Wie in einer Predigt über das Beten und Fasten Jesu Christi Verkündigung verfälscht wird
So lehrt der Sohn Gottes selbst, der Lehrer der Wahrheit: „Und wenn ihr betet,sollt ihr nicht sein wie die Heuchler,die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten,damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich,ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.“ Mt 6,5 Wenn die so Betenden ihr Gebet in der Intention vollzögten, daß auch die Anderen so beten mögen, dann wäre dies öffentliche Beten nichts Kritikwürdiges. Aber ihre Intention ist die, von den Anderen dafür anerkannt zu werden. Das ist ihr Lohn, den sie so erwirken wollen und Jesus bezweifelt nicht, daß sie ihn auch so erlangen werden.
Das gilt ebenso für das Fasten: Wer so fastet, daß die Anderen es merken und loben, der bekommt so seinen so erstrebten Lohn. Mt 6,17.
Wie betet und fastet man denn nun richtig als Christ: Man bete und faste im Verborgenen, um so nicht von den Mitmenschen eine Anerkennung zu finden,sondern damit Gott sie für ihr Beten und Fasten belohnen wird. In Mt 6d,9f verweist uns Jesus auf die fundamentale Alternative,daß wir entweder nach einem irdischen Lohn oder nach dem himmlischen streben können. Wer nach einem irdischen strebt, der erlangt ihn dann auch, aber er wird dann keinen himmlischen mehr erlangen und wer auf das Streben nach einer irdischen Belohnung verzichtet, wird den himmlischen Lohn erlangen. Dabei wird dann der irdische als ein vergänglicher, der himmlische als ein unvergänglicher qualifiziert.
Was machte daraus die auf diese Texte fußende Predigt ? Wir sollen nicht nach Lohn streben, sondern das Gute um des Guten willen vollbringen. Psychologisch gedeutet heißt das: Es kann auf eine externe Belobigung unseres guten Tuens verzichtet werden, da wir das Belobigtwerden so internalisiert haben, daß unser eigenes Gewissen das Belohnen übernimmt, wir also keiner externen Belohnung mehr bedürfen. Dies Sichselbstbelohnen ist dann aber nur ein Sonderfall des Strebens nach einer innerweltlichen Belohnung,daß ich selbst nach einem guten mich so belohnenden Gewissen strebe.
Jesus aber bejaht das Streben nach einer Belohnung für unser Tuen, nur soll der Christ danach streben, von Gott belohnt zu werden, den Himmelslohn zu empfangen und das ist, daß wir eintreten dürfen in das Reich Gottes in das ewige Leben. Stattdessen wird suggeriert, daß ein Streben nach einem Lohn an sich verwerflich sei, egal ob ein irdischer oder ob der himmlische Lohn erstrebt wird. Zudem wird die jenseitige Perspektive völlig ausgeblendet, daß der Himmelslohn ein jenseitiger ist. Das gute Tuen soll stattdem schon hier auf Erden dem Christen guttuend sein, indem er das Gute um des Guten willen wirkt und es darin genießt. Denn alles Tuen hat entweder seinen Zweck in sich selbst, dann wird es genossen oder hat seinen Zweck außer sich, dann wird nicht das Tuen sondern das Erreichen des Zweckes genossen.Vgl hierzu den hl.Augustin über die Unterscheidung von "uti"= gebrauchen zu etwas und "frui"= genießen, etwas um seiner selbst willen tuen.
Dieser Immantismus, daß das Gute Tuen sich in sich selbst belohnt, verkennt, daß Gott allein der Richter unseres Tuens und Nichttuens ist, der so uns belohnt oder auch nicht belohnt. Diesem Immantismus wohnt nun auch die Tendenz inne, die Folgen unseres Sündigens als eine immanente Auswirkung der Sünde auf den Sündigenden zu verkennen: Gott straft so auch nicht, wie er auch das Gute Tuen nicht selbst belohnen wird. Jesus Christus lehrt uns nun etwas völlig anderes, daß Gott gerecht belohnt und bestraft.
Vergleiche dazu meinen Artikel: "Ein Erklärungsversuch der heutigen Kirche und ihrer Theologie". Diese Predigt ist ein gutes Anschauungsbeispiel für eine postmetaphysische Theologie ob ihres Immatismuses.
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