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Montag, 29. Dezember 2025

Der „Relativismus als Voraussetzung der Demokratie“ Kardinal Ratzinger

 

Der „Relativismus als Voraussetzung der Demokratie1



Die relativistische Theorie“ wird hier so charkterisiert: Für sie könne das Verhältnis zwischen der Religion und der Demokratie nur ein negatives sein: „Das Christentum im Besonderen lehrt absolute Wahrheiten und Werte und steht damit in strikten Gegensatz zur notwendigen Skepsis der relativistischen Demokratie.“ 2Die Demokratie stünde für die Autonomie des Menschen, die Religion für die Fremdbestimmung des Menschen durch Gott. „Das bedeutet auch,dass der Kernpunkt der Demokratie die Freiheit ist und nicht das Gute,das schon wieder als freiheitsgefährdend erscheint.“3

Was das Gute sei, weiß die Demokratie nicht substantialiter sondern in ihr gilt das als wahr, was durch Mehrheitsentscheide dazu bestimmt wird. Wenn das Verfahren demokratisch ist, dann gilt, egal was dann als wahr bestimmt worden ist, als wahr, aber immer nur unter dem Vorbehalt, daß jede demokratisch gefaßte Entscheidung wider revozierbar sei. Würde stattdessen a priori erkannt sein, was das Gute substantialiter wäre, könnte die Wahrheit nicht mehr demokratisch hervorgebracht werden. Der pure Formalismus der Demokrartie verbietet so jede materiale Bestimmung des Guten.Als der enzigste Maßstab des Rechtes könne so nur das gelten, „was als Mehrheitsünerzeugung unter den Bürgern verbreitet ist. Eine andere Philosophie, eine andere Quelle des Rechts stehe der Demokratie nicht zur Verfügung.“4 .

Das darin enthaltende Problem ist offenkundig: Wenn zwei Wölfe und ein Lamm darüber entscheiden, was es zum Sonntag zu essen geben wird, dann ist die Entscheidung: „ein Lammbraten“ legitim, wenn die Entscheidung formal richtig demokrtisch beschlossen worden ist.

Der Kardinal verweist nun aber zuvörderst auf die scheinbare Evidenz der Demokratie: „Der Gedanke, in der Demokratie könne nur die Mehrheit entscheiden und Rechtsquelle könnten nur die mehrheitsfähigen Überzeugungen der Bürger sein, hat zweifellos etwas Bestechendes an sich. Denn wann immer man etwas nicht von der Mehrheit Gewolltes und Entschiedenes für die Mehrheit verbindlich macht,scheint eben die Mehrheit ihre Freiheit agesprochen und damit das Wesen der Demokratie verneint zu sein.Jede andere Theorie scheint einen Dogmatismus zu unterstellen, der die Selbstbestimmung unterläuft und damit Entmündigung der Bürger,Herrschaft von Unfreiheit wird.“5.

Die Freiheit wird hier als das Vermögen und das Recht verstanden, selbst betimmen zu können, was als wahr zu gelten habe mit der Einschränkung, daß jede einmal gefaßte Dezision wieder revoziert werden kann: Was heute als wahr gilt, kann so morgen schon nicht mehr als wahr gelten werden.Der Relativismus gehörte so zur Conditio sine non der Demokratie.

Theologisch ist dieses Verständnis das der Freiheit Gottes, daß er souverän entscheidet, was wahr, gut und schön ist als eine reine Dezision, denn erst die Setzung dieser drei metaphysischen Ordnungen ermöglicht Begründungen für etwas, ob es dem Wahren.dem Guten, und dem Schönen entspricht oder nicht.Die theoretische, praktische und ästhetsche Vernunft korreliert dabei diesen drei von Gott geetzten Ordnungen. Seinen Geschöpfen, den Engeln und den Menschen liegt diese Ordnung vor, sie ist eben nicht ein Hervorbringungsprodukt seiner Geschöpfe. Genau dieser Gedankengang wird nun als der Demokratie unzuträglich verurteilt. Der Mensch tritt nun an Gottes Stelle, indem er nun souverän selbst entscheidet, was das Wahre,Gute und Schöne sei.

