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Samstag, 11. April 2026

Unchristlich: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

 Hält man sich vor Augen, daß diese Äußerung von Friederich Nietzsche stammt, liegr es sehr nahe, dies als un- und gar als antichristlich zu verurteilen. Ohne daß es Gott gibt und ohne seine Religion, die von ihm gegründete, wäre das Leben ein Irrtum, aber doch nicht, wenn es keine Musik gäbe. Gott wird als die Einheit des Wahren,des Guten und des Schönen gedacht, die in der theoretischen, praktischen und ästhetischen Vernunft reflektiert wird. Die Ordnung des Schönen, der Kunst gehört so zu den drei mataphysischen Ordnungen Gottes. Dabei ist die Ordnung der Kunst eine selbstständige und somit nicht ableitbar aus den zwei anderen. Sie ist somit kein Medium der Vermittelung von Erkenntnissen der theoretischen oder praktischen Vernunft, Die Kunst ist eine eigensändige Sprache, es sei denn, sie wird degradiert zur puren Werbung. 

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, ist dann eine wahre Aussage, wenn es die drei metaphysischen Ordnungen gibt,die zusammen die notwendig hinreichenden Conditionen für ein Leben sind, das kein Irrtum ist.

Das heißt aber auch,daß die "Sprache der Musik" nicht einfach übersetzbar ist in unsere Rede-und Schriftsprache. Man könnte sich sonst ja ein Musikwerk vorstellen wie einen geschriebenen Brief, der in einen Briefumschag hineingelegt vom Empfänger geöffnet und gelesen wird: Es existiert eine Aussage, die sprachlich formuliert ist und dann kommt die Musik dazu, daß der Text gesungen wird und von Musikinstrumenten begleitet als ein Transportmedium, damit der Hörer aus dem Musikstück die Botschaft heraushört wie der Briefempfänger den Brief aus dem Briefumschlag herausholt, Die Musik wäre so der Botschaft rein äußerlich wie der Briefumschlag dem Gehalt des Briefes.

Der Gehalt eines Musikstückes ist das Musikwerk selbst, bzw wird aus ihm herausge-hört.Die Form der Liedes, ein gesungener Text mit oder ohne eine Instrumentenegleitung verführt aber zu der Ansicht, daß der  Text gar unabhängig von seinem Gesungensein der Gehalt des Liedes wäre.

Die Musik gilt als eine Sprache, die universell verstanden wird aber wenn dann nachgefragt würde, wie denn nun ein bestimmtes Musikwerk verstanden worden sei, was seine Botschaft sei, fällt es sehr schwer, den wahrgenommenen Gehalt sprachlich zu artikulieren, denn er läßt sich nicht in unsere Sprech- und Schreibsprache übersetzen. 

Corollarium

Musik wird zu einem Hör- und Seherlebnis

Legt man das einfache Kommunikationsmodell von dem Sender, der Sendung und dem Empfänger zugrunde, dann ist nur das Musikstück das Kunstwerk, dem der Musikkünstler und der Musikhörer äußerlich sind. Das ändert sich, wenn der Künstler einfach naiv auf der Bühne auftritt, sondern seinen Auftritt reflektiert und er so zu einem Element des Kunstwerkes wird. Die einfachste Gestalt ist die der Show, die komplexere die der Musikinszenierung, daß das Stück wie ein Theaterspiel auf der Bühne aufgeführt wird. Die Inszenierung ist dann dem Musikwerk so wenig äußerlich wie eine Theaterstück-inszenierung dem Text des Theatersückes. Ein Musikvideo könnte so als eine kleinformatige Oper bezeichnet werden. Es entsteht so eine Kunstgestalt, in der alle Kunstgestalten integriert sind. (Vgl R-Wagner zur Oper)  Das Licht, bzw die Beleuchtung, ursprünglich nur ein Mittel, damit ein Musikwerk in einem Raum,nicht unter freiem Himmel aufgeführt werden kann, verwandelt sich in der inszenierten Musik selbst zu einem Teil des Kunstwerkes, es soll die Gestimmtheit des Musikwerkes ausdrücken: helle und dunkle Töne korrelieren hellem und dunklerem Licht.

Donnerstag, 19. März 2026

Erlöst durch Gottes Liebe oder durch das Leiden Christi?

 

Erlöst durch Gottes Liebe oder durch das Leiden Christi?


Mel Gibsons Jesusfilm: „Die Passion“ gehört wohl zu den meistdiskutierten und umstrittensten Jesus Filmen. Von linksliberaleren Kräften hagelte es nur so an Vorwürfen, hauptsächlich dem des Antisemitismus, Ganz offiziös wurde dieser Film gar gemaßregelt: „Eine gemeinsame Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, und des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, äußert sich jedoch kritisch zum Film: „Mit dieser drastischen Darstellung verkürzt der Film die Botschaft der Bibel auf problematische Weise. Der Film birgt die Gefahr in sich, das Leben Jesu auf die letzten zwölf Stunden zu reduzieren.“ Ein weiteres Problem liege in der Darstellung der beteiligten Juden. Die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung bemerken die Möglichkeit einer antisemitischen Instrumentalisierung.“ 1

Einem Film über die Passion Jesu Christi den Vorwurf zu machen, er kapriziere sich auf seine Passion, zeigt das beeindruckende Niveau der damaligen Kritik.Wenn dem Film der Vorwurf des Antisemitismus gemacht werden kann, dann müßte man ihn an die vier Evangelien weiterleiten, den deren klare Tendenz, primär den Juden, bzw den damaligen Klerikern die Hauptschuld zuzuschreiben, spiegelt dieser Film einfach wider.

Aber der Vorwurf der Verkürzung ist in sich doch recht gehaltvoll, darum soll er hier erläutert werden: Die zentrale Heilsaussage der christlichen Religion lautet, daß wir durch das Kreuzleiden Christi erlöst worden sind. Aber genau diese Kernbotschaft ist seit dem Bemühen der Theologie, sich aufkärungskompatibel umzugestalten, in die Kritik geraten. Für den Aufklärungsphilosophen Kant ist die Vorstellung einer Erlösung durch ein Sühnopfer eine vernunftwidrige Absurdität.

Hedwig Courths Mahlers Roman: „Durch die Liebe erlöst“, sehr schön verfilmt,ist so faktisch zu der Alternative zur traditionellen Kreuzestheologie avanciert: Die Liebe Gottes erlöst uns. Genau genommen wird so das Kreuz Christi als sein Erlösungswerk völlig überflüssig, denn unsere Erlösung bestand und besteht eigentlich in unserer Aufklärung, daß Gott nie aufgehört habe, uns zu lieben und daß er uns immer auch lieben wird. Irgendwie kann dann noch versucht werden, das Kreuz Christi mit dieser Liebe in Einklang zu bringen, etwa, daß Jesus die Verkündigung des Liebesgottes so wichtig war, daß er auch durch Gewaltandrohungen nicht sich abhalten ließ, den Liebesgott zu verkünden, oder daß etwa Gottes Liebe darin bestünde, nicht mit Gegengewalt auf die Gewalt der Römer zu reagieren, daß Gott also eine Strategie der Gewaltdeeskalation praktiziert hätte. Gern werden Karfreitagspredigten dann noch mit Phrasen dekoriert, etwa, daß Gott uns seine Liebe im Kreuz Christi erwiesen habe, ohne daß dann irgendwie geklärt wird, was man sich dabei denn denken solle.

Dieser Passionsfilm hat nun eine klare Aussage, daß wir durch das Leiden Christi erlöst worden sind. Jesu wird versucht: „Glaubst Du, daß Du diesen Kelch wirklich auszutrinken vermagst?“ Eine klare Gerechtigkeitsidee liegt dem zugrunde, daß der Schwere der Sünde, der Sünden aller Menschen, der einstigen, der jetzigen und der zukünftigen die Schwere der Strafe entsprechen müsse, daß ein ausgewogenes Verhältnis erwirkt werden muß auf der Waage der Gerechtigkeit. Kann Jesus Christus wirklich dieses Maß an Strafe in der Gestalt seines Leidensmüssens ertragen?

Der Film zeigt uns nun in seiner kraftvollen Bildersprache, daß Jesus wirklich dieses Maß an Strafe erlitten und ausgehalten hat, sodaß wir dadurch erlöst wurden.

Wenn ein Arzt seinen Beruf auch um der Nächstenliebe willen erwählt hat, so heilt ein Chirug doch seine Patienten nicht durch seine Nächstenliebe sondern durch sein ärztliches Handeln, daß er den Patienten operiert. Die Liebe motiviert ihn dann zu dem Operieren, aber die Heilung verdankt der Patient der Operation, nicht einfach der Liebe zu ihm. So hat auch Jesu Christi Liebe zu uns ihn dazu motiviert, für uns am Kreuze zu sterben, aber sein Kreuzesleiden hat uns erlöst, nicht einfach seine Motivation.

Die Filme David Hamiltons zeichnet auch eine klare Botschaft aus: „Die Schönheit erlöst die Welt“, wie es Dostojewski in seinem Roman : „Der Idiot“ sagen läßt. Die ästhetische Qualität seiner Filme ist nun, daß es in ihnen gelingt, diesen Gehalt in eine überzeugende Bildersprache zu übersetzen. Als Photograph hat er ein Blick für schöne Bilder, sodaß seine Filme wie eine Aneinanderreihung wunderschöner Bilder erscheint.

Der Passionsfilm zeichnet sich genau durch diese Qualität der Hamiltonfilme aus: seine Bildsprache!

Manche Kritik des Passionsfilmes behandelt diesen Film, als wenn er ein Hörspiel wäre, da die Bildsprache völlig vernachläsigt wird. Aber gerade in ihr manifestiert sich die Erlösungsbotschaft dieses Filmes. Dabei mußte eben eine andere Bildsprache konzipiert werden als für einen Hedwig Courths Mahler Film: „Durch Liebe erlöst“ oder wenn man einen Film über das Dictum: „Schönheit erlöst die Welt“ schaffen wollte. M.E gelingt das den Filmen David Hamiltons.

