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Samstag, 13. September 2025

Ein beliebtes Narrativ: Jesus habe sich für die Armen, Ausgegrenzten, Marginalisierten usw eingesetzt.

 

Ein beliebtes Narrativ: Jesus habe sich für die Armen, Ausgegrenzten, Marginalisierten usw eingesetzt.



Sein Erlösungswerk bestünde so gesehen eigentlich in der Reintegration von unrechtens Ausgeschlossener, und dieses soziale Engagement sei dann nachösterlich verspiritualisiert worden, wird dann manchmal hinzugefügt,um die Kirche in seine wahre Nachfolge zurückzurufen, eine Organisation praktizierter Nächstenliebe, gelebter Solidarität zu sein. Für „Sünder und Zöllner“ habe Jesus sich engagiert,indem er sie nicht ausgrenzte sondern mit ihnen aß und trank.

Waren also die „Zöllner“ eine von sich selbst als gottgefällig Glaubende diskriminierte Gruppe von Menschen, die eben unter der Pauschal-vedächtigung litten, daß sie sich beim Steuereinnehmen selbst bereicherten?Aus der jüdischen Sicht stellte sich das nun aber ganz anders da! Die Zöllner waren in den Dienst der römischen Besatzungsmacht sich gestellt habenden Kollaborateure. Rom praktizierte hier einfach die bewährte Methode des: „Spalte und herrsche!“. Die Zöllner waren eben Profiteure der römischen Besatzungspolitik und somit der römischen Besatzungsmacht treu gesonnen. Gerade deswegen waren sie aber im Volke verhaßt, denn wo werden schon die Kollaborateure geliebt, Zur Zeiten Jesu gärte es im jüdischen Volke, man träumte von einer Befreiung und einer Restitution eines jüdischen Staates.Aber es wurde nicht nur geträumt, sondern um 70 n.Chr erhoben sich die Juden zu einem Volksaufstand gegen die römische Fremdherrschaft, der dann niedergeschlagen wurde. Das ist der Kontext von Jesu Verhalten zu den Zöllnern. Die Frage, warum man Jesu seine Sozialkontakte zu den Zöllnern übel nahm, ergibt sich so von selbst. Gerade weil diese zu den Profiiteuren der Fremdbesatzung gehörten, waren nicht nur sie sondern auch alle, die Kontakte zu diesen unterhielten, im Volke mißachtet.

(Es spricht einiges dafür, daß der freigelassene Barabbas ein jüdischer Befreiungskämpfer gewesen war, um es modern auszudrücken, dessen Freilassung deswegen von den Juden gefordert wurde.) Jesus und das ihm in der Causa, wie hältst Du es mit der römischen Herrschaft , folgende Urchristentum verhielt sich aus der jüdischen Sicht sehr „unsolidarisch“: Sie engagierten sich nicht im jüdischen Befreiungskampf. Das Reich, das Jesus Christus verkündigte, war eben ein jenseitiges, nicht von dieser Welt und es wurde auch nicht geglaubt als eine Restitution des jüdischen Staates,den es wiederzugelangen dem jüdischen Volke erst im 20.Jahrhundert gelang.

Es dürfte keine Fehldeutung sein, wenn man die jüdische Feindschaft den Christen gegenüber nicht allein auf die Kontroverse, ist Jesus der Messias oder ist er es nicht?,zurückführt, sondern in dem Nein Jesu und seiner Schüler zu dem Befreiungskampf des jüdischen Volkes sieht.Mit dem Klischee, Jesus hätte sich für Diskriminierte und Ausgegrenzte eingesetzt, sie reintegrieren wollen, hat Jesu Praxis den Zöllnern gegenüber nichts zu tuen, waren die Zöllner doch Juden, die sich in den Dienst der römischen Besatzungsmacht gestellt hatten und davon profitierten.

Als die Amerikaner mit ihren Kriegsverbündeten in Afghanistan einmarschierten, um angeblich den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen und dort eine ihnen genehme Regierung installierte, stellten sich auch Afghanen als Kollaborateure in den Dienst dieser Regierung. Da die nun wie ein Kartenhaus zusammenfiel, als die Besatzungstruppen sich aus dem Lande zurückzogen,blieben viele der Profiteure zurück, nun als Volksfeinde verhaßt. Deutschland fliegt nun einstige Kollaborateure nach Deutschland ein als eine Art Belohnung für ihr Sichindienstnehmenlassen1. Das ist das Schicksal von Kollaborateuren, wenn die Besatzungsmacht das Land verläßt.

Der eigentliche Grund der Hinwendung Jesu Christi zu den Zöllnern war also seine Reich Gottes Verkündigung, die nicht eine Restitution des jüdischen Königstumsstaates inkludierte, sondern ein jenseitiges universalistisches Reich verkündete, in das auch die Zöllner eintreten werden könnten,glaubten sie an Jesus als den Sohn Gottes.

1Daß auch andere Afghanen sich nun als Kollaborateure ausgeben, um in das Land zu fliehen, wo sie für sich Milch und Honig fließend erwarten, verblüfft keinen.

Samstag, 15. März 2025

Das Ende der Volkskirche – wenn sich Selbstverständlickeiten beginnen aufzulösen

 

Das Ende der Volkskirche – wenn sich Selbstverständlickeiten beginnen aufzulösen



Es ist noch nicht lange her, so in den 80er Jahren meiner Erinnerung nach, daß an die Beständigkeit der Volkskirche geglaubt wurde, da jede Geburt doch mit dem Familienfest der Taufe gefeiert wurde und man keinen ohne ein kirchliches Begräbnis unter die Erde bringen wollte. Dazu käme dann noch das Familienfest der Weihnacht, zu dem stets ein Kirchgang gehöre. Auf diesen 3 Säulen fuße nun die Stabilität der Volkskirche, da nun jeder mal geboren wird und mal sterben muß und für das Familienleben sei der Weihnachtsgottesdienst doch ein unverzichtbares Dekor wie zu Sylvester das Ansehen des „Dinners for one“.

Aber was tuen, wenn auch diese Selbstverständlichkeiten sich auflösen, wenn etwa die Kinder nur noch getauft werden, weil es so eine kulturelle Praxis ist, deren Sinn aber schon nicht mehr verstanden wird, wenn gerade für diese religiöse Praxis gilt, was Zizek so formulierte, daß uns Kultur das ist, was wir praktizieren, ohne an sie zu glauben: Sie würde in diesem Sinne als etwas Kulturelles praktiziert.

Die Taufpraxis ist uns nun so selbstverständlich geworden, daß weitestgehend vergessen worden ist, was die Taufe eigentlich ist, daß sie etwas eigentümlich Unklares ist, ja das sie zu den Mysterien des Urchristentumes gehörte wie auch die hl.Eucharistie, sodaß die christliche Religion auch als eine Mysterienreligion bezeichnet werden könnte.

Johannes, der Täufer, für seine religiöse Bewegung war das Taufen etwas so Signifikantes, daß nach dieser nach dieser Tätigkeit diese ganze Bewegung ihren Namen erhielt. Jesus von Nazareth wurde auch von Johannes getauft. Damit beginnen aber auch schon die ersten Probleme: Jesus wurde selbst nicht christlich getauft. Die johanneische Taufe wurde im Urchristentum nicht anerkannt, sodaß so Getaufte noch einmal christlich getauft wurden. Apg 19,3-5. Und noch etwas fällt auf: Nach der Taufe legte der Apostel den Getauften die Hände auf und dadurch erst empfingen die Getauften den Heiligen Geist. Apg 19,6.

Wie entstand dann aber die christliche Taufe, wenn sie so klar von der des Johannes abgesetzt wurde und Jesus selbst nicht christlich getauft worden ist? Es könnte höchstens die Johannestaufe als eine Vorlage für die christliche gedient haben. Aus dem Alten Testament ist sie auch nicht deduzierbar und auch nicht als ein funktionales Äquivalent zur Beschneidung, da ja Beschnittene von Johannes und dann später auch von den Christen getauft wurden! Franz Diekamp, ein in allen theologischen Fragen zuverlässiger Dogmatiker urteilt in seiner Lehre über die Taufe, (Bd 3, 11.u.12.Auflage, S.73:“Die Einsetzung des Sakramentes der Taufe (im vollen Sinn des Wortes) hat wahrscheinlich bei den letzten Erscheinungen Jesu in Galliläa stattgefunden,als er den Aposteln befahl, alle zu taufen.“Das ist nicht die Klarheit, die man als ein Theologe sich erwünscht.

Es bleiben Fragen: Wie entstand der Glaube, daß ein Christ die Taufe nur einmal gültig empfangen könne, wenn es doch nahe läge, wenn durch sie der Mensch von seinen Sünden gereinigt wird, sie als eine wiederholbare Praxis zu verstehen und zu praktizieren?

In welchem Verhältnis steht die Taufe zu Jesu Kreuzestod und seiner österlichen Auferstehung,könnte es dieses Sakrament auch geben, wenn Jesus nicht gekreuzigt und auferstanden wäre als ein einfach von dem Sohn Gottes eingesetztes Ritual der Sündenabwaschung? Man kann ja nicht urteilen, daß wir in unserem Getauftwordensein einen Anteil an der Taufe erhielten, mit der Jesus selbst getauft worden ist, denn die war ja gar keine christliche.

Maßgebend ist für uns Christen Jesu Christi Aussage: „Wer glaubt und getauft wird, wird im Endgericht gerettet werden, wer nicht glaubt, wird da verdammt werden.“ (Mk 16,16). Aber wie erhielt die Taufe diese Heilsbedeutung? Erschließt sie sich uns aus einer genauen Exegese der Belehrung Jesu über das Taufsakrament im 3.Kapitel des Johannesevangeliumes, daß jeder noch einmal durch die Taufe neu geboren werden muß, damit er in das Reich Gottes eingehen kann? Nur, wenn ein Mensch zum zweiten Male geboren werden kann, wieso könnte er dann nicht auch noch zum dritten oder x.Mal neu geboren werden?

Die christliche Taufe scheint tatsächlich etwas sehr Mysterienhaftes zu sein und vielleicht macht das auch das Sakramentale der Taufe aus, daß es eben keine bloße Symbolhandlung ist, die etwas bezeichnen soll, was unabhängig von ihrem Vollzug schon wirklich ist.

Ich vermute, daß uns der Begriff des Mysteriumes weiterhelfen könnte und folge damit R.Bultmanns exegetischen Erkenntnissen, die man nicht gleich mit dem Verweis auf sein Entmythologisierungsprogramm reprobieren sollte1.Seine Grundthese lautet, daß in den Mysterienrelligionen ihre Anhänger durch Rituale einen Anteil bekamen an dem Geschick der Götter, auf die hin das Ritual vollzogen wird: Also, indem ein Christ getauft wird, stirbt er mit Jesus am Kreuze,um dann auch mit ihm als ein neuer Mensch aufzuerstehen. Das Kreuz und die Auferstehung ist so einmal ein Ereignis in der Geschichte, das sich aber in jeder Taufe so aktualisiert, daß der Getauftwerdende in dies Kreuz und in diese Auferstehung mithineingetauft wird. Anders formuliert: Die Taufe ist ein Abbild des Gekreuzigtwerdens und Auferstehens Jesu Christi, in dem der Getaufte selbst gekreuzigt wird und seinen Anteil an der Auferstehung Jesu bekommt.Aber es bleibt noch die Frage,warum die Taufe nicht wiederholbar ist. Legte man nun nicht das Gewicht auf das Opfer Jesu Christi, das als solches wiederholbar sein müßte, sondern auf das Sterben und Neugeborenwerden, das Auferstehenn, dann könnte das die Einmaligkeit des Mitgekreuzigt- und Mitauferstehens präfigurieren: Jesus starb nicht zyklisch immer wieder wie die Naturgötter und erwachte wie sie in jedem Frühling.


