Mittwoch, 20. Oktober 2021

Was eine Grünenpolitikerin alles darf...andere wären dafür medial gesteinigt worden

 

(Ein Beispiel politisch korrekten Rassismuses)

Die „Junge Freiheit“ berichtet („Grüne klagen gegen Shitstorm gegen Sprecherin der Parteijugend“ 11.10.2021). Was hat denn diese Sprecherin von sich gegeben? Hier ihre markantesten Aussagen:

So hatte die heute 20jährige damals unter anderem auf Twitter geschrieben: „Ich werde mir irgendwann einen Besen nehmen und alle weißen Menschen aus Afrika raus kehren.“ „Deine Schuhe sind schwul, meine Schuhe sind teuer.“ „Juden und Asiaten sind keine weißen Menschen, und bei Slawen weiß ich es ehrlich gesagt nicht.“ „Alle Männer sind scheiße!“

Aber um der Deeskalation willen wird nun in den Medien betont, daß sie dies als 14 jährig geschrieben habe. Hätte ein Mitglied der Parteijugend der AfD vierzehnjährig geschrieben, Hitler habe doch die Arbeitslosigkeit beseitigt, keiner spräche von einer Jugendsünde, alle Medien hätten den Ausschluß dieser Person aus der AfD gefordert, aber betont, daß diese Maßnahme nicht ausreiche, sondern daß nun die ganze Jugendorganisation vom Staatsschutz zu überwachen sei.

Wie anders reagieren doch jetzt die Medien und vor allem auch die Grüne Partei. Statt diese Sprecherin aus der Partei auszuschließen, wie dies bei der AfD praktiziert worden wäre, kämpft sie für diese Sprecherin! Wie ist das erklärbar? Alle Weißen aus Afrika zu vertreiben das ist eben politisch korrekt beurteilt kein Rassismus, obgleich diese Forderung eindeutig rassistisch ist, da hier die Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat bloß auf Grund ihrer Hautfarbe gefordert wird. Hätte ein weißer Amerikaner die Vertreibung aller Schwarzfarbigen aus der USA gefordert, niemand würde bezweifeln, daß das eine rassistische Forderung ist, die unbedingt zu sanktionieren sei. Aber rassistische Äußerungen gegen Weiße, die sind eben erlaubt.Denn der „Weiße Mann“ gilt heutzutage als der Böse schlechthin, der eben für alle Übel der Welt verantwortlich ist. Dieser Haß auf die Weißen, in diesem Falle von einer Nichtweißen geäußert, stößt eben so gerade unter Weißen, politisch korrekt Sozialisierten auf spontane Zustimmung: Sie hat ja Recht.

Der Spruch über schwule Schuhe ist nun eigentlich auch und gerade in politisch korrekten Kreisen völlig inakzeptabel; trotzdem wird sie auch deswegen nicht attackiert. Diese Äußerung wie die über die Juden überliest wohl der politisch korrekte Leser, um sich dann um so mehr über die feministische Aussage: „Alle Männer sind scheiße“ zu freuen. Vielleicht ist die Aussage über die Juden, Asiaten und Slawen aber auch so zu deuten: Sie sind wohl keine „weißen Menschen“ und das ist gut so, denn weiße Menschen sind ja per se ungute Menschen. Dann wäre diese Aussage ein Beispiel politisch korrektem Rassismuses.

Bei so klarem politisch korrektem Rassismus und feministischer Männerverachtung wundert es dann nicht mehr, daß landauf landab diese Sprecherin nicht perhorresziert wird, sondern die verteufelt werden, die diese Äußerungen kritisieren. Wie viele der Junggrünen wußten wohl, als sie diese Frau zu ihrer Sprecherin wählten von dieser ihrer politischen Einstellung? Das ist unklar, jetzt ist aber klar, daß die Jugendorganisation der Grünen gegen den politisch korrekten Rassismus und die feministische Männerverachtung nichts einzuwenden haben, ja wahrscheinlicher sogar ihr zustimmen, auch wenn sie es dann wohl gern etwas milder formuliert gern gesehen hätten.



 

Dienstag, 19. Oktober 2021

Eine in der Kirche verdrängte Wahrheit: Jesus Christus kam, um die Kranken, die Sünder zu heilen


Unter den „Kranken“ sind natürlich im theologischen Diskurs nicht einfach nur die wirklich an Krankheiten Leidenden sondern primär jeder Mensch, insofern er vor Gott als Sünder steht. Um es medizintechnisch auszuformulieren: Die Medizin erwarb Jesus Christus am Kreuze, um sie dann durch seine Apotheke, der Kirche in der Form der Sakramente auszuteilen. Er lehrte uns dann noch, wie wir zu leben haben, um die so erlangte Heilung nicht wieder zu verlieren. Das verhält sich so wie wenn ein Arzt zu einem passionierten Raucher sagt: Sie müssen diese Medikamente einnehmen, sonst werden sie ihre Lungenentzündung nicht los und sie müssen aufhören zu rauchen sonst verhindert das Rauchen die Heilkraft der Medizin.


So ist den Menschen zu verkündigen, daß es wirklich schlimm um sie steht, daß es aber für sie eine Rettung gibt. So Jesu Auftrag, daß er gekommen sei, um die Kranken zu heilen, auszuführen, wird heutzutage als nicht mehr akzeptabel reprobiert. So dürfe die Kirche nicht mehr reden, denn kein Mensch wolle hören, daß es so arg um ihn stünde.

Gar theologische Einwände werden dann erbracht. Die traditionelle, die vorkonziliare Theologie der Kirche glaubte noch an die Gerechtigkeit Gottes, daß er so dem Sünder zürne, ja er gewiß mit seinem Ausschluß von dem ewigen Heil zu rechnen habe und schon zu seinen Lebzeiten stünde er unter dem Zorn Gottes. Aber es gäbe für ihn eine Rettung, wenn er wahrhaft glaubt und dem gemäß dann auch lebe. Von zentralster Bedeutung seien dafür die göttliche Gnade vermittelnden Sakramente, isb die heilige Eucharistie als Opfer und Sakrament.

Nur seien das alles völlig inakzeptable Vorstellungen von Gott und seinem Verhältnis zu seinen Menschen. Denn Gott ist nur, ausschließlich als alle Menschen zu Liebender zu denken. Demzufolge kann es keinen Zorn Gottes geben, keinen Ausschluß eines Menschen vom ewigen Heil und somit auch keine heilsnotwendigen Sakramente oder gar die Aufforderung, um des Heiles willen, die Gebote Gottes zu halten. Der nachkonziliare Jesus verkündet nämlich jedem: „Gott liebt Dich so, wie Du bist!“ Es kann keine wirklich „Kranken“ geben, nur eingebildete „Kranke“, die meinen, Gott zürne ihnen, weil sie Sünder seien, die meinen, Gott verlange, daß seine Gebote zu halten seien. Jesus nun aber befreite uns Menschen von solchen falschen Gottesvorstellungen, um den alle einfach liebenden Vatergott zu verkünden. Es wirkte wahrhaft als Aufklärer, sein Heilswerk bestand so allein in der Verkündigung dieses jeden liebenden Gottes, indem er fast mehr in der Tat als durch seine Lehre diese allumfassende Liebe erfahrbar machte.

So habe dann auch die Kirche primär diakonisch zu wirken, allen isb den Leidenden diese „bedingungslose“ Liebe zu vermitteln. Der Glaube, die Teilhabe an den Sakramenten oder gar eine christlich-ethische Lebensführung seien so genau genommen unnötig, weil ja Gottes Liebe bedingungslos gälte, so nicht an die Condition des Glaubens, eines sittlichen Lebens oder gar des Empfanges der Sakramente gebunden sei. Wenn Gott jeden liebt, wie er ist, dann bedarf kein Mensch eines Arztes noch der Kirche als der Apotheke Gottes, er bedarf nur noch der Aufklärung darüber, daß er ein von Gott Bejahter ist. Und wenn er nicht an Gott glaubt, nicht, daß er von Gott angenommen ist, so schadet das überhaupt nicht, denn er ist ja völlig unabhängig von dem, was er glaubt oder auch nicht glaubt, ein von Gott Angenommener. So bleibt für die Kirche nur noch die Aufgabe, jeden Menschen wie einen von Gott Bejahten anzusehen und zu fordern, daß überall im gesellschaftlichen Leben jeder Mensch wie ein Bejahter anerkannt wird, also jeder menschenwürdig zu behandeln sei. Denn die Liebe Gottes zu jedermann konstituiert die Menschenwürde jedes, sodaß die wichtigste Aufgabe der Kirche die ist, mitzuhelfen, die Würde des Menschen überall zu realisieren als die Aufgabe der Humanisierung der Welt. Die Welt sei so nicht zu evangelisieren, sondern zu humanisieren. Das und nur dies sei die wahre Mission der Kirche, in Gänze gelebte Diakonie zu werden.

Nun ist der Mensch auch nicht mehr primär der Sünder, dessen Herz zum Bösen geneigt ist, sondern der primär Vernünftige, der als Gutwilliger mit allen anderen cooperierend die Aufgabe der Humanisierung der Welt übernehmen soll und es auch kann: Ja, wir können gemeinsam die Welt optimieren. Dazu ist es aber notwendig, daß alle Religionen unter der Zurückstellung ihrer theologischen Differenzen gemeinsam sich dieser Aufgabe stellen. Theologische, religiöse Differenzen störten dann nur bei diesem Humanisierungsprojekt und sind somit im Dialog der Religionen als unwesentliche Differenzen zu marginalisieren um der gemeinsamen Praxis willen. Das ist dann das Ende der christlichen Mission, da nun nicht mehr das Evangelium von der Rettung des Menschen durch den wahren Glauben zu verkündigen sei, sondern der Glaube, daß alle, wenn sie nur zusammenwirken, die Welt besser machen können um der Würde des Menschen willen.