Das Faszinierende des Passionsfilmes ist es nun, daß hier wirklich eine Bildsprache konzipiert worden ist, die genau diese Erlösungsvorstellung zum Ausdruck bringt in einzigartiger Qualität! Und genau das ist auch des Pudels Kern seiner Kritik: Man sähe lieber einen Liebesfilm, daß wir durch die Liebe erlöst im Sinne Courths Mahlers.

1Wikipedis: Mel Gibson: Die Passion.

Montag, 9. März 2026

Denkwürdige Gespräche – im Meer des Relativismus gibt es doch noch Gewißheiten

 

Denkwürdige Gespräche – im Meer des Relativismus gibt es doch noch Gewißheiten



Mein Vorzugsopfer waren und sind Germanistikstudenten m/w/d, m/ w/de, da in diesen Kreisen sehr viel Wert auf politisch korrekten Verhalten in allen Lebensbereichen gelegt wird. Das Gespräch eröffnete ich gern mit dem Bekenntnis, daß ich nun nicht vom Fache sei, aber gerne von m-w-d Germanisten erfrüge, wie sie ein Werurteil begründen. Daß Thomas Mann oder Robert Musil literarisch Hochwertiges hervorgeracht hätten, sei doch wohl unbestritten. Wie begründe man aber die Minderwertigkeit der Werke etwa der Schriftstellerin Hedwig Courts Mahlers?  Ich wüsse das  nicht und hörte gern eine Begründung dieses Werturteiles.

"Ihre Romane seien Kitschromane!" Das wüsse doch jeder. Aber warum seien denn ihre Romane kitschig? Wenn mein Dialogpartner ob solcher Inkompetenz nicht das Gespräch sofort beendete,hieß es: „Weil deren Romane alle mit einem „Happy End“ abschlössen, sind sie kitschig.“ Mein Gegenargument lautete dann: „Dann sind alle Kriminalfilme auch kitschig, weil am Ende immer der Mörder überführt und der Mordfall aufgeklärt wird.“

Nein, so könne man das nicht sehen. Morde sind nicht kitschig, nur die Liebesfilme und Romane sind kitschig, weil es da um die Liebe geht!“ Mein Einwand: „Frägt man, womit Menschen das Glücklichsein verbinden, dann antworten sie: „ Mit der Liebe“ und nur Ältere urteilen, daß das Allerwichtigste ihr Nichtkranksein sei.“ Sollte also der Glaube an ein mögliches Glücklichsein kitschig sein, da jeder Realist wüsse, daß es auf Erden kein Glück geben könne? Hier könnte sich eine erste gewichtige Spur des Grundes des Kitschvorwurfes andeuten: Das Darstellen am Ende glücklich sich Liebender evoziert Neidgefühle: Wenn mir das Glück in der Liebe nicht möglich ist, dann soll das auch keinem anderen vergönnt sein: „Denn wie könnte ich noch mit meinem Leben zufrieden sein, gäbe es wirklich glücklich Liebende?“

Aber dieser Verdacht transzendiert den Raum der Literaturkritik. Der Verdacht liegt nun näher im Raume der Literaturkritik,daß diese Autorin ihre eigenen Werke „klein gemacht hatte“. Erfolg ruft Neid hervor. Karl May wurde so ein Opfer einer Neidkampagne, seine Werke seien unsittlich, jugendgefährdend. Courths Maler wehrte eine solche Kampagne mit ihrer ihr eigenen Klugheit ab: „Liebe Männer, ich schreibe doch nur Märchen für Erwachsene. Solche Werke braucht doch kein Schriftsteller ernst zu nehmen!“ Eine feministische Literaturkritik könnte das nun als eine kluge Strategie bezeichnen, wie eine Frau in der von Männern dominierten Welt der Romane sich ihren Platz eroberte und eine der Vielgelesendsten wurde. Aber da ihre Romane Liebesromane sind, kam und kommt sie nicht zu dieser sssEhre,klug agiert zu haben.

Gelegentlich wurde auch das Argument des "Klischeehaften" vorgetragen. Aber auf die Nachrfrage,warum denn Klischees etwas Negatives seien, konnte niemand etwas erwidern. Eingedenk der Anthropologie Arnold Gehlens könnte zur Verteidiung des Klischees könnte gesagt werden, daß wir Menschen ob unserer defizitären Bestimmtheit durch unsere Natur die Kontingenz, daß es viele Handlungsoptionen für uns gibt, bewältigen, indem kulurell bestimmte Handlungsversionen vorgegeben sind,die wir dann realisieren. 

Wie viele Mölichkeiten ließen sich ausdenken, wie ein Mann einer Frau seinen Heiratsantrag macht. Es gibt nun ein "Klischee", wie ein Mann den Antrag richtig macht, kniend und dazu der Frau einen Ring anstekend. Wer das so macht, der weiß daß die Frau das als einen richtig gemachten anerkennen wird, sodaß sie dann auch ihr "Ja" sagen kann, wohingegen ein ganz anders gemachter bei der Frau Zweifel entstehen lassen könnte, ob den der Antrag auch wirklich ernst gemeint sei.  Klischees helfen so als Kontingenzbewältigungskonzeptionen und entlasten so den Einzelnen, eine angemessene Praxis für sich zu konzipieren. So entlasten nicht nur die Instituionen sondern auch die kulturell vorgegebenen Klischees den Einzelnen. Diese selbst werden nun durch die Kunst vermittelt, durch die Medien und dazu gehört immer auch noch die Literatur: "So kannst Du Dich in so einer Angelegenheit verhalten, vertrauend darauf, so nichts falsch zu machen. " Warum sollte eine so geartete Hilfe für das Leben ästhetisch minderwertig sein?

Man weiß eben als m/w/d Germanist, welche Romane man auf keinen Fall schätzen darf, um nicht bei allen Kommilitonen unten durch zu sein. „Ernst Jünger darf man auf keinen Fall lesen, denn er ist ein Nazi!“ Meine Gegenfrage: „Woher wissen Sie denn, daß er ein Nazi ist, wenn Sie nie eine Zeile von ihm gelesen haben?“ bekam die Antwort: „Nazibücher lese ich nicht, es reicht, daß ich weiß, daß der einer war!“Und woher weiß man das? Das wüsse doch jeder. Lebt etwa die germanistische Wissenschaft von solchen Vorurteilen?

Wenn es im Raume der Ästhetik noch Gewißheiten gibt, dann sind es Vorurteile, die in bestimmten Milieus vertreten werden und die man teilen muß, wenn man dazugehören will. Ist das der Ausgang der Aufklärung, des Willens zum selbstständigen Denken?

Einen „Ausweg“ bietet das Konzept der politisch engagierten Kunst: Hier entscheidet allein die politische Gesinnung eines Werkes über seinen ästhetischen Wert. So wird wohl kein israelischer Künstler mehr in Österreich oder Deutschland irgendein Werk ausstellen können, ohne daß da gegen ihn heftigst protestiert wird und die Ausstellung dann untersagt wird: Er sei, da er ein Jude sei, ein Unterstützer des zionistischen Imperialismus.

Aber was macht denn stattdessen die ästhetische Qualität eines Kunstwerkes aus? Aber der totale Relativismus macht nicht im Raume der Ästhetik halt: „Was macht eine Aussage zu einer wahren und was qualifiziert das Gute als das Gute?“ Auch die theoretische wie auch die praktische Vernunft ist eben von dem Virenschadprogramm des Relativismus befallen! 

Kein Germanist, auch nicht seit es m/w/d Germanisten gibt, konnte mir meine Fragen zur Qualitätserkennung literarischer Werke beantworten!



Samstag, 23. August 2025

Irrwege in der Frömmigkeit? Oder kann ein natürliches Verhalten eine Sünde sein? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion

 

Irrwege in der Frömmigkeit? Eine Spurensuche des jetzigen Niederganges der christlichen Religion



Man könnte sich die Geschichte dieses Niederganges einfach zu recht legen. Das 1. Vaticanum bildete den Höhepunkt der Entwickelung der Kirche und der christlichen Religion, die Kirche kämpfte noch erfolgreich gegen ihren Feind im Inneren, dem Modernismus,dem Willen, die Kirche mit dem modernen Zeitgeist zu vermählen und dann ereignete sich der Absturz, der bis jetzt anhält, wobei das 2.Vaticanum, zumindest die Weise seiner Interpretation und Rezeption dieses Niedergang forcierten.Es hätte also eine (fast)heile Welt des Katholizismus gegeben, die dann ganz plötzlich ins Wanken geriet und der jetzt fast ihre Auflösung droht.

Nur, wenn alles in der sogenannten Vorkonziliaren Kirche in Ordnung gewesen wäre, warum konnte dann dies große Kirchengebäude so plötzlich zerrüttet werden? Auf der Spurensuche nach Rissen im Kirchengebäude stieß ich nun auf eine Marginalie, die doch ein gravierendes Problem der vorkonziliaren Anthropologie aufscheinen läßt, ein Symptom eines verdeckten Problemes, daß der Mensch verkannt wird, weil er nicht so wahrgenommen wird, wie er wirklich ist.

Es wird auch der Hoffärtige mit einem Sarge verglichen.Wie der Sarg nur geziert wird,wenn man einen Toten in denselben hineinlegt,so schmücken auch Männer ,besonders aber Weiber ihren Leib nur mit eitler Kleiderpracht, wenn ihre Seele im Leibe durch die Hoffart erstorben ist.“1

Man könnte meinen, daß damit ausgesagt werden solle, daß im Idealfalle eine Christin wie ein graues Mäuschen herumlaufen sollte,um zu demonstrieren, daß sie wahrhaft fromm sei, daß für sie nur die inneren Werte, die der Tugenden zählten und sie so aller Aufputzlust entsage. Das gehöre zur christlichen Askese, die allem Äußerlichen kritisch gegenüberstünde, da es allein auf die innere Herzensgesinnung ankäme.

