Donnerstag, 1. Oktober 2020

Menschenrechte im Kampf gegen die Kirche?

Es muß auf den ersten Blick irritieren, wenn heutzutage die Vorstellung der Menschenrechte zum Kampfe wider die Katholische Kirche appliziert wird: Wird da nicht etwas an sich Gutes nur zu solch einem Kampf instrumentalisiert, wird das Gute mißbraucht?

Geben wir der Ex-“Bischöfin“ Frau Käßmann das Wort. Kath de berichtet über Käßmanns Eingriff in die innerkatholische Debatte um die Einführung des Frauenpriestertumes in der Sonntagsbildzeitung:

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz dafür kritisiert, die Forderungen von Frauen nach Zugang zu geweihten Ämtern bei der Herbstvollversammlung "wieder abgeschmettert" zu haben. "Es ist allerhöchste Zeit, dass die Kirchen, ja alle Religionen sich bewegen", schrieb Käßmann in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Im Grundgesetz sei die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben, so Käßmann. "Können Religionen sich davon eigentlich ausnehmen?" Ich finde nicht." Die Theologin fragte weiter: "Warum haben Bischöfe, Kardinäle und Päpste Angst vor Frauen im geistlichen Amt?" Wenn Frauen Aufgaben von Priestern übernähmen, mache das das "Gesicht aller Kirchen menschlicher". Kath de 27.9.2020.

Im Hintergrund dieses Argumentes steht die Menschenrechtsideologie. Die verlange die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Dagegen verstöße die Katholische Kirche, indem sie Frauen, weil sie Frauen seien, die Diakonats-, Priester-und Bischofsweihe verweigere. Der Totalitätsanspruch dieser Menschenrechtsideologie lasse es also nicht zu, daß die Katholische Kirche sich nach den ihr eigenen Grundsätzen gestalten dürfe,denn die Kirchen werden als Subsysteme der Gesamtgesellschaft angesehen, sodaß das innere Leben dieser Subsysteme den Prinzipien der Gesammtgesellschaft zu subordinieren sei.

Dürfte also ein Theaterregisseur, wenn er eine Besetzung für die Rolle des Gretchens in Goethes Faustdrama sucht, einen männlichen Bewerber nicht ablehnen mit der Begründung, er sei ein Mann und keine Frau? Würde die Gleichberechtigungsforderung so unmittelbar in dem Subsystem des Theaters angewandt, würde das so groteske Folgen zeitigen: Frauen, die Männerrollen in Theaterstücken spielen, nur damit das Theater nicht eine Frauendiskriminierung vorgeworfen werden kann.

Daß Gott als Regisseur seiner Kirche für das dreigliedrige Weiheamt nur Männer vorgesehen hat, das widerspricht eben einer feministischen Auslegung der Menschenrechtsideologie und somit muß diese göttliche Ordnung beseitigt werden. Daß die Kirche und ihre Ordnung ein rein weltlich Ding ist und so ganz nach menschlichem Belieben gestaltet werden, als gäbe es keinen Gott und keine göttliche Ordnung, ist eben für die Ex“Bischöfin“ Käßmann eine Selbstverständlichkeit. Damit steht sie aber nicht allein, die Mehrheit des „Synodalen Irrweges“ stimmt dem sicher zu und selbst viele der Kritiker der Einführung des Frauenpriestertumes votieren ja dagegen, weil sie keine Chance sehen, diese feministische Reform in der ganzen Kirche durchzusetzen und keinen deutschen Sonderweg gehen wollen.

Warum allerdings Frauen als Diakone, Priester und Bischöfe die Kirche „menschlicher“ machen würden, das ist schwer nachvollziehbar, oder meint Frau Käßmann ernsthaft, daß die englische Regierung, als Frau Thatcher regierte, oder Deutschland, weil Frau Merkel regiert „menschlicher“ geworden sind?



Zusatz:

Es kann aber nicht übersehen werden, daß jede Religion zur Menschenrechtsideologie ein gespanntes Verhältnis aufweisen muß, denn das, was der Religion das Wesentliche ist, daß Gott den Religionen nicht gleichgültig gegenübersteht, sondern die wahre von den unwahren unterscheidet und so auch die Menschen nach ihrer unterschiedlichen Stellung zur wahren Religion beurteilt, das verbietet diese Ideologie, denn sie verlangt die Vergleichgültigung aller Religionen. So unschön das auch in christlichen Ohren klingen muß: Das Menschenrecht der freien Religionsfreiheit gilt auch für Satanisten mit ihren „schwarzen Messen“.

 

Mittwoch, 30. September 2020

Verträge mit dem Teufel schließen- auch mit dem chinesischen Staat ?

Zur Notwendigkeit, die Ideologiekritik von der Staatskritik zu unterscheiden

Kardinal Zen äußerte sich laut kath net vom 28.9. 2020 wie folgt zu den Möglichkeiten vertraglich geregelter Beziehungen zwischen dem Vatican und China: „Der Gedanke, mit Peking Vereinbarungen zu treffen, ist Wahnsinn. Man macht keine Geschäfte mit dem Teufel. Man kämpft einfach gegen den Teufel! Die Kirche nimmt keine Befehle von Regierungen entgegen, und das gilt überall“. Es ist zu vermuten, daß die sogenannte Untergrundkirche in China eine ähnliche Position in dieser Causa einnimmt, zumindest stellt sich dieser Kardinal als der Sprecher dieser Kirche in den westlichen Medien dar. Man kann es sich einfach machen: Dann gibt es die guten Katholiken der Untergrundkirche, die vom bösen chinesischen Staat bekämpft werden und die Opportunisten der staatstreuen Patriotischen Kirche. Aber wie nun, wenn das Leben Chinas nicht so märchenhaft einfach strukturiert ist, wenn die Lage komplexer ist?

Theologisch ist dann die Frage zu prüfen, ob der Staat Chinas der/ein Teufel ist, oder vom Teufel ist. Die theologische Antwort ist hier eindeutig: Jede Obrigkeit ist von Gott. Der auch noch so durch die Sünde pervertierte Staat hört nicht auf, eine von Gott geschaffene Institution zu sein, wie auch kein Mensch, so sehr er auch sündigen mag, aufhören kann, ein Geschöpf Gottes zu sein.

Als Paulus seine Skizze einer Metaphysik des Staates entwarf (Röm 13), hatte er den Römischen Staat vor Augen, der sein Volk, das jüdische unterdrückte und der die politische Verantwortung für die ersten Christenverfolgungen trug, denn Pontius Pilatus ließ Jesus Christus töten. Es war ein von Heiden regierter Staat, der die politische Verantwortung für das Kreuz Christi trug und der später auch den Apostelfürsten Paulus den Märtyrertod abverlangte.

Aber Paulus und kein christlicher Theologe nach ihm hat diesen Römischen Staat als Teufelsstaat verurteilt. Ja, Paulus verlangt diesem Staate gegenüber Gehorsam von den Christen, denn für ihn war auch dieser Heidenstaat von Gott. Selbstverständlich muß es Grenzen des Gehorsames diesem, wie jedem Staate gegenüber geben für den Christen, wenn etwas mit dem Glauben Unvereinbares der Staat von ihm gebietet, aber auch dann hört dieser Staat nicht einfach auf, von Gott zu sein.

Es gibt nun viele, sehr viele gute Gründe, als Christ, die kommunistische Ideologie abzulehnen, vernünftige und moralische Gründe, kein Kommunist zu sein, aber die Kirche hat zu unterscheiden, wie sie theologisch eine bestimmte politische Richtung zu beurteilen hat, also hier die kommunistische Ideologie und wie sie den Staat zu beurteilen muß, der von einer kommunistischen Regierung geführt wird. So wie der Apostelfürst jede heidnische Religion als Aberglaube verurteilt und zwar als Sünde wider Gott, so wenig verurteilt er den Römischen Staat, der von Heiden regiert wird, ja der sogar den Sohn Gottes tötete. So müßte auch die Katholische Kirche Chinas prinzipiell ihre Obrigkeit anerkennen und so prinzipiell bereit sein, Verträge mit diesem Staate zu schließen, nicht aus opportunistischen Erwägungen, sondern weil auch dieser Staat Obrigkeit im Sinne von Röm 13 ist. Das schließt selbstredend nicht aus, daß Kritik an bestimmten Entscheidungen und Maßnahmen der Regierung zu äußern ist, aber doch immer nur in dem Wissen, daß auch dieser Staat Obrigkeit ist. Wo das Christen nicht bereit sind anzuerkennen, müssen sie sich ernsthaft befragen, ob sie nicht auch rechtens von dem Staate diskriminiert werden, den sie nicht als Obrigkeit anerkennen wollen. Sie rebellieren ja da selbst gegen eine göttliche Ordnung. Eine solche Perhorreszierung des Staates ist eben ein sehr bedenkliches Verhalten und inkompatibel mit der kirchlichen Staatslehre.

Für Rom kann das nur heißen, mit viel diplomatischem Geschick gute Verträge mit der Staatsführung Chinas auszuarbeiten und nur dann einen Vertragsabschluß abzulehnen, wenn der mögliche Vertrag inakzeptable Bestimmungen enthielte. Die Kirche hat Konkordate mit dem faschistischen Italien und mit dem nationalsozialistischen Deutschland geschlossen, also kann sie auch mit dem kommunistisch regierten China einen Konkordat abschließen, wenn das Vertragswerk gut für die Kirche ist und dazu gehört auch die Akzeptanz der staatlichen Interessen in dieser Causa.



1.Zusatz:

Vor kurzem war zu lesen, daß der Papst der chinesischen Regierung dankte für die medizintechnischen Hilfsleistungen Chinas an Italien in der Caronakrise. Hat er da etwa dem Teufel für die gewährte Hilfe gedankt, oder einfach dafür gedankt, daß sich hier die chinesische Regierung als hilfsbereit für Italien in einer Notlage erwies?