Diese Bultmannthese scheint mir immer noch trotz vielfältigster anderer Versuche das überzeugendste Erklärungsmodell zu sein. In Ungnade ist dieser Erklärungsversuch ja nur durch den jüdisch-christlichen Dialog gekommen zu sein, durch die daraus entspringende Vorliebe dafür, alles Christliche zumindest des Anfanges aus nur rein jüdischen Traditionen entstanden zu rekonstruieren, um dann auf die Korruption durch die sogenannte Hellenisierung zu verweisen, als die Kirche den guten jüdischen Mutterboden verließ! Bultmanns Annahme einer generellen Tendenz zum Synkretistischen und eine Vielzahl von religiösen Strömungen, aus der dann ideengeschichtlich betrachtet das Urchristentum entstand, dürfte da einfach realistischer sein.

Daß eine modernistische Theologie alles Mysterienhafte aus der Kirche exkommunizieren möchte,liegt nun auf der Hand, aber damit nichtet sie auch notwendiger weise alle Sakramente der Kirche.


1Vgl hierzu die immer noch lesenswerte „Theologie des Neuen Testamentes“ von Rudolf Bultmann.

Montag, 23. Dezember 2024

„Theologe Tück: "Jesus war Jude, kein Befreiungskämpfer" Eine Kritik

 

Theologe Tück: "Jesus war Jude, kein Befreiungskämpfer" Eine Kritik

So angemessen in diesem Artikel (Kath net am 23.Dez.2024) darauf insistiert wird, daß Jesus kein Palästinenser war und somit auch nicht für den antiisraelischen Kampf der Palästinenser instrumentalisiert werden darf, so problematisch ist doch diese Antithese von „Jude“ und „Befreiungskämpfer“. Denn zu Zeiten Jesu gab es in Israel eine starke Bewegung, die einen jüdischen Befreiungskampf wider die römische Besatzungsmacht forderte und die dann auch 70n. Chr. Zur Tat schritt. So spricht einiges dafür, daß Barrabas, „der bei einem Aufstand einen Mord begannen hatte“ (Mk 15,7) ein solcher jüdischer Befreiungskämpfer gewesen war, dessen Freilassung deshalb auch die Juden forderten, wie es das Makusevangelium berichtet.

Die Frage, wie hältst Du es mit der Gewalt?, war also zu Zeiten Jesu im jüdischen Volke von höchster Aktualität. Man würde heute diese Bewegung als national- religiöse- Befreiungsbewegung oder diskriminierend als eine fundamentalistisch- nationalistische Bewegung bezeichnen. Im Hintergrund stand die Tradition der makkabäischen Befreiungskämpfe. In der Exegese wird gar gelegentlich gemutmaßt, daß das „Magnifikat“: „er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ seinen Sitz im Leben in solchen befreiungstheologischen Kreisen gehabt haben könnte.

Augenfällig ist nun, wie klar sich Jesus selbst und ihm folgend das Urchristentum von dieser jüdischen befreiungstheologischen Bewegung distanzierte. Wenn Jesus Christus dann zu Pilatus sagte: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh, 18,36) und dann noch hinzufügt: „Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich nicht den Juden ausgeliefert würde“ (36) , dann distanziert sich Jesus damit energisch von einer Messiasvorstellung dieser befreiungstheologischen Bewegung, daß der Messias die Freiheit des jüdischen Volkes widerherstellen und so die Römer vertreiben würde. Ja, die hier angezeigte Feindschaft der Juden Jesus gegenüber könnte hier auch als eine Reaktion auf das Nein der Urchristen an einer Beteiligung am jüdischen Befreiungskampf gedeutet werden.

Wenn das Urchristentum, dann nicht nur, wie es der Apostelfürst Paulus zeigt, den römischen Staat als die legitime Obrigkeit anerkennt, obschon sie das jüdische Volk unterdrückt, dann muß das in jüdischen Ohren als ein Affront empfunden worden sein. Die Zöller, stets mit den Sündern in einem Atemzug genannt, waren ja deshalb so verhaßt, weil sie sich in den Dienst der römischen Besatzungsmacht stellten und nicht deshalb, weil nun alle, oder fast alle sich betrügerisch bereicherten. Jesus, der sich als der Messias nun gar diesen Volksfeinden zuwandte, muß da mehr als skandalös auf viele Juden gewirkt haben, die auf ihre Befreiung von der römischen Fremdherrschaft hofften. Die Anfrage an Jesus, wie sie uns die Apostelgeschichte dokumentiert: „“Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apg 1,6), zeigt, daß selbst unter seinen Schülern die befreiungstheologische Vorstellung ihre Anhänger hatte. Aber das Urchristentum war stattdessen jenseits orientiert mit sehr starken apokalyptischen Vorstellungen. Das Ende des „Alten Äons“ wurde erhofft, eine neue Erde und ein neuer Himmel. Da paßte die Hoffnung auf eine Wiederaufrichtung eines jüdischen Staates, eines jüdischen Reiches nicht hinein.

Jesus war so gesehen, obgleich er von seiner Volkszugehörigkeit ein Jude war, kein Anhänger einer jüdischen befreiungstheologischen Bewegung, sondern er verkündete das Weltende und ein jenseitiges Reich, einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gab es denn nun im Urchristentum keine Feindschaft wider die römische Besatzungsmacht? Wenn, dann zeigt uns der Apostelfürst Paulus, wie die Christen mit solcher Feindschaft umgingen: „Rächt euch nicht selber, liebe Brüder,sondern läßt Raum für den Zorn Gottes, denn in der Schrift heißt es: Mein ist die Rache,ich werde vergelten“.(Röm 12,19). Das ist auch eine Absage an den revolutionären Befreiungskampf der Zeloten, denn in jeder Revolution spielt der Wille zur Rache an den da „Oben“, gegen die revoltiert wird, eine maßgebliche Rolle.(Die verkleinerte Form der Rache ist das Ressentiment, vgl dazu Nietzsche.)

So muß es als völlig abwegig angesehen werden, wenn nun gar palästinensische Befreiungskämpfer für ihr revolutionäre Anliegen Jesus vernutzen zu versuchen, wie es versucht wurde, als man das Kind in der Krippe auf ein Palästinensertuch bettete und der Papst gar dieser Krippe seine Referenz erwies. (Vgl dazu den Kath net Artikel vom 23.12.2024)





Sonntag, 14. Juli 2024

Der allsonntägliche Kampf wider das Evangelium – Kath de schlägt zu!

 

Der allsonntägliche Kampf wider das Evangelium – Kath de schlägt zu!



Das Evangelium Mk 6,6-13 ist so bekannt, daß es schon nicht mehr bekannt ist, aber da nun am 14.6.(„Leben als Mission“) es zu predigen war, ergriff einer der Autoren von Kath de die Chance, auch hier den Kampf gegen die Kirche zu führen.

Der Reihe nach: Jesus Christus sandte die 12 Apostel aus, damit sie das Evangelium von Stadt zu Stadt gehend verkündigen. Die Apostel werden gestrichen und stattdessen von den ausgesandten Jüngern zu predigen und das seien nun mal wir alle, alle Getauften. Die Kirche hat zwar als Ganzes die Aufgabe der Mission von ihrem Herrn her bekommen, aber nicht jeder einzelne. Der Apostelfürst Paulus vergleicht die Kirche gern mit einem Leib, in dem jedes einzelne Organ seine bestimmte Aufgabe hat und so gerade der Leib als Ganzes lebt. So soll etwa das Auge nicht sagen, daß es hören und nicht mehr sehen will. Man möge sich eine Fußballmannschaft vorstellen, in der jeder Stürmer sein will und niemand in der Abwehr oder gar nur der Torwart sein! Eine so eingestellte Mannschaft verlöre jedes Fußballspiel.Zudem ist allseits bekannt, daß wenn die Parole ausgegeben wird, daß jeder für x zuständig sei, niemand sich mehr für x verantwortlich fühlt, weil doch alle und das sind dann faktisch immer nur die Anderen dafür verantwortlich seien.

Warum gebot Jesus ihnen nun nichts mitzunehmen, außer einem Wanderstab? Da diese Bestimmung nun gar nicht paßbar gemacht werden kann mit der Behauptung: Wir alle, alle Christen seien zur Mission berufen, ließ die der Prediger einfach weg. Ein kurzer Blick in den Paralleltext des Matthäusevangeliumes hätte diese Frage eindeutig, aber völlig unpassend zur Predigt geklärt: „Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.“ (Mt 10,10). Die Gemeinden bzw die Christen vor Ort waren nämlich dazu verpflichtet, für den Unterhalt der Wanderprediger zu sorgen, damit die sich ganz ihrer Aufgabe widmen konnten. In der großen Gerichtsrede Jesu (Mt 25,31-46) lehrt Jesus selbst ja, daß wie wir uns seinen missionarischen Wanderpredigern verhalten, so wir uns zu ihm verhalten und so den Lohn bekommen werden oder bestraft werden. „Wer sie aufnimmt, nimmt mich auf!“ bildet dabei das Zentrum dieser Gerichtsrede. Im Hintergrund steht eine Ausdifferenzierung des Konzeptes der Nachfolge Jesu, einerseits wörtlich verstanden als als Wanderprediger von Ort zu Ort zu ziehen, um das Evangelium zu verkünden und andererseits daß man sein weltlich-bürgerliches Leben christlich gestaltete. Aus dem entstanden dann die christlichen Gemeinden und dem standen dann die von Ort zu Ort ziehenden Wanderprediger gegenüber, wobei das Verhältnis zueinander nicht spannungsfrei war. Deshalb wird ja so energisch dazu aufgerufen, die Wanderprediger auch wirklich zu unterstützen.

Nur daß je zwei als wurden, thematisiert die Predigt, daß eben das Zeugnis von Zweien, weil es zwei sind, glaubwürdig sei.

Was verkündigten nun die Ausgesandten: Wenn wir Christen an einen Gott glauben, der den Menschen bedingungslos liebt, ohne Vorleistung, wenn wir aber eine Gesellschaft akzeptieren, die Kinder nach ihren Schulabschlüssen, ihrer Karriere und sozialem Status bemisst, wer will uns dann unseren Glauben abnehmen? Das glaubt uns doch keiner.“ In dieser Ausage verseckt der Prediger den Verkündigungsinhalt:daß Gott den Menschen bedingungslos liebe. Das ist aber nun ein Phantasmata liberaler Theologie.Daß Jesus das hier auf keinen Fall gemeint haben kann, beweist ein kurzer Blick in den Paralleltext des Matthäusevangeliumes, in dem Jesus sagt, daß denen die das gepredigte Evangelium nicht annehmen, es in Gottes Endgericht schlimmer ergehen wird als Sodom und Gomorra (V 15) Zu der Vorstellung der Bedingungslosigkeit der Liebe Gottes zu jedem Menschen paßt diese Gerichtsankündigung in keinster Weise, denn es kann nicht gesagt werden: Gott liebe jemanden und verdamme ihn dann im Endgericht.

Jesus gab den 12 Aposteln die Vollmacht, die bösen Geister auszutreiben. (Mk6,7). Indem sie also Exorzismen vollzogen, demonstrierten sie, daß Gott mit ihnen zusammen wirke, denn nur so konnten sie Daimonen austreiben. Das macht auch ihre Evangeliumsverkündigung glaubwürdig, da so erstens der Anfang des Reich Gottes erlebbar wird in den Exorzismen und daß das von ihnen Gepredigte wahr ist, weil Gott mit ihnen diese Austreibungen wirkt. Das paßt nun natürlich gar nicht in eine liberal ausgerichtete Predigt und wird so eskamotiert. Stattdessen wird ein sozialpolitisches Engagement der Christen gefordert. Es solle dabei isb um die Chancengleichheit für Kinder gehen!

Nun ist gegen ein Sozialengagement nichts einzuwenden, aber das Evangelium beinhaltet nun wirklich etwas völlig anderes! Erst soll die Aufgabe der Mission die Aufgabe jedes Christen sein und dann soll das Evangelium nur noch Gottes Liebe zu jedem Menschen beinhalten, sodaß das wichtigste das Sozialengagement sei, sich für die soziale Gerechtigkeit einzusetzen.