Das Geschlechternarrativ, die als Grunderzählung das Verhältnis der Geschlechter zueinander normiert: Eine schöne junge Frau steht auf einem Balkon, ein Jüngling kommt dahergeritten und ruft aus:“Du schönste aller Frauen,Dich wünsche ich zu heiraten!“ Sie antwortet:“Wenn Du ein Held bist...“. Der Jüngling reitet in einen tiefen dunklen Wald, stellt sich dem Kampfe mit dem dortigen Drachen, schlägt ihm den Kopf ab und mit dem reitet er zu dem Burgfräulein. „Du bist ein Held!“ So heiraten sie.

Die Zeiten ändern sich,aber in all dem Wandel gibt es doch Konstanten: die Frau, die schön sein möchte und dabei manchmal beachtliche Kreativität entwickelt und der Mann, der ein Held in den Augen der Frauen sein möchte.Seit es auf Erden Frauen und Männer gibt, versucht die Frau, den Mann für sich durch ihre Schönheit zu gewinnen und der Mann die Frau durch seine Tapferkeit, seinen Mut zu imponieren.

Schöne Frauen kann es nur geben, weil es auch nichtschöne gibt und Männer können nur Helden sein, weil es Nichthelden gibt.Denn es gilt: Wären alle erwachsene Menschen gleich groß, gäbe es weder große noch kleine Menschen, denn groß bzw klein sein heißt, sich vom Durchschnitt positiv oder negativ zu unterscheiden.

Was machen denn nun, eingedenk des Geschlechternarratives die nichtschönen Frauen? (Ich kapriziere mich jetzt auf die Frau, da ihr insbesondere der Vorwurf gemacht wird,zu viel Wert auf ihr Schönsein und Sichschönmachen zu legen.)Nichts ist für eine Frau diskriminierender als der Anblick einer Frau, die ihr sagt:“Ich bin schön, Du nicht! Du kannst Dich anstrengen, so viel Du willst, nie kannst Du so schön sein wie ich!“ Der Neid auf die von Fortuna,um es mal etwas heidnisch auszudrücken2, Bevorzugten ist eine nicht überschätzbare Kraft im menschlichen Miteinander.“Wenn ich nicht schön sein kann, dann darfst Du das auch nicht sein! Schönsein ist etwas Unmoralisches, Untugendhaftes!“

Es gibt Moralvorstellungen, bei denen es offensichtlich ist, daß sie Ausgeburten des ach so menschlichen Neides sind.Es käme doch auf die inneren Werte an,ist so zwar eine wahre Aussage, aber sie wird zu einer Unwahrheit, speist sie sich aus dem Neid den von Fortuna Bevorzugten gegenüber. Wenn sich so eine christliche Moralvorstellung vom Neid der nichtschönen Frauen instrumentalisieren läßt, wird sie so selbst unwahr.Jede Morallehre muß eben auch darüber Rechenschaft ablegen, ob sie vom Neid diktiert wird, von ihr sich gestalten läßt. Das Ressentiment gegen alles Schöne, Starke und Vornehme gehört nach Nietzsche zur Substanz der christlichen Religion und auch wenn das eine maßlose Übertreibung ist,enthält sie doch ein Körnlein Wahrheit.

Was trägt dieser Befund nun zu einer Diagnose des Niederganges der christlichen Religion bei? Vielleicht nur den Verdacht, daß vor lauter moralischen Vorstellungen darüber, wie der Mensch sein sollte, der Mensch, wie er wirklich ist, vergessen wurde,daß es der Natur der Frau entspricht,schön sein zu wollen, und daß der Neid auf die schönen Frauen eine sehr verbreitete Reaktion darauf ist, daß aber dieser Neid unchristlich ist, auch wenn er unter der Maskerade des, es käme allein auf die inneren Werte an,auftritt. 

Zusatz:

Daß die Geringschätzung der Freude am Schönen, weil es doch nur auf das "Innere" ankäme, auf den Bereich der Liturgie angewandt furchtbare Folgen zeitigt, beweist die Liturgiereform! 



1Michael Sintzel,Maria,meine Zuflucht und mein Trost, 1919, S.194.

2Die Vorstellung der Glücksgöttin Fortuna könnte in die Theologie integriert werden, wenn darunter Gott verstanden wird, der in seiner absoluten Freiheit gibt, wem er geben will und nicht gibt, wem er nicht geben will,der erwählt,wen erwählen will und erwählt den nicht, den er nicht erwählen will.

Donnerstag, 31. Juli 2025

Eine linke Haßneidkampagne gegen das Schöne – und daß das antichristlich ist!

 

Eine linke Haßneidkampagne gegen das Schöne – und daß das antichristlich ist!



Weil eine schöne Frau eine Jeans trägt, drehen progressive Aktivisten durch – und entlarven dabei ihren eigenen Hass. Eine simple Werbung mit Schauspielerin Sydney Sweeney lässt die Woken hyperventilieren: Von »faschistischer Propaganda« bis »Drittem Reich« ist die Rede.“1

Was hat sich da ereignet? Etwas so Banales, daß es keiner Zeile wert wäre,wenn dies banale Ereignis einen wahren Entrüstungssturm in einigen Medien hervorgerufen hätte.Eine gut, sagen wir lieber mit Männeraugen betrachtet sehr gut aussehende junge Frau macht eine Werbung für eine Jeansbekleidung. Die Raffinesse dieser Art von Werbung ist das Setzen auf die Suggestivkraft dieser mit Jeans bekleideten Frau, daß im Prinzip jede Frau,trüge sie nur diese richtige Jeansmarke, so gut aussehen könnte wie diese Schauspielerin. Das ist natürlich eine irreale Verheißung, die aber trotzdem effektiv ist, da sie auf das Unterbewußtsein zielt,dort sich verankert und dann die zukünfigen Kaufentscheidungen mitbeinflußt.

Aber zuvörderst gehört auch die Werbung in den Bereich der Kunst und könnte präziser als eine Subversion der „Laudatio“ bezeichnet werden. In der Kunst der Rede, der Rhetorik ist die darstellende Rede, daß etwas im Idealfall vollständig erklärt wird und cognitiv ausgerichtet ist, von der Entscheidungsrede,die zu einer Ja- oder Neinantwort aufruft und so voluntativ ausgerichtet ist,und von der Laudatiorede, der Kunst des Schönredens zu unterscheiden. Das Verb, etwas schönreden drückt am treffendsten das Anliegen dieser Kunst aus.

Wer sich daraufhin die in dem „Freie Welt“ Artikel abgebildete junge Frau in ihrer Jeansbekleidung ansieht,kann nicht umhin,dies Photo als sehr gelungen im Sinne der Laudatiokunst zu beurteilen. Da die Metaphysik die drei Ordnungen des Wahren,des Guten und des Schönen thematisiert,gehört auch eine solche Photographie in den Bereich der Philosophie und der Religion, denn Gott wird in ihr nicht nur als das Urbild des Schönen geglaubt, sondern auch als das Schöne,durch das alles andere, sofern es schön ist, erst schön ist, durch die Teilhabe von Geschöpflichem an der Schönheit des Schöpfers.

Aber nun drehen politisch Linksstehende völlig durch,indem sie diese ästhetisch wirklich gut gemachte Werbung als faschistische bzw Nazikunst verteufeln! So viel überschäumender Haß evoziert unter Linken ein Bild einer schönen, attraktiv gekleideten Frau. Nimmt man diesen Haßausbruch ernst,kommt man zu dem Resultat, daß Linke das Häßliche und Unschöne lieben, Rechtsradicale dagegen das Schöne. Faschisten und Nazis glaubten an das Schönsein,zumindest das mögliche Schönsein des Menschen, während Linke die Häßlichkeit und Niedrigkeit des Menschen betonen.2

Klarer und eindeutiger kann sich das, was sich heute „links“ nennt,nicht offenbaren. Hier tobt sich das Ressentiment der Zukurzgekommenen wider die von Fortuna Bevorzugten, drücken wir es einmal heidnisch aus,aus in seiner ganzen Primitivität des Neides: Weil wir nicht schön sein können, dürft ihr auch nicht schön sein. Man denke an das Greuel der maoistischen Gleichmacherei, als alle Bürger den chinesischen Maoeinheitslook tragen mußten,der sogar die Geschlechterdifferenz zum Verschwinden bringen sollte.

Nicht erst die Gesellschaft bewirkt Unterschiede, die die Gleichheitsfanatiker als ungerecht perhorreszieren, daß es Herren und Knechte gibt,Regierende und Regiertwerdende, sondern die Natur selbst bringt sozusagen „ungerechte“ Unterschiede hervor. Nicht jeder Frau ist es gegeben, so schön zu sein wie diese Schauspielerin, wie ja auch nicht jeder Mann ein Adonis ist. So muß jeder Gleichheitsideologe nicht nur gegen die Ungerechtigkeiten hervorbringende Gesellschaft kämpfen sondern auch noch selbst gegen die Natur.

Die Macht des Neides darf und kann man gar nicht unterschätzen.Ohne den Neid auf die von Fortuna3 bevorzugten Frauen, daß sie den anderen unübersehbar vor Augen führen, was sie nie sein können, so schön, das evoziert den Neid der Zukurzgekommenen,das ist die Geburtsstunde des Feminismus. Im Sinne Nietzsches dürfte geurteilt werden, daß der Neid und das Ressentiment gegen alles Erhabene, Schöne und Starke zur Substanz der Linksstehenden gehört. Das ist aber auch eine antichristliche Haltung, denn Gott ist ja selbst das Erhabene, Schöne und Starke, von dem alles andere sein Erhaben- Schön- und Starksein erhält durch seine Partizipation an ihm!