 

Montag, 18. Oktober 2021

Wenn der Apostel Paulus schon über die Erkenntnisse zeitgenössischer Missionswissenschaften verfügt hätte



Allseits bekannt ist ja die Ansicht,daß in manchem Aussagen und Praktiken der Bibel, so wie sie da fixiert worden sind, für uns Heutige nicht mehr annehmbar sind. Wissenschaftliche Erkenntnisse verunmöglichen es so-angeblich- weiterhin die praktizierte Homosexualität als Sünde zu bewerten oder in Naturkatastrophen ein göttliches Gericht zu erkennen, man denke an die Sintflut.Papst Franziskus erkannte gar, daß selbst Gott sich irren konnte, als er noch nicht auf dem Erkenntnisstand des Humanitarismus die Todesstrafe für kompatibel mit der Menschenwürde erachtete.

Wie ist dann aus der Sicht der heutigen Missionswissenschaft und Praxis die Tätigkeit des Apostels Paulus zu bewerten? Der Kerngedanke der heutigen Missionspraxis läßt sich so zusammenfassen:

Gott ist die Liebe, er liebt jeden Menschen.

Diese göttliche Liebe wird erfahrbar in Jesu liebender Zuwendung zu jedem Menschen.

Mission heißt nun, diese allen geltende Liebe Gottes durch die praktizierte Nächstenliebe oder zeitgemäßer durch die praktizierte Solidarität zu den Anderen erlebbar, erfahrbar zu machen.



Im christlichen Glauben käme es nämlich nicht auf „Glaubenswahrheiten“, als „Satzwahrheiten“ perhorresziert an, sondern um die Begegnung mit Jesus, sodaß ein persönliches Vertrauensverhältnis entstehen könne. Die in diesem persönlichen Verhältnis erfahrene Liebe Gottes weiterzuvermitteln, sei die Mission. Diese Liebe wird am authentischten vermittelt in der praktizierten Solidarität mit den bedürftigen und leidenden Mitmenschen.

Wie hätte Paulus so also seine Mission bestreiten sollen? Wenn er in einer ihm fremden Stadt angelangt ist, frägt er zuerst, wo hier die Tagelöhner auf eine Arbeits- und Geldverdienstmöglichkeit wartend herumstehen. „Liebe Männer, liebe Frauen, so arm seid ihr...Ich bin zu Euch gekommen, um Euch ein Handwerk zu erlehren. Damit könnt zukünftig Euren Lebensunterhalt gut verdienen; ihr werdet Zeltmacher. Wenn Ihr gut dies Handwerk ausübt, könnt ihr dann gar eine richtige Firma gründen, also Leute anstellen, sodaß auch die so zu ihrem Brot kommen!“

Am Ende seines Lebens schaute er dann zurück auf soundsoviel Selbstständige, soundsoviel Kleinfirmen mit 2 und mehr Angestellten, auf viele Briefe mit guten Ratschlägen für die neuen Handwerker. Und dann sagte er resümierend: So vielen ließ ich Gottes Liebe zu ihnen erfahren, indem ich ihnen zu einem guten Broterwerb verhalf. Jesu Liebe zu allen Menschen motivierte mich zu dieser Hilfe an den Armen, so bin ich ein wahrer Apostel allen, denen ich half, geworden.



Wie konnte Paulus Jesus nur so arg mißverstehen, fragen sich so die heutigen Missionare, ihre Kopfe schüttelnd über die so theologischen und somit so unnützen Briefe des Apostels und kritisch fragend, warum denn der Paulus keine praktische Hilfe für die Ärmsten und Bedrängten geleistet habe statt ihnen Theologie zu predigen.

 

Sonntag, 17. Oktober 2021

Wird in der Kirche heutzutage ein regressiver Gott verkündigt?


Eine Hinführung zum Thema. Idealtypisch unterschied man lange den mütterlichen von dem väterlichen Erziehungsstil -(heuer würde ein Mann wohl ob dieser Distinktion von Feministin ad hoc gesteinigt werden). Der mütterliche Erziehungsstil vermittelt dem Kind, daß es, so wie es ist, geliebt wird. Es ist die grundlose und bedingungslose Annahme des Kindes. (Daß das Kind so geliebt wird, weil es das Kind dieser Mutter ist: Mein Kind, wird dabei ausgeblendet.) Das ist die Grunderfahrung des Kindes: Geliebt werde ich. Der väterliche Erziehungsstil vermittelt dann aber dem Kinde: Wenn Du die Leistung A erbringst, wirst Du von mir geliebt, weil Du sie erbracht hast, wirst Du geliebt. Beide Stile haben auch ihre Schattenseite: Die unbedingte mütterliche Liebe, gerade weil sie so grundlos ist, könnte so auch grundlos verloren werden. In jeder realen Mutter-Kind-Beziehung erfährt jedes Kind seine Mutter auch mal als mißgestimmt, emotional „schlecht drauf“. Das evoziert dann in dem Kinde die beängstigende Frage: Liebt die Mutter mich etwa nicht mehr? Der väterliche Erziehungsstil ist von dem Schatten begleitet: Was, wenn ich die geforderte Leistung nicht erbringe? Ein Mann, der sich etwa primär über seine Berufserfolge definiert, das, was ich leiste, das bin ich und so der Liebe und Anerkennung würdig, kann in schwärzeste Depressionen versinken, wenn er etwa in Folge einer Erkrankung seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Bei einer guten Entwickelung eines Kindes gilt nun Folgendes: Die Sorge, die grundlose Liebe der Mutter, gerade weil sie so grundlos ist, auch grundlos verlieren zu können, kompensiert das Kind auf das Vertrauen: Wenn ich die Leistung A erbringe, werde ich wieder geliebt. Die Sorge, werde ich noch geliebt, wenn ich die angeforderten Leidstungen nicht erbringe, kompensiert es mit dem Vertrauen auf die grundlose Liebe, daß es immer geliebt wird, so wie das Kind ist. Das wäre dann ein Mensch, der im Grundvertrauen auf die Liebe sein Leben führen kann, als Vertrauen, so wie er ist, angenommen zu sein und als Vertrauen, durch Leistungen sich eine Anerkennung und Liebe erwirken zu können. Dazu gehört aber unbedingt auch die Fähigkeit, mit den Negativerfahrungen des Verlustes des Angenommenseins umgehen zu können, daß wer an seinem unbedingt Angenommensein zweifelt auf die Hoffnung setzen kann, durch erbrachte Leistungen die Anerkennung zurückgewinnen zu können und das Scheitern an zuerbringenden Leistungen durch das Vertrauen auf das unbedingte Angenommensein zu kompensieren.

Überträgt man diese Konzeption auf Gott, so ist er einerseits der, der als Schöpfer den Menschen als sein Geschöpf bejaht und andererseits ihm offenbart: Wenn Du so lebst bejahe ich Dich! Der Mensch steht so vor Gott nicht nur als ein unmündiges Kleinkind, das mütterlich unbedingt geliebt wird, sondern auch als Mündiger, der lohn- und strafwürdig ist. Gott zieht ihn für sein Tuen und Lassen zur Verantwortung, indem er sein gutes Tuen belohnt und sein Böses bestraft. So lehrt der Apostelfürst Paulus: „Er wird jedem vergelten,wie es seine Taten verdienen:denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit.Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben,denen aber, die selbstsüchtig nicht die Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit gehorchen, widerfährt Zorn und Grimm.“ (Röm 2,6)

Gott beurteilt den Menschen als für sein Tuen und Lassen Verantwortlichen, das ist eindeutig der väterliche Erziehungsstil, ein Stil, der aber für einen Nochunmündigen katastrophal sich audswirken würde, denn als Unmündiger kann er noch nichts Lohn- oder Strafwürdiges wirken.

Meine These lautet nun: In der nachkonziliaren Kirche wird nur noch der mütterlich liebende Gott gelehrt und gepredigt. Der väterliche ist eskamotiert worden. Damit wird das Verhältnis des Gläubigen zu seinem Gott aber ein regressives, denn vor Gott ist und bleibt er immer nur ein unmündiges Kind, zu dem Gott sein Ja spricht, einfach nur, weil es sein Geschöpf ist. Dies rein regressiv explizierte Verhältnis verunmöglicht nun so jede sinnvolle religiöse Praxis. Denn der mütterlichen Liebe ist das Tuen und Unterlassen ihres Kleinkindes gleichgültig insofern sie ihr Kind immer liebt, egal was es tut oder auch nicht tut. Die mütterliche Liebe ist eine vollkommene Sorge und vollkommenes Umsorgen, aber nie ein belohnendes oder gar strafendes Verhalten.

Wird diese mütterliche Liebe, so idealtypisch konstruiert, zur einzigen Weise, wie Gott sich zu den Menschen verhält, werden die Begriffe des göttlichen Zornes, der göttlichen Gerechtigkeit, aber auch der Gnade und der Vergebung und der Versöhnung zu sinnlosen Worten. Es kann dann nämlich gar keine Entzweiung zwischen Gott und dem Menschen mehr gedacht werden (die Sünde) und somit auch keine Vergebung und Wiederversöhnung, weil das Verhältnis Gottes zum Menschen ein rein natürliches ist und kein geschichtliches: Immer liebt Gott von Anfang an den Menschen und in allen Wandlungen der Geschichte ist dies eine Invariante: Nie wird Gott anders als sich liebend zum Menschen verhalten. In den Augen Gottes ist so jeder Mensch immer nur ein unmündiges Kleinkind, das als solches unbedingt geliebt wird. Nie kann er so erwachsen mündig werden.

Wie konnte nur ein solch regressive Vorstellung zur dominierenden in der Kirche werden?



 

So viele Worte, wie da wahre erkennen! Probleme beim Lesen der Bibel- eine Einführung


Qui non est expertus, pauca recognoscit“ Jesus Sirach, 34,10. A.Arndt (Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes .Mit dem Urtexte der Vulgata, zweiter Band 1903 übersetzt so: Wer nichts erfahren hat, weiß auch wenig. Auch hier wird wohl zu frei übersetzt, das ist nun leider ein Problem aller Übersetzungen, aber durch diese Übersetzung wird eben auch eine sehr bedeutsame Wahrheit diese Aussage zum Verschwinden gebracht, denn das Verb: „recognoscit“ wird hier völlig falsch übersetzt: „Er wiedererkennt“ wäre richtig. Und „est expertus“ =ist erfahren.

