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Mittwoch, 24. Juni 2026

„Was bleibt,wenn der Glaube schwindet?“ Eine Bankrotterklärung

 

„Was bleibt,wenn der Glaube schwindet?“ Eine Bankrotterklärung


Eine Sonderausgabe des „Publik Forums“ stellte diese sich diese Frage und offenbarte dabei ihr völliges Unverständnis der christlichen Religion.1 Der Beitrag: „Wenn das religiöse Erbe verschwindet“2leistet wahrlich einen Offenbarungseid,wobei die Äußerungen des da zitierten pensionierten Religions- und Geschichtslehrers „Karl“ eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. „Der Mensch von heute braucht die Kirche nicht mehr“,tönt es.3Der Mensch von heute“ besitzt hier eine normative Bedeutung, und ist so nicht einfach deskriptiv gemeint.

Wichtger als die Kirche und wohl auch die Religion sei: „dass die Kinder und Enkel >gute Staatsbürger< sind, wie er sagt.Ja, der Exreligionslehrer urteilt über seine Kinder und Enkel: „Sie sind gute Menschen“.4Sie bejahten zwar viele christliche Traditionen nicht mehr,aber ein vermittelter christlicher Grundwert sei es doch, zu versuchen „demütig zu sein und andere Menschen gut zu behandeln.“5 „Mitleid,Großherzigkeit und Rücksicht6nahme“sollen dann als weitere christliche Tugenden gelten. Dann wird gar eingeräumt, daß dieser pensionierter Religionslehrer sogar ein bißchen damit sympathisiere,“dass sich die Enkel von der Kirche abwenden.denn ihm ist sie zu unbeweglich und frauenverachtend.“ 7

Zustimmend wird der Pädagoge Christof Horst zitiert: „Das Beste für ein Kind ist,ihm beizubringen, selbst zu denken.“8 Die christliche Religion ist also in der 3.Generation fast völlig verschwunden, außer diesen Fragmenten und das obzwar anfänglich die Familie eine religiös praktizierende war. „In der Familie Hoffmann jedenfalls wird wenig über Gott gesprochen.“Ist das wirklich nur als eine deskriptive Aussage gemeint oder klingt da nicht ein präskriptiver Unterton mit: So ist es auch richtig für eine moderne Familie? „Werte ja, Glaube nein!,9das könnte als das Resümee des Was vom Glauben übrigbleibt, benannt werden. Das sei >eine ganz normale Erscheinung der Zeit,nicht eine persönliche Verantwortung“ wird dann auch noch resümiert.10

Der Strom der Zeit stellt eben einfach den christlichen Glauben in das Abseits und läßt als seine Konkursmasse nur noch ein paar gutbügerliche Tugenden übrig.

Der darauf folgende Artikel: „An Einhörner glauben“ stellt fest, daß es in der kindlichen Entwickelung zwei Phasen der Gläubigkeit gäbe.11 Anfänglich glaube man an Einhörner , Dinosaurier und Märchenprinzen. Darauf folge ein anderer Glaube:“dass die Welt im Kern gerecht ist. Dass die Leute in politische Ämter gewählt werden,die das Beste für alle wollen.Dass die Bösen am Ende im mer den Guten unterlegen sind.“ Aber als D,Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde und ob ihres Nachdenkens über Auschwitz löste sich auch dieser Glaube auf. Jetzt bliebe nur noch dies: „Wir müssen weiter hoffen,weiter demonstrieren,weiter darüber sprechen, wie die Welt war,wie sie ist und wie wir sie uns für die Zukunft wünschen.“ Nichts ist hier mehr von der christlichen Religion und dem Glauben übriggeblieben!

Die weiteren Artikel erspare ich meinen Lesern, nur dies Bekenntnis einer evangelischen Theologen sei zur Abschreckung zitiert: „Ich verstehe Religion als das, was aufbricht, wenn Menschen Sinnfragen stellen.“12


Kein Mal fand ich in dieser Sonderausgabe den Namen Jesus Christus oder irgendeinen christlichen Gehalt erwähnt!Die christliche Religion gilt faktisch als nicht mehr vermittelbar.



1Publik Forum.Sonderdruck, 11.2025.

2A,a.O, S.3-6.

3A.a.O. S.5.

4A,a,O. S,5.

5A.a.O.S.5.

6A.a.O.S.5.

7A,a.O. S.4.


8A:a.O: S:$:


9A.a.O. S.5

10A.a.O. S.5.

11A.a.O.S.7.

12A.a.O, S.16.

Dienstag, 23. Juni 2026

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel

 

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel


Man möge sich ein Mal vorstellen, daß ein Lehrer den Unterschied zwischen einem „Trabant“ (Trabi) und einem Mercedes erklären wollte, ohne zu klären, was denn ein Auto(mobil) sei. „Was das Autosein des Autos ausmache, das sei viel zu kompliziert und zu abstrakt für die Schüler,es falle ihnen leichter, die sinnlich wahrnehmbaren augenfälligen Unterschiede zu benennen.“

Klingt das absurd, aber nicht in den Ohren der Religionslehrer: Hier will man die christliche Religion vermitteln, ohne zu erklären, was denn die Religion überhaupt sei, um dann die bestimmten Religionen zu erfassen.Ja, es wird sogar ganz auf den Begriff der Religion verzichtet, um zu suggerieren, daß die christliche gar keine sei, auch um sie so vor der Religionskritik zu immunisieren.

Aber wie nicht erklärt werden kann, was ein „Trabi“ ist, eine bestimmte in Ostdeutschland viel gefahrene Automarke, ohne zu klären, was denn ein Auto sei, so wenig kann die christliche Religion vermittelt werden ohne das ein Verständnis, was denn die Religion sei vermittelt wird.

Ich möchte hier Peter Sloterdijks These von der postmetaphysischen Umformung des Christentumes aufnehmend1 die These vertreten, daß diese Art der Vermittelung selbst eine postmetaphysische ist. Denn es ist eine metaphysische Fragestellung, ob alle empirisch vorfindlichen Religion die individuierte Erscheinungen der Religion, der Wesens, der Idee der Religion sind, oder ob es nominalistisch gedacht nur die einzelnen empirisch vorfindlichen Religionen gäbe aus denen abstrahierend dann eine Vorstellung von der Religion als der Substanz aller Religionen konstruiert wird.Ein entmetaphysiertes Christentum erscheint dann als ein sogenanntes „religionsloses Christentum“, wie es in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer genannt wird. Die Vulgärversion stellt das politische Christentum dar, das seine Wesen in dem Kampf gegen Rechts und für die „Klimagerechtigkeit“ erblickt.

Aber die christliche Religion ist als eine Religion erst Mal etwas ganz anderes als ein Weltverbesserunsengagement. Im Zentrum steht die Gottesverehrung, das Wissen, daß unser Wohlergehen in erster Linie von der Gunst Gottes und deswegen von der rechten Gottesverehrung abhängig ist. In diesem Punkte dürften sich unsere frommen germanischen Vorfahren von den frommen Christen nicht unterschieden haben, die Differenz liegt allein in dem Wie der richtigen Verehrung.

Nun könnte viel über die Differenzen der Religionen von mir geschrieben werden, daß sie Gott selbst nicht gleichgültig sind, daß er zwischen der wahren und den falschen Religionen distinguiert, aber das darf erst nach dem, was das Wesen der Religion ausmacht, geschrieben werden.

1Peter Sloterdijk; Nach Gott, 2017.S.228.

Montag, 2. Februar 2026

„Die neue Religion des Sozialen“ - ein Phantasmata oder eine Realität?

 

„Die neue Religion des Sozialen“ - ein Phantasmata oder eine Realität?



„Das Christentum hatte die Erlösung von den Leiden und Beschwernissen der Welt im Jenseits verkündet;die neue Religion des Sozialen verspricht einen gesellschaftlichen Endzustand,in dem Leid und Angst.Gewalt und Unterdrückung;Armut und Ausbeutung nicht mehr auftreten können.“ So analysierte der Soziologe Helmut Schelsky im Jahre 1975 diese neue Religion.1

Zuvörderst stellt diese neue Religion nicht eine pure Negation der christlichen Religion mit ihrer Hoffnungsbotschaft dar, sondern deren Aufhebung, daß ihr Hoffnungsgehalt bewahrt wird, aber nun als die Aufgabe des Menschen verstanden wird, daß nun er selbst das erreichen soll, was vordem die christliche Religion von Gott erhoffte. Bleibt also die Aufhebung der christlichen Religion noch eine Religion? Dafür spricht, daß die pure Nichtung ihrer Hoffnungsbotschaft ihre Sälularisierung wäre, aber eine Aufhebung die aufgehobene Religion als eine Religion bewahrt.