Ideengeschichtlich blühte das Konzept des Naturrechtes nach 1945 wieder auf, um im Namen eines überpositiven Rechtes die Verbrechen des Nationalsozialismus verurteilen zu können, obgleich die Täter, nicht nur Eichmann versicherten, doch nichts anders getan zu haben, als das damals geltende Recht zu befolgen. Was damals Recht war könne doch nicht rückwirkend zum Unrecht erklärt werden, daß also gegen Geetze verstoßen worden sei, deren Geltung erst nachträglich ihre Geltung verschaffen wurde.Es wurde so ein überzeitlich immer geltendes Recht in Anspruch genommen zu der Abwickelung der Kriegsverbrecherprozesse, das danach aber wieder ad acta gelegt wurde und zu einer Renaissance des Rechtspositiusmus führte: Recht ist nur das geltende Recht, das in Kraft geetzte und sonst nichts.

Kardinal Ratzinger frägt nun an, ob ein so rein formalistisches Verständnis des Rechtes für die Demokratie selbst zuträglich sei. Sein Argumentationsziel ist nun dies: „Das Ziel des Staates kann aber nicht in einer bloßen inhaltslosen Freiheit liegen: um eine sinnvolle und lebbare Ordnung des Miteinander zu begründen,braucht es ein Mindestmaß an Wahrheit,an Erkenntnis des Guten, die nicht manipulierbar ist.“ 6 „nicht manipulierbar“ heißt hier, nicht selbst wieder revidierbar. Nach dem liberalen Staatsverständnis hat jeder Bürger das Recht, und darin soll dann auch seine Freiheit bestehen, seinen persönlichen Leben selbst wie es ihm gefällt einen Sinn zu geben, eine für ihn lebbare Ordnung zu setzen. Das Mindestmaß der Ordnung ist dann nichts anderes, als daß jedem der individuelle Freiraum dazu gewährt wird, der nur die eine Grenze kennt, den Freiraum des Anderen zu respektieren und den eigenen respektiert zu bekommen. Gerade diese Inhaltslosigkeit mache so die Freiheit in einer bürgerlichen Gesellschaft aus, daß sie auf die Vorstellung eines sinnvollen Lebens für das Volk als Ganzes völlig verzichtet und nur egozentrische Bürger kennt, die nur den Egozentrismus aller anderen Bürger anerkent, um seinen eigenen anrtkannt zu bekommen.

Kardinal Ratzinger erweist sich in dieser Problemexponuerung als sehr hellsichtig: Was, wenn ganz demokratisch die Menschenrechte als das Fundament des heutigen Rechtsstaatsverständnisses teilweise oder gänzlich demokratisch außer Kraft gesetzt werden? Faktisch hat sich das schon in allen demokratisch regierten Ländern ereignet, indem die Tötung von Kindern im Mutterleibe unter bestimmten Einschränkungen erlaubt worden ist. Auch die Wiederbelebung der Frage der Erlaubbarkeit der Euthanisierung von unheilbar Kranken werden wir jetzt angesichts der steigenden Kosten des Gesundheitswesens in Deutschland erleben. Die Demokratie ist ob ihres puren Formalismus kein Garant für eine humane Gesellschaft, da die Humanität, vom Glauben an Gott sich emanzipiert habend, selbst dieses Fundament ihrer Humamität aufgelöst hat. Wo der Mensch nur noch als ein höher entwickeltes Tier gilt, drängt sich die Frage eben auf, ob man den wirklich die Menschen anders als die Tiere z

1Kardinal Joseph Ratzinger; Was ist Wahrheit? Die Bedeutung religiöser und sittlicher Werte in der pluralistischen Gesellschaft“, in: Werte in Zeiten des Umbrchs, 2005, S.49 -66-

2A.a,O. S.56.

3A.a.O- S-56.

4A,a,O.S.56.

5A.a.O.S.57.

6A,a,O. S.63.

Donnerstag, 29. Februar 2024

Verdrängte Wahrheiten: Es gab einmal eine „gesunde Lehre“ (Titus,2,1)

 

Verdrängte Wahrheiten: Es gab einmal eine „gesunde Lehre“ (Titus,2,1)



Am folgenden Sabbat ging Jesus in die Synagoge und lehrte“, so steht es geschrieben über Jesu Tätigkeit, daß er in erster Linie lehrte. Paulus ermahnt dann den Bischof Titus: „Du aber verkünde, was der gesunden Lehre entspricht!“,(2,1). Der Begriff der „gesunden Lehre“ ist nun ein komplexer,bedeutet er doch einerseits, daß die Lehre „gesund“ ist im Sinne von heil und vollständig, es mangelt ihr nichts und bedeutet er, daß die Lehre gesund machend ist. „Lehre“, das meint mehr als nur eine Reihe von wahren Aussagen, das bedeutet vielmehr ein System von Aussagen, die ein Ganzes bilden, die in sich kohärent und sich nicht untereinander widersprechend sind.Diese Lehre, von der hier der Apostelfürst Paulus schreibt,ist eine wahre Lehre, ja sie expliziert die Wahrheit, von der der Sohn Gottes sagt,daß er die Wahrheit sei.