Die Pointe dieser Aussage ist also, daß das Erkennen als ein Wiedererkennen begriffen wird. Es bedarf so eines Vorwissens von dem Zuerkennenden, um das Etwas dann erkennen zu können. Zur Veranschaulichung: Stelle ich jemanden ein Tablett mit 10 Gläsern hin und fordere ihn auf, aus den 10 das eine Bierglas herauszuheben,bereitet es kaum einen ein Problem, das eine unter den 10 Gläsern als das gesuchte Bierglas zu identifizieren. Damit diese Identifikation aber durchgeführt werden kann, muß ein Wissen, eine Vorstellung von dem, was ein Bierglas ist, vorhanden sein, damit dann das eine als ein Bierglas erkannt werden kann. Würde nun nachgefragt, was denn da für eine Vorstellung von dem Glas Bier vorhanden gewesen war, sodaß dies eine Glas richtig als Bierglas identifiziert werden konnte, wer könnte diese Frage destinkt beantworten? Ist an ein Weißbierglas, ein 0,2 Liter Glas, ein 0,5 Liter Glas oder oder gedacht worden? Nein so klar darf diese Vorstellung vom Glas Bier nicht sein, weil alle möglichen Biergläser ja durch diese eine Vorstellung zu identifizieren sind. Die Vorstellung müßte also das Wesen des Bierglases erfassen, damit jedes mögliche Einzelbierglas durch diese Vorstellung als ein Bierglas erkannt werden kann. Also verfügt der, der dies eine Bierglas erkennen konnte, über den Begriff des Glases, unter den jedes mögliche Glas Bier als eines subsumierbar ist.

Ein Bierglas wird so begriffen als ein Exemplar des Begriffes des Bierglases als individuierte Realisation des Begriffes. Aber genau dieser Begriff des Bierglases, den wir so einfach und unkompliziert applizieren können, wenn wir ein Glas als ein Bierglas erkennen,ist uns selbst, werden wir danach gefragt, ihn darzulegen, so unklar, daß wir spontan nicht diesen Begriff explizieren können. Versuche einmal, das Bierglas zu definieren! Streng genommen darf in der Definition das zu Definierende nicht selbst vorkommen, so daß auch „Bier“ und „Glas“ zu definieren wären. Wollte man sich aber mit der Definition: Ein zum Biertrinken geeignetes Glas zufriedengeben, bereitet das „geeignet“ größte Probleme, denn ich kann ja auch aus einem Wein- oder Schnapsglas Bier trinken- also muß das „geeignet“ noch näher bestimmt werden, aber wie?

Der „expertus est“, kann ein Bierglas erkennen, weil er es von seinem Vorwissen her wiedererkennen kann. Das zeigt nun an, was für ein komplexes etwas dies „expertus“ ist. Aber dies nur ermöglicht ein Erkennen, das in Wirklichkeit ein Wiedererkennen ist.

Man sieht nur,was man kennt“- diese Spruchweisheit las ich einmal auf einem Reiseführer als Ankaufsmotivierung. Was nützte es auch, irgendwohin zu reisen, da vieles zu sehen, und dann doch nicht zu sehen, weil das Gesehene nicht erkannt wird. So bestätigt diese Reiseführerweisheit diese Erkenntnis des Jesus Sirach.

Wer kein expertus ist, erkennt nichts. Ob damit unsere Talkshowkultur erklärbar wird, daß da über alles und jedes geredet wird von Nichterkennenden? Was nützte auch ein Meer an Informationen, wenn diese dann nicht erkannt werden können?

In der Theologie hat diese Einsicht Jesus Sirachs zu einer bedenkens-werten Distinktion geführt, der Ausdifferenzierung des Wortes (Gottes) in das äußere und das innere Wort. Damit sollte die Frage beantwortbar werden, wie denn in dem Meer der Worte das Wort Gottes erkennbar sein kann? Ist jedes Erkennen ein Recognizieren, so muß im äußeren Wort Gottes, das mir in der Bibel gegenübersteht in einem Meer von anderen Büchern, das schon vorausgewußte Wort Gottes wiedererkannt werden. Das ist dann das „innere Wort“ im Menschen, daß ihn dazu befähigt, das äußere Wort Gottes als Wort Gottes wiederzuerkennen. Fehlt dies, so bleibt das äußere Wort nur eines, das mit dem Anspruch versehen ist, daß es das Wort Gottes sei, das aber so nicht vom Leser erkannt werden kann.

So führte der Reformator Zwingli dies Konzept des Wortes Gottes aus, auch in kirchenkritischer Intention, da nun es nicht mehr der Autorität der Kirche bedurfte, um die Bibel als das Wort Gottes zu qualifizieren, sondern das innere Wort befähigt dazu den Bibelleser. Dies innere Wort könnte dann auch als ein Produkt des Einwirkens des Heiligen Geistes begriffen werden. Eines verdeutlicht dabei aber auch das simple Anschauungsbeispiel des zuerkennenden Bierglases. Das innere Wort wird erst im Akt des Wiedererkennens zu einer bestimmten Erkenntnis- fehlte das äußere Wort, wäre das innere so eigentümlich unklar wie die Vorstellung vom Bierglas, aber in der Begegnung mit dem äußeren Wort führt es dann zu einem Erkennen als einem Recognizieren.

 

Freitag, 15. Oktober 2021

Mehr Zensur- zur Diskursordnung des „Synodalen Weges“



Wo Meinungsfreiheit praktiziert wird, entsteht immer auch das Phänomen des Mißbrauches dieser Freiheit. Politisch korrekt sind das dann „Haßbotschaften“ oder „falsche Nachrichten“, die aus den sozialen Medien zu löschen sind, aber auch auf Stammtischen unterbunden werden müssen etwa durch ein couragiertes Einschreiten politisch Korrekter: So was darf man nicht sagen!

Kath de, das Zentralorgan der politischen Korrektheit für die Politische Korrektheit präsentiert seiner Leserschaft dazu ein gediegenes Beispiel in dem Artikel: „Was Ordensleute beim Synodalen Weg gegen Hass-Kommentare tun wollen“ am 13.10.2021: „So hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer vor einer Emotionalisierung der Debatte um den Missbrauchsskandal gewarnt und seine Ablehnung eines "unfehlbaren Lehramtes der Betroffenen" kundgetan. Der Redebeitrag des bayerischen Oberhirten wurde von vielen Synodalen, Missbrauchsopfern und Gläubigen als polemisch und verletzend aufgefasst.“

Eine Meinungsäußerung, die Hörer als „polemisch und verletzend“ empfinden, darf eben auf dem „Synodalen Weg“nicht getätigt werden. Zu fragen wäre nun doch aber gewesen, ob diese Aussage wahr sei, daß es eine „Emotionalisierung der Debatte“ gäbe und daß faktisch ein unfehlbares Lehramt der Betroffenen postuliert wird. Nur diese Frage wird einfach gar nicht gestellt, denn die emotionale Empfindung, die diese Ausssage evozierte, daß sie „als polemisch und verletzend aufgefasst“ wurde, reicht schon aus, um sie als nicht statthafte Äußerung zu dysqualifizieren, Besser und überzeugender kann die These der „Emotionalisierung der Debatte“ nicht verifiziert werden als durch diese emotionale Dysqualifizierung. Das „unfehlbare Lehramt der Betroffenen“ wird genau hier praktiziert: Weil sich Hörer dieser Aussage emotional negativ betroffen fühlten, durfte dies nicht von diesem Bischof gesagt werden.

Zur Veranschaulichung der Vorstellung eines Lehramtes der Betroffenen. Gemeint ist damit ja die These, daß ein von etwas Betroffener über etwas besser urteilen könne, besser sie so auch begreifen könne als ein Nichtbetroffener. Dies ist eine radicale Kritik der traditionellen Vorstellung, daß ein unbeteiligter Beobachter besser etwas erkennen und begreifen kann als ein direkt in das Geschehen Involvierter. Imaginieren wir uns diesen Fall: Einem Mann, unter einem Apfelbaum sitzend, eine Zeitung lesend fällt ein Apfel vom Baum herab auf seinen Kopf: „Au, das tat mir weh!“ Kann dieser so Betroffene besser als ein beliebiger Zuschauer dieses Vorfalles etwa diese Fragen beantworten: Warum fiel der Apfel herunter? Warum fiel er und schwebte nicht wie eine Feder herunter? Fallen alle Äpfel wie dieser, wenn sie fallen, oder fällt jeder anders? Eine unermeßliche Vielzahl von Fragen eröffnet dieser Fall dem ihn Bedenkenden, aber warum sollte nun der Betroffene, dem der Apfel auf seinen Kopf fiel, diese besser respondieren können als ein beliebiger unbeteiligter Beobachter? Dafür gibt es keinerlei sachlichen Grund.

Offenkundig sind Ereignisse polyinterpretabel und je komplexer sie sind, desto polyinterpretabler werden sie. So läßt die Frage, warum verschoß ein Stürmer in einem Fußballspiel einen 11 Meter weniger Antwort-möglichkeiten zu als die Frage, warum eine Mannschaft dies Spiel dann 5:0 verlor! So ist die Behauptung eines Primates der Deutung eines Ereignisses durch die davon „Betroffenen“ erstmal nichts anderes als eine Strategie, die Summe aller möglichen Deutungen eines Vorfalles zu reduzieren auf die von den „Betroffenen“ durchgeführten: Nur wir können als „Betroffene“ das uns betroffen Habende richtig deuten. Sachlich erkenntnistheoretisch ist dieser Primat durch nichts zu rechtfertigen, in ihm manifestiert sich einfach nur der Machtwille, allein das Recht zur Deutung für sich zu beanspruchen. Wer anders dann einen Vorfall interpretiert, ist so automatisch im Unrecht- darum werden ja auf dieser „Synode“ Minderheitenvoten, das sind Meinungsäußerungen, die nicht mit den vorgegeben Interpretationen der „Betroffenen“ übereinstimmen, mit dem Zeigen von „Roten Karten“ quittiert- solche Disputanten werden so des Spielfelfdes verwiesen!