Klaus Kunzes Buchtitel: „Wie der Mensch sein eigener Gott wurde. Humanitarismus – die Religion der Gottlosen“ erfaßt so die Religiösität des „Humanitarismus“.Allerdings wirkt die Formulierung eines gesellschaftlichen Endzustandes“ Schelskys antiquiiert, oder besser gesagt als der Moderne zugehörig. Der große sozialdemokratischer Kritiker des maristischen Glaubens an einen solchen Endzustand, Eduard Bernstein setzte dem das Projekt der permanenten Reform entgegen, daß es gälte, kontinuierlich die Gesellschaft zu verändern, statt sie auf einen solchen Endzustand hin zu revolutionieren. Der daraufhin als „Revisionist“ verketzter Bernstein hat sich seit dem Godesberger Parteitag der SPD in ihr durchgesetzt und seit dem Ende der „Sozialistischen Staaten“ 1989f existiert dieser Glaube an diesen Endzustand nicht mehr im politischen Diskurs, nur noch ein paar wenige Nostalgiker halten an ihm fest, in Deutschland die Deutsche Kommunistische Partei und die Marxistisch-Leninstische Partei Deutschlands.

So müßte man von dem Absterben dieser neuen Sozialreligion seit dem Ende des „Real existierenden Sozialismus“ sprechen. Gerade von seinem Ende her wird aber der religiöse Charakter dieses Sozialutopismus deutlich: Im Zentrum stand der Glaube an den Menschen, daß er selbst die Aufgabe übernehmen könne, die die christliche Religion Gott allein zutraut.

So ein Sozialutopismus steht dabei theorieimmanent vor dem Problem, erklären zu müssen, warum die Menschen, die ja bis jetzt schon das Subjekt der Geschichte gewesen waren, einer Geschichte der Ungerechtigkeit und der Ausbeutung nun zu dem Subjekt werden sollen und es auch können, die im Kontrast dazu eine so gute Welt erschaffen können! Das verlangt wirklich den Glauben an den Menschen, daß er sich selbst am Schopfe ziehend aus dem Sumpf herausziehen könne.

Um es mit dem Philosophen Lyotard zu sagen: Die großen Emanzipationserzählungen sind unglaubwürdig geworden und das muß leider auch hinzugefügt werden, ihre Vorlage, die christliche Religion mit ihrer Reichsgotteshoffnung. Offensichtlich führte ja die Auflösung dieser neuen Sozialreligion nicht zu einer Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, die christliche Religion. Sondern die verzichtet nun im Geiste der Postmoderne auch auf ihre eschatologische Hoffnung, die nur noch randständig erwähnt wird. Stattdessen bejaht sie nun die moderne Welt, so wie sie ist. Dabei rezipiert sie dann, ohne es wohl zu wissen den bernsteinischen Reformismus, daß die Welt Schritt für Schritt zu humanisieren sei, das ist, daß überall die Menschenrechte in Kraft gesetzt werden sollten. Die affirmative Haltung überwiegt dabei, wobei ein gewisser Reformbedarf aber eingestanden wird.

„Die neue Religion des Sozialen“ ist so in der Postmoderne gestorben, ohne daß es der Kirche gelang, nun die christliche Religion als die wahre Hoffnung für die Welt wieder in das Gespräch zu bringen. Aber Tote führen oft ein Nachleben, daß das Gespenst der Sozialreligion bemüht wird, um den Sozialstaat zu kritisieren im Geiste des Liberalismus.

Montag, 5. Januar 2026

 

Was der religionslose Mensch verliert – oder daß doch was fehlt, wenn der Glaube an Gott fehlt



Jan Loffelds Buch: „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“ reizt zum Widerspruch,schon der Titel ist eine Absurdität, denn Gott kann gar nicht fehlen, es könnte nur der Glaube an ihn fehlen, ja es könnte die Meinung vorherrschend sein, daß es gleichgültig sei, ob denn ein Gott sei, was immer man sich dann unter der Vokabel „Gott“ vorstellen mag, aber diese Vokabel bennent dann nur etwas Unwesetliches. Ja, jedem Staubkörnchen widmen zumindest die Sauberkeit Liebende mehr Aufmerksamleit als Gott, denn den Staub beachten sie, auch und gerade, wenn sie staubsaugen!

Aber ganz unverhofft fand ich nun in dem excellenten Roman: „Jan Eyre“ von Charlotte Bronte1 in einem Dialog zwischen der Hauptprotagonisten und Helen Burn, die zu ihr als Totbetrübten diese kleine Rede hält,ein Konzentrat, was meint es, ein religiöser Mensch zu sein. Geben wir also dieser Gläubigen das Wort:

„Pst Jane! Du mißt der Liebe der Menschen eine zu hohen Wert bei.Du bist zu impulsiv,zu vehement;die allmächtige Hand,die deine äußere Hülle schuf und mit Leben erfüllte,hat dich mit anderen Kraftquellen ausgestattet als nur mit deinem schwachen Ich oder dem anderer Geschöpfe,die genauso schwach sind wie du.Außer dieser Welt und außer diesem Meschengeschlecht gibt es noch eine unsichtbare Welt und ein Reich des Geistigen und der Geister.Diese Welt umgibt uns, denn sie ist überall,und diese Geister passen auf uns auf,weil sie den Auftrag haben,uns zu beschützen; und selbst wenn wir in Schmerz und Schande sterben sollten, wenn uns von allen Seiten Hohn und Spott entgegengeschlagen und Haß uns am Boden zerstören würde, dann gibt es Engel,die unsere Qualen sehen und unsere Unschuld erkennen (falls wir denn unschuldig sind,so wie ich von dir weiß,daß du unschuldig bist)“ „Und Gott wartet nur auf die Trennung des Geistes vom Fleische,um uns unseren gerechten Lohn zuteil werden zu lassen. Warum also sollten wir je von Trübsal überwältigt zu Boden sinken, wenn doch das Leben so schnell vorbei und der Tod ein so icherer Eingang zur Glükseligkeit ist – zur ewigen Herrlichkeit?“

Dies ist nun keine spezifisch christliche Trostrede, sie hätte so wohl auch von einer Jüdin oder Muslimen gehalten worden sein, aber sie ist eine zutiefst religiöse Trostrede. Sie demonstriert uns, daß die Erlösungsreligion nicht primär eine Morallehre, letztbegündet in dem Glauben an einen Gott, ist. Zu einer Erlösunsreligion gehört konstitutiv dieser Zweiweltendualismus, die Welt hier und die andere und daß die andere die wesentliche ist. Aber diese zwei Welten bestehen nun nicht beziehungslos nebeneinander, sondern die himmlische wirkt in unsere Lebenswelt hinein. Die Engel sind dazu beauftragt, im Sinne Gottes, uns in dieser Welt beizustehen.

Dies ist nun keine theologische Entfaltung der Gotteslehre und der Angellogie, sondern ein manifester Ausdruck einer religiosen Lebensauffassung: wir Menschen als Fremdlinge auf Erden in der Erwartung der Heimkehr, die nun einen kurzen Erdenweg noch vor sich haben, bis sie dann in ihre Heimat wieder aufgenommen werden. Anthropologisch reflektiert sich das in dieser dualistischen Anthropologie, daß wie aus einer Seele und einem Körper bestehen, dem der Zweiweltendualismus korreliert. Ob wir schuldig oder unschuldig sind, das entscheidet dann darüber,ob wir würdig sind, in das Himmelreich aufgenommen zu werden.

