Sonntag, 24. Mai 2026

Der Mythos vom Klassenkampf und was davon an Realem übrigbleibt-eine Genalogie

 

Der Mythos vom Klassenkampf und was davon an Realem übrigbleibt-eine Genalogie


Ein kleines Ereignis möge die Leserschaft auf die Entdeckungsreise eines Versuches einer Entmythologisierung dieses Vorstellungskomplexes hinführen. Die Ehefrau des erfolgreichen Arztes XY betritt den Tennisplatz, inspiziert ihn für das vorgesehene Spiel, um mit Entsetzen die Putzfrau der Arztpraxis ihres Mannes gerade zum Matchgewinn aufschlagen zu sehen. Empört wirft sie ihren Tennisschläger von sich und erklärt ihren sofortigen Austritt aus ihrem Tennisverein, inclusive dem ihres Ehemannes.

Warum? Wie könnte sie noch den Tennissport genießen, wenn die „Putze“ ihres Mannes auch wie sie Tennis spielt.Genießen konnte sie diesen Sport doch nur, solange er ein Privileg von Gutverdienern war im Bewußtsein, daß diesen Sport sich nicht jedermann leisten könne. Was nicht für jedermann ist, das erscheint als erstrebenswert. Der Wille zum Privileg ist so die eine Seite des Klassenkampfmythos. Der egalitaristische Wille, was die da „Oben“ sich leisten können,das wollen wir alle auch, bildet den Contrapunkt innerhalb dieses Mythos: Daß es Privilegierte gibt, das widerspricht der Gleichheit der Würde aller Menschen.

Der Widerstreit zwischen dem Willen zum Privileg und dem egalitaristischen Willen bildet so die reale Substanz der Klassenkampfideologie.

In einer Massenkonsumgesellschaft hat das zur Folge, daß das gestern noch nur für wenige Konsumierbare übermorgen ein Konsumobjekt aller wird, und daß es so nicht mehr genießbar ist.

Meine Eltern konnten mir noch erzählen, daß es das Gerücht gegeben habe, daß es in ihrem Dorfe Privilegierte gäbe, die sich jeden Mittag ein Fleischgericht leisten könnten, jedermann höchstens am Sonntag. Dann kam die „Massentierhaltung“, das Fleisch verbilligte sich so sehr, daß selbs Sozialhilfeempfänger ihr tägliches Fleisch auf dem Mittagstisch sahen. Wer konnte da noch sein Fleisch genießen? In Extrabioläden wurde nun zu horrenden Preisen Vegetarisches angeboten: Man konnte nun auf die primitiven Fleischverzehrer herabblicken und aß nur noch Biovegetarisches, bis daß dann die Supermärkte Vegetarisches preisgünstig anboten. Einst konnten nur wenige konsumieren, die meisten kauften nur das Lebens-notwendige, aber als dann die Epoche der Massenproduktion kam, die Massen konsumierten, da erhob sich die Kritik des Massenkonsumes, des Massentourismus und der Massenkultur. Der Moloch der Masse zerstört so jede Genußkultur, denn nur das wenigen Vorbehaltende kann genossen werden.

Nun wenden wir uns einem aktuellen Beispiel dieses realen Klassenkampfes zu: „Theologe: Billigfleisch gehört nicht auf den Grill.Zu Pfingsten wird perfektes Grillwetter erwartet. Zu diesem Anlass ruft der Theologe Rainer Hagencord zum Verzicht auf Billigfleisch auf. Industrielle Tierhaltung sei "eines der größten Verbrechen der Menschheit".

Solange es keine industrielle Tierhaltung“ gab, war das Fleisch ein Privileg der Gutverdiener und konnte so genossen werden. Die Industriealisierung der Landwirtschaft ermöglichte ja auch erst die Beseitigung des Hungers in Europa und die industrielle Tierhaltung den Fleischkonsum auch für das „gemeine Volk“! Aber damit soll nun Schluß sein: Nur wer sich teures Fleisch leisten kann, soll zu einem Fleischgenuß berechtigt sein. Eine solcher Egalitarismus, daß selbst das einstige Privileg, Fleisch genießen zu können, abgeschafft worden ist, ist doch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit,zu der es nun mal gehört, daß wenige sich ihrer Privilegien gegenüber den Massenmenschen rühmen können.

