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Freitag, 6. März 2026

„Wortgottesdienste mit oder ohne Kommunionausteilung? Bei der Frage scheiden sich die Geister.“ Welch eine Confusion!

Wortgottesdienste mit oder ohne Kommunionausteilung? Bei der Frage scheiden sich die Geister.“ Welch eine Confusion!


Es ist schon fast eine theologische Spitzenleistung, wie viel an Confusion der Kath de Artikel :“Priestermangel prägt die liturgische Praxis.Kranemann: Liturgie lebt von Vielfalt, nicht von Verengung“1 anrichten kann. Ein Liturgieprofessor, Herr Kraenemann stimmt dabei die übliche Laudatiogesänge über die liturgische „Vielfalt“ an, verkennt dabei dann aber, daß man seitens Kath de doch nur daran interessiert war, zum zigsten Male den Priestermangel als einen Vorwand zur Abschaffung des Zölibates und der Einführung des Frauenpriestertumes zu vernutzen.

Statt nun die dargebotenen Confusionen zu dieser Causa nachzuerzählen, versuche ich nun eine kleine Übersichtsskizze zu dieser Problematik.


Erstens muß festgestellt werden, daß ursprünglich es nur eine Gestalt des Gottesdienstes im Alten Bund gab, die des Opferkultes, wobei nach der Errichtung des Jerusalemer Tempels nur noch in ihm dieser Gottesdienstzelebriert werden durfte.

Zweitens: Im babylonischen Exil, da dort die Priester keine Opfer Gott mehr darbringen durften, wurde als ein Surrogat der sog. „Wortgottesdienst“ kreiert, der jetzige Synagogengottesdienst, in dem die Predigt: „Warum sind wir aus unserer Heimat vertrieben worden und was haben wir nun zu tuen?“ im Zentrum stand.

Drittens: Nicht das ganze jüdische Volk kehrte in seine Heimat zurück, viele blieben im Exil als Diasporagemeinden und die hielten dann an der Praxis des synagogalen „Wortgottesdienstes“ fest. Jetzt existierte die Pluralität der Gottesdienste, der des kultischen im Tempel und der des „Wortgottesdienstes“ in der Synagoge.

Viertens: Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und ob der politisch bedingten Unmöglichkeit einer Restitution des Tempels avancierte der Synagogengottesdienst zu der einzigen Gestalt der jüdischen Religion. Die Kirche erschuf nun eine Synthese, indem der synagogale Gottesdienst und das Meßopfer der Eucharistie als die christliche Version des Tempelkultes zu einem Gottesdienst verschmolzen wurde mit der Unterscheidung von der Vormesse, dem Wortgottesdienst und der eigentlichen Messe, der Eucharistie zelebriert als Sacrificium und als Sakrament,

Fünftens: Die Reformation löste diese Synthese auf und erachtete den „Wortgottesdienst“ als den wahren Gottesdienst und reduzierte die Eucharistie auf ein heiliges sakramentalistisches Essen, das den Status eines Appendix des Wortgottesdienstes erhielt, lutherisch ein Mal im Monat, reformiert 4 bis 6 Mal im Jahr zu feiern.



So weit der Überblick. Eine Messe ohne die Eucharistiefeier kann so katholisch geurteilt nur ein defizitärer Gottesdienst sein. Es muß dabei an der Erkenntnis festgehalten werden, daß der „Wortgottesdienst“ ursprünglich nur ein Ersatz für den Tempelkult war.

Die Eucharistie setzt sich nun selbst aus zwei religiösen Praktiken zusammen, der des Opferkultes und der des heiligen Essens, daß entweder etwas Heiliges gegessen wird oder daß mit den Göttern oder mit einem Gott zusammen etwas gegessen wird.

Wenn nun in Folge eines Priestermangels die Eucharistie nicht als heiliges Meßopfer zelebriert werden kann, kann sie sehr wohl noch als das Sakrament des Altares zelebriert werden. Dazu ist kein Priester notwendig, es reicht ein Kommunionausteiler. Die Hostien werden dann als schon von einem Priester gewandelte dem Tabernakel entnommen, um sie an die Gläubigen auszuteilen. Für den gläubig Empfangenden entsteht dadurch kein Nachteil, denn für den gültigen Empfang ist es gleichgültig, ob ein Priester in der Eucharistie erst die Elemente transsubstantionalisiert hat oder ob sie schon vorher gewandelt worden aus dem Tabernakel entnommen werden.

Um den Eindruck einer Meßsimulation zu vermeiden, die ist eine schwere Sünde, empfiehlt es sich, die Liturgie auf die Austeilung und den Empfang der Hostie zu reduzieren: „Das ist mein Leib“

Es gibt keinen legitimen Grund, den Gläubigen das Sakrament der Eucharistie vorzuenthalten, ihnen den Empfang der Kommunion zu verwehren durch eine Reduktion des Gottesdienstes auf einen bloßen „Wortgottesdienst“. Die Zelebration des Meßopfers muß dann zwar ob des Priestermangels entfallen, die Gläubigen können aber gültig das Sakrament der Eucharistie empfangen.


Zudem: Zur Gültigkeit der Eucharistie reicht es, wenn ein Priester die Messe ließt und dann die heilige Kommunion empfängt auch wenn kein sonstiger Gläubiger an dem Gottesdienst teilnimmt. Es ist aber für das Heil der Gläubigen gut, wenn sie so oft es ihnen möglich ist, die hl. Kommunion empfangen und deswegen sollten keine „Wortgottesdienste“ ohne einen Empfang der Kommunion durchgeführt werden,da sonst ihnen ein sehr wichtiges Gut vorenthalten wird.

Jeder Gottesdienst wird in erster Linie zur Ehre Gottes zelebriert, deshalb kann er auch gültig ohne eine Gemeinde gefeiert werden, Um der Gläubigen willen sollte aber stets ein Empfang der Euchariste ermöglicht werden, auch dann, wenn die Feier des hl. Meßopfers in dem Gottesdienst dann nicht möglich ist.

Außerdem sollte die Bedeutung der Realpräsenz Jesu Christi im Tabernakel, in den gewandelten Hostien nicht unterschätzt werden: Der Herr der Kirche ist stets in ihr lebendig gegenwärtig und deswegen versammeln sich die Gäubigen da, wo er schon immer für sie da ist. Jede Kirche ist eben ein Wohnort Gottes, der im Tabernakel, dem Begegnungszelt auf seine Gläubigen wartet.

1Kath de am 3.März 2026.

 

Dienstag, 10. Februar 2026

Lesefrüchte: Wie die Gottesdienstbesucher einer Messe zu Madrid im Jahre 1796 beschrieben wurden

 

Lesefrüchte: Wie die Gottesdienstbesucher einer Messe zu Madrid im Jahre 1796 beschrieben wurden


Auch wenn der Verdacht, daß der Autor M.G.Lewis als Engländer der Katholischen Kirche nicht nur reserviert sondern gar ablehnend gegenübersteht,so bezeichnet er Madrid als eine Stadt, in der der Aberglaube sein despotisches Zepter schwingt“1so realistisch ist ihm in dem ersten Kapitel dieses Buches die Analyse der Gottedienst- besucher doch gelungen. Sehr viele Menschen strömten zu der hl. Messe in der Kapuzinerkirche, die Kirche sei erfüllt gewesen „vom Gedräng und Gewühl der Gläubigen“2, aber dann entlarvt dieses erste Kapitel die Hoffnung des Lesers, daß diese Vielen aus frommen Gründen da zusammengeströmt seien. Es soll nun dem Autoren das Wort erteilt werden:

So war denn die Zuhörerschaft,welche sich gegenwärtig in der Kapuzinerkirche drängte,daselbst aus den untershiedlichsten Gründen zusammengeströmt,nur nicht aus dem einzig plausiblen Anlasse der Gläubigkeit: Die Weiber waren gekommen,ihren Putz zur Schau zu stellen, die Männer hinwiederum,solcher Schaustellung nach Gebühr beizuwohnen.Etwelche Besucher hatte die Neugierde hergetrieben, den weitbeschrieenen Prediger zu hören,ein paar weitere hatten sich eingestellt, da sie sich der Langeweile bis zum Theater nicht besser zu verkürzen gewußt,und einige wenige waren erschienen,weil man ihnen versichert hatte, sie würden zu späterem Zeitpunkte keinen Platz mehr in der Kirche finden.“ ((Das ist eine besonders feine Beobachtung: Wohin alle gehen, dahin gehe auch ich, weil dahin alle gehen und wenn es nicht leicht es, dann da hinzukommen, will ich umso mehr da dabeisein! Weiter im Text:)) „Vollends aber war die halbe Einwohnerschaft Madrids hierhergeströmt in der Erwartung, im Gotteshause ihrer anderen Hälfte zu begegnen.“

Aber es kommt noch ärger: „So kam`s,daß die einzigen Menschen,die in Wahrheit dem Kanzelworte lauschen wollten, sich aus ein paar runzelig-vertrckneten Betschwestern zusammensetzten sowie aus einem Halbdutzend mißgünstiger Prediger,welche bloß von dem einen Wunsch beseelt waren, in dem Sermone, den sie da hören sollten,den oder jenen Fehler zu entdecken und die Schale ihres Spottes darüber auszugießen.Was aber den Rest der Versammelten betrift, so hätte besagte Predigt zur Gänze wegbleiben können, ohne daß man darob enttäuscht gewesen, ja solchen Fehlens überhaupt inneworden wäre.“

(Ich zitiere hier ausführlicher als sonst, auch weil ich für diesen brillanten Übersetzer Polakovics werben möchte, seine Übersetzung geben dem Werk selbst noch einmal eine ästhetische Qualität, er ist eben ein Sprachkünstler.) Gibt es einen berechtigten Grund, dieser sagen wir mal recht pessimistischen Beschreibung zu widersprechen außer dem Wunsche, daß das doch nicht so gewesen sein möge? Zeichnet sich diese Analyse nicht aus als die eines Kenners des Menschlich- Allzumenschlichen, der wir nur so ungern zustimmen mögen, da uns sie zu realistisch ist?Es darf aber die antikatholische Gestimmtheit der enlischen Literatur dieser Zeit nicht überseheb werden.