Nicht ist es nun angemessen, den Gedanken eines gerechten Lohnes für unchristlich zu erachten, denn Jesu Morallehre ist eindeutig eine Lohnmorallehre mit der Pointe, daß der Christ nicht nach einem irdischen Lohn sondern nach dem himmlischen strebt. Es scheint auch ein Strukturgesetz der monotheistischen Religionen zu sein, daß, wenn der Polytheismus in ihnen aufgehoben der eine uns alleinige Gott tendenziell nicht mehr selbst als unmittelbar in der Welt agierend geglaubt wird, sondern daß er durch Engel handelnd geglaubt wird. Der Engelglaube gehört so konstitutiv zum Monotheismus. 

Zum Abschluß möchte ich dazu raten, diese Trostrede noch mal in aller Ruhe zu lesen!  

1Charlotte Bronte, Jane Eyre, 1.Band, 8.Kapitel, Überetzer: Gottfried Röcklein.. Auf eine Seitenangabe verzichte ich ngesichts der Unmengen von Ausgaben dieses gar nicht genug zu lobenden Werkes.

Samstag, 22. November 2025

Der Westen „muss wieder christlich werden“ oder: Unsere Rettung durch ein „Kulturchristentum“

 

Der Westen „muss wieder christlich werden“ oder: Unsere Rettung durch ein „Kulturchristentum“1



Nicht nur Kath net dürfte begeistert gewesen sein, als in der Tageszeitung: „Die Welt“ diese Parole zu lesen war und widmete so dem am 20.11.2025 einen ganzen Artikel!. Da hieß es dann: „Westliche Werte sind weitestgehend christliche Werte. Umso wichtiger wäre ein Aufstieg des Kulturchristentums als Bewahrer eben dieser Werte, ohne die es keine freie Gesellschaft geben kann.“

Als Feinde der freien Gesellschaft werden dann das heutige China, das kommunistisch regierte und der islamisch regierte Iran zitiert, Putins Rußland wurde wohl im Eifer des Gefechtes vergessen! Aber welche Werte sollen nun gegen diese Staaten verteidigt werden und was haben diese Werte mit einem Kulturchristentum zu tuen? Der Kath net Artikel klärt uns auf!

„>Uns ist das Wissen verloren gegangen, dass unsere westlichen Werte weitestgehend christliche Werte sind.<“ Darauf macht der >Welt<-Kolumnist und Buchautor Gideon Böse aufmerksam. In seinem Meinungsbeitrag unter dem Titel >Wenn das Christentum verschwindet, verschwindet mit ihm auch der Westen< stellt er die Frage, wie der Westen aus seiner Krise wieder herauskommt. Böse schlägt die Rückkehr zum Christlichen vor.“

Aber dann wird der Text konkreter: „Gründung der ersten Universitäten, Eheverbot unter nahen Verwandten, Predigt von Vergebung statt Rache2, und der Kathedralenbau prägte die Ästhetik. >Ach ja, und ohne Christentum auch keine universellen Menschenrechte und damit kein Artikel 1 des Grundgesetzes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist – keine schlechte Bilanz nach 2.000 Jahren Christentum<.“

Die „Menschenrechte“machen so den Kern des Christentumes aus.Jetzt wird verständlich, warum von einem „Kulturchristentum“die Rede ist,weil nämlich damit ein seiner Substanz beraubtes Christentum verstanden wird. Das Christentum wird nicht mehr als eine Religion, schon gar nicht mehr als eine Erlösungsreligion begriffen, sondern als der kulturelle Hintergrund der Ideologie der Menschenrechte. Der „Westen“ wird somit verstanden als der Kulturraum, in dem die Menschenrechte anerkannt werden und der dann gegen seine äußeren und inneren Feinde zu verteidigen sei. Daß die Proklamation der Menschenrechte die Beendigung des christlichen Abendlandes sein wollte,indem nun die Gesellschaft ganz neu allein auf dem Fundament der Vernunft auferbaut werden sollte, vergißt dieser Kath net Artikel völlig und daß deswegen die Kirche bis zum 2.Vaticnum dazu ihr „Nein“ gesagt hatte. Man wird wohl nicht fehlgehen, daß dies Konstrukt eines Kulturchristentumes nur dazu dienen soll, die Ideologie des Liberalismus vor ihrer Kritik zu schützen. Von der christlichen Religion bliebe so nur ein Personalismus übrig, daß dem Einzelnen vor der Gemeinschaft der Primat zukomme. Daraus resultiert dann das Ja zur Marktwirtschaft und zur liberal-parlamentarischen Demokratie.In diesen 2 Punkten stimmen nun Kath net und die „Welt“ überein.

So weit wäre nun die Welt in Ordnung, erwüchse diesem Konstrukt der Einheit von dem Christentum und der Marktwirtschaft und dem liberal ausgelegten Staate nicht aus der Mitte der Kirche, aus ihrem Zentrum eine Gegenbewegung. KI stellt uns diesen „Feind der offenen Gesellschaft“, um es mit dem Philosophen Popper zu formulieren, ihm gelten ja bekanntlich Platon und Hegel als die gefährlichsten Philosophen, so vor:

„Katholischer Integralismus ist eine politisch-theologische Interpretation der katholischen Soziallehre, die einen autoritären und antipluralistischen Staat fordert, in dem die katholische Kirche die höchste Autorität hat. Die Bewegung entstand im 19. Jahrhundert in Ländern wie Portugal, Spanien, Frankreich und Italien. Moderne Ausprägungen, wie der Neo-Integralismus, stellen eine intellektuelle Bewegung dar, die sich durch eine starke Betonung traditioneller Werte und eine Ablehnung liberaler Demokratie auszeichnet, wie die Konrad-Adenauer-Stiftung berichtet.“

Dieser Integralismus fundiert sich theologisch aus der Verhältnisbestimmung von der Natur zur Gnade, der Vernunft zur Offenbarung als der Vollendung der Vernunft und der endlichen Ziele zu dem ewigen. Die Natur, wie die Vernunft wie auch die endlichen Ziele sind der Gnade,der Offenbarung und das Endliche dem Ewigen subordiniert und auf diese auszurichten.In der Lehre von den 2 Schwertern, ausformuliert in der Bulle:“Unam sactam“ des Papstes Bonifatius VIII findet das seinen manifesten Ausdruck.

Es wundert keinen, daß dieser katholische Integralismus nun auf das heftigste von allen Liberalen attackiert wird, nicht nur von der CDU nahen Konrad- Adenauer- Stiftung.Aber eines kann nicht wegdiskutiert werden: Dieser Integralismus paßt weit besser zur kaholischen Theologie und Kirche als dieses Konstrukt namens „Kulturchristenum“,das nur der Stützung der Ideologie des Liberalismus dienen soll.Dann ist aber an das bekannte Votum Arthur Möller van den Bruck zu erinnern: „Am Liberalismus gehen die Völker zugrunde!“





1Dieser Begriff erinnert an den des „Kulturmarxismus“, das ist die Aufgabe des eigentlichen Anliegens des Marxismus, das der Kapitalismuskritik zugunsten des Projektes der Revoluionierung der bürgerlichen Kultur.

2Daß Paulus in seinem Römerbrief schreiben kann: Gott sagt: „Mein ist die Rache, ich werde vergelten!“ (12,19) paßt nicht zu einem Kulturchristenum, wie die Drohung einer ewigen Verdammnis zur Menschenwürde, weswegen modernistische Theologen ja die Hölle abschaffen möchten.

Freitag, 31. Oktober 2025

Das Gespräch,das zwischen Sohn und Vater nicht stattfand, da der Sohn Gottes die Erklärung : “Nostra aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den anderen Religionen nicht gekannt hatte:

Das Gespräch,das zwischen Sohn und Vater nicht stattfand, da der Sohn Gottes die Erklärung : “Nostra aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den anderen Religionen nicht gekannt hatte:



Nur auf dieser Internetseite kann der interessierte Leser erfahren, was der Sohn Gottes zu seinem göttlichen Vater gesagt hätte, hätte er im Voraus schon diese Konzilserklärung gekannt:

„Heiliger Vater, muß das wirklich sein, daß ich ein Mensch werde, um dann, nachdem ich mich bemüht haben werde, einen von mir zusammengesuchten Schülerkreis in die Wahrheiten Gottes einzuführen, mich für die Sünden der Menschen kreuzigen zu lassen und dann am dritten Tage von den Toten auferstanden die Gründung der Katholischen Kirche in Angriff zu nehmen?“

Er führt fort: „Du weißst, wie viele Religionen es insgeamt auf der Erde gibt, es gibt genaugenommen kein Fleckchen Erde, ohne daß da nicht irgendwie ein oder viele Götter verehrt werden. Jede dieser Religionen ist auf Dich, als den einzig wahren Gott ausgerichtet, auch wenn das vielen nicht bewußt ist, denn Du läßt Dich mit vielen, ganz vielen verschiedenen Namen anrufen und doch kommt jeder dieser Anrufung bei Dir an! Warum soll ich da noch eine weitere ins Leben rufen?