Das Elend dieses Missionsverständnisses, bzw des Evangeliums-verständnisses offenbart sich in dieser Predigtaussage: „Seht, wie sie ihren Glauben in die Tat umsetzen.“ Der Glaube und damit auch die ganze christliche Religion wird als etwas bloß Theoretisches abgetan, wenn der Glaube nicht zur Tat, zur Praxis wird. Und die Praxis der christlichen Religion ist eben ihr soziales Engagement. So wird eben die christliche Religion auf einen Humanitarismus reduziert und somit all seines eigenen religiösen Wesens beraubt. Für ein so geartete Sozialarbeit ist dann aber auch Gott und Jesus und auch die Kirche überflüssig, es reicht doch die Caritas. 

Merke:

Es gab Zeiten, da die Christen die Bedrohung durch die Daimonen als relevanter ansahen als den Skandal, daß nicht jeder Schüler die Matura schafft!  

Zusatz:

Man achte mal darauf, wie  häufig  es im Gottesdienst heißt: Und da lud Jesus seine Jünger, seine Freunde zum letzten Abendmahl ein, statt die 12 Apostel! Daß es die erste Eucharistiefeier war, wird dabei auch vergessen, stattdessen suggeriert, es sei eben das letzte mal, daß er mit seinen Jüngern zu Abend aß! 



Samstag, 30. März 2024

Eine Skandalgeschichte: Was,wenn das Grab Jesu nicht leer gewesen wäre oder die wissenschaftliche Liebe zu einer Verschwörungstheorie!

 

Eine Skandalgeschichte: Was,wenn das Grab Jesu nicht leer gewesen wäre oder die wissenschaftliche Liebe zu einer Verschwörungstheorie!


Die Geschichte der Kirche war und ist auch immer eine ihrer intelligenten Kritiker,die ihr intellektuelles Vermögen in den Kampf wider die Kirche und die Wahrheit einsetzten und einsetzen. Seit Ostern verkündet die Kirche: Jesus Christus ist wahrhaft auferstanden. Wir gingen zu seinem Grabe und fanden es leer vor, denn unser Herr ist aus ihm entstanden, er erschien uns,um uns zu sagen: „Ich lebe!“

Was, wenn nun wer,skeptisch eingestellt,gefragt hätte: „Zeigt mir doch das leere Grab!“ Was hätten die Christen da antworten können?

Die 1.Möglichkeit:„Wir wissen nicht mehr, wo das Grab gelegen ist!“-Nein, diese Antwort wäre unmöglich gewesen, denn von zu vielen Christen wird erzählt, daß sie zu Jesu Grab gegangen waren, die so gewußt haben müssen, wo er beerdigt worden war.

Die 2.Möglichkeit: „Im Grab liegt zwar sein Leichnam,aber er ist doch auferstanden.“ Diese Behauptung wäre unvereinbar mit den urchristlichen Erzählungen von seinen österlichen Erscheinungen und zudem unvereinbar mit dem Begriff der Auferstehung bzw Auferweckung. Denn dann existierte Jesus nur als eine Art Geist nach seinem Kreuzestod weiter, aber das ist nicht nur in der Antike eine weitverbreitete Vorstellung über eine postmortale Weiterexistenz von Verstorbenen. Er wäre also tot und wäre dann nur als ein Totengeist erschienen.

Wenn das Grab nicht leer gewesen wäre, hätte die Kirche schon sehr bald auf das Osterevangelium verzichten müssen. Die Ausrede,es sei in Vergessenheit geraten, wo den Jesus begraben worden sei, wäre als zu simple Ausflucht schnell durchschaut geworden.

Was unternahmen nun die Kritiker der Kirche? Sie waren klug,sodaß sie nicht das Leersein des Grabes Jesu bestritten,sondern diese Verschwörungstheorie konzipierten: Anhänger von diesem Jesus hätten seinen Leichnam aus dem Grabe entfernt, um dann die Mär von seiner Auferstehung in die Welt zu setzen. Diese Polemik setzt nun aber die Leerheit des Grabes voraus, daß die Kritiker außer Stande sich sahen,zu sagen:“Nein,das Grab ist voll, der Herr Jesus liegt noch in seinem Grabe!“, und zu beweisen, daß es leer war.

So wie die ersten Kritiker der Kirche nicht die Wunder Jesu bestritten, sondern ihr Geschehensein akzeptierten, um dann sie aber anders zu interpretieren,Jesus habe sie in der Kraft des Teufels gewirkt, um Juden zu einem Irrglauben zu verführen, so akzeptierten sie auch das Leersein des Grabes, um dann dies Faktum nur anders zu interpretieren mit dem Verschwörungsnarrativ des Leichnamraubes.

Beide Kritiken waren nun wirklich intelligenter als die Vulgärthese modernistischer Theologie, daß die Christen sowohl das leere Grab wie auch alle Wunder Jesu Christi nur erfunden hätten als eine für die damalige Zeit wohl recht effektive Werbekampagne für den christlichen Glauben.Denn wie hätte die Kirche die Erzählungen von den Wundertaten Jesu verbreiten können, wenn jeder Kritiker die benannten Orte der Wundertaten aufgesucht haben könnte um dann melden zu können: „Da hat niemand je etwas von so gearteten Wundern gehört!“ Da aber Jesu Wundertaten, so berichten es die Evangelien so bekannt wurden, daß, wenn Jesus sich irgendwo sehen ließ,Menschen hinströmten, um sich oder andere heilen zu lassen, wie hätte dann die Kirche ihren Kritikern erklären sollen, daß sie nun schon alle vergessen worden wären,obzwar Jesus so gewaltige gewirkt hatte.

Ein wenig Recherche und die Evangeliumsverkündigung wäre erledigt gewesen: Die Wunder haben nie stattgefunden, sie haben die Christen frei erfunden,nur um ihren Jesus populär zu machen.Was den ersten Kritikern der Kirche so eine zu plumpe Kritik gewesen war, einfach zu behaupten, daß alle Wunder Jesu reine Phantasieprodukte der Kirche gewesen seien, weil die Erinnerung an sie noch lebendig war, das gilt nun im Namen der Wissenschaft, der historisch-kritischen Methode als die Erkenntnis aufklärerischen Denkens, daß wie das leere Grab so auch alle Wunder Jesu nur phantastische Erzählungen seien, erfunden,um Jesus marketingmäßig besser verkaufen zu können.

So fundiert eine so simpel gestrickte Verschwörungstheorie die heutige sich als wissenschaftlich verstehende Kritik der Kirche, sie habe schon von ihren ersten Anfängen an es nicht so genau genommen mit der Wahrheit, schließlich galt es doch, einen am Ende seines Lebens recht Unpopulären, wie viele riefen doch: „Kreuzige,kreuzige ihn!“,den selbst seine Anhänger in Stich gelassen hatten, nicht nur Petrus, als den Messias des jüdischen Volkes und der ganzen Welt zu propagieren!

Da ist doch die jüdische Kritik, Christen hätten Jesu Leichnam entwendet und er habe all die von ihm berichteten Wunder wirklich vollbracht, nur eben in der Kraft des Satans, viel kreativer als die modernistische Verschwörungstheorie der bloßen Phantasietätigkeit der ersten Christen. 

Merksatz:

Vernünftiges, wissenschaftliches Denken kann nicht darin bestehen, zu  behaupten, daß Gott nicht existiere oder wenn er existiert, er nichts wirken könne, sodaß alle Ereignisse in der Welt immer nur weltimmanent zu erklären seien und daß ein Ereignis, was nicht weltimmanent erklärbar sei, kein reales Ereignis sein könne. Das ist ein naiver Dogmatismus, der selbst nicht ein Produkt wissenschaftlichen Denkens ist sondern im präzisen Sinne ein pures Vorurteil!



Samstag, 24. Februar 2024

Eine unzeitgemäße Betrachtung: Die Titanic und die Welt- über das Rettungsboot Kirche

 

Eine unzeitgemäße Betrachtung: Die Titanic und die Welt- über Rettungsbote


Ein Prophet tritt auf, auf der Titanic: „In Kürze wird dieses Schiff untergehen, und nur wer dann in einem Rettungsboot einen Platz hat, wird gerettet werden.“ Es braucht keiner hellseherischen Begabung, um prognostizieren zu können, daß diese Botschaft wenig Glauben finden wird, zu sicher ist man sich auf diesem doch unsinkbarem Schiffe. Aber als Prophet verkündete Jesus Christus genau dies: Die Welt, der alte Äon werden untergehen.Aber er selbst erbaut nun eine neue Arche Noah,die des Noah war ja die Vorabbildung dieser Arche,und wer in ihr ist, wird gerettet, wenn die Welt untergehen wird. Aber wie kann man einen Platz in diesem Rettungsboot erlangen, wenn Gott allein die Rettungsplätze vergibt? Darauf gibt Jesus uns die Antwort,nicht nur in der Bergpredigt.

Im 1.Johannesbrief (2,15)stößt ein zeitgenössischer Bibelleser nun auf ihm Unzumutbares: „Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht.“ Wenn hier von der „Welt“ geschrieben wird, dann ist damit genau die Welt gemeint, die Gott zum Untergang bestimmt hat. Denn vom „Tag Gottes“, wenn er kommen wird,die Welt zu richten, heißt es im 2.Petrusbrief: „An jenem Tage wird sich der Himmel im Feuer auflösen,und die Elemente werden im Brand zerschmelzen.“ (3,12).

Der Sohn Gottes predigt also den Weltuntergang und die neue Arche, die Kirche, in der die Rettung aus diesem Untergang ist. Er predigt also kein Programm zur Verbesserung des Lebens auf der Titanic.

Davila bemerkt dazu treffend: „Ich ziehe den skandalösen Wundertäter der Evangelien dem Professor für soziale Ethik vor, den der moderne Klerus ersonnen hat.“ („Es genügt,dass die Schönheit unseren Überdruss streift...Aphorismen,2017,S.112.)

Wie konnte es denn nun zu dieser Transformation der Verkündigung Jesu in eine Sozialethik kommen? Die simpelste Antwort lautet: Die Titanic ging nicht unter. Da fing die Theologie an zu eruieren, ob und wie Jesu Predigten und Tuen Elemente enthielte, die zu einer Verbesserung des Lebens auf der Titanic nutzbar zu machen seien. Widersprächen die 3 oder 4 Klassen der Passagiere der Titanic nicht der Liebe Gottes zu allen Menschen, sind nicht die Arbeitsbedingungen des Schiffspersonales zu verbessern und könnte nicht das ganze Schiffsleben gerechter und schöner für alle gestaltet werden?

Der Apostelfürst Paulus zitiert Gott: „Mein ist die Rache“ (Röm 12,19) und konnte damit für einen Gewaltverzicht ganz im Geiste des Urchristentumes plädieren, weil er auf Gottes baldiges Strafgericht vertraute, aber wenn daraus ein friedenspolitisches Programm gemacht wird, durch einen Verzicht auf militärische Gewalt die Welt friedlicher zu machen, dann verkennt man völlig die Intention dieses Gewaltverzichtes. Für Paulus ist ganz im Sinne Jesu Christi die Gegenüberstellung des Alten mit dem Neuen Äon das Wesentliche. Diese Antithetik kann er aber nun auch ganz anders ausformulieren: Wir Christen, „die nicht auf das Sichtbare starren,sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken, denn das Sichtbare ist vergänglich,das Unsichtbare ist ewig.“ (2.Kor 4,18). Der Antithetik auf der Zeitachse: Alter und Neuer Äon korreliert der Antithetik auf der Raumachse von der sichtbaren vergänglichen Welt hier unten und der unsichtbaren ewigen oben.Immer wird etwas Vergängliches und zu seinem Untergang Bestimmtes dem Unvergänglich-Ewigem entgegengestellt verbunden mit der Frage: Wie können wir aus dem Vergänglichen in das Ewige kommen? Bildlich formuliert: Wenn die Titanic untergehen wird,wie kommen wir dann in die uns rettende neue Arche Noahs?