1M.G.Lewis, Der Mönch, Übersetzung: Friedrich Polakovics, 1.Kapitel.

2Alle folgenden Zitate aus diesem 1.Kapitel, am Anfang des Kapitels. Auf eine Seitenangabe verzichte ich ob der Vielzahl der Veröffentlichungen dieses literarischen Meisterwerkes.

Dienstag, 30. Dezember 2025

„The same procedure as every year“- Rituale und ihre Benörgler: Muß denn diese Sylvesterknallerei sein? Und der Gottesdienst?

 

The same procedure as every year“- Rituale und ihre Benörgler: Muß denn diese Sylvesterknallerei sein? Und der Gottesdienst?


Rituale prägen und strukturieren das Leben der Menschen und sind ein Element unserer Kultur.Manche Rituale werden vollzogen, auch wenn sie nicht mehr in ihrer Bedeutung verstanden werden. So ist: „Morgen“ die Abbreviatur des Wunsches: „Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen“Man glaubte,daß dies ein performativer Sprechakt sei, daß er also das bewirke, was er selbst aussagt,daß also dem so Bewünschten dadurch der Morgen ein guter Morgen wird.Für einen Aufgeklärten kann dies aber nur eine Gutewillenskundgabe sein, daß der so Grüßende seine Gutwilligkeit dem so begrüßten kund macht.

Daß man mitten im Winter die bösen Wintergeister durch ein großes Krachmachen vertreiben will, bildet so wohl das Fundament der ursprünglichen Tradition der Sylvesterkrachmacherei.Die heutigen Sylvesterfeuerei demonstriert auf das Eindrücklichste, daß ein Ritual gar ursprünglich religiösen Gehaltes sich versäkularisieren kann und dabei doch als ein Ritual weiter zelebriert wird.

Aber jedes Ritual provoziert auch die Standardkritik, daß ein Ritual doch nur etwas rein Äußerliches sei,aber seines eigentlichen Gehaltes dabei verlustig geworden sein.Nur, die Sylvesterfeuerwerke begeistern eben auch ob ihrer Schönheit. Aber es ist noch mehr als die Ästhetik des Feuerwerkes.

Der französische Querdenkerphilosoph Georges Bataille könnte uns auf eine nachdenkenswerte Idee bringen,indem er den Begriff der Verschwendungund der Verausgabungin die Philosophie einführt. In dem Wikipedia Lexikonartikel zu ihm liest sich das so: „Der Begriff der Verausgabung an einem bekannten Generationenkonflikt: Der Sohn geht seinem Vergnügen nach. Der Vater greift korrigierend ein, obwohl er sich selber Ähnliches unkritisch zubilligt. Er möchte, dass der Sohn sich nützlichen Dingen widmet. Damit solle – so Bataille – erreicht werden, dass die nachfolgende Generation sich in der homogenen Welt der Verantwortung bewegen lernt und ihre Individuen respektable, bzw. respektierte Mitglieder der Gesellschaft werden. Dieser Konflikt beruhe auf dem Sachverhalt, dass ausgeschieden wird, was nicht in die Idealität der homogenen Welt passt und deshalb als verfemt gilt. Verausgaben hat auch die Bedeutung von Verschwendung.“

Damit wird eine schlichte Tatsache beschrieben: Daß für das bürgerliche Leben „Verschwenden“ und „Verausgaben“ irrationale Handlungen sind.Sie widerstreiten dem bürgerlichen Arbeitsethos und dem Ideal des selbstbeherrschten Lebens.

Es ist doch eine pure Geldverschwendung, so viel Geld in den Himmel zu verpulvern für ein so kurzes Vergnügen! 1 Nähme man das ernst,müßte man doch ebenso energisch gegen die Tradition des „Weißen Brautkleides“ protestieren, denn ein so teures Kleid nur einmal tragen zu wollen, ist doch die purste Verschwendung, zumal die weiße Farbe das Symbol der Jungfräulichkeit der Braut ist. Verrationalisierte Ablehnungsgründe werden dann aber hinzugefügt,um das Nein zum Sylvesterfeuerwerk zu verstärken: Man müsse die Feinstaubbelastung berücksichtigen und überhaupt die Umwelt, die eben keinen Krach mag. Außerdem gäbe es stets auch Verletzte wegen der Knallerei. Dann müßte man aber zuvörderst den Sport verbieten angesichts der viel häufiger da sich ereignenden Verletzungen,klärte uns doch schon Winston Churchill auf die Gefahren des Sportes hinreichend auf: „Sport ist Mord!“

Dieser französische Philosoph verweist nun aber uns noch auf eine andere Spur: Ist es etwa ein Charakteristicum der Jugend,verschwenderisch leben zu wollen, während älter geworden man die Tugend der Sparsamkeit und des Nichtverschwendens zu lieben beginnt? Manifestiert sich darin etwa auch ein Neid aus,älter geworden, keine Lebenszeit mehr für ein Verschwenden übrig zu haben?

Ein Szenenwechsel: Sind nicht etwa die großen kirchlichen Prunkkirchen mit ihrem Übermaß an Gold auch nur Hervorbringungen exzessiver Verschwendungssucht.Hätte die Kirche nicht besser auf das aller-notwendigste reduzierten Räumen ihre Gottesdienste zu feiern gehabt,um dann das so eingesparte Geld den Armen zu spenden? Der Herr der Kirche selbst widersprach aber schon dieser Meinung, als er die Verschwendung des Salböles als angemessen beurteilte, daß er so sich salben ließ.

Zur kirchlichen Liturgie gehört tatsächlich das Verschwenderische, ihre Schönheit, die nicht zweckrational begründbar ist: „Nur das Allerschönste für unseren Gott, alles für seine Ehre!“ Offensichtlich ruht dem Kult wie auch den Ritualen so ein verschwenderisches, verausgabendes Moment inne. Wo der Gottesdienst aber verrationalisiert nur noch der Belehrung des Kirchenvolkes durch die Predigt dienen soll, so in der Reformation und nach der Liturgiereform auch in der Katholischen Kirche beraubt den Kult um seine Substanz.

In den Sylvesterfeierfeuerwerken erlaubt sich der Bürger, einmal nicht zweckrational zu handeln. Vielleicht läßt es sich gar nicht bürgerlich leben ohne solche ausschweifenden Verausgabungen.Einfacher gesagt: Wer dem Menschen ein Leben ohne Spiele aufnötigt, auch wenn man ihm dann das Brot zum Essen bewilligt,entmenschlicht den Menschen.


1Die rechtsradicale Partei „Der dritte Weg“führt so jedes Jahr seine Antisylvesterkampagne durch: „Tierfutter statt Sylvesterfeuerwerk“

Samstag, 20. Dezember 2025

„Heut ist uns der Heiland geboren“ - wieso, vor 2025 Jahren war er uns doch geboren worden? Eine Kritik

Heut ist uns der Heiland geboren“ - wieso, vor 2025 Jahren war er uns doch geboren worden? Eine Kritik



Für das historische Bewußtsein ist das eine klare Angelegenheit: In der Christmesse erinnert die Liturgie an das Faktum, daß Jesus Christus vor x Jahren geboren worden ist, in diesem Jahr also vor 2025 Jahren. Man frägt sich dann, welche Bedeutung dies Ereignis nun für uns Heutigen hat und findet dafür auch mehr oder weniger überzeugende und mitzustimmbare Aussagen. In diesem Gottesdienst wird so dies vergangene Ereignis veraktualisiert. Es bedarf keiner prophetischen Begabung, um vorauszusagen, daß das Eintreten für die Menschenrechte und der Kampf gegen die Umweltverschmutzung und gegen Rechts das Zentrum der Weihnachtsbotschaft bilden wird, eventuell noch ergänzt um den Appell, daß wir alle, besonders die kleinen Leute den Gürtel enger zu schnallen haben, da wir über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Nur, warum wird es dann auch dieses Jahr wieder heißen: „Heut ist uns der Heiland geboren“? Auch eine noch so intensive Erinnerung an das vor 2025 Jahren geschehene Ereignis, auch wenn es uns ganz plastisch durch ein Krippenspiel veranschaulicht wird, macht aus dem einst Geschehenem kein jetzt sich Ereignendes.