Die 2-Klassenmedizin macht inzwischen eine gute medizinische Versorgung zu einem Privileg, da kann doch auch das gute Essen wieder reprivilegalisiert werden. Schon jetzt müssen sich ja circa 1,6 Millionen mit den „Tafelessen“ begnügen, mit abgelaufenem Essen.

Der Klassenkampf ist eine große mythologische Erzählung, deren reale Substanz der Widerstreit zwischen dem Willen zum Privileg und dem egalitaristischen Willen ist. „Genießen kann ich nur, wenn das,was ich genieße,den Vielen nicht zugänglich ist!“ Das evoziert den Willen: „Das wollen wir alle genießen!“ 

Zudem:Kann wirklich die heutige Tierhaltung als ein Menschheitsverbrechen gleichgesetzt werden mit den Millionen in den Weltkriegen Getöteten, den Opfern der Atombombe in Japan und den Millionen im Mutterleibe getöteten Kinder!

Sagt die Bibel Unwahres über Gott aus?- oder wenn ein dogmatischer Jesuit die hl.Schrift zensiert

 

Sagt die Bibel Unwahres über Gott aus?- oder wenn ein dogmatischer Jesuit die hl.Schrift zensiert



Hören wir auf das Wort Gottes: Und Gott sprach zu einer Versammlung im Himmel: „Wer will Achab,den König von Israel,bethören,daß er hinziehe und bei Ramoth Galaad falle?“ 1.Könige22,20. Der König Israels wollte ob der Gewichtigkeit der Frage, ob er in den Krieg ziehen solle oder nicht, die Propheten als seine Ratgeber befragen, denn er weiß, wenn Gott diesen Krieg nicht bejaht, er ihn nicht gewinnen kann. Gott hält nun im Himmel eine Beratung ab: Er hat beschlossen, daß der König den Krieg führen und im Kriege fallen solle, um ihn so für seine Sünden zu strafen. Gott will nun irgendwen aus dem Himmel herabsenden, der den um Rat suchenden König „bethört“, sodaß er den falschen Beschluß fällt.

Ein Geist trat dann hervor und meldete seine Bereitschaft, so den König in die Irre zu führen. So will dieser Geist den Plan Gottes ausführen: „ Ich will ausgehen,und zu einem Geiste der Lüge in dem Munde aller seiner Propheten werden.“ V.22.Ist dieser Geist schon immer einer, oder gar der Lüge oder wird er es erst, um Gottes Auftrag zu erfüllen? Der Jesuit A,Arndt kommentiert in seiner Vulgataausgabe 1903:Der Geist sei der Satan, also wirkt er nur als der, der er ist und nicht wird er erst zu einem Geist, der nun zu „bethören“ hat. Die Propheten, deren Aufgabe es ist, Gott nach seinem Willen bezüglich der königlichen Politik zu befragen, werden so zu den König in die Irre führenden Propheten. Diese Propheten können nun selbst wohl nicht erkennen, daß sie durch diesen ausgesandten Geist zu Propheten der Lüge werden.

Und Gott? „Du wirst ihn bethören und seiner mächtig werden; gehe aus und thue also!“ V 23 Gott beauftragt so diesen Geist, dies Werk so auszuführen.

Aber wie kommentiert nun der Jesuit diese Bibelstelle?

Gott wollte durch dieses Gesicht anschaulich machen,daß er zugelassen habe,daß der Satan die falschen Propheten begeisterte,um den König zu betrügen, um zum Kriege zu bereden“. Die Aufforderung: „gehe und thue“ ist unmöglich als ein Zulassen Gottes zu interpretieren. Auch sind die „falschen Propheten“ nicht einfach „falsche“, sondern dieser ausgesandte Geist macht er sie erst zu solchen, indem er sie für dieses von Gott selbst beabsichtigte Täuschungsmanöver benutzt. Zudem dürfe der Leser dieses Gesicht, daß da Gott so frägt, wer wolle den König so in die Irre führen, nicht ernst nehmen, „ denn Gott hält keinen Rath, und der Satan kommt nicht vor sein Angesicht“ denn Gott wolle nicht betrügen, er lasse es höchstens zu, daß wer betrogen würde. Gottes unerforschlicher Rat ließe es aber zu.

