Freitag, 31. Juli 2026

Wer über die Krise der Kirche ernsthaft schreiben will, darf über den Relevanzverlust Gottes nicht schweigen- oder Ratlosigkeit

 

Wer über die Krise der Kirche ernsthaft schreiben will, darf über den Relevanzverlust Gottes nicht schweigen- oder Ratlosigkeit



Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ frägt der kath net Artikel "Die Hölle ist der Ort der größtmöglichen Gottesferne“ am 29.7.2026 und stellt damit die gewichtigste Frage zur aktuellen Krise der christlichen Religion. Geradezu naiv wirkt dagegen die gegenwärtige innerkirchliche Reformdebatte mit ihren schon längst verstaubten Parolen der Demokratisierung der Kirche, der Forderung nach der Einführung des Frauenpristertumes und der Forderung: „Sex für alle!“, als wenn dadurch die christliche Religion wieder in unserem Lande verlebendigt werden könnte. Das Zentrum der christlichen Religion ist nun mal der sich in Jesus Christus offenbart habende dreieinige Gott und sein Jesu Christi Erlösungswerk.

In Anlehnung an Martin Heideggers Geschichte der Seinsvergessenheit bräuchte es einer Rekonstruktion der Geschichte der Gottvergessenheit: „Wie kam uns Gott abhanden?“ Der Philosoph Hegel konnte noch urteilen,daß der einzige Gegenstand des Denkens Gott sei und daß die Religion mit ihrer Theologie und die Philosophie sich nur in verschiedener Weise dieses Gegenstandes annähmen. Heute interessiert fast jede Frage mehr als die nach Gott: Ist er, wie ist er und was ist er für uns? Die Antworten auf diese Fragen finden kaum noch Leser. Es ist ja nicht so, daß es keine Antworten auf diese Fragen gäbe,daß der Reichtum der gegebenen Antworten nicht ganze Bibliotheken anfüllte, aber wer sucht noch die Archive auf, in denen die Antworten gesammelt einstauben?

Es scheint so zu sein, daß der Diskurs über Gott sich erschöpft hat, daß eben alle möglichen Antworten schon gegeben worden sind und man nur noch schon gegebene nur noch zitieren kann, weil allem dazu schon Gedachtem nichts mehr hinzufügbar ist.

Auf der anderen Seite stößt selbst unter Theologiestudenten, zumindest nach meinen Beobachtungen die Gotteslehre kaum noch auf ein Interesse und geliebt wird das Fach „Dogmatik“ schon gar!

Außer Stande sehe ich mich nun, eine zureichende Erklärung für dies Desinteresse an Gott zu geben, aber es ist wohl schon etwas gewonnen, wenn der Kern der heutigen Krise so benennbar ist: Wir tapsen nicht im Dunklen! Einer großen Anstrengung des theologischen Denkens bedarf es dazu. 

Ich werde zukünftig versuchen, dazu vorläufige fragmentarische Erwägungen zu schreiben

Donnerstag, 30. Juli 2026

„Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ Hört der Himmel auf, eine Verheißung zu sein?

 

Wann haben wir aufgehört, Gott zu vermissen?“ Hört der Himmel auf, eine Verheißung zu sein?



"Die Hölle ist der Ort der größtmöglichen Gottesferne“ , lautet die Definition der Hölle nach diesem kath net Artikel vom 29.7.2026 in der gegenwärtigen Theologie. Die Schreckensbilder unvorstellbarem Gequältwerdens in den Folterkammern der Hölle sind so in das Kirchenarchiv ausgelagert und durch diese Vorstellung substituiert worden. Aber welche Reaktion evoziert diese Vorstellung: Dem Menschen,dem sein ganzes Leben hindurch Gott gleichgültig war,läßt auch diese Höllenvorstellung kalt: Was vermisse ich schon, wenn Gott mir auch in einem möglichen postmortalen Leben fern ist, da ich ihn ja auch in meinem ganzen Erdenleben nie vermißt habe? Für wen Gott keine Rolle spielt in seinem Diesseitsleben, für den ist auch die Drohbotschaft eines postmortalen Lebens in der „größtmöglichen Gottesferne“ eine bedeutungslose Aussage.

Ist also die Hölle als der Ort der Gottesferne gar genauso bedeutungslos geworden für den modernen Menschen wie der Himmel als der Ort der größtmöglicher Gottesnähe, da Gott uns gleichgültig geworden ist?

Statt einer Drohbotschaft habe die Kirche den jeden Menschen liebenden Gott zu verkünden und nur ihn. Diese Zentralforderung des sogenannten „Kirchenvolksbegehrens“ von „Wir sind Kirche“ ist inzwischen zur Standardmaxime der Kirche geworden, ja die Gattung der Höllenpredigt ist als unzeitgemäß abgeschafft.

Aber diese Predigt des: „Ich lieb Euch alle Gott“ setzt negative Folgen aus sich heraus: Menschlich, allzumenschlich ist es, daß ein Mensch nur von dem geliebt werden möchte, den er auch selbst liebt. In was für eine Bedrängnis gerät ein verheirateter Mann,wenn ihm eine andere Frau bekennt, daß sie ihn liebe und sie ihn auch wirklich liebt? Nur Politiker und Stars wollen von allen „geliebt“ werden. Wem bedeutet so schon die Aussage, daß Gott ihn liebe, etwas? Nur dem, dem Gott etwas sehr Relevantes ist.

Gesund zu sein, den Wert des Gesundseins erfaßt wirklich nur der Kranke. Ein kleines Experiment dazu: Der Leser möge sich bitte vorstellen: Ich erwache und bin plötzlich blind. Nichts kann ich mehr sehen! Hätte ich dann nicht nur noch einen Wunsch, daß Gott mir mein Sehenkönnen zurückgibt? Erst im Kontrast zur Blindheit ergreife ich den Wert des Sehens! Wie nun, wenn das auch für den Kontrast von der Hölle und dem Himmel gilt?Die Verheißung des Himmels verblast, wenn sie nicht mehr kontrastiert wird mit der Drohung der Hölle!

Der Terminus der „Gottesferne“ ist außerdem ein sehr zweifelhafter! Gott selbst ist niemandem fern, aber er ist nicht jedem positiv zugewandt nahe. In seinem Strafgericht über Sodom war Gott dieser Stadt sehr nahe in seinem Zorn über sie. Der in der Bibel so oft erwähnte „Gottlose“1 ist nie jemand, dem Gott selbst fern wäre. Er kann nur „gottlos“ sein, insofern er selbst nicht an Gott glaubt. Die Hölle kann so kein gottferner Ort sein, sondern ist der,in dem Menschen den Zorn Gottes über sie erleiden, der ihnen in seinem Zorne nahe ist.

1Die Vulgata übersetzt mit „impius“ und das bedeutet eigentlich: „unfromm“, das ist: Man glaubt an Gott und lebt aber so, als wenn es ihn nicht gäbe!

Mittwoch, 29. Juli 2026

„Aktuelle Bertelsmann-Studie: Deutsche bewerten Demokratie überwiegend negativ“ - oder sind wir umerzogen worden?

 

Aktuelle Bertelsmann-Studie: Deutsche bewerten Demokratie überwiegend negativ“ - oder sind wir umerzogen worden?



Das Magazin: „Zuerst“ berichtet unter dieser Überschrift über diese Negativstimmung am 22.7.2026,aber der Artikel bringt dann klar zum Ausdruck, daß wir Deutschen nur ob einer idealisierten Vorstellung von der Demokratie der jetzigen real existierenden nicht positiv gegenüberstünden.

