Posts mit dem Label Theologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Theologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 10. Juli 2026

Die Theologie und die Kirche im Dienste der Regierungspolitik oder: „Wir sind systemrelevant!“

 

Die Theologie und die Kirche im Dienste der Regierungspolitik oder: „Wir sind systemrelevant!“



Wo anders als im Kampfe gegen alles Nichtkonformistische, also Rechte kann die Theologie und die Kirche ihre heutige Relevanz beweisen? Der Communioartikel: "Marine Le Pen – Retterin der Grande Nation?: Wider die rechtspopulistische Vereinnahmung des Kreuzesdes 7.9. 2026 demonstriert das auf das Eindrücklichste. Heißt es da doch: „Marine Le Pen inszeniert sich nach ihrem politischen Comeback als Retterin Frankreichs – und nutzt dabei bewusst christliche Symbolik. Warum ihre rechtspopulistische Vereinnahmung des Kreuzes dem christlichen Universalismus widerspricht. Von Jan-Heiner Tück“.

Selbstverständlich wäre es im Sinne des Konzeptes der wehrhaften Demokratie gewesen, dieser Politikerin jede weitere Kandidatur zu verbieten, da eben wie auch in Deutschland zu viele Bürger ihr Wahlrecht mißbrauchend der Parteienoligarchen nicht akzeptable Parteien wählen. Nun sieht es die Theologie als eine ihrer dringlichsten Aufgaben, für diese Oligarchie den Kampf gegen die politischen Feinde zu führen, um sich als die Univeritätstheologie als politisch relevant zu legitimieren, da die Kirchen selbst an Relevanz verlieren.

Der christliche Universalismus widerspräche dem politischen Willen, Frankreich zu retten. Das ist so absurd, als verträte ich die These, daß die Ehe dem christlichen Universalismus widerstreite, da die Eheordnung der Liebe zu allen Menschen widerspreche oder die Liebe der Mutter zu ihren Kindern der von ihr geforderten Liebe zu allen Kindern der Welt.

Der Politikerin wird einfach vorgeworfen,für das französische Volk Politik machen zu wollen, es also gut regieren zu wollen. Nicht wirft dieser Theologe nun der Politikerin vor, daß sie das, was sie so verspricht, nicht erfüllen kann oder will, sondern daß sie überhaupt das Beste für ihr Volk wolle. Es muß hier an das Faktum erinnert werden, daß die Parole „Alles für Deutschland!“ bestraft wird, die „Deutschland verrecke“ dagegen da politisch korrekt erlaubt ist.

Innerhalb der katholischen Theologie gilt das Prinzip,daß die Gnade die Natur nicht zerstört sondern vollendet. Wenn der Begriff der Gnade oppositionell zu dem der Natur verwendet wird, wird die Natur nicht biologistisch naturwissenschaftlich gebraucht sondern als die Summe aller menschlichen Hervorbringungen, die er ohne die Gnade Gottes erwirkt, etwa die natürliche Gotteserkenntnis in ihrer Opposition zur offenbarten. Die offenbarte Gotteserkenntnis negiert nun nicht die natürliche sondern bestätigt sie und vollendet sie, denn sie ist selbst der Vollendung bedürftig. Zu den natürlichen Ordnungen in diesem Sinne gehört die Ordnung der Familie und der Ehe, wie die des Volkes und des Nationalstaates.

Dieser Antirechtstheologe fordert so die Liquidierung der natürlichen Ordnung des Volkes und des Nationalstaates im Namen eines christlichen Universalismus. Die Ordnung der Liebe (Thomas von Aquin) fußend auf der Distinktion der Nächsten- und der Fernstenliebe wird dabei ebenso negiert. Die Politik dürfe sich nicht für das Gemeinwohl des eigenen Volkes einsetzen, sondern habe eine für die Menschheit zu sein, und darum keine für das französische Volk.

Faktisch paßt das zur politischen Praxis der Eurokraten,denen das Ergehen der Völker Europas gleichgültig ist. Zu dieser Art von Theologie paßt es dann auch, wenn die quasi offizielle Internetsauftrittsseite der Deutschen Bischöfe vermelden kann: „Militärbischof äußert Verständnis für steigende Verteidigungsausgaben“ (7.7.2026) um so die Rückkehr in die Zeiten des „Kalten Krieges“ zu begrüßen. Die „Entspannungspolitik“ war eben ein Irrtum. Die Politik: „Kanonen statt Butter“ läßt zudem eine Politik zum Wohlergehen des eigenen Volkes nicht zu.

Die neue Kriegsbefürwortungstheologie schimmert dann auch in dem Communioartikel   „Allein den Betern kann es noch gelingen: Gebet um Frieden oder Krieg gegen Gewalt?“ vom 9.7.2026 durch: Gegen Diktatoren müsse doch das Mittel des Krieges erlaubt sein, da reiche das Beten eben nicht.Als die aktuellen anzugreifenden Diktaturen sind wohl der Iran, Rußland und China, aber auch Kuba anzusehen: Um der Menschenrechte willen dürfe man doch wohl völkerrechtswidrige Angriffskriege führen wie jetzt gegen den Iran.Damit erleben wir eine Renaiscance der politischen Theologie.



Freitag, 21. November 2025

Zum Niedergang der Kirche in Deutschland: die Universitätstheologie als ein „Virenbefall“ der Kirche.

 

Zum Niedergang der Kirche in Deutschland: die Universitätstheologie als ein „Virenbefall“ der Kirche.



Georg May hat zur Universitätstheologie seine gediegene Studie: „300 Jahre gläubige und ungläubige Theologie“ vorgelegt,die personenzentriert nun die Menge der Theologen etwas holzschnittartig in „gläubige“ und „ungläubige“unterscheidend, als wenn jeder der da abgehandelten Professoren eine für sich allein wirkende Person wäre, die dann auch allein verantwortlich für das, was sie dann dozieren,wäre. Aber es fehlt eine Analyse des Kontextes, des inneruniversitären Klimas, in dem die gelehrten Theologien nun entstehen.Unberücksichtigt bleibt bei der im Deail doch so guten Studie, daß das kirchliche Leitungspersonal, von den Bischöfen bis zu den Pastoralreferenten und viele der Hauptamtlichen der Kirche an Universitäten studiert haben,und daß das Klima der Universitäten auch das der theologischen Fakultäten ist und somit in die Theologie einfließt.Dabei müßte auch die Trivialität mitbedacht werden, daß das Eine das ist, was doziert wird und das Andere das ist, was dann von den Studierenden positiv davon rezipiert wird.

Der Artikel der „Jungen Freiheit“ vom 19.112025: „Studenten befürworten Sanktionen gegen konservative Vorträge“ bietet Erhellendes zum geistigen Klima in den Universitäten, das sich dann auch auf die Kirche durch die an ihnen Ausgebildeten auswirken muß! Da heißt es nun:Mehr als 3.000 Studenten verschiedener Hochschulen hatten in mehreren experimentellen Szenarien fiktive Vorträge bewertet, deren Aussagen jeweils progressiv oder konservativ formuliert waren. Rund 23 Prozent sprachen sich für eine Absage konservativer Beiträge aus, 19 Prozent für den Entzug der Lehrbefugnis und elf Prozent für die Entfernung entsprechender Bücher aus den Universitätsbibliotheken.“

Die politische Gesinnung ist also das, worauf es ankommt. Nach dieser werden dann aber nicht nur die Dozenten be- und verurteilt sondern auch die Mitstudierenden. Die Akzeptanz von conservativen Positionen wurde dabei erforscht. 19 Prozent votieren dafür, conservative Positionen vertredende Professoren die Lehrerlaubnis zu entziehen! Mehr verlangen nun wenigstens das Verbot von conservativ gestimmten Vorträgen. Man will keine argumentative Auseinandersetzung sondern den Ausschluß aus dem Diskurs. Bei dem inflationär häufig verwendeten Begriff des Diskurses verdrängt man gern, daß der Diskurstheoretiker M.Foucault gerade als eine der wesentlichen Momente der Diskurse ihr Ausschließen von etwas aus dem Diskurs erfaßt hat.

Folgende Fragen ergeben sich daraus: Wie wahrscheinlich ist es überhaupt noch, daß ein conservativ Eingestellter eine Professur an einer theologischen Fakultät besetzen kann? Nur schon daß die Mehrheit der Theologiedozenten dürfte das verhindern, auch mit dem Argument, daß angesichts der sinkenden Zahlen an Theologiestudenten conservative Professoren potentielle Studienanfänger vom Studium abhalten würden.Weiter :Könnte denn etwa noch ein Theologieprofessor einen conservativ ausgerichteten Vortrag halten? Ich halte es für nicht mehr vorstellbar, daß an einer österreichischen oder deutschen Universität ein Vortrag zum Thema: Homosexualität gehalten werden kann, wenn der Dozent nicht von vornherein klar stellt, daß er die Lehre der Kirche hierzu ablehnt.Das dürfte genauso für das Thema: Recht auf die Kindestötung, Ja zum Frauenpriestertum und Ja zur unbegrenzten Aufnahme von Asylanten gelten:Nur politisch korrekte Vorträge werden akzeptiert und reziptiert.