(Um diesen Einwand uns heutigen verstehbar zu machen: Wenn in einem Verbrauchermarkt Pepsi-Cola, Coca-Cola, Sinalco Cola und die Surf-Cola angeboten werden, wozu soll dann noch die Afri-Cola ins Regal ausgelegt werden? Alles sind Cola-Limonadengetränke gleichen Geschmackes, nur halt trägt jede einen anderen Namen! Also: Alles sind Wege, die zu dem einen Gott führen, nur daß sie jeder einen anderen Namen tragen.)

„In der Zeit, da ich unter den Juden Mensch werden und dann noch gar in einem Staale das Licht der Welt erblicken soll, da existierte doch schon für alle Menschen ein gut gehbarer weiter Weg zu Dir. Den Juden reichte zum Heile Mose und die Propheten, die bräuchten mich also nicht, wie es der jüdisch-christliche Dialog im 20.Jahrhundert lehren wird.Für die Heiden, die keine Juden werden wollten, existierte auch schon ein gut und leicht gangbare Weg: Sie bräsuchten sich nur von ihrem Polytheismus ab- und dem Monotheismus zuwenden, und sich bemühen, dann anständig zu leben, und so kämen sie dann auch gut bei Dir an! Also wäre auch für alle Heiden die von mir neu zu stiftende Kirche überflüssig.

Aber selbst wenn die Heiden in ihrem Polytheismus verharren würden, schadete das auch nichts, die hinduistische Religion schätzt Du ja sehr und somit alle polytheistischen.---- Sollte ich also nur Mensch werden für das Heil der Atheisten, die es nach Deiner Allwissenheit in ferner Zukunft vielzahlig geben wird? Aber eigens für die hast Du doch einen Sonderweg konstruiert, daß die nur ihrem Gewissen zu folgen bräuchten, und dann kämen sie auch bei Dir gut an!

Sicherlich gilt für jeden dieser Wege, die alle zum Heile, zu Dir führen, daß sie nur erfolgreich beschritten werden können, wenn Du die auf diesen Wegen Schreitenden mit Deiner Gnade zur Hilfe kommst, aber diesbzüglich gilt doch Deine Zusage: Wenn der Mensch nur das vollbringt, was ihm von seinem natürlichem Vermögen möglich ist, wirst Du das dann noch Fehlende zur Erreichung des Zieles gnädig ergänzen.

Nun werden einige, ja viele meiner Schüler die Bedeutung des Kreuzes völlig mißverstehen, als wenn dies Geschehen heilsnotwendig wäre und somit auch der Glaube an mich. Fast 2000 Jahre wird diese Irrmeinung von der von mir gegründeten Kirche gelehrt werden und das obzwar Du als Vater aller Menschen alle Menschen, jeden liebst, sodaß so ein Sühnopfer völlig sinnlos ist, aber selbst nach dem 2.Vaticanum werden Conservative daran festhalten. Wäre es da nicht besser, diese Kirche erst gar nicht zu gründen als daß sie fast 2000 Jahre lang ihre Mitmenschen mit ihren Irrlehren malträitieren wird! Besonders greußlich ist mir dabei die von Paulus und dann von Augustin erfunden werdende sog. „Erbsündenlehre“, die so ganz der Würde der von Dir erschaffenen und geliebten Menschen widerstreitet.

Aber zurück zum Eigentlichen: Muß nicht ein so großes Überangebot von Religionen zu Konflickten untereinander führen, daß sich gar einige als die allein wahre behaupten, um die anderen zu bekämpfen, gar um ihnen Mitglieder abspenstig zu machen durch einen von ihnen erfunden werdenden Missionsauftrag? Wie lange werden meine nicht sehr folgsamen Schüler dank der Erfindung der historisch-kritischen Methode erkennen, daß dieser angebliche Missionsauftrag eine pure Erfindung sog nachösterlicher Gemeinden ist!

Also, Heiliger Vater, können wir nicht auf das ganze Unternehmen meiner Menschwerdung vollständig verzichten, reichen die jetzt schon so reichlich vorhandenden Religionen doch für das Heil aller Menschen völlig aus und wenn gar Atheisten, folgen sie bloß ihrem Gewissen auch das Heil erlangen können!“



Es muß aber der Kirche zugute gehalten haben, daß sie aus der Erklärung: „Nostra aetate“ die logische Konsequenz gesogen hat, daß sie jede Art von Mission eingestellt und durch eine zeit(geist)gemäße Form der Diakonie als eine kirchliche Entwickelungshilfe substituiert hat, ergänzt durch ein Engagement für die universalistische Durchsetzung der Menschenrechtsideologie. Die Menschenrechtsideologie hat dabei vollständig die Evangeliumsverkündigung ersetzt.

Corollarium

Hinter der Erklärung: "Notra aetate" verbirgt sich das prinzipielle Problem des Widerstreites  zwischen dem universalistischen Heilswillen Gottes und der Partikularität der Kirche: Wenn es für jeden Menschen eine Heilsmöglichkeit geben soll, muß diese unabhängig von der Kirche gedacht werden und damit wird die Kirche selbst nicht mehr als heilsnotwendig gedacht und konsequenterweise auch Jesus Christus, da auch er nicht immer zu allen Zeiten für jeden Menschen erreichbar war. Also wird ein allgemeiner, allen Menschen stets zugänglicher Heilsweg konstruiert,etwa der, daß zu allen Zeiten es immer Religionen gab,durch die das Heil erreichbar war und ist,sodaß faktisch die christliche überflüssig wird. Den Anfang dieser Entwickelung erbrachte der Dialog mit der Synagoge,die darauf insistierte, daß die Kirche anzuerkennen habe,daß für jeden Juden die Annahme der christlichen Religion nicht heilsnotwendig sei.Diese Position setzte sich nun durch,da insinuiert wurde, daß die Kirche,die christliche Religion irgendwie eine Mitschuld am Antisemismus und somit an Auschwitz trage, sodaß nun sie auf jede Art von Judenmission zu verzichten habe, da auch eine Judenmission die Integrität eines Juden verletze wie jeder Antisemitismus.  

 



 

Montag, 20. Oktober 2025

Eine vergessene Intention der Religionskritik – oder zum Projekt der Moderne

 

Eine vergessene Intention der Religionskritik – oder zum Projekt der Moderne



Ludwig Feuerbach, der erste wirkmächtige Religionskritiker kapriziert sich in seiner Religionskritik gerade auf die Einheit des Glaubens an Gott und an ein Jenseits, denn es gälte, nicht nur den Gottesglauben zu überwinden sondern insbesondere den Glaube an eine Jenseitswelt. Er schreibt dazu: „Ebenso wie mit dem Atheismus ist es mit der von ihm unzertrennlichen Aufhebung des Jenseits.Wenn diese Aufhebung nichts weiter als eine leere,inhalt- und erfolglose Verneinung wäre,so wäre es besser,oder doch gleichgültig, ob man (!) es stehen oder fallen ließe.Allein die Verneinung des Jenseits hat die Bejahung des Diesseits zur Folge;die Aufhebung eines besseren Lebens im Himmel schließt die Forderung in sich:es soll, es muß besser werden auf der Erde;sie verwandelt die bessere Zukunft aus dem Gegenstande eines müßigen,tatlosen Glaubens in einen Gegenstand der Pflicht,der menschlichen Selbsttätigkeit...“1