Nur der Text besagt gar nicht, daß dieser Geist der Teufel selbst sei. Gott sucht nur nach einen Geist, der bereit ist, den König zu betrügen. Es liegt auch kein unerforschlicher Ratschluß Gottes vor, sondern ein klares Anliegen: Der König soll wegen seiner Sünden bestraft werden, indem er auf die Propheten hörend in den Krieg ziehen soll, um in ihm zu fallen. Wenn diese Propheten nur Falschpropheten wären, warum hätte dann der König auf sie gehört? Er selbst glaubte, daß sie die wahren seien, zumal er gut demokratisch gesonnen auf die Mehrheit hörte und nicht auf den Dissidentenpropheten Michäas, der ihm nur Übles voraussagte

Gott selbst wollte hier den König betrügen, damit er dann seine Strafe erleidet. Die Geschichte ist an sich ziemlich klar. Aber nur sie widerspricht der dogmatischen Lehre, und deswegen zensiert sie dieser Jesuit so arg. Aus Gottes Anordnung soll ein bloßes Zulassen werden, Gott könne auch nicht im Himmel sich mit Engeln und Geistern beraten und schon gar nicht fragen: „Wer übernimmt diese Aufgabe?“


Nur, woher weiß dieser Jesuit so viel besser über Gott Bescheid als die hl.Schriift? Unser menschliches Erkennenwollen, auch das Gotterkennenwollen steht immer in der Gefahr, durch unseren Willen zur Macht, zu beherrschen wollen,kontaminiert zu werden. Wir wollen einen beherrschbaren und beherrschten Gott, der nur das tut, was uns zusagt, aber zumindest nichts uns Widerstrebendes will. Nur Gott nimmt sich die Freiheit, anders sein zu sein und zu agieren, als die Dogmaikvorschriften es zulassen. 

Zusatz

Dazu paßt es,daß der jesuitische Papst die "VaterUnser Bitte":"und führe uns nicht in Versuchung" übersetzen will in:"Laß nicht zu, daß wir in Versuchung geraten"!


Freitag, 22. Mai 2026

„Demokratie ist Anteilnahme des Volkes an seinem Schicksal“

 

Demokratie ist Anteilnahme des Volkes an seinem Schicksal“



So sagt es Moeller van den Bruck.1 Diese Aussage ist nun tiefgründig, weist sie doch eine Spannung auf zwischen der Idee der Selbstbestimmung eines Volkes und seiner Fremdbestimmung, das Schicksalhafte der Geschichte eines Volkes.Aber nur in dieser eigentümlichen Spannung kann auch die Geschichte eines Volkes nur erfaßt werden. Merke: Wo nicht mehr vom Schicksal geschrieben wird, da ist Gott vergessen.

Wille zur Demokratie ist Wille zum politischen Selbstbewußtsein eines Volkes: und zu seiner nationalen Selbstbehauptung.Demokratie ist der Ausdruck der Selbstachtung eines Volkes – oder ist sie nicht.“2

Wer eine Genalogie der Demokratie Westdeutschlands rekonstruieren wollte, der dürfte dies Faktum nicht übersehen, daß am Anfang nicht nur die totale Kapitulation Deutschlandes in die Wiege unserer demokratischen Entwickelung gelegt worden ist, sondern ein Schuldnarrativ, daß unser Volk ein Hort des Bösen sei. Nicht wurden wir von den westlichen Siegermächten befreit, diese Position vertrat nur Rußland unter Stalin,sondern besiegt. Nun galt es, für das von den Westmächten beherrschte Deutschland eine politische Ordnung zu geben,die unser gefährliches Volk unter eine Oberaufsicht stellte, die politische Exzesse verunmöglichen sollte.

Grundlegend dafür ist das Narrativ vom Deutschen, der in Krisenzeiten besonders anfällig sei für rechts- wie auch linksextremistische Propaganda, nach dem Ruf nach einem „starken Mann“, daß die Demokratie, wenn überhaupt nur in Schönwetterzeiten etwas tauge. Deswegen müsse die Demokratie selbst gegen diese unserem Volke eigene Tendenz geschützt werden. Das Fundament unserer Demokratie ist somit das Mißtrauen in das deutsche Volk. Deswegen sei der Einfluß des Volkes auf das Regieren so gering wie möglich zu halten. Die Parlamente und somit die in ihnen vertretenden Parteien regieren faktisch,dem Wahlvolk bleibt nur das Recht, die Vertreter von politischen Parteien zu wählen, die dann im Wechselspiel von der Regierung und der Opposition regieren.