Solche nicht gestattbaren Voten sind also Haßreden, die zu unterbinden sind. Eine Initiative von Ordensfrauen nimmt sich nun dieses Mißbrauches der Meinungsfreiheit an, daß eben solche Äußerungen wie des des Regensburger Bischofes zukünftig nicht mehr sich ereignen können. So wird diese Initiative auf Kath de begrüßt: „Die Medienethikerin Claudia Paganini lobt das Engagement der Ordensleute gegen Hasskommentare im Netz. "Das öffentliche Auftreten gegen Hate-Speech ist besonders wichtig, denn es kann die Täter davon abhalten, weiter Hass zu verbreiten", sagt die Münchener Philosophie-Professorin. Diese Kommentatoren seien zwar meist männlich und konservativ eingestellt, doch es gebe sie in allen gesellschaftlichen Schichten – und deshalb auch in der Kirche. Dankenswerter weise bestimmt nun diese Medienethikerin genauer, woran Haßsprache zu erkennen sei: Die Subjekte solchen Redens sind in der Regel conservativ eingestellt Männer! Es bedarf nun keines Philosophiestudiumes bei dieser Professorin, um zu verstehen, daß ein Kommentar, weil er conservativ eingestellt ist, eine Haßrede ist, Würden viele Frauen sich conservativ äußern in ihren Kommentaren, wäre das auch inakzeptabel, aber es gehört zu den Vorurteilen politischer Korrektheit, daß vor allem weiße Männer conservativ seien, denn diese wollten ihre Privilegien verteidigen, also conservieren und kämpfen zu mit Haßreden gegen die Infragestellung ihrer Privilegien.

Wenn dagegen eine Grünenpolitikerin sich so äußert eine „Eklig-weiße Mehrheitsgesellschaft“ „Ich werde mir irgendwann einen Besen nehmen und alle weißen Menschen aus Afrika raus kehren.“ „Deine Schuhe sind schwul, meine Schuhe sind teuer.“ „Juden und Asiaten sind keine weißen Menschen, und bei Slawen weiß ich es ehrlich gesagt nicht.“ „Alle Männer sind scheiße!“...dann ist das keine Haßrede (Junge Freiheit 11.10.2021) und die Grünenpartei verurteilt den „Shitstorm gegen die Sprecherin der Parteijungend“: Das war doch alles politisch korrekt, weil es nicht conservativ und nichts rechts ist.

Nur conservative und rechte Männer verbreiten eben Haßreden, weil sie conservativ und rechts sind. Es gibt eben auch auf und um den „Synodalen Irrweg“ noch zu viele Meinungsfreiheitsmißbräuche. Erstrebenswert wäre es doch, wenn alle Vorlagen des Zentralkomitees der Laienkatholiken einmütig einstimmig angenommen würden und alle Synodalen dem die Diskussionen des „Synodalen Irrweges“ leitenden Politbureaus ihr unerschütterliches Vertrauen aussprächen!



 

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Das kann "man" heute doch nicht mehr so sagen, in der Kirche nicht und auch sonst nicht...



Dies „Man“ übt eine gewaltige Macht aus und ist doch so schwer faßbar und bestimmbar, doch jeder weiß irgendwie, was man heutzutage nicht mehr so sagen darf. So erhielt ich vor kurzem erst den Hinweis, daß „man“ nicht mehr von „Fremdsprachen“ sprechen dürfe, denn dieser Ausdruck sei „rassistisch“, diskriminiere den so Sprechenden, sodaß „man“ nun von „Anderssprechenden“ zu reden habe.

Was ist denn so in der Kirche diesem „Man“ schon alles zum Opfer gefallen? Ein paar Beispiele mögen dies veranschaulichen. Jesus Christus lud am Gründonnerstag nur seine 12 Apostel zu der Einsetzung dieses Sakramentes ein. Klingt das nicht arg diskriminierend und irgendwie auch klerikal? Warum lud er nicht Frauen zu dieser Feier ein, warum keine Sünder und Zöllner, warum nicht alle seine Jünger?

Ich kann mich nicht erinnern, daß ich in den letzten 10 Jahren, obgleich ich fast täglich zur hl. Messe gehe, auch nur einmal gehört zu haben, daß Christus mit seinen 12 Aposteln und nur mit ihnen die erste Eucharistie zelebriert hatte. Stattdessen heißt es, daß er seine Jünger oder seine Freunde dazu eingeladen habe. Wenn er wirklich seine Freunde dazu einlud, wie konnte er dann Judas Ischariot einladen, wußte er doch im Voraus, daß dieser ihn verraten werden wird. Diesen Judas konnte Christus nicht als seinen Freund ansehen. Zudem: Warum waren nun ausgerechnet die 12 Apostel seine Freunde und nur sie? Wenn aber gesagt wird, es seien seine Jünger eingeladen worden, wird einfach diese Limitierung auf 12 Eingeladene unterschlagen.

Noch ärger ist es aber, daß der Herr diese 12 Apostel und nur sie zu Priestern weihte, denn am Gründonnerstag setzte Jesus ja nicht nur das Sakrament der Eucharistie ein sondern auch das Sakrament der Weihe zum Priester. Dies Ereignis wird aber regelmäßig verschwiegen zugunsten der Vorstellung, Jesus habe hier nur sein letztes Abendmahl, ein ausgiebige Abendessen also zu sich genommen, dem er dann noch eine besondere Bedeutung beigab.

Was essen und trinken wir denn dann, wenn wir die hl. Kommunion empfangen? Jesu Antwort ist klar: Mein Fleisch und mein Blut! Das Brot wird in sein Fleisch Jesu Christi wesensverwandelt, der Wein in sein Blut: Wir trinken also Blut Christi. Das war schon Judenchristen eine zu harte Lehre,sodaß sie ihn darum verließen. Was hören wir heute dazu? Es begegnet uns in der Eucharistie die Liebe Jesu Christi.

Die Eucharistiefeier gehört in den Vorstellungsraum des heiligen Essens. Zwei divergierende Vorstellungen existieren da: a) daß mit den Göttern oder mit einem zusammen etwas gegessen wird, sodaß die daran teilnehmenden Menschen durch diese Eßgemeinschaft mit den Göttern selbst heilig werden oder b) die Menschen essen Göttliches und werden dadurch heilig. Das Ziel ist also die Heiligung des Menschen durch eine Partizipation am Heiligen, entweder durch die Gemeinschaft des Miteinanderessens oder durch das Essen des Göttlichen selbst. Der Mensch ist, was er ißt oder: Sage mit, mit wem wer einen Umgang hat, und ich sage dir, wer er ist. In der christlichen Religion in ihrer Eucharistie verknüpfen sich nun diese zwei Vorstellungen, da nun Jesus Christus als Gottes Sohn einerseits der Gastgeber dieses heiligen Essens ist und andererseits er sich selbst zu essen und zu trinken gibt als sein Fleisch und sein Blut.

Diese zutiefst religiösen Vorstellungen von einem heiligen Essen sind aber für moderne Menschen unzumutbar, sagt „man“. Wechseln wir jetzt also in einen ganz anderen Vorstellungsraum, dem des Liebesfilmes. Eine typische Struktur etwa der filmästhetisch wirklich gut gemachten Rosamunde-Pilcher Filme: Eine Frau, beruflich erfolgreich in einer größeren Stadt, oft auch mit einem festen Freund ausgestattet, muß unerwartet retour in ihre alte Heimat fahren- oft aus familiären Gründen. Kaum angetroffen, begegnet ihr da ein Mannn, sie geraten irgendwie aneinander- und der Zuschauer erkennt sofort, lang bevor die beiden Protagonisten das bemerken, daß sie sich auf den ersten Blick ineinander verliebt haben. Der Film läuft dann meist noch 1 Stunde, bis daß dann diese zwei zueinander finden, erkennend, daß sie füreinander bestimmt sind. Ein Narrativ vieler schöner Liebesfilme.

Nun wird genau aus diesem Genre die Hauptszene herauskopiert, um als das Begegnungsgeschehen nun die Eucharistie zu interpretieren: Jesu Liebe begegne uns da wie der Frau dieser Mann in der Heimat. Das Christentum wird nun in Analogie zu einem Liebesroman gedeutet: Gottes Liebe zu uns begegnet uns in Jesus, der uns wieder in der Eucharistie begegnet. Jesus lade eben alle Menschen dazu ein, ihn als die Liebe Gottes zu uns Menschen so zu erfahren. So wird die Eucharistie ihres zutiefst religiösen Gehaltes beraubt, um diese Feier dann umzugestalten als einer von Menschen, die sich wechselseitig lieb haben und in dem Mahl ihr Geliebtwerden durch Gott erfahren. Aus der Heiligung des Menschen wird die „Erfahrung“ des Angenommenseins durch Gott, so wie wir Menschen nun mal sind.

Darum werden die Früchte der hl. Kommunion auch nicht mehr erwähnt, daß sie eine Medizin zur Unsterblichkeit ist, daß sie Sünden vergibt, daß sie eine Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes erwirkt und dann konsequenterweise auch nicht mehr die Negativwirkungen einer sakrilegischen Kommunion. Das sind eben alles Dinge, die „man“ nicht mehr sagen darf!

Ganz verdunkelt wird dabei der Opfercharakter der Eucharistie. Sie soll eben nur noch ein reines Begegnungsgeschehen sein, in der der Kommunikant sein Angenommensein durch Gott erfährt. Würde nun aber nachgefragt, ob dies Angenommensein wirklich erfahren oder „nur“ geglaubt wird, brächte man Vertreter eines solchen Eucharistieverständnisses in eine arge Bredouille. : Die Eucharistiefeier soll ja gerade ein Gegenpol zum verintellektualisierten Christentum darstellen, indem nun etwas Religiöses sinnlich erfahren werden soll. Aber gerade das da Erfahrenwerdensollende ist nichts sinnlich Erfahrbares sondern nur etwas Glaubbares. Damit verliert aber diese Kultfeier das in heutigen Zeiten sie Rechtfertigende, daß in ihr der Mensch sinnlich angesprochen wird und daß hier das sonst nur Geglaubte zu einer Erfahrung werden soll. In diesem Pathos der Erfahrung soll die Differenz von dem „Im Glauben“ und dem „Im Schauen“ aufgelöst werden, denn nun wird das eigentlich dem Schauen Vorbehaltende der postmortalen Existenz zu etwas im irdischen Leben schon Erfahrbaren.