1„Freie Welt“ am 30.7.2025: Woke-Wahnsinn um Jeans-Werbung: Linke sehen in Sydney Sweeney eine Nazi-Ikone.

2Daß Vertreter der Totalitarismustheorie, daß der Linksradicalismus dem Rechtsradicalismus sehr ähnlich sei, sodaß die nationalsozialistische wie die stalinistische Ästhetik den schönen, starken und heroischen Menschen in den Vordergrund stellten, paßt aber nicht in dies Schema.Der Kunstkalender.“Anmut und Schönheit“,jedes Jahr neu aufgelegt offeriert einen guten Überblick über das rechtsradicale Kunstverständnis in seiner Kaprizierung auf den „schönen Menschen“.

3Man darf die Differenz zwischen dem heidnischen Glauben an die Glücksgöttin Fortuna und dem christlichen Glauben an den dreieinen Gott nicht übertreiben, entspringt der heidnische Götterglaube bei all seinen Verzehrungen doch primär auf der natürlichen Gotteserkenntnis, oder wie es treffender der lutherische Theologe Althaus als natürliche Gottesoffenbarung konzipiert.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Religiöse Kunstwerke – Nein, Danke! Über die neue Intoleranz von? Oder nur elitär-avantgardistische Kunst zählt!

 

Religiöse Kunstwerke – Nein, Danke! Über die neue Intoleranz von?



Es paßt doch eigentlich nicht in unsere ultraliberale Kultur, daß das Kunstwerke, nur weil sie religiös sind, nicht exponiert werden sollen. Aber für den den heutigen Liberalismus kritisch Beobachtenden ist das nichts ihn Irritierendes, gehört doch der Diskurs darüber, wer und was auszuschließen ist aus dem öffentlichen Diskurs heute zur Agenda jeder Talkshow. Dabei wird sich in der Regel auf das, was man „Rechts“ nennt, kapriziert: Mit solchen Schmuddelkindern redet man nicht!

Aber warum sollen den nun religiöse Kunstwerke nicht mehr exponiert werden und wo sollen sie nicht ausgestellt werden. Der Kath de Artikel: „Theologe in Kunststation: Religiöse Werke würden wir nicht zeigen“ vom 2.7.2025 klärt uns darüber auf.

Der Tatort ist die „Kunststation St.Peter“ in Köln, eine profanisierte Kirche, die nun zu einer Kunstausstellungshalle umfunktioniert worden ist.

Die Täter:Der jetzige Leiter ist nun kein Kunsthistoriker, kein Mann vom Fach, sondern ein katholischer Theologe. Aus dem Wikipediaartikel über ihn entnehmen wir aber die sehr gewichtige Angabe: „Seit 2012 ist Schlimbach regelmäßiger Teilnehmer des Dialogs zwischen dem Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, und Vertretern des Forums Essener Lesben und Schwule (F.E.L.S.)“ Es ist wohl keine müßige Spekulation, daß der Eigenname: „F.E.L.S“ anzeigt, daß die Neusynodalkirche Deutschlands nicht mehr auf den Fels Petrus sondern auf diesen F.E.L.S sich auferbauen möchte. Der Zweitäter ist ein jesuitischer Pater, mit dem zusammen dieser Dialogtheologe die Kunststation leitet.

Die Anklage: “religiöse Kunstwerke würden wir in St. Peter nicht zeigen. Das ist tatsächlich für uns ein Ausschlusskriterium. Pater Kessler, unser jetziger Pfarrer, sagt immer: Religiöse Kunst haben wir doch, die brauchen wir ja nicht. Wir wollen die Kunst nicht verzwecken, wir wollen nicht, dass die Kunst uns unseren Glauben illustriert, dass sie das, was wir im Evangelium lesen, verhübscht und dass wir das dann noch mal irgendwie auf diese Art und Weise erläutert bekommen. Das ist überhaupt nicht unser Ansatz. Das können Sie in jeder anderen Kirche auch zeigen. Das interessiert uns überhaupt nicht.“

Es geht also in erster Linie um eine Diffamierung der christlichen Kunst , sie verhübsche, damit ist wohl gemeint, daß sie kitschig sei, sie illustriere, womit ihre minderwertige Qualität benannt wird: Es gäbe Zeitungen und fürs gemeine Volk die Illustrierten, außerdem sei sie heteronom bestimmt, indem sie ihre Gehalte der christlichen Religion entnähme, statt autonom sie hervorzubringen.

Duchamps Pißbecken, das heute allseits als ein Kunstwerk anerkannt wird1, offenbart uns das Geheimnis der zeitgenössischen Avantgardkunst: In einer Epoche der Egalisierung und Nivellierung erwächst das Bedürfnis, als etwas Besonderes von den Massenmenschen, dem gemeinen Volke sich abzuheben. Gerade die Kunst ist dazu ein ideales Medium, daß man nur das als wahre Kunst behauptet, die dem allgemeinen Geschmack zuwider und einem Verstehen sich verschließt, daß sie nur wenigen Erleuchteten eben zugänglich ist, wie dies „Kunstwerk“ Duchamps. Diesem Kunstelitarismus korreliert nun die Verachtung von allem, was dem gemeinem Mann gefällt als kitschig, trivial und populär2. Das „Barmherzigkeitsbild“ der hl. Faustyna wird eben in keiner Kirche und in keinem Kunstmuseum ausgestellt, weil es trivial und schön sei. Dabei hat Jesus Christus sich selbst der hl. Faustyna so offenbart: Male mich so, damit in und durch dies Bild ich verehrt werde!

Wäre die Kirche rein marktwirtschaftlich orientiert, würde man nicht auf eine elitär-avantgardistische Kunst setzen, aber da die als progressiv gilt, wird sie in der Kirche aufgenommen, weil sie eben auf der Höhe der Zeit sein will. Der Gerigschätzung der Volksfrömmigkeit korrespondiert die Verachtung jeder frommen Kunst, nur eine destruktiv kritische wird bejaht wie etwa die Verhöhnung des Letzten Abendmahles bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Frankreich.



1.Zusatz: Ein Jesuitenpater und ein Homosexlobbytheologe bekennen gemeinsam: Christliche Kunst interessiere sie überhaupt nicht! Eine Kirche, die solche Mitarbeiter hat, braucht keine Feinde mehr!

2.Zuatz:

Gegen islamische oder jüdische Kunst hätte dies zwei Nichtkunstexperten sicher nichts einzuwenden, denn die Exponierung solcher religiöser Kunst diente ja dem interreligiösen Dialog.

1Dem Leser möchte ich wärmstens empfehlen, sich dies „Kunstwerk“ im Internet anzuschauen!

2Hierbei spielt auch die Kritik der modernen Kunst als „entartet“ eine gewichtige Rolle. Man will sich von dieser Kritik energischt abwenden, da das eine „Naziparole“ sei, die auf das sog „gesunde Volksempfinden“ rekurriere. Eine ntifaschistische Kunst müsse deshalb antipopulär elitär sein, alles Traditionelle verachtend..

Dienstag, 3. Juni 2025

Ein Verdacht zum praktischen Verhältnis der Kirche zur zeitgenössischen Kunst

 

Ein Verdacht zum praktischen Verhältnis der Kirche zur zeitgenössischen Kunst


Ein Narrativ bestimmt wohl das praktische Verhältnis: Um sich als modern, liberal, aufgeschlossen zu präsentieren, laden Kirchenver-antwortliche gerne Künstler zu Ausstellungen aller Art in die Kirchen ein. Ja man kann dabei auch auf den Erfolg nicht nur adventlich-weihnachtlicher Konzerte in den Kirchen verweisen, solche Konzerte sind oft besser besucht als die sonntäglichen Messen oder auf viel Zuspruch erlebenden Orgelkonzerte und so solle nun auch andere zeitgenössische Kultur eine Heimat in der Kirche finden.

Nur die Praxis zeitigt dann regelmäßig dies „Ritual“: Kaum daß ein zeitgenössisches Kunstwerk in einem Kirchenraum installiert wird oder etwas Künstlerisches aufgeführt wird, protestieren Conservative gegen diese Ausgeburten der Kunst als blasphemisch, die religiösen Gefühle verletzend, was den Kirchenleitungen dann mal wieder eine Chance gibt, sich von der „reaktionären Basis“ abzusetzen, sich als Hüter der Liberalität und Toleranz zu profilieren.

Nun könnte man darauf verweisen, daß die zeitgenössische Kunst, gerade auch um sich von der Unterhaltungsindustrie mit ihren Pseudokunstwerken (vgl dazu etwa Adorno) abzusetzen, sich elitär antipopularistisch inszeniert. Kunst, die der Masse gefalle, sei eben keine Kunst! Kunstwerke, die so elitär avantgardistisch konzipiert werden, leben geradezu aus ihrer Ablehnung durch den Otto Normalverbraucher und evozieren dann auch diese Abneigung. Wer dann solche Kunst wertschätzt, ihren Kritikern dann noch vorwirft, sie empfänden im Ungeiste der Nazipolemik gegen die sog. „entartete Kunst“, darf sich dann zu den Gutmenschen zählen, die voller Verachtung auf das gemeine Volk herabschauen, dem halt jeder Sinn für das Höhere fehlt.1 Dem korreliert die Geringschätzung, ja Verachtung der katholischen Volksfrömmigkeit als abergläubisch und vormodern: Die Kirche müsse halt mit dem Fortschritt marschieren!

Aber es drängt sich nun doch ein ganz anderer Verdacht auf. Jesus Christus sagt da: „Wenn die Welt euch haßt, dann wißt, daß sie auch mich schon vor euch gehaßt hat.Wenn ihr von der Welt stammen würdet,würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben.Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum haßt euch die Welt.“ (Joh 15,18f) Die heutigen Kunstwerke sind Hervorbringungen von Künstlern, die aus der Welt stammen und sie stellen ihre Hervorbringungen aus in der Kirche, die nicht aus der Welt ist. Diese Differenz zwischen der Kirche und der Welt, die möchte man heute gern negieren, indem man die Kirche so modernisiert, daß sie nur noch das sagt, was die Welt hören möchte, das ist, sie redet selbst nur noch weltlich. Daß die Kernbotschaft der Kirche ein Humanismus sei, der sich theologisch mit dem Glauben an den jeden Menschen bejahenden Gott fundiert, ist so gesehen der Versuch eines Versöhnungskonzeptes zwischen der Kirche und der Welt.