Nun könnte das Volk ja sein Wahlrecht „mißbrauchen“, indem es nichtdemokratische Parteien wählt.Um ein Erstarken solcher Parteien zu verhindern, ist als ultima ratio die Möglichkeit eines Parteienverbotes in der Verfassung vorgesehen. So erwies sich unsere jetzige Demokratie gegenüber der Weimarer als eine wehrhafte, indem die „Sozialistische Reichspartei“ und die „Kommunistische Partei Deutschlands“ verboten wurden. Die Weimarer Demokratie sei ja an einem Zuviel an Liberalität zugrunde gegangen.

Ein interessanter Fall der Schulpädagogik: Ein Klassenlehrer wollte seine Schüler zu einem Mehrlesen motivieren. Er ließ eine Klassenbibliothek einrichten, in der Bücher von euren Schulkameraden für euch empfohlen hineingestellt wurden. Das ging eine zeitlang gut, bis immer mehr Comichefte hineingestellt und ausgeliehen wurden. Angesichts dieses eklatanten Mißbrauches wurde die Klassenbibliothek geschlossen. Ähnlich funktioniert bei uns die Demokratie, nur daß statt gleich die Wahlen gänzlich abgeschafft werden, nur die inakzeptablen Parteien von den Wahlzetteln gestrichen werden können, wenn zu viele ihr Wahlrecht mißbrauchen.

Unserem Volke ist eben nicht zu trauen und deswegen bedarf es einer Beaufsichtigung, daß es seine Freiheit nicht mißbrauche.

Zudem wird nun die Unterscheidung zwischen dem deutschen Volke im ethnischen Sinne zu dem deutschen Volke im staatsbürgerlichen Sinne im antideutschen Interesse instrumentalisiert. Der Wille zur Erhaltung des eigenen Volkes wird als rassistisch delegitimiert und stattdessen sollen so viele wie irgendwie mögliche Nichtdeutsche die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen, um das Gefahrenpotential des deutschen Volkes zu reduzieren.Den Erfolgen der in Westdeutschland vollzogenen Umerziehung, der Reeducation traut man nicht mehr recht, besonders seit Ostdeutsche die Parole: „Wir sind ein Volk!“ auf den Straßen riefen und die Gefahr entstand, daß auch in Westdeutschland ein neuer Patriotismus erwachen könnte.

Wir sind eben ein gefährliches Volk, dem man keine uneingeschränkte Selbstbestimmung zubilligen dürfe. Die Demokratie, so wie sie jetzt in Deutschland existiert und praktiziert wird, dient so mehr dem Willen der Siegermächte, uns zu kontrollieren, als daß in ihr wir selbstbestimmt unser Schicksal gestalten könnten.

Nicht ist also diese Demokratie der Ausdruck unserer Selbstachtung sondern in ihr manifestiert sich das Mißtrauen gegen das eigene deutsche Volk.

1Van Bruck, Das dritte Reich, Reprintausgabe der Erstveröffentlichung 1923, S.105.Auch wenn dieses Buch vor 100 Jahren verfaßt wurde, ist es immer noch bedeutsamer und „aktueller“als das meiste danach Geschriebene.

2A.a.O. S.120.

 

 Zusatz:

"Stefanie Drese SPD, stellvertretende Fraktionsvorstzende der SPD im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns:
"Den Antrag der NPD Fraktion,den biologischen Fortbestand des deutschen Volkes zu bewahren,
 lehnen die Vertreter der demokratischen Fraktionen, in deren Namen ich heute spreche,mit aller
 Nachdrücklichkeit und aufs Schärfste ab. Dieser Antrag ist rassistisch und menschenverachtend"
.(zitiert nach W. Hackert, Antigermanismus, Globalismus,Multikulti, 2015, S.210).