In der Begegnungsrhetorik, die ihren Sitz im Leben des Liebesromanes und Liebesfimes hat, soll nun das Problem, daß die Realgegenwart Jesu Christi nur geglaubt, aber noch nicht geschaut wird, gelöst werden durch die Behauptung: In der Eucharistie würde die Liebe Gottes zu uns, unser Angenommensein erfahrbar werden.

In antiintelktualistischen Zeiten reicht eben eine zu glaubende Präsenz Jesu Christi in der Eucharistie nicht mehr, das Zuglaubende muß ein Erfahrbares werden. Darum flüchtet sich die Eucharistiefeier in diese Begegnungsrhetorik, weil „man“ von dieser Differenz von: „Im Glauben“ und „Im Schauen“ nicht mehr reden mag. Das wolle „man“ nicht mehr hören, denn was relevant sein soll, muß erfahrbar sein, sonst ist es nicht relevant.

Was „man“ nicht alles mehr sagen darf, weil „man“....



Ach ja, Papst Benedikt kämpfte noch gegen die Falschübersetzung: für alle, denn korrekt übersetzt heißt es: für viele in der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus. Aber die Deutschen Bischöfe widerstanden heroisch, denn „man“ darf doch nicht den Eindruck erwecken, daß Jesus nicht die Allversöhnung verkündigt habe, wie sie uns der größte Kirchenlehrer des 20.Jahrhundertes Willy Millowitsch gelehrt hat, daß wir alle als kleine Sünderlein in den Himmel kommen. Allerdings muß hier doch ein Einwand miterwähnt werden, daß hier zu misanthropisch das Sündersein betont wird, sodaß „man“ besser sagte: Weil wir alle gute, wenn auch nicht vollkommene Menschen wären, kämen wir alle in den Himmel, es sei denn , wir wollten da nicht hinein.

 

Mittwoch, 13. Oktober 2021

„Heute stöhnt unsere Mutter Erde und warnt uns“ Die neue Papstbotschaft



Eine eindringliche und auch „apokalyptische“ Botschaft des Papstes an die Jugend und die Welt: „Heute stöhnt unsere Mutter Erde und warnt uns, dass wir uns gefährlichen Schwellen nähern. Ihr seid vielleicht die letzte Generation, die uns retten kann, und ich übertreibe nicht. Ich übertreibe nicht, denn eure Kreativität und euer Durchhaltevermögen sind angesichts dieser Notlage mit einer großen Verantwortung verbunden“. So steht es geschrieben auf Kath net am 11.10.2021

Die Pachamamaverehrung seitens Papst Franziskus war eben doch nicht nur ein einzelner Betriebsunfall. Auch in dieser Ansprache an die (grüne)Jugend der Welt wird die Welt verpersonalisiert und so vorgestellt als eine Entität, die zu uns spricht, sich offenbart und zu der wir auch sprechen können. Der Begriff der „Mutter Erde“ vergöttlicht so die Erde gerade auch durch die Zufügung des „unsere“. Aus katholischer Perspektive ist Maria, die Mutter Gottes unsere Mutter und zudem gilt das große Cyprianwort: Wer die Kirche nicht zu seiner Mutter hat, hat Gott nicht als seinen Vater. Signifikant ist es dann, daß in dieser Papstansprache an die (grüne)Jugend der Welt Gott nicht einmal vorkommt, und Jesus nur zweimal:

Wenn wir unseren Blick auf Jesus richten, werden wir die Inspiration finden, eine neue Welt zu gestalten, und den Mut, gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen.

Ich gebe hier die ganze Passage wieder:

Lasst euch mit Kreativität auf den Aufbau einer neuen Zeit ein, mit Sensibilität für die Stimme der Armen und mit der Verpflichtung, sie in den Aufbau unserer gemeinsamen Zukunft einzubeziehen. Unsere Zeit braucht angesichts der Bedeutung und Dringlichkeit der Wirtschaft eine neue Generation von Ökonomen, die das Evangelium in Unternehmen, Schulen, Fabriken, Banken und Märkten leben. Folgt dem Zeugnis jener neuen Händler, die Jesus nicht aus dem Tempel vertrieben hat, denn ihr seid seine Freunde und Verbündete seines Reiches.“

Nicht fordert hier der Papst seine Hörer auf, Jesus zu folgen sondern den „neuen Händlern“, das sind Ökonomen, die für eine Alternativökonomie einfordern. Diese neue Ökonomie soll nun irgendetwas mit dem „Evangelium“ zu tuen haben, aber das Wie des Verhältnisses bleibt völlig im Unklaren. Der protestantische Theologe Karl Barth präsentierte einst ein klares Kriterium zur Erkennung der Christlichkeit einer Aussage bzw eines Textes: Wenn aus dem Text: Gott, Jesus Christus, das Evangelium ...herausgestrichen werden, ändert sich dann der Gehalt- wenn nicht, ist er nicht christlich. Die Aussage: Im Hören auf das Evangelium erkennt ein Feuerwehrmann, daß er den Hausbrand zu löschen habe, ist dieser Bezug auf das Evangelium völlig überflüssig, weil jeder Feuerwehrmann weiß, was seine Aufgabe angesichts eines brennenden Hauses ist. Ist nicht hier die konkrete Forderung nach einer „Sensibilität für die Stimme der Armen“ nicht ein Anliegen jeder zeitgenössischen Sozialpolitik, sodaß es überflüssig ist, diese „Sensibilität“ auch noch als etwas Evangeliumgemäßes zu qualifizieren. Genauso gut könnte das Löschen eines Zimmerbrandes als etwas Evangeliumgemäßes tituliert werden.

Noch beeindruckender fällt die zweite Aussage aus:“Wenn wir unseren Blick auf Jesus richten, werden wir die Inspiration finden, eine neue Welt zu gestalten, und den Mut, gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen.“ Wo hat Jesus Christus ein Programm zur Gestaltung einer neuen und besseren Welt vorgelegt oder wenigstens dazu aufgerufen? Wo macht er Mut zur Erschaffung einer besseren Zukunft? Davon ist in dem Neuen Testament nichts zu finden, Jesu eigene Zukunftserwartung hat er uns aber in der Johannesoffenbarung dargelegt und in dieser Apokalypse ist nichts zu finden von einem Aufruf zur Weltverbesserung. Es wird der Untergang dieser Welt verkündet und daß Gott dann seine neue Welt erschaffen werden wird.Der gravierendste Unterschied ist so die Beantwortung der Frage, wer denn die neue, die andere Welt hervorbringen wird: Jesus Christus Antwort fällt eindeutig aus: Gott wird die neue Welt wirken, nachdem er die alte auch mit Mithilfe seiner Engel vernichtet haben wird. Papst Franziskus, ganz in der Tradition von Obamas: „Yes, we can“ sagt: „Ihr seid vielleicht die letzte Generation, die uns retten kann, und ich übertreibe nicht.“ Das muß ernst genommen werden: Die jetzige Generation, die jetzt junge, sie allein kann, wenn überhaupt noch, die Welt retten.

Nicht rettet uns Jesus Christus, nicht Gott, sondern der Mensch muß sich selbst retten, indem er die Welt rettet. So ist es kein Zufall, daß in diesem Text Gott überhaupt nicht vorkommt, denn die Jugend soll diese Aufgabe übernehmen. Jesus fungiert dann höchstens noch als Motivationsverstärker, aber im Prinzip kann er auch aus dem Text gestrichen werden. Es ist dann ja auch augenfällig, daß hier nicht von Jesus Christus die Rede ist sondern nur noch von Jesus, der dann, wenn überhaupt noch, nur als Vorbild fungiert: Er soll uns dazu motivieren, auf die „Stimme der Armen“ zu hören. Zu diesem Reduktionismus paßt es eben, nur noch von Jesus zu reden.

Das Frappierendste ist so, daß auch der Papst mit dem einzigen US-Präsidenten Obama einstimmt in den Ruf: „Yes, we can“- weil wir es können, ist für uns Gott überflüssig! Auch die (grüne) Jugend braucht ihn nicht, wenn sie sich nun die Welterrettung auf ihre Fahnen schreibt.

Corollarium:

Jesu Christi Verkündigung war ganz eingezeichnet in den zeitgenössische jüdischen Glauben an Gottes endgültiges Eingreifen in die Geschichte, daß Gott dem alten Äon sein Ende bereiten wird, um dann eine neue Erde und einen neuen Himmel zu erschaffen. Dieser Gesamtvorstellungskomplex wird als Apokalypse bezeichnet, Jesus Christus verkündet darin das Ende, den Untergang dieser Welt. Die Johannesoffenbarung ist die als authentische Explikation dieser jesuanischen Verkündigung anzusehen. Ein Weltverbesserungsprogramm, einen Glauben an einen menschlichen Fortschritt in einer immer besser werdende Welt ist daraus bei noch so viel Phantasterei nicht ableitbar oder begründbar. Apokalyptiker glauben nicht an die Perfektibilitierbarkeit dieser Welt. Das gehört eher zum Glaubensgut der Freimaurer mit ihrer Utopie einer brüderlich-geschwisterlichen Einheitswelt.





 

Dienstag, 12. Oktober 2021

„Wir alle dürfen nicht schlafen“, um in einer evangelischen Landeskirche aufzuwachen



"Wir alle dürfen nicht schlafen, um uns dann beim Erwachen verdutzt die Augen zu reiben, weil sich die katholische Kirche auf dem Synodalen Weg in eine de facto evangelische Landeskirche transformiert hat." So dramatisch sieht der Augsburger Bischof die Lage der Katholischen Kirche, wenn der „Synodale Irrweg“ weiterbeschritten wird. (Kath de 10.10.2021) Weiter heißt es dort:

Ausdrücklich wandte sich Meier gegen den Vorschlag einer demokratischen und zeitlich begrenzten Wahl von Bischöfen. "Wenn wir eine Kirche ohne sakramentales Amt wollen, brechen wir ihr das Genick." Gott möge eine solche "Selbstabdankung der Bischöfe, Priester und Diakone" verhüten. Eine Synode sollte am sakramentalen Weiheamt "weder rütteln noch sägen".

