Mittwoch, 8. November 2017

Das Unglück als Notwendigkeit der Geschichte- Versuche zur Theodizee

"Das Glück hat keine Geschichte, und die Erzähler aller Länder sind sich so klar darüber, daß alle Liebesgeschichten mit dem Satz enden: >Sie wurden glücklich<." Honore de Balzac, Glanz und Elend der Kurtisanen, Ein langweiliges Kapitel, weil es vier Jahre des Glücks erklärt, übersetzt von: E.W.Junker.
Ein tiefsinniger Gedanke, daß es Geschichte nur gibt, weil es Unglück gibt, denn wenn das Glück einkehrt, endet die Geschichte. Auch das könnte ein Kandidat zur Beantwortung der Theodizeefrage sein: Warum gibt es Leid, wenn Gott die Welt erschaffen hat und sie regiert, wenn er als Allmächtiger doch jedes Leid verhindern könnte und als der Gute es doch wohl auch wollen müßte.
Die Menschheitsgeschichte hat ihren Anfang genau in der Sünde Adams und Evas und sie findet ihr Ende im Reich Gottes. Die "felix culpa" des ersten Menschen eröffnete so erst die Geschichte. Mit Balzac müßte man sagen, daß es ohne diese Tat keine Geschichte hätte geben können, denn die Geschichte wäre mit ihrem Anfang auch gleich zu Ende: "Und sie liebten sich und waren glücklich miteinander". 
Vergleicht man die Bibel mit einem Liebesroman, dem Ringen Gottes um seine Menschen, daß sie ihn lieben, seine Liebe zu ihnen erwidernd, dann wundert es nicht, daß die Gesamthandlung das Drama des göttlichen Ringens um diese Liebe erzählt, und daß erst am Ende es heißt: "Sie wurden glücklich."  Die Geschichte gibt es nur als Entfremdungsgeschehen des Menschen von Gott und der Repatrierung des Menschen in Gott.  Der Ausgangspunkt,das Paradies wie das jenseitige Reich Gottes als Endpunkt sind so Punkte außerhalb der Geschichte.  Es zeigt aber auch etwas anderes: Warum die Erzählungen und Bilder vom Reich Gottes so seltsam blaß wirken. Das Leben im Reich Gottes ist eben genausowenig erzählbar wie das Glück der Liebenden. Darum enthält ein Liebesroman dies Kapitel: "Das Glück" nicht, sondern endet davor. 
Selbst der wirklich talentierten Schriftstellerin der Liebe Hedwig Courths -Mahler gelingt es nicht, das Glück der Liebe zu erzählen.  

Zusatz: So nur kann auch die Paradiesgeschichte der Bibel begriffen werden als ein Geschehen vor und nicht in der Geschichte. Durch den Sündenfall Adams wird die Geschichte erst konstituiert.(Vgl dazu: Uwe C. Lay, Der zensierte Gott) 

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