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Mittwoch, 25. Februar 2026

Ein Verdacht über einen Zusammenhang von Karneval/Fasching und dem Aschermittwoch

 

Ein Verdacht über einen Zusammenhang von Karneval/Fasching und dem Aschermittwoch


Auf den ersten Blick existiert da kein wie auch immer gearteter Zusammenhang. Mit dem Aschermittwoch, einem von der Kirche festgesetzten Fastentag eröffnet die Kirche die 40 tägige Fastenzeit als die Vorbereitungszeit für das Hochfest Ostern. Nicht schaut der Gläubige zurück, sondern er richtet sich auf Ostern aus, wobei dann jeder Fastensonntag schon ein Antizipieren des Hochfestes ist.

Aber warum werden dann ein paar Tage davor mehrtägige Hochfest des Karnevals und des Faschings gefeiert, und warum setzt dann der Aschermittwoch dem ein so rabiates Ende. Oberflächlich könnte man meinen, daß nun am Mittwoch das Zuviel an Essen und Trinken abgefastet wird, man müsse wieder auf seine Figur achten und was da zu viel sei, gälte es nun, per Diät loszuwerden. Die Eßsünden seien so abzubüßen.

Das verleitet nun zu einer tiefgründigeren Vermutung, daß man halt in den närrischen Tagen mal „die Sau loslassen“ dürfe, da man nach solch exzessiven Tagen sie dann ja am Aschermittwoch abbüßt. Die Nachfolge Christi, so wie sie lange Zeit die Kirche im Sinne Jesu Christi lehrte, war eben kein Weg lauter Lustbarkeiten und erfüllt von Vergnügungen. Eingedenk eines so zivilisationskritischer Werkes wie Elias: „Prozeß der Zivilisation“ oder des großen Gemurres wider die den Menschen zu sehr einpferchenden Kultur und ob der Sehnsucht nach einem natürlichen Leben, frei vom Manierismus der Hochkultur könnte man doch auf die Idee kommen, daß Dostojewskis „Großinquisitor“mehr recht hat, als ihm seine katholischen Kritiker zubilligen. Die Kirche kenne nun mal ihre Pappenheimer, wie die Gläubigen wirklich sind im Unterschied zu dem, wie sie eigentlich sein müßten, wären sie wirklich Gläubige. Da erlaube oder toleriere die Kirche eben für eine befristete Zeit, daß die Christen sich närrisch auslebten als wenn es doch faktisch eine Überforderung wäre, sollte der Mensch ununterbrochen vernünftig leben oder gar sein Kreuz auf sich nehmend Jesus nachfolgen.

Man könnte meinen, daß ein gewisses Unbehagen an der Kultur, die das ganze Leben in allem und jeden reguliert,verständlich ist und so auch die Sehnsucht nach Ausnahmezustandszeiten nicht unvernünftig ist. Der Großinquisitor würde dazu sagen: Die von Jesus und der Kirche eingeforderte Nachfolge Jesu überfordere auch die Christen. Deswegen brauchen sie Ausnahmetage, um dann wider christlich leben zu können. Die Katholische Kirche ruft weiterhin zur Nachfolge Jesu Christi, aber sie erlaubt oder toleriert dann auch den Gläubigen „Urlaubstage“, Zeiten des Narrentumes! Wer stets vernünftig leben will, der braucht auch ein paar Narrentage, damit er dann wieder vernünftig lebt.

Aber solche exzessiven Narrentage müssen dann auch abgebüßt werden und dafür ist der Aschermittwoch eingesetzt, könnte im Sinne des Großinquisitors gemeint werden. Der Großinquisitor Dostojewskis ist ja kein tyrannischer Despot sondern ein die Menschen Liebender, der aber gerade so um die menschliche Schwachheit weiß und so Rücksicht nehmen will auf die Menschen, wie sie nun mal wirklich sind, obzwar sie doch eigentlich alle zur Heiligkeit Berufene sind.

So könnte man sich das Verhältnis von den Narrentagen zu dem Aschermittwoch denken, aber es könnte auch ein Irrtum sein.


Ein ähnlicher Fall: Man sage mal zu einem unverheirateten Mann, daß er jungmännlich zu leben habe. Wird der so Angesprochene sich unter der Jungmännlichkeit irgendetwas Sinnvolles verstehen können. Sagt man zu einer unverheirateten Frau, daß sie jungfraulich zu leben habe, wird sie sofort verstehen, was damit gemeint ist und dann diese Anforderung brüsk abweisen.. Nach der Lehre der Kirche müßten alle Unverheirateten enthaltsam leben, aber es drängt sich doch die Vermutung auf, daß man faktisch nur die Jungfraulichkeit gefordert hatte, den Männern aber kein enthaltsames Leben auferlegt hatte. Männern, außer ein paar Heiligen kann man die Enthaltsamkeit als wirklich zu leben, nicht abverlangen. Der hl. Augustin wie auch der hl. Thomas urteilen deshalb ja, daß die Prostitution nicht verboten werden dürfe, um die Frauen, die bis zu ihrer Verheiratung enthaltsam leben wollen, vor der Sexualität der Männer zu schützen! Dem hätte der Großinquisitor gewiß zugestimmt.


Meine Empfehlung: Lese den Großinquisitor gerade nicht in Narrenzeiten, sondern wenn es gilt, vernünftig zu urteilen!Der Text ist genial! 



Donnerstag, 6. März 2025

Ein arger Verdacht zum Karnevals/Faschingtreiben und dem Aschemittwoch

 

Ein arger Verdacht zum Karnevals/Faschingtreiben und dem Aschemittwoch



Die Parole der Deregulierung und der gemäigteren Variante der Entbureau-kratisierung ist jedem Zeitgenossen wohlvertraut, weniger aber Bertold Brechts Einwand, daß schlechte Zeitungen kein Argument für deren Abschaffung sondern vielmehr eines für bessere Zeitungen sei. Nicht sind bureaukratische Vorschriften an sich etwas Negatives, aber bureaukratische Regeln können nichtgute sein. Das gilt so auch für jedes Regulieren. Warum evozieren dann diese zwei Parolen ad hoc eine wohlwollende Zustimmung und was soll das denn nun gar mit dem Karnevals- und Faschingtreiben zu tuen haben?

Der natürliche Mensch frißt und säuft, der kultivierte ißt und trinkt. Wie man was ißt und trinkt reguliert die Kultur und sie reguliert auch die Sexualität. Ein Unbehagen an der Kultur kann diese Regulierung erwecken und sie produziert die Vorstellung eines natürlichen Zustandes, in der wir Menschen noch unentfremdet natürlich lebten: befreit von den Ketten der Kultur menschlich leben. Die Anfänge der Ethnologie lebten aus dieser Vision der Suche nach Menschen, die als Naturvölker noch authentisch lebten. Der „Wilde“, der glich dabei in erstaunlicher Ähnlichkeit dem gallischen Dorf von Asterix und Obelix: Ganz Gallien wird von der römischen Kultur beherrscht, aber nicht ganz Gallien, denn dies eine Dorf widersetzt sich der römischen Beherrschungskultur. Das wahre Leben unter der Zwangsherrchaft der Verkulturierung des Menschen wieder zu finden, dies Motiv findet sich bei Rousseau, aber auch bei Nietzsche und auch Elias: „Prozeß der Zivilisation“, ein Meisterwerk, lebt von dem Verdacht, daß ein Zuviel an kultureller Regelung das Leben zu sehr überfremde. Der von den Ketten der Kultur Befreite wird damit zur Utopie des guten Lebens.