Aber inzwischen hat sich die Kirche so in diese Welt, in den Alten Äon beheimatet und lebt so sehr im und aus dem Sichtbaren, daß ihr zu der wichtigste Aufgabe die der Gestaltung des Lebens auf der Titanic geworden ist. Dann kann Jesus nur noch ein Lebenstherapeut und Sozialethiker sein.Seine Reich Gottes Verkündigung mutiert dann zu einem Appell zur Humanisierung des Schiffslebens für alle. Diese Liebe zur Welt macht dann die Kirche als die wahre Arche Noah völlig überflüssig, sodaß sich die Kirche zu einem wenn möglich nützlichen Subsystem der Gesellschaft transformiert. Sie verweltlicht sich.

In dem Nein der Kirche zur Liebe zur Welt steckt so auch ein recht vernpünftiger philosophischer Gedanke: Wer liebt, was zum Untergang bestimmt ist, was vergänglich ist, wird in dieser Liebe notwendig auch selbst untergehen, ganz anders der, der das Ewige, Unvergängliche liebt, denn in dieser Liebe wird er dann selbst ewig leben durch diese Verbindung mit dem ewig Lebenden.



Montag, 29. Januar 2024

Verdrängte Wahrheiten – oder ist die Welt noch repabierbar?

 

Verdrängte Wahrheiten – oder ist die Welt noch repabierbar?


Eigentlich fällt hier die Antwort leicht, daß Gott die Welt gut erschaffen habe, daß er sie erhält, auch wenn wir Menschen uns nun doch die größte Mühe geben, sie zu ruinieren, wird die Schöpfung bleiben.Gott kam ja selbst in die Welt,um so zu zeigen, daß er sie liebe. Ein paar kosmetische Eingriffe, ein paar Reperaturmaßnahmen würden wohl der Welt im Ganzen guttuen, aber die schaffen wir Menschen guten Willens schon.

Nur warum steht dann im 2.Petrusbrief so Obskurantistisches über den Tag des Herrn, wenn unser Erlöser kommen wird in Herrlichkeit? Da müssen wir lesen über „den Tag Gottes“den wir erwarten: „An jenem Tage wird sich der Himmel in Feuer auflösen und die Elemente werden im Brand zerschmelzen.“ (3,12) Mit den Elementen sind hier die Grundstoffe gemeint, aus denen sich die Welt auferbaut.

Das meint keine Reparatur- oder Renovierungsarbeiten,das bedeutet die völlige Zerstörung der Welt. „Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt.“ (V 13)

Das widerspricht nun ganz und gar unserem heutigen Gottes- und Weltverständnis:Da Gott seine Schöpfung bejaht,kann von ihm nicht prädiziert werden, daß er sie durch einen Weltenbrand vertilgen kann und zudem: Nur wir Menschen dagegen könnten die Erde völlig vernichten, etwa durch den Einsatz unserer Atombomben. So hätten wir nur die Destruktivkraft des Menschen zu fürchten, Gott aber nicht, denn der ist doch der Bejaher seiner Schöpfung!

Offensichtlich urteilt Gott hier völlig anders:Für ihn ist unsere Welt nicht mehr reparbierbar, nicht mehr renovierungsfähig, sondern sie soll verbrannt werden, damit Gott dann an ihrer Stelle einen neuen Himmel und eine neue Erde setzt.

Zwei Weltschematas bestimmen das Weltdenken im Urchristentum, das der Zeitachse mit der Vorstellung von dem Alten und dem Neuen Äon und das der Raumachse, das des obigen Himmels und der untigen Erde. Der Neue Äon und der Himmel oben sind dabei die guten Lebensorte,der Alte Äon und die alte Erde fungieren dabei als die Negativorte, wo es kein gutes Leben gibt. Das ist ein klares dualistische Denken, das unserem modernen monistischen widerstreitet.

Damit verunklart sich aber notwendiger Weise auch die Bedeutung des Erlösers Jesu Christi. Im dualistischen Denken ermöglicht er allein, daß wir Menschen, auf der falschen Seite lebend,in das wahre aufgenommen werden können,in ein jenseitiges, wobei das Jenseitige auf der Raumachse oder der Zeitachse gedacht wird.Für ein rein monistisches Denken kann der Erlöser dann nur noch als ein Reformer, Verbesserer der Welt fungieren.Die Welt und die Menschen in ihr sollen sich halt optimieren und schon würde eine gerechte Welt entstehen. Douglas Adams persifliert dies Jesusverständnis und Jesu Scheitern in dem diesen Autoren eigenen Humor so:“nachdem ein Mann an einen Baumstamm genagelt worden war,weil er gesagt hatte,wie phantastisch er sich das vorstelle,wenn die Leute zur Abwechslung mal nett zueinander wären“. (Im Prolog des 1.Bandes der Triologie:“Per Anhalter durch die Galaxis“) Jesus Christus und der ganzen Alten Kirche war die Vorstellung einer Weltverbesserung, bis dann endlich eine gerechte und friedfertige erwüchse aus unseren Optimierungsvorhaben völlig fremd. Man sah sich auf einer Titanic fahrend fragend: Wie können wir den gewiß kommenden Schiffsuntergang überleben? Dies Überleben war dann das neue jenseitige Leben!

Das moderne Christentum substituiert den Gedanken der Erlösung durch den der Reformier- und Optimierbarkeit des Menschen und der Welt. Die Postmoderne könnte als Ende dieses Weltverbesserungsglaubens verstanden werden. 

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Wie man die christliche Religion abschaffen kann!

Wie man die christliche Religion abschaffen kann!


Wäre das Buch: „Sofies Welt“von Jostein Gaarder nicht so populär, inzwischen in über 40 Sprachen übersetzt, wäre es trotzdem sinnvoll, sich mit der darin praktizierten Demontage der christlichen Religion zu beschäftigen, ist sie zwar nicht besonders tiefgründig aber doch effektiv. Im Zentrum steht ein einfacher Kunstgriff, dem Jesus, wie man ihn meint, historisch kritisch rekonstruiert zu haben, Paulus und dann den hl.Augustin entgegenzustellen, um zu insinuieren, daß so Jesu eigentliche Anliegen ganz verquert wurden.

In dem Jesuskapitel heißt es: „Ich hoffe, ich kann Euch klarmachen, was Jesus für ein einzigartiger Mensch war.“ Das ist purer Arianismus. Jesus war aber ein genialer Mensch: „Auf geniale Weise verwendet er die Sprache seiner Zeit“. Und was verkündete er nun in Wort und Tat? „Jesus erklärte Gottes Reich als Liebe zu den Mitmenschen,Fürsorge für die Schwachen und Vergebung für alle,die gefehlt haben.“ Deshalb sei er dann auch hingerichtet worden: „Bei Jesus sehen wir, wie gefährlich es sein kann, eine bedingungslose Nächstenliebe und eine ebenso bedingungslose Vergebung zu fordern.“

Aber dann folgte das Christentum: „Dem Christentum zufolge starb er um der Menschen willen. Und das wird oft als >stellvertretendes Leiden< bezeichnet.“ Damit wird eine Differenz zwischen dem echten Jesus und dem Jesus Christus des Christentumes, der Kirche suggeriert. Für Paulus war Jesus mehr als ein Mensch, der den Tod überwunden habe. Christus sei von den Toten wirklich auferstanden. „Die ersten Christen begannen nun, die >frohe Botschaft < der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus zu verkünden.“, heißt es dann im Pauluskapitel. Dem aufmerksamen Leser drängt sich dabei aber die Frage auf, was denn wohl dieser so verkündete Jesus Christus noch gemein hat mit dem Jesus, der das Gottesreich als praktizierte Nächstenliebe verkündete. Die bedeutendste Tat des Paulus soll dann seine Predigt zu Athen gewesen sei, in der er das Verhältnis der christlichen Religion zur (damaligen) Philosophie klärte. Die Sakramente werden mit keinem Wort erwähnt, die von Jesus gegründete Kirche auch nicht und die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi ebenso nicht.

Genau genommen bleibt von all dem nur ein sozial humanistisch engagierter Mensch Jesus übrig, aus dem das Christentum, die Kirche etwas ganz anderes gemacht hat. 

1.Zusatz:

Die Gegenüberstellung von Jesus und dem Apostel Paulus als dem eigentlichen Gründer des Christentumes ist in Nietzsches Schrift: "Wille zur Macht" grundgelegt und war sehr erfolgreich. 

2.Zusatz

Spinoza habe laut Gaarder (Sofies Welt, Spinoza) den Kern der Verkündigung Jesu so bestimmt: "Jesus verkündete eine >Vernunftreligion<,der die Liebe das Höchste war." Welcher modernistische Theologe würde dem wohl widersprechen?  



 