Ich bekenne mich tief überzeugt,daß das deutsche Volk die politische Demokratie niemals wird lieben können,“. So urteilt niemand anderes als Thomas Mann in seiner „Vorrede“ zu: „Betrachtungen eines Unpolitischen“.1 Knapp 100 Jahre später gilt uns die Demokratie selbstverständlich als die beste denkbare Staatsform, nur daß viele urteilen, die jetzige sei keine zufrieden stellende Realisierung der Idee der Demokratie.Eine Bejahung der Demokratie setzte so „die völlige Umwandlung des Volkscharakters“ voraus. Denn die Demokratie sei etwas zutiefst Westliches und passe so nicht zu unserem deutschen Volkscharakter. Ja,Thomas Mann versteigt sich gar zu der Aussage, „daß der vielverschriebene >Obrigkeitsstaat< die dem deutschen Volke angemessene zukömmliche und im Grunde gewollte Staatsform ist und bleibt.“ 2

Mann setzt sich dabei primär ab von der französischen Demokratie und sekundär von der russischen Despotie. Ihm schwebt dabei keine Idealgstalt des Staates vor, die für alle Völker die wahre sei, sondern insistiert darauf, daß wegen der Verschiedenheit der Volkscharaktere auch ihre Staatsgestaltungen verschieden auszufallen haben. So bestimmt nun Man die Differenz zwischen dem Westlichen und uns Deutschen: „Der Unterschied von Geist und Politik enthält den von Kultur und Zivilisation, von Seele und Gesellschaft, von Freiheit und Stimmrecht, von Kunst und Literatur; und Deutschtum, das ist Kultur, Seele,Freiheit, Kunst und nicht Zivilisation,Gesellschaft, Stimmrecht, Literatur.“

Den ersten Weltkrieg begreift so Thomas Mann als den Selbstbe-hauptungskampf unseres Volkes zur Wahrung unserer Eigenart. Ja, so rekonstruiert er die wahren Gründe dieses Weltkrieges: „Die Geschichsforschung wird lehren,welche Rolle das internationale Illuminatentum, die Freimaurer-Weltloge, unter Ausschluß der ahnungslosen Deutschen natürlich, bei der geistigen Vorbereitung und wirklichen Entfesselung des Weltkrieges, des Krieges der >Zivilisation< gegen Deutschland gespielt hat.“3

Wenn uns heutigen Deutschen das alles nur noch als obskur und abwegig vorkommt, könnte das daran liegen, daß zumindest wir Westdeutschen so erfolgreich umerzogen worden sind.

1Ich gebe keine Seitenzahlen an, da dies Werk in so vielen verschiedenen Ausgaben publiziert worden ist.

2Alle Zitate aus der „Vorrede“.

3Die Geschichtsforschung brachte wirklich die hier von Thomas Mann angekündigten Erkenntnisse, etwa: Friedrrich Hasselbacher: Entlarvte Freimaurerei, aber sie werden nach 1945 als Verschwörungstheorien abqualifiziert und als unwissenschaftlich verurteilt.

Dienstag, 28. Juli 2026

Verdrängtes und Vergessenes in der heutigen Kirche

 

Verdrängtes und Vergessenes in der heutigen Kirche


Perry,glaub ganz fest daran: Wie viele Millionen Lichtjahre uns auch trennen, wie viele Jahre vergehen – eines Tages sehen wir uns wieder. Es ist uns bestimmt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es im Universum ein Schicksal gibt. Dieses Schicksal steht auf unserer Seite.“1

Der Glaube ist hier eine feste Überzeugung, nicht ein: „Ich weiß es nicht, aber es wird wohl so sein.“ Der Begriff des Schicksales ist nun ein Begriff aus der Welt der Religion, aber kein spezifisch christlicher. Da nun aber die christliche Religion eine Religion ist, gehört er auch zu ihr, auch wenn es die Tendenz gibt, statt von der christlichen Religion von dem christlichen Glauben zu sprechen, auch um zu verdecken, daß sie eine Religion ist. Dietrich Bohnhoefers fragmentarischen Erwägungen zu einem „religionslosen Christentumsverständnis wirkten sich dabei destruktiv aus ob der dem erwachsenden Tendenz, die christliche Religion auf eine Morallehre und Praxis zu reduzieren.

Hinter dem Glauben an das Schicksal steht der Glaube an einen die Welt im Allgemeinen und im Besonderen regierenden Gott. Würde an mehr als einen Gott geglaubt, könnte nicht mehr mit Gewißheit geglaubt werden, daß das Schicksal, für den ein Gott Menschen bestimmt hat, sich auch erfüllen wird, da ja die anderen Götter dies verhindern könnten. So verlangt der Schicksalsglaube eine monotheistische Religion.

In allen monotheistischen Religionen wird ihr Gott als sich offenbart habender und sich so bekannt gemacht habender geglaubt. Der Begriff des Schicksales entfaltet hier nun eine zu bedenkende Differenzierung: Der Gott, wie er sich offenbart und somit zu erkennen gegeben hat, kann nicht direkt in seinem Wirken an uns recogniziert werden, er erscheint als ein anderer Gott . Luther entfaltete dies in seiner Lehre vom „verborgenem Gott“. Der Begriff des Schicksales verdankt sich ebenso dieser Differenzerfahrung.Wer einen „Schicksalsschlag“ erleidet, etwa daß eine Mutter ihr eigenes Kind beerdigen muß, da es durch einen Unfall zu Tode kam, der kann in diesem Ereignis nicht das Wirken des uns Menschen doch liebenden Gottes wiedererkennen. Aber dieses Schreckliche wird nicht als ein Ereignis außerhalb des Regierens Gottes gedeutet, sondern daß auch hier Gottes Wille sich ereignet hat.

Aber das „Warum“, das „Wozu“ bleibt den davon Betroffenden und es Erleidenden unerforschlich. Es widersetzt sich nun aber der Schicksalsglaube dem, indem er darauf setzt, daß auch dies Schreckliche einen guten Sinn hat, da dies Schicksal von Gott selbst verhängt worden ist.

Die Frau von Perry Rhodan kann nicht erkennen, warum sie nun so lange und so weit von ihrem Manne getrennt ihre besondere Pflichten, ihre ihr zugemutete Aufgabe zu erfüllen hat, aber sie vertraut darauf, daß das Schicksal es gut mit ihnen beiden meint und somit sie auch wieder zusammenführen wird.

Der Schicksalsbegriff hat in der Frömmigkeit so eine zentrale Bedeutung, wird durch ihn die Serie unserer kontingenten Ereignisse unseres Lebens mit dem Glauben, daß Gott nicht nur die ganze Welt sondern auch unser besonderes Leben regiert. Die Verhältnisbestimmung zwischen Gottes Regieren isb als dem Bestimmer unseres Schicksales und unserer Freiheit, gehört zu den schwierigsten Aufgaben des sich reflektierenden Glaubens, der Theologie,aber in der Frömmigkeit wird beides geglaubt: unsere Verantwortlichkeit für unser Leben und daß doch Gott regiert.

Ein großer Verlust stellt es so dar, wenn dieser Begriff in der Theologie und Kirche fast völlig vergessen ist!

1Robert Felddorf, Das Sternenfenster, Perry Rhodan Nr 2100.

Montag, 27. Juli 2026

Bedenkliches: Gott verheißt – bedingungslos oder über eine gefährliche Illusion

 

Bedenkliches: Gott verheißt – bedingungslos oder über eine gefährliche Illusion


So Verheißungsvolles steht in der hl. Schrift über den Jerusalemer Tempel: „von welchem der Herr zu David und zu seinem Sohne Salomon gesprochen hatte:In diesem Tempel und zu Jerusalem ,das ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe, will ich meinen Namen wohnen lassen auf ewig = in sempiternum) 2.Könige 21,7) Gott verheißt so seinem Volke, daß es für es einen Ort gibt und für ewig geben wird, an dem er für es anrufbar ist. Ein Tempel ist nur ein Tempel, wenn zumindest geglaubt wird, daß ein Gott hier gegenwärtig ist. In dem Ausdruck, seinen Namen dort wohnen lassen, reflektiert sich die Frage, ob denn Gott in einem von Menschen erbauten Tempel Gott selbst wohnen kann. Es wird somit eine Differenz eingezeichnet zwischen dem Gott an sich als dem jenseitigen und seiner Präsens für uns Menschen als einen ansprechbaren, daß er seinen Namen da wohnen läßt.


Das ist Gottes Verheißung aber jeder weiß, daß Gott dieses Versprechen nicht eingelöst hat. Im Jahre 70 wurde der Tempel endgültig zerstört und bis heute nicht wieder auferbaut. Sind Gottes Verheißungen etwa nicht vertrauenswürdig? Gott selbst gibt uns in diesem Text die Antwort, warum er seinen Namen nicht mehr in dem Tempel wohnen läßt und ihn gar zerstören ließ: „weil sie gethan, was vor mir böse ist,und nicht aufgehört haben,mich zum Zorne zu reizen, von dem Tage an, wo ihre Väter aus Ägypten gezogen sind, bis auf diesen Tag.“ (21,15)

Gott verheißt, aber seine Verheißungen knüpft er an seine Bedingungen, die er auch den die Verheißung Geltenden offenbar gemacht hat. Ein Arzt sagt zu seinem Patienten: „Sie werden wieder gesund werden, wenn Sie....“Was geschieht nun aber, wenn der Patient höchst erfreut die Verheißung hört: „Sie werden gesunden!“, aber den Nachsatz: „wenn Sie...“ überhört?