Es liegt nun nahe, daß eine solche Kulturkritik sich auf die Kritik der christlichen Religion und der Katholischen Kirche kapriziert, soll doch das Abendland nichts anderes gewesen sein als eine dem Volk Wasser predigende und selbst Wein trinkenden Kirche. Der arge Verdacht, der sich nun aufdrängt, insbesondere wenn man Dostojewskis Erzählung vom „Großinquisitor“ danenben legt1, lautet: Bejahte und bejaht die Kirche das Karnevals-und Faschingtreiben als eine befristete Zeit der Deregulierung, daß nun die kulturellen Regulierungen des Trinkens und Essens und der Sexualität entschärft werden. Die da geduldete Deregulierung würde sozusagen das Eingeständnis sein, daß die Regulierungen die Menschen überfordern würden, wenn ihnen nicht befristet Ausnahmezeiten gewährt würden. Auch in dieser Narrenzeit ist nicht alles erlaubt, aber manches, was sonst nicht gestattet ist. Im Schutz der Maske, der Kostümierungen erlaubt sich dann so mancher Dinge, die er unmaskiert sich nicht trauen würde.

Der Aschemittwoch ist nun ein strenger Buß- und Fastentag, der heutzutage primär als ein Tag der inneren Ausrichtung auf das Osterfest interpretiert wird.Wie nun aber, wenn er eigentlich als die Reaktion auf die deregulierte Narrenzeit konzipiert war?Es gälte dann nicht nur, das zuviel Gegessene abzufasten als eine Art Diät, sondern daß es galt, an diesem Tage die Sünden der Narrenzeit abzubüßen? Man kann dies mit dem Phänomen der Tolerierung der Postitution durch den hl. Augustin und dem hl.Thomas von Aquin vergleichen: Um die Frauen, die bis zu ihrer Eheschließung enthaltsam leben wollten vor den sexuellen Begierden der Männer zu schützen, solle die Prostitution toleriert werden, damit die Männer da befriedigt diese Frauen nicht mißbrauchten. Um die Ordnung als Ganzes zu bewahren, müßten eben Ausnahmen gewährt werden, in denen die Kultur dereguliert wird. Die dabei tolerierte Deregulierung eröffnet nun nicht ein Reich der Anarchie, der unbegrenzten Freiheit, aber es wird dann manches erlaubt, was sonst nicht erlaubt wird.

Daß das unregulierte natürliche Leben ein gutes gewesen sein soll, ist selbstredend nur eine Phantasie der an einer scheinbaren Überregulierung leidender Bürger, die nur noch natürlich leben wollende Menschen sein wollen. Es könnte aber sein, daß die Kirche mit der Tolerierung dieser deregulierten Zeiten dem Rechnung trägt, daß die Kulturordnung nur aufrecht erhaltbar ist, wenn sie befristet solche Deregulierungen zuläßt. Um so wichtiger ist dann aber der Kirche der Aschemittwoch als Tag des Abbüßens! 

Corollarium

Vielleicht ist es ein Zeichen jeder nichtrigoristischen Morallehre, daß sie solche Ausnahen kennt. 





1Der „Großinquisiteur“ Dostojeweskis wird völlig mißverstanden, ließt man diesen Text als eine Kritik des Herrschaftswillens der Katholischen Kirche. Sie gleicht eher einem Arzt, der einem unheilbar Kranken, um ihm die letzten Lebenstage zu erleichtern, sagt: Es gibt für sie noch eine Hoffnung auf eine Gesundung.

Freitag, 28. Juli 2023

Ein beliebtes Narrativ in der Kirche: Jesus war liberal, aber dann kam der klerikale Rigorismus...

Ein beliebtes Narrativ in der Kirche: Jesus war liberal, aber dann kam der klerikale Rigorismus... Ursprünglich verhielt sich das ganz einfach so: Die Pharisäer und andere Geistes-verwandte lehrten, daß nur religiöse Hochleistungssportler Gott gefallen könnten, so viele Gesetze und religiöse Vorschriften müsse ein Mensch einhalten, sonst hätte er keine Chance auf einen ihm gnädigen Gott. Dann kam Jesus, der einen jeden Menschen liebenden Gott verkündigte in Taten und Worten, der zu uns nur dies eine sagt: Liebe und alles, was Du aus liebendem Herzen tust, ist in den Augen Gottes gutgetan. Dann kam -statt des Reich Gottes- die Kirche, die den Gläubigen wieder unermeßlich viele Gebote und Moralvorschriften auferlegte, die den Menschen wieder ihrer Freiheit beraubte,indem sie die Menschen mit ihrer Morallehre und der Dogmatik verknechtete, bis dann das 2.Vaticanum die Christen wieder zu befreien versuchte. Aber ein reaktionärer Neoklerikalismus nach dem Reformkonzil blockierte dann diese Liberalisierungsintention dieses Konziles. Unrevidiert darf dies Narrativ nun nicht mehr verkündet werden, da es dem kirchlichen Philososemitismus unerträglich ist, die jüdische Theologie so negativ dargestellt zu sehen. Aber so ganz kann man doch nicht darauf verzichten, denn wozu bräuchte es dann noch den liberalen Jesus, wenn damals die Pharisäer schon so richtig liberal waren? Veranschaulichen wir uns dies Problem an dem Fall der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe. Ursprünglich galt die Ehe gemäß Gottes Willen als unauflöslich. Der Gesetzeslehrer Moses aber erlaubte in Ausnahmefällen eine Scheidung der Ehe. Er nahm Rücksicht auf unsere menschliche Schwäche. Zu Zeiten Jesu wurde nun unter den Gesetzeslehrern kontrovers diskutiert, in welchen Fällen eine Scheidung erlaubbar sei. Rigoristische Tendenzen,nur in Ausnahmefällen und liberalere, in vielen Fällen sei eine Scheidung erlaubbar, stritten miteinander. Jesus dagegen erklärte vollmächtig, daß die Zeit der Nachsichtigkeit vorbei sei und daß so nun die ursprüngliche von Gott gewollte Eheordnung wieder herzustellen sei: Eine geschlossene Ehe sei unauflöslich. Jesus verurteilt Moses nicht, er hatte diese Revision der Ehelehre vollziehen dürfen um der Schwäche der Menschen willen, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Ursprungsordnung zu restituieren. Die Schüler Jesu reagieren nicht gerade euphorisch: Dann sei es nicht gut, zu heiraten. Mit dem Narrativ vom ach so liberalen Jesus ist das unvereinbar, denn Jesus revidiert ja hier den liberalen Moses! Jesus lehrt hier ganz rigoristisch das Nein zur Möglichkeit der Auflösung einer gültig geschlossenen Ehe. Aber es gibt nun dazu ein protestantisches Narrativ: Schon der Evangelist Matthäus korrigierte diesen jesuanischen Rigorismus, indem er eine Scheidung im Falle der Unzucht als Ausnahme wieder zuließ. (Mt, 5,32f). Nun ist zwar die Katholische Kirche stehen geblieben in diesem unevangelischen Rigorismus Jesu, aber die Lutherkirche folgte Matthäus, entradicalisierte die Ehelehre Jesu, bis nun jeder Christ sich scheiden lassen darf, wenn er nur seine Ehe auflösen möchte und er darf unbegrenzt oft sich wiederverheiraten. So endet die Geschichte der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe nach dem rigoristischen Zwischenfall von Jesu in einer hyperliberalistischen Auslegung der Scheidungserlaubis des Moses. Nur die Katholische Kirche hält eben an Jesu Lehre fest und erachtet die Auslegung, schon Matthäus sei von Jesu Ehelehre abgewichen, für eine Fehlexegese. Eines ist aber trotz dieser Differenz zwischen der katholischen und der protestantischen Ehelehre unüberlesbar: Jesus wirkte hier nicht als ein liberaler Reformer, der eine rigoristische Ehelehre moderater umgestaltete. Die kommode Ehelehre begann erst mit Luther, indem er lehrte, die Ehe sei kein Sakrament, sodaß nun evangelische Christen eine Ehe so einfach auflösen können wie einen Miet- oder Arbeitsvertrag. Jesus war es so, der rigoristisch lehrte und die evangelische Kirche befreite dann ihre Christen von diesem Rigorismus. Wenn man nun sich das Ganze der Verkündigung Jesu vor Augen hält, wie es uns die Evangelien vor Augen malen unter besonderer Berücksichtigung seiner Morallehre, kann wirklich nicht auf die Idee kommen, Jesus liberalisiere die damalige Morallehre der Pharisäer und Gesetzeslehrer, eher liberalisiert die Kirche Jesu. Dostojewskis „Großinquisitor“ erhebt ja dies zu seiner Kritik an dem rigoristisch lehrenden Jesus, den die Kirche dann korrigieren mußte! Die Kirche ist für diesen Kritiker der Hort des Liberalismus. Der Synodale Weg könnte so im Geiste des "Großinquisitors" gedeutet werden als die Meinung, die Kirche müsse den Menschen zu sündigen erlauben, da Jesus und die Kirche ursprüngöich die Menschen überfordere, sodaß nun als erlaubt zu beurteilen sei, was bis jetzt noch als sündig gilt.

