Montag, 20. November 2017

Kardinal Marx: Grundeinkommen wäre "Ende der Demokratie"

"In einer digitalisierten Welt Maschinen die Arbeit zu überlassen und Menschen stattdessen grundzuversorgen, das kann nur schiefgehen, meint Kardinal Reinhard Marx." Mit dieser Erkenntnis verblüfft Kardinal Marx mal wieder.
"Arbeit gehört zur Grundkonstitution des Menschseins, dass ich etwas schaffe für mich und meine Familie, das von Wert ist", davon ist der Kardinal überzeugt. Arbeit sei eine "Säule für die freie Gesellschaft und wenn die gekappt wird, dann erodiert auch die Demokratie". (zitiert nach Katholisch de vom 19.11.2017. Offensichtlich hat Kardinal Marx Karl Marx gelesen, denn der stellte die These auf, daß der Mensch sich durch die Arbeit hervorbringe, ja, daß das Arbeiten das den Menschen Auszeichnende ist. Das formulierte dieser Philosoph selbstredend in antiidealitischer Tendenz, etwa gegen Decartes These: "Ich denke, also bin ich!"
Daß das Arbeiten zur "Grundkonstitution" des Menschen gehört, ist wohl bezweifelbar, denn a) sagt die Theologie dazu, daß erst in Folge des Sündenfalles dem Menschen die Arbeit das wurde, was sie ihm heute ist, nämlich primär Mühe und Plage und daß b) erst im Kapitalismus die Erwerbstätgkeit als Lohnarbeit zu der das Leben der Menschen bestimmenden Gestalt geworden ist. Der Mensch der Antike sah im Leben ohne ein Geldverdienenmüssen eher das Ideal des Menschen, das aber nur für Wenige realisierbar war, wenn man Sklaven hatte, die einem das Arbeiten abnahmen.
Nun verbindet Kardinal Marx die Erwerbstätigkeit gar mit der Vorstellung, daß der Arbeitende "Werte" schaffe (Karl Marx nannte das den "Mehrwert"), aber frage man doch bitte mal eine Verkäuferin, welche Werte sie, an der Kasse stundenlang sitzend, schaffe. Wie viele Berufe gibt es heutzutage, wo schwerlich noch von "Werten schaffen" gesprochen werden kann!
Zudem: Der moderne Mensch arbeitet, weil er so seinen Lebensunterhalt sich zu verdienen hat. Wollte er nicht mehr so arbeiten wollen, wird ihn das Sozialamt unmißverständlich klar machen, daß es seine Pflicht ist, zu arbeiten. Er darf nicht nicht arbeiten wollen, es sei denn, er verfüge über so viel Geld, daß er auf eine Erwerbstätigkeit verzichten kann.
Die Marktwirtshaft lebt von diesem Zwang zum Arbeitenmüssen,  sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nicht aber die Demokratie.
Stellen wir uns jetzt eine bliebige Großbaustelle vor: Wie viele Maschinen sind da am Werke! Bagger, Kräne, Bohrmaschinen, Transporter usw. Jetzt lasse man auf einen Schlag alle Baumaschinen verschwinden und frage sich dann, wie viel mehr Bauarbeiter müßten jetzt auf dieser Baustelle arbeiten, wenn alle Maschinenarbeit durch menschliche Handarbeit ersetzt werden müßte!  Aber: Will das jetzt wirklich wer? Statt Bagger Arbeiter mit Schaufeln? So wie auf jeder Baustelle man sehen kann, wie viel Arbeit von Maschinen erledigt wird, die einst Menschen verrichten mußten, so werden auch in anderen Arbeitsbereichen Maschinen und zunehmend Arbeitsroboter Menschen von ihrem Arbeitsplatz verdrängen. Das wäre kein Problem, wenn nicht die meisten Menschen auf eine Lohnarbeit angewiesen wären.
Die Idee, nun Menschen vom Zwang, arbeiten zu müssen, zu befreien, wäre so dysfunktional für das Leben der Marktwirtschaft, in der Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, aber für die Demokratie wäre das kein Problem. Das System der Lohnarbeit ist so gerade nicht das Reich der Freiheit sondern des Zwanges, dem sich nur ein Reicher entziehen kann. Die Freiheit beginnt für die meisten Menschen nach und außerhalb von ihrer Arbeit im Feierabend oder im Urlaub, aber nicht in dem Arbeitenmüssen.
Aber Kardinal Marx sieht das Alles eben ganz anders: Wo Unfreiheit ist, sieht er das Reich der Freiheit, wo von dem zu reden wäre, was für den Menschen wesentlich ist, von  der Religion oder der Beziehung zu Gott, da redet er ganz marxistisch von der Lohnarbeit, als würde der Mensch Mensch sein, nur wenn er malocht.
Und wo man begeistert sein könnte vom technischen Fortschritt, mit dem aber kein kultureller oder sittlicher von selbst einhergeht, da redet er in fast maschinenstürmerische Neigung von der Gefahr von zu viel Technik für die Arbeitsplätze! Wie wäre es mit der Parole: Schafft Arbeitsplätze- weg mit allen Baumaschinen!
Ach ja, und dann beglückt uns dieser Marx-Kardinal auch noch mit einer kräftigen Portion an Technikphobie: "Wenn Maschinen intelligenter seien als Menschen, dann könnten die Menschen ihre Freiheit verlieren." Preisfrage: Verliert ein Mensch seine Freiheit, wenn ihm ein intelligentererer Mensch als er selbst es ist, begegnet?  Verliere ich meine Freiheit, wenn faktisch jeder Schachcomputer viel besser Schachspielen kann als ich und ich jede Partie verlöre, spielte ich gegen einen Schachcomputer?Und was jetzt schon im Schachspiel die Regel ist, das wird bald in vielen Bereichen so sein, daß Computer oder spezifizierte Roboter ewas viel besser können als Menschen, nicht nur, daß sie besser schwere Lasten tragen können, sondern etwa auch präziser schwierige Operationen am Menschen vollziehen können und vieles mehr. Aber wie soll das unsere menschliche Freiheit bedrohen?
Das traurigste an dieser Marxschen Stellungnahme ist aber, daß er als Christ und Theologe nichts  zu sagen hat, sondern halt wie ein Politiker redet, dem die Marktwirschaft die beste Ordnung für das Leben ist.   

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