Könnte es sein, daß wir heutigen Christen den Nachsatz, die Bedingungen, die Gott stellt, damit sich seine Versprechungen auch erfüllen, überhören?


Hier beschreitet nun die zeitgenössische Theologie und ihr folgend die Kirche eine fatale Strategie: Man lehrt nun, daß Gott sein Volk Israel nie verlassen habe, es immer auf ewig Gottes erwähltes Volk sei, um dann sich selbst beruhigend zu folgern, daß so Gott auch nie seine Kirche und uns Christen verlassen würde. Keine noch so arge Sünde wider Gott hätte Gott dazu veranlassen können, „Nein“zu seinem Volke zu sagen und das gälte nun auch so uns!





Sonntag, 26. Juli 2026

Hat das Gemeinwohl etwas mit der Religionsfreiheit zu tuen?

 

Hat das Gemeinwohl etwas mit der Religionsfreiheit zu tuen?


Spontan dürfte die Antwort „Ja“ lauten, denn es ist doch für ein friedliches Miteinander günstig, wenn jeder Bürger seine eigene Religion frei ausüben könne und auch das Recht besitzt, nicht religiös zu sein.

Aber selbst da erhebt Marcel Lefebvre einen Einwand. Es sei ihm hier das Wort gegeben: „Kommen wir nun zu einigen weiteren Gebrechen der Religionsfreiheit,die noch fundamentaler sind. Die Argumentation des Konzils beruht im Grund auf einer falschen,personalistischen Auffassung des Gemeinwohls, das hier auf die Summe der Einzelinteressen reduziert ist, wie man sagt,auf die Respektierung der Rechte der Personen auf Kosten des gemeinsamen Werkes.das zur größeren Ehre Gottes und zum Wohl aller zu vollbringen ist,“ 1

Papst Johannes XXIII wird dann dazu so zitiert: „>Für das heutige Denken<,schreibt er,>beruht das Gemeinwohl vor allem in dem Schutz der Rechte und Pflichten der menschlichen Person>.“2


Das Allgemeine, auf das sich das Ziel des Wohlergehens bezieht, ist nicht die Summe der Privatinteressen der Einzelbürger. Es fehlt nun eine positive Bestimmung des dem Privatbürgers übergeordnetem Allgemeineren. Für den politischen Diskurs im Kontrast zu einem humanistischen ist das das Volk, das sein Leben im Nationalstaat als selbstbewußtes führt. Wenn nun die Rechte des Einzelnen verabsolutiert werden, stellt das eine Gefährdung des Allgemeinwohles dar.

Nur, was hat diese Einsicht mit der Frage der Religionsfreiheit zu tuen? Was soll man sich bei der Formulierung: „des gemeinsamen Werkes.das zur größeren Ehre Gottes und zum Wohl aller zu vollbringen ist,“ denken? Das gemeinsame Werk meint die Religionsausübung, die um des Gemeinwohles willen zu vollbringen ist. Pointiert formulierter: Unser Wohlergehen ist von der rechten Gottesverehrung und dem Ja zur wahren Religion abhängig.

So irritierend dieser Gedanke auch erscheinen mag, wird er doch einsichtig, wenn bedacht wird, daß einerseits Gott der Spender aller guten Gaben ist und daß es ihm andererseits nicht gleichgültig sein kann, ob er gemäß seinem offenbarten Willen geehrt wird oder nicht. Näherliegend ist nun wohl der Gedanke, daß für das Wie des Miteinanders und der Einsicht in die Bereitschaft der Unterordnung des Bürgers unter das Allgemeinwohl die wahre Religion förderlich ist.

Für das Alte Testament ist es eine selbstverständliche Wahrheit, daß das Wohlergehen des jüdischen Volkes abhängig ist von der rechten Gottesverehrung. Kaiser Konstantin förderte die christliche Religion, nicht primär als eine Privatperson, sondern weil er von seinem Beruf her für die rechte Gottesverehrung zuständig war um des Wohlergehens des römischen Volkes.

Ein heute völlig verworfener Gedanke muß aber noch mitbedacht werden: Gott kann auch zürnen, wenn er nicht recht verehrt wird, wobei die rechte Gottesverehrung nicht als reine Privatangelegenheit gemeint ist. Die privaten Sünden straft Gott an dem Einzeltäter, die öffentlichen an dem Volke, dass sie begeht. Das Gericht Gottes über Sodom und Gomorrah war keines über die vielen Privatsünden. Daß das Gemeinwohl nichts mit der rechten Gottesverehrung zu tuen habe, ist ein erst in der Moderne aufgekommender Gedanke, dessen Wahrheit bezweifelt werden kann.


1Marcel Lefebvre, Sie haben ihn entthront, 1988, S.206.

2A.a,O.

Samstag, 25. Juli 2026

Unerhörtes zum Gebet, zur Gebetserhöhung im 1.Johannesbrief

 

Unerhörtes zum Gebet, zur Gebetserhöhung im 1.Johannesbrief



uns was wir bitten,werden wir von Gott empfangen,denn wir halten seine Gebote und tun,was vor ihm wohlgefällig ist.“ (3,20) Der Grund dafür,daß Gott unsere Gebete erhört: daß wir seine Gebote halten. Das „und“ ist dann nicht addidativ sondern explikativ gemeint: das ist, das ihm Wohlgefällige zu tuen.Heißt das nun, daß uns Gott unsere Gebete nicht erhören wird, erfüllen wir diese Bedingung des Haltens seiner Gebote nicht? Das ist damit nicht notwendig mitausgesagt, denn es wird nur ausgesagt, daß wenn wir seine Gebote halten, er uns erhören wird, wohingegen es nicht gewiß ist, daß er unsere Gebete erhören wird, erfüllen wir diese Bedingung der Gesetzesbefolgung nicht.

In 5,14 heißt es nun: „Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen,so hört er uns.“ Das „hört uns“ bedeutet hier: erhört uns. „nach seinem Willen“ bedeutet hier, das Wie und das Worum wir beten. Das Worum meint im 1. Johannesbrief eine Bitte, die dem Gebot des „Liebet einander“ entspricht, das Wie ist nun schwieriger zu bestimmen.Im Jakobusbrief findet sich nun aber diese Erklärung dazu: „Er bitte aber im Glauben und zweifele nicht“. „Ein solcher Mensch denke nicht, daß er von dem Herrn empfangen werde.“ (1,5 und 7) Zweifeln bedeutet hier, nicht sich gewiß sein, ob Gott unsere Gebete erhören will.

Zweierlei ist damit gesagt: Erstens Gott kann und will unsere Gebete erhören und zweitens gibt es Kriterien, ob Gott ein Gebet erhört oder nicht. Welcher Christ, wenn er selbstkritisch sein Beten reflektiert, kann von sich sagen, daß er so betet? Diese Aussagen zur Erhöhung unseres Betens begründen so unsere katholische Gebetspraxis, die Heiligen und isb die Mutter Gottes zu bitten, in unseren Gebetsanliegen eine Fürbitterin zu sein. 

Zusatz:

Franz Diekamp.Katholische Dogmatik,Bd 2, 11/12 Auflage § 47, S.397:

"   1  Maria ist die Mittlerin aller Gnaden.. insofern sie die ganze Welt dem Erlöser gebracht hat.

 2.  insofern sie durch ihre Fürbitte bei Gott allen Menschen die Heilsgnaden zuwenden kann

3 insofern durch Gottes Anordnung seit ihrem in die himmlische Seligkeit kein Mensch irgendeine Heilsgnade empfängt, die sie ihn durch spezielle Fürbitte erwirkt hat."