Freitag, 7. August 2020

Wo Religion ist, soll Wissenschaft werden! Oder die Lust zum Eigentorschießen

Welcher Torwart kennt dies nicht, wenn Stürmer, übereifrig und ungeschickt im eigenen Strafraum aushelfend den Ball dann unhaltbar ins eigene Tor versenken: gescheiterte Apologeten. Das gibt es auch in der Kirche. Ein peinliches Beispiel dafür präsentiert kath de mit dem Artikel: Die Kirche und die Hexen: Sollten "weise Frauen" vernichtet werden? , am 2.8.2020. Es geht also um den antikirchlichen Klassiker der Hexen verfolgenden Kirche in apologetischer Intention.

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenszauber – das ist natürlich Unsinn. Wie auch so vieles, was man über die Hexenverfolgung bis heute hören und lesen kann. Denn so falsch die damals unterstellten Zusammenhänge und so haarsträubend der Aberglaube, so falsch und haarsträubend sind manche Unterstellung der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber. Sie habe die Verfolgung betrieben, sie habe damit "weise Frauen" unterdrücken wollen. Doch an der Hexen- und Zaubererverfolgung hat die katholische Kirche und die von ihr eingesetzte Inquisition nur einen geringen Anteil.“

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenzauber“ das sei „natürlich Unsinn“. Wenn das aber nur Unsinn war, warum beteiligte sich die Kirche dann an der Bekämpfung der Verursacher dieser Zauberpraktiken, wenn auch nur geringfügig? Dann wird es noch richtig vulgärsoziologisch:

Mitteleuropa, beginnende Neuzeit. Der Klimawandel trifft die Menschen hart. Irgendjemand muss Schuld sein an Missernten und langen, harten Wintern. Der Sündenbock ist schnell gefunden: Hexen und Zauberer hätten, so die populäre Vorstellung, durch böse Wettermagie die klimatischen Extremereignisse hervorgerufen und die Ordnung zerstört. Die Macht für diese negativen Interventionen käme direkt vom Teufel, so der Aberglaube im Volk, das zum Schutz vor diesen schädlichen Umtrieben die Verfolgung von angeblichen Hexen und Zauberern verlangte, wenn sie nicht gleich Selbstjustiz betrieb.“

Also so entsteht der Aberglaube: Menschen stehen vor einem Phänomen, dem Klimawandel, das sie nicht begreifen können. Deshalb greifen sie zu abergläubischen Verschwörungstheorien, daß Hexen und Zauberer im Bund mit dem Teufel diesen Klimawandel herbeigezaubert hätten. Hier wird einfach das religionskritische Narrativ, Religionen gäbe es, weil Menschen Naturkatastrophen noch nicht naturwissensschaftlich sich erklären konnten, ummoduliert zur Kritik eines populären Aberglaubens an das Wirken des Teufels, daß der Pakte mit Menschen schlösse: Ich tue Dir das, wenn Du mir das gibst. Wo also Religion ist, da soll Wissenschaft werden, denn die abergläubige Religion lebt ja nur, solange der Mensch unwissend ist, noch nicht hinreichend die Naturwissenschaften entwickelt hat.

Sollte das dann heißen, daß auch Teile der Kirche diese abergläubige Vorstellung geteilt haben und so- wenn auch nur geringfügig- an der Hexenverfolgung mitwirkten? Hätte der Verfasser statt dieser vulgärsoziologischen Religionskritik, die Religion verdanke sich der Unwissenheit, die hl. Schrift befragt, woher die Vorstellung eines Teufelspaktes käme, dann hätte er- o Graus- Jesus Christus selbst als den Urheber der Teufelspaktvorstellung erkennen müssen. Denn der Leibhaftige schlug ja in verscherischer Intention Jesus selbst einen Teufelspakt vor: Ich mache Dich zum Herren über alle weltlichen Mächte, wenn Du mich dafür anbetest. Das ist die Struktur des Teufelspaktes:

a) Er beruht auf der Freiwilligkeit. Der so Angesprochene kann Ja oder Nein zum vorgeschlagenen Pakt sagen.

b) Der Teufel bietet ein Gut an, das dem so Versuchten als begehrenswert erscheint. Wichtig ist dabei, daß Jesus nicht urteilt: Was Du verheißt, kannst Du gar nicht realisieren, Du betrügst einfach. Nein, der Sohn Gottes traut dem Teufel wirklich zu, das Verheißende realisieren zu können. Der Teufel ist ja ein gefallener Engel und so sehr mächtig, nicht allmächtig wie Gott aber übernatürlich mächtig.

c) Jesus kennt aber auch den Preis, den er dann dem Teufel dafür zu zahlen hat: Er gehört dann dem Teufel. Und darum sagt er Nein zu diesem Pakt mit dem Teufel. (Es wird Dostojewskis Großinquisitor vorbehalten sein, darum Jesus zu kritisieren: Wenn er doch nur diesen Pakt eingegangen wäre zum Wohle der Menschen!)



Sollte nun auch der Sohn Gottes in abergläubigen Vorstellungen verhaftet sich diese Versuchung nur erphantasiert haben, da er noch nicht wissenschaftlich gebildet erkannte, daß hier nur sein Unterbewußtsein zu ihm spricht in der Maskerade des Versuchers. Jesus kannte eben noch nicht Sigmund Freuds Unterbewußtsein!

Zu allen Zeiten hat die Kirche gelehrt, daß es den Teufel gibt und daß er Menschen zum Sündigen verführt und daß er dabei die Menschen nicht so versuchten kann, daß sie gezwungen Ja sagen müssen. Der Teufel kann nur verführen, wo der Verführte auch sich verführen lassen will, er also sein Ja spricht zum Teufel.

So reagierte die Kirche auf die populär- „abergläubige“ Vorstellung von Teufelspakten, die zum Nachteil von Menschen von Hexen und Zauberen vollzogen worden sind, gemäß ihrer eigenen Lehre vom Teufel. Der Teufelsglaube ist aus christlicher Sicht eben kein Aberglaube, sondern gehört selbst zur Lehre der Kirche. Es gibt zudem keinen legitimen theologischen Grund, auszuschließen, daß der Teufel nicht nur Jesus sondern auch anderen Menschen einen so gearteten Pakt vorschlägt und daß Versuchte dann ihr Ja sagen!

Gibt es das heute noch? Sicher, da wo Satanismus drauf steht, gerade auch bei einschlägigen Schwermetallmusikgruppen ist das in der Regel eher eine PR-Werbemaßnahme, aber das schließt nicht aus, daß es wirkliche Satanisten gibt, die ihrem Gott schwarze Messe feiern, die dann auch von dem Leibhaftigen erhört wird, daß er mit ihnen ist. Der praktizierte Satanismus wird maßlos verkannt, wird die Wahrheit verdrängt, daß der Teufel wirklich lebt und Menschen für sich in seinem Kampfe gegen Gott als Verbündete sucht, gerade auch in der Form des Teufelspaktes.Dem großen französischen Lyriker Boudelaire,(Die Blumen des Bösen) wird der Ausspruch zugeschrieben, daß noch nie der Teufel so erfolgreich war, seit dem man aufhörte, an ihn zu glauben.