Es kommt nun darauf an, den Begriff der Aufhebung angemessen zu verstehen.Er wird hier schon so verwendet wie ihn später Hegel in seiner Philosophie konzipiert. Feuerbach will somit nicht einfach den Glauben an einen Gott und an eine jenseitige bessere Welt negieren, sondern diesen Glauben neu konstruieren. Der Glaube an Gott wird transformiert in den an die Menschheit, daß sie das vollbringen werden kann,was der Gottglaube von seinem Gott erwartet. Der Glaube an eine jenseitige Welt wird dann trnsformiert in den Glauben an eine weltimmanente Zukunft, daß die Welt besser werden wird. Die religiöse Praxis, von diesem Philosophen als eine müßige und tatenlose diffamiert, wird dann transformiert in die Aufgabe des Menschen, selbstständig diese bessere Zukunftswelt hervorzubringen. Die Gotteslehre wird so in eine Anthroplogie umgewandelt, in den Glauben an den das Gute vermögende Menschen, die Eschatologie in humanistische Zukunftsperspektiven der Optimierbarkeit der Welt und aus der Glaubenspraxis der Auftrag zur Humanisierung der Welt. Dabei sollen die wesentlichen Gehalte der christlichen Religion conserviert werden, dem Glauben an das Gute, das sich letztendlich durchsetzen wird, nur daß nun das Subjekt der Hervorbringung dieses Guten nicht mehr ein Gott sondern der Mensch ist als Selbsttätiger. Das ganze Pathos dieser Religionskritik liegt in der Euphorie des Glaubens an den Menschen, die Menschheit, die in der Lage ist, selbstständig eine neue bessere Zukunftswelt zu errichten.

Sombart rekonstruiert damit das Glaubensfundament der modernen Welt, das „ökonomische Zeitalter“, dessen Inbegriff für ihn „Der Turmbau von Babel“ ist.2 Marx berühmte Religionskritik, die Religion sei das Opium des Volkes, bekommt so bei Sombart eine besondere Bedeutung: Der Glaube an Gott und seine Verheißung der besseren Jenseitswelt solle die Menschen davon abhalten, selbst revolutionär die Welt zu verbessern. Die Wahrheit der Religion ist so, daß in ihr die Welt als ein Jammertal wahrgenommen wird, aber indem sie die Hoffnung des Volkes auf eine jenseitige bessere Welt ausrichtet,verschließe sie die Hoffung, daß der Mensch selbsttätig diese zu errichten habe. Der bürgerliche Humanismus Feuerbachs und der revolutionäre Marx gehören so beide zum Projekt der Moderne, daß der Mensch die Aufgabe als seine annimmt, die die christliche Religion Gott zuordnet. Wenn die Religion als ein tatenloser Müßiggang abqualifiziert wird, dann ist damit nur gemeint, daß der Glaube den Menschen davon abhielte, selbst das Erdenjammertal in einen blühenden Paradiesgarten umzuwandeln.

Aber wir leben nicht mehr in der Moderne, denn dieser Traum von der Selbsterlösung des Menschen in einer von ihm selbst hervorgbrachten Zukunftswelt ist ausgeträumt. Sein letzter radicalster Realisierungsversuch scheiterte wahlweise in dem Stalinismus oder in der Implosion des Real existierenden Sozialismus 1989f. Aber auch der bürgerliche Humanismus hat aufgehört, von einem guten Ende zu träumen. Die desillusuonierte Postmoderne ist nun aber auch keine Rückkehr zur christlichen Religion als der großen Erlösungserzählung, nachdem nun ihre säkularisierten Varianten gescheitert sind, sondern sie ist charakterisiert durch den Verlust alles utopischen Hoffens und Denkens, auch wenn ein Philosoph, Jürgen Habermas noch über die Unvollendetheit des Projektes der Moderne lamentiert.Man könnte so auch sagen, daß, wenn die Moderne die Aufhebung der Religion sein wollte, dann ist die Postmoderne die schlichte Negation der Religion.


1Zitiert nach: Werner Sombart, Deutscher Sozialismus, 1934, S.102.


2Sombart, S.8- 13.

Mittwoch, 8. Oktober 2025

„Wie stark ist die Kirche von Marxisten infiltriert?“


 

„Wie stark ist die Kirche von Marxisten infiltriert?“



So frägt dieser Artikel der Internetseite „Freie Welt“ am 7.10.2025, um diese Frage dann näher zu explizieren: „Neue Diskussion um alte Enthüllungen: Hat der Marxismus in den 1950er bis 1970er Jahren gezielt in die Kirche hineingewirkt – und sehen wir heute die Früchte dieser Unterwanderung?“ Die dem Artikel vorangestellte These: »Christentum ist die Quelle der westlichen Stärke.« suggeriert nun, daß der Marxismus etwas Nichtwestliches die „westliche Stärke“ zerstöre, insoweit er im Westen an Einfluß gewonnen habe und daß dabei die Katholische Kirche und wohl auch der Protestantismus ein Medium gewesen war und noch ist, durch das der Marxismus diesen destruktiven Einfluß gewinnen konnte.

So überzeugend auf den ersten Blick dies klingen mag, so oberflächlich und falsch ist hier fast alles. Verkannt wird dabei, daß der Marxismus eine Ideologie ist, die in Deutschland entwickelt wurde in direkter Auseinandersetzung mit der Philosophie Hegels und Feuerbachs,diese Philosophie ist so erstmal ein recht deutsches Gebilde und gehört nach der heutigen Topographie zum Westen, solange man Rußland und die mit ihm verbündeten Staaten als östlich markiert. Auch wenn der Marxismus, wie es im orthodoxen Marxismus hieß von Lenin und Stalin erst zu dem „Marxismus-Leninismus“ weiterentwickelt worden ist, ist sein Fundament doch nichts außereuropäisches, sondern versteht sich selbst als in einer Kontinuität mit dem Denken der Aufklärung, mehr der franzöischen als der deutschen stehend. (Wie nun genau das Verhältnis der marxistischen Philoiphie zu der Hegls zu bestimmen ist, gehört dabei zu einem der schwierigsten Marxismusinterpretationsproblemen, L. Althusser verweist isb auf dies Problem.)

Ergo: Im Marxismus sieht also der „Westen“ sich mit einer in Deutschland selbst hervorgebrachten Philosophie konfrontiert, einem Gewächs, das politisch auf den Ideen der Französischen Revolution fundiert ist und diese Revolution gilt nun als das Gründungsereignis der modernen westlichen Welt. Daß diese Revolution in ihrem genuien Anliegen, die Gesellschaft auf das Fundament der Vernunft neu aufbauen wollte und deswegen die christliche Religion und gerade die Katholische Kirche aus dem öffentlichen Disskurs herauszudrängen trachtete, gehört so konstitutiv zur „westlichen Welt“.

Nicht war und ist also das Christentum die Stärke des Westens sondern die Emanzipation der Politiik und der Ölonomie von der christlichen Religion und von den Vorstellungen gerade der Kirche, wie diese beiden Systeme durch die Religion zu regulieren sei. (In der aktuellen Polemik der Theologie gegen einen Neointegralismus wird gerade diese Emanzipation, bzw Säkularisierung als etwas Gutes und Bejahenswertes gefeiert!)Die Ideologie des Liberalismus trat dabei an die Stelle des Konzeptes des christlichen Abendlandes, das endgültig aber erst im 1.Weltkrieg unterging mit dem Sturz der letzten christlichen Monarchien Deutschlands, Österreichs und Rußlands.



Im Marxismus begegnete der christlichen Religion sozusagen ihr eigenes „uneheliches Kind“, das der Marxismus als eine säkularisierte Version der christlichen Erlöungsreligion ist. Gerade daraus resultiert aber auch eine Affinität der christlichen Religion zum Marxismus, isb dann wenn die christliche Religion sich so sehr verbürgerlicht, daß sie fast nur noch als eine Bejahung der bürgerlichen Gesellschaft erscheint und so ihr Erlösungsanliegen in ihr selbst verdunstet.Nicht östliche Einflußagenten unterwanderten die Kirche und den Protestantismus, sondern eher unorthodoxe Marxinterpretationen, etwa die der „Frankfurter Schule“ reüssierten so in den theologischen Fakultäten gerade als eine Alternative zu einem verbürgerlichten Christentum. Ein antibürgerlicher Romantizismus verhalf dabei dem Marxismus mehr zum Erfolg als die Ausstrahlungskraft des orthodoxen Marxismus leninistischer bzw stalinistischer Form!



