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Mittwoch, 27. November 2024

Ist die Welt vernünftig, geht es in ihr vernünftig zu, da Jesus Christus als ihr König sie doch auch regiert und nicht erst am Ende der Zeiten regiert?

 

Ist die Welt vernünftig, geht es in ihr vernünftig zu, da Jesus Christus als ihr König sie doch regiert?



Jesus Christus wird im Johannesevangelium als der Logos, gleich die Vernunft bezeichnet und als solcher regiert er mit dem Vater und dem Heiligen Geist die Welt.Das feiert die Kirche am Christkönigsfest. Sagt das nicht auch einer der bedeutendsten Philosophen, wenn er in seiner „Vorrede“ der „Grundlinien der Philosophie des Rechtes“ schreibt:

„Was vernünftig ist, das ist wirklich und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ Alles, was ist, ist also vernünftig und das erklärt sich daraus, daß alles aus Gott auf Gott hin ist. Aber wer diese Aussage Hegels so interpretiert, hat den ersten Teil dieser Aussage überlesen: Was vernünftig ist und nur das, was vernünftig ist, ist wirklich. Das, was demzufolge unvernünftig ist, das ist auch nicht wirklich. Wer hier genau liest, findet die Lösung: Es gibt Etwasse, die es gibt, die aber nicht wirklich sind. Deswegen lesen wir als Hegels Eigendeutung dieser Aussage dies: „so gewährt hingegen die Philosophie die Einsicht,daß nichts wirklich ist als die Idee.Darauf kommt es dann an,in dem Scheine des Zeitlichen und Vorübergehenden die Substanz,die immanent,und das Ewige,das gegenwärtig ist, zu erkennen.“

Hier knüpft Hegel an die traditionelle Ontologie an, daß Gott nur das Sein zukommt und allem anderen Seienden nur ein Sein, da es an dem Sein Gottes partizipiert, ansonsten wäre es nichtig. Zur Veranschaulichung möge ein simpler Gedanke der Mathematik dienen: Eins ist die eine Zahl, an der alle anderen partizipieren als ein Vielfaches der Eins, so ist 3 das Dreifache der 1 und so sind sie wirklich. Ihr Wirklichsein wäre also ihre Teilhabe an der Eins.

Nur was vernünftig sei, sei so wirklich und das Nichtvernünftige wäre zwar, aber nicht wirklich. Übertrüge man diesen Gedanken auf die Anfangsfrage, dann käme dies Ergebnis heraus: Nur das Vernünftige ist als von Gott gewollt, wirklich und das Nichtvernünftige ist, aber ist nicht wirklich. Nur, hilft dieser Gedanke weiter, um das vernünftige Regieren Gottes mit der dem vielen Unvernünftigen in der Welt in Einklang zu bringen. Hegel qualifiziert das so nicht Wirkliche als „vorübergehendes Dasein, äußerliche Zufälligkeit,Meinung,wesenlose Erscheinung,Unwahrheit, Täuschung usf.“ im 1. Paragrahpen der Rechtsphilosophie.

Im theologischen Diskurs würde all dies unter den Begriff des Bösen subsumiert und das provoziert die Kritik, ob so dem Negativen Hegels Philosophie gerecht werden kann und wie überhaupt dem Negativen die Theologie gerecht werden kann, wenn sie Gottes Regieren der Welt als die Grundlage ihres Denkens vorauszusetzen hat.

Einen ungewohnten Weg zur Lösung dieser Frage möchte ich hier versuchen zu begehen. Heraklit lehrt bekanntermaßen: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge, aller Dinge König; die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Sklaven, die andern zu Freien.“ Wenn diese philosophische Einsicht auf das Thema der Vernunft appliziert wird, dann hieße das: Erst durch die Differenz, den „Krieg“ zwischen der Vernunft und der Unvernunft wird die Vernunft zur Vernunft. Durch den Ausschluß des Anderen der Vernunft wird die Vernunft zur Vernunft. „Omnes determinatio est negatio“ und deshalb ist die Vernunft auch nur durch ihre Differenz zum Nichtvernünftigen.

Damit das Vernünftige als Wirkliches in der Welt sein kann, muß es das Andere von sich ausschließen und ihm so dies Sein, das kein wirkliches ist,erwirken. Wie sollte den Hiob sich als wahrhaft Frommer erweisen, wenn er nicht durch das Bestehen in den Versuchungen er zu dem wahrhaft Gläubigen sich entwickelte? Ja, es drängt sich der Verdacht auf, daß das Vernünftige nur ist in seiner Differenz zum Unvernünftigen, das selbst sein muß, damit das Vernünftige wirklich sein kann.

Das Johannesevangelium bezeichnet den göttlichen Logos,Jesus Christus als das Licht, das den finsteren Kosmos erhellen sollte. Nur ein Narr zündet ein Licht an, um am helligen Tage sehen zu können. Jesus Christus konnte ja nur das Licht für die Welt sein, weil sie ganz in der Finsternis eingehüllt war.Wenn dem Menschen schon alles klar und einsichtig gewesen wäre, wenn die damals schon existierenden Religionen für das Heil der Menschen ausgereicht hätten, wozu hätte dann das Licht in der Welt erscheinen sollen, wenn sie schon völlig aufgeklärt gewesen wäre?

Damit das Positive sein kann, muß so das Negative sein und als Nichtiges, von der Vernunft Verneintes ist es doch, aber nur um des Positiven willen.Der „Krieg“, die Differenz macht so erst das Vernünftige zum Vernünftigen denn ohne diese Differenz versinkte alles in einem grauen Einerlei,ohne daß dann noch etwas Bestimmtes sein könnte.