Es ist wirklich ein Unglück, daß die Kirche aufgehört hat, dies Gebet zum Abschluß jeder Messe zu beten:

Heiliger Erzengel Michael, verteidige
uns im Kampfe; gegen die Bosheit und
die Nachstellungen des Teufels sei unser
Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen. 

 

Es muß aber festgehalten werden, daß mit dieser plumpen Vulgärsoziologie, die abergläubige Religion verdanke sich der Unwissenheit die christliche Religion sich selbst attackiert und so den Atheismus fördert.  
















Welcher Torwart kennt dies nicht, wenn Stürmer, übereifrig und ungeschickt im eigenen Strafraum aushelfend den Ball dann unhaltbar ins eigene Tor versenken: gescheiterte Apologeten. Das gibt es auch in der Kirche. Ein peinliches Beispiel dafür präsentiert kath de mit dem Artikel: Die Kirche und die Hexen: Sollten "weise Frauen" vernichtet werden? , am 2.8.2020. Es geht also um den antikirchlichen Klassiker der Hexen verfolgenden Kirche in apologetischer Intention.


Wettermagie, Teufelspakt, Schadenszauber – das ist natürlich Unsinn. Wie auch so vieles, was man über die Hexenverfolgung bis heute hören und lesen kann. Denn so falsch die damals unterstellten Zusammenhänge und so haarsträubend der Aberglaube, so falsch und haarsträubend sind manche Unterstellung der Römisch-Katholischen Kirche gegenüber. Sie habe die Verfolgung betrieben, sie habe damit "weise Frauen" unterdrücken wollen. Doch an der Hexen- und Zaubererverfolgung hat die katholische Kirche und die von ihr eingesetzte Inquisition nur einen geringen Anteil.“

Wettermagie, Teufelspakt, Schadenzauber“ das sei „natürlich Unsinn“. Wenn das aber nur Unsinn war, warum beteiligte sich die Kirche dann an der Bekämpfung der Verursacher dieser Zauberpraktiken, wenn auch nur geringfügig? Dann wird es noch richtig vulgärsoziologisch:

Mitteleuropa, beginnende Neuzeit. Der Klimawandel trifft die Menschen hart. Irgendjemand muss Schuld sein an Missernten und langen, harten Wintern. Der Sündenbock ist schnell gefunden: Hexen und Zauberer hätten, so die populäre Vorstellung, durch böse Wettermagie die klimatischen Extremereignisse hervorgerufen und die Ordnung zerstört. Die Macht für diese negativen Interventionen käme direkt vom Teufel, so der Aberglaube im Volk, das zum Schutz vor diesen schädlichen Umtrieben die Verfolgung von angeblichen Hexen und Zauberern verlangte, wenn sie nicht gleich Selbstjustiz betrieb.“

Also so entsteht der Aberglaube: Menschen stehen vor einem Phänomen, dem Klimawandel, das sie nicht begreifen können. Deshalb greifen sie zu abergläubischen Verschwörungstheorien, daß Hexen und Zauberer im Bund mit dem Teufel diesen Klimawandel herbeigezaubert hätten. Hier wird einfach das religionskritische Narrativ, Religionen gäbe es, weil Menschen Naturkatastrophen noch nicht naturwissensschaftlich sich erklären konnten, ummoduliert zur Kritik eines populären Aberglaubens an das Wirken des Teufels, daß der Pakte mit Menschen schlösse: Ich tue Dir das, wenn Du mir das gibst. Wo also Religion ist, da soll Wissenschaft werden, denn die abergläubige Religion lebt ja nur, solange der Mensch unwissend ist, noch nicht hinreichend die Naturwissenschaften entwickelt hat.

Sollte das dann heißen, daß auch Teile der Kirche diese abergläubige Vorstellung geteilt haben und so- wenn auch nur geringfügig- an der Hexenverfolgung mitwirkten? Hätte der Verfasser statt dieser vulgärsoziologischen Religionskritik, die Religion verdanke sich der Unwissenheit, die hl. Schrift befragt, woher die Vorstellung eines Teufelspaktes käme, dann hätte er- o Graus- Jesus Christus selbst als den Urheber der Teufelspaktvorstellung erkennen müssen. Denn der Leibhaftige schlug ja in verscherischer Intention Jesus selbst einen Teufelspakt vor: Ich mache Dich zum Herren über alle weltlichen Mächte, wenn Du mich dafür anbetest. Das ist die Struktur des Teufelspaktes:

a) Er beruht auf der Freiwilligkeit. Der so Angesprochene kann Ja oder Nein zum vorgeschlagenen Pakt sagen.

b) Der Teufel bietet ein Gut an, das dem so Versuchten als begehrenswert erscheint. Wichtig ist dabei, daß Jesus nicht urteilt: Was Du verheißt, kannst Du gar nicht realisieren, Du betrügst einfach. Nein, der Sohn Gottes traut dem Teufel wirklich zu, das Verheißende realisieren zu können. Der Teufel ist ja ein gefallener Engel und so sehr mächtig, nicht allmächtig wie Gott aber übernatürlich mächtig.

c) Jesus kennt aber auch den Preis, den er dann dem Teufel dafür zu zahlen hat: Er gehört dann dem Teufel. Und darum sagt er Nein zu diesem Pakt mit dem Teufel. (Es wird Dostojewskis Großinquisitor vorbehalten sein, darum Jesus zu kritisieren: Wenn er doch nur diesen Pakt eingegangen wäre zum Wohle der Menschen!)



Sollte nun auch der Sohn Gottes in abergläubigen Vorstellungen verhaftet sich diese Versuchung nur erphantasiert haben, da er noch nicht wissenschaftlich gebildet erkannte, daß hier nur sein Unterbewußtsein zu ihm spricht in der Maskerade des Versuchers. Jesus kannte eben noch nicht Sigmund Freuds Unterbewußtsein!

Zu allen Zeiten hat die Kirche gelehrt, daß es den Teufel gibt und daß er Menschen zum Sündigen verführt und daß er dabei die Menschen nicht so versuchten kann, daß sie gezwungen Ja sagen müssen. Der Teufel kann nur verführen, wo der Verführte auch sich verführen lassen will, er also sein Ja spricht zum Teufel.

So reagierte die Kirche auf die populär- „abergläubige“ Vorstellung von Teufelspakten, die zum Nachteil von Menschen von Hexen und Zauberen vollzogen worden sind, gemäß ihrer eigenen Lehre vom Teufel. Der Teufelsglaube ist aus christlicher Sicht eben kein Aberglaube, sondern gehört selbst zur Lehre der Kirche. Es gibt zudem keinen legitimen theologischen Grund, auszuschließen, daß der Teufel nicht nur Jesus sondern auch anderen Menschen einen so gearteten Pakt vorschlägt und daß Versuchte dann ihr Ja sagen!



Gibt es das heute noch? Sicher, da wo Satanismus drauf steht, gerade auch bei einschlägigen Schwermetallmusikgruppen ist das in der Regel eher eine PR-Werbemaßnahme, aber das schließt nicht aus, daß es wirkliche Satanisten gibt, die ihrem Gott schwarze Messe feiern, die dann auch von dem Leibhaftigen erhört wird, daß er mit ihnen ist. Der praktizierte Satanismus wird maßlos verkannt, wird die Wahrheit verdrängt, daß der Teufel wirklich lebt und Menschen für sich in seinem Kampfe gegen Gott als Verbündete sucht, gerade auch in der Form des Teufelspaktes.Dem großen französischen Lyriker Boudelaire,(Die Blumen des Bösen) wird der Ausspruch zugeschrieben, daß noch nie der Teufel so erfolgreich war, seit dem man aufhörte, an ihn zu glauben.