Sonntag, 27. August 2023

Asterix und Obelix und die potestantische Kirchengeschichtsschreibung

Asterix und Obelix und die potestantische Kirchengeschichtsschreibung Die ganze Welt lag im Argen, wurde beherrscht von Mythologien, Aberglauben, Priesterkasten und und...aber wirklich die ganze römische Welt?Mitnichten! Inmitten dieser Welt des Obskurantismus lebten die urchristlichen Gemeinden, nicht aus der Kraft eines Wundertrankes, sondern, Jesus Lebenspraxis vor Augen aus der Kraft des Heiligen Geistes. Trotzdem glich das Gemeindeleben doch sehr dem des Dorfes der Gallier, die sich der römischen Welt widersetzend hierarchiefrei, urdemokratisch, geisterfüllt ihres Lebens sich erfreuten. Aber dann, aber dann infiltrierte der römisch-heidnische Ungeist die einst tapfer widerstehenden Urchristen und gebar die Römisch-Katholische Kirche bis Luther die Christen aus dieser römischen Gefangenschaft befreite und zurückführte in das urchristliche Leben, das doch auf so wundersame Weise dem Leben von Asterix und Obelix ähnelt. So die Grundzüge dieses protestantischen Narratives. Dies Narrativ lebt nun von der Antithetik vom urchristlichen Gemeindeleben und der Vorstellung von dem religiösen Kult, der allen Religionen zu eigen ist. Der bedeutende protestantische Theologe R.Bultmann skizziert den der Religion zu eigenen Kult so: „Ist Kultus menschliches Handeln,das vor allem durch Opfer, aber auch durch andere Handlungen auf die Gottheit einwirkt,sie der Gemeinde gnädig und ihre Kraft für sie wirksam macht- ein Handeln ferner,das sich zu festgesetzten heiligen Zeiten,in heiligen Raume und nach heiligen Regeln oder Riten vollzieht- ein Handeln endlich,das durch Personen von besonderer Qualität ,durch Priester,die zwischen der Gottheit und der Gemeinde vermitteln,vollzogen,oder,sofern die Gemeinde nicht nur rezeptiv dabei beteiligt ist,geleitet wird“. Zwei Ebenen sind hier nun zu unterscheiden, die der Entfaltung des Wesens des religiösen Kultes, wie er zum Wesen der Religion gehört und die der Bewertung des Kultes. Bultmann muß hier ein Kompliment gemacht werden, gelingt es ihm hier, präzise und klar das Wesentliche des religiösen Kultes zu erfassen. Einem aufmerksamen Leser kann aber nicht der rein negative Tonfall dieser Darlegung des Kultes entgehen: So nicht!, ist unüberhörbar. Bultmann zieht aus der Bestimmung des Kultes nun diese nicht überraschende Folgerung: „so können die Versammlungen und Feiern der christlichen Gemeinde offenbar ursprünglich nicht als kultisch bezeichnet werden.“ R. Bultmann, Theologie des Neuen Testamentes, §12,Kyrios und Gottessohn. Ideengeschichtlich gehört diese Position in die Tradition, den christlichen Glauben als Nichtreligion zu qualifizieren, D. Bohnhöfer bildet dabei wohl den traurigsten Tiefpunkt mit seinem fragmentarisch nur skizzierten Konzept eines religionslosen Christentumes, aber auch K. Barth, der sich gar hinrießen ließ zu der Behauptung, daß die Religion Unglaube sei. Die Ethisierung des christlichen Glaubens soll dabei als seine Entreligiösierung verkauft werden. Die christliche Versammlung ohne Opfer und Priester sei dagegen „die Selbstdarstellung der eschtologischen Gemeinde, für welche das Heil als vorausgenommene Zukunft schon gegenwärtig ist.“ Bultmann, Theologie..Das Kergma der hellenistischen Gemeinde. Die Sakramente. Die Differenz liegt im Unterschied von dem Kult als einem Vermittelungsgeschehen zwischen Gott und der Kultgemeinde und dem Gottesdienst als ein nur Darstellen von etwas, was schon unabhängig von dem Darstellen, ist. Dieser urchristliche Gottesdienst bewirkt nichts, er stellt nur den Gläubigen vor Augen, was er glaubt. So polemisiert Bultmann ja auch gegen Ignatius Lehre von der Eucharistie als der Medizin zur Unsterblichkeit, denn ein so verstandenes Sakrament paßt nicht in die Gottesdienstvorstellung, daß in ihr nur das zukünftige Heil als schon präsentes dargestellt wird. Der Rest ergibt sich nun fast wie von selbst: Gut fing das Urchristentum an, aber dann kam der Abfall, als die Eucharistie als Opfer gefeiert wurde, als Priester erschienen, und als überhaupt die Sakramente als Gnadenmittel die Ausrichtung auf das eschatologische Heil verdrängten. So kommt ja Bultmann in seinem Johannesevangeliumskommentar zu dem Ergebnis, daß alle Aussagen über das Sakrament der Taufe und der Eucharistie Ergänzungen der „kirchlichen Redaktion“ seien, da Johannes keine Sakramente kannte. So verwandelte sich diese wunderbare Rom widerstehende Urchristliche Gemeinde, ganz im Geiste von Asterix und Obelix in eine römische Provinz, indem sie den heidnischen Religionskultus in sich integrierte. Dieses von Bultmann gezeichnete Bild des Urchristentumes hat nun mit dem Asterix- und Obelix-Dorf noch eine Gemeinsamkeit: Beide sind reine Phantasieprodukte und begeistern nicht nur Kinder sondern auch den Synodalen Irrweg. Zum Schluß verzichte ich auf eine Bewertung dieses kultlosen Urchristentumes und verweise auf Gottes Kritik der ersten antihierarischen Bewegung, der Rotte Korach. Gott rottete diese Reformer aus! (4.Mose 16) Corollarium 1 Im Hintergrund dieses bultmannschen Bildes vom Urchristentum steht natürlich auch Kants Kritik des Kultus als "Afterdienst" in seiner Schrift: "Über die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft", daß der einzig wahre Gottesdienst der des Strebens nach Sittlichkeit sei. Corollarium 2 Selbstverständlich entspringt die Kritik der kirchlichen Hierarchie auch einem Sozialneid.

Freitag, 28. Juli 2023

Ein beliebtes Narrativ in der Kirche: Jesus war liberal, aber dann kam der klerikale Rigorismus...

Ein beliebtes Narrativ in der Kirche: Jesus war liberal, aber dann kam der klerikale Rigorismus... Ursprünglich verhielt sich das ganz einfach so: Die Pharisäer und andere Geistes-verwandte lehrten, daß nur religiöse Hochleistungssportler Gott gefallen könnten, so viele Gesetze und religiöse Vorschriften müsse ein Mensch einhalten, sonst hätte er keine Chance auf einen ihm gnädigen Gott. Dann kam Jesus, der einen jeden Menschen liebenden Gott verkündigte in Taten und Worten, der zu uns nur dies eine sagt: Liebe und alles, was Du aus liebendem Herzen tust, ist in den Augen Gottes gutgetan. Dann kam -statt des Reich Gottes- die Kirche, die den Gläubigen wieder unermeßlich viele Gebote und Moralvorschriften auferlegte, die den Menschen wieder ihrer Freiheit beraubte,indem sie die Menschen mit ihrer Morallehre und der Dogmatik verknechtete, bis dann das 2.Vaticanum die Christen wieder zu befreien versuchte. Aber ein reaktionärer Neoklerikalismus nach dem Reformkonzil blockierte dann diese Liberalisierungsintention dieses Konziles. Unrevidiert darf dies Narrativ nun nicht mehr verkündet werden, da es dem kirchlichen Philososemitismus unerträglich ist, die jüdische Theologie so negativ dargestellt zu sehen. Aber so ganz kann man doch nicht darauf verzichten, denn wozu bräuchte es dann noch den liberalen Jesus, wenn damals die Pharisäer schon so richtig liberal waren? Veranschaulichen wir uns dies Problem an dem Fall der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe. Ursprünglich galt die Ehe gemäß Gottes Willen als unauflöslich. Der Gesetzeslehrer Moses aber erlaubte in Ausnahmefällen eine Scheidung der Ehe. Er nahm Rücksicht auf unsere menschliche Schwäche. Zu Zeiten Jesu wurde nun unter den Gesetzeslehrern kontrovers diskutiert, in welchen Fällen eine Scheidung erlaubbar sei. Rigoristische Tendenzen,nur in Ausnahmefällen und liberalere, in vielen Fällen sei eine Scheidung erlaubbar, stritten miteinander. Jesus dagegen erklärte vollmächtig, daß die Zeit der Nachsichtigkeit vorbei sei und daß so nun die ursprüngliche von Gott gewollte Eheordnung wieder herzustellen sei: Eine geschlossene Ehe sei unauflöslich. Jesus verurteilt Moses nicht, er hatte diese Revision der Ehelehre vollziehen dürfen um der Schwäche der Menschen willen, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Ursprungsordnung zu restituieren. Die Schüler Jesu reagieren nicht gerade euphorisch: Dann sei es nicht gut, zu heiraten. Mit dem Narrativ vom ach so liberalen Jesus ist das unvereinbar, denn Jesus revidiert ja hier den liberalen Moses! Jesus lehrt hier ganz rigoristisch das Nein zur Möglichkeit der Auflösung einer gültig geschlossenen Ehe. Aber es gibt nun dazu ein protestantisches Narrativ: Schon der Evangelist Matthäus korrigierte diesen jesuanischen Rigorismus, indem er eine Scheidung im Falle der Unzucht als Ausnahme wieder zuließ. (Mt, 5,32f). Nun ist zwar die Katholische Kirche stehen geblieben in diesem unevangelischen Rigorismus Jesu, aber die Lutherkirche folgte Matthäus, entradicalisierte die Ehelehre Jesu, bis nun jeder Christ sich scheiden lassen darf, wenn er nur seine Ehe auflösen möchte und er darf unbegrenzt oft sich wiederverheiraten. So endet die Geschichte der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe nach dem rigoristischen Zwischenfall von Jesu in einer hyperliberalistischen Auslegung der Scheidungserlaubis des Moses. Nur die Katholische Kirche hält eben an Jesu Lehre fest und erachtet die Auslegung, schon Matthäus sei von Jesu Ehelehre abgewichen, für eine Fehlexegese. Eines ist aber trotz dieser Differenz zwischen der katholischen und der protestantischen Ehelehre unüberlesbar: Jesus wirkte hier nicht als ein liberaler Reformer, der eine rigoristische Ehelehre moderater umgestaltete. Die kommode Ehelehre begann erst mit Luther, indem er lehrte, die Ehe sei kein Sakrament, sodaß nun evangelische Christen eine Ehe so einfach auflösen können wie einen Miet- oder Arbeitsvertrag. Jesus war es so, der rigoristisch lehrte und die evangelische Kirche befreite dann ihre Christen von diesem Rigorismus. Wenn man nun sich das Ganze der Verkündigung Jesu vor Augen hält, wie es uns die Evangelien vor Augen malen unter besonderer Berücksichtigung seiner Morallehre, kann wirklich nicht auf die Idee kommen, Jesus liberalisiere die damalige Morallehre der Pharisäer und Gesetzeslehrer, eher liberalisiert die Kirche Jesu. Dostojewskis „Großinquisitor“ erhebt ja dies zu seiner Kritik an dem rigoristisch lehrenden Jesus, den die Kirche dann korrigieren mußte! Die Kirche ist für diesen Kritiker der Hort des Liberalismus. Der Synodale Weg könnte so im Geiste des "Großinquisitors" gedeutet werden als die Meinung, die Kirche müsse den Menschen zu sündigen erlauben, da Jesus und die Kirche ursprüngöich die Menschen überfordere, sodaß nun als erlaubt zu beurteilen sei, was bis jetzt noch als sündig gilt.

Samstag, 22. Juli 2023

Kath de:Radikale Kirchenkritik– von Anfang an war das Christentum toxisch! Oder warum es kein Zurück zu den Ursprüngen geben darf

Kath de:Radikale Kirchenkritik– von Anfang an war das Christentum toxisch! Kath de entlarvt-Gott sei es gedankt- den menschenfeindlichen Charakter der Kirche,daß sie schon von Anfang an etwas „Giftiges“ („Toxisches“) war. Unter dem reißerischen Titel: "We are family" – In den Fängen toxischer geistlicher Gemeinschaften“ (22.7.2023) wird nun die Wahrheit über die christliche Religion enthüllt: „Toxische Gemeinschaften unterstehen häufig einer charismatischen Führungsperson, die ihr machtvolles Auftreten spirituell legitimiert, etwa mit Hilfe von Narrativen, sie habe von Gott aus einer besonderen Erwählung heraus einen spirituellen Auftrag.“ Das ist nun eine treffende Charakterisierung des Urchristentumes mit ihrem charismatischen Führer, der gar als Sohn Gottes verehrt wurde, von dem die Urchristen glaubten, daß er von Gott als der Messias gesandt wurde, um Israel und die Heiden zu erlösen. Besonders machtvoll trat er auf, es sei an seiner Wundertaten und sein Lehren in Vollmacht erinnert. Nicht nur Jesus glaubte sich als besonders erwählt, auch seine „Jünger“ glaubten sich als Erwählte. Ergo, das Urchristentum war von Anfang an eine die Freiheit gefährdende toxische Gemeinschaft. Aber es kommt noch schlimmer: „Die Gemeinschaft stiftet nicht mehr nur ein soziales Netzwerk, sondern stellt mit ihren klaren Regeln auch einen Lebenssinn zur Verfügung. Diese bieten den Mitgliedern eine Richtschnur und Sicherheit. Gleichzeitig ist das Lebenskonzept stark moralisch aufgeladen und geht mit einem enormen Leistungsdruck einher, etwa nach hochgesteckten Zielen wie der persönlichen Heiligkeit zu streben“. Das Urchristentum vermittelte also den Mitgliedern Lebenssinn, vermittelte Sicherheit durch eine klare Richtschnur. Das Allerschlimmste: In dieser Gemeinschaft wurden hochgesteckte Ziele propagiert, das Ziel der persönlichen Heiligkeit. Das sind laut Stephanie Butenkemper die Mechanismen des spirituellem Missbrauches. Es darf nun hinzugefügt werden, daß der Römische Staat, diesen toxischen Charakter des Christentumes erkennend diese Gefahr für die römischen Bürger zu bannen versuchte, fälschlich als Christenverfolgung verkannt, sodaß wir nun noch vor der Aufgabe stehen, die Kirche, weil sie eine toxische Kirche des spirituellen Mißbrauches ist, zu beseitigen. Besonders perfide ist, daß die Kirche dabei skrupellos das menschliche Bedürfnis nach einem Leben in einer Gemeinschaft ausnutzt und Orientierungslosen ein klares Weltbild vermittelt und sie mit überfordernden Heiligkeitsvorstellungen drangsaliert. Das Christentum war tatsächlich von Anfang an etwas Inhumanes, ein Ort des Mißbrauches! Kath de und der Synodale Weg kämpfen so wider das Menschen vergiftende Christentum. Könnte es denn nun auch eine akzeptable Kirche geben? Ja, wenn sie prinzipiell mit Jesus Christus bricht und sich neustrukturiert als eine religiöse Serviceorganisation.