Die Liturgie setzt ein ganz anderes Zeitverständnis voraus als das historische, das ein Nacheinander von unendlich vielen Zeitpunkten sich vorstellt, in dem die Gegenwart der Nullzeitpunkt ist, vor dem die ganze Vergangenheit sich als eine unendliche Strecke von Zeitpunkten erstreckt und nach dem die Serie der vielen, vielleicht unendlich vielen zukünftigen Zeitpunkte sich ausstreckt. Die Alternative ist der Kreis, in dem die Zeitunkte auf dem Radius des Kreises platziert den liturgischen Jahreskreis bilden. Wie nach jedem Frühling der Sommer, dann der Herbst und dann der Winter und dann wieder der Frühling kommt, so kreist auch das liturgische Kirchenjahr: Immer wieder wird uns am 24 Dezember der Sohn Gottes geboren, der dann immer wieder im Fest der Himmelfahrt Jesu in den im Himmel auffährt.Jeder Punkt auf diesem Kreis der Zeit ist so ein Jetzt, der sich Jahr für Jahr wiederholt als das Jetzt, jetzt in wenigen Tagen als das Jetzt der Geburt des Heilandes.

Das hisrorische Zeitverständnis ist das der unendlichen Ausdehnung in die tiefste Vergangenheit rückschauend und in die fernste Zukunft vorausschauend. Das liturgische Zeitverständnis dagegen ist ein zyklisches, das des ewigen Kreislaufes. Das zyklische ist ein zutiefst mythologisches. In der Religion ist der Ort dieses mythologisch- zyklischen Zeitverständnis das im Kult präsentische. Wenn der Kult nicht mehr zyklisch- mythologisch verstanden wird, mutiert der Kult zu einer Erinnerungsveranstaltung an einst geschehene Ereignisse, sodaß die Notwendigkeit sich ergibt, sie zu veraktualisieren, das ist, daß man aufzeigt, daß das Vergangene eine Aktualität für uns Jetzige habe. Aber der Kult ist keine vergangenheitsorientierte Veranstaltung mit der Aufgabe der Veraktualisierung, Das „Heut ist uns“ durchbricht dieses historische Zeitverständnis.

Nun steht die christliche Religion vor einem eigentümhchen Problem: Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingten sind reale Ereignisse in der Geschichte, örtlich und zeitlich bestimmbar. Mythische Ereignisse besitzen ihren Ort nur in ihrer Positionierung auf dem Kreis und verfügen auch nur über eine relative Zeitverortbarkeit: Nach dem Weihnachtsfest folgt der Kafreitg, darauf Ostern....aber es sind keine Ereignisse in Raum und Zeit der chronologischen Zeit.

Durch und in dem Kult werden also einmalig sich ereignet habende Geschehen in zyklisch sich stets wiederholende transformiert. Ohne diese Transformation wäre die christliche Religion keine Religion, aber wenn all diese Ereignisse von Jesu Christi Geburt bis zu seiner Hi,mmelfahrt keine realen Ereigniss in der chronologischen Zeit gewesen wären, dann löste sich die christliche Religion in einen zeitlosen raumlosen Mythos auf.

Das „Heut ist uns der Heiland geboren“ ist also das Produkt einer Synthese aus dem chronologischen und dem zyklischen Zeitverständnis, das in dem historisch datierbaren Ereignis fußt und es liturgisch kultisch aufhebt im „Heut“ . Der christliche Kult ist so wirklich etwas Außergewöhnliches, daa aber immer der Gefahr ausgesetzt ist, durch ein rein historisch chronologisches destruiert zu werden.



 

Montag, 8. September 2025

Wie man die Liturgie zerstört, indem der Kirchenraum modernisiert und den Klerikalismus bekämpft

Wie man die Liturgie zerstört, indem der Kirchenraum modernisiert und den Klerikalismus bekämpft



Der Gottesdienst findet in einem architektonisch gestalteten Raum statt.Da liegt es doch auf der Hand, daß, um die traditionelle Liturgie zu überwinden und selbst die modernisierte nachkonziliare ist manchem Modernisten noch zu katholisch, die Innenraumgestaltung der Kirche in Angriff zu nehmen. Auf der Internetseite: „Feinschwarz“ berichtet nun der Artikel:“in mitten drin“ vom 8.5.2029 von einem erfolgreichen Kampf wider die katholische Liturgie: „Die ersten Gottesdienste zeigten: Der klare, stimmige Raum ließ die gewohnten Liturgien nicht zu.“ Es ist also gelungen, die Kirche so zu renovieren, daß die katholische Liturgie, wie sie seit dem 2.Vaticanum zelebriert wird, nicht mehr in dieser reformierten Kirche durchgeführt werden kann! Deshalb mußte nun die Liturgie dem neuen Kirchenraum eingepaßt werden.

Ich möchte hier dazu raten, diese Internetseite aufzuschlagen, da dort ein sehr aussagekräftiges Bild des modernisierten Kircheninnenraumes abgebildet ist: ein mehrreihiger Stuhlkreis, in dessen Mitte etwas steht, das man als einen Altar vermuten kann in einem sonst leeren Raum mit kühler Betonathmosphäre. Ein Knien ist hier unmöglich ob der geringen Abstände zwischen den allerdings lose herumstehenden Sitzstühlen.

Also mußte nun die Liturgie theologisch und praktisch diesem neu gestalteten Kircheninnenraum eingepaßt werden und das geschah auch ganz demokratisch, denn nun produzierte ein Liturgiekreisdas Einpassungskonzept: „Der Liturgiekreis reflektiert im Laufe der Jahre liturgietheologisch alle Details und prüft, wie sie mit dem Raum in Einklang kommen.“ So erblickte eine neukonzipierte Communioliturgie das Licht der Welt:

Alle können alle sehen. Alle können von allen gesehen werden. Tun sie das immer wieder, verschwinden Scheu und Scham. Man kann sich gegenseitig wahrnehmen, sehen, wie es dem anderen geht. Das ist ein zentraler Aspekt, wie ein Communio-Raum communio schafft. Solange Kirchgänger:innen hintereinander wie im Bus sitzen, Hinterköpfe statt Gesichter sehend, lernen sie kaum jemanden kennen. Sobald die Hinterköpfe Gesicht zeigen, kann Gemeinschaft wachsen. Pfarrer können noch so viel über Kommunion predigen. Gemeinsames Tun wirkt. So kann ich nicht nur meine Sitznachbarin irgendwann auf der Straße grüßen.“

Die Euphorie über dies Begegnungsevent, daß jeder Teilnehmer das Angesicht jedes anderen Teilnehmers anschauen kann, ist grenzenlos. Durch dies Aneinanderanschauen wächst eine Gemeinschaft, ja entsteht erst dadurch.Man sieht gar, wenn da wer einen Schnupfen hat und kann ihm so hoffentlich noch ein unbenutztes Schnupftuch durchreichen lassen zum Reinschneuzen! Aber wesentlicher ist es doch, daß ich dann einen Eventteilnehmer außerhalb des Gottesdienstes wiedererkennen und somit auch kontaktieren kann.

Besonders beglückend ist diese neue Sitzordnung nun für den Pfarrer: Als Zelebrant war es nicht ganz einfach, plötzlich in der Mitte am Altar zu stehen. Alle so nah, ungewohnt! Es dauerte nicht lange, da spürte ich Gemeinschaft, Energie, die die Gemeinde zur Mitte ausstrahlte – Realpräsenz energetisch, schon jetzt.“

Das ist nun wirklich eine revolutionäre Neuerfindung dieser Communioliturgie, daß Energien aus den auf ihren reihenförmig angeordneten Stühlen Sitzenden in die Mitte des Kirchenraumes strömen und sich auf und um den Altar herum konzentrieren, ja daß der Zelebrierende in diesem Energiezentrum dann gar Realpräzenz „energetisch“ erlebt.Nur bleibt unklar, wessen Realpräsenz da nun erfahrbar wird? Vielleicht die Enegieura der im Kreise Herumsitzenden?

Aber das ist nicht der einzige Tiefstpunkt dieser Comminioliturgie: „Um dem Communio-Raum noch weniger im Weg zu stehen, verließ ich meinen Priestersitz am reservierten Platz. Nun sitze ich wie alle nebeneinander auf einem Stuhl an unterschiedlichen Plätzen.“ Der Priester stört als Priester die „Communio“ und darum laiiziert er sich,indem er sich als einer unter den Gleichen in den Stuhlkreis eingliedert. So würde der Klerikalismus, der Dualismus zwischen dem Priester und den Laien überwunden:Der Communio-Raum löst wunderbar den unchristlichen Dualismus zwischen Klerus und Laien auf.“

Dabei vernutzt nun diese Communiotheologie Paulus Aussage, daß wir alle eins seien in Christus (Gal 3,28) zu einer Absage an die hierarchische Struktur der Kirche, um im Geiste der Rotte Korach einem Egalitarismus zu huldigen, als dürfte es nach dem Apostelfürsten Paulus keine Ämter und keine Hierarchie in der Kirche geben. Aber es wird noch demokratischer:

Ein weiterer Schritt, Communio mit Wort, Geist, Ritual und Mitfeiernden zu steigern ist die Einführung eines Ortes, an dem ein Mikrofon steht. Nach der Wortfeier darf jedermann/-frau ans Mikro gehen und inmitten der Gemeinde zu Wort kommen. Das Trauen war ein Sprung nach vorne. Das kultische Privileg des Priesters als Redner endete; ein emanzipatorischer Schritt für ein tieferes sich Kennenlernen durch das Teilen persönlich spiritueller Zeugnisse.“

Wenn nicht nur der Pfarrer sondern jeder in diesem Communiotreffen reden darf und gar durch das Mikrophon zu allen anderen, dann ereignet sich da die wahre Communio! Ist es nicht wunderbar, wenn so Menschen zueinander finden, sich wechselseitig in die Gesichter schauen, sich dann auch noch nach dem Treffen außerhalb wiedererkennen und kontaktieren können! Und dann noch dies Energieausströmerlebnis im Zentrum! Das Allerwichtigste ist aber doch die Ermöglichung eines tiefen sich wechselseitig Kennenlernens in dieser Communioveranstaltung.