Es ist wirklich ein Unglück, daß die Kirche aufgehört hat, dies Gebet zum Abschluß jeder Messe zu beten:

Heiliger Erzengel Michael, verteidige
uns im Kampfe; gegen die Bosheit und
die Nachstellungen des Teufels sei unser
Schutz. "Gott gebiete ihm", so bitten wir
flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen
Heerscharen, stoße den Satan und die
anderen bösen Geister, die in der Welt
umhergehen, um die Seelen zu verderben,
durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.


























 

Dienstag, 28. Januar 2020

Irritierendes: ein Beispiel einer nichtrigoristischen Morallehre

Samstag, 7. September 2019

Die Morallehre der Schwachheit des Menschen anpassen?

Ein Verdacht: Wenn in der Kirche von der Sünde des Menschen gelehrt und gepredigt wurde und noch wird, dann wird da der Archetypus des Hochmütigen entfaltet, dem Gott und seine Gebote eine Beschneidung seiner Freiheit sind, sodaß er als Freiheitsrebell gegen sie verstößt. Die Insubordination ist so der Akt des Sündigens, daß er mehr sein  will, als ihm zukommt. Ja,Luther konnte einmal sagen, daß der Mensch nicht an Gott glauben kann, weil er selbst Gott sein wolle. Aber wie nun, wenn das nur eine mögliche Form des Sündigens erfaßt? Ergänzend könnte erwogen werden, ob in der heutigen Leistungsgesellschaft das Gefühl, nicht genug zu leisten, nicht genug leisten zu können, die Selbstwahrnehmung mehr prägt als daß sich Menschen als zur Hybris Neigende wahrnehmen. 
In einer Zusammenfassung der diesbezüglich bedenkenswerten Sündenlehre Karl Barths  (https://www.reformiert-info.de › Die_Lehre_von_der_Suende-212-0-56-3) liest sich das so:  

Des Menschen Trägheit

"Der Unglaube, bzw. die Gottesvergessenheit, setzt aber noch eine zweite Gestalt sündigen Verhaltens aus sich heraus. K. Barths hat diese andere Gestalt in seiner Sündenlehre nachdrücklich in Erinnerung gebracht (vgl. KD IV, 2, 452-545). Sie ist gleichsam die Kehrseite des Hochmuts, nämlich des Menschen "Trägheit". Seine Selbstabgespaltenheit von Gott treibt den Menschen nicht nur in einen Allmachts-, sondern ebenso in einen Ohnmachtswahn. Ohnmachtswahn, das bedeutet: Der Mensch bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Er bläht sich nicht nur auf, er macht sich auch klein. In seinem Unglauben vergisst er, dass er von Gott wunderbar gemacht ist (Psalm 139,14), dass er wenig niedriger gemacht ist als Gott (Psalm 8,6). Er vergisst, dass er in Gott einen starken Bundespartner hat, der ihm, dem Menschen viel zutraut. Er vergisst schließlich, dass sein Bruder Jesus an seiner Stelle und ihm voran nicht nur der Gekreuzigte, sondern auch der Auferweckte, der von Gott gegen die Macht der Sünde ein für alle Mal aufgerichtete und erhöhte ist."

In der aktuellen Moraltheologiediskussion manifestiert sich diese Haltung in der These, daß die Kirche mit ihrer Morallehre auch die gläubigen Christen überfordere, daß  so die Verbindlichkeit der Lehre in Frage zu stellen sei.Das individuelle Gewissen zeige dann dem Einzelnen an, inwieweit er die Lehre praktizieren könne und wo sie ihn wirklich überfordere, sodaß er sich von ihrer Verpflichtung für sich freisprechen könne. Ein Ehemann ist eben von der Ordnung der Ehe überfordert, wenn er seine Frau nicht mehr liebt, und mit ihr weiterhin ehelich zusammen zu leben habe, obzwar er eine andere Frau liebt.Läßt er dann seine nicht auflösbare Ehe durch ein weltliches Gericht scheiden, heiratet darauf die Frau, die er liebt, dann könne ihm die Kirche das nicht dauerhaft als Sünde anrechnen. So ist er dann trotz seines dauerhaften Lebens im Ehebruch zur hl. Kommunion wieder zulaßbar- so die Intention des jetzigen Papstes. Schon Dostojewskis Großinquisitor kritisiert so die Morallehre Jesu, daß es eben die wichtigste Aufgabe der Kirche sei, die von Jesu Überforderten eine für sie praktizierbare Moral zu lehren. Die Kirche habe eben die Lebensrealität als Norm der kirchlichen Morallehre zu bejahen, um so moralistischen Überforderungen zu vermeiden.
Der Christ ist eben, trotz seines Glaubens und des Empfanges der hl. Sakramente der alte Adam geblieben, der eben nicht nur ein Rebell wider Gottes Gebote ist sondern genau so einer, der diese als ihn Überforderndes ablehnt. Er fühlt sich für zu klein geraten für ein heiliges Leben. Er will als Christ so weiter weltlich leben. 
In der aktuellen Debatte kapriziert sich diese Grundhaltung der Trägheit in dem Urteil, daß der Zölibat auf jedem Falle die Priester überfordere und so nur noch als freiwilliger geboten werden sollte. Der, der Priester werden möchte, gar meint, sich dazu berufen zu fühlen, aber  ein zölibatäres Leben sich nicht zutraut, soll so auch ein Priester werden können. Dieser Tendenz korrespondiert so die Selbstwahrnehmung des Menschen in der Leistungsgesellschaft, daß er sich von ihn Überforderndes bedrängt sieht und so auch die Gebote Gottes und die Morallehre der Kirche als nicht lebbar verwirft.

Dem korrespondiert dann auch ein postmodernes Menschenbild, daß der Mensch selbst nicht Herr sei im eigenen Hause. Könnte Freuds Theorie des Unterbewußten auch noch aufklärerisch gelesen werden als Appell, hier diese Region des menschlichen Lebens zu erforschen, zu erhellen, damit das Ich die Estriebe und das im Unterbewußtsein Vitalem lerne zu beherrschen, so scheint sich in der Postmoderne das Bild des sich selbst nicht beherrschen könnenden Menschen durchzusetzen. Der Aufgeklärte bildet sich selbst nur ein, sein eigener Herr zu sein oder sein zu können.Und so müsse fast jede Morallehre scheitern, die an die Vernunft des Menschen glaubt, daß er fähig zu einem vernünftigen Handeln sei. Die Lebenswirklichkeit als neue Norm der kirchlichen Morallehre anzuerkennen, wie es so jetzt nicht nur Bischof Bode verlangt, setzt eben die Bejahung dieses Menschenbildes voraus. So kann eben der von Geburt an homosexuell Orientierte nicht anders als daß er seine "natürliche" Neigung lebt, denn Niemand sei ein Herr über seine ihn bestimmenden Leidenschaften, besonders der sexuellen. Das wußte eben Jesus Christus noch nicht und so müsse nun im Geiste des Goßinquisitors die Morallehre der Kirche der natürlichen Trägheit des Menschen und auch des Gläubigen angepaßt werden.  

Mittwoch, 3. Juli 2019

"Kann sich die Kirche verändern?"