Deshalb könnte geurteilt werden, daß es vernünftig ist, daß das Nichtvernünftige ist, aber es ist nur um des Anderen willen und ist deshalb nicht ein wirklich Seiendes. Das ist nur das, was um seiner selbst willen ist.Kein Mensch könnte eine moralische Handlung vollziehen, wenn es nicht die Möglichkeit zu einem nichtmoralischen Handeln gäbe. Hätte Gott eine Welt geschaffen, in der es keine Möglichkeit zum Bösen gäbe, hätte er eine ohne die Möglichkeit der Moralität erschaffen. Dabei ergibt sich diese Paradoxie: Das Nichtmoralische mußte in der Welt sein, damit es als eine Möglichkeit auch realiserbar ist und es mußte freiwillig entstehen, denn nur freiwillig gewollt und gewirkt ist es ein moralisch qualifizierbar Böses. Ansonst wäre es nur eine Fehlfunktion in einer dann nicht ganz perfekt erschaffenen Welt. Genau das erzählt uns der Mythos vom Sündenfall Adams und Evas. In der Welt nach dem Sündenfall war das Unmoralische ja notwendig da, wie es die Erbsündenlehre expliziert. Aber die Sünde ist nur, damit der Erlöser uns von ihr befreit, damit wir wieder zu wirklichen Menschen werden. In dem Urteil Jesu ist der Mensch der Sünde ja kein wirklicher Mensch mehr, denn er sagt ja: „Lasse die Toten die Toten begraben!“

Zusatz:

Die Königsherrschaft Christi kann nicht reduziert werden auf die Differenz zwischen wie wir leben sollten und wie wir faktisch leben, als könne die Herrschaft Gottes sich nur durch unser moralisches Handeln realisieren als hätte Jesus nur unsere Hände, durch die er seine Königsherrschaft realisieren könnte. 

Montag, 1. April 2024

Was ein moderner Theologe uns alles zumutet! Oder Absurdes zum Kreuz Christi

 

Was ein moderner Theologe uns alles zumutet! Oder Absurdes zum Kreuz Christi





(Vorab eine Leserinformation: Der nun folgende Artikel wurde zwar von mir am 1.April verfaßt, ist aber kein Aprilscherz, obgleich es gut wäre, wäre er einer.) Auf der Internetseite „Communio“ vom 29.3.2024 steht in dem Artikel: „Das Kreuz und der >Fels des Atheismus<“geschrieben: „Georg Büchner hat geschrieben: "Das Leid ist der Fels des Atheismus." Sie haben einmal notiert: "Wenn Gott selbst gelitten hat, ist das Leiden kein Argument mehr gegen ihn." Wer ist nun der Urheber dieser Notiz?Niemand anders als Kardinal Kasper!

Über einen kleinen Umweg soll nun eine Annäherung an diesen Gipfelhöhepunkt der Absurdität gewagt werden. Lauschen wir einem vertraulichen Gespräch eines Arztes mit einem Schwererkrankten, schrecklich Leidenden. „Herr Arzt, warum heilen sie mich nicht, meine Krankheit quält mich unermeßlich!“ Der Arzt antwortet: „Ich könnte sie heilen und ihren Qualen ein Ende bereiten, aber das möchte ich nicht. Denn ich möchte genauso wie sie leiden. Darum habe ich mich mit der selben Krankheit infiziert, die sie nun so quält.“ Der Patient wendet nun ein: „Aber wenn sie mich therapierten, bräuchten sie doch gar nicht mit mir mitleiden oder gar sich diese Krankheit selbst zufügen, unter der ich so sehr leide,um wie ich zu leiden.“ Der Arzt: „Ich möchte aber leiden. Es reicht mir aber nun nicht, wenn ich allein leide, ich möchte, daß auch sie leiden, damit wir eine Leidensgemeinschaft werden.“ Der Patient: „Wäre eine Gemeinschaft von Nichtleidenden, von Gesunden viel erquicklicher als eine Leidensgemeinschaft?“ Da tritt die Assistenten des Arztes hinzu: „Ja, Herr Arzt, durch sie ist ja der Patient erst krank geworden. Sie haben ihm keine Medizin gegeben, sodaß er so krank erst werden konnte.“

Verlassen wir nun die Bildrede und wenden uns direkt an Gott: „Du hast eine Welt erschaffen, in der so viel Leid möglich ist und ob Deiner Allwissenheit wußtes Du voraus, daß all dies Leid auch geschehen wird. Du unternahmst nichts, um das Entstehen des Leides zu verhindern und Du willst den Leidenden nicht helfen. Stattdessen erklärt Du uns, daß Du selbst leiden wolltest und daß es Dir dabei nicht genügte, selbst allein zu leiden, sondern Deine Geschöpfe sollten auch leiden, sodaß eine große Leidensgemeinschaft entstünde. Wenn nun ein Leidender sich bei Dir beklagt: „Warum muß ich so viel leiden, warum rettest Du mich nicht?, dann bekommt er von Dir die Antwort: Beklage Dich nicht, denn ich leide wie du! Und ich will, daß wir Beide leiden.“