Was bedeutet das nun für den Theologiestudierenden? Wenn er von seinen Mitstudenten akzeptiert werden will, sollte er nichts Conservatives äußern.Es ist nun kein Geheimnis, daß bei Prüfungen die richtige Gesinnung sich auszahlt und daß man wohl kaum noch eine Promotion erfolgreich abschließen kann, wenn man in den (Ver-)Ruf gekommen ist, irgendwie conservativ zu sein.

Man muß sich hierbei eine anthropologische Konstante vor Augen halten: Tief in uns Menschen ist der Herdentrieb eingeschrieben, daß man zur Herde dazugehören will und nicht als ein Abweichler ausgeschlossen sein. Die Steppenwolfexistenz ist immer nur etwas für wenige, wie es Hermann Hesse in seinem wunderbaren Roman:“Der Steppenwolf“ herausarbeitet.Für wahr und gut wird eben das angenommen,was alle dafür halten, denn man will nicht von den Herde sich separieren. Das kann nun nicht einfach als ein Manipulationsprodukt diffamiert werden,denn das verkennt, daß der Herdentrieb sich in der Menschheitsgeschichte als überlebensförderlich erwiesen hat.Der Intellektuelle frägt nach der Wahrheit, der Nichtphilosoph nach dem (ihm) Nützlichen! Am nützlichsten ist dann das, was eine Anerkennung verheißt und ein Ausgeschlossenwerden ausschließt. So wird auch die Theologie von der Mehrheit der Studenten rezipiert und die das besonders gut können, können dann auch in der Universität und dann auch in der Kirche eine Karriere machen.

Das, was heute von den Bischöfen an Theologischem vertreten wird, daß sie größtenteils der Deformagenda des Synodalen Irregweges zustimmen, ist eben auch eine Folge dieser universitären Sozialisation! Nur, eine Theologie, in der die progressive Gesinnung das Fragen nach der Wahrheit ersetzt,muß sich auf die Kirche ruinös auswirken,ist ihr Fundament doch die Wahrheit, die durch solch eine Gsinnungs“theologie“ zersetzt wird.



Mittwoch, 12. November 2025

Kath de offenbart: Was macht das Theologiestudium aus und warum qualifiziert dies Studium für den Arbeitsmarkt?

 

Kath de offenbart: Was macht das Theologiestudium aus und warum qualifiziert dies Studium für den Arbeitsmarkt?


Kath de treibt die große Sorge um, was denn aus den katholischen und wohl auch aus den evangelischen Fakultäten werden soll, wenn immer weniger Theologie studieren wollen, gälten diese Fakultäten doch auch als Hochburgen der politischen Korrektheit,in denen sich eine wagemutige Professorenschaft samt ihrem Gefolge den braunen Fluten entgegenstemmen. Der Standpunktkommentar vom 12.11.2025 gibt uns nun die wohl etwas irritierende Antwort, daß dieser Studiengang optimal seine Absolventen für den Arbeitsmarkt qualifiziere! Damit meint der Kommentar aber nicht, daß einem ausgebildeten Theologen ein Arbeitsplatz in der Kirche sicher wäre, würde er Pfarrer werden wollen, sondern daß seine Marktchancen in vielfältigsten Hinsichten sehr gut wären, gerade außerhalb der Kirche eine Anstellung zu finden.

Studierende der Theologie lernen, philosophisch, historisch, ethisch, juristisch, sozialwissenschaftlich, ästhetisch, pädagogisch und sprachwissenschaftlich zu denken – und mit den Unterschieden dieser Zugänge zur Wirklichkeit zurechtzukommen. Vielleicht ist das alte Studienfach Theologie das modernste der Welt: weil es nicht für den Trend der nächsten fünf Jahre ausbildet, sondern die Kompetenzen schult, mit den Trends der nächsten fünfzig Jahre umzugehen.“

Damit soll das Theologiestudium beworben werden! Wozu befähigt dies Studium also? Mit der Wirklichkeit zurechtzukommen? So ist das hier nicht gemeint, sondern mit den Unterschieden der Zugänge zur Wirklichkeit zurechtzukommen! Weniger klausuliert formuliert hieße das: Was die Wirklichkeit ausmache, dazu existieren verschiedene Theorien, die sich auch aus der Vielzahl der wissenschaftlichen Perspektiven ergäben. Das Theologiestudium befähige also zu einem Umgang mit diesem multiperspektivischen Pluralismus. Dem liegt eine Krisendiagnose der Gegenwart zugrunde, daß uns die Wirklichkeit, so wie sie an sich ist, nicht (mehr)zugänglich ist, daß wir stattdessen eine schwer überschaubare Pluralität von Wirklichkeitsdeutungen vor uns haben, sodaß das die Frage aufwirft: Wie damit umgehen? Das Theologiestudium befähige so zu dem Umgang mit dieser Pluralität!

Der Gegenstand der Theologie: Gott, bzw alles in seiner Relation von,in und zu Gott, wird hier völlig aufgegeben. Es existieren für dies Studium nur noch Weltdeutungen, die (auch) aus den Differenzen der verschiedenen Wissenschaften resultierten und es nun gälte,mit diesem Pluralismus angemessen umgehen zu lernen. Die vulgärste Umgangsweise ist wohl die, zu deklarieren, daß niemand sich anmaßen dürfe,über die allein wahre Wirklichkeitserkenntnis zu verfügen und daß deswegen die Pluralität der Wirklichkeitsdeutungen eine unhintergehbares Faktum der Gegenwart sei, der Postmoderne eben.

Lernen,mit dieser unhintergehbaren Pluralität umzugehen,heißt dann, daß a) der Konsument frei sich die ihm gefallendste Deutung zu eigen macht, aber respektiert, daß die anderen andere sich erwählen oder daß b) der Konsument keine der angebotenen Weltdeutungen sich erwählt und in einer ironischen Distanz allen gegenüber verharrt. Warum soll nun ein Theologiestudium in besonderer Weise pluralitätsfähig machen? Weil die Theologie durch den ökumenischen und interreligiösen Dialog gelernt hat,auf jegliche Wahrheitsansprüche verzichtend alle Religionen und Confessionen als gleich-gültig zu verstehen.Das ist nun nicht ein Resultat vertiefter Gotteserkenntnis sondern nur ein Postulat des interreligiösen Dialoges:Erachte alle als gleich wahr und gleichgültig, damit es in diesem Dialog zu keinen Konflikten kommt. Eingeforderte Wahrheitsansprüche gefährden halt den Frieden.

Zu beachten ist dabei, daß die Wirklichkeit, die doch eigentlich durch ihre Deutung begriffen werden solle als unerkennbar präsumiert wird, daß stattdessen es nur noch die Wirklichkeit der Mannigfaltigkeit der Weltdeutungen gibt und daß es deshalb nur noch darauf ankommt,diese Pluralität zu bejahen und sozialverträglich das Neben- und auch Miteinander der Deutungen zu gestalten.

Die Zugänge zur Wirklichkeit sind so genaugenommen gar keine Wege, die den auf ihnen Wandernden in die Wirklichkeit ankommen lassen sondern eher Kreisbewegungen,wobei die Mitte des Kreises nie erreicht werden kann, da jeder einnehmbare Standpunkt des Kreises von der zu erkennenden Wirklichkeit gleich nah und gleich fern ist.

Warum soll das nun aber Theologiestudenten besonders für den Arbeitsmarkt qualifizieren? Nun ja, da alle westeuropäischen Länder multiethnisch und multikulturell sich formierende Gesellschaften sind, sind für diesen Pluralismus Ausgebildete überall in der Arbeitswelt gesuchte Arbeitskräfte.


1.Corollarium


Die Gegenstandsbestimmung der Wissenschaften als die Wirklichkeit ist nun selbst auch schon eine defizitäre, denn das Ganze, die Totalität beinhaltet auch das Nichtrealisierte aber Mögliche, das sich im konjunktivischen Denken erschließt,und auch das, was sein soll und das sind nicht deskriptive Aussagen über moralische und sittliche Vorstellungen, die es in der Wirklichkeit gibt, sondern präskriptive: Was sein soll. Das Ganze, wird es auf die Wirklichkeit reduziert wäre eine ohne moralische Aussagen, was denn sein soll, und ohne Freiheit und Kontingenz,da die konjunktivischen Aussagen keiner Wirklichkeit in der Wirklichkeit entsprechen. 

2.Corollarium

Das Land Niedersachsen hat den traditionellen Religionsunterricht an den Schulen 2025 abgeschafft und durch ein neues Konzept ersetzt. Die "TAZ" jubelte darüber am 17.8.2025:"Religiöse Bildung für alle". Da heißt es dann: "Das ist ein gelungener Neustart, bei dem nicht mehr die Systematik katholischer und evangelischer Theologie im Mittelpunkt steht. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lebenswelt in Form einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft sind konsequent ins Zentrum gerückt. Die fünf Bereiche, für die erwartete Kompetenzen formuliert wurden, sind nunmehr Identität, Gemeinschaft, Sinn und Glaube, Handeln sowie Freiheit und Zukunft. Die „anderen“ Religionen und Weltanschauungen, explizit auch säkulare, sind nicht nur Appendix, sondern durchgehende Bezugsgrößen. Sie machen das neue Fach attraktiv für all jene, die keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören". 

