Samstag, 25. November 2017

Königsherrschaft Christi und die Demokratie

"Da Pius XI. durch den Siegeszug der Demokratie den christlichen Glauben und seine eigene Position geschwächt sah, führte er ein Fest für Christus den König ein.", weiß Katholisch de am 20.11. 2016 über die Entstehungsintention des Christkönigsfestes zu berichten. Aufschlußreich ist dann das auf Wikipedia zu Lesende (Wikipedia: Christkönigsfest):
"Das Christkönigsfest wurde in der römisch-katholischen Kirche anlässlich des Heiligen Jahres 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa  325 von Papst Pius XI.  mit seiner Enzklika Quas primas  vom 11. Dezember 1925 eingesetzt, [...] Das Fest wurde erstmals am 31. Dezember 1925 gefeiert [...]Mit der Liturgiereform des  Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Fest auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres  Ende November verlegt. Zugleich wurde in den liturgischen Texten die Königsherrschaft Christi  stärker unter dem eschatologischen  Aspekt betont."
Erstmal galt es natürlich, Papst Pius XI. zu diffamieren mit der Behauptung, daß er durch die revolutionären Umwälzungen in und nach dem 1.Weltkrieg seine Position geschwächt sah und so aus purem Eigeninteresse dies Fest neu kreierte. Daß das Christkönigsfest als Königsfest eine antidemokratische pro monarchistische Ausrichtung aufweist, kann aber wirklich nicht wegdebattiert werden. Der Papst hätte in den Demokratien eine Gefährdung für den christlichen Glauben, weiß Katholisch de dazu zu sagen, um so zu signalisieren: So verwerflich war die Ausgangsintention dieses Königsfestes. Aber in der Zeit des Nationalsozialismus habe dies Fest eine neue Bedeutung in der Katholischen Jugend Deutschlands bekommen: Jesus Christus ist unser Herr und nicht Adolf Hitler. So wurde es demokratisiert und jetzt stünde es für:
"Christkönig kann daran erinnern, dass christliche Werte die westlichen Demokratien entscheidend geprägt haben und noch heute in ihnen präsent sind." So soll es jetzt ein Fest der Bejahung der Demokratie sein, da diese Staatsform entscheidend von christlichen Werten geprägt sei.  
Die Liturgiereformer rochen wohl deutlicher den demokratiekritischen Unterton dieses Festes und verschoben es  so ins Eschatologische: Am Ende aller Zeiten wird Christus monarchisch herrschen, aber bis dahin soll die Welt demokratisch regiert werden. Wies der 31. Dezember als das Datum dieses Festes daraufhin, daß Jesus mit seiner Geburt, von ihr an, seine Königsherrschaft auf Erden antrat und bis jetzt so herrscht, wird nun sein königliches Herrschen auf die Endzeit hin verschoben. 
Wer regiert denn jetzt? Die Antwort: Wir Menschen und darum werden wir demokratisch regiert. Dabei verzichtet seit dem 2. Vaticanum die Katholische Kirche und der Protestantismus auf jede Kritik der Demokratie, ganz im Gegensatz zur vorherigen Praxis. 
(Nebenbei: Insbesondere im deutschen Protestantismus nach dem 1. Weltkrieg gab es erhebliche Vorbehalte gegen die demokratische Staatsform, die aber 1945 alle plötzlich in der Versenkung verschwanden). So selbstverständlich ist uns Heutigen die Demokratie die beste aller denkbaren Staatsformen.  
Da muß es wohl als pure Absurdität angesehen werden, wenn Papst Pius der XI. in der Demokratie eine Gefährdung der Demokratie sah. Nur, wenn der Papst auf Deutschland geschaut hat und dort den Siegeszug der damals noch marxistischen und auch atheistisch ausgerichteten Sozialdemokratie vor Augen gehabt hat, sieht das doch etwas anders aus. Sollte die Demokratie den Linksparteien zu Siegen verhelfen, stärkte das die antichristlichen Kräfte, die ihre demokratisch legitimierte Macht zum Kampf gegen die Kirche nutzen können und auch nutzten.
Aber etwas Prinzipielles ist doch noch darüberhinaus zu vermerken: Die Autorität und Geltungskraft der Gesetze des Staates gründet sich in der demokratisch geregelten Hervorbringung der Staatsgesetze. Wenn der (Mehrheits)Wille des Volkes so demokratisch Gesetze legitimiert und nicht mehr, wie in der Monarchie die Autorität des Königs, wie legitimieren sich dann noch die göttlichen Gesetze: Sollen sie allein auf die göttliche Autorität sich gründen, während alle sonstigen Gesetze sich jetzt allein in  dem Mehrheitswillen legitimieren? Liegt es da nicht nahe, die bisherigen Moralgesetze der Kirche als undemokratisch zu kritisieren, weil sie faktisch nur durch den Klerus im Namen Gottes hervorgebracht wurden und nicht demokratisch durch das ganze Kirchenvolk? Lautet nicht die Kernforderung etwa der antikatholischen Bewegung: "Wir sind Kirche" Demokratisierung der Kirche? Soll damit nicht in erster Linie die Königsherrschaft Jesu Christi über seine Kirche abgeschafft werden, um die Herrschaft des Menschen in der Kirche über sie zu etablieren? 
Wenn also es zum Wesen der Demokratie gehört, daß der Mensch und dann politisch der Mehrheitswille eines Staatsvolkes zur höchsten Autorität für das politische Leben wird, dann ist das immer schon die Absetzung der Königsherrschaft Christi. Sie muß so entpolitisiert auf das Ende aller Zeiten verschoben werden, um die Königsherrschaft des Menschen zu ermöglichen.  Die Französische Revolution, zeigt sie nicht so schon ein janusköpfiges Gesicht: den Sieg der Demokratie wieder die Monarchie, der aber einherging mit schlimmsten Verfolgungen der Katholiken Frankreichs und dem Versuch des Revolutionsführers Robespierre, die christliche Religion abzuschaffen indem er sie durch einen  Kult der Verehrung der Göttin Vernunft zu ersetzen versuchte?  
Oder noch polemischer formuliert: Ist nicht der größte Triumph der demokratischen Gesetzgebung der des Ermächtigungsgestzes zur Abtötung von Kindern im Mutterleibe, Abtreibung euphemistisch genannt ?  Ist es nicht mehr als bezeichnend, daß heutzutage nicht nur Amnesty International die Tötung von noch nicht geborenen Kindern als Menschenrecht einfordert?  Sind das wirklich nur Exzesse der Demokratie oder die Frucht der Proklamation des Menschen zur höchsten Instanz in allen Fragen, auch denen der Moral?    