Ist das an Absurdität noch überbietbar? Aber in einem Punkte möchte ich diese Kardialstheologie in Schutz nehmen. Die traditionelle Theologie lehrt, daß Gott leidensunfähig sei, ja es ist gar fraglich, ob er überhaupt mitleidensfähig ist. Gott sei als Vollkommenheit zu denken und der widerspräche die Fähigkeit des Leidenkönnens. Nur ist diese These nicht vereinbar mit der Lehre von Gottes Allmacht, denn hier gilt: Es gibt nichts, was Gott nicht kann. Er will nur nicht alles, was er könnte. Also dürfte nur gesagt werden: Er wolle nicht leiden und darum leidet er auch nicht. Dann könnte aber auch von Gott prädikatiert werden, daß er leidet und mitleidet, wenn und weil er es will. Es müßte nur ein plausibler Grund angegeben werden, warum Gott leiden will. Das ist nun keine Unmöglichkeit, denn es kann ausgesagt werden, daß der Sohn Gottes den Kreuzestod und den Sturz in die Gottferne der Unterwelt, des Hades, der Sheol erleiden wollte um der Gerechtigkeit Gottes Genüge zu leisten. Hätte er nur als wahrer Mensch und nicht als wahrer Gott das Kreuz erlitten, hätte dies nur menschliche Leiden nicht ausgereicht angesichts der Schwere der Sünden der Menschheit. Dies nur menschliche Leiden wäre als zu leicht erfunden auf der Waage der Gerechtigkeit! Daß Gott leiden kann und es dann auch will, widerspricht so nicht einer vernünftigen Gotteslehre, aber daß Gott leiden wollte um des Leidens willen und daß er dann auch noch seine Geschöpfe leiden sehen wollte, um den Leidenden dann antworten zu können: So wie ihr leide auch ich, das ist absurd! 

Corollarium

Es gibt wohl keinen anderen Theologen der  so gründlich Gottes Allmacht und Freiheit durchdacht hat wie Wilhelm Okham. An seinem Nominalismus anzuknüpfen, ist eine verängnisvolle Tradition, aber sein Freiheitsverständnis ist brillant. 

 



Freitag, 15. Januar 2021

Über das Schweigen der Kirche in der Caronaepidemie

(über den Verlust Gottes...)


„Ich habe euch nichts zu sagen“, das ist wohl die desillusionierende Wahrheit über die Katholische Kirche und den Protestantismus Deutschlands, und nicht nur Deutschlands. Etwas Theologisches aus der Kompetenz der Kirche zu sagen, daß hieße ja, Gott in einer Relation zu dieser Seuche wahrnehmen zu können: Was hat der dreieinige Gott mit dieser Epidemie zu tuen? Das ist die religiöse Frage, die eine theologische Antwort erheischt. Da Gott denknotwendig als allmächtig zu denken ist, sonst würde er nicht als Gott gedacht, kann nicht ausgesagt werden, daß diese Seuche unabhängig oder gar gegen den Willen Gottes sich ereigne.

Entweder wirkt Gott selbst dies Unglück oder er läßt es zumindest zu. Das ist die klassische Theodizeefrage aber in einer Besonderheit. Denn die in dem Theodizeediskurs vorherrschende Antwort, daß Gott dem Menschen als Freiheit erschuf und ihm um der Freiheit willen auch die Freiheit zum Mißbrauchen der Freiheit gewährte, denn sonst wäre die Freiheit keine, kann in dieser Causa nicht gegeben werden. Diese Seuche ist nicht rückführbar auf einen Mißbrauch der menschlichen Freiheit. So läge es nah, dies Übel im Sinne des hl. Augustin als Strafübel zu begreifen: Gott straft so und zwar öffentliche kollektive Sünden im Kontrast zu den Privatsünden, die individuell Gott straft, hier oder jenseitig. Die Sintflut und Sodom und Gomorrah veranschaulichen uns ja, wie Gott Kollektivsünden straft. Wenn ich meinen Nachbarn erdolchte, wäre das meine Privatsünde, daß circa 100.000 Kinder pro Jahr im Mutterleibe getötet werden, ist dagegen eine Kollektivsünde, weil dies Töten mit öffentlicher Zustimmung, gesetzlich erlaubt geschieht.

Aber der heutige Gott, so wie er jetzt gelehrt und verkündigt wird, ist kein Gott mehr, der straft, denn er ist nur noch „lieb“. Diesen von aller Heiligkeit und Gerechtigkeit purifizierten Gott kann die Kirche nicht mehr in einen sinnvollen Zusammenhang mit dieser Seuche bringen.

Jetzt bliebe nur noch das Gebet übrig: Gott, rette uns vor dieser Seuche! Aber wenn Pater Karl Wallner urteilt, daß diese Seuche das Kirchenvolk wieder lehrte zu beten (Missio Österreich), so stellt er damit doch zuerst einmal damit fest, daß das Beten verlernt worden ist. Ja, daß Gott Gebete erhören kann und will, diese zutiefst religiöse Vorstellung hat doch die nachkonziliare Theologie weitestgehend als mit der Moderne unvereinbar reprobiert. Das Beten kann so nur eine autosuggestive Praxis oder ein Appell sein. So fällt Gott auch als Adressat unseres Betens aus.

Was hat die Kirche dann noch zu sagen? Nur dies, daß das kirchliche Leben auch ein Ort einer möglichen Verbreitung dieser Seuche sein kann, sodaß auch das kirchliche Leben, so weit es irgendwie geht, eingestellt werden soll. Ja, Lebensmittelgeschäfte müssen geöffnet bleiben für die Grundversorgung der Menschen (und es muß betont werden, daß die Supermärkte in dieser Krisenzeit wirklich hervorragend ihrer Aufgabe gerecht geworden sind und werden!), aber die religiösen Bedürfnisse sind dagegen Sonderwünsche, auf deren Befriedigung die Konsumenten in Notzeiten zu verzichten haben.