Samstag, 20. Mai 2023

Ein Verdacht: Eine Renaissance des „Gottesfürchtentumes“ als die Zukunft der Kirche? Oder die Reduzierung auf einen Humanitarismus mit ein bißchen Gott!

Ein Verdacht: Eine Renaissance des „Gottesfürchtentumes“ als die Zukunft der Kirche Auf den ersten Blick muß diese Idee absurd erscheinen und darum auch schon glaubwürdig, denn erleben und erleiden wir nicht absurde Zeiten. Im Judentum zu Zeiten Jesu Christi war die Frage, ob es auch für Nichtjuden eine Teilhabe am ewigen Heil geben könne, virulent, daß es für Nichtjuden eine andere Perspektive geben könne, als die, dem jüdischen Volke dienen zu dürfen. Jüdische Theologen versuchten, die hl.Schrift der Juden als mit der griechischen Philosophie Übereinstimmendes darzulegen und somit attraktiv erscheinen zu lassen als der vernünftigen Alternative zum heidnischen Polytheismus. (Vgl dazu: Philo von Alexandrien) Aus dem 1.Thessalonicherbrief des Apostels Paulus 1,9-10 läßt sich die jüdische Missionspredigt, die Paulus als eine Vorlage für seine Missionspredigt diente, rekonstruieren: „Kehret Euch ab von der Götzenverehrung, (die Götzen sind keine wahren Götter) und wendet Euch zu dem einen wahren Gott zu. Dieser zürnt Euch ob Eures Götzendienstes.“ Wenn nun Heiden sich dem einen wahren Gott zuwandten, den Götzendienst hinter sich ließen und wohl moralisch anständig lebten, dabei ist an die damals verbreiteten Lasterkataloge zu denken: Unzucht, Trinksucht, Völlerei...,dann könnten diese auch am ewigen Teil partizipieren, ohne sich beschneiden zu lassen und somit zum Halten aller Gebote sich zu verpflichten. Diese Heiden werden im Neuen Testament die „Gottesfürchtigen“ oder Prosyliten genannt. Bei ihnen fiel dann die Evangeliumsverkündigung auf fruchtbaren Boden, isb nachdem die Kirche lehrte, daß Heiden, wenn sie Christen werden wollten, sich nicht zu beschneiden hätten. Der Glaube der „Gottesfürchtigen“ unterscheidet sich kaum von dem, was die Aufklärung unter der „natürlichen“, der „vernünftigen“ Religion verstand. (Vgl: Kant) Aus der Sicht der Gottesfürchtigen war also Jesus Christus für das Heil der Heiden völlig überflüssig und den Juden reichte ja Moses und die Propheten. Daß Jesus Christus das Heil aller Menschen, der Heiden wie der Juden ist, verschweigt heutzutage die Kirche um des Dialoges mit der Synagoge willen: Jesus ist nur noch für die Nichtjuden relevant. (Von den evangelischen „Kirchentagen“ werden selbst „Missionarische Juden“ ausgeschlossen, weil jede Art von Judenmission verwerflich sei, für sie reiche Mose und die Propheten.) Aber ist dann Jesus Christus noch heilsnotwendig für alle Nichtjuden? Scheint da nicht das Konzept der „Gottesfürchtigen“ viel überzeugender? „Gott allein“ plus: anständig, jetzt politisch korrekt zu leben, reiche aus. Die Kirche könnte sich so der ganzen Theologie entledigen, bräuchte nur noch einen monotheistischen Glauben plus Anständigkeit zu predigen! „Gott ist und das bedeutet, daß wir politisch korrekt zu leben haben! Sicher die Kolpingwerke verzichten nun schon ganz auf den Glauben an Gott, es reiche zu einer Mitgliedschaft die Affirmation der Werte von Kolping, die die der politischen Korrektheit sind, aber ein bißchen möchte man in der Kirche doch noch von Gott reden, aber nicht viel, wie Bischof Marx es einforderte. Vielleicht ist die Kirche heute den „Gottesfürchtigen“ zu Zeiten Jesu näherstehend als dem Katholischen Glauben!

Samstag, 25. März 2023

„Schüller: Überhöhung des Bischofsamts ist nicht ursprungsgetreu“

„Schüller: Überhöhung des Bischofsamts ist nicht ursprungsgetreu“ Mit dieser Artikelüberschrift wird das quasi offizielle Internetorgan der Bischöfe Deutschlands (Kath de am 24.3.2023) keinen Leser überraschen,haben doch diese mit großer Mehrheit der Demontage des Bischofsamtes zugestimmt. Räte sollen die Macht in der Kirche für sich usurpieren. Da das kirchenrechtlich nicht möglich ist, soll nun diese Demontage des Bischofsamtes durch eine Selbstverpfichtung der Amtsträger, sich den Beschlüssen eines solchen Räteentscheidungsgremiums zu subordinieren,erreicht werden. Sollte ein Bischof dem nicht zustimmen, muß er wohl sich den Vorwurf gefallen lassen, ein klerikalistisches Amtsverständnis zu huldigen. Eingewandt könnte höchstens werden, daß doch die Frage der Ursprungstreue keine Bedeutung haben dürfe, denn das Ursprüngliche sei das doch nur einst Geltende, das so für uns Heutigen keine normative Bedeutung haben könne.Oder was respondierte eine modebewußte Frau,rechtfertige eine Frau ihren Kleidungsstil ihr gegenüber mit der Aussage, daß das vorgestern doch Mode gewesen sei. Aber das Anstößige steckt in diesem Zusatz: „Das Zweite Vatikanische Konzil habe die Bischöfe zu >absolutistischen Fürsten< gemacht, glaubt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Er kritisiert das heutige Festhalten der Oberhirten an ihrer Macht.“ Diese Überhöhung „sei eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils.“ Bisher war es doch ein „Privileg“ Ewiggestriger, Aussagen dieses Reformkonziles zu kritisieren, wohingegen für das linksliberale Lager dies Konzil doch genau genommen das einzig wahre sei, das als die Norm der Auslgung aller anderen Konzilstexte zu fungieren habe. Nun soll dies Reformkonzil erst diese Überhöhung des Bischofsamtes erwirkt haben? Theologisch geurteilt ist die These eines absolutistischen Bischofsamtsverständnisses im 2.Vaticanum absurd, denn die Kirche hat Jesus Christus als ihren lebendigen Herrn und das schließt jedes absolutistische Verständnis jedes kirchlichen Amtes aus. Der Primat der hl. Schrift, der Tradition und die Verbindlichkeit der Entscheidungen des Lehramtes, besonders seiner Dogmen verunmöglicht jedes absolutistische Amtsverständnis. Die hierarische Struktur der Kirche ist dagegen ursprungsgetreu. Schon im Alten Bund existierte die von Gott eingestiftete Hierarchie, die Unterscheidung zwischen den Nichtpriestern, den Priestern und dem Hohepriester und so existiert auch im Neuen Bund eine solche Hierarchie. Denn was für und im Alten Bund eine gute Ordnung war, das ist sie auch für den Neuen Bund. Jesus Christus stand als der Lehrer seinen Schülern übergeordnet gegenüber, sein Lehramt ist ihm nicht von seinen Jüngern übertragen worden. Der göttliche Lehrer setzte nun als seine irdischen Stellverteter die Apostel, die 12 und in besonderer Weise Petrus als den 1.Papst der Kirche ein mit dem monarchischen Regierungsauftrag: Weide meine Schafe! Wie ein Firmeninhaber einen Geschäftsführer einsetzen kann, so setzte der Herr der Kirche die kirchlichen Amtsträger ein, ohne daß er seinen Schülern ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Amtsträger zubilligte noch vorsah, sie an der Regierung seiner Kirche zu beteiligen. Wo Gott Ordnungen, gar hierarische einstiftet, da provoziert dies zur Revolte gegen diese Ordnungen. Das Urbild all solcher antihierarischen Revolutionen schildert uns die hl. Schrift selbst in der Revolte der Rotte Korach (4.Mose 16), das viele Nachahmungsversuche hervorrief und hervorruft, den aktuellsten auf dem „Synodalen Weg“! Nichts Neues unter der Sonne!“, predigte der weise Salomon- und wieder einmal bekommt dies Weisheitsbuch recht in der X. Neuinszenierung dieses Rottengeisteraufstandes. Geradezu grotesk ist dabei aber die Meinung,daß die Kirche Jesu Christi so ihr Binnenleben zu organisieren habe wie etwa ein Kaninchenzüchterverein, ganz erfüllt vom deutschen Vereinsgeist!

Donnerstag, 26. Januar 2023

„Was nützt es euch,wenn ich euch aber keine Offenbarung,keine Erkenntnis,keine Weissagung,keine Lehre bringe?“

„Was nützt es euch,wenn ich euch aber keine Offenbarung,keine Erkenntnis,keine Weissagung,keine Lehre bringe?“ So erklärt der Apostelfürst Paulus den Auftrag seines Apostolates, hier im 1.Korintherbrief (14,6) in seiner Auseinandersetzung mit der seines Erachtens zu hoch in dieser Gemeinde eingeschätzten Zungenrede als ein besonderes Charisma. Paulus versteht sein Amt als das eines Lehrers: Er trägt eine Lehre vor, eine „doctrina“, wie die Vulgata treffend übersetzt. Er trägt die Lehre Jesu Christi vor, wobei hier der Genitiv sowohl als subjectivus als auch als objectivus zu lesen ist. So faßt ja die Apostelgeschichte die Lehrtätigkeit Paulus in Rom zusammen: „Praedicans regnum die,et docens quae sunt de Domino Jesu Christo“.=prädigend das Reich und lehrend, die (Aussagen),die über Jesus Christus sind.“ Für Paulus steht die Lehre und das Lehren im Vordergrund. Das Fundament bildet dafür die Offenbarung. Aus ihr gewinnt er die Erkenntnisse, aber auch das Vermögen, zu prophezeien. Er prophezeit das Reich Gottes. All dies summiert er dann unter dem Begriff der „doctrina“. Lukas hat sein ganzes Evangelium nur geschrieben, um die Leser von der „Zuverlässigkeit der Lehre zu überzeugen“. (1,3) Das hieße dann aber auch, daß dies Evangelium nicht selbst diese Lehre ist sondern fundiere, daß die Lehre wahr sei. So wichtig war schon im Urchristentum die Doktrin. Jesus wird ja auch in den Evangelien in erster Linie als Lehrer dargestellt, der ob dieses Berufes mit seinen pharisäischen Gesetzeslehrern in Lehrkonflikte geriet, weil er die Schrift anders auslegte als sie. Deshalb hießen seine Anhänger auch Schüler und die Kommunikation war die eines Lehrers mit seinen Schülern. Durch die üblich gewordene Übersetzung mit „Jünger“ wird dieser klare Sachverhalt leider verunklart. So klar dies nun alles auch ist, so sehr verdunkelt sich dies in den nachkonziliaren Zeiten. Die Lehre soll nun etwas Sekundäres, Nichtwesentliches sein, denn es käme nur auf ein persönliches Vertrauensverhältnis zu Jesus an: „Ich vertraue Dir“. Diese Vorstellung haben Theologen der philosophischen Richtung des Personalismus entnommen, leider ohne genau zu prüfen, ob diese Philosophie wirklich eine ist, in der die Wahrheit der christlichen Religion vernünftig aussagbar ist. Abbreviaturhaft gesagt: Als Antithese zur hegelschen und marxschen Philosophie trat ein radicaler Subjektivismus auf (Max Stirner und Kierkegaard), der sich so auf den Einzelnen kaprizierte, daß das Soziale des Menschen zu verschwinden drohte. Man verurteilte Hegel und Marx, da in ihren Philosophien der Einzelne und das einzelne Besondere ganz im Allgemeinen und Abstrakten unterginge. Die personalistische Philosophie korrigiert nun diese Kaprizierung auf den Einzelnen, indem sie ihn deutet als einen, der primär in und durch seine Relationen zu anderen Menschen Mensch ist. Das Ich ist nur Ich durch das Du!, könnte als Substanz dieser Philosophie angesehen werden. In dies Schema wird dann auch Jesus, genauer die Begegnung mit ihm hineingepreßt. Er fungiert dann nur noch als das Du, durch das ich Ich werde, als ein von ihm, von Gottes Liebe Bejahter. Hier ist dann wahrlich jede Lehre überflüssig, zählt doch allein die Begegnung mit Ihm! Dies Begegnen ist dann auch mehr ein affektives Erleben, denn ein cognitives: Da wird nichts erkannt und keine Kenntnis vermittelt, es soll einfach nur das Angenommensein erlebt, erfühlt werden. Jede Doktrin löste diese Unmittelbarkeit von Du und Ich auf, ersetzte sie sie doch durch etwas Reflektiertes. Jesus lehrte so nichts, seine Jünger waren einfach enthusiasmiert von seiner Persönlichkeit. Von daher muß die ganze Theologie, angefangen von der Lehre über Jesus als eine einzige Fehlentwickelung gedeutet werden, ja selbst Jesus habe sich mißverstanden, als er als Lehrer sich verstand. Denn statt zu lehren, hätte er doch nur seinen Zeitgenossen in seiner Zuwendung zu ihnen Gottes unbedingte Liebe zu ihnen allen erlebbar machen sollen. Deshalb soll jetzt die Kirche ihre Lehre als unverbindlich, als Unnötiges und Verfehltes erklären, um nur noch ein Ort des: „Wir haben uns alle lieb“ zu werden, der nur die Ewiggestrigen ausschließt, die immer noch meinen, es gäbe eine verbindliche Lehre, die in der Wahrheit Gottes fundiert sei. Zusatz: Nicht ist der Gebrauch jeglicher Philosophie für das theologische Denken abzulehnen, denn jedes wissenschaftliche Denken muß sich eine Rechenschaft geben über sein Denken, wie wahrheitsfähig es ist und das ist eine philosophische Aufgabe, nur ist eben nicht jede Philoophie gleich gut geeignet für das theologische Denken.