Das Ziel dieses Religionsunterrichtes ist also wie in dem Kath de Artikel die Befähigung zum Zurechtkommen in einer pluralistischen Gesellschaft mit einem großen Angebot an religiösen und säkularen Weltdeutungsangeboten, also eine Konsumentenschulung. Daß eine Religion wahr sein könnte und daß gar Glaubensinhalte vermittelt werden solltendas sind Vorstellungen,die hier nichts mehr zu suchen haben.Dem hat die Katholische Kirche Niedersachsens zugestimmt. Das Konzept stammt von einer Grünenpolitikerin!

 



Donnerstag, 14. August 2025

Der Stolz der modernen Theologie: daß sie wissenschaftlich sei! Ein paar Anmerkungen dazu

 

Der Stolz der modernen Theologie: daß sie wissenschaftlich sei! Ein paar Anmerkungen dazu



Eine Kritik dieses Stolzes kann ich hier noch nicht liefern, ich begnüge mich so auf ein paar Anmerkungen zu dieser Causa.

Erstens: Wissenschaftlich untersucht werden kann alles, etwa die Vorstellungswelt der Magie wie die Umsatzentwickelung der E-Autos der letzten Jahre. Unter der Wissenschaft würde dann die Hervorbringung wahrer Aussagen verstanden werden, wobei das Kriterium des Wahrseins die Übereinstimmung der Aussge mit den Gegenständen ihrer Aussage wäre. Das hieße konkret, um es an einem Beispiel zu veranschaulichen: Gibt die Abhandlung über die Gotteslehre des hl. Augustin die Gotteslehre des hl. Augustin richtig wieder? Die angewandte wissenschaftliche Methodik soll dabei wahre Aussagen über diesen Gegenstand, hier die Gotteslehre dieses Autoren sichern. Das heißt, daß die Frage, ob der untersuchte Gegenstand selbst wahr sei, also in diesem Falle die Gotteslehre, wahr sei, außerhalb der Wissenschaft sich befindet.

Man könnte hier somit diese Distinktion einführen: Eine Aussage ist dann richtig, wenn sie mit ihrem Gegenstand übereinstimmt, aber nicht wird gefragt, ob der Gegenstand selbst wahr sei, ob die Gotteslehre des hl. Augustin den wirklich wahr sei, also mit dem Gott, wie er ist, übereinstimmt. Man könnte sagen, daß diese Ausklammerung der Wahrheitsfrage das postmetaphysische Denken, isb dann die Wissenshaft bestimme. Wenn es nur noch in diesem Sinne richtige Aussagen durch die Wissenschaften hervorgebracht werden, dann lebten wir in der Epoche des endgültigen Endes der Metaphysik.



Zweitens:

Die Aussage, daß Thomas Mann der Autor des Romanes: „Der Zauberberg“ ist, gilt nicht nur unter Literaturwissenschaftlern sondern als allgemein wahr; „Diese Person hat diesen Roman geschrieben.“ Die Aussage, Thomas Mann habe literarische Werke höchster Qualität verfaßt, dagegen Hedwig Courths Mahler nur triviale Unterhaltungsromane, wird dagegen auch im literaturwussenschaftlichen Diskurs allgemein bejaht, aber wird nach einer wissenschaftlichen Begründung dieses Urteiles nachgefragt, wird nach längerem Hin und Her eingeräumt, daß dieses Urteil ein ästhettisches Werturteil sei, das nicht wissenschaftlich begründet werden könne. Tatsachenurteile könnten richtig sein, aber Werturteie seien rein subjektiv, auch dann noch, wenn ein solches Werturteil von der überwältigenden Mehrheit bejaht wird.

Existiert also ein Reich der Tatsachenaussagen, die daraufhin geprüft werden können, ob sie wahr oder falsch sind und ein Reich der Werturteile, die nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfbar sind? Limitieren sich so die Wissenschaften auf falsi- bzw verifizierbare Tatsachenaussagen, wogegen alle Werturteile nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfbar sind? Hier könne nur von Konsensen gesprochen werden, daß es eben auch nur eine Konvention sei, bestimmte literarische Werke der Hochkultur, andere der Triviallitertur zuzurechnen. 1

Sind also nur Tatsachen Gegenstände, über die Aussagen möglich sind, die wissenschftich bewahrheitet werden können? Die Katholische Kirche lehrt die Aussage, daß in der Eucharistie Brot in den Leib Christ, Wein in das Blut Christi gewandelt wird, als eine wahre Tatsache. Aber diese Aussage gilt im wissenschaftlichen Diskurs nur als eine Glaubensaussage, deren Wahrheitsgehalt weder falsifuvierbar noch als verifizierbar gilt. Über welche Aussagen sind dann noch wahre Aussagen hervrbringbar?



Drittens

In den Wissenschaften gelten (seit der Aufklärung) bestimmte Prämissen als die Voraussetzungen der Wissenschaftlichkeit, so etwa die Prämisse, daß Gott, bzw die Götter, bzw alles „Übernatürliche“ nicht als ein Handlungssubjekt in den Wissenschaften vorkommen darf. So darf in einer wissenschaftlichen Arbeit über Kaiser Konstantin nicht ausgesagt werden, daß Gott selbst dessen Hinwendung zur christlichen Religion mitbewirkt habe, noch darf in den Naturwissenschaften Gott als die Erstursache alles Seienden ausgesagt werden. In der Geschichtswissenschaft dürfen nur religiös motiviert agierende Menschen als Subjekte auftreten. Aber diese Prämisse ist selbst nicht wissenschaftlich beweisbar, sie konstituiert erst die Wisrasenschaften als Wissenschaften durch den Ausschluß alles „Übernatürlichen“ als Subjekte in ihr.

Viertens:

Wenn über Gott keine Aussagen mehr getätigt werden können, die als wahr gelten können, wie ist dann noch die Theologie als eine Wissenschaft möglich? Die erste Möglichkeit ist die, die sich darauf zu limitieren, Texte mit theologischen Aussagen zu erforschen: Wer hat sie in welcher Absicht in welchem Kontext hervorgebracht in der Meinung, daß sie aus wahren Aussagen bestünden.Die Aussagen als solche können dann nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, es kann nur geprüft werden, ob die getätigten Aussagen angemesen wiedergegeben und gedeutet worden sind in der Secudärliteratur. Nur in der Secundärluteratur können so Aussagen bewahrheitet werden, der Wahrheitsgehalt der Primärliteratur entzieht sich einer Verifizierbarkeit. Daß die Bibel wahr sei, ist eine unüberprüfbare Aussage, nur secundäre Aussagen über den Primärtext sind bewahrheitbar, daß die Bibel verschiedene Autoren hat.

Die zweite Möglichkeit ist die, daß nach einem der Theologie externen Kriterium gesucht wird, sodaß gilt, daß eine Aussage der Bibel oder der Theologie nur als wahr gelten kann, wenn sie diesem Kriterium gerecht wird. So fordert mit Erfolg die Homosexlobby, daß alle Aussagen, die die praktizierte Homosexualität als eine Sünde aussagen, als unwahr zu dysualifizieren sei. Jetzt übernimmt die Politische Korrektnes diese Richterfunktion gerade auch in der Theologie, aber selbst in den Naturwissenschaften, daß man nicht mehr sagen darf, daß es nur zwei Geschlechter gäbe. Die Aufklärung stellte sich so die Aufgabe, alle Aussagen über Gott so umzuformen, daß die differenten Aussagen über Gott kein Grund mehr sein dürfen für Konflikte oder gar für Kriege. In der Aufklärung wurde Gott nicht besser erkannt als vorher und das gilt ebenso für die der Aufklärung folgenden Theologie, sondern alle theologischen Aussagen wurden so domestiziert, daß sie nicht mehr ein Grund für Konflikte sein können. Die Verdommestizierung der christlichen Religion wäre so die Aufgabe der wissenschaftlichen Theologie: Was darf die Kirche nur noch sagen, damit sie Konflickte nicht verursacht. 

Dieses Verständnis der Wissenschaftlichkeit der Theologie entzieht dieser Wissenschaft den Vorwurf, Wissen von etwas sein zu wollen, was es gar nicht gibt, Gott, oder von dem nicht wißbar ist, daß es ihn gibt, da  nun die Theologie sich als die Wissenschaft von der christlichen Religion bezeichnet, die unbestreibar existiert. Als weitere legitimierbare Aufgabe kann dann die angegeben werden, diese Religion so normativ zu gestalten, daß sie einen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft leistet und so systemrelevnt sei. 

Fortsetzungen werden folgen!



1Man lese daraufhin einmal Adornos: „Ästhetische Theorie“, ob es ihm da gelingt, seine ästhetischen Werturrteile irgendwie wissenschaftlich zu beurteilen.

