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Mittwoch, 1. Juli 2026

Gott ist die Liebe – ein paar verwirrende Anfragen dazu und ein Lösungsversuch

 

Gott ist die Liebe – ein paar verwirrende Anfragen dazu und ein Lösungsversuch


Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.”1.Johannes 4,16b. Das ist doch eine eindeutige und klare Aussage und befreit uns vor den theologischen Spekulationen über Gott, weil hier sich gleich auf das Praktische konzentriert wird. Aber was, wenn nun angefragt wird: Liebe zu wem? Liebt Gott jeden Menschen, weil sie seine Geschöpfe sind, liebt er dann auch den Teufel und seine Daimonen, da er die ja auch erschaffen hatte, die er als gute Kreaturen erschuf und von denen er vorauswußte, daß sie gegen ihn rebellieren werden und so zu den Mächten der Finsternis wurden?

In welcher Liebe zu wem muß der Mensch bleiben, damit er in Gottes Liebe zu ihm bleibt? Ist hier an seine Liebe zu Gott und zu den Menschen zu denken, oder reicht etwa die Menschenliebe? Und was hat es für Folgen, wenn ein Mensch weder Gott noch seine Mitmenschen liebt? Die Aussage: „Wer in der Liebe bleibt“, ist doch conditional zu verstehen: Wer diese Condition erfüllt, der und nur der bleibt in Gott, wird also von ihm geliebt. Es gibt also die Möglichkeit eines Herausfallens aus dem Geliebtwerden von Gott.

Aber diese Aussage ist noch viel schwieriger als ein naiver Leser es sich vorstellt. Gott liebt: Diese Aussage ist klar: Gott fungiert als ein Subjekt, dem das Prädikat: „lieben“ zugeschrieben wird. Das evoziert nun die Nachfrage, die zur Klärung dieser Aussage notwendige: Liebt Gott notwendig, kann er nicht anders als zu lieben oder ist es ein kontingentes Geschehen, daß er also freiwillig liebt, daß er also auch freiwillig nicht lieben könnte? Wenn nun die Liebe des Menschen zu Gott und zu den Menschen als die Condition anzusehen ist, daß Gott einen Menschen liebt, dann kann diese Liebe keine notwendige sein, daß Gott völlig unabhängig davon, ob ein Mensch liebt, ihn liebt und immer lieben wird.

Aber in der Aussage wird das Lieben Gottes nicht prädikativ verwendet, sondern als eine, oder gar die Wesensbestimmung Gottes selbst. Damit steht die Theologie vor einer der schwierigsten Aufgaben, zu durchdenken, was das Wesen Gottes ausmacht. Dem Menschen, wie auch allen Geschöpfen Gottes ist durch Gott eine ihm und allen eigene Natur vorgegeben, dem Menschen seine menschliche Natur, zu der er sich dann noch reflexiv verhalten kann: Der Mensch kann sich bejahen als das, wozu ihn Gott erschaffen hat, erst Mal seine Natur oder er kann sie verneinen, indem er entweder mehr als ein Geschöpf Gottes sein will oder weniger. Aber stets liegt ihm seine Natur voraus zu der er sich dann sekundär kontingent verhalten kann. Diese Natur ist die Idee Gottes vom Menschsein und geht so ante rem seiner Existenz voraus. Aber die Idee des Menschen hat Gott selbst kontingent hervorgebracht, denn er hätte dem Menschen auch eine andere Natur zudenken können. Die ideele Welt, das Glaubensbekenntnis subsumiert sie unter die unsichtbare Welt, ist so von Gott verschieden, wie Gott als das Subjekt von dem verschieden ist, was er hervorbringt als von ihm Gedachtes, seinen Ideen.