Donnerstag, 21. Mai 2026

„Nihilismus als eine Errungenschaft“

 

Nihilismus als eine Errungenschaft“



Mit dieser These verbüfft ein Vertreter des „Transhumanismus“ Stefan Lorenz Sorgner die Leserschaft seines Buches: „Übermensch.Plädoyer für einen Nietzeanischen Transhumanismus“.1 Nicht will er dabei, Nietzsche folgend den Nihilismus überwinden, sondern er schreibt: „Der Nihilismus ist nicht beklagenswert,vielmehr sollte er gefeiert werden.“2 Zwei verschiedene Bereiche des Nihilismus existierten, daß jede Wahrheitserkenntnis verneint wird, der aletheische Nihilimus“ und daß jede Erkenntnis des Guten, der „ethische Nihilismus“, verneint wird.3

Die Errungenschaften dieses Nihilismus seien,daß sie die „Wahrscheinlichkeit fördern,die Vielfalt des Lebens zum Florieren zu bringen.“4 Als die Feinde der Vielfalt markiert der Autor nun „totalitäre und paternalistische Strömungen.“5Mit dieser Begründung stürzt uns nun der Autor in eine Meer von Aporien. Die „Vielfalt des Lebens“ wird hier als etwas Gutes und Erstrebenswertes gewertet. Das ist nun aber eindeutig ein moralisches Werturteil, das in einer nihilistischen Weltanschauung nicht möglich ist, setzt es doch ein Werturteil voraus, daß eine Vielfalt einer Monokultur vorzuziehen sei. Daß ein paternalistisches Staatsverständnis zu reprobieren sei, ist der Ideologie des Liberalismus ihr Basiscredo, aber einfach einem Nihilisten ein unmögliches Urteil.

Geradezu obskurantistisch wirkt dann die Beweisführung des „aletheischen Nihilismus“: Weil alles sich permanent ändere, könne es keine wahre Erkenntnis geben! Erstens versteht sich diese Aussage selbst als eine wahre Aussage, die für sich selbst eine dauerhafte Gültigkeit beansprucht und deswegen selbst dem „aletheischen Nihilismus“ widerspricht. Außerdem kann nur von einem sich gleichbleibenden Subjekt prädiziert werden, daß an ihm Änderungen sich ereignen: X hatte gestern diese, hat jetzt die und morgen wird es jene Eigenschaft haben.

Jedes Urteil ist eine Interpretation. Eine Interpretation zu sein, bedeutet jedoch nicht,dass das betreffende Urteil falsch sein muss,sondern es beinhaltet ausschließlich, dass das betreffende Urteil falsch sein kann.“6Aber da es im Raume dieses erkenntnistheoretischen Nihilismus keine Kriteriologie der Unterscheidbarkeit von wahren zu falschen Interpretationen gibt, kann nie eine Interpretation als wahr oder falsch beurteilt werden.

Jede Spielart eines Nihilismus destruiert sich so von selbst durch seine ihm immanenten Widersprüche.

Positiv formuliert,es an dem Beispiel der deutschen Sprache zu veranschaulichen: Das System der deutschen Sprache ermöglicht die Hervorbringung unendlich vieler Romane, geschrieben in dieser bestimmten Sprache. Löste man dies Sprachregelsystem nihilistisch auf, da es die Freiheit des Schreibens eingrenze, gar verunmögliche, könnte kein Roman mehr geschrieben werden. Mit dem Sprachwissenschaftler Saussure ist daran festzuhalten, daß das System der Sprache die notwendige Voraussetzung für die kontingente Bildung einzelner Aussagesätze ist und damit einer lebendigen Sprache überschäumender Vielfalt. Im nihilistischen Denken löst sich dagegen alles in ein unterschiedsloses Einerlei auf. 

Der Nihilismus sei die Voraussetzung der Freiheit setzt Freiheit gleich mit Willkür.





1Sorgner, Transhumanismus, 2019, S.91.

2A.a.O. S.91.

3A.a.O. S.92.

4A.a.O.S.91.

5A.a.O. S.91.

6A.a.O. S.94.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Christ ist, wem Jesus ein, das Vorbild schlechthin ist....

 

Christ ist, wem Jesus ein, das Vorbild schlechthin ist....


Man könnte meinen, daß es so viele Vorstellungen von dem, was einen Christgläubigen ausmache gäbe, wie es Christen gibt, daß nun mal die Indivdualisierung oder Privatisierung der christlichen Religion das notwendig mit sich brächte, spätestens in der Epoche der Postmoderne.Selbst unter den Gliedern der Katholischen Kirche fände man kaum zwei, die in allem das Gleiche glaubten.