Treffender kann es nicht formuliert werden: Das faktische Ziel dieser „Räubersynode“ ist die Transformation der Katholischen Kirche Deutschlands in eine evangelische Landeskirche. Ja, es muß sogar konzediert werden, daß selbst in diesen Landeskirchen Menschen zu Pfarrer und Bischöfe nicht für eine befristete Zeit gewählt werden, sodaß sie dann auch abwählbar wären und somit keine Pfarrer und Bischöfe mehr wären.

Unverkennbar wollen hier Gremienchristen die hierarische Ordnung der Kirche vollständig auflösen, indem nun die Pfarrer und Bischöfe zu Ausführungsorganen der kirchlichen Selbstverwaltungsräten herabdegradiert werden sollen. Das wäre natürlich der Tod des sakramentalen Amtes.

Unübersehbar revitalisiert sich hier der Ungeist der Rotte Korach (4. Mose 16). Die Texte des Alten Testamentes erzählen eben nicht nur einst Geschehenes, sondern in dem Erzählen msanifestiert sich auch etwas ewig Wahres, daß eben immer in der Geschichte Gottes mit seinem Volk, im Alten Bund mit dem Volke Israel, im Neuen mit dem Kirchenvolk es ein Revolutionieren gegen die Ordnungen Gottes es gab und geben wird. Die Kernparole ist dabei immer die gleiche: Wir sind Gott alle gleich nahe, Gott ist uns allen gleich nahe!, und darum dürfe es keine Vermittler zwischen Gott und seinem Volke geben. Jedes Vermittleramt sei so eine Anmaßung. Es könne nur Menschen geben, denen von der Gemeinde (am besten zeitlich befristet) eine Leitungsaufgabe anvertraut werden. Damit aber die Möglichkeit eines Machtmißbrauches reduziert wird, müßten die Gewählten auch wieder abwählbar sein.

Diesem Kirchenverständnis liegt eine Entscheidung zu Grunde, die Kirche als ein rein weltlich Ding zu betrachten, das am besten, so wie es in demokratisch strukturierten Gesellschaften usus ist, von Unten nach Oben hin auferbaut sein soll: Die Oberen haben dann die Aufgabe, das von der Basis Gewollte praktisch umzusetzen.

Die Kampfparole der Demokratisierung der Kirche ist ernst zu nehmen, daß der Souverän der Kirche das Kirchenvolk sei, das sich demokratisch organisiert in einer Art von Parlamenten, in denen dann der Kurs der Kirche festgelegt wird. Wo das Volk der Souverän ist, ist Jesus Christus es nicht mehr, Gott ist also zu entthronen, damit demokratische Mehrheiten darüber entscheiden, was als wahr zu gelten habe. Die Synoden werden so zu Parlamenten mit darin sich herauskristallisierenden Parteiungen, daß eben beim „Synodalen Weg“ der linksliberale Block alle Minderheitenvoten der Conservativeren niederstimmt. Das wunderbare Gesprächsklima wird dann auch von dem Mehrheitsblock begrüßt, findet er doch in allen Abstimmungen Mehrheiten für sich. Die conservative Minderheit wird eben einfach niederkartätscht.

Weniger demokratisch geht es aber zu, wenn Vertretern von Minderheitsmeinungen, kaum daß sie das Wort ergreifen, die „Rote Karte“ gezeigt wird, denn diese Karte bedeutet – in einem Fußballspiel- daß der Spieler vom Platz gestellt wird und somit nicht weiter mitspielen darf. Ergo: Eigentlich haben Minderheitenmeinler gar kein Recht, auf dieser Synode zu sprechen, stören sie doch nur den Konsens zur Selbstnichtung der Katholischen Kirche.

Peinlich ist nur der Glaube, daß angesichts dieser klaren Machtverhältnisse und angesichts der Regel, daß nur noch einmünitige Redebeiträge in einer Debatte erlaubt sind, die Debatten dieses Parlamentes noch wirkliche Diskussionen wären, bei denen die Ergebnisse nicht von vornherein feststünden. Debatten werden hier nur noch simuliert, damit dann die Mehrheit die Subordination der Unterlegenen einfordern kann.

Eine Frage bleibt aber noch offen: Woher kommt dieser Wille zur Selbstnichtung der Katholischen Kirche, daß man unbedingt nun protestantisch werden möchte, alles Katholische hinter sich lassend?



 

Montag, 11. Oktober 2021

Wer falsche Fragen stellt...oder warum man jetzt so gern von der Sinnfrage spricht und nicht mehr vom ewigen Leben



Ein Mann frug Jesus: „Herr, was muß ich tuen, um das ewige Leben zu erlangen?“ Diese Frage irritiert nun Heerscharen von Religionpädagogen und Predigern: Wer will den schon ewig leben- nicht nur Freddy Mercury stellte diese Frage: „Who wants to live for ever?“Wenn nun Schüler des Religionsunterrichtes oder die Hörer der Predigt doch noch erreicht werden sollen, muß diese Frage ummoduliert werden. Das „ewige Leben“ bedeute gar nicht ein unlimitiertes, dauerhaftes Leben sondern meint die Qualität des Lebens, also wird hier nach dem Ermöglichungsgrund eines guten, eines sinnvollen Lebens gefragt. Es geht eben um die Qualität, nicht um eine Quantität des Lebens.

Jesus belehrt den Frager über die Einlaßbedingungen in das ewige Leben, in das zukünftige Leben im Reich Gottes. Der Sinn des Solebens ist dann eindeutig das Erreichen dieses Zieles. Nun aber soll das Leben, das der Erfüllung dieser Einlaßbedingungen dientt, in sich selbst schon das gute,das sinnerfüllte Leben sein. Kann nun das von Jesus Gelehrte diesen Zweck schon in sich erfüllen? Daß das Gebotehalten: Du sollst nicht töten, Du sollst nicht ehebrechen....schon dies sinnerfüllte Leben sei, behauptet dann wohl keiner. Es bleibt dann nur noch die Forderung Jesu übrig: Verkaufe all Deinen Besitz, gib dann alles den Armen und folge mir nach!

Kann also der Sinn des Lebens, das gute Leben diese Totalverschenkung sein? Banal, aber wahr: Verfüge ich über viel Geld, kann ich zwischen vielen Optionen wählen, wo ich etwa meinen Urlaub verbringen möchte, welches Auto ich fahren möchte, was ich konsumieren möchte. Je weniger Geld aber ich in meinem Portemonnaie habe, über desto weniger Optionen verfüge ich, ja auf sehr vieles muß ein Armer verzichten. Warum soll nun ein Leben mit wenigen Optionen ein sinnvolleres, erfüllteres sein als eines mit sehr vielen. Der Einwand, es käme im Leben doch viel mehr auf die Liebe und die Freundschaft an als auf Kaufbares, geht hier fehl, denn dann wäre es ja unwesentlich für das gute und sinnerfüllte Leben, ob ich über viel oder weniger Kaufkraft verfügte. Viel Geld zu besitzen wäre so also kein Hindernis für so ein gutes Leben. Realistisch geurteilt muß aber eingestanden werden, daß ein gutverdienender Mann eher „Glück“ in der Liebe hat als ein Armer und daß Arme oft auch, weil sie arm sind, weniger Freunde haben.

In Predigten wird dies Problem leicht umschifft, indem nun aus dem Reichen einer wird, der geradezu besessen ist von dem Streben nach immer mehr und so nie eine Zufriedenheit im Leben erreicht, da, egal wie viel er besitzt, es ihm immer zu wenig sei. Solche Fälle mag es geben, aber es gibt in den Evangelientexten keinerlei Indiz dafür, daß hier nicht einfach ein Reicher, sondern ein vom Besitzstreben Besessener gemeint ist, zumal dann ja ebenso gut ein Armer besessen sein könnte vom Streben nach immer mehr, nur daß er diese Gier dann nicht ausleben könnte. Daß Jesus dann einfach nur sagen wollte: Sei mit dem zufrieden, was Du hast und strebe nicht nach mehr!, wird man schwerlich als die Aussage dieser Jesusbelehrung ansehen können.

So gibt es dann auch andere Deutungen: Wenn Du reich bist, gebe etwas den Armen ab, damit, falls Du einmal arm werden solltest, Dir dann auch andere helfen. Daß Jesus hier dann: alles den Armen zu schenken verlangte sei eben nur eine rhetorische Übertreibung. Jesus sähe dann in einer utilataritischen Ethik die Ermöglichung eines sinnvollen Lebens: Tue anderen Gutes, damit die Dir dann auch Gutes tuen!

Etwas anspruchsvoller: Der Mensch könne nur gut leben, wenn er auch loslassen könne. Älter werdend muß er seine Jugend aufgeben, jeden Augenblick muß er loslassen, um im nächsten zu leben, gescheiterte Hoffnungen muß man loslassen können, um Neues zu wagen...Wer aber nicht loslassen könne, der stürbe dann mit dem Verlust von dem, was er nicht loslassen wollte. Eine gute Prise an Stoizismus schimmert hier durch: Besitze alles, was Du besitzt, als wenn Du es nicht besäßest, denn der Mensch muß unglücklich werden, wenn er sein Glück abhängig macht von dem Besitz von etwas Verlierbarem. Der Verlust von etwas Verlierbarem verliert seinen schmerzhaften Charakter, wenn das Besesene besitzt würde, als wenn es nicht besitzt würde: Der Besitzer hängt nicht an seinem Besitz. Jesus wollte hier also uns lehren: Bindet Euch nicht an Euren Besitz, wenn ihr und solange ihr es besitzt- denn spätestens gestorben muß ein jeder seinen ganzen Besitz loslassen. Die Kunst, loslassen zu können, wäre so eine Einübung in das Sterbenkönnen. (Vgl dazu auch Boethius: Der Trost der Philosophie)

Nur, Jesus wollte den Reichen nicht den rechten Umgang mit seinem Besitz lehren, noch ihm sagen, daß er einst sterben wird und dann all seinen Besitz abzugeben habe, sodaß er jetzt schon innerlich sich von allem Besitz losmachen solle. Er lehrt stattdessen das ewige jenseitige Leben und wie irdisch zu leben ist, damit dies ewige für uns erreichbar wird.