Eine Kirche mit solchen Pfarrern braucht keine Feinde mehr! 

Zusatz:

Es gibt gute Gründe, warum man Wein nicht aus Kaffeetassen und Bier nicht aus Sektgläsern trinkt, denn der Inhalt,der Wein bzw das Bier muß zur Form der Trinkgefäße passen. Daraus entspringt die Konzeption, die Form des Gottesdienstes zu verändern,um seine Inhalte zu beseitigen. 





Samstag, 24. Mai 2025

Ändere Dich, statt daß Du betest! Eine jesuitische Erkenntnis oder daß die Religion überflüssig sei

 

Ändere Dich, statt daß Du betest! Eine jesuitische Erkenntnis

Ihre Priester werden nicht erfreut sein, das zu hören,aber Gott wäre, wie Jesus verkündete, viel glücklicher, wenn Sie sich ändern würden, statt zu beten und zu feiern.Ihm würde Ihre Liebe viel mehr gefallen als Ihr Beten.“ So lehrt es der Jesuit Anthony de Mello in seinem Buch: „Der springende Punkt“, S. 78. Auch wenn hier direkt hinduistische Priester angeredet werden, so gilt diese Aussage genauso gut katholischen Priestern gegenüber. Ganz im antiklerikalen Geist wird hier die Kirche mit ihren Priestern Jesus gegenübergestellt, daß der doch etwas ganz anderes gelehrt hätte als die Kirche.

Das evoziert die Kritik: Welcher Jesus wird da der Kirche gegenübergestellt? Der Jesus dieses Jesuiten ist einer, der also gelehrt hat, daß wir nicht beten und Gottesdienste feiern sollten, sondern stattdessen uns unsere Selbstveränderung zuzuwenden hätten. Das Ziel dieser Selbstoptimierung sei dann das Wachwerden, wie es in diesem Buch explizert wird. Die Liebe gegen die Praxis des Betens zu stellen, ist nun völlig widersinnig: Wer für jemanden zu Gott betet, der praktiziert da gerade die Nächstenliebe, denn wer könnte besser jemandem in Not helfen als Gott selbst. Aber jedes Beten zu Gott ist ja nun selbst auch ein Akt der Liebe zu Gott. Jesus Christus, so wie ihn die hl.Schrift bezeugt, käme nie auf die Idee, das Beten und gerade dann auch die Fürbitte nicht als praktizierte Liebe anzusehen. t

Offenkundig versteht dieser Jesuit unter dem Beten etwas anderes, es dürfte ihm wohl etwas Nichtpraktisches sein, so als müßte man einem Beter zurufen: „Nun hast Du zwar für jemanden in der Not gebetet, nun tue aber auch etwas für ihn, denn Dein Gebet allein hilft ihm nicht!“ Auch einen Gottesdienst feiern ist so gesehen etwas Nutzloses, wenn der Kult die Teilnehmer nicht dazu motiviert, dann auch Gutes zu tuen!1 Die Kirche, ihre Priester lehrten nun etwas ganz anderes, ja die Katholische Kirche hält gar die Teilnahme an der Sonntagsmesse für die Pflicht jedes Christen, aber dieser Jesuit weiß ganz genau, daß (sein)Jesus etwas ganz anderes lehrte als die Priesterkirche. Woher weiß er das? Er projiziert einfach das, was er für richtig und wahr hält, in den Jesus hinein. Das setzt eine intensive Bearbeitung der Texte des Neuen Testamentes mittels eines Säurebades der historisch-kritischen Methode voraus, sodaß dann nur noch dem Kritiker Wohlgefälliges übrigbleibt. Das ist dann der gute Mensch Jesus, der uns lehrte, gut zu sein.

Dieses Jesusbild steht nun in der Tradition der antithetischen Gegenüberstellung von dem Ethischen wider das Religiös-Kultische.2 Der Priester gehört dann in das negativ verzeichnete Bild des Religiös-Kultischen, dem man, wenn noch Bibelkenntnisse vorhanden sind, den barmherzigen Samariter entgegenstellt. Damit wird dann wortreich ausgeschmückt die Trivialität verklärt, daß den meisten heutigen Christen Christsein heißt, anständig zu leben und dabei irgendwie auch an etwas „Höheres“ zu glauben, aber beten und zur hl. Messe gehen, das muß nicht sein, das ist nur überflüssiges Dekor der christlichen Existenz.Daß Gott keine Gebete erhören kann und daß ein Gottesdienst nur eine Veranstaltung zur Auferbauung und Belehrung der Gemeinde ist, die dann so gestärkt besser leben könne, ist eine Selbstverständlichkeit für modernistische Theologen, nur daß die Allermeisten auf diese Nachhilfestunden gern verzichten, weil sie auch ohne Gottesdienst und Gebet anständig zu leben wissen. 



1Es wäre untersuchenswert, ob Papst Franziskus Widerwille gegen die „Alte Messe“ sich auch aus dieser Sicht der Liturgie erklären läßt.

2Bonhoeffers These von einem religionslosen Chrustentum wird gerne in diesem Sinne gedeutet, wobei aber unklar ist, ob er selbst das so gemeint hatte, da seine Erwägungen diesbezüglich doch sehr fragmentarisch ausgefallen sind. Seine Theologie wird aber fast nur noch als ein Aufruf zur Tat, zum Widerstand gegen Hitler gelesen, als wenn sein politisches Engagement seine eigentliche Theologie gewesen wäre. Das hieße dann im Sinne dieses Jesuiten; Seid keine Theologen, Gott will Männer und Frauen der Tat!

Donnerstag, 17. April 2025

„Gründonnerstag: Das letzte Abendmahl“ - was wird daraus in glaubensschwachen Zeiten ? Eine Kritik dieser Liturgie!

 

Gründonnerstag: Das letzte Abendmahl“ - was wird daraus in glaubensschwachen Zeiten ? Eine Kritik dieser Liturgie!



Daß die Kirche am „Gründonnerstag“ das letzte Abendmahl Jesu feiert und dabei das Fußwaschritual vollzieht, wie es Jesus Christus nach dem Zeugnis des Johannesevangeliumes selbst praktiziert hatte, das gehört zur Tradition der Kirche und ist somit auch in Ordnung: Katholisch ist das, was die Kirche zu allen Zeiten und allen Orten gelehrt und praktiziert hat. Kann aber etwas an sich Richtiges am falschen Ort oder zur falschen Zeit praktiziert zu etwas Falschem werden? Welche Mutter würde bestreiten, daß für das Sichwohlbefinden ihres Kindes die Einnahme von einer Portion Speiseeis von Nöten ist, auch wenn die Mutter dann nicht jedes Mal dem Kinderwunsch: „Eis!, Eis!“ nachkommen wird. Aber wenn das Kind dann mit zur Sonntagsmesse genommen wurde, welche Mutter gäbe ihrem Kinde während der hl. Messe ein Eis zum Essen oder irgendeine sonstige Süßigkeit? Das an und für sich Richtige würde so zu etwas völlig Deplacierten und Falschem.

Könnte das auch für die Praxis des Gründonnerstages gelten? Der Begriff des „Letzten Abendmahles“ suggeriert ja, daß Jesus schon vielmals ein Abendmahl mit wem eigentlich, mit seinen Schülern oder als Gast bei?, eingenommen hätte und nun sein letztes, da er danach am Kreuze sterben würde und darauf nicht mehr zu Abend essen würde. Der Begriff des Abendmahles bezeichnet nämlich nichts anderes als ein Abendessen, das zu mehrt eingenommen wird und das sagen wir mal etwas üppiger ausfällt, als wenn es nur eine Wurstsemmel und ein Glas Bier dazu gäbe. Das Eigentliche, daß hier Jesus Christus zum ersten Mal die Eucharistie feierte, ja dieses Sakrament überhaupt erst einsetzte, verschleiert dieser Begriff völlig. Eine Kontinuität wird hier suggeriert, wo etwas völlig Neues entsteht: die Kultfeier der Kirche.

Wer nahm den an den vielen Abendmählern Jesu teil? Zwei Antworten sind darauf möglich: Entweder nur seine Schüler oder wenn unter diesen Begriff auch die Abendessen subsumiert werden, zu der Jesus eingeladen worden ist, auch die ihn Einladenden und welch eine Provokation auch die Sünder und Zöllner, mit denen er zusammen gespeist hatte. Zur ersten Eucharistiefeier hatte er dagegen nur die 12 Apostel eingeladen, nicht seine Schüler und Schülerin, welch ein grober Verstoß gegen die hl.Prinzipien der Egalität und der Geschlechtergerechtigkeit und auch nicht seine Freunde. Jesus hat gewiß den ihn verraten werdenden Schüler nicht als seinen Freund angesehen, denn er wußte ja, wer sein Verräter sein wird.Diese 12 Apostel hat er dann gar noch zu Priestern geweiht, damit sie dann in der Kirche die Eucharistie zelebrieren können.