Was wäre dann davon zu halten, daß man den Glauben, daß Jesu Leben vorbildlich, ja das vorbildliche sei, als das Wesentliche der christlichen Religion erfaßte? Überprüfen wir diese These einmal.

Gesetzt den Fall, morgen entschlössen sich alle Menschen der Erde, so wie Jesus zu leben und sie führten diesen Beschluß auch wirklich aus, was zeitigte das für Folgen? Spätestens nach circa 120 Jahren wäre die Menschheit ausgestorben, da dann ja ab morgen alle Menschen enthaltsam leben würden!Nur extremistische „Umweltschützer“ begrüßten das, da so der größte „Feind“ der Natur von der Weltbühne abträte.

Jesus ist als das Sühnopfer für unsere Sünden am Kreuze Gott gehorchend gestorben, aber gerade nicht in der Intention, daß wir nun sein Kreuzaltaropfer nachzuahmen hätten, daß nun jeder Christ sein Leben so zu opfern hätte.

Jesus war der Lehrer, aber gerade nicht so, daß wir Christen nun auch wie er Lehrer sein sollten, sondern nur so, daß wir seine „Hilfslehrer“ sind, die lehren, was er lehrte.

Jesus wirkte Wunder und erwies sich so als der Sohn Gottes. Ihm nachzufolgen,müßte das dann nicht auch miteinschließen, daß wir solche Wunder auch zu tätigen hätten?

Ein Meer an Absurditäten ergäbe eine derartige Jesusnachfolge!

Deshalb ist die Vorstellung einer Jesusnachfolge so zu präzisieren: Nur das, was uns ausdrücklich Jesus geboten hat, ist uns zur Befolgung aufgegeben, nicht aber eine Nachahmung seines ganzen Lebens. Das Wesentlichere aber ist, daß auch die christliche Religion nicht auf eine Morallehre reduzierbar ist, auch wenn sie verpersonalisiert wird als: Wie Jesus hätten wir zu leben. 

Populär unter kirchenkritisch Eingestellten ist die Parole: Wenn doch jeder Christ Jesus sich zum Vorbilde nähme, besonders wenn man dabei an die anderen Christen denkt, nur nicht an sich, aber wird das ernsthaft durchdacht, zeitigte das die schlimmsten Folgen, die des Todes der Menschheit als die fatalste.





Die „Junge Freiheit“ warnt vor dem Sozialismus- aber nicht jeder müsse den Gürtel enger schnallen

 

Die „Junge Freiheit“ warnt vor dem Sozialismus- aber nicht jeder müsse den Gürtel enger schnallen


So steht es nun in dem „JF“ Artikel: „Ifo-Präsident Fuest fordert Obergrenze – und warnt vor Sozialismus“ am 18.5.2026 geschrieben: „Fuest sieht Umbau der Gesundheits- und Altersversorgung als Notwendigkeit an.In diesem Zusammenhang müsse unausweichlich über eine Umgestaltung der staatlichen Gesundheits- und Alterssicherung nachgedacht werden, die sich stärker auf eine Grundversorgung konzentriere und durch private Vorsorge ergänzt werde.“

Der Terminus der „Grundversorgung“ bedeutet faktisch, daß das Rentenniveau auf das der Grundsicherung der Sozialhilfe reduziert werden soll. Wer mehr Rente erstrebt, der habe eben privat dafür zu sorgen, die staatliche solle nur dieser Grundversorgung dienen. Es bedarf keiner hellseherischen Begabung, daß so eine Privatvorsorge sich nur Gutverdiener leisten können angesichts der horrenden Preisexplosion im Lebensmittelbereich, der Mieten und der Energiekosten.

Die staatliche Gesundheitsfürsorge meint den Versorgungsstandard der gesetzlichen Krankenkassen, der wohl auch noch zu reduzieren ist, sodaß eine gute Versorgung nur den Privatkrankenversicherten zukommt. Ein Anschauungsbeispiel aus einer norddeutschen Kleinstadt, Aurich: 3 Cardiologen sind dort tätig, 2 behandeln nur Privatpatienten, 1 sowohl Private als auch Gesetzliche. Bei diesem beträgt die Wartezeit zwischen 12 bis 15 Monaten. Mir ist allein von 3 Herzerkrankten berichtet worden, die vor ihrem Termin an ihrer Herzerkrankung verstarben. Gesundheit soll eben auch ein Privileg der Gutverdiener sein und werden.


