Freitag, 17. Dezember 2021

Bedenkliches zum Thema: " Freimaurerei und Katholische Kirche"

Bedenkliches zum Thema: „Freimaurerei und Katholische Kirche"


In dem mehr als lesenswerten Buch: „Keine Einheit ohne Wahrheit“ von Heinz-Lothar Barth ist ein Kapitel diesem Thema gewidmet. (1999, S.146-151) Da das Freimaurertum eine im Geheimen operierende Organisation ist, bei der auch anzunehmen ist, daß nur die „Oberen“ ganz in die eigentlichen Anliegen vertraut sind, während die Niederen nur Teile des Gesamtprogrammes bekannt sind, ist es sehr erfreulich, daß in diesem Kapitel ein paar zuverlässige Informationen über das Ansinnen mitgeteilt werden.

Der Großmeister der Grant Orient Loge Jacques Mitterrand bekennt so im Jahre 1968 ganz freimütig:

Unsere eigentliche Aufgabe ist der Dienst an der Zukunft.Der Zukunft dienen, das bedeutet in unserer Epoche nicht nur die Verteidigung der Menschenrechte – eine Aufgabe und ein Anliegen,das uns von unseren Vätern anvertraut worden ist.Es bedeutet nicht nur, dem Selbstbestimmungsrecht zu dienen, wie es der von uns geschaffene Grundsatz ist. Es bedeutet ebenso, der Republik zu dienen, und das verlangt in unserer abendländischen Welt auch die Auflehnung gegen die Kräfte der Reaktion, wie sie durch die römisch-katholische Kirche verkörpert werden. Wir begnügen uns nicht damit, in unseren Tempeln die >gedeckte< Republik zu sein,wir sind gleichzeitig die Gegenkirche, denn wir stehen für das Leben, für die Hoffnung, für das Licht, den Fortschritt usw usw.“ (S.148)

Offenherziger kann der Katholischen Kirche nicht der Krieg erklärt werden.

Barth sagt dann, daß einen Großteil ihrer Ziele das Freimaurertum in Folge des 2.Vaticanums schon als erreicht ansieht. Kapriziert man sich auf die Menschenrechte, eine Hervorbringung der französischen Freimaurerei, die ja auch als der Ideengeber der Französischen Revolution fungierte und hält sich das Faktum der vorbehaltlosen Bejahung der Menschenrechte durch die Kirche in diesem Reformkonzil vor Augen, wird dieser These Barths kaum widersprochen werden können. Slavoj Zizek, ein Philosoph, der gewiß nicht im Rufe steht, heimlich mit vorkonziliaren Traditionalisten zu sympathisieren, urteilte so:

Und zu guter Letzt, die >Freiheit des religiösen Glaubens< ist das Recht, falsche Götter zu verehren.“ Zizek, Lacan, 2008, S.61. Daß die Kirche tatsächlich ein Menschenrecht zur Verehrung von Götzen anerkennt, muß als eine Selbstdestruktion der Kirche qualifiziert werden. Nicht mit einem naiv grobianischem Atheismus wird so die Katholische Kirche bekämpft sondern viel effektiver mit der Parole der Gleich-Gültigkeit aller Religionen. Aus dem Urteil, alle Religionen seien gleich gültig, entspringt eben konsequenterweise die Ansicht der Gleichgültigkeit aller Religionen. Worauf es allein ankäme, wäre eben das Engagement für den Fortschritt, für eine Humanisierung der Welt.

Die Katholische Kirche blieb bei ihrem klaren Nein zum Freimaurertum (S.151), aber es ist doch zu fragen: Wie viel an freimaurerischem Gedankengut ist seit dem Konzil in die Kirche eingedrungen?

Es sei hier anstatt vieler Belege nur auf diesen Bericht von Kath net am 18.2.2020 erinnert: „Spanische Freimaurer loben Papst Franziskus Engagement für den >Tag der Geschwisterlichkeit<“. Das heißt im Klartext: Eine Organisation, die sich als die „Gegenkirche“ der Katholischen Kirche versteht, lobt ihren Feind. Wer daraufhin sich mit den Gehalten dieses Tages beschäftigt, findet er denn nicht da all das wieder, was der Logengroßmeister Mitterand 1968 als Programm der Zukunft verkündete?

 

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