Montag, 16. Januar 2023

Das Christentum, die christliche Religion – eine Erfindung des 2.Jahrhundertes

Das Christentum, die christliche Religion – eine Erfindung des 2.Jahrhundertes Kath de startet durch in seinem Kampf gegen die Katholische Kirche und das Christentum überhaupt. Als Angreifer erwählte man sich einen philosemitischen Exegeten des Neuen Testamentes, den „Theologen“ Wengst. Am 15. Jänner lautete dann die Überschrift: „Meine These: Im ersten Jahrhundert gab es noch kein "Christentum“. Ausformuliert heißt das: „Meine These: Es gab im 1. Jahrhundert noch kein "Christentum", also eine Gemeinschaft von Menschen, die sich unter dieser Bezeichnung als eine andere Religion im Unterschied zum Judentum verstanden hätte. Ein solches Christentum entsteht erst in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts.“ Ein Urchristentum gab es nicht, die Apostel waren keine Christen und die Evangelien bezeugen einen rein jüdischen Messiasglauben, daß Jesus nur ein Mensch war, der zum Messias gesalbt worden war, in innerjüdische Kontroversen der Gesetzesauslegung involviert war und den Gott dann von den Toten auferweckte, sodaß dies als Zeichen der Nähe des Reich Gottes ganz jüdisch gedeutet wurde. Da die „Messiasgläubigen“ mit ihrem energischen Ja zu Jesus als den Messias in Streit gerieten mit anderen Juden, die dies bestritten, separierten sich diese „Messiasgläubigen“, blieben aber ganz in der jüdischen Religion. Die Evangelien und alle anderen Schriften dürfen so nicht als christliche Werke gelesen werden sondern von der jüdischen Schrift (Mose und den Propheten) her, denn diese bilden die Auslegungsnorm! Das heißt konkreter: Diese Schriften verstoßen als rein jüdische nicht gegen den klaren jüdischen Monotheismus: Jesus kann so nur ein Mensch gewesen sein, mit dem oder durch den Gott handelte. Die „Messiasgläubigen“ verstanden sich so als jüdisch Glaubende und nicht als Christen! Im 2. Jahrhundert änderte sich das. Erstens waren viele der jetzigen Gemeindemitglieder Heidenchristen, denen es am Verständnis für das Jüdische fehlte, während die Zahl der Gottesfürchtigen, das waren Heiden, die sich angezogen fühlten vom jüdischen Monotheismus, aber keine Juden werden wollten und die Zahl der messiasgläubigen Juden anteilig zurückging. Einfach gesagt: Diese ethnische Überfremdung löste die Einbindung der Messiasgläubigengemeinden in die jüdische Religion. Jetzt erst konstituierte sich die christliche Religion durch ihren Gegensatz zur jüdischen. Die Septuaginta, die rein jüdische Bibel wurde verchristianisiert und die Evangelien und sonstigen Schriften antijüdisch gedeutet. Im Zentrum dieses Abfalles vom ursprünglich rein jüdischen Glauben steht dann die Vergottung Jesu. Ja, Theologen verstiegen sich gar zu der Vorstellung, daß Gott in Jesus Mensch geworden sei, (was leider noch heute in Weihnachtsgottesdiensten zu hören sei!) Das Christentum sei also der Abfall von dem rein jüdischen Messiasglauben des ersten Jahrhundertes, verursacht durch die vielen nichtjüdischen Gemeindemitgliedern, die kein Verständnis mehr für das rein Jüdische hatten. Das, was wir heute das „Neue Testament“ nennen, sind so keine christlichen Schriften und müßten so streng vom jüdischen Monotheismus her gelesen werden. Denn hier ist alles streng jüdisch gemeint, jüdisch im religiösen Sinne. Das Christentum dagegen ist der Abfall von der jüdischen Religion, der Geburtsfehler der Kirche sei dann ihr Antijudaismus, daß sie aus rein antijüdischer Intention erschaffen worden sei. Die „Messiasgläubigen“ hätten aber wohl von Anfang an ob ihrer Impertinenz, mit der sie Jesus als den Messias proklamierten und mit ihrer Deutung der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr als Strafgericht Gottes über die Weigerung, Jesus als den Messias anzuerkennen, den Bruch mit dem Judentum präfiguriert. So ist dieser „Exeget“ ein anschauliches Beispiel für die Parole der „Christologischen Abrüstung“ des christlich-jüdischen Dialoges, daß wir Christen Jesus zu einem bloßen Menschen zu reduzieren haben um des Gelingens dieses Dialoges willen. Daß Wengst nun darüber hinaus objektiv das ganze Christentum als eine Fehlentwickelung abschreibt, demonstriert aber nicht nur die Früchte dieses Dialoges sondern auch eine Krise der Grundlagen der christlichen Religion: Man möchte sich selbst abschaffen und substituieren durch einen monotheistisch fundierten Humanitarismus des Glaubens an das Gute in jedem Menschen im Verbund mit der Hoffnung auf die Verbesserbarkeit der Welt. Dafür ist aber die ganze christliche Theologie überflüssig und der Sohn Gottes allemal! Corollarium Die interreligiösen Dialoge scheinen ein besonders gutes Biotob für die Transformation der christlichen Religion in einen theozentrisch letztbegründeten Humanitarismus zu sein.

Samstag, 3. September 2022

Die Versuchung der Kirche: "Der Kosmos wird Euch hassen!" + 2 Zusätze

Die Versuchung der Kirche: „Der Kosmos wird Euch hassen“


Dies verheißt der Sohn Gottes seiner Kirche (Joh, 15,19). „Das darf doch nicht wahr sein!“, dürfte wohl die Spontanreaktion manchen Lesers sein. „Man muß sich diese bittere Wahrheit doch vom Halse schaffen können!“ Als erstes und vorzügliches Instrumentarium bietet sich da die historisch-kritische Methode zur Entsorgung unerquicklicher Wahrheiten an. Diese Aussage müsse in ihrem spezifischen Kontext gelesen werden. Die so schreibende christliche Gemeinde erleide just Verfolgungen. Von daher habe sie dann dies Wort Jesus in den Mund gelegt. Selbstverständlich sei das kein echtes historisches Jesuswort, denn der konnte als Mensch ja nicht die zukünftig sich ereignen werdenden Verfolgungen vorauswissen. Durch dieses Pseudozitat wird nun das kontingente Ereignis der Verfolgung der christlichen Gemeinden in den Status eines: So muß es ja sein!, erhoben. Realiter spiegelt sich hier aber die Konfliktsituation einer christlichen Gemeinde mit der Synagoge wider. Der „Kosmos“ stünde hier für die „Juden“, die Synagoge.

Bischof Bätzing (siehe Herz Jesu Apostolat, Videos zur kommenden Synodalversammlung des Synodalen Weges) predigte hierzu auf dem letzten katholischen Kirchentag wegweisend: Der Evangelist Lukas schöbe einseitig die Schuld an der Steinigung des hl. Stephanus den Juden zu! In derWirklichkeit verhielte sich das wohl anders. Politisch korrekt: Die Christen waren eben selbst schuld daran, daß der Konflikt mit der Synagoge so eskalierte, daß ein Christ gesteinigt wurde und daß Urchristen meinen konnten: Der Kosmos, die Welt hasse sie und meinten damit die Juden.

So kann man historisch-kritisch geschult leicht das Ärgernis dieser Aussage beseitigen. Also,genaugenommen waren die Christen isb der johaneischen Gemeinden selbst schuld daran, daß sie verfolgt wurden. Daraus ist zu lernen: Die Welt wird uns lieben, wenn wir sie nicht durch uns so verärgern, daß sie uns nicht mögen. Nun gibt es viel Weltmenschen Anstoß und Ärgernis Bereitendes in der Katholischen Kirche. Nichts Nebensächliches, sondern schon der Kern, daß es nur eine Wahrheit geben soll, daß Jesus Christus da als die eine allein freimachende Wahrheit verkündet wird. Aber auch da hilft die Allzweckwaffe der historisch-kritischen Methode weiter. Leicht kann da die These aufgestellt werden, daß das Johnnesevangelium von Jesus schreibe wie ein frisch Verliebter von seiner Geliebten: „Nur Dich gibt es! Du bist die Einzige!“ Selbstverständlich gäbe es aber realiter unendlich viele andere Frauen und nicht nur diese eine und so existierten auch viele wahre Wege zu Gott. So kann man dann eine unerquickliche Wahrheit nach der anderen beseitigen, bis nur noch ein der Welt wohlgefälliges Christentum dabei herauskommt. Die meisterliche angewendete historisch-kritische Methode leistet dazu Vortreffliches, wenn oft auch nur in ihrer vulgärsten Version, daß alles in der Kirche historisch bedingt und so auch beliebig veränderbar sei. Ist erst die Kirche demokratisch, kann sie eben endlich alles Unerquickliche aus ihr entfernen. Dann kann sie eine von dem Kosmos respektierte Kirche werden, eine aus der Welt, in ihr und für sie seiende. 

1.Zusatz

Diese Aussage Jesu Christi muß einem zeitgenössischen Christen doch völlig unverständlich sein, wenn das Evangelium Jesu doch nur die Verkündigung des jeden Menschen liebenden Gottes ist. Hat Jesus etwa etwas anderes verkündigt?  

 

2.Zusatz

Die Konstantinische Epoche war der große Versuch, diesen Haß der Welt durch die Christianisierung der Welt zu überwinden. Jetzt stellt sich die Welt wieder gegen die Kirche. 