Aber es müsse gehandelt werden: „Handlungsdruck erzeugten insbesondere die steigenden Verteidigungsausgaben. Deren Anstieg mache es nötig, den Anteil anderer Ausgabenbereiche – wie für Soziales – zu senken.“

Kanonen statt Butter“ - da die Regierung nun Deutschland kriegsfähig machen möchte und den Krieg gegen Rußland weiter großzügig zu finanzieren gedenkt, muß das gemeine Volk den Gürtel enger schnallen.

Aber da gibt es ein Problem: „Dies stehe jedoch im Widerspruch zur alternden Gesellschaft, die steigende Ansprüche an Gesundheit, Renten und Pensionen hat. Ein „unangenehmer Weg“, dem Problem habhaft zu werden, sieht Fuest darin, „die Leistungen in der Gesundheits- und Altersvorsorge nach einer Übergangszeit in Richtung einer Grundversorgung fortzuentwickeln und darüber hinaus private Vorsorge zu verlangen“.

fortzuentwickeln“ ist hier natürlich ironisch gemeint und meint ein Rückentwickeln auf das Allernotwendigste.Nur den Gutverdienern kommt dann ein gutes Leben im Rentenalter und eine gute Gesundheitsfürsorge zu.

Also: Sozialismus ist, wenn alle eine gute Rente und Gesundheitsfürsorge erlangen, aber da das nicht finanzierbar sei, müsse das eben zum Privileg der Besserverdiener und Vermögenden umgestaltet werden.

Völlig außer achtgelassen wird hierbei aber der Hauptgrund der jetzigen Probleme des Sozialstaates, daß in der Folge von zu wenigen Geburten immer weniger die Versorgung der immer mehr Werdenden, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst erwirtschaften Könnenden, finanzieren müssen. Zudem leisten wir uns 3 Millionen Arbeitslose, die zukünftig Armen und jetzt sind schon 1,6 Millionen Bürger auf die Armenspeisungen angewiesen.

Aber die „Junge Freiheit“ glaubt unerschütterlich an die freie Marktwirtschaft und daß nun eben fast alle den Gürtel enger zu schnallen haben, denn die Wirtschaft ist nicht für das Volk sondern die Menschen sind für die Wirtschaft dar.

Montag, 18. Mai 2026

„Kann der Westen ohne das Christentum überleben?“

 

Kann der Westen ohne das Christentum überleben?“



So frug Kardinal Müller (Kath net, 17.5.2026) und die Kathnet Leserschaft wird wohl keine Antwort erwarten als ein klares: „Nein“! Dennoch könnte gegen dies eindeutige: „Nein“ Einwände erhoben werden: Sollte das nur für den Westen gelten und so, warum eigentlich nicht,nicht für China oder Indien?

Ein Orientierungsversuch:

Dem großen Soziologen Max Weber verdanken wir diese Erkenntnis: „ Eine empirische Wissenschaft vermag niemanden zu lehren,was er soll,sondern nur was er kann und unter Umständen – was will.“1Im Sinne Humes besagt das, daß die Wissenschaft nur erkennen kann, was ist,nicht was sein soll. Handlungstheoretisch formuliert besagt das, das wissenschaftlich geprüft werden kann, ob bestimmte Mittel das erstrebte Ziel erwirken kann, aber nicht, ob ein Ziel an sich vernünftig ist. Die persönlichen Werte oder die Weltanschauung eines Kritikers ermöglichen erst Werturteile, eine Kritik angestrebter Ziele. Diese Werte bzw Weltanschauung ist nun selbst aber nicht mehr wissenschaftlich fundierbar. Zwischen „Weltanschauungen“2 würde nun der Streit zwischen den differierenden Wertordnungen geführt, der zwar deskriptiv rekonstruiert werden kann, aber nicht präskriptiv beurteilt werden.