Denn wenn die Religion nur noch als ein subjektives Privatinteresse verstanden wird, dann ist es auch angemessen, daß öffentliche Gottesdienste eingestellt werden wie auch die vielen Fußballfans auf ihren Stadiumbesuch verzichten müssen. Daß die christliche Religion aber nur noch ein Privatbedürfnis ist, daß zeigt auf das bitterste, daß Gott in dieser Religionsauffassung kein wirklicher Gott mehr ist, denn er ist selbst privatisiert worden und hat so mit dem Leben außerhalb meiner Frömmigkeit nichts mehr zu tun: Er ist nur noch dafür da, mir zu sagen: Dich hab ich lieb! 

(vgl mein Buch: Der zensierte Gott) 

 

Sonntag, 30. August 2020

Die Welt und die Aufgabe des Menschen

"Denken wir uns die Welt als vollendet, so ist alles unser Thun nichts. Wissen wir aber, daß die Welt unvollendet ist, so ist unsere Bestimmung wohl, an der Vollendung derselben mitzuarbeiten." (Friedrich Schlegel)

Hätte Gott eine vollendete Welt geschaffen und dann Adam und Eva in sie hineingesetzt, hätten die Menschen dann noch eine Aufgabe in ihr haben können? Eigentlich nicht. Nur warum gab Gott dann dem Menschen diesen Auftrag: „Seid fruchtbar und mehret euch, und erfüllet die Erde, und machet sie euch unterthan, und seid Herren über die Fische des Meeres, und über die Vögel des Himmels, und über alle Thiere, die sich auf der Erde regen.“ (1.Mose1, 28)?

Fragen wir einmal so: Fehlt all den geschaffen Tieren, ja der ganzen Welt etwas, sodaß all das von Gott Geschaffene erst zu dem wird, was es sein soll, indem der Mensch sich alles Geschaffene unterwirft? „Subjicere“ ließt die Vulgata: Die objektive Welt soll durch den Menschen subjektiviert werden.

Ist das nicht genau das hier von Schlegel gemeinte Vollenden? Der Mensch wird hier nicht eingeschrieben in eine Weltordnung, sondern als ihr Gegenüber inthronisiert, denn ihm ist die Welt als seine Gestaltungsaufgabe überantwortet. Diese exzeptionelle Stellung macht ihn aus. Es muß dabei bedacht werden,daß Gott den Menschen zu dem vor dem Sündenfall beauftragte. Also bezieht sich dieser Herrschaftsauftrag nicht etwa auf die durch die Sünde depravierte Welt sondern auf die von Gott gut geschaffene. So hätte es auch ohne den Fall des Menschen eine Menschheitsgeschichte gegeben, die Geschichte der Subjektivierung der von Gott geschaffenen Welt.

Aber doch muß diese Geschichte, verglichen mit der Realgeschichte nach dem Sündenfall eigentümlich blaß erscheinen. Es fehlte ihr der Mensch in dem Widerstreit zwischen Gut und Böse.Dem menschlichen Leben fehlte die moralische Dimension. Heidegger kritisiert die berühmte Schellingschrift über die menschliche Freiheit so: „Das Böse wird um der Offenbarung der Allmacht des göttlichen Willens der Liebe willen gebraucht und gerechtfertigt.“ (Zizek, Weniger als Nichts, 2016, S.1209). Die Kritik lautet dabei, daß Schelling, weil er Alles aus einem Grundprinzip ableiten will, auch die Freiheit des Menschen zum Bösen, ihn das in eine Systematik treibt, in der alles eingeordnet ist in ein großes Ganzes, das keine Freiheit und keine Geschichte mehr zuläßt.

Das Böse kam durch den Sündenfall in die Geschichte der Menschheit. Ermöglicht nun aber nicht gerade dies Negative, daß der Mensch s moralisch leben kann, weil nun mal die denknotwendige Voraussetzung einer moralischen Handlung die Möglichkeit zu einer unmoralischen ist? Erst durch die Überwindung der Versuchung durch die Schlange hätten sich ja Adam und Eva als moralische Subjekte konstituiert. Wie nun die Menschen in ihrer Geschichte ihr Leben gestalteten in dem Widerstreit des Guten und des Bösen, das ist nun kontingent, aber diese Kontingenz gibt es nur durch den Sündenfall: In einer Welt ohne eine Versuchung zum Bösen könnte es auch nicht ein moralisch gutes Leben geben.

Theologisch muß das Böse immer notwendigerweise als zumindest von Gott zugelassenes gedacht werden, denn nichts kann wider den allmächtigen Willen Gottes sein, auch das Negative nicht. Weil es aber als von Gott Zugelassenes zu denken ist, muß es auch ein um ein gutes Ziel willen Zugelassenes sein, denn Gott kann das Negative ja nicht um seiner selbst willen gewollt haben. (Das gilt auch nach Wilhelm von Ockham, daß Gott das von ihm Nichtgewollte nur wollen kann, wenn er es zuläßt um des von ihm Gewollten, nur daß dann Gottes Freiheit zu betonen ist, daß er wollen kann, was er will.) Aber so ergibt sich, daß jedes theologische Denken notwendig eines ist, daß erst in einem dogmatisch explizierten System seinen Abschluß finden kann.

Der von Gott geschaffene Mensch und die Welt ist so nicht anfänglich schon etwas vollkommen Fertiges, es sind eher Projekte, die ihrer Vollendung bedürfen, daß der Mensch sich die Welt unterwirft und daß er durch den Widerstreit zwischen dem Guten und dem Negativen sich erst zu seiner Humanität entwickeln soll. Wir sind uns selbst eine Aufgabe, eine uns von Gott gestellte.