Aber wie nun, wenn trotz dieser humanistischen Maskerade die Welt die Weltfremdheit der Kirche weiterhin wahrnimmt,ihre nur versteckte Substanz und auf die weiterhin mit ihrer Feindschaft reagiert? Die rein weltlich sich verstehende Kunst, die sich gänzlich von der christlichen Religion emanzipiert hat, ist sie so nicht auch antikatholisch ausgerichtet? Meine Verdachtsthese lautet also, daß die zeitgenössische in Kirchen exponierte Kunst nicht einfach nur als elitär - avantgardistische ihre Abneigung provoziert, sondern auch ob ihrer antichristlichen Ausrichtung, in der sich die Feindschaft der Welt wider das ihr Fremde, ihr Nichtgemäße manifestiert. Gleich einem trojanischen Pferd schmuggelt sie sich in die heiligen Räume der Kirche ein, um sie von innen her zu profanisieren! Kirchenleitungen nehmen diese trojanischen Pferde auf, um sich somit zu profilieren als eine moderne, weltoffene und tolerante Kirche. Von der Feindschaft der Welt der Kirche gegenüber will eben nicht nur die zeit(geist)genössische Theologie sondern auch ´die heutige Kirche nichts mehr wissen, nur hat das nicht zur Folge, daß die Welt ihre Feindschaft wider die Kirche vergäße. 

Zusatz:

Kath net am 3.6.2025:  Der Auftritt war "objektiv blasphemisch. Schwere Kritik aus der evangelischen Kirche am Paderborner Dom-Skandal und am Verhalten vom Erzbischof - Pfarrer Martin Fromm: "Am verstörendsten aber empfinde ich die anschließende Stellungnahme des Metropolitankapitels".

 




1Berühmt berüchtigt wurde ja das Kunstwerk Duchamps, der 1917 einfach ein Pissoir als ein Kunstwerk ausstellte, vgl: Monopol, 6.4.2017: „Vulgär, simpel und einfach brillant: Mit seinem bei einer Kunstschau eingereichten Pissoir entfachte Marcel Duchamp 1917 eine große Debatte in der Kunstwelt.“ Wem dies Kunstwerk mißfällt, der ist eben ein Anhänger der kunstfeindlichen „entartete Kunst“-Polemik.

Dienstag, 25. Februar 2025

Unzeitgemäßes oder wider die Rinnsteinkunst oder.Was hält uns zusammen?

 

Unzeitgemäßes oder wider die Rinnsteinkunst


Wenn nun die Kunst,wie es jetzt viel geschieht,weiter nichts tut als das Elend noch scheußlicher hinzustellen,wie es schon ist,dann versündigt sie sich damit am deutschen Volke.Die Pflege der Ideale ist zugleich die größte Kuturarbeit,und wenn wir hierin den anderen Völkern ein Muster sein und bleiben wollen,so muß das ganze Volk daran mitarbeiten,und soll die Kultur ihre Aufgabe voll erfüllen,dann muß sie bis in die untersten Schichten des Volkes hindurchgedrungen sein. Das kann sie nur,wenn die Kunst die Hand dazu bietet,wenn sie erhebt,statt daß sie in den Rinnstein niedersteigt.“

So urteilte Kaiser Wilhelm II, zitiert nach: Corona Hepp, Avantagarde. Moderne Kunst, 1992, S.47. Daß dieses Kunstverständnis dort als völlig inakzeptabel abqualifiziert wird, wird keinen Leser irritieren, wird da doch jede Polemik wider den Kaiser schon als große Kunst bewundert.Dies Kunstverständnis ist aber auch sperrig, widerstreitet es doch dem Anliegen der Kunstkonsumenten, durch sie gut unterhalten zu werden: Ideale sind was Vorgestriges, jetzt soll die Kunst von der Realität ablenken und so eine schöne Zerstreuung gewähren. Schon gar nicht könne und dürfe die Kunst einem volkspädagogischen Auftrag unterstellt werden. Die Kunst habe überhaupt keinen Auftrag, sie diene demzufolge nur dazu,wozu ihre Konsumenten sie verwenden, während der Künster, für den Kunstmark produzierend, so seinen Lebensunterhalt verdient, wenn er denn hinreichend erfolgreich ist.

So fällt es leicht, dies Kunstverständnis des Kaisers Wilheln II als unzeitgemäß, ja als ein verpädagogisiertes abzutuen. Aber vielleicht überliest man so etwas Wesentliches dieses kaiserlichen Kunstanliegens. Das deutsche Volk ist hier nicht selbst-verständlich als eine Einheit gedacht, sondern wird politisch und soziologisch als ein in sich zerrissendes wahrgenommen. Der Kulturkampf hatte die Katholiken dem Reich entfremdet, die soziale Frage ließ erst gar keine Einheit in dem erst 1871 gegründeten deutschen Nationalstaat zu, die Arbeiterbewegung, marxistisch inspiriert bekannte, kein Vaterland zu kennen und die kosmopolitischen Neigungen des Bildungsbürgertumes waren auch nicht gerade förderlich zur Herausbildung eines nationalen Volkstumsbewußtseins.

Die Autorin resümiert so zu den Erwartungen, die an die Kunst damals gestellt wurden: „In überkompensatorischer Erwartung wird der Kunst all das zu leisten abverlangt,was man Religion und Ethik,Politik und Soziallehre nicht mehr zutraut.“ (S.50). Von daher kommend erscheint des Kaisers Kunstverständnis in einem ganz anderen Lichte: Sie soll integrieren, was in sich zerspalten und ohne eine Einheit ist. Dieses Kunstverständnis paßt gut zum Anliegen dieses Kaisers, zu integrieren als über alle Parteien Stehender dem Ganzen Dienender.Die Ideale sollen dann gemeinschaftsstiftende Ziele sein, woraufhin sich das Ganze zu einem Ganzen zu entwickeln habe. Das Negative, die Kunst des Rinnsteines wäre dann eine, die die Zerspaltung des Volkes bekräftigt. Stattdessen soll die Kunst eine Aufgabe des ganzen Volkes werden, statt daß für den Kunstmark produziert wird, auf dem dann der Einzelne seinem Kunstgechmack gemäß kauft um es privat zu genießen.

Untersuchenswert wäre, ob schon im Kaiserreich eine Tendenz zur Ästhetisierung der Politik wahrnehmbar ist in den großen Staatsfeiern.Im Nationalsozialismus wie auch im Stalinismus wurde das Konzept der Ästhetisierung der Politik ja energisch vorangetrieben, es sei nur an das Monumentalfilmwerk: „Triumph des Willens“ von Frau Riefenstahl erinnert. Man traute der Kunst viel, sehr viel zu. Die Anfänge wird man in der Romantik zu suchen haben in ihrer Kritik der bloßen Verstandeskultur1.

Das Erheben meint hier also, die Tendenz zur atomistischen Auflösung des Ganzen entgegenwirken zu wollen durch die Erfahrbarmachung einer Gemeinschaft des Strebens nach Idealen, also gemeinschaftsstiftenden Zielen. Es sei an die antithetische Gegenüberstellung von der Gemeinschaft und der Gesellschaft des Soziologen Ferdinand Tönnies erinnert, der ja auch frug: Wie können wir wieder eine Gemeinschaft werden?

In unserer Zeit wird darauf eine ganz andere Antwort als die der Kunst gegeben: Es wird der politische Feind proklamiert, durch dessen Ausschluß und Bekämpfung sich die Gemeinschaft als die der Nicht-Rechten, der Politisch Korrekten konstituiert. 

Zum Kennenlernen Kaiser Wilhelm II sei hier wärmstens zum Ansehen der Film:"Majestät brauchen Sonne" von Peter Schamoni aus dem Jahre 1999 empfohlen,

Was Kunst ist und wozu sie ist, gehört heutzutage zu den schwerst beantwortbaren Fragen. Ob es daran liegt, daß Zizek recht haben könnte mit seiner Anmerkung,daß die Kultur das sei, was wir praktizierten, ohne an sie zu glauben?


 



1Erwägenswert ist, ob zumindest in der hegelischen Philosophie mit ihrer Unterscheidung von Verstand und Vernunft im Vernunftbegriff das Anliegen der Aufklärungskritik der Romantik aufgehoben wurde.

Sonntag, 9. Februar 2025

Löst sich nicht nur die Kirche auf, sondern auch unsere westliche Kultur? Droht einTotalrelativismus?

 

Löst sich nicht nur die Kirche auf, sondern auch unsere westliche Kultur?



Ob nun die Religion und somit auch die christliche Religion zur Kultur gehört oder ob die Kultur als etwas der Religion gegenüber Selbstständiges betrachtet wird, ist eine schwer beantwortbare Frage. Die Kultur könnte ja auch als eine Hervorbringung einer Säkularisierungstendenz in der Gesellschaft verstanden werden. Slavoj Zizek äußerte man die sehr bedenkenswerte These: „>Kultur< sei „der Name für all die Dinge,die wir praktizierten, ohne wirklich an sie zu glauben, ohne sie >ernst zu nehmen<.“, in: „Der neue Klassenkampf“, 2020, S.53.