Wenn die Wissenschaften diese selbstkritische Beschränkung akzeptieren müssen, um nicht spekulativ zu werden. „Nur unter der Voraussetzung des Glaubens an Werte jedenfalls hat der Versuch Sinn,Werturteile nach außen zu vertreten.Aber die Geltung solcher Werte zu beurteilen, ist Sache des Glaubens,daneben vielleicht eine Aufgabe spekulativer Betrachtung und Deutung des Lebens und der Welt auf ihren Sinn hin,sicherlich aber nicht Gegenstand einer Erfahrungswissenschaft“.3

Die Wissenschaften sind also nach M.Weber erkenntnis-theoretisch begrenzt in dem, was sie erkennen können und was nicht. Sie können weder erkennen, was der Mensch soll, noch kann sie die Welt als Ganzes deuten, ihren Sinn verstehen sondern nur ursächlich ergründen. Sie können nur erkennen, nicht beurteilen.

Die Orientierungsskizze nach dieser Problemexplikation

Deshalb muß dieser Mangel nun behoben werden und dazu bieten sich nun die Religionen oder die Weltanschauungen mit ihren ihnen eigenen Werten an. Folgende Unterscheidungen möchte ich hier verwenden: Weltanschauungen sollen als säkularisierte Religionen verstanden werden, der Glaube als die subjektive Zustimmung zu einer Religion oder Weltanschauung, die Theologie bzw Ideologie dann als die Selbstreflexionsgestalt der Religion bzw der Weltanschauung.

Drei differente Handlungsziele können nun benannt werden: a) das Überleben der Menschheit, b) das gute Leben in der Spannung von einem moralisch richtigen Leben und dem guten Leben im Sinne eines Gemeinwohles und c) dem ewigen Leben als religiösem Ziel.



Kardinal Müllers These lautet nun, daß diese drei Handlungsziele der Westen nur erreichen kann durch seine Rückkehr zur christlichen Religion. Ginge es nur um das Ziel des ewigen Lebens,könnte dem zugestimmt werden, aber doch nur für dieses Ziel könnte dies gelten. Es existieren Gottes Schöpfung- und Erhaltungsordnungen, die Ehe und die Familie, das Volk und der Staat, die unabhängig von der christlichen Religion das Überleben sichern. Auch ein an das Allgemeinwohl orientiertes (politisches) Handeln setzt nicht die christliche Religion voraus. Diese Aufgaben können auch Weltanchuungen erfüllen, nur es muß entweder eine Religion mit ihrer eigenen Theologie oder eine Weltanschauung mit ihrer Selbstreflexion als einer Ideologie diese Aufgaben übernehmen. Die Wissenschaften können das nicht.

So kann man im Sinne Webers die Notwendigkeit einer Religion oder Weltanschauung begründen. Diese dürfen aber jetzt nicht nur Privatangelegenheiten seien, sondern müssen eine Geltung besitzen für die Gesellschaft. Der Mensch kann sich nicht völlig verprivatisieren und nur noch privat für sich die Frage: Was soll sein?,und:Gibt das Ganze einen Sinn?, beantworten. Eine nichtreligiös fundierte Gesellschaft muß so eine ideologisch fundierte sein.

In der Französischen Revolution begann der Siegeszug der Ideologie des Liberalismus mit seinem Glauben an die Menschenwürde und die Menschenrechte, die in der Epoche des „Kalten Krieges“ zu der des Westens avancierte,der Weltanschauung des Marxismus-Leninismus entgegen-gesetzt.4 Die Katholische Kirche ging nun angesichts dieser ideologischen Konfrontation des Westens mit dem Osten eine Mesalliance mit dem westlichen Liberalismus ein.

Moeller van den Bruck stellte nun aber schon fest, daß am Liberalismus die Völker zugrunde gingen!5 Das bestätigt nun Kardinal Müllers Situationsbeschreibung des Westens. Das heißt aber nicht,daß nur die christliche Religion umser Überleben sichern kann.





















1Zitiert nach: Max Weber, Rationalisierung und entzauberte Welt, Reclam Leipzig 1989,Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher Erkenntnis, S.53.

2A.a.O. S.55.

3A,a.O. S.54.

4Vgl, Katechismusartig zusammengefaßt: J.Stalin,Über dialektischen und historischen Materialismus.

5Vgl: van den Bruck: Das dritte Reich.