Mittwoch, 23. Juli 2025

"Zeitgeist" ist kein Argument: Warum wir falsch diskutieren“

 

"Zeitgeist" ist kein Argument: Warum wir falsch diskutieren“



Mit dieser „Einsicht“ verblüffte die Internetseite „Communio“ am 16.7.2025 sicher manchen ihrer Leser, insbesondere wenn man dann im Text noch zu lesen bekam: Man muss mit der Zeit gehen, sagen die einen. Man darf sich nicht dem Zeitgeist unterwerfen, meinen die anderen. Beide Argumente sind wertlos.“ Erstens ist die „Zeit“, „auf der Höhe der Zeit sein“ in all seinen vielen Variationen das Lieblingsargument aller heutigen Reformer. Dabei wird ja unter einer Reform nicht etwa ein Zurück zu der Ursprungsform verstanden, weil man sich von diesem zu weit unerlaubt entfernt hätte sondern ein Mitmarschieren mit dem Fortschritt, ein Nichtmitkommen mit dem Fortschritt so ausschließend.

Die Überzeugungskraft dieses Argumentes resultiert aus der Unübersehbarkeit des technischen Fortschrittes: Welcher jetzige Autofahrer außer ein paar Oldtimerliebhabern möchte heute noch mit einem Automobil fahren, das vor sagen wir mal 50 Jahren als neues auf den Markt geworfen worden war:“Die heutigen sind doch besser“ und auch eine Hausfrau wäscht lieber mit einer heutigen Waschmaschine und nicht mit einer, die vor 50 Jahren noch als das neueste Modell verkauft worden ist. Wie es im Reiche der Technik zuginge, daß die vorgestrige von der heutigen überholt worden ist, so wird die jetzige von der von Übermorgen veraltet,so ginge es überall zu. Die Menschheitsgschichte sei eine große Fortschrittsentwickelung, sodaß das gestern noch Wahre heute als veraltet und damit als unwahr geworden gilt. Das metaphysische Wahrheitsverständnis löst sich so völlig auf, indem es vergeschichtlicht wird.Wahr ist eine Aussage nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das gälte so nun auch für alle als wahr geltenden theologischen Aussagen.So lautet heutzutage das Standardargument wider die kirchliche Lehre zur Homosexualität, daß alle Aussagen der Bibel dazu als nicht mehr wahr angesehen werden können, weil die Wissenschaft jetzt viel besser Bescheid wüsse über die Homosexualität als die Autoren der Bibel.

Wenn dieses geschichtsphilosophische Narrativ wahr wäre, selbst dann könnte es noch metaphysische Wahrheiten geben, wenn diese sich als von Gott offenbarte Wahrheiten erwiesen ließen, aber auch die dekonstruiert das modernistische Denken: Jedes Verständnis der offenbarten Wahrheiten sei immer nur ein zeitgeschichtlich bedingtes und könne so nicht den Anspruch erheben, im metaphysischen Sinne wahr zu sein. Die geschehene Offenbarung, sozusagen der Urtext ist uns unzugänglich, da wir ihn immer nur in Interpretationen vor Augen haben, von der ersten bis zur jetzigen unübersehbaren Vielzahl,könnte dann noch im Sinne Nietzsches hinzugefügt werden. Wenn also das Geschehensein der Offenbarung Gottes nicht abgelehnt wird, Gott hätte sich nie offenbart und wird es auch nie tuen,dann wird zumindest sein Offenbarsein bestritten. Die Gehalte der Offenbarung sind im Laufe der Geschichte verloren gegangen, da schon die ersten Deutungen, die in der Bibel dokumentierten nur zeitbedingte waren. Nun verirrt sich diese Argumentation aber in unlösbare Aporien: Wenn die Wahrheit so überhaupt nicht erkennbar sei,obschon sie uns offenbart worden ist,wie kann dann das jetzige Verständnis von ihr als angemessener als das von Gestern beurteilt werden? Wollte ich von Leipzig nach Moskau reisen ,könnte ich in jedem Augenblick meines Dahinreisens sagen, wie viele Kilometer ich noch vom Endziel entfernt bin, und wie nahe ich ihm schon gekommen bin, studierte ich die ausgelegten Fahrpläne des Reisezuges. Ist aber die Wahrheit unerkennbar,kann ich unmöglich beurteilen, ob eine Aussage des Mittelalters über Gott Gott näher oder weniger nahe kommt als eine aus dem 20.Jahrhundert.

Es bliebe dann nur noch ein Archiv von getätigten Aussagen über Gott, wobei dann feststellbar wäre, daß die einer Epoche der einer anderen unähnlich seien und selbst untereinander ähnlich, sodaß die ähnlichen einer bestimmten Epoche zuzuordnen wären.Über den Wahrheitsgehalt einer Menge von Aussagen über Gott ließe sich dann aber gar nichts aussagen,nur daß sie einer bestimmten Epoche der Theologie angehörten. Das wäre vergleichbar dem Phänomen, daß ich über den „Bauer“ nichts Wahres sagen könnte, solange nicht geklärt ist,ob ich von der Schachfigur des Bauern, dem Bauern im Skatspiel oder von ihm in der Landwirtschaft spreche. Es sind nur wahre Aussagen über den „Bauern“ in einem bestimmten System,dem eines Spieles oder dem der Landwirtschaft möglich, aber keine metaphysisch wahre. Ähnlich existierten im Archiv der theologischen Aussagen über Gott nur Aussagen, die in bestimmten Epochen als wahr galten, aber in den anderen aber nicht. Wo also die Offenbarung oder zumindest das Offenbarsein der Offenbarung reprobiert wird, da kann es nur noch zeitgeschichtlich bedingte Aussagen über Gott geben, von denen keine als absolut wahr gelten kann, denn man kann nur noch sagen,daß die mal als wahr galten.

Dann wird aus der Aussage, daß man mit der Zeit gehen müsse, das Urteil, daß alles als wahr Ausgesagte nur als wahr galt, solange eine bestimmte Zeit die als wahr anerkannte.Nichts ist eben für die Ewigkeit wahr. Die Kirche bzw die Theologie habe also stets anzuerkennen, wie in einer bestimmten Zeit eine Aussage zu sein hat, wenn sie als wahr gelten könne und habe das jeweilige Wahrheitsverständnis der Epoche zu bejahen,um dem entsprechend ihre Aussagen zu formulieren.

Die Behauptung, daß die Kirche sich dem Zeitgeist nicht unterwerfen dürfe,kann nun aber nur unwahr sein, wenn der Zeitgeist ineins fiele mit dem Heiligen Geist, der dann noch dem von ihm früher Offenbartem widersprechen würde. Das sind für die Theologie völlig inakzeptable Meinungen und so ist die Aussage, daß die Kirche sich dem Zeitgeist nicht unterwerfen dürfe, immer wahr. Wenn die Alte Kirche und ihre großen Theologen,etwa Origenes und der hl. Augustin intensiv einen Dialog mit der platonischen Philosophie führten, dann taten sie das, weil diese Philosophie vieles enthält, das dem Chrislichen so ähnlich ist,daß sie als eine wahre Philosophie anerkannt worden ist, nicht aber unterwarfen sie sich dieser Philosophie sowenig dies auch Philo von Alexandrien tat, einer der bedeutendsten jüdischen Theologen.



Mittwoch, 9. Juli 2025

Was ist das Revolutionäre des 2.Vaticanums? Die Selbstrelativierung der Kirche und der Beginn ihrer Selbsthistorisierung!

 

Was ist das Revolutionäre1 des 2.Vaticanums? Die Selbstrelativierung der Kirche und der Beginn ihrer Selbsthistorisierung!



Im Geiste des 2.Vaticanumes über es hinaus, seine positiven Potenzen weiterentwickeln, das sei die jetzige Aufgabe der Theologie, offenbart uns der Fundamental“theologe“ Hoff. Ja, es gäbe Revolutionäres im 2.Vaticanum. Damit reiht sich dieser Theologe in die Heerschar derer ein, denen dies Konzil zuvörderst das der Diskontinuität gewesen sei, daß einer Befreiung von der fast 2000 jährigen Tradition zugunsten eines Aufbruches zu neuen Ufern. Meist wird dann aber relativierend hinzugefügt, daß der Bruch noch nicht gänzlich gelungen sei, daß eben doch noch zu viel Traditionalistisches in ihr weiter west, und noch nicht verwest sei.

Zu einem der Favoriten dieser Diskontinuitätstheorie avancierte nun die Behauptung des kryptoprotestantischen Kirchenhistorikers Hubert Wolf, das Papstamt mit seiner Kompetenzbestimmung sei eine Erfindung des 19. Jahrhundertes, von der sich leider dies Reformkonzil nicht gelöst hätte. In dem Kath de Artikel liest sich das so: „Im 19. Jahrhundert – das hat Hubert Wolf überzeugend herausgearbeitet – wird auf dem Boden der Tradition ein neues Lehrformat entwickelt. Was bedeuten diese Prozesse für die Selbstbestimmung der Kirche?“ (Das hätte dieser Fundamentalteologe auch simpler formulieren können: Jetzt haben wir erkannt, daß Luthers Papsttumskritik im Recht war, aber das klänge doch zu trivial, es soll wissenschaftlicher daherkommen!)Das Papstamt, so wie es dann das 1.Vaticanum explizierte sei ein Konstrukt des 19. Jahrhundertes. Dieser Subtext muß dabei mitzuhören, daß die Kirche sich da gegen die Moderne verbarrikadiert hätte, statt diese Frucht der Aufklärung in sich beglückt aufzunehmen, aber das 2.Vaticanum öffnete dann ihre Tore weit, weit, auch wenn der jetzige Modernistenpapst Magnus Striet bemängelt, daß Kants Philosophie immer noch nicht zum neuen Fundament der Kirche gekürt worden sei!

