Montag, 2. Februar 2026

„Die neue Religion des Sozialen“ - ein Phantasmata oder eine Realität?

 

Die neue Religion des Sozialen“ - ein Phantasmata oder eine Realität?



Das Christentum hatte die Erlösung von den Leiden und Beschwernissen der Welt im Jenseits verkündet;die neue Religion des Sozialen verspricht einen gesellschaftlichen Endzustand,in dem Leid und Angst.Gewalt und Unterdrückung;Armut und Ausbeutung nicht mehr auftreten können.“ So analysierte der Soziologe Helmut Schelsky im Jahre 1975 diese neue Religion.1

Zuvörderst stellt diese neue Religion nicht eine pure Negation der christlichen Religion mit ihrer Hoffnungsbotschaft dar, sondern deren Aufhebung, daß ihr Hoffnungsgehalt bewahrt wird, aber nun als die Aufgabe des Menschen verstanden wird, daß nun er selbst das erreichen soll, was vordem die christliche Religion von Gott erhoffte. Bleibt also die Aufhebung der christlichen Religion noch eine Religion? Dafür spricht, daß die pure Nichtung ihrer Hoffnungsbotschaft ihre Sälularisierung wäre, aber eine Aufhebung die aufgehobene Religion als eine Religion bewahrt.

Klaus Kunzes Buchtitel: „Wie der Mensch sein eigener Gott wurde. Humanitarismus – die Religion der Gottlosen“ erfaßt so die Religiösität des „Humanitarismus“.Allerdings wirkt die Formulierung eines gesellschaftlichen Endzustandes“ Schelskys antiquiiert, oder besser gesagt als der Moderne zugehörig. Der große sozialdemokratischer Kritiker des maristischen Glaubens an einen solchen Endzustand, Eduard Bernstein setzte dem das Projekt der permanenten Reform entgegen, daß es gälte, kontinuierlich die Gesellschaft zu verändern, statt sie auf einen solchen Endzustand hin zu revolutionieren. Der daraufhin als „Revisionist“ verketzter Bernstein hat sich seit dem Godesberger Parteitag der SPD in ihr durchgesetzt und seit dem Ende der „Sozialistischen Staaten“ 1989f existiert dieser Glaube an diesen Endzustand nicht mehr im politischen Diskurs, nur noch ein paar wenige Nostalgiker halten an ihm fest, in Deutschland die Deutsche Kommunistische Partei und die Marxistisch-Leninstische Partei Deutschlands.

So müßte man von dem Absterben dieser neuen Sozialreligion seit dem Ende des „Real existierenden Sozialismus“ sprechen. Gerade von seinem Ende her wird aber der religiöse Charakter dieses Sozialutopismus deutlich: Im Zentrum stand der Glaube an den Menschen, daß er selbst die Aufgabe übernehmen könne, die die christliche Religion Gott allein zutraut.

So ein Sozialutopismus steht dabei theorieimmanent vor dem Problem, erklären zu müssen, warum die Menschen, die ja bis jetzt schon das Subjekt der Geschichte gewesen waren, einer Geschichte der Ungerechtigkeit und der Ausbeutung nun zu dem Subjekt werden sollen und es auch können, die im Kontrast dazu eine so gute Welt erschaffen können! Das verlangt wirklich den Glauben an den Menschen, daß er sich selbst am Schopfe ziehend aus dem Sumpf herausziehen könne.

Um es mit dem Philosophen Lyotard zu sagen: Die großen Emanzipationserzählungen sind unglaubwürdig geworden und das muß leider auch hinzugefügt werden, ihre Vorlage, die christliche Religion mit ihrer Reichsgotteshoffnung. Offensichtlich führte ja die Auflösung dieser neuen Sozialreligion nicht zu einer Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, die christliche Religion. Sondern die verzichtet nun im Geiste der Postmoderne auch auf ihre eschatologische Hoffnung, die nur noch randständig erwähnt wird. Stattdessen bejaht sie nun die moderne Welt, so wie sie ist. Dabei rezipiert sie dann, ohne es wohl zu wissen den bernsteinischen Reformismus, daß die Welt Schritt für Schritt zu humanisieren sei, das ist, daß überall die Menschenrechte in Kraft gesetzt werden sollten. Die affirmative Haltung überwiegt dabei, wobei ein gewisser Reformbedarf aber eingestanden wird.

Die neue Religion des Sozialen“ ist so in der Postmoderne gestorben, ohne daß es der Kirche gelang, nun die christliche Religion als die wahre Hoffnung für die Welt wieder in das Gespräch zu bringen. Aber Tote führen oft ein Nachleben, daß das Gespenst der Sozialreligion bemüht wird, um den Sozialstaat zu kritisieren im Geiste des Liberalismus.

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