 

Mittwoch, 8. November 2017

Das Unglück als Notwendigkeit der Geschichte- Versuche zur Theodizee

"Das Glück hat keine Geschichte, und die Erzähler aller Länder sind sich so klar darüber, daß alle Liebesgeschichten mit dem Satz enden: >Sie wurden glücklich<." Honore de Balzac, Glanz und Elend der Kurtisanen, Ein langweiliges Kapitel, weil es vier Jahre des Glücks erklärt, übersetzt von: E.W.Junker.
Ein tiefsinniger Gedanke, daß es Geschichte nur gibt, weil es Unglück gibt, denn wenn das Glück einkehrt, endet die Geschichte. Auch das könnte ein Kandidat zur Beantwortung der Theodizeefrage sein: Warum gibt es Leid, wenn Gott die Welt erschaffen hat und sie regiert, wenn er als Allmächtiger doch jedes Leid verhindern könnte und als der Gute es doch wohl auch wollen müßte.
Die Menschheitsgeschichte hat ihren Anfang genau in der Sünde Adams und Evas und sie findet ihr Ende im Reich Gottes. Die "felix culpa" des ersten Menschen eröffnete so erst die Geschichte. Mit Balzac müßte man sagen, daß es ohne diese Tat keine Geschichte hätte geben können, denn die Geschichte wäre mit ihrem Anfang auch gleich zu Ende: "Und sie liebten sich und waren glücklich miteinander". 
Vergleicht man die Bibel mit einem Liebesroman, dem Ringen Gottes um seine Menschen, daß sie ihn lieben, seine Liebe zu ihnen erwidernd, dann wundert es nicht, daß die Gesamthandlung das Drama des göttlichen Ringens um diese Liebe erzählt, und daß erst am Ende es heißt: "Sie wurden glücklich."  Die Geschichte gibt es nur als Entfremdungsgeschehen des Menschen von Gott und der Repatrierung des Menschen in Gott.  Der Ausgangspunkt,das Paradies wie das jenseitige Reich Gottes als Endpunkt sind so Punkte außerhalb der Geschichte.  Es zeigt aber auch etwas anderes: Warum die Erzählungen und Bilder vom Reich Gottes so seltsam blaß wirken. Das Leben im Reich Gottes ist eben genausowenig erzählbar wie das Glück der Liebenden. Darum enthält ein Liebesroman dies Kapitel: "Das Glück" nicht, sondern endet davor. 
Selbst der wirklich talentierten Schriftstellerin der Liebe Hedwig Courths -Mahler gelingt es nicht, das Glück der Liebe zu erzählen.  

Zusatz: So nur kann auch die Paradiesgeschichte der Bibel begriffen werden als ein Geschehen vor und nicht in der Geschichte. Durch den Sündenfall Adams wird die Geschichte erst konstituiert.(Vgl dazu: Uwe C. Lay, Der zensierte Gott) 

Freitag, 20. Oktober 2017

Gott beweisbar? Fundamente der christlichen Religion und was der Papst daraus macht

Daß Gott ist, existiert, diese Aussage bildet das Fundament jeder monothestischen Religion. Zu beachten ist dabei, daß diese Aussage auch schon ein theologiekritisches Moment in sich trägt in der These, daß dem Glauben polytheistischer Religionen ein Irrtum innewohnt, indem in ihnen Etwasse als Götter verehrt werden, die keine sind. Es gibt also nur einen Gott, der wirklich Gott ist, und die anderen Götter, die realiter keine sind, sind also Nichtgötter, also Götzen.
Es ist nur folgerichtig, daß diese Entgötterung den Verdacht gebiert, daß alle Götter, auch der der monotheistischen Religionen kein wirklicher Gott, sondern auch nur ein Götze neben anderen ist.
Der Apostelfürst Paulus nimmt sich schon dieses Komplexes an mit der These, daß Gott vom Menschen anhand der Welt erkannt werden kann, daß aber die Menschen dann selbstverschuldet dann zum Polytheismus abfielen. Die Kirche hat an der Erkennbarkeit und Beweisbarkeit Gottes ganz im Sinne des Apostels Paulus festgehalten und im 1.Vaticanum bestätigt.  
Aber seit der Aufklärung und isb seit Kant wächst der Zweifel an der Beweisbarkeit Gottes. Galt Paulus das Nichterkennen, daß Gott ist als der Schöpfer der Welt, des Universums als ein schuldhaftes Versagen des Menschen, den er hätte die Existenz Gottes doch erkennen können anhand der Welt (Röm 1,20f), so ist man heutzutage eher geneigt, dem Atheisten sein Nicht- Gott-Erkennen  zu exculpieren. Ja der Atheismus gilt vielmehr als moralisch legitim angesichts des Leides auf Erden: Wenn es einen Gott gäbe, dann dürfte es dies Erdenleiden in dem Maße, wie es erlitten wird, nicht geben.  (Vgl hierzu mein Buch zur Theodizee: Die Übel und der gute Gott).
So sehr man nun auch rechtens bemüht ist, die klassischen Beweise gegen ihre Kritiker zu verteidigen (Vgl dazu Hüntelmann in Theologisches 2017, 3 Teile), eines läßt sich nicht aus der Welt schaffen: Sie sind so umstritten, daß jeder urteilen kann, daß ihn die Beweise nicht überzeugen und daß er deshalb Gott für nicht beweisbar halte, ohne daß ihm dies als ein nicht entschuldbaren Mangel an intellektueller Redlichkeit vorwerfbar wäre. 
Es muß aber auch konstatiert werden, daß es keinen überzeugenden Beweis für die Nichtexistenz Gottes gibt.  Es scheint hier eine Pattsituation zu herrschen, in der keiner die andere Seite von der Beweisbarkeit, daß Gott ist oder daß er nicht ist, überzeugen  kann. 