(verschiedene Gewißheitsgrade) 

Freitag, 24. Juli 2026

Befremdliche Gedanken über: „Christ, genieße nicht!“ und den Neid

 

Befremdliche Gedanken über: „Christ, genieße nicht!“ und den Neid


Weder existiert ein Gebot Gottes noch ein Kirchengebot: „Genieße nicht!“ und der Neid ist eine Sünde, keine lässige. Rückübersetzen wir aber das „Genießen“ in das Lateinische, in „frui“, schon stehen wir in einem komplexen Diskurs über die Differenz von „uti“ =gebrauchen und „frui= genießen, des hl. Augustin, des neben dem hl. Thomas von Aqiun bedeutendsten Kirchenlehrers.

Uti“ bedeutet jede Handlung, oder jedes Objekt, das um eines Zieles, das außerhalb dieser Handlung oder dieses Objektes erstrebt wird, es wird um eines Zweckes willen gebraucht. Zur Veranschaulichung: Ich kaufe ein Buch, um es zu lesen und ich lese es, um mich auf eine Reise vorzubereiten. Das Buch gebrauche ich als einen Reiseführer für die Reise, die Reise zur Erholung. Das sind alles Gebrauchtstätigkeiten bzw Gebrauchsobjekte.

Frui“bedeutet, daß etwas um seiner selbst willen genossen wird, es ein selbstzweckliches Tuen ist oder ein Objekt, das um seiner selbst willen erstrebt wird. Ich kann um des Lesens willen lesen und ein Kunstobjekt um seiner selbst willen genießen.

Der hl. Augustin lehrt nun, daß nur Gott genossen werden dürfe, während alles andere nur zu gebrauchen ist und zwar so, daß es förderlich ist auf den Endzweck des Genießen Gottes hin ausgerichtet. In diesem Gedankengang drängt sich die These auf, daß jedes Genießen von etwas, was nicht Gott ist, von diesem wahren Endzweck wegverführt. In dem asketischen Diskurs fungiert dabei die Sexualität als Vorzugskandidat eines solchen vom wahren Genießen Wegverführens! Deshalb gilt: Die Sexualität dürfe nur zu dem Zweck der Fortpflanzung praktiziert, gebraucht werden und nicht genossen werden. Von Natur aus verheißt nun aber die praktizierte Sexualität einen hohen Lustgewinn, also einen „Hochgenuß“, um die Menschen zur Fortpflanzung zu motivieren. Wäre die Motivation dagegen die Erkenntnis des Verpflichtetseins zum Erhalt der Menschheit einen Beitrag zu leisten, wäre die Menschheit wohl schon lange, trotz Kants Pflichtenethik ausgestorben.

Der hl. Augustin kennt aber nun auch eine Güterlehre, in der Gott als das „summum bonum“, als das „höchste Gut“ expliziert wird: Nur Gott ist gut, ist schön und wahr, und alles andere ist in differenzierten Graden gut, schön und wahr, indem und nur indem es teilhat an dem einzig Wahren, Guten und Schönen. Bildtheoretisch formuliert: Alles in der Welt Gute, Wahre und Schöne ist nur als ein Abbild des Urbildes wahr, gut und schön. Aber in den Abbildern ist nun auch wirklich Gott so präsent, aber in der Differenz von dem Urbild und den Abbildern dieser Dreieinigkeit. Dann wird in allem Schönen die Schönheit Gottes in ihrer Abbildlichkeit genossen und somit ist ein frui von allem Schönen erlaubt. Aber in dem Diskurs der Askese wird genau diese Position Augustins vergessen zugunsten einer Verabsoluierung der uti- frui - Konzeption.

Nur Gott dürfe ein Christ genießen wollen und deswegen dürfe er nichts anderes genießen, schon gar nicht die Sexualität.1 Aber dann müßte auch gelehrt werden, daß jedes Speisegenießen eine Sünde wäre, da jedes Nahrungsmittel nur zu dem Zweck des Lebenserhaltes gebraucht werden dürfte und nicht genossen werden dürfte.

Seit Nitzsches Moralkritik ist der Verdacht nicht mehr aus der Welt exkommunizierbar, daß die Moralvorstellungen vom Neid (mit)geformt sind: „Wenn ich nicht genießen kann, dann soll der Andere nicht genießen dürfen!“ Dem Anderen etwas nicht gönnen können, was mir nicht vergönnt ist, ist das nicht eine der vielfältigen Erscheinungen des Neides? So theologisch berechtigt auch die Lehre von der Unterscheidung von dem Gebrauchen und dem Genießen ist, diese Unterscheidungslehre verführt den Neidischen geradezu, nun allen Genießenden die „Rote Karte“ zu zeigen in der frommen Maskerade, daß jedes Genießen doch nur uns wegverführe von Gott, der allein zu genießen sei.

Eine säkularistische Version dieser Neidaskese : Um der Gesundheit willen habe man auf (fast) alle Genüsse zu verzichten, da jedes Genußmittel die Gesundheit schädigten. Der Tabakgenuß wird so heutzutage verteufelt mit geradezu exorzistischem Eifer und das obzwar wahrscheinlich schon die ersten Menschen rauchten und es genossen haben. Der Mensch braucht Brot, aber er liebt so sehr die Spiele, daß er sie nötig hat. Aber ob es nun die Tradition des Sylvesterfeuerwerkes ist oder jetzt die Fußballweltmeisterschaft der Männer: Muß das sein, ist das nicht eine pure Verschwendung, und wie viele verdienen doch durch solchen Sport wie viel Geld...Hören wir nicht auch hier hinter diesen Masken die Stimme des Neides. „Ich kann kein Feuerwerk genießen, also soll es niemand dürfen!“ „Wenn andere die Fußballweltmeisterschaft begeistert, mich aber nicht, dann darf sie niemanden begeistern!“ „Wenn ich nicht mehr genießen kann, dann darf das niemand, denn das Genießen von den Anderen provoziert meinen Neid auf sie, der ich es nicht kann! Das ist das Ressentiment der Nichtgenießenkönnenden.

Eine Konsumwelt, in der jedem Konsumenten verheißen wird: „Kaufe das und genieße es und Du wirst glücklich sein!“ produziert massenhaft Menschen, die desillusioniert nichts mehr genießen können! So bildet sich ein fruchtbarer Boden für den Neid der Nichtgenießenkönnenden. Genießen können ist eine  zu elernende Fähigkeit.






1Sehr provokant urteilt Slavoj Zizek (Die Tücke des Subjekts, 2001, S.115f Fußnote 18: „Das übliche Argument der katholischen Kirche gegen die Empfängnisverhütung (dem zuolge jeder Sex, der vom höheren Ziel der Fortpflanzung abgekoppelt ist, auf ein tierisches Unzuchttreiben reduziert wird) verfehlt demnach offenkundig das Entscheidende: Ist es nicht gerade der Sex, der sich der Zeugung von Nachkommen widmet- also der biologischen Fortpflanzung- der tierisch ist? Ist es nicht spezifisch menschlich, dass sich die sexuelle Aktivität von ihrem >natülichen< Ziel ablösen kann und zum Selbstzweck wird?“ Jeder Befürworter einer natürlichen Empfängnisverhütung bejaht Zizek.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Jeder ist dafür: Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit – oder gibt es da Fragen?

 

Jeder ist dafür: Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit – oder?


Einen Bruder oder eine Schwester kann es doch nur geben, wenn es auch einen Nichtbruder und eine Nichtschwester gibt, eingedenk der Einsicht: omnes determinatio est negatio.Die Ermöglichungsbedingung von Verwandtschaftsbeziehungen ist, daß es Nichtverwandte gibt. Wen grenzt auch die Brüderlichkeit bzw die Geschwisterlichkeit aus? Diese Frage ist sozusagen die Nachtseite von der Rede von der Brüderlichkeit bzw Geschwisterlichkeit.

3 Konzeptionen existieren: a) durch die Geburt werden uns bestimmte Menschen zu Brüdern oder Schwestern; sie erwählt man sich nicht, sondern sie sind es objektiv, vorgegeben, gleichgültig wie man sich ihnen gegenüber verhält. Aber es existieren normative Vorstellungen darüber, wie man sich zu seinen Geschwistern zu verhalten habe und wie nicht. Menschen können sich also nicht nur unmenschlich sondern auch ungeschwisterlich verhalten und b) kann damit eine freundschaftliche Beziehung zu Nichverwandten gemeint sein: Sie verhalten sich dann zueinander wie es der normativ der Geschwisterlichkeit entspricht und c) meint es eine Gesinnungs-gemeinschaft: Alle, die selbe Gesinnung,bzw Weltanschauung oder Religion teilen, sind Geschwister, die sich untereinander so verhalten, wie es der Norm der Verwandtschaftsbeziehung der Geschwisterlichkeit entspricht.