Damit stehen wir vor dem zweiten gravierenden Problem des Begriffes des Abendmahles: Wer assoziiert schon mit diesem Begriff den des Kultopfers? Das Eigentliche der Eucharistie ist aber, daß diese Feier an die Stelle des jerusalemischen Tempelopfers tritt: Die Urgemeinde verläßt somit die Ordnung des Alten Bundes mit seinem Zentrum, dem Kult des jerusalemischen Tempels, indem der Herr seiner Kirche die Ordnung des Neuen Bundes, das hl.Meßopfer einstiftete. Seit der Reformation wird der Begriff des Abendmahles gegen die Lehre der Kirche über die Eucharistie, daß ihr Eigentliches die Darbringung des Opfers Jesu Christi ist, instrumentalisiert: Es handle sich dabei nur um ein heiliges Essen und auf keinen Fall um eine kultische Opferfeier. Deswegen, da es sich nur um eine Mahlgemeinschaft handle, könnten und dürften an ihre keine Priester teilnehmen, gar dieser Feier vorstehen. Denn die Alleingenügsamkeit des einen Sühnopfers Jesu Christi verböte der Kirche jede weitere Opferhandlung und somit auch die Existenz von Priestern. Wo nicht mehr Gott geopfert wird, da kann es kein legitimes Priestertum mehr geben. Jesus könne so unmöglich Schüler zu Priestern geweiht haben1.

In glaubensstarken Zeiten hat die Kirche trotzdem von dem „Letzten Abendmahl Jesu Christi“ sprechen können, da sie darauf vertrauen konnte, daß die Gläubigen das Eigentliche dieses Abendmahles verstünden und auch bejahten. Aber das wird man heute so nicht mehr voraussetzen können: In Folge der Ökumene verdunstet doch gerade das Verständnis und die Zustimmung zum spezifisch Katholischen, daß halt wir Christen doch alle irgendwie das Gleiche glaubten, was einhergeht mit dem Verzicht auf das Katholische: Hauptsache, wir begehen gemeinsam das Abendmahl, die dogmatischen Differenzen möge man doch bitte als sophistische Spitzfindigkeiten ablegen.

Das Johannesevangelium stellt nun jeden aufmerksamen Leser bezüglich der Causa der Eucharistie vor ein gravierendes Problem:Warum expliziert Jesus in dem 6.Kapitel des Evangeliumes seine Eucharistielehre,(6,22-71) und nicht kurz vor dem Karfreitag, wie es die anderen Evangelien praktizieren und positioniert dann den Ritus der Fußwaschung dahin, wo eigentlich die Einsetzung der Eucharistie gehörte? Da dies Evangelium die Eucharistielehre in dem 6.Kapitel placierte, füllte es die so entstehende Lücke mit dem Fußwaschungsritual. Die Intention dieser Verortung der Eucharistie in das 6.Kapitel erklärt sich aus der Besonderheit des johanneischen Verständnisses der Eucharistie: Dies betont das Woher der hl.Speise der Eucharistie als das sie Qualifizierende. Nicht die Speisen von „unten“ sondern nur die von „Oben“ könne uns Menschen das wahre Leben, das ewige erwirken. Jesus ist unser Erlöser als der vom Himmel Herabgekommende, der uns zurückführen will in die himmlische Heimat. Er speist uns mit einer Himmelsspeise, der wahren, nicht mit dem Manna der Wüste, damit wir dadurch einen Anteil an dem himmlischen Leben hier auf Erden schon bekommen:unser ewiges Leben. Wegen dieses Verständnisses, das Heil kommt von „Oben“, vom Himmel positioniert das Evangelium in das 6.Kapitel, da es nicht primär die Heilskraft der Eucharistie von der Kreuzigung Jesu Christi her thematisiert.

Die traditionelle Gründonnerstagsliturgie stellt nun das Fußwaschungsritual in den Vordergrund, das ursprünglich Johannes hier eingesetzt hatte, da er die Eucharistie schon im 6.Kapitel exponiert hatte, also als ein Surrogat für die Einsetzung der Eucharistie. Für glaubensschwache Zeiten muß das fatale Folgen zeitigen: Das Eigentliche der Eucharistie wird verdrängt durch dies Ritual, das dann leicht popularisiert werden kann zur Aufforderung, daß jeder seinem Nächsten dienen solle, indem er ihm Gutes tue.Der Auflösungstendenz der christlichen Religion in einen moralistischen Humanitarismus stärkt diese liturgische Ordnung in glaubensschwachen Zeiten.Papst Franziskus Vorliebe, am Gründonnerstag in Gefängnisse zu gehen, um den dortig Einsitzenden dann diesen Liebesdienst zu erweisen, forciert nun noch diese Säkularisierungstendenz. Es ist wohl eine erlaubte Kritik, daß die Einfügung des Rituales der Fußwaschung einem defizitären Verständnis der johanneischen Theologie verschuldet ist, daß da die Bedeutung des johanneischen Dualismuses von „Oben“ und „Unten“ nicht hinreichend erfaßt wurde2.

 

Zusatz:

Die Propaganda des Antikleikalismus verstärkt dann noch die Tendenz, am Gründonnerstag daran zu erinnern, daß Jesus Christus selbst da das Priesteramt in seiner Kirche eingeführt hat und daß so dies "letzte Abendmahl" eine Opferfeier, die des neuen Bundes war und ist.

















1Wenn Luther dann aber doch von einem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen schreibt, so vernutzt er diesen Begriff nur in der negativen Intention der Abschaffung des Amtspriestertumes, ohne dabei mitzubedenken, daß wegen seiner Kreuzestheologie es in der Kirche überhaupt kein Priestertum mehr geben dürfe.

2Es ist das Verdienst des Exegeten R.Bultmann, die Bedeutung dieses Dualismus erfaßt zu haben, darum empfehle ich diesbezüglich seine Kommentare zum Johannesevangelium und seine „Theologie des Neuen Testamentes“ weiterhin gern trotz seines völlig inakzeptablen Entmythologisierungsprogrammes. Bultmann arbeitet dabei das sakramentalistische Verständnis der Taufe und des Abendmahles im Johannesevangelium in bestechender Klarheit heraus, um dann diesen Sakramentalismus zu delegitimieren durch seine These, dies Sakramentenverständnis gehöre nicht zum Urspünglichen sondern sei eine nachträgliche Einfügung einer „kirchlichen Redaktion“,die die Theologie des Johannes nur korrumpiere.

Freitag, 28. März 2025

„Nur 6,6 Prozent der deutschen "Katholiken" besuchen die Hl. Messe!“

 

Nur 6,6 Prozent der deutschen "Katholiken" besuchen die Hl. Messe!“



So melden es die Medien übereinstimmend, einen lesenswerten Artikel zu dieser Misere bietet Kath net am 27.3.2025.Die Zahlen sind eindeutig, die Interpretation der Zahlen fällt dann aber äußerst vielfältig aus und sagt im Regelfall viel mehr über den Interpreten als über das zu erklärende Ereignis aus.

Ich möchte mal ab ovo ganz simpel anfangen: Ich genoß viele Jahre einen evangelischen Religionsunterricht und hatte zur Matura das Religionsfach als das vierte Prüfungsfach erwählt, ja dies Fach gehörte neben der Mathematik zu meinen Lieblingsfächern. Sicher bin ich mir, daß in all den Religionsstunden das Thema: Gottesdienst gar nicht vorgekommen ist oder wenn denn doch, dann nur negativ akzentuiert: Christ sein hieße nicht, Sonntag für Sonntag in die Kirche zu rennen, sondern die Nächstenliebe zu praktizieren. Ich hege denn Verdacht, daß das im katholischen Religionsunterricht nicht viel anders sich verhält.

Wo lernt heute denn noch ein Christ, daß die hl.Messe etwas Wesentliches des Lebens eines Christen zu sein hat? Er liest doch nur dieses, daß die Allermeisten nicht zur Messe gehen und wer hat noch Verwandte oder Bekannte, die zum Gottesdienst gehen und es dann noch mitteilen? Es ist nicht nur faktisch so, daß kaum noch wer in den Sonntagsgottesdienst geht, sondern es erscheint geradezu als Norm, daß man nicht zur Messe geht. Denn das, was alle tuen und was alle unterlassen, erscheint uns als das Normale und jedes davon abweichende Verhalten als nichtnormal.

Es könnte nun eingewendet werden, daß doch jeder Christ seine persönliche Entscheidung treffe, ob er zum Gottesdienst ginge oder nicht und daß er Gründe oder Motive benennen könne, warum er sich so gegen einen Gottesdienst entscheide. Viel realistischer ist aber wohl die Vermutung, daß es denn meisten so selbstverständlich ist, nicht zum Gottesdienst zu gehen, daß sie ad hoc gar keine Gründe dafür angeben könnten. Die Herausbildung von Selbstverständlichkeiten, Aristoteles expliziert das in seiner Habituslehre, entlastet den Einzelnen davon, sein jeweiliges Verhalten immer auf das Neue erklären und vor sich selbst begründen zu müssen: Es ist mir eben selbstverständlich.