Von zentraler Bedeutung ist nun der Terminus der „Selbstbestimmung der Kirche“: Was sie lehrt und was sie dann auch tut, das ist ein Ergebnis ihrer Selbstbestimmungsakte.Damit ist die These mitgesetzt, daß sie all ihre Gehalte als die Produkte von ihren Selbstbestimmungsakten revozieren und durch neue ersetzen könne. „Alles fließt“- darauf läßt sich diese Selbstrelativierung der Lehre der Kirche reduzieren.

So formuliert dies dieser Fundamental“theologe“: Es hat der Pluralität von Kirche einen anderen Ort gegeben. Es hat die Globalität von Kirche und der unterschiedlichen kirchlichen Traditionen markiert und eine neue Wissensform entwickelt – nämlich diejenige, dass man sich von anderen Perspektiven, Wahrheitsüberzeugungen und gesellschaftlichen Realitäten relativieren lassen kann. Relativieren heißt, sich zu ihnen in ein produktives Verhältnis setzen. Menschenrechte, Religionsfreiheit, Ökumene, die Bedeutung anderer Religionen: sich davon relativieren zu lassen, ohne die eigenen Überzeugungen und den eigenen Geltungsanspruch aufzugeben, war ein bedeutender Schritt.“

Aus den Offenbarungswahrheiten werden so Überzeugungen, die Kirche tätige nun nur auch Aussagen, die Geltungsansprüche erhebten. Tätige ich die Aussage: „Es regnet jetzt!“, dann erhebe ich damit den Anspruch, daß diese Aussage wahr sei, verbunden mit der Möglichkeit, daß dieser Geltungsanspruch veri- oder falsifizierbar sei. So werden in jedem Gespräch Geltungsansprüche getätigt. In denen manifestieren sich auch Überzeugungen, in diesem Falle die, daß es regnet!

Aber hier sind andere,gewichtigere Dinge gemeint, und zwar nur Größen, die die Katholische Kirche vor dem Konzil als nicht mit der Wahrheit kompatibel verworfen hatte.Zur Bedeutung der anderen Religionen: Nie hat die Kirche die anderen Religionen als bedeutungslos bezeichnet, denn gerade eine falsche Religion ist nicht bedeutungslos, sie insistiert aber darauf, daß nur die Katholische Kirche die wahre sei, daß nur in ihr der die ganze Wahrheit präsent sei. Dies aufgegeben zu haben, sei nun die Revolution des 2.Vaticanums. Die Ökumene und die Bejahung der Religionsfreiheit fungieren dabei als die Einfallstore der Vergleichgültigung aller Religionen.

Aber dies Konzil sei eben noch nicht weit genug gegangen in dem Prozeß de Selbstrelativierung: „Historisches Denken greift wirklich Raum. Doch jetzt kommt das große Aber: Eine wirklich konsequente Selbsthistorisierung der eigenen Wissensform, das heißt, die Konzepte, mit denen man arbeitet, kontextbewusst in den Blick zu nehmen, hat das Konzil nicht geleistet.“ Die Theologie stehe so vor der Aufgabe, die Dogmen und Lehren der Kirche historisch kritisch zu dekonstruieren als zeitgeschichtlich bedingte Meinungen über Gott und die Welt.

Aber Kath de frug nun diesen „Theologen“:Wie verhält sich denn ein solches geschichtliches Denken zu Glaubenswahrheiten, die für die Kirche überzeitig sind? Darauf erhielt der Frage diese meisterliche Antwort: Aus meiner Sicht exzellent. Erstens, weil sich gerade im geschichtlichen Bestimmen dieser Glaubenswahrheit zeigt, dass der Gott, an den wir glauben, ein Gott ist, mit dem wir unterwegs sind.“ Die ewigen Wahrheit ist also die, daß alle sich gebildet habenden Meinungen und Überzeugungen über Gott und die Welt sich stetig modifizieren, daß alle die Wahrheit der stetige Wandel sei. In Anlehnung an Hegel könnte gesagt werden: „Jetzt regnet es“, ich schreibe den Satz auf und ein paar Stunden später ist der Satz unwahr geworden, da nun die Sonne wieder scheint.Alle Wahrheit sei eben nur eine kontextuelle.Das Mit-Gott-Unterwegs-Sein macht so in letzter Konsequenz aus Gott etwas zu sich selbst noch Unterwegsseiendes, das wie einem Politiker sein Geschwätz von gestern heute nicht mehr interessiert.  

So verwundert es nicht, daß dieser Fundamental“theologe“ im Papstamt das größte Problem für die Kirche sieht: „Neues Verständnis des Petrusdienstes nötig. Hoff sieht monarchisches Papstamt als Grundproblem der Synodalität“ Kath de am 3.4.2024. Wenn alles relativiert werden soll, dann muß das päpstliche Lehramt einfach das Übel schlechthin sein. Aber genaugenommen richtet sich diese in diesem Artikel beschworene Revolution gegen den, der von sich sagt:“Ich bin die Wahrheit“, denn eine solche darf und kann es nicht geben, ist doch jede vermeintliche Gotteserkenntnis nur ein zeitgeschichtlich bedingtes Meinen.

Faktisch wird hier die Theologie beseitigt durch eine historisch kritisch vorgehende Ideengeschichte, die eben jede theologische Erkenntnis relativiert: Nichts Gewisses weiß man, außer das alles ungewiß sei. Der Philpoosoph P.Sloterdijk ("Menschenverbesserung", in: ders: "Nach Gott", S,228) spricht von einer "postmetaphysischen Umformung des Christentums". Dieser Begriff könnte diese Transformation der Theologie in eine Disziplin der Geschichtswissenschaft erklären, daß keine wahrheitsfähigen Aussagen über Gott mehr als möglich erachtet werden und daß sich so die "theologische" Wissenschaft auf die Klärung der historischen Bedingtheit aller Aussagen über Gott zu kaprizieren habe. Wahre Aussagen über Gott sind eben metaphysische Aussagen, auch wenn sie theologische, von Gott offenbarte sind.





1 Kath de, 9.7.2025:“Fundamentaltheologe über Hinterlassenschaften des Zweiten Vatikanums Hoff: Es braucht Antworten auf die offenen Fragen des Konzils.“

Montag, 19. Mai 2025

Der Ruin der Theologie und Kirche –eine Ursachenerforschung

 

Der Ruin der Theologie und Kirche – eine Ursachenerforschung


Es soll sich hier auf eine Aufdeckung einer internen Ursache des Nieder-ganges der Theologie und der Kirche konzentriert werden, ohne damit aussagen zu wollen, daß dies die Hauptursache der Krise ist. Wenn man sich aber vor Augen hält, daß der Gegenstand der Theologie Gott,bzw alles andere in seiner Relation von, in und zu Gott ist, dann muß eine Demontage der Gotteslehre die Theologie ruinieren. Daß die Kirche dann noch als eine Institution der Religion überlebensfähig ist, wenn sie Gott aus den Augen verliert und an seine Stelle den Glauben an den Menschen setzt, muß auch ernsthaft bezweifelt werden.

In dem Buch: „Der springende Punkt. Wach werden und glücklich sein“ des Jesuiten Anthony De Mello, eines Exerzitienmeisters wird vorpraktiziert, wie man ganz ohne Gott auskommend gut leben könne. Bei ihm liest sich das so: „Bekanntlich sind alle Mystiker- ob christliche oder nichtchristliche und egal,welcher theologischen Richtung oder Religion sie angehören- in diesem einen Punkt einig: das alles gut ist, alles in Ordnung ist. Obwohl gar nichts in Ordnung ist, ist alles gut. Ein wirklich seltsamer Widerspruch.Aber tragischerweise kommen die meisten Leute gar nicht dazu,zu erkennen,dass tatsächlich alles gut ist,denn sie schlafen.Sie haben einen Alptraum.“1 Als einen Alptraum bezeichnet nun dieser Jesuit jede negative Deutung der Welt, aus der erwacht jeder erkennt, daß die Negativwelt nur das Produkt einer menschlichen Fehldeutung der Welt sei, der Auferwachte dagegen das Gutsein von Allem erkennt, wobei dies aber auch nur eine Interpretation der Welt sein kann, die um es mit Kant zu sagen, in ihrem Ansichsein für den Menschen unerkennbar sei, als das „Ding an sich“. Das Buch zeigt nun, wie jeder Mensch erwacht zu dieser Erkenntnis, daß alles gut sei, sich erheben kann.