Nur die Geschwisterschaft im verwandtschaftlichen Sinne ist eine objektive Gegebenheit, alle anderen bezeichnen eine Normativität des Wie Miteinanderumgehens. „Ein Bruder oder eine Schwester bist Du mir nur, wenn Du dieser Norm gerecht wirst!“ Die Nachtseite dieser Aussage lautet deswegen im realen Leben so: „Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!“ Die Französische Revolution proklamierte die Brüderlichkeit und guillotinierte zu Hauff die Nichtbrüder, die Kritiker der Revolution.


Könnte es sein, daß die Norm der Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit in Nichtverwandtschaftsbeziehungen dazu führt, wenn diese Norm nicht erfüllt wird, den Bruder und die Schwester zum Nichtbruder und zur Nichtschwester zu erklären, die dann gar als Feinde behandelt werden? Der Gesinnungsgenosse von Gestern könnte morgen so zum Verräter und Feind werden, der Glaubensbruder zum Ketzer, der brüderliche Freund zum persönlichen Feind. Die ursprüngliche Geschwisterlichkeit als eine Verwandtschaftsbeziehung suggeriert nun dabei, daß solche Enttäuschungen nicht zu befürchten seien, da sie doch etwas Objektives bezeichnen, das nicht durch ein Fehlverhalten negiert werden könne: Freunde oder Glaubensbrüder oder Glaubensschwestern oder Gesinnngs-genossen können nicht so enttäuschen, indem sie gegen die Normativität der Geschwisterlichkeit verstoßen, da diese Normativität doch etwas Objektives sein soll daß eben sich Verwandte von Natur aus brüderlich, geschwisterlich verhielten und dies für sie nicht in erster Linie nur eine Norm sei.

Ein leiblicher Bruder bleibt ein Bruder,wenn er sich unbrüderlich verhält, der Gesinnungsbruder wird dagegen dann zum Feind. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

 

Offenbart Gott uns noch etwas oder mißfällt das Offenbarte, sodaß es wegtheologisiert wird?


KI informiert über das „instruktionstheoretische Offenbarungs-verständnis“.1 Dieses Verständnis „betrachtet göttliche Offenbarung primär als Belehrung und Mitteilung von Glaubenswahrheiten. Gott teilt sich hierbei nicht direkt als Person mit, sondern instruiert den Menschen durch Satzsätze, Dogmen und Gebote, die unhinterfragt aufgrund der göttlichen Autorität geglaubt werden müssen.

Dieser Ansatz war über Jahrhunderte in der katholischen Theologie vorherrschend und wurde insbesondere auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869–1870) vertreten.“

Auch wenn in diesem KI-Beitrag eine hyperkritische Tendenz unüberlesbar ist, so ist das doch eine treffende Darlegung dieses Offenbarungsverständnisses, das so schon prägend ist für die hl.Schrift und dann in der theologischen Reflexion so begriffen wurde.Wenn Propheten im Auftrage Gottes sein zukünftiges Handeln voraussagten, dann beansprucht eine solche Prophetie allein aus der Autorität Gottes ihre Wahrheit. Das gilt isb auch für die Johannesoffenbarung. Gott als der oberste Gesetzgeber ist so aber auch der Grund der Wahrheit der uns offenbarten Gesetze. Nicht „unhinterfragt“ sondern wegen der Einsicht in Gottes Autorität wird das von ihm Offenbarte also geglaubt. Gottes Gebote sind wahr, weil er der Gesetzgeber schlechthin ist, Gott ist der Herr der Geschichte,und deswegen wird das von ihm uns durch Propheten Vorausangekündigte auch geschehen.

Jesu Haupttätigkeit war die des Lehrens, und so gab es eine Lehre Jesu, als Genetivus subjectivus und nachösterlich eine Lehre über ihn, als Genetivus objectivus,die schon das Neue Testament bezeugt. Aber genau diese Lehrtätigkeit Jesu Christi gerät nun in das Fadenkreuz der Kritik der Konzeption der „ Selbstmitteilung Gottesals der Antithese zu diesem instruktionstheoretischen Offenbarungsverständnisses.

Erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) und dessen Dokument Dei Verbum fand ein Paradigmenwechsel statt. Die Kirche wandte sich vom instruktionstheoretischen Modell ab und hin zum Modell der Selbstmitteilung Gottes. Hierbei steht nicht die Belehrung durch Lehrsätze im Vordergrund, sondern die personale Begegnung und die lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Die „personale Begegnung“ meint nun nichts anderes als die „lebenslange Erfahrung der liebenden Zuwendung Gottes in Jesus Christus.“ Das „und“ ist hier als ein explikatives zu lesen, im Sinne von: „das ist...“

Der Gehalt ist einzig der des Geliebtwerdens, des Bejahtwerdens durch Gott in der Begegnung mit Jesus. Im Hintergrund steht ein humanistisches Begegnungsverständnis der gelungenen Begegnung:

Ich bin in Ordnung und Du bist in Ordnung!“ Drei mißlingende Begegnungsschemata stehen dem gegenüber: erstens das hysterische: „Ich bin in Ordnung, Du aber nicht!“, das depressive: „Ich bin nicht in Ordnung, Du aber bist es!“ und das verfehlteste: „Ich bin nicht in Ordnung und Du bist nicht in Ordnung!“

Als gelungen gilt dann nur das Schema der Anerkennung: „ Du und ich sind in Ordnung!“ Genau das ereigne sich nun in Gottes Selbstmitteilung in Jesu. Die ganze Morallehre der Kirche sei also aus dieser Begegnung zu deduzieren, und alle Gebote Gottes und Kirchengebote können dann nur noch eine Geltung beanspruchen, wenn sie kompatibel sind mit der Zuwendungserfahrung des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott.

Gott gibt uns so keine Gebote, er offenbart uns nur sein Liebesein und schon gar nicht kündigt er uns prophetisch Zukünftiges voraus. Die Johannesoffenbarung wie auch alle apokalyptischen Texte der Bibel sind so nur religiöse Phantasieprodukte und keinesfalls gründen sie in einer Offenbarung Gottes.

Auch die Lehrtätigkeit Jesu, schon gar nicht seine Kontroversen mit seinen Berufskollegen, den pharisäischen Gesetzeslehrern gehören so zum Eigentlichen Jesu: Er konzentrierte sich eben darauf, in seinen Begegnungen seine/Gottes Liebe zu jedem unmittelbar erleb- und erfahrbar zu machen! „Ich habe Euch doch alle lieb!“

Diese Konstruktion der gelungenen Begegnung ist nun offenkundig ein Produkt der Philosophie des Personalismus und hat mit der Denkwelt der Bibel und der auf sie fußenden Theologie wenig gemein, aber gehört in das Archiv des Liberalismus, gerade in seiner Abneigung gegen alles Dogmatische und Systematische: Nur der Einzelne und das Einzelereignis zähle, alles andere sind intellektualistische Konstruktionen, denen keine Realität zukäme- das Credo des Nominalismus.

Und wozu dient dieser personalistische Reduktionismus? So kann man sich die ganze Lehre der Kirche, die dogmatische wie die moraltheologische vom Halse schaffen und substiuieren durch einen Humanitarismus, basierend auf dem Credo des Bejahtseins jedes Menschen durch Gott. 

Zusätze

Ein Lehrer- Schüler Verhältnis ist kein persönlich personales sondern ein sozial regulierte der Ordnung des schulischen Unterrichtens. Jesus war zuvördest ein Lehrer, er agiert aber auch als ein Amtsinhaber, als Messias und nicht als eine Privatperson. Seine Berufung bestand darin, sich priesterlich als das Sühnopfer am Kreuze darzubringen: das hat nichts zu tuen mit einer "persönlichen Begegnung". Zudem gilt, daß die Begegnung im emphatischen Sinne ihren Sitz im Leben im Genre des Liebesfilmes hat, wo zwei sich in einem Augenblick als füreinander Bestimmte erkennen, filmästhetisch brillant inszeniert in der 1.Folge von "Sturm der Liebe", zwischen Laura und Alexander.  



1Aufgerufen bei KI unter diesem Stichwort. Nach meinen bescheidenen Erfahrungen mit KI : Was ich da finde, zeichnet sich durch eine gute Qualität aus.