Würde jemand nun doch anfragen, warum der Angefragte obschon er ein Christ sei, nicht zur hl.Messe ginge, dann dürfte er im Regelfall auch eine der geläufigen und akzeptierten Standartgründe zitieren können von: „Warum sollte ich in der Kirche beten, das könne ich doch überall“ über: „Warum solle ich mir eine Predigt anhören, in der der Priester ja nur menschliche Meinungen über Gott erzählt“ bis zu: „Das sei doch alles nicht mehr zeitgemäß“. Es ist eben solch eine Selbstverständlichkeit geworden, nicht zu gehen, daß dies Verhalten als nicht mal als ein zu begründendes angesehen wird. Unnormal ist es doch, noch zur Messe zu gehen.

Sicher ist das Faktum, daß nur noch 6,6 Prozent der Katholiken Deutschlands zur Messe gehen vielfältig verursacht, aber es kann nicht wegdiskutiert werden, daß es auch einen kirchlichen Eigenanteil daran gibt. Meine These dazu lautet nun: Der christliche Glaube wird heutzutage, anhebend mit der Aufklärung primär als eine moralische Praxis verstanden. Der deutsche Aufklärer Kant erklärt in seiner Schrift über die Religion in den Grenzen der Vernunft, daß der Kirchgang und alle religiösen Handlungen wie das Beten, das Fasten und alles andere nichts mit einem vernünftig praktizierten Glauben zu tuen habe, daß es eigentlich nur darauf ankäme, anständig zu leben, halt seine Pflichten zu erfüllen,um es mal preußisch zu formulieren. Alles Kultische sei dagegen nur etwas Irrationales.

Auch wenn die Allerwenigsten Kants Religionskritik kennen, so verhalten sie sich doch wie Kantianer: Um zu wissen, wie man zu leben habe, braucht man keine Religion, das sage einem allein die Vernunft und das fällt ineins mit dem, was man so meint, daß es sich so gehöre und was sich nicht gehöre.Und dann kann man noch an Gott glauben, hier urteilte Kant noch ganz anders, ist ihm Gott doch noch eine Denknotwendigkeit der praktischen Vernunft. Aber der postaufklärerische Mensch urteilt: Irgendwie wird es da schon was Höheres geben, aber im praktischen Leben lebt man dann ohne diesen irgendwie geglaubten Gott. Erst die postaufklärerische Philosophie, Feuerbach,Marx und dann Nietzsche propagierten den Tod Gottes, der nun erst populär wird als die große Gleichgültigkeit allen theologischen Fragen gegenüber. Gott interessiert nicht mehr, nicht mal mehr in der Kirche.



Mittwoch, 23. Oktober 2024

Aus dem großen Kampf wider die Liturgie. Ein Liturgiewissenschaftler demontiert den Gottesdienst.

 

Aus dem großen Kampf wider die Liturgie. Ein Liturgiewissenschaftler demontiert den Gottesdienst.

So liest sich das auf der quasi offiziellen Internetsauftrittsseite der deutschen Bischöfe: „Kranemann: Für mich wäre entscheidend, dass es sonntags Gottesdienst vor Ort gibt, dass sich Menschen versammeln und sich dadurch Kirche konstituiert. Wenn das in Form der Eucharistiefeier geschieht, wird eine intensive Form des Mahls mit und um Christus gefeiert, das ist lange Tradition. Wo das aber nicht mehr möglich ist, feiert man Christus-Gegenwart in anderer Form, etwa in der Wortgottesfeier. Und das ist dann ebenfalls Sonntagsliturgie.“, zitiert nach Kath de vom 21.10.2024:“Kranemann: Wortgottesfeiern am Sonntag sind keine Mangelverwaltung“.

Nun könnte eingewandt werden, daß ob der Vehemenz, mit dem dieser Theologe ich für die kirchliche Segnung homosexueller Paare einsetzt, das hier Geäußerte ein Nebenkampfgebiet sei. Wenn nun aber diese Passage des Interviews genau gelesen wird, wird feststellen müssen, daß hier das Herzzentrum der Liturgie attackiert wird. Der schlichte Subjektivismus fällt zuerst auf: „Für mich wäre entscheidend“.Die Liturgiewissenschaft frägt aber, was objektiv entscheidend für die Liturgie ist. Damit präjudiziert dieser Liturgieker aber schon ein Verständnis der Liturgie als primär auf die Konsumenten auszurichtende Tätigkeit der Kirche. Der Kunde hat König zu sein. Das hier skizzierte Gottesdienstverständnis ist nun rein protestantisch. Denn nach dem katholischen Verständnis ist der Ort, wo der Gottesdienst stattfindet ein heiliger Ort, er ist es ob der Realpräsenz Jesu Christi im Tabernakel und darum, daß dieser Ort ausschließlich für gottesdienstlichen Zwecke verwendet wird, er also nicht durch profane Tätigkeiten desakralisiert wird. Für den Protestantismus dagegen gilt, daß erst durch das Sichversammeln der Gemeinde ein hl. Ort entsteht ob der Gegenwart Jesu Christi unter den Gläubigen.Es ist sozusagen eine Aktualpräsenz, eine sich immer wieder neu ereignende im Kontrast zum katholischen Verständis der dauerhaften Gegenwart Jesu Christi unabhängig vom Glauben der Gottesdienstteilnehmer.

Die Kirche konstituiert sich auch nicht durch ihre Gottesdienstversammlungen. Die Kirche existiert als der Leib Christi und dieses ihr Sein geht ihrem Tuen, daß sie hl.Messen feiert, voraus. Es gilt zudem, daß für die Gültigkeit der hl. Messe nur ein Priester notwendig ist, er kann und darf kirchenrechtlich allein die Messe zelebrieren. In den Coronazeiten, als teilweise die öffentliche Feier der Messe untersagt worden ist, erwies sich diese Bestimmung der Kirche als sehr bedeutsam: Die hl. Messen konnten gültig gelesen werden, auch wenn kein Gottesdienstteilnehmer dabei war außer dem Priester. Die Versammlung ist so nicht konstitutiv, daß ist sie nur im Protestantismus.Die Eucharistie ist auch nicht nur ein Mal sondern in erster Linie eine kultische Opferhandlung. Ganz arg mißverstanden wird dann die Liturgie, wenn sie auf die Feier der Chritusgegenwart reduziert wird. Im Wortgottesdienst wird das Evangelium verkündet und das ist nicht einfach die Feier seiner Präsenz im Gottesdienst. Das Evangelium lehrt nämlich das Wie seiner Präsenz, was er für uns ist und was wir für ihn sind und sein sollen.

Außerdem ist ob der starken Betonung der Präsenz Jesu Christi die Frage zu stellen, ob der Sohn Gottes nicht überall präsent ist und nicht nur in seiner Kirche. Es wäre also zu unterscheiden zwischen der Präsenz Jesu Christi an allen Orten und seiner besonders qualifizierten in der Kirche in dem Tabernakel. Wenn das allerheiligste Sakrament zur Anbetung ausgesetzt wird an einem Tage der Anbetung, ereignet sich da ein Gottesdienst, wenn auch nur ein Gläubiger gekommen ist, um ihn anzubeten. Es wäre aber nicht katholisch, in den Wald spazieren zu gehen, um dort Jesus Chritus als Gegenwärtigen zwischen Büschen und Sträuchern anzubeten, obzwar er da auch ob seiner Göttlichkeit präsent ist.

Diesem Liturgieverständnis fehlt einfach das Verständnis der spezifischen Gegenwart Jesu Christi im Altarsakrament. Und in ganz protestantischer Manier wird das Faktum, daß die Eucharistie eine kirchliche Opferhandlung ist, vergessen. Die Bedeutung des Sichversammelns zum Gottesdienstes wird dann maßlos übertrieben, weil eben das Zentrum des Gottesdienstes, daß da Gott gedient wird, außer Acht gelassen wird. Es scheint fast so, als wenn Jesus Christus der Gottesdienst eigentlich gleichgültig sei und daß es deshalb auch nicht schlimm sei, wenn kein Meßopfer dem dreieinigen Gott dargebracht würde, weil es doch primär um das Feierbedürfnis der Gläubigen ankäme. Dieser Anthropozentrismus ist wohl das Signifikante dieses Liturgieverständnisses: Das Sichversammeln tritt in den Vordergrund. Dann war der Gottesdienst, den Noah nach der Rettung aus der Sintflut abhielt, ein Irrtum, da da von keiner Gemeindeversammlung die Rede ist. Nun ist aber die Sintflutgeschichte eine Kultätiologie, sie erzählt uns, warum der Gottesdienst zu halten ist.

Es muß hier daran erinnert werden, daß die ursprüngliche Form des Gottesdienstes der jerusalemische Tempelkult war und daß erst im babylonichen Exil der Synagogengottesdienst erschaffen worden ist, weil man Gott im Exil keinen richtigen Gottesdienst feiern konnte, da der nur in dem Tempel zu Jerusalem möglich war ob des deuteronomistischen Kultzentralisierungsgebotes. In der Diaspora entstand so der Synagogengottesdienst, dessen christliche Gestalt dann der Wortgottesdienst wurde, während die Eucharistiefeier die christliche Gestalt des Tempelkultes ist. Demzufolge ist ein reiner Wortgottesdienst ein defizitärer Gottesdienst, der ja seinen Ursprung in dem Synagogengottesdienst hat, der als das Surrogat für den nichtmöglichen Tempelgottesdienst ja erst kreiert worden ist.

