologie und viele Spielarten
von „Christen für den Sozialismus“ revitalisierten so das
Konzept einer „politischen Theologie“, nun aber in einer
systemkritischen Akzentuierung.
Aber
diese kritische Theologie verschwand mit dem Ende des „real
existierenden Sozialismus“, da nun der Kapitalismus als die
alternativlose Gesellschaftsform anerkannt wurde und nur noch
Reformen eingefordert wurden in einem sozialdemokratischen Sinne: Der
Staat solle den Kapitalismus als „soziale Marktwirtschaft“
humanisieren.
Nun
aber erleben wir eine Renaissance der politischen Theologie im
ursprünglichen Sinne, im Geiste Varros! Nach Carl Schmitt ist für
den politischen Diskurs konstitutiv die Bestimmung des „Feindes“.
Das ist der, der so eine wesentliche These Michel Foucaults, aus dem
regelgesteuerten Diskurs ausgeschlossenen ist: Nicht jeder ist ein
legitimer Teilnehmer eines bestimmten Diskurses. Ein komplexes
Regelsystem bestimmt, was ein legitimes Element eines Diskurses ist
und wer ein legitimer Teilnehmer eines Diskurses ist.
Mit
dem Feind redet man nicht, man redet nur über ihn! Diesen Standpunkt
hat sich Bischof Bätzing und nicht nur dieser Amtsinhaber der Kirche
zu eigen gemacht. Die Zeiten der Idee eines „herrschaftsfreien
Diskurses“ im Geiste Habermas sind ad acta gelegt, Die Kirche hat
heute den Liberalismus als einzig legitime Ideologie anerkannt und
verwirft so jedes Gespräch mit Vertretern einer anderen Ideologie.
Sah die sog vorkonziliare Kirche noch den Liberalismus als eine
kirchenfeindliche Ideologie an, so änderte sich das durch den
„Kalten Krieg“. Als die antisozialistische Ideologie im
Widerstreit mit den sozialistischen Staaten reüssierte der
Liberalismus zu der einzig anerkannten Ideologie des „freien
Westens“, der sich die Kirche auch unterwarf angesichts der
Bedrohung durch einen atheistischen Marxismus.
Nach
dem Untergang des „real existierenden Sozialismus“ fand der
Liberalismus sich in einer politischen Welt ohne
ideologische Feinde wieder
und ermöglichte es so dieser Ideologie, sich als eine Nichtideologie
zu maskieren: Ideologien hätten nur die „Feinde“, nicht wir.
Aber
auch wenn ein amerikanischer Philosoph gar euphorisch das „Ende der
Geschichte“ proklamierte angesichts dieses Endsieges des
Liberalismus erwuchs dem politischen System des Liberalismus ein
alter neuer Feind: die Wiedergeburt der politisch Rechten. In
Deutschland offenbarte sich dieser alte und doch so neue „Feind“
in den Demonstranten gegen die SED- Regierung in der patriotischen
Parole: „Wir
sind ein Volk“,das
die demokratische: „Wir sind das Volk und nicht die SED“
ersetzte. Seit dem avancierte der Kampf gegen Rechts zu der Aufgabe
für den politischen Diskurs, als 1989 f viele Antideutsche, nicht
nur die „Grünen“ gegen die Wiedervereinigung protestierten und
ein vereintes Deutschland als die Gefahr für den Weltfrieden
deklarierten.
Die
neue Sternstunde der politischen Theologie gründet sich so direkt
aus dem ideologischen Kampf des Liberalismus gegen jede conservative
und rechte Liberalismuskritik. Dabei gelingt es sehr simpel, die
ganze Ideologie des Liberalismus in die Theologie und Kirche zu
implantieren durch die Aussage, daß Gott als der Schöpfer des
Menschen der Grund seiner Menschenwürde und der Menschenrechte sei,
sodaß die Lehre von der Menschenwürde nun die Substanz der Kirche
ausmache und die wird im Geiste des Liberalismus ausgelegt.
Die
Kirche offeriert so dem politischen System eine kontingente
Letztbegründung, daß nur die Demokratie,eine von der christlichen
Religion bejahbare Staatsform sei. Deshalb muß die Herrschaft der
demokratischen Blockparteien von jedem Christen gegen jede Kritik
verteidigt werden. Da nun die westliche Demokratie sich in einer
Legitimierungskrise befindet, will nun die Kirche dem Staate zur
Hilfe eilen, ihn gegen jede Kritik zu verteidigen. Dazu gehört nun
konstitutiv die Ausgrenzung des „Feindes“ aus dem öffentlichen
Diskurs: Mit solchen reden wir nicht! „Spiel nicht mit
Schmuddelkindern“ hieß das einst bei J. Degenhardt, nur damals
kritisch gemeint.
Die
Kirche wie auch die EKD gehen dabei vorbildlich innerkirchlich gegen
Rechts vor durch eine konsequente Ausgrenzung aller Nichtliberalen.
Der
Primat der Politik wirkte sich auch auf die Ökumene aus: Dem
Zusammenschluß von katholischen und evangelischen Christen in den
C-Parteien korrelierte das ökumenische Anliegen, die
innerchristlichen Glaubensdifferenzen als unwesentlich zu beurteilen
im gemeinsamen Kampf gegen den „Osten“. Der alte Feind des
„Kalten Krieges“ Moskau wird nun auch wieder revitalisiert in der
Renaissance des Kalten Krieges und die „Russisch- Orthodoxe Kirche“
zur Feindkirche erklärt aus rein politischen Gründen. Der
politische Diskurs bestimmt, wen die Kirche dann auch selbst zu ihrem
Feind deklariert.
Bischof
Bätzing erweist sich so als ein wahrhaftiger Bischof einer
politischen Theologie, die ihre Aufgabe in der Apologetik des
herrschenden politischen Systemes und der Bekämpfung jeder Kritik an
ihm ansieht.
Corollarium
"Bischof Bätzing führte nun aus, es gehe in der Debatte zum einen um das Selbstbestimmungsrecht für ungewollt schwangere Frauen und zum anderen um den Schutz ungeborenen Lebens. Die derzeitige Praxis - Paragraf 218a garantiert Straffreiheit unter bestimmten Bedingungen - bedeute aus seiner Sicht eine "kluge Balance", so der Bischof von Limburg. " Domradio 17.7.25: In dieser Debatte ist viel schief gelaufen. Dieser Bischof beurteilt die Tötung von 100.000 Kindern pro Jahr, 1 Million in 10 Jahren für eine "kluge Balance",aber den Willen zur Repatrierung illegal Eingewanderter für inhuman.