Papst Franziskus zieht daraus radicale Konsequenzen:

Papst Franziskus äußerte jüngst dem Journalisten und Gründer der italienischen Zeitung ‚La Republica‚, Eugenio Scalfari in einem offenen Brief gegenüber, „dass jemand nicht an Gott glauben müsse, um in den Himmel zu kommen.“
Es genüge dem eigenen Gewissen zu folgen, um Gottes Vergebung zu erlangen. So schreibt Franziskus:


„So besteht die Frage für den nicht an Gott Glaubenden darin, dem eigenen Gewissen zu gehorchen. Sünde ist auch beim Nichtglaubenden, wenn man gegen das Gewissen handelt.“ (zitiert nach gbs -Köln)

Für den Papst ist so der Unglaube keine Sünde mehr, ja für das Heil ist die christliche Religion in Gänze überflüssig, denn es reiche, gemäß dem eigenen Gewissen zu leben! Eigentlich hätte Jesus auf Erden nur zu verkünden brauchen: Jeder höre auf die Stimme seines Gewissens und lebe danach, dann lebt er Gott wohlgefällig und wird eingehen in das Reich Gottes, in den Himmel, in das ewige Leben! Alles andere ist überflüssig. 

Wenn auch konstatiert werden muß, daß die Gottesbeweise nicht mehr so überzeugend sind, daß man ihnen zustimmen muß, so sind sie doch so überzeugend, daß man sie zum Anlaß nehmen kann, an Gott zu glauben. Anders gesagt: Wäre der Glaube noch ein tugendhafter Akt, wenn jeder Mensch, bedenkt er die Beweise der Existenz Gottes, ihnen zustimmen müßte?Gehört nicht zum Leben im Glauben, daß der Glaubende noch nicht im schauenden Erkennen lebt, aber es wagt, an Gott zu glauben? Und daß ein Nichtwagen dann als Schuld ansehbar ist? Zumindest eines muß konstatiert werden: Daß die Kirche mit der hl. Schrift stets den Unglauben als Sünde beurteilt, und nicht als eine Nebensächlichkeit: Hauptsache, der Mensch lebe moralisch, seinem Gewissen folgend.
 
 

Sonntag, 2. Oktober 2016

Lesefrüchte: Gott nach Auschwitz

"Dabei hatten schon die Philosophen des Deutschen Idealismus, vor allem Schelling und Hegel, darauf hingewiesen, daß sich die Schöpfung eines Leidennaktes Gottes verdanke.Er selbst begrenzt sich zugunsten der Schöpfung, nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke, nicht aus Notwendigkeit, sondern in Freiheit, nicht aus spielerischem Übermut, sondern aus- Liebe. >Der Anfang der Schöpfung (ist)allerdings Herablassung Gottes; er läßt sich eigentlich herab ins Reale, kontrahiert sich ganz in dieses. Aber hierin ist nichts, was Gott unwürdig wäre", heißt es in Schellings Stuttgarter Privatvorleseung von 1810." G. Schiwy, Gott nach Auschwitz,in: J.B.Bauer (Hg.), Die heißen Eisen in der Kirche, 1997, S. 113. Das Problematische an Schiwys Ansatz ist nun, daß er Gott so in das Andere von Gott inkarnieren läßt, daß Gott aufhört, das Gegenüber zur von ihm gesetzten Welt zu sein. So wird das Andere als Anderes negiert, um zu einem Prozeß zu werden, an dem am Ende Gott sozusagen herauskommt. So kann er dann die Parole vom Tode Gottes positiv aufnehmen im Sinne eines Werdens zu Gott. Ist aber erstmal der allmächtige Gott als Gegenüber zu seiner Schöpfung so negiert, dann löst sich so das Thodizeeproblem, weil es nun den allmächtigen Gott nicht mehr gibt.
Zudem ist zu fragen, ob Gott sich erst durch die Setzung der Schöpfung selbst begrenzt oder nicht schon durch seinen Akt der Selbstbestimmung, daß Gottes Existenz eben seine Essenz nicht vorausgeht, wie es bei jedem kreatürlichen Leben der Fall ist! Das Gott eine göttliche Natur hat, das darf ja nicht genauso vorgestellt werden wie das Vorhandensein etwa der menschlichen Natur als etwas, das unserem Erkennen und Sichdazuverhalten vorausgeht! Anders formuliert: Nur weil Gott sich selbst objekiv ist, er sich objektiviert hat, kann Gott auch ein Objekt des menschlichen Denkens sein, weil er zuvor Denkobjekt von sich selbst ist.       