 

Montag, 11. Juli 2022

Kardinal Marx "sieht Anbruch einer neuen Epoche des Christentums"

Kardinal Marx „sieht Anbruch einer neuen Epoche des Christentums“


So steht es geschrieben auf Kath de am 10.6.2022. „Aber die Botschaft des Mannes aus Nazareth wird nicht zu Ende gehen.“ So proklamiert es dieser Kardinal. Die neue Epoche des Christentumes, das wird zuvörderst eine Kirche ohne den „Zwangszölibat“ sein und eine, in der es das Frauenpriestertum geben soll. Der Kardinal erklärt ja nun schon regelmäßig, trotz eingehender Kritik, daß die Diskussion um die Legitimität eines Frauenpriestertumes nicht beendet sei. Unüberlesbar ist dabei zwischen den Zeilen des Kardinals Wohlwollen dieser Reformidee gegenüber. Das allein wird noch nicht das Ganze der neuen Epoche des Christentumes ausmachen, in die neue Kirche gehört noch ihre Verdemokratisierung und die Liberalisierung ihrer Moral- und insbesondere ihrer Sexualmorallehre.

Nun heißt es aber im Kirchenrecht (Canon 1024): „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.“ Wäre die Weihe nur verboten, könnte dies Verbot aufgehoben werden, aber wenn die Weihe von Frauen nicht gültig empfangen werden kann, dann kann dieseUngültigkeit nicht durch eine Gesetzesänderung beseitigt werden. Einem Priester kann die Kirche verbieten, die hl.Messe zu lesen und somit auch jedem, in dieser die hl. Kommunion zu empfangen, aber wenn ein Gläubiger sie dann da doch empfängt, empfängt er sie gültig, wenn auch verboten. Zelebrierte nun aber ein Diakon die Eucharistie, selbst wenn ihm das der Papst oder ein Bischof erlauben würde, empfinge ein Gläubiger aus den Händen des Diakones nur Brot und Wein, weil er keine geistliche Vollmacht zur Wandlung besitzt. Würde ein Ungetaufter zum Priester geweiht, empfinge er nicht diese Vollmacht zur Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi, denn das Getauftwordensein ist eine der 2 notwendigen Vorraussetzungen für den gültigen Empfang der Priesterweihe. Die zweite notwendige Vorraussetzung für den gültigen Empfang ist nun das männliche Geschlecht. So lehrt es die Kirche in dem 1024 Canon. Eine Frau empfinge so genauso ungültig die Weihe wie ein Ungetaufter. Von diesen 2 Conditionen kann die Kirche die Weihekandidaten nicht dispensieren.

Aber wie kann es dann eine Zukunftskirche mit einem Frauenpriestertum geben und wie kann die Kirche den Zölibat beseitigen, wenn doch Jesus Christus selbst als der wahre Priester zölibatär lebte? Alles kirchliche Priestertum ist ja nur ein abbildliches des Urbildes des Priestertumes Jesu Christi selbst. Nur ob dieser Methaxis ist es ein wahres Priestertum.

Aber Kardinal Marx und seine vielen Kombattanten sehen all das ganz anders. Es könnte sein, daß sich diese so ganz andere und nichtkatholische Sichtweise aus dieser Äußerung: „Aber die Botschaft des Mannes aus Nazareth wird nicht zu Ende gehen“ generiert. Das Zentraldogma des katholischen Glaubens lautet ja, daß Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist. Aber in dieser Aussage wird aus diesem ein Mann aus Nazareth,der eine Botschaft hatte. Diese auf den ersten Blick so salopp daherkommende Formulierung ist aber voller metaphysischer Tücken. Es wird dabei präsumiert, daß hinter dem von der ganzen Bibel verkündigten und dargestellten Jesus Christus ein Mensch aus Nazareth verborgen liegt, der dann posthum in verschiedenster Weise gedeutet und interpretiert worden sei in den urchristlichen Gemeinden. Der heutige Leser der Bibel stünde so vor der großen Aufgabe, Schicht um Schicht der urchristlichen Interpretation abzutragen, bis sie auf den historischen Kern, dem Mann aus Nazareth vorstöße. Dabei soll es diesen Tiefengräbern aber nun nicht wie einem Zwiebelerforscher ergehen, der nie auf einen Kern vorstoßen kann, sondern es wird der kernige Jesus mit seiner Kernbotschaft aufgefunden. War der Jesus Christus das Fundament und die Legitimierung der Katholischen Kirche, so wie sie jetzt geworden ist, so ist dieser neu gefundene Mann aus Nazareth die Deligitimierung der Katholischen Kirche: Dieser „ echte“ Jesus, der hat eben was ganz anderes gesagt und gewollt als der verkirchlichte Jesus Christus. Der war eben gegen den Zölibat, für das Frauenpriestertum, für eine laxe Sexualmoral und für all das, was den Heutigen gefällt. Und von diesem neu erdichteten Jesus her soll nun die Kirche ganz neu auferbaut werden, alles Katholische, auf Jesus Christus sich Gründende hinter sich lassend in der neuen Epoche des Christentums.

Nur eines irritiert nun, daß diese neue Epoche schon mit der Reformation und in der Lutherkirche ihre Gestaltung schon längst gefunden hat!


 

Montag, 23. Mai 2022

Irritierendes: Jesus und der Abfall der Kirche von ihm

Irritierendes: Jesus und der Abfall der Kirche von ihm


Kein Narrativ erfreut sich in der Kirche einst und jetzt so großer Beliebtheit als die Sage von dem, wer Jesus eigentlich wirklich war und was er verkündet hatte und dem, was daraus, Jesu Anliegen pervertierend die Kirche gemacht hätte, fast so beliebt wie die Parole, daß die Kirche sich zu modernisieren habe, um für ihre Zeitgenossen noch akzeptabel zu sein.Das Heil der Kirche bestünde dann einfach in einem Zurück zu Jesus, all die kirchlichen Irrungen und Verwirrungen hinter sich lassend.

Da hatte Jesus doch ganz klar gesagt: „Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen,denn nur einer ist euer Lehrer,Christus.“ (Mt 23,10) Aber die Kirche betitelt nicht wenige als Religionslehrer, ja sie anerkennt einige gar als Kirchenlehrer,etwa den hl.Thomas von Aquin. Jesus aber sagt hier doch eindeutig, daß es keine Lehrer und schon gar keinen Kirchenlehrer geben dürfte, denn nur er sei der Lehrer. Wenn es ein eindeutiges Beispiel für den Abfall der Kirche gibt, dann doch wohl dieses.

Nur gilt auch für diese Aussage die kritische Anfrage: „Verstehst Du auch,was Du liest?“ (Apg 8,30) Etwas lesen, es zitieren heißt noch lange nicht, das Gelesene auch verstanden zu haben. Der so Angefragte respondierte diese Frage bekanntlich so:“Wie könnte ich es,wenn mich niemand anleitet?“ (Apg 8,31) Wer in diesem Sinne anleiten kann, ist ein Lehrer, ein Schriftgelehrter. Sollte so etwa schon Philippus Jesus mißverstanden haben, indem er nun die Rolle des Leheres übernimmt und als Schriftgelehrter die Bibel auslegt? Oder sollte Jesus so verstanden werden, daß es zwar Lehrer in der Kirche geben dürfe, vielleicht sogar geben müsse, nur daß sie dann so nicht betitelt werden dürften? Aber wäre es nicht unangemessen, jemanden, der Lehrer ist, nicht als das zu betiteln, was er ist?

Das 23. Kapitel des Matthäusevangeliums ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit: Worte gegen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Die Kritik konzentriert sich auf zwei Vorwürfe, erstens, daß sie selbst, das, was sie lehrten, nicht hielten und daß ihnen bei all ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit ihre Geltungssucht das Wichtigste sei. Sie wollen eben angesehen werden, etwas zählen in den Augen der Anderen.

So soll es aber nicht unter den Christen sein, das ist nun die Zentralaussage Jesu. Deshalb darf unter den Christen niemand Lehrer genannt werden. Es kann auch niemand diesen Titel für sich selbst beanspruchen, weil dieser Titel allein Jesus Christus zukommt. Warum will denn nun jemand Lehrer genannt werden? Für Jesus gibt es hier dafür nur einen Grund, daß so die so sich titulieren Lassenden in den Augen der Anderen etwas gelten wollen: „Wir sind etwas, was ihr nicht seid! Wir sind also etwas Besonderes, mehr als ihr!“

Blenden wir um zur Rotte Korach (4.Mose 16): „Wir sind alle gleich nahe unserem Gott, Gott ist uns gleich nahe, darum ist es eine Anmaßung, wenn Mose und Aaron sich als Vermittler zwischen Gott und uns, dem Volke Gottes aufspielen.“ Im Volke Gottes gibt es so nicht nur die „Oberen“, die beim Volke was gelten wollen sondern auch Gruppen im Volke, diese Rotte, die keinen über sich gelten lassen wollen. „Gleich sind wir alle und darum darf es keine Hierarchie geben!“

Jesus hat in Mt 23 die vor Augen, die etwas gelten wollen, nicht hat er die vor Augen, die um selbst etwas gelten zu wollen, alle anderen nicht Lehrer gelten lassen wollen. Es gibt eben auch eine Lehrer- und Hierarchiekritik im Geiste derer, die niemanden gelten lassen wollen, um so selbst etwas zu gelten: „Wir brauchen keine Lehrer, weil wir alles schon wissen, alles von selbst verstehen.“ Dieser Typus hätte die Frage, verstehst du auch, was du liest?, geantortet: „Selbstverständlich, einen Lehrer brauche ich nicht!“ Im Hintergrund steht dabei ein naiver Subjektivismus: „So, wie ich es verstehe, so ist es!“ Lehrer müßten aber diesen naiven Subjektivismus in Frage stellen um der Suche nach dem objektiven Gehalt des Gelesenen.

Mose und Aaron zeigen unwiderlegbar, daß es im Volke Gottes Hierarichen nach Gottes Willen gibt und geben soll.

Aber warum dürfen die dann nicht auch Lehrer oder gar Kirchenlehrer betitelt werden? Jesus sagt, daß er allein der Lehrer der Kirche sei und somit kein anderer. Damit stehen wir vor der Questio, wie sich der Anleiter zum Schriftverstehen (Apg 8,31) zu der Aussage, daß es in der Kirche keinen Lehrer geben dürfe, verhält.

Meine These lautet nun, daß der Lehrer in zwei grundverschiedenen Arten verstehbar ist: a) Der Lehrer lehrt das, was er aus sich heraus als wahr erkannt hat- das wäre ein autonomer Lehrer und b) Der Lehrer ist ein Schüler des Lehrers Jesu Christi,der das von Jesus Gelehrte anderen lehrt. Somit ist er kein autonomer Lehrer, sondern einer, der seine Wahrheit selbst erst gelehrt bekommen haben muß von dem einzigen wahren Lehrer der Wahrheit. Wenn ein autonomer Lehrer sich seiner Erkenntnisse rühmen kann, rühmt der kirchliche Lehrer, wenn er lehrt, den, von dem er alle Erkenntnis selbst gelehrt bekommen hat. In diesem Sinne kann und muß es in der Kirche Lehrer geben, damit die, die die hl. Schrift lesen, diese auch verstehen lernen. Die Lehrer der Kirche sind eben die in der Apostelgeschichte gesuchten Anleiter zum Verstehen. Geradezu hybrisch wäre es nun, wenn jeder sein rein subjektives „Verstehen“ des Gelesenen schon für ein Verstehen des Gelesenen hielte, wie es die Reformatoren proklamierten.

Reümerend muß so gesagt werden: Nicht jede Differenz zwischen Worten und Taten Jesu und dem Tuen der Kirche ist als ein Abweichen von Jesu Christi abzuqualifizieren. Denn eine solche Differenz kann sich auch darin gründen, daß Jesu Worte nicht einfach dem Buchstaben nach sondern dem Geiste nach zu verstehen sind.