Dieser Frage wendet sich der Lieblingsprofessor der Modernisten, Professor Deutschlands nicht nur in seinem Buch, sondern auch in einem Interview, daß er Katholisch de gab. (28.6.2019) Es geht selbstredend nicht um irgendwelche Änderungen, sondern um substantielle. Professor Seebald behauptet nun, daß es immer schon wesentliche Änderungen im Laufe der Kirchengeschichte gegeben habe und daß es darum auch legitim sei, weitere zu erwarten. Als gelungenes Beispiel benennt er die Ächtung der Todesstrafe durch Papst Franziskus, die für ihn legitim ist, weil und nur weil sie der Papst anordnete. 
Daß der Papst sich hier eindeutig gegen die Hl. Schrift und die bis dahin gültige Lehre der Kirche, ihr Ja zur Legitimität der Todesstrafe stellt, macht eben für diesen Dogmatiker das Positive dieses Pontifikates aus. 
Als weiteres Beispiel benennt er die Position zur Religions- und Gewissensfreiheit:    
"Seewald: Denken Sie an die Position zur Religions- und Gewissensfreiheit. Hier hat das Zweite Vatikanische Konzil eine Wende im Vergleich zu dem vollzogen, was seit der Spätantike galt und seit dem 18. Jahrhundert von den Päpsten nachdrücklich gelehrt wurde. Heute tun einige Theologen so, als habe die Kirche die Menschenrechte quasi erfunden und sei schon immer für Gewissensfreiheit eingetreten. Das ist grotesk und nur möglich, wenn man die eigene Kurskorrektur durch Innovationsverschleierung verdeckt." 
Hier stoßen wir auf eine sattsam bekannte Konvergenz der Deutung der Position des 2. Vaticanumes zur Religions- und Gewissensfreiheit durch den Traditionalisten Lefebvre und  liberalen  Theologen: Das 2. Vaticanum mit seinen Aussagen zu diesem Komplex stünde im Widerspruch zur bisher gültigen Lehre der Kirche. Entweder habe so dies Konzil sich geirrt in dieser Causa (so Lefebvre) oder die Kirche habe sich bis zum 2. Vaticanum in dieser Causa geirrt. Beide stimmen so mit Martin Luther überein, daß Konzilien irren können, nur uneins sind sie sich in der Frage, welche sich irrten. Abgelehnt wird so die Position des Papstes Benedikt XVI., daß das Konzil als in der Kontinuität mit der Lehre der Kirche zu interpretieren sei. Dieser normativen Aussage gegenüber, wie sind die Texte dieses Konziles zu interpretieren, deklarieren beide den Bruch zwischen der Tradition der Kirche und der konziliaren Kirche. Die radicalste Deutung dieses Bruches offeriert der Sedisvakantist Rothkranz, daß das 2. Vaticanum den Abfall von der Katholischen Kirche bedeute. Liberal dagegen wird dieser Bruch als Fortschritt der Kirche gedeutet, daß eben jetzt erst die Kirche so weit sei, die alten Irrtümer zu überwinden. 
Theologisch ist diese Bruchdeutung nicht akzeptabel, denn es kann nicht wahr sein, daß die Kirche sich auf Konzilien irrt. Das verlangt aber eine katholische Deutung des "Bruches", der diesen "Bruch"als Position im Einklang mit der Tradition der Kirche begreift. Nur eine solche Deutung der Texte dieses Konziles kann als legitim angesehen werden. Dem gegenüber möchte der modernistische Katholizismus gerne daran festhalten, daß das 2. Vaticanum diskontinuierlich zur Tradition sich verhält, um so die Abkehr von Lehren der Kirche für die Zukunft zu legitimieren. Im Prinzip könne fast alles in der Kirche revidiert werden, akzeptiere man erstmal, daß die Kirche, ihre Konzilien und Synoden über der Hl. Schrift und der bisherigen Lehre der Kirche stünden.Das ist der Kerngedanke der Demokratisierung der Kirche, daß auch bei ihr, wie unter Politikern die Aussage gilt: Was schert mich mein Geschwätz von  gestern?  
So wird Dostojewskis "Großinquisitor" demokratisch umgeformt zu der Gestalt einer zeitgemäßen und menschenfreundlichen Kirche.


Sonntag, 24. September 2017

Siegt der Deutsche Sonderweg in der Karholischen Kirche ?

Wer den jetzt gültigen Katholischen Katechismus liest, wird dort belehrt, daß die Empfängnis-verhütung durch Kondome, die Pille und sonstige künstliche Mittel unerlaubt ist. Aber liest man dann die "Königsteiner Erkläung" der Deutschen Bischofskonferenz von 1968 zu dieser Causa, dann kann man nicht umhin, zu konstatieren, daß hier man im Prinzip dieser Bestimmung zustimmt, um dann aber zu sagen, daß wenn die Gewissesentscheidung eines Katholiken zu einem anderen Urteil kommt, mir erlaubt mein Gewissen die Pille, (um es auf den Punkt zu bringen), dann kann sich der Einzelne von dieser prinzipiell richtigen Lehre dispensieren, indem er dann mehr auf sein Gewissen als auf die Lehre der Kirche hört. 
Jetzt steht ein kirchentreuer Deutscher Katholik vor diesem Dilemma: Die für ihn maßgebende Bishofskonferenz erklärt für erlaubt, was der bei uns auch gültige Katechismus als Sünde erklärt. Was im Prinzip nicht erlaubt ist, darf nun doch getan werden, wenn das das individuelle Gewissen mir erlaubt. Somit steht mein Gewissen über der Lehre von der Kirche. Das verblüffendste ist nun, daß Rom diese Königsteiner Erklärung nicht außer Kraft setzte. Seit dem gilt für Deutsche und Österreichische Katholiken, daß ihnen ihre Bischöfe etwas erlauben, was der Katechismus als Sünde beurteilt. 
Die wichtigste Frage lautet nun: Sündigt ein Katholik, wenn er im Einklang mit der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz etwas tut, was der gültige Katechismus verurteilt?     
 Das Forum Deutscher Katholiken schrieb in ihrer Stellungnahme zur Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zu Al (zitiert nach dem Christlichen Forum vom 5.2.2017):
"Die Deutschen Bischöfe haben am 23. Januar in einem Wort zu “Amoris Laetitia“ die individuelle Gewissensentscheidung als Zulassungskriterium für den Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter dargestellt. Das erinnert an die „Königsteiner Erklärung“ zur Empfängnisregelung nach dem päpstlichen Schreiben „Humanae vitae“. Das ist richtig erkannt. Auch jetzt wird mit dem Verweis auf das individuelle Gewissen erklärt, daß Geschieden-Wiederverheiratete zum Empfang der hl. Kommunion zulaßbar sind. Diese Zulassung widerspricht der bisherigen Lehre genauso wie die Königsteiner Erklärung dem Katechismus widerspricht. Aber trotzdem sind beide Erklärungen, die Königsteiner und die zur AL gültige Erklärungen!
Das Forum fügt dem oben Zitierten an: "Der klare Hinweis, dass sich das Gewissen an der Lehre der Kirche ausrichten muss, würde viele Unsicherheiten beseitigen." Aber genau das will die Bischofskonferenz nicht, indem sie faktisch das Gewissen von der verbindlichen Lehre der Kirche emanzipiert! Das Gewissen, als mein individuelles bildet so den Gegenpol zur Morallehre der Kirche, sodaß im Spannungsfalle zwischen der kirchlichen Lehre und meinem Gewissen ich mehr meinem Gewissen als der Kirche zu folgen habe. Daß ich das so handzuhaben habe, das lehrt nun nicht nur die Königsteiner Erklärung sondern auch und gerade Papst Franziskus durch sein postsynodales Schreiben. Offensichtlich will der Papst so verstanden werden, wie es nun die Deutsche Bischofskonferenz zum Ausdruck bringt: Wem sein Gewissen, obgleich er objektiv im Stande der Sünde lebt, etwa als Geschieden-Wiederverheirateter, Ja sagt zum Empfang der Kommunion, der darf sie auch empfangen. 
Damit wird das Prinzip der Königsteiner Erkläung, daß das Gewissen der Morallehre der Kirche übergeordnet ist, zum Prinzip der neuen Morallehre der Kirche. Das ist der Paradigmenwechsel in der Katholischen Morallehre, eingeführt aber schon im Jahre 1968 durch die Königsteiner Erklärung.  
Sündigt also jetzt ein Deutscher Katholik nicht mehr, wenn er künstliche Verhütungmittel anwendet und als Geschieden-Wiederverheirateter die hl. Kommuion empfängt?  
Vorbehaltlich besserer Einsicht würde ich jetzt urteilen: Nein! Denn er handelt hier im Einklang mit dem Lehramt der Kirche und der für ihn zuständigen Bischofskonferenz! Unweigerlich drängt sich einem hier Dostojewskis Erzählung vom Großinquisitor auf. Es muß und darf dann aber auch wirklich gefragt werden, ob nicht tatsächlich die Lehrautorität der  Kirche so weit geht, von der verbindlichen Morallehre teilweise  dispensieren zu dürfen? Wenn Mose aus Barmherzigkeit willen gegen die ursprüngliche Intention der von Gott gesetzten Ordnung der Ehe als einer unauflöslichen doch eine Scheidung erlaubte, darf dann auch die Kirche nach Jesu Wiederherstellung der Urspungsordung der Ehe sie punktuell wieder auflösen aus Barmhezigkeit heraus? Ein Hauch von Anarchie und Willkür stößt den so ernsthaft Fragenden ad hoc ab,läßt ihn schlimmstes befürchten,  aber ist damit diese Frage schon schlußendlich respondiert? Die Deutsche Bischofskonferenz hat wenigstens mit ihrer Königsteiner Erklärung Dostojeweskis Großinquisitor im Prinzip recht gegeben. 
  