Sonntag, 26. Juni 2016

Irritierendes Der Fall Adams und Evas

Was hielte man von einer Ehefrau, die eine Haushaltshilfe einstellte, von der sie wüßte, wenn sie erst im Hause ist, wird sie meinen Ehemann versuchen zu verführen, und er wird ganz gewiß dieser Versuchung erliegen? Nun könnte eingewendet werden, daß dieser Frau dies Vorauswissen gar nicht möglich ist, daß ihr Mann der Versuchung erliegen wird. Bei Gott ist dies aber ganz anders: Als er dem Teufel erlaubte, im Paradiesgaren Adam und Eva zu erscheinen, da wußte er ob seiner Allwissenheit voraus, daß das erste Menschenpaar dieser teuflischen Versuchung erliegen wird. Nicht ist dabei das göttliche Vorauswissen der Grund dafür, daß das vorausgewußte Ereignis geschehen werde, als wenn das Vorauswissen das zukünftige Geschehen determiniere, sondern Gott weiß das, was kontingent geschehen wird,als kontingent geschehen Werdendes voraus. Würde sein Vorauswissen das kontingent sich Ereignenwerdende zu einem notwendig sich Ereignenden machen, würde Gott das Vorausgewußte nicht so vorauswissen, wie es sich ereignen werden wird. 
Als Vereinfachung : Man denke sich, daß man einen Spielfilm zum 5. mal sich anschaut und immer schon vorausweiß, wie jede Szene endet. Gott sieht sozusagen in Bildern das Zukünftige voraus, weil die Bilder das Zukünftige vorausabbilden. 
Ergo: Gott wußte voraus, daß Adam und Eva der teuflischen Versuchung erliegen werden. Er wußte es als ein kontingentes Geschehen voraus. Das erste Menschenpaar hätte der Versuchung auch widerstehen können. Ihnen war der freie Wille gegeben, Ja oder Nein zu sagen zur teuflischen Versuchung; nur Gott wußte voraus, daß sie freiwillig Ja sagen zur Versuchung. 
Gott hätte ja auch dem Satan den Zutritt ins Paradies verwehren können: Hier ist kein Platz für Dich! 
Es muß gute Gründe für Gott gegeben haben, dem Verführer in das Paradies einzulassen, ihm hier ein Auftrittsrecht zum Verführen zu geben. Ein paternalistischer Gott hätte diesen Auftritt des Verführers nie zugelassen, weil er vorauswußte, daß der Mensch seine ihm gegebene Freiheit dazu mißbrauchen würde, zur Versuchung sein Ja zu sagen.Paternalismus meint, daß ob der Möglichkeit des Mißbrauches der Freiheit willen die Freiheit so eingeschränkt wird, daß der Mensch sie nicht mehr mißbrauchen kann. So weiß der politisch korrekte Mensch, daß es ein grober Fehler war, daß die Regierung Englands dem Volke die Möglichkeit gab, über seine Zukunft in Europa selbst entscheiden zu können, weil der englische Wähler diese Freiheit mißbrauchen würde und er lobt die Deutsche Regierung, die solche Volksentscheide von vornherein ausschließt, weil die Mißbrauchsgefahr zu groß ist. Hier schimmert das Ideal der domestizierten Freiheit auf, daß der Mensch seine Freiheit nur dann gebrauchen darf, wenn er sie im Sinne der ihn Regierenden benutzt und wenn die Gefahr besteht,daß er sie mißbrauchen könnte, er nicht sich zum Regierungskonformen entscheidet, ihm dann die Freiheit zu verwehren ist. 
Gott gewährte den Menschen die Freiheit aber im Wissen darum, daß er sie- versucht von der teuflischen Schlange- gleich bei seiner ersten relevanten Entscheidung mißbrauchen werden wird. Gott domestizierte die menschliche Freiheit nicht. Warum? Als Antwort bietet sich an: Weil Gott ein freies Ja des Menschen zu sich wollte, mußte er ihm auch die Möglichkeit geben, Nein zu ihm zu sagen. Wie wäre aber ein freies Nein zu Gott möglich, wenn es nicht die Möglichkeit zum Ja zum Antigott gäbe? Wie könnte der Mensch nur zu Gott Nein sagen, wenn er keine Möglichkeit hätte, dann zu etwas anderem als Gott Ja sagen zu können? Die negative Möglichkeit zum Neinsagen scheint für den Menschen nur eine reale Möglichkeit zu sein, wenn er dann Nein sagend etwas dem Verneintem antithetisch Gegenüberstehendem bejaht. Um auf das Beispiel der Ehfrau zurückzukommen: Wenn sie wissen möchte, ob ihr Ehemann wirklich ein treuer Ehemann ist, dann kann sie das erst wissen, wenn er die Möglichkeit bekommen hat, zu seiner Ehefrau Nein zu sagen, indem er zu einer anderen Frau Ja sagt. Fällt der Ehemann nicht in dieser Lage in der Versuchung, dann erweist er sich als treuer Ehemann. Solange er aber nicht in eine Versuchung geraten ist, kann sie ihm nur vertrauen, von ihm glauben, daß er treu ist. Erweist sich nun der in der Versuchung nicht fallende Ehemann als treuer Ehemann oder konstituiert er sich erst durch das Bestehen in der Versuchung zum treuen Ehemann. 
An dieser Frage entscheidet es sich, wie ernst man die Bestimmung des Menschen zur Freiheit nimmt. Erwiese er im Nichtfallen nur, was er an sich ist, so wäre seine eheliche Treue keine Tugend sondern eine ihm innewohnnde natürliche Neigung.Setzt man dagegen den Menschen als Freiheit, dann ist in ihm sowohl die Möglichkeit zur Treue und zur Untreue. Durch seine freie Wahl bestimmt er sich dann erst zum treuen oder zum untreuen Menschen. Gott wollte also, daß der Mensch sich als Gotttreuer konstituiere, und das kann er nur, wenn ihm die Möglichkeit auch gegeben ist, sich als untreuer zu konstituieren angesichts der ihm angebotenen Option zur Untreue!  Und dazu erschien die teuflische Schlange. Sie, das rein Negative war also im Paradies, damit der Mensch frei das Positive wählen konnte.
Abstrakter formuliert: Das Negative ist nicht selbstzwecklich sondern hat seinen alleinigen Zweck darin, zu sein, damit es das Positive geben kann! Die Theologie spricht hier von der "felix culpa", daß der Mißbrauch der Freiheit durch Adam und Eva den Grund dafür lieferte, daß Gott Mensch wurde.
Könnte es denn wirklich etwas Gutes geben, wenn es nicht die Negation des Negativen ist, daß der Gehorsam die Verneinung der Möglichkeit zum Ungehorsam ist? Gott will das Gute, weil es gut ist, damit es aber gut ist, läßt er das Negative zu, damit sich das Gute als Negation des Negativen konstituiert. 