Verhält sich nun Gottes Natur zu seinem Tuen wie es beim Menschen sich verhält: Sein Sein geht seinem Tuen voraus,wenn dabei unter dem Sein nicht das pure Seien sondern ein bestimmtes Sein, die Natur Gottes bzw die Natur des Menschen gedacht wird? Dann würde Gott wie ein kreatürliches Seiendes gedacht, also univok und nicht analog, ähnlich= analog und nicht gleichartig= univok. Die Natur des Menschen ist die Idee Gottes vom Menschsein, die jeder Einzelexistenz des Menschen zugrunde liegt, aber wie könnte nun Gott gedacht werden als ein Subjekt, dem seine eigene Natur genauso zugrunde liegt und zu der er sich dann nur noch reflexiv verhalten könnte wie ein Mensch?

Omnes determinatio est negatio, diese philosophische Erkenntnis kann und darf auch die Theologie nicht mißachten. Die Natur Gottes, das was ihm dann als zugrunde liegend gedacht würde, wäre als eine bestimmte eine Einschränkung Gottes: Sie besagt, indem sie aussagt, was Gott ist, was er alles nicht ist, weil er ein bestimmtes Sein ist. So würde Gott wie ein Mensch als ein Geschöpf gedacht, als eines das bestimmt ist und nicht durch sich selbst bestimmt ist. So kann aber Gott nicht als Gott gedacht werden.

Gott ist die Liebe“ muß also als das Ergebnis des göttlichen Selbstbestimmungsaktes gedacht werden: Er hat sich dazu bestimmt, die Liebe zu sein. So wird Gott als causa sui gedacht. Gott setzt somit eine Ordnung der Liebe, in der er sich selbst positioniert. In dieser Ordnung gilt nun die Aussage:“Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.”1.Johannes 4,16b. Nicht ist Gott so die Liebe,daß er von seiner Natur aus jeden Menschen lieben müßte, gleichgültig wie er sich dem Menschen gegenüber verhält.

Corollarium 

Eingedenk Heraklits These:„Der Krieg ist der Vater aller Dinge, aller Dinge König; die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“ könnte man es so denken: Erst durch das Setzen von Differenzen, das etwas nur etwas ist, indem es etwas anderes nicht ist, entsteht bestimmtes Seiendes. Wenn Gott völlig unbestimmt wäre, wäre er weder für sich selbst noch für andere erkennbar, im Sinne Plotins wäre Gott das völlig Unerkennbare. Indem Gott sich aber selbst erkennt bestimmt er sich in diesem Akt zu etwas, zu seinem Gottsein und setzt damit die Differenz zu allem, was nicht Gott ist.  Den Krieg deute ich hier als das Setzen von Differenzen, daß alles, was ist, nun nur etwas ist, indem es nicht so ist wie alles andere: "Ich bin ich, weil Du nicht ich bin!"

In dem Wikipediaartikel "Das Eine" wird die neuplatonische Position und damit auch Plotins vortrefflich charakterisiert:

"Wegen seiner absoluten Einfachheit bildet das absolut transzendente Eine den äußersten Gegensatz zum Differenzierten und Mannigfaltigen. Es kann keine Unterscheidung enthalten, weder eine Zweiheit noch sonstige Pluralität. Jede Aussage, die eine positive Bestimmung darstellt, widerspricht dem absolut undifferenzierten Charakter des Einen, denn jede positive Bestimmung impliziert einen Unterschied, einen Gegensatz und damit Nicht-Einheit. Man kann nicht einmal wahrheitsgemäß aussagen, dass das Eine „ist“, denn das Sein als Gegenteil des Nichtseins oder das vollkommene Sein im Gegensatz zu einem geminderten Sein setzt bereits eine Unterscheidung voraus und damit etwas, was dem Einen nachgeordnet ist. Das Eine ist „überseiend“, es transzendiert das Sein. Es ist kein „Etwas“.