Der Zusammenbruch des „Real existierenden Sozialismus“ 1989f zeitigte dann aber das Ende des Marxismus in all seinen Variationen. Der Liberalismus triumphierte als die alternativlos einzige Ideologie, die sich dann gar als Nichtideologie inszenierte. (Vgl dazu Alexander Dugin). Aus den Marxisten des Westens wurden „Kulturmarxisten“, aber diese Bezeichnung ist ein Widerspruch in sich selbst, da das Grundaxiom des Marxismus, daß die Ökonomie das Fundament jeder Gesellschaft sei und die Kultur nur ein Eoiphänomen, der „Überbau“,den das Fundament der Ökonomie trägt und dieses Fundament zu revolutionieren sei, durch den „Kulturmarxismus“ außer Kraft geetzt wird, weil nun der Kapitalismus bejaht aber nur noch die bürgerliche Kultur revolutioniert werden soll. Die bürgerliche Kultur wird dabei delegitimiert durch die These, in ihr würden die Menschen ihrer Freiheit beraubt, sie würden durch sie verknechtet. Alle natürlichen Einbindungen des Menschen in seiner Geschlechtlichkeit, in der Ordnung der Ehe und der Familie, in der Ordnung der Völker sollen aufgelöst werden, der Mensch soll aus all dem befreit werden, um sein Leben nur noch selbstestimmt zu leben. Der linke Liberalismus trägt dabei eine Tendenz zum Anarchistischen in sich, daß auch jede staatliche Ordnung als etwas freiheitsgefährdendes verurteilt wird. Die Befreiung aus der bürgerlichen Sexualmoral ist dabei ein Zentralanliegen, und jetzt das Recht, auch sein Geschlecht beliebig ändern zu dürfen, wie man auch seine Staatszugehörigkeit ändern dürfen muß, daß jeder Mensch da leben möchte, wo es ihm gefällt.

Die jetzt in der Kirche virulenten antikatholischen bzw antichristlichen Ideologien sind so Varianten der liberalen Ideologie, des Feminismus, der LGBTQ-Bewegung. Dabei gelten dem Linksliberalismus jeder Conservatismus, alles Traditionalistische und alles Rechte als dere Hauptfeind.Bezeichnend für diesen Linksliberalismus ist nun, daß er die Gesellschaft, so wie sie ist, affirmiert, aber die Kirche kritisiert, daß sie der positiven Entwickelung der Gesellschaft hinterherhinke und daß sie endlich die Normen der jetzigen Gesellschaft als für sich selbst als normativ anzuerkennen und gemäß ihnen sich zu reformieren habe, Die Gesellschaft wird dann nur noch kritisiert, wenn es Bereiche in ihr gibt, in denen sie ihrer eigenen Normen noch nicht gerecht wird, der Menschenrechtsideologie. Aber ihre Hauptaufgabe sieht der innerkirchliche Linksliberalismus jetzt in der Apologetik der Gesellschaft, der ach so pluralistischen und bunten gegen jegliche conservative und rechte Kritik.

Man kann die Haltung des Linksliberalismus zum nn Kapitalismus nun aber präzise so bestimmen: Im Kontrast zum Liberalismus kritisiert er die bürgerliche Kultur als eine objektiv zu dem jetzigen Entwickelungsstand des Kapitalismus nicht mehr passenden Kultur. Die Frau darf eben nicht mehr die Rolle der „Hausfrau“ spielen, sondern soll wie der Mann primär eine Arbeitskraft für die Wirtschaft sein. Die Ordnung der Ehe, der Familie werden zu Hindernissen für die Freiheit der Arbeitskraft, bindungslos überall sich um eine Arbeitsanstellung bemühen zu können oder zu müssen. Der Sozial- wie der Nationalstaat stehen der Entwickelung des Kapitalismus zu der einzigen Gesellschftsform der Welt im Wege, aber ohne eine Sozialpolitik funktioniert der Kapitalismus nicht. So sollen transnationale Organisationen den Kapitalismus sozial domestizieren, ohne daß aber seine Grundlagen in Frage gestellt werden sollen. Das bringt ihn in eine Differenz zum klassischen Liberalismus, dem alles Soziale verdächtig ist, freiheitsgefährdend zu sein.

Man muß also den Bruch der Linken als einer marxistischen mit einer linksliberalen mit einer Tendenz zum Anarchististischen wahrnehmen. Dieser Linksliberalismus herrscht nun in der universitären Theologie und der Kirche. Das ihn mit dem Marxismus verbindet, ist nun nur noch die Kritik der bürgerlichen Kultur, Dabei entstehen gar Sympathien für den politischen Islamismus ob dessen radicalen Nein zur westlich bürgerlichen Kultur.

Dabei ereignet sich nun eine beachtliche Umformung der christlichen Religion statt: Aus dieser Erlösungsreligion wird eine kontingente Letztbegründungsmetaphysik für die Menschenrechtsideologie und der darauf basiereßnden liberalen Demokratie: Weil Gott jeden Menschen liebe, verfüge er über eine unverlierbare Menschenwürde und daraus ergäbe sich das Ja zur modernen Welt, das gegen alle fortschrittsfeindlichen Kräfte zu verteidigen sei.



Zusatz:

Ob der antikommunistischen Ausrichtung konnte der politische Liberalismus des Westens für die Kirche als der Bündnispartner gegen den Osten mit seinem Atheismus erscheinen, wobei dann aber verkannt wurde, daß dieser Liberalismus selbst die Säkularisierung der Gesellschaft einfordert und das Religiöse in die Privatsspäre verbannt.



Montag, 22. September 2025

Die Dogmen des Freimaurertumes und der Katholische Glaube (Kardinal Ratzinger)

 

Die Dogmen des Freimaurertumes und der Katholische Glaube



Kardinal Joseph Ratzinger spricht in seinem Essay: „Was ist Wahrheit“ unter dem Verweis auf den katholischen Philosophen Maritain „von den freimaurerischen Dogmen des notwendigen Fortschritts,des anthropologischen Optimismus,der Vergötterung des Individuums“. 1 Das Anliegen Maritains ist es nun, ein für den Katholischen Glauben bejahbares Verständnis der Demokratie zu konstruieren,indem die Idee der Demokratie aus ihrem freimaurerisch dogmatischen Kontext herausemanzipiert werden soll.

Eines der Kernanliegen des Freimaurertumes könnte in dem Kampf gegen das Thron- und Altarbündnisses, dem Zentrum der Konstantinischen Epoche angesehen werden, sodaß als das Endziel eine bürgerliche Weltrepublik entstünde, in der die Kirche und alle Religionen, wenn sie dann noch existieren nur noch als eine Marginiale. Hier steht extra ein Konjunktiv dubitationis, denn ganz Gewisses kann über eine so geheime Organisation wie die der Freimaurer nicht ausgesagt werden, zumal die existierenden Gerüchte über einen Zusammenhang zwischen dem Templerorden und der Gründung der Freimaurerei noch Dunkleres und Verborgeneres vermuten lassen könnten. Ob die Behauptung, daß gar in dem Templerorden ein/der Behemoth verehrt wurde, wahr ist, wird wohl erst im göttlichen Endgericht endgültig geklärt werden.

Es ist aber zu fragen, ob das Konzept der Demokratie tatsächlich vollständig von diesen freimaurerischen Dogmen emanzipiert werden kann. Daß die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer Staatsform der Demokratie besser ist als das Herrschaftssystem der Konstantinischen Epoche, setzt das nicht voraus, daß das Nacheinander, daß nun die bürgerliche Gesellschaft an die Stelle der früheren tritt, eine Weiterentwickelung ist, daß darin also der Fortschritt sich manifestiert.

