Gott und die Götter, das Volk und die Völker – oder eine Falschübersetzung?Zur Individualität der Völker.
So lautet der ursprüngliche Text, 5.Mose 32,8f: „Als der Höchste die Völker als Erbe verteilte, / als er die Menschheit aufteilte, / legte er die Gebiete der Völker / nach der Zahl der Gottessöhne fest; der HERR nahm sich sein Volk als Anteil, / Jakob wurde sein Erbteil.“
Die Vulgata liest nun aber: „Als der Höchste die Völker schied,als er die Söhne Adams sonderte,bestimmte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.“ Die entscheidende Differenz ist hierbei nun die, ob die „Zahl der Gottessöhne“ oder die „Zahl der Söhne Israels“ maßgebend war.Die Septuaginta liest: „nach der Zahl der Engel Gottes“.
Der KI informiert uns in auch dieser Causa erfreulich klarsichtig:
“Bedeutung und Hintergrund:Der alte hebräische Text (Qumran und Septuaginta): Ältere Textzeugen (wie Handschriften aus Qumran und die griechische Übersetzung des Alten Testaments) sprechen im Urtext von den „Söhnen Gottes“ oder „Gottessöhnen“ (hebräisch bene elohim). Damit war im altorientalischen Denken der Götterrat gemeint – nach späterer jüdischer und christlicher Auslegung auch Engel oder Völkermächte.
Die spätere jüdische Tradition (Masoretischer Text): Spätere jüdische Schriftgelehrte änderten den Text oft zu „nach der Zahl der Söhne Israels“. Damit sollte vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, es gäbe neben Gott noch andere himmlische Götter. Der Sinn war dann: Die Zahl der Völker orientiert sich an der Nachkommenschaft Jakobs (Israel).
Der direkte Kontext (Vers 9): Direkt im Anschluss (Vers 9) heißt es in der Einheitsübersetzung: „Denn der Anteil des HERRN ist sein Volk, Jakob der Bezirk seines Erbteils.“ Gott selbst übernimmt Israel als seinen direkten Anteil, während die anderen Völker anderen himmlischen Instanzen (Engeln/Gottessöhnen) zugeordnet wurden.“
Ursprünglich wird hier also eine entscheidende Differenz gesetzt: Das eine Volk, das jüdische unterstellt sich Gott selbst, er regiert es, während alle andere Völker „anderen himmlischen Instanzen“ subordiniert werden. Sie können als Gottessöhne oder als Engel bezeichnet werden.
(M.E. Ist es nicht völlig auszuschließen, daß es ursprünglich noch gehießen haben könnte: Der höchste der Götter gab den anderen, ihm subordinierten Götter die Völker zu ihrem Herrschaftsbereich, er aber erwählte sich das jüdische Volk.)
Was bedeutet es nun aber für die nichtjüdischen Völker, daß ihnen Engel, präziser formuliert Völkerengel voranstanden?
In dem Wikipediaartikel: „Volksgeist“ heißt es dazu, politisch korrekt:
„Die idealistischen Begriffe vom Volksgeist wurden in der Folge zum Spiritualismus überhöht. Eine Bedeutung haben die Begriffe Volksgeist oder Volksseele in der Esoterik, etwa bei Rudolf Steiner, der 1910 in Kristiania (Oslo) in elf Vorträgen die „Mission einzelner Volksseelen“ zur Darstellung gebracht hat. Er meint, dass jedem Volk ein Erzengel zugewiesen ist, dessen moralische Dignität sich in der Verfassung des Volkes offenbare.“
Man sollte nicht a priori alles, was Rudolf Steiner geschrieben hat, mit dem Verdikt: esoterisch= Unsinn aburteilen, denn bestünde die Esoterik ausschließlich aus Unwahrheiten, könnte sie nie erfolgreich sein.Denn ihre Melange aus Unwahren und Wahren verhilft ihr zu ihren Erfolgen.
Gemeint ist damit wohl, daß der jeweilige Volksengel dem ihm zugeordneten Volke ein spezifisches Gepräge vermittelt, das man auch als sein ihm eigenes Volkstum bezeichnen könnte. W. Stapels Konzeption des Nomos für jedes Volk ließe sich von daher auch rekonstruieren.
Hätte dies auch eine Auswirkung auf das Begreifen der heidnischen Religionen, daß sie etwa von dem jeweiligen Völkerengel initiiert seien? Jede Religion muß ja, wenn sie eine Religion ist, auch wahr sein, weil Gott die Religion wollte und sie muß auch eine falsche Religion sein, denn sonst wären alle Religionen gleich wahr, ineinsfallend mit der wahren, der christlichen.
Könnte man dann vielleicht alle heidnischen Religionen als auf die wahre Religion hin ausgerichtete verstehen, als pädagogische Instrumente hin zur Erziehung auf Jesus Christus, daß so sie in der wahren Religion nicht einfach negiert sondern hegelisch aufgehoben werden.
Die Vielfalt der Völker ist so eine von Gott selbst gewollte und durch die Völkerengel gibt er dann jedem Volke sein besonderes Gepräge, seine Individualität. Da die Gnade die Natur nicht zerstört sondern vollendet, einer der wichtigsten Grundsätze der katholischen Gnadenlehre, wird durch eine Christianisierung der heidnischen Völker ihr natürlicher Charakter, ihr Geprägtwordensein durch ihren Volksengel nicht einfach negiert, sie bewahren ihre Eigenart.
Das wäre dann die Alternative zu allen Eineweltkonzeptionen, die eine Vereinerleihung aller Völker einfordern neben der Liquidierung aller Geschlechtsdifferenzen. Die Völker sollen das ihnen Eigentümliche bewahren und nicht in einem Einerlei nichten lassen, wäre so die Folgerung an dem Glauben an die Völkerengel, die in diesem Mosetext grundgelegt wird.