Dienstag, 21. Juli 2026

„Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“

 

Zur Vielfalt befreit: Offenheit und Toleranz als normativer Anspruch“


Der Moraltheologe Sautermeister hielt diesen Vortrag auf eine Einladung der „Katholischen Akademie Freiburg“ im Jahre 2024 und er ist unter diesem Titel auch leicht im Internet auffindbar. Gleich am Anfang seines Vortrages erklärte dieser Theologe, daß die Normativität von Offenheit und Toleranz nicht (mehr) eigens zu begründen sei, da sie sich selbstverständlich aus der christlichen Religion, der Theologie und isb der Moral- und Soziallehre ergäbe. So sei nur noch die Frage, was uns behindere, diesem normativen Anspruch zu genügen, zu erörtern! Er lieferte dann einen politisch korrekten Vortrag, der nicht erörterungsbedürftig ist.

Statt nun gleich auf einer theoretisch abstrakten Ebene diesen normativen Anspruch zu kritisieren,möchte ich ein paar einfache Anschauungsbeispiele vorführen, die diesen normativen Anspruch zweifelhaft erscheinen lassen.

Ist eine Ehefrau verpflichtet, die Seitensprünge ihres Mannes zu tolerieren und offen zu sein für ein Eheverständnis, das ein Recht auf ein Fremdgehen inkludiert? Müßte dann nicht auch unterschieden werden, ob eine Frau prinzipiell es toleriert, wenn ein Mann so ein liberales Eheverständnis bejaht, aber es nicht toleriert, wenn ihr Ehemann das dann so praktiziert? Gibt es so eine Differenz zwischen etwas prinzipiell Tolerierbaren, daß aber dann von einer bestimmten Person als für sie nicht mehr tolerierbar markiert wird?

Was würde wohl die Hörerschaft dieses Vortrages sagen, erklärte ein Familienvater,daß er die Prügelstrafe für ein adäquates Mittel seiner Kindererziehung erachtet und eine Tolerierung einfordert von den Verneinern dieser Strafpädagogik?

Spätestens hier wird klar, daß es einer Unterscheidung bedarf einerseits zwischen bestimmten Personen nicht Tolerierbarem, etwa, daß ein Gast in seiner Wohnung raucht,obzwar der Einlader ein strikter Nichtraucher ist und Handlungen, die prinzipiell nicht tolerierbar sind, etwa die Prügelstrafe für Kinder. Ganz auf die Unterscheidung von Tolerierbarem und Untolerierbarem zu verzichten, ist auf jeden Fall mit dem Gebot der Nächstenliebe unvereinbar!


Es gibt Bereiche, in denen klar gewußt wird, was wahr und was unwahr ist. Im Rechenunterricht wird so die Antwort „13 „oder „11“ nicht als Antwort auf die Lehrerfrage: „Was ist 5 plus 7?“ toleriert. Nur in den Bereichen, in denen nicht eine wahre Aussage von einer falschen unterscheidbar ist, kann berechtigt Toleranz und Offenheit praktiziert werden. So ist weder die Existenz noch die Nichtexistenz von von Nichtirdischen geflogener UFOs beweisbar und so ist sowohl der Glaube wie auch der Unglaube an UFOs zu tolerieren.


Wie steht es nun aber, wenn die kirchliche Morallehre bestimmte Handlungen als unmoralisch und als nicht tolerierbar beurteilt? Hier herrscht weitestgehend die Meinung vor, daß das nur eine Kirchenmeinung sei, die man bejahen oder auch verneinen könne. Im Bereich der Religionen und Weltanschauungen gäbe es keine Kriteriologie des Unterscheidenkönnens von wahr und falsch, sodaß jede Religion und jede Weltanschauung zu tolerieren sei. Damit muß sich jeder Gläubige, jeder Anhänger einer Religion und Weltanschauung sich zerspalten in ein gläubiges Subjekt, das ist eine, das seine Religion für wahr hält und in ein Subjekt innerhalb der pluralistisch strukturierten Gesellschaft, die jede Religion und Weltanschauung als gleich wahr anerkennt. Das heißt faktisch, daß er seinen Glauben für gleichgültig erklärt. Mit Slavoj Zizek gesagt: Für ihn ist seine Religion ein Kulturgut, das er praktiziert, ohne an sie selbst noch zu glauben.

Die Alternative wäre der Kampf aller Religionen und Weltanschauungen widereinander, da keine, nicht nur nach dem Urteil Max Webers ihren Wahrheitsgehalt verifizieren könne. Die Postmoderne offeriert dazu das Konzept der Vergleichgültigung aller Wahrheitsansprüche, die dann aber jeden Glauben an eine erkannte, weil gar offenbarte Wahrheit ausschließt und so als nicht tolerierbar reprobiert.


Nun ist der Diskurs des Unterscheidens von dem Tolerierbarem und dem Nichttolerierbarem kein herrschaftsfreier Diskurs im Sinne J. Habermas, sondern ein durch den Willen zur Macht (Nietzsche) geformter. Wer die Macht innehat, bestimmt, was wahr und unwahr, was tolerierbar und was untolerierbar ist. Die politische Korrektheit und der Kampf gegen Rechts zeigen, wie die Macht das Sag- und Nichtmehrsagbare definiert. So ist es jetzt unvorstellbar geworden, daß an einer österreichischen oder deutschen Universität ein Vortrag stattfinden könnte, in der der Vortragende die Lehre der Kirche in der Causa der Homosexualität bejahend vortragen könnte: Er würde einfach niedergebrüllt. Das Faustrecht ersetzt den Wahrheitsdiskurs. Das Verbietenwollen nichtkonformistischer politischer Meinungen gehört heute eben zu den Selbstverständlichkeiten des politischen Diskurses.


Es müßten also diese Unterscheidungen in dieser Causa getroffen werden: Erstens müssen die Räume unterschieden werden, in denen wahre von unwahren Aussagen unterschieden werden können,(etwa die Mathematik) von denen, in denen solche Unterscheidungen nicht treffbar sind, dazu zählt heute die Welt der Religionen und die der Weltanschauungen.

Dann müßte in den Privaträumen unterschieden werden, was zwar prinzipiell tolerierbar aber nicht für jeden tolerierbar ist.

Im politischen Raum dagegen gilt es, den Machtkampf wahrzunehmen, daß hier ausgekämpft wird, was als wahr und was als unwahr und nicht mehr tolerierbar festgesetzt wird. Seit dem Ende des Real existierenden Sozialismus 1989f behauptet sich der Liberalismus als einzig wahre Ideologie, die nun aber im Islamismus und noch mehr in der „Rechten“ ihren zu bekämpfenden Feind sieht. Der „Feind“ (Carl Schmitt) ist der Nichttolerierbare- der Liberalismus hat eben dazu gelernt. Die Kirche macht sich diese Feinderklärung mustergültig zu eigen: Wer und was ist auszugrenzen aus dem Diskurs, wer und was ist intolerabel! 

Corollarium

Im Alten Testament wird die Beziehung Gottes zu dem Volke Israel als ein Ehebund gedacht: Jedes Fremdgehen wird als die Sünde Israels qualiiziert.Von einer Tolerierung solcher Ehebrüche ist keine Spur erkennbar. Seit dem sich der Monotheismus in Israel durchsetzte, im babylonischen Exil werden alle Religionen als Götzenverehrung verurteilt, nur die Jahwereligion ist wahr. Eine Toleranz oder Offenheit anderen Religionen gegenüber ist hier unvorstellbar.

Im Neuen Testament: Jesus Christus bezeichnet sich selbst als die einzige Wahrheit. Den Juden, die ihn nicht als den Sohn Gottes und ihren Messias anerkennen,wirft er ihren Unglauben vor, nirgends wird das jüdische Nein zu ihm toleriert! Der Apostelfürst Paulus polemisiert gegen seine christlich-gnostischen Kritiker in den 2 Korintherbriefen: Von einer Toleranz ist da nichts spürbar, obschon es ein innerchristlicher Konflikt über die Weise der Vorstellung über das ewigen Lebens war. Die heidnischen Religionen werden stets nur negativ beurteilt, ja ihren Anhängern droht gar die ewige Verdamnis, wenn sie sich nicht zu Christus bekehren. Ist das tolerant?  




