„Theologe Tück: "Jesus war Jude, kein Befreiungskämpfer" Eine Kritik
So angemessen in diesem Artikel (Kath net am 23.Dez.2024) darauf insistiert wird, daß Jesus kein Palästinenser war und somit auch nicht für den antiisraelischen Kampf der Palästinenser instrumentalisiert werden darf, so problematisch ist doch diese Antithese von „Jude“ und „Befreiungskämpfer“. Denn zu Zeiten Jesu gab es in Israel eine starke Bewegung, die einen jüdischen Befreiungskampf wider die römische Besatzungsmacht forderte und die dann auch 70n. Chr. Zur Tat schritt. So spricht einiges dafür, daß Barrabas, „der bei einem Aufstand einen Mord begannen hatte“ (Mk 15,7) ein solcher jüdischer Befreiungskämpfer gewesen war, dessen Freilassung deshalb auch die Juden forderten, wie es das Makusevangelium berichtet.
Die Frage, wie hältst Du es mit der Gewalt?, war also zu Zeiten Jesu im jüdischen Volke von höchster Aktualität. Man würde heute diese Bewegung als national- religiöse- Befreiungsbewegung oder diskriminierend als eine fundamentalistisch- nationalistische Bewegung bezeichnen. Im Hintergrund stand die Tradition der makkabäischen Befreiungskämpfe. In der Exegese wird gar gelegentlich gemutmaßt, daß das „Magnifikat“: „er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ seinen Sitz im Leben in solchen befreiungstheologischen Kreisen gehabt haben könnte.
Augenfällig ist nun, wie klar sich Jesus selbst und ihm folgend das Urchristentum von dieser jüdischen befreiungstheologischen Bewegung distanzierte. Wenn Jesus Christus dann zu Pilatus sagte: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh, 18,36) und dann noch hinzufügt: „Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich nicht den Juden ausgeliefert würde“ (36) , dann distanziert sich Jesus damit energisch von einer Messiasvorstellung dieser befreiungstheologischen Bewegung, daß der Messias die Freiheit des jüdischen Volkes widerherstellen und so die Römer vertreiben würde. Ja, die hier angezeigte Feindschaft der Juden Jesus gegenüber könnte hier auch als eine Reaktion auf das Nein der Urchristen an einer Beteiligung am jüdischen Befreiungskampf gedeutet werden.
Wenn das Urchristentum, dann nicht nur, wie es der Apostelfürst Paulus zeigt, den römischen Staat als die legitime Obrigkeit anerkennt, obschon sie das jüdische Volk unterdrückt, dann muß das in jüdischen Ohren als ein Affront empfunden worden sein. Die Zöller, stets mit den Sündern in einem Atemzug genannt, waren ja deshalb so verhaßt, weil sie sich in den Dienst der römischen Besatzungsmacht stellten und nicht deshalb, weil nun alle, oder fast alle sich betrügerisch bereicherten. Jesus, der sich als der Messias nun gar diesen Volksfeinden zuwandte, muß da mehr als skandalös auf viele Juden gewirkt haben, die auf ihre Befreiung von der römischen Fremdherrschaft hofften. Die Anfrage an Jesus, wie sie uns die Apostelgeschichte dokumentiert: „“Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apg 1,6), zeigt, daß selbst unter seinen Schülern die befreiungstheologische Vorstellung ihre Anhänger hatte. Aber das Urchristentum war stattdessen jenseits orientiert mit sehr starken apokalyptischen Vorstellungen. Das Ende des „Alten Äons“ wurde erhofft, eine neue Erde und ein neuer Himmel. Da paßte die Hoffnung auf eine Wiederaufrichtung eines jüdischen Staates, eines jüdischen Reiches nicht hinein.
Jesus war so gesehen, obgleich er von seiner Volkszugehörigkeit ein Jude war, kein Anhänger einer jüdischen befreiungstheologischen Bewegung, sondern er verkündete das Weltende und ein jenseitiges Reich, einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gab es denn nun im Urchristentum keine Feindschaft wider die römische Besatzungsmacht? Wenn, dann zeigt uns der Apostelfürst Paulus, wie die Christen mit solcher Feindschaft umgingen: „Rächt euch nicht selber, liebe Brüder,sondern läßt Raum für den Zorn Gottes, denn in der Schrift heißt es: Mein ist die Rache,ich werde vergelten“.(Röm 12,19). Das ist auch eine Absage an den revolutionären Befreiungskampf der Zeloten, denn in jeder Revolution spielt der Wille zur Rache an den da „Oben“, gegen die revoltiert wird, eine maßgebliche Rolle.(Die verkleinerte Form der Rache ist das Ressentiment, vgl dazu Nietzsche.)
So muß es als völlig abwegig angesehen werden, wenn nun gar palästinensische Befreiungskämpfer für ihr revolutionäre Anliegen Jesus vernutzen zu versuchen, wie es versucht wurde, als man das Kind in der Krippe auf ein Palästinensertuch bettete und der Papst gar dieser Krippe seine Referenz erwies. (Vgl dazu den Kath net Artikel vom 23.12.2024)
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