Die von Jesus gegebene Antwort auf die Frage nach dem Wie des Erlangens des ewigen Lebens ist keine Antwort auf die Frage nach dem Wie eines guten irdischen Lebens. Die Kreuzesnachfolge besagt nicht, daß diese Nachfolge in sich schon das gute Leben ist, es ist nur die Bedingung für das künftige gute Leben. Wo das verneint wird, muß die Kreuzesnachfolge selbst umgedeutet werden in das gute Leben, als hätte Jesus die Fülle seines Lebens an seinem Kreuze erlebt.



Warum verschwindet aber die Frage nach dem ewigen Leben, warum ist man sich in der praktischen Theologie so sicher, daß diese Frage für den (post)modernen Menschen nicht mehr relevant ist? Die Vorstellung von einem ewigen Leben ist eine der möglichen Antworten auf das Problem des Sterbenmüssens und des Todes: Kann es für mein Leben eine Hoffnung wider die Realität des Todes geben? Aber als was wird denn der Tod imaginiert, wenn er den Lebenden als ein Problem erscheint? Als einen Zustand, der von dem Toten erlitten wird und zwar so, daß Niemand wünscht, ihn erleiden zu müssen. Die Vorstellung von der Unterwelt als dem Ort der Verstorbenen, der eher als ein Ort von Untoten, die irgendwie noch weiter vegetieren, bildet so den Hintergrund, von dem dann eine Vorstellung von einem ewigen Leben kontrastierend sich entwickelte.

Aber wie denkt man heutzutage vom Tod? In einem populären Zukunftsroman lesen wir: „Der Tod“,sagte er leise, „ist die Erlösung von allen Schmerzen und völliges Aufhören;über ihn gehen unsere Leiden nicht hinaus; er versetzt uns wieder in den Zustand der Ruhe,in der wir uns befanden, ehe wir geboren wurden. Bedauert jemand den Gestorbenen,so muß er auch die Ungeborenen bedauern.Der Tod ist weder ein Gut noch ein Übel,denn ein Gut oder ein Übel kann nur etwas wirklich Vorhandenes sein; aber was selbst nicht ist und alles in ein Nichts verwandelt, das gibt uns gar keinem Schicksal preis.“ Der Redner erklärt dann noch, daß er diesen Gedanken beim Philosophen Seneca gefunden habe. William Voltz. Menschheit im Test, Perry Rhodan Nr.551, S.44.

Der Tod sei so etwas, das ich nie erleiden werde, nur das Sterben. Indem der Tod mich nichtet, gleicht er mathematisch gesprochen der Null, einem Punkt, wo es weder Positives noch Negatives gibt. Somit ist der Tod das Ende alles Negativen. Warum sollte dies Nullsein Ängste hervorrufen, verängstigt doch auch Niemanden das Wissen, daß es lange Zeiten gab, wo ich noch nicht war, weil ich noch nicht gezeugt war und so wird es dann auch wieder sein, wenn der Tod mich genichtet hat. Ist so das Todesproblem überwunden, findet die Antwort der Verheißung eines ewigen Lebens auf dies Todesproblem wenig Resonanz. Für den Heutigen erscheint Seneca, bzw Epikur überzeugender!



 

Sonntag, 10. Oktober 2021

Simuliertes Beten in der Kirche



Das Allerheiligste ist ausgesetzt zur stillen Anbetung nach der hl. Messe und dann schreitet der Priester zum Ambo, in seinem Rücken Jesus Christus in der ausgesetzten Monstranz und betet zur Gemeinde hingewendet: „Jesus, unser Bruder....“.

Wer käme auf die Idee, wenn er zu jemandem sprechen wollte, ihm den Rücken zuzukehren um dann zu sprechen anzufangen? Das Gebet, das der Priester da spricht, ist ja explizite an Jesus Christus adressiert, aber warum spricht er dann zur Gemeinde und dann noch durch ein Mikrophon, damit auch jeder in dem Kirchraum ihn gut verstehen kann? In der ganzen Liturgie agiert der Priester der Gemeinde hin zugewandt, während Jesus Christus im Hochalter in dem dort platzierten Tabernakel unbeachtet weilt. Ist denn die ganze Messe ein einziger Dienst an der Gemeinde, den der Priester oft in Cooperation mit anderen vollzieht? Und was bedeutet das für das Gebet in der Messe?

Davila könnte uns hier auf die rechte Spur bringen, indem er urteilt:„Für den progressiven Katholiken ist das Gebet eine Ermahnung an sich selbst.“ Davila, Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2017,S. 116.

Dem Wortlaut nach wird das Gebet zu Gott oder zu Jesus Christus gerichtet, aber die Körpersprache dementiert dies: Das Gebet ist faktisch eine Redehandlung an die Gemeinde. Kommunikationstheoretisch berachtet beinhaltet eine solche Handlung drei Aspekte: eine Ichaussage, eine über etwas, den Sachgehalt und einen Appell an den Adressaten. So drängt sich die Mutmaßung auf, daß das eigentliche Anliegen der Gebete, isb der Fürbitten ein Appellieren an den Hörer ist: Tue Du das, worum hier gebeten wird! Simuliert würde dann, daß das Gebete an Gott ausgerichtet sei in der Hoffnung, daß Gott es gnädig erhören wird. Dies impliziert, daß Gott mächtig genug ist, ein Gebet zu erhören und daß er dazu auch willig ist. Nun werden genau diese Voraussetzungen der Ermöglichung einer Gebetserhörung aber von progressiven Katholiken verworfen, wie Davila es hier voraussetzt. Die Allmacht Gottes kann aber nicht bestritten werden, denn in jeder monotheistischen Religion muß Gott denknotwendig als allmächtig gedacht werden. Es bleibt dann so nur noch der Ausweg einer Selbstlimitation Gottes, daß er etwa um der Freiheit der Menschen willen nicht mehr in die Geschichte eingreife, damit diese wirklich die freie Hervorbringung des Menschen sein kann. Nur in Ausnahmen wirke Gott dann noch in der Geschichte, als er etwa seinen Sohn von den Toten auferweckt hatte.

Im Hintergrund steht selbstredend das Theodizeeproblem: Warum gibt es Leid in der Welt, wenn sie ein allmächtiger und guter Gott regiert? Die Behauptung, Gott regiere faktisch gar nicht mehr, weil er dem Menschen ihr Schicksal in ihre Hände gelegt habe um seiner Freiheit willen, eine freiheitstheoretisch modifizierte Version des Deismus, ist aber der Tod der christlichen Religion. Dann könnte wirklich Gott nicht mehr im Gebet angesprochen werden, es wäre dann von ihm nichts mehr zu erwarten und zu erhoffen.

Dann muß tatsächlich der Mensch in das Zentrum rücken, daß es dann eben nur noch auf ihn ankäme. Jesus Christus habe keine Hände außer den unsrigen, um jetzt noch wirken zu können, dies Votum tötet dann wahrhaftig die christliche Religion. Sie läßt dann nur noch Gebetssimulationen zu. An die Gemeinde wird dann nur noch appelliert, wenn formal auch noch an Gott das Gebet adressiert wird. Dabei wartet doch unser Heiland, hörbereit im Tabernakel auf unser Gebet! Nur, es wird lieber an die Gemeinde appelliert. Vgl dazu: G.Wozniak, Hilft mir Gott? Wunderbare Gebetserhörungen in der Corona-Krise)



 

Samstag, 9. Oktober 2021

Ist das Christentum dazu da, die sozialen Probleme zu lösen?

Davila urteilt hart: „Dass das Christentum die sozialen Probleme nicht löst, ist nur für diejenigen Grund, abtrünnig zu werden, die vergessen,dass es niemals versprach, sie zu lösen.“ (Es genügt, dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen, 2017.S.114)

Diese Aussage muß irritieren: Ist denn nicht gerade die Nächstenliebe die Substanz der christlichen Religion und ist diese wiederum nicht das Lösungsmittel aller sozialen Probleme? Wird aber zurückgefragt, ob den Jesus Christus die Nächstenliebe gepredigt habe, damit durch ihre Praktizierung die Welt besser gemacht würde, entstehen noch größere Irritationen. Das von Jesus Christus verkündigte Reich Gottes ist nun wirklich nicht eine Sozialutopie und schon gar nicht ein Aufruf zu sozialpolitischen Reformen, um die Gesellschaft gerechter zu gestalten. Jesus lehrt uns stattdessen, wie jemand zu leben ist, damit er eingehen können wird in dies Reich Gottes. Bildlich formuliert: Die Welt gleicht einem untergehenden Schiff und nun gibt es ein Rettungsboot, wie einst die Arche zur Rettung aus der Sintflut, die Kirche, in der man das Weltende überleben kann, um dann in dies ewig jenseitige Reich eingehen zu können. Es ist so gesehen ein extrem individualistischer Ansatz, dem jede sozialpolitische Ausrichtung fremd ist.

Wenn dann noch berücksichtigt wird, daß die Nächstenliebe primär innerkirchlich gelebt wurde, was aber die Attraktivität der urchristlichen Kirche steigerte, ist es klar: Zu den ureigensten Anliegen gehört die Lösung der sozialen Probleme nicht.

Das konnte sich erst ändern, nachdem die Kirche faktisch zur Staatskirche wurde, die christliche Religion zu der öffentlichen des Römischen Reiches avancierte. Da erst wurde die Gesamtgesellschaft zu einer Gestaltungs-aufgabe der Kirche. Nur das Gebot zur Nächstenliebe motiviert wohl dazu, die bedrängenden sozialen Probleme einer Gesellschaft zu lösen, aber der Primat des Individualistischen schränkt doch die Möglichkeiten sozialer Gestaltungsmöglichkeiten ein. Einfach nur die Herzen der Menschen zu bekehren, wie sehr dies auch um des Seelenheiles willen von Nöten ist, löst keine sozialen Probleme. Hier muß auch ein Christ Berthold Brechts: „Der gute Mensch von Sezuan“ recht geben. Der Privatversuch, gut zu leben, und so die Gesellschaft humaner werden zu lassen, scheitert an der Macht der gesellschaftlichen Verhältnisse, die ja nicht das Produkt des Wollens der Einzelmenschen ist und so auch nicht einfach durch bekehrte Herzen sozial werden. Erst der Sozialstaat und nicht die vielen mannigfachen christlichen Vereinigungen, die sich der Not der Mitmenschen annahmen, erbrachte effektive Verbesserungen für die Armen.