Manchmal findet man, wo man nicht gesucht hat, wie man ja meist nicht findet, was man sucht, solange man danach sucht. Eine verblüffende Äußerung zur Lage der Kunst als einem wesentlichen Element der Kultur fand ich nun in einem recht dürftig geschriebenen Roman: „Die Lehrerin“ S.65 von Monica Belle:

Aber in unserer modernen Gesellschaft muss man sich auf bestimmten Gebieten auskennen, die man für bedeutend hält. Dazu gehört die Kunst.“ Jeder, der auch nur ein wenig Heidegger gelesen hat, wird erstaunt feststellen müssen: So klar findet sich das „Man-Leben“ kaum bei diesem Philosophen skizziert: Wie man zu leben habe, wie sehr bestimmt das doch unser angeblich so individualistisches Leben!

Aber die Definition von Kunst ist fließend geworden1. Sie bedeutet mal >Fertigkeit<, >Können<, und es gab keinen großen Unterschied zwischen Kunst und Handwerk. Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert“.Wenn sich alles ändert im Laufe der Zeit, dann kann auch nichts mehr eine Verbindlichkeit für sich beanspruchen, schon gar nicht das Ursprüngliche, so wie es am Anfang war2! Aber die Synthese aus der christlichen Religion mit der griechischen Philosophie bildet das Fundament der abendländischen Kultur.

die moderne Kunst versteht sich als Ausdruck und hat nicht mehr unbedingt etwas mit Fertigkeit zu tun.Deshalb ist die moderne Kunst für die Öffentlichkeit viel schwerer zu bewerten, und man braucht Kritiker, um die einzelnen Stücke zu interpretieren.Die meisten Menschen haben weder die Zeit noch die Absicht, sich tiefschürfend mit den Objekten zu befassen, aber sie wollen trotzdem mitreden können,weil das ihren Status in der Gesellschaft hebt3.Sie nehmen den Standpunkt der Kritiker an und geben ihn als ihren eigenen aus. Leider ergibt sich dadurch mein Eindruck, dass die berühmtesten Künstler nicht immer die besten sind, sondern nut die besten Vermarkter“.

Der ästhetische Diskurs bestimmt, was ein Kunstwerk ist und was seine Qualität ist und dieser wird von den „Kritikern“ geführt, da nur ihre Voten zählen.Ästhetische Werte scheint es in diesem Diskurs aber nicht zu geben. Das, was man als Kunstwerk schätzt, wird so zum Kunstwerk, weil man es schätzt.

Duchamps „Urinal“ vulgär ausgedrückt: Pißbecken wurde so zu einem anerkannten Kunstwerk, obschon er einfach dies „Urinal“, so wie es massenhaft in WC-Räumen vorkommt, in in einer Kunstausstellung ausstellte. Zizek urteilt so: „dass,ob etwas als Kunst gilt,nicht von der Qualität des Kunstgegenstandes abhängt,sondern einzig und allein von dem Platz,den dieses Objekt einnimmt,“ und daraus zieht er die radicale Konsequenz, „so dass alles, sogar Scheiße,rin Kunsterk >sein< kann,wenn es sich nur am richtigen Ort befindet.“ Zizek, Absoluter Gegenstoß, 2016, S.160.

Es drängt sich so der Verdacht auf, daß es einerseits einen offiziellen Kunstdiskurs gibt, der festsetzt, was als wertvolle Kunst zu gelten hat, indem diese Werke als Kunstwerke ausgestellt werden in Kunsthallen und daß es andererseits Milieus gibt, in denen dann bestimmte Werke als Kunstwerke anerkannt werden. Wer nun dazugehören will, muß diese Werturteile teilen, damit man da anerkannt mitreden darf.So könnte geutmaßt werden, daß die Abwertung gefühlsbetonter Kunst als sentimetal, meldramatisch oder einfach als kitschig  im bürgerlichen Arbeitsethos begründet  ist, daß "zu viel Gefühl" (Musikband Ideal)eben nicht zu diesem Ethos paßt und darum verurteilt wird. 

Das Wahre, das Gute und das Schöne, das sind die drei Zentralbegriffe des metaphysischen Denkens: Was ist das Wahre,Gute und Schöne? Heute frägt man nicht einmal mehr danach, weil es zu einer reinen Privatfrage herabgestuft worden ist.

1„Kunst hat ihren Begriff in der geschichtlich sich verändernden Konstellation von Momenten;er sperrt sich der Definition.“ Adorno, Ästhetische Theorie stw S.11.

2Nicht ist ihr Wesen aus ihrem Ursprung deduzibel, so als wäre das Erste eine Grundschicht,auf der alles Folgende aufbaute und einstürzte,sobald sie erschüttert ist.“ Adorno S.11.

3Vgl: Bourdieu: "Die feinen Unterschiede". Auf den Punkt gebracht: Zu einem Dazugehören gehört die Zustimmung zu bestimmten Kunstwerken der jeweiligen Gruppe, zu der man dazugehören möchte.

Montag, 21. Oktober 2024

„Religionsunterricht zunehmend von Relativismus geprägt.“

 

Religionsunterricht zunehmend von Relativismus geprägt.“



So urteilt der ungarische Kardinal Erdö (Kath net am 21.102024). „Einen tiefgreifenden Wandel in der Ausrichtung des konfessionellen Religionsunterrichts in westeuropäischen Ländern hat der ungarische Kardinal Peter Erdö beklagt. Statt um Glaubensunterweisung gehe es in dem Fach in staatlichen Schulen heute um einen "Unterricht über Religionen". „Religionsunterricht werde dann zu einem "kulturellen Angebot", bei dem es um Gleichheit und Würde aller Menschen gehe, wobei von einer "Relativität aller religiösen Überzeugungen" ausgegangen werde.“

Es ist zu befürchten, daß diese Zustandsbeschreibung des Religionsunterrichtes in den staatlichen Schulen zutrifft,wobei argwöhnt werden darf, daß diese Lagebeschreibung auch auf die meisten Bildungsveranstaltungen in kirchlicher Trägerschaft zutrifft. Die Gleichheit und Würde aller Menschen, das ist dabei zumindest nach der vorherrschenden Strömung des Linksliberalismus auch die Kernbotschaft der christlichen Religion.

Es ist signifikant, daß Armin Risi in seinem sehr spektakulärem Buch: „Machtwechsel auf der Erde“ 2006, als etwas Unzumutbares diese Lehre der Katholischen Kirche zitiert: „So verwerfen und verabscheuen Wir die gottlose Lehre von der Gleichwertigkeit aller Religionen,die auch der menschlichen Vernunft widerstreitet.“ (S.176) So aufgeschlossen dieser Autor auch der Religion gegenübersteht und damit nimmt er unter den Intellektuellen der Gegenwart schon eher eine Ausnahmeposition ein, so unzumutbar ist ihm die Lehre der Kirche, daß es nur eine wahre Religion gäbe. Das 2. Vaticanum wird dann aber gerne im Linksliberalismus so interpretiert, als hätte dies Konzil das auch so gelehrt.

Dann kann man zu dem Schluß kommen, daß eigentlich in der Substanz alle Religionen, zumindest die monotheistischen in dem Glauben an die Menschenwürde übereinstimmten und es deshalb auch gleichgültig sei, welcher man anhänge und auch könne man ein Atheist sein, glaubt man nur an die Menschenrechtsideologie.

Das darf nun nicht mit einem völligen Relativismus verwechselt werden. An die Menschenwürde und an die Gleichheit aller Menschen hat man zu glauben.Das mag auf den ersten Blick trivial klingen, aber ist es nicht. Denn hinter dieser Begrifflichkeit verbirgt sich das ganze Programm der politischen Korrektheit und der LGBTQ. Wer die Segnung homosexueller Paare, das Frauenpriestertum ablehnt, nicht dafür ist, jedem, der in Deutschland leben will, ein unlimitiertes Aufenthaltsrecht mit einem Vollversorgungsanspruch zubilligt, der verstößt ja gegen die Menschenwürde.Dieser Dogmatismus wird nun umkränzt von der völligen Relativierung aller religiösen Praktiken und aller sonstigen Glaubenslehren. Hier könne und dürfe sich jeder Schüler das ihm Zusagendste für sich erküren, solange er das Erwählte dann auch als seine nur persönliche Wahrheit relativiert.

Es spricht aber Manches dafür, daß diese Diagnose für alle in den Schulen unterrichteten Geisteswissenschaften gilt, daß in ihren keine Wahrheitserkenntnis möglich ist und somit auch nicht mehr vorkommt.So lernt man zwar noch im Deutschunterricht, daß Goethe den „Faust“ verfaßt hat, aber daß das ästhetisch geurteilt beste Literatur ist, nicht mehr, denn die Beurteilung der Kunstwerke sei eben eine reine Privatangelegenheit des subjektivistischen Geschmackes. Ob die Reichsgründung 1871 ein Glück für uns war oder nicht, ob das Kaiserreich etwas Gutes war, alles Fragen, die nicht mehr in dem Geschichtsunterricht hineingehören. Es gelten halt nur die Vorgaben der offiziösen Geschichtsschreibung, daß wir 1945 befreit wurden, daß der westdeutsche Staat der beste ist, den wir jetzt haben, auch wenn er von „Rechten“ bedroht wird, aber sonst ist alles rein subjektivistisch deutbar und auch gleichgültig. Es bleibt nur ein Skelett von Tatsachen über, daß Gustav Mahler Symphonien komponiert habe, aber ob die musikalisch wertvoller sind als die Lieder der populären Musikband: „Abba“ kann nicht mehr im Musikunterricht beantwortet werden. Die ganze Frage nach der Wahrheit ist zu einer der Beliebigkeit geworden, mit der Ausnahme des durch die Politische Korrektheit dogmatisierten „Wahrheiten“, daß man etwa keinen „Negerkuß“ essen darf und auch kein „Zigeunerschnitzel“ und und....Es gibt es überhaupt noch ein Gebiet ohne eine Aussagenzensur? 