2. Zusatz:

Hat dann etwa die Russisch-Orthodoxe Kirche gesündigt, als sie sich an die Seite Stalins stellte, als er zum „vaterländischen Krieg“ 1941 aufrief, ein wenig unseren Kaiser Wilhelm II nachahmend, er kenne jetzt keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche, die nun für ihr Vaterland zu kämpfen haben?











 

Dienstag, 29. September 2020

Politisch korrekte Narrative und Wahrheiten

Mythos und Wahrheit


Die griechische Regierung ist sicher, daß das Flüchtlingslager in Moira von den Asylsuchern selbst in Brand gesteckt worden ist. Die „Freie Welt“ (14.9.2020) berichtet: Es ist klar, so Athen, dass die Feuer in dem Lager von den dortigen Bewohnern selbst vorsätzlich gelegt wurden. Seitens der Verwaltung hatte man aufgrund der entdeckten Corona-Fälle eine Quarantäne verhängen wollen. Damit waren die Migranten nicht einverstanden und hatten zunächst protestiert. Als ihre Proteste nicht zu dem von ihnen angestrebten Resultat geführt haben, haben sie ihre Unterkünfte vorsätzlich entzündet, völlig außer Acht lassend, dass sie damit Gefahr für Leib und Leben der Menschen vor Ort heraufbeschworen haben. Aus der Sicht der griechischen Regierung handelt es sich um Schwerkriminelle, Brandstifter, die leichtfertig in Kauf genommen haben, dass Menschen ums Leben kommen.“

Und jetzt werden diese durch ihre Brandstiftung das Leben ihrer Mitmenschen Gefährder dafür belohnt, daß Deutschland sie großzügig aufnimmt.

Politicaly incorect“: „In Griechenland verfolgt man diese Bereitschaft zur Aufnahme von Camp-Insassen mit Sorge. Man fürchtet nämlich, dass die Taktik der Niederbrennung von Camps zur schnelleren Verteilung in Aufnahmeländer bald ihre Nachahmer finden könnte.“

Man vergleiche das einmal mit dem, was die „seriösen“ Medien über diese Causa berichten! Seltsam, ist etwa eine Brandstiftung, durch die das Leben von Menschen gefährdet wird, ein Kavaliersdelikt? Und warum sollen Asylanten in Deutschland aufgenommen werden, wenn sie schon in Griechenland in Sicherheit (vor ihren Verfolgungen) waren, nur weil sie jetzt ihre Unterkünfte selbst niedergebrannt haben, wie die griechische Regierung beteuert?


 

Montag, 28. September 2020

Infiltrierte Kirche? Die Lateranverträge 1929

Man kann sich das breite Grinsen Mussolinis vorstellen, als Papst Pius XI dessen Bedingungen annahm und die Verträge anschließend vom italienischen Parlament ratifizieren ließ.“ Dies soll eines von vielen Beispielen sein, mit denen Marshall ( Infiltriert. Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, 2020, S. 102) die Infiltration der Kirche durch freimaurerisch/daimonische Mächte veranschaulichen möchte: Nicht erst mit oder seit dem 2.Vaticanum gäbe es erfolgreiche Infiltrationen zum Schaden der Kirche. So werden von ihm die Lateranverträge aus dem Jahre 1929 verurteilt.

Folgende Punkte werden dann als die Kernpunkte dieses Vertrages aufgeführt (S.101f):


Die Vatikanstadt wird als souveräner Staat anerkannt, verzichtet dafür aber auf alle Gebietsansprüche des ehemaligen Kirchenstaates.

Der Papst wird als Souverän dieses Staates anerkannt.

Der Katholizismus wird als alleinige Religion Italiens anerkannt.

Italien wird die Gehälter der Priester und Bischöfe zahlen.“

Kirchliche Eheschließungen werden vom Staat anerkannt.

An öffentlichen Schulen wird katholischer Religionsunterricht stattfinden.“

Dem italienischen Staat wird das Vetorecht bei Bischofsernennungen zuerkannt.“

Der Vatikan erhält circa 60 Millionen Euro (auf heut(e umgerechnet) als Entschädigung für die Enteignungen, die seit 1860 vollzogen worden waren.


Sicher war die Anerkennung eines staatlichen Vetorechtes bei Bischofsernennungen eine bittere Pille für die Katholische Kirche, aber setzt man das in Relation zu dem, was so der Italienische Staat der Kirche gewährte, muß dieser Vertrag zwischen der Kirche und dem Staat als hervorragend angesehen werden. Die Anerkennung der katholischen Religion als der Religion Italiens galt der vorkonziliaren Katholischen Kirche als non plus ultra, was für sie vom Staat zu erlangen war. Erst im 2. Vaticanum verzichtete die Kirche auf diese Ideallösung, weil sie sie nicht mehr für kirchenpolitisch durchsetzbar hielt. Aber in diesem Punkte realisierte der Lateranvertrag das, was die Kirche seit Kaiser Konstantin als ihr kirchenpolitisches Ideal ansah. Dem entspricht dann auch der katholische Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen. Daß der Staat dann gar rein kirchlich geschlossene Ehen anerkannte, muß auch als großer Erfolg katholischer Verhandlungsdipomatie angesehen werden. Und der Italiienische Staat anerkennt den Vaticanstaat als souveränen Staat mit dem Papst als seinem Souverän an.


Wenn das die Substanz der Lateranverträge ist, dann ist es unbegreiflich, wie diese eine Infilttration der Kirche durch feindliche Mächte dokumentieren soll. Marshall behauptet dann aber neben seiner Kritik, daß die 60 Millionen Euro nur ein Schnäppchenpreis gewesen wäre:

Leider unterminierte dieser Kompromiss die Lehre Pius X von der Herrschaft des Christkönigs über das Politische.“ (S.102). Aber der Übersetzer kommentiert dazu in einer Fußnote (S.281, Nr.56), daß diese Behauptung nicht akzeptabel sei.

Irritierend ist wohl, daß von einer faschistischen Regierung ein der Kirche so zugute kommendes Abkommen zustande kommen konnte. Die Fixierung auf antikatholische Kräfte, die die Katholische Kirche zu unterwanderten, läßt Marshall hier das Naheliegende verkennen, daß sowohl der Faschist Mussolinie wie auch die Katholische Kirche in dem Kommunismus die größte Gefahr sahen, die Kirche hatte nur zu gut die kirchenfeindliche Politik der Bolschewisten Rußlands vor Augen, und so verband man sich angesichts des gemeinsamen Feindes. Auch der faschistische Staatsführer Mussolinie hatte, wie später auch der spanische Faschistenführer Franco ein ureigenstes Interesse, die Katholische Kirche zu stärken als Partner im Kampfe gegen den atheistischen Kommunismus. Weder Mussollinie noch Franco waren der Kirche gegenüber „barmherzige Samariter“,sondern nüchtern kalkulierende Staatsmänner, die so für ein Miteinander von Staat und Kirche sich einsetzten. Und es darf nicht vergessen werden, daß die Konstantinische Epoche erst gerade mit dem 1.Weltkrieg zu Grunde gegangen war, sodaß die Bereitschaft der Kirche, neu mit Staaten Bündnisse einzugehen zu wechselseitigem Nutzen sehr groß war, besonders wenn dabei die Katholische Religion als die Religion im Staate anerkannt wurde- das Ideal der konstantinischen Epoche.




 

Sonntag, 27. September 2020

Notizen zum Kampf wider die Muttergottes


Eine der schönsten und auch frömmsten Illusionen ist wohl die einer friedlich in sich harmonisch lebenden Kirche, die ganz ein Herz und eine Seele ist. Seit dem der Begriff der „ecclesia militans“ ganz aus dem Vokabular der Kirche gestrichen und ersetzt worden ist durch die Vorstellung einer Picknickkirche, die fröhlich durch die Welt wandelt. Daß aber die „kämpfende Kirche“ immer auch eine ist, in der um die Wahrheit gekämpft wird, daß es eben nicht nur den Feind außerhalb der schützenden Mauern der Kirche gibt, das ist ein Faktum, das den Begriff der kämpfenden Kirche erst seine ganze Brisanz gibt. Aber es muß festgehalten werden, daß Jesus Christus- gegen eine vulgäre Vorstellung daimonischer Verführungen- nicht zu einer Prostituierten sagen mußte: „Weiche von, Du satanische Verführung!“ sondern zu dem Sprecher der 12, der Apostel, zu Petrus, den er später zum ersten Papst weihte, indem er ihn beauftragte: „Regiere Du meine Kirche!“

Das Lebenselexier der Kirche ist so auch ihr innerlicher Kampf, in dem immer wieder die Wahrheit der Kirche angegriffen und in Kämpfen sich zu bewähren hatte. Veranschaulichen wir uns das an dem „Trienter Konzil“. Hätte die Kirche in den vielen Fragen, die dies Konzil bearbeitete, so viel Klarheit finden können ohne die Negativtheologie Luthers?

Der Kampf wider die Mariologie gehört nun zu den Herzensanliegen der feministischen Theologie. Ein nicht mehr aktuelles Dokument dieses Kampfes präsentiert Frau Halkes in dem Beitrag: „Maria/Mariologie aus der Sicht feministischer Theologie“ (Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe Bd 3, Herausgeber P. Eicher, 1985, S.62-70) Dies Kampfdokument ist aber in seiner Authenzität, wie feministisch gegen die kirchliche Mariologie gekämpft wird, immer noch bedeutsam.