Samstag, 4. Februar 2017

Rom hat gesprochen, die Deutsche Bischofskonferenz hat gesprochen

Rom sprach, die Bischöfe sprachen zur Causa: "Dürfen Geschieden-Wi(e)derverheiratete (GW) die hl. Kommunion empfangen?, und die Antwort fällt eindeutig aus: Galt vor AL, daß sie nur dann die Kommuion empfangen dürfen,wenn sie sich zur Enthaltsamkeit verpflichten und so ihre Gemeinschaft wie Schwester und Bruder leben, so dürfen jetzt GW unter bestimmten Bedingungen die Kommunion auch empfangen, wenn sie in ihrer Zivilehe nicht enthaltsam leben. 
Die Conditionen, wann sie auch ohne gelebte Enthaltsamkeit die Kommunion empfangen dürfen, werden dann ´nicht klar bestimmt, sondern nur formal. Ein Gespräch zwischen dem Seelsorger und den GW haben stattzufinden, das dann zur Klärung führen soll. Maßgeblich soll dabei das Gewissensurteil des GW sein, daß sein Gewissen ihm den Empfang der Kommunion erlaube. Streicht man die umschmückenden Wortgirlanden drumherum weg, bleibt, daß vom Seelsorger zu prüfen ist, ob eine Gewissensentscheidung vorliegt, ja, der Empfang der Kommunion ist für mich das Richtige, und dann ist der GW zum Empfang der hl. Kommunion zuzulassen.
Daß so die individuelle Gewissensentscheidung zur letzten Instanz erhoben wird, das ist der Sieg des
innerkatholischen Protestantismus über die Morallehre der Kirche. Nur, der begann nicht mit AL, sondern mit der "Königsteiner Erklärung", die von Rom nie reprobiert worden ist, obgleich hier zum ersten male das individuelle Gewissen über die Morallehre der Kirche gestellt wurde. 
Ist nun diese Zulassung der GW unvereinbar mit der auch jetzt noch geltenden Morallehre der Kirche? Papst Franziskus strikte Weigerung, die Anfrage der 4 Kardinäle (Dubia) zu respondieren, zeigt aufs deutlichste das Dilemma dieser päpstlichen Radio-Eriwan-Theologie. Im Prinzip gelten die Naturgesetzte, aber im Einzelfall dann doch nicht. Die Berechtigung für die Ausnahme, in Einzelfällen nun doch GW zur Kommunion zuzulassen, kann selbst nicht mit der weiterhin gültigen Lehre in Einklang gebracht werden. Klar ist der Wille,GW zuzulassen, nur es fehlt das theologische Vermögen, dies auch theologisch begründen zu können.
Der eigentliche Paradigmenwechsel in der Morallehre der Kirche wird dabei leicht überlesen: Es sind nicht die Gehalte der Lehre, die irgendwie verändert wurden- nein, es ist der Status der Lehren, der sich geändert hat. Wenn Papst Benedikt der Theologenpapst war, so meint das, das für ihn die Wahrheiten der Lehre der Kirche ihre Praxis zu bestimmen haben. Papst Franziskus ist ein Medientheologe: Für ihn sind Lehren Angebote der Kirche, die für den Markt als Ware produziert wird. Was ankommt ist wahr, was nicht ankommt, ist nicht wahr. Vereinfacht gesagt, eingedenk eines gut gemachten Werbespots frägt die Medientheologie nur noch: "Was wollt ihr dann?", hoffend, eine bessere Antwort zu bekommen als "Maoam" (eine Süßigkeitsspeise). Die Synode zum Thema: Jugend ist genau so konzipiert: Die Kirche frägt: "Was wollt ihr Jugendlichen von uns,, was gefällt euch?" Die Wünsche der Konsumenten sollen das Programm der Kirche bestimmen: Die GW wollen die Kommunion empfangen, also läßt sie die Kirche empfangen. Und was macht man da mit der Lehre? Sie stört nur das Anliegen einer marktgerechten Positionierung der Kirche. Man läßt sie, wie sie ist, um dann zu sagen, wenn die Konsumenten das nicht wollen, dann bekommen sie eben das Superangebot: "Wie es Dir gefällt!" Der Verzicht auf eine theologische Begründung dieser Akzeptanz der Kundenwünsche ist das spezifisch Postmoderne dieses Kirchenverständnisses.
Ist diese neue Praxis der Zulassung der GW nun tatsächlich unvereinbar mit der Lehre der Kirche? Wird das bejaht, muß theologisch gefragt werden: Wie kann eine häretische Praxis legitimer Bestandteil der kirchlichen Praxis werden, insofern hier unter "legitim" nur verstanden wird, als mit der Gesetzgeberintention der Kirche übereinstimmende Praxis? 
Urteilte man nun aber wie Kardinal Müller, daß der Text AL von der kirchlichen Lehrtradition her gelesen werden müsse, dann liest man AL gegen die Autorenintention, die der Zulaßbarket von GW ohne daß sie sich zur Enthaltsamkeit verpflichten, aber als Text der Kirche. (Vgl dazu den Essay Roland Barthes zum Tode des Autoren) Dann käme man zu dem Schluß, daß die jetzt erlaubte Praxis der Zulassung von GW der Lehre der Kirche widerspricht. Nur, wer den Weg der Entstehung von AL verfolgte und die päpstlichen Äußerungen dazu liest, kann nicht umhin, einzuräumen, daß eine der Grundintentionen der abgehaltenden Familiensynode gerade die Änderung der bisherigen Praxis der Zulassung zur Kommunion war! Daß dann diese Intention nur noch in Fußnoten das Licht der Welt erblickte, ist offensichtlich die Reaktion auf den unerwartet heftigen Widerstand gegen diese Erneuerung der Zulaßpraxis zur Kommunion! Die Erklärung der Deutschen Bischöfe zeigt aber überdeutlich, daß beide Familiensynoden nur eine Farce waren, weil das Ergebnis schon feststand, bevor der erste Disputant auf der Synode das Wort ergriff: Die liberale deutsche Linie setzte sich durch, auch wenn sie ihren Sieg ewas klausuliert formuliert in AL nur wiederfand.   
Kann man also mit dem Kardinal Müller und anderen AL gegen die päpstliche Autorenintention als in Übereinstimmung mit der bisherigen Lehre der Kirche interpretieren, so stünde man nun vor dem Problem, daß viele Bishöfe wohl in voller Übereinstimmung mit dem Papst aus AL eine Zulaßpraxis legitimieren, die nicht mit der Lehre der Kirche und mit AL kompatibel ist. Oder man urteilt, daß Al im Sinne der Autorenintention zu interpretieren ist, dann sind die Deutschen Bischöfe mit ihrer liberalen Zulaßpraxis zur Kommunion die Musterschüler des Papstes! 
Sachlich steht und fällt die Frage der Legitimität der neuen Zulaßpraxis für GW zum Empfang der hl. Kommunion mit der Frage, ob es moraltheologisch legitimierbar ist, in besonderen Fällen GW von der Verpflichtung zur Enthaltsamkeit in ihrer Zivilehe zu dispensieren. Sehr problemtisch und genau genommen inakzeptabel ist dabei, daß es keine klaren Bestimmungen der Coditionen einer Berechtigung einer Dispensierung gegeben worden sind, sondern daß das unter dem Etikett der Einzefallentscheidung der Willkür des Seelsorgers und des GW überlassen wird. 