Mittwoch, 19. Juni 2024

„Warum wir Gottesdienst feiern, wie wir ihn feiern“ oder ein weiterer Destruktionsversuch der Liturgie

 

Warum wir Gottesdienst feiern, wie wir ihn feiern“ oder ein weiterer Destruktionsversuch der Liturgie


Kath de kämpft eben in der Luft, zu Wasser und zu Boden wider die Katholische Kirche,für ihre Verprotestantisierung ganz im Einklang mit dem Synodalen Irrweg.Der Kampf gegen die Liturgie mißt man dabei eine besonderes Gewicht zu,bekämpft doch Papst Franziskus geradezu leidenschaftlich die „Alte Messe“. Kath de lud nun gar einen Liturgiewissenschaftler zum Gespräch,der dann auch ganz die Erwartungen erfüllte. „Theologe Lumma: Liturgie entwickelt sich immer weiter“, tönte dann auch die Überschrift dieses destruktiven Beitrages am 19.6.2024.

Ganz im Geiste eines naiven Fortschrittsglaubens soll die Weiterentwickelung der Liturgie in den Vordergrund der Erörterung der Liturgie gestellt werden. Nicht beachtet wird dabei, daß der liberal sich auslegende Protestantismus mit dem 1.Weltkrieg sich seines Fundamentes , des des Fortschrittsglaubens beraubt sah und die protestantische Theologie so neue Wege suchte nach dem Ende der Vorherrschaft der liberalen Epoche, etwa in der sog. „Dialektischen Theologie“ der Weimarer Republik.

Alles fließt“, sagte schon Heraklit und damit soll ausgesagt werden, daß es für progressive Liturgieker als einzige Konstante die Variabilität von allem gilt. Diesem totalitären Relativismus soll nun aber doch etwas Invariables als das Fundament der Liturgie in ihrer größtmöglichen Diversität entgegengesetzt werden.

In jeder Religion geht es darum, dass den Menschen die letzte Wahrheit von außen offenbart wird, jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Es geht also um Transzendenz, biblisch gesprochen um Gott. Das kann man für den Menschen nicht anders erfahrbar machen als durch Symbole, Rituale und Zeremonien. Das ist letztlich die Grundidee, die hinter jeder Liturgie steckt: Sie will Unsichtbares sichtbar und erfahrbar machen.“

Jede Liturgie diene also dem Erfahrbarmachen des Unsichtbaren,der Transzendenz bzw Gottes. Die impliziete Voraussetzung dieses Liturgieverständnises ist eine Verunsicherung, eine Infragestellung des Seins des Unsichtbaren,des Transzendenten, der Existenz Gottes. In der Geschichte Europas dürfte man diese Verunsicherung auf die Zeit des Populärwerdens der radicalen Religionskritik Feuerbachs, Marx und Nietzsches datieren, wohl etwa seit dem Anfang des 20. Jahrhundertes. Den religiösen Kult dagegen gibt es wohl, seit es Menschen auf Erden gibt, sodaß geschlußfolgert werden muß, daß der Kult, die Liturgie ursprünglich eine völlig andere Bedeutung hatte. Nicht die Existenz der Götter oder des einen Gottes war fraglich, sondern ob die Götter oder der eine Gott den Menschen wohlgesonnen seien. Denn das ist für jede Religion keine Selbstverständlichkeit. Der Kult dienst so dazu, die Götter wohlgesonnen zu stimmen. Von der magischen Praxis unterscheidet sich der Kult nun dadurch, daß durch ihn die Götter nicht beschworen werden, das ist der Kultgemeinde dienstbar gemacht werden, die übernatürlichen Mächte beherrscht werden, sondern daß die Götter oder der Gott als erhören aber auch als nicht erhören können geglaubt wird.

Im Alten Testament findet sich die tiefgreifendste Antwort auf die Frage des Wozus des Kultes, der Liturgie in der Erzählung von der Sintflut. Gott hatte die ganze Menschheit vernichtet bis auf die wenigen Geretteten der Arche Noah. Somit stand ab nun die Menschheit unter der Drohung, daß Gott auch die jetzt wieder neu entstehende Menschheit in seinem gerechten Zorn ausrotten könnte, sündigte sie wieder so wie die gerade vernichtete. Noah bringt Gott nun ein Opfer da, das Gott so wohlgefällig ist, daß er beschließt,nun die Menschheit nie mehr ausrotten zu wollen, da ihm sonst kein ihm mehr wohlgefälliges Opfer mehr dargebracht werden könnte.(1Mose 6-9). Daß Gott ist, bezweifelte niemand: Wenn die Vulgata den Begriff: „impius“ benutzt, sind damit nicht „Gottlose“ gemeint, wie oft fälschlich übersetzt wird, sondern: „Unfromme“, Menschen, die zwar an Gott glauben, aber im inneren Widerspruch dazu so lebten, als gäbe es Gott nicht.

Daß die Aufgabe der Liturgie das Erfahrbarmachen Gottes diene, ist so als eine völlige Verkennung des Wesens der Liturgie zu beurteilen. Die Liturgie der Katholischen Kirche, die ihr Zentrum im Meßopfer hat, wird dabei naürlich völlig verkannt. Diese Verkennung ist wohl auf den verderblichen Einfluß Luthers auf die katholische Theologie zurückzuführen.

Es stellt sich nun aber noch die Frage, ob denn das die Liturgie überhaupt leisten kann. Der Begriff der Erfahrung ist nun selbst äußerst komplex. Der antiintellektualistische Zeitgeist bescherte uns die Ersetzung der „Erkenntnis des Heiles“ des Benediktus durch die „Erfahrung des Heiles“. (Lk 1,77) Die Verwendung des Begriffes der Erfahrung in dem Kontext der Liturgie wird so wohl auch eine antiintellektualistisch intendiert sein. Die Vorstellung der Erfahrung soll dann etwas Unmittelbares, Authentisches suggerieren: So habe ich es selbst erfahren und darum ist das so auch, wie ich es erfuhr. Das soll dann wohl den persönlichen Glauben fundieren, seinen Wahrheitsgehalt aber nur als einen subjektivistischen Glauben, der so keine Erkenntnis sein soll.

Aber genau das ist der Irrtum dieses Erfahrungsverständnisses, daß das Erfahrene selbst schon nichts Unmittelbares ist, sondern das Produkt einer Bearbeitung eines Rohstoffes, der so erst zu einem Erfahrungsgehalt wird. „Du siehst nur, was Du kennst“, auch wenn das auf einem Reiseführer zur Kaufanimation geschrieben stand, zeigt das Problem dieses Erfahrungsverständnisses auf. Das Kennen des eine Erfahrung Machenden gestaltet das Erlebnis erst zu einer bestimmten Erfahrung.Ein Erfahren der Gegenwart Gottes in der Liturgie setzt so nicht nur das Erleben der Liturgie voraus sondern auch den Glauben, da Gott erfahren zu können, sodaß dieser Glaube die Erfahrung der Gegenwart Gottes erst ermöglicht. Eine Erfahrung ist eben immer eine produktive Aneignung eines der Erfahrung vorausliegenden Erlebnisses.

So kann die Liturgie selbst nicht eine Fundierung des Glaubens an Gott bewirken und dazu diente sie auch nie. Wer seinem Gott oder seinen Göttern Opfer darbringt,glaubt schon an sie, daß sie bereit sind, Opfer anzunehmen, denn sonst opferte ein Mensch erst gar nicht. 1

1.Zusatz:

Die SPD hat längst ihr Parteiorgan "Vorwärts" eingestellt, denn auch sie glaubt nicht mehr an den beständig vorwärts schreitenden Fortschritt, nur noch katholische im 19 Jahrhundert denkende Modernisierer.  

2.Zusatz

Da der Gottesdienst auf Gott ausgerichtet ist, verbietet sich schon von selbst eine permanente Veränderung der Liturgie, denn Gott verändert sich doch nicht so wie die Moden kommen und gehen.

 









Samstag, 15. Juni 2024

Wider ein gravierendes Mißverständnis der Liturgie der Kirche

 

Wider ein gravierendes Mißverständnis der Liturgie der Kirche


In dem Artikel:“Kant und Liturgie“ inCommunio“ vom 12.6.2024 steht diese auf den ersten Blick nicht auffällige Aussage: „Vor allem ist Liturgie Darstellung, Darstellung der Heilstatsache, des Reiches Gottes (als der Vereinigung des Geschöpfes mit Gott in Christus). So der Gegensatz zur Theologie, die die theoret. Behandlung dieser Tatsache ist, zur Lehre“.