Montag, 20. Juli 2026

„Kein Rechtsanspruch auf Kinder“ - oder ein bunter Strauß von Absurditäten

 

Kein Rechtsanspruch auf Kinder“1 - oder ein bunter Strauß von Absurditäten


Der Moraltheologe Sautermeister verblüfft in diesem Domradiobeitrag uns alle:„In religiöser Deutung kommt darin die existenzielle Erfahrung zum Ausdruck, dass wir das Leben eines Menschen nicht machen können, dass Kinder verdankt sind und gerade nicht das Ergebnis eigener Leistung sind.“ 


Dabei hatte ich bisher in meiner Unaufgeklärtheit doch tatsächlich geglaubt, daß Menschen durch einen Geschlechtsakt entstünden, den ein Mann und eine Frau vollzögen und der so etwas von Menschen Gemachtes sei! Oder sollte dieser Moraltheologe damit an das Faktum erinnern wollen, daß die Seele nicht aus dem Geschlechtsakt entsteht, sondern unmittelbar von Gott erschaffen in den menschlichen Leib, der sich einem Geschlechtsakt verdankt, inkarniert wird? Aber ganz ohne eine menschliche Leistung entsteht kein Mensch, es bedarf dazu des Geschlechtsaktes, der von einem impotenten Mann nicht erfolgreich vollzogen werden kann und darum eine menschliche Leistung ist. Aber ein Moraltheologe sieht das eben anders.

Aber es geht hier ja um die Begründung des kirchlichen Neins zur Leihmuttershaft. Das erste Gebot: „Seid fruchtbar, mehret Euch!“, das einer den Ansprüchen einer moraltheologischen Ansprüchen genügenden Darlegung dieser Causa zu grundegelegt werden müßte, vergißt dieser Theologe,wie wohl die allermeisten. Was hätte den die theologische Morallehre mit den Geboten Gottes zu schaffen! Das wäre wohl ein vorkonziliares auf Gottes Willen fixiertes Moralverständnis!


5 Gründe sprächen wider die Erlaubtheit einer Leihmutterschaft!

Das Kind wird in besonders ausgeprägter Weise zum Objekt eines Kinder-wunsches“, heißt es da wirklich. Eine Frau wünscht sich ein Kind. Damit nimmt das gewünschte Kind den Status eines Objektes an, eines Akkusativobjektes. Es ist für jede Mutter unmöglich, eine Beziehung zu ihrem Kind zu haben, ohne daß es ihr zu einem Objekt wird. In der mütterlichen Liebe wird denknotwendig ihr Kind zu einem Objekt: „Ich liebe Dich, mein Kind!“

Um ein Kind zu bekommen, will eine Frau schwanger werden. Aber damit instrumentalisiere sie die Schwangerschaft! Um den Kinderwunsch sich zu erfüllen würden „gezielt Bedingungen einer Schwangerschaft geschaffen werden, die die für die Entwicklung eines Menschen wichtige pränatale Beziehung zur Mutter wissentlich und willentlich rein instrumentell konstelliert..“

Daß die ersten Monate im Mutterleibe für ein Kind bedeutsam sind, kann nicht bestritten werden. Aber: Was ist, wenn nun eine Mutter ob der Diagnose, ihr Kind wird geistig behindert zur Welt kommen und sie erklärt, ein solches Kind überfordere sie, und es dann nicht töten läßt sondern nach der Geburt zur Adoption freigibt, ist das dann eine unerlaubte Instrumentalisierung der Schwangerschaft, sollte sie das Kind dann besser abtreiben lassen? Es ist leicht, die Idealbedingungen für die Geburt und die Kindschaft zu konstruieren, aber es ist zu fragen, ob Kinder auch dann gewünscht und erzeugt werden dürfen, wenn die Idealbedingungen nicht vorliegen. Darf eine Mutter ihr Kind zur Welt bringen,und es dann zur Adoption freizugeben, da sie ihr Kind nicht töten lassen wollte, aber glaubte, ihm keine gute Mutter sein zu können?

Daß die Leihmutterschaft von der Bibel bejaht wird, obschon das keine Idealbedingung für das Kind ist, zeigt, daß die Bibel hier ganz anders urteilt.

Das zweite Argument wiederholt nur das erste: Die Frau, die ihren Körper für die Schwangerschaft zur Verfügung stellt, wird in einer existenziell-leiblichen Weise so instrumentalisiert, dass dies auch Auswirkungen auf die vorgeburtliche Beziehung zwischen Mutter und Kind hat, im Wissen darum, dass Dritte dieses Kind dann als deren Kind rechtlich und sozial annehmen werden.“ Es wird konstatiert, daß eine Leihmutterschaft nicht ideal für ein Kind ist, aber ist das ein hinreichender Grund dafür, daß es nicht entstehen kann? 

Zudem ist auf den Mißbrauch des Begriffes der Instrumentalisierung hinzuweisen: In einer Dienstleistungsgesellschaft ist es eine selbstverständliche Praxis, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen für eine Bezahlung. Ich instrumentalisiere nicht einen Friseur zum Mirhaareschneiden, wenn ich ihn dafür bezahle. Allein die Frage, ob die Dienstleistung moralisch und rechtlich erlaubt ist, ist relevant, aber eine Bezahlung instrumentalisiert den Dienstleistenden nicht: Es ist einfach ein Geschäft!

Drittens: Die Leihmutterschaft birgt faktisch die große Gefahr der Ausbeutung von Frauen und der Kommerzialisierung von Schwangerschaft; sie würde eine vertragliche Regelung des Umgangs der Leihmutter mit sich selbst und dem Embryo erfordern, die moralisch nicht statthaft ist.“

Leider ist hier die Tatsache völlig vergessen worden, daß in einer modernen Gesellschaft jeder, sofern er nicht reich ist, genötigt ist, seine Arbeitskraft zu verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf dem freien Arbeitsmarkt wird eben die menschliche Arbeitskraft gehandelt wie eine Ware. Daß ein Arbeitsvertrag einer Leihmutterschaft wirklich sittenwidrig ist,müßte erst bewiesen werden, statt es einfach zu behaupten. Wäre dann die einstige Praxis des Adels, ihre Kinder durch eine Amme stillen zu lassen für eine Bezahlung auch sittenwidrig, da es für das Kindeswohl besser wäre, von der eigenen Mutter gestillt zu werden? (Es spricht aber einiges dafür, daß diese Praxis den Niedergang des Adels beförderte.)

Viertens: Kinder dürfen nicht zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen gemacht und somit zu einem Vertragsobjekt werden.“ Das ist Unsinn, denn bei jeder Adoption wird ein Kind ein Vertragsobjekt, auch bei jeder gerichtlich festgesetzten Zahlungsverpflichtung des Vaters in Folge einer Ehescheidung.  

Fünftens: Die Praxis der Leihmutterschaft schafft mit der vorgeburtlichen Entwicklung des Kindes gezielt Bedingungen und nimmt, um der Realisierung des Kinderwunsches willen, besondere Herausforderungen für die Identitätsentwicklung und Identitätsbildung des Kindes in Kauf.“

Wenn ein Kind nicht unter Idealbedingungen geboren und aufwachsen kann, ist das ein Argument dafür, daß es nicht sein darf? Die Bibel sagt: Onan war verpflichtet,der Witwe ein Kind zu machen für seinen verstorbenen Verwandten und dieses Kind hätte dann ohne einen wirklichen Vater groß werden sollen, denn es galt als das Kind des Verstorbenen und nicht als das seinige. Das sind wahrlich keine guten Conditionen für dies Kind, aber so verlangte es das Gesetz Mose. Onan hätte hier als ein Leihvater, als Nursamenspender zu fungieren!Nicht vergessen: Gott tötete Onan, weil er kein Nursamenspender sein wollte!



Die völlige Bibel- und Gottvergessenheit der Moraltheologie ist schon frappierend!