Als höchste Instanz nimmt dieses Eine im Neuplatonismus die Stellung ein, die in religiösen Systemen Gott bzw. der obersten Gottheit zukommt. Wegen seiner absoluten Bestimmungslosigkeit und seiner Seinstranszendenz dürfen ihm aber keine göttlichen Merkmale zugeschrieben werden. Daher ist sogar die Identifizierung des Einen mit dem Guten aus neuplatonischer Sicht nur unter einem bestimmten Gesichtspunkt angebracht. Wenn das Eine aus der menschlichen Perspektive betrachtet wird, erscheint es als etwas Höheres und damit Gutes und kann daher als „gut“ bezeichnet werden. An und für sich ist es aber auch von dieser Bestimmung frei. Genau genommen ist es weder gut noch schlecht, sondern jenseits solcher Begrifflichkeit."

Ich möchte vorschlagen, das Verhältnis des "Eines" zu dem "Nous" bei Plotin als ein den Übergang vom Einen zum Nous als den Selbstbestimmungsakt Gottes zu rekonstruieren. 


  

Dienstag, 23. Juni 2026

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel

 

Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel


Man möge sich ein Mal vorstellen, daß ein Lehrer den Unterschied zwischen einem „Trabant“ (Trabi) und einem Mercedes erklären wollte, ohne zu klären, was denn ein Auto(mobil) sei. „Was das Autosein des Autos ausmache, das sei viel zu kompliziert und zu abstrakt für die Schüler,es falle ihnen leichter, die sinnlich wahrnehmbaren augenfälligen Unterschiede zu benennen.“

Klingt das absurd, aber nicht in den Ohren der Religionslehrer: Hier will man die christliche Religion vermitteln, ohne zu erklären, was denn die Religion überhaupt sei, um dann die bestimmten Religionen zu erfassen.Ja, es wird sogar ganz auf den Begriff der Religion verzichtet, um zu suggerieren, daß die christliche gar keine sei, auch um sie so vor der Religionskritik zu immunisieren.

Aber wie nicht erklärt werden kann, was ein „Trabi“ ist, eine bestimmte in Ostdeutschland viel gefahrene Automarke, ohne zu klären, was denn ein Auto sei, so wenig kann die christliche Religion vermittelt werden ohne das ein Verständnis, was denn die Religion sei vermittelt wird.

Ich möchte hier Peter Sloterdijks These von der postmetaphysischen Umformung des Christentumes aufnehmend1 die These vertreten, daß diese Art der Vermittelung selbst eine postmetaphysische ist. Denn es ist eine metaphysische Fragestellung, ob alle empirisch vorfindlichen Religion die individuierte Erscheinungen der Religion, der Wesens, der Idee der Religion sind, oder ob es nominalistisch gedacht nur die einzelnen empirisch vorfindlichen Religionen gäbe aus denen abstrahierend dann eine Vorstellung von der Religion als der Substanz aller Religionen konstruiert wird.Ein entmetaphysiertes Christentum erscheint dann als ein sogenanntes „religionsloses Christentum“, wie es in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer genannt wird. Die Vulgärversion stellt das politische Christentum dar, das seine Wesen in dem Kampf gegen Rechts und für die „Klimagerechtigkeit“ erblickt.

Aber die christliche Religion ist als eine Religion erst Mal etwas ganz anderes als ein Weltverbesserunsengagement. Im Zentrum steht die Gottesverehrung, das Wissen, daß unser Wohlergehen in erster Linie von der Gunst Gottes und deswegen von der rechten Gottesverehrung abhängig ist. In diesem Punkte dürften sich unsere frommen germanischen Vorfahren von den frommen Christen nicht unterschieden haben, die Differenz liegt allein in dem Wie der richtigen Verehrung.

Nun könnte viel über die Differenzen der Religionen von mir geschrieben werden, daß sie Gott selbst nicht gleichgültig sind, daß er zwischen der wahren und den falschen Religionen distinguiert, aber das darf erst nach dem, was das Wesen der Religion ausmacht, geschrieben werden.

1Peter Sloterdijk; Nach Gott, 2017.S.228.