Tatsächlich taucht dann Gott in diesem Machwerk auf, der Jesuit zitiert den Vorzeigejesuitentheologen Karl Rahner. Dieser als einer der „bedeutendsten Theologen unserer Zeit“ in diesem Buch gefeierte Theologe wurde von einem drogensüchtigen Studenten gefragt, Rahner um Hilfe bittend: „wie kann dieser Gott in meinem Leben Bedeutung haben? Wie kann dieser Gott mich von meiner Sucht befreien?“ 2

Pater Rahner respondierte so: „Ich muss Dir in aller Ehrlichkeit gestehen,dass Gott für mich das Geheimnis schlechthin ist, und immer wahr.Ich verstehe nicht,was Gott ist, niemand kann das.Wir haben Ahnungen und Andeutungen,wir machen stümperhafte und unzulängliche Versuche, das Geheimnis in Worte zu fassen. Aber es gibt kein Wort und keinen Ausdruck dafür.“ 3

De Mello will damit erstmal sagen, daß weder der Theologe Rahner noch Gott sondern nur der drogensüchtige Student sich selbst hätte retten können, indem er aus seinem Albtraum erwacht das Gutsein von Allem erkannt hätte. Aber dies Rahnerzitat besagt noch viel mehr.Dies hat Karl Rahner kurz vor seinem eigenen Tode geschrieben. Damit soll diese Äußerung den Rang eines (fast)letzten Wortes dieses Theologen erlangen, sozusagen einer testamentarisch ähnliche Aussage: Das Resümee meines Theologietreibens ist es, daß wir von Gott nichts wissen und wissen können. Das „Wir“ ist nun nicht einfach nur als  pluralis majestatis gemeint, sondern schließt hier die ganze Zunft der Theologen ein: Jetzt stehen wir vor der Erkenntnis, daß wir Menschen von Gott nichts wissen können und daß somit die ganze Gotteserkenntnis und Gotteslehre der Kirche nur ein Vorspiel vermeintlicher Erkenntnisse ist. Darum kann Gott auch keine Lebensrelevanz für uns Menschen haben, erfassen wir erst unser Unvermögen, über Gott etwas Wahres auszusagen. Deswegen konnte der Jesuit dem Drogensüchtigen auch nicht mit einem Verweis auf Gott helfen!


Woher weiß nun dieser Theologe, daß die gesamte Gotteslehre der Kirche nur ein Scheinwissen ist? Ich weiß, daß die Aussage, Thomas Mann habe die „Elixiere des Teufels“ geschrieben habe, unwahr ist, da ich weiß, wer der Autor dieses Werkes ist, nämlich der Romantiker E.T. A. Hoffmann. Nur wer den wahren Autor dieses Werkes nicht kennt, könnte Thomas Mann für seinen Verfasser halten, wenn er zudem nicht weiß, daß Mann ein solches Werk nicht verfaßt hat. Wie gut müßte also Karl Rahner Gott kennen, wenn er urteilen kann, daß alles über Gott von der Kirche Gelehrte nicht wahr ist? Gott hat sich nun doch auf zweierlei Weise uns Menschen selbst bekannt gemacht, durch das, was die Theologie die natürliche Gotteserkenntnis bezeichnet und durch seine Offenbarungen, isb in Jesus Christus. Es müßten also schon diese zwei Quellen der Gotteserkenntnis nur Irrlichter sein, die nichts Wahres über Gott aussagen. Das Problem dieses Agnostizismus ist eben, daß hier dieser Jesuit über ein totales Wissen über Gott verfügen müßte, damit er alles über Gott von der Kirche Ausgesagte als nichtwahr aburteilen kann.4

Über Gott kann der Mensch so nichts Gewisses wissen und somit kann er auch keine Relevanz mehr für unser Leben haben. Deswegen taucht Gott in dem jesuitischen Buch über das Erwachen des Menschen nicht auf. Eine Mystik, daß alles gut sei, soll so einen irgendwie gearteten Glauben an einen Gott substituieren! Laut der Internetseite Kath info käme Gott, wenn Papst Franziskus sein Redemanuskript bei Seite lassend frei sprach nicht vor, er spräche dann wie ein UNO-Politiker. Ist das die Frucht des Jesuitentheologen Rahner? Marketingtheologen ersparen sich solche erkenntnistheoretischen Erwägungen, da ihnen die Feststellung reicht, daß die potentiellen Kirchenkunden wenig oder gar kein Interesse mehr an Gott hätten, man rede deshalb besser salbungsvoll von dem Menschen, seiner Würde.





1De Mello, S.9. Er spielt hierbei auf den jesuitischen Theologen Karl Rahner an, der mal gesagt hatte, daß der zukünftige Christ ein Mysiker oder gar keiner mehr sein wird.

2De Mello, S.145.

3DE Mello, S.145.

4Als Alternative bietet die zeitgenösische Theologie an: Wenn wir nichts von Gott wissen können, wie haben wir ihn dann zu denken, damit er dem Projekt der Humanisierung der Welt nicht dysfunktionsal entgegensteht sondern dies Projekt förderlich ist. Das ist der Gott der Vernunft im Dienste der Politk.

Montag, 6. Januar 2025

Prinzipielle Probleme der christlichen Religion oder: Es gibt nicht nur Übersetzungsprobleme

 

Prinzipielle Probleme der christlichen Religion oder: Es gibt nicht nur Übersetzungsprobleme


Das Narrativ der Übersetzungsprobleme ist in sich vielschichtig. Es enthält die Vorstellung, daß das Wesentliche, die Essenz oder der Gehalt der christlichen Religion uns immer nur in komplexen Theologien begegnet. Diese drückten das Wesentliche der christlichen Religion immer in einer der jeweiligen Kultur zugehörigen Sprache aus. Der jeweilige Kontext einer Theologie bestimmt also das Wie der Darlegung der christlichen Religion. So sei ihr eigentlicher Kern von den kulturell bedingten Explikationen zu distinguieren.Da es nun Kulturwandlungen gibt, sei es die vordringlichste Aufgabe der Theologie, aus den vorgegebenden traditionellen Theologien das Wesentliche zu extrahieren, um es dann wieder neu in die jeweils aktuelle Kultur zu inkarnieren. Das Eigentliche sei sozusgen etwas hinter all den zeitgeschichtlich bedingt ausformulierten Texten Existierendes, das immer wieder neu zur Sprache gebracht werden müsse.

Im gymnasialen Religionsunterricht wurde diese Art des „Übersetzens“ so den Schülern vorgeführt: Es entsprach der jüdischen Kultur, das Verhältnis Jesu zu Gott als ein adoptionistisches zu denken: Gott habe Jesus zu seinen Sohn adoptiert. Die griechische Kultur dächte biologischer und wenigere juristisch, sodaß hier die Giottessohnschaft biologistisch gedeutet wurde: Jesus habe Gott zum Vater und Maria als immerwährende Jungfrau zu seiner Mutter und so sei er wahrer Gott und wahrer Mensch. Wir Heutigen dächten weder jüdisch noch griechisch sondern modern aufgeklärt. Wir erkennen, daß sowohl das jüdische wie auch das griechische Sprachspiel Versuche sind, das Einzigartige der Beziehung Jesu von Nazareth zu Gott auszubuchstabieren. Der Kern sei das einzigartige Vertrauensverhältnis dieses Menschen zu seinem Gott, daß er ganz aus dem Vertrauen zu ihm sein Leben geführt habe. So sei die antiquierte Christologie in unsere Kultur zu „übersetzen“! Dies „Übersetzen“ stellt faktisch aber ein völlige Entsubstantialisierung der christlichen Religion dar.

Dies Narrativ lebt nun davon, daß das Eigentliche der christlichen Religion klar uns vorläge und nur noch in die jeweils aktuelle Sprache zu transferieren sei. Immanente theologische Probleme existierten nicht, da der Kern klar sei,sodaß Probleme nur entstünden, wenn der kulturelle Kontext der Kirche sich verändere, sodaß die Kirche sich immer neu auf das Jetzige zu kallibrieren habe.

Dieser Vorstellung steht nun das Faktum im Wege, daß es dieser Religion innewohnende Probleme gibt, die als innere Spannungen die Theologie beleben und sie vorantreiben, sich aus sich selbst heraus zu entwickeln. Die Theologie wird nicht nur durch externe Anlässe zu einer Veränderung motiviert, sie bewegt sich auch aus sich selbst heraus, sozusagen ist sie ein autopoetisches System.

Ein Anschauungsbeispiel soll hier nun vorgestellt werden: Eine der Kernaussagen der christlichen Religion lautet, daß Gott als der Allmächtige die Welt nicht nur erschaffen hat sondern auch regiert. Die Aussage, Gott habe sie aus dem Nichts geschaffen (2.Makk 7,28) präzisiert die Schöpfungsaussage, daß das von Giott Erschaffene sein Sein, so wie es ist, ganz allein den Bestimmungen Gottes sich verdanke, daß es eben keinen Gott vorgegebenen Stoff gegeben hatte, der so auch das Erwirkte dann mitbestimmt hätte. Ein Figurenschnitzer, verwendet er Holz als den Stoff seines Kunstwerkes, kann noch so wunderschöne Marienfiguren erschaffen, es bleiben immer Kunstwerke mit den Eigenschaften des Holzes.