Merke:

Der offensichtliche Relativismus verbirgt so einen harten dogmatischen Kern, die Mennschenrechtsideologie. Die Aussage:"Alle Religionen sind gleich wahr" ist eben eine dogmatische und keine relativistische. Da aber jede Religion sich von jeder anderen unterscheidet, sonst wäre sie keine bestimmte, und wenn doch alle als gleich wahr gelten sollen, muß die Bedeutung aller Differenzen entwertet werden und das ist dann der Relativismus. 

Dienstag, 16. Juli 2024

Eine Polemik wider den Glauben an Engeln - oder über ein gestörtes Verhältnis zur Volksfrömmigkeit

 

Eine Polemik wider den Glauben an Engeln - oder über ein gestörtes Verhältnis zur Volksfrömmigkeit

Auf der Internetseite: „Communio“ erschien am 17.5.2024 der wirklich nicht lesenswerte Artikel: „Unser Bild von den Engeln:Himmlische Helfer oder furchteinflößende Boten?“ Da heißt es dann: „Der Engelglaube wird heute als gefälliger und tröstlicher empfunden als der Gottesglaube. Das ist das Ergebnis einer merkwürdigen Entwicklung.“, um dann gegen die als kitschig diffamierten Engelbilder zu polemisieren, ja überhaupt den Glauben an Engel als eine problematische Alternative zum Glauben an Gott zu situieren.

Statt von einer merkwürdigen Entwickelung zu schreiben, wäre es angebrachter, diese Entwickelung zu rekonstruieren zu versuchen. Deshalb biete ich hier einen Versuch: Bis zur Exilierung Israels in die babylonische Gefangenschaft glaubte man in Israel an die Existenz vieler Götter, aber daß nur einer, Jahwe für ihr Volk zuständig sei, es nur ihn zu verehren hätte.Das meint der Begriff der Monolatrie.In der exilisch-nachexillischen Zeit entwickelte sich erst der monotheistische Glaube. Das mußte auch dazu führen, daß der Name des Gottes Israels an Bedeutung verlor, denn nur unter der Voraussetzung, daß es viele Götter gibt, hat es einen Sinn, einen Gott mit seinem Namen anzurufen, damit klar ist, welcher von den vielen denn gemeint sei. Gott, monotheistisch durchdacht, wird dabei jenseitiger, transzendent gedacht, als über und außer der Welt seiend. Daraus generiert sich die Tendenz, daß der monotheistisch gedachte Gott nicht mehr unmittelbar in die Welt eingreifend gedacht wird, sondern vermittelt durch seine Engel. In den Engeln wirkt so der uns Menschen zugewandte Gott, der aber selbst der weltjenseitige bleibt.

In der Vorstellung der Engel steckt aber noch ein weiter greifendes Potential, daß nun die früher als Götter geglaubten Götter zu Engeln depotenziert und so doch in eine monotheistische Religion integrierbare gewandelt werden.Da es nun nach dem Mythos vom Engelfall gute und böse Engel, Daimonen gibt, bekommen so die Engel eine große Bedeutung für das religiöse Leben.Zwar wird Gott auch weiterhin als unmittelbar selbst wirkend geglaubt, aber seine Primärhände,durch die er in der Welt wirkt, sind seine Engel und nicht, wie man es leider zu oft in Predigten zu hören bekommt,unsere menschlichen Hände,durch die allein Gott noch in der Welt wirken könne.

Ich verweise hier auf das gediegenste Werk der christlichen Angellogie: „Über die himmlische Hierarchie“ von Dyonisus Aeropagita und muß mich hier auf Weniges limitieren: Es gilt zu unterscheiden zwischen den Engeln des himmlischen Gottesdienstes, von dem unser irdischer ein Abbild, nur ein Abbild aber deshalb auch ein wahrer Gottesdienst ist und den Engeln, die im Auftrage Gottes in der Welt wirken.Als in der Welt wirkenden repräsentieren sie Gottes Macht gegen die Kräfte des Bösen und Gottes liebende Zuwendung zu den Menschen als ihre Schutzengel. Jesus Christus selbst spricht von den besonderen Schutzengeln der Kinder. Mt 18,10 heißt es:

Hütet euch davor,einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“ Mit den „Kleinen“ sind hier die Kinder gemeint.Die Kunst stand somit vor der Aufgabe, diese Schutzengel der Kinder zu malen, um gerade so das Vertrauen der Eltern auf die Fürsorge des Schutzengels für ihre Kinder zu stärken. Daraus entspringen dann die lieblichen,manchem kitschig vorkommenden Engelbilder. Aber sie müssen eben auch den Kindern und den Eltern in ihrer Sorge um ihre Kinder gerecht werdenden Weise dargestellt werden. Ganz anders fallen natürlich die Bilder der wider die bösen Mächte streitenden Engel aus und davon sind dann noch die daimonischen Engel zu distinguieren.

Die Engel symbolisieren also in einer monotheistisch durchreflektierten Religion die Zuwendung Gottes zu uns Menschen und sein Kämpfen wider die bösen Mächte.Aber die Engel dürfen nun aber nicht nur symbolisch verstanden werden, denn sie sind als real existierend und lebend zu glauben.Im Sinne der Tranzendentalienlehre, der metaphysischen Gotteslehre gilt: Alles Seiende ist nur ob seiner Teilhabe am Sein, an Gott.Es gibt weniger und mehr vollkommendes Seiendes.Je ähnlicher Gott etwas ist, desto vollkommener ist es, je weniger ähnlich Gott etwas ist, desto unvollkommener ist etwas. Nun ist Gott reiner Geist und der Mensch ein Kompositum von Geist und Materie. So ist er vollkommener als alle anderen Geschöpfe Gottes, die unbeseelt sind. Gäbe es keine Engel, dann hätte Gott darauf verzichtet,ihm die am ähnlichst möglichen Wesen zu erschaffen, die Engel, die als körperlose reine Geistwesen ihm ähnlicher wären als wir Menschen. Das wäre so,als wenn es die Schulnote 1 und dann die von 3 bis 6 gäbe, aber nicht die Schulnote 2. Wie das ein Mangel in der Schulnotenordnung wäre, so wäre die Nichtexistenz der Engel ein Defizit in der Schöpfungsordnung Gottes.

Liebhaber der zeitgenössischen Kunst mögen die heutigen Engelbilder als kitschig und unästhetisch verurteilen, aber sie sollten dann auch konzedieren,daß die zeitgenössische Hochkultur von den meisten Menschen als unverständlich und als häßlich abgelehnt wird. Mit solch modernistischer Kunst treibt man in der Regel die Menschen nur aus der Kirche heraus, zumal in ihnen von Schönheit in der Regel kaum zu sprechen ist. Der Volksglaube an die Engel sollte so nicht verurteilt werden, sondern als ein legitimer Bestandteil des katholischen Glaubens gewürdigt werden!

Zum Ästhetischen: Wie für die Darstellung der Mutter Gottes die Maxime gilt, daß sie als die schönste aller Frauen darzustellen ist, so gilt eben für die Engel, daß sie einerseits die Macht Gottes, aber auch die uns zugewandte Liebe Gottes und die Schönheit der Himmelsliturgie darzustellen haben und isb sie auch als die lieblichen Schutzengel unserer Kinder. .Daß zur heutigen Ästhetik die Mißachtung alles Volkstümlichen und des von viele Menschen Wertgeschätzten gehört, zeigt eben aber nur den Elitärismus des Kunstdiskurses an,er ist deshalb aber gerade auch antikatholisch.


Es drängt sich aber generell der Verdacht auf, daß in der Kritik an dem Engelsglauben sich nicht primär ästhetische Vorbehalte äußern sondern daß sich da die Meinung manifestiert, daß Gott überhaupt nicht mehr, weder selbst noch durch seine Engel in die Welt hineinwirke und so man nichts von den Engeln Gottes wissen will.

Zusatz:

"Als der Höchste den Göttern die Völker übergab,als er die Menschheit aufteilte,legte er die Gebiete der Völker nach der Zahl der Götter fest." (5.Mose 32,8). Eine theologische Deutung wird die Götter hier als die Völkerengel lesen. Diese Aussage könnte fruchtbar gemacht werden für das Verstehen der heidnischen Volksreligionen!











Sonntag, 23. Juni 2024

„Wie sich das Gottesbild der Menschen verändert“ - marktkonforme Gottesbilder?

 

Wie sich das Gottesbild der Menschen verändert“

Was und wie Gott ist, welcher Bilder von ihm en vogue sind, dazu führt man eine Befragung durch. Die Ergebnisse und deren Deutung präsentiert uns der Kath de Beitrag vom 22.6.2024 unter dem obigen Titel.

Ein Drittel der Teilnehmenden einer Online-Umfrage 2022 glaubt weder an einen Gott als Person, noch an ein höheres Wesen oder eine geistige Macht. Ein knappes Drittel stellte sich ein abstraktes höheres Wesen vor, ein Fünftel wusste es nicht genau und als kleinste Gruppe glaubten 19 Prozent, dass es "einen Gott gibt, der sich in Jesus Christus zu erkennen gegeben hat".

Der Schöpfer, der Erlöser, der strafende Richter – konkrete Gottesdimensionen wie diese spielen heute, wenn überhaupt, die zweite Geige.“ Es ist zu vermuten, daß die Gott sich so Vorstellenden eine Teilmenge der 19 Prozent sind, die glauben, daß es einen in Jesus Christus erkennbaren Gott gäbe.