Gleich dierste Satz offenbart die Kriteriologie dieser Kritik der Mariologie:

Maria als die neue Eva. Es gibt zwei Gründe für die schädliche Wirkung dieser Metapher.“ (S.62).Es wird nicht gefragt, ob diese theologische Aussage, daß Maria die neue Eva sei, wahr ist oder vielleicht unwahr, sondern es wird sich allein kapriziert auf die Frage der Nützlichkeit dieser (und man darf hier schon auch „jeder“ mitlesen) Aussage, denn die Nützlichkeit ist die „Wahrheit“ einer theologischen Aussage. Nur „nützlich“ für was? „Einerseits wurde Eva dadurch als die typische Verführerin dargestellt, als femme fatale, die ihre Männer zur Sünde verleitet; andererseits wurde so Maria zu ihrem Gegenpol, zur vollkommenen, idealisierten Frau. Beide Typen wurden immer auf Kosten der Frau gegeneinander ausgespielt.“ (S.62). Diese beiden Frauenbilder behinderten Frauen, ihre „eigene Identität“ zu finden. Das normative Kriterium ist also das Ideal einer eigenen Identität, sodaß nur wahr sein kann, was dieser Norm dienlich ist. Was denn nun diese Identität der Frau ausmache, das wiederum zu bestimmen, ist die Aufgabe des feministischen Diskurses, der so die Norm des theologischen bildet.

Maria, die jungfräuliche Mutter Gottes“ (S.63)Diese Vorstellung zeitigte auch für Frauen schädliche Auswirkungen. Diese Vorstellung führe zur Verherrlichung des Mutterseins, die die Frau zu einem Leben für den Ehemann und ihre Kinder ansporne. Oder sie würde zur Hure, wenn sie nicht sexuell enthaltsam lebe.Der Kampf gegen die Mariologie ist so primär ein Kampf gegen die Mutterschaft, wie schon die feministische Philosophin Beauvoir es lehrte, daß das Muttersein die Versklavung der Frau sei. Stattdessen gelte es, die Frau zu einem Sexualleben zu befreien, ohne eine Fixierung auf das Kinderkriegen, ist also die Quintessenz dieser Kritik der Mariologie. Es ist wohl kein Fehlschluß, daß diese Überwindung des Ideales der Mutterschaft der Emergenzpunkt für die feministische Vorliebe für die lesbische Liebe ist.

Maria , die geringe Magd“ (S.63) ist dann natürlich inakzeptabel, weil so sie und somit die Frau „immer im Schatten ihres göttlichen Sohnes“ verbleibt. Die frauliche Identität muß also eine sein, die die Frau ohne einen Bezug zum Mann oder zu Kindern bestimmt als einfach etwas Selbstständiges.

Maria als Ersatz für das Weibliche“ (S.63) Dies ist ein Produkt der Verdrängung des Weiblichen des zölibatären Lebens. Frauen dürften so nur Jungfrauen oder Mütter sein. Das ist natürlich für Feministin inakzeptabel. So kann der Feminismus mit der kirchlichen Mariologie nichts anfangen, sie muß ganz umgeschrieben werden, bis aus Maria eine Maria 2.0 wird, der Idealtyp einer emanzipierten Frau.

Wozu bedarf es eigentlich einer feministischen Mariologie, wenn diese doch nur das wiederholen soll, was Feministin als Idealbild der Frau sowieso schon vertreten? Charakteristisch ist aber die völlige Gleichgültigkeit der Frage gegenüber, was denn wahre Aussagen über Maria sind, es zählt allein die Nützlichkeit bzw Kompatibilität ihrer Aussagen zur modernen Welt mit ihren spezifischen Anliegen, hier konkret der feministischen Frauenemanzipation.

Darin trifft sich der Feminismus aber mit dem die heutige Kirche beherrschenden Trend der Verweltlichung der Kirche: Ihre Zukunft ist die größtmögliche Anähnelung an die Welt.




 

Samstag, 26. September 2020

Mutter: Nein Danke oder katholische Feministin im Kampf gegen Maria


Der feministische Kampfverband kfd („katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) unterstreicht nun seine Staatstreue, indem er sich die Feinderklärung der demokratischen Blockparteien und der Regierung zu eigen macht: Die Mitgliedschaft in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist nach einem Beschluss ihrer Bundesversammlung nicht mit der Mitgliedschaft in der AfD vereinbarDas teilte der Verband am Samstag nach der Versammlung in Mainz mit. Man positioniere sich damit "klar gegen Rechtspopulismus, Rassismus und überholte Geschlechterrollen", hieß es. (Kath de am 19.9.2020.) Damit zieht sie gleich mit dem BDKJ und dem KAB.

Warum darf nun kein AfD-Frau mehr Mitglied der kfd sein? Die Suffragettenorganisation fand dafür eine besondere Begründung! „Mit dem heutigen Beschluss zeigen wir, dass wir für eine vielfältige, offene und geschlechtergerechte Gesellschaft stehen und uns klar gegen populistische Tendenzen von rechts einsetzen", sagte die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil.“ Was hat die politisch korrekte Zielvorgabe einer vielfältigen offenen und geschlechtergerechten Gesellschaft mit dem katholischen Glauben gemein? Nichts, denn die Kirche verkündet das Reich Gottes und nicht die Utopie einer multikulturellen Einheitswelt mit 50 prozentiger Frauenquote in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Zudem: Muß jetzt nicht auch jede Katholikin aus der kfd ausgeschlossen werden, die nicht für die Einführung des Frauenpriestertumes ist, weil die Forderung danach zur Ideologie der Geschlechtergerechtigkeit gehört?

Aber das „veraltete“ Rollenbild der Frau der AfD verbiete eben eine Zugehörigkeit von AfD-Frauen in dieser Organisation. Das heißt im Klartext, daß das traditionelle Verständnis der Frau als die Berufung zur Mutterschaft (oder zu einem geistlichen Leben, wie es die Kirche selbst lehrt) nicht mehr im kfd vertreten werden darf. „Frau“ redet zwar gern ganz feministisch vom Selbstbestimmungsrecht der Frau, aber Frauen, die für sich das traditionelle Frauenbild erwählen, sind eben im kfd fehl am Platze. Die Mutter Gottes, Maria müßte so auch exkommuniziert werden, da sie es versäumt hatte, für sich und andere Frauen das Priesteramt von ihrem Sohne zu erbitten, um stattdessen nur die Mutter Gottes sein zu wollen. Skandalös!

Zuvor hatte die kfd-Bundesversammlung beschlossen, dass die Mitgliederzeitschrift des Verbands "Frau und Mutter" künftig "Junia" heißen soll. Der neue Name ist zurückzuführen auf eine Stelle im Römerbrief. Dort erwähnt Paulus eine gewisse Junia, die er als herausragend unter den Aposteln bezeichnet.“ Das soll ein Beitrag zum Kampf um die Einführung des Frauenpriestertumes sein. Aber wenden wir uns hier einem gewichtigerem Aspekt zu als dem des Projektes der Verprotestantisierung der Katholischen Kirche. „Frau und Mutter“darf diese Zeitschrift nicht mehr heißen! Denn das klingt doch zu eindeutig nach dem traditionellen und „veralteten“ Frauenbild, als wäre die Bestimmung der Frau die Mutterschaft. Diese Suffragettennachfolger sehen gerade in der Mutterschaft etwas die Frau Unterdrückendes. Simone de Bevauvoir, die Mutter des heutigen Feminismus rief ja aus "Mutterschaft ist heute eine wahre Sklaverei“. Dieser Aufruf ist nun beim kdf angekommen und darum darf ihr Zentralorgan auch nicht mehr „Frau und Mutter“ heißen. Ob wohl das Projekt des radicalen Feministen Lenin, die Frau ganz von der Mutterschaft zu befreien, indem die gesamte Kindesaufzucht verstaatlicht wird, beim kdf auf Zustimmung stoßen würde? Aber Frauen der AfD dürfen so nicht mehr Mitglieder dieses Verbandes sein, nicht weil die AfD antikatholisch ausgerichtet wäre, sondern weil diese Partei nicht feministisch ist und so die Mutterschaft als Berufung der Frau nicht verwirft.

 

Freitag, 25. September 2020

Geplatzte Utopien- Rückkehr zur Religion?

Vorbemerkung: Utopien verweisen auf ein Menschenunmögliches, aber vielleicht sind so sie von Nöten,damit dann das Menschenmögliche erreicht wird. Aber der unbedingte Wille zur Realisierung von Utopien, muß er nicht zum Terror werden, weil die Wirklichkeit sich nicht in eine Utopie verwandeln läßt, so daß die Wirklichkeit terrorisiert wird?

Eine große Utopie scheiterte. Der Philosoph Ludwig Feuerach äußerte sich so zum Verhältnis des Humanismus zur christlichen Religion: „Ebenso wie mit dem Atheismus ist es mit der von ihm unzertrennlichen Aufhebung des Jenseits.Wenn diese Aufhebung nichts weiter als eine leere, inhalts-und erfolglose Verneinung wäre, so wäre es besser, oder doch gleichgültig, ob man es stehen oder fallen ließe. Allein die Verneinung des Jenseits hat die Bejahung des Diesseits zur Folge; die Aufhebung eines besseren Lebens im Himmel schließt die Forderung in sich: es soll, es muß besser werden auf der Erde; sie verwandelt die bessere Zukunft aus dem Gegenstande eines müßigen, tatlosen Glaubens in einen Gegenstand der Pflicht der menschlichen Selbsttätigkeit....“ (zitiert nach Werner Sombert, Deutscher Sozialismus, 1934, S.102.

Dies Zitat erfaßt die Substanz des feuerbachschen Humanismus, daß was der Christ von Gottes Reich ersehnte, soll nun die Aufgabe des Menschen sein. Nicht soll die christliche Religion einfach negiert werden, sondern seine Erlösungshoffnung wird zum Programm politischen Handelns. Damit entsteht erst die Politik im emphatischen Sinne, sie wird so erst zu etwas anderem als zur Kunst des Regierens.

