Absurde Religionspädagogik- ein Beispiel
Man möge sich ein Mal vorstellen, daß ein Lehrer den Unterschied zwischen einem „Trabant“ (Trabi) und einem Mercedes erklären wollte, ohne zu klären, was denn ein Auto(mobil) sei. „Was das Autosein des Autos ausmache, das sei viel zu kompliziert und zu abstrakt für die Schüler,es falle ihnen leichter, die sinnlich wahrnehmbaren augenfälligen Unterschiede zu benennen.“
Klingt das absurd, aber nicht in den Ohren der Religionslehrer: Hier will man die christliche Religion vermitteln, ohne zu erklären, was denn die Religion überhaupt sei, um dann die bestimmten Religionen zu erfassen.Ja, es wird sogar ganz auf den Begriff der Religion verzichtet, um zu suggerieren, daß die christliche gar keine sei, auch um sie so vor der Religionskritik zu immunisieren.
Aber wie nicht erklärt werden kann, was ein „Trabi“ ist, eine bestimmte in Ostdeutschland viel gefahrene Automarke, ohne zu klären, was denn ein Auto sei, so wenig kann die christliche Religion vermittelt werden ohne das ein Verständnis, was denn die Religion sei vermittelt wird.
Ich möchte hier Peter Sloterdijks These von der postmetaphysischen Umformung des Christentumes aufnehmend1 die These vertreten, daß diese Art der Vermittelung selbst eine postmetaphysische ist. Denn es ist eine metaphysische Fragestellung, ob alle empirisch vorfindlichen Religion die individuierte Erscheinungen der Religion, der Wesens, der Idee der Religion sind, oder ob es nominalistisch gedacht nur die einzelnen empirisch vorfindlichen Religionen gäbe aus denen abstrahierend dann eine Vorstellung von der Religion als der Substanz aller Religionen konstruiert wird.Ein entmetaphysiertes Christentum erscheint dann als ein sogenanntes „religionsloses Christentum“, wie es in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer genannt wird. Die Vulgärversion stellt das politische Christentum dar, das seine Wesen in dem Kampf gegen Rechts und für die „Klimagerechtigkeit“ erblickt.
Aber die christliche Religion ist als eine Religion erst Mal etwas ganz anderes als ein Weltverbesserunsengagement. Im Zentrum steht die Gottesverehrung, das Wissen, daß unser Wohlergehen in erster Linie von der Gunst Gottes und deswegen von der rechten Gottesverehrung abhängig ist. In diesem Punkte dürften sich unsere frommen germanischen Vorfahren von den frommen Christen nicht unterschieden haben, die Differenz liegt allein in dem Wie der richtigen Verehrung.
Nun könnte viel über die Differenzen der Religionen von mir geschrieben werden, daß sie Gott selbst nicht gleichgültig sind, daß er zwischen der wahren und den falschen Religionen distinguiert, aber das darf erst nach dem, was das Wesen der Religion ausmacht, geschrieben werden.
1Peter Sloterdijk; Nach Gott, 2017.S.228.
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