Eine auf den ersten Blick störende Ausschweifung zu dieser Causa

In dem Thomas Mann Roman: „Doktor Faustus“ finden sich tiefgründige Erwägungen und ein Durchdenken dessen, was die Musik und dann wohl auch die Kunst ist. Dabei wird von einer Unterscheidung „zwischen kultischen und kulturellen Epochen“ der Kunst gesschrieben, daß eine „Säkularisierung der Kunst,ihre Trennung vom Gottesdienst“ sich ereignet habe.2 Aber die habe ihr ihren Gehalt beraubt, so daß die „Säkularisierung“ „nur oberflächlichen und episodischen Charakter trage.“3



Was allgemein als ein Beispiel des Fortschrittes gedeutet wird, daß sich die Kunst aus ihrem ursprünglichen Eingebundensein in magische und kultische Praktiken emanzipiert hat, wird hier zu etwas Bezweifeltem, als ein Verlust gedeutet,sodaß die Frage aufgeworfen wird, ob und wie die Kunst sich neu wo wieder beheimaten könnte, da sie ihre ursprüngliche durch die Säkulariisation verlustig gegangen ist. ( Nebenbei: Der ganze Roman ist dieser Suchbewegung gewidmet!)

Die bürgerliche Demokrtie lebt von dem Pathos, daß die Politik, wenn sie sich ganz von allen Religiösem emanzipiert zu einer Tätigkeit der Vernunft wird. Das ist auch einer der Gründe, warum die jetzige Staatsregierung Israels zu heftig attackiert wird, weil in ihr jüdisch-religiöse Parteien Einfluß hätten und das schon allein als vernunftwidrig und demzufolge als extremistisch verurteilt wird. Es ist ja nun auch gerade das Anliegen des Kardinals und späteren Papstes Benedikt, darauf zu insistieren, daß die Demokratie eines Fundamentes moralischer Art bedarf, die der Staat nicht selbst hervorbringen kann. Aber genau das bildet das Zentrum des dogmatischen Optimismus, daß die menschliche Vernunft, befreit aus der Bevormundung durch die Kirche und der Religionen erst zu einer wahrhaft humanen Praxis befähigt.

Daß dasdaß Ordnungsprinzip der bürgerlichen Gesellschaft das Streben nach dem Eigenutz ist, das stellte nicht nur Karl Marx sondern schon Hegel fest in seiner immer noch bedenkenswerten Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, dem Hegel dann die Ordnung des Staates ges genüberstellt. Versimplifiziert könnte man den Staat im Sinne Hegels mit einem Dirigenten vergleichen, der so ein Orchester regiert, daß statt daß jeder nach seiner Lust, spielt wie es ihm gefällt, das Orchester auf ein gemeinsames Ziel hin geleitet wird, daß da staat einer Katzenmusik etwa eine Synphonie erklingt. Führt aber die Staatsform der Demokrtie eher dazu, daß der Staat sich von lobbyistischen Machtgruppen angeeignet wird, sodaß der Staat nicht mehr der erste Diener des Allgemeinwohles, des Staatsvolkes ist.

Den Menschenrechten und der Menschenwürde liegt ja primär die Idee, den Einzelnen vor eih nem übergriffigen Staat zu schützen, daß jeder sein Privatleben führen dürfe, aber es fehlt so die Ausrichtung auf das Allgemeinwohl. Der Bürger tritt hier nur als ein vernünftig egoistisch leben Wollender auf, der stets seine Freiheit durch die Freiheit des Anderen bedroht sieht, aber nicht als Zoon politicon, als von seiner Natur her auf ein soziales Leben Ausgerichteter.

Die „Vergötterung des Individuums“ manifestiert sich in den aktuellen politischen Debatten in dem Nein zu einem sozialen Pflichtjahr bzw dem Nein zur Wiedereinführung der Wehrdienstpflicht, denn wo wird deutlicher als da, daß der Einzelne eingebunden lebt in einer Gemeinschaft, die ihm viel gibt aber auch Anforderungen an ihn stellt, daß er Pflichten seiner Gemeinschaft gegenüber hat. Das andere Extrem zeigt die Debatte um dasß Asylrecht auf, daß hier ohne eine Rücksicht auf das Allgemeinwohl die unbegrenzte Aufnahme von „Flüchtlingen“ verlangt wird, daß also das vermeintliche Recht, daß jeder leben dürfe, wo es ihm gefalle, anerkannt wird zum Schaden des eigenen Volkes, sowohl des Aufnahmelandes wie dessen, aus denen deren Bürger so fliehen, ihre Pflichten ihrer Heimat gegenüber untreu werdend. Die Frucht einer „Vergötterung des Individuums“ ist nun mal der praktizierte Egoismus, durch den sich die bürgerliche Gesellschaft auszeichnet. Es ist so eine offene Frage, ob der demokratische Staat stark genug sein kann, sich seiner Usurpation durch Gruppenegoismen zu widersetzen.

Kardinal Ratzinger setzt dabei auf eine moralische Fundierung der bürgerlichen Gesellschaft, aber auch die muß dann auch staatlich unterstützt und gestärkt werden.

Man könnte sagen, daß die Freimaurerei mit dem Sturz der letzten großen christlichen Monarchien Europas, des zaristischen Rußlandes, und des deutschen und österreichischen Königsreiches am Ende des 1.Wetkrieges ihr Ziel der Zerstörung des Thron- und Altarbündnisses erreicht hatten und daß nun nach 1989 in ganz Europa die Demokratien blühen, aber ob das in jeder Hinsicht ein Fortschritt im Guten ist, da darf man wohl ein Fragezeichen setzen.

Man kann sich aber nicht des Eindruckes erwehren, daß die Kirche im „Geiste des 2.Vaticanums“ sich diese freimaurerischen Dogmen selbst zu eigen gemacht hat, sich selbst dabei als die Erlösungsreligion verleugnend. Denn wenn diese Freimaurerdogmen wahr wären, wäre jeder Erlöser und jede Erlösungsreligion völlig überflüssig!



1Joseph Kardinal Ratzinger, Was ist Wahrheit?, in: Werte in Zeiten des Umbruchs, 2005,S.59.

2Thomas Mann, Doktor Faustus VIII Kapitel.

3Thomas Mann, a.a.O.

Montag, 1. September 2025

Die liberale Theologie – eine fulminante Kritik in „Doktor Faustus“ von Thomas Mann

 

Die liberale Theologie – eine fulminante Kritik in „Doktor Faustus“ von Thomas Mann



Daß ein Denker und Schriftsteller dieses Formates sich in einem seiner bedeutendsten Werke, dem „Doktor Faustus“ kritisch mit der liberalen Theologie auseinandersetzt, muß eine Selbstverständlichkeit sein für jeden, der dessen großes Werk: „Betrachtungen eines Unpolitischen“ gelesen hat,plädiert hier doch Thomas Mann dafür, daß Deutschland sich nicht verwestlichen lassen solle und muß doch auch irritieren,denn welcher Intellektuelle setzt sich heute noch mit der Theologie auseinander, außer daß er kritisiert, daß sie sich immer noch nicht hinreichend modernisiert und das heißt immer liberalisiert habe.

„Nach meinem Dafürhalten ist >liberale Theologie< ein hölzernes Eisen, eine contradictio in adjecto. Kulurbejahend und willig zur Anpassung an die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft, wie sie ist, setzt sie das Religiöse zur Funktion der menschlichen Humanität herab und verwässert das Exstatische und Paradoxe, das dem religiösen Genius wesentlich ist, zu einer ethischen Fortschrittlichkeit.“ 1 Die Religion und somit auch die christliche ist eben wesentlich etwas anderes als die bürgerliche Kultur in ihrer Spannung zwischen ihren Idealen, das ist die „Dreieinigkeit“ von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und der Realität, „wie sie ist“.Sie könne sich nicht herabwürdigen dazu,nur noch eine „Funktion der menschlichen Humanität“ zu sein. Der religiöse Genius wird dabei dem Bürgerlichen entgegengestellt,ähnlich wie Thomas Mann den Schriftsteller, den Künstler,in diesem Roman dem Tonkünstler dem Bürgerlichen entgegenstellt.

Das Bürgerliche ist für ihn der Glaube an den ethischen Fortschritt, dem die liberale Theologie in sich aufnimmt, und somit ihr Eigenes verliert. Anders formuliert: Die christliche Religion glaubt nicht an einen sittlichen Fortschritt des Menschen sondern an seine Erlösungsbedürftigkeit. Die theologischen Positionen der liberalen Theologie seien schwach,“denn ihrem Moralismus und Humanismus mangle die Einsicht in den dämonischen Charakter der menschlichen Existenz.“ Wenn der Mensch nämlich von sich aus in der Lage wäre, das Gute zu wollen und zu realisieren, dann wäre jede Gnade Gottes überflüssig und auch jede Religion, da sie dann ja nur zur Humanität aufriefe,die eines solchen Aufrufes gar nicht bedürfte. Es fehle dieser Humanitätsideologie das Verständnis für die „Tragik des Lebens“.