Wer nun in den Anhang: „Ausgewählte Namen und Begriffe“ der „Einheitsübersetzung“ nachschlägt, findet dort aber den Begriff: “Lehre“ nicht aufgeführt und das trotz des beachtlichen Umfanges dieses Appendix.Aber Jesu Berufstätigkeit war doch die des Lehrens und demzufolge lehrte er seine Lehre. Seine Schüler unterrichtete er, auch wenn in den Übersetzungen ins Deutsche leider verunklarend mit „Jüngern“ über- ich würde lieber ver-setzt wird, schreiben. Im Markusevangelium heißt es dann ausdrücklich: Die Hörer waren erstaunt „über doctrina ejus“. Die Vulgata übersetzt angemessen mit:“doctrina“. Paulus kann gar in seinem Römerbrief schreiben:“Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde,seid jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden,an die ihr übergeben wurdet.“ (Röm 6,17)

Wo ist denn nun diese „gesunde Lehre“ geblieben? Sie scheint der Kirche abhandengekommen zu sein! Als Surrogate wird uns stattdessen ein Jesus in der Begrifflichkeit der Philosophie des Personalismus offeriert: Es käme allein auf die „Begegnung“ mit Jesus an, einer „persönlichen“, in der ich mich als so wie ich bin angenommen, bejaht „erfahre“. Von einer Erkenntnis, von Wahrheit, von Wahrheiten, die dann gar in Aussagesätzen ausformulierbar wären, zu einer Lehre gar systematisierbar, ist dann keine Rede mehr. Jesus war einfach ein für „personale Begegnungen“ Offener, der dann nicht lehrte, noch belehrte sondern unmittelbar die Liebe Gottes zu uns erlebbar, erfahrbar machte. So solle dann auch die Nachfolge Jesu sich gestalten:In der Aufgeschlossenheit zu jedermann,in den Begegnungen Gottes Ja erfahrbar machend, nur ja nicht wen lehren oder gar belehren wollen! „Lehre“,da assoziiert man doch ein System von Aussagen, die Wahrheit für sich beanspruchen, ein zusammenhängendes Ganzes, in dem doch das Einzige, was zählt, die Person Jesus,die Begegnung mit ihm nicht mehr ist.

Eigentlich dürfte es gar keine Lehre geben und Jesus hätte wirklich nicht lehren sollen sondern nur gut zu allen sein zu haben.

Im Zentrum der christlichen Religion steht aber nicht einfach die Persönlichkeit Jesu, sondern die Aussage:Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes. Diese Aussage will nun auch verstanden werden, damit sie dann auch bekannt werden kann.Die Explikation dieser Aussage bildet dann das Zentrum der Lehre, der „gesunden Lehre“, die so etwas qualitativ Verschiedenes sein von einer bloßen Ansammlung von religiösen Vorstellungen. Die Wahrheit wird für uns nämlich erst zur Wahrheit, wenn sie als eine Lehre systematisch entfaltet wird, die das Ganze umfaßt. Auf die „gesunde Lehre“ zu verzichten,heißt so,auf Jesus Christus zu verzichten,ihn zu ersetzen durch ein Phantasmata namens Jesus, der dann einfach nur mal lieb zu jedem war- wenn er nicht politisch „rechts“ war! Jesus wird dann zu einer bloßen Projektionsfläche, in der die jeweiligen Idealvorstellungen hineinprojiziert werden können, nachdem man ihn entdogmatisiert hat,das ist aus der „gesunden Lehre“ herausabstrahiert hat, isb durch das Denken in der personalistischen Begrifflichkeit.

Corollarium 1:

Seit dem Ende der idealistischen Phillosophie  mit der Auflösung der Philosophie Hegels gilt das "System" als etwas Negatives, die Philosophie will das Ganze nicht mehr in der Form eines Systemes explizieren, das fragmentarische Denken käme der Wirklichkeit näher. Aber das signalisiert auch die Aufgabe, das, was Wahrheit ist, darzulegen.  