Sombert zeigt nun auf, wie dies humanistische Anliegen im Marxismus weiterentwickelt wurde. Marx Religionskritik: sei es, die Überwindung des Jammertales zu fordern, sodaß so die Religion als illusorisches Glück überflüssig würde. Ja die ganze christliche Religion würde so entmythologisiert. Der christliche Mythos vom verlorenen und wiederzugewinnenden Paradiese würde durch ein geschichtsphilosophisches Konstrukt des guten Naturzustandes, des Zerfalles dieses Urzustandes durch die Erfindung des Privateigentumes, dem Sündenfall und der Erlösung in der kommunistischen Gesellschaft ersetzt. So findet sich so diese Struktur vom Urzustand, vom Fall und von der Erlösung sowohl in der christlichen Religion wie auch im marxistischen Sozialismus, weil Lezteres eigentlich nur eine säkularisierte Gestalt der christlichen Religion sei. Kautsky erwartete gar einen sozialistischen „Uebermenschen“ (S.104), Trotzki: „Der menschliche Durchschnitt wird sich bis zum Niveau eines Aristoteles, Goethe, Marx erheben“ . (S.105) „Aber vor allem: glücklich werden die Menschen der Zukunft sein.“ (S.105)

All diese Hoffnungen erwiesen sich nun spätestens seit dem Ende des real existierenden Sozialismus als Irrhoffnungen. Aber was wird nun aus der ursprünglich christlichen Hoffnung auf das Reich Gottes, auf die von Gott erwirkte endgültige Erlösung? Es könnte nach dieser Desillusionierung doch die Stunde der Wiederkehr der christlichen Utopie des Reich Gottes kommen, daß nun nach der Enttäuschung über den letzten großen Versuch der Welterlösung durch politisches Handeln die Rückkehr zur religiösen Hoffnung angesagt sein könnte.

Wir erleben aber etwas ganz anderes, den Verzicht auf alles Utopische. Das charakterisiert geradezu die Postmoderne. Selbst das kleine Flämmchen der Esoterik mit ihren Utopien, der Hoffnung auf das sogenannte Wassermannzeitalter hat sich längst verflüchtigt. Man könnte sagen, daß jetzt erst die christliche Religion wirklich negiert ist, weil nun auch noch ihr Weiterleben in politischen Utopien abgestorben ist. Die christliche Religion hat sich derweil selbst entmythologisiert, ihre große Erlösungserzählung vom Paradies, vom Fall, vom Elend und von der Erlösung des Menschen reduziert auf die Aussage, daß Gott jeden Menschen liebe und daß wir so uns wechselseitig zu lieben haben.: ein blasierter Humanismus ohne utopische Hoffnungen, nur ein bißchen politische Korrektheit.


 

Donnerstag, 24. September 2020

Ökumenische Märchenstunde


Daß nun endlich Katholiken und Evangelische zusammen Eucharistie/Abendmahl miteinander feieren könnten, diesem Anliegen wollte nun ein weiteres Elaborat des ökumenischen Dialoges dienen, daß man sich wechselseitig zur Feier einlade. Rom zeigte dem- erfreulicherweise und zur Irritation nicht nur der Papstfreunde- die „Rote Karte“. Ein Mitautor dieses Elaborates meldete sich dann auch auf Kath de zu Worte: „Böttigheimer: Es ist unsere Überzeugung, dass sich sowohl in Fragen der Ekklesiologie als auch in der Eucharistie und der Frage des Amtes solche fundamentalen Annäherungen ergeben haben, dass die Unterschiede nicht mehr als kirchentrennend angesehen werden können.“ (kath de 23.9.2020)

Es sei geradezu evangeliumswidrig, daß Evangelische und Katholiken nicht gemeinsam Euchacharistie/das Abendmahl gemeinsam feierten!„es sei laut Evangelium jedoch ein Skandal, wenn nicht gemeinsam gefeiert werde.“ Kath de 23.9.2020


Es soll nun eine Skizze über diese Annäherung versucht werden, die angeblich das einst Kirchentrennende überwunden haben soll. Katholiken, Lutheraner und Reformierte sollen ja angeblich nicht mehr in der Causa der Eucharistie/des Abendmahles so gravierende Lehrdifferenzen aufweisen, daß sie nicht miteinander feiern könnten.

Realpräsenz: (Kurzformel)

Katholisch: Jesus Christus ist das Brot und der Wein nach der Wandlung des Brotes und Weines in den Leib und das Blut Christi,nur die Akzidentien von Brot und Wein bleiben.

Lutherisch: Jesus Christus ist in, unter und zwischen dem Brot und dem Wein gegenwärtig, nachdem die Einsetzungsworte gesprochen sind, er bleibt aber nicht in Brot und Wein, er zieht sich nach dem Gebrauch zurück.

Reformiert: Jesus Christus ist mit dem Brot und dem Wein, aber nicht in ihm. Er wird nicht mit dem Mund sondern nur im gläubigen Herzen empfangen. Zudem ist er nur nach seiner göttlichen Natur anwesend, denn nach seiner menschlichen könne er nur an einem Orte sein, also sitzend zur Rechten Gottes.

Wie sieht nun die Annäherung aus? Ganz einfach, indem diese Differenz als gleichgültig erklärt wird,Hauptsache, es wird irgendwie an Jesu Christi Gegenwart geglaubt. Auch soll es so gleichgültig sein, ob Jesus Christus mit dem Mund empfangen wird oder ob nur Brot und Wein mit dem Mund empfangen wird, dann aber nur spirituell im Herzen Jesus Christus nur nach seiner göttlichen Natur .


Katholisch: Nur ein geweihter Priester kann die Wandlungsworte so sprechen, daß auch die Realpräsenz Jesu Christi sich ereignen kann. Lutherisch und Reformiert: Jeder Getaufte kann die Abendmahlsfeier gültig feiern. So stehen in lutherischen wie reformierten Abendmahlsfeiern regelmäßig Nichtordinierte vor. (Vikare in ihrer Ausbildung zum Pfarrer).

Die Annäherung: Alles gleichgültig.


Katholisch: Die Eucharistiefeier ist ein wahres Opfer, daß Gott durch die Kirche dargebracht wird. Lutherisch und Evangelisch: Das Abendmahl ist kein Opfer sondern nur eine Erinnerung an das Kreuz Christi.

Die Annäherung sieht dann so aus: Die Katholische Seite gibt ihre Lehre auf.


Katholisch: Daß Meßopfer kann und wird zu Gunsten von Verstorbenen dargebracht. Lutherisch: Das Abendmahl nützt nur den gläubig Empfangenden, die Reformierten fügen noch hinzu, daß für Verstorbene nicht gebetet werden darf, da Gott ewig per Erwählung schon entschieden hat, wer in das ewige Leben eingeht und wer nicht.

Die Annäherung sieht so aus, daß diese Differenz einfach vergessen wird.


Die viel beschworene Annäherung besteht also nur in der Gleichgültigkeitserklärung der Differenzen oder darin, daß die Katholische Seite ihre Lehre aufgibt (so beim Opfercharakter der Messe) oder daß die Differenzen einfach vergessen werden.


1.Zusatz: Schon im Urchristentum war man gar nicht ökomenisch irenisch gestimmt, denn es heißt ausdrücklich im Hebräerbrief zur Frage, wer an der Eucharistiefeier nicht teilnehmen darf: „Wir haben einen Altar, von dem die nicht essen dürfen, die dem Zelte dienen.“ (Hebr 13,10)

2.Zusatz (Tagespost 24.9.2020):

 "Auch bei Franziskus hat Bischof Bätzing als Konferenzvorsitzender seinen Antrittsbesuch gemacht. Dabei soll ihm der Papst beim Abschied gesagt haben: Herr Bischof, es gibt in Deutschland bereits eine evangelische Kirche, wir brauchen keine zweite. Das bezeugen zwei unabhängige Quellen. Aber auch wenn es erfunden ist, ist es gut erfunden".

 

Mittwoch, 23. September 2020

Ein erzbischöflicher Kampf gegen den Katholischen Glauben und die Kirche

Hamburgs Erzbischof Heße ist sicher ein Musterschüler der politischen Korrektheitsideologie. Mit sensationellen Erkenntnissen beglückt er alle Gläubigen dieser Ideologie. „Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden' Kath de 22.9.2020.

Mit dieser Proklamation revolutioniert dieser Erzbischof die christliche Theologie. Was war Jesus Christus, wenn er nicht ein Mann war? Radicalfeministin könnten urteilen, daß er eine Frau war, nur daß dann das Urchristentum ihn zu einem Mann ummodelliert hätte, oder daß dieser „Jesus“ sich als Mann ausgegeben habe, um so wirksamer auftreten zu können. Oder aber er war ein geschlechtloser Mensch, androgyn. Das wahre Menschsein wäre dann das der Geschlechtslosigkeit,nur daß eben in Folge des Sündenfalles die Geschlechtlichkeit entstanden sei. Androgynität- das neue Menschsein, das ist doch ein bedeutsamer Beitrag zum feministischen Kampf der Geschlechter.


Dieser Erzbischof zeichnet sich durch ein klares Amtsverständnis aus: Die FAZ zitiert den Hamburger Erzbischof Heße wie folgt: Wenn er gewusst hätte, was ihn in Hamburg erwarte, „dann hätten sie den Scheiß alleine machen können.“ (Kath net 7.März 2020)Aber er macht diesen Sch....job gut. So weiß er, wo der Feind steht: Geplante Schulschließungen im Erzbistum sorgen bei Katholiken und darüber hinaus weiter für heftige Diskussion. Erzbistum möchte Schulen, die von Schließung bedroht sind, nicht an Fundación Arenales übertragen, die dem Opus Dei nahestehen soll. (Kath net 7.März 2020). Lieber kirchliche Schulen schließen, als sie dem Opus Dei ausliefern!

Ansonst: Als der Vorsitzende der Migrationskommission und Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen der Deutschen unterstützt er vorbildlich die Regierungspolitik, Deutschland durch das Konzept der Multikultivierung und Multiethnisierung aufzulösen, er engagiert sich energisch für das Frauenpriestertum, setzt sich für eine Neubewertung der Homosexualität ein und für die Demokratisierung der Kirche.


