Eine Illusion? Diese Kritik übersieht,daß die Vorstellung von einem postmortalem Leben in allen monotheistischen Religionen und wohl auch in allen anderen eine ambivalente ist, daß das postmortale ein paradisisches oder ein höllisches, verdammtes sein kann. Eine Illusion, eine sehr erfolgreiche über den Tod konstruierte nun der Philosoph Epiktet: "Wenn ich bin, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bin ich nicht, sodaß es meinen Tod nicht geben kann. Wer sich also vor seinem Tode fürchtet, fürchtet, fürchtet sich vor etwas, was es nicht geben kann!"
Das ist so sinnvoll, als wenn ein Schaf erklärte: "Solange wir nicht glauben, daß der Wolf ein Vegetarier ist, werden wir in Furcht vor ihm leben. Deshalb wollen wir nun glauben, daß er ein Vegearier ist." Keine Illusion ist dagegen der Glaube an eine postmortale Existenz ob der Möglichkeit eines ewig verdammten Lebens.
Eine Vertröstung? Diese Kritik basiert auf der Vorstellung, daß es die eigentliche Aufgabe des Menschen sei, die Welt humaner und gerechter zu gestalten und daß nun der Glaube an ein ewiges Leben ihn von dieser Aufgabe abhält. Nun ist aber die Verheißung des ewigen Lebens an Bedingungen geknüpft, wie wir Menschen zu leben haben, um das ewige Leben zu erlangen. In der christlichen Religion ist das neben der Gottesliebe die Nächstenliebe. Diese Nächstenliebe motiviert so zum Streben nach einer gerechteren Welt. Ein völlig unpolitische gelebte Nächstenliebe würde ihr selbst nicht gerecht werden.
Zudem ist jedes menschliche Streben nach einer gerechten Welt in einer eigenümlichen Aporie befangen: Die vielen gelitten Habenden können keinen Anteil an der noch zu erwirkenden gerechten Welt erlangen und die Verursacher des Leidens der Vielen werden nie zu einer Rechenschaft gezogen.Auch wenn es eine Menschenmöglichkeit wäre, eine vollkommen gerechte Welt zu erschaffen, wäre sie so notwendigerweise keine vollkommen gerechte. Nur der Glaube an eine allgemeine Totenauferstehung und ein göttliches Endgericht vermag wirklich einer universalistischen Gerechtigkeit Genüge leisten.
Unglaubwürdig? Warum sollten alle Religionen in diesem Punkte sich irren und nur die Epiktet Zustimmenden nicht. Es kann nicht bewiesen werden, daß es einen Gott gibt, der Menschen das ewige Leben geben will, wenn sie gemäß seinem Willen leben und es kann nicht bewiesen werden, daß das nicht wahr ist. Wie kann nun eine Entscheidung getroffen werden, wenn nicht erkennbar ist, was wahr ist?
4 Möglichkeiten existieren, 2 Möglichkeiten, daß die richtige Entscheidung getroffen wird:
Erstens: Ich entscheide mich dafür, es für wahr zu halten, daß es einen Gott gibt, der uns so das ewige Leben gibt und es ist wahr, daß es so ist.
Zweitens: Ich entscheide mich dafür, das für unwahr zu halten und es ist unwahr.
Es gibt nun 2 Möglichkeiten einer falschen Entscheidung:
Drittens: Ich entscheide , daß das wahr ist und es ist unwahr.
Viertens: Ich entscheide, daß es unwahr ist und es ist wahr.
Zur Kriteriologie
Ich wähle von der dritten und vieten Option die, die in Folge meiner Fehlentscheidung das geingere Übel hervorruft. Wählte ich die dritte Option, hätte ich umsonst gemäß Gottes Willen versucht zu leben,ja hätte Epiktet recht, würde der sich falsch Entschiedende nie erkennen können, daß er sich falsch entschieden habe, da er tot das nicht mehr erkennen könn.
wählte ich die vierte Option verlöre ich nicht nur das ewige Leben sondern erlangte ein ewig verdammtes Leben. Deswegen ist es vernünftig, an Gott zu glauben, der uns ein ewiges Leben verheißt, wenn wir gemäß ihm leben, als das nicht zu glauben.
Diese vernünftige Entscheidung zum Glauben ist nun nicht ein Vertrauensglaube im katholischen Sinne, aber ein "kleiner", der dann in den Katholischen Glauben der Kirche hineinwachsen kann. Dem Protestantismus, und nicht nur den Evangelicalen wohnt eine Tendenz inne, den Glauben auf einen Entscheidungsakt zu reduzieren: "Glaub an Jesus, übergib Dich ihm!"aber das ist nicht katholisch.Hier gilt, daß der Glaube ein Wachstumsprozeß ist,in dem der Christ in den Glauben der Kirche hineinwächst. Dafür wäre dann diese vernünftige Entscheidung der erste gute Schritt.