Corollarium 2

Keine Negligität ist so die Bevorzugung von "Erfahrung", der Erkenntnis gegenüber.So bietet die Einheitsübersetzung statt "die Erkenntnis des Heiles" die "Erfahrung des Heils" (LK 1,77)als Übersetzung. Der  Begriff der "Erfahrung" setzt aus sich heraus die Option der Relativierung des Erfahrenen: So erfuhr ich das, du aber eben anders. Der Begriff der Erkenntnis insistiert dagegen auf das objektive Wahrsein des Erkannten. In Zeiten des Relativismuses in allen religiösen Dingen paßt so der Begriff der Erfahrung besser als der der Erkenntis.



Freitag, 17. November 2023

Geht die Kultur zugrunde? Oder ist das übertriebener Pessimismus?

Geht die Kultur zugrunde? Oder ist das übertriebener Pessimismus?


Das kulturelle Niveau eines intelligenten Volkes fällt in dem Maße,in dem sein Lebensstandard steigt“, urteilt Nicolas Gomez Davila. („Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...“ Aphorismen,2007,S.63.

Auf den ersten Blick überzeugt dieser Aphorismus, paßt er doch auch so recht in das Gesamtwerk dieses großen Kulturkritikers, aber dem Mitdenkenden bereitet diese These doch gewichtige Probleme. Der „steigende Lebensstandard“ sei also die Quelle dieses kulturellen Niederganges. Erstmal hat doch ein gestiegener Lebensstandard nur die Folge, daß nun Menschen als Konsumenten von Kulturprodukten auftreten, die sich bisher das ökonomisch nicht leisten konnten. Für eine marktwirtschaftlich organisierte Kultur heißt das also, daß nun hinsichtlich diese neuen Zielgruppe Kultur produziert wird. Die Unterhaltungsindustrie entsteht so,der große Ästhetiker Adorno spricht in abfälligem Ton von der „Kulturindustrie“, wobei dieser Begriff schon für sich die Abnormität dieser Kultur zum Ausdruck bringt, gelten doch Kunstwerke als etwas individuell Hervorgebrachtes, wohingegen der Begriff der Industrie mit Fabrikproduktionen assoziiert wird.

Also, als noch für den Adel, die Kirche und das Bildungsbürgertum die Kunstwerke erschaffen wurden, da zeichneten sie sich durch ihr Niveau aus, seitdem aber für den gemeinen Mann Kunst produziert wird, wird sie populär-vulgär. Vornehme, gleich niveauvolle Kunst ist also die von Vornehmen genossene Kunst, vulgär wird sie, wenn sie vom Volke konsumiert und somit für dessen Bedürfnisse konzipiert werden. Träfe das so zu, wäre das Niveau eines Kunstwerkes nicht eine ihm innewohnende Qualität, sondern die Vornehmheit ihrer Genießer qualifiziere bestimmte Werke erst. Bejubelt das Bildungsbürgertum, oder das, was sich dafür hält, Werke von Beuys, dann werden seine Werke dadurch zu niveauvoller Kunst, wohingegen die zigtausendfach reproduzierte „Sixtinische Madonna“ von Rafael zum Kitsch degradiert würde, weil es zu einem Bild für jedermann so wurde.

Was macht denn dann die Qualität eines Kunstwerkes, sein Niveau aus, wenn seine Qualität nicht einfach durch die Qualität ihrer Käufer bestimmbar ist, wenn die Qualität etwas dem Kunstwerk Inhärierendes zu sein hat? Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ erweckt ja den Verdacht, daß letztendlich nur das Milieu, das bestimmte Kunstwerke konsumiert, deren Qualität festsetzt: Was den oberen 10.000 gefalle, sei Hochkultur, was dem gemeinen Manne gefalle, sei dann eben vulgäre Kunst.

Nun muß aber eingewandt werden, daß die Kultur viel Umfassenderes bezeichnet als nur die Kunstwerke einer Epoche. Aber die Kunst gehört unbestreitbar zur Kultur und was für diese Teilmenge der Kultur gilt, könnte auch für die ganze Kultur gelten.Die Tendenz zum Kulturrelativismus führt ja dazu, nur noch Kulturen als sich unterscheidend zueinander verhaltend zu verstehen, ohne noch ein qualitatives Urteil darüber abgeben zu können. Die Diktatur des Relativismus, von der Papst Benedikt XVI sprach, ist eben eine allumfassende. Der verdankt sich dann erst die Vorstellung, den Wert von Kunstwerken durch ihre Konsumentenmilieus zu definieren. Denn für die simple Frage, was denn die Qualität eines Kunstwerkes ausmache, findet sich keine andere Antwort, als daß es Konsense im ästhetischen Diskurs darüber gibt, was als zur Hochkultur zu zählen hat, ohne daß es für diese Zuordnung eine hinreichende Begründung gäbe. Es handelt sich scheinbar nur um getroffene Festsetzungen dieses Diskurses.