Aber das ist noch nicht Alles:

Die Welt vereint im Gebet um ein Ende der Pandemie Erzbischof Dr. Stefan Heße unterstützt das Anliegen nach einem Interreligiösen Gebetstag. Der „Hohe Ausschuss für die menschliche Geschwisterlichkeit" hat angesichts der Corona-Pandemie alle Menschen gleich welcher Religion zum Gebet und zur Unterstützung von Betroffenen aufgerufen und den 14. Mai als gemeinsamen, interreligiösen Gebetstag vorgeschlagen.“


Es reicht eben nicht, im Namen Jesu Christi zu beten, oder die Mutter Gottes anzurufen. Alle Götter müssen angerufen werden, wenn auf eine Beendigung dieser Seuche durch göttliches Einwirken gehofft werden soll. So wurden ja, wie wir wissen, weder die Gebete der Baalspriester noch die Elijas auf dem Karmel erhört, sondern erst als sie gemeinsam beteten, fanden sie Erhörung.. (1.Könige 18)

Das Resümee: Eine Kirche, die solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

 

Dienstag, 22. September 2020

Stoppt Papst Franziskus etwa den Synodalen Irrweg?

 


Papst Franziskus irritiert. Dabei war anfänglich doch alles klar. Da ist erfolgreich irgendwie gemauschelt worden, sodaß der Wunschkandidat der Modernisten zum Papst gekürt wurde,Papst Franziskus, der als Antitheologenpapst nun alle Reformwünsche der deutschen Katholiken zu erfüllen versprach. Der Reformblockierer, der dogmatische Papst Benedikt XVI war zur plusquamperfektischen Vergangenheit geworden, nur daß der, wie furchtbar manchmal doch noch was sagt.

Es fing gut an: Die Familiensynode brachte, zwar nur in Fußnoten verpackt, den Durchbruch zur Verramschung der Eucharistie, daß nun auch „Geschieden-Wi(e)derverheiratete die Kommunion empfangen dürfen. Dann die Verheißung der Amazonassynode, daß nun der Zölibat fällt und erste Schritte zum Einstieg in das Frauenpriestertum gewagt werden.

Jetzt erfolgte die erste große Desillusionierung: Papst Franziskus winkte ab, er nahm diese Vorhaben nicht auf. Was so im Amazonas nicht gelang, daß sollte nun auf deutschem Boden gelingen. Ein Großevent wurde initiiert, der „Synodale Weg“, um endlich in Deutschland die Modernisierung der Kirche voranzutreiben, natürlich hoffend, daß die Weltkirche dann das deutsche Reformmodell übernehmen werden.

Aber kaum gestartet, kam der erste „blaue Brief“ aus Rom. Die deutschen Bischöfe sollten sich vorrangig um die Aufgabe der Mission und Neuevangelisation kümmern! Aber diese Mahnung schlug man souverän in den Wind mit der Erklärung, daß die angestrebten Modernisierungen ja der Evangelisation dienen würden. Dann kam der zweite Brief aus Rom. Das war aber schon eher eine „Rote Karte“: die Demokratisierung der Kirche dürfe nicht so weit vorangetrieben werden, daß die hierarische Ordnung der Kirche aufgelöst und durch eine Laiengremienherrschaft ersetzt werden. Die Gremienchristen tobten.

Und jetzt: eines der Lieblingsprojekte, daß Protestanten zum Empfang der Eucharistie zuzulassen sind, ach, wenn man doch endlich ökumenische Abendmahlsfeiern begehen dürfte, wird die „Rote Karte“ gezeigt! Rom verwies auf die unüberbrückbaren Differenzen in dieser Causa und verhinderte so den zweiten Schritt der Verramschung der Eucharistie.

Genauso irritiert wie das Deformlager des Synodalen Irrweges steht jetzt wohl so mancher Kritiker dieses Papstes dar, hatte man von ihm doch alles, nur nicht ein solches Ausbremsen des „Synodalen Irrweges“ erwartet. Gibt es Erklärungen dafür? Eine wahrhaft theologische gibt es, daß Papst Franziskus eben keine Privatperson ist, die nun ein Amt innehat, sondern daß nun die Amtsperson spricht und so das sagt, was das Papstamt ihm, Franziskus sagt, was er als Papst zu sagen hat.

Selbstredend schließt das nun nicht innerweltliche Motive für diese römische Ausbremsaktionen aus, daß dem Papst diese deutsche Reformagenda als Wohlstandsbürgerprobleme erscheint, er aber die Gesamtkirche jetzt aber auf einen linkshumanitaristischen Kurs einschwören will mit dem Schwerpunkt auf Bewahrung der Schöpfung und der Errichtung einer sozial gerechten globalisierten Einheitswelt. Daß nun gar deutsche Bischöfe ihm den Schneid abkaufen wollen, daß sie als die Modernisierer, die den Papst vor sich hertrieben, in die Kirchengeschichte eingehen möchten, ist nun auch unverträglich mit dem Selbstbewußtsein dieses Papstes: Ich bin die Kirche, die Kirche bin ich!



Montag, 21. September 2020

Wen der freie Westen zum "Feind" erklärt, der ist auch der "Feind" der Kirche

Die in punkto politischer Staatstreue nicht überbietbare Internetseite „Katholisch de“ läßt nun in einem Kommentar zu den Umsturzversuchen der Regierung Weißrußlandes eine Kritikerin der Regierung zu Worte kommen. Sie wirft dabei der Orthodoxen Kirche ihre Staatstreue vor: „Die Synode der belarussisch-orthodoxen Kirche (BOK) etwa hat sich mehrfach von friedlichen Aktionen ihrer Priester und Gläubigen distanziert und dabei immer betont, dass diese sich nicht im Namen der Kirche geäußert hätten.“

Das ist natürlich skandalös. Denn es ist jedem klar, daß diese Regierung nur durch massive Wahlfälschungen an der Macht bleiben konnte.Der Beweis dafür ist von unwiderlegbarer Evidenz: Wären es wirklich freie Wahlen gewesen, hätten prowestliche Parteien die Wahl klar gewonnen. Da dies aber nicht geschah, waren die Wahlen manipuliert. Deshalb haben die Prowestler jetzt das Recht, geradezu die Pflicht, diese Regierung zu stürzen. Die Kirchen, auch die Orthodoxe muß sich an diesem Umsturz beteiligen. Selbstverständlich kann eine Nicht-Prowestliche- Regierung keine legitime Obrigkeit sein, trotz Paulus metaphysischer Staatslehre im 13.Kapitel des Römerbriefes skizziert, denn nur sich dem westlichen Idealen verpflichtete Staaten sind legitime, alles andere Schurkenstaaten.

Was für jeden Staat so eine Selbstverständlichkeit ist, daß er sich nicht von revolutionär Gesonnenen wegputschen läßt, wird nun dieser Regierung als Staatsterrorismus angekreidet.Er hat nämlich nur noch ein Recht, vor den Demonstranten zu kapitulieren und alle Macht den Oppositionellen zu übergeben.

Wir erleben wieder einmal eine für die Medien inszenierte Revolution. Einst ereignete sich etwas und dann berichteten die Medien darüber, mehr oder weniger wahrheitsgemäß.In postmodernen Zeiten sind die Ereignisse nur noch der Rohstoff für die Medienberichte und sie werden nur noch für die Medienberichte inszeniert. Arg vermaledeite Verschwörungstheorien versuchen nun, die Wahrheit hinter den Bildern zu recognizieren, werden dafür aber der Unseriösität bezichtigt. Merke: Weil es im politischen Raum Verschwörungen gibt, gibt es auch Verschwörungstheorien, denn nur durch den Begriff der Verschwörung kann ja ein politisches Ereignis als Verschwörung erkannt werden, indem es von einer Nichtverschwörung unterschieden wird. Nun sind Verschwörungstheorien komplex, da sie nicht nur den Begriff der Verschwörung hervorbringen müssen, sondern eine allgemeine Theorie der Verschwörung,um dann erst bestimmte konkret sich ereignet habende Verschwörungen im politischen Raum begreifen zu können.

Die Anklage der jetzt zum Umsturz freigegebenen weißrussischen Regierung läßt sich auf einen Punkt konzentrieren, daß sie nach der Implosion des real existierenden Sozialismus die konsequente Privatisierung der Wirtschaft unterband und so immer noch viele Staatsbetriebe aufweist. Das sind inakzeptable Behinderungen des freien Geschäftemachens aus Sicht der Marktwirtschaftsideologie. So wird von der neuen prowestlichen Regierung als erstes eine radicale Verprivatisierungspoitik erwartet, durch die weißrussische Betriebe zu Schnäppchenpreisen an westliche Investoren verhökert und unrentable abgewickelt werden. Zudem zum Schutze der demokratischen Revolution wird die Erlaubnis zur Einrichtung von amerikanischen Militärbasen erwartet, um so Weißrußland als Frontstaat gegen Rußland aufzubauen, wie es ja auch mit der Ukraine versucht wird, nachdem auch dort eine prowestliche Revolution erfolgreich war.

Kritischen Historikern wird einmal die Aufgabe zukommen, zu eruieren, was dieser Umsturzversuch wirklich war. Wie aktiv waren da westliche Geheimdienste, wer finanzierte da wen, wir wirkten NGOs dabei mit...aber eines scheint jetzt schon klar, daß die da jetzt Revoltierenden nur ein Spielmaterial für Mächtige der Welt sind, hier eine ihnen unliebsame Regierung zu stürzen.

Wenn die Revolution gelingt, eine prowestliche Regierung installiert wird, dann könnte aber manchem Weißrussen viel schneller als ihm es lieb sein kann, warum die dortige Orthodoxe Kirche loyal zur jetzigen Regierung steht, weil sie Weißrußland nicht verwestlicht sehen möchte, sondern erhalten geblieben in den besonderen Traditionen dieses Volkstumes. Die Orthodoxen Kirchen verstehen sich nämlich immer auch als Erhalter der Nationalkultur, in der sie sich inkarniert haben, um eine wahre Volkskirche zu sein.

Um diese "Revolution aber zu verstehen, muß dies Ereignis eingezeichnet werden in das Globalisierungskonzept der Erschaffung einer Einheitswelt. 