Der Sozialstaat kann nun sehr wohl als durch die christliche Religion fundiert angesehen werden, dafür spricht sicher in Deutschland Bismarck als Grundleger des Sozialstaates, aber man kann doch nicht urteilen, daß das Christentum selbst die Lösung der sozialen Probleme als seine Aufgabe ansah und praktizierte.Aber hier dürfte doch auch ein Fragezeichen gesetzt werden. Cooperieren denn nicht jetzt christliche Organisationen mit staatlichen, um in Deutschland aber auch weltweit soziale Probleme zu lösen? Was leistet allein die Caritas? Und doch evoziert dies auch wiederum Bedenken: Ist die Diakonie der Katholischen Kirche nicht inzwischen so weit säkularisiert, daß sie kaum noch als eine christliche wahrgenommen wird?Führte etwa der Wille zur Gestaltung der Gesellschaft aus dem Geiste der christlichen Nächstenliebe zu einer Verweltlichung dieser christlichen Praxis, daß nun die Gesellschaft die Kirche umgestaltete und nicht die Kirche die Welt?

Davila muß zugestimmt werden, daß zwar das Gebot der Nächstenliebe ein Zentralanliegen der christlichen Religion ist, daß sie aber nie verheißen hat, dadurch die sozialen Probleme zu lösen.

Sie verheißt Gott als den eschatologischen Erlöser,aber nicht ein sozialpolitisches Reformprogramm.Vermutlich war diese politische Enthaltsamkeit des Urchristentumes dem jüdischen Volke ein Ärgernis: Es setzte zusehens, sich radicalisierend auf die Hoffnung der Befreiung von der Römischen Fremdherrschaft und dann auch auf eine Neugestaltung des sozialen Lebens. Jesus Christus selbst und die ersten Gemeinden distanzierten sich sehr deutlich von diesem national-revolutionären Programm- das Reich, das es verkündete, war ein rein jenseitiges nicht von dieser Welt. Darum kämpften sie auch nicht für dies mit Waffen. „Was trägt ihr bei zur Befreiung des Jüdischen Volkes, was ist euer praktischer Beitrag zur Sozialpolitik?“, diese Anfragen hat sicher die Urchristen manches mal in Verlegenheit gebracht, bis dann das völlige Scheitern des jüdischen Volkes ihnen nachträglich recht gab. Erst nach der Konstantinischen Wende übernahm dann die Kirche sozialpolitische Aufgaben- Kritiker sehen darin schon den Keim der Verweltlichung der Katholischen Kirche. Es kann aber auch gedeutet werden, daß nun erst das Gebot der Nächstenliebe zu einem sozialpolitischen Engagement führte als Dienst an den Armen.





 

Freitag, 8. Oktober 2021

Der Glaube an den Menschen- Illusionen

Eigentlich ist das doch ganz einfach: Weil Gott jeden Menschen liebt, wird jeder durch die Erfahrung und den Glauben an sein Geliebtwerden zu einem guten Menschen, der dann auch seine Nächsten liebt. So ist der Humanismus fundiert in dem Glauben an das Geliebtwerden jedes Menschen. Der Mensch wird dabei so sehr von Gott geliebt, daß selbst noch der Nichtgottgläubige sich als Geliebter erfährt und so ein guter Mensch wird. Nur in Folge einer traumatisierenden Kindheit könnten so Menschen zu nichtguten werden.

Aber, wird der Gedanke vom Gutsein jedes Menschen so grob skizziert uns vor Augen gestellt, ein kräftiges Unbehagen meldet sich da doch zu Worte: Jeder Blick in eine beliebige Tageszeitung oder in irgendein Geschichtsbuch zeigt uns unwiderlegbar, daß so der Mensch nicht ist.

Ein Dialog aus einem Zukunftsroman: „>Habe ich recht gehört: LOVELY LUCIFER?<fragte Waringer.Promax lächelte matt. >Sie haben, Professor.Wer die Menschen kennt, muß den Teufel für ein liebliches Wesen halten.<“Das ist nun nicht nur eine maßlose pessimistische Übertreibung sondern noch mehr eine völlige Verharmlosung des Teufels, die uns hier H.G.Ewers in dem Roman: „Rückkehr ins Jahr 2000“, Perry Rhodan Nr. 550 zumutet. Aber vielleicht hat diese maßlose Übertreibung doch etwas für sich, daß uns hier diese maßlose Übertreibung auf eine richtige Spur bringt in der Frage, wie denn der Mensch nun wirklich sei. Moralische Vorstellungen vom Menschen, wie er sein zu hat und Wunschvorstellungen, oh wäre der Mensch doch!, so verdunkeln oft die Sicht auf den Menschen, wie er nun mal wirklich ist. Vielleicht ist für die Lebenspraxis auch ganz nützlich, seine Mitmenschen optimistisch verzeichnet wahrzunehmen, um so besser mit ihnen zusammenleben zu können.

Promax gibt aber den illusionslosen Zyniker, sozialisiert mit dem Glauben an das Gute in jedem Menschen nun völlig desillusioniert den Menschen nur noch in seiner reinen Negativität sieht. Ein Argument hat dieser Desillusionierter für sich: Er kann im Namen der unendlich viel gelitten habenden Menschen sich jedes Gerede vom natürlichen Gutsein des Menschen verbieten. Daß die Geschichte der Menschheit eine große Leidensgeschichte mit ein paar wenig eingestreuten Sonnentagen ist, welcher Kenner der Geschichte könnte dem guten Gewissens widersprechen. So spricht es eben für den biblischen Realismus, daß die erste Tat, die sie von dem in der Geschichte wirkenden Menschen für erzählenswert hielt, ein Brudermord war: Kain mordete seinen Bruder Abel.Das ist dann der Anfang einer großen Blutvergißgeschichte, die jetzt in 2 Weltkriegen und danach im millionenfachen Töten von Kindern im Mutterleibe ihre konsequente Fortsetzung fand und findet.

Nur in Liebesfilmen wird uns eine andere, eine wirklich schöne Welt gezeigt, die nicht zu kritisieren ist weil die wirkliche so ganz anders geartet ist. Hans Sedlmayr zitiert Dostojewski so: „Warum liebt der Mensch bis zur Leidenschaft gleichfalls die Zerstörung und das Chaos.“ (Verlust der Mitte, 1973, S.106) Hier muß aufmerksam gelesen werden: Nicht ist hier gemeint, daß der Mensch die Zerstörung und das Chaos verursacht, um ein Ziel zu erreichen, das er so sehr liebt, daß er dafür dies Beides in Kauf nimmt, sondern daß die Zerstörung und das Chaos um ihrer selbst willen geliebt werden. Solch einen Menschen darf und kann es in den huma-nistischen Illusionen über den Menschen nicht geben. Auf zweierlei Weise kann nun die humanistische Illusion diese inakzeptable Realität außer Kraft setzen: a) in der konservativen Konzeption, daß doch früher der Mensch so nicht gewesen sei, er erst jetzt so entartet sei oder b) in der progressiven Konzeption, daß er zwar jetzt so sei, aber zukünftig ein ganz anderer sein wird, nämlich ein richtig guter Mensch.

In diesen beiden Zitaten gibt es für diese zwei Ausweichmanöver keinen Spielraum: So ist der Mensch, so war er und so wird er auch immer sein. Theologisch ist dann zu fragen, ob dieser Pessimismus nicht im Recht ist, solange von den menschlichen Möglichkeiten zum Gutwerden ausgegangen wird. Es soll nun nicht gleich die Zuflucht in den Diskurs, was vermag der Mensch an Gutem, wenn er dazu von Gott begnadet wird, genommen werden, um einfach ein mal zu konstatieren, wie es um den Menschen nach seinem Sündenfall steht, wenn er nicht durch Gottes Gnade zum Guten befähigt wird. Es könnte doch sein, daß uns das Verständnis von der Bedeutung der göttlichen Gnade abhanden gekommen ist, weil ganz verdrängt worden ist, wie der postlapsarische Mensch außerhalb der Gnade Gottes ist, die ihn auch effektiv zum Guten befähigt: der Mensch eben ohne die Gnade Gottes.



Komplifikationen

Ein Trugschluß: Indem jedes Tuen ein Streben nach einem Gut sei, sei es auch ein moralisches Streben nach etwas Guten, das Gut ist ob seiner Partizipation an dem Guten, der Idee des Guten. Es kann auch etwas Böses erstrebt werden, etwa der Lustmord aus der Lust am Quälen und Morden. So gilt dann auch nicht, daß nur durch eine Wahl unmoralischer Mittel ein Streben nach einem Gut etwas Unmoralisches, Böses wird- etwa der Nahrung stillt, um sich zu sättigen.

Ein Irrtum: Alles Sündige wäre auch etwas Unmoralisches. So gilt heutzutage der Nichtglaube an Gott nicht als etwas Unmoralisches, im Urteile Gottes ist es aber eine Sünde.



Ein weiterer Irrtum: Alles Unmoralische ist auch eine Sünde vor Gott. Dann hätte Abraham vor Gott gesündigt, denn nur allein sein Tötungsversuch, seinen Sohn zu opfern, ist eine unmoralischer und zu bestrafender Versuch, Gott aber rechnet ihm diesen Gehorsam zur Gerechtigkeit an.



Was ist dann das Böse, zu dem der Mensch neigt und es auch so oft realisiert? Und doch stimmen wir- nach einer spontanen Abwehr den beiden obigen Zitaten mehr zu als dem Glauben an das Gutsein jedes Menschen.



Dieser Glaube an den guten Menschen ist ursprünglich ein Fragment aus der christlichen Religion, daß der Mensch vor seinem Sündenfall gut geschaffen war, der aber in der Geschichte Auftretende es dann nicht mehr ist, denn in ihr wirkt nur noch der Mensch nach seinem Sündenfall. Die modernistisch-psychologistische Variante ist dann die, daß der Mensch durch Gottes Relation zu ihm, daß ER ihn liebt, zu einem guten Mensch wird- aber durch Relationen ändert sich der Mensch nicht- sondern nur durch eine Eingießung göttlicher Gnaden in ihn. Aber diese Gnade kennt die postkonziliare Theologie nicht mehr.