Aufschlußreich ist dann noch diese Ausdifferenzierung: Die Etablierten: Sie stellen sich einen liebenden Gott vor, der ihnen zuhört, aber nicht aktiv in die Welt eingreift. Die Evangelikalen: Für sie ist Gott der engste Freund und Herr der Welt. Er vollbringt auch Wunder. Die Esoterischen und Alternativ-Spirituellen: Gott ist hier nicht persönlich, sondern nah bei der Natur und steckt auch in jedem selbst, sodass man sich vergöttlichen kann. Die Distanzierten: Bei ihnen herrscht ein verschwommenes Gottesbild vor, geprägt von viel Unsicherheit, aber auch Desinteresse.“

Verschiedene Gottesbilder existieren also. So wird das nun kommentiert: „Das Gottesbild der Menschen heute ist diffus geworden. Das liegt auch an der gesellschaftlichen Stellung der Religion. Eine Möglichkeit zur Entfaltung eines vielschichtigen Gottesbildes könnte da gerade eine komplexe christliche Eigenart sein.“ Unter der „gesellschaftlichen Stellung der Religion“ ist wohl negativ gemeint, daß die Kirche nicht mehr über die Macht verfüge, den Menschen eine verbindliche Gottesvorstellung zu indoktrinieren und positiv, daß die Kirche ihr Gottesbild auf dem freien Markt in der Konkurrenz zu anderen Gottesbildanbietern zu präsentieren habe. Daraus ergibt sich die einsichtige Marketingstrategie, mit eine Pluralität von Gottesbildern auf dem Markt der Religionen aufzutreten, um der differenzierten Nachfrage gerecht zu werden. „Vielschichtige Gottesbilder“soll dann wohl noch suggerieren, daß diese Pluralität der Gottesbilder irgendwie auf den einen wahren Gott verweise, der uns nun aber in der Diversität der Gottesbilder begegne.

Was hat es denn nun mit dem Begriff des Gottesbildes auf sich. Die Assoziation an einer Bilder- oder Gemäldeausstellung in einem Kunstmuseum drängt sich von selbst auf: Kunstliebhaber durchwandern diese Ausstellung und widmen dann ihre besondere Aufmerksamkeit den ihnen zusagenden Gemälden. Gleichberechtigt nebeneinander hängend suchen sie nach der Aufmerksamkeit der Museumsbesucher: „Gefalle ich Ihnen?“ Je mehr und je verschiedener die ausgestellten Bilder sind, desto sicherer findet jeder ein ihm Ansprechendes. Die Bilder sind natürlich von Menschen produzierte und sagen so viel auch über den Erschaffer der Bilder aus; die Disziplin der Kunstkritik lebt geradezu von einer solchen Biographisierung der Bilder.

In einem theologischen Diskurs existiert nun aber ein ganz anderes Verständnis von dem Begriff des Gottesbildes. Das Gottesbild ist da das Bild, das Gott von sich selbst hat, daß er sich selbst verobjektiviert in seiner Selbsterkenntnis. An dieser Selbsterkenntnis kann Gott nun andere, die Engel und uns Menschen teilhaben lassen, in dem er sein Gottesbild uns durch eine Offenbarung vermittelt. Gott ist also von anderen als sich selbst erkennbar, weil er sich selbst kennend ist. Das ist die Konkretheit der Gotteserkenntnis, die Gott selbst vermittelt.

Aber die Anthropozentrierung der Theologie verwandelte dieses Gottesbild in ein von Menschen gemaltes, ja in eine Vielzahl von so produzierten Gottesbildern, die eben biographisch entschlüsselt werden können aus der Kenntnis des Lebens des jeweiligen Künstlers. Etablierte produzieren, bzw bevorzugen andere Gottesbilder als Nichtetablierte wie die Evangelikalen und Esoteriker wollen dann noch ganz andere Gottesbilder.Die so festgestelle Nachfrage verlangt eben nach den besonderen Kundenwünschen spezifizierte Gottesbilder. Da nun die Nachfrage sich ändert,müssen auch die angebotenen Gottesbilder sich ändern. (So muß eben auch Gott gegendert werden, wie es progressive Christen ja schon praktizieren.) Nur das Gottesbild, das Gott ihm eigene, das paßt nicht in eine solche Museumsbilderausstellung.

Erleichtert kann so der liberale Christ konstatieren:„Der Schöpfer, der Erlöser, der strafende Richter – konkrete Gottesdimensionen wie diese spielen heute, wenn überhaupt, die zweite Geige.“ In evangelikalen und katholisch traditionalistischen Kreisen mag man dies Gottesbild noch wertschätzen, aber die KHG- Tübingen ist da einfach im Punkte der Kundenorientierung Lichtjahre voraus, wenn sie so von Gott spricht: "Wir möchten Offenheit, Vielfalt und Miteinander leben - aus dem christlichen Verständnis heraus, dass Gott* in jedem Menschen zu finden ist, unabhängig von kultureller, religiöser oder sexueller Identität.“

Die von Menschenhänden gemalten Gottesbilder, wie einst das Goldgotteskalb am Sinai siegt eben im Konkurrenzkampf mit dem wahren Gottesbild. Skandalös ist es dann geradezu,daß Jesus Christus der Nonne Faustyna erschien mit dem Auftrage: Laß mich so malen, wie ich Dir jetzt erscheine, damit die Menschen in und durch dies wahre Bild von mir mich verehren!“ Nein, dies wahre Bild wurde seit dem m.W. In keiner Kirche hineingestellt, denn man liebt die menschlichen Jesusbilder mehr als das eine wahre. 

Corolllarium

Eine lohnende Aufgabe wäre es, über das Verhältnis von Macht und Wahrheit nachzudenken unter der Fragestellung: Wie viel Macht bedarf es, um die Wahrheit schreiben zu können?  























Freitag, 17. November 2023

Geht die Kultur zugrunde? Oder ist das übertriebener Pessimismus?

Geht die Kultur zugrunde? Oder ist das übertriebener Pessimismus?


Das kulturelle Niveau eines intelligenten Volkes fällt in dem Maße,in dem sein Lebensstandard steigt“, urteilt Nicolas Gomez Davila. („Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...“ Aphorismen,2007,S.63.

Auf den ersten Blick überzeugt dieser Aphorismus, paßt er doch auch so recht in das Gesamtwerk dieses großen Kulturkritikers, aber dem Mitdenkenden bereitet diese These doch gewichtige Probleme. Der „steigende Lebensstandard“ sei also die Quelle dieses kulturellen Niederganges. Erstmal hat doch ein gestiegener Lebensstandard nur die Folge, daß nun Menschen als Konsumenten von Kulturprodukten auftreten, die sich bisher das ökonomisch nicht leisten konnten. Für eine marktwirtschaftlich organisierte Kultur heißt das also, daß nun hinsichtlich diese neuen Zielgruppe Kultur produziert wird. Die Unterhaltungsindustrie entsteht so,der große Ästhetiker Adorno spricht in abfälligem Ton von der „Kulturindustrie“, wobei dieser Begriff schon für sich die Abnormität dieser Kultur zum Ausdruck bringt, gelten doch Kunstwerke als etwas individuell Hervorgebrachtes, wohingegen der Begriff der Industrie mit Fabrikproduktionen assoziiert wird.

Also, als noch für den Adel, die Kirche und das Bildungsbürgertum die Kunstwerke erschaffen wurden, da zeichneten sie sich durch ihr Niveau aus, seitdem aber für den gemeinen Mann Kunst produziert wird, wird sie populär-vulgär. Vornehme, gleich niveauvolle Kunst ist also die von Vornehmen genossene Kunst, vulgär wird sie, wenn sie vom Volke konsumiert und somit für dessen Bedürfnisse konzipiert werden. Träfe das so zu, wäre das Niveau eines Kunstwerkes nicht eine ihm innewohnende Qualität, sondern die Vornehmheit ihrer Genießer qualifiziere bestimmte Werke erst. Bejubelt das Bildungsbürgertum, oder das, was sich dafür hält, Werke von Beuys, dann werden seine Werke dadurch zu niveauvoller Kunst, wohingegen die zigtausendfach reproduzierte „Sixtinische Madonna“ von Rafael zum Kitsch degradiert würde, weil es zu einem Bild für jedermann so wurde.

Was macht denn dann die Qualität eines Kunstwerkes, sein Niveau aus, wenn seine Qualität nicht einfach durch die Qualität ihrer Käufer bestimmbar ist, wenn die Qualität etwas dem Kunstwerk Inhärierendes zu sein hat? Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ erweckt ja den Verdacht, daß letztendlich nur das Milieu, das bestimmte Kunstwerke konsumiert, deren Qualität festsetzt: Was den oberen 10.000 gefalle, sei Hochkultur, was dem gemeinen Manne gefalle, sei dann eben vulgäre Kunst.

Nun muß aber eingewandt werden, daß die Kultur viel Umfassenderes bezeichnet als nur die Kunstwerke einer Epoche. Aber die Kunst gehört unbestreitbar zur Kultur und was für diese Teilmenge der Kultur gilt, könnte auch für die ganze Kultur gelten.Die Tendenz zum Kulturrelativismus führt ja dazu, nur noch Kulturen als sich unterscheidend zueinander verhaltend zu verstehen, ohne noch ein qualitatives Urteil darüber abgeben zu können. Die Diktatur des Relativismus, von der Papst Benedikt XVI sprach, ist eben eine allumfassende. Der verdankt sich dann erst die Vorstellung, den Wert von Kunstwerken durch ihre Konsumentenmilieus zu definieren. Denn für die simple Frage, was denn die Qualität eines Kunstwerkes ausmache, findet sich keine andere Antwort, als daß es Konsense im ästhetischen Diskurs darüber gibt, was als zur Hochkultur zu zählen hat, ohne daß es für diese Zuordnung eine hinreichende Begründung gäbe. Es handelt sich scheinbar nur um getroffene Festsetzungen dieses Diskurses.

Vielleicht könnte aber der Begriff des Volkes weiterführen, nannte Nietzsche doch die Kultur den Stil eines Volkes. Wenn also das Volk der soziale Träger einer jeden Kultur wäre,dann wäre der Niedergang einer Kultur die Folge des Niederganges eines Volkes.Aber wie drückte sich ein solcher Niedergang in den Kunstwerken selbst aus, sodaß von einem Niveauverlust zu sprechen wäre?  

Vielleicht ist der Eindruck eines  allgemeinen kulturellen Niederganges aber selbst nur eine Projektion der heutigen Dekadenz.