 

Sonntag, 20. September 2020

Ein Versuch zum Thema: Wahrheit, Macht und Angst


Eine einfache Situation: Eine Frau und ein Mann in einem Eisenbahnabteil, allein da sitzend. Der Mann steckt sich eine Zigarette an. Die Frau: „Hier ist das Rauchen untersagt. Zudem leide ich an Asthma, hören sie bitte mit dem Rauchen auf.“ Der Mann: „Ich rauch, wo ich will!“ „Aber, erwidert die Frau...

Der Mann: „Ich habe Fäuste, noch ein Wort und sie landen in deiner Fresse!“ Dann fügt er noch hinzu: „Dumm bin ich nicht. Ließe ich mich aufs Argumentieren ein, ich wäre chancenlos, denn das kannst du besser als ich. Darum argumentiere ich erst gar nicht und setze ganz auf meine Arm- und Faustkraft.“

Habermas herrschaftsfreier Diskurs setzt eben voraus, daß alle Diskursteilnehmer gleich mächtig/unmächtig sind, sodaß jeder auf die Androhung und Ausübung von Gewalt zur Durchsetzung seines Willens verzichtet.


Was hat diese Geschichte nun mit der Kirche zu tuen? Vielleicht mehr, als wir es wahrhaben wollen. Seit dem gewaltsamen Ende des Thron- und Altarbundes von Staat und Kirche, seit dem Ende der „Konstantinischen Epoche“, sagen wir mal: ungefähr mit dem Sturz der drei großen christlichen Monarchien Europas, der russischen, österreichischen und deutschen, gleicht die Kirche einer Witwe - sie hat ihren Ehepartner verloren, eine Ehe zerbrach gegen ihren Willen durch Revolutionen, anhebend mit der Französischen Revolution. Das heißt, sie mußte wieder lernen, allein, ohne Partner auf sich gestellt zu leben. Nun war diese Ehe sicher oft eine sehr konfliktträchtig im Kampfe darum, wer denn nun in dieser Ehe „die Hosen an hat“, aber es war eine, in der die Kirche immer auch im Schutze des Staates lebte.

Allein, auf Erden zu Haus, das bereitete Angst. Nur daß diese Angst dann durch lautes Getöse übermalt wurde, am offenkundigsten in dem berühmten Kirchenbuch Otto Dibelius: Das Jahrhundert der Kirche.(Der Protestantismus war durch diesen revolutionären Umsturz noch mehr betroffen als die Katholische Kirche.)

Meine These lautet nun, daß das 2. Vaticanum nicht verstanden werden kann, wenn es nicht als Textkörper dieser so verängstigten Kirche gelesen wird, die nur diese Verängstigungsstimmung durch eine simulierte euphorische Aufbruchsstimmung zu überspielen versuchte.

Beispiele mögen das veranschaulichen: Der zur Mariologie vorbereite Text wurde auf dem Konzil abgelehnt, nicht etwa weil er als theologisch nicht angemessen beurteilt worden ist, sondern weil er als zu anstößig für die Protestanten angesehen wurde. Die Kirche dürfe doch nichts lehren, was Protestanten mißfallen könnte. Auch gab es keine Erklärung zum von den Kommunistischen Parteien propagierten Atheismus, denn die Gastdelegation der Russisch-Orthodoxen Kirche erklärte, daß im Falle einer solchen Erklärung sie nicht mehr die staatliche Erlaubnis zur Teilnahme am ökumenischen Dialog erhielte. Es hält sich zudem das Gerücht, daß die Zustimmung zur Religionsfreiheit , gegen die bisherige Lehre der Kirche (wie die meisten heutigen Theologen diese Zustimmung beurteilen) auf das Einwirken freimaurerischer Kräfte zurückgeführt wird . (Auch wenn ich bisher keinen eindeutigen Beweis dafür finden konnte, halte ich dies Gerücht doch nicht für unplausibel.)

Könnte man nicht gar die Tendenz des Konziles als die einer Ängstlichkeit dem modernen Zeitgenossen gegenüber bestimmen, daß die Angst, daß der moderne Mensch die bisherige Lehre der Kirche nicht mehr akzeptieren will, die Willigkeit, sie dem Zeitgeist gemäß umzuformulieren , erst hervorrief. Nicht ein Fortschritt an theologischen Erkenntnissen, ihre Vertiefung etwa motivierte so das Konzil, sondern diese Witwenängstlichkeit: Wie beim modernen Menschen ja keinen Anstoß zu evozieren!

Dieser Ängstlichkeitsgeist, bestimmt der nicht auch den „Synodalen Irrweg“, die Angst vor den Feministin, vor der Homosexlobby und die Angst vor den Vielen, die energisch von der Kirche verlangen, endlich alles zu erlauben und gar abzusegnen, was „im Bett Spaß macht“? Fürchtet diese „Synodale Irrweg“ nicht am meisten die Macht der veröffentlichten Meinung: Wie bekomme ich eine „gnädige Presse“? Kann dies Deformierungsvorhaben wirklich verstanden werden ohne daß diese Witwenängtlichkeit gewahr genommen wird, die Angst, allein einer ihr nicht wohlwollend gegenüberstehenden Gesellschaft zu einem Ärgernis zu werden, paßt sich die Kirche nicht der Welt jetzt an?

 

Samstag, 19. September 2020

Papst Franziskus Kampf mit der hl. Schrift

Oder steht die Lehraurorität des Papstamtes über der Heiligen Schrift


Was nur tuen, wenn in der Heiligen Schrift etwas geschrieben steht, was einfach nicht mehr akzeptabel ist? Für wen nicht mehr akzeptabel? Für Papst Franziskus, was natürlich nicht ausschließt, daß viele das ihm Anstößige auch verurteilen. Einen ersten Sieg errang so dieser Papst gegen das Vater Unser Gebet. Ihm war die Bitte: Und führe uns nicht in Versuchung!, Inakzeptabel, sodaß er eine Neuübersetzung einforderte. Denn die Vorstellung, daß Gott in Versuchung führe, sei mit seinem Gottesbild unvereinbar. (Daß Gott Hiob- wenn auch in eigentümlicher Cooperation mit dem Teufel in Versuchung führt- muß dann wohl ab jetzt überlesen werden, zumal angesichts des Unglückes, das Hiob trifft: Alle seine Kinder werden auf einen Schlag getötet, diese Vater Unser Bitte sehr verständlich wird.) Aber Papst Franziskus hat eben ein anderes Gottesbild als Jesus Christus.

Nun fällt aber auch eine andere gewichtige Aussage der Bibel vor Papst Franziskus in Ungnade. Kath de zitiert sie (16.9.2020):


"Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!" (Gen 1,26ff, EÜ 2016) Das „waltet über sie“ ist dabei aber eher eine suboptimale Übersetzung. Die Vulgata übersetzt hier treffender mit: „dominamini“ (=beherrschet, dominiert sie) Die Einheitsübersetzung ähnelt dabei der Tendenz, in der Gebetsschlußformel: „Darum bitten wir durch (ihn), Jesus Christus,Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,der in der Einheit des Heiligen Geistesmit dir lebtund herrscht in alle Ewigkeit.“, das „herrscht durch ein „wirkt“ zu ersetzen,weil eben man von Jesu Christi Herrschen nichts wissen will. Aber das nur nebenbei.

Was stört den nun Papst Franziskus daran? "Verzerrte Auslegung" biblischer Texte habe zu Fehleinschätzung beigetragen.Papst: Es ist falsch, dass Mensch über alle Geschöpfe herrschen kann“. Der Bibeltext sagt eindeutig, daß der Mensch die Natur beherrschen soll und weil er es soll, kann er es auch. Denn Gott gibt doch dem Menschen nicht eine Aufgabe, an der er notwendigerweise scheitern muß. Nicht Beherrscher der Natur soll der Mensch sein sondern „Hüter des Lebens“. Das klingt sehr schön ökologisch, philosophisch Gebildete könnten da auch einen Anklang an Heidegger herauslesen, aber biblisch ist das nicht. Die Bibel versteht den Menschen nicht als einen in die Naturordnung Eingebundenen, sondern ihr Gegenüberstehenden, dem die Natur als Gestaltungsaufgabe von Gott übertragen ist. Der Ikarusmythos, daß dem Menschen durch die Natur Grenzen gezogen sind, die er nicht überschreiten darf, sonst stürzt er ab (weil er der Sonne fliegend nahe kommen wollte), ist kein christlicher Mythos, denn er verkennt die exzeptionelle Stellung des Menschen der Natur gegenüber. Aber genau diese Stellung wird nun in der Naturschutzideologie angegriffen. Der Mensch habe sich rein naturalistisch als Teilelement der Natur zu verstehen, der so in ihr eingeordnet ist und so zu leben habe.In diesem Vorstellungsraum erfreut sich dann auch die mythologische Rede von der „Mutter Erde“ großer Beliebtheit. Papst Franziskus verehrte so ja auf der Amazonassynode die „Mutter Erde“ als Pachamama. Eine solche Resakralisierung der Natur bildet so die Antithese zur christlichen Lehre von der Natur als von Gott aus dem Nichts Geschaffenes. Diese Resakralisierung soll dabei das Verhalten zur Natur normieren, indem es dem Herrsein des Menschen über die Natur eine Absage erteilt. Diesem Trend fühlt sich nun wohl auch der Papst verpflichtet. Darum erteilt er hier der biblischen Aussage eine klare Absage: Nicht mehr sollen wir herrschen sondern wir sollen die Natur behüten. Statt ein vernünftiges Beherrschen der Natur einzufordern wird so die Irrationalität des Mythos „Mutter Erde“ hochgehalten!