1.Zusatz:
Zu diskutieren wäre, ob die Erlaubtheit einer Inzestehe für die Kinder Adams und Evas als eine Dispensierung von der Lehre von der Ehe zu verstehen ist in dem Punkt, daß, weil keine andere als eine Inzestehe führbar war, von der Bestimmung der Ehelehre, daß leibliche Geschwister keine Ehe eingehen dürfen, dispensiert worden ist. Wenn eine Ehe unfruchtbar blieb, durfte im Alten Bund der Ehemann mit einer anderen Frau ein Kind zeugen, das dann als legitimes Kind der Ehe galt, also erbberechtigt war. Ist das ein Fall der Dispensierung von der Bestimmung der Lehre von der ehelichen Treue, weil nun außerehelich in einem Akt des Ehebruches der Nachkomme erzeugt werden darf, weil innerehelich kein Nachwuchs erzeugbar ist? Was ist dispensierbar, ohne daß die Morallehre der Kirche faktisch außer Kraft gesetzt wird, lautet die damit zu stellende Frage.  

2. Zusatz
Eingedenk der genialen Erzählung des "Großinquisitors" von Dostojewski ist zu fragen: Ist AL nicht ein Musterbeispiel dafür, daß hier im Geiste dieses Großinquisitors die Katholische Kirche den im Glauben "Schwachen" erlaubt, ein wenig zu sündigen, weil die Kirche um die Schwäche der Menschen weiß, daß sie eben die Gebote Gottes nicht halten können? Ist das der Kern der Barmherzigkeitstheologie des jetzigen Papstes?       

Sonntag, 10. April 2016

Irritierendes zur Lehrautorität der Kirche

Jesus Christus lehrte: "Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so." (Mt, 19,8) Die Preisfrage lautet nun: Mit welchem Recht durfte Mose die von Gott von Anfang an gewollte Unauflöslichkeit der Ehe so auflösen? Jesus gibt Mose ja recht, daß er das Recht dazu hatte, nur daß er nun dieses "Zugeständnis" des Mose wieder revoziert, um die alte von Gott selbst gewollte Ordnung der Ehe wieder herzustellen.Um der Hartherzigkeit der Menschen willen paßte also Mose als der Gesetzgeber des Alten Bundes die Ehelehre den Menschen an. Könnte die Kirche nun mit der selben Kompetenz ausgestattet wie Mose auch die Ehelehre wieder um der Schwäche der Menschen willen ihnen anpassen? Oder verfügt die Kirche über weniger Lehrautorität als Mose? Wer so frägt, gerät notwendigerweise in den Verdacht, nun doch dem Großinquisitor Dostojewskis recht zu geben, daß die Kirche um der Menschen willen, ihrer Schwäche und Neigung zum Sündigen eingedenk, die Gebote und Lehren, die Gott uns offenbart hat, zu humanisieren! Das ist ja das Grundanliegen des Großinquisitors bei Dostojwski! Nicht Herrschsucht oder gar Machtgier bestimmen sein Verhalten, sondern seine Liebe zu den Menschen, wie sie nun mal sind, und die eben den Ansprüchen der Nachfolge Christi nicht genügen können. Dazu sind sie eben zu schwach! Nur, ist diese Art praktizierter Nächstenliebe tatsächlich der Kirche verwehrt, weil sie nicht, wie einst Mose die Lehrbefugnis inne hat, eine Morallehre zu humanisieren,um der Menschen willen? Hier wird jeder wohl sofort mit: Das sei ferne! antworten, denn was würde aus den Wahrheiten der christlichen Religion, hätten die Kirchenoberen das Recht, die Lehre der Kirche den Wünschen der Menschen gemäß umzuformen! 
Nur, es bleibt die Frage: Warum gibt dann Gott seinem Mose mehr Kompetenz in Lehrfragen der Moral als er es seiner Kirche dann zubilligt? Hätte Mose seine Kompetenz nicht auch mißbrauchen können um etwa die Anbetung des Goldenen Kalbes zu dulden  ob der Schwäche des Volkes, dauerhaft einem unsichtbaren Gott glauben zu sollen?  Und ist es wirklich völlig ausgeschlossen, das Ja der Kirche zu Bildern in der Kirche als ein anschauliches Beispiel der Humanisierung der Gebote Gottes im Geiste des Großinquisitors zu deuten? Es sei an den wütenden Protest gerade der radicaleren Reformer gegen die Bilder in der Kirche erinnert, an den Bildersturm der Reformation, der sich aber gerade legitimierte mit dem Wortwörtlichnehmen des Bilderverbotes der 10 Gebote! 
Könnte es gar sein, daß Dostojewskis Großinqisitor dem Willen Gottes näher steht als uns lieb sein könnte, weil er wirklich seiner Kirche auf Erden und Jesu Christi Stellvertreter auf Erden so viel Lehrautorität gegeben hat?
Wer den Großinquisitor liest, stößt ja am Ende auf ein wohl unlösbares Rätzel: Warum küßt am Ende der auf Erden wieder gekommene Christus den Großinquisator, der doch sein Werk und seine Lehre so humanisierend entstellt hat. Was bedeutet dieser Jesus-Kuß? 
In der Staatsrechtsdiskussion ist eines der schwierigsten und komplexen Themen das des Ausnahmezustandes. Carl Schmitt widmete sich gerade intensivst dieser Frage und zeigte dabei die Parallelität von Gottes Souveränität und der Lehre von der Souveränität des Staates auf. Wie Gott im Wunder die von ihm selbst gesetzte Ordnung punktuell auflöse, so müsse und könne der Staat auch den Ausnahmezustand praktizieren.Also wäre weder für Gott noch den Staat das Gesetz immer und ewig verbindlich: Es könnte punktuell außer Kraft gesetzt werden um etwas wichtigerem als der gesetzten Ordnung willen.
Nur, wenn heuer so die Kirche agieren dürfte, hätte sie sich dann nicht schon längst selbst destruiert, nur um den Menschen zu gefallen?  

Corollarium 1
Die Evangelische "Kirche" zeigt uns überdeutlich, wohin der Weg geht, wenn die Lehrautorität der Kirche über die der hl. Schrift gestellt wird. Die FAZ rapportierte heute:
In Berlin, Brandenburg und Ostsachsen können homosexuelle Paare ab dem 1. Juli auch kirchlich heiraten. Das beschloss die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit großer Mehrheit. Bisher war für schwule und lesbische Paare nur eine Segnung vorgesehen, etwa ohne Eintragung ins Kirchenbuch oder Ringwechsel.

Aber ist dieser offenkundige Mißbrauch der Lehrautorität auch schon ein hinreichendes Argument wider den Gebrauch der kirchlichen Lehrautorität, wie es der Gesetzeslehrer Mose praktizierte, dem Christus ja keinen Mißbrauch vorwarf?