Corollarium 1
Luther war nur positiv, indem er als das Katholische Negierender, die Katholische Kirche zwang, sich als Negation seiner häretischen Lehren positiv zu bestimmen im Trienter Konzil, in dem gerade erst durch Luthers Negationen das Katholische sich bewußt bestimmte: Was ist jetzt wirklich die verbindliche Lehre der Kirche?                
         

Dienstag, 6. Oktober 2015

Ein Supplement zur Theodizee

Als kleine Ergänzung zu meiner eigenen Studie zur Theodizee: Uwe Christian Lay, Die Übel und der gute Gott. Theodizee 2011: große Menschen gibt es nur, weil es auch kleine gibt, denn wäre jeder ausgewachsener Mensch gleich groß an Körpergröße, es könnte weder große  noch kleine geben. Die Tugend setzt notwendigerweise nicht nur die Möglichkeit sondern auch gelebte Untugend voraus, damit die Wahl des Tugendhaften auch wirklich als eine freie zum Guten angesichts der realen Möglichkeit des Untugendhaften eine moralisch relevante Entscheidung ist. Könnte der Mensch nur tugendhaft leben (weil seine innere Natur ein untugendhaftes Leben gar nicht zuließe), könnte er auch nicht tugendhaft leben. Abstrakter formuliert: das Negative (das was eigentlich nicht sein dürfte, wenn ein guter und allmächtiger Gott die Welt schuf und regiert), muß doch sein, damit so nur auch das Positive ist. Frägt die Theodizee, warum Gott das Negative zulasse, obwohl er es als allmächtiger ja auch verhindern könnte, oder er hätte ja auch eine Welt  schaffen können, in der es gar keine Möglichkeit für das Negative gegeben hätte, so kann auch respondiert werden: damit das Gute ist. Wenn Adam nicht die Möglichkeit zum Sündigen gehabt hätte im Pardiese, wie hätte er sich als -im moralischen Sinne- guter Mensch erweisen können, wenn es für ihn keine Möglichkeit zum Nichtguten gegeben hätte. Auch für das Schöne gilt: es gibt nur Schönes als Opposition zum Nichtschönen! Jeder Filmheld setzt einen oder mehrere Bösewichter voraus, sodaß unser Filmheld sich erst in der Auseinandersetzung mit ihnen als Held erweist. 
So wäre eine vollkommene Welt ohne das Negative streng genommen keine vollkommene Welt. Als Theologe stehen wir ja mit der Vorstellung des Satans vor einem beachtlichen Problem: warum ließ es Gott zu, daß einer seiner Engel, nämlich Luzifer zum Teufel werden konnte und warum läßt er ihn auf Erden weiterhin wirken? Er ist das rein Negative und es heißt ausdrücklich von ihm und seinem Anhang, daß es für sie keine Möglichkeit einer Rettung gibt. Jesus Christus starb für die Sünden der Menschen, aber nicht für die Luzifers und seines Anhanges. Und doch muß diesem rein Negativen auch etwas Positives innewohnen, sonst ließe Gott die Entstehung und ihr Wirken nicht zu. Einfach, zu einfach machen es sich da die Modernisten mit ihrer Entmythologisierei-sie urteilen einfach, daß es den Satan nicht geben könne- sie gleichen Lämmern, die erklären, daß es in einer von Gott geschaffenen  und regierten Welt keine Raubtiere geben könne, und schon gar keine, denen Lämmer ihre Lieblingsspeise ist! Es gibt ihn, den Satan- aber warum gibt es ihn in der von Gott geschaffenen und regierten Welt? Könnte darauf nicht doch respondiert werden, daß es das Gute nur gibt, weil es das Nichtgute, das Schöne, weil es nur das Unschöne und das Wahre nur gibt, weil es das Unwahre gibt? So gründet sich die praktische Vernunft ja durch die Unterscheidung von gut und böse und es muß Beides geben, damit es die praktische Vernunft gibt und das gilt dann so auch für die theoretische Vernunft (wahr-unwahr) und die ästhetische Vernunft (schön-unschön)! 
Man kann es sich auch so veranschaulichen: hätte die Kirche in ihrem theologischen Denken zu der Klarheit des Trienter Konziles gefunden ohne die Negation der Lehre der Kirche durch Luther und die Reformation? Zwang nicht erst Marcion der Kirche die Frage auf, was zum Kanon dazugehören soll und was nicht, indem er seinen Kanon für die Kirche schuf, den dann die Kirche verwarf? Wird nicht erst die Lehre von der Ehe zu ihrer Vollgestalt sich ausreifen, wenn sie von anderen angefriffen und gar verneint wird? Ist das Negative um des Positiven willen? Ist es gar notwendig? Wir kennen das große Wort, daß der Krieg der Vater aller Dinge ist. Wenn man den Begriff des Krieges nun nicht eng mißversteht, als ginge es da um militärische Auseinandersetuzungen, könnte dieser Ausspruch besagen, daß alles nur ist durch seinen Widerstreit mit seiner Negation- das Gute im Kampf wider das Böse. das Schöne im Kampf wider das Unschöne und das Wahre nur durch das Unwahre.