Vatican news“ meldet am 16.9.2020: „Neues Buch mit Texten des Papstes: „Unsere Mutter Erde“ Bislang unveröffentlichte Auszüge aus dem am 24. Oktober auf Italienisch erscheinenden Band „Unsere Mutter Erde“ mit Texten von Franziskus veröffentlichte an diesem Mittwoch der „Corriere della Sera“. Der Untertitel des Buches lautet: „Eine christliche Lesart über die Herausforderung der Umwelt". Unsere Mutter, das ist Maria, die Königin des Himmels und die Kirche; es sei an den Ausspruch des hl. Cyprian erinnert: Wer die Kirche nicht zu seiner Mutter hat, kann Gott nicht zu seinem Vater haben. Will Papst Franziskus uns eine neue Mutter geben? Und weiß er, daß die Idealisierung der Natur, das menschliche Leben habe natürlich zu sein, schon vom Sozialdarwinismus propagiert wurde als das „Recht des Stärkeren“, wobei diesem Konzept unbedingt der Vorzug zu geben wäre, wenn der Mensch wirklich natürlich zu leben habe, weil es die Natur realistischer wahrnimmt als die mythologische Rede von der Mutter Erde

 

Freitag, 18. September 2020

Irritierendes: Alles absurd?

Ein kleiner Versuch über das ganze Universum und unser Universumsdenken

Absurd, sagst du? Das ganze Universum ist absurd. Es ist abwegig, grundlos. Da existieren nur wenige, winzige Inseln der Vernunft, eingehüllt in die Schädelknochen einiger Lebewesen, wie du es bist.“ Leo Lukas, Der Ilt muss sterben, Perry Rhodan Nr. 3072, S.59. Der nähere Kontext: Die Aufforderung: „Tötet ihn nicht! Das wäre sinnlos, absurd! So wird dieser Aufruf beantwortet und dann tötet der so Angerufene auf grausamster Weise und wird dann selbst getötet. So „begründet“ der Mörder diese Tat: „Du wirst es nie kapieren. Wer den Ghyrd ablegt, tut dies nicht, um sich auf eines dieser rationalen Eilande zu retten. Wer den Ghyrd ablegt, taucht dadurch ein in die tiefsten Geheimnisse des Universums.“ (S.60). Was bedeutet hier der Ghyrd? Einfach gesagt: Er sorgt dafür, daß der Träger vernünftig, rational handelt, wird er abgelegt, agiert der einstige Träger „absurd“: Es ist absurd, jetzt „Gucky“ zu töten, aber gerade darum töte ich ihn.

Ist dieser Dialog einfach nur „absurd“ oder verbirgt sich in ihm eine bedenkenswerte philosophische Reflexion? Die „Inseln der Vernunft“, das ist das Denken (des Menschen). Aber dies vernünftige Denken existiert in Mitten eines unvernünftigen, absurden Universums. Erst durch das vernünftige Denken produziert der Mensch ein für ihn vernünftiges Universum, in dem er dann heimisch sein kann. Hier muß das Denken als ein produktiver Akt verstanden wird, durch den die „Erkenntnisobjekte“, in diesem Falle: das ganze Universum erst hervorgebracht werden. Louis Althusser betont ja in erkenntnistheoretischer Hinsicht die Bedeutung der Differenz zwischen dem Realobjekt, das, was zu erkennen ist, und dem Erkenntnisobjekt, als was es erkannt wird als Produkt des Denkens. (Vgl: Althusser, Balibar, Das Kapital lesen 1) Nur das „erkannte Universum“ ist das vernünftige. Camille Paglia würde hier von dem apollinischen Blick sprechen, durch den uns die Welt zu etwas gut Geordnetes und Schönes wird. (Paglia, Die Masken der Sexualität)

Aus diesem so vernünftigen Universum steigt der Mörder aus, indem er das vernünftige Denken (den Ghyrd) ablegt, um so eins zu sein mit dem absurden Universum. Aber wie „erkennt“ denn der sein „vernünftiges Denken“ abgelegt Habender, daß das ganze Universum absurd, abwegig und grundlos ist, wenn nicht allein so, daß er selbst es so denkt? Es gibt nicht nur den apollinischen Blick, auch den dionysischen (vgl Nietzsche) und erst durch ihn erscheint die Welt grundlos und absurd.

So kommen wir so zu einem befremdlichen Zwischenergebnis: Wenn das ganze Universum das durch unser Denken produzierte Universum ist (als Erkenntnisobjekt), dann ist sowohl das gut geordnete und schöne wie auch das grundlos absurde ein Produkt des Denkens. Durch ein dionysisches Denken kommen wir deshalb der Wirklichkeit des Universums nicht näher als durch ein appollinisches.

Die Vorstellung eines ungeordneten Chaos, das die Vernunft dann erst ordnet (vgl Kant), muß daraufhin befragt werden, ob nicht schon diese Vorstellung ein Produkt der menschlichen Vorstellungskraft ist, und nicht einfach das bezeichnet, wie es wirklich ist, bevor der Mensch sich die Wirklichkeit aneignet und das heißt auch immer: verarbeitet. Der Mensch verhält sich erkennend nicht primär kontemplativ zur Wirklichkeit sondern gestaltend, verarbeitend. Aber was ist dann Wahrheit? , müssen wir mit Pilatus fragen. Vielleicht ist das Verschwinden dieser Frage das Charakteristikum unserer postmodernen Zeit.

 

Donnerstag, 17. September 2020

Irritierendes: Daß Jesus Christus überflüssig ist- oder das neue "Missionsverständnis"

Es gibt Texte, die so abstrus klingen, daß sie mehrmals gelesen werden müssen. Da heißt es: Mit dem Glauben der Katholischen Kirche und ihrem Missionsverständnis sei die Aussage: Jesus Christus ist das größte Geschenk unvereinbar. Worum geht es? Kindern in armen Ländern soll ein Schuhkarton voller Geschenke zu Weihnachten zugesandt werden und da heißt es dann, daß das größte (Weihnachts)Geschenk aber Jesus Christus sei.

So liest sich das auf der quasi offiziellen Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz (15.9.2020) Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat vor der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" gewarnt. Die Aktion solle man nicht unterstützen, da sie "keine nachhaltige Entwicklungshilfe für Kinder in Not" leiste[...] Das Projekt des Vereins "Samaritan's Purse" zeige den beschenkten Kindern laut dem amtlichen Schreiben "unabhängig vom Engagement der Teilnehmer" das Evangelium von Jesus Christus als "größtes Geschenk".

Diese Schuhschenkaktion würde von einem überconfessionellen Missionswerk betrieben.Statt „nachhaltige Entwicklungshilfe“ zu betreiben, will dies Werk „missionieren“. Das widerspräche aber dem Missions- und Kirchenverständnis der Kirche! Worin besteht also der wahre Dienst der Kirche? Daß sie auf alles Missionieren verzichte, um sich ganz auf das Diakonische zu kaprizieren. „Arme“ Kinder brauchen eben nicht das Weihnachtsgeschenk Jesus Christus in der Krippe, sondern Nahrung, gute Ausbildung und später Jobs, eine gerechte Welt usw. Das verkündet nun nicht etwa ein atheistischer Humanistenverein, sondern die Kirche der Diozöse Rottenburg-Stuttgart.

Es bedarf nun keines intensiven Nachdenkens, um zu erkennen, daß für diese Diozöse auch die Weitergabe des christlichen Glaubens an die heutigen Kinder und Jugendlichen keine Aufgabe der Kirche sein kann, denn auch die brauchen Jesus Christus nicht,denn der ist eben überflüssig.Wichtig ist dagegen die Reformagenda des „Synodalen Irrweges“- der Kampf wider den Zölibat, wider die Morallehre der Kirche und die Einführung des Frauenpriestertumes- ach und das größte Geschenk für die Kirche, daß sie sich endlich demokratisiert, denn wir glauben an die Demokratie.

 

Mittwoch, 16. September 2020

Und wieder kommen arme "Flüchtlinge"

Narrative und übersehene schlichte Tatsachen

Die griechische Regierung ist sicher, daß das Flüchtlingslager in Moira von den Asylsuchern selbst in Brand gesteckt worden ist. Die „Freie Welt“ (14.9.2020) berichtet: Es ist klar, so Athen, dass die Feuer in dem Lager von den dortigen Bewohnern selbst vorsätzlich gelegt wurden. Seitens der Verwaltung hatte man aufgrund der entdeckten Corona-Fälle eine Quarantäne verhängen wollen. Damit waren die Migranten nicht einverstanden und hatten zunächst protestiert. Als ihre Proteste nicht zu dem von ihnen angestrebten Resultat geführt haben, haben sie ihre Unterkünfte vorsätzlich entzündet, völlig außer Acht lassend, dass sie damit Gefahr für Leib und Leben der Menschen vor Ort heraufbeschworen haben. Aus der Sicht der griechischen Regierung handelt es sich um Schwerkriminelle, Brandstifter, die leichtfertig in Kauf genommen haben, dass Menschen ums Leben kommen.“

Und jetzt werden diese durch ihre Brandstiftung das Leben ihrer Mitmenschen Gefährder dafür belohnt, daß Deutschland sie großzügig aufnimmt.

Politicaly incorect“: „In Griechenland verfolgt man diese Bereitschaft zur Aufnahme von Camp-Insassen mit Sorge. Man fürchtet nämlich, dass die Taktik der Niederbrennung von Camps zur schnelleren Verteilung in Aufnahmeländer bald ihre Nachahmer finden könnte.“14.9.2020.

Man vergleiche das einmal mit dem, was die „seriösen“ Medien über diese Causa berichten! Seltsam, ist etwa eine Brandstiftung, durch die das Leben von Menschen gefährdet wird, ein Kavaliersdelikt? Und warum sollen Asylanten in Deutschland aufgenommen werden, wenn sie schon in Griechenland in Sicherheit (vor ihren Verfolgungen) waren, nur weil sie jetzt ihre Unterkünfte selbst niedergebrannt haben, wie die griechische Regierung beteuert?