Dieser Glaubensausage steht nun die der Erlösungsbedürftigkeit der Schöpfung und die Verheißung ihrer endgültigen Erlösung gegenüber. Wie kann die vom allmächtigen Gott regiert werdende Welt zugleich eine erlösungsbedürftige und erlöst werdende sein? Radicle Lösungen liefert uns die Geschichte des theologischen Durchdenkens dieses Problemfeldes. Entweder wurde der Erlösergott von dem Schöpfergott distanziert oder der Erlösergott für faktisch überflüssig erklärt. Den ersten Weg beschritt die Gnosis und viele ihr Folgenden: Ein Daimon hätte den Kosmos erschaffen, in den unsere Seelen hineingefallen seien und Gott erlöse uns nun aus dieser Gefangenschaft durch Jesus Christus. Den Gegenpol bildet die Vorstellung, daß die Welt von Gott regiert, eine gute sei, eine, die sich zum Guten weiterentwickele, sodaß die Erlösung die Erkenntnis des Gutseins oder fortschrittsoptimistisch formuliert des Gutwerdens sei. Hier ist die Erlösung ein Prozeß der Geschichte Gottes mit den Menschen, der ihre Entwickelungsgeschichte zum Guten sei, der Realisierung des Reich Gottes auf Erden. Hier wird der Erlösergott ganz in dem Glauben an den Schöpfer- und Regierergott aufgesogen.

Diese Spannung gehört konstitutiv zur christlichen Religion und drängt auf eine theologische Lösung, aber solange die Theologie nicht eine des Schauens sondern eine des Glaubens ist, wird sie diese Spannung nicht aufheben können, sie kann sie immer nur aufs Neue durchdenken. Das aber macht ihre eigene Lebendigkeit aus.


1.Zusatz: 

"Die Menschheit solle eine einzige Familie bilden und einmütig zusammenleben. " Das fordert Papst Franziskus laut Kath de vom 6.Jänner 2025: "Papst ruft zu Willkommenskultur und Integration auf". Die Erlösungsvorstellung der christlichen Religion wird hier in ein evolutionär humanistisches Projekt umgeformt. Bezeichnend ist dabei, daß für diese propagierte Menschheitsfamilie die christliche Religion, ja jede gleichgültig sein soll. Diese Einheit ist eine außerhalb der christlichen Religion. Diese Menschheit bedarf auch keiner Erlösung sondern nur einen sittlichen Fortschritt hin zur Überwindung der Bedeutung aller Differenzen hin zu einer natürlichen Eineweltmenschheit.

2.Zusatz:

In der jetzigen Theologie herrscht der Trend vor, auf den Erlösergott zu verzichten und die moderne Gesellschaft als das Realisierungsprojekt der Kernanliegen der christlichen Religion zu deuten, daß in ihr die Menschenwürde, die Menschenrechte realisiert werden oder noch zu realisieren seien. Das impliziert aber auch, daß die „Feinde“ des Projektes der Moderne zu bekämpfen seien, daß eben um es mit Habermas zu sagen das Projekt der Moderne noch unvollständig realisiert sei und gegen ihre Kritiker zu verteidigen sei, den postmodernen Philosophien und den politisch rechts Ausgerichteten. Oder pathetischer formuliert: Seit der Franzöischen Revolution begönne die Welt, vernünftig zu werden in dem Unterfangen der Menschenrechte und der Menschenwürde, die ihren Urgrund in der christlichen Religion hätten.

Dienstag, 26. November 2024

Sind diese Aussagen Jesu Christi nicht äußerst korrekturbedürftig, hat er etwa nicht ausreichend Theologie studiert?

 

Sind diese Aussagen Jesu Christi nicht äußerst korrekturbedürftig, hat er etwa nicht ausreichend Theologie studiert?

Eines ist klar, daß, wenn er statt als ein ungebildeter Handwerkersohn zu predigen zuvörderst Theologie studiert hätte, um dann erst öffentlich zu lehren, wäre der Kirche manch Unzumutbares erspart geblieben. Als ein Anschauungsbeispiel möge Mk 9, 42-48 angeführt werden. „Wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt,“. Statt der „Kleinen“ hätte es entweder:“einen Menschen“ oder noch besser „einen sozial Benachteiligten“ heißen müssen. Schließlich hätte hier Jesus die Kernaufgabe der Kirche fundieren sollen, ihre Proexistenz für alle und isb für die Armen.Die Formulierung: „die an mich glauben“, stellt nun eine inakzeptable Einschränkung dar, denn niemand dürfe zum Bösen verführt werden.

Darüberhinaus erlangt durch diese Einschränkung der Begriff des „Bösen“ einen fatalen Fehlklang, als wenn das Böse etwas dem christlichen Glauben Entgegengesetztes und darum böse. Das Böse müsse aber rein moralisch verstanden werden: Wer Böses Menschen antut.Sonst könnte man ja denken, daß Jesus hier an eine Verführung zum Abfall vom christlichen Glauben gedacht hätte. Das sei ferne. Die Kirche erkennt uneingeschränkt die Religionsfreiheit an und deswegen ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Christ sich etwa zur jüdischen oder islamischen Religion bekehren ließe. Das ist nichts Böses und auch wäre es nicht böse, wenn Christen zum Atheismus überzeugt würden.

Aber dann kommt der schlimmste Fehlgriff Jesu, denn er kommt mit der Hölle: Erst spricht er davon, daß es besser für solch einen Verführer sei, „wenn er mit einem Mühlstein um den Hals in das Meer geworfen würde“, um dann gar von der „Hölle“ zu predigen: „in die Hölle zu kommen“. Meinen Kirchengeschichtskenntnissen nach soll in der Zeit der Reformation mit Widertäufern so verfahren sein, da sie die Taufe von Kleinkindern verwarfen und so es zu verantworten hatten, daß Kinder ungetauft starben, was ihren Ausschluß vom ewigen Heil nach sich zog. Das mit dem „Mühlsetein“ hätte Jesus also niemals sagen dürfen. Daß er dann gar von der Hölle lehrt, ist aber völlig inakzeptabel. Eine solche Drohbotschaft widerspricht völlig dem Evangelium und ist mit der Menschenliebe Gottes unvereinbar.

Vielleicht könnte man Jesus zu gutehalten, daß er halt als ein Kind seiner Zeit eben auch ein Gefangener der damaligen religiösen Vorstellungen war und so sich nicht gänzlich von ihnen freimachen können, obschon ihn sein Glaube an die Güte Gottes davon abhalten müssen, solch mythologische Vorstellungen hier zu verwenden. Was Jesus dann konkret sagt, ist so abstrus, daß es gar nicht ernsthaft erwogen werden könne: „Und wenn dich deine Auge zum Bösen verführt,dann reiß es heraus, es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden.“ Die passivische Formulierung: „geworfen werden“besagt, daß Gott selbst aktiv in die Hölle wirft. Aber da hat die moderne Theologie doch schon längst den Tun- und Ergehenszusammenhang erfunden,um a) klar zu machen, daß Gott nie strafe, sondern uns darüber aufkläre, daß unser böses Tuen für den Täter selbst böse Folgen zeitige, die dem Tuen selbst entwachsen.Wer zu viel rauche, stürbe an Lungenkrebs, und Gott mahne uns nur wie ein Arzt: Unterlasse das, es würde deiner Gesundheit schaden. Der so angedrohte Lungenkrebs ist ja keine ärztliche bzw göttliche Strafe für das Vergehen des Rauchens sondern eine der Fehlhandlung folgende immanente Selbstschädigung und daß es b) gar keine Hölle geben könne, da das der Liebe Gottes widerspräche.

Dieser Aufruf zur Selbstbeschädigung widerspricht zudem prinzipiell der Selbstliebe, daß jeder Mensch sich als ein Geschöpf Gottes, so wie er ist, als von Gott bejaht, anzunehmen habe. Nun ist diese Aussage über das Augeusreißen wohl wirklich nicht wörtlich von Jesus gemeint. Dafür spricht isb, daß zu Zeiten Jesu Texte regelmäßig allegorisch ausgelegt wurden und daß deshalb auch Aussagen getätigt wurden im Wissen darum, daß sie allegorisch ausgelegt verstanden werden. So legt Jesus ja selbst seine Gleichnisse, damit seine Schüler sie verstehen, allegorisch aus. So liegt es nahe, daß Jesus hier von der Kirche lehrt, daß wenn Glieder von ihr sie zum Bösen verführen, diese exkommuniziert werden sollen, damit dann so die Kirche vor der Gefahr der Versuchung bewahrt bleibt und so in den Himmel eingehen kann.

Die Existenz auch der Kirche kann nach dieser Aussage durch Irrlehren, durch solche Verführungen zum Bösen gefährdet werden und deswegen muß sich die Kirche vor solchen Verführern schützen.Diese Vorstellung ist nun aber völlig inakzeptabel, da doch alle theologischen Lehren gleicgültig seien und eine größtmögliche Diversität an Lehren zu erstreben sei. Einzig allein seien die Diktate der Politischen Korrektheit zu beachten.

Was Jesus hier lehrte, ist so in Gänze theologisch geurteilt inakzeptabel. Wie soll denn nun bloß in einer Predigt mit diesem Text umgegangen werden? Es bleibt nur ein Ausweg: Es muß etwas in ihn hineinexegetisiert werden, das nicht in ihm steht, aber das ist schon machbar! Meine Preisfrage: Wie schafft man es, aus diesem Text herauszulesen, daß es gälte, für die armen Kinder in der 3.Welt zu spenden?