„Unter dem Druck der Aufklärung hatte die Theologie fast nichts zu tun,als sich gegen die unleidlichen Widersprüche,die man ihr nachwies, zu verteidigen, und,um ihnen nur zu entgehen,nahm sie vom offenbarungsfeindlichen Geist soviel in sich auf,daß es auf die Preisgabe des Glaubens hinauslief.“ Diese Analyse gilt für den liberalen Protestantismus, der hier ins Auge gefaßt wird. Die Katholische Kirche kämpfte dagegen tapfer gegen den innerkirchlichen Liberalismus, dem Modernismus während des ganzen 19.Jahrhundertes, das deswegen von den heutigen Modernisten so perhorresziert wird,die dann das 2.Vaticanum als den Anfang des Sieges der liberalen Theologie in der Kirche feiern.

Die liberale Theologie erkläre dann alles für „veraltet“, „was nicht der >moralischen Ausbesserung< diente“. Daraus erklärt sich auch die strikte Feindschaft wider die theologische Lehre von der Erbsünde,da sie dem humanitaristischen Weltverbesserugsoptimismus zu wider ist.So ist für die liberale Kirchengeschichtsschreibung die „Geschichte der Kirche und ihrer Lehre nur eine Komödie der Irrungen“.Besser kann der Standpunkt der zeitgenössischen Kirchengeschichtsschreibung nicht erfaßt werden, wobei aber zu ergänzen wäre, daß schon die größten Teile des Neuen Testamentes so zeitgeschichtlich bedingt sein, daß sie für uns Jetzige nur noch Kuriositäten sind.

Einem aufmerksamen Leser müßte der kritische Tonfall dem Humanismus gegenüber auffallen,läge es doch nahe, das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft vor Augen habend, einem neuen Humanismus oder einer Repristination des bürgerlichen Humanismus das Wort zu reden. Aber ein solches Unterfangen würde eben dem Menschen, so wie er wirklich ist,eben nicht gerecht.





1Thomas Mann, Doktor Faustus,XI. Kapitel., alle weiteren Zitate sind aus diesem Kapitel „Nach meinem Dafürhalten“ darf dabei nun nicht umstandslos mit der Position des Autoren dieses Romanes identifiziert werden,auch wenn die Kritik des Liberalismus das Kernstück seiner „Betrachtungen“ ist.

Dienstag, 26. August 2025

„Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““.

 

„Die biblische Religion ist diesseitsorientiert,auf das konkrete Leben des Menschen bezogen““1.



Hier kann jeder Bibelkundiger nur noch stauen und auch der Nachsatz macht diese Behauptung nicht wahrer: „und dies bleibt selbst dann noch selbstverständlich so, als Jenseitsvorstellungen entwickelt wurden.“2

„Das konkrete Leben des Menschen“: Dann muß man aber das schlichte Faktum, daß es im Alten Testament in erster Linie um das von Gott für sich erwählte Volk Israel geht, und daß so die Differenz und die Konfliktgeschichte dieses Volkes mit den anderen Völkern das bestimmende Thema dieses Buches ist, überlesen. Zudem sollte auch nicht überlesen werden, daß im Neuen Testament der neue Bund Gottes mit der Kirche im Mittelpunkt steht. Daß dann auch der Mensch als Einzelner thematisert wird, ist ebenso unüberlesbar, aber in welcher Hinsicht, ist dann konkretisierend zu fragen. Die Alltagssorgen im Familien- und Berufsleben, dies konkrete Leben findet in der Bibel kaum statt, außer dem Problem der kinderlosen Frau. Von den zur Zeit Jesu höchst aktuellen politischen Fragen, kann sich das jüdische Volk aus der Beherrschung durch Rom befreien, finden sich kaum Niederschläge im Neuen Testament außer dem propagierten Gewaltverzicht gerichtet gegen die zeitgenössischen revolutionären Befreiungstheologen, isb den Zeloten.

Stattdessen dominiert die Frage: Wie kann ein Mensch in das Reich Gottes eingehen. Jesu Christi erste große programmatische Rede, die Bergpredigt, hat nur dies eine Thema, in der er sich auch sehr energisch von der pharisäischen Lehre absetzt, wenn er urteilt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 5,20)

Die Bibel sei „diesseitsorientiert“ kann man nur vertreten, wenn entweder die ganze Verkündigung Jesu vom Kommen des Reich Gottes als eine Marginalie herabgestuft wird oder, wie es nicht nur die „Zeugen Jehovas“ praktizieren rabiat verdiesseitigen. Für den einzelnen Menschen rückt dabei die Frage, was wird mit mir sein, nachdem ich gestorben bin, in den Vordergrund, wohingegen das angekündigte zukünftige Reich Gottes am Ende der Zeiten mehr die Zukunftsperspektive der Kirche als Ganzer und der Menschheit als Ganzer betont. Zwei Betrachtungsebenen sind dabei zu beachten: Auf der Raumachse gilt der Dualismus von dem Dieseits und dem Jenseits, auf der Zeitachse der Dualismus des alten und des neuen Äöns. Sowohl der neue Äon wie auch die Verheißung des postmortalen ewigen Lebens sind bezogen auf unser jetziges Erdenleben Jenseitsvorstellungen, Vorstellungen von einem Jenseits des jetzigen Lebens.

Die Bibel entwickele Jenseitsvorstellungen: Diese Aussage verkennt völlig den Offenbarungscharakter der Gehalte der Jenseitsvorstellungen, indem sie so den bloßen Status von rein menschlich produzierten Ideen vom Jenseitigen zugeschrieben bekommen. Alles in der hl. Schrift dazu Gesagte ist also nur das Ergebnis menschlicher Imaginationskraft und man sie so für wahr halten aber auch für unwahr oder für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. So lautet auch der wichtigste Satz dieses Buches über das Reich Gottes und alle Jenseitsaussagen: „Ob es eine Auferstehung geben wird,weiß niemand zu sagen,Es gibt und kann in dieser Frage keine Gewissheit geben.“3 Eigentlich wäre es erstrebenswert, daß „Ich bzw Wir glauben“ zu ersetzen durch den Optativ: „O möge es doch so sein, daß...“

Aber nun soll sich auf den Terminus der Diessitigkeit kapriziert werden, den dieser Nietzscheleser so enthusiastisch feiert eingedenk der populären Parole der Treue zur Erde, In der Metaphysik gilt es, die drei Grundordnungen des Wahren, Guten und Schönen, der theoretischen, der praktischen und der ästhetischen Vernunft zu explizieren und erstmal auch zu unterscheiden. Das Wahre, das Gute und das Schöne sind nun ja selbst Ideen, deren Erscheinungen bzw Realisierungen wohl im Diesseitigen erkannt werden können, aber doch immer nur als ein Recognizieren dieser jenseitigen Ideen in dem, was als wahr, gut und schön erscheint. Das heißt, daß wir es hier mit dem jedem philosphischen Denken konstitutiven Dualismus von der Welt der Ideen und der Welt ihrer Erscheinungen zu tuen. Dieser dem metaphysischen Denken eigener Dualismus schließt so aber eine Fokussierung auf das bloß Diesseitige aus, denn das Wesentliche in der Welt, der diesseitigen ist das Erscheinen des Jenseitigen in ihr in diesen drei metaphysischen Ordnungen.

Wer nur die diesseitge Welt kennt, sie so verdiesseitigt konstruiert, erschafft eine wertlose Welt, denn Werte kann es in ihr nur durch diese drei metaphysischen Ordnungen geben, die ihren Grund in der jenseitigen Welt der Ideen Gottes haben, wobei diese Ideen von Gott als ihrem Hervorbringer noch zu distinguieren sind.

1Magnus Striet,Alte Formeln – lebendiger Glaube, S.109.

2Striet, a,a,O, S.109.

3Striet, a,a.O. S.134.