1 Domradio 18.7.2026.

Sonntag, 19. Juli 2026

Leihmutterschaft – ein Skandal

 

Leihmutterschaft – ein Skandal




Zuvor hatte Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) eine neue Debatte über Leihmutterschaft ausgelöst. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten mitgeteilt, dass sie beide Eltern geworden seien. Der Sohn mit Namen Georg kam demnach in den USA zur Welt und wurde von einer Leihmutter geboren.“1

Das war nun der Anlaß zu einer sehr lebhaften Debatte über die Frage der Leihmutterschaft,die sich nicht gerade durch ihre Sachlichkeit vortat. Ein großes Kompliment muß ich deswegen einem auf „Communio“ veröffentlichten Leserkommentar machen, in dem aus moraltheologischer Perspektive die richtigen Fragen zu dieser Causa gestellt wurden:2

Zwei provokannte, nicht rhetorisch gemeinte Fragen: Wenn nach dem Alten Testament eine Ehe kinderlos blieb, hatte die Ehefrau die Pflicht, dem Mann eine Frau zu geben, deren Kind, wenn sie von dem Ehemann schwanger wurde als ein legitimes Kind der Ehe angesehen wurde.Ist das nicht eine Leihmutterschaft Onan mußte, als die Ehe eines Verwandten kinderlos blieb zur Witwe gehen, mit ihr ein Kind zeugen, das dann nicht als sein Kind gelten sollte sondern als das des Verstorbenen. War Onan so nur ein Samenspender oder wirklich ein Ehemann der Witwe?“

Diese wirklich provokanten Fragen können nicht respondiert werden, wenn dabei von dem ersten Gebot, das Gott uns Menschen gab, abstrahiert wird: „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ Im Alten Testament wird nun die Frage erörtert, wie dieses erste Gebot zu halten ist, wenn die Bedingung,daß nur ehelich der Mensch sich fortpflanzen dürfe, nicht eingehalten werden kann. Dabei erhält die Ehe den Status einer Ausführungsbestimmung dieses Gebotes, die dem Zweck der Fortpflanzung subordiniert ist.

Die Kinder Adams und Evas konnten keine Ehe schließen, da alle Menschen leibliche Geschwister waren und eine Inzestehe verboten war. Hätten sich alle Geschwister an dieses Gebot gehalten, wäre die Menschheit mit dem Tode dieser Adams- und Evakinder ausgestorben. Da Gott aber nicht den Tod des Menschen wollte, erlaubte er den Inzest. Das ist für die Moraltheologie ein Ärgernis schlimmster Art, aber Gott ist so sehr ein das Leben Liebender,daß, wie es der hl. Augustin rechtens erfaßte: „Am Anfang war der Inzest!“, er das scheinbar Widermoralische erlaubte. Wie die Kirche das Gebot: „Du darfst nicht töten!“ bejaht und doch das Töten im Kriege in einem gerechten Kriege wie in einer Notwehrsituation erlaubt, wenn nur durch das Töten des Angreifers der Angegriffene sein Leben retten kann. Dem ersten Gebot wird so über die Ausführungsbestimmung gestellt: Wenn eine Eheschließung unmöglich war wurde der Inzest gar erlaubt als eine „Inzestehe“.

Die Bestimmung Mose, daß im Falle der Kinderlosigkeit einer Ehe die Ehefrau ihrem Ehemann eine Frau zu geben hätte, damit er sie schwängere,und daß dann dies Kind als Kind der Ehe gälte, ist ein eindeutiger Fall einer Leihmutterschaft. Besonders problematisch ist dabei, daß die Ehefrau einer ihr Subordinierten, einer ihrer Mägde befehlen konnte, an ihrer statt ein Kind von ihrem Ehemann zu empfangen! Nicht heiratete der Ehemann dabei die Magd seiner Ehefrau, damit das Kind nicht als Kind der Magd gälte.

Wenn die Kirche eine Leimutterschaft prinzipiell verurteilt, stellt sie sich gegen die Morallehre der hl. Schrift, indem sie die Subordiniertheit der Ehe als einer Ausführungsbestimmung des ersten Gebotes dabei mißachtet.

Die Causa des Onan ist nun komplizierter: Ursprünglich war gemeint, daß ein Nahverwandter dann mit der Witwe der kinderlos gebliebenen Witwe ein Kind zu erzeugen habe, damit der verstorbene Ehemann so posthum noch ein legitimes Kind erhielte. Zu Zeiten Jesu wurde dieser Fall so gedeutet, als wenn der Nahverwandte die Witwe zu ehelichen hätte, aber das widerspricht der Intention, daß das so erzeugte Kind nicht als ein legitimes Kind dieser Beziehung angesehen werden sollte sondern als ein Kind des Verstorbenen. Aber mit einer Nichtverheirateten ein Kind zu erzeugen, wurde zu Zeiten Jesu als ein Problem angesehen.

Onan fungierte so tatsächlich als ein Samenspender für die Witwe, er diente dabei als ein Ersatz für den verstorbenen Ehemann. Onan wollte kein Samenspender sein und deswegen machte er sich durch eine Selbstbefriedigung zeitlich befristet zeugungsunfähig, wenn er zu der Witwe zu gehen hatte, um mit ihr ein Kind zu erzeugen. Gottes Urteil über diese Verweigerung fällt erschreckend eindeutig aus: Gott bestrafte Onan mit dem Tode!

Es muß so angefragt werden: Mit welchem Recht stellt sich die Morallehre der Kirche so eindeutig gegen die in der hl. Schrift bezeugte Morallehre, in der die Ehe dem ersten Gebot gegenüber als subordiniert gilt und deswegen auch in ihrer Geltung relativiert werden darf?

Es gilt aber, daß nur dann eine Leihmutterschaft oder eine Leihvaterschaft erlaubbar ist, wenn eine Erzeugung von Kindern in der Ehe unmöglich ist! In dem Communioartikel: „Keine Schönfärberei“ wird nun behauptet:Es gibt – starker Kinderwunsch hin oder her – kein Recht auf ein Kind. Wohl aber gibt es zumindest aus theologisch-ethischer Perspektive ein legitimes Recht des Kindes, von einem Vater und einer Mutter abzustammen, die es kennt und die menschlich-personal, möglichst in Ehe und Familie, miteinander verbunden sind.“

Das ist sachlich einfach falsch! Erstens wird hier vergessen, daß es in erster Linie um das erste Gebot Gottes geht und nicht in erster Linie um ein menschliches Recht! Das Recht, von Eltern abzustammen, die das Kind kenne, kennt die Bibel überhaupt nicht und Onans Geschick beweist das Gegenteil. Im Hintergrund dieses Fehlurteiles steht die Philosophie des Personalismus3 und nicht eine theologisch- ethische Perspektive, denn die müßte sich an den Geboten Gottes orientieren!



In der aktuellen Debatte wird aber auch viel Unsinn geredet! Ich beschreite nun einen kleinen Umweg, da die moralistische Aufgeladenheit dieser Causa ein klares Durchdenken oft verhindert. Was hielte man von dieser Verschwörungstheorie: Geldgierige Friseure verlangen viel Geld, weltweit und von Frauen mehr als von Männern, welch eine Diskriminierung der Frau, damit sie Haare schneiden: Nicht aus Liebe zu einem eines Haarschnittes Bedürftigen sondern um des Profites willen schneiden sie die Haare! Oder, Menschen nötigen des Gelderwerbes Bedürftige, ihnen die Haare zu frisieren? Das ist purer Unsinn. In einer Gelderwerbswirtschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Kunden für für sie erbrachte Dienstleistungen bezahlen. Diskussionswürdig ist allein die Frage, ob einer erbrachte Dienstleistung moralisch erlaubt und ob sie strafrechtlich verboten ist. In einem Rechtsstaat ist allein die Frage der rechtlichen Verbotenheit relevant, die Moral ist (leider aus katholischer Sicht) reine Privatsache!

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten, das ist eindeutig. Aber ebenso eindeutig ist es, daß die Moraltheologie unter bestimmten Bedingungen eine Leihmutterschaft wie die einer Leihvaterschaft ob des ersten Gebotes Gottes zu erlauben hat. Eine Kirche, die beides für alle Fälle verbietet, handelt lebensfeindlich, Menschenleben verneinend- ein Phänomen dekadenter Zeiten!

1 Spahn-Debatte Lob-Hüdepohl: Leihmutterschaft wird zunehmend kritisch gesehen, Kath de 17.7.2026.


2Communio, 16.7.2026, Erstveröffentlichung 28.4.2026. Keine Schönfarberei- was für das Verbot der Leihmuterschaft spricht.

3Dies Implantat aus der Philosophie wirkt sich leider in vielen Bereichen der Moraltheologie fatal aus, isb da dem Personalismus ein Begreifen des Gemeinwohles ob der Verabsolutierung des egozentrischen Ichmenschen unmöglich ist.