Donnerstag, 13. Juli 2023

Grundlegendes: Ein kurzer Blick auf die Verfallsgeschichte des Gemeinschaftslebens

Grundlegendes: Ein kurzer Blick auf die Verfallsgeschichte des Gemeinschaftslebens Die Aufgabe des Staates sei es, „alle Kräfte der Nation zur Entfaltung zu bringen,indem er auf jedem Gebiet die Interessen der einzelnen der Gesundheit und der Schaffenskraft des Ganzen unterordnet.“Emanuel Hirsch, Deutschlands Schicksal, 1925, S.81. Vor fast 100 Jahren geschrieben, ist diese Betrachtung immer noch von bleibender Aktualität, weil sie nie aktuell sein wollte, sondern grundsätzliche Fragen erörtert, im 6.Kapitel: „Staat,Volk und Menschheit“ die „Zusammengehörigkeit von Staat und Nation“. Warum ist das so? „Wir können es ertragen,daß der Staat unsre Kräfte und unser Dasein so selbstherrlich für den Dienst des Ganzen in Anspruch nimmt,wenn das Leben dieses Ganzen uns nicht fremd ist,sondern von uns als unser eigenes Leben empfunden wird. Unsre ganze persönliche Eigenart wurzelt nun aber in der unsers Volkes. Wir sind in unserm Denken und Fühlen nicht frei,sondern durch eine von unserem Dasein unauflösliche Notwendigkeit national gebunden.“ (S.81) Im Staat hat so das Volk sein eigenes Leben und der Einzelne in seinem Volke.Genau hiergegen kämpft die Ideologie des Liberalismus, für den es kein Gemeinschaftsleben geben kann, sondern nur Einzelinteressen und den homo oecomomicus als dem Zentrum des Lebens. Wie sehr diese Ideologie inzwischen die vorherrschende geworden ist, ist erkennbar daran, wie befremdlich diese Gedanken Hirschs heute uns erscheinen. Der Einzelne habe sein Leben für sich. Die Gesellschaft kann dann nur ein Medium sein, daß ihm zu seinem Eigenleben verhilft, indem er in ihr seinen Lebensunterhalt verdient und dann als Konsument selbst gestaltet. So kann es kein gemeinschaftliches Leben geben, keine Ziele, die die Gemeinschaft als Ganzes erstrebt. Hirsch zitiert zustimmend Treitschke: „Der Staat ist das als unabhängige Macht rechtlich geeinte Volk“ (S.82) Hirsch bindet nun den Volksbegriff auf Gott zurück, indem er schreibt: daß das Volk das in der Menschheitsgeschichte werde, „wozu Gott es bestimmt hat“. Das sei die Aufgabe des Staates. Erhellend dafür wäre ein Nachzeichnen der Wirkungsgeschichte des Nominalismus, daß den Abstraktbegriffen, wie etwa dem des Volkes keine Realität zukomme, es seien eben nur Nomen. Alexander Dugin, (Das grosse Erwachen gegen den Great Reset, 2021, S.7f) bietet dazu Erhellendes: „Der >Nominalismus< bereitete den Boden für den zukünftigen Liberalismus,sowohl in ideologischer als auch in ökonomischer Hinsicht.Hier wurden die Menschen nur noch als Individuen angesehen und sonst nichts, und alle Formen kollektiver Identität (Religion, Klasse) wurden abgeschafft.“(S.7) Wenn die Begriffe des Volkes, der Nation nur leere Worte sind, dann bleibt eben nur der Einzelmensch mit seinen Interessen übrig, der nur noch über Verträge sein Leben mit dem anderer verbindet, hauptsächlich mit Kaufverträgen. Über das Interesse des Einzelbürgers hinaus, gut konsumieren können, hinaus existiert so nichts. Ganz anders sieht das Leben aus, wenn der Einzelne sich als ein Glied seines Volkes begreift, in dem er dann sein Leben hat, das sich im staatlichen Leben gestaltet. Gerade in diesem Leben realisiert nun der Christ sein Leben der praktizierten Nächstenliebe in seiner Pflichterfüllung, die ihn aus der Neigung zur egozentrischen Privatexistenz befreit.