Corollarium 1
Können in einer Gesellschaft gleichzeitig zwei so grundlegend verschiedene Legitimierungskonzepte von Herrschaft und Gesetz/Moral existieren, das der Legitimierung durch Gott und das  der Legitimierung durch den Mehrheitsbescheid, ohne daß das eine das andere zu verdrängen versucht? In der Kirche ist die oberste Autorität der monarchisch regierende Christus- dem entspricht das Papst- und das Bischofsamt  und in Moralfragen die Autorität der hl. Schrift und der Tradition und des Lehramtes.  Das ist zutiefst undemokratisch. Reformkatholiken wollen so die Demokratisierung der Kirche. Andererseits: Wenn es nur noch den Mehrheitswillen als Quelle allen positiven Rechtes gibt, wie ist es dann zu  verhindern, daß der Ausgang der Demokratie so aussieht: 2 Wölfe und ein Lamm entscheiden darüber, was es zum Mittagessen gibt? Kann  die Demokratie nur menschengerecht, human sein, wenn bestimmte Moralgesetze dem demokratischen Entscheiden entzogen sind, etwa das Recht auf Leben? 
So schützte ja Putin die russische Minderheit auf der Krim vor der demokratischen Willkür der ukrainischen Staatsregierung, indem er half, daß die russische Minderheit sich von der Ukraine abspalten konnte- das angesichts der Drohung ukrainischer Politker, die russische Minderheit ausrotten zu wollen, ganz demokratisch!     

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