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Irrwege der Theologie, die die Kirche gefährden

 

Irrwege der Theologie, die die Kirche gefährden


Der große Papst Benedikt XVI. hat immer wieder auf den alles entscheidenden Unterschied zwischen Glauben und Ideologie aufmerksam gemacht. Das Christentum ist nicht eine abstrakte Theorie über die Entstehung des Kosmos und des Lebens oder eine Ideologie für eine bessere Gesellschaft, sondern die Beziehung zu einer Person. So wie der irdische Jesus vor 2000 Jahren direkt zu den Jüngern gesprochen hat, so spricht der auferstandene Christus auch heute jede einzelne Person direkt an vermittels der Predigt der Kirche.“ So sagt es Kardinal Müller, zitiert nach dem Kath net Artikel: „Bauen Sie das Haus Ihres Lebens auf dem Felsen der persönlichen Freundschaft mit Christus.“ am 29.10.2024. Das klingt nicht nur fromm sondern ist es auch,aber trotzdem verbirgt sich hierin ein Gift, das die Frömmigkeit verderben kann.

Die Begeisterung für die polemische Gegenüberstellung von dem christlichen Glauben und der Ideologie, die dann noch als eine abstrakte Theorie verunglimpft wird, verkennt völlig, daß keine Theologie, wenn sie denn wirklich eine Wissenschaft sein will und nicht nur eine fromme Rede, auf eine Ideologie verzichten kann, denn die Ideologie ist eine Lehre von den Ideen. Die Lehre von den Ideen ergründet das Verhältnis von Aussagesätzen zu dem von ihnen Ausgesagtem, ob und wie sie wahr sind. Nimmt man es genauer, müßte zwischen indikativischen, imperativischen und kojunktivischen Aussagen unterschieden werden, denn diese drei verschiedenen Aussagesätze verlangen jeweils eine andere Weise ihrer Verifikation. So ist die Aussage: „Jetzt regnet es“ für jeden Hörer dieses Satzes leicht überprüfbar durch einen Blick aus dem Fenster: Regnet es da? Die Aussage; „Du sollst nicht töten!“dagegen ist nicht so leicht verifizierbar, denn sie ist eine normative Aussage, die nicht durch eine Faktizität begründet werden kann. Die konjunktivische Aussage: „Ich hätte das auch nicht tuen können!“, verweist auf die Willensfreiheit des Menschen und die ist nun keine Tatsache des empirisch vorfindlichen Lebens.

Eine Theologie, die auf eine Überprüfung ihrer Aussagen in dieser dreifachen Hinsicht verzichtete, kann nicht als eine Theologie angesehen werden. Es existieren nun im theologischen wie im philosophischen Diskurs sehr verschiedene Erkenntnistheorien, aber eines geht nicht, sich für keine zu entscheiden, gut begründet und stattdessen einfach los zu theologisieren.

Selbstverständlich enthält die christliche Theologie ausgehend von der Schöpfungserzählung auch eine Lehre von der Schöpfung und das ist eine Kosmologie. Die Natur wird dabei gerne als das erste Buch Gottes bezeichnet, durch das Gott zu uns spricht, wenn wir ihre Zeichen recht zu lesen verstehen. Die gesamte natürliche Gotteserkenntnis fundiert sich darin. Wenn nun auch die Kosmologie, die darin enthaltende Ontologie manchem Theologiestudierenden als abstrakt und für die Praxis irrelevant erscheinen mag, ohne das würde die Theologie zu einem Torso oder einer Ansammlung von erbaulichen Traktätchens.

Daß die Kirche keinen Anspruch erhebte, zumindest Beiträge zu einer besseren Gesellschaft erbringen zu können, ist eine These, die in der Konstantinischen Epoche kein Theologe vertreten hätte. Erst die Verprivatisierung der christlichen Religion ermöglicht so eine Depotenzierung des Glaubens, der eben nur noch in der Privatinnerlichkeit gelebt wird.

Die Substanz der´christlichen Religion soll stattdessen eine Person sein, und zwar Jesus Christus und diese Religion soll nun nichts anderes als meine Privatbeziehung zu dieser Person sein. Das Fundament der christlichen Erlösungsreligion bildet aber nicht einfach eine Person sondern eine große Erzählung, die vom Fall und von der Erlösung des Menschen, seines Einsseins mit Gott, seines Abfalles und seiner Erlösung durch Jesus Christus vermittels der Kirche und der Verheißung des eschatologischen Heiles. Die Bedeutung der Person Jesu Christi ergibt sich erst aus dieser Unheils- und Heilsgeschichte, ohne sie wird diese Person entsubstantialisiert.


Einen Verdacht hege ich nun, wie es zu dieser Verpersonalisierung des christlichen Glaubens kam. Am Anfang stand die reformatorische Unterscheidung zwischen einem „Für-wahr-Halten“ Glauben und dem „Vertrauensglauben“. Der „Für-wahr-Halte“ Glaube, hält die Aussagen der christlichen Theologie für wahr, daß Gott die Welt erschaffen habe, daß er dreieinig sei usw aber all diese für wahr gehaltenden Glaubensaussagen rechtfertigen Niemanden vor Gott. Wer aber der Verheißung, dem Evangelium glaubt, daß Jesus für ihn am Kreuze gestorben sei, der wird ob dieses Vertrauensglaubens gerechtfertigt. Wahre Glaubensaussagen sind wahr, unabhängig davon, ob sie geglaubt werden oder nicht. Darum verlangen sie ein „Für wahr Halten“. Die Verheißung gilt aber nur dem, der sie glaubt. Luther bringt das auf den Punkt: Wie Du Jesus Christus glaubst, so ist er Dir!“ Nur wer sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzt und nicht mehr auf seine guten Werke, dem allein gilt die Verheißung, daß er für Deine Sünden gestorben ist. Der Vertrauensglaube ergreift so das Heil, und hält es nicht einfach für etwas objektiv Wahres.

Damit wird tendenziell die gesamte Lehre der Kirche als unwesentlich herabgestuft, kommt es doch nun nur noch auf den perönlichen Vertrauensglauben an. Aber es ist ein bestimmter Vertrauensglaube, daß auf Jesu Kreuzestod geschaut wird, daß dieses Kreuz im Zentrum steht.

Die Lehre Jesu Christi als Genitivus subjectivus wie auch als Gemitivus objectivus verstanden bildete so das Zentrum der Theologie, aber nicht einfach seine Person. Der Vertrauensglaube hat einen konkreten Inhalt, daß Jesus für mich am Kreuze gestorben ist. Es ist nun aber leicht nachvollziehbar, wie in der Folge der Aufklärung und des modernen historisch kritischen Bewußtseins dieser ursprüngliche Vertrauensglaube sich umformte zu einem privaten: „Ich vertraue Dir, mein Jesus“. Was die Kirche über Jesus von Nazareth lehrte und was in der Bibel über ihn geschrieben steht, wird als zeitgeschichtlich bedingt dekonstruiert, um dann nach dem Zeitenthobenen, für uns noch Verbindlichem zu fragen. Da bleibt dann der von aller Lehre entkleidete Jesus übrig, dessen außergewöhnliche Persönlichkeit Menschen zu allen Zeiten begeistert oder doch wenigstens beeindruckt.

Denn mit seinen Lehren kann man als ein moderner Mensch kaum noch was anfangen und was die Kirche dann aus ihm gemacht hat, diese ganze Dreifaltigkeitslehre, daß Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich sein solle, das sind doch nur Exzesse eines spekulierenden metaphysischen Denkens, die uns nur den Zugang zu Jesu Persönlichkeit versperre. In einer gewissen Ähnlichkeit zur Maxime der Phänomenologie: „Zurück zu den Sachen“, „hinweg mit der spekulativen Philosophie“ hieß im Protestantismus die Maxime: „Hin zur Perönlichkeit Jesu, hinweg mit dem verdogmatisierten Christus!

Dieser Reduktionismus entkernt die christliche Religion zu einer Fangemeinde der Persönlichkeit Jesu, die danach strebt,daß nun auch jeder für sich ein persönliches Leben führt um nicht als ein Massenmensch gelebt zu werden.

Aber die christliche Religion, wenn sie über ihre Glaubensinhalte reflektiert, kann sich nicht auf so einen simplen Personenkult reduzieren. Sie muß als in sich reflektierte Religion notwendigerweise auch eine metaphysische Weltanschauung, eine Kosmologie, eine Ontologie und vor allem eine Erkenntnistheorie in sich enthalten haben. Dies theologische Denken muß nun aber auch notwendigerweise dem frommen Gemüt abstrakt vorkommen, da es die Unmittelbarkeit des Glaubens etwa an Jesus Christus negiert durch die Reflexion, wie gewiß ist denn das, was wir von ihm glauben. Was ist überhaupt eine Person und was ist sein Gottes Sohnsein? All das übersteigt eben ein einfaches personalitisch vorgestelltes Befreundetsein mit Jesus, aber ist doch eine Notwendigkeit, wenn wir als Erwachsende Glaubende sein wollen. 

Warum gefährdet diese personalistische Konzeption nun die Kirche? Weil sie es der Kirche fast unmöglich macht, Jesus Christus zu vermitteln.Denn der Glaube an die Persönlichkeit Jesu ist etwas Irrationales, nicht denkerisch Vermittelbares. Das Fundament der christlichen Religion ist auch nicht die Person Jesus sondern das Glaubensbekenntnis, daß er der Messias ist, den das Alte Testament verheißen hat.