Aber wer sich nun der Ausführungen Kants zur Liturgie in: „Die Religion in den Grenzen der bloßen Vernunft“ erinnert, muß Bedenken bekommen, erklärt hier der Aufklärungsphilosoph doch den kultischen Gottesdienst als das schlechthin Widervernünftige. Gott könne nur der vernünftige Gottesdienst gefallen und daß sei das Streben nach einer sittlichen Lebensführung,daß der Mensch pflichtgemäß lebe. Eine Anekdote erzählt, Kant hätte nie einen Gottesdienst besucht, kurz vor dem Kircheneingang wäre er stets umgekehrt. Unabhängig von dem Wahrheitsgehalt dieser Erzählung ist eine Teilnahme an einem Gottesdienst wirklich widersinnig, denn wie ein Mensch zu leben habe, daß erkenne er hinreichend aus seiner Vernunft und dazu bräuchte er somit keine kirchliche Belehrung und was er zu glauben habe, ergäbe sich für ihn aus den Reflektionen der praktischen Vernunft, daß Gott sei, daß er frei sei und daß er auf ein ewiges Leben zu hoffen habe. Das Anliegen der deutschen Aufklärung war es ja, nicht wie das der französischen, den Menschen von der Religion zu befreien sondern nur von der Kirche, damit er selbstständig vernünftig die Religion lebe. Der kultische Gottesdienst gehört nicht dazu und so praktizieren es nun circa 98 Prozent der evangelischen und circa 95 Prozent der katholischen Christen, auch wenn sie sicher Kants Kritik des kultischen Gottesdienstes nicht kennen, sie praktizieren ihre Religion nur kantisch, vulgarisiert: Hauptsache, anständig leben und irgendwie dabei an Gott glauben.

Das katholische Liturgieverständnis versteht den Kult als ein Heils-vermittelungsgeschehen, in dem Gott durch die Spendung der hl. Sakramente Anteil gibt am Heil. Das Herzzentrum ist dabei das Meßopfer, die Eucharistie, das Gott dargebracht wird, Gott zur Ehre, uns zum Heile. Diese Abbreviatur des Wesens des Kultes reicht aber schon aus, um das Inakzeptable der Vorstellung, die Liturgie sei die „Darstellung“ der Heilstatsachen zu erfassen. Wenn ein Kind getauft wird, wird nicht einfach dargestellt, daß Gott dies Kind liebt sondern es wird durch den Vollzug der Taufe in ein von Gott geliebtes Kind verwandelt.Gott wird das kirchliche Meßopfer dargebracht, damit er dadurch versöhnt, sich wieder gnädig der Menschen annimmt,isb derer,für die das Meßopfer dargebracht wird, die Meßintentionen.

Wenn die Liturgie aber nur ein darstellendes Handeln wäre, dann wäre der einzige Adressat der Liturgie die Gemeinde, der so vor Augen geführt wird, was sie glaubt, daß Gott der sie Bejahende ist.Daß er der sie Bejahende ist, ist dabei als eine objektive Tatsache vorgestellt, die nun nur noch sinnlich erfahrbar veranschaulicht wird. Der Verobjektivierung des Heiles korreliert dabei die Reduzierung der subjektiven Aneignung des Heiles auf das Erkennen des objektiv Wahren, des Heiles für alle. In der kirchlichen Praxis reduziert sich das auf das simple Indikativ-Imperativ-Schema: Weil Gott uns alle liebt, haben wir auch alle zu lieben, isb dann die Asylanten, Homosexuellen, Transgender usw....

Damit die rein cognitive Vermittelung nun nicht allzu kopflastig ausfällt,soll die Vermittelung eben ästhetisch, also sinnlich durch ein darstellendes Handeln gewirkt werden. Das darstellende Handeln ersetzt so die Belehrung durch eine Predigt oder soll sie ergänzen.

Zu Zeiten Calvins in Genf, so lautet eine Legende, soll ein Bauer zu dem Reformator gekommen sein: „Ich bräuchte doch nicht mehr zu den Gottesdiensten kommen, da ich nun weiß, was ich nach der neuen Lehre zu glauben und wie ich zu leben habe. Da brauche ich keine weitere kirchliche Unterweisung!“ Und eine pädagogisch ästhetisch arrangierte Darstellung der Heilstatsachen braucht dieser kluge Bauernkopf auch nicht. Und heutzutage sind sich die allermeisten Christen gewiß, daß sie im Punkto der christlichen Religion so umfassend sich auskennen, daß für sie jede weitere Beschäftigung damit völlig überflüssig sei, auch wenn das objektiv in keinster Weise zutrifft.

Daß ein Gottesdienst etwas völlig anderes ist als eine Wissensvermittelung, ob nun durch ein bloßes predigende Belehren oder durch eine ästhetische Darstellung des zu vermittelnden Lernstoffes, wird dabei völlig vergessen.

Samstag, 18. Mai 2024

Wider den verquerren Priesternachwuchs- Kath de enthüllt die Besorgnis erweckenden Resultate einer Priesternachwuchsbefragung/3 Zusätze

 

Wider den verquerren Priesternachwuchs- Kath de enthüllt die Besorgnis erweckenden Resultate einer Priesternachwuchsbefragung


Die Priester seien also "nicht Mitträger des Synodalen Weges in Deutschland". So lautet das Resümee einer Untersuchung zur Lage des jetzigen Priesternachwuches in dem Artikel: „Priesterbefragung offenbart Strukturschwächen in der Ausbildung“ am 18.5.2024. Die Strukturschwäche soll dann für diese Fehlentwickelung verantwortlich sein. Die erschütternden Erkenntnisse: „Hingegen meinten jeweils nur rund 30 Prozent, dass es eine Reform der kirchlichen Amtsautorität brauche oder das der Zölibat abgeschafft werden müsse.“ Aber es kommt noch schlimmer:Und schließlich noch die Frage nach dem Frauenpriestertum: Nur ein Viertel der befragten Priester hält dieses zentrale Anliegen des Synodalen Weges in Deutschland für ein notwendiges Unterfangen zur Kirchenreform.“

Es müsse doch Vieles, ja das Wesentliche in der jetzigen Priesterausbildung falsch laufen, wenn solche Ergebnisse sie zeitigt. Der Priesternachwuchs sei darüber hinaus auf die „Spiritualität“ fixiert, früher hieß das noch „Frömmigkeit“, aber dieses Wort nimmt man schon gar nicht mehr in den Mund. „So sagten über 80 Prozent, dass es mehr Angebote mit spirituellem Tiefgang brauche, drei Viertel wünschten sich eine stärkere Ausrichtung auf die Vermittlung von Glaubensinhalten.“ Aber die Gemeinden bräuchten Manager!

Die Motivation für die Berufung entspreche offenbar in vielen Fällen nicht den Anforderungen, die in Gemeinden vor Ort gestellt würden. Gerade junge Priester liefen dadurch Gefahr, nach der Übernahme ihrer Stelle "ins offene Messer zu laufen", warnte der Theologe. "Viele wollen Seelsorger sein, sie wollen aber nicht Chef sein und schon gar nicht Manager."

Einem aufmerksamen Leser dürfte dabei aufgegangen sein, daß aus Sicht dieses Artikels der Priesternachwuchs sich eben durch eine verquerre Spiritualität auszeichne: Wer nicht für die Abschaffung des Zölibates und wer nicht für die Einführung des Frauenpriestertumes votiert, mit dessen Spiritualität kann etwas nicht stimmen. Nun befinden sich die theologischen Fakultäten in der festen Hand des linksliberalen Katholizismus. Von dort können die Nachwüchsler nicht zu dieser vorgestrigen Spiritualität gekommen sein, also müsse die Ausbildung in den Priestersemnaren dies verschuldet und darum fokussiert sich die Debatte um die Priesterausbildung auf die Seminare. Am simpelsten wäre es wohl, sie ganz aúfzulösen im Vertrauen darauf, daß der Nachwuchs dann ganz von dem linken Zeitgeist, der in den Universitäten, isb den Geisteswissenschaften dominiert, angemessen erfüllt werden und so zu eifrigen Kirchenreformen sich entwickelt. 

Ein Tag davor mußte Kath de ja schon diese Hiobsbotschaft über den Nachwuchs vermelden: "Bei den Berufungswegen heutiger Priesteramtskandidaten spielen vor allem individuell-spirituelle Faktoren eine Rolle, so die Studie weiter. Ein großes Motivationspotenzial liege auch in der Feier der Liturgie. Fragen der Organisation oder des Managements spielten dagegen nur eine geringe Rolle." So lautete das Resümee:"Studie: Junge Priester bei Themen des Synodalen Wegs eher skeptisch."

 Diese Priesternachwuchsschelte paßt nun ganz gut zu Papst Franziskus Kampf gegen den „Klerikalismus“: „Papst Franziskus: Konservatismus ist "selbstmörderische Haltung" (Kath net am 17.5.2024). Nicht nur, daß zu wenige Priester werden möchten, es wollen dann auch noch die Falschen! Könnte man nicht einfach behaupten, daß jeder, der für den Erhalt des Zölibates votiert und gegen die Einführung des Frauenpriestertumes sich ausspricht, ein „Rechter“ sei und deshalb nicht Priester werden dürfe! 

1.Zusatz:

Besonders die Liebe zur Liturgie wird dem Reformlager stören, ist doch das Ziel der Liturgiereform die Zurückdrängung des Liturgischen, weil antiaufklärerischem Kultischen zugunsten einer Verpädagogisierung des Gottesdienstes.

2.Zusatz

Für Fortschrittsgläubige ist ein conservativerer Nachwuchs eigentlich eine Unmöglichkeit, muß die Jugend doch von Natur aus fortschrittlich sein, weil die Zeit immer vorwärts schreitet zu immer   Besserem.

3.Zusatz

Papst Franziskus rechtfertigte seine Verbotsvorhaben gegen die "Alte Messe" ja auch damit,daß sie vielen jungen Priestern zusage.