 

Dienstag, 15. September 2020

Irritierendes: Kulturmarxismus


Ein rechter Kampfbegriff, der nicht überzeugen kann

Begriffe können Realitäten so verdunkeln, daß sie als mehr als problematisch zu beurteilen sind. Zu diesen Begriffen gehört auch dieser. Dieser Begriff soll einen Bruch in der Geschichte des Marxismus markieren: wie sich der Marxismus gewandelt hat nach dem Zusammenbruch des Real existierenden Sozialismus 1989f. Vordergründig sind damit die sich am sowjetischen Marxismus orientiert habenden kommunistischen Parteien gemeint, aber diese Umformung umfasse auch andere marxistische Strömungen. Einen guten Überblick dieses Umformungsprozesses bietet Vladimir: „Die Löwen kommen. Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern?“ Zu diskutieren ist aber,ob dieser von Vladimir beschriebene Bruch es erlaubt, die umgeformte Gestalt des Marxismus noch als marxistisch zu begreifen.

Auch bei nur einer oberflächlichen Zurkenntnisnahme des Marxismus ist eines nicht überlesbar, daß der Ökonomie, der gesellschaftlich organisierten Arbeit, den Produktionskräften und den Produktionsverhältnissen der Primat zugeschrieben wird. Einfach gesagt: Die Ökonomie ist das Schicksal des Menschen. So lassen sich alle bedeutsamen Veränderungen in der Geschichte letztendlich auf die Entwickelung der Produktivkräfte in ihrem jeweiligen Verhältnis zur gesellschaftlichen Verfaßtheit der Produktionskräfte zurückführen. 4

Der Raum der Kultur ist so immer nur ein Epiphänomen der ökonomischen Basis. Wahre Revolutionen sind so nur solche, die diese Basis revolutionieren, wie die bolschewistische, wohingegen der Nationalsozialismus 1933 nur eine Revolution simulierte, da die kapitalistische Grundstruktur er nach seiner Machtübernahme unverändert ließ.

Nun gab es im Marxismus sicher Versuche, der Kultur eine größere Bedeutung zuzuschreiben, man kann hier Gramskis Konzeption der „Hegemonie“ oder Althussers Arbeiten zum „ideologischen Staatsapparat“ herangezogen werden, aber der Marxismus blieb materialistisch: Die Basis der Gesellschaft, die Ökonomie ist das Bestimmende. Das heißt, daß unsere heutige Zeit nur durch eine Analyse des Kapitalismus begriffen werden kann und daß das Subjekt einer wahren Revolution nur die Arbeiterklasse unter der Führung einer kommunistischen Partei sein kann, wie es Lenin dann theoretisch fundierte und praktisch realisierte.

All dies haben die einst kommunistischen Parteien 1989ff abgelegt. (Vgl: Vladimir). Stattdessen tritt ihr Engagement gegen die bürgerliche Kultur! Die Ordnung der Ehe und der Familie, die Unterdrückung der Frau im feministischen Sinne und die Ordnung des Volkes, den Nationalstaat stehen nun ganz oben in der Agenda der „Kulturmarxisten“. Dieweil wurde die Kapitalismuskritik ersetzt durch das sozialdemokratische Konzept des Sozialstaates, der den Kapitalismus sozial zu gestalten habe. Im Vordergrund steht jetzt so der Kampf gegen die bürgerliche Ordnung, während das Fundament dieser Ordnung, der Kapitalismus nur noch sozial gestaltet werden soll durch den Staat.

Als Subjekte möglicher Kulturrevolutionen werden nun in und durch die bürgerliche Ordnung Marginalisierte angesehen, also Homosexuelle, Lesben, ethnische Minderheiten, irgendwie sich ausgegrenzt Fühlende und natürlich die im Bürgerlichen unterdrückte Frau. Und was soll nun erreicht werden: Ein Kapitalismus, staatlich domestiziert und eine nicht mehr bürgerliche Kultur. Als Überwindung wird nun aber keine „Arbeiterkultur“ propagiert, sondern eine links-alternative.Nüchtern betrachtet ist dieses Gesamtkonzept eher ein linksliberales: Um der Freiheit des Einzelnen willen soll die bürgerliche Normierung des Lebens beseitigt werden, die nur noch als freiheitshemmend wahrgenommen wird, isb die Ordnung der Ehe, der Familie und des Volkes. Links ist dann das sozialliberale Moment der etatistischen Auffassung des Staates, der so die Frau von der „Last“ der Kindererziehung befreien soll durch Kindertagesstätten und Kindergärten, oder noch rabiater durch das Erlauben des Kindestötung im Mutterleibe.

Abstrakter formuliert: Die bürgerliche Kultur bindet den Menschen noch zu sehr ein in Ordnungen, die der Weiterentwickelung des Kapitalismus behindern, weil er so nicht gänzlich der Ökonomie zur Verfügung steht, wenn etwa Frauen, statt voll berufstätig zu sein, lieber ihren Kindern die Mutter sein wollen. Die Kultur, gerade die bürgerliche ist so selbst zumindest teilweise zum Hindernis der Fortentwickelung des Kapitalismus geworden. Man denke nur an die Sparsamkeitskultur, das Ideal der Selbstbeherrschung, während die Massenkonsumgesellschaft den Carpe diem Menschen verlangt, der immer mehr jetzt augenblicklich will und keine Grenzen akzeptiert. So fungieren die heutigen „Kulturmarxisten“ als Modernisierer des Kapitalismus! Der Mensch soll reduziert werden auf eine Funktion der Ökonomie: produzieren und konsumieren, das allein soll sein Leben ausmachen. Seine Freiheit ist die des unlimitierten Konsumierens, also ganz liberal vorgestellt.

Könnte es sein, daß Alexander Dugin mit seiner These, daß es nach 1989 nur noch die Ideologie des Liberalismus gibt, so recht haben, daß auch die „Kulturmarxisten“ nur noch verkappte Linksliberale sind?

 

Montag, 14. September 2020

Auf den Spuren des "letzten Menschen"- Das "ökonomische Zeitalter"

Eine Skizze des Menschen im „ökonomischen Zeitalter“ unterbreitete 1934 Werner Sombart in seinem Werk: „Deutscher Sozialismus“, die heute noch genauso aktuell ist wie damals, denn die Skizze trifft etwas Wesentliches,daß der Mensch sich verändert hat, seit dem er in die Epoche des „ökonomischen Zeitalters“ eingetreten ist.

Der schwerste Schlag,der den Menschen treffen konnte, war die Zerstörung seines Gottglaubens.“ (S.32). Er löste so sein Dasein von allen transzendenten Beziehungen. Überhaupt ist diese Epoche bestimmt als eine der Auflösungen einstiger Einbindungen des Menschen. Er lebt jetzt getrennt von der Natur, er lebt ein „künstliches Leben“. (S.32). Sein Gemeinschaftsleben löst sich auf: „Immer sieht sich der Einzelne anderen Einzelnen gegenüber“. (S.33). Der homo oeconomicus ist eben per Definition ein Einzelner, der nur noch in Verkaufsvertragsbeziehungen sich zu Anderen verhält, wäre hier zu ergänzen. Sein wichtigstes Anliegen ist der „Komfortismus“ (S.35), das Leben zu bequem wie möglich zu gestalten.

Man mag diese Skizze als zu oberflächlich, in sich nicht differenziert genug beurteilen, aber doch kann nicht abgestritten werden, daß so Trend des heutigen Menschen erfaßt wird. Der „Materialismus“ (S.34) sei so die den Menschen des „ökonomischen Zeitalters“ bestimmende Grundhaltung. Diese Epoche mache so den Menschen zum „Sklaven“ seiner Bedürfnisse (S.34), er hätte auch schreiben können, zu einer Funktion der Ökonomie als Warenproduzent und Warenkonsument.Die „Religion“ dieses Zeitalters könnte zusammengefaßt werden in der Hoffnung, daß alles, was befriedigen oder gar glücklich machen kann, als Konsumgut produzierbar und genießbar ist. Es ginge jetzt nur noch darum, daß alles hinreichend genug produziert wird, damit so das größtmögliche Glück von so viel wie möglichen Menschen erwirkt werden kann.

Hat sich die Kirche nicht dem schon längst angeschlossen, indem sie nun unter der Parole der Gerechtigkeit sich engagiert, diesen Zustand der Vollversorgung aller mit ausreichenden Konsumwaren zu fördern? Meint sie so, dem heutigen Menschen zu dienen? Aber wo bleiben da die metaphysisch-religiösen Bedürfnisse des Menschen- diesem homo oeconomicus des „ökonomischen Zeitalters“ müßte doch etwas fehlen? Sombart sieht das so: Für diesen Menschen hat das Leben seinen Sinn verloren (S.32), sein Leben sei Oede und Leere“, (S.33), das durch „Vereinzelung und Vereinsamung“ (S.33) geprägt sei. So lebte der Mensch nach Sombart 1934 und so lebt er jetzt immer noch. Hat der Mensch sich in dieser Epoche so verändert, daß dies Leben so ihm als das natürliche erscheint, das es so gilt, so es zu bejahen?

Wikipedia (Der letzte Mensch, Nietzsche): „Zarathustra beschreibt den letzten Menschen als eine Daseinsform, der alles zu beschwerlich geworden ist, was über die direkte Bedürfnisbefriedigung und die Sicherung des eigenen Komforts hinausgeht:„Sie [d. h. die letzten Menschen] haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme, Krankwerden und Mißtrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher.[…]
Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, daß die Unterhaltung nicht angreife.Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.“

Das Leben des letzten Menschen ist pazifistisch, komfortabel und dekadent. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen Herrscher und Beherrschten, stark und schwach, Überlegenheit und Mittelmaß. Soziale Konflikte und Herausforderungen werden vermieden. Individualität und Kreativität werden unterdrückt.“

Bestätigt so Sombart im Wesentlichen das von Nietzsche Vorausgesagte? Ja, muß man sagen. Somit bestätigt sich wieder einmal, daß dieser Philosoph nicht der Vergangenheit angehört, sondern daß jetzt seine Zeit ist.