Vielleicht könnte aber der Begriff des Volkes weiterführen, nannte Nietzsche doch die Kultur den Stil eines Volkes. Wenn also das Volk der soziale Träger einer jeden Kultur wäre,dann wäre der Niedergang einer Kultur die Folge des Niederganges eines Volkes.Aber wie drückte sich ein solcher Niedergang in den Kunstwerken selbst aus, sodaß von einem Niveauverlust zu sprechen wäre?  

Vielleicht ist der Eindruck eines  allgemeinen kulturellen Niederganges aber selbst nur eine Projektion der heutigen Dekadenz.

 

Montag, 20. Februar 2023

„Die Kultur der westlichen Länder sei vom Relativismus geprägt. Es sei daher unvermeidlich, dass auch das Christentum in diesen Ländern darunter leidet.“

„Die Kultur der westlichen Länder sei vom Relativismus geprägt. Es sei daher unvermeidlich, dass auch das Christentum in diesen Ländern darunter leidet.“ So ist es auf Kath net am 20.2. 2023 zu lesen. Sicher wird die Mehrheit der Leserschaft dieser Internetseite dem spontan zustimmen, aber beweist eine solche Spontanzustimmung auch,daß das so Zugestimmte wahr ist. Man stelle sich mal dies vor: Irgendwo in einem theologischen Seminar Deutschlands erklärte ein Theologiestudent, er halte die Einführung des Frauenpriestertumes für nicht akzeptabel für die Kirche. Würde nach diesem klaren Votum noch irgendeiner der Kommilitonen mit diesem reden? Als ich einmal ein Referat hielt zur Möglichkeit der Weihe von Frauen zu Diakonin, konnte ich das Referat kaum zu Ende halten, weil ich niedergebrüllt wurde, da ich als einziger theologische Bedenken vortrug. Relativismus? Nein ultradogmatisch tritt der linksliberale Katholizismus auf: Eingedenk der Maxime des Revolutionsführers Robespierres, daß es keine Freiheit für die Feinde der Freiheit geben dürfe, wird jede nichtliberale Position perhorresziert und als unwissenschaftlich abqualifiziert. Eine Doppelbewegung ist zu konstatieren, die der Entwertung des bisher als wahr Geltendem und die einer intoleranten Durchsetzung „neuer dogmatischer Wahrheiten“. So darf man unbedenklich die Gottheit Jesu Christi als eine mythologische Vorstellung abwerten, alle Christologien als nicht mehr verbindlich für uns bezeichnen, aber man muß an die Homosexulität als etwas Gutes glauben, Die Liste der Credenda für den, der zeitgemäß erscheinen will, ist wohl inzwischen so umfangreich, daß sie kaum noch ein ganzes Buch fassen könnte. Relativiert werden doch nur alle vorkonziliaren traditionalistischen Vorstellungen, aber doch nicht mit dem Zweck, daß nun jeder glauben könne, was ihm gefalle, sondern damit man einen Freiraum so erlangt, der mit den neuen Dogmatiken der Politischen Korrektheit anzufüllen sind.So dürfen Eltern ihre Kinder nicht mehr Indianer spielen lassen, wohl aber Homosexspiele....ach, was man alles nicht mehr darf! Die einst hoch geschätzte bürgerliche Kultur, in ihrer Auseinandersetzung und Anähnelung an das höfische Leben soll nun in Gänze aufgelöst werden und das heißt erstmal relativiert werden, um eine neue Kultur zu etablieren, die selbst extrem intolerant allen anderen gegenüber sich positioniert. Es sei nur daran erinnert, daß „Warten auf Godot“ von S. Backett in den Niederlanden nicht aufgeführt werden durfte, weil in dem Stück keine weibliche Hauptrolle vorkommt oder daß weiße Musiker Auftrittsverbote bekamen, weil sie Reggaestücke spielen wollten. Von irgendeinem Relativismus kann hier wirklich keine Rede mehr sein! Das Christentum leidet nicht an dem Relativismus sondern an dem Dogmatismus antichristlicher Ideologien. Zum Kampf um die Macht gehört nun mal die Relativierung des Christentumes, aber doch nur, um die eigene Absolutheit durchzusetzen. Wenn eine Mutter ihr Kind per Abtreibung tötet, ist das als ihre "Gewissensentscheidung" zu respektieren, schenkt sie ihrem Kinde aber einen Negerkuß ist das unverzeihlich: Was hat das mit einem Relativismus zu tuen?